Twilight – Alternatives Ende

Vor etwa zwei Jahren habe ich ein langes Gedicht zum Thema Twilight-Saga geschrieben. Ich habe nie eines der Bücher gelesen noch einen der Filme gesehen, allerdings einiges darüber gelesen. Daniel Benedict, ein Kollege aus der Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung, hat damals einen Blog zu diesem Thema geschrieben und zum Gedicht-Wettbewerb aufgefordert. Da habe ich – außer Konkurrenz – einen Beitrag abgeliefert. Der Blog existiert nicht mehr, aber ich wollte, da aktuell ja wieder einer dieser Filme läuft, den alten Beitrag gerne noch einmal veröffentlichen und in meinen eigenen Blog herüberretten:

Erzähler:
In dunkler Nacht zieh’n Nebelschwaden wie Todeshauch durchs Unterholz.
Still schweigen Vögel, nur paar Raben krächzen in den Wipfeln stolz.
Da plötzlich flieht von Furcht getrieben ein Schatten durch des Waldes Flur.
Es ist die Maid, die zweie lieben, der Wind fährt ihr durch die Frisur.

Bella:
Da flieh ich nun von Furcht getrieben schattengleich durch Wald und Flur.
Bin eine Maid, die zweie lieben, der Wind fährt mir in die Frisur…

Erzähler:
Hmpf. Das sagte ich bereits…
Der Schönen Antlitz voller Reiz,
wenngleich ganz bleich,
schlank die Figur,
schön die Frisur,
doch wo bleibt der Geliebte nur?

Edward:
Ach hörte Bella all mein Sehnen
zu stillen meiner Liebe Glut.
Werd‘ stets ablehnen Menschenvenen
und trinken nur Konservenblut.
Werd‘ bändigen des Durstes Gier
die seit ew’gen Zeiten schlief,
nicht ICH bin hier das Ungetier,
trachtend nach Rhesus Positiv!

Erzähler:
Hinterm Stamm der alten Eiche
Tritt gleich hervor, bleich wie ne Leiche,
der Edward, seine Maid zu sichten
die stehen blieb zwischen zwei Fichten.

Wie Magnet und Eisenstange
ziehn‘ sich beide magisch an.
Zuschauer fragen sich bange
ob Edward sich beherrschen kann?

Kaum trennen Millimeter noch
den Hals der schönen Bella
von den Lippen Edwards doch –
plötzlich und immer schneller
ertönt ein Brausen rings umher
und auch ein schaurig Heulen.

Beide, die Herzen plötzlich schwer,
erstarrend wie Salzsäulen.

Ein Rudel Wölfe kreist nun ein
die beiden jüngst Erstarrten.
Das Heulen dringt durch Mark und Bein.
Das Schicksal mischt die Karten.

Denn nun auf einmal schiebt sich schwarz
ein Schatten vor den Vollmond.
Die Erd‘ verdeckt der Sonne Licht,
der Mond gleicht dunklem Quarz.
Und was den Wölfen innewohnt:
offenbart sich Schicht um Schicht.

Ein Mensch in jedem Wolfspelz steckt,
das wird jetzt offenbar.
Der Schatten nun den Mond verdeckt
und Edward wird gewahr:
Die Wölfe, gerade noch im Bann
des fernen Erdtrabanten
verwandeln sich nun Mann um Mann
in Jacob, nebst Verwandten.

Bella:
Oh Jacob, so ganz ohne Pelz
dein hartes Sixpack mich entzückt!
Sei in der Brandung Du mein Fels,
sonst werde ich hier noch verrückt!

Jacob:
Oh Bella, oh wie es mich freut,
Dich hier so zu erblicken.
Ich wäre auch sofort bereit,
Dich hier und jetzt zu …

Erzähler:
Halt’ ein Jacob, Du garstig Wicht!
Schämst Du Dich denn nicht?
Die jungen Leser dieses Blogs,
die werden noch erröten!
Noch einer Deiner schlimmen Schocks,
dann wäre es vonnöten
Dich aus der Erzählung jetzt
So ganz und gar zu tilgen!
Damit Du keinen mehr entsetzt:
So spar Dir solche Silben!

Außerdem:
Als Edwards Auge nun erblickt
den gut gebaut’ Rivalen
er wirklich heftig jäh erschrickt,
jeder kann sich ausmalen:
Wie Eifersucht nun an ihm nagt,
was, wenn sich Bella ihm versagt,
wenn Jacob ihm die Liebste raubt,
er stünde völlig auf dem Schlauch
legte Bella ihr lieblich Haupt
auf des Rivalen Waschbrettbauch.

Edward:
Was wenn der mir die Liebste raubt,
ich stünde völlig auf dem Schlauch
legte sie ihr lieblich Haupt
auf des Verhassten Waschbrettbauch!

Erzähler:
Räusper…

Edward:
Sorry… ach ja:
Was wünscht’ ich mir Eckzähne spitz
auf das die Kehl’ ich ihm aufschlitz’.
Doch mein Lächeln, süß und harmlos
duldet nicht Eckzähne groß.
Doch jäh kommt mir in den Sinn
dass ich ja unsterblich bin.
Werd mich nun auf Jacob stürzen
um sein Leben zu verkürzen!

Erzähler:
Zwei Jünglinge in Liebesbrunst
kämpfen um der Schönen Gunst.
Streben nach dem süßen Lohn
und pures Testosteron
hinter ihrer Heldenstirne
flutet nun die zwei Gehirne.

Der Kampf, er wogt nun hin und her,
der Bella fällt das Warten schwer.
Plötzlich hat sie es ganz eilig
denn ihr wird so langweilig.

Bella:
Statt den Verrückten zuzusehn’
Könnt’ in ein Tanzlokal ich gehen’.

Erzähler:
Handyflackern – Funktaxi
Absatzklappern – fort war sie!

Plötzlich legt sich das Kampfgebrause
Vampir und Werwolf machen Pause.
Als des Gefechtes Staub sich legt
da merken beide ganz erregt:
Der Grund des Kampfes ist verschwunden!
So sagen sie ganz unumwunden
„War alles gar nicht bös gemeint.“
„Du bist im Grunde nicht mein Feind“.
„Schönen Tag noch!“ „Schlaf recht nett!“
„Ja, ich denk, ich geh zu Bett.“
Beide reichen sich die Hand
und entschwinden unerkannt.

Die Bella ward, man wird’s verstehn’
nun öfters mit Tom Cruise gesehn’.

Jacob bewarb sich, welch’ ein Schwachsinn
als Astronaut – Apollo 18.

Und Edward macht nun seitdem
Reklamespots – für Zahnputzcreme.

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Ich habe ferner noch einen Limmerick zum selben Thema verfasst, für diejenigen, die es lieber etwas kürzer mögen:

There was a young lady from Forks,
who thought she could be Edward’s.
Felt a burning desire
for this young vampire.
As advertised on the billboards.

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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1 Response to Twilight – Alternatives Ende

  1. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Ich finde ja auch, dass 5 Zeilen Gedicht genug sind. 🙂
    (und habe das lange auch nicht gelesen)
    Allerdings habe ich weder Twilight gelesen, noch gesehen, noch darüber gelesen. Kann also überhaupt nicht mitreden. 😀

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