Nachdem ich hier im Hotel angekommen war, habe ich erstmal ziemlich mit dem WLAN des Hotels gekämpft. Das klappte alles nicht so, wie es sollte. Dann habe ich neben dem Blog noch Postkarten geschrieben, so dass ich abends erst recht spät loszog. Ein Nachteil der Jahreszeit ist, dass es hier immer schon echt früh dunkel wird.
Ich wohne hier in der Yehuda Street, eine Abzweigung der Hauptstraße Hebron Road. Also erstmal auf die Hebron, und nach Einkaufsmöglichkeiten umsehen. Direkt auf der anderen Straßenseite liegt eine Drogerie, die auch Softdrinks, Süßigkeiten und sowas hat. Erstmal Eistee und Müsliriegel eingesackt. Daneben ist eine Bank, die aber meine beiden Plastikkarten ablehnte. Die nächste Bank war nicht weit, und deren ATM akzeptierte meine Maestro. Nochmal 500 NIS abgegriffen. Dann bin ich einfach mal ein paar Treppen hochspaziert in der Hoffnung, von dort oben auf dem Hügel Teile der Stadt bei Nacht knipsen zu können, was auch einigermaßen aufging

Wohnblock – auf dem Dach sind Sonnenkollektoren, um Wasser zu erwärmen. Überall sieht man diese weißen Zylinder, die über Schläuche mit den Kollektoren verbunden sind. Ich nehme an, dass das Druckspeicher sind.
Die Idee war dann, in Richtung Alte Stadt zu gehen, zum Jaffator. Leider ging ich mal wieder von vorneherein in die falsche Richtung, schnallte es aber erst sehr spät, weil ich dachte, ich mache alles richtig. Bei solchen Aktionen war ich oft á la Zen-Navigation teilweise an interessante Orte gelangt, wo ich sonst nicht hingekommen wäre. Diesmal leider nicht. Der Weg an sich war, abgesehen davon, dass man zum Teil einen guten Blick vom Hügel herunter auf tiefer gelegene Teile der Stadt hatte, eher unattraktiv, entlang einer sechsspurigen Hauptstraße mit öder Randbepflanzung und endlosen Natursteinmauern. Ich gelangte eher an den Arsch der Welt, wenn man mal von dieser endlosen Hauptverkehrsader an sich absieht. Ich wäre auch nicht abgeneigt gewesen, irgendwo was essen zu gehen, aber ich habe da nur einen Laden namens Rosmarin gefunden, der nur Croissants und so nebst Kaffee, Tee und Softdrinks anbot.
Irgendwie schlug mir das mächtig auf die Stimmung. Gerade noch in Tel Aviv, der Partymetropole, und hier fühlte ich mich irgendwie auf einmal einfach nur noch einsam und deprimiert. Irgendwann war mir klar, dass das zu nix führen würde und kehrte um. Ich schlug mich ein wenig abseits, um mal für kleine Israel-Touristen… Ihr wisst schon. Da war dann so richtig der Arsch der Welt: Müll, aufgegebene Tanks, irgendwer hatte sich dort mal eine behelfsmäßige Behausung eingerichtet, daneben eine geschmackvolle Sitzeecke aus alten Sofas und einem Autositz um eine Feuerstelle gruppiert. Fast ein bisschen gruselig, zumal in der Dunkelheit und alleine. Passte zu meiner Stimmung.
Ich fand meine Kopfhörer doch noch in der Hosentasche und machte Rage against the machine an. Aber das hilft eher, wenn ich sauer bin, nicht gegen Depri. „Settle for nothing now, and we’ll settle for nothing later…“ machte es eher schlimmer (vor allem, weil es auch noch irgendwie an die Siedlungspolitik erinnert…) Die Frog Bog Dosenband half da besser, und ich machte mich wacker auf den Rückweg. Und sah in dieser Richtung auch die Schilder mit dem Hinweis „Old City“. Die Wegweiser sind hier übrigens dreisprachig, und jede Sprache hat auch ihre eigene Schrift…
Unterwegs ging ich noch in einen kleinen Laden, bei dem es Bier, Toaster, Wasserpfeifen und so zu kaufen gab. Hier erstand ich ne Tüte Chips, ein paar Flaschen Goldstar und einen Beutel Eis zur Einrichtung eines Behelfskühlschranks. Dann machte ich mich auf den Weg zum Hotel zurück.

Typischer Mittlerer-Osten-Baustil – nicht, dass ich mich damit auskennen würde, aber genauso stellt man sich das doch mit „Hintergrundkenntnissen“ aus Film und Fernsehen vor. Inklusive der außen aufgehängten Wäsche, die kein Klischee ist – habe ich schon reichlich gesehen.
Neben direkt ans Hotel (oder zugehörig dazu, mehr oder weniger) gibt es ein Restaurant. Da ich noch nicht zu Abend gegessen hatte, kehrte ich hier ein und bestellte Spaghetti mit Tomatensauce und ein großes Goldstar. Ich hatte erst überlegt, entgegen meiner Gewohnheit mal einen Rotwein dazu zu bestellen, aber ein Blick auf die Weinkarte belehrte mich eines Besseren. Die Preise waren nämlich nicht ohne. Die Bedienung fragte mich, ob ich im Hotel wohne, was ich bejahte, und nach dem Vorzeigen meines Zimmerschlüssels bekam ich 10%. Da auf der Rechnung „Service not included“ stand (wie im „Mike’s“) waren aber mindestens 16% Trinkgeld angesagt, aber das ist ja auch okay.
Zurück im Hotel kämpfte ich wieder mit dem WLAN. Wenn ich mal nicht mehr weiter bloggen kann, wisst Ihr, woran es liegt. Immerhin kann ich mich hier zwischen zwei freien Netzen entscheiden. Mal sehen, welches das Bessere ist. Jedenfalls konnte ich während eines längeren Uploads ein wenig mehr in meinem Buch „Betreutes Trinken“ lesen.
So unterm Strich war das nicht so mein Tag heute. Hatte mich schon zu sehr an den Strand, das tolle Hotel und die lässige Atmosphäre Tel Avivs gewöhnt. Ist hier alles bisschen anders. Vielleicht sollte man das umgekehrt machen, aber dann kommt der Kulturschock wahrscheinlich genauso, nur umgekehrt. Auf der positiven Seite kann ich aber sagen, dass dies mein erster Raketenfreier Tag in Israel war, das ist ja auch schon mal was. Vielleicht hätte ich mich auch einfach nicht mit „Jerusalem is lost…“ wecken lassen sollen… Bis morgen.





