Can Tho, Duc’s Gästehaus, 20.13 Uhr Ortszeit
Aufstehen war um 07.00 Uhr angesagt, wir trafen uns um 07.30 Uhr, um zu Fuß frühstücken zu gehen. Mein Schwager hatte ein Buffet im 7. Stock eines Hotels in der Nähe gebucht. Es gab einiges Essen nach westlichem Gusto, wie Spiegeleier, Bacon, Brot, Aufstrich. Wir zogen aber eher vietnamesisches oder gemischtes Frühstück vor, mit Suppe und Reis und frischen Früchten, aber bei mir gab es auch Würstchen, Hackbällchen und Bacon dazu. Aus dem 7. Stock hatte man dazu noch einen ganz guten Blick auf die Stadt.

Anschließend gingen wir wieder zu unserer Unterkunft und stoppten unterwegs bei einem Handyladen, um SIM-Karten für den hiesigen Mobilfunk zu erwerben. Wieder beim Gästehaus nahmen meine Schwester und ich erst einmal wieder einen Saft bzw. Smoothie aus dem Saftladen, und ich, mittlerweile im Besitz des WLAN-Passworts, lud den Text hoch, den ich in der Nacht geschrieben hatte, als ich nicht schlafen konnte.

Um 10.00 Uhr starteten wir zu einer Tour. Mein Schwager hatte dazu wieder ein Fahrzeug samt Fahrer gebucht. Das Fahrzeug war ein großes Toyota-SUV, in dem bis zu sieben Leute (inkl. Fahrer) Platz finden konnten. Unser Ziel war der Ort Vinh Long, wo Verwandtschaft der Mutter meines Schwagers beheimatet war. Zunächst besuchten wir wirklich nur kurz (weil ohne Voranmeldung) ein Haus, wo entfernte Verwandte (womöglich zweiten Grades ich hab das alles nicht so ganz verstanden) meines Schwagers lebten, nur um eben mal schnell Xin chào zu sagen. Danach ging es eine kurze Strecke weiter zu einem Anwesen, auf dem ein älteres, aber renoviertes Haus stand, welches die Ahnen der Mutter meines Schwager dort gebaut hatten. Es war ein traditionelles, offenes Haus, innen dunkles Holz, traditionelle Aufteilung und Möblierung.

Das Haus wird nicht mehr bewohnt sondern beherbergt Erinnerungsstätten an die Ahnen und ist heute eher ein Museum. Wenn ich es richtig verstanden habe, so ist das Haus noch aus der Zeit, als das Land ursprünglich urbar gemacht, besiedelt und landwirtschaftlich für den Reisanbau erstmalig genutzt wurde. Um dies der Nachwelt zu erhalten, ist auf dem weitläufigen Gelände hinter dem Haus ein Restaurant untergebracht. Jeder Tisch steht in einer eigenen, kleinen Hütte, die einzelnen Hütten sind über ein großes Gelände verteilt. Die Erlöse fließen offenbar zum Teil in die Instandhaltung des Hauses, für dessen Betretung kein Eintritt verlangt wird. Ein Verwandter mütterlicherseits meines Schwagers betreibt alles und kümmert sich auch um die Instandhaltung des Hauses. Im Haus erklärte uns mein Schwager alles, die Aufteilung, Möblierung, die Ahnenaltare und Inschriften und die Geschichte hinter allem.

Wir fanden in einer der Hütten Platz und mein Schwager bestellte ein paar Kleinigkeiten, Wasser, süsse Snacks und Kokoswasser. Zum Leidwesen meiner Schwester wurde letzteres nicht in der Kokosnussschale, sondern in Plastikbechern serviert. Nach dem Genuss der Erfrischungen haute sich meine Schwester in eine in der Hütte aufgehangene Hängematte, der Freund meines Neffen (den wir bald in Da Nang besuchen), dessen Freundin und ich machten uns daran, das weitläufige Gelände näher zu erkunden. Es gab viele Gräben, vermutlich ursprünglich Bewässerungsgräben für den Reisanbau, viele Hütten mit gedeckten Tischen, einige auch belegt von dosenbiertrinkenden Menschen. In den Gräben waren große Fische unterwegs (vermutlich Karpfen), ansonsten stromerten zwei junge Katzen und mindestens zwei Hunde umher (die Katzen) bzw. lagen im Schatten (die Hunde). Achja, in einem Glaskasten wurden Schlangen gehalten, die aber zum Verzehr angeboten wurden.

Zurück bei „unserer“ Hütte verständigten wir uns, die Heimfahrt nach Can Tho einzuleiten und bestiegen den Toyota. Nach einer Stunde Fahrt waren wir wieder in Duc’s Gästehaus. Dort gab es zwei Stunden Zeit für Siesta. Wir trafen uns um 16.30 wieder, um zum Abendessen zu gehen, was wir dann auch taten.

Mein Schwager hatte in einem Restaurant am Fluß, dem Sông Hâu gebucht, genauer gesagt, an einem Nebenarm davon. Der Sông Hâu ist wiederum einer der neun Arme des Mekongs, die das Mekong-Delta bilden. Nach kurzer Besprechung orderte mein Schwager Getränke und eine Anzahl Speisen. Dabei waren eine Suppe mit Krebstierfleisch und einem mir unbekannten Gemüse, das geschmacklich relativ neutral an Gurke erinnerte, gebratener Tofu, grüne Sprossen mit gebratenem Rinderhack, weiteres, gekochtes Gemüse verschiedener Art und ein ziemlich bitter schmeckendes Gemüse, das mir auch unbekannt war, und natürlich reichlich Reis. Manches schmeckte mir, anderes weniger, aber es gab auf jeden Fall viel auszuprobieren. Der Freund meines Neffen, ein ziemlich sportlicher Bursche mit hohem Kalorienbedarf, schaffte es am Ende, sein Versprechen einzulösen und wirklich alles aufzuessen. Ich hatte schon lange vorher die Waffen gestreckt.

Nach dem Essen pilgerte ich mit meiner Schwester, dem Freund meines Neffen und dessen Freundin noch am Fluss entlang. Überall herrschte emsiges Treiben, es waren viele junge Leute, aber auch bis zu vierköpfige Familien auf Mopeds unterwegs. Überall blinkte bunte Tet-Dekoration, am Fluss lagen Boote und davor versuchten Menschen, den Passanten eine Fahrt zum schwimmenden Markt morgen zu verkaufen (wir haben bereits ein Boote gebucht). Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft gingen wir über den hell erleuchteten Nachtmarkt. Meiner Schwester zufolge ist der, angesichts des Tet-Festes, mit unseren Weihnachtsmärkten vergleichbar. Ein großer Unterschied war, dass die Leute hauptsächlich nicht zu Fuß dorthin gingen, sondern in großen Massen mit ihren Mopeds mit Schrittgeschwindigkeit daran entlangfuhren. Es war voll, laut und voller Zweitakt-Abgase, was mir langsam etwas zu viel wurde, ich befürchtete, Kopfschmerzen zu bekommen. Zwischenzeitlich waren wir noch kurz in einem chinesischen, offenbar auch dem Ahnenkult gewidmeten Tempel, in dem viele junge Leute Räucherstäbchen für vergangene Generationen entzündeten.

Danach gingen wir zurück zu unserer Unterkunft. Die anderen (außer meinem Schwager, der sich schon vorher solo gemacht hatte) nahmen zum Teil noch eine Leckerei aus Quán Chua Phúc (dem Saftladen) zu sich und relaxten auf der Dachterrasse, ich ging in mein Zimmer, um diesen Beitrag zu schreiben und noch ein paar von den Tiger-Bieren, die ich nach dem Frühstück in einem nahegelegenen Supermarkt erworben hatte, einzufüllen.

Morgen heißt es: Um 04.00 Uhr aufstehen. Wenn man den schwimmenden Markt besuchen möchte (früher mal eine sinnvolle Sache, als hier noch mehr Transporte auf dem Wasser als auf der Straße stattfanden, heute eher eine Touristenattraktion, meiner Schwester zufolge) muss man früh aufstehen, ähnlich wie zuhause in Hamburg zum Fischmarkt. Also lade ich jetzt noch ein paar Bilder hoch, und dann geht es ins Bett.
Bis denne!