Unterwegs im ICE nach Wien, aktuelle Position irgendwo zwischen Styr und Amstetten (jenseits von Linz), 14.09 Uhr. 200 km/h
Samstag, 29. Juli – Muhr am See und Gunzenhausen
Am Abend zuvor hatten wir vereinbart „Keine Aktivität vor 11.00 Uhr“. Ich wachte irgendwann vorher auf. Irgendwie fühlte es sich an, als sei ein Biber in meiner Mundhöhle verendet. Die Uhr am Webradio im Badezimmer schickte mich zwei Stunden in die Vergangenheit ohne dass ich es merkte. Egal. Ich legte mich nochmal auf irgendwelche Ohren, ich hoffe, es waren meine eigenen.
So gegen halb elf oder so begab ich mich dann doch mal die Treppe hinunter. Meine Gastgeberin chillte auf dem Sofa mit einem Kaffee und ich gesellte mich dazu und bekam ebenfalls einen Kaffee. Danach ging ich duschen und dem toten Biber mit der Zahnbürste zu Leibe rücken.
Ich begleitete dann meine Gastgeberin im Auto nach Gunzenhausen, dem nächstgrößeren Ort in der Nähe. Gunzenhausen war mit bekannt für „Schorschbock 57“, einem Eisbock-Bier mit 57% Alkohol, einst Weltrekordhalter für das Bier mit der größten Alkoholkonzentration (nach allgemeiner Meinung in Muhr völlig untrinkbar).

Ich fand den Ort recht hübsch. Schöne, bunte Gebäude und Einkaufsgassen. Wir waren in der Drogerie Müller, wo ich zwei Postkarten erwerben konnte, und während meine Gastgeberin Brötchen besorgte, holte ich dafür bei der Post Briefmarken. Schließlich waren noch Einkäufe im Supermarkt zu erledigen.
Zurück in Muhr nahmen wir das Frühstück in der Mittagszeit in der Laube ein, meine Gastgeber haben sich zwischen Haus und Garagen eine gemütliche, überdachte Ecke eingerichtet, in der man sich mit ein paar Leuten sehr angenehm aufhalten kann. Nach dem Frühstück war schon späte Mittagszeit, und wir beschlossen, angesichts des vorangegangenen, langen Abends eine Siesta zu halten. Ich verbrachte mehrere Stunden dösend bis schlafend auf Matratze, während mein Gastgeber sich zwischenzeitlich mit Gartenarbeiten beschäftigte. Denn das Wetter besserte sich zwischenzeitlich. Es gab Sonne, aber weiterhin viele Wolken und starken Wind.
Am frühen Abend entschieden wir, das Abendessen quasi auf dem Weg zur Kerwa bei einem Italiener zu uns zu nehmen. Das Wetter ließ zu, dass wir draußen sitzen konnten. Ich hatte eine Portion Rigatoni Al Forno, sehr lecker – und ein Spalter, selbstredend. Eine hiesige Bieralternative ist Gutmann Weizen, aber meine Gastgeberin riet mir ab (wie zuvor schon von der schwarzen Maß übrigens), es seien unüblich viele große Hefenbrocken in diesem Bier, und das sei nicht jedermans Sache.

Nach dem Abendessen ging es weiter, wieder auf die Kerwa. Wieder zwei Maß und ein „saure“ Weinschorle. Wir trafen einige Leute erneut, andere, die mir vorher unbekannt waren, und es war recht lustig. Das Wetter kippte zwischenzeitlich in Gewitter und so starken Wind, dass meine Gastgeberin mir bedeutete, ich möge doch mal eine Stange des Zeltes festhalten, um es am Davonfliegen zu hindern. Zwischenzeitlich hielt ich mich an der Bühne auf. Die Band gefiel mir besser als die am Vortag aber ich war an der Bühnenkante nicht deswegen, sondern um erst die Damen (darunter die genannte Bürgerschützen-Königin, die ihre Mutter locker ausstach) und dann die Herren beim Bierkrugstemmen anzufeuern.
In Spalt, in Spalt Dou wern die Leit gar alt. Sie kenna nix dafier, dös macht ös gaute Bier
Markting-Spruch für Spalter-Bier
Nach erneut nicht unerheblichem Spalter-Konsum ging es wieder zum Haus meiner Gastgeber. Wieder gab es noch ein Absacker-Bier, diesmal auf der Terasse mit meinem Gastgeber. Dieser wollte von mir wissen, wie ein Atomkraftwerk funktioniert, was ich ihm dann unter starkem Hopfeneinfluss so grob erklärte. Besser kann ich es auch nicht, ich kann mir die Atommassen der Spalt-Edukte und -produkte nie merken. Im Endeffekt: Lieber Spalter-Bier als Kernspaltung. Der gute Spalter Hopfen ist auf dem Weltmarkt für seine exzellente Qualität übrigens bekannt. Danach ging es in die Koje.