Tag 2, Teil 1 – Mit Stöcken über Steine

Gestern war ich um ca. 22 Uhr im Bett. Ungwöhnlich für mich, normal ist nach null Uhr, aber ich stehe ja sonst auch sehr spät auf. Ich wurde ein paar Mal wach, schlief aber sofort wieder ein. Um 6.35 Uhr begann mein Tag.

Nachdem ich geduscht hatte (Fehler) ging es zur Blutabnahme zum Pflegestützpunkt. Ein junger, unterarmtätowierter Pfleger ohne Namensschild pikste mich erst in den linken Arm, traf nichts und schaffte es dann aber rechts. „Was haben Sie denn für Arme?“ „Beschweren Sie sich bei meinen Eltern… oder bei Gott… oder Darwin!“

Anschließend ging es zum EKG. „Oben freimachen, hinlegen!“ Okay, Schwester. „Sie haben ja Haare auf der Brust!“ „Soll bei Männern vorkommen!“ Die Elektroden hielten nicht. „Da muss ich rasieren!“ „Sie können gleich am Kinn weiter machen.“ „Nix da!“ Schade, war einen Versuch wert. Piep piep piep, ratter ratter, fertig.

Ab zum Frühstück, eine Schale Müsli/Cornflakes mit Quark, ein Brötchen mit Erdbeerkonfitüre, dazu zwei Tassen Kaffee. Zurück auf’s Zimmer, umziehen zum Sport. „Einführung Walking“, stand auf dem Programm. Treffpunkt war an der Rezeption mit Frau S. Diese hakte uns auf ihrer Liste ab, dann gab es Stöcker für alle. Ich bemerkte nicht, dass die für links und rechts gekennzeichnet waren und wollte das natürlich erst falsch machen, aber eine Dame aus der Gruppe half mir. Dann ging es erst auf den Parkplatz, eine Runde einfach locker schleifen lassen, eine Runde mit leichtem, natürlichen Armpendeln und dezentem Stockeinsatz. Mehr würden wir nicht lernen, es sei denn, wir würden uns explizit sozusagen zu einem Fortgeschrittenenkurs oder so anmelden. Dann ging es mit einem soliden Tempo los.

Ich habe zuvor noch nie Nordic Walking gemacht, ich fand das mit den Stöckern eher albern, obwohl mir klar war, dass was dran sein musste. Immerhin trainiert man da beim Gehen so manche Armmuskeln wohl mit. Als ich es dann machte, gefiel es mir ganz gut – wenn man sich ein wenig mit den Stöckchen abstößt, gibt das schon zusätzlichen Vortrieb, so dass man recht schnell und effizient unterwegs sein kann. Es war ansonsten sehr schön – die Morgensonne schien, auch wenn es noch recht kalt war, und die Landschaft war auch nicht schlecht. Es ging erst ziemlich bergab und auf dem Rückweg natürlich entsprechend bergauf. Ich unterhielt mich angeregt mit einer Frau aus der Nähe von Karlsruhe, die das morgendliche Walken auch sehr genoss. Aber wie meistens, wenn ich mich angeregt unterhalte, werde ich gerne mal etwas lauter, und eine andere Dame vor mir wandte sich etwa so an mich „Kannst Du bitte mal etwas leiser reden, ich habe genug von Deinen Geschichten, das macht mich aggressiv. Ich versuche, schon wegzulaufen…“ Urrrgh! Dass ich gerne zu laut rede, wenn ich in Rage gerate oder begeistert von irgendetwas bin, weiß ich, das wurde mir schon zu Schulzeiten gesagt. Im Zug wurde ich auch schon mal gebeten, leiser zu sein. Aber man hätte das auch etwas netter sagen können. Nungut… ich bin ja nicht der einzige mit Problemen hier. Das muss man im Hinterkopf behalten.

Ein Teil der Strecke führte über die Trasse einer stillgelegten Bahnstrecke und an einem stillgelegten Bahnhof vorbei. Ich denke, es waren 2-3 km, jedenfalls waren wir etwa 45 Minuten unterwegs. Frau S. war zufrieden mit der Gruppe, wir waren recht fix, und die Nachzügler hatten keinen großen Abstand zu denen, die zuerst wieder auf dem Klinikparkplatz ankamen. Wieder in der Klinik ging ich in mein Zimmer und erneut unter die Dusche – das Duschen nach dem Aufstehen hätte ich mir sparen können. Mein Therapieplan sieht erst um 13.10 Uhr, also nach dem Mittagessen, den nächsten Termin vor. Da steht EKG. Nochmal. Wahrscheinlich diesmal ein Belastungs-EKG.

Dampfmaschinenladen Schaufenster

Schaufenster des im vorigen Artikel erwähnten Dampfmaschinenladens. Hübsche Modelle. Aber sauteuer! Das Modell rechts vom Schwebebahnwagen kostet bescheidene 211,70 Euro. Und der Plexiglaskasten ist nicht mal inbegriffen, sondern kostet 45,90 Euro extra…

Ich hatte also über zwei Stunden Zeit. Also ging ich erst mal zum Kreisverkehr, um den „Hack des Tages“ an den zwei dortigen Portalen anzubringen. Anschließend trank ich einen Capuccino in der Lobby, und dann tippte ich das hier. Noch 40 Minuten bis zum Mittagessen, ich werde wohl einfach ein wenig chillen. Bis später!

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Responses to Tag 2, Teil 1 – Mit Stöcken über Steine

  1. Avatar von Elisabeth Elisabeth sagt:

    Dann zählst Du jetzt zur Spezies der Stockenten! So nennt sich hier in Vögelsen (wie passend gerade schon wieder, dieser Ortsname…) eine Gruppe von Walkerinnen aus meinem Umfeld, die regelmäßig mit ihren Stöcken durch die Landwehr ziehen und dabei ausgiebig quatschen. – Das mit dem lauten Reden ist blöd: Mir passiert es auch manchmal, dass ich darauf angesprochen werden, und das ist mir dann immer ziemlich unangenehm. Von wem haben wir das eigentlich geerbt??

  2. Avatar von Peter Karl Peter Karl sagt:

    Von mir gewisslich nicht, denn laut ist bei mir eher selten, viel eigentlich nur unter Alkoholeinfludss (uti – under the influence, wie die Amis das gern nennen).

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