Da Nang, im Hotel, 9. Stock, 00:02 Uhr Ortszeit
Mein Wecker klingelte meldete sich um 07.45 Uhr mit dem Song „Misstra Know-It-All“ (Stevie Wonder), seit einiger Zeit mein Standardweckton. Eine Absprache des Vortages war, dass einige Interessierte noch zu Fuss ein paar Sehenswürdigkeiten in Kon Tum erkunden würden und vielleicht auch einen Kaffee und ein Bánh Mí zu sich nehmen würden. Also stand ich rechtzeitig auf und packte meine Sachen zusammen, weil es ja heute wieder zurück nach Da Nang gehen würde, und wollte um 08.30 Uhr fertig sein. Aber ich erfuhr kurz vorher von meiner Schwester, dass mein Neffe und seine Freundin länger schlafen wollten, weil sie zu erschöpft seien, sie selbst und mein Schwager hingegen seien bereits losgegangen und säßen bei heißem Igwertee im Café Homestay.

Hm. Also erst einmal alleine losziehen, in Richtung der Hängebrücke Cầu Treo Konklor über den Dak Bla-Fluss. Das waren nur wenige Meter vom Hotel aus gesehen. Brücken gefallen mir, sei es die Ingenieurleistung dahinter, die architektonische Schönheit oder auch ihre Eigenschaft, zwei Ufer miteinander zu verbinden und damit Wege kürzer und Ziele näher zu machen. Diese ist 1994 fertiggestellt worden und sah an einigen Stellen schon etwas zusammengeflickt aus, an einigen Stahlhängeträgern waren schon Flickstellen geschweißt worden. Die Brücke wackelte auch schon durch die paar Mopeds, die da hauptsächlich darauf unterwegs waren. Oder durch mich – wer weiß. Ein Schild besagte, dass man sie mit bis zu 5 Tonnen Gesamtgewicht befahren dürfe. Wir wollten da heute noch mit unserem 12-Sitzer Ford-Transit drüber. Auf jeden Fall war sie so schmal, dass zwei Autos, die sich auf der Brücke begegneten, nicht aneinander vorbeifahren konnten. Wir überlegten, wie das wohl gehandhabt wurde… spielten die Fahrer Schnick-Schnack-Schnuck (Schere-Stein-Papier) gegeneinander? Oder warfen eine Münze? Oder der, der die lautere Hupe hat, gewinnt?

Von der Brücke aus war die Flusslandschaft schön anzusehen und zu fotografieren, was ich natürlich auch tat. Dann überquerte ich die Brücke, weil Google mit ein „Café Homestay“ auf der anderen Seite angezeigt hatte. Da war auch eine Lokalität, die den Namen „Homestay“ trug, aber kein bekanntes Gesicht war anwesend. Also ging ich wieder zurück, um auch am anderen Flussufer eine Lokalität, die irgendwas mit „Homestay“ hieß, zu finden. Auch hier kein bekanntes Gesicht. Egal, ich ließ mich nieder und trank zwei Kaffee Phin (vietnamesischer Drip-Coffee) mit Milch, dazu bekam ich heißen Tee auf’s Haus. Als ich den Laden verließ, sah ich meinen Neffen, und da war auch seine Freundin nicht weit. Die waren auf der Suche nach Frühstück, eigentlich wollte man Bánh Mí haben, aber das war auf die Schnelle auf kurze Distanz nicht zu bekommen. Um 10.00 Uhr wollten wir vom Hotel aus losfahren. Also nahmen wir auf die Schnelle stattdessen in Hotelnähe eine Phở zu uns.

Danach fanden sich alle Mitreisenden nach und nach an der Hotelrezeption ein, wir checkten aus und wir konnten den Ford Transit entern. Zuerst ging die Fahrt über die besagte Hängebrücke (der Fahrer meinte erst, er dürfe diese nicht befahren, tat es dann aber doch) zum ältesten Bruder der Freundin meines Neffen (also meinem Saufkumpanen von vorgestern). Wir schauten uns sein Haus, seinen Garten, seinen Fischteich (zur Zucht von Speisefischen), seine Schweine, Hühner und vor allem Katzen an. Dann gab es, weil wir nur einen kurzen Besuch angekündigt hatten, kein großes Essen, aber doch ein paar Snacks, Jackfruit, Stachelbeeren, anderes frisches und auch getrocknetes Obst und andere Süssigkeiten. Ich kam mit einem Bier dabei davon, was mir erst ganz recht war, da die Alternative ein Softdrink war, der sehr nach Hustensaft (oder Rootbeer) schmeckte. Irgendwer merkte dann doch an, dass der Drink nicht so beliebt war, und die bekamen dann doch Cole oder Sprite oder so – sogar kalt. Dagegen war das Bia Saigon Lager dann gar nicht mehr so toll zu der Uhrzeit.

Nach dem Besuch steuerten wir noch ein Sightseeing-Ziel in Kon Tum an, die katholische Kirche Nhà Thờ Chính Tòa Giáo Phận Kon Tum, die ganz aus Holz erbaut ist. Sie sah von außen schon ziemlich schick aus, wenn auch nicht so beeindruckend wie die riesigen europäischen Sakralbauten. Ich fand einen Seiteneingang, durch den ich die Kirche betreten konnte. Ich war erst in einem Seitenschiff, auf Höhe hinter dem Altar. Hinter dem Altar standen Musikinstrumente, zwei lange Stangen mit vielen Gongs unterschiedlicher Größen, und ein aus gestimmten, hohlen Bambusrohren bestehendes Schlaginstrument. Die Kirchenfenster zeigten verschiedene Szenen aus der Bibel, etwa die Stillung des Sturms, den Exodus oder die Offenbarung von Jesu‘ Geburt des Propheten Jesaja. Vor dem Altar war eine Jesusfigur mit Stigmata an Händen und Füßen, also nach der Kreuzigung, das Kreuz beim Altar war auch kein Kruzifix, also ohne eine Figur des Gekreuzigten in Blut und Wunden. Das fand ich irgendwie ganz … hoffnungsvoll.

Nach dem Besuch der Kirche (und der Toilette, die es hier gab) stiegen wir wieder in den Transit – nächstes Ziel: Da Nang. Die Autofahrt war von Google Maps mit etwa 6 Stunden (ohne Pausen) für unter 300 km prognostiziert. Tja, es ist halt keine Autobahn, eine nicht kurze Strecke führt über einen schwierigen Gebirgspass des vietnamesischen Zentralgebirges, und die Straßenverhältnisse sind teilweise auch nicht die besten.
Gegen Mittag machten wir eine längere Rast, damit die, die wollten (und das waren alle außer mir) eine Mittagsmahlzeit zu sich nehmen konnten. Es gab Reis, Suppe und Fisch und Gemüse, ich hatte mir nur eine Dose Cashews und zwei Flaschen Wasser gekauft. Die Raststätte lag landschaftlich sehr reizvoll, man hatte einen guten Blick auf einige Reisfelder und die Berglandschaft.

Nach der Mittagsmahlzeit ging es weiter. Die Gebirgsstraße verlangte unserem Fahrer einiges Geschick ab, aber er meisterte das souverän. Dafür war der Ausblick aus dem Auto lange Zeit landschaftlich so reizvoll, dass Dösen oder Lesen für mich die weniger gute Alternative war. Ich war offenbar ganz gut ausgeschlafen und zog es, als die Landschaft nicht mehr so interessant war, vor, in meinem E-Book-Reader zu schmökern („Lovecraft Country“ von Matt Ruff – ich las es zum zweiten Mal, weil es inzwischen eine Fortsetzung gibt, die ich demnächst auch unbedingt lesen möchte – absolute Empfehlung!).
Wir kamen vor 19.00 Uhr am Wohnkomplex an, wo mein Neffe und seine Freundin wohnten und wo mein Schwager und meine Schwester wieder das Gästezimmer bezogen. Zehn Minuten später waren der Freund meines Neffen, dessen Freundin (oft auch „meine Mitbewohner“ genannt, weil wir in Da Nang und später in Saigon zusammen im Hotel wohnen) in unserem Hotel. Es war ein anderes als bei unserem ersten Aufenthalt in Da Nang, zwar nicht am Strand, aber noch eine Ecke luxuriöser als das Haian Beach Hotel. Die Betten sind bestimmt 2,20 Meter breit, wir haben Balkone mit Tisch und zwei Stühle und Blick auf den Fluss, die Beleuchtung ist dezent, man kann den Kleiderschrank vom Zimmer und vom Bad aus öffnen (oder durch den Schrank ins Bad gehen), der Pool ist größer… und und und. Ich war noch nie so luxuriös untergebracht. Natürlich gibt es Safe, Kühlschrank, A/C, Wifi … aber eben alles auch sehr edel.

Auch was die Sicherheit angeht – im Kleiderschrank gibt es für den Brandfall eine Art Gasmaske und eine Notfall-Taschenlampe (als ich die meinen Mitbewohnern in ihrem Zimmer vorführen wollte, funktionierte deren nicht, weil die Batterien ausgelaufen waren – und was nun, wenn es brennt?).
Meine Mitbewohnerin war trotzdem sehr angetan und freute sich über die tolle Unterbringung. Ich finde es schon auch toll und spektakulär, aber ich musste nach der Ankunft erst einmal den Unterschied zwischen dem einfachen Leben auf dem Lande und den (aus finanzieller Sicht) eher armen Leuten dort, und dem Luxus hier verarbeiten. Dennoch zögerte ich nicht, ein paar Bilder vom Zimmer und von der Aussicht vom Balkon zu schießen und auf Whatsapp zu posten.
Nachdem ich mich ein bisschen frisch gemacht und eingerichtet hatte, traf ich mich um 20.00 Uhr mit meinen Mitbewohnern, um etwas essen zu gehen. Die beiden Restaurants, die die beiden auf Google Maps lokalisiert und vorgeschlagen hatten, hatten beide geschlossen. Es ist immer noch Têt… Wir fanden ein japanisches Restaurant in der Nähe, welches geöffnet und moderate Preise hatte, wo wir uns niederließen. Ich hatte panierte Hühnerteile und Teigtaschen. Meine Mitbewohnerin eine sehr scharfe Suppe, die sie vor Herausforderungen stellte. Ich probierte sie auch, wirklich heftig scharf.
Nach dem Essen entschieden wir uns, noch eine Cocktail-Bar zu besuchen. Lt. Google gab es eine ganz in der Nähe. Wir suchten sie auf, sie hatte geöffnet und die Preise waren akzeptabel. Wir nahmen zunächst einen gemeinsamen Cocktail aus einem 1-Liter-Gefäß, wir bekamen dazu Shotgläser, die uns ein diensteifriger Kellner immer wieder aus dem Gefäß nachfüllte, wenn wir sie leerten. Der Name des Cocktails stand da nur auf vietnamesisch. Wir brauchten einige Zeit, um das auszutrinken. Danach wollten meine Mitbewohnerin und ich noch jeweils einen individuellen Cocktail trinken. Ich entschied mich für eine Peach Colada, die okay war, aber klassische Piña Colada mag ich lieber, aber die gab es nicht auf der Karte.

Nach diesen Drinks verließen wir die Bar und begaben uns zum Hotel zurück, und ich begann, zu schreiben. Damit ist der Blog auf Stand und ich (nach dem hinzufügen einiger Bilder) auch reif für das Bett.
Vorschau: Morgen werde ich wohl so um 09.00 Uhr aufstehen, um das Frühstück (bis 10.00 Uhr) nicht zu verpassen. Dann muss ich eine Wäscherei aufsuchen, um Klamotten waschen zu lassen. Planmäßig dieselbe, die schon mal auf dem Weg nach (und von) Hoi An angesteuert wurde, ich muss mir noch die Adresse geben lassen, dann fahre ich da mit einem Grab hin. Ansonsten… wenn das Wetter es zulässt, geht es vielleicht noch mal an den Strand. Oder in den Pool, wenn das Wetter weniger gut ist. Vielleicht noch ein Treffen mit der Family, auf eine Runde „Wurm“. Mal sehen. Wir haben zwei vollständige Tage in Da Nang (habe ich in einem vorangegangenen Beitrag falsch geschrieben), nach dem Roadtrip mit vielen Familienbesuchen und Sightseeing werde ich es vor allem langsam und entspannt angehen lassen, bevor wir nach Saigon zurückfliegen.