Der Wecker stand auf 08:10 Uhr. Also aufstehen, duschen und zum Frühstück. Ich hatte Glück, dass ich noch etwas bekam, denn das Frühstück geht Samstag nur bis 08:30 Uhr. Sonntag, also morgen, geht es bis 09:00 Uhr. Allerdings war ich nicht der einzige, der das verbaselt hatte, ein Gruppenkollege kam noch später als ich.
Danach hatte ich etwa anderthalb Stunden Pause, denn ich hatte um 10:30 Uhr einen Termin, autogenes Training. Blöd. Draußen schien die Sonne, und ich wollte in die Stadt – vielleicht sogar in eine andere Stadt. Aber erstmal musste ich auf den Termin warten. Ich nutzte die Zeit zum lesen. Andere Patienten hatten mehr Glück, die hatten ihren Termin um 09:30 Uhr und danach direkt Wochenende.
Dann traf sich eine gemischte Gruppe (also Patienten aus verschiedenen Behandlungsgruppen) in Raum Paris. Die Therapeutin war diejenige, die den Vortrag über Selbstwertgefühl gehalten hat (und über ihren inneren Kritiker namens „Paul“). Sie sagte, wir würden kein Autogenes Training machen, sondern eine Phantasiereise (hm, ich dachte immer, das sei eine Variante des Autogenen Trainings). Also Entspannungshaltung und Augen zu. Nach und nach wurden alle Körperteile ganz schwer. Also, natürlich nahmen die Extremitäten nicht an Masse zu, sondern fühlten sich ganz schwer an, weil das von der Therapeutin so vorgebetet wurde. Und das funktioniert bei mir sogar, obwohl ich alles andere als konzentriert war. Denn in meinem Kopf kreisten diverse Gedanken rum. Sowas wie „Mann, draußen scheint die Sonne, und ich sitze hier!“ oder „Scheiße, ist diese Therapeutin hübsch!“ oder „Wer hat die flüssige Seife erfunden und warum?“ oder „Hm, hab ich eigentlich den Stecker vom Bügeleisen rausgezogen?“.
So klappte es auch nicht so ganz mit der Fantasiereise bei mir. Die Therapeutin entführte uns auf eine einsame Insel, wahlweise alleine oder mit einer Person, die wir mögen (auf die aber im Folgenden nicht eingegangen wurde). Sonne, leichte Brise, Sandstrand, türkisfarbenes Meer, grüne Vegetation – so traumhafte, ungestörte Natur halt, ganz klischeehaft. Wir gingen am barfuss am Strand spazieren, legten uns in den Sand und spürten die Wärme, den Sand etc. etc. Zufällig lag neben uns eine Taucherausrüstung die wir dann anzogen, um uns das Meer unter Wasser anzusehen, Fische, Korallen und so weiter. Ähm. Ist ja kein Dokumentarfilm, auf Fantasiereisen kommt sowas schon mal vor.
Naja, irgendwann war die Reise halt zuende, und wir waren auf magische Weise zurück in Paris. „Elende Grütze, kein Handy-Empfang auf der blöden Insel, wie soll ich mich denn da bitte entspannen!?“, erboste ich mich gegenüber der Therpeutin. Diese verstand Spaß: „Sie befinden sich mit ihren vier Handys auf einer einsamen Insel und haben Top-Empfang. Alle Handys beginnen zu klingeln. Sie nehmen den ersten Anruf entgegen: Ihr Chef. Sie nehmen den zweiten Anruf entgegen: Ihre Familie…“ Okay. Ist n Punkt…
Danach hatte ich also frei. „Der nächste Bus ist meiner!“, dachte ich mir Naja, der übernächste, ich wollte nicht hetzen. Dann bekam ich so einen Rappel. Ich hatte da was im Internet gesehen, was ich schon abgehakt hatte, aber irgendwie kam das doch wieder hoch. Allerdings kann ich nicht genau sagen, was, denn das ist geheim, und die Person, die das nicht wissen darf, liest vielleicht auch diesen Blog. Jedenfalls musste ich noch ein paar Sachen organisieren, was aber alles per Internet und E-Mail und WhatsApp innerhalb von zwanzig Minuten erledigt war.
Danach konnte ich dann also in die Stadt fahren. Ich hatte vor, nach Elberfeld zu fahren, zum Hauptbahnhof zu gehen und dort Züge nach Düsseldorf, Köln usw. auf Preis und Fahrtzeit zu checken, um vielleicht halbspontan irgendwo andershin zum Zocken und Sightseeing zu fahren. Als ich an der Schwebebahnstation Hauptbahnhof angekommen war, hatte ich der Sonnenschein erledigt. Es war grau und begann alsbald zu regnen, was meine Motivation zu weiteren Exkursionen auf Null drückte.
Es war schon nach 12:00 Uhr, also ging ich erstmal zum Café Extrablatt, das übliche essen: Panierte Hähnchenbrustfiletstreifen mit Cajuns und Pizzabrötchen mit Aioli- und Barbecue-Soße. Und ein alkoholfreies Weizen dazu. Ich bin da nicht sehr kreativ, fürchte ich.
Elberfeld war übrigens ausnahmsweise ziemlich flächendeckend grün, wenn auch nur Level 5. Da viele Schlümpfe heute zur Anomalie nach Hannover gefahren sind, ist hier ein wenig „sturmfreie Bude“ angesagt, und das haben sich ein paar Frösche, die nicht nach Hannover gefahren sind, zunutze gemacht und die Innenstadt umgegraben. Ich hatte mich dann gewissermaßen zum „Extrablatt“ vorgearbeitet und alles zwischen Schwebebahnstation und dem Laden auf Level 6 hochgezogen. Während des Essens hatte ich drei Portale, die ich hacken konnte.
Der Regen wurde leider nicht weniger. Eher mehr. Nicht so toll. Ich hatte eigentlich ehrgeizige Ziele, insbesondere, was Glyphhackpoints angeht. Die schraubte ich aber schnell von 2.000 auf 1.000 runter, weil es ja die übliche blaue Level 8 – Farm nicht gab. Da ich mal wieder ein Item-Limit-Problem hatte, ging ich nach dem Essen über die Wupper (also, wörtlich) und nahm da ein paar niedrige, blaue Portale auseinander. Da ich neben Glyphhacks auch stark an Builder-Platin (möglichst viele Resonatoren deployen) arbeite, haute ich auch überall acht Resos rein. Ich überquerte die Wupper erneut und arbeitete mich in Richtung St. Laurentius – Kirche vor. Hier gab es noch ein paar blaue 8er-Portale. Ich wollte die ausbrennen (vier mal hacken) und begann auch damit. Aber Glyphen lösen war durch den Regen schwierig bis unmöglich, das geht mit nassem Touchscreen einfach nicht. Naja, so halbwegs, weil ich Deckungsmöglichkeiten fand. Aber ständig muss man das Handy an der Hose abwischen… es nervt einfach. Nach drei Durchgängen hatte ich die Faxen dicke und ballerte die blaue 8er-Farm weg. In der Nähe des Jungendzentrums (da ist auch Tippen-Tappen-Tönchen nicht weit) wurden meine frisch deployten Resos gleich wieder von einem Schlumpf weggeschossen. Nun, ich deployte fröhlich neu, schließlich war das ja mein Ziel. Irgendwann hatte ich nur noch 6er, 7er, und 8er – aber davon noch jede Menge, so dass ich das Spiel recht lange treiben konnte. Wenn doch mal was blau wurde, packte ich die Burster aus und ballerte die blauen Resos kaputt.
Irgendwann hatte ich aber keine Lust mehr, es waren noch ein paar weitere blaue 8er in der Nähe, die ich zerstören wollte. Also ging ich die Treppe am Jugendzentrum hoch und nahm eine Ebene höher die 8er ins Visier. Da stand dann irgendwann der Schlumpf „Schuchard“ vor mir, der hatte schon vor zwei Wochen mal in Elberfeld hinter mir hergebastelt. Wir schnackten kurz, unter anderem erklärte er mir die Herkunft seines Nicknames. Das ist ein Charakter aus einem polnischen Science-Fiction-Romans, in dem Außerirdische in Russland landen. Hm… ist das überhaupt erlaubt? Steht nicht in der US-amerikanischen Verfassung, dass Außerirdische gefälligst in den USA zu landen haben? Egal. Wir zogen nach dem kurzen Schwatz wieder beide unsere Wege.
Ich drehte schwer marodierend noch eine Schleife und gelangte dann geplant zu Schuchards Homeportal, einer serbisch-orthodoxen Kirche. Die war Level 7 blau. Wieder einmal biss ich mir fast die Zähne aus und verbrauchte sehr viele Burster, um das Ding irgendwann endlich einzunehmen. Denn da sind meistens zwei bis vier very rare shields drin, und ein bis zwei Personen laden nach. Aber schließlich hatte ich es gepackt, und natürlich war bei dem Dauerfeuer auch alles mögliche an blauen Portalen in der Nachbarschaft, die weniger verteidigt waren, gleich mit weggeknickt. Die konnte ich mir dann halt auch noch an Land ziehen.
Aber der Regen war so schlimm, dass ich das Spiel zwischendurch fast gar nicht mehr steuern konnte. Ich wollte noch in Richtung Luisenviertel gehen, wo alles blau war… aber dann hatte ich irgendwann die Nase voll und wollte Kaffee und Gebäck. Also arbeitete ich mich zu einem Laden vor, dessen Namen ich immer vergesse, ich hatte da an meinem ersten Wochenende im Tal schon mal einen Burger gegessen. Hier setzte ich mich draußen unter die Markise und bestellte trotz des Wetters belgische Waffeln mit einer Kugel Vanilleeis und einen Latte Macciato. Ich hatte zwei bis drei Portale in Reichweite.

Typisch Wuppertal: Es gibt ja einige Gebäude gewisser architektonischer Schönheit, wie das Rathaus z.B. oder diese Kirche hier. Aber die sind leider völlig von hässlichen Zweckbauten eingekeilt, die auch jedes Panorama von höheren Ebenen (wenn man hier die Treppen hochsteigt, die es ja reichlich gibt) versauen.
Das Wetter wurde nicht besser, und ich beschloss, einkaufen zu gehen. Zuerst war ich kurz bei Saturn, ein Kabel 3,5 mm Klinke auf 3,5 mm Klinke zu kaufen. Damit kann ich mein Handy an den Bose-Lautsprecher hängen, was über Bluetooth ja warum auch immer nicht geht.
Morgen hat eine Dame aus meiner Gruppe Geburtstag, die ich ganz gut leiden kann. Vor allem aber tut sie mir leid, weil es ihr nicht gut geht (klar, in gewisser Weise geht es uns allen hier nicht gut, deswegen sind wir ja hier, aber sie hat auch noch physische Schmerzen zusätzlich). Wie auch immer, ich wollte für sie was zum Geburtstag besorgen. Und ein A5-Notizbuch, Zahnpasta, Süssigkeiten und noch so einige Dinge. Das Hauptgeschenk wird eine von einer anderen Mitpatientin gestaltete Tasse, die ich morgen erwerben kann. Die ist, wenn ich sie richtig verstanden habe, ausgebildete Designerin. Sie entwirft ihre Dekors mit Adobe Illustrator und schickt die Vektor-Dateien an eine Brennerei, die dann die Tassen produziert. Jedes Design wird in limitierter Auflage produziert, danach kommt eine neue Serie. Finde ich ganz cool. Jedenfalls soll die Gruppenkollegin eine von mir zum Geburtstag bekommen, mit ein paar Teebeuteln, Instantcappuccinotütchen und Süssigkeiten drin. Und dann brauchte ich dafür natürlich noch eine Verpackung…
Ich entschied mich, mal die „City Arcaden“ aufzusuchen, das ist so ein mehrstöckiges Einkaufszentrum mit diversen Eiscafés und Kaffeeläden dabei. Im Erdgeschoss wurden gerade Kinder bespaßt. Das Ding hatte, glaube ich, vier Etagen mit diversen Geschäften, viel Mode und Schuhe, gähn. Irgendwie finde ich solche Riesenkonsumtempel zunehmend abstoßend. Einfach instinktiv, ohne groß rationell moralisieren zu wollen. Das ist mir aber erst so richtig aufgefallen, als ich drin war. Zuerst fand ich einen 1-Euro-Laden, wo ich Süssigkeiten und Geschenkverpackung erstand. Hätte ich wahrscheinlich nicht da gemacht, wenn ich zuerst den Supermarkt im EG gesehen hätte. Der heisst „Akzenta“ (übrigens ist genau der Schriftzug auf den Schwebebahnwagen in meiner aktuellen Headergrafik oben über dem Blog), und das sagte mir halt nichts, bevor ich näher heran kam. Angeblich beherbergte der Laden „die größte Lebensmittelauswahl in NRW“. Naja, schon möglich, der Laden war schon sehr groß. Ich kaufte halt noch Zahnpasta, Tee, Instantcappuccino und ähnlichen Kram.
Danach hatte ich halt eine große Tüte mit Zeug und wollte auch nicht mehr im Regen spielen, auch wenn der inzwischen ein wenig nachgelassen hatte. Es war kurz nach 18:00 Uhr. Ich drehte noch eine kleinere Runde. In diesem Teil der Stadt hatte inzwischen ein Schlumpf einiges an unseren Portalen eingerissen und teilweise deployt. Aber auch Frösche waren seitdem wieder da gewesen, so dass ich einige Portale aufrüsten konnte. Ich wollte aber noch meine geplanten 1.000 Glyphhackpoints noch vollmachen, das schaffte ich dann noch bei einer kleinen Runde auf der anderen Seite der Wupper, wo ich heute schon mal war. Dann stieg ich bei der Station Ohlingsmühle (von Oberbarmen aus gesehen eine nach Hauptbahnhof) in die Schwebebahn und fuhr via Oberbarmen zurück zur Klinik. In Oberbarmen hatte ich noch zwei McD-Cheeseburger Zeit, bevor der Bus 602 zur Schmiedestraße fuhr.
Zurück in der Klinik warf ich nur noch einen Blick in mein Postfach, besorgte mir Wasser und verzog mich auf mein Zimmer zum bloggen. Und das war dann der Tag. Ich bin mir nicht sicher, ob ich morgen in eine andere Stadt oder auch nur in die Innenstadt fahre. Denn das Wetter soll wieder schlecht werden. In der Klinik zu bleiben, Briefe zu schreiben, Wäsche zu waschen, zu lesen, vielleicht einen Film zu gucken oder teetrinkend mit Mitpatienten abzuhängen klingt da nicht unattraktiv. Mal sehen. Bis bald.
Nachtrag:
Ich habe mich übrigens inzwischen bei der Frau entschuldigt, die sich bei mir beschwert hat, dass ich ihr nicht die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet habe. Denn ich fand, sie hat ja recht. Sie meinte, sei okay, damit ist die Sache für mich erledigt. Ist alles Training hier.
Ingress-Stats:
| Translator | Trekker | Explorer | Pioneer | Builder | Purifier | |
| Letzter Stand | 25.831 | 1.877 km | 2.781 | 1.667 | 70.887 | 52.128 |
| Jetzt | 27.230 | 1.892 km | 2.801 | 1.690 | 71.712 | 52.570 |
| Delta | 1.399 | 15 km | 20 | 23 | 825 | 442 |
