Druckbetankung zum Frühstück

La pa district, Gia Lah, im Hotel, 2. Stock, 05.00 Uhr Ortszeit

Okay, wer sich jetzt darüber wundert, dass ich um 5 Uhr morgens blogge, der schaue auf die Überschrift. Aufgrund von Bia Saigon in hohen und vielen Dosen schon vor und während des Frühstücks ist mein Rhythmus irgendwie durcheinander geraten.

Die Reisegruppe traf sich morgens um 09.30 Uhr im Bus. Meine Family hatte sich schon vorher in einem Coffee-Place unmittelbar am Hotel einen Kaffee genehmigt. Nach kurzer Zeit erreichten wir wieder das Haus der Familie der Freundin meines Neffen. Dort hatte man schon mächtig gearbeitet. Ein Zelt mit einer aufwändigen Dekoration war aufgestellt, Ventilatoren und Licht montiert, Tische und Stühle wurden gerade aufgebaut als wir kamen. Es sah alles nach einem großen Fest aus, was Têt hier ja auch ist.

Alles vorbereitet zum Têt-Fest

Schon bald wurde klar, dass die jüngeren Leute, die mit großen Kartons voll mit Bia Saigon Lager – Dosen hantierten, nicht beabsichtigten, zum Frühstück etwa Kaffee oder Tee zu trinken. Man hatte auch durchaus Lust, die deutschen Gäste gleich mit zu betanken. Ich war diesbezüglich von meiner Schwester, meinem Neffen uns seiner Freundin vorgewarnt worden. Naja … es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne Bier trinken würde, und ich mag es auch durchaus ab und zu, mal einen im Kahn zu haben. Und okay… ich mag eigentlich zu alt für sowas sein, aber diese deutliche Herausforderung „mal sehen, wie trinkfest Ihr so seid“ … reizte mich auch. Männer werden nie erwachsen, nur älter, bei mir trifft das zu. Ich war also bereit, mich zur Ehrenrettung der deutschen Bevölkerung zu opfern. 😉

Links ich, rechts der Bruder der Freundin meines Neffens. Zu was macht uns das? Äh… zu Saufkumpanen offensichtlich

Der älteste Bruder der Freundin meines Neffen war derjenige, der mich zum Biertrinken einlud. Bald fand ich mich an einem Tisch mit Jarai-Leuten wieder, meine Family saß an einem anderen Tisch. (Meine Schwester fragte zwischenzeitlich sehr aufmerksam, ob es mir denn gut ginge, zwischen lauter sehr trinkfreudigen Menschen, deren Sprache ich nicht verstand. Mir ging’s aber super zu dem Zeitpunkt. Um gemeinsam ein anständiges Frühstück zu trinken, braucht man keine Sprache, um sich zu verstehen…

Nun, das Frühstück fiel nicht gänzlich flüssig aus. Viele der anwesenden Jarai sind gläubige Protestanden, und in dieser Gruppe trinkt man gar keinen Alkohol, wollte aber trotzdem frühstücken. Es gab ein üppiges, traditionell vietnamesisches Frühsstück (das eigentlich auch genauso zu jeder anderen Tageszeit so gegessen wird, alle Mahlzeiten sind üblicherweise warm). Es gab Suppen, Reis, gebratenes Fleisch von Huhn und/oder Rind und/oder Schwein, gekochte Eier, Fisch, verschiedene Sorten Gemüse. Ich versuchte, die flüssige Nahrung zwecks Grundlagenschaffung durch ordentliche Mengen an Reis aufzustocken.

Ah, es gibt auch festes Frühstück

Was die flüssige Nahrung angeht… ich hab nicht mitgezählt. Aber es geht ja nicht nur um die Menge, sondern auch das Trinktempo, und da sind die Jarai, die keine religiösen Vorbehalte haben gnadenlos (auch die jungen Frauen, übrigens). Man bekommt eine Dose und die Aufforderung „Fifty-fifty“ und muss die Hälfte der Dose (wie man so schätzt) auf Ex trinken, die andere Hälfte trinkt der Herausforderer. Das habe ich so dreimal gemacht. Beim zweiten Mal war die Herausforderung nicht zufrieden mit dem, was ich aus der Dose getrunken hatte, und ich musste nochmal trinken. Beim dritten Mal wollte ich das dann vermeiden und hab halt gleich die ganze Dose „geext“. Normalerweise muss, wenn man das macht, der Herausforderer ebenfalls eine Dose auf Ex trinken. Aber der machte sich einfach davon (was ich aber gar nicht mehr so richtig mitbekommen habe) – Frechigkeit!

Flüssiges Frühstück in beachtlichen Mengen.

Nun, ich wollte den Damen und Herren Jarai dann doch auch einmal demonstrieren, dass auch wir Trinkkultur haben. Ich lieh mir ein Messer von meinem Neffen und demonstrierte die Technik des „Dosenschießens“ (oft auch „Dosenstechen“) genannt. Dabei kriegte ich erst einmal eine volle Ladung Bier ab, das aus dem Loch spritzte, was wahrscheinlich alle erheiterte und mir bereits völlig egal war angesichts des ganzen Settings und meiner Blutalkoholkonzentration. Naja, und dann den Mund ans Loch, Dose senkrecht und Verschluss auf, wie man das halt so macht. Also (abgesehen vom „Schankverlust“) noch eine Dose auf Ex. Nun, wer von den Jarai rechtzeitig sein Smartphone in Stellung hatte, mag nun viral gehende Bilder für die sozialen Medien in Südost-Asien haben…

Mein Saufkumpane stellt übrigens Figuren wie diese her.

Ich war dann aber erstmal fertig mit der Welt. Es gab eine Art kleinen Schuppen, sah fast ein bisschen wie eine Bühne aus, wo Bastmatten auf dem Boden lagen. Da machte ich mich erst einmal eine Weile lang, und ich glaube, ich hab auch wirklich zwischenzeitlich ein bisschen meinen Rausch ausgeschlafen. Ich weiß nicht, wie lange ich da so rumlag, aber es wird lang genug gewesen sein, dass alle reichlich Gelegenheit hatten, unvorteilhafte Bilder von mir zu schießen. Der Freund meines Neffens bot mir jedenfalls später Bilder an, die ich zur Illustration dieses Blogeintrags verwenden könne. Nunja… was soll’s.

Es ist alles so friedlich hier… auch wenn es für uns vielleicht fremd wirkt, dass das Essen in der Küche spazieren geht.

Später weckte mich mein Neffe mit den Worten „Wir fahren mit einem Tuck-Tuck zum Reisfeld“. Dankenswerterweise ging es mir nicht schlecht, ich kam auf die Beine und enterte mit meiner Familie und einigen Leuten aus der Familie der Freundin meines Neffens die Ladefläche eines landwirtschaftlich genutzten Fahrzeugs. Vorne hatte das einen etwas altertümlich aussehenden Motor, bei dem große Teile der Mechanik (Keilriemen, Ketten, Kardanwelle) nicht verkleidet waren und zwei Räder mit kleiner Spurweite, dahinter ein kleines Fahrerhaus und dahinter eine Ladefläche, darunter Räder mit größerer Spur. Die Fahrt war etwas abenteuerlich, nicht, weil das Fahrzeug aus westlicher Sicht etwas vorsinnflutlich anmutete, sondern weil man nicht ganz so sicher saß und die Straßen und Wege schlaglochreich und schwer befahrbar waren. Irgendwann bekam ich mit, dass der Fahrer wechselte und der Pastor der Gemeinde das Steuer übernahm, was irgendwie Vertrauen einflößte.

Tuck-Tuck

Wir machten Halt am Reisfeld der Familie, wurden jedoch nicht zur Erntearbeit (wie eigentlich zwischenzeitlich gemunkelt wurde) rein geschickt, sondern genossen nur eine Weile die Landschaft und machten Fotos. Auch Tabak wurde direkt daneben angebaut. Wir saßen wieder auf und die Fahrt ging weiter zum Fluss, dem Sông Ea Ayun. Hier saßen wir wieder ab und machten uns die Füße nass. Die Kinder waren teilweise komplett im Wasser und badeten richtig. Wir ließen Steine flitschen und die sportlicheren maßen ihre Kräfte im Weitwurf, da ich weiß, dass ich das nicht kann und sah, wie weit beispielsweise der Freund meines Neffen werfen kann, versuchte ich das gar nicht erst.

Links Reis, rechts Tabak. Reisfelder haben einen sehr schönen Grünton, sehr angenehm für das Auge.

Danach ging es wieder zurück zum Haus der Familie. Dort stiegen wir in unseren Bus um und fuhren zum Haus der Großmutter der Freundin meines Neffen. Wir sahen ihren Webstuhl, mit dem sie große Decken herstellt (die Herstellung einer Decke dauert mehrere Monate). Sie hatte meiner Mutter eine solche Decke zu Weihnachten geschenkt, was alle sehr gerührt hat angesichts der vielen Arbeit, die da drin steckt, insbesondere schätzt meine Mutter eine wertige Handarbeit wie diese ohnehin sehr. Nun aber gab es Decken auch für meine Schwester und für mich, die Großmutter hat offenbar noch einige auf Vorrat. Ich weiß nicht, ob sie diese Decken ausschließlich zum Verschenken im Freundes- und Verwandtschaftskreis webt, oder auch zum Verkauf (ich tippe auf letzteres). Jedenfalls war ich auch wieder sehr gerührt, als ich das tolle Geschenk erhielt.

Meine Decke und ich

Insgesamt führt die Familie der Freundin meines Neffen ein eher bescheidenes und einfaches Leben hier draußen auf dem Land. Es sind keine wohlhabenden Leute, und angesichts dessen berührt es mich, wie wir reichen Westeuropäer hier bewirtet und beschenkt werden. Die Freundin meines Neffen hat studiert und einen guten Job bei einem Internet-Kleidungsversand, sie unterstützt jetzt aber zwei jüngere Schwestern finanziell, die ebenfalls studieren. In ihrem Alter lag ich selbst noch meinen Eltern auf der Tasche, daher habe ich dafür großen Respekt.

Pfahlhäuser der Familie

Wir besichtigten die einfachen, auf Pfählen gebauten Häusern (diese Bauweise ist eher nicht typisch vietnamesisch, sondern typisch Jarai) und bekamen wieder Getränke (auch wieder Bier angeboten). Ich nahm noch zwei Dosen, aber dann übermannte mich wieder die Erschöpfung und ich suchte eine Hängematte auf. Auch hier gab es übrigens Hunde, Hühner und Kühe. Einige der Hunde waren noch Welpen, und auch die Hühner hatten eifrig piependen Nachwuchs. Die jungen Leute aus der Familie meines Neffens besorgten irgendwoher Fastfood in aufgeschäumten Verpackungen, z.B. Corn-Dogs, die trotz (oder gerade) wegen der Kombination aus Fleisch und einem eher süssen Teigmantel sehr lecker waren.

… und dann auch noch Hundewelpen!

Irgendwann hieß es dann „Rückfahrt“, zunächst zum Haus der Eltern der Freundin meines Neffens, wo wir die Leute, die nicht zur Reisegruppe gehörten, entluden und selbst noch eine Weile mit der Familie zusammensaßen oder mit den Kindern spielten. Dann ging es aber bald zurück zum Hotel, wo wir gegen 19.00 Uhr ankamen. Mein Neffe wollte unter die Dusche und dann eine Runde „Heckmeck am Bratwurmeck“ (kurz „Wurm“ genannt) spielen, aber ich war absolut hundemüde und begab mich umgehend ins Bett. Natürlich viel zu früh, was dazu führte, dass ich jetzt wach bin und den Blogeintrag schreibe. Ich muss jetzt noch die Bilder hinzufügen, danach haue ich mich noch für zweieinhalb Stunden auf die Matratze.

Vorschau: Wir checken nachher hier aus und fahren nach Kon Tum, wo ein Bruder der Freundin meines Neffen lebt. Morgen geht es von da aus zurück nach Da Nang, wo wir noch drei Nächte verbringen werden, bevor es nach Saigon geht.

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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