Die Hochzeit meiner Freunde Antje und Helge stand an. Geladen waren gemeinsame Freunde, also lag es nahe, das Geschenk (gewissermaßen eine Verpackung für ein gemeinsames Geldgeschenk) gemeinsam zu basteln. Dazu trafen wir uns ein Wochenende bei meinem Freund Markus in Schleswig-Holstein, um die Bastelaktion gemeinsam gewissermaßen zu zelebrieren (und um Siedler von Cathan zu spielen und viel Bier zu trinken, wenn ich mich richtig erinnere).
Obwohl es sehr schöne Fotos mit den Freunden gab, die bei der Arbeit an dem Flugzeug entstanden sind, veröffentliche ich die hier nicht. Ich habe nicht um Erlaubnis gefragt. Daher bin nur ich auf einigen der Bilder zu sehen. Ich schreibe auch nicht genau rein, wer was gemacht hat. Erstens weiß ich das nicht mehr so genau, außerdem spielt es keine Rolle.
Wenn ich mich nicht irre, war es meine Idee, ein Flugzeug zu bauen, um das Geldgeschenk als Urlaubskasse zu deklarieren. Ich glaube, Markus hatte die Idee, die wesentlichen Teile im Baumarkt zu kaufen. Wir erstanden dort ein Wasserrohr als Rumpf, weitere Teile aus der Klempner-Abteilung als Triebwerke sowie Farbe und ein paar Kleinigkeiten. Ich hatte noch ein paar Sperrholzplatten und eine simple Transistorschaltung für ein blinkendes Anti-Kollisionslicht mitgebracht, Markus hatte noch Restholzbestände für Tragflächen und Triebwerksaufhängungen da.
Um ungefähr sinnvolle Abmessungen und Längenverhältnisse für das Flugzeug zu überlegen, luden wir uns eine einfache Skizze einer Boeing 757 herunter, die wir als Vorlage verwendeten. Eine der ersten Arbeiten war, das Rohr für den Rumpf auf die richtige Länge abzusägen.
Die Tragflächen wurden aus Markus‘ Restholzbeständen nach der Boeing-Skizze gefertigt und axial mit Bohrungen versehen, da sie mit einer soliden Gewindestange miteinander verbunden werden sollten.
Mit einer Laubsäge sägten wir aus Sperrholzplatten die „Heckflossen“, also die Höhenleitwerke und das Seitenleitwerk aus. Ferner musste aus dem Rumpf noch eine „Tür“ ausgesägt werden, damit man an die Batterie für das Antikol – und nicht zuletzt an das Geld – herankäme. Wir verbauten ein Scharnier aber diesmal kein Schloss (und keinen Schatullenüberfall), sondern nur eine Art „Türknopf“. Außerdem mussten auch noch Aussparungen für die Tragflächen und Heckleitwerke in den Rumpf geschnitten werden. Ich glaube, da kamen auch ein Teppichmesser und einige Feilen zum Einsatz.
Dann ging es an das Lackieren der Einzelteile. Das Brautpaar, beides Wirtschaftswissenschaftler mit einem gewissen Faible für Coorporate Design, hatten von den Einladungen bis zur Tischdeko ihrer Hochzeit ein solches gegeben. Hier kamen ein Zinnoberrot-Ton und eine Art Crèmeweiß oder Beige zum Einsatz. Kreise mit einer Schnittmenge symbolisierten das Motto „Gemeinsam“. Wir wollten dieses Design für unser Geschenk übernehmen, sozusagen als Hommage.
Daher lackierten wir Rumpf und Tragflächen auch in Crèmeweiß und das Seitenleitwerk in dem Rotton mit zwei Kreisen in dem Crèmeweiß, der Schnittmenge und dem Motto „Gemeinsam“ – quasi als Logo. Auf den Rumpf klebten wir anstelle eines Airline-Namens die URL der Website des Brautpaares (hier gab es zuvor Informationen des Brautpaares an die Gäste, Wegbeschreibung, Zeitplan etc.) http://www.helge-und-antje.de. Die Schriftzüge wurden auf Overhead-Folien ausgedruckt, ausgeschnitten und mit Klarlack an den Flieger geklebt.
Zwischendurch musste natürlich die Farbe mal trocknen – gut Gelegenheit dafür, viel Bier zu trinken und Siedler zu spielen.
Dann blieben noch einige Feinarbeiten. Ich hatte noch eine Transistorschaltung (astabile Kippstufe mit zwei Transistoren, ein Klassiker wenn man nur paar LEDs blinken lassen möchte) schon fertig mitgebracht, ebenso wie eine rote 6mm-LED. Das wurde mitsamt einem Schalter als Anti-Kollisionslicht (oben am Rumpf) verbaut. Den Heckkonus bildete ein Plastiktrichter, von dem das Endrohr abgeschnitten wurde, natürlich in Rumpffarbe angemalt. Für die Nase des Fliegers sägten wir das Vorderteil einer Mineralwasserflasche ab, in das wir von innen ein Bild des Paares (von der Einladung) einklebten. Als Spitze ganz vorne (da darunter bei echten Flugzeugen, ob Passagierjet oder Kampfflugzeug, meist eine Radarantenne verborgen ist, spricht man hier von Radom) nahmen wir eine Hälfte von einer Überraschungseigimmik-Ummantelung (oder sowas in der Art, und ich habe keinen Schimmer, wie diese normalerweise gelben Kapseln offiziell heißen, aber jeder kennt sie). Diese wurde schwarz tauchlackiert – bei z.B. Lufthansa-Jets war der Radom früher tatsächlich schwarz lackiert.
Schließlich wurde nach und nach alles zusammengebaut. Dabei wurden auch die eigens gefertigten Triebwerksaufhängungen (ich bin mir nicht sicher, ob man hier auch von Pylonen spricht wie bei den Dingern, an denen bei Kampfflugzeugen Waffen, Behälter mit elektronischem Equipment wir Kameras, Infrarotsichtgeräte, Laserdesignatoren oder Störsender, oder Außentanks angebracht werden) an die Tragflächen geschraubt. An diese wurden dann wieder die „Triebwerke“ geschraubt. Die Heckleitwerke wurden montiert, der Heckkonus und die Nase auf den beiden Seiten des Rumpfrohres eingeklebt.
Schließlich war der Vogel fertig und wir alle verstauten unsere Geldgeschenke und Grüße an das Brautpaar im Inneren. Und einen USB-Stick, der die Fotos von der Bastelaktion enthielt.









