Persepolis – Teil 1

Utrecht, 20. Juni 2015. „Hier meldet sich Kermit, der Frosch von den Sesamstraßennachrichten aus dem schönen Utrecht. Soeben versammeln sich hier ein paar tausend fröhlich Fähnchen schwenkende Vollpfosten in Grün und Blau, um gemeinsam ihre Smartphones Gassi zu führen…“, schoss es mir durch den Kopf. Wo bin ich denn hier bloß gelandet?


Wer noch nie etwas von Ingress gehört hat, schaue sich einfach das Video oben an. Es erklärt die grundlegenden Spielzüge – und das sehr nett animiert.

Aber immer hübsch der Reihe nach. Seit zwei Jahren etwa spiele ich Ingress, und nachdem ein paar Leute aus meiner Clique aus Osnabrück in Hannover an der vorrangegangenen Anomalie „Shonin“ teilgenommen – und trotz einer heftigen Niederlage Spaß hatten – wollte auch ich einmal dabei sein. Die aktuelle Anomalie-Serie, die gestern zuende ging, heißt nach einer altpersischen Residenzstadt. Eine Anomalie (eigentlich Anomalie-Serie) ist ein großes Event, welches teilweise zeitgleich, teilweise zeitversetzt in mehreren Städten auf verschiedenen Kontinenten stattfindet. Gestern waren die sogenannten „primary sites“:

  • Utrecht, Niederlande
  • Tokohu, Japan
  • Portland, USA

Am 5. Juni waren Bratislava, Slovakei und Washington DC, USA weitere Primary Sites von Persepolis. Neben den primary sites gibt es außerdem noch „satellites“ in noch mehr Städten weltweit, in denen bei Fraktionen zusätzliche Punkte sammeln und ihre Teams an den primary sites unterstützen können.

Einige Spieler reisen weit, um an den Anomalien an einer Primary Site teilzunehmen, was die Angelegenheit international macht. Die meisten Spieler in Utrecht waren gestern sicherlich aus den Niederlanden und Deutschland, aber ich u.a. sah auch Fahnen und Umhänge „Entlightened Liège“, „Entlightened Paris“ und eine Gruppe aus Spanien. Mancheiner verbindet die Sache sicherlich mit Urlaub. Es ist eben ähnlich wie bei großen Sport- oder Kulturereignissen.

Das Punktesystem hat sich mir bisher nur in Ansätzen erschlossen. Im Wesentlichen gibt es sogenannte Measurements, das bedeutet Messpunkte. Etwa zur vollen Stunde fangen beide Fraktionen an, um sogenannte Cluster-Portale zu kämpfen. Dann wird ca. zehn Minuten später von NIANTIC, dem Unternehmen hinter Ingress (Tochterfirma von Google) ein Schlussstrich gezogen. Jede Seite bekommt für die Portale, die sie zu diesem Zeitpunkt hält, Punkte. Außerdem spielen aber noch bestimmte Portale Sonderrollen, ferner gibt es zusätzliche Punkte für zum Schlusspunkt bestehende Verlinkungen etc. Insgesamt werden die Resultate der Messpunkte für beide Fraktionen addiert, und dann kommen eben noch die Resultate der anderen Primary- und Satellite-Sites zusammen zu einem Endergebnis.

Außerdem sind die Events natürlich immer die Möglichkeit, andere Spieler kennenzulernen, „Socialising“ zu betreiben und Devotionalien zu sammeln. Ferner sind normalerweise quasi „Ingress-Promis“ vor Ort, Respräsentanten von NIANTIC wie z.B. Leute die in der fiktiven Rahmenhandlung von Ingress eine Rolle spielen. Diese Nerd-kompatible Story ist Sci-Fi-lastiger Stoff um Aliens und geheime Technologien, alles natürlich voller Verrat und Verschwörung. Ich verfolge das nicht, ist mir zu anstrengend. Aber der Ausgang von Anomalien bestimmt, wie die Handlung sich weiterentwickelt – je nachdem, welche Seite gewinnt.

Während ich im April und Mai dieses Jahres mehrere Wochen in Wuppertal zu einer Reha war, war Hannover Primary Site der Shonin-Anomalie. Ich wäre wahrscheinlich mitgekommen, aber es ging halt nicht. Die Leute, die dabei waren, stellten fest, dass es Spaß macht und dass sie wohl wieder teilnehmen würden, sofern eine Primary Site in erreichbarer Distanz wäre. Noch in Wuppertal erfuhr ich von Persepolis Utrecht, meine hiesige Clique wollte hin, und so entschloss ich mich, mir das auch mal anzusehen. Und so war die Anmeldung einer meiner ersten Amtshandlungen, nachdem ich aus Wuppertal zurückgekehrt war.

Damit begannen die Formalitäten. Zur Anmeldung war einerseits eine Registrierung bei NIANTIC für die Anomalie an sich erforderlich. Zum zweiten eine Anmeldung bei Enlightened Germany. In den unterschiedlichen Ländern, in denen Ingress gespielt wird, haben beide Fraktionen mittlerweile gut organisierte und vernetzte nationale und regionale Verbände gegründet. Über Enlightened Germany buchte ich die Busfahrt nach Utrecht und zurück. Enlightened Hannover hatte einen Reisebus gechartert, der noch in Bad Oynhausen und Osnabrück Leute aufpickte, so auch unser neunköpfiges „Team ChaOS“.

Gemessen an dem organisatorischen Aufwand, den TLs (Team-Leads) und OPs (Operators) hatten, war es für mich als „Feld-Wald-und-Wiesen-Spieler“ eigentlich harmlos. Team-Leiter und Operatoren (so nennen wir Leute, die nicht vor Ort am Geschehen teilnehmen, sondern von zuhause aus das Gesamtbild auf sog. Intel-Map im Auge behalten und von da aus die Agenten im Feld mit Informationen versorgen, insbesondere halt die TLs) machen viel Recherche, Organisation und Kommunikation im Vorfeld und entscheiden über die Strategie. Dennoch muss ich gestehen, dass mir das ganze Gedöns im Vorfeld auf den Keks ging – hier noch ein Kommunikationskanal (Google Hangouts, Slack, Zello), da noch eine App installieren und bei noch einem Laden registrieren, ständig Nachrichten auf allen Kanälen, insbesondere Google Plus, Material farmen und den aktuellen Stand in ein Google Document eintragen (sowas wie eine Excel-Tabelle, nur online)…
Ich war zwischenzeitlich reichlich genervt und der Überzeugung „Einmal reicht!“

to be continued…

Veröffentlicht unter Ingress | Hinterlasse einen Kommentar

Tag +1: Nachtrag zum Fazit und „der Tag danach“

Ich habe eine Sache, die mir wichtig ist, beim Fazit vergessen. In den 80er Jahren warb, ich glaube „Head & Shoulders“ mit dem Spruch „You never get a second chance to make a first impression.“ (Du bekommst nie eine zweite Chance, den ersten Eindruck zu machen.) Ich weiß noch, dass mein Vater diesen Spruch bemerkenswert und intelligent fand. Auf jeden Fall ist der Spruch eines: wahr.

In der Gruppe habe ich aktiv und passiv die Erfahrung gemacht, dass der erste Eindruck aber oft täuscht. Ich habe oft gehört, dass mein erster Eindruck bei anderen erst einmal negativ war, sich aber im Laufe der Zeit deutlich ins Positive hin verbessert hat. Und genauso hatte ich von einigen meiner Gruppenkollegen zuerst einen eher schlechten Eindruck, der sich aber genauso, nachdem ich die Leute besser kennengelernt habe, deutlich verbessert hat.

Was schlussfolgere ich also? Natürlich kann sich jeder mehr Mühe mit dem ersten Eindruck, den er oder sie verbreitet, machen. Aber viel wichtiger ist vielleicht, dem anderen eine zweite und sogar eine dritte Chance zu geben, anstatt das Gegenüber sofort als unwürdig abzuhaken. In der Gruppe haben wir das, so sieht es aus, alle getan. Weil wir in der Gruppe auch kaum eine andere Wahl hatten. Und wir haben alle sehr davon profitiert.

Also sollte man das Sprüchlein vielleicht so anpassen:

„You always have a second chance not to rely on a first impression“

(Du hast immer eine zweite Chance, Dich nicht auf einen ersten Eindruck zu verlassen)

Ich werde daran arbeiten, dieses Sprüchlein zu beherzigen.

Okay, nun zum „Tag danach“. Ich war ja erst kurz vor null Uhr nachhause gekommen, wegen des mutmaßlichen Suizids in Ennepetal-Gevelsberg. Dann hatte ich noch ein wenig aufgeräumt, begeistert bestaunt, was meine lieben Frankfurter Freunde mir hier hinterlassen haben (ich bin froh, dass die nicht auch noch das Klo geputzt haben…) und gebloggt. Ich war erst kurz vor drei Uhr im Bett.

Dementsprechend spät fand ich am „Tag danach“ erst aus dem Bett, es mag so gegen 11:00 Uhr gewesen sein (unzuverlässige Angabe, zu dem Zeitpunkt hatten noch nicht alle meine Uhren den Weg 360 Grad des Minutenzeigers in die „Neuzeit“ gefunden). Ich war erst einmal dankbar, noch Urlaub zu haben. Das Wetter war akzeptabel, bewölkt, aber auch Sonne dabei.

Frühstück

Lecker Frühstück dank meiner Frankfurter Freunde.

Ich frühstückte aus den Resourcen, die man mir hier einkauft hatte, mit Aufbackbrötchen, Käse, Vogel in Scheiben, Kaffee, und frischgepresstem Orangensaft. Nach dem Frühstück tat ich etwas, was ich in Wuppertal noch ausgeblendet hatte, weil ich mir darum noch keinen Kopf machen wollte: Ich meldete mich zur Anomalie in Utrecht an.

Eine Anomalie ist ein Ingress-Event, das weltweit in vielen großen Städten zeitgleich stattfindet. Erst vor kurzem, während meines Wuppertal-Aufenthaltes, fand u.a. in Hannover ein solches Event statt, bei dem auch meine hiesige Clique in Osnabrück teilnahm und sehr viel Spaß zusammen hatte. Utrecht ist bei der kommenden Anomalie eine sogenannte „primary site“. Hier kämpfen tausende Spieler beider Fraktionen um die Vorherrschaft. Ich glaube, ich habe noch nicht so alle Details verstanden, aber im Prinzip geht es darum, zu einem bestimmten „Checkpoint“, das bedeutet, zu einem konkreten Zeitpunkt, in einem begrenzten Gebiet die Nase vorne zu haben, z.B. am meisten Portale zu halten. Das Spieltechnische an sich ist, wie ich befürchte, sogar eher öde, aber der soziale Aspekt und das tam-tam drum herum könnte sehr viel Spaß machen.

In der Hintergrundstory des Spiels, welche ich nicht verfolge, wird natürlich noch erklärt, was es mit diesen Anomalien fiktiv auf sich hat. Jedenfalls habe ich mich an drei Stellen angemeldet: Bei Enlightened Deutschland, denn die haben einen Reisebus organisiert, der in Hannover startet und voll mit „Fröschen“ nach Utrecht fährt. Dessen Route führt über Osnabrück, und so fährt Enlightended Osnabrück (Teamname: ChaOS) da mit. Zweitens habe ich mich bei Niantic (Tochterfirma von Google, Macher des Spiels) für das Event angemeldet, und noch mal bei Enlightened International, wo ich anzugeben hatte, in welchem Clusterteam ich spielen möchte. Also einiges an Formalitäten. Mir ist auch richtig bewusst geworden, was für massive Institutionen um das Spiel entstanden sind. Enlightened Deutschland betreibt eine Webseite, eine Bankverbindung und organisiert alles mögliche – da engagieren sich also Leute so richtig. Für die ist Ingress nicht nur ein Zeitvertreib nebenbei, sondern ein massives Hobby, in das richtig Zeit investiert wird.

Ich bin gespannt, am 20.06.2015 ist es soweit, und wenn ich es irgend schaffe, schreibe ich am Sonntag danach hier im Blog einen Bericht.

Bob wird ausgepackt

Meine knallorangene Hartschale, aka „Bob“, vor dem Auspacken. Vorne: Indoor-Schuhe, die auch leider Outdoor verwendete, EierPad in der Hülle, basecom-Handtuch und eine weiße Box, die Arduino-Zubehör enthält.

Dann stand Koffer auspacken und Wäsche waschen auf dem Programm. Das mit dem Wäsche waschen klappte nicht: Als ich den Wasserhahn aufdrehte, kam das Wasser an der falschen Stelle aus dem Hahn, also nicht nur in den Schlauch zur Waschmaschine. Mist! Aber: Nicht aufregen, handeln. Ich hatte noch Hanf (nicht zum rauchen, sondern als Dichtungsmaterial) da, fand aber meine Drahtbürste, mit der man das Zeug um die Verschraubung verstreicht, nicht. Ich habe das selbst noch nie gemacht, aber ich war bereit, das auszuprobieren.

Also fuhr ich mit dem Fahrrad los, erst zum Supermarkt, Waschmittel kaufen, danach zur Bank, und dann auf zum Baumar… STOP!

Warum zum Geier soll ich denn das selbst reparieren? Dafür ist der Vermieter, bzw. Hausmeister zuständig. Ich bin auf den Trichter gekommen, weil ich schon mal aus irgendeinem Grund den Wasserhahn einmal abgebaut hatte. Anschließend war der nicht mehr dicht auf das Rohr zu bekommen, also hatte ich einen neuen Hahn besorgt, ein sehr kompetenter Mitarbeiter des Baumarktes hat ihn mir eingehanft (super Dienstleistung!) und ich hatte ihn dran geschraubt, danach war es jahrelang alles dicht. Wohl deswegen sagte mir mein Hirn zuerst „mach mal selbst“. Damals fand ich das angemessen, weil ich es auch irgendwie selbst verbockt hatte.

Diesmal aber nicht. Also fuhr ich nachhause und sprach dem Hausmeister auf seinen AB, dass ich um Reparatur bitten möchte. Dies ist übrigens ein klassisches Beispiel dafür, wie ich mir im Alltag immer wieder mal das Leben unnötig schwer mache, weil ich nicht um Hilfe bitte, selbst wenn die mir zusteht. Ich könnte auch wahrscheinlich öfter mal bei Freunden fragen, mit anzufassen, aber ich hab einfach die Gewohnheit und Tendenz, Sachen alleine zu machen. Vielleicht, weil ich es nicht mag, mich von anderen abhängig zu machen, oder aus falschem Stolz. Aber ich möchte das nicht mehr, das Leben könnte einfach sehr viel einfacher sein, wenn ich mir mehr helfen ließe. Und das werde ich künftig tun. Ich werde auch um Hilfe gebeten, ich helfe gern, und jedem steht es immer frei, „Nein“ zu sagen. Wenn man jemanden sehr mag, freut man sich ja sogar, helfen zu können, jedenfalls geht es mir so.

Fröschlein

Fröschlein ist zuhause.

Zurück in der Wohnung hätte ich noch tausend Sachen machen, z.B. mich über Möglichkeiten, meine Ziele zu verwirklichen, informieren können. Aber es war schon Nachmittag, und die Sonne schien auf meine Balkonseite. Also beste Bedingungen, um meine neue „Chillout-Area“, die meine Frankfurter Freunde so liebevoll gestaltet hatten, einzuweihen. Also setzte ich mich auf meinen neuen Gartenstuhl und genoss die Zigarre, und zwei Herforder Pils, die mir die Frankfurter noch zusätzlich spendiert hatten (wirklich, das ganze Wellness-Paket!). Dazu tat meine neue Bose-Box einen guten Job zusammen mit Steely Dan – ich hätte es nicht gedacht, aber das Teil klingt besser als mein Ghettoblaster von 1986… Wer mag, höre sich in dem Youtube-Beitrag unter diesem Absatz meinen Lieblinstitel (ist auch titelgebend für das Album) an. Lasst Euch von dem Saxophon-Choas am Anfang nicht beirren… Und wer mag und des Englischen mächtig ist, achte auch die Lyrics, die eingeblendet werden.

Leider begannen dann gleich mehrere Leute, ihren Rasen zu mähen. Unter anderem auch direkt unter meinem Balkon, mit einem großen Aufsitzmäher. Und ich hatte meine Zigarre noch nicht zuende geraucht. Aber was soll’s – ich war noch so tiefenentspannt, dass ich mir sagte, okay, dann keine Musik, sondern Ohropax.

Aber dann sah ich, wie sich die mir bekannte Frau des Hausmeisters mit dem Nachbar, der unter mir wohnt, unterhielt. Ich sprach sie also auf mein Wasserhahn-Problem an, und sie verwies mich an ihren Mann, der auf dem Mäher saß. Danach übernahm sie seinen Platz am Steuer des Gefährtes, und der Hausmeister begleitete mich in meinen Keller, um das Problem zu sichten. Er besah sich den Hahn und versprach, mir in den kommenden Tagen einen neuen zu besorgen und einzubauen.

Und so hatte ich aus der Not (Rasenmäherlärm) eine Tugend (Reparatur organisiert) gemacht und war guter Dinge. Inzwischen war die Frau des Hausmeisters mit dem Mähen fertig, und ich konnte meine Zigarre zu Ende rauchen.

Ich habe im Büro einen Kalender stehen, den mir die Neue Osnabrücker Zeitung geschenkt hat. Ein Monatsspruch lautet:

Die Dinge sind nicht so wie sie sind,
sondern was man aus ihnen macht.

Das ist wahr.

Es gibt da einen Film, der mir sehr gefällt, „About Time“ („Alles eine Frage der Zeit“). Der Protagonist hat darin eine angeborene Fähigkeit, in die Vergangenheit zurückzukehren. Am Ende des Films erlebt er denselben Tag zweimal: Zuerst angespannt und gestresst, die Schönheit des Lebens um ihn herum gar nicht wahrnehmend, und am Ende des Tages ist er geschafft. Beim zweiten Durchlauf ist er freundlich zu allen, nimmt sich Momente Zeit, seine Umgebung wahrzunehmen, freut sich über einen Erfolg, anstatt ihn selbstverständlich zu nehmen und lächelt sehr viel. Am Ende des Tages geht er sehr viel glücklicher ins Bett. Zuletzt reist er nicht mehr in die Vergangenheit, weil er gelernt hat, auch so immer das Beste aus seiner Zeit zu machen.

Und genauso ist es tatsächlich, das hat mir der „Tag danach“ deutlich gezeigt. Ich hätte mich normalerweise über das Wasserhahnproblem und den Rasenmäherlärm beim Chillen sehr geärgert. Aber ich habe das Beste draus gemacht, und ich wünsche mir, das in Zukunft zu lernen, so zu leben.

Nach dem Chillout kochte ich die Nudeln mit der Fertigsoße von … na, Ihr wisst schon, zum Abendessen.

Eine knappe Stunde nach dem Abendessen klingelte „hpaos“, ein hiesiger Ingress-Kollege. Wir fuhren los und pickten drei weitere Leute auf, mit denen wir uns verabredet hatten. Dann ging es nach Telgte im Münsterland, das war vorher komplett blau und hinterher fast komplett grün. Aber da spare ich mir ausnahmsweise mal weitere Details. War ein spaßiger Abend mit der Clique.

Tja, das war es dann mit meiner Berichterstattung aus Wuppertal. Es hat mir viel Spaß gemacht, zu schreiben und Euch teilhaben zu lassen. Vielen Dank an alle Leser, dass ihr mir die Treue haltet und mich begleitet habt. Vermutlich wird der nächste Bericht zur Persepolis-Anormalie kommen.

Bis dann.
Der Michi

Ingress-Stats Wuppertal – Summe

Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
TOTAL 18.172 186 km 659 383 7.387 6.343

PS: Schon krass, alleine mit Ingress 186 km zu Fuß zurückgelegt zu haben. Aber andererseits, der erste und bisher einzige Level-16-Frosch in Osnabrück hat in einer einzigen Woche 162 km zu Fuß zurückgelegt…

Veröffentlicht unter Ingress | 2 Kommentare

Tag +1: Wuppertal-Fazit

Was nehme ich mit:

  • Mindestens 3 Ziele, davon ein Hauptziel
  • Viele gute Erkenntnisse, Ideen, Empfehlungen und Hintergrundinformationen
  • Sechs unter dem Strich erholsame Wochen
  • Viele neue Kontakte zu lieben Leuten aus meiner Gruppe
  • Notizen und Zeichnungen
  • Fröschlein, Schafseher, ein Windlicht, einen Schlumpfigel, einen Aufziehbären, ein Schlüsselband…
  • Über 18.000 Glyph-Hack-Points, 659 unique Visits, 383 unique captures etc.

Was werde ich vermissen:

  • Meine Therapiegruppe, inkl. Therapeutin
  • So einige andere Mit-Patienten, die ich sehr mochte
  • Gute Gesundheitsvorträge
  • So manche gute therapeutische Anwendung
  • Mich um nichts außer Wäsche kümmern zu müssen

Was werde ich nicht vermissen:

  • Frühsport
  • Gestaltungstherapie
  • Die vielbefahrene Straße ohne Bürgersteig vor der Klinik
  • An die Zimmertür klopfende Reinigungskräfte
  • Kein WLAN
  • Ungenaue Therapiepläne

Es war auf jeden Fall eine gute Zeit, erholsam mit viel Sport und auch die grauen Zellen wurden trainiert. Natürlich war es mal hilfreich, die Arbeit hinter sich zu lassen und den Kopf frei für andere Dinge zu bekommen. Sehr wertvoll waren auch die Gespräche mit den anderen Patienten. Wir haben viel zusammen gelacht und geweint.

Ich war am Anfang nicht so scharf darauf, neue, langfristige Freundschaften zu schließen, denn ich habe ja schon einen recht umfangreichen Freundes- und Bekanntenkreis: Meine alten Schulfreunde, die Leute aus meiner ersten Hasberger/Osnabrücker Periode, die aus meiner Zeit im Studentenwohnheim und in der Paulusgemeinde, Chor, Theater, Ingress… Aber die Beziehungen unter uns Patienten sind natürlich etwas besonderes, weil wir alle etwas gemeinsam haben: Psychische Probleme, die genügend Leidensdruck erzeugt haben, dass wir in dieser Klinik gelandet sind. Auch wenn diese im Detail unterschiedlicher Natur und untschiedlich schwerwiegend sind.

Ich möchte schon gerne den einen oder anderen Kontakt halten, weil mich interessiert, wie es den Leuten wohl „draußen“ ergeht. Es wäre wertvoll, diese Kontakte zu halten und zu pflegen, weil wir uns gegenseitig untertützen und motivieren können, unsere Ziele zu verfolgen und durchzuhalten. Ich bin gespannt, ob wir es schaffen, mal ein „Klassentreffen“ zu organisieren. Ansätze dazu gibt es schon, und außerdem sieht es ganz so aus, als sei aus zwei Leuten meiner Gruppe ein Pärchen geworden. Zwei andere haben sich für eine, wie es aussieht, langjährige und wertvolle Freundschaft gefunden. Die Gruppe war zuletzt sehr dynamisch und harmonisch, freundschaftlich, kritisch und sich gegenseitig unterstütztend. Da habe ich, bzw. wir alle, sehr viel Glück gehabt! Auch mit unserer Therapeutin, die die Gruppenprozesse beobachten und hier und da in die richtige Richtung gelenkt hat. Umso ärgerlicher war es, dass sie zwei Wochen im Urlaub war.

Der Klinik kann ich eine gute bis sehr gute Note geben. Ich würde sie auf jeden Fall weiterempfehlen und auch wieder dorthin gehen. Natürlich fehlt mir die Vergleichsmöglichkeit. Die Unterbringung und Verpflegung fand ich gut. Klar, besser geht es immer, aber erstens muss es ja auch bezahlbar sein, und zweitens war mir jederzeit bewusst, mich in einer Klinik und nicht in einem guten Hotel zu befinden (was nicht bei allen Patienten der Fall war, die nicht nur meiner Meinung nach teilweise überzogene Ansprüche stellten). Für die Organisation gibt es meiner Ansicht nach an einigen Stellen Verbesserungspotential.

Aber, und darauf kommt es nun einmal primär an, der medizinisch-therapeutische Stab bekommt von mir die Bestnote, egal ob im sport-, physio-, ergo- oder psychotherapeutischen Bereich. Da sind viele junge Leute dabei, die für ihr Gebiet brennen, Freude an ihrer Arbeit haben und in ihrem Job kompetent sind. Fast alle sind dabei auch noch sehr sympathisch und humorvoll (ähm, und zum Teil auch noch unverschämt gutaussehend…). Dazu kommen ein paar schon etwas ältere Semester, die ebenfalls mit Freude einen sehr guten Job machen und ihre Lebens- und Berufserfahrung beisteuern.

Jetzt geht es natürlich darum, dran zu bleiben. Von Anfang an wurde vermittelt, dass niemand die Klinik geheilt verlasse, vielmehr soll einem eine Toolbox zu Bekämpfung der Symptome und Konzepte für die längerfristige Behandlung bereitsgestellt werden. Natürlich geht es auch um Erkenntnisse: Was fehlt mir eigentlich genau, warum, und was kann ich dagegen tun. Was muss ich in meinem Leben vielleicht grundsätzlich ändern. Für mich war die Zeit in der Klinik sicherlich hilfreich, um mal zu entschleunigen und den Kopf klar zu bekommen, und dieser Effekt könnte durchaus auch für die nächsten Wochen anhalten. Aber um wirklich an Lebensqualität zu gewinnen, muss ich mir weiterhin helfen lassen – wie auch immer. Und ich muss an meinen Zielen arbeiten.

Neben anderen Erkentnissen habe ich die gewonnen, wir reich ich beschenkt bin: Mit einer tollen Familie, mit super Freunden (und damit meine ich auch, aber nicht nur die, die mir Schokolade, Stofftiere, Briefe und Karten geschickt und hier kommentiert haben, sondern auch viele andere) und mit guten Fähigkeiten. Achja, und nicht zuletzt mit einem klasse Arbeitsumfeld mit einem super Chef und einem super Team. Denn viele andere haben soetwas nicht, wie mir bewusst wurde.

Im Prinzip ist mir das kognitiv natürlich schon lange bekannt, aber irgendwie glaube ich, dass die Erkenntnis etwas tiefer in mich gedrungen ist. Alleine das ist sehr wertvoll.

Es wird für mich nicht leicht sein, meine Ziele zu verfolgen und die richtige Hilfe dafür zu finden. Aber ich will und werde das auf jeden Fall für mich tun.

Weil es machbar ist.

Veröffentlicht unter Wuppertal | 3 Kommentare

Tag 42 – Die Bahn kommt. Manchmal nur von Wuppertal-Oberbarmen bis nach Ennepetal-Gevelsberg.

Da ich um 07:00 Uhr Frühsport hatte, stand ich um 06:40 Uhr auf, und schlüpfte in die Sportklamotten. Als ich in der Lobby ankam, lungerte dort schon eine Gruppe lustloser Frühsportler in spe herum. Der Therapeut hingegen war weit und breit noch nicht zu verorten. So wurden schon wenige Minuten nach 07:00 Uhr Träume vom vorzeitigen Frückstück, Kaffee und Brötchen genährt. Ich ging in Richtung Pflege, um mich ggf. nach dem Verbleib zu erkundigen, aber da sah ich den Sporttherapeuten schon anrücken. Ich blieb hinter ihm zurück, um die Gesichter der hoffnungsfroh auf den möglichen Ausfall unbeliebten Sporteinheit Wartenden zu beobachten. Erwartungsgemäß verfinsterte sich für einen Augenblick die eine oder andere Miene, doch dann fügten wir uns alle ins Unvermeidliche.

Dreißig Minuten später hatten wir sämtliche Gelenke einmal durchbewegt und konnten unser wohlverdientes Frühstück einnehmen.

Meine nächste Anwendung hatte ich um 09:00 Uhr – auf dem Therapieplan stand nur „Wellnessgutschein“ in Physio 3. Ich hatte also nach dem Frühstück mehr als eine Stunde Zeit. Die Nacht war etwas kurz gewesen, also legte ich mich noch einmal hin und schlief noch eine Runde.

Kurz vor 09:00 Uhr ging ich, gespannt, was mich wohl erwarten würde, in den Sportbereich. Dort erwartete mich bereits derselbe Sporttherapeut, bei dem ich auch schon Frühsport gehabt hatte, und ließ mich in einen der Physio-Räume. Er fragte mich, ob mir Wärme wohl täte, was ich bejahte. Er zeigte mir ein zusammengerolltes Handtuch und fragte, ob ich schon einmal mit der „Heißen Rolle“ behandelt worden wäre. Nein, war ich noch nicht, also gab es eine Premiere. In das zusammengerollte Handtuch würde kochendes Wasser gegossen, so erklärte der Therapeut, dann würde damit mein Rücken behandelt. Also machte ich mich oben rum frei und legte mich auf den Bauch. Die Rolle war wirklich ziemlich heiß, aber die Berührungen nur sehr kurz, so dass das angenehm und gut auszuhalten war. Ich konnte hinterher nicht sagen, dass ich mich deutlich besser fühlte als vorher, aber die Behandlung an sich war ganz angenehm.

Ich hatte wieder mehr als eine Stunde Zeit und legte mich nochmal ins Bett.

Um 11:00 Uhr war Walking angesagt. Wir hatten ja tatsächlich fast eine Woche durchgehend Sonnenschein und keinen Niederschlag, so auch heute. Also war die Wanderung durch den Wald wieder einmal ganz schön. Einen Teil der Strecke ging ich neben Ritalinetta und bekam eine Menge Zukunfspläne verklickert. Mal ein ganz neues Gefühl, niemanden vollzutexten, sondern mehr zu schweigen und zuzuhören…

In der Nähe ging teilweise auch der Sporttherapeut (diesmal ein anderer). Es kam das Thema auf, dass ein Mit-Patient heute morgen verfrüht abgereist war – eigentlich wäre er, genau wie ich, erst morgen fällig gewesen. Aber er musste mit dem Zug in die Nähe nach Rostock und wollte sich nicht der Streik-Willkür der GDL aussetzen. Also hatte er sich nach Absprache mit der Klinik vorzeitig abgeseilt. Ich bin gar nicht erst auf diese Idee gekommen. Der Sporttherapeut äußerte sich, als ich erwähnte, morgen abzufahren, dass er sich diesen Stress nicht antun würde und dass es mir auch keiner übel genommen hätte, wäre ich schon heute abgereist. Das gab mir zu denken.

Im Gegensatz zu dem bereits abgereisten Mit-Patienten hatte ich aber regulär lediglich 1:42 h Fahrzeit nach Osnabrück. Also könnte ich auch bequem noch alle Anwendungen bis zur letzten, Musiktherapie um 15:00 Uhr, mitnehmen, und danach immer noch fahren. Ich wäre vielleicht sogar früh genug zuhause, um noch was von der heutigen Chorprobe mitzubekommen. Dachte ich zumindest…

Nach dem Walking ging ich duschen und dann mittagessen. In der Schlange traf ich einen Gruppenkollegen, der ein Auto dabei hatte, wie ich wusste. Den fragte ich, ob er mich später wohl bis zur Bushaltestelle am Kreisel fahren würde. Er sagte, er würde mich sogar bis zum Bahnhof Wuppertal-Oberbarmen fahren. Also machten wir 17:00 Uhr als Abreisezeit ab, und ich ging zur Rezeption, damit die mein Taxi für morgen abbestellen konnten. Danach ging ich essen. Es gab gegrillte Hähnchenschenkel mit Reis und Ratatouille.

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung war eine PMR-Session um 13:00 Uhr. Ich hatte noch 20 Minuten Zeit, also fing ich schon mal an, zu packen, bevor ich dorthin ging. Ich konnte mich, da ich nun schon an die Heimfahrt und zuhause dachte, schlechter als sonst konzentrieren, aber einigermaßen entspannt habe ich mich trotzdem.

Ab 13:30 Uhr hatten wir Therapiegruppe mit unserer Bezugstherapeutin. Wir entschieden uns, die Sitzung wieder draußen im „Raucherrondell“ abzuhalten. Da ich der nächste war, der abreisen würde, war ich im Fokus. Ich kannte das ja schon von all jenen, die bereits abgereist waren. Zunächst wurde ich gefragt, was ich denn mitnähme. Ich antwortete, dass ich zumindest jetzt ein konkretes Ziel hätte, an dem ich arbeiten möchte, was ja schon viel wert ist. Nur fehle mir noch der konkrete Masterplan, wie ich das umsetzen kann. Eigentlich habe ich mehr als ein Ziel, mindestens drei, aber ein Hauptziel.

Dann sollten mir alle Wünsche mit auf den Weg geben. Da kamen sehr viele, sehr warme Worte, eine richtige warme Dusche. Da war von „Intelligenz“, „guter Allgemeinbildung“, „Humor“, aber auch „Herzenswärme“ die Rede. Es gab auch eine kritische Äußerung, ich würde zu lange um den heissen Brei herumreden und es würde immer sehr lange dauern, bis ich zum Punkt käme. Ich weiß das, weil ich das auch schon von anderen daheim gehört habe. Ich solle da mal drüber nachdenken. Da kam dann ein Stop von der Therapeutin, das sei für mich nicht einfach durch „drüber nachdenken“ zu ändern, weil das nach ihrer Ansicht zu meinem Krankheitsbild gehöre. Und ich würde ihrer Ansicht schon seit meiner Kindheit darüber nachdenken. Ist nicht ganz falsch, genauso, wie die Aussage, dass ich manchmal viel um den heissen Brei herumrede, nicht falsch ist. Einer aus der Gruppe der neuen Leute sah das zwar anders, aber ich sehe das schon als Problem, ich wäre schon manmal gerne kurz und präzise in meiner Artikulation. Es gab aber in der Gruppe auch die Meinung, dass bei mir auch das „um den Brei herumreden“ oft interessant sei. Nun, das ist halt Geschmacksache, und ich bin auch dem kritischen Gruppenkollegen dankbar für sein Feedback.

Ziemlich unmittelbar im Anschluss an die Gruppentherapie hatten wir dann Musiktherapie – zum ersten und letzten Mal, davon gab es nur eine Einheit. Das ist auch outgesourced, denn das macht kein Therapeut der Klinik, sondern ein Trommel-Lehrer von außerhalb. Bei dem kann man auch außerhalb der Therapie gegen ein bezahlbares Entgelt an Workshops teilnehmen, so ähnlich wie bei der Sache mit dem Linedance.

Ein ziemlich alternativ anmutender, männlicher Mensch erschien auf der Bildfläche. Das heißt, zuerst nahm man ihn aus weiter Ferne akustisch war, da beide Fußgelenke mit Schellenkränzen angetan waren, die sich bei jedem Schritt des Trägers deutlich meldeten. Wir gingen mit unserem Trommellehrer in den Vortragsraum, in dem schon ein Stuhlkreis aufgebaut war. Vor jedem Stuhl stand eine Trommel, man frage mich nicht, wat genau für’n Ding. Ich habe leider vergessen, zu fragen.

Zuerst erzählte der Mann allgemein etwas über Musik als Kraftquelle, und über die Entstehung des Trommelns und seine afrikanische Herkunft. Später ging es dann um verschiedene Rhythmen, insbesondere solche aus Kuba. Dann ging es darum, dass viele afrikanische Rhythmen sehr komplex sind, aber nie aufgeschrieben würden – Noten liest da keiner. Da wird einfach nachgespielt, und um sich die Rhythmen besser merken zu können, werden dazu gerne Sprüchlein mitgesprochen, jede Silbe entspricht dann einem Schlag.

Trommel

Die Trommel aus der Perspektive des Trommlers. Viel ist ja nicht davon zu sehen, aber vielleicht weiß Satay-Spieß, oder auch meine Schwester, die davon ja auch etwas versteht, trotzdem, was das eigentlich ist.

Apropos Schlag, wir erlernten erst eine grundsätzliche Schlagtechnik, nämlich, dass man nicht mit Kraft auf die Trommel haut, sondern lediglich seine Hände hebt und dann die Schwerkraft nutzt, um sie auf die Trommel fallen zu lassen. Man soll Arme und Hände locker lassen, als wäre man eine Marionette, dessen Spieler an den Fäden zieht, wenn die Arme gehoben werden sollen – und die Fäden einfach loslässt, wenn man auf die Trommel hauen soll. Das ist weniger anstrengend und klingt auch viel lockerer. Außerdem erlernten wir ein paar grundlegende Schläge, ich habe aber schon wieder vergessen, wie die heißen. Einer war einfach der Bassschlag in der Mitte der Trommel.

Wir erlernten dann unter Verwendung von Sprüchlein einen sehr einfachen Rhythmus, den wir eine ganze Weile spielten. Ich glaube, insbesondere den Herren der Schöpfung kam das mit den Sprüchlein ein wenig oder auch sehr dümmlich vor, ich kann mich da auch nicht ausnehmen. Es machte mir aber dennoch leidlich Spaß. Zwei Gruppenkollegen, dem Keeper und seinem besten Kumpel, stiegen dann aber irgendwann aus. Die machte das Ganze eher aggressiv, was ich verstehen kann, ich habe ja solche Erfahrungen z.B. bei mancher Sportstunde gemacht. Ich fand es, naja, so halb gut. Von mir aus hätten wir auch gerne was etwas anspruchsvolleres machen können, als immer nur diesen einen, simplen Rhythmus mit Breaks und zwischenzeitlichem in-die-Hände-klatschen.

Der Trommelmann erzählte brachte dann auch noch Analogien zu natürlichen Rhythmen, wie dem Herzschlag, dem Atem, den Jahreszeiten, dem Erwachen und Ersterben in der Natur etc. und fing dann irgendwann auch noch mit Yin und Yang an. Naja. Mag ja was dran sein, aber ist halt nicht so meine Schiene.

Wie auch immer, das Ganze dauerte 90 Minuten. Ich hatte so mit einer Stunde gerechnet, und mein Plan war, dann noch eine halbe Stunde mit ein paar Leuten einen Kaffee zu trinken und in aller Ruhe Tschüss zu sagen, dann eine halbe Stunde zu packen, und um 17:00 Uhr mit dem freundlichen Kollegen aus der Gruppe zum Bahnhof Oberbarmen zu fahren. Nun war es aber schon 16:30 Uhr, und es würde alles knapp werden. Ich musste ja auch nicht nur packen, sondern mich auch noch an der Rezeption und in der Pflege abmelden. Ich entschied mich (vermeintlich, wie sich zeigen sollte) gegen den Stress und für die Verschiebung meiner Abreise auf 18:00 Uhr. Und holte mir zuerst ein Spaghettieis vom Eiswagen vor der Kliniktür (anstatt Kaffee), welches ich mir dann auf der Terrasse zu Gemüte führte.

Danach ging ich auf mein Zimmer, um weiter zu packen. Meine Güte! Normalerweise bin ich recht schnell beim Packen. Aber es hatte sich viel Zettelkram angehäuft, der sortiert werden musste, einiges war wegzuschmeißen, es hatten sich Geschenke (u.a. von der Verwandten aus dem Sauerland zu Ostern und der Frosch meiner sportlichen Chat-Freundin) angesammelt, ich musste meine Pieps-Schaltung, mit der ich die Wasserspender-Fehlfunktion simulieren wollte, wieder auseinandernehmen… Es dauerte lange. Und ich hatte nicht bis 18:00 Uhr Zeit, denn ich musste ja noch meinen Zimmerschlüssel an der Rezeption abgeben und mir da auch eine Unterschrift holen. Und die hatten nur bis 17:30 Uhr geöffnet, glücklicherweise hatte ich daran gedacht, mich danach zu erkundigen. Und so hatte ich dann doch noch Stress. Ich bekam auch nicht alles in den Koffer (Bob) und meinen Rucksack, mit denen ich angereist war, ich musste zusätzlich eine Plastiktüte bemühen.

Während ich packte, hörte ich laut Musik durch meine Bose-Box. Irgendwann stoppte die Musik, stattdessen dudelte der Klingelton (nix spezielles, da ich mein Telefon eh meistens lautlos habe, spiele ich da keine speziellen Sachen mehr drauf wie früher…). Es war Ritalinetta, die nach meiner Zimmernummer fragte. 412, wieso? Sie stünde vor meiner Tür und wollte sich verabschieden. Sie wollte irgendwohin los und die Gelegenheit nicht verpassen, tschüss zu sagen. Das hat mich echt gefreut. Und ich wurde gedrückt.

Mit Müh und Not schaffte ich es, noch rechtzeitig mit meinen Klamotten an der Rezeption zu sein und den Schlüssel abzugeben (den ich mir noch mal wiederholte, weil ich noch was aus meinem Schließfach holen musste). Dann holte ich mir die letzte Unterschrift für meinen Laufzettel aus der Pflege und bekam meinen vorläufigen Entlassungsbrief. Damit waren die Formalitäten erledigt und ich war abreisebereit. Aber es war halt noch nicht 18:00 Uhr. Immerhin, ein Gruppenkollege saß mir gegenüber, und so konnte ich mich von diesem auch noch richtig verabschieden. Ansonsten war keiner aus der Gruppe in der Lobby, und ich kannte auch die Zimmernummern nicht. Nunja, es haben mir ja alle in der Gruppe ihre guten Wünsche mitgegeben, und wir haben ja unsere Whatapp-Gruppe, also passt das schon. Nur leider konnte ich die Wartezeit auch nicht mehr mit einem letzten, leckeren Dallucci-Kaffee überbrücken, weil die schon Feierabend gemacht hatten.

Schließlich war mein Chauffeur (übrigens der beste Kumpel des Keepers) pünktlich am Start. Wir verfrachteten meine schweren Gepäckstücke in seinen Corsa, und los ging es nach Oberbarmen-Bahnhof, wo wir uns verabschiedeten. Ich hatte noch 20 Minuten Zeit und genehmigte mir zwei Cheeseburger und eine mittlere Cola vom hiesigen McDonald’s.

Dann ging ich zum Gleis, mein Zug war pünktlich da. Der erste Halt auf dem Weg nach Hagen war Ennepetal-Gevelsberg. Nachdem der Zug, so schien es zumindest, ganz normal gehalten hatte, kam eine Durchsage: „Wegen eines Personenschadens im Gleis voraus verzögert sich die Weiterfahrt um, äh, unbestimmte Zeit.“ Lauter Unmut brach unter den Passagieren aus, und natürlich die Suizid-Vermutung. Ich hatte noch ein bisschen Hoffnung, dass es vielleicht ein anders gearteter Unfall wäre, der ja dann auch nicht unbedingt tödlich sein müsste. Dann kam aber leider eine zweite Durchsage, die Sache könne so zwei Stunden dauern, und man solle doch am besten aussteigen und mit dem Bus zum Gevelsberger Hauptbahnhof und von da aus weiter fahren. Da dachte ich dann auch, dass es bestimmt ein tödlicher Unfall bzw. wahrscheinlich ein Suizidfall war. Man erfährt das ja nie wirklich genau, wenn man nicht gerade so ignorant ist, sich die Schnauze der Lok einmal aus der Nähe anzusehen. Als häufiger Fahrgast bei der Bahn hatte ich so eine Situation mindestens schon einmal. Natürlich war ich auch ärgerlich wegen der Verzögerung, und weil ich nicht recht wusste, wie es jetzt weiterginge, und natürlich hatte ich wegen meines Ärgers ein schlechtes Gewissen. Denn was da wahrscheinlich passiert war ist so unendlich viel Schlimmer als ein paar Stunden Verspätung, zumal die in meinem Fall noch nicht mal irgendwelche ernsthaften Folgen hatten – denn ich hatte ja die Zeit.

Kirche oder Kapelle in Ennepetal

Dieses kleine, hübsche Sakralgebäude steht unmittelbar bei der Bushaltestelle, von wo aus wir gestrandeten Bahnfahrer einen Bus Richtung Hagen bestiegen… Ich weiß leider nicht, wie es heißt, und Google Maps weiß das auch nicht.

Okay, ich entschied mich gegen das Warten im Zug, und verließ mit sehr vielen sehr ratlosen (mir ging es ja nicht anders) Fahrgästen die Bahn. Wir strebten auf eine Bushaltestelle zu, ich verließ mich da auch ein Stück weit auf den Herdentrieb. Einige Leute bestellten sich Taxis. Ich bekam irgendwann mit, dass Buslinie Nummer soundso zum Gevelsberger Hauptbahnhof führe, von da aus könne man mit einer anderen Buslinie oder der S-Bahn weiter zum Hagen Hbf. Also nahm ich mit vielen anderen gestrandeten Bahnfahrern den Bus der Linie soundso und fuhr in dem überfüllten Viehekel Richtung Gevelsberg Hbf. Irgendwann kamen wir zu einer Haltestelle, von der, so hieß es, auch ein Bus Nummer Soundso nach Hagen führe. Einige stiegen aus, so auch ich. Dann hieß es, es sei günstiger, bis zum Gevelsberg Hbf zu fahren, weil man von dort aus mit der S-Bahn schneller in Hagen sei, also stiegen einige wieder in den Bus ein. Ich nicht, ich beschloss, es mit dem Bus zu versuchen. Der würde allerdings erst in ca. 20 Minuten kommen. Also tat ich, was jeder Ingress-Spieler tut, wenn er an einem fremden Ort mit Portalen ist und Zeit hat: Unique Visits und unique captures sammeln. Die Haltestelle lag in der Nähe einer Schule, und es gab einiges an Portalen in der Umgebung. Natürlich entfernte ich mich nicht weit von der Bushaltestelle und hatte die Uhr immer im Auge.

Straße in Gevelsberg

Eine idyllische Straße in Gevelsberg… nur, dass ich hier eigentlich gar nicht hin wollte! Gefühlt war ich noch nicht sehr weit gekommen (und geografisch auch nicht).

Also drehte ich eine kleine Runde, bei der ich so sechs oder sieben Portale bearbeiten konnte, und kehrte dann zur Bushaltestelle zurück. Der Bus kam, und wir stiegen ein. Es war wieder sehr voll, wenn auch nicht so schlimm wie im Bus zuvor. Irgendwann hatte ich sogar einen Sitzplatz. Es waren über 20 Stationen zu fahren. Immerhin konnte ich auf der Fahrt noch ein paar Uniques sammeln. Es war aber gar nicht so einfach, gleichzeitig mit dem Smartphone und drei Gepäckstücken zu hantieren, die natürlich auch im Bus den Gesetzen der Trägheit ausgesetzt waren…

Gegen 20:10 Uhr kamen wir in Hagen an. Um 20:01 Uhr war ein Zug nach Osnabrück abgefahren, also ca. 50 Minuten warten. Was soll man machen? Ich holte mir wieder etwas von McDonald’s und verzehrte das draußen auf dem Vorplatz des Bahnhofs, wo Tische und Stühle standen. Ich hatte auch hier zwei bis drei Portale in Reichweite, mit denen ich ein bisschen rumbasteln konnte. Ansonsten: Quizduell und ein bisschen chatten auf dem Kanal, wo wir unsere Patientengruppe haben. Man kann gegen Smartphones sagen, was man will, wenn man alleine ist und Zeit totzuschlagen hat, sind sie Gold wert.

Auf der großen Tafel im Bahnhofsgebäude erfuhr ich dann, dass mein Zug ca. 10 Minuten Verspätung hatte, was meine Wartezeit in Hagen auf über eine Stunde vergößerte. Also drehte ich noch eine kleine Runde auf dem Vorplatz bzgl. der dortigen Portale und ging dann zum Gleis, wo ich immerhin auch noch zwei Portale in Reichweite hatte. Hmja, das gute Gleis 7/8, das kannte ich schon von meinem Besuch bei meinen Verwandten im Sauerland her…

Schließlich kam der verspätete ICE, ich wuchtete mein Gepäck hinein und fand auch gleich ein lauschiges Plätzchen an einem dieser Tische. So konnte ich bequem mein Laptop draufstellen und schon einmal beginnen, diesen Beitrag zu tippen. Das verkürzte mir auf der ansonsten ereignislosen Fahrt auch gut und produktiv die Zeit.

Schließlich kam ich gegen 22:40 in Osnabrück an, ca. 2:20 h später als geplant. Mein Bus direkt bis nachhause fuhr erst um 23:07 Uhr. Ich nahm dann schon mal einen anderen Bus, den ich am Neumarkt (ein großer Busbahnhof und Knotenpunkt in der City) wieder verließ. Grund: Hier zu warten lohnte sich eher, mehr Portale. Ich ging zu Fuß zur nächsten Haltestelle Kamp und bastelte dabei an den Portalen auf dem Weg herum, wofür die Zeit locker reichte.

Schließlich kam der Bus, und ich konnte nachhause fahren. Noch fünf Minuten Fußweg, dann hatte ich es endlich geschafft. Irgendwie hatte ich es geschafft, ohne mich groß aufzuregen – bis kurz vor Schluss, als mir bei der Vorbereitung des Ausstieges aus dem letzen Bus des Tages der ziemlich schwer beladene „Bob“ auf den Fuß fiel. Da musste ich schon kurz ein wenig fluchen.

Ambiente auf dem Balkon

Meine neue, wie es in der Karte auf dem Küchentisch heisst, „aufgepimpte Chillout-Area“ auf dem Balkon. Echt, ein Hammer, sowas Tolles hätte ich niemals erwartet! Das Unterteil des Tisches besteht übrigens stilvoll aus einem Kasten Newcastle Brown Ale, den ich einem Ingress-Kollegen verdanke.

Zuhause erlebte ich eine grandiose, tolle, und einfach unglaublich geile Überraschung. Während meiner Abwesenheit hatten meine „Handtaschenfreundin“ und ihr Mann, beide aus Frankfurt, meine Wohnung zur Übernachtung genutzt, um eine gemeinsame Freundin in Osnabrück zu besuchen. Man hatte mir geschrieben, dass man einige biologische Experimente aus meinem Kühlschrank entfernt hätte (ich habe meine Abfahrt hier schlecht geplant und vorher nicht alle verderblichen Waren konsumiert oder weggeschmissen) und dafür einige Sache auf meinem Balkon, meinem Küchentisch und in meinem Kühlschrank deponiert hätte.

Darauf hatte ich mich auch schon während meiner Heimreise gefreut. Aber was ich vorfand, übertraf meine Erwartungen bei weitem. Das erste, was ich vorfand, war ein Gartenstuhlkissen auf meiner Couch. Wow, man hat mir einen Gartenstuhl geschenkt!? Auf dem Balkon hatte man aufgeräumt, einen Gartenstuhl hinterlassen, aus einer alten Bierkiste und einem Brett ein Beistelltischchen improvisiert und außerdem noch zwei Blümchen im Kübel aufgestellt. In einem Blecheimer daneben lagen drei Flaschen Bier. Ich kam mir vor wie in so einer Sendung auf RTL (oder so), in der irgendwelchen Leuten die Wohnung komplett einmal durchrenoviert und umgestaltet wird. So was wie „Pimp my ride“ mit Wohnungen.

Startset

Das „Start-Set“, welches mir meine Freunde aus Frankfurt in meiner Küche hinterlassen haben. Sogar eine Zigarre für meine neue Chill-Area auf dem Balkon ist dabei!

In meiner Küche fand ich auf dem Küchentisch eine Art „Start Set“: Aufbackbrötchen, Wasser, Apfelsaft, Orangen, ein großes Snickers, eine kleine Packung Oreos, Nudeln, Nudelsoße. Und im aufgeräumten Kühlschrank lagen vier weitere Flaschen Bier, Parmesankäse und Aufschnitt.

Kühlschrankinhalt

Auch das gehört zum „Start-Set“: Man hat nicht nur die biologischen Kulturen aus meinem Kühlschrank entfernt (und mutmaßlich als Bio-Waffe gewinnbringend an einen sympathischen Diktator im nahen Osten verhökert), sondern auch noch leckere Sachen für das Frühstück morgen eingekauft!

Ich schäme mich fast dafür, bei dem Anblick nicht in Tränen ausgebrochen zu sein, das wäre jedenfalls angemessen. Wie reich kann man denn bitte schön noch mit guten Freunden beschenkt sein? Ich glaube, ich muss wieder in Reha, selten bin ich so verwöhnt worden – nicht nur hier habe ich so unglaublich tolle und liebevoll überlegte Sachen vorgefunden, auch das eigens gedrehte Video, der eigens genähte Frosch, die vielen lieben Karten, Briefe und Süssigkeiten, die man mir in die Klinik geschickt hat…


DANKE !!!

Und auch, was man mir heute alles so gesagt hat, was in mir selbst steckt, womit ich so aus anderer Quelle beschenkt (oder gesegnet) worden bin… was mich so als Mensch ausmacht und irgendwie wohl auch der Grund ist, warum ich so tolle Freunde habe, auch dafür bin ich dankbar, und auch dafür hat mir der Aufenthalt in der Klinik die Augen geöffnet. Aber gleich möchte ich meine Augen lieber schließen und zur Nachtruhe übergehen.

Herforder Pils

Mittwoch, 22.04.2015: Mein erstes Bier nach sechswöchiger Abstinenz. Natürlich auch aus dem „Start-Set“ der Freunde aus Frankfurt. Lecker war’s!

Nur noch schnell ein paar Fotos und Ingress-Stats hinzufügen… das Fazit folgt dann morgen.
Gute Nacht!

Ingress-Stats:

Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
letzter Stand 35.286 1.976 km 3.100 1.851 75.369 55.502
Jetzt 35.619 1.981 km 3.129 1.869 75.700 55.619
Delta 333 5 km 29 18 331 117
Veröffentlicht unter Wuppertal | 4 Kommentare

Tag 41 – unterwegs mit Lemmingen

Mein Wecker war auf 9:15 Uhr eingestellt, ich war aber schon vorher wach, stand aber etwas später auf. Das Frühstück und den Burn-out-Vortrag (soll gut gewesen sein) habe ich geschwänzt wie geplant.

Um 10:00 Uhr hatte ich Therapiegruppe. Wir trafen uns in Wuppertal 2, aber da die Sonne schien, wollte unsere Bezugstherapeutin lieber draußen tagen. Wir versammelten uns schließlich in einem Rondell mit Metallstühlen, welches auch der offizielle Raucherbereich ist. Ich hatte von meinem Platz aus einen Blick auf die japanische Zierkirsche (inzwischen weiß ich, was das für ein toller Baum ist), dessen Blütenblättern gleich einem Schneegestöber von einer frischen Brise davongetragen wurden – das sah wirklich schön aus vor dem blauen Himmel.

Rondell

Sitzgruppe, wo wir heute unsere Gruppentherapie gemacht haben. Sonst Raucherecke…

Die Therapeutin eröffnete die Sitzung mit der Frage, wie wohl das Wochenende war, und es sah für mich so aus, als wolle sie das die ganze Runde fragen. Etwas konkreter gesagt, sie wollte wissen, was das schönste Erlebnis des Wochenendes gewesen sei. Unser Keeper antwortete, dass ihm die Zeit im Schwimmbad mit seinem Sohn und uns paar Leuten aus der Gruppe gefallen habe. Nachdem die Therapeutin sich erkundigt hatte, wer alles dabei gewesen war, wandte sie sich an einen Kollegen aus der Gruppe, der morgen abreist. Der war auch mit im Schwimmbad gewesen, ist ein etwas verschlossener Typ, der zumindest ein Stück weit hier gelernt hat, sich anderen zu öffnen und für den der Trip in Schwimmbad mit uns halt eben auch ein Stück Konfrontation und Therapie war. Er erzählte von der auch von mir mit Respekt betrachteten „Turbo-Rutsche“ (siehe voriger Beitrag), dass es ihn Überwindung gekostet hätte zu rutschen, aber er hat es – ein Stück weit aus Gruppenzwang („weil ja alle gerutscht sind“) doch getan. Das wurde natürlich von der Therapeutin gleich als Bild und Analogie für die ganze Thematik des Mit-Patienten genutzt. Sie verglich dann den Gruppenkollegen mit einem Lemming, der uns anderen Lemmingen hinterher gerutscht sei, und das sei was Positives. Aber man müsse aufpassen, dass man nicht „negativen Lemmingen“ hinterherlaufe. Ich wusste sofort, was gemeint war – ich hatte mich als doofer Lemming vor mehr als einer Woche dazu anstiften lassen, etwas zu tun, was mir später sehr unangenehm und peinlich war und was ich von mir aus alleine auch nie getan hätte. War auch so ne Gruppenzwang-Sache, ich habe darüber nicht geschrieben, weil es mir zu unangenehm war, und ich werde das jetzt auch nicht nachholen. Nur soviel: Ich war auch schon Lemming. Und sollte es leider auch schneller als gedacht schon wieder werden…

Da ich übermorgen abreise, wurde auch ich gefragt, „was ich von hier mitnehme“. Ein Klassiker, auf den ich nicht mit „sämtliche Kugelschreiber von Arztschreibtischen, derer ich habhaft werden kann!“ geantwortet habe. Ich weiß jetzt, woran ich gezielt arbeiten möchte, aber ich weiß noch nicht, wie und wer mir dabei helfen kann. Aber ich weiß ungefähr, wonach ich suchen muss und habe einen vagen Plan, der noch abhängig von verschiedenen Faktoren ist, die ich noch zuhause zu klären habe. Auf jeden Fall habe ich einiges vor. Die Therapeutin gratulierte auch mir zu meinen Erkenntnissen – puh. Das würde die nicht machen, wenn sie es nicht so meinte. Also habe ich hier doch auf jeden Fall etwas erreicht. Aber ich bin gefragt, mein Ziel zu verfolgen und an meinen Baustellen zu arbeiten.

Wir sprachen noch über dies und das, dann war es 11:30 Uhr und wir hatten autogenes Training bei derselben Therapeutin. Nach der Absprache wollten wir uns – trotz des Haustechnikers, der mit einem Aufsitzmäher den Rasen stutzte – nach fünf Minuten Pause wieder draußen treffen. Ich wollte mir eigentlich nur ein Sweatshirt holen, denn ich war nur im T-Shirt, und es war doch etwas kühl draußen. Auf dem Rückweg sah ich diverse Leute aus meiner Gruppe, die noch bei Dallucci für einen Kaffee anstanden und auf die Barista warteten. „So what“, dachte ich mir, da wird die Pause eh länger als 10 Minuten, dann nehme ich auch noch einen Latte. Tja, und schon war ich wieder Lemming. Als wir wieder beim Rondell waren, sahen wir unsere Bezugstherapeutin und ein paar andere Leute wieder Richtung Haus streben. Also taperten wir in einer Art Polonaise ohne Anfassen wieder ins Haus und dann zum Therapiezentrum in Raum London, wo das gemäß des Therapieplans auch stattfinden sollte.

In London angekommen hielt die Therapeutin erstmal eine kleine Ansprache, dass sie keinen Bock mehr auf das hin und her hätte, von wegen Wuppertal 2 oder draußen oder halt in dem Raum, der auf dem Therapieplan stünde, und man würde künftig wieder im Therapiezentrum tagen etc. und das sei ja auch ein Zeichen mangelnder Wertschätzung ihr gegenüber und so. Nunja, was die Unpünktlichkeit angeht, damit hat sie ja Recht. Aber das Hin und Her ist ja nicht auf dem Mist der Patienten gewachsen, sondern auf ihrem – es sei denn, die Idee in Wuppertal 2 zu tagen kommt ursprünglich von Patienten, die mal in der Gruppe waren, aber längst weg sind. Da ist vielleicht noch drüber zu reden.

Wie auch immer, wir hatten Autogenes Training bei unserer Bezugstherapeutin in London. Sie brachte uns in die Entspannung und erzählte und die Geschichte vom Seelenvogel, der tief in uns wohnt. Ist jemand böse auf uns, so macht er sich ganz klein, ist jemand lieb zu uns, so wächst er und füllt uns aus. Sind wir wütend, so randaliert er in uns herum, sind wir froh, so macht er Luftsprünge. Er besteht aus Schubladen, die abgeschlossen sind und zu denen der Vogel selbst die Schlüssel hat. In diesen Schubladen sind Gefühle, Wut, Angst, Sehnsucht… Der Vogel steht auf einem Bein, mit dem anderen kann er die Schubladen aufmachen und wieder verschießen. So in etwa. Ich denke, dass das die gleiche Geschichte ist, wie in einem Büchlein, welches meine Mutter gerne verschenkt. Es ist entweder dieselbe Geschichte, oder zumindest aus derselben Quelle abgeleitet.

Nach dem AT gab es Mittagessen. Zuvor musste ich noch mit meinen Bahnquittungen zur Rezeption, mir mein Reisegeld auszahlen lassen. Nachdem das geschafft war, ging ich zu Tisch, es gab Nudeln mit einer Art Goulasch oder Geschnetzeltem und Salat. Und einen Apfel zum Nachtisch.

Nach dem Mittagessen hatte ich eine gute Stunde Zeit. Ich legte mich hin, stellte aber fest, dass ich innerlich unruhig war und grübelte. Also stand ich lieber wieder auf, um was Produktives zu machen, nämlich schon einmal in den Blog zu tippen, was der Tag bisher gebracht hatte. Darüber verpasste ich fast den nächsten Termin, Job on / Job off.

Raum Oslo

Raum Oslo, hier findet gerne Entspannungstraining statt. Das rote Schild sagt eigentlich, dass man nicht gestört zu werden wünscht.

Das war diesmal eine Phantasiereise. Keine Ahnung, was das eigentlich in Job on / Job off zu suchen hatte. Naja… vielleicht doch. Wir sollen ja lernen, Entspannungstechniken auch am Arbeitsplatz im Rahmen von Pausen einzusetzen, insofern passt es ja auch in den Job-Kontext. Wie auch immer, im Grunde hatten wir schon wieder AT. Ritalinetta verabschiedete sich mit dem Hinweis, sie währe unruhig und würde nur stören. Ein anderer Gruppenkollege trompetete kurz vor Beginn in sein Taschentuch und verließ dann den Raum, als wie schon angefangen hatten. Jemand anderes öffnete zwischendurch die Tür von außen. Alles störend, aber ich komme damit klar.

Tja, Phantasiereise… „Stellen Sie sich eine sonnenbeschienene Wiese vor… Sie spüren, wie das Gras unter ihren Füßen nachgibt… Sie sehen eine Stelle, die Ihnen besonders einladend vorkommt… ein Blumenduft verfängt sich in ihrer Nase, und sie fragen sich, von welcher Blume er wohl kommen mag…“ Warum ich das so gut auswendig kenne? Weil ich dieselbe Nummer hier schon mal hatte. Sehr phantasievoll.

Nun, es war wie immer, ich kann mich nicht auf die Geschichte konzentrieren (nun ja, wie man oben sieht, offenbar gut genug, um mir den Kram fast wörtlich zu merken, aber trotzdem rotieren die Gedanken überall hin), aber trotzdem waren meine Gliedmaßen schwer, mein Kreislauf unten und ich konnte entspannen. Und das zählt und macht AT zu einem Kandidaten für auch künftige Maßnahmen für mich.

Danach hatte ich eine knappe Dreiviertelstunde Pause, in der ich noch ein bisschen weiter tippte, danach Sport + Bewegung in der Sporttherapie (Turnhalle). Dort war ein Übungszirkel mit verschiedenen Kraft-, Balance-, und Koordinationsübungen aufgebaut. Man musste sich einen Partner suchen, da jede Übung zu zweit durchgeführt wurde. Der Sporttherapeut suchte sich unseren Keeper als Partner aus und erklärte mit diesem jede Station, was schon etwas Zeit in Anspruch nahm, denn es gab bestimmt zehn oder zwölf davon. Dann begannen wir mit dem Training. Die Zeit reichte nicht, wie geplant den Zirkel komplett zweimal zu absolvieren, daher wurden es nur so anderthalb Durchgänge.

Nach dem Sport hatte ich Feierabend. Der Eiswagen war da, also gönnte ich mir erstmal einen Krokantbecher. Anschließend ging ich dann duschen.

Nach der Dusche ging ich schleunigst zum Kaufpark, Zutaten für eine Nudelsoße einkaufen. Denn gestern hatte ich mit Ritalinella beschlossen (naja, eigentlich hat sie beschlossen, und ich bin da so reingeruscht), Nudeln mit Soße in der Lehrküche für ein paar Leute zu kochen und zu essen. Dummerweise bin ich nicht rechtzeitig auf die Idee gekommen, mir beim Einkauf helfen zu lassen. Eine liebe Mit-Patientin, die mir schon mal ihr Auto angeboten hatte, hat mit diesem leider einen kleinen Parkplatzunfall gehabt. Da mochte ich sie nicht nach ihrem Auto fragen. Und auf die Idee jemand anderes mit Auto anzuhauen, bin ich irgendwie gar nicht gekommen.

Also ging ich flotten Tempos mit Donald Fagan im Ohr die 20 Minuten zu Fuß zum Kaufpark. Die Sonne war prima, die Musik auch, nur ich hasse diese Strecke ohne Fußweg an der viel befahrenen Straße. Und ich hatte Zeitdruck, ich wollte um 18:00 Uhr wieder in der Klinik sein und zu kochen anfangen. Trotzdem nahm ich mir kurz ein paar Minuten Zeit, das blaue Portal in der Nähe des Kaufparks einzunehmen.

Dann arbeitete ich im Kaufpark meine Einkaufliste ab:

  • 4 Zwiebeln
  • 4 Paprikaschoten
  • 500g gemischtes Hackfleisch
  • 4 x 500g passierte Tomaten
  • Oregano, gerebelt
  • Basilikum, gerebelt
  • 500g Nudeln
  • 1 Becher Crème Fraiche
  • 1 Tube Zahnpasta

(Die Zahnpasta sollte nicht mit in die Nudelsoße.)

Leider war die Fleisch- und Käsetheke nur von einer Fachkraft besetzt, und die Kundin vor mir hatte eine größere Bestellung. Das stresste mich wegen meines engen Zeitplans. Schließlich hatte ich dann doch alles, und wieder auf der Straße auch noch Glück: Zwei der neuen Damen aus meiner Gruppe kamen mit dem Auto vorbei, fuhren rechts ran und nahmen mich mit zurück zur Klinik. Damit war ich dann doch noch um zehn Minuten vor sechs dort. Aber: Keine Ritalinetta weit und breit, und ich wollte anfangen, zu kochen. Also rief ich sie in ihrem Zimmer an und erreichte sie auch. Es war kurz vor 18:00 Uhr (somit auch vor dem Beginn des Abendessens) und vor der noch geschlossenen Tür vor den Futtertrögen formierte sich bereits eine Schlange. Da traf ich noch einen Mit-Patienten aus meiner Gruppe, den ich fragte, ob er nicht mit uns essen wollte. Er sagte ja und erbot sich, auch beim Kochen zu helfen. Als um ca. 18:00 Uhr der Speisesaal öffnete, sprach ich eine Dame vom Service an, und die öffnete uns die Tür zur Lehrküche.

Wir gingen also rein und begannen, Paprika und Zwiebeln zu schneiden. Irgendwann tauchte Ritalinetta auf, verschwand aber bald wieder, um ein paar Sachen vom Abendbrot im Speisesaal zu organisieren, z.B. eine Karaffe Wasser. Naja, ich hatte ja die Soßen-Verantwortung übernommen und machte halt die Soße mit den Zutaten, die ich besorgt hatte. Es gab kaum noch Sonnenblumenkernöl, also briet ich das Hack in Olivenöl an. Das wurde dann vom Aussehen und Konsistenz her ein bisschen anders, als ich das kenne (ich benutze normalerweise Keimöl dazu).

Ich machte erst einen großen Topf mit gewürzter Tomatensoße ohne Fleisch, dann teilten wir das auf zwei Töpfe auf und ich tat das Fleisch zu der größeren Menge dazu. Schließlich waren die Nudeln auch fertig, der Tisch gedeckt, und wir konnten essen. Wir waren sechs Leute, gerechnet hatten wir mit acht, aber wir hatten eine Packung passierte Tomaten nicht mit verarbeitet, tüchtig zugelangt und es blieb nur eine Portion übrig. Diese packte ich am Ende in eine Tupperdose, beschriftete diese, und schob sie in einen Patientenkühlschrank. Vielleicht kann ich die morgen in die Mikrowelle bei der Pflege tun und essen. Die Gäste, die nicht mit gekocht haben (andere Mit-Patientinnen aus der Klinik, eine davon auch aus unserer Gruppe) machten den Abwasch. Ritalinetta hatte noch Götterspeise zum Nachtisch gemacht, aber die war noch flüssig, also wurde sie irgendwo zwischengelagert.

Schließlich war die Küche wieder klar, und wir gingen rüber zu „Haus 5“. Hier wollten wir noch einige Getränke nehmen und ein bisschen Abschied feiern. Diverse Leute reisen morgen ab, auch einer aus meiner Gruppe, der auch prompt noch eine Riesenrunde ausgab. Ich nahm zwei alkoholfreie Erdinger Weißbier. Das erste schmeckte viel besser als das alkoholfreie Weißbier im Café Extrablatt. Das zweite schmeckte schon nicht mehr so gut, ich war wohl einfach noch zu satt von den vielen Nudeln.

Haus 5

Haus 5, die „Bergische Stube“. Hier haben schon Generationen von Patienten der Juliana-Klinik ganz bestimmt nur alkoholfreies Bier getrunken…

Die Stimmung war sehr gut, aber leider nicht bei mir. Warum kann ich gar nicht so genau sagen. Naja, die anderen hatten einfach eine Art Spaß, zu der ich nicht so den Zugang habe. Das löst bei mir Melanchonie aus, ich fühle mich dann einfach nicht zugehörig und einsam. Und trinken wollte ich auch nichts mehr, also verabschiedete ich mich. Irgendwie hatte mich die Aktion mit dem Einkaufen und Kochen auch gestresst, war halt ne fremde Küche, ich hatte keine Ahnung, wie viele Leute kommen wollen, ich hatte befürchtet, viel zu viel oder vielleicht zu wenig zu kochen, ich hatte befürchtet, nicht rechtzeitig fertig zu werden … war anstrengend.

Ich entschied mich, noch mal alleine zum Kreisel zu gehen und die Portale dort zu hacken, was ich auch tat. Danach ging ich zur Klinik zurück, holte noch Wasser und blieb dann in meinem Zimmer, um den Beitrag hier zuende zu schreiben. Morgen ist mein letzter Therapietag, und der beginnt mal wieder mit Frühsport, daher sollte ich auch bald ins Bett gehen.

Mein Therapieplan für morgen:

07:00 Uhr – Frühsport

09:00 Uhr – Wellnessgutschein

11:00 Uhr – Walking

13:00 Uhr – PMR-Gruppe

13:30 Uhr – Depressionsgruppe

15:00 Uhr – Musiktherapie

Zum Thema „Wellnessgutschein“: Beim Abschiedskaffeetrinken mit der Chefärztin haben wir, sofern wir das nicht abgelehnt haben, einen „Wellnessgutschein“ bekommen. Damit haben wir eine besondere Einheit im Therapieplan, was genau das ist – ich habe keine Ahnung. Vermutlich eine Massage oder sowas.

Zum Thema „Musiktherapie“: Das ist die erste und einzige Einheit dieser Art, es steht auch nur eine in der Leistungsübersicht. Vermutlich irgendetwas mit Trommeln.

Veröffentlicht unter Wuppertal | 1 Kommentar

Tag 40 – Schwebebahn-Mission und hacking hardt

Mein Tag begann um 08:00 Uhr. Frühstück gibt es Sonntags bis 09:00 Uhr, also 30 Minuten für die Morgentoilette und 30 Minuten zum frühstücken.

Nach dem Frühstück hatte ich keine Lust, sofort irgendwohin loszudüsen, und in der Gruppe hatten wir auch nichts weiter geplant. Außerdem wollte ich erst noch meinen Blogeintrag zum gestrigen Tag fertig schreiben. Also lungerte ich nach dem Frühstück mal hier, mal da herum und tippte meinen Blogeintrag.

Darüber wurde es Mittag, und und ich nahm das Sonntagessen in der Klinik ein – ich glaube, zum ersten Mal. Es gab Putenkeule, das erinnerte mich an Weihnachten zuhause, weil es das da traditionell am ersten Weihnachtstag bei meinen Eltern zuhause gibt. Der Vogel war ganz gut, aber die Beilagen sind zuhause besser…

Nach dem Essen hatte ich keine Lust, direkt loszueiern. Mir war erst mal nach Mittagsschlaf. Ich stellte meinen Wecker auf 14:00 Uhr und schließ anderthalb Stunden. Danach wollte ich dann den Rest des Tages nicht mehr verfaulenzen, zumal die Sonne schön schien. Um noch nach Köln oder anderswohin zu fahren war es mir schon zu spät, auf so viel Action hatte ich auch morgens keine Lust gehabt. Aber eine (voraussichtlich letzte) Runde Ingress in Wuppertal war schon noch drin. Also fuhr ich zum Bahnhof Oberbarmen und von dort aus mit der Schwebebahn durch bis nach Vohwinkel.

Achtung, Ingress-Abschnitt
Ich wollte die Schwebebahn-Mission machen, das ist in Wuppertal ja Ehrensache. Leider konnte ich die Mission nicht bereits in Oberbarmen starten – wie jemand auf dem hiesigen Hangout textete, liegt das daran, dass man nur die Missionen, die im Umkreis von 12 km ihren Startpunkt hat, auswählen kann. Die Schwebebahn-Strecke ist aber über 13 km lang. Also fuhr ich erst durch bis nach Vohwinkel.

Halligalli in Vohwinkel

Halligalli in Vohwinkel

Ich hatte erwogen, dort im Kaffeehaus unter der Schwebebahnstation Kaffee zu trinken, aber mir war doch eher nach sofort loslegen, was soviel heisst, wie Mission starten, und die nächste Bahn wieder zurück nehmen. Es galt, jede Schwebebahnstation zu hacken (jede Station ist hier natürlich ein Ingress-Portal), an drei Stationen musste man allerdings auch Fragen beantworten, worauf ich nicht vorbereitet war, obwohl ich davon gehört hatte. Am Robert-Daum-Platz wurde gefragt, wann (Jahreszahl) sich das Schwebebahnunglück mit fünf Todesopfern ereignet hat. Ich wusste das nicht, verpasste aber auch den Zeitpunkt, rechtzeitig auszusteigen, um mehr Zeit für die Antwort zu haben. Also fuhr ich eine Station weiter, stieg hier in den Zug in die Gegenrichtung zurück zum Robert-Daum-Platz, und dort wieder aus. Inzwischen hatte ich die Antwort natürlich recherchiert: 1999.

Schlimme Geschichte, ausgelöst wurde der Unfall durch eine „Kralle“, ein Bauteil, welches bei Bauarbeiten an der Fahrschiene angebracht worden und nicht wieder entfernt worden war. Der Aufprall riss das vordere Drehgestell (eins von vier) vom Wagendach, worauf der ganze Zug in die Wupper stürzte. Seither werden nach Bauarbeiten immer Probefahrten ohne Passagiere durchgeführt. In der Nähe der Robert-Daum-Platz-Haltestelle steht seitdem eine Gedanktafel.

Also wieder rein in die Schwebebahn, und weiter in Richtung Oberbarmen. Es gab noch eine weitere Frage, die ich nicht aus dem Stehgreif beantworten konnte, also raus aus dem Zug, und bei Wikipedia nachgeschlagen, wann die Schwebebahn für den Fahrgastverkehr freigegeben wurde: 1901. Das muss damals hochmodern gewesen sein, diese Art der Fortbewegung. Das schlimme Unglück passierte also gerade mal zwei Jahre vor dem 100. Geburtstag der Schwebebahn.

Wieder rein in die Bahn, und weiter. Die dritte und letzte Frage, in der der Name des Elefanten, der aus der Schwebebahn gefallen war, gefragt war, konnte ich direkt beantworten: Tuffi. Steht ja weiter vorne im Blog.

Die restlichen Stationen brauchte ich nur noch zu hacken, und wieder angekommen in Vohwinkel war die Mission dann fertig. Also wieder in den Zug Richtung Vohwinkel, ich wollte noch in Elberfeld spielen und irgendwann was zu Abend essen.

In Elberfeld angekommen kaufte ich mir ein Eis in der Waffel. In den Portalen in der Nähe steckten Resonatoren von „vanilleparfait“. Die wollte sich ja eigentlich noch mal mit mir zum Spielen treffen, bevor ich Wuppertal verlasse. Wir hatten schon mal mit ihrem Freund und ein paar anderen Leuten zusammen noch ziemlich am Anfang meiner Zeit hier eine Runde gedreht, und ich konnte sie gut leiden – was ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruhte. Also textete ich sie an. Sie war noch in der Nähe und hatte zwar wohl andere Pläne, schrieb aber dann doch, ich solle bleiben, wo ich bin, sie wäre in fünf Minuten da. War sie dann auch.

Sie schlug vor, in den nicht weit entfernten Else-Lasker-Park zu gehen. Da gäbe es für mich wohl noch unique visits und captures zu holen, und wir könnten die 15-Minuten-Mission dort machen. Es gefiel mir, dass „vanilleparfait“ so für mich mitdachte. Sie hatte die Mission auch noch nicht, also gingen wir dahin und erledigten das. Anschließend schlug sie vor, zur Hardt zu gehen, auch dort gäbe es für mich uniques und eine Mission. Das war zwar alles nicht mein ursprünglicher Plan (der war die Schwebebahnmission und ansonsten glyph-hacking und destroy & deploy), aber das, was ich ursprünglich vorhatte, kann ich überall machen. Das, was nachmittägliche Spielpartnerin mir vorschlug, war individuell nur hier möglich, und es war schon Klasse, eine Ortskundige dabei zu haben.

St. Marien - Kirche

St. Marien – Kirche, ein katholisches Gotteshaus in der Nähe der Hardt-Anlagen

Die „Hardt“ (eigentlich Hardt-Anlage) ist ein ganz schöner Park, den man, wie hier im Tal so oft, über viele Treppen erreicht. Zuerst kamen wir an der St. Marien – Kirche vorbei, dann ging es über weitere Treppen weiter nach oben. Das schöne daran ist, man weiß immer, wie man zur Wupper kommt, nämlich im Zweifel abwärts. Und wenn man an der Wupper ist, ist die nächste Schwebebahnhaltestelle nicht weit.

In der Tat war das wirklich mal eine ganz schöne Ecke von Wuppertal. Das Wetter war ja auch wirklich schön, also entspannten sich hier viele überwiegend junge Leute in der Sonne. Ich begann die Mission „hacking hardt“, und „vanilleparfait“ pushte die Portale hoch und machte glyph-hacking. Wir kamen schließlich zum Botanischen Garten und zum Elisenturm.

Ich schoss nebenbei auch ein paar Fotos mit dem Handy, und langsam näherte sich die Hardt-Mission und somit unsere Runde durch die Parkanlagen dem Ende. Wirklich eine schöne Mission. Das ist wirklich eine nette Sache, eine gute Mission führt Ortsunkundige wirklich auch mal an schöne Orte. Und über die Fragen kann man auch gleich noch Wissen dazu vermitteln, wenn man so eine Mission kreiert und einreicht.

Hardt-Anlage

Ein kleiner Teil der schön angelegten Hardt-Anlagen

Achtung, Ingress-Abschnitt
Ich beendete die Mission, und wir gingen zurück in die Innenstadt. Dort war gerade ein achtköpfiger Schlumpfen-Bautrupp dabei, unsere grüne Insel bei der Schwebebahnstation Hauptbahnhof zu entfernen und alle auf Blau Level 8 zu ziehen. Nach einem kurzem Verbalscharmützel zogen die Schlümpfe weiter, und „vanilleparfait“ und ich verabschiedeten uns. Ich wurde sogar gedrückt.

Elisenturm

Der Elisenturm wurde 1812 ursprünglich als Sternwarte errichtet.

Dann zog ich mir direkt vor Ort erst einmal einen Döner und eine Apfelschorle rein. Die Schlümpfe hatten ja brav alle Portale in der Nähe schon auf Level 8 gezogen, so dass ich beim Essen schön glyph-hacken konnte. Anschließend ging ich in Richtung Rathaus, wobei ich den Schlumpfen-Bautrupp überholte. Am Rathaus war noch nichts Level 8, und ich fing an zu ballern. Erwartungsgemäß hatte ich kurz darauf die Schlumpfenbande an den Hacken und die bauten das fein auf Level 8, so dass ich den ganzen Weg zurück zur Schwebebahnstation prima glyph-hacken konnten. Und sie merkten noch nicht mal, dass sie manipuliert wurden…

Naja, bisschen sehr hochtrabend von mir, das so zu sehen, die hatten sicherlich ohnehin vor, den Laden auf Level 8 zu bringen, ich habe sie höchstens ein wenig auf Touren gebracht. Wie auch immer, noch ein kleines Schwätzchen mit dem Gegner, danach brach ich wieder langsam Richtung Schwebebahnstation auf. Ich erreichte mein Ziel, auf über 35.000 Glyph-Hack-Points zu kommen und hatte mal wieder viel zu viel Material am Start, unter anderem weit über 800 8er-Burster. In der Nähe der Schwebebahnstation begann ich also wieder, Burster zu werfen und wieder ein wenig grüne Fläche zu bauen.

Dann wurde es aber langsam Zeit, den Weg zurück zur Klinik anzutreten, es ging auf 21:00 Uhr zu. Etwa 21:45 Uhr war ich wieder in der Klinik. Ich hatte wieder Pech und konnte meinen Zimmerschlüssel nicht unmittelbar in der Pflege abholen, denn die hatten gerade Dienstübergabe. Es dauerte eine halbe Stunde, bis die endlich fertig waren und ich an meinen Schlüssel kam. Aber wenigstens waren ein paar nette Leute, unter anderem „Ritalinetta“ in der Lobby, so dass ich mich nicht langweilte.

Dann bekam ich meinen Schlüssel, checkte mein Postfach, holte noch Wasser und verblieb dann in meinem Zimmer, um den Blogeintrag zu schreiben. Jetzt ist es schon 00:36 Uhr, aber ich werde morgen das Frühstück und den Gesundheitsvortrag zum Thema „Burn-out“ schwänzen. Ich hab schon genug Vorträge gehört. Das interessiert mich nicht so explizit, und die Vortragende ist keine von meinen beiden Lieblings-Vortragenden. Oh. Mir fällt ein, dass es eigentlich sogar drei sind, die das richtig toll machen. Also, ich muss mal schlafen. Bis morgen!

Mein Therapieplan für morgen:

08:30 Uhr – Gesundheitsvortrag (fällt für mich aus)

10:00 Uhr – Therapiegruppe

11:30 Uhr – Autogenes Training

14:15 Uhr – Job on / Job off

15:30 Uhr – Trainingsgruppe

Ingress-Stats:

Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
letzter Stand 33.832 1.966 km 3.069 1.828 74.714 54.881
Jetzt 35.286 1.976 km 3.100 1.851 75.369 55.502
Delta 1.436 10 km 31 23 655 621
Veröffentlicht unter Ingress, Wuppertal | Hinterlasse einen Kommentar

Tag 39 – Vom Bulbus olfaktorius, roten Rutschen und Glyphhacking

Ich stand um 08:00 Uhr auf und machte mich zum Frühstück auf. Um 09:00 Uhr stand ein Gesundheitsvortrag an. Ich dachte, es ginge um das Thema „Burn-out“, aber ich habe mich wohl im Tag vertan. Das Thema war „Emotionen“.

Die Vortragende war eine Psychotherapeutin, von der ich schon mal einen guten Vortrag gehört habe. Es gibt da zwei solche Damen, die das echt super machen. Zuerst fragte die gute Frau, warum das Thema wohl „Emotionen“ und nicht „Gefühle“ hieße. Ich preschte unwissend vor und argwöhnte, es könne an der Etymologie des Wortes liegen, da steckt ja Bewegung drin in Emotion, wie im englischen „motion“ oder in „Motivation“ oder „Motor“. Die Vortragende grinste und meinte, das sei wohl die kreativste Antwort, die sie jemals gehört hätte, aber dennoch falsch. Jemand anderes war schlauer und antwortete, dass Emotion ein Oberbegriff für Verschiedenes sei, unter anderem Gefühle. Und so war es auch. Der Begriff „Emotionen“ umfasst den Komplex Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken und Verhalten. Sie skizzierte beispielhaft, dass das Gefühl „Wut“ zu Körperemfindungen wie Bauchanspannung, Muskelanspannung, heißem Gesicht führen kann. Damit einher gehen Gedanken wie „Ich hasse den Kerl!“, „Mega-Arsch!“ oder „Den mach‘ ich fertig!“ und z.B. ein Verhaltensimpuls wie alles kurz und klein zu schlagen.

Danach zeigte sie über den Beamer eine Längsschnittzeichnung eines Gehirns, in dem das Limbische System (unser Emotionszentrum) mit den verschiedenen Einzelteilen dargestellt waren. Dazu gehören Teile mit so kryptischen Bezeichnungen wie Gyrus cinguli (ist das was zu essen?), Hippocampus, Fornix, Amygdala und Bulbus olfaktoris. Zu Letzterem sagte die Vortragende, dass das Ding direkt bis in die Nase ginge, unser Geruchssinn sei der Einzige unserer Sinne, der eine derartige Direktverbindung hat. Deswegen hätten Gerüche auch direkten Einfluss auf unsere Gefühle.

Emotion Doodle

„Die Leute glauben immer, die ganzen Depressiven seien das Schlimme an meinem Beruf. Falsch! Das Schlimmste ist, dass man immer wegen solcher Zeichnungen ausgelacht wird!“ (O-Ton der vortragenden Psychotherapeutin) Allerdings ist das hier nicht das Original-Bild, das habe ich nach meinen Notizen mit EierPad und Stylus nochmal nachgemalt. Ist aber recht ähnlich.

Die Vortragende wendete sich dem Flipchart zu und skizzierte zunächst einen Kopf mit Gehirn drin. Damit erklärte sie, wie das Limbische System, auch das „tierische Gehirn“ Reize von unseren Sinnen zuerst verarbeite. Nach einer groben Prüfung, die extrem schnell vor sich geht, wird „gefährlich“ oder „ungefährlich“ unterschieden. Im ersteren Fall werden sofort Gegenmaßnahmen eingeleitet und dem Großhirn, auch „menschliches Gehirn“ genannt, erst einmal Funkstille verordnet. Im zweiten Falle wird der Reiz ans Großhirn zur weiteren Verarbeitung im Sinne einer langsamen, aber genauen Analyse weitergeleitet.

Der Gefahrenfall wurde von der Vortragenden sehr lustig beschrieben: „Sie hören Reifen quietschen. Da denken Sie jetzt nicht sowas wie ‚Oh. Ist das vielleicht ein Porsche? Oder ein Polo? Welche Farbe hat der wohl? Wie schnell bewegt er sich auf mich zu?‘. Nein, die Reaktion erfolgt sofort.“

Hm, ich überlegte, dass wohl dann das Amygdala (auch „Mandelkern“ genannt), dass sowas wie unser Gefahrenzentrum ist, sowas wie „Klappe halten, Großhirn! Weg hier!“ raushaut. In der Tat kann das „tierische Gehirn“ (Limbisches System) das Großhirn blocken, weshalb man bei extremen Stress manchmal wie vernagelt ist. Aber umgekehrt kann auch das „menschliche Hirn“ (Großhirn) auch das „tierische Gehirn blocken“, wenn auch nicht so extrem wie umgekehrt.

Eine Mit-Patientin fragte, wie es denn mit dem „Verliebt-sein“ und dem Limbischen System sei. Das war mal ganz schön, mal was anderes als die ewigen Säbelzahntiger. Interessanterweise kann sowas ja – und jeder, der mal verliebt war, weiß das – ähnliche Wirkungen haben, z.B. dass das Großhin manchmal eher ausgeklinkt wird, und dass es auch so seine Dinge mit dem Körper macht (z.B. „Schmetterlinge im Bauch“). Die Therapeutin brachte dazu einen Fach-Klassiker: „Verliebt sein ist ein gesellschaftlich anerkannter Zustand der Psychose.“

Nun, die Powerpoint-Präsentation war ziemlich umfangreich und es wurden nur spezielle Folien bemüht. Vielleicht lasse ich mir mal das Hand-out kopieren. Insgesamt hatte der Vortrag viele Parallelen zu dem Inhalt einer Indi Stress mit einer unsere urlaubende Bezugstherpeutin vertretenden Frau. Dabei war es um die biologische Betrachtung von Stress gegangen. Dennoch fand ich den Vortrag gut, nicht zuletzt, weil die Vortragende einen sehr erfrischenden Stil hat. Und weil halt noch einige Aspekte beleuchtet wurden, die ich noch nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Kurz vor dem Ende des Vortrags verließ ich widerwillig vorzeitig den Raum, weil ich unmittelbar danach um 10:05 Uhr einen Termin in der Pflege zum erneuten wiegen und Blutdruck messen hatte.

Das war natürlich schnell erledigt. Danach begann wirklich das Wochenende, und auf dem Plan stand der Besuch eines Schwimmbades in Gevelsberg mit ein paar Leuten aus der Gruppe. Zwei haben noch kurzfristig gekniffen, aber unser Keeper, der beste Kumpel des Keepers hier in der Gruppe (die beiden sind wie Zwillinge, beides großgewachsene, muskulöse Kerle und unzertrennlich…), Ritalinetta (die freche Frau aus Rostock), noch ein weiterer Mann aus unserer Gruppe und der knapp zwölfjährige Sohn des Keepers waren am Start. Wir fuhren mit zwei Autos los und erreichten nach kurzer Fahrt unser Ziel in Gevelsberg.

Wir latzten das Eintrittsgeld und gingen rein in den Laden, der „Schwimm-In“ oder so hieß. Das Ding verfügt über vier große Rutschen. Eine ist für Kinder, also echt harmlos. Zuerst nahmen wir die sogenannte „River-Rutsche“, in der man auf großen Gummiringen rutscht. Lustig, auch wenn ich es ein wenig mulmig fand, weil ich mich um 180 Grad drehte und teilweise rückwärts rutschte.

Dann kam aber die rote „Turbo-Rutsche“. Da sah man schon von oben, dass es gleich am Anfang ziemlich steil abwärts geht, vielleicht so in einem 70° Winkel, fast freier Fall. Da stand auch dran, dass man die erst ab 14 Jahren oder so rutschen darf. Nun ja, sei kein Feigling, dachte ich mir, und rein da. Whoops! Ich bin sowas noch nie gerutscht und stieß schon einen Schrei aus. Und bekam mächtig Wasser in die Nase. Ekelhaft! Unten zeigte eine Digitalanzeige, dass ich über drei Sekunden gebraucht hatte, um die Röhre zu bewältigen. Laut unserem Keeper, der ja hier in der Gegend wohnt und das Bad kennt, kann man unter zwei Sekunden schaffen.

Danach ging es in die „Black Hole“. Das ist eine komplett dunkle Röhre, da gibt es nur ein paar Blinklichter drin. Beim ersten mal war das auch ein wenig spooky, aber dann zunehmend harmlos. Die und die „River Rutsche“ bin ich öfter mal gerutscht, vor der „Turbo-Rutsche“ hatte ich Respekt.

Wir sprangen vom 1er und vom 3er, ich ging in einem Warmwasserbecken chillen und kraulte ein paar Bahnen im Schwimmbecken. Wir waren ziemlich früh da, und es war noch nicht viel Betrieb. Es kamen später zwar mehr Leute, aber richtig voll war es nie, so dass wir auch beim Rutschen kaum anstehen mussten. Später zur Mittagszeit futtern wir Fastfood in der Badeigenen Gastronomie, ich klassisch Currywurst Pommes mit unklassisch Bionade Cola (wollte ich mal probieren, hat mir nicht so geschmeckt, das Zeug). Danach alberten wir zusammen noch im Warmwasserbecken herum. Ich glaube, der Sohn des Keepers hatte Spaß mit uns. Ich hatte auch Spaß. Schade nur um die beiden, die noch gekniffen hatten, die hätten die Gruppe noch bereichert. Zuletzt gingen wir noch mal rutschen, und ich dachte, okay, einmal noch die „Turbo-Rutsche“. Ich schaffte 2,72 Sekunden, ballerte aber mit einem derartigen Tempo unten raus, dass ich die Auslauf-Zone bis zum Ende brauchte und noch mit den Füßen gegen den Anschlag kam – die meisten kommen schon ein paar Meter davor zum stehen. Ritalinetta sagte später, sie befürchtete schon, dass ich mich verletzen würde.

Nach mehr als drei Stunden im Bad checkten wir schließlich aus (der Eintritt galt für zwei Stunden, für Erwachsene fünf Euro, wir mussten noch was draufzahlen). Der Keeper brachte uns mit seinem Auto zurück zur Klinik, sein Kumpel, der auch hier in Wuppertal beheimatet ist, war vor uns mit seinem eigenen Auto zu seiner Frau gefahren.

Mir war erstmal danach, ein wenig zu entspannen, was ich in der Lobby mit einem Café Latte und einem Stück Käsekuchen auch tat. Es war 14 Uhr durch.

Dann ging ich auf mein Zimmer, packte meinen Rucksack aus und suchte ein paar Klamotten für eine Ingress-Tour in Elberfeld zusammen. Ich versuchte noch, eine Verabredung mit „vanilleparfait“ klarzumachen, aber die hatte keine Zeit. Wie auch immer, ich ging zum Kreisel, musste aber zunächst noch zur Sparkasse, Geld holen. Denn ich hatte nicht mal genügend Geld für den Bus in die Stadt.

Die Wupper bei Sonnenschein

Die Wupper bei Elberfeld im Sonnenschein

In Elberfeld ging ich erst mal zu Akzenta, ich brauchte noch Duschgel und akut etwas zu trinken. Anschließend setzte ich mich vor das Eiscafé „Wundertüte“ und genoss ein Spaghettieis Carbonara ohne Eierlikör, dafür mit Karamellsoße. Danach drehte ich bis ca. 19:30 Uhr einige Runden, ballern, deployen, glyphhacken. Es kam nur verhaltene Gegenwehr der Schlümpfe.

Rathaus Elberfeld

Das Rathaus in Elberfeld bei schönem Wetter einmal aus einer anderen Perspektive

Um ca. halb acht nahm ich mein Abendessen, den üblichen „The Deal“ mit Hähnchenbruststreifen, Cajuns, Aioli und Barbecuesoße. Und ein alkoholfreies Weizen, welches nicht so gut geschmeckt hat. War wohl kein Erdinger, keine Ahnung, es gibt mehrere Sorten, die mir schmecken, aber das war keine davon.

Achtung, Ingress-Abschnitt
Irgendein Schlumpf hatte inzwischen wieder einiges von mir abgerissen und halbherzig wieder aufgebaut, aber das war eine Einzelaktion, nicht, wie ich das sonst kenne, mit einem großen Schlumpf-Bautrupp, die gleich 8er-Portale hinstellen und befestigen. Also habe ich da noch einmal drübergebügelt, wobei ich mir, um schneller zu sein, das Glyphhacking sparte und vor allem deployte und linkte.

Poseidon mit Taube

Der Dreizack des Poseidon beeindruckt die Taube nicht so wirklich. Sie erledigt hier ihren Toilettengang völlig ungerührt.

Da ich mir am Bahnhof Oberbarmen noch ein Rückfahrticket nach Osnabrück für den kommenden Mittwoch kaufen wollte, um mir mein Fahrgeld auszahlen lassen zu können, wollte ich so passend zurück fahren, dass ich dann nicht mehr lange auf die 602 zum Kreisel warten müsste. Also drehte ich nur noch eine kurze Runde und fuhr gegen 20:40 Uhr mit der Schwebebahn wieder zum Bahnhof Oberbarmen. Hier kaufte ich die Fahrkarte und fuhr dann zum Kreisel und ging zur Klinik zurück.

Hier lief nicht mehr viel, es war kurz vor 22:00 Uhr. Ich musste ein bisschen darauf warten, meinen Zimmerschlüssel ausgehändigt zu bekommen, weil die Pflege zwischenzeitlich unbesetzt war (in Notfällen sind die allerdings permanent über Telefon erreichbar, und solche Abwesenheit sind nur kurz und selten). Also machte ich mir einen Tee, bekam schließlich meinen Schlüssel und ging auch mein Zimmer. Ich begann damit, diesen Eintrag zu schreiben, wollte aber, als es auf null Uhr zuging, nur noch ins Bett, ich war etwas platt vom Tag.

Ingress-Stats:

Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
letzter Stand 32.458 1.947 km 3.055 1.812 73.806 54.391
Jetzt 33.832 1.966 km 3.069 1.828 74.714 54.881
Delta 1.374 19 km 14 16 908 490
Veröffentlicht unter Ingress, Wuppertal | Hinterlasse einen Kommentar

Tag 38 – Psycho Abschluss, Pilates, Dr. Wald und BSI-Bögen

Die Nacht war suboptimal. Ich wachte irgendwann auf und hatte Probleme, wieder einzuschlafen. Als das gelungen war, klingelte plötzlich irgendwann (vielleicht gegen 06:00 Uhr) plötzlich mein Telefon am Bett und weckte mich. „Ja?“ „Müller hier. Waren Sie vorhin bei meiner Kollegin?“ (Name von der Red. geändert) „Nein!“ „Na, dann hat sich das erledigt!“ klick. ?!?!?
Na toll!

Telefon, das blöde Schwein!

Unglaublich. Noch am Abend, beim zu Bett gehen, hatte ich das Ding hier mit einem zärtlichen Blick bedacht und mich darüber gefreut, dass es nie klingelt. Und prompt dudelt das Schwein mitten in der Nacht.

Ich stand gegen 07:00 Uhr auf und ging in Sportklamotten zum Frühsport. Dieser fand im Raum Wuppertal unter der Führung der indisch angehauchten Sporttherapeutin statt, genau die, die mich bei der Einzel-Physio immer so gefoltert hat. Daher wichen die Übungen auch wieder von denen ab, die die anderen Sporttherapeuten so machen lassen. Wir praktizierten auch wieder die berühmte Tassenübung. Anschließend ging es zum Frühstück.

Danach hatte ich Einzel-Psycho. Genauer gesagt, mein Abschluss-Gespräch. Es galt, ein paar Formalitäten zu erledigen. Ich hatte ein bisschen gehofft, in dieser letzten Sitzung noch sowas wie ein Patent-Rezept für meine zukünftige Entwicklung zu bekommen, eine Antwort darauf, wo ich mir künftig Hilfe zur Verwirklichung meines Hauptziels finden kann. Leider bin ich nicht wirklich mit einem befriedigenden Masterplan, der mich voll überzeugt, da wieder rausgegangen. Irgendwas muss ich aber machen, wenn die ganze Sache hier mehr bringen soll als eine zwischenzeitliche Besserung und Erholung. So die absolute Erleuchtung ist mir leider immer noch nicht gekommen, aber das wäre vielleicht auch mit Verlängerung nicht passiert. Weiter ins Detail mag ich hier nicht gehen.

Anschließend hatten wir Therapie-Gruppe. Inzwischen haben wir fünf neue Leute in unserer Gruppe, das werden wohl in der kommenden Woche noch mehr – bis auf zwei Leute werden wir „alten“ in der kommenden Woche auch nach und nach verschwinden. Die „Neuen“ sind allesamt mit ihren Hunden hier. Da Hunden eine therapeutische Wirkung zugeschrieben wird, haben wohl einige Kliniken Konzepte entwickelt, Hunde zusammen mit ihren Haltern unterzubringen. „Meine“ Klinik hat genau in dieser Woche damit begonnen, ebenfalls Hunde mitsamt ihrer Herrchen und Frauchen aufzunehmen. Leider (auch wenn mancher das anders sehen wird) kommen die Hunde nicht mit in die Therapiegruppen, das würde ich sehr lustig finden. Es ist natürlich wichtig, die anderen Patienten von den Hunden abzuschirmen, d.h. es gibt ein Haus, in dem demnächst nur „Hunde-Patienten“ wohnen werden. Die Hunde sind in der Lobby, den Therapie- und Gemeinschaftsräumen nicht erlaubt, sie dürfen sich nur im Haus 4 aufhalten. Daher wurden extra neue Eingänge geschaffen, damit die Hunde nicht durch die Lobby in Haus 4 müssen. Mir scheint das bisher ganz gut zu funktionieren, ich habe bisher keinen einzigen Hund gesehen.

Wegen der neuen Leute machten wir ein Kennenlernspiel, d.h. wir bildeten Paare oder kleine Gruppen aus alten und neuen Patienten, die sich gegenseitig interviewen. Ob Zufall oder nicht, irgendwie fanden sich immer Leute zusammen, die irgendwie zusammen passten. Meine Partnerin im Spiel hatte ursprünglich Datenverarbeitungs-Kauffrau gelernt, und auch wenn sie nicht mehr im IT-Fach arbeitet, so interessiert sie sich immer noch für die Materie. Wir fragten uns also gegenseitig bzgl. Familie, Hobbys etc. ab – unsere Krankheitsproblematik, die natürlich auch ein Thema gewesen wäre, ließen wir außen vor, wenn auch nicht bewusst. Wir plauderten sehr aufgeschlossen miteinander. Anschließend stellten wir uns dann auch gegenseitig in der großen Runde vor, und das lief alles ganz gut, auch bei den anderen.

Anschließend war Mittagessen angesagt.

Danach ging es zum Patientenforum. Das dauerte insgesamt ziemlich lange, fast eine Stunde. Erstens waren viele Zettel im Kummerkasten zu klären, einer der Oberärzte bekam das Wort und sprach über die Änderungen bezüglich der neuen Bewohner mit den vier Pfoten. Dann spielte eine von den kommende Woche die Klinik verlassenden Mit-Patientin der Runde ein Lied über einen Ghettoblaster vor und ging anschließend auf den deutschsprachigen Text ein. Ich habe den Interpreten und den Titel vergessen, es ging irgendwie darum, dass er sich nach Problemen wiedergefunden hat und nun wieder in den Spiegel gucken und sagen kann „alles ist gut so“. Er hat das Lied nach einer abgeschlossenen Drogenkarriere geschrieben. Die Mit-Patientin fand anschließend einige passende Worte dazu, verknüpft mit ein paar Anekdoten aus ihrem eigenen Klinikdasein und Abschiedsworten.

Es galt, neue Patientensprecher zu wählen. Dann kamen noch mal alle, die die Klinik kommende Woche verlassen, nach vorne. Ich las, wie mit den Patientensprechern abgesprochen, vor dem Forum noch mal meine Kurzgeschichte vor. Einige Leute verließen nach und nach den Saal, weil wir durch lange Reden und viele Kummerkastenzettel schon überzogen hatten und Termine anstanden. Das störte mich aber nicht weiter.

Nach meiner Geschichte verlas eine scheidende Frau aus einer anderen Gruppe noch ein selbstverfasstes Gedicht mit dem Titel „Jetzt“, dass mir ganz gut gefiel – mal nichts gereimtes, sonder Prosa. Mal was anderes. Für meine Geschichte bekam ich noch ein bisschen positives Feedback, sowohl von einem Patienten, als auch von einem Oberarzt und der Ergo-Therapeutin, die ich später in MAT hatte.

Schließlich war das Patientenforum zuende, und ich kam noch rechtzeitig zu Sport + Bewegung. Dort lagen schon Turnmatten ausgebreitet auf dem Boden. Hilfe, das roch nach Bodenturnen! Es war dann wieder mal eine Einheit Pilates, die teilweise auf den Matten stattfand. Einige Übungen fielen mir echt schwer, aber diesmal hielt ich es einigermaßen tapfer durch.

Danach konnte ich endlich duschen. Anschließend war sofort MAT Gruppe angesagt. Wir bekamen alle denselben Lückentext, in dem schlicht alle Vokale, Umlaute und ein y fehlten. Dann hatten wir 20 Minuten Zeit, die Lücken aufzufüllen. Ich konnte das ganz gut, vor allem ging es am Ende automatisch immer schneller, und ich war als erster fertig. Komplett geschafft hatten es, glaube ich nur zwei Leute. Aber ich hatte vier Fehler drin. Wie auch immer, der Text war ein Gedicht namens Dr. Wald von Förster Helmut Dagenbach aus dem Jahre 1986.

Anschließend war gegen 16:00 Uhr fast Feierabend. Nur noch Wochenendplanung um 19:00 Uhr stand auf dem Zettel. Normalerweise machen wir das in der Gruppe „irgendwann zwischendurch“ aus. Aber da wir so viele neue Leute in der Gruppe haben, beschlossen wir, das diesmal nach Plan zu machen. Unmittelbar nach der Therapiegruppe, wie wir das bisher manchmal gemacht haben, hatten wir heute einfach keine Zeit. Überhaupt, es war in sofern ein anstrengender Tag, dass zwischen den einzelnen Anwendungen nie Zeit für einen Kaffee oder ein Nickerchen war, nach Sport + Bewegung hatte ich zwar 30 Minuten Zeit, aber die brauchte ich zum Teil zum duschen.

Ich lungerte faul in der Lobby herum, holte mir zwei Kugeln Eis vom schon wieder vor dem Haupteingang parkenden Eiswagen, und trank Kaffee. Vor dem Abendessen machte ich noch meinen Sojourner-Spaziergang zum Kreisel.

Anschließend gab es Abendessen. Danach war es schon Zeit für die Wochenendplanung. Raum London war abgeschlossen, also trafen wir uns schließlich in Oslo. Wir „alten“ erzählen ein bisschen was über die Freizeitmöglichkeiten in Wuppertal und Umgebung (Wuppertaler Zoo, Schloss Burg, Ausflüge nach Köln oder Düsseldorf etc.), und dass wir morgen mit ein paar Leuten in ein Schwimm- und Saunabad nach Gevelsberg fahren wollen. Es stießen auch noch Leute aus anderen Gruppen zu uns, die ihre eigene Gruppe zur Wochenendplanung nicht gefunden haben. Wie gesagt, immer wieder ein schwieriges Thema – aber für mich heute zum letzten Mal.

Ich erledigte noch das Ausfüllen eines BIS-Bogens. Einen identischen Bogen hatte ich auch unmittelbar nach der Ankunft bereits auszufüllen gehabt, und nun wird wohl ein „Vorher“/“Nachher“-Vergleich gefahren. Zunächst gibt es eine Menge Fragen, die sich alle auf die vergangenen sieben Tage beziehen. Beispielsweise „Haben sie in den letzten sieben Tagen Selbstmordgedanken / Probleme beim Einschlafen / Schwindel- oder Ohnmachtsanfälle / Herz- oder Brustschmerzen … etc. gehabt? Hier ist jeweils auf einer Skala von 0 bis 4 zu bewerten, wie sehr das zutrifft. Dann gibt es da noch Fragen, bei denen man z.B. zwischen

  • Ich bin nicht trauriger als sonst
  • Ich bin oft traurig
  • Ich bin ständig traurig
  • Ich bin so traurig, dass ich es nicht aushalte

wählen muss. Stimmt so nicht hundertprozentig, aber in etwa. Ich kenne diese Bögen schon, weil sie auch in der Psychotherapie verwendet werden, wahrscheinlich als Momentaufnahme für die Berichte. Ich finde sie bescheuert, insbesondere den zweiten Teil, weil da die Auswahlantworten irgendwie nie das hergeben, was ich gerne ankreuzen möchte. Zwischen „ich bin nicht traurig“ und „ich bin oft traurig“ fehlt z.B. die Antwortmöglichkeit „ich bin selten traurig“ oder „ich bin manchmal traurig“. Und bei jeder Frage sind eine oder mehrere Antwortmöglichkeiten mit „…als sonst“ formuliert, also innerhalb dieser sieben Tage im Vergleich zu sonst. Okay, ich kreuze (nur als Beispiel, nicht wirklich zutreffend) also z.B. „ich bin nicht trauriger als sonst“ an, obwohl es mir in den sieben Tagen womöglich beschissen ging – nur halt genauso beschissen wie vorher. Ich bin also nicht trauriger als sonst, sondern genauso traurig wie immer. Das müsste doch eigentlich immer mal wieder ein völlig falsches Bild ergeben. Keine Ahnung, entweder, man hat sich dabei was gedacht, und ich liege falsch, oder da haben irgendwelche Paragraphenreiter einfach Schwachsinn verzapft.

Das ist jedenfalls ein super Beispiel dafür, wie man durch die Formulierungen der Antwortmöglichkeiten in solchen „Umfragebögen“ die Ergebnisse absichtlich oder unabsichtlich verfälschen kann, und wie wichtig es ist, diese schlau zu überlegen, wenn man wirklich wissen will, was Sache ist. Vor allem, wenn aus Ergebnissen solcher Fragebögen heraus tatsächlich irgendwelche Entscheidungen gefällt werden. Und auch das zeigt wieder, wie viel an dem guten, alten Spruch „glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“ dran ist.

Wie auch immer, der Tag war im Prinzip rum. Im Vortragsraum trafen sich einige Leute, um Musik zu machen, mit Klavier, Gitarre, Cachon und Bongos. Ich schaute kurz rein und sang mit der Runde z.B. „Lady in Black“ und „Let it be“. Bald entschied ich mich aber, mich lieber in mein Zimmer zurückzuziehen und zu bloggen. Ich schaue aber wohl gleich noch mal, ob da noch was läuft. Aber ich hätte nichts dagegen, mal nicht all zu spät ins Bett zu kommen. Denn die Nacht war ja nicht so toll, und der Tag bot keine Möglichkeiten für ein Nickerchen zwischendurch.

Mein Therapieplan morgen:

09:00 Uhr – Gesundheitsvortrag (ich glaube, über Thema Burn-out)

10:05 Uhr – Abschluss RR + Gewicht (also Blutdruck messen und auf die Waage in der Pflege)

Danach soll es mit vielen aus meiner Gruppe nach Gevelsberg zum Schwimmen und evtl. Saunieren gehen (ich weiß noch nicht, ob ich Lust auf Sauna habe).

Bis morgen.

Veröffentlicht unter Wuppertal | Hinterlasse einen Kommentar

Tag 37 – Mal‘ mal meditativ

First things first: Mein Therapieplan heute:

08:30 Uhr – Gesundheitsvortrag

09:30 Uhr – Abschluss Facharzt

11:15 Uhr – Fitnesstraining

13:30 Uhr – Walking

15:00 Uhr – Gestaltungstherapie

Ich stand um 07:30 auf, schlüpfte in die Sportklamotten und ging frühstücken. Danach taperte ich zum Gesundheitsvortrag, der diesmal nicht von einer Psychotherapeutin, sondern von einem Sporttherapeuten gehalten wurde, denn es ging darum, wie Sport uns helfen kann, unsere Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit möglichst lange möglichst gut zu erhalten. Allerdings wollte der Laptop erst einmal ein Update, so dass es etwas verzögert losging.

Zunächst gab es statistische Antworten aus irgendeiner Studie der WHO zum Thema „Was beeinflusst Gesundheit & Lebenszeit?“, deren Ergebnis so aussah:

  • 25% genetische Faktoren
  • 25% nicht beeinflußbare Fakturen (Luftqualität, Lebensmittelqualität, Gesundheitssystem etc.)
  • 50% beeinflußbare Faktoren (Lebensstil, z.B. Ernährung, Sport, Rauchen, Alkohol, Stress)

Ich spare mir an dieser Stelle ein Tortendiagramm. Bei der Präsentation gab es auch keins. Dafür zeichnete der Therapeut eine Kurve an das Flipchart: Leistungsfähigkeit (y-Achse) in Abhängigkeit zum Lebensalter (x-Achse). Er fragte, ob jemand Müller heiße – tatsächlich meldete sich niemand, worauf der Therapeut verkündete, die Kurve zeige die Leistungsfähigkeit für die Person „Lieschen Müller“. Das schreit wieder nach ein bisschen Kritzelei mit einem Stylus (Stift, mit dem man auf Touchscreens von Tablet-PCs oder Smartphones schreiben und zeichnen kann) auf dem EierPad:

Leistungsfähigkeit in Abhängigkeit zum Lebensalter

Die Leistungsfähigkeit von „Lieschen Müller“. Okay. Die konnte also unmittelbar nach der Geburt einen Marathon laufen… Die rote Kurve soll im Vergleich zur schwarzen zeigen, wie das mit und ohne Sport aussehen kann. Das ist Wissenschaft…

Da die Kurve bereits im Alter 0 Jahre die maximale Leistungsfähigkeit zeigte, fragte ich den Therapeuten, ob Säuglinge denn schon einen Marathon laufen könnten, worauf er meiner Klugscheißerei ein trotziges „Ja“ entgegenwarf, was ich schon wieder lustig fand… Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass sich die Leistungsfähigkeit im Allgemeinen bis zum 20. oder vielleicht 25. Lebensjahr erst aufbaut und dann wieder abfällt.

Die „Motorischen Fähigkeiten“ wurde dann in vier Faktoren unterteilt:

  • Ausdauer
  • Kraft
  • Beweglichkeit
  • Koordination

Für diese vier Faktoren gab es dann jeweils erst eine Definition und dann Studienergebnisse in Form von Liniendiagrammen, wie sich das jeweilige Kriterium in Abhängigkeit zum Lebensalter jeweils bei Männern und Frauen entwickelt.

Zu guter Letzt gab es einen Fünf-Punkte-Motivationsplan für Sport:

  1. Setzen Sie sich realistische Ziele
  2. Seien Sie sparsam mit Belohnungen!
  3. Nehmen Sie Rückschläge sportlich!
  4. Suchen Sie sich einen Trainingspartner!
  5. Ritualisieren Sie Ihr Training!

Für alle Punkte nannte der Therapeut Beispiele. Bei Punkt 1 und 4 dachte ich für mich schon mal „check!“ und machte mentale Haken dahinter. Denn sowohl ein Ziel als auch einen Trainingspartner habe ich schon. Cool!

Anschließend hatte ich um 09:30 Uhr „Abschluss Facharzt“. Das bedeutet, ich dackelte mit meinem Laufzettel zu meiner Ärztin. Da setzte ich meinen Leo unter zwei Papiere, unter anderem unter eine Liste der Leistungen, die die Klinik erbracht hat (soundsooft Gestaltungstherapie, soundsooft Walking, soundsooft Deprigruppe etc.) und bekam meinerseits ihren Leo in meinen Laufzettel. Wir sprachen über meinen Gesamtzustand und insbesondere über meine Einzelphysios, sie meinte, ich mache einen klareren, festeren Eindruck als bei der Aufnahme, prima, das war’s.

Ich hatte eine knappe Stunde Zeit, in der ich nochmal Körperkontakt zu meiner Matratze aufnahm.

Anschließend war um 11:15 Uhr Fitnesstraining, ich ging wieder über die komplette Zeit (etwa 40 Minuten) auf das Laufband bei 1,8 km/h und übte richtig gehen. Danach gab es Mittagessen, Geschnetzeltes von einem toten Tier mit Reis. Und Salat.

Nach dem Mittagessen war ich noch mal kurz in meinem Zimmer, anschließend war um 13:30 Walking. Das heisst, ich war erst kurz auf meinem Zimmer, war um 13:00 Uhr in der Lobby, stellte dann fest, dass Walking erst um 13:30 Uhr anstand, und schrieb dann zwischenzeitlich noch ein bisschen an dem Vorgänger-Eintrag von diesem hier (der mit Fußball und Modern Talking).

Dann also Walking. Ich ging wieder mit der schnellen Truppe und dachte anfangs, diesmal würde ich das bereuen, weil mein Fahrwerk schon am Anfang zu rumzuzicken begann. Es wurde dann aber besser, und ich kam zurecht. Es war wieder ausreichend warm und sehr sonnig, wir gingen wieder eine Waldstrecke, eine, die ich noch nicht kannte.

Wieder in der Klinik ging ich unter die Dusche. Ich wollte doch wohlriechend bei der folgenden Gestaltungstherapie um 15:00 Uhr auflaufen. Tja, Gestaltungstherapie… das hat bei mir oft Stress ausgelöst. Ich hatte mir vorgenommen, mich darauf mental vorzubereiten und es als Training anzusehen. Doch irgendwie fühlte ich mich nicht wirklich vorbereitet. Als ich beim Werkraum ankam, waren meine Gruppenkollegen ähnlich unmotiviert. Die Therapeutin kam mit acht Minuten Verspätung, wir hatten schon ein wenig darauf gelauert, dass die Einheit vielleicht ausfiele. Die sehr sympathische Therapeutin tat mir ein wenig leid, weil ihr Fach bei uns immer auf so wenig Gegenliebe stieß. Ich fragte sie, ob das bei anderen Gruppen auch so sei, und sie antwortete vorsichtig, unsere Gruppe sei die einzige, die das so zum Ausdruck brächte…

Ich hatte meinen Laufzettel vergessen (da es für uns die letze Einheit Gestaltungstherapie war, brauchten wir noch die Unterschrift) und flitzte kurz los, um den zu holen. Danach ging es an die Aufgabe: Meditatives Malen mit Fingerfarben. Jeder bekam ein A4-Blatt. Es gab keine konkrete Aufgabe, was zu malen sei. Zuerst würden wir eine kurze Fantasiereise vorgelesen bekommen. Anschließend sollten wir uns Farbpaletten mit Fingerfarben unserer Wahl bestücken und dann in uns hineinhorchen, und unseren Gefühlen entsprechend etwas gestalten. Dabei liefe Musik, aber wir sollten natürlich die Klappe halten.

Okay, es ging los. Die Fantasiereise war was seltsames über eine Mondnacht mit einer Musik für den Mond, nach der wir tanzten (imaginär, natürlich). Leicht surreal. Dann ging es an das Ausstatten der Farbpaletten. Ich wartete erst bis alle anderen sich ausgerüstet hatten und nutzte die Zeit, zu gucken, was ich so fühle. Viel kam nicht rum, aber ich spürte ein leicht warmes Gefühl und wollte demnach was mit warmen Farben machen. Dann kam ich irgendwie an einen Sonnenuntergang auf dem Meer. Ein ruhiges, aber zugleich kraftvolles Bild (und eins, was ich halbwegs würde manierlich hinbekommen, auch wenn es darauf überhaupt nicht ankam). Ich holte mir also die Farben, die ich benutzten wollte (zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Grün nicht dabei war…) und legte los.

Es machte mir schon ein bisschen Spaß. Es war ja keine Gruppenarbeit, ich konnte malen, was ich wollte, und das Herumpanschen mit den Fingerfarben gefiel mir auch. Ich wurde nur knapp einigermaßen fertig und musste mich am Ende etwas beeilen. Die Therapeutin hatte uns nicht gesagt, wie viel Zeit wir hätten und die Uhr abgehängt, weil wir das auch ohne zeitliche Vorgabe machen sollten, aber dennoch war unsere Zeit natürlich begrenzt.

Sonnenuntergang in Fingerfarbe

Mein „Sonnenuntergang in Fingerfarbe“. Dafür, dass ich mich bezüglich meiner malerischen und zeichnerischen Fähigkeiten eher unbegabt finde, gefällt mir das Bild gar nicht so schlecht. Dass der Himmel aussieht wie eine Deutschlandfahne war nicht beabsichtigt und ist mir auch erst beim Hochladen des Fotos aufgefallen.

Anschließend gab es natürlich eine Feedback-Runde. Wir sollten beschreiben, wie wir zu unserem Bild gekommen sind, wie es uns im Vergleich zu vor der Aktion denn ginge (nirgendwo greift das Klischee „was macht das mit Ihnen?“ besser als in Gestaltungstherapie) und wie wir das Malen mit den Fingern empfunden haben. Als die Reihe an mir war, beschrieb ich, wie ich von warmen Farben zum Sonnenuntergang gefunden habe, dass ich nach der Übung deutlich entspannter war als vorher, und dass mir die Fingerfarben auch zugesagt haben.

Zum Schluss erklärte sie, dass das Arbeiten mit den Fingern einerseits natürlich dieses Empfindungsfeedback geben, andererseits uns ein Stück Kontrolle nehmen sollte. Mit einem Pinsel kann man kontrollierter, präziser malen, als mit den Fingern. Die Kontrolle abzugeben bedeutet „loslassen“, was zur meditativen Übung sinnvoll sei.

Gut, damit war ich für heute durch mit dem Pflichtprogramm. Zunächst war mit nach Kaffee und Kuchen. Da aber der Eiswagen wieder vor der Tür stand, nahm ich statt Kuchen lieber zwei Kugeln Eis in der Waffel. Und einen Café Latte mit Amaretto-Aroma (nur Aroma, da ist kein Alkohol drin).

Außerdem hatte ich mich zu 17:00 Uhr für eine Waschmaschine eingetragen. Als ich mit meinem Rucksack voller Wäsche in Richtung Keller ging, fing mich eine Dame ab. Sie sagte, es sei ihr furchtbar peinlich, aber sie habe nicht gewusst, dass man sich für die Maschinen eintragen müsse, beide seien leer gewesen, und sie habe nun beide mit Beschlag belegt. Na, super. Gut, ich fragte, wann denn ihrer Meinung nach die Wäsche fertig sei. Sie meinte, 17:20 Uhr. Okay, ich dackelte also wieder in mein Zimmer. 17:30 Uhr ging ich wieder mit meiner Wäsche in den Keller, wo die besagte Dame vor den beiden Maschinen stand, die beide noch nicht fertig waren. Ich wurde langsam sauer, weil das Hin- und Hergedackel mich echt nervte. Haus 4, in dessen Keller die Waschküche ist, steht etwas abseits, ich muss, um dahin zu kommen, den gesamten Gebäudekomplex durchqueren – zwei Stockwerke runter, durch den Flur, die Lobby, noch eine Etage tiefer und dann durch den langen Gang unter dem Parkplatz durch zu Haus vier. Und man kann einen Waschgang nicht abbrechen.

Ich verzog mich, weil ich keine Lust hatte, die gute Frau, die sich ungefähr achtmal entschuldigte, anzuschreien, in den „Pub“. Als ich zurückkam, hatten sich noch andere „Waschinteressenten“ angesammelt. Und da wurde ich dann doch noch etwas giftig. Mir erschloss sich nicht, wie man bei der Wohnungsführung die Einweisung mit der Waschliste verpassen kann. Und die Waschliste, die neben den Maschinen liegt, übersehen kann. Und außerdem nicht kapieren kann, dass man bei 120 Bewohnern (ich schrieb mal früher von 200, das war nicht richtig) zwei Maschinen nicht ohne Anmeldung betreibt. Trotzdem, es klingt jetzt vielleicht so, aber ich unterstellte der Dame keinen Vorsatz. Wie auch immer, ich biss die Zähne zusammen und versuchte, mir klarzumachen, dass mir das spätestens morgen früh völlig egal sein würde, so dass es sich nicht lohnte, mich aufzuregen. Irgendwann war dann auch doch eine Maschine fertig, und ich konnte meine Wäsche rein schmeißen.

Danach machte ich meinen Sojourner-Spaziergang zum Kreisel.

Wieder in der Klinik ging ich zum Abendessen. Heute gab es schon wieder (das hatten wir kürzlich erst, mit Lasagne abends) eine „Aktion“, was bedeutet, ein warmes Essen anstelle von Brot mit Aufschnitt. Was übrigens nicht jeder gut fand. Naja, ich mochte das Essen (Putenbruststreifen mit Gemüse und Reis).

Danach ging ich aufs Zimmer, chatten und bloggen. Zwischenzeitlich war die Maschine fertig, also konnte ich die Wäsche in den Trockner umfüllen. Auf dem Rückweg zum Zimmer wurde ich in der Sitzecke bei der Pflege zu einem Kaffee eingeladen, den ich dankend annahm. Dann war ich wieder im Zimmer, weiterbloggen, weiterchatten. Trockner lt. Timer im Schlaufon nach anderthalb Stunden auch fertig, zurück in die Waschküche, weit gefehlt. Die Anzeige bei meinem Trocknerprogramm zeigt 51 Minuten an, aber nach anderthalb Stunden standen immer noch 17 Minuten drauf. Egal, das Trocknerprogramm kann man abbrechen, was ich auch tat. Also packte ich die einigermaßen trockenen Klamotten in den Rucksack, um sie zurück im Zimmer zusammenzufalten. Das dauerte eine ganze Weile.

Als ich fertig war, tippte ich schnell noch diesen Eintrag runter, und nun muss ich dringend ins Bett. Ich habe morgen Frühsport. Bis dann!

Mein Therapieplan für morgen:

07:30 Uhr – Frühsport

08:30 Uhr – Psychotherapie Abschlussgespräch

10:00 Uhr – Therapiegruppe

13:00 Uhr – Patientenforum

14:00 Uhr – Sport & Bewegung

15:30 Uhr – MAT Gruppe

19:00 Uhr – Wochenendplanung

Veröffentlicht unter Wuppertal | Hinterlasse einen Kommentar

Tag 36 – Auswärtssieg mit Cheri Cheri Lady

Der Wecker randalierte um 07:30 Uhr. Frühstück, dann Indi Stress um 08:30 Uhr.

Die Sitzung drehte sich um eine Konfliktsituation zwischen zwei Leuten aus der Gruppe. Unsere Therapeutin hatte beobachtet, dass ein Gruppenkollege gut gelaunt morgens auftauchte, nach dem Frühstück in der Gruppe aber einen leicht angeschlagenen Eindruck machte. Sie fragte nach, worauf der Kollege die Situation erläuterte. Das Ganze war eigentlich kein wirklicher Konflikt zwischen den beiden Gruppenmitgliedern, sondern ein typisches Kommunikationsproblem. Der eine Kollege hatte sich interessiert nach dem Grund für die Anwesenheit des anderen in der Klinik erkundigt, aber in einer Weise, die bei dem anderen unangenehm aufstieß. Die Therapeutin analysierte das Problem anhand des bereits auch von mir schon erwähnten Vier-Ohren-Modells und ließ die beiden die Situation nochmals durchspielen, diesmal aber sollte der Fragesteller das richtig und in einer Weise machen, dass es bei dem anderen nicht diesen unerwüschten und auch unnötigen, negativen Effekt hat. Das gelang auch in der „simulierten“ Wiederholung. Ich hatte mit dem Gruppenkollegen schon mal vor zwei Wochen oder so ein ähnliches Problem gehabt, da ist etwas, was der durchaus gut gemeint hat, bei mir völlig verquer gegangen. Damals habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt, mich mit dem Kollegen auch nicht ausgesprochen. Aber jetzt passte es zum Thema, deswegen brachte ich es zur Sprache.

Wie auch immer, die Analyse des Problems ist nicht das schwierigste. Das grundlegende Problem ist vielmehr, künftig anders zu kommunizieren. Und das ist nicht einfach. Ein Problem, dass man manchmal schneller spricht als denkt, kenne ich von mir selber zum Teil auch. Und schwupps, sind schon ein paar falsche Worte raus und richten Schaden an. Gerade eine beginnende Beziehung kann das total in die falsche Richtung lenken. Richtig zu kommunizieren erfordert, wenn man da ernsthaft etwas dran tun will, Training und vielleicht sogar Coaching. Man kann vielleicht für sich bestimmte Redewendungen antrainieren und versuchen, andere zu verbannen.

Auf jeden Fall hatten wir das dann auch geklärt. Die Therapeutin war mit ihrer Gruppe zufrieden. Dann machten wir noch eine Vorstellungsrunde, weil schon vier oder fünf neue Leute zu unserer Gruppe gestoßen waren, während sich kommende Woche der Rest von „meiner“ Gruppenbesetzung verabschieden wird – ich ja auch. Dabei sollten wir „alten“ auch unsere Hausaufgabe vorstellen, nämlich, was wir uns konkret für nach der Reha vorgenommen haben. Damit sind konkrete Handlungen und Ziele gemeint. Ich sagte, ich werde künftig an den Wochenenden Sport mit einer Freundin zusammen treiben. Schwimmen oder Inliner fahren. Letzteres wurde mir von meiner Physio-Therapeutin empfohlen, und ich will wohl damit anfangen. Mir ist klar, dass das nur ein Nebenkriegschauplatz bei mir ist. Mein Hauptproblem, das negativ belastete Lernen, was mich davon abhält, mich weiterzuentwickeln, muss ich mit einer nachfolgenden Behandlung angehen, z.B. IRENA. Aber das muss ich mit meiner Therapeutin noch klären.

Direkt im Anschluss war Fitnesstraining angesagt. Bei der Therapeutin, bei der ich zuletzt Einzel-Physio gehabt habe, die mir von jeglichem Krafttraining abrät. Sie hatte mir geraten, beim Fitnesstraining nur das Laufband zu benutzen. Also kletterte ich auf das Ding und warf es an. Langsam. Die gute Frau kam gleich zu mir rüber und kümmerte sich ziemlich lange nur um meine Körperhaltung, machte das Teil etwas schneller, sagte mir, wie ich die Hände zu halten hätte und korrigierte meine Haltung. Ich fand es natürlich gut, dass ich so einen speziellen Service bekam. Dabei quatschten wir nochmal über mögliche Jobangebote für die Dame im Auftrag von Kim Jong-Un oder in Guantanamo Bay. Wir entschieden, das Kuba doch die bessere Wahl im Vergleich zu Nordkorea sei.

Nach dem Fitesstraining war ich dann gleich wieder in Einzel-Physio bei der Dame. Sie wollte sich mal ordentlich meinen Rücken vornehmen, ich machte mich also oben rum frei und legte mich auf den Bauch. Zuerst war sie recht zärtlich in ihren Berührungen, aber das blieb nicht so. Sie ließ mich richtig heftig atmen, langsam ein, schnell aus. Ich sollte gegen ihren Druck anatmen. Sie drückte an meinem Rücken herum, und es tat teilweise höllisch weh. Wahrscheinlich war die Atmerei nur angesagt, weil man nicht gleichzeitig atmen und schreien kann. Tatsächlich meinte sie, ich würde zu flach atmen. Durch das viele Atmen kribbelten meine Hände irgendwann extrem, und zwischendurch hatte ich den Eindruck, mich total zu verkrampfen. Ich befürchtete schon, irgendwann eine Plastiktüte zu brauchen, falls ich hyperventilieren würde… aber meine Peinigerin meinte, das würde nicht passieren. Es passierte auch nicht, obwohl es sich echt krass anfühlte.

Danach waren dann noch ein paar Handgriffe in Rückenlage angesagt, dann hatte ich es überstanden. Die Behandlung ist eine Form aus der traditionellen chinesischen Medizin. Ich bin nicht sicher, was das genau ist, Tuina-Massage oder Akupressur oder so.

Schließlich waren wir durch, und ich konnte unter die Dusche und dann mittagessen gehen.

Mein neuer Frosch

Mein neuer Frosch hat einen Schlumpf gefressen. Komisch, dass dieser trotzdem noch so fidel dreinschaut. Ich hoffe, ein Frosch fängt mal langsam an, den zu verdauen, sonst hüpft der noch wieder raus und treibt sein Unwesen, wie es der Schlumpf an sich halt so tut…

Zuvor hatte ich allerdings im Postfach noch einen Brief von meiner Mutter, und ein geheimnisvoll leichtes Päckchen von der Freundin, mit der ich fast jeden Abend chatte, erhalten. Das war allerdings eine Überraschung. Was mochte es enthalten? Die Neugierde konnte ich bis nach dem Mittagessen nicht ertragen. Also trug ich meine Post in mein Zimmer und öffnete da das Päckchen. Ich war hellauf begeistert, denn es enthielt einen selbstgemachten Frosch, der „meine Sorgen fressen kann“, wie im beiliegenden Brief stand. Total genial gemacht, denn als Maul hat er einen Reisverschluss, und man kann da Dinge hineintun. Allerdings hat der Frosch bereits, bevor er zu mir kam, schon einen Schlumpf gefressen (aber noch nicht verdaut). Als meine Neugierde befriedigt war, konnte ich wirklich mittagessen gehen.

Danach hatte ich im Grunde schon Feierabend, denn es war nur noch ein eher relaxter Termin auf meinem Plan: 15:30 Uhr Abschlussrunde mit der Chefärztin. Bis dahin waren nach dem Mittagessen noch fast drei Stunden Zeit. Das Wetter war fantastisch, sonnig und warm. Viele Mitpatienten hielten sich auf der Sonnenterrasse auf, ich habe wie viele andere auch mein Mittagessen schon da draußen eingenommen. Anschließend trank ich da noch einen großen Café Latte und verbrachte insgesamt noch viel Zeit draußen. So viel, dass ich Sonnenschutzmittel auftrug. Vom Gefühl her war das fast wie Urlaub. Sehr angenehm. Irgendwann bekam ich mit, dass draußen vor der Kliniktür ein Eiswagen stand, also holte ich mir einen Spaghettieis-Becher. Lecker.

Froschi

Mein neuer Frosch auf meinem Kopfkissen

Natürlich musste ich auch allen meinen tollen, neuen Frosch zeigen, und mehr als eine Person hätten den am liebsten behalten oder sich auch so einen bestellt. Ich postete ein Bild auch sowohl in meinen hiesigen als auch in den Osnabrücker Ingress-Kommunikationskanal (Google Hangout). Auch dort kam viel positives Feedback für meinen Frosch. Der ist also schon berühmt!

Zwischendurch schrieb ich noch ein paar Postkarten in meinem Zimmer und ging später zum Postkasten am Kreisel, um sie einzuwerfen. Von dort aus ging ich noch weiter Richtung Hasslingen zur Sparkasse.

Wieder in der Klinik hatte ich noch 20 Minuten Zeit, anschließend trafen wir uns zu acht in der Lobby, um zusammen mit zwei Autos nach Schwelm zu fahren. Hier spielten im Pokalhalbfinale (Niederrheinpokal oder sowas) der Haspe SV gegen den VfB Schwelm. Für Haspe stand ein Gruppenkollege im Tor, und wir anderen aus der Klinik waren als Fans mitgefahren. Wir waren gegen 18:00 Uhr vor Ort, Anpfiff war um 19:30 Uhr, also gingen wir, die wir nicht mitspielten, erst einmal etwas essen. Die nächste Pizzaria auf Google Maps war unsere. Leider dauerte alles recht lange dort. Ich war – im Gegensatz zu den anderen, soweit ich das mitbekam – auch mit meinem Essen nicht so zufrieden, Penne mit Filetspitzen. Die Frau aus Rostock (achja, ich soll sie Ritalinella nennen, obwohl sie das Medikament gar nicht nimmt…), ein anderer Gruppenkollege und ich legten die Kröten für unseren Verzehr auf den Tisch, und gingen vorzeitig zurück zum Spielfeld. Die anderen hatten zum Teil noch Dessert geordert.

Unser Keeper

Einsam auf weiter Flur hält UNSER Keeper seinen Kasten sauber!

Wir drei kamen gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff. Nunja, ich verstehe nicht allzuviel von Fussball, mir ging es ja im Wesentlichen um das Event „ich fahre mit den anderen Bekloppten aus der Klappse zum Fussballspiel, juchhee!“ und darum, den sehr netten Gruppenkollegen im Tor ein bisschen zu unterstützen. Der war begeistert, dass wir alle mitgekommen sind und bedankte sich etwa hundertmal dafür (vor und nach dem Spiel). Wir standen, nicht wie ich das von meiner Erfahrung als VfL Osnabrück-Fan her kannte, eher in der Nähe des gegnerischen Tores, um die Tore der eigenen Mannschaft besser bewundern zu können, sondern in der Nähe des eigenen Tores, um UNSEREN Torwart besser bewundern zu können. Ich weiß nicht, welche Liga sein Klub spielt, Kreisklasse, Oberliga, keine Ahnung. Und ich verstehe nix von Fußball. Aber mir fiel schon auf, dass die Art, wie er mit dem Ball umging, irgendwie auf mich ziemlich professionell wirkte. Ich erfuhr erst auf der Rückfahrt, dass er mal vor 15 Jahren für Rot-Weiß Oberhausen in der zweiten Bundeliga zwischen den Pfosten stand, und auch in der U21-Nationalmannschaft…

Wie auch immer, wir ließen ab und an ein bisschen Anfeuerung ertönen (als einzige Zuschauer, übrigens, aber es war uns nicht peinlich – wir zelebrierten ein bisschen unseren Status als „die Bekloppten aus der Anstalt“, die alles dürfen, das war sehr lustig). UNSER Team erzielte in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit irgendwann den Führungstreffer.

Haus Martfeld

Das ehemalige Rittergut Haus Martfeld liegt am östlichen Rand des Stadtgebietes von Schwelm und ging aus einer Wasserburg hervor, deren Ursprünge im 14. Jahrhundert liegen (Wikipedia).

In der Halbzeitpause ging ich ein bisschen Ingress spielen, es gab in einer bequem zu Fuß erreichbaren Entfernung einige Portale. Die lagen in der Nähe von Haus Martfeld, einem ehemaligen Rittergut und Wasserschloss, welches in der aufziehenden Abenddämmerung recht hübsch anzusehen war. Nachdem ich da erledigt hatte, was zu erledigen war, ging ich wieder zurück zum Platz – eine ganze Weile zu spät zum Wiederanpfiff. Ich hatte nicht auf die Zeit geachtet.

Als ich hinter dem Tor, in dem mein Gruppenkollege stand, vorbei kam, kassierte der gerade das 2:1. Was bedeutet, dass ich das 2:0 schon verpasst hatte. Zurück am Zaun standen meine Gruppenkollegen und -innen da und tranken Kaffee. Beim Fussball! Bei Flutlicht! Unglaublich! Naja, ich bin ja enthaltsam, also ging Bier ja bei mir auch nicht, also trank ich einfach mal nichts.

Es fiel dann noch das 3:1 für UNS, und schließlich gewannen WIR das Spiel! Großartig! Wir feierten unseren Keeper begeistert, und er freute sich sowohl über den Sieg als auch über unsere Anwesenheit als Fans. Aus irgendwann während des Spiels hastig aufgebauten Lautsprechern lief Modern Talking, „Cheri Cheri Lady“, und wir zelebrierten zu der Musik (wenn man das Modern Talk’sche Einheitsgedudel denn so nennen darf) zu viert unseren „Gin & Tonic“ Linedance. Naja, wir versuchten es zumindest. Wie gesagt, da wir ja offiziell „die Bekloppten aus der Anstalt“ waren, war uns nichts zu peinlich. Herrliches Gefühl von Freiheit!

Irgendwann mussten die Leute vom Heimverein VfB Schwelm die Musik ausmachen (und außerdem wollten die nach der Niederlage bestimmt auch irgendwann mal nachhause), so dass wir das Feiern einstellen mussten. Wir warteten noch, bis unser Keeper geduscht und umgezogen war, weil er eins der beiden Autos zurück zur Klinik fuhr, dann konnten wir zurückfahren. Es war wirklich lustig gewesen.

Wieder zurück in der Klinik war es schon deutlich nach 22:00 Uhr, und ich hatte keine Lust mehr, den Blogeintrag zu beginnen. Ich chattete noch kurz mit einer Freundin, danach ging ich ins Bett.

Veröffentlicht unter Wuppertal | 3 Kommentare