Tag 16 – Halt die Fresse, Paul!

Der Tag begann um 07:45 Uhr. Rein in die Sportklamotten (ich würde zwei Einheiten Sport haben und erst hinterher duschen und andere Klamotten anziehen) und ab zum Frühstück.

Um 8:30 Uhr stand ein Gesundheitsvortrag an. Auf dem Plan stand „Abgrenzung“ als Thema. Das Thema war dann aber „Selbstwert“. Abgrenzung ist immerhin ein Aspekt davon, genauer gesagt, mangelnde Abgrenzung als Folge von einem niedrigen Selbstwert-Gefühl. Wer von sich nicht viel hält, tendiert dazu, anderen zu unterstellen, das genauso zu sehen – auch wenn das oft nicht stimmt. Als Folge tritt oft mangelnde Abgrenzung auf, d.h. man versucht als Kompensation, es den anderen so recht wie möglich zu machen, z.B. kann man dann schlecht „Nein“ sagen. Der Vortrag war wie üblich aufgebaut, d.h. es ging um Ursachen, Wirkungen und Möglichkeiten, aus der Nummer wieder herauszukommen. Die Vortragende Psychotherapeutin war sehr hübsch, und als sie davon sprach, dass geringes Selbstwertgefühl unter anderem dazu führt, dass man keine Komplimente annehmen mag, hätte ich ihr am liebsten sofort gesagt, dass ich finde, sie sei eine sehr schöne Frau. Sowohl als Test als auch weil ich das wirklich fand. Ich machte das dann nach dem Vortrag, und sie freute sich drüber und nahm es an.

Insgesamt habe ich mich in diesem Vortrag mit allem drum und dran absolut wiedererkannt. Da trafen nicht nur vereinzelte Aspekte, sondern eigentlich alle bei mir voll ins Schwarze, sowohl die Ursachen als auch die Folgen. Insofern fand ich es äußerst interessant. Wichtig ist jetzt für mich, daraus die richtigen Handlungsweisen abzuleiten. Die Vortragende, die nicht nur hünsch war, sondern auch einen guten Job machte, brachte es sehr anschaulich auf den Punkt: „Stellen Sie sich vor, sie hätten einen guten Freund, der mit Mitte 50 seinen Job verloren hat. Was würden sie dem sagen? Sowas wie ‚Da hast Du aber versagt, Deine Arbeit war wohl nicht so toll, und Du hast keine Chance, jemals wieder einen Arbeitsplatz zu finden‘? Nein? Warum würden Sie das dann bei sich selbst machen?“ Der Knackpunkt bei Leuten mit geringem Selbstwertgefühl ist, dass sie sich einfach schlecht behandeln. Und das muss man ändern, das geht natürlich nicht auf Knopfdruck, sondern das muss man trainieren. Dazu muss man zum Beispiel dem „inneren Kritiker“ widersprechen, der immer so Sachen sagt wie „Du kannst das nicht. Du schaffst das nicht. Was Du gemacht hast, war nicht so toll.“ Die Therapeutin sagte, sie nenne ihren „inneren Kritiker“ Paul, nach einem Paul, den sie nicht so mochte. Man muss lernen, Paul zu widersprechen, ihm den Mund zu verbieten. Und sich selbst so gut zu behandeln, wie man einen guten Freund behandeln würde, nicht schlechter. Ich werde meinen inneren Kritiker auch Paul nennen, denn es gibt auch in meiner Vita einen Paul, mit dem ich nicht so ganz gut klargekommen bin.

Um 9:30 Uhr folgte mein therapeutisches Einzelgespräch. Leider hatte ich zwischenzeitlich nicht genug Zeit für einen Kaffee oder Tee. Als das Gespräch anfing, plante meine Bezugstherapeutin erst einmal an ihrem Rechner ihre kommende Woche. Zuerst sprach sie dabei mit mir, danach klickte sie nur noch mit ihrer Maus herum, und ich war still und wartete darauf, dass sie fertig würde, um sich mit mir zu beschäftigen. Gerade, als ich auf die Uhr schaute und zu argwöhnen begann, dass es sich bei der Sache um einen Test handeln könnte, meinte sie „Das ist die Hölle für Sie, oder?“ Sie hatte mich kalt erwischt. Bei der Sache wollte sie prüfen, wann ich denn mal aus meiner Höhle käme, um für mein gutes Recht, meine Therapiezeit, einzutreten, käme. Fieser Trick, aber gut gemeint. Im weiteren Gesprächsverlauf ging es um Ereignisse, die sich in der Gruppe zugetragen haben und über die ich nicht schreiben darf und auch nicht schreiben will. Mein in der ersten Kunsttherapie angefertigtes Bild mit den „Säulen, die mein Leben tragen“ wurde auch thematisiert. Ansonsten äußerte sich die Therapeutin recht optimistisch bezüglich meiner Entwicklungschancen und sagte auch noch was Nettes über meinen Humor. Dementsprechend guter Dinge verließ ich das Gespräch.

Um 11:10 Uhr stand Fitnesstraining auf dem Programm. Wir absolvierten den Zirkel zwei Mal und ich hatte ein ganz cooles Erlebnis. Bei einer Station haben wir eine Matte mit drei „Plattformen“, auf denen man balancieren üben kann, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Das schwierigste Ding ist eine Scheibe mit einer Halbkugel darunter, auf die man sich stellen kann. Bisher ist es mir so einigermaßen gelungen darauf zu balancieren. Heute hat es richtig gut geklappt, ich habe das Teil fast in Ruhe ausgerichtet bekommen. Der Trick ist einerseits, so wenig Korrekturen wie möglich zu machen, aber auch „den Blick nach innen“ zu richten, also auch Ruhe in die Gedanken zu bringen. Das war eine interessante Erfahrung.

Es folgte – ungeduscht – das Mittagessen, nach dem dann Walking anstand. Zwischenzeitlich legte ich mich noch eine Dreiviertelstunde auf’s Ohr und kam eine oder zwei Minuten zu spät zum Walken, weil ich noch zuvor paar WhatsApp-Nachrichten mit meinem Neffen in Kanada ausgetauscht hatte. Ich erwischte gerade noch ein paar Stöcke, bevor es losging.

Natürlich ging ich wieder die kurze Runde mit der langsamen Gruppe, aus Rücksichtnahme auf mein Fahrwerk. Bezüglich der Kondition weiß ich, dass ich auch die lange und schnelle Runde schaffe. Wir gingen wieder die übliche, kurze Runde zum stillgelegten Bahnhof Schee an der stillgelegten Trasse, die nun zum Walken, Joggen und Radfahren genutzt werden kann. Aber ich gönnte mir da eine kleine Pause, fummelte meine rechte Hand aus der Stockschlaufe und mein Handy aus der Bauchtasche meines Sweaters. Hah! Der Bahnhof war ein Portal und auch noch grau, also gab es einen Unique Visit und einen Unique Capture. Zurück also wieder den Berg hoch und endlich ab unter die Dusche!

Um 15 Uhr stand Gestaltungstherapie an. Ich machte mir vorher noch einen Cappuccino, schaffte es aber nur knapp, den noch rechtzeitig auszutrinken. Diesmal war wieder eine Einzelaufgabe angesagt, wir sollten für uns unser Ziel (oder unsere Ziele) formulieren und diese dann gestalterisch auf ein A3-Blatt bringen, gemalt, gezeichnet, als Collage, oder Kombination dieser Techniken. Ich entschied mich diesmal für eine Collage, schnipselte alle Begriffe, die ich irgendwie passend fand, aus, und pappte sie auf das Papier. An „Liebe“ nahm ich alles mit, was ich fand (wie im echten Leben…). Wie auch immer, ich mag das alles gerade nicht näher ausführen. Vor der Gruppe habe ich das aber dann in der Retro-Runde gemacht. Einige machten von ihrem Schweigerecht, das alle bei allen Gruppenaktivitäten haben, Gebrauch. Ich habe das noch nie gemacht, zum einen gehe ich grundsätzlich mit meinen Problemen offen um, zum anderen sehe ich auch meinen Therapieerfolg gefährdet, wenn ich das Maul nicht aufmache.

Teeküche

Die kleine Teeküche im Wartebereich/Pflege

Da ich den um 17 Uhr folgenden Vortrag „Soz. Med. 1&2“ lt. meiner alten, abgehefteten Therapiepläne schon gehört hatte, war dann ab 16:30 Uhr Feierabend. Ich trank erst mal einen Tee in der Lobby. Ein Gruppenkollege erzählte mir was über die Ursache des Flugzeugabsturzes in Frankreich – dem absichtlich durch den Co-Piloten herbeigeführten Crash. Unfassbar, vor allem, wenn es kein terroristischer Hintergrund, sondern Selbstmord mit Duldung des Todes von 150 weiteren Personen war. Der Kollege sagte auch, dass er eine Passagierin kannte, weil sie in der Klassenstufe seines Sohnes gewesen sei. Auch eine Tischnachbarin erzählte, dass sie drei der Opfer, eine Familie, Vater und Mutter Mitte 30, dreijähriger Sohn, kannte. Furchtbare Sache!

Nun, ich hatte viel Freizeit. Den Gang zum Kreisel konnte ich mir sparen, weil ich ja schon Bahnhof Schee eingenommen und gehackt hatte. Das Wetter war auch grauenhaft, kalt und regnerisch. Also gab es erst noch einen weiteren Tee in der Sitzgruppe bei der Teeküche im Wartebereich/Pflege. Ich habe schon ein paar Mal versucht, dabei zu lesen, aber das klappt eher nicht wegen der Gespräche der anderen. Diesmal fingen wir an, Witze zu reißen. Dann gab es Abendbrot.

Tja… anschließend war einfach nichts geplant und auch nichts los, also ging ich auf mein Zimmer, um zu bloggen und vielleicht gleich noch ein wenig zu lesen.

Mein Therapieplan für morgen:

07:30 Uhr – Frühsport

10:00 Uhr – Therapie-Gruppe

13:00 Uhr – Patientenforum

14:00 Uhr – Sport und Bewegung

15:30 Uhr – MAT-Gruppe (Mentales Aktivierungs-Training)

19:00 Uhr – Wochendplanung

Brrr… Frühsport und „Sport und Bewegung“… nicht so mein Ding. Aber was soll’s, so schlimm ist das auch nicht, halt das Beste draus machen.

Bis bald.

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Tag 15 – Viel Freizeit und Starlight Express

Mein Tag begann heute um 7:30 Uhr. Um 8:30 Uhr war Indikationsgruppe Stress, vorher Frühstück.

Bei der Indi Stress gab es erst einmal eine Menge Papier zum später Durchlesen. Anschließend sollte man sich paarweise gegenseitig nach dem größten Stressfaktor des jeweils anderen erkundigen. Anschließend wurde das von der Bezugstherapeutin abgefragt. Heraus kamen als meistverbreitete Stressfaktoren „Arbeit“ und „Familie“. Ich merkte, dass ich sehr nervös und zappelig war. Möglicherweise hatte ich schon alleine dadurch Stress, weil wir das thematisierten. Die Sitzung war durchaus interessant, aber da darf ich nichts weiter berichten.

Um 10:15 Uhr stand Fitnesstraining auf dem Programm. Wir absolvierten zwei Runde Zirkeltraining an den verschiedenen Geräten und Matten. War ganz gut, ist mir erheblich lieber als „Frühsport“ oder „Sport und Bewegung“.

Anschließend hatte ich viel Zeit, der nächste Termin war erst um 13:15 Uhr Kochgruppe. Ich duschte und machte meinen Gang zum Kreisel. Danach checkte ich mein Postfach und fand zwei neue Dinge: Einen Zettel, auf dem stand, die Kochgruppe fiele aufgrund der geringen Teilnehmerzahl leider aus. (Seltsam, es war ja keine freiwillige, sondern eine verordnete Teilnahme… damit wird die Zahl der Teilnehmer durch die Zahl der Verordnungen gesteuert, dachte ich. Es sei denn, die Gruppe besteht auch aus freiwilligen Teilnehmern.) Nun, letztes Mal war es ganz gut bei der Kochgruppe, dennoch war ich nicht so schar drauf. Eigentlich hätte ich heute damit Feierabend gehabt. Aber da am Montag meine Visite beim Oberarzt ausgefallen war, hatte ich mir den bei einer Gelegenheit an der Rezeption gekrallt und einen Termin heute um 15:45 Uhr organisiert.

Der zweite, neue Gegenstand in meinem Postfach war ein Brief von meiner Mutter. Ich machte mir in der Teeküche einen Instant-Cappuccino und setze mich mit diesem und dem Brief in die Sitzecke im Wartebereich Pflege. Dort wurde ich von einer noch unbekannten Dame sehr um meinen handgeschriebenen Brief beneidet, das sei ja toll, sie hätte sowas noch nie bekommen, und das sei ja so viel besser und wertvoller und wertschätzender und individueller als eine schnöde E-Mail. Ja – das sehe ich genauso, es hat mich gefreut, dass das aufgefallen ist. Die Dame hatte direkt die Idee, diese sich auf dem Rückzug befindliche Kulturtechnik in ihrem Freundeskreis wiederzubeleben. Übrigens war die Frau fast gleichaltrig, d.h. sie hat durchaus die Zeit vor E-Mail miterlebt, aber schon da sei anstelle des Briefes halt telefoniert worden.

Da die Kochgruppe ja ausfiel und es schon nach 12 Uhr war, las ich den Brief zuende, trank den Cappuccino aus und ging was essen. Schweineschnitzel mit TK-Gemüse, Kartoffeln und Soße. Und natürlich Salat.

Anschließend hatte ich zwei Stunden Zeit bis zur OA Visite. Ich legte mich erst mal für eine Stunde auf’s Ohr. Anschließend wollte ich Tee trinken und Blog schreiben in der Lobby, aber ich bekam nicht recht Internet-Empfang, also zurück auf die Bude.

Danach stand die OA Visite an. Das war ein lockeres Gespräch. Der OA hat auch unsere Bezugstherapeutin in der Woche, in der sie Urlaub hatte vertreten. Ist ein sympathischer, jovialer und humorvoller Mann, den ich mir gut auch als Einzeltherapeuten für mich für einen längeren Zeitraum vorstellen könnte, aber ich kann ihn ja kaum nach Osnabrück docnappen.(Achtung, Neologismus-Alarm!) Er fragte mich, wie ich denn inzwischen so angekommen wäre, ob ich schon irgendwelche Änderungen an mit bemerken würde. Ich antwortete, dass ich mich selbst vielleicht schon etwas genauer beobachten würde. Und dass sich vage ein paar Ideen formten, wie ich gewissen Problemen künftig begegnen könnte.

Morgen habe ich ein Einzelgespräch mit meiner Bezugstherapeutin. Dass ich mich darauf freue würde nicht so ganz den Kern treffen, aber ich bin scharf auf den Termin, weil ich halt schon konkrete Dinge besprechen möchte. Aber mal sehen, wie es morgen läuft.

Jedenfalls hatte ich nach der OA Visite endgültig für heute Feierabend, das Programm des heutigen Tages war sehr überschaubar. Übrigens nicht nur bei mir, andere Patienten hatten heute nur einen Sport- und einen Gruppentherapietermin, also noch weniger als ich.

Ich verzog mich auf mein Zimmer und schrieb just diese Zeilen. Und nun muss ich auch langsam damit aufhören, weil ich mich jetzt mit drei Damen in der Lobby treffe, um nach Bochum zum Musical zu fahren. Ich bin gespannt.

In der Lobby fand ich die drei Damen, mit denen ich nach Bochum fahren würde, bereits vor. Dann kam meine Bezugstherpeutin vorbei und fragte, ob sie mich mal zwei Minuten sprechen dürfe. Da es es noch 5 Minuten vor unserem vereinbarten Treffen war (und wir ohnehin reichlich Puffer eingeplant hatten) lehnte ich nicht ab. Das Vieraugengespräch betraf einen Vorfall in der Gruppensitzung heute und bleibt ein Vieraugengespräch.

Eine der Damen (die waren schon ganz hibbelig) wartete schon vor der Tür, weil das Zweiminutengespräch eher 10 Minuten dauerte, und fing mich gleich ab, damit wir fahren konnten. Die Dame, die fuhr, ließ sich von ihrem Handy leiten, hatte aber weniger Vertrauen in Frau Google und in ihre Fähigkeit, ihr Smartphone richtig zu bedienen, als ich. Es war auch alles bestens, nur hatten wir kurz vor dem Ziel etwas Stau, so dass ich der Fahrerin empfahl, die von Frau Google vorgeschlagene Ausweichroute zu nutzen, was wir auch taten. So fuhren wir auch ein bisschen durch die Stadt, was mir Gelegenheit gab, ein paar Unique Hacks einzufahren. Es war aber nicht mehr weit bis zur Straße Stadionring und dem Musicaltheater. Wir parkten für pauschal 3,50 Euro und gingen zum Veranstaltungsort. Nachdem wir unsere Karten bei der Abendkasse abgeholt hatten, hatten wir noch über eine Stunde Zeit, die wir nutzten, um ein stilles Örtchen aufzusuchen und ein Getränk zu nehmen. Ich bin natürlich auch nochmal vor die Tür gegangen, um die beiden Musical-Portale (eins ist die Musicalhalle, das andere eine Dampflock mit Waggon davor) einzunehmen und zu hacken.

Bühne und Rennbahnen

Die Bühne und die Rennbahnen von unseren Plätzen aus. Im Vordergrund ist auch das Tonpult zu sehen. Sieht noch ziemlich analog aus.

Dann ging es durch den Eingang „Gleis 3“ zu unseren PLätzen in der Mitteltribüne links, Reihe 10. Die Damen waren schon da. Der Weg dorthin führte am Tonmischpult vorbei, welches für mich so aussah, als ob es noch das Originalpult aus den 80ern war. Lt. Wikipedia wurde das Soundsystem 2008 modernisiert, aber vielleicht nicht das Pult. Keine Ahnung. Vielleicht war es ja auch nur eines von mehreren Pulten. Auf jeden Fall sah das schon spannend aus mit den Rollschuhbahnen, die direkt durch die Zuschauerränge verlaufen. Es gibt Plätze unmittelbar vor der Hauptbühne inmitten des Kurses, wo die Zuschauer auf Drehstühlen sitzen um auch problemlos in alle Richtungen sehen zu können. Die sind sozusagen mitten im Geschehen, dafür können sie aber nie alles im Überblick sehen. Unsere Plätze waren dafür schon sehr gut.

Über der Bühne schwebte ein riesiger Ring, auf dem Modelleisenbahnen rollten. Dieser wurde bei Beginn zur Decke gezogen. Aus dem Off hörte man ein Kind über seiner Modelleisenbahn den internationalen Wettbewerb der Züge ankündigen. Seine Mutter intervenierte und schickte es ins Bett, womit die restliche Handlung als Traum des Kindes platziert war. Das erinnerte mich ziemlich an den Anfang von „Auf der Suche nach dem Funk“ – „Kinder, Zeit fürs Bett?“ „Och Mama, wir wollen noch Radio hören!“ „Nein. Jetzt geht’s ab ins Bett!“ Jedenfalls fand ich diese Rahmenhandlung klasse. Das Kind meldete sich immer, wenn es um die Rennen ging, auch mit z.B. „Control, Control… noch zwei Minuten bis zum Rennen!“ und ähnlichen Ansagen. Das war schon toll ausgedacht, und die Stimme des Kindes fand ich auch richtig gut.

Nun, es ist müßig, auf die Handlung einzugehen. Die Kostüme und die Rollschuhakrobatik waren beeindruckend (besonders von den sogenannten „Trax“, die keine Sprech- oder Gesangsrolle haben, aber dafür die richtig spektakulären Stunts machen), auch die Lightshow. Auch wenn ich Laser ins Auge überhaupt nicht gut finde, und das gab es an zwei Stellen. Die Bühnentechnik ist insgesamt schon toll, vor allem die neun Tonnen schwere Brücke, die über drei Ebenen verfahren, rotiert und gekippt werden kann. Hoffentlich wird das Ding regelmäßig auf Sicherheit geprüft. Sonst könnten da üble Unfälle passieren. Natürlich gab es gute Sänger und Sängerinnen, und die Musik war insgesamt gut, hat mich aber nicht vom Hocker gehauen. Bisschen Rock n Roll, bisschen Blues, paar Herzschmerz-Schnulzen.

Am Ende geht natürlich alles gut aus und das Publikum zufrieden nachhause. Meine Damen waren begeistert, ich fand es schon toll, wenngleich es mich jetzt nicht aus den Socken gehauen hat. Der Heimweg war dann direkt über die Autobahnauffahrt beim Veranstaltungsort und die Abfahrt nicht weit von der Klinik entfernt eine Sache von weniger als einer halben Stunde. War schon eine coole Aktion insgesamt.

An der Pflege, wo man seine Schlüssel abgibt, wenn man länger abwesend ist, mussten wir eine Weile warten, weil die Pfleger gerade Dienstübergabe machten. Ich hockte mich noch in die Sitzecke beim Wartebereich/Pflege und machte mir nen Tee, hier hockten noch ein paar nette Leute. Aber sobald ich an meinen Schlüssel kam, zog ich mich in mein Zimmer zurück, um diesen Blogeintrag zu schreiben und dann das Bett aufzusuchen.

Mein Therapieplan morgen:

08:30 Uhr – Gesundheitsvortrag

09:30 Uhr – Therapeutisches Einzelgespräch

11:10 Uhr – Fitnesstraining

13:30 Uhr – Walking

15:00 Uhr – Gestaltungstherapie

17:00 Uhr – Vortrag soz. Medizin 1&2 (ich glaube, den habe ich schon gehört, fällt daher aus)

PS: Ich habe übrigens der Dame, die mir die grüne Medaille gehäkelt hat (siehe voriger Eintrag), den Vorschlag gemacht, jeden Tag, den sie nicht raucht, auf meinen Gang zum Kreisverkehr zu verzichten. Sie war nicht interessiert. Puh. Ich kann meine Sojourner-Medal weiterverfolgen… Aber ich hätte verzichtet, auch wenn sie nur einen Tag nicht geraucht hätte.

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Tag 14 – „… und dann machen Sie ein Häufchen in die Hand.“

Der heutige Therapieplan:

07:00 Uhr – Frühsport

09:30 Uhr – Einzel-Physio

11:00 Uhr – Walking

13:00 Uhr – PMR-Gruppe

13:30 Uhr – Depressionsgruppe

15:15 Uhr – Visite

15:30 Uhr – SINA/TAF

Aufstehen war heute um 6:20 Uhr angesagt. Ich hatte ja vor dem Frühsport noch die Wäsche einzusammeln, also ging ich den lagen Weg in die Waschküche, holte meine Wäsche mit einem hauseigenen Wäschekorb ab und brachte diesen dann wieder zurück. Um alles zusammenzulegen hatte ich nicht die Zeit, ich hatte ja um 7:00 Uhr Frühsport.

Dieser war nicht weiter erwähnenswert, halt die üblichen Aufwärm- und Dehnübugen, nichts, was ich nicht schon mal hier gemacht hätte. Und natürlich mit den üblichen Problemen dabei.

Ich hatte etwas mehr als eine Stunde Zeit, und überlegte, meinen täglichen Spaziergang zum Kreisel zu machen. Aber als ich draußen war, überlegte ich es mir anders und legte mich noch für eine knappe Stunde auf’s Ohr.

Wegen meiner Hüft- und Knieprobleme hatte ich dann einen Einzel-Physio-Termin. Da hieß es „Hose runter“, und die Sporttherapeutin knetete und zerrte sowohl in stehender als auch liegender Position an mir herum. Wie es aussieht, habe ich auch eine beginnende Arthrose in beiden Knien. Das hat mich nicht besonders geschockt, weil ich das kaum anders erwartet habe. Es gab ein paar Tipps für Übungen, und es wird noch – wenn ich mich recht erinnere – mindestens drei weitere Einzeltermine geben. Erst habe ich gedacht, Mist, mehr Termine… aber dafür bin ich ja da. Und da hier das meiste in der Gruppe standfindet, fand ich es auch irgendwie richtig gut, dass ich da mal eine Therapeutin eine Weile für mich alleine hatte wobei es nur um mich ging.

Wieder etwas Zeit, diesmal machte ich den Weg zum Kreisel. Vor der Tür stand eine Gruppe Raucher und rauchte. Eine Frau, mit der ich zusammen am Tisch sitze, meinte, ich solle doch mal endlich mein Handy an die Wand werfen, es sei ja kein Wunder, dass ich bekloppt sei. Hm. Das gab mir schon zu denken (nicht das erste Mal…), wie blöd es ist, jeden Tag wegen einer blöden, virtuellen Medaille, die ich nicht mal für das nächste Level bei Ingress brauche, jeden Tag diesen Spaziergang zu machen. Andererseits… das ich meine Sache. Man kann es auch so sehen: Diese Frau gibt Geld dafür aus, bei jedem Wetter mehrmals täglich vor der Tür ihre Gesundheit zu ruinieren, ich mache jeden Tag einen 1,6 km langen Spaziergang. Das soll doch jeder mal selbst überlegen, was bescheuerter ist.

Grüne Häkelmedaille

Nun, originell, aber das ersetzt nicht die echte Sojourner… und außerdem brauche ich die nicht in Grün, sondern auf die Dauer in onyx und sechseckig,

Später am Tag bekam ich von ihr eine grüne, gehäkelte Medaille mit einer 1 drauf um den Hals gehangen, mit den Worten, ich müsse dann ja nicht mehr täglich zum Kreisel gehen. Lustige Idee. Ich überlege, ihr anzubieten, jeden Tag, an dem sie aufs Rauchen verzichtet, auf meinen Kreisel-Spaziergang zu verzichten.

Um 11:00 Uhr war Walking angesagt. Da ich merkte, dass ich meine Indoor-Schuhe anhatte, rannte ich noch mal schnell auf’s Zimmer, um die zu tauschen. Als ich wieder runter kam, hatten schon alle Stöcke und waren im Aufbruch – gut, dann ohne Stöcke heute. Die langsame Gruppe führte heute die Therapeutin, die mich vormals beim Walken aussortiert hatte. Aber sie fragte nur, ob das so okay sei bei mir, und ich erzählte ihr von meiner Einzel-Physio und der Meinung der anderen, und dann beließ sie mich in ihrer Gruppe. Ich trage ihr auch nichts nach, es ging ja nur um ihre fachliche Meinung, nichts persönliches. Wir machten langsame ca. 3 km bergab und dann bergauf, danach freute ich mich auf Dusche und Mittagessen.

Nach dem Mittagessen (ich hatte ausnahmsweise die vegetarische Variante, Kaiserschmarrn mit Vanillesoße, gewählt, war lecker) hatte ich PMR-Gruppe (progressive Muskelentspannung). So richtig mein Ding ist das nicht, wenn es um Entspannungstechniken geht, ist mir bisher Autogenes Training lieber.

Weiter ging es zur Depressionsgruppe. [redacted]

Es folgte die wöchentliche Visite meiner hiesigen „Hausärztin“. Die fragte nochmal nach dem Stand meiner Gräten, ließ mich dann selbst noch mal die Hosen runterlassen, fummelte ein wenig am Fahrwerk herum, diagnostizierte dasselbe wie die Sporttherapeutin aus der Einzel-Physio und entließ mich wieder.

Danach hatte ich in der Gruppe eine Einheit SINA/TAF. SINA bedeutet Sinnesaktivierung und TAF bedeutet Training arbeitsrelevanter Fähigkeiten. Eigentlich zwei völlig unterschiedliche Sachen, keine Ahnung, warum die zusammen liegen. Tun sie auch nicht, wenn ich richtig verstanden habe aus einem gegenwärtigen Mangel an Ergotherapeuten in der Klinik oder so, jedenfalls haben wir entweder SINA oder TAF. Heute hatten wir SINA.

Das Thema war „Der Weg unter die Haut“. Die Therpeutin erläuterte grob die drei Hautschichten, die Funktionen der Haut, und dass ein Erwachsener etwa zwei Quadratmeter Haut habe, die ca. 10 kg wöge. Sie sagte, dass das Fühlen lebenswichtig sei, und zwar schon ab der Geburt. Die ersten Sinneseindrücke erlebt man vor allem über die Haut, und diese sind absolut notwendig zur Synapsenbildung. Neugeborene, die komplett nicht berührt werden, sind bei abscheulichen Versuchen gestorben.

Jeder der Gruppe wurde nach dem gefragt, was man am allerliebsten äße und danach, was man am allerliebsten mache – egal ob heute oder früher. Dann wurde die Gruppe gefragt, wie lange es her sei, dass man das Gericht gegessen habe und der Lieblingsaktivität nachgegangen sei. Es ging darum, dass wir oft durch Einschränkungen wie körperliche Gebrechen oder aus reiner Bequemlichkeit anfangen, dass zu vernachlässigen, was wir eigentlich am liebsten tun oder essen. Teilweise wäre das gar nicht nötig, aber wenn wir einmal damit angefangen haben, dann nehmen wir uns das selbst immer mehr weg. Die Therapeutin beschrieb, wir lassen immer mehr Dunkelheit in unser Leben, die und immer mehr Licht nimmt. Auch wörtlich, wenn wir z.B. immer weniger rausgehen und nur noch auf dem Sofa säßen. Das mutete ein wenig mystisch an, war aber ja nur Metapher.

Vor jedem Teilnehmer lag ein blauer Zettel, der dann umgedreht wurde, und auf denen Dinge wie „Da wird mir warm/kalt ums Herz“, „Es läuft mir kalt den Rücken herunter“, „Das geht mir am Allerwertesten vorbei“ u.ä. standen, und die Gruppe wurde nach Erfahrungen dieser Gefühle und nach dem Auslöser gefragt.

Zuletzt gab es eine Erfahrungsübung: Jeder mischte ein wenig Zucker mit ein wenig Öl in einem kleinen Schälchen. Nach den Anweisungen der Therapeutin „Jetzt macht jeder ein kleines Häufchen in die Hand“ (was für unerwünschte Heiterkeit sorgte, weil eigentlich Mund halten und höchste Konzentration auf die Sinneseindrücke gefragt waren) rieben wir uns mit der Paste die linke Hand und den linken Unterarm ein und massierten das Ganze eine Weile. Man mag die Zweckentfremdung von Lebensmitteln beklagen, es gibt dafür eigens Pülverchen und spezielle Öle. Aber: Die Variante mit Speiseöl und Salz oder Zucker ist nicht nur die kostengünstigste, sondern auch auf jeden Fall frei von sämtlichen Allergenen, was bei irgendwelchem teuren Kram mit Düftchen und so weiter nicht der Fall ist. Am Ende wuschen wir uns Hände und Unterarme. Der Zucker klebt nicht, weil er ungelöst bleibt. Danach sollten wir das Gefühl (insbesondere den Unterschied zwischen dem behandelten und dem unbehandelten Unterarm) prüfen und beschreiben.

Fakt ist, dass sich die Haut am behandelten Arm bei mir hinterher ungeheuer weich und zart anfühlte, weniger rau als auf der anderen Seite. Was wir gemacht haben, war nichts anderes als ein Peeling, bei dem wir alte Hautschuppen entfernt haben. Ich mochte die Panscherei nicht besonders, aber das Gefühl hinterher war schon bemerkenswert. Einer aus der Gruppe fand es komplett doof und war da auch völlig ehrlich.

Nach dieser Übung war dann Feierabend, es war erst viertel nach vier oder so. Ich schrieb ein wenig am Blog, wollte noch Tee trinken und lesen, kam aber nicht wirklich dazu. Später schwänzten wir mit einigen Leuten das Abendessen, weil wir Pizza bestellten und futterten.

Später hatte sich eine Mit-Patientin, die ich mag, für den Fernseher im Aufenthaltsraum eingetragen (da kann man auswählen, was man für ein Programm gucken möchte oder den TV für Videos von einer Festplatte oder einem Laptop oder so nutzen). Sie hatte einen Film auf einer externen Platte, den wir uns mit meinem Laptop und dem Fernseher anguckten, so drei weitere Leute schauten mit uns.

Es war ein College-Film über eine weibliche a cappella Truppe, die gegen ein männliches Team im Rahmen eines Wettbewerbs konkurrierte. Nun, diese Filme folgen ja alle einem ähnlichen Schema, und so war die Handlung ziemlich vorhersehbar, aber die Musik war interessant. Besonders die Finalnummer des Frauenteams hat mir gefallen. Und der „Cup Song“.

Die Version im Film ist ja schon cool, aber diese hier finde ich eher noch besser:

Tja, nach dem Film war’s das dann auch… Ab ins Zimmer, Blogeintrag fertig schreiben und dann mal bald ins Bett. Morgen habe ich nur drei Termine:

08:30 Uhr – Indi Stress (Indi steht übrigens für „Indikation“)

10:15 Uhr – Fitnesstraining

13:15 Uhr – Kochgruppe

Wenn also nichts dazu kommt, gibt es einen frühen Feierabend. Und abends steht dann die Tour nach Bochum zu „Starlight Musical“ an. Ich bin gespannt.

Bis morgen.

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Tag 13 – Essensanfälle, Zirkeltraining und Waschtag

Der Wecker verströmte seine akustische Randale um 7:00 Uhr. Eigentlich viel zu früh, ich wollte heute erst nach dem Sport duschen und hatte um 8:30 Uhr einem Vortrag zu lauschen, da hätte inklusive Frühstück eine Stunde Vorlaufzeit auch genügt.

Mein Therapieplan für heute:

08:30 Uhr – Gesundheitsvortrag

10:00 Uhr – Therpie-Gruppe

11:30 Uhr – Autogenes Training

14:15 Uhr – Job on/Job off

15:15 Uhr – Oberarzt Visite

15:30 Uhr – Trainingsgruppe

17:00 Uhr – Ernährungsvortrag

Der Gesundheitsvortrag nach dem Frühstück um 8:30 Uhr hatte das Thema „Essanfälle“ und wurde von einer Psychotherapeutin gehalten. Zuvor sagte sie ein paar hilfreiche Dinge zu den Vorträgen, wie viele man denn wirklich besuchen sollte und so weiter. Dann sagte sie höflich, dass alle, die mit dem Thema nichts anzufangen wüssten, doch ihre Zeit anders nutzen könnten. Daraufhin verließ mindestens die Hälfte der Leute den Vortragsraum. Ich blieb und fand das echt ziemlich cool von der Frau die dann noch bemerkte, ihr seien weniger Zuhörer, die interessiert sind, lieber. Es ging um die Definition, die Symptomatik, die Ursachen und Folgen sowie natürlich Auswege. Außerdem um eine Abgrenzung zur „Fress-Brech-Sucht“ (Bulemie) und zur Magersucht (Anorexie). Die Diagnose von Ess-Anfällen (im Vortrag häufig als „binge eating“ bezeichnet) sind dem Vortrag zufolge vor noch gar nicht so langer Zeit so richtig als eigene Ess-Störung in Deutschland angekommen und in die therapeutischen Behandlungen eingegliedert. Ich hab jede Folie des Beitrags fotografiert. Demnach:

Definition:

  1. Verzehr einer großen Nahrungsmenge in einem abgrenzbaren Zeitraum (deutlich mehr als andere unter den gleichen Umständen essen würden)
  2. Kontrollverlust (Gefühl, nicht mehr aufhören zu können, nicht steuern zu können, was und wie viel man isst)

Dazu mindestens drei der folgenden Merkmale:

  • höhere Essgeschwindigkeit als normal
  • essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl
  • essen ohne Hunger/trotz Sättigung
  • alleine essen aus Verlegenheit über die Menge, die man isst
  • nach dem Essanfall Ekel/Schuldgefühle/Deprimiertheit auf sich selbst

Viele der Folien basierten auf einem Buch namens „Das Leben verschlingen? Hilfe für Betroffene mit Binge-Eating-Störung (Essanfälle) und deren Angehörige von Simone Munsch. Weiter will ich mal nicht ins Detail gehen. Jedenfalls war der Vortrag ansprechend vorgetragen, auch wenn der Beamer immer mal wieder das Bildsignal verlor. Die Vortragende scheute sich nicht vor dem Gebrauch von Kraftausdrücken, was in Gesprächen hinterher teilweise schlecht, teilweise aber auch gut ankam. Ich fand es gut – das war an den richtigen Stellen gesetzt und würzte die Rede, fand ich. Insgesamt ein guter und interessanter Vortrag.

Taschentücher und Kaffee

Taschentücher und Kaffee – was man halt so in der Therapiesitzung braucht. Heute flossen aber keine Tränen.

Es folgte die Therapie-Gruppe, diesmal wieder bei unserer Bezugstherapeutin, die von ihrer Woche Urlaub zurück war. Sie holte sich eine Bestandsaufnahme, was ihre Vertretung mit uns gemacht hat und checkte den Status von unterschiedlichen Patienten, insbesondere von dreien, die morgen die Klinik verlassen. Mehr gibt es darüber nicht zu erzählen, zumal aus der Gruppe ja eh nichts erzählt werde darf.

Anschließend hatten wir Autogenes Training, außer, dass wir zu spät kamen weil wir mit der Therapiegruppe zu spät Schluss gemacht hatten, keine besonderen Vorkömmnisse. Nun, ein Handy hat ärgerlicherweise zwischenzeitlich ein Tönchen von sich gegeben, was natürlich nicht so klasse war. Aber auch wenn ich nicht voll konzentriert war, für mich war das recht entspannend und angenehm. Wenn ich das – im Gegensatz zur progressiven Muskelentspannung – weiterhin so angenehm finde, suche ich mir da vielleicht in Osnabrück eine Gruppe oder sowas.

Danach gab es Mittagessen, anschließend hatte ich eine und eine dreiviertel Stunde Zeit. Ich machte meinen Sojourner-Spaziergang zum Kreisel und legte mich anschließend noch eine knappe Stunde auf’s Ohr.

Der nächste Punkt hieß „Job on/Job off“. Das ist ein vierteiliges Programm mit einer Frau vom sozialen Dienst. Heute ging es um das finanzielle Versorgungsnetz, um Lohnfortzahlung, Übergangsgeld, Krankengeld, ALG I, unter welchen Umständen und wie lange was gezahlt wird. Für mich gilt: Für die 6 Wochen hier bekomme ich ganz normal Lohnfortzahlung. Wenn ich eine oder zwei Wochen Verlängerung empfohlen bekäme, würde ich die natürlich nutzen. Ebenso kann es passieren, dass ich selbst für mich entscheide, dass eine Verlängerung sinnvoll wäre, dann würde ich das halt mit meiner Therapeutin besprechen. Wie auch immer, dann müsste ich Übergangsgeld beantragen. Ansonsten war es kompliziert, und einiges davon wird mich hoffentlich nie, aber wenn, dann eher in ein paar Jahren betreffen. Dann habe ich das alles längst vergessen, wichtig ist dann eher, wo man sich dann informieren muss (Krankenkasse, Bundesversicherungsanstalt für Arbeit – je nachdem). Es wird, glaube ich, noch einen Teil zur Wiedereingliederung und einen zum Thema Mobbing geben, und irgend so eine Phantasiereise. Das klingt eher nach autogenem Training, und ich frage mich, was das in Job on/Job off zu suchen hat. Wie auch immer, da einige „alte Hasen“ die Einheit schon kannten, durften die gehen und ihre Zeit anders nutzen, so waren wir dann nur noch eine kleine Gruppe und schnell fertig.

Anschließend wäre Visite beim Oberarzt gewesen, aber das musste verschoben werden, weil er zeitlich in Verzug kam und nicht rechtzeitig vor meinem nächsten Termin Zeit für mich hatte.

Dann musste ich nämlich schon zur Trainingsgruppe. Dort gab es ein Zirkeltraining mit so vielen Stationen, wie wir Leute waren, im Wesentlichen Kraftübungen für verschiedene Muskelgruppen. Allerdings nicht im Fitnessraum, sondern auf Matten auf dem Boden, mit verschiedenen Bällen, Hanteln, Dehnbändern, Sprossenwand und so weiter. Mit mindestens zwei Übungen hatte ich wieder so meine Probleme, aber heute hat es mich nicht mehr so gestört. Vielleicht lag es daran, dass diese Schwierigkeiten jetzt nicht mehr neu für mich sind, aber ich war ohnehin heute den ganzen Tag ziemlich gut gelaunt. Wir absolvierten den Zirkel zweimal, und anschließend hatte ich schon das Gefühl, was getan zu haben.

Ich hatte genug Zeit, zu duschen, danach war dann noch ein Erneährungsvortrag von einer Ernährungsassistentin angesagt. Das war die hübsche und sympathische junge Frau, die uns als Neuankömmlinge in den Speisesaal eingewiesen hatte. Leider hatte sie erst gar keinen Laptop finden können, und als sie einen aufgetrieben hatte, klappte es mit dem Beamer nicht, weil sie nicht das richtige Videokabel dabei hatte oder so. Aber so schlecht war das gar nicht, so musste sie mehr erzählen, und sie machte das ganz souverän. Es ging allgemein um gute Ernährung, um die verschiedenen Nährstoffe, wozu wir sie brauchen, in welchen Mengen und in welchen Lebensmitteln sie enthalten sind. Also im Prinzip nichts, was man nicht schon wüsste, aber eben doch detailreicher. Zuerst wurde – auch anhand von Fragen der Vortragenden – erörtert, was eigentlich schlechte Ernährung ist, und warum man oft dazu tendiert, sich nicht gut zu ernähren. Basis der Erläuterungen zur guten Ernährung waren die sogenannten 10 Regel der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Anschließend hatte man sofort Gelegenheit, das Gehörte in die Praxis umzusetzen, denn es gab Abendessen. Danach war dann Feierabend.

Ich hatte mir einen Waschmaschinen-Termin reserviert und für 3,50 Euronen einen Waschmaschinen-Token samt Waschmittel an der Rezeption erstanden. Also legte ich den gefühlten Kilometer zum Waschraum zurück, füllte die Trommel und wählte ein Waschprogramm, das ganze 2:29 Stunden dauern sollte. In der Lobby ging es recht lustig zu, da saßen auch viele nette Leute herum. Ich machte mir einen Instant-Cappucino und stellte den Blog-Beitrag von gestern fertig, indem ich Bilder und Ingress-Stats hinzufügte. Auch diesen Eintrag wollte ich eigentlich dort fertig schreiben, aber als einige andere Leute schlafen gingen, setzte sich die 27-jährige Patientin aus Rostock zu mir, später kamen noch zwei Jungs dazu. Also hockten wir da, tranken Tee, hörten Musik aus meiner Bose-Box und klönten, da bin ich nicht recht zum Schreiben gekommen.

Irgendwann war die Wäsche fertig, und ich ging in die Waschküche und packte die Wäsche in einen der Trockner. Ich stellte meinen Timer am Handy, das würde fertigwerden, bevor die die Waschküche um 22:30 schließen. Leider habe ich dann den doch recht dezenten Ton meines Timers überhört und auch nicht aufgepasst. Ich war dann ca. um 22:40 Uhr bei der Waschküche – leider schon abgeschlossen. Käse! Jetzt muss ich mich da morgen darum kümmern. Aber nicht so schlimm.

Gegen 23 Uhr verabschiedete ich mich von der Runde, schrieb in meinem Zimmer diesen Beitrag zu Ende. Und jetzt ist es fast null Uhr und ich muss dringend ins Bett. Ich habe morgen um 7:00 Uhr Frühsport, und ich möchte mich vorher gerne noch um meine Wäsche kümmern.

Daher: Gute Nacht!

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Tag 12 – Frosch-Muffins, alkoholfreie Cocktails und eine grüne Insel in Elberfeld

Puh, ich bin fix und fertig. Heute ist Sonntag, und es war ein intensiver Ingress-Tag, aber nicht alleine, sondern mit zwei Teams zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten. Im Prinzip kann hier jeder aussteigen, den das nicht interessiert, weil ich ansonsten nichts gemacht habe. Deswegen kennzeichne ich hier auch nix extra. Interessant war – für mich – heute vor allem, neue Leute kennenzulernen und mit denen zusammen bisschen Aktion zu machen.

Diese bestand aus zwei Teilen:

  1. Ab 11 Uhr in Vohwinkel Treffen mit ca. 10 oder 11 „Fröschen“, Bau und Ausfarmen von neun einander nahergelegenen, hochproduktiven 8er-Portalen
  2. Ab 14 Uhr in Elberfeld Treffen mit 4 anderen Leuten zum Abriss und Einnehmen der Schlumpf-Portale in der Innenstadt

Gut, nach dem Frühstück fuhr ich also nach Vohwinkel. Wir trafen und in dem Backhaus unter der Schwebebahnendhaltestelle, ich habe da schon einmal einen Kaffee getrunken und wußte demnach, wo das ist. Ein paar Leute, u.a. „MiaRaven“, die die Aktion organisiert hatte, waren schon da, ebenso ihr Mann „Raven42329“. Dieser hatte leckere „Froschmuffins“ gebacken, mit grüner Lebensmittelfarbe und einem Haribo-Frosch oben drauf. Sehr cool, der Mann zelebriert seine Faction, das ist der mit dem Logo auf der Motorhaube.

Frosch-Muffins

Diese Frosch-Muffins hat „Raven42329“ für die Gruppe gebacken. Die waren sogar innen Grün und lecker.

Nach und nach trudelten diverse Leute ein, einer kam aus Leverkusen extra nach Wuppertal. Es waren zu viele, um mir ernsthaft Spieler- und tatsächliche Namen zu merken. Aber „knorki“ und „theftf“, die ich schon zuvor kennengelernt hatte, waren auch da. Wir tranken noch Kaffee, und dann gingen wir an die Aktion, die kleine Farm zu bauen und zu farmen. Ich versuchte natürlich wie immer, möglichst viele Glyph-Hack-Points zu ergattern, was aber nicht so gut klappte, weil ich mich teilweise lieber unterhalten wollte, vor allem mit „theftf“, den ich sehr sympathisch fand. Eine Sache, die mir an ihm gefällt: Er macht, was seine Sympathien angeht, keine Unterschiede zwischen Schlümpfen und Fröschen. Offenbar hat er eine ähnliche Auffassung wie ich, für mich ist Spiel Spiel und Mensch Mensch. Leider sehen das nicht alle so, viele der hiesigen Frösche haben ziemliche Vorbehalte gegen die Schlümpfe und wollen nichts mit ihnen zu tun haben. Vielleicht liegt das einfach daran, dass die Schlümpfe hier so drückend überlegen sind.

Bahnhof Vohwinkel

Der Bahnhof Vohwinkel sieht aus wie eine Kirche.

Irgendwann hatten viele die Farm ausgebrannt, d.h. alle Hacks gemacht, die möglich waren – dann vergehen vier Stunden, bevor man da wieder was machen kann. Also zogen wir weiter und bauten weitere 8er-Portale. Wir kamen zum Bahnhof Vohwinkel, der auf den ersten Blick eher aussieht wie eine Kirche. Auch dort gab es mehrere Portale. Mittlerweile waren allerdings die Schlümpfe aufgewacht und zerstörten unsere kleine Farm. Das nahmen wir nicht weiter tragisch, weil sie ja ausgebrannt war und somit das Ziel der Aktion erreicht war. Ebenso wie die angepeilte, zeitliche Grenze von 13 Uhr. Die Gruppe löste sich am Bahnhof also auf. Ich sprach noch an, dass ich mit anderen „Fröschen“ in Elberfeld verabredet sei, um dort eine Schlumpfenfarm zu zerstören, aber niemand von dem Team hatte Zeit.

Kettenanhänger mit Enlightened- und Ingress-Logo

Diesen schönen Kettenanhänger bekam ich von „Raven42329“ geschenkt, der selbst diverse davon angefertigt hat. Links das Symbol der „Enlightened“ (Frösche) auf der einen Seite, rechts das Ingress-Logo.

Also fuhr ich alleine zum Hauptbahnhof. Ich hätte ganz gerne noch was gegessen, getrunken und einen Restroom aufgesucht, aber ich hatte nicht mehr viel Zeit, das Treffen mit dem zweiten Team war um 14 Uhr geplant. Vor den City-Arcaden wartete bereits vier weitere Frösche auf mich. Zwei davon waren Schwiegervater und Schwiegersohn, die anderen beiden ein junges Pärchen (ich schätzte sie später auf Mitte, Ende 20, aber ich wurde ausgelacht und man fühlte sich geschmeichelt, da war wohl doch schon ne Drei vor dem Komma).

Wie auch immer, wir zogen sofort los und eröffneten das Feuer. Wir arbeiteten uns zum Luisenviertel vor, machten einen Abstecher „bergauf“ (wo ich schon gewesen war), und es gab erst keine und dann lange nur vereinzelt Gegenwehr von den Schlümpfen. Gegen 16 Uhr wollten wir im „Sausalitos“ einkehren, aber die öffneten erst um 17 Uhr, so dass wir noch eine weitere Runde drehten.

Nach 17 Uhr landeten wir doch noch im „Sausalitos“. Ich brauchte jetzt wirklich einen Restroom. Wir orderten eine Runde Cocktails, ich einen „San Francisco“ – alkoholfrei, und Chili Cheese Fries. Wir hatten – von GPS-Problemen im Gebäude mal abgesehen – drei Portale in Reichweite, die wir auf Level 7 gezogen und auf hohe Produktivität gemoddet hatten. Es folgte eine zweite Runde Drinks (für mich ein „Coconut Kiss“ – wieder alkoholfrei). Unsere Portale wurden immer mal wieder angegriffen, und um uns herum waren unsere Portale schon wieder abgerissen und mit vereinzelten, gegenerischen Resonatoren (die Dinger gehören in ein Portal, damit es der einen oder anderen Seite gehört) bestückt. Aber wir konnten unsere drei Portale weitgehend durch Nachladen und Resonatoren ersetzen halten.

Bei meinem dritten alkoholfreien Drink, einem „Fruit Move“, wurde unsere kleine, grüne Insel massiv attackiert. Draußen standen etwa 12 Schlümpfe und ballerten aus allen Rohren. Der Schwiegervater und dessen Schwiegersohn hatten sich schon kurz zuvor verabredet. Der männliche Teil des Pärchens hatte massive Ortungsprobleme (seines GPS, hatte nichts mit den zwei Mai Thai zu tun, die er intus hatte). Seine bessere Hälfte und ich nahmen uns vor, unsere Portale „bis zum letzten Power Cube“ zu verteidigen. Wir schafften das erstaunlich lange, mussten uns aber schließlich der blauen Übermacht geschlagen geben.

Wir bezahlten. Die beiden anderen waren etwas angeheitert. Ich mochte die beiden wohl leiden. Sie wollte unbedingt alles, was draußen an grauen Portalen noch stand, einnehmen. Wir zogen nochmal los in Richtung Luisenviertel, wurden aber von „klabauterstern“ und einer riesigen Schlumpfenhorde abgefangen. Die waren unterwegs, um ihre 8er-Farm, die wir zerstört hatten, wieder aufzubauen. Nach einem kleinen Scharmützel, welches teils verbal, teils virtuell ausgetragen wurde (ich beteiligte mich eigentlich an keiner der beiden Varianten, ein paar von den Sprüchen, den mein Mit-Frosch den Schlümpfen drückte, waren mir auch eher peinlich) sondern wechselte ein paar eher unverfängliche Worte mit „klabauterstern“. Danach wollten wir restlichen Frösche auch langsam nachhause. Die beiden begleiteten mich netterweise noch zur nächsten Schwebebahnstation, wo wir uns verabschiedeten. Also ab zurück zur Klinik.

In Oberbarmen musste ich noch eine Weile auf den Bus warten, also ging ich noch kurz McD für zwei Cheeseburger, eine kleine Cola und ein bisschen Wärme, denn es war ziemlich kalt draußen.

Wieder in der Klinik überlegte ich, noch kurz in den „Pub“ zu gehen. Vielleicht würden da ja die beiden neuen Mädels aus meiner Gruppe oder wer auch immer Kicker oder Billard spielen. Aber ich wollte eigentlich eher in mein Zimmer und in Ruhe bloggen und nicht zu spät ins Bett. Und das tat ich dann auch.

Ich muss jetzt ins Bett. Hier fehlen noch Bilder, d.h. ich mache das dann morgen fertig und veröffentliche es. Bis dann.

Ingress-Stats:

  Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
Letzter Stand 23.819 1.860 km 2.771 1.655 70.316 51.322
Jetzt 25.831 1.877 km 2.781 1.667 70.887 52.128
Delta 2.012 17 km 10 12 565 806
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Tag 11 – Elefanten, die aus Schwebebahnen fallen

Es ist Samstag, nur ein Pflichttermin stand auf dem Programm: Ein Vortrag um 9:00 Uhr. Ich stand um 7:30 Uhr auf und hatte reichlich Zeit zum Frühstücken.

Der Vortrag wurde von einer Therpeutin der psychologischen Abteilung gehalten, die bereits über den „Gefühls- und Bedürfnisnavigator“ referiert hatte. Der Vortrag hatte mir ganz gut gefallen. Diesmal ging es um klassische und operante Konditionierung. Die klassische Konditionierung kenne ich aus dem Biologieunterricht, den pawlow’schen Hund halt. Der hat einem Hund Futter vor die Nase gesetzt, kombiniert mit dem Läuten einer Glocke. Bei dem Hund stellte sich durch den Futter-Reiz Speichelfluss ein. Später – vielleicht nach einigen Wiederholungen der Futter-und-Glocken-Reiz-Kombination löste dann nur noch die Glocke alleine den Speichelfluss aus. Bei Menschen funktioniert das auch. Als Beispiel brachte die Therapeutin, dass sie einmal Achterbahn gefahren sei, als es ihr nicht gut ging, und dass sie ohnmächtig geworden ist. Seither fühlt sie sich schon unwohl, wenn sie nur eine Achterbahn sieht oder darüber spricht.

Das Ganze wurde – natürlich nur oberflächlich – neurologisch erklärt. Der betreffende Teil des Gehirns ist das limbische System, welches für unsere Emotionen zuständig ist, genauer gesagt, die Amygdala. Das Ding kenne ich schon von meiner Psychotherapeutin. Hier können bei extremen oder sich wiederholenden Situationen zwei verschiedene, aber gemeinsam auftretende Reize über eine sich ändernde, synaptische Vernetzung sozusagen verkettet werden. Bei einem traumatischen Erlebnis etwa kann schon eine bestimmter Geruch oder eine bestimmte Farbe, beim Erleben nebenbei wahrgenommen, dieselbe Gefühle von Angst auslösen, auch wenn gar keine tatsächliche Gefahr besteht. Dies alles geschieht völlig automatisch und unbewusst, unterhalb der kognitiven Ebene, auf das Entstehen solcher „Umverdrahtungen“ haben wir auch überhaupt keinen Einfluss.

Anders ist es bei der operanten Konditionierung. Diese ist uns zwar ebenfalls oft nicht wirklich bewusst, und doch führen wir sie durch bewusste Verhaltensweisen herbei. Wenn wir mal eine negative Erfahrung gemacht habe, beispielsweise, als wir um eine Gehaltserhöhung gebeten haben, dann tendieren wir dazu, diese künftig vermeiden zu wollen. Als Beispiel wurde auch das „Nein-sagen“ herangezogen: Viele sagen, wenn sie um etwas gebeten werden, oftmals „ja“ (auch wenn sie eigentlich lieber „nein“ sagen würden), weil sie dadurch eine positive Erfahrung machen, etwa durch Lob. Wenn sie dann doch einmal „nein“ sagen, haben sie womöglich ein schlechtes Gewissen. Ergo bedeutet „nein“ das Ausbleiben einer angenehmen Erfahrung bzw. das Machen einer negativen Erfahrung. Also wird künftig lieber „ja“ gesagt, und diese Verhaltensweise wird so antrainiert, dass auch hier eine neuronale „Verdrahtung“ geschieht, so dass die Verkettung von Ursache und Wirkung später unbewusst abläuft. Durch Vermeiden verstörken wir immer mehr die urspünglich gemachte Erfahrung, bis es ein Automatismus wird.

Beide Arten der Konditionierung sind durchaus funktional. Die Amygdala ist wichtig für das funktionale Angstempfinden zu unserem Schutz – beispielsweise durch das Auslösen einen Fluchtreflexes. Bei akuter Gefahr verliert das Gehirn keine Zeit – da werden sofort Gegenmaßnahmen auf einer Ebene eingeleitet, die sehr viel schneller als alles, was kognitiv abläuft, eingeleitet. Schlecht ist nur, dass diese Verkettung von Gefahr-Reiz und anderen Reizen dysfunktional werden kann, wie eben z.B. bei einem traumatischen Erlebnis.

Auch die operante Konditionierung ist funktional, es ist ja oft sinnvoll, dass wir uns bestimmte Verhaltensweisen so antrainieren können, dass wir sie später automatisch ohne großes Nachdenken beherrschen. Aber durch das Vermeiden bestimmter Situationen durch z.B. eine einmalige, negative Erfahrung nehmen wir uns auch viele Freiheiten. Es ist für uns schlecht, wenn wir nie wieder nach einer Gehaltserhöhung fragen, nur weil wir einmal damit aufgelaufen sind. Oder wenn wir nicht lernen, „nein“ zu sagen. Kurzfristig erreichen wir damit das gewünschte Ergebnis, das Machen einer angenehmen Erfahrung oder das Ausbleiben einer negativen, aber langfristig beschneiden wir uns in unseren Möglichkeiten.

Die gute Nachrichte ist: Egal ob klassische oder operante Konditionierung, die „Verdrahtungen“, die sich dadurch ergeben, lassen sich (wenn auch vielleicht nicht in jedem Fall) auch wieder lösen. Dies ist oft nicht einfach und erfordert Überwindung, denn es geht nur durch Konfrontation. Die Therapeutin sagte, sie wolle z.B. irgendwann einmal wieder Achterbahn fahren, um dann durch die Erfahrung „ich werde jetzt nicht ohnmächtig“ die Verkettung zwischen Ohnmacht (primär ausgelöst durch einen körperlich schlechten Allgemeinzustand) und Achterbahn wieder aufzulösen. Verhaltensweisen, die wir uns unbewusst antrainiert haben, können wir uns auch bewusst wieder austreiben – indem wie bewusst das Vermeiden vermeiden und, auch wenn es uns erst einmal weh tut, z.B. das „nein-sagen“ üben.

Puh. Das war ja jetzt eigentlich schon ein ganzer Artikel für sich. Und der Morgen ist noch nicht einmal zuende…

Nun, nach dem Vortrag war also Wochenende. Der Plan war, nach Barmen zu fahren, um dort unerschlossene Portale zu erschließen. Also holte ich Jacke und Zusatzakku aus meinem Zimmer. Aber ich entschied mich, mal im „Pub“ vorbeizuschauen. Dort spielten ein paar Leute Kicker und Billard, unter anderem die beiden neuen Damen, mit denen ich gestern schon einkaufen war.

Ich konnte in eine Kickerrunde einsteigen, habe anschließend noch jeweils zwei Einzel gegen die beiden neuen Damen gespielt und mich dann noch mit der älteren der beiden (36) unterhalten. Es hat Spaß gemacht, mal sehen, vielleicht werden wir noch zusammen mit einem anderen Kollegen aus der Gruppe zu einer Clique oder so.

Ungeplant blieb ich dann doch bis zum Mittagessen. Ich hatte mich zwar abgemeldet, aber noch meine Essensmarke, also habe ich mir dann doch – nicht ganz korrekt – eine Portion Weiße-Bohnen-Eintopf mit Wurst geholt. War übrigens viel besser als erwartet.

Bookcrossing-Buch

Bookcrossing-Buch in the wild – habe ich für Satay-Spiess fotografiert. Gefunden an der Bushaltestelle Schmiedestraße in Wuppertal-Oberbarmen, aber nicht mitgenommen, weil leider total regendurchweicht.

Anschließend ging ich zusammen mit der jüngeren der beiden neuen Damen (27, und damit die zweitjüngste hier) zur Bushaltestelle und fuhr mit ihr zum Bahnhof Oberbarmen. Ich wollte von da aus weiter mit der Schwebebahn nach Barmen, sie hatte dort eine Verabredung mit jemandem, der ihr ein Rad leihen wollte. Im Bus wollten wir eigentlich eine Tageskarte kaufen, aber der Drucker war kaputt. Ich hatte darauf verzichtet, bei der Sparkasse vorher Geld zu holen, weil mit meine Bus-Begleiterin angeboten hatte, mir etwas zu leihen. Das tat sie dann am Bahnhof Oberbarmen auch. Unnötigerweise eigentlich, weil es dort eine Sparkasse gab und wir für den Bus bis dahin ja nichts bezahlen konnten. Dann hatte ich allerdings das Problem, dass ich kein passendes Geld für den Fahrkartenautomaten hatte. Ich hatte gerade was gegessen, etwas zu essen zu kaufen fiel also aus. Nach einigem Hin und Her ging ich in eine Art 1-Euro-Laden und kaufte ein Sechserpack Teelöffel (ich brauchte eigentlich nur einen für unsere kleine Teeküche). Jetzt hatte ich passendes Geld, ging zurück zur Schwebebahn und löste das Tagesticket.

Blick aus dem Schwebebahn-Cockpit

Blick aus dem Schwebebahn-„Cockpit“

Achtung, Ingress-Absatz!
Bis zur Haltestelle „Alter Markt“, wo mein Ziel lag, waren es nur wenige Stationen. Ich stieg also aus, und… solider Regen. Ich verstärkte und hackte unmotiviert ein paar bereits grüne L5er und verkrümelte mich in eine Bäckerei, wo ich einen Cappuccino und eine Puddingschnecke zu mir nahm.

Danach hieß es „sei kein Frosch“ (ähm…) und raus in den Regen. Es ging durch solide Einkaufsstraßen abseits von Elberfeld. Ich konnte immer ein wenig Schutz unter den Dachvorsprüngen der Geschäfte finden. Die Portaldichte konnte sich sehen lassen, und ich wollte im Wesentlichen Unique Visits sammeln. Ein Portal war durch einen gelben Ring als Startportal einer Mission gekennzeichnet. Hm – halbe Stunde Dauer, nur eine Handvoll Portale nicht-sequenziell hacken – mache ich. Das ließ sich mit dem Vorhaben, einfach nur die Unique Visits zu sammeln auch gut kombinieren.

Tuffi, der Elefant, der aus der Schwebebahn fiel

Skulptur von „Tuffi“, dem kleinen Elefanten, der aus der Schwebebahn in die Wupper fiel.

Irgendwann kam ich zu der Skulptur eines kleinen Elefanten. Ich wusste, dass die irgendwo in Barmen steht, weil ich davon schon mal ein Foto im Chat gesehen hatte. Dabei handelt es sich um ein Bildniss von „Tuffi“, einem kleinen Elefanten, der 1950 aus der Schwebebahn in die Wupper fiel. Ein Ereignis, von welchem ich schon als Jugendlicher in den 80ern durch das beliebte Quizspiel „Trivial Pursuit“ gehört hatte. Da gab es eine Frage, welcher Passagier da in die Wupper gefallen ist, und die Antwort lautete „ein kleiner Elefant“. „Tuffi“ war zu der Zeit vier Jahre alt und sollte mit der Schwebebahn zu PR-Zwecken zu Fotoaufnahmen geschafft werden. Er fühlte sich aber sichtlich unwohl, randalierte und trompetete im Wagen herum, löste eine Panik unter den anwesenden Reportern aus und brach schließlich durch ein Fenster. Den Sturz in die Wupper überlebte „Tuffi“ mit ein paar Schrammen fast unverletzt. Der Zirkusdirektor und der Repräsentant der Verkehrsbetriebe, der die Fahrt erlaubt hatte, erhielten von einem Gericht eine Geldstrafe in Höhe von 450 D-Mark mit der Begründung, die Schwebebahn sei als Transportmittel für Elefanten ungeeignet. Inzwischen ist „Tuffi“ ein beliebtes Maskottchen der Verkehrsbetriebe und auch des Stadtmarketing, man kann ihn etwa als Plüschtier bekommen. Und natürlich ist es ein Portal.

Kaiserwagen

Der original erhaltene, historische „Kaiserwagen“ der Schwebebahn, der u.a. auch für Trauungen gebuchte werden kann.

Achtung, Ingress-Absatz!
Nun, es ging weiter bis zum Ende der Einkaufsstraße, wo ich ein bisschen ausscherte, um eine Handvoll blauer Portale zu übernehmen. Danach ging es, mehr oder weniger auf demselben Weg, wieder zurück. Allerdings mache ich ein paar Schlenker, ich kam z.B. zum Johannes-Rau-Platz (der zwar nur 1969-1970 Oberbürgermeister von Wuppertal, aber immerhin 20 Jahre Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen gewesen ist, achja, und auch Bundespräsident mal). Da steht auch das Barmener Rathaus. Naja, alles nicht so wahnsinnig aufregend, aber ich hatte die Mission abgeschlossen und einiges an Material und Glyph-Hack-Points ergattert.

Schwebebahntrasse

Ein Stück Schwebebahntrasse über der Wupper bei Barmen

Es war schon etwa halb fünf, und ich entschied mich, noch ein wenig in die Innenstadt nach Elberfeld zu fahren, dort in der blauen 8er-Farm paar Glyph-Hack-Points zu sammeln und was zu abend zu essen. Also rein in die Schwebebahn und am Hauptbahnhof raus.

Das Wetter, welches sich zwischenzeitlich gebessert hatte – sogar die Sonne zeigte sich – wurde wieder schlechter. Ich ging zunächst zu Saturn beim Rathaus und kaufte ein HDMI-Kabel. Ich hatte nicht daran gedacht, eins mitzunehmen, und ich möchte vielleicht mal meinen Laptop an einen der Fernseher im Gemeinschaftsraum anschließen, um mit paar Leuten einen Film zu schauen. Danach ging ich wieder im Café Extrablatt was essen, wieder panierte Hühnerbrustfiletstreifen mit Wedges und Pizzabrötchen. Es gibt da so ne Art Vorzelt mit Heizstrahlern, da hielt ich mich auf.

Es ging auf 19 Uhr zu, und das Wetter war schlecht. Also beschloss ich, nachhause zu fahren. Viel gespielt hatte ich in Elberfeld nicht, nur auf den Wegen. Wenn man Regenwasser auf dem Schlaufon-Display hat, kann man ohnehin kaum Glyphen lösen, weil die Berührung des Fingers auf dem Display gestört wird.

Also rein in die volle Bahn und zurück nach Oberbarmen, von da mit dem Bus zurück zur Schmiedestraße und zu Fuß zur Klinik.

Hier checkte ich kurz den „Pub“, ob die neuen Mädels hier vielleicht herumhingen, dem war nicht so. In der Lobby guckten ein paar Mitpatienten einen mir unbekannten Film mit Channing Tatum auf einem Laptop. Ich entschied mich, nicht sofort auf mein Zimmer zu gehen, sondern noch einen Tee zu trinken und in der Sitzgruppe bei unserer kleinen Teeküche noch etwas zu lesen. Neben dem „Café Dallucci“, wo man div. Kaffee, Latte, Cappuccino und Gebäck kaufen kann, gibt es eine kleine, offene Teeküche. Halt ein Wasserkocher, eine Spüle und Regale, auf denen man seine Tasse und seinen Kaffee/Tee aufbewahren kann. Bisher hatte ich das nicht genutzt obwohl ich, wie in den Unterlagen emfohlen, einen eigenen Becher mitgebracht hatte. Aber mittlerweile habe ich Teebeutel, Instantcappuccino und seit heute auch eigene Teelöffel.

Es war ganz angenehm, dort zu sitzen, zu lesen und Tee zu trinken (es blieb nicht bei einem). Irgendwann tauchte ein hübsches, junges Mädchen (echt noch Mädchen, nicht junge Frau) auf, vielleicht 12 Jahre alt oder so, ihre Eltern im Schlepptau. Das waren wohl ein Mitpatient und seine Familie. Das Mädel fand ich irgendwie klasse, sie machte einen aufgeweckten, munteren Eindruck. Ich glaube, die ist noch kein richtiger Teenie. Jedenfalls freute sie sich einen Ast ab, als ihr Vater sie dann mit zum Billardspielen in den „Pub“ nahm. Zuvor hatte sie interessiert zugehört, was ich über mein Buch „Breaking News“ erzählt hatte (in dem es um den Nahostkonflikt zwischen Mitte der 30er-Jahre bis heute über vier Generationen von zwei jüdischen Familien geht).

Aber dann wurde es doch Zeit, mein Zimmer aufzusuchen, um zu bloggen. Zuvor habe ich allerdings noch zwei E-Mails beantwortet.

Das war’s dann für heute. Bis bald.

Ingress-Stats:

  Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
Letzter Stand 22.627 1.849 km 2.720 1.647 70.018 51.232
Jetzt 23.819 1.860 km 2.771 1.655 70.316 51.322
Delta 1.192 11 km 51 8 298 101
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Tag 10 – Marokkanisch angehauchte Küche in Gasometerstraße 5

Tja, heute hatte ich dann wirklich Frühsport, und ich stand also um 7:10 Uhr auf, um da um 7:30 Uhr anzutreten. Wieder einmal habe ich es nicht sehr geliebt – gelinde ausgedrückt.

Danach ging es in den Sportklamotten zum Frühstück. Ein Brötchen, eine Schale Müsli, eine Kiwi, zwei Kaffee waren der Treibstoff für den Start in den Tag.

Dann hatte ich noch Zeit für den Spaziergang zum Kreisel.

Anschließend war eine Sitzung in der therapeutischen Gruppe angesagt – die letzte mit dem Vertreter unserer Bezugstherpeutin. Sie fand in Raum London statt, weil wir eine echt große Gruppe waren. Zum ersten Mal waren einige Neuankömmlinge von gestern (Donnerstag) mit dabei, und die vier Leute, die uns kommende Woche verlassen, waren auch noch dabei. Korrektur – ich erfuhr, dass eine junge Dame noch eine Woche verlängern wird. Was ich mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen habe. Einerseits ist es eine sehr, sehr hübsche, junge Frau (sie erinnert mich eine eine jüngere Catherine Zeta-Jones), und ich glaube, ich kann sie auch gut leiden, so dass ich mich über die Verlängerung ihrer Gesellschaft freue. Aber es tut mir leid für sie, weil es ja bedeutet, dass sie noch nicht so weit ist. Obwohl sie auch oft lächelt habe ich sie auch schon mit so traurigem Gesichtsausdruck gesehen, dass es fast weh tat.

Ähm… wo war ich? Achja, in Wuppertal. Genauer gesagt, in London. Die neuen Mitglieder stellten sich erst einmal vor, ansonsten hatte die Runde eher Vortragscharakter. Der Therapeut referierte über das Thema „Psychatrie“, und wie wenig Ottonormalbürger davon ein korrektes Bild hat. Ich glaube, er wollte wegen der großen Gruppe und der Neuen keine Hardcore-Sitzung veranstalten, zumal es eh sein letzter Termin mit unserer Gruppe E war.

Bild im Gang

Dieses Bild habe ich fotografiert, weil es ziemlich viele typische Aspekte und Merkmale eines Aufenthaltes hier zusammenfasst: Den Joggingschuh oben links für den Sport, den allgegenwärtigen Desinfektionsmittelspender rechts davon, Wecker und Medikamente, das Dr-Becker-Klinik-Logo, Walking-Stöcke, Cappuccino, Taschentücher für die Tränen, die hier oft fließen, der Regen (Wuppertal ist eine der regenreichsten Städte Deutschlands), der Golfschläger für die Golfanlagen rundherum, und die Wasserflaschen, die hier verkauft werden und die fast jeder hat.

Danach gab es Mittagessen, bei mir Fisch mit Reis. War okay, aber nicht berauschend.

Um 13 Uhr war dann Patientenforum, d.h. die Neuankömmlinge der Woche wurden begrüßt, der Kummerkasten besprochen, neue Patientensprecher gefunden, das Übliche, habe ich letzte Woche ja schon genauer beschrieben.

Einer der Neuankömmlinge aus der IT (Admin) wollte sich nicht mit den Erklärungen der Klinikleitung abfinden, warum es hier kein WLAN für die Patienten gibt (nur ein Netzwerksystem, nur eine Leitung, deswegen Datenschutzbedenken, wenn dasselbe Netz, welches Patientendaten enthält, von Patienten genutzt wird). Das hat mich erst genervt. Obwohl er auch ein Stück weit recht hat: Möglich ist grundsätzlich erst mal alles. Wozu gibt es denn Firewalls? Wahrscheinlich wollen die eher ihre Bandbreite nicht mit 200 Patienten teilen, was ich auch verstehen kann. Ich dachte, hey, das ist hier kein Hotel, finde Dich damit ab. Andererseits habe ich leicht reden, ich kann ja sowohl in meinem Zimmer als auch in der Lobby ganz ordentlich mit meinem Handy ins Netz, das Glück hat aber nicht jeder. Ich würde das wohl auch anders sehen, wenn das nicht der Fall wäre. Außerdem… irgendwie muss man es auch realistisch sehen: Das Internet gehört fast schon zur Grundversorgung wie der Zugang zu Telefonen, elektrischem Strom oder fließend Wasser. Je jünger die Leute, desto mehr trifft das zu. Fünf oder sechs Wochen ohne Internet… geht gar nicht. Obwohl es ja auch ein öffentliches Terminal hier in der Lobby gibt (eins für über 200 Patienten, aber Schlangen habe ich davor nie gesehen, wohl aber viele Leute, die mit ihren Smartphones in der Lobby herumspielen, also wohl doch einigermaßen Empfang haben). Insofern ist eine gewisse Grundversorgung ja abgedeckt.

War also nicht allzu spektakulär. Anschließend war Sport & Bewegung angesagt. Es gab eine Einheit Pilates (auf niedrigem Niveau, wobei es bei den verschiedenen Übungen teilweise verschiedene Schwierigkeitsgrade gab, von denen man das für sich passende aussuchen sollte). Die Therapeutin erzählte, dass der Erfinder der Methode in New York Tänzer von Broadway-Musicals damit trainierte, was auf Wikipedia in etwa so auch nachzulesen ist. Ich fand es recht anstrengend und wieder mal frustrierend, weil einiges nicht ging. Eigentlich sind diese Sport-Geschichten, die bei mir immer für viel Frust sorgen, auch ein ideales Trainingsfeld für den Umgang mit meinen psychischen Problemen. Darüber muss ich noch mal mit meiner Bezugstherapeutin sprechen. Es wäre echt ein Erfolg, wenn ich damit umzugehen lernte.

Anschließend hatten wir mit der kompletten Gruppe E MAT in Raum Madrid bei der Therpeutin, bei der ich bisher zweimal Kunsttherapie gehabt hatte. MAT bedeutet „Mentale Aktivierung“ und ist immer ein Training für die „kleinen, grauen Zellen“. Für mich auch noch ein Novum. Die heutige Übung hieß „Zürich“. Der „Eingabekanal“ war rein über das Hören und damit der Schwierigste, wie die Therapeutin sagte. Sie las etwas vor, und es ging darum, das gehörte zu behalten. Dabei ging es um einen Aufenthalt in Zürich. Zunächst wurden Hotelzimmerangebote vorgestellt, mit Hotelnamen, Preisen, Ausstattung der Zimmer oder der Hotels, Adresse, Telefonnummer und Web-Adressen. Anschließend fragte die Therapeutin z.B. nach dem Preis des Zimmers, oder nach Straße und Hausnummer des Hotels. Man konnte sich melden, wenn man die Antwort wusste. So ging es paketweise erst durch verschiedene Hotels, danach zum Shopping (auch mit Adressen und der Anbindung von Tram-Linien und was es jeweils zu kaufen gab), schließlich zu gastronomischen Angeboten. Zwischendurch wurde dann auch mal wieder nach der Adresse oder dem Namen des Hotels gefragt, wo wir – imaginär – abgestiegen waren. Schwierig. Die Telefonnummern habe ich immer vorbeirauschen lassen, das würde eh nicht klappen, und dann hätte ich mir gar nichts merken können. Ich konzentrierte mich immer nur auf ein paar ausgewählte Informationen.

Im anschließenden Gespräch hab ich das so verstanden, dass das genau die richtige Strategie war. Und das manche sich besser Zahlen, andere besser z.B. Orte merken können. Und dass man sich natürlich insgesamt besser Sachen merken kann, die einen interessieren. Und nochmals, dass die rein akustische Aufnahme von Informationen am schlechtesten funktioniert, sie meinte, wenn wir es selbst gelesen hätten, hätten wir uns z.B. mehr merken können. Was ich immer noch weiß ist die Gasometerstraße 5, in der es ein Restaurant mit marokkanisch angehauchter Küche gab.

Abgesehen von der um 19 Uhr angesetzten Wochenplanung, die irgendwie so eine Pseudo-Pflicht ist (es wird gerne gesehen, dass die Gruppen insbesondere den Neuankömmlingen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aufzeigen und vielleicht auch schon eine Themenauswahl für die Gruppentherapie in der kommenden Woche überlegen – aber es kontrolliert keiner und funktioniert einfach in unserer Gruppe auch nicht gut bisher) hatten wir Feierabend. Einer von den kommende Woche abreisenden Kollegen erklärte das den Neuankömmlingen, aber die hatten unter sich schon einige Pläne gemacht. Die wollen am Sonntag z.B. in den Zoo. Ich hätte auch Lust, mitzukommen, aber ich habe mich schon mit ein paar Fröschen zum Ingress in Elberfeld verabredet.

Ich verabredete mich mit einer der neuen Damen zum Einkaufen im „Kaufpark“, etwa 20 Minuten zu Fuß entfernt. Ist ein REWE, wenn ich nicht irre. Zuvor war ich da noch nie gewesen. Vorher hatte ich noch etwas Zeit, die ich mit einem Buch in der Lobby nutzte.

Wir gingen dann zu viert los, zwei junge Damen (27 und 36 Jahre alt) von den Neuen, und ein gleichaltriger Mitpatient, ebenfalls aus unserer Gruppe E. Wir unterhielten uns ganz angeregt und kauften dann ein, Süßigkeiten, Taschentücher, Instantkaffee und solche Dinge. Bei mir gab es u.a. Schokolade, Nüsse und Kekse.

Einkäufe

Hm… ich bitte um Entschuldigung für langweilige Bilder wie dieses. Aber ich finde, selbst langweilige Bilder lockern einen langen Text auf und sind besser als keine…

Anschließend ging es zurück in die Klinik, nachdem ich noch ein Portal in der Nähe des Supermarktes bearbeitet hatte. Abendessen war angesagt.

Nach dem Abendessen lungerte ich noch ein wenig in der Lobby herum, unterhielt mich noch eine Weile mit einem Gruppenkollegen und schaute, ob mich irgendwelche Leute und deren Aktivitäten dazu reizten, mich irgendwie einzubringen. Dem war nicht so. Ich glaube, ich müsste da vielleicht schon selber die Initiative ergreifen und irgendwas vorschlagen. Mal sehen, vielleicht geht mit den neuen Leuten in Zukunft irgendwas. Allerdings… ich merke einfach, dass ich auch nur begrenzt motiviert bin, hier großartige Beziehungen aufzubauen. Ich habe keine Lust, dem hinterher zu hecheln und viel zu investieren. Entweder, es ergibt sich etwas, oder halt nicht. Aber vielleicht sollte ich auch das mal mit meiner Bezugstherapeutin besprechen.

Also ging ich auf mein Zimmer, chattete mit hiesigen Fröschen, spielte ein bisschen Quizduell, hackte die Rezepte aus der Lehrküche (meine Schwester wollte die haben) und dann diesen Eintrag hier in den Blog.

So, für heute war es das. Morgen habe ich geplant, mal Barmen, einen anderen Stadtteil ingress-mäßig zu erschließen. Vielleicht treffe ich dort ja auch wieder ein paar Spieler. Verabredet bin ich erst für Sonntag in Elberfeld. Aber wenn sich irgendwas ergibt, was man mit netten Leuten machen kann, dann würde ich auf den Tag Ingress auch gerne mal verzichten.

Bevor es ins Wochenende gibt, steht noch ein Vortrag auf dem Programm, ich weiß gerade nicht, was genau das ist, müsste am schwarzen Brett stehen. Auf jeden Fall gehe ich hin.

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Obstsalat

Zutaten für 4 Personen:

1 Banane
2 Apfelsinen
2 Äpfel
2 Kiwis
Zitronensaft, Orangensaft

Zubereitung:

  • Obst gründlich waschen und je nach Belieben in Scheiben oder Würfel schneiden
  • damit das Obst nicht braun wird, mit Zutronensaft beträufeln und durchmengen
  • Je kleiner Sie das Obst schneiden, desto süßer wird der Salat

Nährwertangaben pro Portion (ca. 200g):
136 kcal; 2g Fett; 28g Kohlenhydrate; 2g Eiweiß

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Powerauflauf

Zutaten für 4 Personen:

200g Getreidekörner (ganz)
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Olivenöl
320g Blattspinat (TK)
500g Tomaten (Dose oder frisch)
130g Feta/Käse
Petersilie, Salz, Pfeffer, Oregano, Basilikum, Muskatnuss, Zucker

Zubereitung:

  • Eingeweichten Dinkel garen (1/2 Std. im normalen Topf)
  • Backofen vorheizen auf 200°C Ober- und Unterhitze
  • Zwiebel und Knoblauch putzen und in feine Würfel schneiden
  • Bei den Tomaten Strunk entfernen und würfeln
  • Feta mit den Händen in grobe Brocken brechen
  • 2 Pfannen mit Öl erhitzen, Zwiebel und Knoblauch aufteilen und darin goldbraun dünsten
  • In die eine Pfanne Spinat geben und mit Muskatnuss und Salz würzen
  • Passierte Tomaten in die andere Pfanne geben, würzen mit Pfeffer, Salz, Basilikum, Oregano und 1 Prise Zucker
  • Getreide in Tomatenpfanne geben und gut durchrühren, Tomatenwürfel hinzufügen
  • Masse in eine Auflaufform füllen, darüber Spinat schichten
  • Feta überstreuen und 15 min. im Ofen backen, evtl. mit Grillfunktion

Nährwerte für 1 Person:
324 kcal; 17,4g Einweiß; 11g Fett; 35,6g Kohlenhydrate; 8,2g Ballaststoffe

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Bunter Salat

Zutaten für 4 Personen:

1 Eisbergsalat
1/2 Gurke
2 Tomaten
50g Mais
50g Paprika

Senfvinaigrette:

2 EL Essig
1 Hand Petersilie
1 EL Senf
2 EL kaltgepresstes Öl, z.B. Raps- oder Sonnenblumenöl
Zucker, Salz, evtl. Pfeffer

Zubereitung:

  • Eisbergsalat waschen und schneiden
  • Gurke waschen, längs vierteln und in feine Scheiben schneiden
  • Tomate waschen und in Würfel schneiden
  • Den Mais abtropfen lassen
  • Paprika waschen und in Stücke schneiden
  • Alles in einer Salatschüssel vermengen und kurz vor dem Servieren das Dressing darüber geben

Für die Soße:

  • Erste Essig mit Gewürzen mischen. Den Senf dazu geben und dann das Öl. Ein Salatblatt in die Soße tunken und so abschmecken

Tipp: Senf, Meerrettich und Tomatenmark verbinden Essig und Öl

Nährwertangaben pro Portion:
53 kcal; 7,8g Eiweiß, 6,4g Fett; 9,6g Kohlenhydrate

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