Also, umsteigen in Lund C war kein Problem: Ich hab es einfach gemacht wie vor hundert Jahren, vor dem Internet: Ich bin zum Bahnhofsgebäude hochgestiefelt und hab auf die digitale Anzeigetafel geschaut. Dort war zwar die schwedische, nicht die dänische, deutsche oder englische Schreibweise von Kopenhagen angezeigt, aber zur Sicherheit gibt es ja Zugnummern….

Die Zugfahrt dauerte nur noch ca. 50 min., erster Halt war Malmö. Danach kam ein Ort namens Triangeln. Das hat mich ein wenig verwirrt, als ich das ein wenig falsch geschrieben in Google Maps eintippte… es gibt nämlich auf schwedischer Seite des Öresunds den Ort „Triangeln“, auf dänischer Seite namens „Trianglen“. Ich hatte die falsche Schreibweise eingegeben und mich gewundert… weil wir den Öresund da noch gar nicht überquert hatten.
Nun, Ankunft in København H. Den Bahnhof kannte ich ja schon, und alleine der Bahnhof ist verglichen mit dem Monster in Stockholm übersichtlich. Das Ding kam mir jedenfalls riesig vor, naja, es hat 17 Gleise, was ich jetzt nicht so wahnsinnig viel finde, aber trotzdem ist der Bahnhof sehr groß. In Stockholm hatte Google Maps für den Fußweg vom Bahnhof zum Hotel 5 min. veranschlagt. In Kopenhagen war es … eine Minute. Und ja, der Weg ist sehr kurz, ich sehe den Bahnhof von meinem Fenster aus, dazwischen liegt nur noch ein Afghanischer Gemüsehändler. Und so war es auch fast ein kleiner Kulturschock… die kleine unscheinbare Straße hinter dem Bahnhof im Vergleich zum Vasagatan ist wirklich etwas ganz anderes. Es gibt eben „vor dem Bahnhof“ und „hinter dem Bahnhof“. Vor dem Bahnhof liegt erst mal der Tivoli… dazu später noch, nur eins: Sind die Skanidinavier denn so vergnügungssüchtig?

Nun, ich hatte schon online eingecheckt und bekam nur noch meinen Schlüssel für das Zimmer im zweiten Stock. Hm. Zwei Sterne-Hotel. Kein Aufzug, naja, sind ja nur zwei Stockwerke. In meinem Zimmer dann die nächste Überraschung: Kein Bad, nur ein Waschtisch. Öh… da hatte ich beim Buchen nicht aufgepasst. Mir war nur wichtig: Zentrumsnah und nicht viel mehr als 100 Euro pro Nacht. Also, Toilette und Dusche auf der Etage. Ist mir aber eigentlich egal, damit kann ich leben – verglichen mit Taizé ist das hier immer noch der pure Luxus. Ha! Ich stelle gerade fest: Ich hab auch kein Telefon. Sehr gut, mit nicht bestellten Wake-up-calls ist also nicht zu rechnen. Und was die Dusche angeht: Das wird sowieso überschätzt. Jedenfalls hab ich den Robert so verstanden. Die 5 Minuten kann ich auch auf der Etage duschen. Ich hoffe, die anderen duschen auch nicht länger. In Stockholm hatte ich allerdings eine ziemlich luxuriöse Dusche.
Nun, nachdem ich mich kurz eingerichtet hatte, schaute ich noch kurz bei Wikipedia vorbei, was denn hier in Kopenhagen so geht und machte mich erst einmal auf dem Weg zum Rathausplatz, also so ähnlich wie schon zuvor in Kopenhagen. Zunächst musste ich auf die andere Seite des Bahnhofs. Nachdem ich dort die Straße überquert hatte, sah ich einen Freefall-Turm und einen künstlichen Berg, in dem gerade eine Berg- und Talbahn verschwand. Schon wieder ein Vergnügungspark. Nun, ich war nicht total überrascht, weil ich vorher schon mal einen Blick in Wikipedia und Google Maps geworfen hatte, nur fragte ich mich, was denn das ist mit skandinavischen Hauptstädten und Vergnügungsparks. Obwohl… wer weiß. Wenn sich unsere Regierenden in Berlin auch ab und zu mal das Hirn durchschütteln ließen, wer weiß, vielleicht wäre das ja gar nicht so übel. Allerdings war um den Tivoli ein richtiges Gedränge, viel mehr Menschen pro Quadratmeter, als in Stockholm. Schnell weg hier.

Der Rathausplatz war imposant. Das Rathaus selber war, wie in Stockholm, ein Riesenkasten mit Turm. Auch zwei weitere Gebäude am Platze hatten Türme. Irgendetwas war auch los, es war eine Tribüne aufgebaut, auf der Menschen saßen, aber so richtig interessierte mich das nicht. Ich hatte Lust, die kleine Meerjungfrau aus der Geschichte von Hans Christian Andersen zu besuchen. Also gab ich das in Google Maps ein und hatte noch so zwei km zu laufen. Es war noch so 21° warm, angenehm. Natürlich waren viele Touris unterwegs. Auf der anderen Seite des Bahnhofs sah es halt auch schon wieder ganz anders aus, teure Autos auf den breiten Straßen, Filialen von Rolex, Prada und Luis Vitton. Google führte mich dann auch durch typische Touri-Gegenden mit Souvenir-Shops und viel Straßengastronomie.

Nun, ich muss gestehen, so richtig habe ich nicht aufgepasst, wo ich langgeführt wurde und was für Straßen, Plätze und Gebäude ich so passierte, ich kam auf jeden Fall an der Helligåndskirken und der Vor Fruen Kirke vorbei, ebenso an der großen Kuppel der Fredericks Kirke.

Schließlich erreichte ich einen Park mit einer Kirche und einem Brunnen (der St. Alban’s Church und dem Gefion-Brunnen, wie ich jetzt auf Google Maps sehe). Ich sah viel Grün und Kanäle mit Seerosen und dann den Hafen. Auf der anderen Seite des Wassers dominierten industrielle Bauten, ein paar Windräder und ein paar Kriegsschiffe. Das größte schien mir ein Museum zu sein, einerseits aufgrund einiger Details, aber vor allem war eine Werbebande dran. Auf dem Vorderdeck sah ich einen Achtfach-Starter für Harpoon-Seezielflugkörper. In unmittelbarer Nahe war ein Schnellboot mit der Rumpfnummer P-547, welches am Heck ebenfalls mit Harpoon-Startern ausgerüstet war, und ein drittes Schiff mit der Rumpfnummer Y311. Was ich total übersehen habe (vielleicht brauche ich eine neue Brille): Ein an Land aufgebocktes U-Boot.

Natürlich habe ich alles inzwischen recherchiert. Das große Schiff ist die Peter Skram, eine Fregatte aus der Zeit des kalten Krieges, inzwischen Museumsschiff. Bemerkenswert ist vor allem, dass dieses Schiff 1982 bei einem Raketenfunktionstest versehentlich eine Harpoon-Rakete startete, die in eine Wochenhaussiedlung auf Seeland einschlug und dabei 11 Wochenendhäuser zerstörte und weitere 100 beschädigte. Zum Glück kamen keine Personen zu Schaden. Das Schnellboot ist die „Sehested“, klein, schnell, schwer bewaffnet und ebenfalls außer Dienst. Das U-Boot ist ebenfalls ein Museumsschiff, die Y311 ist kein Museum, sondern ein Mehrzweckschiff, welches als Unterstützungsboot für Marinetaucher ausgerüstet ist. Denn auf der anderen Seite von meiner Position aus ist nicht alles Museum, sondern teilweise auch aktive Marinebasis. Nun… natürlich plane ich, mir das alle mal näher anzusehen.

Aber ich war ja wegen der Meerjungfrau da. Die erreichte ich nur ca. 200 Meter weiter. Ich wußte schon: Die kleine Meerjungfrau ist wirklich klein. Ich hatte das von anderen Kopenhagen-Besuchern schon mal gehört, und bei Wikiepdia gelesen: Die Skulptur ist nur 125 cm hoch. Natürlich waren auch andere Touris da, vor allem schienen Eltern gerne ihre Kinder zusammen mit der bekannten Sehenswürdigkeit abzulichten. Aber es waren doch nicht so viele, und ich konnte also ein paar Bilder machen, wenn auch teilweise mit der Harpoonstarter-bewehrten Peter Skram im Hintergrund.

Danach erkundete ich noch ein wenig das Terrain. Es lag auf „meiner Seite“ des Wassers noch ein altmodisch aussehendes Segelschiff namens „Göteburg“ am Kai. Ich vermutete, dass dieses Schiff nur „auf alt gemacht“ war, denn die „Vasa“ in Stockholm ist das einzige größtenteils original erhaltene Schiff aus der Zeit der Galeonen mit ihren großen Heckkastellen – weltweit. Es gab noch ein großes Lokal „Seaside“, wo es sich außen an Tischen Leute mit Muscheln und Pommes gut gehen ließen (eine Kombination, die ich nicht zum ersten mal hier in der Außengastronomie beobachtete). Scan the code, order online, pick up inside. Ich überlegte kurz, denn ich hatte durchaus vor, noch was essen zu gehen, aber ich zog es dann doch vor, das irgendwo zwischen der Haupttouri- und Einkaufsgegend und der Wasserseite zu machen.

Ich schlug also wieder den Weg Richtung Hotel ein. Zwar bin ich eher ein Orientierungs-Legastheniker, dennoch konnte Google Maps im Wesentlichen ausbleiben. Ich hatte stattdessen Ingress laufen und orientierte mich an den „Brotkrumen“ der auf dem Hinweg eingenommenen Portale (der Chef möge mir die Anmerkung verzeihen). Irgendwann kam ich an einem indischen Lokal vorbei, und weil ich in den letzten Jahren immer mal wieder gerne indisch gegessen habe und die Preise akzeptabel waren, kehrte ich dort ein. Ein Curry mit Huhn („just a little spicy“) und ein großes Pils später kehrte ich wieder aus. War sehr lecker gewesen und höchste Zeit, mal wieder anständig zu essen.
Auf dem Rückweg verließ ich dann doch zwischenzeitlich meine erwähnte „Brotkrumenspur“ und ging stattdessen eine Parallelstraße entlang, die mich an einem kleinen Kanal namens „Sankt Jørgens Sø“ entlangführte. Dann sah ich auch schon die Türme des Tivoli und wusste ja, ich muss in die Richtung, denn der Bahnhof liegt ja auf der anderen Seite davon und mein Hotel auf der anderen Seite des Bahnhofs.

Inzwischen war es schon dunkel, und so machte ich noch ein paar Fotos des illuminierten Tivoli-Eingangs, der strahlenden Werbetafeln am Rathausplatz und so weiter. Im Bahnhof kaufte ich mir im 7-Eleven (wie schon auf der Fahrt nach Stockholm) zwei Dosen Carlsberg als Gehirnschmierung zum Bloggen und schlug den Weg ins Hotel ein. Tja. Und damit ist der Blog auf dem Stand und das Bett ruft. Frühstück ist hier nicht inklusive, mit 99 dkr (man bekammt 7,44 dkr für 1 Euro, also etwa 13 Euro) aber preislich akzeptabel und bis 10.30 Uhr zu bekommen. Das teste ich wohl morgen mal. Ansonsten… das Marinemuseum inkl. U-Boot will gecheckt werden, und dann muss ich natürlich auf irgendeinen Turm (vielleicht den der Erlöserkirche, oder zumindest der „runde Turm“, auch wenn der nur 34 Meter hoch ist … mal sehen). Aber erstmal: Bilder aussuchen, hinzufügen, das hier veröffentlichen und ab ins Bett.
Bis bald.