Nochmal von vorne, aber anders

Wieder im Hotel, Fernseher läuft, ukrainische (oder russische?) Musikvideos auf M1 (einige habe ich inzwischen schon dreimal gesehen, ich hatte auch den Eindruck, dass ich einen Song, der aus einem Autoradio kam, kenne). Also alles wie gestern, nur später. Und das ist einer der Knackpunkte am Tag. Denn Odessa abends bzw. nachts ist eine Sache für sich.

Nun, hübsch der Reihe nach. Ich blieb wieder lange im Bett, weil ich ja eh nicht so richtig Lust auf alles hatte. Dann habe ich mich gegen Mittag auf die Socken gemacht, eigentlich hatte ich vor, mal mit so einem O-Bus zu fahren, irgendwoanders hin – egal wohin, die Gegend hier kenne ich ja jetzt. Aber erstmal doch – wenn auch schon Mittagszeit war, was frühstücken. Zuerst brauchte ich jedoch mehr UAHs. Ich hatte nicht mehr so viel davon, ein erheblicher Teil der 1000 UAH, die ich mir am Flughafen gegen Bar-Euros ungünstig ertauscht hatte, war ja schon für die Taxifahrt draufgegangen, dann noch zwei Abendessen und Einkäufe… Ich fand aber schnell eine Bank, wo ich einfach mit meiner EC-Karte an einheimische Ocken kam. Zu einem erheblich besseren Kurs als am Flughafen.

Cheesecakes

Cheesecakes im Café Granat

Ich landete dann im Café Granat, so fünf bis zehn Fußminuten vom Hotel. Ich war da schon öfter vorbeigegangen. Die haben so eine Art Zelt vor dem Gebäude, wo man also so halb draußen sitzt. Abgehöngt mit Stoffbahnen, aber man kann hindurchluschern, wie es drinnen aussieht. Sehr gemütlich mit Sessels und Sofas statt Stühlen. Als ich das erste Mal daran vorbeiging, sah ich, dass auch Sishas mit vermutlch legalen Substanzen serviert wurden. Gestern lärmte ein Stromaggregat davor, was mich abgeschreckt hat, aber heute ging ich dort doch „frühstücken“. Es gab Cheesecakes mit Erdbeeren und Cappuccino. Sehr lecker. Es gibt hier neben der ukrainischen Küche auch auf amerikanisch getrimmte Lokale und Speisekarten, Italiener und Türken. Fastfood-Restaurants der üblichen Ketten habe ich noch gar nicht gesehen, obwohl MC Donald’s hier sicherlich auch lauert, jedenfall habe ich Werbeplakate dafür gesehen. Lt. „Odessa in your Pocket“ sollen sich Selbstbedienungsrestaurants eher lohnen als Fastfood-Ketten, das Essen sei besser, und die seien auch beliebt. Nun, die Karte war auch auf Englisch verfügbar, ich kam mit den Leuten da irgendwie ohne sprachliche Pannen zurecht, das Essen war lecker und nicht teuer.

Beim Warten auf das Essen checkte ich mal, was an zugänglichen WLANs verfügbar war – so einiges! Also rein mit dem Smartphone. o2 verlangt für den hiesigen Tag der Welt 12 Euro pro Tag und 6 MB – ein absoluter Witz! Anderswo bekommt man für 10 Euro 100 MB, darüber kann man zur Not ja reden, aber der Tarif geht mal so gar nicht. Datenfunk aus und fertig, nur WLAN. Nun, ich hatte so Gelegenheit, beim Warten mit meinen Ingress-Kollegen zu chatten – und ein Level-6-Portal zu hacken. Hm, ungeahnte, neue Möglichkeiten! Es gibt hier irgendwo eine Reihe 8er, aber auch die nähere Umgebung stellte sich Ingress-technisch als reizvoll heraus.

Kreuzfahrtschiffe am Passagier-Terminal

Die „Silver Spirit“ (links) und die „Queen Elisabeth“ haben in Odessa festgemacht. Am Abend waren beide wieder verschwunden.

Ich ging nach dem Essen erstmal wieder Richtung Potemkin-Treppe und Hafen. Lecker! Zwei große Kreuzfahrtschiffe waren hier festgemacht. Es waren die „Queen Elisabeth“ der Cunard-Line und die „Silver Spirit“ der Silverseas Cruises. Zufälligerweise wurden beide Schiffe auf der selben Werft, der italienischen Fincantieri, gebaut.

Queen Elisabeth dreht

Die Queen dreht – man sieht deutlich die Bugstrahlruder in Aktion

Na, da musste ich auf jeden Fall hin, ich mag ja neben Flugzeugen bekanntlich auch große Schiffe jeder Art. Die „Queen Mary 2“ hatte ich in Hamburg schon mehrmals und einmal in New York gesehen, aber die QE noch nie. Die Cunard-Schiffe sehen im Gegensatz zu den bunten AIDA-Joghurtbechern wenigstens noch halbwegs wie ein klassisches Passagierschiff aus. Naja, so richtig auch nicht mehr, dafür sind die Aufbauten zu hoch, was der Ökonomie geschuldet ist – man muss eben die Passagierkapazität erhöhen. Allerdings gab es auch rund um das Passagierterminal einige WLANs, die für Ingress ausreichten. Und alles war voller Level-6-Portale, die ich auf Level 7 aufrüsten und außerdem mit Heatsinks und Multi-Hacks auch etwas produktiver upgraden konnte. Also wurde es eine Mischung aus Ship-Spotting und Ingress-zocken.

Die Queen dampft ab

Die Queen dampf ab – und wird von Mutter und Sohn verabschiedet

Auch viele andere Leute standen am Kai. Es gibt da so eine Statue einer Frau, die ein Kind hochhält, welches in Richtung Hafenausfahrt ablegenden Schiffen hinterherwinkt. Ich bin ja kein Kunstfan, aber das Ding gefällt mir irgendwie – vielleicht, weil die Botschaft so simpel ist, dass sie sich selbst mit Kunstbanause erschließt. Mir gefällt dieses Gefühl von Sehnsucht und Abschied, die dieses Bild transportiert. Leider gibt es mit diesem Ding dasselbe Problem wie mir den vielen anderen Portalen, äh, Statuen und Monumenten hier: Es ist nicht einfach, diese Touristenfrei zu fotografieren. Die meisten reisen ja nicht alleine, und da begnügt man sich ja nicht damit, das Ding zu knipsen, sondern man lässt sich mit dem Ding knipsen. Egal, ob besagte Mutter mit Kind, die Schlange vor dem Terminal, das Goldene Kind, der Duc de Richlieu oben auf der Treppe – überall kleben ständig irgendwelche Touristen dran. Nächstes Mal bringe ich eine Brechstange mit, damit müsste man die doch irgendwie abkriegen! Jedenfalls gab es am Fuße der Statue mit Mutter und Sohn einen Lautsprecher, der in einer, äh, sehr ansprechenden Tonqualität etwas abspielte, was wie Unterhaltungsmusik aus den USA der 50er anmutete, so mit Bigband und so, aber in russischer oder ukrainischer Sprache (ich kann das nicht unterscheiden, nur bei Details, ob z.B. jemand „Da“ [russisch] oder „Tak“ [ukrainisch] sagt). Es gibt mittlerweile auch eine Mischform, wie ich im Reiseführer gelesen habe. Irgendwie logisch, wo hier einfach so beides stark parallel existiert und sich die beiden Sprachen wohl auch recht ähnlich sind.

Die Silver Spirit

Die „Silver Spirt“

Die QE legte dann irgendwann ab. Dazu musste sie einmal auf der Stelle um 180 Grad drehen, was mithilfe des Pod-Anriebs (im Prinzip zwei drehbare Gondeln mit jeweils Elektromotor und Propeller) und der Bugstrahlruder ein Leichtes für das Schiff war. Danach fuhr das Schiff Richtung Hafenausfahrt und war dann zu weit weg, um von mir noch fotografiert zu werden. Also wande ich mein Objektiv der kleineren und weniger spektakulären „Silver Spirit“ zu, und farmte noch die Hafenportale zuende, was eine Weile dauerte. Also, diese ukrainischen XMP-Burster… ich trau mich ja nicht, da konkret zu werden. Die Ukraine hat den Atomwaffensperrvertrag 1996 ratifiziert und sich damit aus dem Kreis der Atommächte verabschiedet, soweit ich gelesen habe. Aber wer weiß… Jedenfalls standen da am Ende 14 Level-7-Portale… Okay, ich sollte noch was anderes zu tun haben, als die zu farmen, aber wenn es nebenbei Schiffe zu gucken gibt…

Danach war der Plan, eine Zigrarre zu besorgen, die irgendwann irgendwo mit ner Dose Bier zusammen zu konsummieren – vielleich am Terminal. Außerdem wollte ich irgendwann was essen – am liebsten wieder im Café Granat, weil die Karte da auch für das Abendessen attraktive Sachen zu attraktiven Preisen anbot.

Baum mit Leuchtäpfeln auf der Kataryn... dingsbums, also, na, auf der Kati ihr seine Straße

Baum mit Leuchtäpfeln auf der Kataryn… dingsbums, also, na, auf der Kati ihr seine Straße

Und dann wollte ich endlich mal bei Dunkelheit durch die Gegend ziehen. Ich hatte mir da ein bisschen Angst von meinen Reiseführern und dem Internet machen lassen, über Polizisten, die von unbedarften Touris wie mir dann irgendwelche „Strafgelder“ für’s unerlaubte Exisitieren oder so verlangen würden. Aber es war Ingress, was mich hinter dem Ofen hervorlockte. Denn es gab so richtig tolle Nachtaufnahmen von vielen Portalen, die mir zeigten, dass viel schön beleuchtet bei Dunkelheit seinen ganz eigenen Reiz hat. Und da ich ja selbst gerne Nachtaufnahmen mit meiner simplen Knipskiste mache, dachte ich mir, was solls, ich ziehe jetzt auch mal nach Dunkelheit hier durch die Gegend. Also habe ich heute nichts Neues gesehen (außer den Schiffen), aber eben anders, nämlich bei Nacht. Gegen polizeiliche Übergriffe überlegte ich mir folgende ganz simple Strategie: Einfach nur soviel Geld dabeizuhaben, wie ich gerade brauchte, also so den Gegenwert von 20 Euro. Was sollen die dann schon ggf. machen, wenn ich die schon fast ausgegeben habe – mich mit auf die Wache nehmen? Zu einem Geldautomaten? Mich ins Hotel begleiten? Wie auch immer, mir blieb die Erfahrung bisher erspart.

Zuerst ging ich in Richtung Hotel, aber noch so wenige hundert Meter weiter. Ich wusste von Google Maps, dass hier das Rathaus der Stadt ist, aber ich hatte es noch nie gesehen, bisher bin ich immer erst in die andere Richtung gegangen. Das Rathaus ist ein recht imposanter Bau mit vielen Säulen. Es war gerade Punkt sieben, und es erklang eine, wie ich fand, sehr schöne Melodie von Glocken, allerdings nur aus Druckkammerlautsprechern. Trotzdem… diese zweistimmige Melodie hat es mir so angetan, dass ich sie vielleicht nochmal irgendwann aufnehme. War irgendwie so schön melanchonisch. Auf dem Platz vor dem Rathaus fuhren Jugendliche mit Fahrrädern, Inline-Skates und Skateboards umher. Es gibt noch einen großen Brunnen, und eine große Kanone davor. Letztere zeigt aber Richtung Schwarzes Meer, nicht auf ein Hotelfoyer. Alles sehr schick und wie geleckt in Schuss. Es war schon fast dunkel, und ich wollte schon fotografieren, aber meine Akkus schwächelten. Die anderen Akkus, die ich kurz vor der Reise gekauft hatten, ebenfalls – taugen offenbar nix. Ärgerlich.

Ich ging ins Hotel, warf überschüssiges Geld in den Safe und die Akkus ins Ladegerät. Spannung ist hier übrigens 220 Volt, die Steckdosen gibt es sowohl als Schuko-Steckdosen exakt wie bei uns als auch als zweipolige Anschlüsse, in die Euro-Stecker hineinpassen. Ich habe sicherheitshalber alle Adapter dabei, aber ich benötige keinen. Dann ging es gleich wieder los. Ich überlegte noch, in welcher Reihenfolge Essen, Zigarre rauchen und Fotografieren zu erledigen wäre, und ich machte es dann in genau dieser Reihenfolge.

Ekatarina II

Ekatarina II – nach der ist offenbar auch die Straße benannt. Jedenfalls zu gut deutsch Katharina II. oder auch „Katharina die Große“. Sie erkannte dereinst die strategischen Vorteile des Ortes und ordnete die Gründung von Hafen und Stadt an. Das muss eine ziemlich intelligente Frau gewesen sein, vor allem in einer Zeit, in der sowas gemeinhin nicht anerkannt wurde.

Ich ging zuerst die Katernynyns’ka hoch, wie immer – hier ist auch „meine“ Bank und „mein“ Supermarkt, sowie ohne Ende Gastronomie, auch das Café Granat. Da wollte ich eigentlich wieder hin, aber draußen war kein Platz mehr zu bekommen. Kein Wunder, ist ja auch gut. Erst mal ging ich jedoch noch zum Supermarkt (der, wie ich bemerkte, kurz vor elf Uhr abends immer noch geöffnet war). Wegen der nicht funktionsbereiten Akkus kaufte ich Batterien. Da stand auf einer Packung mit vier AA-Duracells 8,10. Wow, 80 Cents, ich dachte, ich mache das Schnäppchen meines Lebens, als ich mit zwei Packungen an der Kasse stand – wo ich dann belehrt wurde, dass das der Preis für EINE einzelne Batterie sei. Trotzdem, immer noch akzeptabel, der Preis…

Wohin also alternativ zum Essen? Es gab da noch diesen Laden, vor dem immer dieser in Japanisches Tuch eingewickelter Typ herumsteht, offenbar gibt es hier vor allem Sushi, was hier, ähnlich wie Sisha (man beachte die phonetische Ähnlichkeit) offenbar recht angesagt ist. Nicht mein Ding. Also zum „Pizza & Grill“ – das ist doch eine Sprache, die ich verstehe! Letztenendes versteht man sich hier auch ohne sprachliche Gemeinsamkeiten, und die Karte ist sehr übersichtlich, bietet aber in beiden Disziplinen entscheidende Leckereien an. Ich nahm einfach einen doppelten Burger mit Fritten für so 85 UAH und ein großes Livinska White Lion oder so. War super und preislich sehr akzeptabel. Dabei lief so recht laute Clubmucke, nicht so mein Ding, aber erträglich. Der Laden war nicht so gut besucht, aber nebenan saß ein Pärchen, dass sich auch eine Sisha kommen ließ, welche vom Kellner angeraucht wurde. War sehr stylisch, unten drin war eine batteriebetriebene LED, die das Blubbern beim Ziehen besonders zur Geltung brachte. Ich achtete extra darauf, ob wohl das Mundstück nach dem Anrauchen getauscht würde, aber das muss ich verpasst haben. Ansonsten vertrieb ich mir die Zeit, dank des Restaurant-eigenen WLANs, damit, mit Ingress-Kollegen zu chatten und die Portale in der Nähe zu hacken, z.B. den Duc de Richlieu.

Okay, Essen erledigt, also wo die Zigarre rauchen? Ich hatte mir zuerst die Potemkin-Treppe vorgestellt, die inzwischen angenehm Falken- und Kaninchenfrei war. Nur oben, wo die City-Touren starten, wurde mir schon wieder ein Flyer in die Hand gedrückt. Vielleicht mache ich das sogar auch mal, so eine Tour. Naja, aber so gemütlich war es auf der Treppe nicht, also weiter wieder Richtung Terminal. Die „Silver Spirit“ war inzwischen auch verschwunden. Schade, die Schiffe wären in der Dunkelheit sicherlich auch ein netter Anblick und Motiv gewesen. Trotzdem, die Treppe runter, Straße unterquert, und zum Terminal. Inzwischen konnte ich die 7er-Portale dort schon wieder hacken, öhm… Damit schaffte ich es natürlich nicht, einfach irgendwo zu sitzen, meine Zigarre zu rauchen und meine Dose „Obolon“ zu trinken. Allerdings schmeckte die Zigarre nicht besonders, schlechtes Preis/Leistungs-Verhältnis. Außerdem wehte ein recht kühler Wind, und es war also eh nicht so komfortabel, daher konnte ich ebensogut meine Kreise drehen und die 7er hacken, während ich meine Zigarre rauchte. Die Atmosphäre hatte fast was Surrealistisches. Es waren kaum Menschen da, nur hier und da ein paar Jogger und Pärchen. Trotzdem lief der Lautsprecher bei der Mutter-und-Kind-Statue noch, was in der Dunkelheit auf dem menschenleeren Platz seltsam wirkte. Es schien neben der Big-Band-Unterhaltungsmusik zwischendurch noch so eine Art Comedy zu sein – ohne Zuhörer außer mir, und ich habe kein Wort verstanden.

Containerschiff bei Nacht

Containerschiff bei Nacht, Lade- und Löscharbeiten werden durchgeführt. Im Vordergrund der Sound aus dem Lautsprecher der „Mutter-und-Sohn“-Statue, im Hintergrund das Warnpiepen von Flurförderfahrzeugen auf dem Containerterminal.

Ich rauchte also meine Zigarre, trank mein Bier, machte zwischendurch ein paar Hafenfotos mit langen Belichtungszeiten, und farmte zum zweiten Mal die 7er-Portale. Als Bier und Zigarre durch waren, dauerte es nicht mehr lange, bis ich die am Ende des Piers „ausgebrannt“ hatte. Aber es gab ja noch die weiteren vorne vor dem Terminal. Da farmte ich auch noch, aber irgendwann war es auch mal gut, ich wollte ja noch weitere Fotos in der Stadt machen.

Discovery Bay und Chiquita Bananen

Alles Banane in Odessa? Keine Ahnung, aber die „Discovery Bay“ lag schon hier, als ich vorgestern ankam. Das irritiert mich irgendwie, so ein kleines Schiff sollte längst abgefertigt sein.

Also erst die Potemkin-Treppe wieder hoch (bisher immer zweimal pro Tag als minimal-sportliche Übung), dann die Katernynyns’ka entlang. Die große Statue von Ekatharina II hatte ich schon bei der Suche nach Abendessen erwischt. Auch die Straße mit den Leuchtäpfeln in den Bäumen. Aber ich wollte unbedingt noch Aufnahmen von der Oper machen. Indess – die war dann gar nicht so nett angestrahlt, wie ich erwartet hatte. Nun, es sah aber gut genug aus. Ich hatte teilweise meine liebe Not damit, meine Kamera irgendwo hinzustellen. Da bieten sich normalerweile Autodächer für das kleine Stativ an, welches ich in meiner Kameratasche mitführe. Aber ich suchte mir die Autos sorgfältig aus und vermied die ganz großen SUVs und Limousinen. Denn wer weiß, vielleicht gehört soetwas dem hiesigen Drogen- oder Zuhälterkönig, und der muss mich dann alleine schon deswegen in einer Dose Hundefutter enden lassen, um seinen guten Ruf zu wahren…

Hotel Mozart

Hotel Mozart mit seiner nachts schick beleuchteten Fassage

Also, auf zur Oper, Fotos machen, auch von der nett beleuchteten Fassage des benachbarten „Hotel Mozart“, feststellen, dass sowohl Portale als auch WLAN in Reichweite sind, deployen, linken, hacken, und langsam den Rückweg zum Hotel finden. Unterwegs wurde ich noch von zwei mittelalten Frauen mit dem üblichen „What’s your country“ angesprochen. Höflich antwortete ich „Germany“, unhöflich aber konsequent sah ich zu, dass ich Land gewann. Die hatten keine Falken oder Kaninchen dabei, aber naja, die werden sich was anderes dabei gedacht haben, was ich genauso wenig wollte.

Oper bei Nacht

„Seht das schöne Opernhaus, sieht es nicht fanstastisch aus? Herren im Frack, Frauen in großer Abendgarderobe. Hunde werden an der Leine geführt…“ (Georg Kreisler)

Also lieber nochmal zum Rathaus, Fotos machen. Dort war immer noch ein bisschen was los, vor allem stand hier einer von den mobilen Kaffeeläden, der laut Musik spielte. Ich machte meine Bilder und hackte die Portale. Das ist fast noch in Reichweite des Hotel-WLANs, aber nicht mehr ganz – es gibt aber da wieder ein anderes, in das ich mich einklinken kann.

Rathaus bei Nacht

Rathaus und eine in die richtige Richtung zeigende Kanone

Als ich eigentlich schon fertig war, tauchten zwei Damen auf Pferden auf. Die eine hielt dann mit ihrem Gaul direkt auf mich zu und sprach mich auf ukrainisch (russisch?) an. Ich sagte ihr auf Englisch, ich spräche kein Ukrainisch. Sie darauf „Come on, let’s ride!“ WTF? Ich lehnte das höflich mit dem Hinweis, ich verstünde mich nicht gut mit Pferden, ab. Was zum Geier war das denn schon wieder? So abenteuerlustig, mit einer – nicht unattraktiven, aber unbekannten – jungen Dame nachts hoch zu Ross durch eine unbekannte Stadt zu ziehen, bin ich dann doch nicht, zumal ich wirklich mit Pferden keine Erfahrung habe. Mit meiner kaputten Hüfte würde ich auf das Vieh nicht einmal unfallfrei rauf kommen. Und was da wieder die Masche ist … wahrscheinlich auch etwas, was mit Kosten verbunden ist, die im Vorfeld nicht erwähnt werden. Das ist eben das, was mich wirklich nervt. Wenn da von den hiesigen Tierfreunden gleich ne Ansage gemacht würde, was der Spaß kostet – vielleicht würde ich mich dann sogar mit einem Raubvogel knipsen lassen. Aber diese hinterfotzigen Geschichten, bei dem man plötzlich so einen Federvieh auf dem Arm sitzen hat, ehe man sich’s versieht, danke nein – dafür bin ich wahrscheinlich zu deutsch. Und ich will auch nicht als Dose Hundefutter enden, weil sich herausstellt, dass die Reiterin zufällig zum Harem desselben Typen gehört, auf dessen SUV ich fast meine Kamera gestellt hätte…

Gun and Flowers

„Gun and Flowers“ – hieß so nicht eine bekannte Band?

Zurück zum Hotel, Glotze an, Bloggen, Feierabend.

Bis bald!

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About michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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