Vom Bánh Mì zum Bánh Tét

La pa district, Gia Lah, im Hotel, 2. Stock, 22.09 Uhr Ortszeit

Der Wecker klingelte viel zu früh, um 07.00 Uhr. Ich hatte etwa fünf Stunden geschlafen. Es war spät geworden am Vortag, zunächst war ich nach einem Barbesuch mit meiner Family erst nach 23.00 Uhr in meinem Hotelzimmer, danach habe ich halt dann auch noch den Blogeintrag geschrieben. Außerdem war auch noch viel Alkohol am Vorabend im Spiel gewesen….

Aber es half ja nichts, also raus aus den Federn und unter die Dusche. Der Plan war, dass man sich um 08.00 Uhr in der Lobby träfe, dann gemeinsam Frühstücken ginge und um ca. 09.00 Uhr zur heutigen Tagestour aufbräche. Ich war kurz vor 08.00 Ihr in der Lobby, leider mitsamt Gepäck, was gerade wenig sinnvoll war, weil wir nicht wie am Vortag mit dem Bus vom Hotel aus zum Frühstück fuhren, sondern zu Fuß gehen wollten (Bánh Mì und Kaffee gab es ein paar Schritte vom Hotel entfernt). Ich brachte trotzdem meine Sachen erst einmal wieder in mein Appartement zurück. Um 08.00 Uhr traf ich mich mit meiner Family in der Lobby, und wir gingen frühstücken.

Bánh Mí-Bude … Foto alleine schon, damit ich mir die korrekte Schreibweise merken kann.

Es gab wieder Bánh Mìn, auf der anderen Straßenseite gab es einen netten Kaffeeladen. Ich nahm erstmals einen Kaffee Phin (auf vietnamesische Art gekocht und mit gesüßter Kondensmilch). Es schmeckte ganz gut, war aber nicht richtig heiss. Das ist aber normal bei „vietnamese drip-coffee“. Nach dem Frühstück trafen wir die beiden anderen Mitglieder der Reisegruppe, die wollten noch in einen Supermarkt etwas einkaufen. Leider hatte der Minimart in unmittelbarer Nähe geschlossen, vermutlich wegen des unmittelbar bevorstehenden Têtfestes.

Wir fuhren stattdessen zu einem „Go!“-Einkaufszentrum und warteten, bis diejenigen, die noch einkaufen gegangen waren, ihr Einkäufe erledigt hatten. Dann fuhren wir gegen 09.40 Uhr zu unserem nächsten Etappenziel los. Die Familie der Freundin meines Neffen, die wir abends besuchen wollten, erwartete uns bereits am Nachmittag, daher war der Zeitplan eng und wir strichen zwei Punkte vom Tagesprogramm.

Eine Besichtigung machten wir aber dann doch: Wir fuhren nach Gành Đá Đĩa. Hier gibt es eine landschaftlich reizvolle Felsenküste zu besichtigen, an der es Hänge und Plateaus aus dunklen Basaltsteinen gibt. Diese bildeten Säulen unterschiedlicher Höhe mit oft fünf- sechs- oder mehreckigen Oberflächen, die häufig natürlich entstandene Felstreppen bildeten. Entstanden waren diese faszinierenden Formationen schon vor Millionen von Jahren durch vulkanische Aktivität.

Teilweise erinnerten mich die vieleckigen Steine mit ihren Fugen dazwischen an ein aufgebautes Siedler(von Cathan)-Spiel…

Es waren auch viele andere Touristen unterwegs, um Fotos von und mit sich selber zu machen (bzw. machen zu lassen). Einige Perspektiven waren daher kaum tourifrei zu knipsen. Naja, andererseits… wir waren ja selbst auch dort. Übrigens hätte der Eintritt zu dem Rundgang eigentlich 40.000 Dong gekostet, aber es war niemand vor Ort, der den Eintritt kassieren konnte, und offen war das Areal dennoch. Das war praktisch.

Die reizvolle Felsenküste

Wir absolvierten also den Rundgang, anschließend trafen wir uns dann wieder, um Getränke und in drei Fällen, auch etwas zu essen zu uns zu nehmen. Es gab für viele (auch mich) frisch gepressten Zuckerrohrsaft. Ich trank das zum ersten Mal und mochte es. Außerdem Bratreis mit Ei. Leider saßen wir dabei auf so Kinderstühlen aus Plastik, die mich kaum aushalten und auch viel zu klein sind.

Nach der Mahlzeit saßen wir alle wieder auf, um weiterzufahren. Das nächste Ziel lag im La pa – District und war ein Hotel, welches nur ein paar Minuten Autofahrt vom Haus der Familie der Freundin meines Neffen entfernt liegt. Dorthin waren es noch über zwei Stunden Autofahrt.

Schließlich kamen wir im Hotel an und checkten allesamt ein. Wir hatten verabredet, uns eine Viertelstunde später wieder draußen zu treffen. Das klappte auch ganz gut, und wir fuhren zum Haus der Familie der Freundin meines Neffen. Es war sozusagen ein großes Familientreffen, bei dem sich auch die Eltern der Freundin meines Neffens, als auch die Eltern meines Neffens einander trafen.

Wir trafen wenig später ein und wurden herzlich begrüßt. Die Freundin meines Neffen stellte uns ihre Eltern, Geschwister und Teile der Nachbarschaft vor. Wir bekamen Haus und Garten zu sehen, die Hühner und die Kühe, Nutzpflanzen und auch noch einige Hunde, einer davon noch in kleiner Welpe. Die Küche war draußen, gekocht wurde über offenem Feuer. Alles war sehr einfach, aber auch irgendwie friedlich und auf angenehme Weise anders. Es erinnerte mich an die Lebensweise der Verwandten meines Schwagers in Giai Xuan.

Die Küche mit Hund, dahinter Kühe, denen es scheinbar viel besser geht, als der deutschen Durchschnittskuh

Dann wurde mächtig aufgetischt. Zuerst hatten wir nur einen Tisch draußen, aber der war den Mengen an Essen, die heran geschafft wurden, kaum gewachsen. Es gab einen Riesenpott Reis, verschiedene Sorten Fleisch, einen Fisch, hartgekochte Eier, zwei Pötte mit Suppe, Gemüse und Tofu. Und natürlich verschiedene Saucen, Sojasauce, Fischsauce, Chilli-Sauce. Es war üppig und lecker, wir langten ordentlich zu, aber außer dem Fisch, der ratzekahl weggefuttert wurde, waren wir der Menge an Essen nicht ansatzweise gewachsen. Zwischenzeitlich dachte ich kurz, es gäbe auch eine Ziege, die herumstrolchte, aber der Freund meines Neffens hatte nur seine Chopsticks zufällig so gehalten, dass es auf den ersten Blick so aussah, als ob der Hund dahinter Hörner hätte…

Mächtig viel Essen!

Danach gab es Wassermelone und Kokosnuss in rauen Mengen, dazu Teller mit Süssigkeiten. Ich musste irgendwann mal aufstehen und Abstand gewinnen, einfach, weil ich halt gerade Schwierigkeiten mit dem Sitzen habe. Ich ging noch mal zur Küche und beobachtete zwei Hühner, die irgendwie beste Freunde zu sein schienen. Die kamen der Glut der Küchenfeuer so nahe, dass ich schon befürchtete, dass hier bald ein brennendes Huhn durch die Gegend rennen würde. Aber wahrscheinlich wussten die Viecher, was sie tun, es war vermutlich ganz normales Verhalten und ihnen war das Gelände ja auch vertraut. Ich erfuhr später, dass wohl eins der der beiden Hühner wohl heute fällig zum Verzehr durch uns Spitzenpredatoren sein würde.

Nach dem Essen spielten wir ein bisschen Fussball mit dem Kindern. Einige aus der Reisegruppe wurden zwischenzeitlich mit traditioneller Kleidung der Jarai ausgestattet, und dann wurde getanzt. Außerdem wurden mit großem Hallo mitgebrachte Geschenke übergeben.

Wir waren wohl schon eine große Attraktion, denn wir waren ja nun abseits der großen Städte, in die die „normalen“ Touris kamen. Hier waren kaukasische Menschen, wir „Rundaugen“ etwas ganz Ungewöhnliches, weshalb gefühlt das halbe Dorf vorbeikam, um uns zu besichtigen. Ich vermute, das Ganze liest sich, wie man die Klischees solcher Zusammentreffen kennt, aber Klischees haben halt einen Ursprung. Und es war einfach so. Riesengroße Gastfreundschaft, viel Essen, großes gegenseitiges Interesse, Tanz. Die Musik kam allerdings aus dem Haus, von Youtube aus dem Smart-TV bzw. der zugehörigen Karaoke-Anlage.

Die Runde war inzwischen auf mehrere Tische angewachsen. Ich wurde zwischenzeitlich von einem Nachbarn auf die andere Straßenseite gebeten, der mir seine Veranda zeigte. Zurück bei der Family wurde im Haus auf dem Fußboden inzwischen Essen für den kommenden Tag, das Têt-Fest, vorbereitet, und zwar Bánh Tét. Man saß auf dem Fußboden und schichtete Reis, Soja und Fleisch auf Bananenblätter. Diese wurde dann kunstvoll zusammengerollt, es entstanden kleine Pakete, die mit Pflanzenfasern zusammengebunden wurden.

Vorbereitung von Bánh Tét

Nachdem einige dieser Pakete fertig waren, wurde im Garten ein Loch gegraben, In dieses Loch kam dann Feuerholz, auf das Feuer wurde dann ein großer Topf mit den vorbereiteten Bánh Tét gestellt, der nun 10 Stunden (!) dort vor sich hin köcheln sollte. Die Freundin meines Neffen erklärte, dass man dazu in der Familie über die Zeit im Kreis um das Feuer säße, Geschichten erzähle, vielleicht zwischendurch auch mal einschlafe und sich halt nebenbei darum kümmere, das Feuer mit mit Holznachschub zu versorgen. Das Ganze ist ein Ritual, welches nur einmal im Jahr von der Familie praktiziert wird, nämlich in der Nacht zum Têt-Fest. Also etwas ganz Besonderes.

Hier köcheln die Bánh Tét nun bis zum Morgen.

Für mich war es etwas ganz Besonderes, auf diese Weise Einblicke in eine andere Kultur und Lebensweise zu bekommen. Es war eine Mischung aus Moderne und westlichen Einflüssen (Smart-TV und Youtube, auch wenn damit traditionelle Jarai-Musik abgespielt wurde) und ursprünglicher Lebensweise. Und ich fühlte mich privilegiert, dass ich das so auf diese Art miterleben durfte. Nicht irgendwie gestellt von Nachkommen alter Völker, die ein Brimborium für Touristen veranstalten, um denen zu zeigen, wie das mal früher gewesen ist, sondern halt absolut generisch und echt, wir durften halt am ganz normalen Leben (wenn auch in der Ausnahmesituation Têt teilhaben.

Nachdem die Bánh Tét vorbereitet und auf dem Feuer waren, verabschiedeten wir uns und fuhren mit unserem Bus wieder zurück zum Hotel. Es war kurz von 21.00 Uhr. Viel ging nicht mehr, der Tag war lang und aufregend gewesen, also zogen wir uns in unsere Zimmer zurück. Ich besuchte noch kurz meinen Neffen und seine Freundin in deren Zimmer, weil sie mir noch etwas Geld für die Líxí-Umschläge für das „Lucky Money“ wechselte.

Zurück in meinem Zimmer tütete ich also dann ein paar Geldscheine in die speziellen Umschläge ein, die werden heute bei der Familie unter den Kindern verteilt. Die Kinder werden dafür irgendetwas singen oder aufsagen, wie ich gehört habe – wir werden sehen. Dann begann ich, im Bett liegend, diesen Eintrag zu schreiben, aber ich war einfach zu müde und nickte zwischendurch immer mal wieder kurz ein. Daher entschied ich mich, zu schlafen, meinen Wecker eine Stunde früher zu stellen und den Blog vor dem Duschen am nächsten Morgen fertig zu schreiben. Um null Uhr weckte mich das Feuerwerk, mit dem das neue Jahr begrüßt wurde, aber ich schaute nur kurz einmal müde durch die Balkontür, bevor ich mich wieder lang legte.

So, soweit also der Stand. Heute geht es erst zur Familie zum frühstücken, danach werden wir Reis- und Melonenfelder sehen und gezeigt bekommen, wie geerntet wird. Und es wird sicherlich wieder reichlich Essen geben. Und „Lucky Money“ für die Kinder. Ich werde berichten.

Bis denne.

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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