Der Flug mit einem etwas älteren A330-300 von Istanbul nach Hamburg dauerte netto etwa zweieinhalt Stunden und war ohne nennenswerte Erlebnisse. Der Vogel flog sehr ruhig, allerdings merkte man in der Kabine anhand des älteren Entertainment-Systems (bei mir war die Bedienungseinheit defekt, und der Touchscreen reagierte auch nicht so gut), dass das Flugzeug schon etwas älter war, als die A350, mit denen wir insgesamt dreimal geflogen sind. Immerhin gab es noch ein zweites Frühstück.
A330-300 nach der Landung in Hamburg-Fuhlsbüttel
Nach der Landung in Hamburg-Fuhlsbüttel begaben wir uns durch die Passkontrolle zum Baggage-Claim. Es dauerte ungewöhnlich lange, bis wir alle unser Gepäck wiederhatten. Danach gingen wir zur S-Bahn-Station und fuhren zum Hauptbahnhof.
Mein ICE nach Osnabrück ging ab 12.45 Uhr von Gleis 14, der Metronom meiner Schwester und des Freundes meines Neffen, die beide im selben Ort wohnen, zehn Minuten früher von Gleis 13. Ich hatte noch genug Zeit, mir bei „Franz & Friends“ zwei Franzbrötchen und ne Flasche Wasser für die Heimfahrt zu kaufen.
Am Gleis verabschiedete ich mich von den zwei verbliebenen Mitglieder der zwischenzeitlich 7-köpfigen Reisegruppe. Mein Zug kam mit fünf Minuten Verspätung, war aber dann pünktlich in Osnabrück. Ohne Reservierung war es kein Problem, einen Sitzplatz zu finden, die Fahrt war also rundum kein Problem.
Osnabrück begrüßte mich mit einem Regenschauer und einem Warnstreik der Busfahrer. Draußen an den Bushaltestellen sah ich auf einem Display keinen einzigen Metrobus angekündigt; ich fahre gerne mit der M2 nachhause. Ich nahm den erstbesten Bus erst einmal bis zum Neumarkt, um mich da neu zu orientieren. Als ich da auch keine Optionen, bald nachhause zu kommen, sah, nahm ich mir ein Taxi. Mehrere davon lauerten in der Nähe auf Kunden, die dasselbe Problem hatten wie ich.
Das Taxi kostete 17,50 Euro, ich bezahlte inkl. Trinkgeld 20 Euro. Das entspricht ungefähr 500.000 VND. Damit kann man, wenn man sparsam ist, in Da Nang auf der Straße, von ein Banh Mì 20.000 VND und ein Kaffee 15.000 VND kosten, bis zu fünf Tage essen und trinken, ohne selbst zu kochen. Oder zwei Stunden mit ein Grab unterwegs sein.
Aber egal… ich war kurz nach 15.00 Uhr zuhause. In Saigon waren wir um etwa 18.00 Uhr Ortszeit (also hier 12.00 Uhr) mit einem Grab zum Flughafen gefahren. Ich war also insgesamt ca. 27 Stunden unterwegs gewesen, mit Auto, Flugzeug, nochmal Flugzeug, Bahn, wieder Auto. Ersteinmal war ich dankbar, wieder heil zuhause gelandet und noch einigermaßen fit zu sein (abgesehen von leichten Kreislaufaussetzern auf dem Bahngleis in HH, wenn ich auf mein Handy guckte).
Ich packte meinen Koffer aus und dann die Wäsche in die Waschmaschine. Für die anderthalb Stunden Waschzeit packte ich mich selbst dann ins Bett. So widerstrebend, wie ich, als mein Handywecker dann klingelte, damit ich die Wäsche aufhängen würde, bin ich kaum jemals zuvor aus dem Bett geklettert.
Nach dem Aufhängen der Wäsche und einer Dusche ging ich wieder ins Bett. Es war ca. 19.00 Uhr, eigentlich noch viel zu früh und ein klassischer Jet-Lag-Fehler. Aber ich konnte der Anziehungskraft der Matratze einfach nicht wiederstehen. Um kurz vor 06.00 Uhr wachte ich auf, aber das waren dann offenbar über 10 Stunden Schlaf dazwischen. Ich schlief oder döste dann noch bis 08.00 Uhr, danach war bald Aufstehen angesagt, weil ich heute auch direkt wieder meinen ersten Arbeitstag hatte.
So, das war’s eigentlich mit der Viet Nam – Reise. Vielleicht schreibe ich noch einen Beitrag in den kommenden Tagen mit einem Fazit und einer Galerie mit meinen Lieblingsbildern, aber im Wesentlichen war es das. Vielen Dank fürs Mitlesen und alle Kommentare und Likes.
Nachdem wir in Saigon einen A350-900 der Turkish Airways bestiegen hatten und damit gestartet waren, lehnte sich im Sitz vor mir ein ziemlich langer und breit gebauter Mensch im Sitz zurück, um zu schlafen (was natürlich legitim ist, mich aber mehr oder weniger zwang, mich ebenfalls in Liegestellung zu bringen, wollte ich nicht die nächsten 12 Stunden wie eine Sardine verbringen.
Wieder rein in einen A350
Das war okay, bis es etwas zu essen gab, und mir sowohl mein Hintermann durcj Stochern in meinen Rücken als auch der Steward zu verstehen gab, ich solle meine Rückenlehne hochstellen. Hatte der vor mir aber noch nicht gemacht, und er schlief wohl so fest, dass er die Aufforderung des Stewards, auch seine Lehne aufrecht zu stellen, nicht mitbekam. Die unangenehme Haltung machte mich etwas aggro, weshalb ich unsanft an der Lehne meines Vordermannes rüttelte und nur sagte „Meal“.
Mein Vordermann drehte sich darauf um, meinte, ich könne auch Deutsch mit ihm sprechen und wenn ich das noch mal machte, würde er mich aus dem Fenster schmeissen, und ob ich das auch verstanden hätte. Die Stewards wurden da schon auch leicht nervös. Naja, ich hab natürlich dann deeskaliert, wer hat schon Bock auf Handgreiflichkeiten, insbesondere in einem fliegenden Flugzeug. Also, theoretisch, wenn es in einem Flugzeug zur Sache geht, kann das zu einer Sicherheitslandung führen. Dann sind paar hundert Leute zu Recht sauer, es hat womöglich finanzielle Konsequenzen, und im Extremfall landet man in einem türkischen Gefängnis.
Also, „Ja, es tut mir leid, Sie haben natürich recht.“ Die Tatsache, dass der feine Herr sich aufführte, als hätte ich ihn nicht zugegeben unsanft geweckt, sondern seine Freundin angemacht, musste ich da halt situationsbedingt einmal wegignorieren.
Natürlich fragte ich mich auch ein bisschen, wie der liebe Mitmensch das eigentlich anstellen wollte, mich aus dem Fenster zu befördern. Erstes Hinternis: Man muss die Scheibe irgendwie kaputt machen. Wie will man das bewerkstelligen? Mit der blossen Faust? Einen Nothammer sucht man ja eher vergeblich..
Zweites Hindernis: Passe ich da überhaupt durch so ein Fenster durch? Die Fenster eines A350 sind zwar recht groß, verglichen z.B. mit einem A330 (in dem ich inzwischen sitze). Aber ich hab trotzdem Zweifel. Ich bin ja nun einmal nicht gerade schlank und habe auch recht breite Schultern und Beckenknochen.
Drittes Hindernis: Okay, wenn Punkt 1 und 2 gelöst sind, ist der Rausschmiss geglückt. Aber die Konsequenzen sind dann doch für alle anderen Insassen, inklusive des rabiaten Passagiers recht unangenehm bis bedrohlich. Das Flugzeug verliert seinen Kabinendruck. Alle müssen Sauerstoffmasken aufsetzen. Der Pilot muss einen Sinkflug einleiten und dann eine Not- oder Sicherheitslandung machen. Mit den zugehörigen, bereits beschriebenen Kinsequenzen inkl. großer Knastwahrscheinlichkeit. Also, in diesem Falle alleine für den Rausschmeißer, die ich wäre mit noch größerer Wahrscheinlichkeit zu tot für den Knast.
Abgesehen davon war der Flug aber okay. Ich war nicht so müde und guckte drei Filme. Einer von dem ich wusste, dass da wohl nicht viel zu erwarten und viel zu verstehen sei, „Freelancer“. Eine Ex-Specialforce-Typ macht Bodyguard-Job-Nummer. In der Hauptrolle Ex-Wrestler John Cena, der auf derartige B-Movies abonniert ist. In weiblichen Rollen Alice Eve und Alison Bree. Der zweite Film war Marvels Film „Die Marvels“. Ganz nett. Der dritte hieß „Influencer“ und war eine Mordgeschichte. Keine bekannten Schauspieler, aber ganz okay.
Wir kamen kurz vor 06.00 Uhr Ortszeit im Terminal in Issnbul an. Wir mussten beim international Transfer nochmal durch eine Sicherheitskontrollen und setzten uns in einem Gastronomiebereich an einen Tisch, snackten Kekse und Cracker aus Vietnam und spielten drei Runden „Wurm“. Wir hatten halt ingesamt etwa 3 Stunden Zeit totzuschlagen.
Flughafen-Wurm
A330-300, über Bulgarien, Höhe 9.616 Meter, Geschwindigkeit 776 km/h.
Inwzischen sind wie also unterwegs von Istanbul nach Hamburg. Das Flugzeug ist schon ein etwas älteres Modell, und bei mit funktioniert das Entertainingsystem nicht richtig. Egal, ich kann auch schlafen oder lesen. Landung in HH soll in 2.26 Stunden stattfinden.
Ich musste heute wegen des Rückfluges nicht früher aufstehen, da unser Flieger nach Istanbul erst um 21.40 Uhr starten soll. Also stand ich um kurz vor 09.00 Uhr auf und traf meine Mitbewohner zum Frühstück. Ich nahm die üblichen Sachen und wir setzen und wie üblich raus auf die Dachterrasse. Meine Mitbewohnerin musste sich schon gegen 11.30 Uhr direkt vom Hotel aus zum Flughafen aufmachen, weil sie über eine andere Verbindung fliegt (sie ist auch auf dem Hinflug separat geflogen).
Wir verabschiedeten uns und bestellten uns ebenfalls ein Grab, allerdings nicht zum Flughafen, sondern zum Haus, in dem die Schwester meines Schwagers mit ihrer Familie lebt. Mein Schwager und meine Schwester waren dort ja zu Gast in Saigon, und da unser Flieger ja erst abends startet, hatten wir das Angebot, dorthin zu fahren und uns dort mit meiner Schwester noch aufzuhalten.
Auf dem Weg zum Haus der Schwägerin meiner Schwester. Was ist das für mich? Irgendwas mit Schwipps?
Wir wurden freundlich begrüßt und fanden uns bald zu dritt auf der Dachterrasse wieder, wo wir uns einen Tisch und Stühle aufbauen konnten. Es war wirklich schön dort, es gab sehr viele Pflanzen und ein Aquarium mit einer Wasserschildkröte. Wir spielten erst einmal zwei Runden „Heckmeck am Bratwurmeck“ und gingen dann runter auf die Straße, um uns ein Mittagessen zu suchen. Wir aßen in einem vitnamesischen Restaurant, ich hatte gebratene Nudeln mit Gemüse und einen Coconut-/Mango-Smoothie.
Wie auch immer, sie hat eine sehr schöne Dachterrasse.
Nach dem Essen gingen wir noch auf der anderen Straßenseite einen Kaffee trinken, bevor wir zum Haus der Schwägerin meiner Schwester (macht mich das zu ihrem Schwipp-Schwager?) zurück gingen. Wir spielten noch eine weitere Runde „Wurm“, bevor es Zeit war, den Weg zum Flughafen anzutreten. Ich wechselte noch in eine lange Hose ob der zu erwartenden Temperaturen im kalten Deutschland. Dann gingen wir zweihundert Meter zu einer Straße, wo uns ein Grub wohl aufpicken würde. Die Schwägerin meiner Schwester und ihre Tochter begleiteten uns noch. Als der Wagen kam, verabschiedeten wir uns und führen zum Flughafen.
Stilleben mit Kokusnüssen und Fuss. Einmal gwehmigen wir uns noch den Drink, den es hier überall für 15-20K VND zu kaufen gibt.
Trotz des Feierabendverkehrs in Saigon trafen wir deutlich früher als erwartet dort ein. Daher mussten wir etwas warten, bis der Gepäckaufgabe-Schalter öffnete. In der Schlange vor uns war eine Frau mittleren Alters im Rollstuhl und eine Dame, die sie begleitete. Diese hatte uns Deutsch sprechen gehört und sprach uns auf Deutsch an, wo wir hinflögen. Als wir „Hamburg“ antworteten, bat sie uns, ob wir die Dame im Rollstuhl, die auch nach Hamburg flöge, quasi begleiten könnten, sie könne durchaus auch einige Schritte selbstständig gehen und litte unter Flugangst. Wir lehnten das nicht ab und gaben ihr unsere Sitzplatznummern, die Damen war noch nicht eingecheckt, und ihre Begleiterin wollte versuchen, ob sie vielleicht für die Dame mit Gehbehinderung nicht einen Platz in unserer Nähe bekommen könnte.
Später wurde die Dame aber von einem Mitarbeiter von Turkish Airways in die Business-Class-Schlange eingereiht, wodurch wir sie aus den Augen verloren haben. Mal sehen, ob wir sie in Istanbul wiedersehen und ihr noch irgendwie behilflich sein können.
Am Gate, warten auf das Boarding. Die Boeing Triple-7 ist nicht „unsere“, wir fliegen mit Turkish. „Unser“ Vogel, ein A350, scheint hier aber auch schon links von uns, aber ungünstig fürs Foto, zu stehen.
So denn. Wir sitzen am Gate mit Blick auf einen A350 (möglicherweise „unser“ Flugzeug“ der Turkish Airlines und eine Boeing 777 der Emirates. Da Boarding für unseren Flug soll um 20.50 Uhr beginnen, Abflug soll um 21.40 Uhr sein. Der Flug nach Istanbul wird sicherlich 9-10 Stunden dauern. Dort werden wir sicherlich wieder ein paar Stunden „Wurm“ spielen – oder schlafen. Ich schreibe vielleicht dort noch einen Eintrag.
Saigon, im Hotel, 10. Stock, 21.05 Uhr Orszeit, 27° Außentemperatur
Mein Tag begann mit dem Wecker um 08.45 Uhr. Nach der Dusche etc. ging ich im Hotel frühstücken, wo meine Mitbewohner schon unterwegs waren, sich Nahrung vom Buffet zusammenzustellen. Ich nahm etwa das Gleiche wie gestern: Rührei, Würstchen, paar süße Teilchen, Obst (Wassermelone, Drachenfrucht, Passionsfrucht), Kaffee, Passionsfruchtsaft.
Die Nacht war kurz gewesen und ich überlegte, ob ich nach dem Frühstück noch ein paar Stunden Schlaf nachholen wollte. Da ich aber eigentlich nicht müde, sondern höchstens etwas träge war, entschied ich mich, mit einem Grab zum Vincom Landmark 81 zu fahren und mir den Blick über die Stadt über das dortige Skydeck zu erschließen. Das tat ich dann auch.
Am Ziel angekommen sah ich erst einmal nur Hochhäuser und halt ein sehr hohes Haus. Das Untergeschoss B1 und die ersten drei überirdischen Etagen werden von einem Vincom-Center, also einer riesigen Mall belegt. Hier gibt es neben den obligatorischen Samsonite- Tommy Hilfiger-Stores und dem ebenfalls obligatorischen WinMart sowie dem Vinfast-Showroom auch eine Kunsteis-Laufbahn. Ich machte mich auf die Suche nach dem Ticketschalter für die Skydecks (tatsächlich sind es die Etage 79-81, die man mit dem Ticket besuchen kann).
Ich fand den Ticketschalter im Untergeschoss B1, angenehmerweise gab es vor mir nur wenige andere Interessierte, die das Ticket erwerben wollten. Zu löhnen für den reinen Besuch der Skydecks ohne zusätzlichen Firlefanz wie VR-Show oder Essen waren 500.000 VND (etwa 20 Euro). Das war etwas mehr als doppelt so viel wie bei dem anderen Turm, wo ich vorgestern war – aber die Skydecks waren auch etwas mehr als doppelt so hoch wie beim Bitexo Financial Tower.
Landmark 81
Ich erwarb also ein Ticket und begab mich zur Sicherheitsschleuse, dessen Verantwortliche aber trotz Metalldetektor die Sache sehr lässig angingen. Auch durfte ich meinen Rucksack, entgegen den Hinweisen auf einem Schild, mitnehmen. Dann ging es mit dem Aufzug ins 79. Stockwerk.
Landmark 81 ist schon ein massiv hohes Gebäude.
Der Ausblick war erwartungsgemäß sehr beeindruckend. Zuerst sah ich in die Richtung, in der der Bitexo Financial Tower lag. Ach, was für ein kleines Türmchen, dachte ich aus der Perspektive, denn Landmark 81 ist mehr als 100 Meter höher, auch die Aussichtsdecks. Diese liegen hier unmittelbar unter dem Dach, nicht wie beim Bitexo Tower über 70 Meter tiefer. Ein Schild am Lift informierte, dass man sich im 79. Stock bereits auf 369,65 Meter Höhe befinde. Damit sind die Aussichtsplattformen von der Höhe her mit denen des Empire State Buildings in New York City vergleichbar, ohnehin sind beide Gebäude ähnlich hoch. Zwar ist das Empire State Building mit Antennenspitze etwa 443 Meter hoch, während die Dachhöhe von Landmark 81 auf 392 Meter liegt, aber die betretbare Ebene liegt bei beiden Gebäuden etwa bei 380 Metern. Das Landmark 81 misst mit seiner Spitze 481,2 m Höhe, damit ist da Gebäude auf Platz 17 der höchsten Gebäude der Welt.
Auf diesem Bild versteckt sich ein „Riesenrädchen“. Wer findet es?
In einer Richtung erspähte am Horizont ein Flugzeug im Landeanflug, und links davon den Flughafen Saigon, auf dem es dann landete. Es ist lustig, auf ein sich noch im Flug befindliches Flugzeug hinabzublicken. Die Sicht war wirklich sehr gut. Ich hatte natürlich auch einen sehr guten Blick auf den Fluss, dessen Windungen und den Schiffsverkehr. Leider kenne ich die Stadt ja nicht wirklich, so dass ich bestimmte Dinge wie etwa den großen Markt oder den Unabhängigkeits-Palast nicht entdeckte bzw. nicht einmal danach suchte. Aber egal, ich genoss einfach den Ausblick und machte reichlich Bilder.
Noch eine Aufnahme aus dem Landmark 81. Es fällt mir nicht leicht, eine Auswahl zu treffen.
Das 80. und 81. Stockwerk stieg ich über Treppen hoch. Es gab auf diesen Decks unterschiedliche Gastronomie, etwa ein japanisches Restaurant. Es gab auch einen nicht überdachten Außenbereich, aber der war geschlossen. Auf Deck 81 gab es noch so Virtual-Reality-Stationen, die hautptsächlich von Kindern und Jugendlichen genutzt wurden. Naja, ich brauchte gerade keine virtuelle Realität, die echte Realität war gerade ausreichend interessant genug.
Wer sieht das Flugzeug im Landeanflug?
Natürlich war die Sicht aus dem 81. Stock in 382 Meter Höhe nicht wirklich großartig besser als zwei Stockwerke tiefer. Trotzdem machte ich natürlich noch diverse Bilder. Man konnte auch (ich vermute, gegen ein zusätzliches Entgelt) draußen einen kleinen Spaziergang machen. Dazu bekam man ein Gurtgeschirr angelegt, mit dem die Mutigen dann in eine Führungsschiene eingeklinkt außerhalb des Gebäude ein paar Meter spazieren gehen konnten. Allerdings denke ich, dass der Gurt eher nur psychologische Gründe hatte, eigentlich gab es ein genügend hohes, gläsernes Gelände, welches Unfälle eher schon ausschloss. Oder man wollte damit spektakuläre Suizide verhindern. Ich glaube, man konnte da auch spektakuläre Selfies machen (lassen). Egal, ich habe das nicht gemacht.
Nachdem ich mich eine Weile auf den Skydecks herumgedrückt hatte, ging ich über die Treppen zurück auf Deck 79 und von dort per Aufzug runter auf Groundlevel. Ich hatte um 13.00 Uhr eine Verabredung mit meiner Schwester beim Unabhängigkeitspalast zu dessen Besichtigung. Die Fahrt dorthin mit einem Grub würde gut eine Viertelstunde dauern, ich hatte also noch etwas Zeit. Ich fuhr mit der Rolltreppe wieder ins Untergeschoss B1, wo ich im WinMart ein paar Sachen einkaufte. Danach sah ich noch, dass am Ticketschalter für die Eislaufbahn eine riesige Menschenschlange stand. Die Eislaufbahn öffnete offenbar gerade erst, denn man konnte sie einsehen und es war noch kein Betrieb dort
Gegen 12.30 Uhr sah ich zu, dass ich zurück zur Straße kam, bestellte mir über die App ein Grab und musste noch ein bisschen latschen, um zum Pickup-Point zu kommen. Irgendwie hatte ich eine falsche Vorstellung von der Farbe des Autos, und ich fand es nicht – aber wie schon mehrfach fand der Fahrer mich anhand meiner übermittelten GPS-Position. Das nächste Ziel war also der Unabhängigkeitspalast.
Der Unabhängigkeitspalast. Oder Wiedervereinigungspalast?
Dort angekommen fand ich nach kurzer Zeit meine Schwester, die bereits im Schatten des Ticketschalters auf mich wartete. Wir lösten Tickets („mit allem“) für 65.000 VND und betraten den Park vor dem Palast. Hier war inmitten einer großen Rasenfläche ein aktiver Springbrunnen zu sehen. Eine Karte zeigte eine empfohlene Besucherroute erst einmal im Park einen bestimmten Weg entlang. Dieser führte erst einmal zu zwei ausgestellten Kampfpanzern.
Kampfpanzer im Park
Es handelte sich, den Schildern zufolge nicht um die beiden tatsächlichen Panzer, die als erste am 30. April 1975 gegen 10.30 Uhr das Tor des Palastes durchbrachen, was das Ende der südvietnamesischen Regierung und damit auch des Vietnamkrieges markierte. Aber die beiden mit den Nummern 390 und 843 am Turm markierten Kampfpanzer waren identische Modelle der sowjetischen Modelle T59 und T54 (der T59 aus chinesischer Lizenzproduktion), die man für die Ausstellung hergerichtet hatte. Sehr ehrlich, fand ich, dass man die nicht als dieexakten beiden Panzer verkaufte. Mich erinnerte das an das sowjetische Ehrenmal in Berlin Tiergarten, wo angeblich die ersten zwei T34-Panzer der Roten Armee stehen, die Berlin 1945 erreichten.
Und eine F-5 hat hier auch irgendwer geparkt.
Wenige Schritte weiter stand, wie die beiden Panzer unter Bäumen, ein Kampfflugzeug des Typs F-5E Tiger aus US-amerikanische Produktion. Die Geschichte hinter diesem Ausstellungsstück liest sich wie ein Thriller. Nguyen Thanh Trung, ein Pilot der südvietnamesischen Luftstreitkräfte, die mit Flugzeugen aus US-Produktion wie der F-5 ausgerüstet waren, entpuppte sich als kommunistischer Spion des Nordens, als er am 8. April 1975 mit dem leichten Jagdbomber einen Luftangriff auf den Unabhängigkeitspalast flog. Er hatte erfolgreich die südvietnamesische Luftwaffe infiltriert. Nachdem er zwei Bomben auf den Palast abwarf, landete er auf einem von seinen Mitstreitern vorbereiteten, improvisierten Flugfeld, wo er sehr gefeiert wurde. Der tatsächliche Schaden, den seine Bomben unter anderem am Hubschrauberlandeplatz des Palastes anrichteten, war gering und schnell repariert, zu Schaden kam niemand. Aber die psychologische Wirkung des Angriffs war, dass die US-Amerikaner ihren Rückzug aus Vietnam noch beschleunigten.
Zwischenbemerkung:
Man sagt, dass sich die Geschichte wiederholt. Überstürzte Flucht letzter Amerikaner per Hubschrauber vom Dach eines Gebäudes aus… erinnert an die überstürzte Flucht vom Dach der US-amerikanischen Botschaft in Teheran nach dem Zusammenbruch des Schah-Regimes.
Und den Rückzug der US-Amerikaner aus einem Land, das man in einem militärischen Konflikt unterstützt hat und den darauffolgenden Zusammenbruch des dortigen Regimes und Übernahme durch die Kräfte, die man eigentlich mit viel Blut, Zeit und Geld zu besiegen versucht hat – siehe Afghanistan, Taliban, vor wenigen Jahren. Dieselben Fehler werden immer wieder gemacht.
Wobei ich nicht sicher sagen kann, wo der Fehler liegt: Sich überhaupt erst militärisch zu engagieren, oder irgendwann aufzugeben und abzuziehen. Andererseits: Hinterher ist man immer schlauer. Und keiner kann sagen, wie die Geschichte ohne militärisches Engagement abgelaufen wäre. Das Leben lässt keine A/B-Tests zu.
Nun, wir betraten den Palast im 1. Stock. Hier waren Empfangsräume und auch ein Raum für Sitzungen des Kabinetts zu sehen. Eine Etage tiefer sahen wir vor allem die große Küche, die offensichtlich dafür ausgerichtet war, Mahlzeiten für viele Gäste vorzubereiten, sei es asiatische oder westliche Küche. Es gab zum Beispiel riesige Woks zu sehen. Außerdem waren hier zwei Autos ausgestellt, darunter ein restaurierter Jeep aus den 70er-Jahren. Mit so einem Modell hatte man damals, nach der Eroberung des Palastes, den im Amt befindlichen Machthaber Südvietnams, General Duong Van Minh (seit neun Tagen im Amt nach der Flucht seines Vorgängers Nguyễn Văn Thiệu ins Ausland) zum Radiosender gekarrt, damit dieser die bedingungslose Kapitulation Südvietnams und damit das Ende des Krieges verkünden konnte.
Der Unabhängigkeitspalast. Oder Wiedervereinigungspalast?
Außerdem gab es einen 60er-Jahre Mercedes (mit angedeuteten Heckflossen) zu sehen, der von Nguyễn Văn Thiệu benutzt worden war.
Danach begaben wir uns noch eine Ebene tiefer, in den Bunker. Dieser konnte vom Büro und dem Wohnbereich des Präsidenten über eine Treppe direkt erreicht werden und bot Schutz gegen Bomben von 500 – 2.000 lbs. (je nachdem, wo man sich dort genau aufhielt). Der Bunker war weitläufig und enthielt, über schmale Gänge verbunden, den „Situation Room“ des Präsidenten, wo auf großen Landkarten an den Wänden die Situation an den Fronten ständig aktualisiert wurde. Die militärischen und geheimdienstlichen Informationen wurden über Funk- und Fernschreiberzentralen, die von insgesamt 41 Mitarbeitern bedient wurden, zusammengetragen und kamen direkt von den eigenen und befreundeten Militäreinheiten sowie aus dem verbündeten Ausland (USA, Süd-Korea, Australien, Neuseeland). Direkt neben dem „Situation Room“ des Präsidenten gab es für ihn einen geschützten Schlafraum (ich habe mal gelesen, dass Winston Churchill im zweiten Weltkrieg ein ähnliches Refugium gehabt hat).
„War Room“ im Bunker
Es gab einfach viele Räume mit Kommunikationstechnik, Büros und Räume mit großen Karten an der Wand, auf denen die aktuelle Situation mit Fettstiften auf Plexiglas dargestellt werden konnte. Das alles war schon spannend, aber in so vielfacher Ausführung vorhanden, dass sich dasselbe Thema von Büros, Technik und Kartenräumen irgendwann doch auch wiederholte.
Kommunikationstechnik im Bunker (davon gab es mehrere Räume voll mit Funkgeräten, Telexmaschinen und ähnlichem)
Genauso verhielt es sich mit dem Rest des Palastes, dessen vier oberirdische Etagen wir anschließend erkundeten. Im zweiten Stock waren verschiedene Tagungsräume, Empfangsräume und Büroräume des Präsidenten und Vizepräsidenten zu besichtigen. Die Innenarchitektur war unterschiedlich, das Prinzip jedoch dasselbe: Reichlich Platz, um zu regieren, und alles ordentlich repräsentativ. Außerdem gab es hier Schlaf- und Wohnräume für Präsident bzw. Vizepräsident.
Einer der vielen Räume für Empfänge und Gespräche
Im dritten Stock hatte die „First Lady“ ihren eigenen Empfangsraum, ferner gab es dort ein Kino, einen Freizeitbereich (mit Flügel und Carambolage-Billardtisch) und eine Bibliothek. Im vierten Stock gab es schließlich noch einen Salon und das Helikopter-Deck, auf dem ein UH-1H „Huey“ stand. Leider konnten wir die Heli-Plattform nicht betreten und somit das Schild am Hubschrauber nicht lesen. Vermutlich wurden der Palast damit evakuiert, bevor der Palast von den Nordvietnamesen erobert wurde. Also, sicherlich nicht mit exakt diesem Hubschrauber, aber halt mit einem „Huey“. Außerdem, so kann ich einem Bild auf Wikipedia entnehmen, ist auf dem (reparierten) Dach die Stelle markiert, wo die Bomben der F-5E von Nguyen Thanh Trung eingeschlagen waren.
Zwischenbemerkung:
An sich bräuchte man, um wirklich die historischen Zusammenhänge im Bezug auf den Vietnamkrieg und auch die Geschichte des Unabhängigkeitspalastes zu verstehen, zumindest ein Kurzzusammenfassung vietnamesischer Geschichte (insbesondere seit der französischen Kolonialzeit). Aber dazu bin ich gerade zu müde, außerdem habe ich das selbst bisher erst bruchstückhaft verstanden.
Wir nachdem wir in der 4. Etage des Palastes angekommen waren, waren meine Schwester und ich uns unsicher, ob wir schon alles in diesem wirklich weitläufigen Gebäude gesehen haben, aber es war uns nach etwa 3 Stunden Besichtigung auch ein bisschen egal. Wir hatten viele Konferenzräume, Büros und Schlafräume gesehen, im Wesentlichen änderte sich nur der Stil der Innenarchitektur. Ein Raum war im westlichen 70er-Jahre-Stil eingerichtet, ein anderer im japanischen Stil. Es gab auch Esszimmer mit gedeckten Tischen, und wir schnappten auf, dass es jeweils einen fertig gedeckten Tisch für Essen im asiatischen Stil und einen anderen (mit Tischdecke) für Essen im westlichen Stil gab. Außerdem hatten wir ein großes Ankleidezimmer mit einer viele Meter messenden Kleiderschrankfront gesehen.
Der „Huey“ auf dem Dach. Vom Platz her würde auch ein CH-47 passen.
Jedenfalls verließen wir den Palast. Es war ca. 16.00 Uhr, und das Gelände sollte für Besucher eine halbe Stunde später schließen. Meine Schwester wollte die Zeit noch nutzen, um ein Nebengebäude zu besuchen, dessen Ausstellung sich hauptsächlich mit der Geschichte des Palastes an sich beschäftigte, und ich kam gerne mit. Dieses Gebäude war noch im Baustil des ursprünglichen, französischen Palastes gehalten.
Das erhaltene Gebäude im selben Baustil wie der ursprüngliche, französische Gouverneurspalast
Denn im Prinzip war es der dritte Palast an derselben Stelle. Der erste Palast war nach nach der Kolonialisierung durch Frankreich noch aus Holz errichtet worden und vergleichsweise bescheiden. Die Franzosen entschieden später, einen repräsentativen Palast im wirtschaftlich aufstrebenden Saigon nach dem Vorbild des Palastes von Napoleon III. zu errichten. Der Bau des Palastes verschlang 1/4 des französischen Staatsbudgets für Kolonialgebiete insgesamt, das Baumaterial wurde zum größten Teil per Schiff aus Frankreich angeliefert. Der 1873 fertiggestellte Palast wurde wie die Straße davor nach dem damaligen König von Kambodscha, Norodom I., benannt – also Norodom-Palast (weder die Straße noch der Palast heißen heute noch so).
In dem „zweiten Palast“, also dem Norodom-Palast, regierten die damalige Gouverneure der französischen Provinz. Nachdem durch das Genfer Abkommen 1954 die Kolonialherrschaft Frankreichs endete und sich die beiden Staaten Nord- und Südvietnam bildeten, wurde am 7. September 1954 der Norodom-Palast durch den französischen Repräsentanten General Paul Ély übergeben an den südvietnamesischen Premierminister Ngô Đình Diệm.
Die Herrschaft Diêms, die stets durch andere Kräfte im Land bedroht war, und sich auch durch eine ziemliche Vetternwirtschaft (alle wichtigen Ämter wurden durch seine Geschwister und ggf. deren Partner:innen besetzt) auszeichnete, währte neun Jahre. Der Palast wurde umbenannt in „Unabhängigkeitespalast“, um das Ende der französischen Herrschaft hervorzuheben.
Am 27. Februar 1962 rebellierten zwei Piloten der südvietnamesischen Luftwaffe, Nguyễn Văn Cử und Phạm Phú Quốc, die zwei A-1 Skyraider zum Palast flogen und diesen bombardierten, anstatt den Vietcong anzugreifen. Dabei wurde fast der gesamte linke Flügel zerstört. Trotzdem überlebten Diem und seine Familie das Attentat. Da es nahezu unmöglich war, das Gebäude in den alten Zustand zu versetzen, ließ Diem es abreißen und gab eine neue Residenz in Auftrag.
Wikipedia
Der Angriff der rebellierenden Piloten (später sollte sich auch diese Geschichte mit einer F-5E ähnlich wiederholen) war das Vorspiel eines Coup d’Etat durch das südvietnamesische Militär, welche die Djêm-Herrschaft schließlich beendete. Um langsam zum Ende zu kommen: Die Südvietnamesische Führung, die den Palast nutze, änderte sich bis zum Ende des Vietnamkrieges durch nordvietnamesische Truppen noch mehrfach und war von Korruption und der Abhängigkeit der USA geprägt. Nachdem der Vietnamkrieg beendet und die Teilung des Landes in Nord- und Südvietnam ebenfalls sein Ende fand, wurde der Palast in „Wiedervereinigungspalast“ umbenannt. Er wurde von der vietnamesischen Staatsführung 1990 für Besichtigungen freigegeben und zu einer historischen Sehenswürdigkeit erklärt.
Zurück zur Besichtigungstour: Das Gebäude, welches noch im Baustiel des Norodom-Palastes existierte, zeigte anhand von Schautafeln und Videos verschiedenes zur Geschichte des Palastes, aber auch zur Geschichte Saigons an sich. Wir hatten ja noch eine halbe Stunde Zeit, uns das reinzuziehen, bevor wir das Gelände kurz vor Toresschluss gegen 16.30 Uhr verließen.
Lecker Nachtisch!
Nach dreieinhalb Stunden im Museum war es auch Zeit für eine Pause. Wir fanden zufällig in unmittelbarer Nähe zum Palast eine richtige „Fressmeile“. Hier gab es unter einem gemeinsamen Dach unterschiedliche Arten von vietnamesischer und internationaler Gastronomie. Die Preise waren höher als „auf der Straße“, aber immer noch sehr erschwinglich für uns reiche Westeuropäer. Meine Schwester entschied sich für Sommerrollen mit Garnelen, ich nahm ein Banh Mì und ein Tiger. Danach gab es ein Dessert, Kokosnuss-Eis in einer halben Kokosnuss, für meine Schwester mit süssem Sticky-Rice, für mich mit ein paar Poundcakes. (Wie ich herausfand, sind „pound cakes“ eigentlich Rührkuchen, meist in Kastenform, die bei uns meist „Sandkuchen“ genannt werden. Die Dinger waren aber kleine Gebäckstücke, die ein bisschen wie ein Crossover aus Pancakes und Berliner Pfannkuchen ohne Füllung aussahen und schmeckten). Es war jedenfalls klasse. Danach gab es noch für meine Schwester und mich je einen Coconut-Coffee, dieser war recht stark und wenig süss.
Das Wasserpuppentheater
Danach machten wir uns auf den Weg zum Wasserpuppentheater. Das ist eine vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurückgehende, vietnamesische Kulturform, bei der ursprünglich in Flüssen oder Dorfteichen gespielt wurde. Die Puppen bewegen sich unter- und oberhalb der Wasseroberfläche und werden durch Stangen und Seilzüge von Spielern, die sich hinter einem Vorhang im Wasser befinden, bedient werden. Die Fertigkeiten in Spiel und Herstellung der Puppen war lange ein geheimes Wissen, welches nur von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Sie war nach dem Krieg fast ausgestorben und wurde von Nachkommen französischer Kolonialisten in den 80er-Jahren wiederentdeckt und wiederbelebt. Heute gibt es in Hanoi und Saigon Theater, in denen Wasserpuppen gespielt werden. Dies findet in einem Wasserbecken auf der Bühne statt. Dieses wird rechts und links von Musikern eines Orchersters flankiert, die die Vorstellung nicht nur begleiten, sondern den Puppen auch ihre Stimmen leihen.
Inhaltlich gibt es kein zusammehängendes Stück, sondern mehrere Szenen, die das historische, vietnamesische Leben zeigen, etwas Fischfang, Ernte, Szenen am Königshof. Es werden auch alte Legenden, wie die Legende vom zurückgegebenen Schwert, dargestellt. Das ist wohl ein ziemlicher Klassiker, den auch wir sahen.
Nun, wir kamen vor Einlass am Theater an, vor dessen Eingang bequeme Sessel zum Verweilen einluden. Schließlich durften wir, von in traditionellen Gewändern gekleideten Menschen (einem jungen Mann und einer jungen Frau, die offenbar beide gutes Englisch sprachen und denen der Dress ausgesprochen gut stand) aufgefordert, das Theater betreten. Etwa 20 Minuten später begann die Aufführung. Das Theater hatte sich inzwischen gut gefüllt. Insbesondere unter Touristen ist das Wasserpuppentheater wohl ausgesprochen beliebt, was hilft, diese Kunstform zu erhalten.
Da die Dialoge auf Vietnamesisch waren, habe ich einige Szenen nicht wirklich verstanden, zum Beispiel die erste. Die zweite Szene war ohne Menschen, hier schienen zwei Seedrachen sich im Synchronschwimmen zu üben – oder im Balztanz. Das Coole war, dass die Seedrachen nicht nur umherschwammen, sondern auch Wasser speien konnte, was sie ebenso synchron taten, wie ihre Bewegungen waren. Das hat mir ganz gut gefallen.
Spätere Szenen zeigten weitere ausgefuchste Features der verwendeten Puppen. Ein Mann (also eine Puppe) auf einem Boot, der eine Zigarre rauchte, konnte z.B. den Rauch sowohl durch seinen Mund wie auch durch seine Ohren (was zu Gelächter führte) entweichen lassen. Später kam nochmals ein Drache vor, der Feuer bzw. Funken speien konnten, er hatte wohl einen Feuerwerkskörper im Rachen.
Eine meiner Lieblingsszenen zeigte zwei balzende Wasservögel, die ihren Hals ziemlich weit aus- und einfahren konnten. Nach dem Gebalze/Liebesspiel tauchte plötzlich ein Ei auf (im wahrsten Sinne des Wortes), und später ein Kücken. Das war schon herzallerliebst. Eine weitere Szene zeigte ein Bootsrennen zwischen drei Ruderbooten mit jeweils vier Ruderern.
Langhälsige Wasservögel mit Nachwuchs. Es wurde allseits viel geschnäbelt.
Die Vorstellung dauerte etwa eine Stunde. Ich bedauerte, dass ich die Dialoge nicht verstand, weil ich den Eindruck hatte, dass sie teilweise sehr humorvoll waren. Aber ich hatte den Eindruck, dass alle Beteiligten mit Feuer und Flamme bei der Sache waren, und unter dem Strich hat es mir gut gefallen. Am Ende der Vorstellung begaben sich die Spieler der Wasserpuppen, noch im Becken, vor das Bühnenbild, hinter dem sie zuvor agiert hatten, und ließen sich applaudieren.
Es ist sicherlich nicht einfach, viele Puppen gleichzeitig mit vielen Spielern zu koordinieren, ohne sich dabei mit den Steuerstangen ins Gehege zu kommen. Dazu muss die Aktion der Puppen auch noch mit der Musik und den Texten der Musiker abgestimmt sein. Natürlich sieht alles locker und leicht aus, aber das ist sicherlich, wie so oft, die wahre Kunst: Es einfach aussehen zu lassen. Eigentlich hätten meiner Ansicht nach auch die Musiker einen Extraapplaus verdient, diese blieben aber bescheiden im Hintergrund.
Wohlverdienter Applaus für das Puppenspieler-Ensemble
Nach dem Wasserpuppentheater überlegten meine Schwester und ich, noch irgendwo einen Cocktail trinken zu gehen. In der Nähe meines Hotels (dieses wiederum gar nicht weit weg vom Wasserpuppentheater) gibt es eine ganze Reihe von Bars, wie ich auf Google Maps feststellte. Also versuchten wir, eine attraktive Bar zu finden. Die erste bot Cocktails in einer Preiskategorie an, wie wir sie auch am Vortag in der fancy Rooftop-Bar des Majestic-Hotels gehabt haben, aber eine weniger große Auswahl in einer weniger stil- und stimmungsvollen Umgebung. Die nächste Bar war wieder eine Rooftop-Bar, erlaubte aber den Zutritt nicht mit Sandalen. Man hätte und Leihschuhe gegeben, aber ich lehnte das ab. Das Majestic gestern war da viel entspannter! Eine weitere Bar nach Google Maps fanden wir dann schlicht nicht. Da mich der Straßenverkehr hier mit den Massen an Mopeds immer nach einer Weile stresst (dazu kommen die Abgase) hatte ich dann keine Lust mehr, weiter zu suchen.
Meine Schwester ließ sich in Hotelnähe wieder von einem Moped-Grab abholen (bei Starbucks), ich wartete, bis sie mit ihrem Fahrer losfuhr. Danach kaufte ich in der Nähe noch ein paar Sachen ein und ging dann ins Hotel zurück. Und begann in meinem Zimmer, diesen Eintrag zu schreiben.
Was mich zum aktuellen Zeitpunkt bringt.
Vorschau: Morgen Abend startet der Rückflug nach Deutschland, allerdings erst nach 21.00 Uhr. Ich kann also ganz locker so schlafen, dass ich das Frühstück hier mitnehmen kann. Check-out ist um 11 oder 12 oder so, das kann ich morgen beim Frühstück noch mit meinen Mitbewohnern checken. Meine Mitbewohnerin fliegt leider auch zurück unabhängig von ihrem Freund, meiner Schwester und mir. Daher wird die Reisegruppe morgen wieder auf die drei Leute schrumpfen, mit denen wir die Reise begonnen haben. Zwischen Check-out und Flug haben wir noch einiges an Zeit. Die Optionen sind: Koffer hier lassen und noch ein bisschen in die Stadt gehen, oder zum Haus der Schwester meines Schwagers fahren, wo meine Schwester wohnt. Wir könnten dort noch ein paar Stunden schlafen oder ein paar Runden „Wurm“ spielen, bevor wir drei zum Flughafen fahren.
Der Rückflug bis Istanbul wird vermutlich ein oder zwei Stunden länger dauern als der Hinflug, danach haben wir vier Stunden Aufenthalt in Istanbul. Ankunft in Hamburg-Fuhlsbüttel soll dann kurz nach 10.00 Uhr am Montag sein. Von dort fahre ich per S-Bahn zum Hauptbahnhof und von dort direkt nach Osnabrück, weil ich Dienstag wieder arbeiten muss (Homeoffice). Ich werde, denke ich, den nächsten (und vielleicht vorletzten) Eintrag beim Zwischenstopp in Istanbul schreiben.
Mein Wecker dudelte um 08.00 Uhr, aber ich dödelte noch eine Viertelstunde herum, bis ich aufstand. Meine Mitbewohner wollten ab 8.30 Uhr frühstücken, das schaffte ich nicht mehr ganz pünktlich, aber die waren auch noch beim „1. Gang“. Nach dem Frühstück aus einem Omelette, Würstchen, Bacon, ein paar süssen Teilchen und Obst gingen wir wieder unsere Wege, ich hatte heute ein konkretes Ziel. Dieses war das „War remnants museum“, welches Google mit „Kriegsreste-Museum“ übersetzt.
Ich ging zu Fuß hin, es dauerte etwa 20 Minuten. Es war schon wieder sehr heiß, aber ich hatte genug Wasser dabei und man kann es ja auch an jeder Ecke hier nachkaufen. Nachdem ich ein Ticket für 40.000 VND (weniger als zwei Euro) gekauft hatte, betrat ich das Außengelände. Hier standen diverse Fahr- und Flugzeuge sowie Artillerie-Waffen und ein Patrouillenboot.
A-37 (leichter Jagdbomber, ursprünglich als T-37 ein Jet-Trainer, der auch von der Bundesluftwaffe zu Ausbildungszwecken genutzt wurde)
A-1 Skyraider (Jagdbomber, Propellermaschine mit Kolbenantrieb)
Cessna U-17 (Aufklärungsmaschine, Propellermaschine mit Kolbenantrieb)
UH-1H „Huey“ (Hubschrauber mit klassischer Heckrotorkonfiguration, sieht man in jedem Vietnamkriegsfilm, die Bundeswehr hat bis in die 90er auch viele dieser Modelle genutzt)
CH-47 Chinook (mittelschwerer Transporthubschrauber mit Tandemrotoren, bis heute modernisiert im Einsatz, von der Bundeswehr sind diverse Exemplare bestellt worden)
Dazu gab es zwei Haubitzen unterschiedlichen Kalibers, einen Mörser, ein Flugabwehrgeschütz und ein Patrouillenboot zu sehen. Außerdem verschiedene Bomben und Raketen in verschiedenen Größen und Formen.
Eine weitere Ausstellung abseits des eigentlichen Museumsgebäudes beschäftigte sich mit den Gefängnissen für politische Gefangene und Kriegsgefangene. Diese waren von den Amerikanern teilweise von den Franzosen übernommen und noch ausgebaut worden. Gefangene wurden der Ausstellung zufolge nicht nach der Genfer Konvention behandelt. Sie bekamen nur eine Handvoll Reis minderer Qualität und Stücke von verdorbenem, getrockneten Fisch sowie 1/3 Liter Wasser pro Tag. Es gab sogenannte „Sunbathing Rooms“, Zellen, die nach oben hin offen waren, so das Häftlinge der Witterung (insbesondere der Sonne) schutzlos ausgesetzt waren. Und „Tiger Cages“, kleine Käfige mit Stacheldraht, kaum größer als die Häftlinge selbst. Außerdem gab es verschiedene Formen der Folter, die willkürlich angewandt wurde und nicht selten zum Tod der Häftlinge führte. Es war schon schwer, sich das zu vergegenwärtigen. Noch heute mag es in Guantanamo Bay ähnlich schlimm zugehen, von den Gefängnissen in islamistischen oder kommunistischen Staaten ganz zu schweigen. Es war auch eine Guillotine zu sehen, die die Amerikaner ebenfalls von den Franzosen „geerbt“ hatten und mit der Todesstrafen vollstreckt wurden.
„Sunbathing Room“, wie zynisch
Nachdem ich mir bereits für die Fahrzeug- und Gefängnisausstellung viel Zeit genommen hatte, brauchte ich ein Pause. Ich genehmigte mir einen Toast mit Käse und Schinken sowie ein Tiger und vergegenwärtigte mir noch einmal die tägliche Ration der amerikanischen bzw. südvietnamesischen Kriegsgefangenen…
Mir war natürlich bewusst: Der Gewinner erzählt die Geschichte. Davon, wie die Nordvietnamesen mit ihren Gefangenen umgegangen sind, wurde nichts in der Ausstellung preisgegeben. Ich nehme an, dass das auch nicht gerade das Hilton war. Krieg ist ein durch und durch schmutziges Geschäft. Aber trotzdem: Auch wenn mir bewusst ist, dass der Gewinner die Geschichte erzählt, ist der Holocaust für mich Realität. Und da ich genug über die Behandlung von US-amerikanischen Kriegsgefangenen in Abu Ghureib im Irakkrieg 2003 gelesen habe und über Guantanamo Bay, ist das alles für mich absolut plausibel, ebenso wie Massaker an der vietnamesischen Zivilbevölkerung (dazu später).
Nach der Pause betrat ich das dreistöckige Gebäude des Museums. Dieses war in verschiedene Ausstellungen gegliedert, davon waren einige Wanderausstellungen, andere feste Einrichtungen. Im Erdgeschoss ging es in einer ausschließlich aus Schautafeln bestehenden Ausstellung um die Solidarität mit (Nord)vietnam von Seiten anderer kommunistischer Staaten, aber auch (nach Bekanntwerden der Greueltaten des US-amerikanischen Militärs) auch von westeuropäischen Staaten wie den Niederlanden oder Schweden – oder auch von immer größeren Teilen der US-Bevölkerung selbst.
Eine weitere Ausstellung im Erdgeschoss widmete sich dem Leben der vietnamesischen Bevölkerung, auch von Gefangenen der US-Militärs und des Südvietnamesischen Regimes während des Krieges. Ausgestellt wurden Briefe, die in Gefangenschaft geschrieben wurden, Handarbeiten, die in Gefangenschaft angefertigt wurden, Gegenstände des täglichen Gebrauchs der vietnamesischen Soldaten, eine aus einer US-Granatenhülse hergestellte Kerosinlampe, ein aus eine Mörsergranate gefertigtes Gefäss zum Verbrennen von Räucherware. Schautafeln beschrieben zu Helden verklärte (Nord)vietnamesen: Ärzte und Sanitäter, die sich im Gefecht um die verletzten kümmerten, Frauen, die die Soldaten mit Essen unterstützen oder in Guerilla-Einheiten selbst kämpften beispielsweise.
Diese Hohlsaum-Handarbeit könnte meiner Mutter gefallen. Es ist ein Kopfkissenbezug.
Im ersten Stock gab es eine große Ausstellung zum Thema „Kriegsverbrechen“. Diese beschäftigte sich natürlich ausschließlich mit den Kriegsverbrechen der US-Militärs und Südvietnamesen. Wie gesagt: Ich glaube, dass das alles so stattgefunden hat, zumal andere Quellen dasselbe sagen. Ich glaube aber nicht, dass die nordvietnamesische Seite keine Kriegsverbrechen begangen hat. Die gibt es üblicherweise auf beiden Seiten, vielleicht nicht im selben Ausmaß, aber im Krieg behalten vielleicht einzelne Personen eine weiße Weste – aber nicht eine der opponierenden Parteien insgesamt. Da glaube ich nicht dran, einen sauberen Krieg gibt es nicht.
Dargestellt wurden aber halt nur die Kriegsverbrechen der „Verliererseite“. Insbesondere wurde dem von Massaker von Mỹ Lai zu Recht sehr viel Raum eingeräumt. Ich kannte diese Geschichte, weil sie in einem Roman, den mir meine Freundin einmal ausgeliehen hatte, thematisiert wurde und ich das noch einmal auf Wikipedia recherchiert hatte. Neben der Betrachtung der von US-Soldaten der Task Force Baker ermordeten Menschen ging es um den Gerichtsprozess gegen den kommandierenden Offizier William Calley sowie um den Hubschrauberpiloten Hugh Thompson, der sich mit seiner Besatzung zwischen die mordenden US-Soldaten und die Überlebenden des Dorfes gestellt und damit noch einige Leben retten konnte. Er hatte die Morde aus der Luft beobachtet, seinen Hubschrauber gelandet und seine Bordschützen angewiesen, auf die US-Soldaten zu feuern, sollten diese weiter auf die Dorfbewohner (oder auf ihn selbst) schießen. So hat diese Geschichte, obwohl sie absolut furchtbar ist, auch eine positive Komponente, die zeigt, dass nicht alle US-Soldaten moralisch bankrotte Tötungsmaschinen ohne Gewissen waren.
Außerdem gab es gleich zwei Ausstellungen zum Thema „Agent Orange“ und dessen Opfer. Eine widmete sich allgemein den Opfern der verschiedenen, von den US-Militärs eingesetzten, Kampfstoffen, mit denen sie den Wald entlauben wollten, damit darin der Viet Cong keine Deckung und Tarnung mehr finden könne. Das war sicherlich eine der größten Schweinereien der Kriegsgeschichte. Denn das Dioxin in Agent Orange, Agent Pink, Agent Green etc. tötete Pflanzen, Tiere und etwa insgesamt drei Millionen Menschen, und zwar bei Freund und Feind. Denn nicht nur die Soldaten Nordvietnams (und die vietnamesische Zivlbevölkerung) erkrankten in Folge der chemischen Kampfstoffe, auch US-Soldaten ihre Verbündeten (wie Soldaten aus Südkorea, Australien oder Neuseeland) litten unter den Folgen.
Außerdem kamen auf beiden Seiten in den nächsten vier Generationen schwer missgebildete Kinder, einige kaum oder nicht lebensfähig, zur Welt. Einigen fehlten von Geburt an Gliedmaßen, Beine, Hände, Augen… andere hatten schwere, geistige Behinderungen. Die Fotos der fehlgebildeten Kinder waren wirklich schwer zu ertragen. Einige Bilder erinnerten mich an die lustigen Verzerrungsfunktionen, die es heute in Smartphones oder Fotobearbeitungssoftware gibt, aber das hier war die bittere Realität.
Eine andere Ausstellung widmete sich konkret Opfern von „Agent Orange“, die trotz ihrer körperlichen Behinderungen auf interlektuellem oder kulturellen Gebiet Erstaunliches erreicht haben und dafür besonders geehrt wurden. Auch wurde eine Tochter eines US-Soldaten, der mit 50 Jahren aufgrund einer Krebs-Prognose und einer post-traumatischen Belastungsstörung Suizid beging, gewürdigt. Sie hatte eine schwere Behinderung aufgrund der „Agent-Orange“-Schädigung des Erbgutes und gründete eine Organisation, die Opfer international und auf beiden Seiten des Krieges miteinander in Kontakt brachte. Sie organisierte auch Klagen gegen die Hersteller der tödlichen Stoffe (insbesondere Dow Chemicals und Monsanto, aber auch Boehringer Ingelheim und die Bayer AG lieferten mindestens Zwischenprodukte). Die (vergleichsweise) lächerlich kleinen Summen, die diese den überlebenden Opfern und deren Familien zahlten oder in Integrationsprojekte investierten, machten mich aber irgendwie eher sauer. Es ging hier um ein paar zig Millionen US-Dollar, da um irgendwas unter 200 Millionen US-Dollar. Sicherlich sind das Summen, mit denen einiges für die Opfer erreicht und Leid gelindert werden konnte bzw. kann. Aber verglichen mit den Summen, die solche Unternehmen umsetzen oder verglichen mit den Kosten dieses Krieges insgesamt erscheint mir das irgendwie wie „Portokasse“.
Im dritten Stock gab es (neben Spielmöglichkeiten für Kinder) eine Ausstellung, die Kriegsfotografen, insbesondere denen, die im Krieg verstorben sind, gewidmet war. Es ging sowohl um deren Bilder, von denen einige wichtige Journalistenpreise gewannen (und die man heute in Geschichtsbüchern wiederfindet) als auch um die Personen selbst und ihre Schicksale. Ein großer Beitrag war dem Fotografen Larry Burrows gewidmet, der für das Time Magazine große Fotoreportagen in Farbe lieferte, was komplett neu in der Kriegsberichterstattung war. Eine Bilderstrecke handelte von seiner Reportage „One ride in Yankee Papa 13“. Dabei handelt es sich um einen Einsatzflug eines Hubschraubers, an dem der Fotograf teilnahm, und bei dem mehrere Crewmitglieder ihr Leben verloren. Der Crew Chief überlebte, aber die letzen Bilder der Reportage zeigten ihn als völlig verzweifelten Menschen, der den Tod der ihm anvertrautn Kameraden nicht verhindern konnte. Larry Burrows selbst kam später, zusammen mit zwei anderen renommierten Fotografen, bei einem Hubschrauberabsturz in Laos ums Leben.
Man muss sich vor Augen führen, dass der Vietnamkrieg über 17 Jahre dauerte. In dieser Zeit gab es immense technologische Entwicklungen, auch in der Medientechnik. Aus den Schwarz-Weiß-Bildern Anfang der 60er wurden Farbfotos, schließlich Farbfilme, die per Satellit auf die Fernsehgeräte in aller Welt gelangten. Es lag nicht zuletzt an der „Macht der Bilder“, die den Widerstand der US-amerikanischen Bevölkerung gegen den Krieg immer mehr wachsen ließ.
Eine weitere Ausstellung stellte die ganze Geschichte des Krieges noch einmal von Anfang bis Ende dar. Anfangs ging es um den Krieg vietnamesischer Unabhängigkeitskämpfer gegen die französische Kolonialherrschaft, wobei die Franzosen zuletzt massiv von den USA mit Geld und Material unterstützt wurden. Dann wurden immer mehr US-amerikanische Militärberater nach Vietnam geschickt bis schließlich mit dem sogenannten Tonkin-Zwischenfall (einem angeblichen nordvietnamesischen Angriff auf einen US-amerikanischen Zerstörer) die USA offiziell in den Krieg eintraten. Die Ausstellung schilderte, wie alles, was die USA versuchten, um den Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden, fehlschlug, bis hin zu den schweren Bombardements der Operationen Linebacker I und II am Anfang der 70er-Jahre. Am Ende versuchten die USA, die keine Soldaten in Leichensäcken mehr zurückkehren sehen wollten, die Südvietnamesen alleine durch Ausbildung und Waffenlieferungen zum Sieg zu verhelfen, was aber letzen Endes deren Niederlage besiegelte. Mit der Einnahme des Präsidentenpalastes (heute: Unabhängigkeitspalast) endete der Krieg mit der bedingungslosen Kapitulation Südvietnams.
Am Ende, nach über sechs Stunden im Museum, war physisch und psychisch nicht mehr fit und konnte nicht mehr jedes Foto ansehen und jede Schautafel lesen. Also beendete ich meinen Besuch. Ich hatte zuvor eine englische Unterhaltung gehört, in der von „fertig nach zwei Stunden“ die Rede war – nun… ich brauchte länger. Deswegen war es auch gut, dass ich alleine da war. So hatte ich alle Zeit, die ich wollte, um sowohl die Hardware auf dem Außengelände, als auch den Schaden, der damit angerichtet wurde, im Museumsbau ausgiebig zu würdigen.
Ich verließ das Museum nachdenklich und besorgte mir auf dem Rückweg zum Hotel erstmal ein Banh Mì und ein Bia bà bà bà (333). Danach besorgte ich mir noch ein paar Getränke für später in einem dieser kleinen Supermärkte, die es hier überall gibt. Inzwischen hatte meine Schwester per Whatsapp-Chat vorgeschlagen, am Abend noch einen Cocktail in der Rooftop-Bar des Hotels „Majestic“ zu trinken. Es sei zwar teuer, aber halt auch fancy. Ich ging erstmal zum Hotel zurück und machte ein wenig Pause.
Nächtliche Spritztouren durch Saigon
Inzwischen hatte ich mich mit meiner Schwester um 20.00 Uhr für die Rooftop-Bar des Majestic verabredet. Ich war noch eine halbe Stunde auf Matratze, ging dann aber duschen, zog frische Klamotten an, und orderte vor dem Hotel ein Grab. Ich hatte als Ziel „Majestic Sky Bar“ angegeben. Das Auto, welches mich abgriff, war das bisher kleinste Fahrzeug, dass ich bisher hatte, ein Toyota Wiso. Und dessen Fahrer war der jüngste, den ich bisher hatte. Ich fand ihn sofort sympathisch, weil er die vietnamesischen Songs, die er über sein Handy abspielte, mitsang. Erst daddelte ich unterwegs Ingress, richtete dann aber meine Aufmerksamkeit auf die Umgebung – und auf die Navigation auf dem Handy des Fahrers. Es kam mir komisch vor, dass die Fahrt eine halbe Stunde dauern sollte, aber ich vertraute dem Fahrer und dem System. An einer Kreuzung hatten wir rot, einige Mopeds bogen einfach über einen kleinen Seitenabzweig rechts ab, anstatt zu warten. Als ich gerade dachte, „schade, dass wir hier ein Auto hab…“ fuhr mein Fahrer den kleinen Toyota ebenfalls dort entlang, obwohl wir da auf den Bordsteinen fuhren.
Schließlich setzte der Fahrer mich an einem imposant aussehenden Gebäude ab, vor einer Vertretung für Triumph-Motorräder. Ich kontaktierte meine Schwester, von der keine Spur zu sehen war, und an dem Gebäude stand nirgends „Majestic“. Mir dämmerte, dass das ziemlich falsch gelaufen sein musste. Meine Schwester sagte auch, das „Majestic“ sei direkt am Fluss, und hier war kein Fluss weit und breit. Am Ende entschied ich mich, der Sache noch eine Chance zu geben. Meine Schwester war bereit, auf mich zu warten. Also orderte ich ein frisches Grub – und die App zeigte mir als Pickup-Point „Mejestic Sky Bar“ an. Ich gab als Ziel diesmal „Majestic Hotel“ (an derselben Adresse) an, und der Fahrer lieferte mich nach 16 Minuten Fahrzeit am Fluss am Majestic ab. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob der Fehler bei mir, oder beim Kartenmaterial der Grub-App lag.
Am Ende war ich also doch am Eingang des „Majestic“ am Fluss, und meine Schwester kam auch umgehend. Wir betraten das luxuriöse Hotel und wurden auf Nachfrage zum Aufzug verwiesen, wo wir die Etage der Rooftop-Bar wählten. Oben angekommen wurden wir von gut gekleideten Bediensteten auf das Dach geleitet, wo eine Band die Dachterasse beschallte. Wir wählten Plätze am Rand, wo man auf den Fluss hinaus schauen konnten und wir möglichst weit weg von den Lautsprechern der Band waren. Wir bekamen das Menü auf einem iPad. Ich orderte einen „Green Summer“, meine Schwester eine „Sweet Carol“. Die Cocktails kamen schnell und beide gleichzeitig (hier in Vietnam eher ungewöhnlich), und man sah schon an der Deko, dass sie sehr gut zubereitet waren.
„Green Summer“ (links) und „Sweet Carol“ (rechts) auf der Rooftop-Bar
Nun, die Dinger kosteten 280.000 VND das Stück, und damit mehr als doppelt soviel wie hier in Viet Nam anderswo üblich. Aber wir wollten uns das einfach mal gönnen. Es blieb nicht bei einem Drink, wir nahmen noch beide einen „Good Morning Saigon“. Am Ende kostete das ganze noch einiges mehr, es gab noch 5% Serviceaufschlag etwa 10% VAT (value added tax), die offenbar hier in den Preisen nicht inbegriffen war. Egal. Wir können es uns leisten, und das Ambiente hat seinen Preis.
Blick von der Rooftop-Bar des Majestic
Nach dem zweiten Cocktail beschlossen wir, gemeinsam zu Fuß bis zu meinem Hotel zu gehen. Also begaben wir uns mit dem Lift wieder auf das Niveau der Normalsterblichen und traten den Weg zum Hotel an. Dort angekommen orderte meine Schwester sich ein Grub (Moped, ich fahre ja immer mit Autos). Der Pickup-Point war nicht direkt am Hotel, sondern 200 Meter weiter bei Starbucks, ich begleitete meine Schwester noch dorthin, sagte „Gute Nacht“ und ging zurück zum Hotel.
Was mich zum aktuellen Zeitpunkt bringt, das heißt, es ist jetzt 01.45 Uhr und ich bin fertig.
Vorschau: Ich werde so spät wie möglich frühstücken. Dann wollen meine Schwester und ich eine Ausstellung im Unabhängigkeitspalast ansehen. Dessen Einnahme durch die nordvietnamesischen Truppen und den Abflug des letzen US-amerikanischen Hubschraubers markierte das Ende des Krieges. Das ist inhaltlich eine gute Fortsetzung des Museumsbesuchs am Vortag. Abends steht eine Besuch des traditionellen, vietnamesischen Wasserpuppen-Theaters an, ebenfalls mit meiner Schwester. Darüber werde ich dann morgen berichten.
Der Flug war angenehm ruhig, obwohl man Turbulenzen angekündigt hatte, ich döste so vor mich hin und so waren die ca. 75 Minuten Flugzeit schnell vorüber. Schon bald wurde der bevorstehende Sinkflug verkündet und ich konnte ein paar Bilder aus dem Fenster knipsen.
Sonnenaufgang über den Wolken im Kurvensteigflug kurz nach dem Start in Da Nang
Nach der Landung holten wir unserer Gepäck ab und traten hinaus in die morgendliche Hitze Saigons. Da die Erfahrung meiner Schwester und meines Schwagers die war, dass Grub-Fahrer nicht bis auf das Flughafengelände fahren, marschierten wir ein paar hundert Meter zu einer nahegelegenen Tankstelle und orderten dann die Grubs. Meine Schwester und mein Schwager kamen bei einer Schwester meines Schwagers (was für ein Satz, ist aber so) unter, also einer Schwägerin meiner Schwester (es wird nicht besser…). Diese wohnt hier in Saigon und kann Gäste beherbergen. Meine Mitbewohner und ich wollten zu unserem Hotel fahren. Zumindest unser Grub-Fahrer fuhr dann prompt zur Ankunft der Inlandsflüge, ich musste den erst per Chat (hat eine integriert Übersetzungsfunktion) bitten, zur Tanke zu kommen, was uns 25.000 VND (also n Euro…) mehr kosteten sollte.
Der Sông Sài Gòn vom Flugzeug aus gesehen, kurz vor der Landung
Wir kamen dann ungefähr um 09.00 Uhr im Hotel an. Leider konnten wir nicht einchecken, weil der Check-in erst um 14.00 Uhr, also satte fünf Stunden später beginnen sollte. Wir wussten schon vorher um die Umstände und hatten schon versucht, auf einen späteren Flug umzubuchen, aber es ging nicht. Nun, zunächst stand uns der Sinn nach Frühstück. Das gestaltete sich leider auch nicht einfach. Wir fanden eine Banh Mì-Bude, vor der zwei sehr lange Schlangen standen. Meine Mitbewohnerin holte sich zwischenzeitlich einen Kaffee in einer Bude auf der anderen Straßenseite, der sie zunächst bei Laune hielt. Wir standen wirklich eine halbe Stunde an, und dann gab es keine Auswahl, sondern nur ein Standard-Banh-Mì, nicht für Vegetarier geeignet. Sie kosteten 68.000 VND, also locker mehr als doppelt so viel, wie ich anderswo bezahlt hatte… allerdings waren das auch Riesendinger, die auch mindestens doppelt so groß waren. Ich kenne einige, die das Ding nicht so mal eben aufgefuttert hätten.
Hier werden riesige Banh-Mì in riesigen Mengen produziert.
Meine Mitbewohnerin war immer noch ohne Frühstück. Der Versuch, sich in einem K-Circle-Markt ein Custom-Banh-Mì zusammenstellen zu lassen, endete ebenfalls unbefriedigend. Schließlich landeten mein Mitbewohner und ich auf einer Parkbank, wo wir die riesigen Sandwiches mit Ei, Gemüse und verschiedenen Wurstsorten verdrückten, während sich seine Freundin auf der anderen Straßenseite eine Mahlzeit mit Tofu organisierte. Danach wollten die beiden etwas umherstreunen und eine Mall aufsuchen. Ich entschied, mich solo zu machen, und das zu tun, was ich immer tue, wenn ich in einer fremden Stadt Zeit totzuschlagen habe: Ingress spielen.
Im Park begegnete ich einem entspannt wirkenden Eichhörnchen.
Das wurde allerdings trotz der hohen Portaldichte ein schweißtreibendes Unterfangen. Es waren 36 Grad und knallende Sonne da draußen. Vom Flug aus Da Nang her hatte ich immer noch eine lange Hose an. Ich hatte einen sehr hohen Wasserverbrauch. Es waren noch vier Stunden bis zum Check-in, drei davon strich ich durch die Gegend. Dabei habe ich zwei Liter Wasser getrunken und musste dafür zweimal in Supermärkte, um neues Wasser zu kaufen. Anfang ging ich noch einmal zum Hotel, um mir meine Sonnencrème aus dem Koffer, den ich wie die anderen dort deponiert hatte, zu holen. Ich kam zu einem einer Art Park oder Jahrmarkt, dessen Besuch 25.000 VND Eintritt kosteten, die ich aber entrichtete, weil es sich für mein Spiel lohnte. Es gab dort Têt-Dekorationen, einige Fahrgeschäfte (aber nur kleinere, für Kinder attraktive), jede Menge Streetfood und Sitzgelegenheiten, dieses zu verzehren, so wie Verkaufsbuden für allen möglichen Tand.
Ab diesem Tor wurde der Eintritt kostenpflichtig. Wenn man keine 25.000 VND berappt, wird man von dem Drachen weggegrillt. Also, nahm ich mal so an.
Nachdem ich das Areal im wesentlichen für mein Spiel „erschlossen“ hatte, zog ich weiter, merkte aber dann ziemlich schnell, dass ich ans körperliche Limit kam, ich war einfach gar. Ich begann mir schon Sorgen zu machen, dass ich es vielleicht übertrieben hatte und das Konsequenzen haben könnte, wie etwa Hitzeschlag. Bisher bin ich hier gesundheitlich (außer meiner bekannten orthopädischen und mentalen Probleme) wirklich gut davon gekommen, keine Erkältung, keine ersthaften Verdauungsprobleme. Jedenfalls merkte ich, dass es besser war, ins Hotel in gekühlte Räumlichkeiten zurückzukehren, was ich dann auch tat.
Die Lobby war inzwischen recht voll mit Menschen, die alle auf den Check-in warteten. Es war gegen 13.10 Uhr, also noch 50 Minuten Wartezeit. Ich zog mich in einen Gastronomiebereich, in dem gerade kein Betrieb herrschte, zurück und las mein E-Book weiter, bis es 14.00 Uhr war. Dann konnte ich endlich einchecken und bekam meine Schlüsselkarte. Ich fuhr in den 10. Stock, betrat mein Zimmer, und ohne mich sonst irgendwie noch einzurichten, warf ich mich aufs Bett um erste einmal gut zwei Stunden Siesta zu halten. Das Zimmer war übrigens nicht (im Vergleich zum Haian Beach oder New Orient in Da Nang) luxuriös, aber doch sehr groß, modern und ordentlich. Die Hotels hier sind auch eher etwas teurer als in Da Nang, wo man für 40-50 Euro pro Nacht (inkl. Frühstück) ausgesprochen luxuriös unterkommt.
Also ich wieder wach wurde, war es nach 16.00 Uhr. Ich war irgendwie ausgesprochen unmotiviert, das angenehm kühle Zimmer zu verlassen und wieder in diese Hitze raus zu gehen. Einen Vorgeschmack bekam ich schon, wenn ich das Bad betrat – die Tür zum Bad war geschlossen und das Badezimmerfenster offen, zwischen Bad und dem Zimmer mit der Klimaanlage waren mindestens 10 Grad Unterschied. Meine hilfreiche Schwester, die schon etliche Male hier war und sich mit den Sehenswürdigkeiten in Saigon und Umgebung gut auskennt, schrieb mir eine sehr lange Whatsapp-Nachricht mit Möglichkeiten, die sie für mich passend hielt. Es gibt z.B. ein Kriegsmuseum, welches z.B. Wracks US-amerikanischer Militärfahr- und flugzeuge ausstellt. Da möchte ich in der Tat auch gerne noch hin, vielleicht morgen.
Außerdem gibt es einen Turm, der bis vor wenigen Jahren noch das höchste Gebäude Saigons, wenn nicht sogar Vietnams, war. Das 262 Meter hohe Gebäude hat eine Aussichtsplattform in 178 Meter Höhe, was einen guten Blick über die Stadt bietet. Nun gibt es allerdings noch einen neueren, noch größeren Turm, der einfach „Landmark 81“ (nach 81 Stockwerken) genannt wird. Das Ding it 396 Meter hoch und hat eine Aussichtsplattform in 382 Metern Höhe. Es gehört übrigens dem Vincom-Konzern, wie auch die Automarke Vinfast.
Ich entschied mich am Ende, doch den kleineren Turm aufzusuchen, den Bitexo Financial Tower. Früher hatte dort die Heineken-Brauerei eine Residenz, wenn man deren Ausstellung besuchte, konnte man kostenlos auf die Aussichtsplattform und bekam noch ein Bier dazu! Inzwischen ist Heineken da aber leider raus, der Eintritt für die Aussichtsplattform kostet 240.000 VND, und man bekommt oben kostenloses Mineralwasser.
Die Vorderfront eines riesigen, von oben nahezu quadratischen Gebäudekomplexes mit einem großen Markt, eine Wechselstube, einem Reisebüro und einem ATM, damit man das alles auch bezahlen kann.
Ich ging zu Fuß dorthin, es sind ungefähr 20 Minuten vom Hotel aus. Dabei kam ich an einer Gebäudefront mit einem auffälligen Türmchen vorbei. Von oben auf Google Maps gesehen ist das ein ziemlich großer Komplex, der unter anderem einen großen Ben-Tranh-Markt enthält. Davor war ein Fußgängern vorbehaltener Platz. Auffällig war, dass mehrere Drohnen herumschwirrten, auch über der großen Straßenkreuzung davor, ich sah mindestens fünf Stück, auch mehrere Drohnenpiloten, die die Fluggeräte kontrollierten. Bei uns ist es überhaupt nicht erlaubt, die Dinger so über vielbefahrenen Straßen rumschwirren zu lassen. Hier hat man wahrscheinlich nur dann ein Problem, wenn man einen Unfall verursacht.
Bitexo Fimancial Tower. Das Ding oben ist das, was man vermutet: ein Heli-Landeplatz. Das Gebäude ist einer Lotusknospe nachempfunden.
Ich setzte meinen Weg fort und kam schließlich zum Bitexo Financial Tower und auch direkt zum Eingang für den Ticketschalter und die Aufzüge zum Skydeck. Ich entrichtete das Eintrittsgeld und wurde mit einem Aufzug in den 49. Stock gebracht. Die Aussichtsplattfform befindet sich direkt unter der Ebene mit dem Hubschrauber-Landeplatz und bietet einen 360-Grad-Rundum-Blick auf die Stadt.
Blick auf die abendliche Stadt Saigon vom Skydeck aus
Ich ging einmal in die Runde, machte eifrig Nachtaufnahmen durch die Scheiben und las ein paar der Tafeln, die dort aushingen. Eine zeigte die 20 „iconischten“ Hochhäuser der Welt, und ich stellte mit Erstaunen fest, dass die Urheber auf Platz 3 (nach dem Empire State Building in den USA und dem China Central Television Headquarters in Peking) der Commerzbank-Turm in Frankfurt, Deutschland, gesetzt hatten, noch vor dem Biteco Financial Tower selbst, der auf Platz 5 rangierte. Eine weitere zeigte einen Überblick über 300 Jahre Geschichte Saigons bzw. Ho-Chi-Minh-Citys, aber ich war zu faul, mir das durchzulesen. Es gab auch eine Ausstellung traditioneller Festgewänder, die ich aber nur einmal kurz durchschritt. Nach geschätzt einer Stunde Aufenthalt fuhr ich mit dem Lift wieder ins Erdgeschoss.
Keine Ahnung, was für ein Gebäude das im Vordergrund ist, aber ich fand das Bild ganz gut
Wieder auf Ground-Level hatte ich mir inzwischen überlegt, noch kurz an das Flussufer zu gehen. Ich hatte von oben gesehen, dass das Ufer des Sông Sài Gòn, also des Saigon-Flusses, ganz in der Nähe war. Also ging ich dorthin und musste aber erst eine vielbefahrene, mehrspurige Straße überqueren. Also… ein richtiger Fußgängerüberweg war das nicht, und es war die bisher mulmigste Straßenüberquerung, die ich hier hatte. Der Punkt ist, dass sich da irgendwie automatisch ein kleines Grüppchen von Mutigen ansammelt, die dann irgendwann gemeinsam die Straße überqueren, weil man sich in der Gruppe sicherer fühlt.
In Italien, so habe ich in Rom gelernt, braucht man Gottvertrauen, um Straßen zu Fuß zu überqueren. Hier reicht das alleine nicht aus. Zwei Sachen sind noch wichtig: Timing und Selbstvertrauen. Man braucht manchmal einfach eine Portion stoischen Mut, um als schwächster Verkehrsteilnehmer den Auto- und Mopedfahrenden zu signalisieren: Weich aus oder brems, oder Du hast ein Problem. Manche Fußgänger strecken dabei den Motorisierten eine Handfläche entgegen, was ich ein bisschen lustig finde – wenn man das nicht macht, dürfen einen die motorisierten Verkehrsteilnehmer über den Haufen fahren? Ist denen ohne diese Geste nicht klar, dass es nicht gut ist, Fußgänger über den Haufen zu fahren? Aber vielleicht fühlen sich die Leute so (selbst)sicherer, als sei die eigene Handinnenfläche ein Schutzschild, den die Motorisierten nicht zu durchbrechen vermögen.
Der Sông Sài Gòn. Oben in Bildmitte und in lila-pink: Landmark 81
Nach der mulmigen Straßenüberquerung war ich dann am Flußufer der Sài Gòn. Am anderen Ufer sah ich die riesigen, elektronischen Werbetafeln, deren Licht mir schon Fotografieren mit dem Handy vom Turm aus Schwierigkeiten bereitet hatte. Außerdem gab es ein paar mehr oder weniger bunt beleuchtete Hochhausfassaden und eine Brücke, nun, nichts Spektakulären, das sah in Da Nang alles etwas schöner aus. Also machte ich mich auf den Weg zurück ins Hotel.
Unterwegs stoppte ich noch an einem Geldautomaten, den ich um 3 Millionen Dong erleichterte. Ich hatte das schon hier direkt neben dem Hotel versucht, aber das hatte nicht geklappt. Somit wieder reich wie ein Scheich, tat ich etwas, was ich zuhause nicht mehr oft mache: Ich suchte den McDonald’s auf, den ich schon auf dem Weg zum Turm gesehen hatte. Ich wollte einfach mal das Erlebnis „McDonald’s in Saigon“ mitnehmen, gucken, was man so bezahlt, und ob es Besonderheiten im Angebot oder im Geschmack des Essens gibt.
Um dorthin zu kommen, musste ich wieder eine vielbefahrene Straße überqueren. Und da hätte mich fast ein ziemlich rücksichtsloser, abbiegender Autofahrer erwischt (wenn ich mich nicht in Sicherheit gebracht hätte), obwohl ich ein grünes Fußgängerlicht hatte. Selbstsicherheit alleine reicht auch nicht, manchmal muss man einfach schnell flüchten, wenn sich etwas nähert.
Okay, einen McPho habe ich nicht entdeckt, aber es gibt Reis, Baby!
Bei McDonald’s hatte ich (oder vermittelte zumindest den Eindruck) ein paar Probleme mit dem elektronischen Bestellsystem. Das haben wir bei uns ja auch, und es funktioniert hier auch ganz ähnlich, nur sind die Menü-Optionen andere und das Kartenlesegerät ist anders. Es gibt hier Getränke, die es bei uns nicht gibt, und außerdem Reisgerichte. Offenbar möchte sich McDonald’s bzw. die hiesigen Franchise-Nehmer diese große Zielgruppe hier nicht entgehen lassen, aber für mich war es interessant. Unter anderem deswegen war ich ja auch da.
148.000 VND. Und die Vietnamesen habe dieses „metrische System“.
Ich hatte so einen Teryaki-Burger, der hatte eine spezielle Sauce und Bacon, eine mittlere Portion Curly Fries und eine große Cola, das kostete mich 148.000 VND, also etwa sechs Euro. Dafür bekommt man so ein Menü in Deutschland nicht, da wäre man eher mit acht oder neun Euro dabei. Andererseits kann man in Vietnam für das Geld auch anderswo etwas zu essen inklusive Getränk bekommen, und wahrscheinlich Lebensmittel von höherer Qualität.
Nach dem Essen ging ich dann endgültig (für heute) zurück ins Hotel, machte ein Bia Saigon Lager auf und schrieb diesen Eintrag.
Vorschau: Noch zwei ganze Tage in Saigon, bevor es Sonntag auf den Heimflug geht. Morgen werde ich wohl so gegen 08.30 Uhr aufstehen. Je nachdem, worauf ich Lust habe oder was meine Schwester und meine Mitbewohner so vorhaben, werde ich mich irgendwem anschließen oder wieder auf eigene Faust unterwegs sein. Dieses Kriegsmuseum interessiert mich schon, das ist recht weit oben auf meiner Liste. Landmark 81 auch, aber das ist recht teuer. Man kann auch irgendwohin fahren, und alte Tunnel des Vietcong besichtigen, was mich auch interessiert. Guerilla-Taktiken gegen einen rein technisch hoch überlegenen Gegner sind ja auch heute noch hochmodern, wie man in Gaza sehen kann. Ich werde berichten.
Flughafen Da Nang, A350-900, VN-7101, Platz 33K, 05.33 Uhr Ortszeit
Nachem ich gestern nach dem Schreiben des Blogeintrags geduscht hatte, fuhren meime Mitbewohner und ich mit einem Grab zu einem Thai-Restaurant, wo wir uns nocheimmal mit der kompletten, 7-köpfigen Reisegruppe zum Abendessen trafen. Wir speisten ausgiebig (ich ein green curry mit Huhn) und es wurde noch Lixxi (schreibt sich, glaub ich, eigentlich anders) ausgetauscht, also lucky money zum neuen Jahr.
Nach dem Essen entschieden meine Mitbewohner und ich, zurück kein Grab zu nehmen, sondern zu Fuss noch einmal am Fluss entlang zu gehen. Es war ein angenehmer Abend, und der Blick auf den Fluss und das nächtliche Da Nang ist schon immer noch beeindruckend. Wir trennten uns unterwegs, weil meine Mitbewohnerin noch unterwegs Kaffee und ich Ingress spielen wollte. Ausserdem machte ich noch einige Fotos.
Über diese Brücke bin ich zweimal zu Fuß gegangen. Diese Palme oben drauf ist als Desigb etwas umstritten.
Im Hotel kam ich kurz vor 22.00 Uhr an. Ich bereitete schon mal ein paar Handgriffe für die Abreise am nächsten Tag vor, dann ging ich ins Bett.
ABLUG AUS DA NANG
Um 03.45 Uhr klingelte der Wecker, ich habe nicht viel geschlafen in der Zeit, die ich hatte. Ich erledigte die Morgenroutine, packte meine Sachen zusammen und traf mich mit meinen Mitbewohnern um 04.20 Uhr auf dem Flur. Wir checkten aus und orderten ein Grab zum Flughafen. Die Family war, als wir abfuhren schon dort und checkte uns schon mal ein. Wir mussten nur noch das Gepäck aufgeben, als wir etwa 04.50 Uhr am Flughafen ankamen.
Nach der Gepäckabgabe trafen wir den Rest der Family bzw. Reisegruppe, mein Neffe und seine Freundin waren extra mitgekommen, um uns zu verabschieden (oder um sicherzugehen, dass wir auch wirklich wegfliegen, war bestimmt anstrengend mit uns…). Nachdem wir uns verabschiedet hatten, passierten wir die Security und gingen zum Gate, wo das Boarding bereits begonnen hatte. Es lief alles problemlos und schnell.
Vor dem Einstieg in den Flieger nach Saigon
Dann kamen wir mit einem Bus zu einem auf dem Vorfeld bereitstehehenden A350-900. Mich wunderte, dass wir mit so einem großen Langstreckenvogel fliegen, wir waren mit einem A321 von Can Tho hergekommen, aber es geht vielleicht einfach um das Passagieraufkommen.
Warten auf das Pushback
Tja, und jetzt stehen wir auf dem Vorfeld und warten auf das Pushback. Daher: Gerät in Flightmode und nächster Eintrag im Saigon.
Da Nang, im Hotel auf dem Balkon, 9. Stock, 16.41 Uhr Ortszeit
Ich schreibe die bisherigen Erlebnisse des heutigen Tages jetzt schon am Nachmittag, nicht wie sonst meist vor dem Schlafengehen auf. Denn wir müssen morgen früh aufstehen, weil unser Flug von Da Nang nach Saigon bereits 05.45 Uhr startet und wir von hier zum Flughafen vielleicht so gegen 04.15 Uhr mit einem Grab aufbrechen. Daher schreibe ich den nächsten Eintrag entweder vom Flughafen Da Nang, oder schon in Saigon.
Heute war mein Wecker auf 07.30 Uhr für das Frühstück ab 08.00 Uhr gestellt, denn meine Mitbewohner und ich wollten mit einem Grab zu den Bà Nà – Hügeln fahren, wo es mit SunWorld einen Erlebnispark gibt. Ein großes Markenzeichen, welches immer auf den Prospekten bzw. Angeboten für Sightseeing in der Nähe von Da Nang zu sehen ist, ist die „Gold Bridge“. Das ist eine zum Park gehörende Brücke, die über Baumwipfel des Dschungels führt dabei (scheinbar) von zwei riesigen Händen getragen wird. Außerdem gibt es eine Art Minieuropa zu besichtigen, wobei die Gebäude keine Miniaturen sind.
Wir fuhren nach dem Frühstück gegen 09.30 Uhr mit einem Grab los und waren etwa eine Dreiviertelstunde später am Ziel. Irgendwie wurden wir unseren anhänglichen Grab-Fahrer anfangs nicht los, der wollte für uns die Tickets kaufen. Wir waren uns unschlüssig, ob er uns einen Dienst erweisen oder sich noch einen Zusatzverdienst organisieren wollten und dementsprechend misstrauisch. Er kam sogar mit in einen Shuttlebus, der uns vom Parkplatz zu den Ticketverkaufsstellen brachte. Irgendwann wurden wir ihn aber doch los.
Unterwegs im Grab zu den Bà Nà – Hügeln
Das mit den Tickets war so eine Sache. Mein Schwager hatte mich extra vorher noch angerufen, weil er meinte, die Tickets schon vorher in der Stadt zu kaufen, sei billiger. Mein Mitbewohner, der Freund meines Neffen, hatte aber schon vorher Preise verglichen und meinte, es mache keinen Unterschied. Wir waren dann, nachdem wir (trotz englischer Spracheinstellung) die Angebote auf dem Ticket-Automaten nicht verstanden, an einem Schalter, wo wir erfuhren, dass die wegen Têt keine Kartenzahlung (warum auch immer akzeptierten). Das Ticket, was wir kaufen wollten, kostete 900.000 VND. Ich hatte noch, also für uns drei 2,7 Mio. VND. Ich hatte noch 2,6 Mio. in bar dabei. meine Mitbewohner 400.000.
Meine Mitbewohnerin versuchte es online; aber da wurde ihre Kreditkarte nicht akzeptiert. Das ist nicht so ungewöhnlich für einheimische Dienstleister, ich kann meine Kreditkarte auch nicht bei Grub hinterlegen und muss daher immer bar bezahlen. Wenn wir mit den verfügbaren Barmitteln unsere drei Tickets bezahlt hätten, hätten wir noch 300.000 VND für ein Grab zurück gehabt, das hätte eng werden können.
Schließlich holte sich meine Mitbewohnerin an einem ATM 2 Mio. VND, was klappte, so dass wir (genauer gesagt, sie, weil sie die Vertrauenswürdigste von uns war, wie mein Mitbewohner meinte), die Tickets besorgen und bar bezahlen konnte. Ich glaube auch, sie hat die richtige Nase für die richtige Vorgehensweise.
Rolltreppen sind für Weicheier! Meine fitte Mitbewohnerin schreitet energisch auf die Treppe in der Mitte zu.
Also begaben wir uns in den Komplex am Fuße der Bà Nà – Hügel. Der bestand aus den beliebten Wassergärten mit Koi-Karpfen, auf Pagode getrimmten Gebäuden und jeder Menge Rolltreppen. Wir bekamen eine Karte zur Orientierung (mit der ich nicht umgehen konnte) und fuhren diverse Rolltreppen hoch, bis wir eine Cable Car – Station erreichten. (Für mich sind Cable Cars die Dinger in San Francisco, die coolsten Fortbewegungsmittel überhaupt, aber hier sind das Seilbahnen). In dem Komplex gab es mehrere solcher Stationen für verschiedene Seilbahnen, die zu verschiedenen Zielpunkten führten. Eine dieser Seilbahnen hält irgendeinen Rekord, jedenfalls ist eine mehr als 5 km lang.
Mein Mitbewohner machte mich darauf aufmerksam: Dopplmayr, ein Stück deutsche Technik. Noch ist Industriestandort D nicht verloren…
Unsere führte zu diesem Mini-Europa auf dem Hügel in etwa 1.500 Metern Höhe. Sie bewegte sich (nach GPS-Geschwindigkeit, die mein Handy anzeigte) mit etwa zwischen 16 und 18 km/h. Die Fahrt dauerte entsprechend lange, und der Ausblick war wirklich ziemlich imposant. Man schwebte über den Baumwipfeln eines scheinbar endlosen Dschungels. Anfang sah man im Tal noch die ausschweifenden Anlagen der Talstation, und seitlich viele andere Seilbahnen. später wurde die Sicht neblig, weil die Bahn durch niedrig hängende Wolken fuhr. Etwas höher wurde die Sicht dann wieder besser, und kurz vor Erreichen der Bergstation sah man auch schon die Türme des Minieuropas.
Ganz schön viel Gondelverkehr über dem Dschungel. Hoffentlich ist hier nicht noch irgendein Charly, der uns für US-amerikanische Hubschrauber hält oder so, da unten im Busch.
Nun, irgendwie hatte ich mir das etwas anders vorgestellt. Ich dachte, es gäbe typische Landmarks aus Europa zu sehen, etwa das Brandenburger Tor oder den Arc de triouphe. Stattdessen gab es Themenabschnitte, die bestimmte Nationen oder Regionen zu bestimmten Zeiten abbildeten. So gab es etwa ein Griechenland der Antike mit vielen Statuen und Säulengänge, ein Deutschland im Mittelalter, ein französisches Dorf und die Schweiz. Es war mächtig voll, vielleicht nutzten viele die Têt-Ferien zum Besuch des Freizeitparks.
Mini-Europa. Was auch immer das alles so genau sein soll.
Mir gefiel es nicht so wirklich. Zwar imponierte mir die organisatorische, logistische und technische Leistung, so etwas mitten im Dschungel aufzubauen, aber (und das hätte ich vorher wissen können) mir war das alles irgendwie alles zu künstlich. Vielleicht bin ich einfach aus dem Alter für Themeparks raus? Außerdem störten mich die Menschenmassen, und dass man ständig irgendwie Wege um vor den Kulissen posierenden Asiaten (naja, im Wesentlichen) auszuweichen. Was mir eigentlich am besten gefiel, war das viele Grün drumherum, auf das man teilweise einen tollen Ausblick hatte.
Das hier erinnerte mich irgendwie ein bisschen an das Holstentor in Lübeck … war früher auf dem 50-Mark-Schein drauf.
Da wird die Gold Bridge so als einen Hauptattraktionspunkt auf dem Zettel hatten, nahmen wir von einer anderen Seilbahnstation eine Gondel dorthin. An der Zielstation angekommen folgten wir den Massen über weitere Rolltreppen zu der Brücke. Hier konnte man einige Bilder von der Brücke selbst und vom Dschungel, über den man einen guten Blick hatte, knipsen. Dennoch war die Brücke für mich (und ich glaube, auch für meine Mitbewohner) ein wenig enttäuschend. Auf den Bildern wird das Ding immer wahnsinnig groß dargestellt, als wandelte man kilometerweit über die Baumwipfel, aber die ist nur 150 Meter lang und schnell überschritten (naja, je nachdem, wie man sich durch den Wust der für Fotos posierenden Menschen hindurchwurschteln kann, denn meinen Flammenwerfer, um den Weg frei zu machen, durfte ich leider nicht mit ins Flugzeug nehmen).
Sehr praktisch (handy), die Konstruktion
Dies war auch der Moment, wo ich meine Mitbewohner leider verlor. Ich schrieb ein paar Nachrichten, die zunächst unbeantwortet blieben und entschied mich, die Gondel zurück nach Mini-Europa zu nehmen. Dort bekam ich dann Antworten, wie wollten und bei den Helios-Fountains (oder so) treffen. Ich machte zuerst den Fehler, die dunkelgrüne und die hellgrüne 5 auf der Karte zu verwechseln, nahm kurzerhand eine Standseilbahn und landete in der Mini-Schweiz. Nachdem ich meinen Irrtum verstanden hatte, fuhr ich umgehend zurück.
Standseilbahn in die Mini-Schweiz und zurück
Und dann habe ich mich richtig schwer getan, mich zurecht zu finden. Irgendwie gab es so viele Ebenen, Treppchen hier und da, und ich kam überhaupt nicht mit der Karte klar. Darüber ärgerte ich mich natürlich, weil ich mir blöd vorkam. Dazu gingen mir die Menschenmassen zunehmend auf den Keks, und ein Themepark alleine macht irgendwie sowieso nicht wirklich Spaß, fand ich. Ich geriet auf Abwege und landete in Gängen, in denen gerade so gar kein Publikumsverkehr stattfand, weil die gerade gereinigt wurden. Meine Mitbewohner versuchten bestes, um mich zu ihrem Standort zu leiten, aber es war sehr frustrierend für mich.
Helios-Brunnen in Mini-Griechenland.
Irgendwann fand ich zwar den Helios-Springbrunnen, aber meine Mitbewohner waren inzwischen anderswo. Schließlich vereinbarten wir, unabhängig die Gondel ins Tal zu nehmen. Das war auch für mich nicht ganz einfach, die Gondelstation, die ich nutzen wollte, hatte gerade ihren Betrieb eingestellt, und es dauerte noch eine Weile, bis ich eine andere Station in die richtige Richtung fand, die in Betrieb war. Hier fuhr ich dann – ganz alleine in einer Gondel – zurück ins Tal. Alleine in der Gondel zu sitzen hatte den Vorteil, dass ich in alle Richtungen Bilder knipsen kann. Erst war die Sicht klar, dann fuhr die Gondel durch die Wolken, so dass man keine 100 Meter weit sah, dann wurde es wieder klarer.
Mit der Gondel zurück ins Tal
Schließlich kam ich im Tal an und nur ungefähr gefühlt 30 Rolltreppen später war ich wieder auf der Ebene, auf der die Busse zum Parkplatz fuhren. Dort traf ich am Ausgang auch meine Mitbewohner wieder. Kaum, dass wir uns den Shuttlebussen näherten, hatte ich gleich zwei Grab-Fahrer an der Backe, die uns Fahrten nach Da Nang anbieten wollten. Einer bot 400.000 VND, später 350.000 VND an. Ich war dafür, erst einmal den Shuttle-Bus zurück zum Parkplatz zu nehmen, so wie wir auch dahin gefahren waren, und das machten wir dann auch so. Außerdem hatte ich bei einem anderen Ausflug den Eindruck gewonnen, dass man, wenn man ein Grab per App bucht, mit Discount-Offers eher bessere Angebote bekommt, als direkt von Fahrern vor Ort.
Ich war eh noch etwas genervt von meiner eigenen Unfähigkeit, mich in einem Vergnügungspark zurechtzufinden und schüttelte die beiden Grab-Fahrer unwillig ab, um ein Angebot mit der App einzuholen. Das belief sich dann auf 277.000 VND, und das nahmen wir dann auch. Nachdem uns der Fahrer lokalisiert und aufgepickt hatte, fuhren wir zurück ins schöne New Orient Hotel in Da Nang, wo wir gegen 15.40 Uhr ankamen.
Tja, und das bringt mich zu diesem Moment. Ich schätze, ich werde meinen Wecker für morgen um 03.30 Uhr stellen. Daher entschied ich mich, (siehe vorne) diesen Eintrag lieber jetzt schon zu schreiben. Ich hatte überlegt, ob ich es noch kurz in den Pool schaffe, aber das wird zu eng. Denn um 19.00 Uhr wollen wir uns noch einmal mit allen „glorreichen Sieben“ in einem Thai-Restaurant zum Abendessen treffen. Denn morgen verlassen meine Schwester, mein Schwager, meine beiden Mitbewohner und ich Da Nang und fliegen nach Saigon zurück, mein Neffe und seine Freundin bleiben hier. Wir wollen uns also zum Abschluss noch einmal mit allen zusammen zum Abendessen treffen. Und vorher muss ich noch mal unter die Dusche.
Nächster Eintrag also (mit Beschreibung des Restes des Abends) vom Flughafen hier in Da Nang aus, oder vielleicht auch erst in Saigon.
Da Nang, im Hotel (auf dem Balkon), 9. Stock, 22.18 Uhr Ortszeit
Während ich das hier schreibe, dringt teilweise der Partylärm von der Straße zu mir hoch, und wenn ich vom Bildschirm aufblicke, sehe ich die bunt illuminierten Fassaden der Hotels und manchmal bunt beleuchtete Ausflugsschiffe auf dem Fluss. Das hat schon etwas!
Heute morgen wachte ich vor dem Wecker, der auf 09.00 Uhr gestellt war, um ungefähr 08.30 Uhr auf und beschloss, früher aufzustehen, um mehr Zeit zum frühstücken zu haben. Der Frühstückssaal in der 7. Etage war gut gefüllt mit anderen Hotelgästen. Ich überlegte, auf die Außenterrasse zu gehen, hatte aber zu großen Respekt vor der Sonne, weil ich noch nicht eingekremt war. Ich fand einen leeren Vierer-Tisch in einer Ecke und holte mir Kartoffel-Wedges, Ei und verschiedene Sorten Fleisch. Dann einen Orangensaft und einen Kaffee. Zwischenzeitlich kamen meine Mitbewohner dazu, als ich den zweiten Gang mit ein paar Gebäckstücken (Mini-Croissants u.ä.) und Melonenscheiben einläutete.
Ausblick beim Frühstück
Nach dem Frühstück ging ich in mein Zimmer, holte meine Tasche mit der Schmutzwäsche und ergoogelte mir eine Wäscherei in der Nähe. Mein Weg dahin führte mich über einen Straßenmarkt. An der Stelle, die mir Google Maps angezeigt hatte, fand ich nichts, aber dann in der Nähe in einer anderen Straße. Ich gab dort meine Wäsche ab, sie sollte nach drei Stunden abholbereit sein. Auf dem Rückweg ins Hotel kaufte ich in einem kleinen Supermarkt noch Getränke ein.
Blick aus dem Hotelflur auf den Fluss Hàn. Es sieht fast so aus, als rauche da ein Vulkan! Es sind aber nur Wolken und die Perspektive.
Zurück im Zimmer hatte ich dann einen toten Punkt. Ich hätte zwar Lust gehabt, ein wenig auf dem Balkon zu entspannen, aber die Sonne kachelte da gerade dermaßen drauf, dass ich davon Abstand nahm und mich entschloss, lieber ein wenig Siesta zu halten. Es wurden etwa 75 Minuten auf dem Bett herumliegen, am Handy rumdaddeln und dösen. Ich hatte mir einen Wecker zu 14.00 Uhr gestellt, um nicht den ganzen Tag zu verschlafen.
Als der losdudelte, stand ich auf und machte mich mit meinem Rucksack zu Fuß auf die Socken zum VinCom-Center, wo ich noch mal den Geldautomaten besuchen und etwas einkaufen wollte. Die Entfernung betrug etwa knapp 2 km, die Zeit zu Fuß war von Google Maps mit etwa 30 Minuten angegeben. Die Sonne schien noch immer recht heftig, als ich unterwegs war. Natürlich hätte ich auch mit einem Grab fahren können für schätzungsweise um die 40.000 VND (etwa 1,60 Euro für die einfache Fahrt). Aber erstens wollte ich ein bisschen Ingress daddeln unterwegs, und zweitens dachte ich, ein paar Schritte zu machen schadet mir bestimmt auch nicht. Außerdem führte der Weg am Fluss entlang, wo eine leichte Briese wehte.
Unterwegs auf der Fluß-Promenade, allerdings entgegen der Blickrichtung dieses Bildes – ich wollte nur die Brücke am Horizont fotografieren, die Cầu Thuận Phước
Ich sah einen Zoll-Kutter und viele vertäute Ausflugsschiffe und kam an aufwendigen Têt-Dekorationen vorbei, an denen Fotografen anboten, Bilder der Têt-Urlauber vor diesen Kulissen zu schießen und direkt auszudrucken (es standen diverse Drucker und Bilderrahmen bereit). Solche Installationen gibt es hier gefühlt alle drei Meter in der Stadt, viele Blumen, viele Drachen und „Chúc mừng năm mới“-Schriftzüge („Frohes neues Jahr“). Überall ließen sich Têt-Urlauber davor fotografieren oder machten Selfies.
Auf der Cầu Sông – das ist eine Drehbrücke
Irgendwann kam ich an der Cầu Sông Hàn an, das ist eine Drehbrücke, die um 90-Grad geschwenkt werden kann, um Schiffe hindurch zu lassen. Ich überquerte den Hàn über diese Brücke und kam am anderen Ufer quasi direkt am VinCom-Plaza an, ich musste nur noch zweimal stark befahrene Straßen überqueren. Ich fand den HSBC-ATM wieder, den ich schon einmal benutzt hatte und holte mit 3 Millionen VND (> 120 Euro). Danach ging ich in den WinMart einkaufen, in dem ich ebenfalls schon beim letzten Aufenthalt in Da Nang gewesen war, und machte noch ein paar Einkäufe.
VinCom Plaza
Anschließend begab ich mich auf den Rückweg zum Hotel. Auf der anderen Seite des Hàn angekommen, ging ich diesmal nicht direkt am Fluss entlang, sondern wählte eine Parallelstraße, um noch ein bisschen etwas anderes zu sehen. Hier kam ich an einem Gebäude vorbei, welches ich insgeheim „die Kerze“ nannte. (Später gab der Freund meines Neffen eine noch treffendere Bezeichnung, nämlich „der Lippenstift“ ab.) Dieses Gebäude heisst eigentlich Trung tâm Hành chính Đà Nẵng mit dem Zusatz „Da Nang Administrative Center“ und scheint also ein Verwaltungsgebäude zu sein. Das Hochhaus mit dem abgeschrägten Dach erinnert mich ein wenig an 30 St. Mary Axe in London, im Volksmund „The Gherkin“ (die Gurke) genannt. (Dieses Gebäude wiederum erinnert mich etwas an ein Fabergé-Ei.) Die Fassade des „Lippenstift“ blinkt zu bestimmten Zeiten auch in allen möglichen Farben, ähnlich wie die Hotelfassaden.
Trung tâm Hành chính Đà Nẵng oder „der Lippenstift“
Irgendwann kam ich wieder im Hotel an und schaffte meine Einkäufe in mein Zimmer bzw. in den Kühlschrank. Ich war etwas geschafft vom Spaziergang in der prallen Sonne und gönnte mir eine kure Pause und ein Bier auf dem Balkon (auf den die Sonne nicht mehr ganz so drauf knallte).
Inzwischen war der Zeitpunkt, zu dem meine Wäsche fertig sein sollte, vergangen, also ging ich nach der kurzen Pause auf dem Balkon direkt wieder los, um sie abzuholen. Insgesamt hatte ich so mindestens 7 km unter die Füsse genommen, bei zwei Gängen zur Wäscherei und zurück und einmal VinCom-Center und zurück. Das mit der Wäsche hat gut geklappt und nur 40.000 VND (etwa 60 Cent) gekostet.
Wieder im Hotel brauchte ich noch eine Balkonpause. Danach überlegte ich, zu duschen und mir dann etwas zu essen zu suchen und danach vielleicht noch in den Pool zu gehen. Mein Neffe und seine Freundin waren nach dem Roadtrip beide etwas erschöpft und angeschlagen, so dass es heute keine Familienaktivitäten gab. Dann meldeten sich aber meine Mitbewohner mit einem Vorschlag für ein gemeinsames Abendessen, Treffen um 19.00 Uhr. Da ich nach dem Tag alleine Lust auf Gesellschaft hatte, sagte ich das zu.
Ich duschte, rasierte mich und klingelte (ja, es gibt hier Türklingeln an den Zimmern) um 19.00 Uhr bei meinen Zimmernachbarn. Wir gingen dann zu einem Restaurant, welches die beiden auf ihren Wegen des Tages gesehen hatten, und welches total schön aussah. Es bestand aus mit vielen Lampions geschmückten Wassergärten, in denen Kois schwammen und Frösche grunzten. Also, Quaken geht jedenfalls anders.
Ambiente toll, Essen so lala, Service… äh…
Die Bedienung war allerdings ausgesprochen schnarchnasig. Wir bekamen erst einmal nur die Essenskarte und die Getränkekarte erst auf Anfrage. Bei einer der vielen weiblichen Servicegräfte, die gefühlt die meiste Zeit nur herum standen konnten wir dann nur Getränke bestellen, essen konnten wir nur bei einem Herren bestellen, und das dauerte ziemlich lange, bis der sich an den Tisch bequemte. Leute, die später kamen, hatten ihr Essen erheblich früher. Die oft untätig herumstehenden drei Damen in Sichtweise kamen auch nicht ansatzweise mal auf die Idee, uns zu fragen, ob wir vielleicht ein weiteres Getränk wollten oder so. Deren Aufmerksamkeit galt ohnehin einer Familie(?) an einem anderen Tisch – die sämtlicher drei Damen.
Als das Essen (so nach und nach, aber das ist hier in Vietnam meistens so, nicht nur dort) eintraf, kamen Sommerrollen mit Garnelen, obwohl wir Frühlingsrollen mit Fleisch bestellt hatten. Den Einwand wollte man nicht so richtig einsehen – nun, vielleicht haben wir ja auch die Karte nicht richtig verstanden. Im Endeffekt einigte man sich auf den Kompromiss, dass eine von zwei Platten mit den eigentlich nicht erwünschten Rollen zugunsten gebratener Rollen mit Fleischfüllung zurückging. Das Essen selbst war okay, aber auch nicht großartig. Der Freund meines Neffen meinte, die Frühlingsrollen, die es hier am Frühstücksbüffet im Hotel gibt, seien besser (die Hotel habe ich noch nicht probiert).
Am Ende (und ich rechnete irgendwie damit, dass es am Ende auch nochmal einen kleinen Aufreger geben würde) durften wir noch 20% Têt-Aufschlag bezahlen. Es war also insgesamt nicht so berauschend. Wir haben am Ende alle (mit einem Getränk) so umgerechnet 16-20 Euro bezahlt, das ist jetzt für vietnamesische Verhältnisse nicht ganz günstig (obwohl es natürlich auch teurer geht). Außer dem Ambiente war es also nicht so toll.
Wir landeten dann noch alle eine Weile in meinem Zimmer bzw. auf meinem Balkon, wo ich noch Getränke anbot (meine Mitbewohnerin wollte noch etwas Spritziges trinken, und ich hatte noch Cola und Bier im Kühlschrank, also gab es das als Mischgetränk, ihr Freund wollte nur ein Wasser). Nachdem sich dann die beiden verabschiedet hatten, holte ich den Laptop aus dem Safe und schrieb diesen Eintrag auf dem Balkon.
Vorschau: Morgen ist der letzte komplette Tag in Da Nang, bevor es mit dem Flieger nach Saigon geht. Meine Mitbewohner und ich planen, morgen mit einem Grab ab ca. 10 Uhr zu den Bà Nà – Hügeln zu fahren. Dort gibt es unter anderem eine große Brücke, die Càu Vàng, die über den Dschungel führt und von riesigen Händen getragen wird, und eine sehr lange (über 5km) Seilbahn. Beide offerieren bei gutem Wetter einen guten Ausblick. Es ist eine moderne Touristenattraktion, es gibt auch Nachbauten europäischer Sehenswürdigkeiten aus Pappmaché im Maßstab 1:1. Man kann wohl je nach Gusto und Zeitbudget verschiedene Pakete buchen, je nachdem, was man sich ansehen möchte. Wir wollen etwa zweieinhalb Stunden dort sein und Abends mit dem Rest der Reisegruppe essen gehen. Nun, ich werde berichten.
Mein Wecker klingelte meldete sich um 07.45 Uhr mit dem Song „Misstra Know-It-All“ (Stevie Wonder), seit einiger Zeit mein Standardweckton. Eine Absprache des Vortages war, dass einige Interessierte noch zu Fuss ein paar Sehenswürdigkeiten in Kon Tum erkunden würden und vielleicht auch einen Kaffee und ein Bánh Mí zu sich nehmen würden. Also stand ich rechtzeitig auf und packte meine Sachen zusammen, weil es ja heute wieder zurück nach Da Nang gehen würde, und wollte um 08.30 Uhr fertig sein. Aber ich erfuhr kurz vorher von meiner Schwester, dass mein Neffe und seine Freundin länger schlafen wollten, weil sie zu erschöpft seien, sie selbst und mein Schwager hingegen seien bereits losgegangen und säßen bei heißem Igwertee im Café Homestay.
Cầu Treo Konklor über den Dak Bla-Fluss.
Hm. Also erst einmal alleine losziehen, in Richtung der Hängebrücke Cầu Treo Konklor über den Dak Bla-Fluss. Das waren nur wenige Meter vom Hotel aus gesehen. Brücken gefallen mir, sei es die Ingenieurleistung dahinter, die architektonische Schönheit oder auch ihre Eigenschaft, zwei Ufer miteinander zu verbinden und damit Wege kürzer und Ziele näher zu machen. Diese ist 1994 fertiggestellt worden und sah an einigen Stellen schon etwas zusammengeflickt aus, an einigen Stahlhängeträgern waren schon Flickstellen geschweißt worden. Die Brücke wackelte auch schon durch die paar Mopeds, die da hauptsächlich darauf unterwegs waren. Oder durch mich – wer weiß. Ein Schild besagte, dass man sie mit bis zu 5 Tonnen Gesamtgewicht befahren dürfe. Wir wollten da heute noch mit unserem 12-Sitzer Ford-Transit drüber. Auf jeden Fall war sie so schmal, dass zwei Autos, die sich auf der Brücke begegneten, nicht aneinander vorbeifahren konnten. Wir überlegten, wie das wohl gehandhabt wurde… spielten die Fahrer Schnick-Schnack-Schnuck (Schere-Stein-Papier) gegeneinander? Oder warfen eine Münze? Oder der, der die lautere Hupe hat, gewinnt?
Dak Bla von der Brücke aus gesehen
Von der Brücke aus war die Flusslandschaft schön anzusehen und zu fotografieren, was ich natürlich auch tat. Dann überquerte ich die Brücke, weil Google mit ein „Café Homestay“ auf der anderen Seite angezeigt hatte. Da war auch eine Lokalität, die den Namen „Homestay“ trug, aber kein bekanntes Gesicht war anwesend. Also ging ich wieder zurück, um auch am anderen Flussufer eine Lokalität, die irgendwas mit „Homestay“ hieß, zu finden. Auch hier kein bekanntes Gesicht. Egal, ich ließ mich nieder und trank zwei Kaffee Phin (vietnamesischer Drip-Coffee) mit Milch, dazu bekam ich heißen Tee auf’s Haus. Als ich den Laden verließ, sah ich meinen Neffen, und da war auch seine Freundin nicht weit. Die waren auf der Suche nach Frühstück, eigentlich wollte man Bánh Mí haben, aber das war auf die Schnelle auf kurze Distanz nicht zu bekommen. Um 10.00 Uhr wollten wir vom Hotel aus losfahren. Also nahmen wir auf die Schnelle stattdessen in Hotelnähe eine Phở zu uns.
Mir gefielen die Leute, die Hunde und das Setting hier, also blieb ich für zwei Kaffee-Längen.
Danach fanden sich alle Mitreisenden nach und nach an der Hotelrezeption ein, wir checkten aus und wir konnten den Ford Transit entern. Zuerst ging die Fahrt über die besagte Hängebrücke (der Fahrer meinte erst, er dürfe diese nicht befahren, tat es dann aber doch) zum ältesten Bruder der Freundin meines Neffen (also meinem Saufkumpanen von vorgestern). Wir schauten uns sein Haus, seinen Garten, seinen Fischteich (zur Zucht von Speisefischen), seine Schweine, Hühner und vor allem Katzen an. Dann gab es, weil wir nur einen kurzen Besuch angekündigt hatten, kein großes Essen, aber doch ein paar Snacks, Jackfruit, Stachelbeeren, anderes frisches und auch getrocknetes Obst und andere Süssigkeiten. Ich kam mit einem Bier dabei davon, was mir erst ganz recht war, da die Alternative ein Softdrink war, der sehr nach Hustensaft (oder Rootbeer) schmeckte. Irgendwer merkte dann doch an, dass der Drink nicht so beliebt war, und die bekamen dann doch Cole oder Sprite oder so – sogar kalt. Dagegen war das Bia Saigon Lager dann gar nicht mehr so toll zu der Uhrzeit.
Steckdosentiere! Ich könnte mein Handy laden, oder ich nehme so einen kompakten 5.000 mAh-Frischling als Powerbank mit.
Nach dem Besuch steuerten wir noch ein Sightseeing-Ziel in Kon Tum an, die katholische Kirche Nhà Thờ Chính Tòa Giáo Phận Kon Tum, die ganz aus Holz erbaut ist. Sie sah von außen schon ziemlich schick aus, wenn auch nicht so beeindruckend wie die riesigen europäischen Sakralbauten. Ich fand einen Seiteneingang, durch den ich die Kirche betreten konnte. Ich war erst in einem Seitenschiff, auf Höhe hinter dem Altar. Hinter dem Altar standen Musikinstrumente, zwei lange Stangen mit vielen Gongs unterschiedlicher Größen, und ein aus gestimmten, hohlen Bambusrohren bestehendes Schlaginstrument. Die Kirchenfenster zeigten verschiedene Szenen aus der Bibel, etwa die Stillung des Sturms, den Exodus oder die Offenbarung von Jesu‘ Geburt des Propheten Jesaja. Vor dem Altar war eine Jesusfigur mit Stigmata an Händen und Füßen, also nach der Kreuzigung, das Kreuz beim Altar war auch kein Kruzifix, also ohne eine Figur des Gekreuzigten in Blut und Wunden. Das fand ich irgendwie ganz … hoffnungsvoll.
Nhà Thờ Chính Tòa Giáo Phận Kon Tum
Nach dem Besuch der Kirche (und der Toilette, die es hier gab) stiegen wir wieder in den Transit – nächstes Ziel: Da Nang. Die Autofahrt war von Google Maps mit etwa 6 Stunden (ohne Pausen) für unter 300 km prognostiziert. Tja, es ist halt keine Autobahn, eine nicht kurze Strecke führt über einen schwierigen Gebirgspass des vietnamesischen Zentralgebirges, und die Straßenverhältnisse sind teilweise auch nicht die besten.
Gegen Mittag machten wir eine längere Rast, damit die, die wollten (und das waren alle außer mir) eine Mittagsmahlzeit zu sich nehmen konnten. Es gab Reis, Suppe und Fisch und Gemüse, ich hatte mir nur eine Dose Cashews und zwei Flaschen Wasser gekauft. Die Raststätte lag landschaftlich sehr reizvoll, man hatte einen guten Blick auf einige Reisfelder und die Berglandschaft.
Gebirgslandschaft und Reisfelder, mit einem Bach, der die Felder offenbar bewässert
Nach der Mittagsmahlzeit ging es weiter. Die Gebirgsstraße verlangte unserem Fahrer einiges Geschick ab, aber er meisterte das souverän. Dafür war der Ausblick aus dem Auto lange Zeit landschaftlich so reizvoll, dass Dösen oder Lesen für mich die weniger gute Alternative war. Ich war offenbar ganz gut ausgeschlafen und zog es, als die Landschaft nicht mehr so interessant war, vor, in meinem E-Book-Reader zu schmökern („Lovecraft Country“ von Matt Ruff – ich las es zum zweiten Mal, weil es inzwischen eine Fortsetzung gibt, die ich demnächst auch unbedingt lesen möchte – absolute Empfehlung!).
Wir kamen vor 19.00 Uhr am Wohnkomplex an, wo mein Neffe und seine Freundin wohnten und wo mein Schwager und meine Schwester wieder das Gästezimmer bezogen. Zehn Minuten später waren der Freund meines Neffen, dessen Freundin (oft auch „meine Mitbewohner“ genannt, weil wir in Da Nang und später in Saigon zusammen im Hotel wohnen) in unserem Hotel. Es war ein anderes als bei unserem ersten Aufenthalt in Da Nang, zwar nicht am Strand, aber noch eine Ecke luxuriöser als das Haian Beach Hotel. Die Betten sind bestimmt 2,20 Meter breit, wir haben Balkone mit Tisch und zwei Stühle und Blick auf den Fluss, die Beleuchtung ist dezent, man kann den Kleiderschrank vom Zimmer und vom Bad aus öffnen (oder durch den Schrank ins Bad gehen), der Pool ist größer… und und und. Ich war noch nie so luxuriös untergebracht. Natürlich gibt es Safe, Kühlschrank, A/C, Wifi … aber eben alles auch sehr edel.
Blick auf das nächtliche Da Nang vom Hotelbalkon aus
Auch was die Sicherheit angeht – im Kleiderschrank gibt es für den Brandfall eine Art Gasmaske und eine Notfall-Taschenlampe (als ich die meinen Mitbewohnern in ihrem Zimmer vorführen wollte, funktionierte deren nicht, weil die Batterien ausgelaufen waren – und was nun, wenn es brennt?).
Meine Mitbewohnerin war trotzdem sehr angetan und freute sich über die tolle Unterbringung. Ich finde es schon auch toll und spektakulär, aber ich musste nach der Ankunft erst einmal den Unterschied zwischen dem einfachen Leben auf dem Lande und den (aus finanzieller Sicht) eher armen Leuten dort, und dem Luxus hier verarbeiten. Dennoch zögerte ich nicht, ein paar Bilder vom Zimmer und von der Aussicht vom Balkon zu schießen und auf Whatsapp zu posten.
Nachdem ich mich ein bisschen frisch gemacht und eingerichtet hatte, traf ich mich um 20.00 Uhr mit meinen Mitbewohnern, um etwas essen zu gehen. Die beiden Restaurants, die die beiden auf Google Maps lokalisiert und vorgeschlagen hatten, hatten beide geschlossen. Es ist immer noch Têt… Wir fanden ein japanisches Restaurant in der Nähe, welches geöffnet und moderate Preise hatte, wo wir uns niederließen. Ich hatte panierte Hühnerteile und Teigtaschen. Meine Mitbewohnerin eine sehr scharfe Suppe, die sie vor Herausforderungen stellte. Ich probierte sie auch, wirklich heftig scharf.
Nach dem Essen entschieden wir uns, noch eine Cocktail-Bar zu besuchen. Lt. Google gab es eine ganz in der Nähe. Wir suchten sie auf, sie hatte geöffnet und die Preise waren akzeptabel. Wir nahmen zunächst einen gemeinsamen Cocktail aus einem 1-Liter-Gefäß, wir bekamen dazu Shotgläser, die uns ein diensteifriger Kellner immer wieder aus dem Gefäß nachfüllte, wenn wir sie leerten. Der Name des Cocktails stand da nur auf vietnamesisch. Wir brauchten einige Zeit, um das auszutrinken. Danach wollten meine Mitbewohnerin und ich noch jeweils einen individuellen Cocktail trinken. Ich entschied mich für eine Peach Colada, die okay war, aber klassische Piña Colada mag ich lieber, aber die gab es nicht auf der Karte.
Tagesabschuss in einer Cocktail-Bar.
Nach diesen Drinks verließen wir die Bar und begaben uns zum Hotel zurück, und ich begann, zu schreiben. Damit ist der Blog auf Stand und ich (nach dem hinzufügen einiger Bilder) auch reif für das Bett.
Vorschau: Morgen werde ich wohl so um 09.00 Uhr aufstehen, um das Frühstück (bis 10.00 Uhr) nicht zu verpassen. Dann muss ich eine Wäscherei aufsuchen, um Klamotten waschen zu lassen. Planmäßig dieselbe, die schon mal auf dem Weg nach (und von) Hoi An angesteuert wurde, ich muss mir noch die Adresse geben lassen, dann fahre ich da mit einem Grab hin. Ansonsten… wenn das Wetter es zulässt, geht es vielleicht noch mal an den Strand. Oder in den Pool, wenn das Wetter weniger gut ist. Vielleicht noch ein Treffen mit der Family, auf eine Runde „Wurm“. Mal sehen. Wir haben zwei vollständige Tage in Da Nang (habe ich in einem vorangegangenen Beitrag falsch geschrieben), nach dem Roadtrip mit vielen Familienbesuchen und Sightseeing werde ich es vor allem langsam und entspannt angehen lassen, bevor wir nach Saigon zurückfliegen.