Hotel in Wien, Nähe Hauptbahnhof
Sonntag, 30. Juli – Muhr am See. Echt am See, nicht nur am Weiher
Erneut stand ich ziemlich spät auf, nachdem ich zwischenzeitlich schon früher wach war. Es war, glaube ich, etwas weniger Bier als einen Abend zuvor auf der Kerwa. Vielleicht habe ich mich auch nur daran gewöhnt. Oder beides. Jedenfalls wars diesmal nur ein kleiner, toter Biber in der Mundhöhle.
Wir frühstückten erneut in der Laube. Mein Gastgeber brach danach zu einer Fahrradtour auf, während ich es mir mit der Muhrer Gastgeberin auf dem Sofa bequem machte. Wir schauten eine Episode „Black Mirror“ auf Netflix und warteten darauf, dass das Wetter (vielleicht) etwas besser wird.
Nach der Episode machten wir uns auf die Fahrräder, um zum Altmühlsee zu fahren (das ist der See aus „Muhr am See“). Ich gestehe: Beim Packen hatte ich kurz erwogen, die Badehose einzupacken und es nicht getan (total blöd eigentlich, ich meine, wieviel wiegt eine Badehose und wieviel Volumen nimmt sie ein?). Das Wetter war nicht nach Baden und ich war ein wenig erleichtert, dass ich das Nichteinpacken der Badehose nicht bereut habe… Obwohl es sicherlich bei besserem Wetter am See durchaus schön zum Baden sein kann. Der See ist 4 km lang, bis zu 1,7 km breit und bis zu 3m tief. Groß genug, dass ein Ausflugdampfer, die MS Altmühlsee, darauf verkehrt.

Wie auch immer, wie fuhren so 4 km dahin, erstmal mit starkem Rückenwind. Meine Gastgeberin mit ihrem neuen E-Bike, ich mit dem alten Rad ihres Dad. Dabei trafen wir auch den Gastgeber mit seinem Rad in Gegenrichtung, der eine längere Tour fuhr. Wir umrundeten den See nicht (ca. 13 km) sondern fuhren nur zum Fortsatz bei Schlungenhof, zum Anleger der MS Altmühlsee. Danach wendeten wir und fuhren ein kurzes Stück zurück, um an einem der vielen „Kioske“ (so nennt man da die Gastronomie am See) ein Getränk zu uns zu nehmen. Ich konnte mir nicht merken, wie mein Bier hieß, es war kein Spalter. Während man dort am Getränk nuckelt, kann man den Wasersporttreibenden beim Verunglücken zusehen. Äh Spaß, viele können es offenbar ziemlich gut und genossen den starken Wind, der für meine Gastgeberin schon etwas drüber war. Nicht für Wassersport, sondern zum Existieren an sich.
Der moderne Surfer begnügt sich übrigens nicht damit, auf seinem Brett durch das Wasser zu gleiten. Der neuste Schrei ist offenbar, dass am Brett unten so Hydrofoils sind wie bei einem Tragflächenboot. Wenn die Geschwindigkeit reicht, hebt sich das Brett aus dem Wasser und schwebt mitsamt Person obendrauf einen halben Meter (oder so) über dem Wasser. Nur die Tragflächen bleibem im Wasser, das Brett steht mit einer schmalen Strebe, die Tragflächen und Brett verbindet, auf den Tragflächen, die ihren Auftrieb aus der Wasserströmung beziehen – wie bei einem Flugzeug, nur dass das Medium halt Wasser und nicht Luft ist. Man könnte sagen, die Surfer nutzen lieber Bernoulli, nicht Archimedis.
Ich hatte durch Online-Werbung solche Hydrofoil-Boards schon mal gesehen, aber diese hatten einen elektrischen Antrieb. Die Surfer am See nutzten den Wind, einige nutzten ein klassisches Surfsegel mit Mast, andere eine Art „Flügel“, die sie mit beiden Händen festhielten. Die Kitesurfer hingegen schienen mir das Wasser weiter direkt unter dem Brett zu behalten und ohne Hydrofoils zu surfen.
Nach dem Trip zum See ließen wir den Rest des Tages gemütlich angehen. Meine Gastgeber hatten ja, im Gegensatz zu mir, am nächsten Tag zu arbeiten. Meine liebe Gastgeberin zauberte aus den Resten von schier endlosen Leberkäs-Vorräten, die von einer lange zurückliegenden Geburtstagsfeier ihres Freundes übrig geblieben waren, eine leckere Leberkäs-Pfanne. Ich konnte mich zwischenzeitlich noch ein wenig nützlich machen und die Beleuchtung einer aus der Verwandtschaft günstig gegen eine Kiste Spalter eingetauschten Weihnachtskrippe reparieren. Naja… richtig kaputt war sie eigentlich nicht, nur ein wenig regelwidrig angeschlossen…

Nach dem leckeren Essen (und ich ärgere mich, dass ich davon kein Foodporn-Foto gemacht habe) wollten meine Gastgeber eigentlich nach der Tagesschau nicht mehr so lange außerhalb des Bettes bleiben. Aber wir schauten dann dennoch ein Filmchen („Knives Out – Mord ist Familiensache“) zusammen. Danach gingen wir ins Bett. Für mich war ja auch der einigermaßen zeitige Aufbruch nach Wien angesagt. Da mein Gastgeber früher aufstehen würde als ich, verabschiedeten wir uns herzlich voneinander. Ich bekam noch zwei Flaschen Spalter ins Bordgepäck. Die werden aber nicht weggezischt, sondern dienen höheren Zwecken später (zumal ich sie ja ohnehin nicht gekühlt bekomme).