Moin moin aus Schleswig-Holstein. Seit Samstag halte ich mich bei Freunden in Neuenkirchen bei Heide (Holstein) auf. Anlass (falls man den einen braucht, um Freunde zu besuchen) ist der morgen anstehende Geburtstag meines Freundes. Ich werde hier fürstlich verpflegt und habe auch deren Sauna schon zweimal geniessen können.
Mein alter Schulfreund hat sich schon immer gerne mit Computern beschäftigt, angefangen von den 8- und 16-Bit-Computern der 80er über das Zusammenschrauben von PCs, die Programmierung und Netzwerktechnik. Inspiriert von einer Sonderausgabe der bekannten Fachzeitschrift „Chip“ mit dem Titel „Kultcomputer der 80er“ suchten wir den Dachboden auf. Hier stapelten sich noch zwei C64, drei 1541-Floppydisk-Laufwerke sowie eine 1541 II. Und der heilige rote Kasten mit den Disketten (der von meinem Freund dann versehentlich die Treppe runtergeschmissen wurde – klassischer Softwareabsturz).

Alles, was man für eine Runde beinhartes Retrogaming benötigt: Na, welche Brotdose tut es wohl noch?
Zunächst war zu untersuchen, welche Teile des Hardwaremuseums denn womöglich noch einsatzbereit wären. Eine der beiden „Brotdosen“, wie der C64 liebevoll weiland genannt wurde, sowie das neuste Diskettenklaufwerk vom Typ 1541 II taten es noch. Also wurden die alten Schätze samt zwei Joysticks, Netzteilen und sonstigem Kabelsalat ins Wohnzimmer verfrachtet und mit dem Beamer und der Dolby-Digital-Anlage verdrahtet. Hm… war das Bild nicht eigentlich farbig? Es ist wohl entweder dem DIN-Cinch-Adapter für Composite-Video und Ton, oder der Anschlussbuchse des Homecomputers geschuldet, dass wir nur ein Schwarzweißbild zu sehen bekamen. Naja… umso mehr Retro war es halt…

Ahhh… wessen Herz, wenn man in den 80ern als Junge aufgewachsen ist, schlägt da nicht höher? Sowas gibt es heute auf T-Shirts. Farbe wäre allerdings schon nett. Immerhin: Welches Betriebssystem ist heute innerhalb einer Sekunde nach dem Einschalten einsatzbereit?
Wärend mein Retrogaming-Kollege noch nach einem Kabel für die Tonübertragung suchte, war meine erste Amtshandlung, ein dreizeiliges Programm in Beginner’s All-purpose Standard Instruction Code, auch bekannt als BASIC, zu schreiben.
10 FOR A=0 TO 1000
20 PRINT A
30 NEXT
RUN
Dann bekam ich einen Lachkrampf, als ich sah, wie langsam der Rechner sich durch die Aufgabe, von Null bis Tausend zu zählen, quälte.

Für mich als – wenn auch zur Zeit inaktiven – Ingress-Spieler und „Enlightened“-Mitglied ist es natürlich Ehrensache, die kleinen Reptilien sicher über Straße und Fluß zu dirigieren.
Also, rauf aufs Sofa und die Disketten abchecken. Erster Test mit „Wargames“: Greetings, Professor Falken. Die Verteidigung der USA erwies sich als schwierig und nicht besonders motivierend. Also folgten Spieleklassiker wie „Frogger“, „Centipede“, „Donkey Kong“, „Defender“, „Dig Dug“ und „Boulder Dash“. Beim Dirigieren des kleinen Frosches über die befahrene Straße und über treibende Baumstämme und tauchende Schildkröten in einem krokodilverseuchten Fluss hatte mein Retrogamer-Kollege die Nase vorn. Ebenso beim Spiel mit dem steinzeitlichen Einradfahrer „Oerm“. Wenn es jedoch ums Ballern geht… Bei „Defender“, was ich auch schon auf meinem Schneider CPC 6128 gespielt habe, erzielte ich den Highscore. Ebenso beim Dirigieren der Diamantensuchenden, ungeduldigen Ameise bei „Boulder Dash“.

Legendär: Wenn man die kleine Ameise bei „Boulder Dash“ ein paar Sekunden nicht bewegt, fängt sie ungeduldig an, mit dem Fuss zu tappen. Als die Pixel noch gefühlte zwei cm Seitenlänge hatten, stand noch die Spielidee, weniger graphische Effekthascherei im Vordergrund. Sie motivierte zu stundenlangem Spielspaß.
Wir hatten eine Menge Spass. Heute muss irgendwann der Lötkolben an den Start. „Projekt Farbe“ steht an.
Zwischenzeitlich allerdings werde ich hier wohl als Hilfslehrer eingestellt. Mein Gastgeber will mich mit in seinen Informatikkurs schleifen, wo ich seinen Schülern, die gerade HTML, css und vielleicht ein bisschen Javascript lernen, ein bisschen etwas über den Arbeitsalltag eines Webentwicklers erzählen soll. Abends geht es dann in ein Konzert nach Hamburg von irgend so ner Popkombo, die gerade einen Hit im Radio hat… keine Ahnung, mal sehen. Dann feiern wir vielleicht noch in den Geburtstag hinein.
Bis die Tage!
Top, alte Kisten rauskramen ist immer lustig auch wenn das da vor meiner Zeit war^^