Schwein gehabt

Ein Wort vorneweg: Liebe Beamte und Mitarbeiter der Polizei, ich habe weder etwas gegen die Polizei als Institution noch gegen deren Personal. Im Gegenteil, ich erkenne die Notwendigkeit dieser Institution voll an und bin froh, dass es sie gibt – denn es gibt nun einmal Notfälle, in denen jeder, also auch ich, auf sie angewiesen sein kann. Daher hatte ich nie eine mehr oder weniger versteckte Beleidigung im Sinn. Warum es ausgerechnet ein Polizeisparschwein wurde steht weiter unten im Text…

Im Jahr 2007 heirateten meine Freunde Gunnar und Anja. Naheliegend zum Geld-verschenken ist natürlich ein Sparschwein. In besagtem Jahr veranstaltete die Sparkasse Osnabrück eine Marketing-Aktion namens „Maxx, das Schwein“. Es ging darum, dass große, verschiedenenfarbige Kunststoffsparschweine an alle Interessenten verschenkt wurden. Diese sollten dann phantasievoll gestaltet und wieder abgegeben werden. Die gestalteten Sparschweine wurden dann in den Sparkassenfilialen Osnabrücks ausgestellt. Allerdings entschied, glaube ich, keine Jury, sondern das Los über Gewinner, so dass „Dabei sein ist alles“ zutraf und es auf Glück und nicht Kunstfertigkeit ankam. Ich hatte mit dieser Aktion zu tun, weil mein Arbeitgeber die Sparkasse medial und werblich bei der Kampagne unterstützte und ich deshalb ein paar Webseiten dazu beizusteuern hatte.

Wie auch immer, ich besorgte mir eins dieser Schweine und kam auf die Idee, es für die Hochzeit zu gestalten. Weder Bräutigam noch Braut arbeitet bei der Polizei. Im Prinzip gibt es zwei Gründe, warum ich dieses Outfit für das Schwein gewählt habe: Zum einen dachte ich, wenn es ein Polizeischwein ist, wirkt das ja vielleicht abschreckend auf potentielle Sparschweindiebe. Und zweitens hatte ich einfach ein paar Ideen, wie ich das Tier in dieser Form gestalten könnte. Da ich ja einfach zu gerne überall blinkende LEDs verbaue und blaue LEDs ja zu der Zeit schon günstig und extrahell zu bekommen waren, bot sich die Sache mit dem Blaulicht auch einfach an. Allerdings fand ich es etwas schade, dass ich kein blaues Schwein mehr auftreiben konnte (die Aktion war schon fast beendet und Schweine knapp, ich musste froh sein, überhaupt noch eins zu bekommen). Denn hätte ich in die Ohren einfach blinkende Glühlampen eingebaut, unlackiert waren die Biester nämlich transparent, und das wäre bestimmt ganz cool gewesen. Aber mein Schwein war gelb, und so hätte ich höchstens ein Bauarbeiterschwein machen können.

Zwei Schweinehälften

Zwei Schweinehälften: So sieht ein Schwein von innen aus. Dieses jedenfalls.

Die erste Hürde, die es zu überwinden galt, was das Öffnen des Schweins, möglichst ohne es zu beschädigen. Es war aus zwei Hälften zusammengesetzt, die mit nicht zum Öffnen vorgesehenen Klemmverbindungen zusammengehalten wurden. Das gestaltete sich schwierig, und ich bin ja nicht unbedingt für meine Geduld bekannt. Schließlich rückte ich dem Tier doch recht rabiat mit einer Säge zu Leibe, was für dasselbe auch nicht ohne sichtbare Blessuren ausging. Schließlich hatte ich zwei Schweinehälften (eine obere und eine untere), die ich deckend silbern ansprühte.

Elektronik im Schwein

Links zu sehen: Der Lautsprecher für das Lalülala. Mittig oben und unten: Je eine Blinkschaltung für die LEDs in den Ohren und die im Rüssel. Rechts eine Lochrasterplatine mit der Schaltung für das Lalülala, rechts davon zwei Schalter, einer für Licht und einer für Ton.

Anschließend ging es an meinen Lieblingspart, elektronisches Spielzeug einbauen. Ich bohrte in die Spitzen beider Ohren je ein Loch und zwei weitere in den oberen Teil des Rüssels. Leider beschädigte ich eines der Ohren ein wenig, da war ein kleiner Riss entstanden. In diese Löcher kamen insgesamt vier blaue, extrahelle LEDs. Die Ohren- und die Rüssel-LEDs wurden jeweils durch eine astabile Kippstufe angesteuert, beides diesmal Bausätze aus dem Elektronikladen meines Vertrauens. Bei dem für die Rüssel-LEDs musste ich durch den Austausch eines Elektrolyht-Kondensators das Tastverhältnis (Ein-/Ausschaltdauer) ändern, um blitzende, nicht blinkende LEDs zu bekommen. Weiterhin baute ich auf einer Lochrasterplatine zwei weitere astabile Multivibratoren, die mithilfe eines Lautsprechers eine Art Lalülala-Martinshornton erzeugten (naja, mit viel Liebe erkannte man, was gemeint war). In den unteren Teil des Rüsseln bohrte ich dazu ein sternförmiges Lochraster und klebte den Lautsprecher mit Heisskleber von innen dahinter. Auch die LEDs wurden mit Heisskleber in Ohren und Rüssel geklebt. Die drei Platinen wurden mit M3-Schrauben und -Muttern in der unteren Schweinehälfte befestigt. Als Stromversorgung für alle drei diente eine 9 Volt-Blockbatterie, am Ar…, äh, Popo des Schweinchens wurden zwei Schalter eingebaut, einer für beide LED-Blinkschaltungen, einer für das Lülala.

Schwein, mit Elektronik und silber sprühlackiert

Schwein, mit Elektronik und silber sprühlackiert

Nun war das Schwein silber, blinkte blau und machte Geräusche. Mit einer Naht aus Heisskleber klebte ich die beiden Hälften wieder zusammen. Durch den werkseitig vorhandenen Deckel unten am Schweinebauch konnte man immer noch ggf. die Batterie einmal wechseln bzw. das Geld, welches später im Schwein landen sollte, abgreifen. Leider war hier kein Schließmechanismus vorgesehen, und ich baute auch keinen nachträglich ein.

Polizeischriftzug mit Sprühschablone

Polizeischriftzug mit Sprühschablone

Nun galt es noch, dem Schwein das richtige Polizei-Design zu geben. Ich malte es dazu rundherum mit einer Art blauen Bachbinde an. Ich druckte mit Arial Black das Wort POLIZEI auf festes Papier, schnitt die Buchstaben mit einer Nagelschere aus und gewann so eine Sprühschablone. Dann verpackte ich das Schwein in eine Plastiktüte, ließ nur die Flanke offen und klebte die Sprühschablone mit Panzertape darüber. Auf der rechten Seite misslang mir das ein bisschen, da bekam der Schriftzug leider etwas Schlagseite. Die Klebenaht war auch nicht rundherum ganz schön geworden, da wo ich beim Öffnen des Tieres zu rabiat vorgegangen war, musste ich noch extra viel Heisskleber hineinpumpen. Überlackiert sah die Klebenaht allerdings fast wie eine Schweißnaht aus. Zuletzt machte ich auf der blauen „Bauchbinde“ noch eine gestrichelte Linie, wie man sie auch von Polizeiautos her kennt. Tja und das war es dann auch schon. Wir waren übrigens wieder mit gemeinsamen Freunden zur Hochzeit geladen, so dass das Schwein auch ordentlich Futter bekam.

Das fertige Polizeisparschwein

Das fertige Polizeisparschwein

Wer das Schwein voll mit Licht und Ton erleben will, starte einfach das Video. Die extrahellen LEDs machten bei völliger Dunkelheit übrigens ganz schön Disco!

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About michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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