Warum seid Ihr Lymphe blau…

So, erste Nacht wieder zuhause. Es ging einigermaßen mit dem Schlafen. Ich hatte mir als Auflage eine Kuscheldecke zusammengefaltet. Hm… die üblichen Schmerzen, aber inzwischen hatten sich interessante Farben auf der Innenseite des Oberschenkels gebildet. Erwartet hatte ich sie eigentlich außen.

Bein Mittwoch morgen

Da war es noch rot… außerdem sieht es nach einer ziemlichen Piloerektion aus, aus welchem Grund auch immer.

Der Vormittag stand im Zeichen von Papierkram, Telefonaten und E-Mails. Ich rief bei der Klinik an. Wir verblieben so, dass man mich in vier Wochen wieder einlädt, sofern ich nicht zwischenzeitlich absage. Ich schrieb einen Brief an die Rentenversicherung, in dem ich genau darüber informierte. Außerdem waren die AU für Arbeitgeber und Techniker-Krankenkasse einzutüten und zu adressieren, im Online-Urlaubssystem die Abwesenheit von der geplanten Variante auf „Krank bis Freitag“ umzukonfigurieren, mein Chef zu informieren und außerdem musste ich noch die Überweisung für die Kohle für die Chorfreizeit fertigmachen. Als ich all das fertig hatte, war es schon Mittag, und ich zog mich an, um zur Post und zur Bank zu gehen.

Also ging ich zur Bank, Geld ziehen, Überweisungen einwerfen, zur Post im EDEka in der Nähe und auch gleich einkaufen. Und mich natürlich um die Portale dort kümmern. Im EDEka ist auch ein Dönermann, wo ich einen Kebabteller zu Mittag futterte, dazu eine Dose Karadag (schmeckt ziemlich genau wie Uludag – ich mag beides ziemlich gerne, eigentlich lieber als Sprite oder 7up – die Türken wissen, wie man Zitronenlimonade macht). Ich klinkte meine Briefe aus, machte ein paar Einkäufe, und dann ab nachhause.

Bein Mittwoch Nachmittag

Ah, das sind ja interessante Farben… „Lila-weiß sind unsere Farben, lila weiß ist unser Glück…“ Irgendwer vom Chor wollte immer gerne aktuelle Hämatom-Fotos haben.

Den restlichen Tag habe ich dann versucht, meine Erlebnisse einigermaßen unterhaltsam hier in den Blog zu hacken. Im Prinzip ist das genau wie beim Urlauben eine Methode, diese Gechichte nicht an alle Freunde einzeln zu schreiben, sondern halt demjenigen, der interessiert an meinen Geschicken ist, so zur Verfügung zu stellen. Ich überlege, in was für eine Kategorie diese Artikel passen und fürchte, ich muss langsam eine Rubrik namens „Meine lustigen Unfälle“ oder so anlegen. Irgendwie hoffe ich, dass es das für dieses Jahr erstmal mit Unfällen gewesen ist. Mein Vater mailte mir unlängst, ich sei langsam ein richtiger Pechvogel. Am Nachmittag hatte der morgens noch rötliche Fleck am Oberschenkel die Grenzen von 1939 erreicht und ein schickes Dunkelblau angenommen.

Am Donnerstag (heute) stand um 8.20 Uhr ein neuer Arzttermin beim Orthopäden zur Ultraschalluntersuchung an. Ich stand also um 7.00 Uhr auf, nachdem mich mein „Waitin‘ on the ADAC“-Wecker sanft aus den Träumen geholt hatte. Also ab zum Bus und zum Doc. Hier war eine Schlange von bis zu 12 Leuten am Tresen. Es dauerte aber dann trotzdem nicht so irre lange, und ich musste diesmal nur eine Stunde warten.

Also, wieder mal Hose runter, damit der Doc meinen Oberschenkel pingen konnte. Während er Fledermausschreie in mein verletztes Bein pumpte, erklärte er seiner Sprechstundenhilfe, wie die Bilder auf seinem Monitor (die ich übrigens nicht sehen konnte) zu interpretieren seien. Naja, was interessiert es auch den Patienten, was in seinem Oberschenkel vorgeht. Vielleicht schleicht da ein russisches Atom-U-Boot herum, aber falls der Doc es mit seinem Sonar entdeckt hat, hat er mir nicht Bescheid gesagt. Aber zumindest hat er offenbar ein paar lustige Fotos davon geschossen, wenn ich das Bimmeling ab und an aus seinem Terminal richtig interpretiert habe. Er schien aber schon ein wenig besorgt zu sein und sagte sowas wie „Wenn Sie in Ihren Zehen kein Gefühl mehr haben und den Fuß nicht mehr heben können, sind Sie im Krankenhaus!“ Nachdem er das noch einmal wiederholt hat, übersetzte ich das in „In diesem Fall suche ich umgehend ein Krankenhaus auf.“ Wäre ja nicht verkehrt, sich sofort im Krankenhaus wiederzufinden, wenn sich das Erfordernis ergeben sollte. Spaß beiseite, das wäre schon eine recht ernste Sache. Es könne sein, dass die Schwellung die Blutgefäße zum Fuß abklemmt und dieser würde dann unterversorgt. Wenn ich das richtig verstanden habe, würde man dann punktieren, um Flüssigkeit austreten zu lassen. Allerdings hielt der Doc dieses Szenario nicht für sehr wahrscheinlich. Er verschrieb mir noch 800er Ibos (eine morgens, eine abends) und sechs Lymphdrainagen à 45 Minuten. Damit hatte ich eigentlich schon beim ersten Besuch vorgestern gerechnet. Achja, sowas wie ne Diagnose habe ich jetzt auch: „Lymphödem li. Oberschenkel“. Oh, echt jetzt?

Ibo

Es geht aufwärts… zumindest mit den Ibo-Dosen. Meinem Doc zufolge soll das nicht nur gegen die Schmerzen, sondern auch gegen die Schwellung helfen. Es ist der Aufschrift zufolge auch ein Entzündungshemmer. Links habe ich angefangen, jetzt bin ich rechts. Und mittlerweile haben mir vier verschiedene Leute mit dem Wunderstoff, der mich zur Zeit zusammenhält, versorgt.

Ich verließ die Praxis mit Kurs auf den Busbahnhof Neumarkt. Unterwegs holte ich in eine Apotheke die 800er-Ibos und gönnte ich mir in der Bäckerei auf dem Weg ein Frühstück. Dabei überlegte ich, wie ich das mit den Lymphdrainagen angehen würde. Ich entschied mich, alles aus einer Hand zu nehmen, denn neben dem Praxiszentrum gibt es auch ein Therapiezentrum, die auch Lymphdrainagen anbieten. Also ging ich nach dem Frühstück nochmal dahin zurück, nur diesmal halt ins Therapiezentrum. Ich legte der Dame am Schalter mein Rezept auf den Tresen und bekam sechs Termine in den kommenden drei Wochen, der erste ist am Montag, wo ich dann die erste Lypmphdrainage (eigentlich ja die zweite) mit dem nächsten Untersuchungstermin verbinden kann.

Also zurück zum Busbahnhof (habe ich erwähnt, dass zwischen Neumarkt und Praxis fette Portale liegen?). Irgendwie weiß ich noch aus der Kindheit: Wenn man krank ist, braucht man was zum Trösten. Wenn keine liebe Mama wie früher da ist oder ein Papa, der einem was Tolles zu lesen mitbringt, dann muss man sich eben selbst darum kümmern. Da Saturn ganz in der Nähe des Neumarkts ist, beschloss ich, da nochmal nach Medien zu gucken. Ich entschied mich für eine Ärzte-CD („Die Bestie in Menschengestalt“, das erste Album nach der Wiedervereinigung von Farin Urlaub und Bela B mit Rod als Bassist) und eine von The Bosshoss. Außerdem nahm ich noch eine 4-Filme-DVD-Box mit, die alle „Airport„-Filme enthält. Sowohl das Original aus den 60ern nach dem Roman von Arthur Hailey (mit Dean Martin, Burt Lancaster und Jaqueline Bisset) als auch einige Nachfolger aus den 70ern. Ich mochte die als Kind und Jugendlicher, bekanntlich stehe ich auf Flugzeuge. Auch wenn ich befürchte, dass mich heute eher die Spezialeffekte als die Handlung das Gruseln lehren werden.

Angekommen an meiner heimatlichen Bushaltestelle ging ich noch zu EDEka, ein wenig einkaufen, dann nachhause. Ich machte mir ein Fertiggericht heiß und verzog mich anschließend ins Bett. Meine gegenwärtige, bevorzugte Schlafhaltung schont zwar das Bein, belastet aber das Becken umso mehr, was Hexenschuß fördert. In sofern ist es besser, nicht so lange, aber öfter zu schlafen.

Tja, damit wären wir im Präsens. Ich werde mir jetzt gleich noch einen Film reinziehen und dann ins Bett gehen. Wie es weitergeht verrate ich gerne auf Anfrage. Das ist nichts mehr für den Blog. Den werde ich dann, wenn möglich, aus dem schönen Wuppertal weiterführen.

Bis denne!

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Im Fadenkreuz von Major X-Ray

Ich hatte einige Stunden Schlaf. Immerhin. Man wird ja bescheiden. Ursprünglich hatte ich ja geplant, am Montag nachhause zu fahren und dann Dienstag noch einige Sachen einzukaufen. Aber ich entschied mich schnell, noch bis Dienstag in der Obhut meiner Schwester bzw. Davina zu bleiben. Also verbrachte ich einen sehr entspannten Tag in der Schlafanzughose, ließ mich von meiner Schwester bekochen, warf fleißig Schmerzmittel ein und gewann auf der Zielgeraden eine Partie Topwords um eine Nasenlänge gegen meine Schwester. Dem Bein ging es wieder etwa so, wie am Vortag vor der Rocky Horror Show, also akzeptabel und aushaltbar. Nachmittags legte ich mich auch noch mal schön ein, zwei Stündchen aufs Ohr, ich hatte schließlich Schlaf nachzuholen. Abends kam Davina wieder und brachte noch 600er-Ibos für mich mit.

Am Dienstag stand ich gegen halb sieben auf. Ich hatte ganz gut geschlafen. Meine Schwester war schon vorher auf den Beinen und hatte für Frühstück gesorgt. Danach fuhr sie mich mit dem T6 nach Lüneburg zum Bahnhof. Es war echt knapp, obwohl wir nicht später als geplant losgekommen sind. Ich brauchte noch eine Karte, und als ich die hatte, stand der Zug nach Hamburg bereits auf dem Gleis gegenüber. Ich sprintete los wie eine Schnecke, die unglücklich an einem Kaugummi festklebt, brachte Unterführung und Treppe zum Gleis hinter mich und schaffte den Zug gefühlt anderthalb Minuten vor Abfahrt. Mein nur teilweise innerlicher Triumphschrei (ich ließ ein halblautes „Gechascht!“ zwischen den zusammengebissenen Zähnen, in denen auch noch das Zugticket steckte, vernehmen) wurde weitgehend von anderen Fahrgäste ignoriert.

Es folgte das übliche Procedere, Umsteigen in Hamburg. Der Zug war pünktlich und voll, aber ich konnte einen Sitzplatz ergattern. In Osnabrück nahm ich mir ein Taxi nachhause. Ich musste zuerst einmal zu meinem Kopf-Doktor, der zu entscheiden hatte, ob ich Reha-fähig wäre oder nicht. Dazu brauchte ich einen Wisch von der Klinik zur Unterschrift. Dieser lag aber leider zuhause, weil ich ja eigentlich geplant hatte, schon am Vortag wieder in Osnabrück zu sein. Also mit dem Taxi nachhause, Rucksack abgeschmissen, Wisch mitgenommen, und zurück mit demselben Taxi in die Stadt. 25 Euronen, dankeschön, bitteschön.

Der Kopf-Doktor sagte „Nein“. Wenn das ein Muskelfaserriss wäre, hätte ich vier Wochen was davon, bei einer Zerrung immer noch zwei, und ich könne dann nicht an den Sportveranstaltungen der Reha teilnehmen. Ich begehrte ein wenig auf, und er meinte, ich könne ja noch zum Orthopäden in der Nähe gehen, vielleicht wäre der ja anderer Meinung, und er könne mich da vielleicht als Notfall einigermaßen zeitnah reinkriegen. Einigermaßen zeitnah hieß in diesem Fall 14 Uhr. Es war kurz vor 11 Uhr. Grrrr! Keine Reha, und dann drei Stunden Wartezeit. Nachhause fahren lohnte sich ja auch irgendwie nicht. Also ging ich erst mal in einer Bäckerei am Rosenplatz einen Kaffee trinken und ein Stück Nervennahrung essen. War beides nicht besonders, der Kaffee in der Jugendherberge war besser gewesen.

Lecker Frühstück

Einmal das Invaliden-Menü: Capuccino, Schweinekugel, Wasser, Ibo.

Als ich da saß und schon mal per E-Mail meinen Chef (den von der Arbeit, nicht meinen Vater, den ich im allgemeinen ebenfalls als Chef bezeichne) informierte, kam ich auf die Idee, in der Zwischenzeit einfach ins Büro zu gehen. Da wäre es warm, es gäbe Toiletten, Strom, Internet, alles was das Herz begehrt. Und der Weg war vielleicht 600 oder 700 Meter, zu bewältigen. Also los. Unterwegs konnte ich noch die Farbe bei ein paar Portalen auf grün ziehen.

Angekommen am Arbeitsplatz konnte ich erst einmal die hübsche Anja am Empfang über mein Mißgeschick informieren, dann ging ich an meinen Arbeitsplatz. Keiner da. Es war kurz vor 12 Uhr, man ging allgemein in die Mittagspause. Ich fuhr den Mac hoch, checkte meine Mails, textete ein bisschen via Skype mit Dr. Overesch in Südafrika. Außerdem telefonierte ich mit einem Kollegen aus der Perso der NOZ, um schon einmal über die potentielle Änderung in meiner Abwesenheit zu informieren. Dann begann ich, einen Confluence-Artikel (Confluence ist unser Document-Management-System, die Knowledge-Base in unserer Firma) über die Ausgabe-Codes der Anzeigenblöcke in unserer Webseite noz.de zu schreiben. Das gehörte zu den Vorarbeiten, die ich eigentlich vor der Kur noch erledigt haben wollte. Ich kam aber nicht weit. Die Kollegen und auch mein Chef trudelten von der Mittagspause wieder ein und versammelten sich wie üblich zum Daily Standup (das ist so eine etwa fünfzehnminütige, tägliche Besprechung, bei der jeder sagt, woran er zuletzt gearbeitet hat oder gerade arbeitet, was als nächstes ansteht, wo es vielleicht Probleme gibt, etc.) Okay, das war dann bei mir „Ich bin auf Chorfreizeit gefahren und bin da verunglückt, und die Kur muss wohl verschoben werden. Achja und ich war bei der Rocky Horror Show, echt sehenswert!“

Um mein Bein nicht zu überlasten, bat ich meinen Chef, mich zu 14 Uhr den knappen Kilometer zum Orthopäden zu bringen, was er dankenswerterweise auch tat.

Angekommen in der Praxis, die mein Nervenarzt emfohlen hatte (ein anderer Orthopäde, bei dem ich schon mal war, sitzt vielleicht zwei km weiter weg), war erstmal eine kleine Schlange vor dem Empfangstresen. Nach der Aufnahme dann ins Wartezimmer – naja, eher ein Warteflur. Proppenvoll mit leidenden Menschen. Zwei Stunden warten. Ich hatte meine Schmerzmittel nicht dabei, kein Wasser, nix zu lesen. Also „Focus“ und „Stern“. Nach zwei Stunden Wartezeit kam ich zum Doc und seiner Sprechstundenhilfe. Oh, ist ja ganz geschwollen, Ihr Oberschenkel. Oh, Sie sind also auf einen Stein gefallen, wie interessant. Na, dann gehen Sie doch mal zum Röntgen. Warten sie bitte im Wintergarten. Oh, toll. Im „Wintergarten“, so eine Mansarde oder so, die sich vom Flur aus ausbuchtete, gab es Korbstühle. Meine Oberschenkel sind eh alles andere als schlank, aber so angeschwollen passe ich da einfach nicht richtig rein. Also, anderer Stuhl, anderer „Stern“. Mist, ich hatte die Geschichte im alten noch gar nicht zuende gelesen. Oh, man bittet mich zum Beschuss mit Kathodenstrahlung.

Frau Major X-Ray animierte mich mit befehlsgewohnter Stimme, die Hose runterzulassen, meine Familienjuwelen erst in einer Plastiktüte zu verstauen und dann da so einen Bleischutz darüberzuziehen. Okay, offenbar gibt es die nur in einer Größe, da wäre ja noch reichlich Platz für noch einen Satz Fortpflanzungsequipment. Unterhose wieder drüber, und ab auf den Tisch. „So, jetzt kann nichts mehr schiefgehen, ist alles mit Blei verkleidet“, dachte ich, während Major X-Ray ihre Strahlenkanone ausrichtete. Bimmel bimmel, knips knips, oh, ich darf mich noch unbequemer hinlegen? Aber gerne doch. Bimmel bimmel, knips knips. So, Plastiktüre in den Mülleimer, anziehen, raus hier! Aye, Ma’am. Doof nur, dass besagter Mülleimer im Röntgenzimmer, nicht im Vorzimmer stand. Als ich die Tüte in den Eimer entsorgte, hatte Major X-Ray bereits den nächsten Delinquenten auf dem Tisch. Sorry!

Bleischutz für die Genitalien

In Schwarz mit ein paar neckischen Bändchen dran wäre das doch ein schnukkeliges Accessoire für die Rocky Horror Show…

Also, zur Abwechslung mal warten. Dann wieder zum Doc rein, Frau Sprechenstundenhilfe, machen Sie doch dem Mann mal einen Salbenverband. In den letzten Tagen habe ich öfter vor irgendwelchen Frauen die Hosen runtergelassen als in den vergangenen 15 Jahren… Medikamente haben Sie schon? Was denn? Ibo? Na, alles richtig gemacht. Oh, ich darf übermorgen wieder zum Ultraschall kommen? Aber gerne doch. Wiedersehen!

Gesamtdauer der Operation: 3,5 Stunden. Plus drei Stunden warten auf den Termin. Vielen Dank.
Ziemlich genervt ging ich danach zum Neumarkt und nahm einen Bus nachhause.

Ich futterte zwei Brötchen, die ich auf dem Weg zum Bus noch besorgt hatte. Danach erstmal ab ins Bett. Oh, der Verband hat es nicht bis nachhause geschafft.

Später holte mich die kleine Steffi ab und nahm mich mit zur Chorprobe. Hier gab es noch Geschenke für Kai und Hobi, und Marlene bedankte sich beim ganzen Chor für die Unterstützung bei ihrem Solo. Während ich bei der Rocky Horror Show war, hatte der Chor ein Kurzkonzert in Marlenes Heimatgemeinde bei Schortens gegeben, und Marlene hat zum ersten Mal öffentlich ein Solo gesungen – keine Kleinigkeit bei ihrem Lampenfieber und ein großer Schritt über eine Schwelle für sie. Einige der Stücke, die wir am Chorwochenende geprobt haben, waren auch uraufgeführt worden. Es soll toll gewesen sein, nicht perfekt, aber ein dankbares Publikum. Ich bin vor allem froh, dass Marlene das hinbekommen hat. Kai war so freundlich, mir seinen Respekt für mein Durchhaltevermögen bei den Proben am WE auszusprechen. Dann wurde geprobt, wieder die neuen Songs. Irgendwie war die Probe gefühlt sehr schnell zuende. Wahrscheinlich, weil ich vom Wochenende irgendwie mehr proben gewöhnt war. „Bärchen“ hatte noch Muffins und Obst mitgebracht, und nach der Probe saß man wie immer noch lange bei Getränken und Klönschnack zusammen. Ansgar hatte ein Video vom Konzert als Video auf seinem Laptop, und ich bin schon sehr scharf darauf, die geschnittene Variante irgendwann downloaden zu können.

Am Ende des Abends brachte Steffi mich wieder nachhause. Feierabend.

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Rocky Horror Aua Show

Nach im Wesentlichen (mag sein, dass ich zwischendurch mal ein wenig weg war) durchwachter Nacht stand ich wieder gegen 8.15 Uhr auf. Mein Budengenosse Michael half mir beim Schuhe anziehen. Duschen fiel aus. Mir fiel eine Aufschrift für T-Shirts ein: „Ich bin krank – ich darf stinken!“.

Nun, es war Sonntag, also war der Plan, mit dem Zug nach HH-Damtor zu fahren, um mit Schwester und dem Oberneffen die Rocky Horror Show im CCH zu besuchen. Nach der Nacht befürchtete ich, das nicht zu schaffen. Doch die ersten Schritte des Tages waren deutlich besser als alles am Vortag, seitdem der Schmerz angefangen hatte, und mein Gang sah auch viel besser aus. Also war spätestens nach dem Frühstück klar, dass ich fahren würde. Bis zehn Uhr mussten wir unsere Zimmer geräumt haben, danach war dann für die anderen die nächste Probe anberaumt. Mein Zug fuhr um 10.39 Uhr, der Weg zum Bahnhof war ne Sache von fünf Minuten mit dem Auto. Bernd fuhr mich mit seinem T4 Multivan hin.

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal herzlich bei Bernd und auch Nadine für alles bedanken, was sie für mich getan haben. Es ist klasse, im Notfall Leute dabei zu haben, die Fachkenntnisse haben und auf die man zählen kann. Aber dazu kam auch noch eine sehr fürsorgliche und positive Art und Weise, mit der die Chorleute mich unterstützt haben. Auch allen anderen möchte ich für alle lieben Worte und guten Wünsche (und womöglich Gebete) danken. Ihr seid klasse!

Viel Zeit hatte ich nicht mehr, es gab keinen Fahrkartenautomaten, und der Schalter hatte geschlossen. Ich überlegte, mich schnell noch bei der DB anzumelden und online ein Ticket mit dem Schlaufon zu kaufen. (Okay, war vielleicht auch keine gedankliche Glanzleistung, stattdessen das einzige, für mich erreichbare Ingress-Portal, nämlich den Bahnhof selbst, einzunehmen…) Wie auch immer, darum sollte ich mich für solche Fälle mal dringend kümmern. Aber akut war das kein Problem, weil man in der Nordwestbahn – im Gegensatz zum Metronom – Tickets lösen kann. Sogar bis HH-Dammtor über Oldenburg und Bremen.

Sande, Perle Frieslands

Sande, Perle Frieslands

Die Fahrt war ereignislos. Das Umsteigen in Sande, Oldenburg und Bremen klappte ganz gut, auch wenn ich ein paar mal fast gestolpert wäre. Ich erreichte alle Anschlüsse, und Sitzplätze hatte ich auch immer (sonst hätte ich auch echt ein Problem bekommen). An den Halte- bzw. Umsteigebahnhöfen konnte ich mir doch noch ein paar Unique-Hacks oder -captures holen (@Chef: nicht aufregen, sind nur zwei kleine Sätzchen bisher über Ingress, und mehr wird das auch nicht). Uniques in Jever war immerhin ein Argument im Arsenal der Frau mit SM im Nummernschild gewesen, um mich ins Land des friesischen Gerstensaftes zu locken.

Schließlich am Bahnhof HH-Dammtor unweit des CCH angekommen, suchte ich erstmal den örtlichen Mc Donald’s zwecks Mittagessen auf. Ich hatte inzwischen per SMS bzw. What’s App Kontakt zu meiner Schwester und meinem Oberneffen aufgenommen, die mit der S-Bahn auch schon im Anmarsch waren. Wir trafen uns beim Fastfood-Retailer, nachdem ich bereits einen Doppelcheesedingsbums mit Pommes und Cola vernichtet hatte. Aber wir hatten noch Zeit für einen Latte pro Nase, und ich konnte zwischendurch meinen Rucksack in ein Schließfach entsorgen.

Dann ging es rüber ins CCH. Garderobe abgeben, und auf in den Saal, Hochparkett. Hier lag noch reichlich Konfetti von der vorangegangenen Vorstellung auf dem Boden. Reis darf man bei der „Hochzeitsszene“ nicht verwenden. Auch Toast, Klopapierrollen und größere Wasserwerfer (z.B. Super-Soaker) sind nicht erlaubt, und das wird auch am Eingang geprüft (wenn auch nicht sehr konsequent, wie wir feststellten). Vor Beginn liefen auf einer Leinwand noch Trailer oder Ausschnitte aus Filmen, die in „Science Fiction Double Feature“ erwähnt werden, z.B. „Tarantula“. Danach ging es – mit eben jenem Song natürlich – los.

Meine Schwester, der Oberneffe und ich kannten bisher nur den Film und waren, was die Live-Version angeht, noch unbeleckt. Dennoch hatten wir das nötigste dabei (Konfetti, Karten, eine Rassel, drei Wasserpistolen, drei Zeitungen…). Auf eine Kostümierung hatten wir allerdings verzichtet. Naja, wir waren allenfalls ambitionierte Anfänger. Aber man lernt ja dazu, beispielsweise, dass bei jedem „Dr. Scott“ ein „UUH!“ zu äußern und dass der Erzähler grundsätzlich auzubuhen ist („Booooooring!“). Dieser wurde übrigens von Sky du Mont sehr herrlich trocken gespielt. Dialoge und Songs waren im englischen Original gehalten, die Texte des Erzählers hingegen Deutsch. Alle „Boooorings“ wurden gekonnt gekontert mit Sprüchen wie „Schockt mich gar nicht. Sie haben für jedes einzelne Wort bezahlt.“ oder „Sie machen das doch nur, weil ich als einziger hier noch eine Hose anhabe.“ oder „Ich bin eh lauter als Sie“. So ergab sich häufig die lustige Folge von Ausbuhen – Konter – Applaus.

Nun, das Ensemble und die Band waren allesamt spitzenklasse – natürlich fehlt mir der Vergleich, aber es war schon richtig gut. Das Publikum hätte ich mir hingegen noch lebhafter vorstellen können. Es wurde nicht allzuviel mitgesungen, und so habe ich auch lieber vor allem zugehört. Mein persönliches Highlight war gleich der dritte Song „There’s a light (over at the Frankenstein place)“. Das ist ja eine Ballade, und vor bzw. unter uns gab es ein Meer von bunten Knicklichtern und vereinzelten Feuerzeugen. Gleichzeitig ist es bekanntlich die Regenszene, d.h. die Wasserpistolen und Zeitungen (zum über den Kopf halten, wie Janet es macht) kommen zum Einsatz. Und so war das eine absolut herrliche schräge Kombination aus Gänsehaut-Feeling und gleichzeitig ein kindlicher Riesenspaß. Ich krieg schon wieder Tränen in die Augen, wenn ich nur daran denke. Ich versuchte, mitzusingen, musste aber schlucken, weil mich das so mitgenommen hat. Anfangs pumpte ich ordentlich Wasser Richtung Decke, um autentischen Regen zu erzeugen, nahm dann aber später gezielt Leute in den Reihen vor mir ins Visier. Wie mein Oberneffe hinterher richtig bemerkte, „wann hat man schon Gelegenheit, in der Öffentlichkeit fremde Leute mit Wasser abzuschießen“. Das war einfach nur super und wird mit Sicherheit ein Highlight-Moment dieses Jahres bleiben.

Wasserpistole

Niemals ohne – der handliche, kleine Freund für den Musical-Besuch

Es ging vergünglich und hochwertig weiter, auch Bühnenbild, Effekte und Kostüme empfand ich als sehr gelungen, und auch die Leute am Pult beherrschten ihr Handwerk gut. Ich fand höchtens den Erzähler ein bisschen zu leise. Mit anderen Worten, ich kann die Show nur absolut empfehlen.

Am Ende gab es ausdauernden Applaus und als Zugabe noch mal „Wild and untamed thing“ und den „Time Warp“. Dann war es zuende. Wir setzten uns erst mal eine Weile an einen der Tische im Foyer, weil wir keine Lust auf Riesengewimmel auf der Treppe und an der Garderobe hatten. Schließlich wurden wir von einer Mitarbeiterin – nicht sehr höflich übrigens – weggescheucht.

Nachdem wir unsere Klamotten wieder hatten, ging es zurück zum Bahnhof Dammtor. Und da war dann die Leistungsmöglichkeit meines Fahrwerks offenbar überschritten. Während der Show war es eigentlich nicht allzu sehr beansprucht worden – man saß und stand vielleicht zwei mal auf, natürlich auch am Ende beim Applaus. Aber es ging gar nichts mehr, ich hatte starke Schmerzen, und der Weg zum Bahnhof erschien sehr lang. Zuerst lehnte ich die Hilfe meines Oberneffen, mich zu stützen, noch ab. Aber später ging es nicht mehr anders. Er holte meinen Rucksack aus dem Schließfach. Anfangs hatte es drei Euro gekostet, das Teil einzuschließen – und nun wollte es nochmal drei Euro. Okay… gut, dass mein Rucksack in das kleinere Fach gepasst hat. Das größere hätte acht Euro gekostet. Ganz schön frech, wie ich finde.

Ein Grund für meine starken Schmerzen war sicherlich, dass meine Schmerzmittel auch überfällig waren. Dazu gehört auch Novaminsulfon-Ratiofarm, alle sechs Stunden 40 Tropfen. Ich hatte noch Wasser in einer Flasche dabei und genehmigte mir die Dosis. Aber es half natürlich kurzfristig nicht.

Rein in den Zug, am Hauptbahnhof nochmal umsteigen, in Harburg im Park & Ride rein in den T6, mit dem meine Schwester und der Oberneffe gekommen waren. War keine gute Idee, vorne einzusteigen – hinten geht es leichter, wie ich später feststellte. Wir fuhren dann nach Maschen zu meinen Eltern. In Maschen lud meine Schwester zum Griechen ein, noch anlässlich ihres Geburtstages Anfang Januar (sie war da aber in Vietnam). Zunächst waren wir aber bei meinen Eltern, ich war sehr schmerzgepeinigt und ließ mir von meinem Vater einen neuen Salbenverband machen. Ich musste mir kurz überlegen, ob ich nicht lieber im Haus meiner Eltern bleiben wollte, entschied mich dann aber doch, mit zum Essen zu kommen. Ich fuhr im Skoda meines Vaters auf dem Beifahrersitz mit, das war angenehmer als im VW-Bus.

Das Patenkind meiner Schwester, auch Ärztin, kam mit der Freundin meines Oberneffen ebenfalls zu dem Lokal. Davina meinte, dass es Quatsch sei vonwegen kein Alkohol wegen der Schmerzmittel zu trinken – bei Antibiotika sei das eine andere Sache. Daher gab es dann doch zwei Pils und einen Ouzo für mich. Immerhin hat Alkohol ja auch eine gewisse, betäubende Wirkung, und es half auch ein wenig, mich besser zu fühlen. Das Essen war lecker, es ging mir langsam etwas besser und so konnte ich es genießen.

Danach fuhr ich dann mit Davina im Golf zu meiner Schwester nachhause, wo sie sich dann nochmal meinen Oberschenkel ansah, den Verband erneuerte, meine Medikation prüfte und für gut befand (ebenso wie alles andere, was bisher unternommen worden war). Sie wohnt im Moment übergangsweise bei meiner Schwester in der Nähe von Lüneburg und muss für ihren Job immer ziemlich früh aufstehen. Wenn was wäre, solle ich sie auf dem Handy anklingeln. Meine Schwester ging dann auch bald schlafen und auch ich suchte den Weg ins Bett (Schlafsofa). Zunächst ging das gar nicht – ich fand keine Position, die die Schmerzen genug im Zaum hilt, um schlafen zu können. Ich quälte mich die Treppe runter, versuchte es im Sitzen auf einem Sessel, im Liegen auf einem Ottomanen, aber alles Mist. Schließlich quälte ich mich die Treppe wieder hoch und fand dann doch eine Möglichkeit, mein Bein in einer erträglichen Position zu lagern und konnte dann doch so sechs Stunden schlafen.

To be continued…

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Schneeschmerzen

Ich schlief in einem Bett mit solidem Lattenrost tief und fest. Meinen „Waitin‘ on the ADAC“-Wecker hörte ich erst in der letzten Strophe, und diverse andere Wecker, die schon vorher losgegangen waren, gar nicht. Das ist ungewöhnlich, ich habe einen eher leichten Schlaf. Da das Bad noch besetzt war, konnte ich noch ein wenig snoozen. Dann Duschen, Zähne putzen, anziehen und ab zum Frühstück.

WTF? Bin ich wirklich in einer Jugenherberge gelandet?

WTF? Bin ich wirklich in einer Jugenherberge gelandet?

Wieder rieb ich mir verwundert die Augen. Brötchen? Müsli, Smacks, Fruchquark? Biohonig? Drei Sorten Marmelade, Nutella, Obst, Kaffee aller Art? Nunja, man kann sich daran gewöhnen. Leute, die auch in letzter Zeit verschiedene Jugendherbergen besucht hatte, wiesen mich darauf hin, dass das hier keine Ausnahme, sondern der aktuelle Standard sei.

Deutlich besser als Bürokaffee!

Deutlich besser als Bürokaffee! Diese Maschine niederländischer Herkunft offeriert normalen Kaffee, Milchkaffee, Latte macciato, Cappuccino, heißes Wasser – und ist vom Personal konfigurierbar, was freigeschaltet ist und was nicht.

Nach dem Frühstück folgte eine Zusammenkunft im Übungsraum. Wir bildeten einen Stuhlkreis und machten Kennenlernspiele. Zunächst sollte sich jeder mit einem Eigenschaftswort mit dem selben Anfangsbuchstaben des eigenen Vornamens und einer passenden Geste vorstellen. Aus mir wurde so der „muntere Michi“ mit einer eher nichtssagenden Geste. Den „machtgeilen Michi“ und die Geste, eine imaginäre Katze zu streicheln, hatte ich als unzutreffend verworfen. Es kamen also ein paar schöne Alliterationen zusammen. In der zweiten Runde sollte man dann jeweils sein Gegenüber wieder mit Adjektiv und Geste identifizieren. Ausgerechnet ich hatte den „hyperschlaraffigen Helmar“ (oder so ähnlich) gegenübersitzen und versagte gleich als erster. Als Nächstes sollte jeder einen Schuh ausziehen und in die Mitte werfen. Olfaktorische Nebeneffekte blieben zum Glück aus, es war ja noch früh man Tag… Man sollte sich einen Fremdschuh aussuchen, den dazugehörigen anderen Schuh mitsamt dem Träger / der Tragerin da drin finden und mit diesem Gemeinsamkeiten entdecken. Bei mir war es spontan ein Schuh, in dem man den halben Rubbenbruchsee unterbringen könnte, der Träger war Detlef, und wir fanden heraus, das wir beide Katzen mögen (doch Machtgeilheit?) und gerne an Ziele reisen, wo wir zuvor nie waren.

Schuhe vom Chor

„Wenn der Schuh passt, zieht man ihn an!“ (Pavel Andreievich Chekov, Star Trek 6 – Das unentdeckte Land)

Zwischendurch kamen noch einige Chormitglieder dazu, die erst am Samstag angereist waren. Diese wurden natürlich sofort mit einbezogen. Es wurde ein Stuhl entfernt. In diesem Spiel sollte der, der „dran“ war, einen Satz mit einer möglichst exotischen Sache sagen, die derjenige noch nie gemacht hat, etwa „ich war noch nie fallschirmspringen“. Wer das schon einmal gemacht hat, durfte sitzenbleiben, alles anderen mussten sich einen neuen Stuhl suchen. Wer übrig blieb, war „dran“. Nach einer Weile mit langweiligen Sachen wie Wildwasserrafting, Ubootfahren, Kampfflugzeugfliegen, Häkelkursen etc. setzte der Chorleiter eine Marke mit „Ich war noch nie in einem Erotikfachgeschäft“ (hallo, wer soll ihm denn das abkaufen?), um uns Spießer ein wenig auf Touren zu bekommen. Nun, darauf kamen dann doch ein paar Sex- und Drogen-Aussagen, und ich lernte, dass ich doch ein ganz schöner Spießer bin. Aber wir wollen dann doch als braver, braver, braver … usw. Kirchenchor hier besser den Mantel des Schweigens ausbreiten.

Es folgte eine Pause. Da es munter gescheit hatte und viele von uns (egal welchen Alters) uns wie Jugendliche auf Klassenreise fühlten, ging es sofort raus in die weiße Pracht, um entweder einen Schneemann zu bauen oder eine gepflegte Schneeballschlacht zu zelebrieren. Eine Chorschwester drohte mich „einzuseifen“ und ich trat die Flucht nach hinten an – und stolperte. Ich merkte einen Schlag am linken Oberschenkel, stand aber bald wieder senkrecht und beteiligte mich wieder an der Erforschung der ballistischen Eigenschaften von wohlgeformtem, kristallisiertem Wasser.

Gefährliche Steine

Gefährliche Steine. Die waren bei der Schneeballschlacht voll von frischem Schnee bedeckt. Der rechte, halb verdeckte Stein könnte derjenige welche gewesen sein.

Dann ging es weiter mit der Probe. Eine Chorschwester, die am kommenden Tag Geburtstag hatte, wurde von ihrem ebenfalls anwesenden Freund abgefangen, so dass wir das Geburtstagsständchen schon mal üben konnten. Dabei fingen dann die Schmerzen an – und nicht zu knapp. Ich schaffte es, die Schmerzen auszuhalten, bis wir mit dem Geburtstagslied durch waren. Anschließend ging es an ein sehr fröhliches Lied mit einem sehr fröhlichen Text. Mein Gesichtsausdruck und meine Gefühlslage waren inzwischen das exakte Gegenteil. Es ging nicht mehr. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelte ich unter den besorgten Blicken des Chores aus dem Raum. Sofort war Bernd, der Arzt im Chor, bei mir und meinte, zuerst müsse man eine Funktionsprüfung machen. Es hieß Hose runter, dann ließ er mich einzeln auf beiden Beinen stehen und den jeweils anderen Oberschenkel anziehen und nach außen drehen. Gebrochen sei wohl nichts, sonst wäre das nicht möglich gewesen, er diagnostizierte einen Muskelfaserriss mit Einblutung. Der Oberschenkel war schon sehr stark geschwollen. Ich bekam Iboprofen aus seinem Vorrat und versuchte dann, weiter an der Probe teilzunehmen. Keine Chance, das Schmerzmittel reichte nicht aus, ich hatte zu starke Schmerzen. Daraufhin half mir Bernd bis zu meinem Bett und fuhr schnurstracks zur nächsten Apotheke. Er kam mit weiteren Schmerzmitteln, Schmerzgel und einem wiederverwendbaren, elastischen Verband wieder, den er mir anlegte. Er ging dann wieder zum Rest der Probe und sagte, er würde mich zum Mittagessen abholen.

Zum Mittagessen wurde ich also abgeholt. Durch die Schmerzmittel ging es mir etwas besser. Die Schmerzen waren von „die Wand hochgehen“ auf ein auszuhaltendes Niveau runtergegangen, vermutlich dank der Schmerzmittel. Ich weiß nicht mehr, was es zum Mittagessen gab, aber es war wieder lecker. Anschließend gingen die Proben weiter. Ich hütete mich davor, mich auf mein Zimmer zurückzuziehen und alleine meinen Schmerz zu genießen, es schien mir besser, die Proben mitzunehmen und abgelenkt zu sein. Ich verbreitete allerdings hier und da allgemeine Unruhe, wenn ich mal aufstand und ein paar Schritte humpelte, etwa um eine Flasche Wasser zu holen. Dabei knickte ich teilweise fast ein. War auch nicht schlau von mir, ich hätte mir besser helfen lassen sollten. Ich wollte mich nur bewegen, um beweglich zu bleiben. Aber es ist dann besser, auf kurze Gänge zu verzichten und längere Gänge zu unternehmen, dann gewöhnt sich der beschädigte Muskelstrang irgendwann an die Bewegung, und der Schmerz lässt nach. Es gäbe halt erst einmal den sogenannten „Anlaufschmerz“. Das erklärte mir Bernd später, und die Erfahrung bestätigte das auch.

Gefühlt sehr bald nach dem Mittagessen gab es Kaffee aller Art, Waffeln, Sahne und Kirschen. Ich unternahm mit der kleinen Steffi, die mich gefahren hatte, einen Spaziergang durch den Wald, und auch wenn so mancher Schritt nicht so toll war, es ging irgendwie. Steffi ist sehr sportlich, sie macht Kickboxen, schwimmt gerne, ist ziemlich fit und hat immer Bewegungsdrang. Darauf ergab sich in der Situation etwa in etwa folgendes Gespräch: Steffi meinte, Bewegung sei immer gut. Ich entgegnete, ein vollbesetztes Passagierflugzeug, welches mit 850 km/h auf einen Berggipfel zuflöge, sei auch eine Bewegung, aber nicht unbedingt gut. Steffi meinte daraufhin sinngemäß, der Vergleich würde doch reichlich hinken (give me ambiguity or give me something else…).

Später durfte ich mir noch von einer der Physiotherapeutinnen der medizinischen Abteilung des Chores, Nadine, die Lymphe drainieren lassen. Das war größtenteils angenehm und hilfreich. Nach der Lypmphdrainage bekam ich noch Anweisungen zur Zirkulationsgymnastik. Ich habe eben kurz den Wikipedia-Artikel über Lymphdrainage überflogen, demnach soll die „Pumpleistung“ erhöht werden, aber richtig verstanden habe ich nicht viel, ich glaube, dann müsste ich zuvor mehr über das sog. lymphatische System wissen. Ich gewann jedenfalls den Eindruck, dass durch die Lymphdrainage die Verteilung des in der verletzten Region ausgelaufenen Blutes in angrenzende Regionen beschleunigt werden soll. Dies könnte ja einerseits dazu führen, das durch die bessere Verteilung über mehr Volumen insgesamt der Druck und somit der Schmerz nachlässt und andererseits die Resorbtion des Blutes durch eine größere, zur Verfügung stehende Kontaktfläche vielleicht auch beschleunigt wird. Dies ist aber nur meine laienhafte Theorie, das steht nicht in dem Artikel, wohl aber, dass die Lymphdrainage im allgemeinen den Heilungsprozess beschleunigt.

Nun, es gab wieder Proben, irgendwann Abendessen, wieder Proben. Am Ende hatte ich dann, nachdem ich, wie ich finde, insgesamt recht tapfer durchgehalten hatte (immerhin, Nadine hatte gesagt „Der darf jammern, das ist echt schmerzhaft.“) doch den Kaffee ziemlich auf und entsprechend schlechte Laune. Nach Feierabend ging es wieder in den „Partyraum“. Tenor Stefan hatte gefragt, ob ich wieder auflegen würde, und ich versuchte das auch erst mit ein zwei Stühlen, einer Decke und einer Wärmflasche mit Schnee (beides von Chorschwester Nicole herangeschafft) zum kühlen, aber es war einfach nicht angenehm. Weder die Lage, noch den anderen beim Feiern zuzusehen.

Bernd unternahm mit mir noch einen kleinen Spaziergang um die Häuser, weil er sich wohl nochmal ein Bild von meiner Beweglichkeit machen wollte. Ich ließ auch die Hose nochmal runter und kühlte direkt mit Schnee. (Übrigens hatte ich sowieso auf dieser Chorfreizeit nicht so viel zu verbergen. Ich hatte keinen Gürtel dabei und unvorteilhafte Unterhosen, was dazu führte, dass jeder aus dem Chor jetzt mindestens mein Bauarbeiter-Dekolleté kennen dürfte. Wenn nicht mehr. Meine unfallbedingten Behinderungen halfen auch nicht gerade dabei, da ein wenig Kontrolle rein zu bringen.) Danach wollte ich eigentlich nur noch ins Bett.

Aber, wie schon erwähnt, eine von mir Chorschwester, die ich auch gern hab, hatte am Folgetag Geburtstag. Natürlich wurde reingefeiert, ihre Freundin Chorschwester Renate hatte im Geheimen viel liebevoll organisiert. Also raffte ich mich zu Null Uhr noch einmal auf, und ging in den Probenraum, wo ein Gabentisch aufgebaut war. Es gab Knicklichter für alle, natürlich einen Kuchen mit Kerzen, und das Geburtstagskind gab Sekt aus. Das geprobte Ständchen wurde gesungen sowie andere Geburtstagslieder. Ursula (von mir „Bärchen“ genannte) war ziemlich hin und weg von allem, also „mission accomplished“. Da sie sehr gerne bastelt, bekam sie einen Haufen Bastelmaterial und Gutscheine für ein Bastelgeschäft, sowie eine sehr liebevoll gestaltete, selbstgebastelte Karte, auf der alle unterschrieben haben. Ich weiß nicht, wer das Teil gemacht hat, aber es sah super aus, und ich war beeindruckt. Danach gingen dann die meisten noch feiern im „Partyraum“, ich ging ins Bett.

Schlafen ging aber leider nicht. Ich fand keine Position, in der ich schmerzfrei oder zumindest halbwegs ohne Schmerzen war. Irgendwann kamen die ersten Leute zum Schlafen ins Mehrbettzimmer. Ich bat Bassbruder Jörg, Schnee in eine Plastiktüte zu tun, um noch was zum Kühlen zu haben. Aber ich war vorsichtig, weil ich mir schon mal beim Kühlen Erfrierungen zugezogen hatte, von denen ich dann länger was hatte als von der eigentlichen Schmerzursache. Wie auch immer… viel geschlafen habe ich wenig bis gar nicht in dieser Nacht. Wenigstens bekam ich noch zwischenzeitlich sehr netten Kurzbesuch von Steffi auf dem Weg vom „Partyraum“ in ihre Koje. Das hat gut getan.

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Der Topf voll Bier unter dem Regenbogen am Ende der B68. Vielleicht.

Vorgeschichte

Der Plan war folgender: Freitag, wenn möglich,  zwei Stunden früher Feierabend (die letzten Bereitschaftsstunden abfeiern), ab zum Bahnhof, nach Lüneburg fahren. Dort von meiner lieben Schwester abholen lassen, einen gechillten Restabend, dann einen gechillten Samstag verbringen. Sonntag dann mit Elisabeth und meinem Oberneffen Pascal nach Hamburg, im CCH die Rocky Horror Show ansehen. Am Montag gegen Mittag wieder zurück nach Osnabrück fahren (Montag und Dienstag Urlaub), Dienstag noch ein paar Einkäufe erledigen, Mittwoch morgen ab nach Wuppertal, zu einer sechswöchigen Kur. Wie gesagt, das war der Plan. Wie so manchmal, es kam alles anders…

Am Wochenende stand auch eine Chorfreizeit in Jever an. Ich mag meinen Chor. Und mein Chor, zumindest so eine bestimmte Kerntruppe, mag mich – wie es aussieht. Jedenfalls wurde ich beim Bier nach der Chorprobe am Dienstag vor einer Woche von ein paar Leuten knappe zwei Stunden lang bearbeitet, doch nach Jever mitzukommen, ich könne doch Sonntag immer noch zur Rocky Horror Show nach Hamburg fahren. Obwohl ich bis zum Schluss nach außen hin nicht einknickte, hatte mich das Kommando Überredungskampfkunst unter der Federführung von SM am Ende ziemlich mürbe gemacht. Okay, okay, ich komm ja mit… Ich guckte dann zuhause noch nach Zugverbindungen… hm, dreieinhalb Stunden Fahrt, dreimal umsteigen, nervig irgendwie. Ich schrieb meiner Schwester, dass ich „womöglich“ erst am Sonntag und dann direkt nach Hamburg führe. Eine Nacht später war mir das eigentlich alles schon wieder zu anstrengend und nervig. Zack, ab nach Lüneburg, gechillte Tage verbringen und gut (siehe oben).

Nach der Arbeit fand ich zuhause eine E-Mail von meiner Schwester vor: „Natürlich fährst Du mit auf Chorfreizeit, wenn Deine Leute das alle wollen!“ (Grummel, spielt denn keine Rolle, was ich will?) Aber: Wenn die große Schwester das sagt, dann muss man sich ja daran halten. Also textete ich die Leiterin des Überredungskampfkunst-Kommandos an, die mir noch ins Ohr geflötet hatte, sie würde mich dann auch abholen und mitnehmen, dass man mich endgültig gargekocht hätte und ich gegen 16 Uhr am Arbeitsplatz an der Hannoverschen Straße abholbereit wäre.

Es war eine anstrengende Woche gewesen. Natürlich gibt es viel an Arbeit zu übergeben und wenn möglich schon ein bisschen vorzubereiten, wenn man sich insgesamt (mit ein wenig Urlaub vorher und nachher) sieben Wochen abzuseilen gedenkt. Dazu kamen zwei Arzttermine, an einem Tag musste ich mittendrin nachhause, um Heizungsableser in die Wohnung zu lassen, ein Sitzungstermin (ich habe normalerweise nicht viele Sitzungstermine wahrzunehmen, vielleicht ein Termin pro zwei Wochen oder so) und so weiter. So kam ich dann Freitag auch ein wenig ins Schwitzen, machte aber fast rechtzeitig einen Schluss-Strich, und Steffi musste nicht allzu lange auf mich warten.

Die Fahrt war ohne Navi alleine mit einem kleinen, handschriftlichen Zettel an Steffis Amaturenbrett problem- und ereignislos und angenehm. Wir unterhielten uns angeregt, so dass es mir so vorkam, als wären wir nicht sehr lange unterwegs gewesen. Okay, ganz am Ende verpasste Steffi in Jever eine Straße, und wir ließen uns von Frau Google eben zur Jugendherberge führen.

Apropos Frau Google: Unten auf der Luftansichtskarte sieht man in der Bildmitte die Jugendherberge von oben. Das wie ein Y geförmte Haupthaus im Süden enthält Speisesaal, Küche, Rezeption und Gemeinschaftsräume, die verstreuten Gebäude nördlich davon sind die Unterkünfte. Ich wohnte in Haus 4, das ist das Haus links unten von den vier kleinen Häusern parallel zur „Spiegelachse“ ganz oben.

Ähm. Jugendherberge… Es ging in eine helle, großzügige Empfangshalle, in der wir von freundlich lächelnden Menschen an einer Rezeption begrüßt wurden und elektronische Schlüssel für unsere Zimmer erhielten – jeder einen eigenen! Ich hielt Ausschau nach einem potentiell grantigen „Herbergsvater“, aber so jemand war nirgendwo zu sehen, zumindest niemand, der dem 80er-Jahre-Prototyp des Homo pater domus iuvenalis auch nur annähernd ähnelte. Hobi, unser Chef-Organisator, hatte mich schon in sein Zimmer mit reingelegt, nachdem ich ihm last Minute noch mitgeteilte hatte, dass ich mitkäme.

An dieser Stelle darf eine kleine Laudatio nicht fehlen: Hobi hat die Chorfreizeit organisiert, und er kümmert sich überhaupt um so unheimlich viel, und das mit einer Freude und Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht. Auch andere Leute engagieren sich und investieren viel Freizeit, z.B. Stefan, der die Chorproben aufnimmt, schneidet und die einzelnen Stimmen zum Üben zur Verfügung stellt. Aber Hobi ist schon ein Phänomen für sich.

Wie gesagt, Jugendherberge… es gab ersteinmal Abendessen. Also, ich war halt irgendwie wohl zum letzten mal vor 25 oder 30 Jahren in den 80ern in einer Jugendherberge gewesen. Und so ereilte mich einfach ein gelinder Kulturschock. Was ist aus den dunklen Speisesäälen mit tiefen Decken geworden? Was aus den silbernen Kannen mit Pfefferminztee? Was aus „bis zu einer Sorte Käse und schlimmer Augenwurst“? Es gab warmes Essen, Nudeln mit zwei verschiedenen Soßen zur Wahl, Salat mit verschiedenen Dressings, Brot, diverse Aufschnitt, Obst und Vanillepudding. Und es schmeckte gut.

Nach dem Essen wurde dann die erste Probeneinheit angesetzt. Uns stand dazu ein großer Raum zur Verfügung, größer als unser Raum im Gemeindehaus. Aber ziemlich schalltot. Doch das stellte sich als gar nicht schlecht heraus – ohne Nachhall können Fehler besser identifiziert werden, und was in einem Schalltoten Raum schon gut klingt, klingt in einer Kirche richtig super! Zuerst hatte Kai, unser Chorleiter lediglich mit seinem Fußpedal zu kämpfen, welches sich auf dem glatten Fußboden permanent vor dem Einsatz drücken und enteilen wollte. Aber etwas Paketband schaffte ausreichend Abhilfe. Wir begannen mit ein paar neuen Liedern. Da wir planen, ein bisschen Pop in unser Repertoire zu bringen und auch ein Konzert in dieser Richtung im Sommer zu veranstalten, nahmen wir uns ein paar Gassenhauer aus den letzten 40 Jahren Popgeschichte vor. Die Proben verliefen insgesamt disziplinierter und konzentrierter als unter der Woche, vielleicht weil man nebenher genügend Zeit zum Schnacken hatte.

Um 23 Uhr schlossen wir die Chorprobe und zogen uns in einen uns ebenfalls zur Verfügung stehenden Gemeinschaftsraum zurück. Hier standen ein Billardtisch, ein Kicker, gekühlte Getränke (Preise oberhalb Einkaufspreis, unterhalb Gastronomiepreis) und eine professionalle DJ-Anlage bereit. Das Ding bestand aus einem Endverstärker, einem sehr komliziert aussehenden Equilizer, einem Doppel-CD-Player mit externer Bedienungseinheit und einem Mischpult. Ein 3,5 mm-Klinkensteckerkabel für den Anschluss von MP3-Playern, Handys, Laptops oder was immer war ebenfalls angeschlossen. Ich halte mich ja für einigermaßen technisch begabt und dem Umgang mit Unterhaltungselektronik mächtig, aber ich brauchte auch einen Moment, bis ich klar kam, weil ich höchstens den Sinn der Hälfte aller zur Verfügung stehenden Knöpfe verstand. Wie auch immer, kurze Zeit später war aus einzeln stehenden Tischen eine große Tafel zusammengestellt, Getränke kamen an den Start, ich legte bisschen was aus meinem Repertoire meines Schlaufons auf, und es wurde ein munterer Abend. Es wurde auch getanzt, auch ich probierte mein Restwissen aus dem Tanzunterricht mit Moni und Steffi aus. Leider habe ich nicht so wirklich auf dem Schirm, was man wozu tanzen kann.

Achja, die sportliche Steffi hatte zwei Paar Boxhandschuhe dabei („Musste ich einpacken, weil noch soviel Platz im Koffer war und sonst alles durcheinandergepurzelt wäre!“) und animierte mich zu einem kleinen Boxkurs. Sie zeigte mir die Grundhaltung auf den Fußballen federnd, wie man die Deckung hochhält, gerade Rechte und gerade Linke sowie seitliche und Aufwärts-Haken. Sie hoffte, mich soweit zu kriegen, dass man ernsthaft boxen könne. Aber erstens war ich schon ein bisschen auf und bin im Moment sowieso alles andere als fit. Und zweitens… Steffi ist zwar durchtrainiert und taff, aber trotzdem eine kleine, zierliche Person mit einem hübschen Gesicht… die kann ich doch nicht ernsthaft ins Gesicht schlagen! Geht gar nicht! Andererseits – sie kann das mit dem Boxen, also würde wohl eher ich Prügel beziehen. So richtig konnte ich mich weder mit der einen, noch der anderen Variante anfreunden… Sorry, sportliche Steffi!

Meine Unterkunft: Ich wohnte in 4b

Meine Unterkunft: Ich wohnte in 4b

Wenn ich mich richtig erinnere, war gegen halb drei Feierabend für die Letzen, zu denen ich natürlich mal wieder gehörte. Also zog ich mich in das kleine Häuschen mit der Nummer 4B zurück, wo ich noch ein wenig Mühe der bereitgestellten Bettwäsche hatte. Aber Ralf, der über mir schlief, half mir dabei. Ich stellte meinen Schlaufon-Wecker, der zur Zeit recht dezent mit „Waitin‘ on the ADAC“ weckt, auf acht Uhr. Ab in die Heia.

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London-Retro aus der Sicht meines Schlaufons

Es war ein ganz normaler (Feier)abend. Mein Schlaufon schlug vor, doch ein Systemupdate zu machen. Immerhin fragte es noch nach, aber: „Na sicher, Schlaufon, mach mal, ich outsource mein Hirn mitsamt aller Smartness ohnehin mehr und mehr auf Dich, also sieh zu und saug los!“

Anschließend schaute ich mir einen Film mit Johnny Depp an, „Transcendence“. Johnny Depp spielt dabei einen Wissenschaftler, der einen Supercomputer mit künstlicher Intelligenz entwickelt hat. Es fehlt allerdings eins zu Perfektion: Persönlichkeit. Nach Ansicht des Wissenschaftlers kann man die nicht programmieren. Also muss ein menschlicher Geist mit der Maschine verschmelzen. Da trifft es sich doch gut, dass eine Gruppe militanter Technologie-Gegner ihn tödlich verwundet. Vor dem körperlichen Ableben wird der Geist des Wissenschaftlers von seiner Frau in die Maschine übertragen und mit dem Internet verbunden. Von nun an ist der Mensch/Maschine-Hybride in der Lage, aus allen Quellen des Internets rasant schnell zu lernen und bald Furchtbares – oder auch Wunderbares zu vollbringen. Nur sind die Menschen, die den Wissenschaftler kannten (darunter irgendwann auch seine Frau) sich unsicher, ob sie es überhaupt noch mit ihm – oder einer völlig neuen Kreatur – zu tun haben.

Der Film hat mir ganz gut gefallen. Die Drehbuchautoren scheinen mir mehrere Bücher von Andreas Eschbach gelesen zu haben – oder dieselben Bücher, die Andreas Eschbach gelesen hat. Jedenfalls kommen mehrere Ideen darin vor, die auch in den Büchern Eschbachs zu finden sind.

Aber zurück zum Thema: Als der Film zuende war, meldete das Schlaufon, der Download des neuen Systems sei abgeschlossen. Installation starten? Na, selbstverständlich. Also sah ich ein paar Minuten den kleinen, grünen Android-Roboter mit offener Wartungsklappe, vor dem sich das Gittergerüst eines Okta-Dodeka… ach, was weiß ich, irgend so ein -eder halt, drehte. Pling plong, fertig. Eine App namens „Movie Creator“ machte sich bemerkbar. Klick. Oh, ein Video? Five Days from September 1? Play. Oh, recht nett. Am 1. September war ich in London, und das Ding hat dann einfach mal von sich aus mit den Foto- und Videoschnipseln aus dem Speicher ein nettes, kleines Filmchen zusammengeschnitten und eine Dudelmusik druntergelegt. Die Schnitte passen teilweise erstaunlich gut, insbesondere bei der Towerbridge.

Allerdings… wenn man gerade einen Film über KI gesehen hat, fast schon ein bisschen gruselig. Vom pragmatischen Aspekt her, war irgendwie alles, was ich mit Movie Creator so anfangen konnte: Einzelne Videos oder Bilder aus dem erstellten Video löschen, die drunterliegende Musik ändern und das Filmchen in ein allgemein abspielbares Format (.mp4) exportieren. Intuitiv gelang es mir nicht, der App was anderes zu entlocken, d.h. dass ich z.B. SELBER ein ähnliches Video aus meinen Schnipseln im Speicher erstellen könnte. Das hat man nun davon, dass die Geräte immer smarter und die Nutzer (in diesem Falle ich) immer dümmer werden!

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Schwein gehabt

Ein Wort vorneweg: Liebe Beamte und Mitarbeiter der Polizei, ich habe weder etwas gegen die Polizei als Institution noch gegen deren Personal. Im Gegenteil, ich erkenne die Notwendigkeit dieser Institution voll an und bin froh, dass es sie gibt – denn es gibt nun einmal Notfälle, in denen jeder, also auch ich, auf sie angewiesen sein kann. Daher hatte ich nie eine mehr oder weniger versteckte Beleidigung im Sinn. Warum es ausgerechnet ein Polizeisparschwein wurde steht weiter unten im Text…

Im Jahr 2007 heirateten meine Freunde Gunnar und Anja. Naheliegend zum Geld-verschenken ist natürlich ein Sparschwein. In besagtem Jahr veranstaltete die Sparkasse Osnabrück eine Marketing-Aktion namens „Maxx, das Schwein“. Es ging darum, dass große, verschiedenenfarbige Kunststoffsparschweine an alle Interessenten verschenkt wurden. Diese sollten dann phantasievoll gestaltet und wieder abgegeben werden. Die gestalteten Sparschweine wurden dann in den Sparkassenfilialen Osnabrücks ausgestellt. Allerdings entschied, glaube ich, keine Jury, sondern das Los über Gewinner, so dass „Dabei sein ist alles“ zutraf und es auf Glück und nicht Kunstfertigkeit ankam. Ich hatte mit dieser Aktion zu tun, weil mein Arbeitgeber die Sparkasse medial und werblich bei der Kampagne unterstützte und ich deshalb ein paar Webseiten dazu beizusteuern hatte.

Wie auch immer, ich besorgte mir eins dieser Schweine und kam auf die Idee, es für die Hochzeit zu gestalten. Weder Bräutigam noch Braut arbeitet bei der Polizei. Im Prinzip gibt es zwei Gründe, warum ich dieses Outfit für das Schwein gewählt habe: Zum einen dachte ich, wenn es ein Polizeischwein ist, wirkt das ja vielleicht abschreckend auf potentielle Sparschweindiebe. Und zweitens hatte ich einfach ein paar Ideen, wie ich das Tier in dieser Form gestalten könnte. Da ich ja einfach zu gerne überall blinkende LEDs verbaue und blaue LEDs ja zu der Zeit schon günstig und extrahell zu bekommen waren, bot sich die Sache mit dem Blaulicht auch einfach an. Allerdings fand ich es etwas schade, dass ich kein blaues Schwein mehr auftreiben konnte (die Aktion war schon fast beendet und Schweine knapp, ich musste froh sein, überhaupt noch eins zu bekommen). Denn hätte ich in die Ohren einfach blinkende Glühlampen eingebaut, unlackiert waren die Biester nämlich transparent, und das wäre bestimmt ganz cool gewesen. Aber mein Schwein war gelb, und so hätte ich höchstens ein Bauarbeiterschwein machen können.

Zwei Schweinehälften

Zwei Schweinehälften: So sieht ein Schwein von innen aus. Dieses jedenfalls.

Die erste Hürde, die es zu überwinden galt, was das Öffnen des Schweins, möglichst ohne es zu beschädigen. Es war aus zwei Hälften zusammengesetzt, die mit nicht zum Öffnen vorgesehenen Klemmverbindungen zusammengehalten wurden. Das gestaltete sich schwierig, und ich bin ja nicht unbedingt für meine Geduld bekannt. Schließlich rückte ich dem Tier doch recht rabiat mit einer Säge zu Leibe, was für dasselbe auch nicht ohne sichtbare Blessuren ausging. Schließlich hatte ich zwei Schweinehälften (eine obere und eine untere), die ich deckend silbern ansprühte.

Elektronik im Schwein

Links zu sehen: Der Lautsprecher für das Lalülala. Mittig oben und unten: Je eine Blinkschaltung für die LEDs in den Ohren und die im Rüssel. Rechts eine Lochrasterplatine mit der Schaltung für das Lalülala, rechts davon zwei Schalter, einer für Licht und einer für Ton.

Anschließend ging es an meinen Lieblingspart, elektronisches Spielzeug einbauen. Ich bohrte in die Spitzen beider Ohren je ein Loch und zwei weitere in den oberen Teil des Rüssels. Leider beschädigte ich eines der Ohren ein wenig, da war ein kleiner Riss entstanden. In diese Löcher kamen insgesamt vier blaue, extrahelle LEDs. Die Ohren- und die Rüssel-LEDs wurden jeweils durch eine astabile Kippstufe angesteuert, beides diesmal Bausätze aus dem Elektronikladen meines Vertrauens. Bei dem für die Rüssel-LEDs musste ich durch den Austausch eines Elektrolyht-Kondensators das Tastverhältnis (Ein-/Ausschaltdauer) ändern, um blitzende, nicht blinkende LEDs zu bekommen. Weiterhin baute ich auf einer Lochrasterplatine zwei weitere astabile Multivibratoren, die mithilfe eines Lautsprechers eine Art Lalülala-Martinshornton erzeugten (naja, mit viel Liebe erkannte man, was gemeint war). In den unteren Teil des Rüsseln bohrte ich dazu ein sternförmiges Lochraster und klebte den Lautsprecher mit Heisskleber von innen dahinter. Auch die LEDs wurden mit Heisskleber in Ohren und Rüssel geklebt. Die drei Platinen wurden mit M3-Schrauben und -Muttern in der unteren Schweinehälfte befestigt. Als Stromversorgung für alle drei diente eine 9 Volt-Blockbatterie, am Ar…, äh, Popo des Schweinchens wurden zwei Schalter eingebaut, einer für beide LED-Blinkschaltungen, einer für das Lülala.

Schwein, mit Elektronik und silber sprühlackiert

Schwein, mit Elektronik und silber sprühlackiert

Nun war das Schwein silber, blinkte blau und machte Geräusche. Mit einer Naht aus Heisskleber klebte ich die beiden Hälften wieder zusammen. Durch den werkseitig vorhandenen Deckel unten am Schweinebauch konnte man immer noch ggf. die Batterie einmal wechseln bzw. das Geld, welches später im Schwein landen sollte, abgreifen. Leider war hier kein Schließmechanismus vorgesehen, und ich baute auch keinen nachträglich ein.

Polizeischriftzug mit Sprühschablone

Polizeischriftzug mit Sprühschablone

Nun galt es noch, dem Schwein das richtige Polizei-Design zu geben. Ich malte es dazu rundherum mit einer Art blauen Bachbinde an. Ich druckte mit Arial Black das Wort POLIZEI auf festes Papier, schnitt die Buchstaben mit einer Nagelschere aus und gewann so eine Sprühschablone. Dann verpackte ich das Schwein in eine Plastiktüte, ließ nur die Flanke offen und klebte die Sprühschablone mit Panzertape darüber. Auf der rechten Seite misslang mir das ein bisschen, da bekam der Schriftzug leider etwas Schlagseite. Die Klebenaht war auch nicht rundherum ganz schön geworden, da wo ich beim Öffnen des Tieres zu rabiat vorgegangen war, musste ich noch extra viel Heisskleber hineinpumpen. Überlackiert sah die Klebenaht allerdings fast wie eine Schweißnaht aus. Zuletzt machte ich auf der blauen „Bauchbinde“ noch eine gestrichelte Linie, wie man sie auch von Polizeiautos her kennt. Tja und das war es dann auch schon. Wir waren übrigens wieder mit gemeinsamen Freunden zur Hochzeit geladen, so dass das Schwein auch ordentlich Futter bekam.

Das fertige Polizeisparschwein

Das fertige Polizeisparschwein

Wer das Schwein voll mit Licht und Ton erleben will, starte einfach das Video. Die extrahellen LEDs machten bei völliger Dunkelheit übrigens ganz schön Disco!

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Das Flugzeug aus dem Baumarkt

Die Hochzeit meiner Freunde Antje und Helge stand an. Geladen waren gemeinsame Freunde, also lag es nahe, das Geschenk (gewissermaßen eine Verpackung für ein gemeinsames Geldgeschenk) gemeinsam zu basteln. Dazu trafen wir uns ein Wochenende bei meinem Freund Markus in Schleswig-Holstein, um die Bastelaktion gemeinsam gewissermaßen zu zelebrieren (und um Siedler von Cathan zu spielen und viel Bier zu trinken, wenn ich mich richtig erinnere).

Material

Einige Materialien: Ein Rohr aus dem Baumarkt diente als Rumpf

Obwohl es sehr schöne Fotos mit den Freunden gab, die bei der Arbeit an dem Flugzeug entstanden sind, veröffentliche ich die hier nicht. Ich habe nicht um Erlaubnis gefragt. Daher bin nur ich auf einigen der Bilder zu sehen. Ich schreibe auch nicht genau rein, wer was gemacht hat. Erstens weiß ich das nicht mehr so genau, außerdem spielt es keine Rolle.

Michi hat ein Rohr

„Hm, vielleicht sollte man da besser noch was aussägen… wegen der Aerodynamik“

Wenn ich mich nicht irre, war es meine Idee, ein Flugzeug zu bauen, um das Geldgeschenk als Urlaubskasse zu deklarieren. Ich glaube, Markus hatte die Idee, die wesentlichen Teile im Baumarkt zu kaufen. Wir erstanden dort ein Wasserrohr als Rumpf, weitere Teile aus der Klempner-Abteilung als Triebwerke sowie Farbe und ein paar Kleinigkeiten. Ich hatte noch ein paar Sperrholzplatten und eine simple Transistorschaltung für ein blinkendes Anti-Kollisionslicht mitgebracht, Markus hatte noch Restholzbestände für Tragflächen und Triebwerksaufhängungen da.

Höhen und Seitenleitwerke ausgesägt

„Ah – schon viel besser“

Um ungefähr sinnvolle Abmessungen und Längenverhältnisse für das Flugzeug zu überlegen, luden wir uns eine einfache Skizze einer Boeing 757 herunter, die wir als Vorlage verwendeten. Eine der ersten Arbeiten war, das Rohr für den Rumpf auf die richtige Länge abzusägen.

Das Flugzeug nimmt Formen an

Das Flugzeug nimmt Formen an – mit einem Plastiktrichter als Heckkonus.

Die Tragflächen wurden aus Markus‘ Restholzbeständen nach der Boeing-Skizze gefertigt und axial mit Bohrungen versehen, da sie mit einer soliden Gewindestange miteinander verbunden werden sollten.

Seitenleitwerk

Das lackierte Seitenleitwerk

Mit einer Laubsäge sägten wir aus Sperrholzplatten die „Heckflossen“, also die Höhenleitwerke und das Seitenleitwerk aus. Ferner musste aus dem Rumpf noch eine „Tür“ ausgesägt werden, damit man an die Batterie für das Antikol – und nicht zuletzt an das Geld – herankäme. Wir verbauten ein Scharnier aber diesmal kein Schloss (und keinen Schatullenüberfall), sondern nur eine Art „Türknopf“. Außerdem mussten auch noch Aussparungen für die Tragflächen und Heckleitwerke in den Rumpf geschnitten werden. Ich glaube, da kamen auch ein Teppichmesser und einige Feilen zum Einsatz.

Blick in den Rumpf

Blick in den Rumpf: Die Tragflächen sind mit einer soliden Gewindestange miteinander verbunden.

Dann ging es an das Lackieren der Einzelteile. Das Brautpaar, beides Wirtschaftswissenschaftler mit einem gewissen Faible für Coorporate Design, hatten von den Einladungen bis zur Tischdeko ihrer Hochzeit ein solches gegeben. Hier kamen ein Zinnoberrot-Ton und eine Art Crèmeweiß oder Beige zum Einsatz. Kreise mit einer Schnittmenge symbolisierten das Motto „Gemeinsam“. Wir wollten dieses Design für unser Geschenk übernehmen, sozusagen als Hommage.

Rumpf mit Tragflächen und Höhenleitwerke

Rumpf mit Tragflächen und Höhenleitwerke nach der Lackierung

Daher lackierten wir Rumpf und Tragflächen auch in Crèmeweiß und das Seitenleitwerk in dem Rotton mit zwei Kreisen in dem Crèmeweiß, der Schnittmenge und dem Motto „Gemeinsam“ – quasi als Logo. Auf den Rumpf klebten wir anstelle eines Airline-Namens die URL der Website des Brautpaares (hier gab es zuvor Informationen des Brautpaares an die Gäste, Wegbeschreibung, Zeitplan etc.) http://www.helge-und-antje.de. Die Schriftzüge wurden auf Overhead-Folien ausgedruckt, ausgeschnitten und mit Klarlack an den Flieger geklebt.

Rumpf mit eingebautem Antikol

Der Rumpf mit Tragflächen, schon eingebautem Antikolisionslicht und Ladeklappe

Zwischendurch musste natürlich die Farbe mal trocknen – gut Gelegenheit dafür, viel Bier zu trinken und Siedler zu spielen.

Antikol und Triebwerke

Links: Simpler Multivibrator und Antikol-LED. Rechts: Triebwerke

Dann blieben noch einige Feinarbeiten. Ich hatte noch eine Transistorschaltung (astabile Kippstufe mit zwei Transistoren, ein Klassiker wenn man nur paar LEDs blinken lassen möchte) schon fertig mitgebracht, ebenso wie eine rote 6mm-LED. Das wurde mitsamt einem Schalter als Anti-Kollisionslicht (oben am Rumpf) verbaut. Den Heckkonus bildete ein Plastiktrichter, von dem das Endrohr abgeschnitten wurde, natürlich in Rumpffarbe angemalt. Für die Nase des Fliegers sägten wir das Vorderteil einer Mineralwasserflasche ab, in das wir von innen ein Bild des Paares (von der Einladung) einklebten. Als Spitze ganz vorne (da darunter bei echten Flugzeugen, ob Passagierjet oder Kampfflugzeug, meist eine Radarantenne verborgen ist, spricht man hier von Radom) nahmen wir eine Hälfte von einer Überraschungseigimmik-Ummantelung (oder sowas in der Art, und ich habe keinen Schimmer, wie diese normalerweise gelben Kapseln offiziell heißen, aber jeder kennt sie). Diese wurde schwarz tauchlackiert – bei z.B. Lufthansa-Jets war der Radom früher tatsächlich schwarz lackiert.

Rumpf mit eingebautem Antikol

Der Rumpf mit Tragflächen, schon eingebautem Antikolisionslicht und Ladeklappe

Schließlich wurde nach und nach alles zusammengebaut. Dabei wurden auch die eigens gefertigten Triebwerksaufhängungen (ich bin mir nicht sicher, ob man hier auch von Pylonen spricht wie bei den Dingern, an denen bei Kampfflugzeugen Waffen, Behälter mit elektronischem Equipment wir Kameras, Infrarotsichtgeräte, Laserdesignatoren oder Störsender, oder Außentanks angebracht werden) an die Tragflächen geschraubt. An diese wurden dann wieder die „Triebwerke“ geschraubt. Die Heckleitwerke wurden montiert, der Heckkonus und die Nase auf den beiden Seiten des Rumpfrohres eingeklebt.

Blick in den Rumpf

Blick in den Rumpf: Die Tragflächen sind mit einer soliden Gewindestange miteinander verbunden.

Schließlich war der Vogel fertig und wir alle verstauten unsere Geldgeschenke und Grüße an das Brautpaar im Inneren. Und einen USB-Stick, der die Fotos von der Bastelaktion enthielt.

Fertiges Flugzeug

Das fertige Flugzeug. Unter der URL gab es Infos zur Hochzeit, wenn ich mich richtig erinnere.

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Flughafenshuttle mit eingebautem Flughafen

Dies ist etwas, was ich schon vor zwei Jahren für eine Hochzeit gebastelt habe. In diesem Fall heiratete eine Kollegin einen Kollegen. Demzufolge waren mit mir zusammen diverse Kolleginnen und Kollegen zur Hochzeit eingeladen. Natürlich verschenkten alle Geld, ich eingeschlossen. Wie schon einige Mal zuvor kam ich auf die Idee, dass das Geld womöglich zur Finanzierung einer Hochzeitsreise dienen könnte. Ich erfuhr, dass das Brautpaar ziemlich unmittelbar nach dem Tag der Feier plante, von Münster-Osnabrück über Frankfurt nach New York zu fliegen. Der Transfer zum FMO erfolgte zwar privat, dennoch kam ich auf die Idee, einen vom Design her dem Flughafen-Shuttle der Stadtwerke (Linie X-150) nachempfundenen Bus zu erstellen. Immer wenn ich einen dieser Busse, die zwischen dem Bahnhof Osnabrück und dem FMO verkehren, sehe, bekomme ich Lust, damit zum Flughafen zu fahren und irgendwohin zu fliegen… Ein Jahr später machte ich das auch zum ersten Mal so und flog vom FMO über Frankfurt und Wien nach Odessa, aber das nur am Rande.

Jedenfalls war der Plan, eine Art Kastenwagen mit zu öffnender Heckklappe zu bauen, so dass man Umschläge mit Hochzeitgrüßen und Geld hineinlegen könnte. Und noch ein paar technische Spielsachen einzubauen…

Zuerst aber waren da ein paar Holzleisten, -platten und -räder. Zuerst wollte ich einen Rahmen aus rechtwinklig zusammengeleimten Kanthölzern bauen. Da fiel mir dann aber auf, dass das Fahrzeug nicht, wie zwischenzeitlich gedacht, unten offen bleiben konnte. Schließlich durfte das Geld ja nicht unten wieder herausfallen! Zufällig hatte ich Kanthölzer mit einer Nut gekauft, was sich als praktisch erwies – ich passte eine Sperrholzplatte als Fahrzeugboden in die Nut ein, und fertig war die Basis. Eigentlich wollte ich auch die Räder direkt in diesen Rahmen schrauben, aber dann hätte das Teil sehr tief gelegen, also kamen noch Kantholzteile unter den Rahmen, an die ich dann die Räder schraubte.

Der Anfang: Grundplatte

Grundplatte (Fahrzeugboden) aus Sperrholzplatte und Profilhölzern mit Nut.

Die weiteren Karosserieteile sägte ich mit einer Laubsäge aus Sperrholz, lackierte sie mit Sprühlack auf dem Balkon weiß und verleimte sie über Kanthölzer miteinander. Die Karosserie wurde dann mit den Kanthölzern des Rahmens mit kleinen Holzschrauben verschraubt. Die Heckklappe wurde mit Scharnieren am Dach verschraubt und mit einem Schatullenüberwurf (ich liebe dieses Wort) für ein kleines Vorhängeschloss versehen.

Damit war der Rohbau fertig, und auch schon vorbereitet mit Bohrungen für ein paar technische Spielereien. Zunächst mal sollte eine grundlegende Fahrzeugbeleuchtung mit zwei weißen LEDs vorne und zwei roten LEDs hinten hinein, mit einem Schalter ein- und abschaltbar. Zwei weiße LEDs hatte ich übrigens noch aus einem ausrangierten, weil kaputten Fahrradscheinwerfer. Diese LEDs wurden jeweils paarweise über 470-Ohm-Vorwiederstände über den Schalter mit einer 9-Volt-Blockbatterie verbunden und der Knebelschalter in eine Bohrung am Fahrzeugheck geschraubt.

Samplemodul mit 3,5mm-Klinkenstecker

Samplemodul mit 3,5mm-Klinkenstecker

Ich hatte von einem Freund eine Postkarte mit einem eingbauten Samplemodul bekommen. Das Ding verfügte über einen Lautsprecher, ein Mikrophon und zwei Tasten für Aufnahme und Wiedergabe. Man konnte damit Botschaften für den Empfänger aufsprechen. Dieses Modul wollte ich nun der Zweitverwendung zuführen. Das Mikrophon ersetzte ich durch einen 3,5mm-Klinkenstecker, um das Modul mit der Soundkarte meines PCs zu verbinden. Es passten etwa 10 Sekunden Tonaufnahme in den kleinen Speicher des Moduls. Ich nahm einen passenden Aussschnitt von Frank Sinatras Evergreen „New York, New York“ und reduzierte ihn mit Audacity auf eine Monospur. Diese überspielte ich dann über den angeschlossenen Klinkenstecker in das Samplemodul. Danach entfernte ich die Aufnahme-Taste und ersetzte den Mikrotaster für die Wiedergabe durch eine größere Variante, die ich in eine Bohrung am Fahrzeugheck einschrauben konnte. In den Fahrzeugboden bohrte ich ein kreisförmiges Lochmuster, über das ich dann innen den Lautsprecher mit Heißkleber anbrachte. Das Modul klebte ich ebenfalls mit Heißkleber auf dem Fahrzeugboden fest.

Flugzeugmodell von Revell (Boeing 737)

Revell-Modell einer Boeing 737. Eine ziemlich alte Version, wie man an den Triebwerken sieht, die noch keine modernen Mantelstromtriebwerke sind. Die Aufkleber sind teilweise original zum Bausatz zugehörig, zum Teil selbstgemacht (Christine und HolgAir und das Logo am Seitenleitwerk).

Dann hatte ich noch die Idee, als Krönung oben auf das Dach des Fahrzeuges noch ein Flugzeugmodell zu kleben. Ich machte mich also auf die Suche nach Flugzeugmodellen in der passenden Größe. Ich erstand ein fertiges DC-9-Modell aus Metall, ein simples Plastik-Steckmodell eines Airbus A380 sowie eine Boeing 737 von Revell als Klebebausatz. Der A380 passte mir eigentlich nicht. Da es vom FMO ja erstmal nach Münster gehen würde, wollte ich einen Regionalflieger haben. So eine CRJ-700 wäre eigentlich optimal gewesen. Die DC-9 war mir von den Abmessungen her eigentlich zu klein. Meine endgültige Wahl fiel also auf den Revell-Bausatz. Ich klebte das Ding also zusammen, ließ es unlackiert weiß und klebte den Großteil der mitgelieferten Aufkleber (Passagierfenster, Türen, Cockpitfenster und so weiter) dran. Ich ließ aber alle Kennzeichnungen der Fluggesellschaft weg und druckte mir lieber als „Fluggesellschaftsschriftzug“ ein geistreiches „Christine-und-HolgAir“ aus, anstelle des Fluggesellschaftsemblems auf dem Seitenleitwerk machte ich zwei Herzchen mit den Anfangsbuchstaben der beiden Vornamen. Als Kennzeichen machte ich einen D-ACHW (Deutschland Aircraft beide Anfangsbuchstaben der Vornamen und der des gemeinsamen Nachnamens). In Deutschland kennzeichnet der Buchstabe nach dem D (für Deutschland) die Art des Luftfahrzeuges, H steht z.B. für Helikopter.

Fast fertiges Busmodell

Das fast fertige Busmodell, noch mit einem DC-9-Fertigmodell oben drauf. Sie wurde durch das 737-Modell von Revell ersetzt.

Das Flugzeug brauchte natürlich eine Startbahn. Diese deutete ich mit einem Aufkleber auf dem Dach an, den ich ebenfalls ausdruckte. Bei Bastelleien zuvor war das Mittel der Wahl für solche Aufkleber übrigens Overheadfolie für Tintenstrahldrucker gewesen, die mit Klarlack aufgeklebt wurden. Ich hatte aber transparente Selbstklebefolien für den Drucker aufgetrieben, die in der Handhabung viel simpler sind als die Sache mit dem Klarlack. Auf Google Maps hatte ich gesehen, dass die Runway am FMO 07 bzw. 25 ist. Jede große Runway hat zwei Nummern, die den Kompasskurs bezeichnen (man muß im Geiste ein Null hinzufügen, 07 bedeutet 70 Grad, 25 bedeutet 250 Grad). Startet oder landet man in Münster in nordöstlicher Richtung, so ist das halt Runway 07, in die Gegenrichtung ist es halt Runway 25. Ob in die eine, oder die andere Richtung gestartet oder gelandet wird, kann z.B. von der Windrichtung abhängen. Zwei parallelverlaufende Bahnen auf größeren Flughäfen haben nach der Zahl gerne noch ein L oder R (left oder right). Ich nahm dann als Nummer für „meine“ Runway die 07. Das wäre die nordöstliche Richtung, hinterher dachte ich, eigentlich wäre die 25 besser gewesen, schließlich Richtung Westen bzw. nach Frankfurt Richtung Süden… aber das sind Details, die normalerweise sowieso keiner durchschaut. Obwohl… der Bräutigam ist Hobby-Segelfliefer, in sofern kennt er sich in der Luftfahrt wahrscheinlich besser aus als ich.

Eine richtige Runway braucht eine Landebahnbefeuerung. Ich hatte noch einen schon vor Jahren für andere Zwecke zusammengelöteten Bausatz für ein 10-Kanal-Lauflicht herumliegen. Da waren 10 LEDs auf eine Platine gelötet, ich entfernte diese und nahm stattdessen 20 kleine 3mm-LED, weiß, extrahell, die ich mit Heißkleber in Bohrungen im Fahrzeugdach einklebte und paarweise parallelgeschaltet mit der Platine verdrahtete. Die Platine verband ich über einen weiteren Knebelschalter, der ins Fahrzeugheck eingeschraubt wurde, mit einer weiteren 9-Volt-Blockbatterie. Machte was her, das Lauflicht!

Lauflichtschaltung und LED-Verdrahtung

Lauflichtschaltung mit 20 jeweils paarweise parallelgeschalteten LEDs.

Im Gegensatz zum Kitebuggyprojekt hatte ich bei dieser Sache genügend Zeit, noch einiges an Verzierungen anzubringen. Für die Heckklappe machte ich Aufkleber mit „Just married“ und Herzchen mit den Namen, einen X-150-Logo der Stadtwerke und ein Medienhauslogo der NOZ (wo wir ja alle arbeiten). Vorne machte ich einen Aufkleber mit Windschutzscheibe sowie angedeutetem Rückspiegel und Scheibenwischern. Hier hätte ich gerne die Gesichter der beiden einmontiert, aber ich hatte keine passenden Bilder von beiden. Stattdessen friemelte ich mit Gimp die Gesichter von beiden in die Seitenfenster, die ich als ganzes mit dem typischen Stadtwerke Osnabrück – Design sowie dem FMO-Schriftzug kombinierte. Das alles natürlich auf selbstklebenden, transparenten Folien, die auf weiß lackieten Flächen dann ganz ordentlich aussehen.

Rückansicht

Rückansicht mit den diversen Aufklebern, Schloss und Schaltern für Licht, Landebahnbefeuerung und Taster für Sound… Die Spaltmaße sind allerdings eine Katastrophe. Toll war meine Laubsägearbeit da nicht.

Außerdem machte ich für vorne und hinten noch kleine Sperrholzstückchen mit Nummernschild-Aufklebern fertig. OS – CH 2012, wieder mit den Anfangsbuchstaben der Vornamen und dem Jahr der Hochzeit. Dafür informierte ich mich im Netz über die Schriftart, mit der Nummernschilder in Deutschland gemacht werden und fand auf einer der vielen Seiten mit kostenlosen Schriftarten was sehr Ähnliches, dazu durften ASO und TÜV-Plaketten nicht fehlen. Schließlich besorgte ich mir noch eine Punktmatrix-Schriftart und brachte vorne am Dach noch eine Art „Anzeige“ mit der Busnummer X-150 und dem Ziel an.

Das fertige Modell auf der Hochzeit

Das fertige Modell auf der Hochzeit

Damit war das Modell fertig. Ich führte es in der Firma den Kollegen vor, insbesondere jenen, die sich am Geldgeschenk mit vermutlich erheblichen Beträgen (die meisten der Gäste außer mir waren immerhin mindestens stellvertretende Abteilungsleiter…) beteiligten. Man war recht angetan bis begeistert von dem Bus mit seinen Spielereien. Mein kritischer Chef, der auch eingeladen war, empfahl mir allerdings, die recht kinderspielzeugmäßigen, kleinen Holzräder durch etwas Cooleres zu ersetzen und anstelle der eher hässlichen, stählernen Sechskantmuttern für die Scharniere der Heckklappe Hutmuttern zum besorgen. Das mit den Rädern änderte ich nicht mehr – im Modellbaufachhandel hätte es zwar war passendes gegeben, aber das war mir zu teuer. Dem Rad mit den Hutmuttern folgte ich allerdings, da war für wenig Geld mit Messinghutmuttern noch eine Aufwertung möglich.

Damit war das Modell dann fertig. Ich machte dazu noch eine schöne Karte selbst, die ich hier aber nicht zeigen möchte. Für die Kollegen, die nicht die Gelegenheit hatten, sich das Teil vorab anzusehen, veröffentlichte ich dann noch folgendes Video auf youtube:

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Kitebuggy ohne fliegenden Kite

Okay, bisher war dies fast ein reiner Reiseblog. Zwischenzeitlich habe ich überlegt, ein paar meiner „Ingress-Abenteuer“ hier explizit in einer eigenen Kategorie abzuzhandeln, aber ich habe die Zeit zum Schreiben dafür nicht wirklich gefunden. Ich hatte zwar schon ein paar Texte im Kopf, aber woher die Zeit nehmen, wenn man Zocken möchte?

Nun habe ich die neue Kategorie „Basteln“ hinzugefügt. Eigentlich bin ich gar kein so großer Bastler, ich arbeite nicht übermäßig genau, und mir geht auch eine gut eingerichtete Werkstatt ab. Ich verwüste immer meine ganze Wohnung inklusive Balkon, wenn ich loslege. Dennoch sind ein paar Sachen dabei herausgekommen, die mir ganz gelungen erscheinen. Und da ich den Blog ja schreibe, um der Welt (oder mir selbst?) zu zeigen, was für ein Hecht ich bin, zeige ich Euch diese jetzt einmal in Wort und Bild. Dabei gehe ich zunächst nicht chronologisch, sondern anti-chronologisch vor.

So kommen wir erst einmal zu dem aktuellen Objekt. Insgesamt war es in den vergangenen Jahren so, dass ich zu einigen Hochzeiten eingeladen worden bin, und dass ich da alleine oder mit anderen zusammen halt Geld verschenkt habe. Ich verschenke nicht gerne Geld, sehe aber ein, dass das pragmatisch ist, weil im Haushalt heutzutage meist alles vorhanden ist und es die Hochzeit oder auch eine Hochzeitsreise zu finanzieren gilt. Aber wenn schon, dann möchte ich dem Geldgeschenk wenigstens eine persönliche und kreative Note geben. Natürlich gibt es dazu Internetseiten und Bücher, aber irgendwie mag ich mir am liebsten selbst etwas ausdenken. Und wenn ich dann eine Idee habe, dann scheue ich normalerweise keine Zeit und Kosten, diese auch umzusetzen.

Kiten am Stand in Dänemark

Dänischer Nordseestrand bei Vejers Strand, kurz vor Silvester 2010/2011. Ich war zeitgleich mit ein paar Freunden und deren Kindern in Blavand, nur wenig entfernt von Vejers Strand. Hier residierten meine Kiter-Freunde, und man holte mich ab zu einem Treffen. Es war so unglaublich kalt und ich nicht ausreichend angezogen für den kalten Strandwind. Ich hab noch nie so gefroren. Dies wurde das Hintergrundbild der „Kiter-Kasse“.

Zuletzt heirateten Freunde von mir, deren gemeinsame Hobby das Kite-Buggy-Fahren ist, d.h. man fährt auf einem dreirädrigen Gefährt am Strand entlang und lässt sich mithilfe eines Drachens vom Wind ziehen. Als ich zur Hochzeit eingeladen wurde, hatte ich fast ad hoc eine Idee im Kopf, für die ich Feuer und Flamme war: Ich bastle ein Modell eines Kite-Buggys, nehme als „Kite“ den zu verschenkenden Geldschein, und lasse den durch einen in einem Kasten unter dem Modell befindlichen Computerlüfter fliegen!

In diesem Video erläutere ich, warum es mit dem Propeller und dem fliegenden Kite nicht geklappt hat. Der Besen mit dem daran befestigten Propeller mag an Harry Potter erinnern, aber ich kann Euch versichern, das hier ist kein Nimbus 2000 und fliegt definitiv NICHT.

Dann der erste Rückschlag aus Dämlichkeit: Ich buchte meine Fahrradreise von Prag nach Cuxhaven und vergaß dabei völlig den Termin der Feier. Geknickt musste ich dadurch absagen, hatte aber vor, das Geschenk trotzdem zu bauen. Dann der Rückschlag vom Rückschlag: Durch meinen Fahrradunfall platzte die Reise, dadurch konnte ich also doch zur Hochzeit kommen. Und ich hatte eine Woche Zeit, das Modell vom Plan im Kopf Wirklichkeit werden zu lassen.

Übrigens bastle ich in der Regel so ähnlich, wie ich Urlaub mache: Nur mit einer vagen Vorstellung und dann Schritt für Schritt und mal sehen, wo ich lande. Mancher Weg führt in eine Sackgasse und ist vergebens, andere Wege aber führen mich zu überraschend neuen und guten Ergebnissen und neuen Ideen. Ich mache mir höchstens eine vage Zeichnung ohne Bemaßungen und überlege mir diese im Laufe des Prozesses. Ich mache auch keine Einkauflisten, sondern überlege mir nur, was ich so für den nächsten Schritt so brauche. Es geht ja auch nicht anders, wenn man sich noch nicht sicher ist, wo es überhaupt lang geht. Dieses Verfahren ist alles andere als effizient, aber irgendwie halt MEINE Vorgehensweise, die zu mir passt.

Zuerst besorgte ich mir in zwei Basetlläden meiner Wahl Kant- und Rundhölzer sowie Holzräder, auf Verdacht eine Packung „Eisstiele“ sowie Farben. Der Rahmen des Buggys sollte Grün lackiert werden, denn der Buggy des Bräutigams hat tatsächlich diese Farbe. Zuerst war der Plan, den Rahmen überwiegend aus Rundhölzern zu bauen, mit einem gleichseitig-, rechtwinkligen Dreieck für Streben zwischen Sitzbank und Vorbau sowie Schraubverbindungen. Ich bereitete die einzelnen Teile vor und lackierte sie auch gleich grün.

Anfang Kitebuggy basteln

Aller Anfang ist schwer. Hier noch die anfänglich geplante Variante mit Rundhölzern (oben links von der Mitte, in der Schraubzwinge, oben rechts sieht man schon die schwarz lackierten Räder).

Indes: Dieser Weg führte in eine Sackgasse. Bei meinen groben Werkzeugen (z.B. keine Standbohrmaschine, nicht mal ein Schraubstock vorhanden) sind Schraubverbindungen bei den filigranen Hölzern nicht zu machen. Klebeverbindungen hingegen haben zu wenig Fläche bei Rundhölzern. Übrigens passierte mir dann auch noch ein blöder Unfall mit der grünen Farbe, ich hatte den Pinsel irgendwie zu heftig in den bereits grün gefärbten Farbverdünner getaucht und mir rutschte das Glas mit der grünlichen Suppe weg, es spritzte heftig. Seither habe ich einen schönen grünen Strich an der Tapete und mein Gesicht sah aus, als bereite ich mich für die Dschungelkriegsführung vor. Das kannte ich ja noch aus Vietnam 😉

Selfie mit Farbe im Gesicht

Da ist mir ein Unfall mit grüner Farbe passiert. Ich war nicht glücklich, aber geistesgegenwärtig genug, ein Selfie zu machen.

Also noch mal von vorne: Ich verwarf die erste Idee baute dann eine erheblich simplere Rahmenkonstruktion mit Quadratprofilhölzern, Klebeverbindungen, lackierte erst nach dem Zusammenbau und verwarf die dreieckig angeordneten Streben bei der Gelegenheit auch gleich. Für die Lehne der Sitzbank sägte ich mit einem Führungsklotz (ich weiß nicht, wie das Ding offiziell heißt) 45-Grad-Winkel und baute eine Gabel für das Vorderrad mit kleinen Klötzchen, abgesägten und gebohrten „Eisstielen“, einem Stückchen Gewindestange und ein paar Hutmuttern. Die Sitzbank selbst erstellt ich auch aus „Eisstielen“, die ich rot lackiert hatte. Manchmal ist es so, dass ich etwa weiß, wie ich etwas machen will und dann kaufe ich dafür das Material. Manchmal läuft mir auch im Laden etwas über den Weg, und ich bekomme die Lösung über das, was zur Verfügung steht. Ist ja immer so – manchmal diktiert das Projekt Material, Werkzeug und Verfahren, manchmal ist es genau umgekehrt, und man bekommt Ideen aus dem, was einem zur Verfügung steht.

Rahmen, noch nicht lackiert

Die simplere, aber bessere Variante mit Kanthölzern.

Das Buggymodell nahm also langsam Gestalt an. Aber wie bekommen ich das mit dem Kite hin? Zunächst wollte ich einen 12V-Computerlüfter nehmen. Bei mir lag noch ein veralteter, zu verschrottender Tower-PC einer Freundin herum. Aus diesem extrahierte ich einen Lüfter, den ich an zwei jeweils vierzellige Batteriepacks aus AA-Zellen anschloss. Das ging mal gar nicht, das Teil lieferte nicht ansatzweise genügend Schub, um auch nur ein bisschen Papier zu bewegen! Also musste eine andere Lösung her. Aus meiner Fischertechnik-Zeit wußte ich, dass ein Elektromotor mit hoher Drehzahl und einem Propeller eigentlich genügend Schub für meinen Papierkite liefern müsste. Im Elektronikgeschäft meines Vertrauens kaufte ich zwei verschiedene Elektromotoren, im Modellbauladen erstand ich einen Flugzeugpropeller mit Nabe (heißt eigentlich soundso-Konverter). Die Beratung dort war übrigens echt fantastisch, der Einkauf hat Spaß gemacht.

Rahmen lackiert, mit Gabel und Rädern

Hier nimmt das Buggy-Modell schon Form an – lackiert und mit Gabel und Rädern.

Zuhause strapste ich den Motor mit Kabelbindern an einen Besenstiel, und lötete Batteriepacks und einen Schalter provisorisch zusammen, um den Propeller zu testen. Tja… diese Variante lieferte zwar schon deutlich mehr Schub, aber immer noch zu wenig. Zum Test hatte ich übrigens einen 10-Euro-Schein mit Nähgarn als „Testkite“ fertiggemacht. Beim ersten Test war ich zu unvorsichtig und die ganze Geschichte wickelte sich erst einmal um die Motorachse. Meine Fischertechnik-Jahre (in denen mir sowas auch diverse Male passiert ist) sind wohl schon zu lange her… Ich merkte langsam, dass ich die Anforderung unterschätzt hatte.

Testlauf Propeller mit Geldschein - schiefgegangen

Wieder etwas zum Schmunzeln – dieser Testlauf mit einem Geld-Kite und einem Graupner-Propeller war NICHT erfolgreich.

Inzwischen war das Buggymodell fertig, mit Sitzbank, Rädern und Gabel versehen. Der Plan sah vor, auf die Bank zwei Figuren zu setzen und den Buggy auf einen Kasten zu stellen, der Batterien, Schalter und den Lüfter/Propellermotor enthalten sollte. Die Figuren sollten aus Holzteilen und -kugeln für die Köpfe bestehen, die ich schon gekauft hatte. Bei den Gliedmaßen war ich mir noch nicht ganz sicher, aber jedenfalls sollten die gemeinsam den Kite halten und jeweils einen Fuß auf der Lenkung des Vorderrades haben – mit dem entsprechenden Symbol-Wert. Ursprünglich wollte ich die Gesichter des Paares als Fotos irgendwie an die „Köpfe“ kriegen, aber das geht ja bei Kugeln schlecht. Also hatte ich schon die Idee im Kopf, die irgendwie durch Klamotten/Kopfbedeckungen (Baseballmütze/Kopftuch) oder so zumindest als Männlein und Weiblein kenntlich zu machen. Ich klebte schon einmal die Rumpfteile und Kugeln zusammen und begann, für den Kasten Sperrholzeile zu sägen und weiß zu lackieren. Dafür musste dann der Balkon herhalten.

Buggymodell fertig

Buggymodell mit Sitzbank

Einen Versuch wollte ich dem „fliegenden Kite“ noch geben – ich besorgte mir einen größeren Propeller im Modellbauladen. Zu der Zeit hatte ich aber schon Plan B im Kopf und besorgte mir auch dafür schon Material. Falls es mit dem größeren Propeller klappen würde, würde ich den aber nicht mehr in den Kasten eingebaut bekommen. Da wäre dann eher eine Konstruktion zu bauen, die den Motor mit Propeller außerhalb und sichtbar vielleicht in einem 45-Grad-Aufwärtswinkel hinter dem Buggymodell positionierte. Ansonsten müsste der Kite halt irgendwie aufgehängt werden, und für diesen Fall kam ich auch davon ab, als Kite den Geldschein zu nehmen. Schien mir doch zu platt und zu wenig attraktiv. Ich kaufte stattdessen Filz in rot und weiß ein und gestaltete daraus einen Kite im Design der dänischen Flagge (die beiden fahren mit ihren Freunden zum Kiten immer nach Dänemark, weil sie in Deutschland die Kurtaxe nervt und sie es sowieso dort wohl schöner finden).

Testsitzen auf dem Buggymodell

Der Plan war, dass auf dem Buggymodell zwei stilisierte Personen sitzen und gemeinsam den Kite halten sollten. Ursprünglich wollte ich noch Fotos mit den echten Gesichtern der Beschenkten dran machen. Leider habe ich das nicht mehr geschfft.

Nach einem neuen Test mit dem Filz- und einem Papierkite verwarf ich die Idee mit dem fliegenden Kite schweren Herzens. Der Schub mit dem größeren Propeller hätte zwar für einen Papierkite (nicht den Filzkite) gereicht. Aber der Luftstrom erwies sich als zu turbolent, um den Kite kontrolliert ohne irgendwelche Rotationsbewegungen fliegen zu lassen. Das war echt traurig, weil mir die Idee so gut gefallen hatte und ich schon einiges an Zeit und Geld in diesen Weg investiert hatte.

Kite in der Mache

Ursprünglich sollte der Kite ein (echter) Geldschein werden. Ich entschied mich um und machte ihn aus Filz und als Dänemark-Flagge.

Also Plan B: Filzkite statt Geldschein, diesen an einer Holzkonstruktion aufhängen und den Holzkasten unter dem Modell als eine Art Spardose auslegen, in dem dann ein Umschlag mit Brief und Geld zu finden wäre. Und dann das Ganze als „Kite-Kasse“, sozusagen als Spardose für den Urlaub, deklarieren. Das hätte ich vielleicht auch sowieso so gebaut, auch wenn die Idee mit dem fliegenden Kite und integriertem Motor geklappt hätte. Da hatte ich noch die Idee (für deren Umsetzung ich aber viel zu wenig Zeit gehabt hätte), dass der Motor nicht per Schalter an- und abzuschalten wäre. Vielmehr wäre der Geldschlitz mir einer Gabellichtschranke versehen, die bei Einwurf von Scheinen oder Münzen auf eine monostabile Kippstufe (Zeitschalter, wie beim Treppenhauslicht) gewirkt hätte, die wiederum für ein paar Sekunden über ein Relais den Motor mit dem Propeller aktiviert hätte. Schöne Idee, aber mir war klar, dass ich das nicht mehr würde machen können, das hätte zu viel Zeit und Geld gefressen. Außerdem … ich hatte noch ziemlich lange die Hoffnung, dass ich den Kite zum Fliegen bekäme, aber dass er von selbst fliegen würde, sobald Schub kommt, ohne dass man ihn manuell in den Luftstrom bringen muss, von der Hoffnung hatte ich mich vorher schon verabschiedet.

Kasten im Bau

Der Kasten im Bau – eigentlich schon kurz vor der Fertigstellung

Wie auch immer, ich machte mich daran, den Kasten zusammenzubauen, dazu verwendete ich weiß lackierte Sperrholzplatten und Kanthölzer für die Klebeverbindungen. In die Vorderront sägte ich eine Öffnung und brachte mit einem kleinen Scharnier ein Türchen an, welches ich noch mit einem Verschlag (korrekter Fachaustruck: „Schatullenüberfall“, wie ich im Fachgeschäft Hollfeld erfuhr) und Vorhängeschloss versah. Hinter das Modell brachte ich noch eine Sperrholzplatte mit einem laminieten Foto einer Strandlandschaft bei Sonnenuntergang mit einem fliegenden Kite und der Aufschrift „Kite-Kasse“ an. Auch hier hatte ich in meiner Phantasie noch ganz andere Entwürfe – von einer Strandlandschaft auf einer motorgetriebenen „Leinwand“, die als Endlosband die das Panorama hinter dem Buggy vorbeiziehen ließe bis hin zu einer Variante mit einem kleinen Farb-LCD für denselben Effekt per Video in moderner und noch teurer. Aber mir war klar, dass das mit vernünftigem finanziellen und zeitlichem Investment noch weniger zu realisieren wäre als die Geschichte mir dem lichtschrankengesteuerten Motor. Ohne zeitliche oder finanzielle Grenzen allerdings… Naja, man wird ja mal träumen dürfen. Alle anderden Ideen, noch wenigstens irgendwelche Spielereien mit LEDs wie bei vorrangegangenen Basteleien zu integrieren, verwarf ich ebenfalls. Erstens wurde die Zeit knapp und zweitens passte das da einfach irgendwie diesmal nicht.

Buggymodell auf Kasten

Fast fertig: Der Buggy auf dem Kasten.

Zeit wurde überhaupt zum absolut kritischen Faktor. Ich hatte ja Urlaub, aber die Hochzeitsfeier nahte. Und plötzlich stellte ich fest, dass ich einen Tag weniger Zeit hatte, als gedacht, weil die Hochzeit schon am Freitag und nicht am Samstag, wie ich es irgendwie auf dem Schirm hatte, war. So ein Riesenmist! Durch diesen Fehler hatte ich keinen Zeit mehr für irgendwelchen Feinschliff (z.B. ein Schild „Just married“ hinten am Buggy, Verzierungen an dem doch recht schlichten, weißen Holzkasten), sondern musste nun schnell zu einem überreichbaren Ergebnis kommen. Erst kurz, bevor ich los musste, brachte ich noch das laminierte Foto an und baute eine Art „Galgen“, um den Kite daran aufzuhängen.

Fertig? Eigentlich nicht.

Fertig? Eigentlich nicht. Aber weiter bin ich halt nicht mehr gekommen.

Und das Blödeste war, dass ich es nicht mehr schaffte, die beiden Figuren fertig zu bekommen. Das hat mich auch schon sehr geärgert, weil das halt so einen schönen Symbolwert gehabt hätte und auch einfach besser ausgesehen hätte. Und außerdem musste ich einfach ein unfertiges Ding überreichen, das passt mit meinem ungesunden Perfektionismus einfach nicht zusammen. Dennoch finde ich, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann. Insbesondere im Vergleich dazu, einfach nur einen Umschlag zu überreichen. Es fällt mir zwar schwer, mich darauf zurückzuziehen, aber ein bisschen ist ja auch an dem Spruch „Es ist der Gedanke, der zählt“ dran – oder?

Kitekasse fertig

Das Ergebnis: Die „Kitekasse“ mit Umschlag und Vorhängeschloss

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