Tag 32 – Regenwetter und ein Schlumpfigel

Ich hatte den Wecker, den elenden Aufdringling, für heute morgen entschärft. Natürlich wachte ich trotzdem rechtzeitig zum Frühstück auf, ignorierte das aber und schlief noch etwas weiter.

Ich lag noch wach im Bett, als es an der Tür klopfte. „Jo!“ sagte ich laut. Nichts passierte. Irgendwann kratzte es an der Tür. „Herein!“, sagte ich (ich hatte Putzmenschen antizipiert, wie ich es zu der Zeit schon ein paarmal erlebt hatte, und die haben einen Schlüssel). Stattdessen sagte eine weiblich Stimme „Ich kann ja nicht!“. Aha. Die freche Frau aus Rostock. Ich schlüpfte schnell in etwas weniger Bequemes und öffnete die Tür. Die gute Frau brachte mir zum Frühstück eine Packung Ahoi-Brause-Bonbons. Sehr lieb von ihr. Offenbar machte sie sich Sorgen, weil sie mich zuletzt gestern nachmittag gesehen hatte, und das nicht gerade in bester Laune.

Nun, ich duschte und ging runter in die Lobby, um wenigstens einen Instant-Kaffee zu trinken. Ich nahm meinen Laptop mit, um den Beitrag von gestern zu beginnen. Natürlich konnte ich, wie immer, wenn ich unten schreiben will, das nicht voll konzentriert machen, aber dafür bekomme ich was vom sozialen Leben hier mit (weshalb ich mich nicht voll konzentrieren kann, aber man kann halt nicht alles gleichzeitig haben). Ein paar Leute wollten sich Schloss Burg von innen ansehen, und es war noch ein Platz im Auto frei, ich hätte mitkommen können. Naja. Das Wetter war nicht so toll, und irgendwie sind so muffige alte Gebäude von innen einfach nicht so mein Ding. Ich kann mich ja nicht so besonders für Geschichte erwärmen. Also entschied ich mich, in der Klinik zu bleiben, Schreibkram zu erledigen und zu entspannen.

Ich schrieb also weiter, irgendwann war es dann Zeit für das Mittagessen. Es gab, wie immer samstags, einen Eintopf. Ich saß mit einem von meinen „drei Lieblingsmädels“ an einem Tisch, ich glaube, ich beschrieb sie mal als „Typ zum Pferdestehlen“. Ihr ging es nicht so gut, aber sie erzählte mir gegenüber zum ersten Mal ein bisschen was von ihren Problemen. Nach dem Essen tranken wir noch einen Kaffee vom Dallucci zusammen. Ich genoss ihre Gesellschaft und das Gespräch mit ihr, auch wenn es keine schönen Sachen waren, über die wir redeten. Irgendwann haben wir uns gegenseitig unsere Sympathie ausgedrückt, worüber ich mich auch gefreut habe. Das ist das erste Mal gewesen, dass hier jemand so was Nettes zu mir gesagt hat, jedenfalls in der Form.

Danach legte ich mich eine Stunde hin, hatte aber das piepende Schwein aktiviert und den festen Vorsatz gefasst, nicht den ganzen Tag im Bett zu vertun. Machte ich dann auch nicht, als das vorlaute Gerät sich dann meldete.

Ich schrieb meinen Blogeintrag fertig, dann hatte ich noch eine Hausarbeit fertig zu schreiben. Zwischendurch schaute ich mal unten in der Lobby vorbei. Da war eine ehemalige Patientin zu Besuch und hockte mit ein paar Mädels in einer Sitzecke. Die hat bis vor kurzem mit an meinem Tisch gesessen, der sich inzwischen aufgelöst hat, weil fast alle nicht mehr da sind. Ich hab mich gefreut und wurde gedrückt.

Achtung, Ingress-Abschnitt
Später ging ich noch zum Supermarkt, was einkaufen. Bei der Gelegenheit konnte ich noch ein Portal hacken und zwei weitere, die nicht all zu weit weg waren, zu unique visits und unique captures verarbeiten. Danach stellte ich fest, dass das erstgenannte Portal womöglich ein homeportal war, jedenfalls war es schon wieder blau. Nachdem ich es wiederholt angriff, wechselte es noch zweimal die Farbe. Insbesondere, weil ich es nach dem Einkauf nochmal zurück zur richtigen Farbe holte… (es ist bestimmt längst wieder blau).

Ich kaufte Schokolade und paar Getränke. Auch wenn der Kaffee lecker ist, immer nur Kaffee, Tee und Wasser ist schon manchmal etwas langweilig. Außerdem musste ich einen großen Schein mal kleinkriegen. Dann machte ich mich auf den Rückweg. Der Supermarkt ist definitiv weiter weg als der Kreisel, und an dieser Hauptstraße ohne Bürgersteig entlang zu latschen nervt schon.

Einkäufe

Mal was anderes zu trinken… und alles brav mit Etiketten mit Name, Zimmernummer und Abreisedatum für den Patientenkühlschrank versehen, so wie wir es den Neuankömmlingen als Patientensprecher immer vorgebetet haben.

Ich hatte auch durch das kleine Ingress-Intermezzo mehr Zeit als gedacht gebraucht und war deutlich nach 18:00 Uhr wieder in der Klinik, aber es reichte noch für das Abendessen.

Tja, und das war dann auch schon dieser wenig ereignisreiche Tag in der Klinik. Keine explodierenden Kannen, keine Therapeutinnen, die an meinem Gluteus Maximus herumfummeln… Achja, ich öffnete das Ü-Ei aus dem „Schafseher“-Eierbecher, den meine Schwester mir zu Ostern geschickt hat. Darin befand sich ausgerechnet eine Art „Schlumpfigel“.

Schlumpfigel

Da öffnet man arglos sein Ü-Ei, und dann… Arrrgh! Ich postete das Foto hier auch in meinem hiesigen Ingress-Hangout, und Nadine aus der Enlightened-Community hier fand es „trotzdem putzig“.

Ich schrieb meine Hausarbeit zu Ende, chattet wie so oft mit einer Freundin aus dem Chor, und dann schrieb ich dies hier. Und das war es. Was ich morgen mache, weiß ich noch nicht genau. Das Wetter soll besser werden. Entweder, ich fahre normal zocken in Elberfeld, mache doch mal wieder was mit anderen Patienten, oder ich fahre nach Köln oder D-Dorf. Alles denkbar.

Bis morgen.

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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1 Response to Tag 32 – Regenwetter und ein Schlumpfigel

  1. Avatar von Elisabeth Elisabeth sagt:

    Also, man wird sich hier doch wohl nicht über geschenkte Gäule beklagen wollen… der kleine Igel ist doch allerliebst!

    Ich hoffe, du hast einen schönen Sonntag – bei uns jedenfalls scheint die Sonne.

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