10. August 2017, 08:30 AM, Portreath, England
Die Vorbereitungen hatten eine Woche gedauert. Mr. Jameson hatte mit Mr. Miles Kontakt aufgenommen, der wiederum daraufhin mit seinem Freund, dem Physikprofessor in Cambridge einen Termin vereinbarte. Andrew buchte drei Hotelzimmer für eine Übernachtung in der Universitätsstadt. Er und der Münzhändler hatten sich gegen den Flug vom Newquay Cornwall Airport nach London Stansted und für die über sechsstündige Fahrt mit dem Vauxhall entschieden.
In der vergangenen Woche hatte Andrew die vom Feuer zerstörten Teile seiner Treppe in seiner Werkstadt neu angefertigt und angebracht. Das schlitzförmige Loch in der Decke hatte er zugespachtelt und die Decke neu gestrichen. Bevor der Dachdecker kam, hatte er widerstrebend mit der spitzen Seite eines Hammers so lange von innen gegen die beschädigte Dachpfanne geschlagen, bis sie völlig zerbrach. Er wollte neugierige Fragen des Dachdeckers doch lieber vermeiden. Über das Loch im Boden, welches immer noch zu sehen war, hatte er einen Teppichrest gelegt, bevor der Handwerker kam. Dieser wunderte sich dann zwar schon über die einzelne, zertrümmerte Dachpfanne, nachdem Andrew etwas von jugendlichen Vandalen mit Steinschleuder und Stahlkugel hatte verlauten lassen, gab er sich mit dieser Erklärung zufrieden. Nachdem er die zerstörte Dachpfanne ersetzt und auch die Isolierung unter dem Dach erneuert hatte, deutete nichts mehr auf den Einschlag der Münze hin. Zumindest oberflächlich betrachtet.
Nun war es also soweit, die Fahrt nach Cambridge stand bevor. Andrew lud seine kleine Reisetasche in den Kofferraum des Vauxhall, die merkwürdige Münze steckte wohlverwahrt in einer kleinen Außentasche. Dann setzte er sich ans Leckrad und fuhr zum Geschäft des Münzhändlers, um Mr. Jameson dort abzuholen. Dieser stand schon mit gepacktem Köfferchen, Hut und Regenschirm bewaffnet, bereit. Nachdem sein Gepäck verstaut war, setzte sich Jameson auf den Beifahrersitz, Andrew ließ den Motor an, und die Fahrt begann. Die ersten anderthalb Stunden unterhielten sich die beiden angeregt über die bisherigen Erkenntnisse. Es stellte sich dabei heraus, dass der Münzhändler ebenfalls die durschnittliche Dichte der Münze errechnet hatte und sich dann, ähnlich wie Andrew Sorgen über ein mögliches Gefahrenpotential des unbekannten Gegenstands gemacht hatte. Andrew erzählte von seinen Untersuchungen mit dem Dosierleistungsmessgerät, was Mr. Jameson offenbar zufrieden stellte.
Als Andrew in Tiverton endlich auf die M5 einbog, hatten er und der Münzhändler ihren Gesprächsstoff aufgebraucht und hingen ihren Gedanken nach. Kurz vor London kamen sie ganz in der Nähe des ebenfalls sehr renommierten Eton College und Windsor Castle vorbei, und Andrew, der noch nie dort gewesen war, bedauerte ein wenig, dass keine Zeit für einen Abstecher blieb. „Schon seltsam.“, dachte er, da hatte er im Ruhestand jede Menge Zeit und ein Auto, aber er wäre normalerweise niemals auf die Idee gekommen, einfach mal hierher zu fahren. Erst der Fund der seltsamen Münze motivierte ihn, die lange Autofahrt in Kauf zu nehmen.
Nachdem sie London nördlich umfahren hatten, waren es noch knapp weitere anderthalb Stunden Fahrt bis Cambridge. Schließlich fuhren sie von der M11 ab und waren auch schon fast in der Stadt. Auf dem Weg zu ihrer Unterkunft stellte Andrew staunend fest wie sehr doch die Stadt von den 31 Colleges ihrer Universität durchdrungen war. Überall gab es Wegweiser zu Hörsälen, Bibliotheken, Wohnheimen und Mensen des jeweiligen Campus. Es war früher Nachmittag, herrliches Sommerwetter, und die Studierenden flanierten fröhlich plaudernd die Wege entlang oder hatten sich auf einer der vielen Rasenflächen ausgestreckt. Andrew warf noch einen letzten, prüfenden Blick auf das Navigationsgerät, nur noch der Regent Street folgen und einmal links abbiegen. So erreichten die beiden Reisenden endlich ihr Hotel, welches recht idyllisch zwischen einem Park und dem Cricketclub der Universität gelegen war.
Fortsetzung folgt…
Oh, mein Kommentar von gestern ist irgendwie nicht angekommen! Ich hatte meiner Bewunderung darüber Ausdruck verliehen, wie Du die Atmosphäre einer Stadt einfängst, die Du meines Wissens noch nie selbst besucht hast. Man kann zwar vieles recherchieren, aber dennoch!