Mein Tag begann heute um 7:30 Uhr. Um 8:30 Uhr war Indikationsgruppe Stress, vorher Frühstück.
Bei der Indi Stress gab es erst einmal eine Menge Papier zum später Durchlesen. Anschließend sollte man sich paarweise gegenseitig nach dem größten Stressfaktor des jeweils anderen erkundigen. Anschließend wurde das von der Bezugstherapeutin abgefragt. Heraus kamen als meistverbreitete Stressfaktoren „Arbeit“ und „Familie“. Ich merkte, dass ich sehr nervös und zappelig war. Möglicherweise hatte ich schon alleine dadurch Stress, weil wir das thematisierten. Die Sitzung war durchaus interessant, aber da darf ich nichts weiter berichten.
Um 10:15 Uhr stand Fitnesstraining auf dem Programm. Wir absolvierten zwei Runde Zirkeltraining an den verschiedenen Geräten und Matten. War ganz gut, ist mir erheblich lieber als „Frühsport“ oder „Sport und Bewegung“.
Anschließend hatte ich viel Zeit, der nächste Termin war erst um 13:15 Uhr Kochgruppe. Ich duschte und machte meinen Gang zum Kreisel. Danach checkte ich mein Postfach und fand zwei neue Dinge: Einen Zettel, auf dem stand, die Kochgruppe fiele aufgrund der geringen Teilnehmerzahl leider aus. (Seltsam, es war ja keine freiwillige, sondern eine verordnete Teilnahme… damit wird die Zahl der Teilnehmer durch die Zahl der Verordnungen gesteuert, dachte ich. Es sei denn, die Gruppe besteht auch aus freiwilligen Teilnehmern.) Nun, letztes Mal war es ganz gut bei der Kochgruppe, dennoch war ich nicht so schar drauf. Eigentlich hätte ich heute damit Feierabend gehabt. Aber da am Montag meine Visite beim Oberarzt ausgefallen war, hatte ich mir den bei einer Gelegenheit an der Rezeption gekrallt und einen Termin heute um 15:45 Uhr organisiert.
Der zweite, neue Gegenstand in meinem Postfach war ein Brief von meiner Mutter. Ich machte mir in der Teeküche einen Instant-Cappuccino und setze mich mit diesem und dem Brief in die Sitzecke im Wartebereich Pflege. Dort wurde ich von einer noch unbekannten Dame sehr um meinen handgeschriebenen Brief beneidet, das sei ja toll, sie hätte sowas noch nie bekommen, und das sei ja so viel besser und wertvoller und wertschätzender und individueller als eine schnöde E-Mail. Ja – das sehe ich genauso, es hat mich gefreut, dass das aufgefallen ist. Die Dame hatte direkt die Idee, diese sich auf dem Rückzug befindliche Kulturtechnik in ihrem Freundeskreis wiederzubeleben. Übrigens war die Frau fast gleichaltrig, d.h. sie hat durchaus die Zeit vor E-Mail miterlebt, aber schon da sei anstelle des Briefes halt telefoniert worden.
Da die Kochgruppe ja ausfiel und es schon nach 12 Uhr war, las ich den Brief zuende, trank den Cappuccino aus und ging was essen. Schweineschnitzel mit TK-Gemüse, Kartoffeln und Soße. Und natürlich Salat.
Anschließend hatte ich zwei Stunden Zeit bis zur OA Visite. Ich legte mich erst mal für eine Stunde auf’s Ohr. Anschließend wollte ich Tee trinken und Blog schreiben in der Lobby, aber ich bekam nicht recht Internet-Empfang, also zurück auf die Bude.
Danach stand die OA Visite an. Das war ein lockeres Gespräch. Der OA hat auch unsere Bezugstherapeutin in der Woche, in der sie Urlaub hatte vertreten. Ist ein sympathischer, jovialer und humorvoller Mann, den ich mir gut auch als Einzeltherapeuten für mich für einen längeren Zeitraum vorstellen könnte, aber ich kann ihn ja kaum nach Osnabrück docnappen.(Achtung, Neologismus-Alarm!) Er fragte mich, wie ich denn inzwischen so angekommen wäre, ob ich schon irgendwelche Änderungen an mit bemerken würde. Ich antwortete, dass ich mich selbst vielleicht schon etwas genauer beobachten würde. Und dass sich vage ein paar Ideen formten, wie ich gewissen Problemen künftig begegnen könnte.
Morgen habe ich ein Einzelgespräch mit meiner Bezugstherapeutin. Dass ich mich darauf freue würde nicht so ganz den Kern treffen, aber ich bin scharf auf den Termin, weil ich halt schon konkrete Dinge besprechen möchte. Aber mal sehen, wie es morgen läuft.
Jedenfalls hatte ich nach der OA Visite endgültig für heute Feierabend, das Programm des heutigen Tages war sehr überschaubar. Übrigens nicht nur bei mir, andere Patienten hatten heute nur einen Sport- und einen Gruppentherapietermin, also noch weniger als ich.
Ich verzog mich auf mein Zimmer und schrieb just diese Zeilen. Und nun muss ich auch langsam damit aufhören, weil ich mich jetzt mit drei Damen in der Lobby treffe, um nach Bochum zum Musical zu fahren. Ich bin gespannt.
In der Lobby fand ich die drei Damen, mit denen ich nach Bochum fahren würde, bereits vor. Dann kam meine Bezugstherpeutin vorbei und fragte, ob sie mich mal zwei Minuten sprechen dürfe. Da es es noch 5 Minuten vor unserem vereinbarten Treffen war (und wir ohnehin reichlich Puffer eingeplant hatten) lehnte ich nicht ab. Das Vieraugengespräch betraf einen Vorfall in der Gruppensitzung heute und bleibt ein Vieraugengespräch.
Eine der Damen (die waren schon ganz hibbelig) wartete schon vor der Tür, weil das Zweiminutengespräch eher 10 Minuten dauerte, und fing mich gleich ab, damit wir fahren konnten. Die Dame, die fuhr, ließ sich von ihrem Handy leiten, hatte aber weniger Vertrauen in Frau Google und in ihre Fähigkeit, ihr Smartphone richtig zu bedienen, als ich. Es war auch alles bestens, nur hatten wir kurz vor dem Ziel etwas Stau, so dass ich der Fahrerin empfahl, die von Frau Google vorgeschlagene Ausweichroute zu nutzen, was wir auch taten. So fuhren wir auch ein bisschen durch die Stadt, was mir Gelegenheit gab, ein paar Unique Hacks einzufahren. Es war aber nicht mehr weit bis zur Straße Stadionring und dem Musicaltheater. Wir parkten für pauschal 3,50 Euro und gingen zum Veranstaltungsort. Nachdem wir unsere Karten bei der Abendkasse abgeholt hatten, hatten wir noch über eine Stunde Zeit, die wir nutzten, um ein stilles Örtchen aufzusuchen und ein Getränk zu nehmen. Ich bin natürlich auch nochmal vor die Tür gegangen, um die beiden Musical-Portale (eins ist die Musicalhalle, das andere eine Dampflock mit Waggon davor) einzunehmen und zu hacken.

Die Bühne und die Rennbahnen von unseren Plätzen aus. Im Vordergrund ist auch das Tonpult zu sehen. Sieht noch ziemlich analog aus.
Dann ging es durch den Eingang „Gleis 3“ zu unseren PLätzen in der Mitteltribüne links, Reihe 10. Die Damen waren schon da. Der Weg dorthin führte am Tonmischpult vorbei, welches für mich so aussah, als ob es noch das Originalpult aus den 80ern war. Lt. Wikipedia wurde das Soundsystem 2008 modernisiert, aber vielleicht nicht das Pult. Keine Ahnung. Vielleicht war es ja auch nur eines von mehreren Pulten. Auf jeden Fall sah das schon spannend aus mit den Rollschuhbahnen, die direkt durch die Zuschauerränge verlaufen. Es gibt Plätze unmittelbar vor der Hauptbühne inmitten des Kurses, wo die Zuschauer auf Drehstühlen sitzen um auch problemlos in alle Richtungen sehen zu können. Die sind sozusagen mitten im Geschehen, dafür können sie aber nie alles im Überblick sehen. Unsere Plätze waren dafür schon sehr gut.
Über der Bühne schwebte ein riesiger Ring, auf dem Modelleisenbahnen rollten. Dieser wurde bei Beginn zur Decke gezogen. Aus dem Off hörte man ein Kind über seiner Modelleisenbahn den internationalen Wettbewerb der Züge ankündigen. Seine Mutter intervenierte und schickte es ins Bett, womit die restliche Handlung als Traum des Kindes platziert war. Das erinnerte mich ziemlich an den Anfang von „Auf der Suche nach dem Funk“ – „Kinder, Zeit fürs Bett?“ „Och Mama, wir wollen noch Radio hören!“ „Nein. Jetzt geht’s ab ins Bett!“ Jedenfalls fand ich diese Rahmenhandlung klasse. Das Kind meldete sich immer, wenn es um die Rennen ging, auch mit z.B. „Control, Control… noch zwei Minuten bis zum Rennen!“ und ähnlichen Ansagen. Das war schon toll ausgedacht, und die Stimme des Kindes fand ich auch richtig gut.
Nun, es ist müßig, auf die Handlung einzugehen. Die Kostüme und die Rollschuhakrobatik waren beeindruckend (besonders von den sogenannten „Trax“, die keine Sprech- oder Gesangsrolle haben, aber dafür die richtig spektakulären Stunts machen), auch die Lightshow. Auch wenn ich Laser ins Auge überhaupt nicht gut finde, und das gab es an zwei Stellen. Die Bühnentechnik ist insgesamt schon toll, vor allem die neun Tonnen schwere Brücke, die über drei Ebenen verfahren, rotiert und gekippt werden kann. Hoffentlich wird das Ding regelmäßig auf Sicherheit geprüft. Sonst könnten da üble Unfälle passieren. Natürlich gab es gute Sänger und Sängerinnen, und die Musik war insgesamt gut, hat mich aber nicht vom Hocker gehauen. Bisschen Rock n Roll, bisschen Blues, paar Herzschmerz-Schnulzen.
Am Ende geht natürlich alles gut aus und das Publikum zufrieden nachhause. Meine Damen waren begeistert, ich fand es schon toll, wenngleich es mich jetzt nicht aus den Socken gehauen hat. Der Heimweg war dann direkt über die Autobahnauffahrt beim Veranstaltungsort und die Abfahrt nicht weit von der Klinik entfernt eine Sache von weniger als einer halben Stunde. War schon eine coole Aktion insgesamt.
An der Pflege, wo man seine Schlüssel abgibt, wenn man länger abwesend ist, mussten wir eine Weile warten, weil die Pfleger gerade Dienstübergabe machten. Ich hockte mich noch in die Sitzecke beim Wartebereich/Pflege und machte mir nen Tee, hier hockten noch ein paar nette Leute. Aber sobald ich an meinen Schlüssel kam, zog ich mich in mein Zimmer zurück, um diesen Blogeintrag zu schreiben und dann das Bett aufzusuchen.
Mein Therapieplan morgen:
08:30 Uhr – Gesundheitsvortrag
09:30 Uhr – Therapeutisches Einzelgespräch
11:10 Uhr – Fitnesstraining
13:30 Uhr – Walking
15:00 Uhr – Gestaltungstherapie
17:00 Uhr – Vortrag soz. Medizin 1&2 (ich glaube, den habe ich schon gehört, fällt daher aus)
PS: Ich habe übrigens der Dame, die mir die grüne Medaille gehäkelt hat (siehe voriger Eintrag), den Vorschlag gemacht, jeden Tag, den sie nicht raucht, auf meinen Gang zum Kreisverkehr zu verzichten. Sie war nicht interessiert. Puh. Ich kann meine Sojourner-Medal weiterverfolgen… Aber ich hätte verzichtet, auch wenn sie nur einen Tag nicht geraucht hätte.
Dann ging der Punkt Kreisverkehr/Raucherpause wohl an Dich… und sie sollte besser darauf verzichten, andere wegen ihrer Gewohnheiten für blöd zu erklären.