Wuppertal, Tag 4, Teil 1: Morgendliches Schneckenstechen

Der Wecker piepte heute verhältnismäßig spät, erst um 7:45 Uhr, aber ich war schon seit halb acht wach. Ich beantwortete ein paar Quizduell-Fragen und stand auf. Gestern hatte ich fast noch eine Stunde vor dem Schlafen mit meinem Handy auf dem Bett gelegen, Quizduell gespielt und gechattet – es waren eine Menge Leute, die ich kenne, online.

Also, ab zum Frühstück, ein Brötchen mit Konfitüre und eine Kiwi, danach ab zum Walken. Es war eine riesige Gruppe, es gab auch nicht Stöcke für alle, andere wollten ohnehin eher „ohne“. Ich ergatterte den letzte Satz in weiß, color-coding für die Länge, die ich brauche. Wir hatten zwei Sporttherapeutinnen, die dann zwei Gruppen bildete, eine langsamere für eine kurze Strecke, und eine schnelle. Ich entschied mich für die schnelle. Schließlich muss ich das abchecken, ob das für mich das Richtige ist. Drei Leute wollten noch schneller und noch länger und ihren eigenen Weg gehen, was sie auch durften. Um es vorweg zu nehmen: Die Anforderung war kein großes Problem, genau richtig. Bringt mich nicht an meine Grenzen, reicht aber, um Fitness aufzubauen. Ich denke, Puls meistens im aerobischen Bereich. Bergab ziepen die Knie und Fußgelenke ein bisschen. Ich bin diese Berge halt nicht gewohnt. Bergauf kamen ein paar wenige in der Gruppe an ihre konditionellen Grenzen, das ist kein Problem. Hinterher, und das hatte ich auch schon beim ersten Mal, protestierte das linke Knie (und der linke Oberschenkel, wo ich mich ja auf der Chorfreizeit verletzt hatte), wenn ich das Knie ganz anziehe. Das geht im Laufe des Tages wieder weg, aber ich muss mal mit meiner Ärztin darüber sprechen.

Kurz nach dem Start verkündete ich, ich sei jetzt eine Stockente. Meine Schwester hat so einen Kommentar unter den Beitrag geschrieben, in dem ich von der Walking-Einführung berichtet habe. Unsere Sporttherpeutin meinte, das hätte sie auch noch nicht gehört, ihr sei wohl „Schneckenstecher“ geläufig. Auch nicht schlecht! Es ging zunächst über den Golfplatz (also natürlich auf dem Weg durch die von den „Pingpong-Menschen“ (wie eine Mitpatientin gestern am Abendbrottisch die Golfer bezeichnete) genutzten Flächen und dann in den Wald. Erst, wie immer steil bergab (wo ich so meine kleinen Problemchen habe) und am Ende steil bergauf. Insgesamt lt. meiner Bikecomputer-App 4,7 km in ca. 40 Minuten.

Walking-Strecke

Die heutige Schneckenstecherstrecke. Die Geschwindigkeitsangabe ist wahrscheinlich Blödsinn.

Okay, wieder in der Klinik (ich habe eben schon „zuhause“ getippt) schnell aufs Zimmer, raus aus den durchgeschwitzten Klamotten, und ab unter die Dusche. Frisch geduscht und angezogen an den Laptop, diese paar Zeilen tippen.

Und nun? Erst mal schauen, ob ich mir ne Tageskarte für die Öffis besorgen kann. Dann ab zum Kreisel, von da zum Bahnhof Oberbarmen, da mal am Automaten die Kosten für Zugfahrten in die Nachbarstädte checken, dann entscheiden, ob ich irgendwo anders hinfahre oder einfach nur die Schwebebahn nehme und mich – Pegida hin oder her – in Wuppertal umsehe. Mal sehe, was ich heute abend berichten kann. Bis denne.

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Tag 3 – Gruppentherapie: feucht, aber nicht fröhlich

Hallo aus dem schönen Oberbarmen. Mein Tag begann heute um halb sieben. Um 7:30 Uhr hatte ich Frühsport, also dachte ich, besser vorher um siebenhundert Frühstücken. Unter der Dusche dachte ich wieder: Fehler, ich habe doch einiges an Sport heute, besser hinterher duschen!

Nach dem Frühstück also in die Turnhalle in den Keller. Lockeres Aufwärmen, danach ein paar Dehnübungen. Insgesamt nur 30 Minuten, das war es dann schon. Im Prinzip werden hier die drei Basis-Erfordernisse der physischen Ertüchtigung abgedeckt: Ausdauer, Beweglichkeit und Kraft. Ersteres z.B. durch Walking, zweiteres durch Dehn-, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, letzteres durch Zirkeltraining im Fitnessraum. Mittlerweile wurde ich in alle drei Spielarten zumindest eingeführt.

Nach dem Frühsport stellte ich fest, dass ich auch eine halbe Stunde länger hätte schlafen können, weil danach genauso 30 Minuten Zeit zum frühstücken sind, wie davor. Groß in Schweiß bin ich nicht gekommen, so dass eine weitere Dusche entfallen konnte. Der nächste Termin war um 10 Uhr, so dass ich die knapp 900 Meter (habe ich nun mit dem Handy genau abgemessen) bis zum Kreisverkehr ging, um dort meinen „Hack des Tages“ zu machen. Danach gab es noch einen Café Latte, und um 10 Uhr zur ersten Gruppentherapie in meiner Gruppe.

Nun, was in der Gruppe gesagt wird, bleibt natürlich in der Gruppe. Aber ich kann mal grob erzählen, was so ungefähr war. Zuerst sprach die Therpeutin mit, bzw. über ein Gruppenmitglied, die kommende Woche die Klinik verlassen wird. Die hat hier viel erreicht und wird die Klinik mit dem nötigen Rüstzeug, sich auch künftig ihren Problemen zu stellen, verlassen. Dann erzählte ein anderer Patient seine Lebensgeschichte. Das war nicht ohne, es flossen einige Tränen, bei ihm selbst, aber auch bei einigen anderen. Es wurde noch viel über das Thema „Ängste“ im Kontext zu den Problemen einzelner Patienten aus der Gruppe gesprochen.

Insgesamt ist die Klinik sehr stark auf Gruppentherapie ausgerichtet. Es gibt pro Woche und Patient nur eine begleitende Einheit im Einzelgespräch mit dem Bezugstherpeuten, aber mehrere in der Gruppe. Es gibt natürlich diverse Klischees durch Filme wie „Die Wutprobe“ zu solchen Gruppensitzungen. Ich finde es erst einmal sehr interessant. Es kann schon emotional sehr anstrengend sein. Es bildet sich leicht der Eindruck, die eigenen Probleme seien vergleichsweise harmlos mit den eigenen, aber das kann sehr leicht täuschen, denn wie man mit seinen eigenen Problemen klar kommt, ist nun einmal sehr individuell. Die Pakete, die wir zu tragen haben, sind eben unterschiedlich schwer, aber genauso ist das, was wir individuell zu tragen imstande sind, eben auch unterschiedlich.

Leider hat unsere Therapeutin in der kommenden Woche Urlaub, so dass sie vertreten wird. Nach zwei Stunden Gruppentherapie gab es Mittagessen. Lachsfilet mit Tomatensauce und Reis in meinem Fall. Ich hatte wieder nur eine halbe Stunde Zeit zum essen (weniger, weil das Anstellen und Essen aufgabeln schon weitere zehn Minuten brauchte), denn danach war für alle Neuzugänge seit Dienstag noch eine Begrüßung durch die Chefärztin und jeweils einen Repräsentanten jeder Fachrichtung (Pflege, Sporttherapie, Ergotherapie etc.) angesagt. Es gab natürlich zum vierten Mal eine Einweisung in die Hausordnung. Anschließend war für alle Patientenforum, sozusagen Vollversammlung. Diese wird von den Patientensprechern geleitet. Die Tagesordnungpunkte sind im Wesentlichen das Verabschieden der in der kommenden Woche abreisenden Patienten, die dann noch Gelegenheit haben, sich beim Stab zu bedanken und etwas vorzutragen, das Verlesen von Lob, Kritik und Anregungen aus einem Kummerkasten, und die Aufstellung von neuen Patientensprechern. In diesem Fall bleibt einer der beiden vorigen im Amt, und wir haben eine neue Sprecherin. Es musste nicht gewählt werden, weil es ohnehin nur mit Müh und Not eine Kandidatin gab. Die Aufgaben der Sprecher sind die Hausführung am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag für die Neuanreisenden, das Sichten der Zettel im Kummerkasten (und das Einholen der Antworten von der Klinikleitung) sowie das Leiten des Patientenforums. Ich denke, ich werde den Job auch mal eine oder zwei Wochen übernehmen, sofern man mich will, aber nicht unbedingt gleich kommende Woche.

Anschließend hatte ich nur kurz Pause, denn um 14 Uhr folgte „Sport und Bewegung“, wieder in der Turnhalle. Auf dem Programm standen Gleichgewichts- und Koordinationsübungen. In der Halle war ein Parcours aufgebaut: Kegel, um die man im Slalom herumlaufen sollte, Ringe, in die man zu treten hatte, Seile auf dem Boden, über die es zu laufen galt, und so komische, nachgiebige Dinger, die schwer zu beschreiben sind, über die man laufen musste. Erst zwei Runden gehen, dann laufen, dann rückwärts gehen. Danach das vorwärts gehen und dabei einen Tennisball in der rechten Hand hochwerfen und auffangen, dann dasselbe mit der linken Hand. Danach galt es, im Stehen, mit einer Hand ein Seil rotieren zu lassen und mit der anderen einen Ball hochzuwerfen und wieder aufzufangen. Dann Handwechsel, Ball und Seil vertauscht. Dann das Ganze erst auf dem rechten, dann auf dem linken Bein stehend. Dann das ganze mit einem Sandsäckchen auf dem Kopf, das nicht runterfallen sollte. Dann mit einem Partner, gleichzeitiges Ballzuwerfen mit rechts, mit links, prellend, nicht prellend, mit Sandsäckchen auf dem Kopf. Schließlich ein Kreis mit allen, im Kreis Tennisbälle gleichzeitig dem rechten Nebenmann/-frau zurollen, rechtsrum, linksrum. Dann das gleiche, aber Sandsäckchen zuwerfen. Klingt öde, hat auch nicht immer ganz so toll funktioniert, war aber ganz lustig.

Nach dem Sport hatte ich eine Weile Zeit, ich nahm einen Kaffee und eine Mandelecke und las die „Bunte“, die irgendwo rumlag. Irgendwo muss ich mich ja über Flolene Fischereisen informieren. Öhm… gerade überlege ich, wie das auch heißen könnte… Helrian Silberfisch… echt, ’n Brüller! Egal. Nach dem Sport ist vor dem Sport. Um 15:30 hatte ich „Fitnessraum Einführung“.

Gut, wir standen also mit ca. 14 Leuten in der Muckibude, in der sich fast ebensoviele Trainingsgeräte befanden. Alles Geräte mit einstellbaren, hydraulischen Widerständen, ohne Gewichte. Maschinen zum Training der verschiedenen Muskeln, Arme, Beine, Schultern, Rücken, Bauch. Außerdem ein Ergometer, ein Laufband und ein Crosstrainer sowie drei Trainingsmatten zu verschiedenen Zwecken. Eine normale Fitnesseinheit wird als Zirkeltraining durchgeführt, was die Ausdauer-Maschinen (Ergometer, Laufband, Crosstrainer) normalerweise nicht mit einschließt. An der Decke ist eine fernbedienbare Rundumleuchte angebracht, wenn die vom Trainer eingeschaltet wird, heisst das, Station wechseln. Wer ein Gerät z.B. von Rücken- oder Knieschmerzen absolut nicht nutzen kann, kann zur Not auf eine der Ausdauer-Maschinen ausweichen. Außerdem steht der Fitnessraum den Patienten natürlich auch sonst zum Training (nach 17 Uhr) zur Verfügung, aber hier gilt die drei-Leute-Regel. Nachdem die Sporttherapeutin jedes Gerät demonstriert hatte, durften wir selbst alle Geräte einmal ausprobieren. Ich denke, ich kann alle benutzen, zumindest, wenn ich den Widerstand nicht zu hoch einstelle.

Anschließend war Abendessen angesagt. Heute gab es verschiedene Salate, u.a. einen Reissalat mit Currysauce und Fleisch, Wurstsalat, vegetarischen Reissalat. War ganz lecker. Anschließend stand „Wochenendplanung“ (selbst) auf dem Programm, HS1 London. (Das bedeutet soviel wie Haus 1, Raum London – das ist im Therapiezentrum, dort heißen viele Räume nach europäischen Hauptstädten.) Ich war um 19 Uhr da – aber sonst keiner, und der Raum war auch abgeschlossen. Man sagte mir, das fände in Wuppertal II statt (einem Raum neben dem Speisesaal im EG, in dem meine Bezugstherapeutin bevorzugt ihre Gruppensitzungen abhält), hier saßen nur zwei Leute aus meiner Gruppe. Ich wurde aufgeklärt, dass der Termin wohl eher pro forma sei und ihn wohl kaum jemand wahrnähme. Allerdings unterhielt ich mich noch eine Weile mit meinem einen Kollegen aus der Gruppe.

Damit war also nun Feierabend. Ich wusste, dass sich ein paar Leute, mit denen ich beim Abendessen am Tisch gesessen hatte, sich zum Kickern und Billard im „Pub“ im Keller verabredet hatten, darunter auch welche aus meiner Gruppe. Ich schaute also dort vorbei, guckte eine Weile zu und hatte auch Gelegenheit, zwei Runden zu kickern. Es gab da so eine 5er-Clique, die viel Spaß hatte, aber ich fühle mich da (noch?) nicht so richtig zugehörig. Mal sehen.

Bisher fühle ich mich zwar jeden Tag etwas wohler, so langsam bin ich halt angekommen. Aber auch wenn ich ein paar Leute sympathisch finde, so richtig dazu gehöre ich bisher noch nicht. Allerdings finde ich das nicht so schlimm. Schließlich bin ich noch nicht so lange da, und da mache ich mir keinen Stress. Natürlich wäre es schöner, Anschluss zu haben, aber ich kann mich auch noch eine Weile zur Not alleine beschäftigen.

Tja, inzwischen bin ich halt wieder in meinem Zimmer, blogge und gehe wohl gleich ins Bett. Ich kann wohl bis 7:30 Uhr schlafen, danach frühstücken und dann walken gehen. Anschließend ist dann Wochenende.

… und meine Wochenendplanung?

Noch keine ganz konkrete Ahnung. Das Wetter soll leider nicht so schön werden. Es wurde davor gewarnt, morgen in die Wuppertaler Innenstadt zu fahren, weil es dort eine große Pegida-Demo inklusive Gegendemo geben wird – mit angeblich 1.000 Polizeikräften. Vielmehr wurde empfohlen, nach Düsseldorf oder Köln zu fahren. Hm. Ich denke, mit meiner Bahncard kann ich recht günstig beide Städte erreichen. Hm… Köln ist mir doch mit einer Bahnfahrt von ca. 1:40 h zu weit weg – in der Zeit komme ich auch nach Osnabrück! Düsseldorf wäre etwa in einer Stunde zu erreichen. Sohlingen wäre noch ’ne Möglichkeit.

Wie auch immer, auf jeden Fall: Raus hier aus der Klinik, sich als freier Mensch fühlen (ja, auch nach drei Tagen wäre das schon ganz angenehm), bisschen was anderes sehen und natürlich Ingress auf bisher von mir unberührtem Terrain zocken! Und ein paar Sachen einkaufen, z.B. habe ich Briefpapier zuhause vergessen.

Aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich wirklich Wuppertal verlasse. Vielleicht eier ich auch einfach erst mal die Schwebebahnstrecke hin und zurück. Eine Bus-Tageskarte kostet 6,irgendwas Euro, ist hier an der Rezeption zu bekommen und schließt die Schwebebahn mit ein. Vielleicht gucke ich mir die Demo auch mal an. Was soll’s, die Stimmung wird sicherlich unschön sein, aber andererseits habe ich auch nicht so wirklich Bock, mich davon vertreiben zu lassen. Bisher habe ich von diesen Pegida-Leuten nur in der Presse gelesen, vielleicht kann ich ein wenig live mitbekommen, was da läuft. Und wenn man aufpasst, dann kann man sich sicherlich aus dem gröbsten raushalten.

Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weitermachen.

Das Bild habe ich für die sportliche Steffi gemacht. Der gefiel der letzte Spruch auf der Tafel nicht. Vielleicht findet sie den hier ja besser. Man beachte: Meine Rübe mit dem „Heiligenschein“ (Lampe hinter mir) gehören eigentlich nicht zu dem Bild, sind aber trotzdem sehr dekorativ…

Unter dem Strich werde ich einfach aus dem Bauch raus spontan entscheiden, wie ich es halt gerne tue, wenn ich alleine irgendwo unterwegs bin, wo ich mich nicht auskenne. Mal sehen, was draus wird. Und nun: Gute Nacht!

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Tag 2, Teil 2 – Entspannen Sie sich!

Ich legte mich vor dem Mittag nochmal kurz hin und stellte mir sicherheitshalber den Wecker – was sich auch als nötig erwies, denn ich schlief auch ein. Dann gab es Mittagessen, Schwein mit Gemüse und Wedges. Dann musste ich zur Sportaufnahme, wo ein sympathischer Sporttherapeut mich noch mal nach meinen Befindlichkeiten fragte, um zu checken, was ich machen könne und was nicht, und um ein paar Worte zu den Sportangeboten zu sagen. Es gibt halt Pflichtveranstaltungen, jeden Tag ist mindestens einmal eine sportliche Aktivität angesagt, aber auch Zusatzangebote, an denen man freiwillig teilnehmen kann. Teilweise ist das einfach Sport, teilweise eher Bewegungstherapie. Gegenwärtig stehen z.B. Feldenkrais, Qi Gong, Yoga und Pilates auf dem Zettel. Ich weiß noch nicht, ob ich davon irgendwas machen möchte, aber vielleicht sollte ich einfach mal alles ausprobieren. Es muss halt schon irgendwie in die Lücken des Therapieplans passen.

Heute war der noch ziemlich human für mich, ich glaube, morgen liegt mehr an. Jedenfalls hatte ich nach der Sportaufnahme wieder mehr als eine Stunde Zeit. Ich holte mir im Café Delluci (das von derselben Firma betrieben wird wie die Küche und sich neben der Rezeption in der Lobby befindet) einen Capuccino, setzte mich mit meinem Tablet in eine Sitzecke und las die Wikipedia-Artikel über die Feldenkrais-Methode, Qi Gong und Yoga, um mir schon mal ein Bild zu machen. Qi Gong und Yoga haben demnach beide jahrtausendealte Ursprünge, die zum Teil auch mit Religionen zu tun haben. Die modernen, westlichen Varianten sind davon allerdings zum Teil sehr weit entfernt. Zum Teil ist mir das alles ein bisschen zu sehr esoterisch angehaucht, aber vielleicht versuche ich es trotzdem mal.

Pappvögel

Kunsttherapie: „Herr Doktor X, vielleicht sollten wir LSD als therapiebegleitende Medikation besser absetzen!“ „Wieso denn, Herr Doktor Y, die sehen doch cool aus!“

Anschließend hatte ich die erste Veranstaltung in meiner Therapiegruppe. Es war Kunsttherapie. Überall hier in der Klinik sind Werke zu sehen, die offenbar Patienten, zum Teil in Gruppenarbeit, erstellt haben. Zum Teil sehr schöne Arbeiten. Wir hatten gleich, wie auch die Kunsttherapeutin zugab, ein recht heftiges Kaliber für den Anfang. Ich habe vergessen, wie die konkrete Maßnahme hieß. Jedenfalls ging es darum, dass wir unser Dasein in der Regel auf bis zu fünf Säulen gründen: Erfüllende Tätigkeit (Berufung), Beziehungen/Familie, Gesundheit (Körper/Geist), Wohlstand (Finanzen/Zeit), Persönlichkeit (Werte/Lebenssinn). Jeder aus der Gruppe sollte dazu ein Bild malen, indem der gegenwärtige, persönliche Zustand dargestellt werden sollte. Ich ordnete die Säulen erstmal für mich persönlich nach der Größe. Als die stärkste Säule stellte ich die Persönlichkeit (Werte) da, und ich unterteilte sie in verschieden große und verschieden geformte Bausteine wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Humor, Mitgefühlt etc. Die anderen vier Säulen kamen in absteigender Reihenfolge daneben und bestanden ebenfalls aus unterschiedlichen Bausteinen, die teilweise etwas wackelig und schief aufgebaut waren oder Risse hatten. Auf den Säulen ruhte eine gemauerte Platte, ich mit „Mein Leben“ beschriftet hatte, und darauf stand einfach nur „ICH“. Die Platte und damit auch das „ICH“ hatte aber ziemliche Schlagseite, weil die Säulen unterschiedlich groß waren. Erst als ich fertig war, stellte ich fest, dass die Symbolik nicht ganz passte: Es ist nämlich gar nicht so wichtig, dass die Säulen alle gleich groß sind. Wichtig ist, dass sie da sind. Die Therapeutin sagte, man könne stabil auf drei von den fünf Säulen ruhen, optimal natürlich auf allen fünf.

Jedenfalls wurde dann die Frage gestellt, welche der Säulen für jeden die jeweils stärkste wäre, wie es einem zur Zeit allgemein gerade ginge (und warum) und die klischeehafte Frage „wie geht es Dir dabei?“ (also just in Bezug auf das gerade gemalte Bild). Die anderen hatten teilweise ähnliche Bilder wie ich gemalt, teilweise war es eher auf Säulendiagramme hinausgelaufen, bei zwei Leuten auf Torten- bzw. Ringdiagramm, eine hatte ein Bild von einem Strand gemacht, auf dem verschiedene Elemente die Säulen symbolisierte, und eine hatte eine Waage gemalt.

Ein Gruppenkollege ist wohl ganz arm dran, am Anfang meinte er, er könne das Blatt ganz weiß lassen, so schlecht ginge es ihm in jeder Hinsicht. Er hat sich dann doch zusammengerissen und ein Balkendiagramm mit sehr kurzen Balken gezeichnet. Wie auch immer, die Therapeutin riet uns, die Bilder aufzubewahren, mit unseren Bezugstherpeuten zu besprechen und nach dem Aufenthalt mal zu prüfen, ob sich vielleicht was verbessert hat.

Anschließend hatte ich eine halbe Stunde Pause, danach war „Einführung Entspannung“ angesagt. Das fand in einem speziellen Raum statt, der mit altertümlichen Möbeln, besonderen Deckenleuchten und Deckenspiegeln ausgestattet ist. Die Therapeutin setzte uns in einen Stuhlkreis und blätterte ihre Teilnehmerliste durch. Einige Teilnehmer waren nicht erschienen, dafür auch eine Teilnehmerin, die nicht auf der Liste stand, was für ein wenig Verwirrung sorgte. „Entspannen Sie sich mal!“, konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen, aber sie nahm es mit Humor, sowieso fand ich sie sehr sympathisch.

Dann erklärte sie uns, die beiden angewandten Entspannungstechniken seien hier in der Klinik Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung nach Jakobsen. Sie erklärte auch gleich, dass fünf oder sechs Wochen nicht reichen würden, um genug zu lernen, um selbstständig die Technik an sich anwenden zu können, dazu würde man eher zwölf Wochen benötigen. Der Sinn der Sache wäre also einerseits, für den Moment Wohlbefinden durch Entspannung hier in der Klinik zu bewirken, zum anderen zur Orientierung, dass wir die richtige Methode für uns finden können. Damit könnten wir dann nach dem Klinikaufenthalt im Rahmen von Kursen weitermachen, bis wir die Übungen selbstständig durchführen können. Natürlich könnten wir uns auch für Qi Gong oder Yoga oder Meditation oder was auch immer, was uns helfen kann, entscheiden (über das freiwillige Kursprogramm kann man ja vieles ausprobieren), aber diese Methoden seien vergleichsweise einfach anzuwenden und erscheinen offenbar am meisten Erfolg zu versprechen.

Sie gab Tipps zur richtigen Sitz- oder Liegehaltung und ging auf das ein, was uns erwarten würde. Auch darauf, dass wir möglicherweise einschlafen könnten und geweckt würden, wenn wir zu laut schnarchten. Oder auch, dass der Darm es ziemlich klasse fände, wenn die Bauchdecke entspannt ist, und gerne die Gelegenheit nutze, sich dann anders anzuordnen. Und dass dabei auch Grummelgeräusche entstehen oder „Winde abgehen“ könnten. Und dass man sich damit vorher arrangieren solle, damit einem das, wenn sowas vorkäme, nicht die Entspannung kaputtmacht. Das hat sie sehr lustig erzählt.

Später hatte ich selbst wieder Gelegenheit, den Clown rauszulassen. Wir machten am Ende nämlich eine kleine Übung. Autogenes Training basiert darauf, dass man mit Worten Körperfunktionen auslösen kann. Das demonstrierte sie uns mit folgender Übung: Sie ließ uns eine entspannte Haltung einnehmen und dozierte dann folgendes:

„Stellen Sie sich vor, sie betreten einen hell erleuchteten Raum. In der Mitte steht ein Tisch, und auf dem Tisch steht eine Schale mit Zitronen. Sie gehen hin und nehmen eine Zitrone in die Hand. Sie fühlen die runzlige Oberfläche der Zitrone. Sie entdecken ein Schneidbrett und ein Messer und schneiden die Zitrone in zwei Hälften, heben eine Hälfte an die Nase und spüren den frischen Duft. Dann beißen Sie in die Zitrone hinein, schmecken die Säure. Sie verlassen den Raum mit dem Tisch.“

„Und was soll ich jetzt mit dem Tisch machen?“

„Wie bitte?“

„Naja, sie haben gesagt, ich soll den Raum mit dem Tisch verlassen.“

„Ähm… ach so. Ja, ich habe das ja auswendig aufgesagt, da war das wohl nicht ganz eindeutig formuliert“

Sie nahm es wieder mit Humor (wie gesagt, sympathische Frau). Aber zurück zum Sinn der Übung: Sie fragte, was passiert sei, als wir in Gedanken auf die Zitrone gebissen haben. Antwort: Speichelfluss, Schlucken (auch bei mir). Das war als Demonstration gedacht, wie bloße Worte Körperreaktionen erzeugen können.

Dann war die Runde beendet, und es gab Abendessen.

Anschließend gab es für alle Neuzugänge seit Dienstag eine Einführung mit der Hausdame. Diese ist sozusagen die Managerin des Haushaltes, Chefin für alles, was das Haus an sich betrifft, sei es Ausstattung der Küche und des Speisesaales, Möbel, Reparaturen, Raumpflege etc. Sie erzählte uns einiges zur Geschichte des Hauses (es war früher ein Golfhotel, und die Einweihung als Klinik war erst 2011 gewesen), zur Hausordnung, Öffnungszeiten der verschiedenen Einrichtungen, Notfallmaßnahmen, und dann gab es noch ein kleines Filmchen zu Wuppertal als Standort. Größtenteils Sachen, die man schon doppelt und dreifach gehört hat, aber was soll’s.

Und das war der Tag, danach hatte ich Feierabend, ging auf mein Zimmer und tippte diesen Eintrag. Ich gehe gleich nochmal runter, neues Wasser holen und einen Blick in mein Postfach werfen. Danach gehe ich wahrscheinlich auch schon ins Bett. Bisher habe ich noch nicht so viel Lust zum Socialising. Zwar fand ich ein paar Leute schon ganz sympathisch (und nebenbei bemerkt, in meiner Gruppe ist auch eine sagenhaft hübsche Frau), aber ich brauche halt immer meine Warmlaufzeit. Und zum Lesen hatte ich bisher auch keine rechte Lust. Nun, mein Tag wird morgen wohl wieder vor sieben Uhr beginnen, was schadet es da, rechtzeitig ins Bett zu gehen.

Mein Therapieplan morgen:

07:30 – Frühsport

10:00 – Therapeutische Gruppe

12:30 – Patientenbegrüßung / Forum

13:00 – Patientenforum

14:00 – Sport und Bewegung

15:30 – Fitness Einführung

19:00 – Wochenendplanung

Okay, sieht aus, als würde ich morgen den größten Teil des Tages in Sportklamotten rumlaufen. Dann nochmal Patientenbegrüßung. Wollen die mich zum vierten Mal über die Alarmknöpfe im Zimmer aufklären oder die Öffnungszeiten oder was? Dann Wochenendplanung. Da steht in der Spalte „Behandler“, die ich hier nicht mit aufführe, „selbst“. Ich frage mich, warum ich dafür einen expliziten Termin benötige. Vielleicht findet das in der Gruppe oder so statt, damit man sich mit anderen zusammenfindet. Klar, ich habe nichts dagegen, mit anderen zusammen um die Häuser zu ziehen, aber ich würde auch gerne mal alleine los. Hm, vielleicht dürfen wir das auch nur zu dritt machen? Es ist halt so, dass man sich hier mit teilweise eingeschränkten Freiheiten abfinden muss. Wenn man in zur stationären Behandlung in einem Krankenhaus ist, ist das wohl noch restriktiver gehandhabt, als hier.

So, das war’s für heute. Ich melde mich ab. Gute Nacht!

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Tag 2, Teil 1 – Mit Stöcken über Steine

Gestern war ich um ca. 22 Uhr im Bett. Ungwöhnlich für mich, normal ist nach null Uhr, aber ich stehe ja sonst auch sehr spät auf. Ich wurde ein paar Mal wach, schlief aber sofort wieder ein. Um 6.35 Uhr begann mein Tag.

Nachdem ich geduscht hatte (Fehler) ging es zur Blutabnahme zum Pflegestützpunkt. Ein junger, unterarmtätowierter Pfleger ohne Namensschild pikste mich erst in den linken Arm, traf nichts und schaffte es dann aber rechts. „Was haben Sie denn für Arme?“ „Beschweren Sie sich bei meinen Eltern… oder bei Gott… oder Darwin!“

Anschließend ging es zum EKG. „Oben freimachen, hinlegen!“ Okay, Schwester. „Sie haben ja Haare auf der Brust!“ „Soll bei Männern vorkommen!“ Die Elektroden hielten nicht. „Da muss ich rasieren!“ „Sie können gleich am Kinn weiter machen.“ „Nix da!“ Schade, war einen Versuch wert. Piep piep piep, ratter ratter, fertig.

Ab zum Frühstück, eine Schale Müsli/Cornflakes mit Quark, ein Brötchen mit Erdbeerkonfitüre, dazu zwei Tassen Kaffee. Zurück auf’s Zimmer, umziehen zum Sport. „Einführung Walking“, stand auf dem Programm. Treffpunkt war an der Rezeption mit Frau S. Diese hakte uns auf ihrer Liste ab, dann gab es Stöcker für alle. Ich bemerkte nicht, dass die für links und rechts gekennzeichnet waren und wollte das natürlich erst falsch machen, aber eine Dame aus der Gruppe half mir. Dann ging es erst auf den Parkplatz, eine Runde einfach locker schleifen lassen, eine Runde mit leichtem, natürlichen Armpendeln und dezentem Stockeinsatz. Mehr würden wir nicht lernen, es sei denn, wir würden uns explizit sozusagen zu einem Fortgeschrittenenkurs oder so anmelden. Dann ging es mit einem soliden Tempo los.

Ich habe zuvor noch nie Nordic Walking gemacht, ich fand das mit den Stöckern eher albern, obwohl mir klar war, dass was dran sein musste. Immerhin trainiert man da beim Gehen so manche Armmuskeln wohl mit. Als ich es dann machte, gefiel es mir ganz gut – wenn man sich ein wenig mit den Stöckchen abstößt, gibt das schon zusätzlichen Vortrieb, so dass man recht schnell und effizient unterwegs sein kann. Es war ansonsten sehr schön – die Morgensonne schien, auch wenn es noch recht kalt war, und die Landschaft war auch nicht schlecht. Es ging erst ziemlich bergab und auf dem Rückweg natürlich entsprechend bergauf. Ich unterhielt mich angeregt mit einer Frau aus der Nähe von Karlsruhe, die das morgendliche Walken auch sehr genoss. Aber wie meistens, wenn ich mich angeregt unterhalte, werde ich gerne mal etwas lauter, und eine andere Dame vor mir wandte sich etwa so an mich „Kannst Du bitte mal etwas leiser reden, ich habe genug von Deinen Geschichten, das macht mich aggressiv. Ich versuche, schon wegzulaufen…“ Urrrgh! Dass ich gerne zu laut rede, wenn ich in Rage gerate oder begeistert von irgendetwas bin, weiß ich, das wurde mir schon zu Schulzeiten gesagt. Im Zug wurde ich auch schon mal gebeten, leiser zu sein. Aber man hätte das auch etwas netter sagen können. Nungut… ich bin ja nicht der einzige mit Problemen hier. Das muss man im Hinterkopf behalten.

Ein Teil der Strecke führte über die Trasse einer stillgelegten Bahnstrecke und an einem stillgelegten Bahnhof vorbei. Ich denke, es waren 2-3 km, jedenfalls waren wir etwa 45 Minuten unterwegs. Frau S. war zufrieden mit der Gruppe, wir waren recht fix, und die Nachzügler hatten keinen großen Abstand zu denen, die zuerst wieder auf dem Klinikparkplatz ankamen. Wieder in der Klinik ging ich in mein Zimmer und erneut unter die Dusche – das Duschen nach dem Aufstehen hätte ich mir sparen können. Mein Therapieplan sieht erst um 13.10 Uhr, also nach dem Mittagessen, den nächsten Termin vor. Da steht EKG. Nochmal. Wahrscheinlich diesmal ein Belastungs-EKG.

Dampfmaschinenladen Schaufenster

Schaufenster des im vorigen Artikel erwähnten Dampfmaschinenladens. Hübsche Modelle. Aber sauteuer! Das Modell rechts vom Schwebebahnwagen kostet bescheidene 211,70 Euro. Und der Plexiglaskasten ist nicht mal inbegriffen, sondern kostet 45,90 Euro extra…

Ich hatte also über zwei Stunden Zeit. Also ging ich erst mal zum Kreisverkehr, um den „Hack des Tages“ an den zwei dortigen Portalen anzubringen. Anschließend trank ich einen Capuccino in der Lobby, und dann tippte ich das hier. Noch 40 Minuten bis zum Mittagessen, ich werde wohl einfach ein wenig chillen. Bis später!

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Kurtagebuch Wupperteil, Tag 1 cont’t

Okay, es ist Abend, ich habe einen kleinen Marathon an Aufnahmegesprächen, Fragen beantworten, Zettelchen ausfüllen etc. hinter mir. Richtig los mit den Therapien geht es erst morgen.

Zunächst stand die „Einführung Speisesaal“ auf dem Programm. Eine Diätassistentin, von denen es hier diverse gibt, erklärte uns, wie man mit einem Ankreuzzettel sein Wunschmenü bestellt, dafür Essensmarken über sein Postfach erhält, dass man sich vor dem Essen die Hände desinfiziert, die Essenszeiten etc. Anschließend gab es Mittagessen: Tortellini, Ratatouille oder Hühnerbeine mit Reis. Ich nahm die Ratatouille. Hm, halt Kantinenessen. Nicht besonders toll, aber zum Glück bin ich ja einigermaßen anspruchslos. Ich saß am Tisch mit zwei Damen, Mitte und Ende Vierzig, die ebenfalls heute angereist waren. Soweit ich das sehe, sind die aber nicht in meiner Therapiegruppe.

Nach dem Essen stand „Aufnahme Facharzt“ auf dem Programm. Frau Doktor, die hier sozusagen meine Hausärztin vor Ort ist (im Wesentlichen für meine physische Gesundheit bzw. Gesamtzustand zuständig, wenn ich z.B. eine Erkältung bekommen sollte) ließ mich die Hüllen fallen lassen (bis auf die Unterhose), um mich abzuhorchen, Reaktionstests zu mache, checkte meine Pupillenreflexe etc. Natürlich gepaart mit einem Frage/Antwort-Spiel.

Ohne nennenswerte Pause ging es nach der fast einstündigen Aufnahmeuntersuchung weiter zur Visite vom Oberarzt. Allerdings verspätete der sich um eine Viertelstunde, leider wusste ich das ja vorher nicht, sonst hätte ich vielleicht Zeit für einen Kaffee gehabt. Das war nur eine kurze Veranstaltung, wieder ein paar Fragen und Antworten (teilweise übrigens immer dieselben, leider), danach brachte mich der OA direkt weiter zu meiner Psychotherapeutin hier vor Ort. Interessante Persönlichkeit. Das Gespräch ging tiefer als zu meiner bloßen Aufnahme, aber da verzichte ich hier mal auf Details.

Danach war es etwa kurz nach 15 Uhr, und ich hatte etwas Zeit bis zum nächsten Termin, der Hausführung durch die aktuellen Patientensprecher. Ich nutzte das, um mich eine knappe halbe Stunde auf’s Ohr zu legen.

Ein Sprüchlein auf dem Flur.

Ein Sprüchlein auf dem Flur. Wechselt bestimmt häufig. Die Tafel haben womöglich Patienten im Rahmen der Gestaltungstherapie gebaut, könnte ich mir zumindest vorstellen.

Anschließend gab es besagte Hausführung. Wir besichtigten das sog. Therapiezentrum, welches mit verschiedenen Räumlichkeiten eine Etage in dem Haus, in dem mein Zimmer liegt, belegt. Es ging weiter zum Schwarzen Brett, wo man uns drei „Neuen“ vor allem erklärte, wie man sich für freiwillige Freizeitaktivitäten (wie z.B. Qui Gong oder Aqua Gymnastik) anmelden kann. Es ging weiter zu „Wuppertal“ und „Wuppertal 2“, das eine ist ein Trainingsraum (mit einigen Wii-Spielekonsolen, bemerkenswert), das andere ein Aufenthaltsraum. Dann ging es weiter über die Flure und durch einen unterirdischen Gang in den Keller von Haus 4, wo sich eine kleine Turnhalle, ein Fitnessraum, Schwimmbad und Sauna befinden. Alles ein wenig bescheiden, der Größe der Klinik (die für etwa 220 Patienten ausgelegt ist) angemessen. Dann gibt es noch einen Werkraum und einen Kunstraum, denn auch eine Art Kunsttherapie steht auf dem Plan. Leider waren viele dieser Räume abgeschlossen, und die Patientensprecher hatten keine Schlüssel dazu, so dass wir nur die Türen sahen. Die Führung endete in einem Aufenthaltsraum im Keller mit Kicker und Billard-Tisch. Uns wurde viel erklärt, z.B. dass man sämtliche Einrichtungen nicht nur im Rahmen von Therapien, sondern auch darüber hinaus nutzen könne – aber immer nur mit mindestens drei Leuten (aus demselben Grund wie es Dreiergruppen bei Klassenreisen gibt: wenn einem etwas passiert, kann einer Hilfe holen und einer vor Ort bleiben). Es ging um die Alarmsicherungen der Türen, nur durch den Haupteingang kommt man, ohne Alarm auzulösen rein oder raus, und das bis 22.30 abends (am Wochenende 23 Uhr). Man kann zwar auch länger abwesend sein, muss dann allerdings seinen Schlüssel bei der Pflegestation hinterlegen, damit die jederzeit wissen, wer nachts außer Haus ist, falls es z.B. brennen sollte.

Danach war das Programm des Tages beendet (keine Therapie, aber viel Info) und es gab Abendessen: Brot, Brötchen, verschiedene Wurst- und Käsesorten, eine Gemüsesuppe, mixed pickles und Bohnensalat. Ganz okay alles.

Ich beschloss, einen kleinen Spaziergang zu machen und die Umgebung zu erkunden. Ein paar Sachen diesbezüglich hatten die Patientensprecher schon erklärt. Etwa einen knappen Kilometer von der Klinik entfernt gibt es einen Kreisverkehr. Auf dem Weg dorthin liegt ein Restaurant, ein öffentlicher Golfplatz (8-Loch-Kurs, Driving Range, Putting Green, Chip & Pitch) und der hiesige Pu… ähm, der Lokalität für Horizontaldienstleistungen. Unmittelbar am Kreisverkehr gibt es ein – für mich faszinierendes Geschäft für „Dampfmaschinen und technisches Spielzeug“. Die Sachen im Schaufenster fand ich schon ganz interessant, bei Gelegenheit schaue ich mir das mal von innen an. Außerdem gibt es dort ein weiteres Restaurant und nicht weit davon eine Bushaltestelle. Dort fährt wochentags alle zwanzig und wochenends alle dreißig Minuten ein Bus, mit dem man zum Bahnhof Oberbarmen gelangen kann. Und da ist – neben dem Bahnhof – eine der beiden Endhaltestellen bzw. Wendeschleifen der Schwebebahn, mit der man dann in die Stadt fahren kann. Nun, das sah ich mir halt alles an und guckte an der Bushaltestelle auf die Uhr, um zu checken, wie lange ich für den Heimweg brauchte. Es waren knapp 20 Minuten.

Nun bin ich wieder auf meinem Zimmer und blogge. Es ist erst viertel vor neun, aber ich denke, ich werde nach dem Bloggen schlafen gehen. Die letzte Nacht war kurz, und morgen heisst es um halb sieben aufstehen. Apropos, hier mein Plan für morgen:

07:05 Uhr – Blutabnahme (anschließend Frühstück)

08:15 Uhr – Einführung Walking (nordic? könnte sein)

12:00 Uhr – Mittagessen

13:10 Uhr – EKG

13:20 Uhr – Sportaufnahme (hier wird festgestellt, was ich für Sport machen kann und was nicht)

15:00 Uhr – Gestaltungstherapie

17:00 Uhr – Einführung Entspannung (geil, ob wir da wohl einen Actionfilm gucken?)

18:00 Uhr – Abendessen

18:45 Uhr – Infoveranstaltung

Den Therapieplan bekommt man immer an bestimmten Tagen für die nächsten paar Tage über sein Postfach.

Und wie es mir geht? Hm. Durchwachsen. Das medizinische Personal machte durchweg einen guten Eindruck auf mich. Das Zimmer, Essen und alles andere sind okay bis gut. Die anderen Patienten… naja, da scheinen ein paar nette dabei zu sein. Da wir ja nur zweihundertundeinkeks Leute sind, ist das recht familiär, denke ich, auch wenn es natürlich eine gewisse Fluktuation gibt. Wenn man sich mit den Leuten seiner Therapiegruppe gut versteht, unternimmt man sicherlich mit diesen einiges. Ich habe meine erste Gruppensitzung aber erst übermorgen, so dass ich im Moment noch ohne Gruppe bin. Ansonsten… ich bin hier eben „Patient“, das bedeutet, ich bin eben krank. Und da ich wahrscheinlich sechs Wochen lang weder nach Osnabrück noch nach Hamburg kommen kann, fühle ich mich im Moment ein wenig einsam. Aber es hilft ja nix, ich muss eben da durch und hoffen, dass ich hier ein paar nette Leute kennenlerne. Das war’s, für heute melde ich mich ab. Fast.

WARNUNG! AB HIER INGRESS!
Nun, dieses ganze Gedöns vonwegen „Kreisverkehr“, „Bushaltestelle“ und so weiter war natürlich nur die halbe Wahrheit: Am Kreisverkehr gibt es auch zwei Portale. Das eine ist eine Dampfmaschine, die zu besagtem Dampfaschinenladen gehört. Beide waren blau, als ich kam. Und die Dampfmaschine ließ sich nicht kaputtschießen; der letzte Reso war schon fast tot, aber irgendwann taten weitere Burster dem keinen weiteren Schaden zufügen. Ich hatte das schon mal, aber da konnte ich gar nichts effektiv angreifen. Hier war das nur das eine Portal, während die Resos des benachbarten Portals Schaden von den Druckwellen derselben Burster erlitten. Sehr seltsam.

Steinlöwe am Eingang der Klinik

Steinlöwe am Eingang der Klinik – sofort eingereicht.

Egal, ich konnte auf dem Weg im Taxi hierher bisschen was hacken, und verbunden mit einem kleinen, täglichen Spaziergang kann ich, wenn ich will, meine Sojourner-Medal weiterführen und die Portale am Kreisverkehr täglich hacken. Leider gibt es kein Klinikportal, dabei gibt es am Eingang direkt eine Figur eines Steinlöwens, die gute Chancen hat, von den Pissnelk… von Niantic durchgewunken zu werden. Natürlich habe ich das auch sofort eingereicht…

Ich denke, ich werde wohl erst am Samstag nach Wuppertal fahren und dort ordentlich Uniques sammeln. Auf die Schwebebahn freue ich mich schon, das macht bestimmt Laune.

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Flott im Pott – Kurtagebuch Wuppertal Tag 1

Moin. Schon seit Wochen bewege ich die ersten Zeilen dieses Eintrags in jenem seltsamen, geheimnisvollen, ja, magischem Körperteil, welches wir gemeinhin als „Gehirn“ bezeichnen. Und freute mich darauf, die neue Kategorie „Wuppertal“ in diesem Blog anzulegen. New York, London, Tel Aviv, Odessa… Wuppertal. Das hat was.

Ich befinde mich seit heute, 10 Uhr, in der Dr. Becker Klinik Juliana in Wuppertal-Oberbarmen, die wohl die nächsten sechs Wochen mein Zuhause sein wird. Heute morgen ließ ich mich um 6.00 Uhr von einem ganz normalen Wecker mit nervigen Piepstönen wecken, stellte ihn genervt noch mal ne Viertelstunde weiter und stand auf. Hm. Weniger als fünf Stunden Schlaf mussten genügen, denn am Vortag war Chorprobe, und da die sportliche Steffi heute Geburtstag hat, haben wir ein bisschen reingefeiert. Nun, die Rückfahrt ging nicht ganz ingress-frei ab, zuhause ging ich auch nicht gleich ins Bett, und so war ich erst nach zwei Uhr in der Horizontalen.

Die Wupper mit Schwebebahn-Trasse

Die Wupper (muss es ja wohl sein, weil die Schwebebahn drüberfährt) und die Schwebebahn-Trasse

Also, Morgentoilette, noch paar Sachen in den Rucksack geschmissen, und ab zum Bus zum Bahnhof. Von da via Dortmund und Hagen (zweimal umsteigen) nach Wuppertal-Oberbarmen. Die Fahrt war angenehm und die Anschlüsse kein Problem. Kaum hatte ich am Ziel das Bahnhofsgebäude verlassen, da sah ich auch schon die Stahlgitter-Stelzen der berühmten Schwebebahn, und bald auch die Wupper und Schwebebahn-Züge.

Was ich leider nicht sah, war das Taxi, welches mich abholen sollte.

Die Klinik kooperiert mit einem Taxibetrieb, der eigentlich ein Auto hätte schicken sollen. Ich hatte zuvor telefonisch gefragt, wie ich dieses spezielle Taxi denn erkennen sollte, und man sagte mir, ich solle mich einfach entspannt vor dem Bahnhof aufbauen, der Fahrer oder die Fahrerin würde auf mich zukommen. Was aber nicht um 9.20 Uhr passierte, und auch bis 9.40 Uhr nicht. Um 10.00 Uhr sollte ich mich in der Klinik einfinden, also nahm ich ein anderes Taxi und ließ mich zur lt. Google Maps über 8 km entfernten Klinik chauffieren. 16 Euro inkl. Trinkgeld, naja, das kriege ich womöglich erstattet.

An der Rezeption bekam ich meinen Zimmerschlüssel und einen Haufen Informationen bzgl. Speiseplan, Postfach etc. etc. – bisschen viel auf einmal, wie ich fand. Danach ging es zu Schwester E (Namen werde ich natürlich nicht nennen) in die Pflege. Hier wurde, nachdem ich eine Einverständniserklärung unterschrieben hatte, ein Foto von mir gemacht, ich wurde über diverse Dinge aufgeklärt (z.B. die Hausordnung betreffend), musste diverse Fragen beantworten und so einige Zettel unterschreiben.

Wichtig waren für mich natürlich so Infos meine persönliche Freiheit betreffend. Ausgang ist von 6.00 bis 23.00 Uhr – danach ist auch was möglich, muss aber abgesprochen werden. Alkohol und rauchen ist nicht – nun, ich rauche ja nicht und hatte ohnehin vor, die sechs Wochen auf Alkohol zu verzichten. Schade ist allerdings, dass ich mich wohl nur 70 km von der Klinik entfernen darf. Ansonsten wäre ich nicht versichert. Schwester E meinte, vielleicht kann ich mal meinen Arzt fragen, da ginge vielleicht doch was. Nunja, das würde erst mal bedeuten, dass ich zu Ostern nicht bei meiner Familie sein kann und dass Wochenendfahrten nach Osnabrück auch ausfallen. Ich könnte Verwandte in Hemer besuchen, das wäre nahe genug dran. Nun, mal sehen.

Dass ich ganz ordentlich über mein Schlaufon ins Internet komme, seht Ihr ja an diesem Beitrag. Auch der Bildupload klappt gut.

Schwester E fragte noch nach meiner Körpergröße, schickte mich auf die Waage, und maß meinen Blutdruck und meine Temperatur. Dann durfte ich auf mein Zimmer, wo ich meine Sachen einräumte und anfing, diese Zeilen zu tippen.

Bob und mein Bett.

Bob und mein Bett.

Der folgende Tagesplan sieht wie folgt aus:

12.15 Uhr – Einweisung Speiseraum
13.00 Uhr – Aufnahme Facharzt
14.00 Uhr – Oberarzt Visite
14.15 Uhr – psychologisches Einzelgespräch
18.45 Uhr – Hausrundgang

Die Einweisung Speiseraum wird sicherlich mit Mittagessen verbunden sein. Vielleicht gibt es auch noch irgendwann Sport. Und ich muss mich beizeiten auf die Suche nach meinem Kurschatten begeben. Nun, man wird sehen. Ich denke, ich werde heute später verbloggen, wie der Tag so gelaufen ist. Bis denne.

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Auf der Jagd nach dem Lymph-Set

Tag 12 nach Schneeballschlacht-Unfall

Mein Tag heute begann mit einem Anruf bei meiner Hausärztin. Ich hatte eine mir persönlich bekannte Dame mit einem markanten Sprachfehler am Telefon. „Guten Tag, mein Name ist Michael Karl, ich möchte ein Lymph-Set bestellen. Bitte packen sie es mir schön ein.“, so ähnlich meldete ich mich (okay, nicht ganz so…). Die Antwort war, nein, dass könne man nicht machen, das müsse der Orthopäde machen, die machten es sich immer schön leicht, die Patienten an die Hausärzte zu schicken, und man könne nicht ständig so viele Verfügungen schreiben… Eine richtige Tirade.

Gebrauchte Lymph-Set-Wickel

Das ist das Material für einen Kompressionsverband aus einem Lymph-Set: Vier Bandagen, ein „Strumpf“ (das weiße Ding vorne) und drei „Schwiegermütter“. So heißen lt. Chor-Arzt Bernd diese Dinger rechts vorne, vielleicht, weil sie Haken haben…

Ähm. Einmal kurz mein Weg als Flipperkugel zwischen den Halbgöttern in Weiß auf der Jagd nach dem Lymph-Set:

Orthopäde -> Therapeut -> Orthopäde -> Therapeut -> Hausarzt -> Orthopäde

Ticken die alle noch richtig? In was für einem Land lebe ich eigentlich? Ich habe auch noch nicht so richtig verstanden, was eigentlich das Problem ist, dass die Ärzte sich die Patienten (offenbar bin ja nicht nur ich betroffen) so hin und herschieben. Bekommen die Ärzte Probleme mit den Krankenkassen, wenn sie zu viele Rezepte schreiben? Ist so ein Lymph-Set in Gold aufzuwiegen? (Der Therapeut sagte dazu auch was von Zuzahlung, aber ich habe nicht richtig verstanden, wie hoch die sein sollte.) Der Therapeut sagte auch was von zwei Tagen Lieferzeit oder so. Ich verstehe einfach nicht, wieso wegen einem Karton voll mit Verbandsmaterial so ein Heckmeck veranstaltet wird. Und ich weiß nicht, wie die aktuelle Situation ist, aber ich habe zuletzt immer was von Überschüssen bei den Krankenkassen in der Presse gelesen. Fakt ist jedenfalls, dass durch dieses Hin und Her meine Behandlung nicht so wie vorgesehen, anders gesagt, nicht optimal erfolgen kann, was womöglich die Genesung verzögert. Mit entsprechend negativen Folgen nicht nur für mich, sondern auch für meinen Arbeitgeber und meine Krankenkasse.

Okay, nächster Schritt also: Zurück zum Orthopäden, wo ich für den Wisch (falls ich ihn denn bekomme) wieder eine Stunde warten muss, womöglich ohne Sitzplatz, und wofür er dann womöglich noch mal extra einen Stundensatz abrechnet, zum Papierchen unterschreiben? Oder zu einem anderen Orthopäden? So wie ich das sehe, wartet der wahrscheinlich nur auf von Kollegen abgewiesene Patienten, die von ihm den Berechtigungsschein zum tonnenweise-Gold-aus-Apotheken-raustragen fordern. Ich hoffe, dass irgendwann diese beknackte Odyssee mal mit -> Apotheke endet.

Bisher habe ich hier nicht Ross und Reiter genannt. Erstens halte ich eigentlich nicht so viel davon Personen oder Institutionen öffentlich zu verunglimpfen. Ich werde das auch weiterhin an dieser Stelle nicht tun. Zumal sowas ja auch juristische Konsequenzen haben kann. Aber langsam juckt es mich doch, mir irgendwo ein Ärzteportal zu suchen oder einfach bei Google Maps einen Erfahrungsbericht zu dieser Praxis zu schreiben. Ist nur die Frage, ob die Motivation eher Rache oder eher Aufklärung ist…

To be continued… (leider, fürchte ich)

Hämatom-Update

Für die Hämatom-Fans hier mal ein Update von Tag 12 nach Unfall.

Nachtrag: Ich habe inzwischen mal einfach „Lymph-Set“ gegoogelt. So ein Ding kostet je nach Größe und Anbieter im Netz (oberflächliche Suche) zwischen 159 und 263 Euro. Vermutlich verdient irgendwer nicht schlecht daran. Bei Medikamenten verstehe ich, dass die Pharma-Industrie mit hohem Risiko arbeitet und vermutlich teure Fachkräfte bezahlen muss. Aber hier handelt es sich im Wesentlichen um flexible Bandagen. Vielleicht sollte man hier die Innovation nicht zu geringschätzen, aber trotzdem kommt mir das sauteuer vor. Ich glaube auch, dass nach jeder Lymph-Drainage ein neuer Satz à vier Binden vorgesehen ist. Vermutlich völlig unnötig. Die Dinger sehen genauso aus wie das, was Bernd mir gegeben hat mit den Worten „das kannst Du hundert Mal verwenden, zwischendurch nur mal waschen“. Der gesunde Menschenverstand sagt auch, dass da keine Wunde ist, also keine Sterilität herrschen muss, ergo: Wozu jedes Mal ein neuer Satz? Damit irgendwo die Kasse klingelt? Und Patienten von A nach B und zurück rennen müssen, damit endlich jemand den Wisch unterschreibt?

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Die Wasserpumpenzange im Haus ersetzt den Pflegedienst

Tag 11 seit Schneeballschlacht-Unfall.

So, heute offiziell Lymph-Drainage Nr. 2. Angenehmerweise nicht morgens früh, sondern Mittags, 13.30 Uhr. Also konnte ich lange schlafen – und ich konnte das auch tatsächlich, denn in dieser Nacht bin ich weder durch Magensäure-Probleme noch durch Beinschmerzen oder (naja, was in meinem Alter nachts halt manchmal notwendig ist) was auch immer geweckt worden. Ich glaube, ich habe tatsächlich mindestens acht Stunden durchgeschlafen, was bestimmt seit dem Unfall das erste Mal war. Immerhin! Ansonsten geht es gefühlt langsam voran, Schlafen ist allgemein immer noch schwierig, Schmerzen sind meistens irgendwie da, Bewegungen stark immer noch stark eingeschränkt.

An dieser Stelle kommt auch mein Freund, die Wasserpumpenzange, ins Spiel. Da habe ich tatsächlich mal ein wenig mehr Geld angelegt, ich habe eine Knipex. „Gutes Werkzeug kost‘ gutes Geld, ist aber halbe Arbeit!“ – da ist etwas dran. Wie auch immer, wer mich und meine Wohnung besser kennt, weiß, dass das Teil im Winter allgegenwärtig ist, weil ich es brauche, um den Ventilen meiner Digitalheizung (in einigen Zimmer gibt es eigentlich nur zwei Zustände, nämlich AN oder AUS) auf die Sprünge zu helfen.

Wasserpumpenzange

Not macht erfinderisch: Die Wasserpumpenzange als Freund und Helfer in allen Lebenslagen.

Nunmehr hat das Teil eine völlig neue Funktion erhalten: Es liegt im Schlafzimmer und dient als Socken- und Schuhanziehhilfe. Indem ich den Socken damit angreife überbrücke ich die fehlenden Zentimeter, weil ich das Knie nicht richtig beugen kann, und die Griffe nutze ich beim Schuhe anziehen wie einen Schuhlöffel. Not macht erfinderisch…

Kommen wir dazu, wie ich mir heute die Lymphe drainieren ließ. Es war wieder derselbe Therapeut wie beim letzten Mal, wie „Brigitte“ (der Name ist übrigens frei erfunden und ich bitte alle Brigittes um Nachricht mit mir … ist irgendwie der erste Name, der mir zu der Person am Counter auch von der Optik her eingefallen ist) ist er von der sofort duzenden Fraktion. Irgendwie stört mich das bei ihm aber weniger als beim Tresen-Personal in der Arztpraxis. Wie auch immer, ich sollte ja nach der Lymph-Drainage einen Kompressionsverband bekommen und wies auch wieder darauf hin. Er fragte, ob ich denn Wickel dabei hätte und holte meinen elastischen Verband und die Salbe aus meinem Rucksack. Der Therapeut entgegnete, damit könne er nichts anfangen, was ich bräuchte, sei ein „Lymph-Set“. Aha! Es hat ja nur drei Arztbesuche und zwei Besuche des Therapiezentrum gebraucht, bis endlich einmal jemand das Kind beim Namen nennt! Aber was soll’s, es liegt bestimmt an mir scheißendämlichen Unfallopfer, dass ich sowas nicht selbst weiß. Ich brachte zum Ausdruck, dass ich es etwas befremdlich fand, dass man mir das bisher nicht gesagt hat. „Ich sag’s Dir ja jetzt!“ entgegnete mein Therapeut. Sehr zuvorkommend, vielen Dank.

Wie auch immer, ich solle zu meinem Hausarzt gehen und mir ein Lymph-Set verschreiben lassen. Ich erfuhr, dass das eine genormte Kartonbox mit einer bestimmten Anzahl an elastischen Verbänden und anderem Material ist. Der Therapeut brachte ein angebrochenes Lymph-Set und machte mir den Verband. Zuerst kam da eine Art Strumpf ohne Fußteil über Unter- und Oberschenkel. Dann wurde mit drei elastischen Verbänden sowohl Unter- als auch Oberschenkel mit ordentlich Druck verbunden. Ich solle das mindestens bis zum Schlafengehen dran lassen, wenn ich es aushielte. Außer, mein Fuß würde blau und gefühllos werden, dann natürlich vorher abmachen. Ah – da wäre ich auch gar nicht drauf gekommen, aber wie sollte ich auch, ich wußte ja nicht mal, was ein Lymph-Set ist! Im ersten Moment dachte ich, es könnte problematisch werden, den Druck auszuhalten. Aber ich gewöhnte mich gut daran und empfand das beim Gehen eher sogar als hilfreich. Das Gehen belastete sonst mein Knie immer übermäßig, es schmerzte dann immer links und rechts von der Patella. Der Verband scheint da stützend zu wirken, zwar schränkt er die Beweglichkeit ein bisschen ein, aber eher in dem Bereich, in dem im Moment ohnehin nix geht, aber das Gehen ist weniger schmerzhaft und dadurch aus ausdauernder möglich. Der Therapeut sagte, Bewegung sei gut.

Und so ging ich nach der Lymph-Drainage noch zu Mc D und machte auf dem Weg noch ein paar kleine, ingress-bedingte Schleifen. Lt. Ingress habe ich heute tatsächlich um die 9 km zu Fuß zurückgelegt.

Wieder in Eversburg ging ich direkt zu meiner Hausärztin, die in 5 min. Fußentfernung von meiner Wohnung ihre Praxis betreibt. Ich hatte nicht auf dem Schirm, dass die mittwochnachmittags geschlossen ist. Stattdessen machte ich noch eine kleine, weitere Runde zu Fuß um die Portale in meiner Nachbarschaft und ging dann nachhause. Viel läuft heute nicht mehr – Kaffeetrinken, Bloggen, vielleicht ein paar Experimente mit dem Arduino-Board, nachher ein Filmchen gucken.

Arduino-Board mit Laptop

Links vorne sitzt das Arduino-Board an einem schwarzen USB-Kabel und bläulich leuchtend auf einem weißen Breadboard. Hier daran sind zu Testzwecken zur Zeit nur eine LED und ein Taster angeschlossen. Das Ding aus Lego ist ein Prototyp der Idee meines verstorbenen Freundes. Zwischen dem Laptop, der zur Programierung dient, und der Lego-Platte ist ein Modellbau-Servo zu sehen, der für das Projekt gebraucht wird. Später mehr dazu in der Kategorie „Basteln“…

Ein Arduino-Board ist übrigens eine Platine, die einen Microcontroller enthält. Ein Microcontroller ist eine Art keiner Computer für Steuerungsaufgaben, sowas wird heute z.B. in Haushaltsgeräten, in Autos, in Industriemaschinen und in der Gebäudetechnik massenweise eingesetzt. Ich habe so ein Ding von einem jüngst verstorbenen Freund geerbt (seine Frau wollte das so, weil ich der Einzige im Freundeskreis wäre, der damit etwas anzufangen wüsste), er hatte einen bestimmten Plan damit, und den versuche ich jetzt, zu verwirklichen. Allerdings gehe ich da im Moment noch nicht sehr zielstrebig zur Sache, sondern versuche erst einmal, die Programmierung dieses Dings grundsätzlich zu verstehen.

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Der mündige Patient

Ich saß also „oben“ auf meinem Stühlchen, bloggte via Schlaufon und machte ein Foto von einem Plastikelefanten. Zwar hatte ich etwas zu lesen dabei, aber mir war eher danach, ein Nickerchen zu machen. Nach einer Stunde wurde ich aus meinen Träumen gerissen. „Herr Karl, bitte!“ „Brigitte, bist du’s?“, dachte ich, als ich zu mir kam. Ich solle „unten“ nachfragen, in welchen Raum ich solle. Also fragte ich das am Tresen Brigittes Kollegin, aber die meinte „Woher soll ich denn das wissen?“ und verwies mich an eine nicht sichtbare Kollegin am Ende des Warteflurs. Nun, ich traf da dann doch auf die Sprechstundenhilfe, die mich in einen Raum komplimentierte.

Dort beobachtete ich noch 20 Minuten, wie eine 3D-gerenderte Uhrzeitanzeige immer zwischen zwei Monitore hin- und hereierte. Der Bildschirmschoner ist ein Windows-XP-Klassiker, und ich sehe, auf modernste Ausstattung und Sicherheit der Patientendaten wird hier echt Wert gelegt. Naja, vielleicht haben die ja auch das XP-Sicherheitspaket gekauft wie die Bundesregierung…

Irgendwann kam der Doc, Pfötchen geben, Hose runter, „Oh, das ist aber blau!“. Naja, es war eher so in der Art unausgesprochenes „Was soll ich eigentlich mit Ihnen machen?“ Ich erklärte, dass der andere Doc mir halt gesagt hat, ich solle am Montag noch mal auf der Matte stehen. „Ahja“. Er fragte mich, ob ich schon Lymphdrainagen bekommen hätte. Ja gerade. Und warum ich denn keinen Kompressionsverband bekommen hätte. Keine Ahnung, stand, glaube ich, auf dem Rezept drauf, welches die Lypmph-Drainierer nebenan bekommen hätten. Ich hätte nicht dran gedacht, dass das vielleicht gemacht werden solle. Das sei ja auch nicht mein Job, sagte der Doktor. Oh, fein. Er war schon weg, als mir einfiel, Moment, wenn dieser Arztbesuch auch nur ein kleines bisschen Sinn ergeben sollte, bräuchte ich eine neue AU. War offenbar mein Job, DARAN zu denken. Also schnackte ich die Sprechstundenhilfe an, die leitete meine Anfrage an den Doc weiter, und nur habe ich gelbe Scheine bis einschließlich 09.02.

Also ging ich nochmal zurück zum Lymph-Kontrollzentrum und brachte die Sache mit dem Verband vor. Ja, da müsse ich halt schon Verbandszeug mitbringen! Wie jetzt? Also entweder, das ist Quatsch, oder der Doc hätte mal ne klare Ansage machen können, dass ich mit dem Rezept selber bei der Apotheke Material besorgen müsste.

Wie auch immer: Ich habe den Eindruck, wenn ich nicht überall selber genaustens nachfrage, was ich wie zu machen und wo zu besorgen habe, dann klappt bei dem ganzen Verein mal so rein gar nichts. Oder anders formuliert: Entweder, man ist ein mündiger Patient, gut informiert und engagiert, ansonsten hat man eben verloren, weil die Leute offenbar davon ausgehen, dass man über alles Bescheid weiß. Naja, und es ist auch in einer Praxis für Orthopädie, wo Patienten ja vielleicht ein Problem mit den Beinen oder dem Rücken haben, offenbar zuviel verlangt, dass das Praxispersonal die Patienten fragt, ob man denn überhaupt eine Stunde im Stehen warten KANN. Und dann ggf. einen Stuhl besorgt oder von sich aus eine Ansage macht, dass man auch woanders warten darf.

Insgesamt anderthalb Stunden Zeit für eine AU (und die auch nur, weil ich danach gefragt habe, nicht etwa der Arzt mich, so wie ich das sonst kenne) und die Verbandsinfo (die mir vielleicht auch schon sein Kollege am Donnerstag hätte geben können). Hier werden Sie geholfen!

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Wusste ich ja gar nicht, Brigitte

Beim Arzt, 9.03 Uhr.

Zwischenzeitlich hat sich gefühlt nix geändert. Wenn, dann schreitet die Heilung nur langsam voran.

Inzwischen ist mir klargeworden, dass der neue Kur-Zeitraum sich mit einem geplanten Urlaub mit Freunden überschneidet. Samstag kam die neue Einladung zu Anfang März. Tja. Ich kann da vielleicht noch Einspruch erheben. Aber ich glaub, das klappt eher nicht. Naja was solls, kein Urlaub und 300paar Euro flöten, ich habs ja.

Heute erste Lymphdrainage. 45 Minuten (angeblich). Dann zum Arzt. Mir wurde beim letzten Mal gesagt, derjenige, der mich bisher behandelt hat, wäre dann Montag nicht da, aber ich könne „irgendwann“ vormittags kommen. Es gibt hier einen Flur oben und einen Flur unten, und das sogenannte Wartezimmer ist halt der Flur oben oder unten.

Okay, die übliche Schlange am Counter, nachdem ich eingecheckt hatte kam sowas wie „warten sie mal da“ – im unteren Flur. Jeder Stuhl besetzt. Wie jetzt? Ich meine, ich hab ein kaputtes Bein, und ich soll im Stehen warten? Haben die hier noch alle Latten am Zaun? Ich fragte nochmal nach, was ich da an Wartezeit zu erwarten hätte und machte deutlich, dass ich das unmöglich fände. Die Antwort war „Das kann dauern. Du kannst Dich oben ins Wartezimmer setzen.“ Ach, wir sind per Du? Wusste ich ja gar nicht, Brigitte (oder wie auch immer).

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Vielleicht kann ich mich da draufsetzen?

Was bitte ist das hier für ein Gurkenladen? Ich denke, ich bin das letzte Mal hier, und ob ich jetzt noch zwei Stunden warte, damit der Arzt feststellt, „Oh, das ist aber blau!“ und mir ne neue AU und einen neuen Termin in diesem Gurkenladen gibt… Das weiß ich auch noch nicht. Ich hab den Kaffee so derartig auf…

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