London Fazit

Tja, ich werde es wohl kurz machen (wär ja mal ganz was Neues). London ist auf jeden Fall eine Reise wert, ich denke, da ist für jeden etwas dabei. Es ist eine pulsierende Metropole mit viel Geschichte und Kultur, genauso wie auch jeder Menge Entertainment und Must-See-Sightseeing-Locations. Für mich war es ja nur eine Stippvisite. Und das, was ich bisher hier geschrieben habe, wußte sowieso jeder…

Also, noch ein paar persönliche Anmerkungen:

1. Die Londonerin an sich ist hübsch und gut angezogen. Klar, entweder, sie arbeitet bei einer Bank und trägt ein Business-Kostümchen, oder sie hat sich mächtig in Schale geworfen, weil sie eine Theater- oder Musicalvorstellung besucht. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass mehr Röcke getragen werden als hierzulande. Die Männer bemühen sich, mitzuhalten (was vielleicht mehr ist, als man hierzulande sagen kann, auf jeden Fall, was mich angeht, wie ich zu meiner Schande gestehen muss).

2. Der Links-Verkehr überfordert mich. Es gab die Möglichkeit, Fahrräder zu mieten, sogar direkt bei meinem Hotel. Wie z.B. auch in Hamburg, mit Automaten und diverse Stationen zur Übernahme und Abgabe der Räder. Coole Sache an sich, aber ich hatte erstens nicht meine Fahrradhalterung für das Schlaufon dabei (für Ingress), aber vor allem hatte ich Angst vor dem Linksverkehr. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich traue mir Autofahren in Staaten mit Linksverkehr nicht zu, obwohl es sogar von Vorteil sein könnte, dass ich hier wenig fahre. Aber ich hatte schon als Fußgänger beim Überqueren von Straßen Probleme, wohin ich gucken muss, und das, obwohl es an den Fußgängerampeln sogar extra auf den Straßen draufsteht! Heute, wieder in Deutschland, war die Verwirrung komplett und ich wahr mir unsicher, wohin ich gucken muss. Liebe Eltern mit Kindern, denen gerade das Verhalten im Straßenverkehr nahe gebracht wird: Ein Tripp nach England ist wahrscheinlich keine gute Idee.

3. Ich glaube, ich mag die Briten. Ihren Akzent, ihren Humor, NICHT ihr Essen. Naja… ehrlich gesagt, ich hatte nicht die Eier, um pork with black pudding zu probieren, also ist das vielleicht auch meine Schuld. Trotzdem, es würde mich reizen, mich mal länger und anderswo auf der Insel aufzuhalten.

4. Die Briten haben eine Menge interessanter und leckerer Ales am Start. Auch Strongbow Cider hat mir gut geschmeckt, allerdings traute ich mich dann doch nicht, die diversen Geschmacksrichtungen, die es inzwischen gibt, auszuprobieren.

5. Wohnen in London City, der öffentliche Nahverkehr und Essen (sofern man sich nicht ausschließlich von Fast Food ernähren will) sind ziemlich teuer. Nunja, ich kann mir einen einigermaßen gediegenen Standard für ein paar Tage leisten. Aber es gibt sicherlich auch günstigere Alternativen, wenn man danach Ausschau hält (Bed & Breakfast, Couch Surfing, Hostels). Dafür ist die Reise dorthin günstig zu kriegen, vor allem, wenn man flexibel ist.

6. Natürlich habe ich, weil es seit New York Tradition ist, einen (wenngleich kurzen) Blick auf die aktuellen Handtaschentrends geworfen. Das Foto bin ich bisher schuldig geblieben. Hier ist es:

Handtaschen-Foto

Das obligatorische Handtaschenfoto für meiner Handtaschen-Freundin aus Frankfurt.

Ich bin natürlich dankbar, dass ich überhaupt hinfliegen konnte. Und nicht nur dass, ich konnte sogar ohne Schmerzmittel unterwegs sein und hatte auch noch gutes Wetter, kein einziger Tropfen Regen die ganze Zeit sowie angenehme Temperaturen. Was will man mehr? Ich hab wie immer in den Tag gelebt und mich treiben lassen und ein paar Ingress-Ziele verfolgt und auch erreicht. Leider habe ich nicht viel mit Einheimischen gesprochen, es hat sich nicht so ergeben. Insgesamt hätte ich noch einen oder zwei Tage mehr gebrauchen können, aber um mir einen oberfläclichen Eindruck zu verschaffen, dafür hat es schon gereicht.

Was von London übrig blieb

Was von London übrig blieb: 25 Pfund und paar Cents, ne SIM-Card (nur etwa ein halben Gig Datenvolumen verbraucht), eine Tube Map, Bahnticket nach Luton und die Oyster Card mit einer unbekannten, noch nicht verbrauchten Restsumme.

So, das war es ersteinmal. Vielen Dank fürs Lesen.

Übrigens: Bisher war dies bis auf wenige Ausnahmen ein Reisblog. Ich denke im Moment darüber nach, ein neues Ressort zu eröffnen, über andere grandiose Heldentaten aus meinem bescheidenen Leben…

Bis denne!

PS: Ich sehe es schon kommen, sollten sich die Schotten am 18. September für die Unabhängigkeit entscheiden, wird man das wieder mir in die Schuhe schieben!

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Leaving London

Ich hatte meinen iPad-Wecker mit Rage Against The Machine „Wake up“ geladen, dem Universal-Wecksong. Auch bekannt als End Title aus „The Matrix“. Das Ding pustete mich um 8.30 AM aus dem Bett. Naja… ich brauchte schon eine halbe Stunde, um auf Nenndrehzahl zu kommen. Katzenwäsche, anziehen, packen, auschecken, und ab zu Bethnal Green in die Bahn nach Liverpool Street. Ab Abend zuvor hatte ich mir ergoogelt, dass von King’s Cross / St. Pancreas Züge nach Luton Airport Parkway fahren würden und dass das die schnellste Verbindung sei.

221b Baker Street mit etwas Distanz

221b Baker Street mit etwas Distanz

Im Zug nach King’s Cross fiel mir zweierlei auf: Erstens stand bei Farringdon, nicht bei King’s Cross die Verbindung zu Luton angezeigt. Zweitens könnte ich noch ein paar Stationen weiterfahren, nach Baker Street. Hier bin ich zwar schon am Montag angekommen, aber obwohl irgendwo was leise klingelte, hatte ich nicht auf dem Schirm, dass 221b Baker Street ja die (damals fiktive, denn lt. Wikipedia war zur der Zeit der Erzählungen die Baker Street nur bis 100 nummeriert) Adresse von Sherlock Holmes ist. Eine Freundin hat mich eindrücklich darauf hingewiesen, und wenn ich es einrichten könne („aber fahr da nicht extra hin“) solle ich doch mal ein Foto vom Haus machen. Gefühlt hatte ich irgendwie noch jede Menge Zeit, also blieb ich tatsächlich im Zug sitzen und stieg Baker Street aus. Ein Blick auf Google Maps sagte mir, dass die 221b Baker Street nur kurz um die Ecke lag. Also hin, klack klack klack ein paar Bilder gemacht, per What’s App an die Freundin abgefeuert, fertig. Mission accomplished.

221b Baker Steet

221b Baker Street – hier also lebt Sherlock Holmes.

Ich überlegte kurz, ob ich nicht wieder von hier mit dem National Express Bus nach Luton zurückfahren sollte, gab dann aber doch der Variante, nach Farringdon zurückzufahren und von da den Zug nach Luton Airport Parkway zu nehmen, den Vorzug. Ähm. Ich machte mir doch ein wenig Sorgen, ob diese kleine Extra-Tour nicht doch meinen Zeitplan gefährden könnte. Derart leicht nervös verwechselte ich prompt Eastbound und Northbound und sprang in den falschen Zug. Also in Edgware Road wieder raus und in die Gegenrichtung bis Farringdon.

Hier hatte ich erstmal keinen Plan, wie und wo an ein Ticket nach Luton zu kommen wäre. Ich fand zwar die Platform, aber keine Ticket Machines oder Schalter. Und ich war mir nicht sicher, ob ich mit meiner Oyster Card auszuchecken hatte oder nicht. Ein Frau mit Kinderwagen am Bahnsteig konnte mir nicht weiterhelfen. Also folgte ich den „Way out“-Schildern und konnte dort, wo man mit der Oyster Card auscheckt, jemanden fragen. (Kurze Bemerkung zur Oyster Card: Das Ding lädt man halt mit Geld am Automaten auf. Wenn man in eine U-Bahn-Station geht, hält man das Ding an einen Sensor, dann öffnet sich eine Tür, und man kann zum Bahnsteig gehen. Am Ziel kommt man nur aus der Station raus, wenn man auf gleiche Weise auscheckt, dabei wird dann je nach Fahrstrecke der entspechende Betrag von der Karte abgebucht. In New York City habe ich das genauso gemacht. Falls jemand demnächst nach London will – ich kann die Karte abgeben. Sind vielleicht sogar noch paar Pfund drauf…)

Okay, die Empfehlung lautete: Auschecken, raus aus dem Gebäude, Straße überqueren, rein in das Gebäude auf der anderen Straßenseite, dort Ticket kaufen. Das tat ich dann auch, ich erstand am Schalter ein Ticket nach Luton Airport Parkway für 15,irgendwas Pfund. Um zum Gleis zu kommen musste ich nochmal meine Oyster Card an einen Sensor halten. Normalerweise hätte ich den Zug verpasst. Der hatte aber acht Minuten Verspätung, und so habe ich den noch gekriegt. Glück gehabt!

Glück gehabt - mein Zug hat Verspätung

Glück gehabt – mein Zug hat Verspätung

Der Zug war nicht besonders voll, es war kein Problem, einen Sitzplatz zu bekommen. Die Fahrt sollte etwa 38 Minuten dauern. Allerdings war der erste Halt… King’s Cross / St. Pancreas. Also hätte ich auch dort den Zug nehmen können. Aber das war ja jetzt mal egal. Nach der ereignislosen Fahrt, auf der ich die „Sargeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ der Beatles hörte und ein bisschen vor mich hindöste, kam ich an der Luton Airport Parkway Station an. Ich folgte den Schildern zum Shuttlebus, der mich zum Flughafenterminal bringen würde. Ich hatte gelesen, dass das 1,90 Pfund kosten würde, war dann aber in meinem Bahnticket inklusive. Also rein in den Bus, ich fand einen Sitzplatz. Bis es losging, dauerte gemessen an Ingress-Cooldown-Zeiten (ich hatte da ein Portal in Reichweite) 10-15 Minuten, die Fahrt selbst war kürzer.

Am Flughafen angekommen, beschäftigte ich mich kurz mit den beiden Portalen vor Ort und betrat den Terminal. Ich musste ja kein Gepäck aufgeben, also ab durch die Security, was schnell und reibungslos ging. Also ging ich in Richtung Gates – und stellte erst dort fest, dass ich mich irgendwie um eine Stunde mit der Zeit vertan hatte. Geplant hatte ich, wie man das so macht, zwei Stunden vor Abflug das Terminal zu betreten. Trotz meiner Extratour zur Baker Street hatte ich jetzt nach der Security noch zwei Stunden bis zum Abflug, mein Gate würde lt. Monitor erst in 75 Minuten öffnen. Na, egal. Besser zu viel als zu wenig Zeit. Ich würde mich schon zu beschäftigen wissen.

Im Einkaufs/Gastrobereich vor den Gates war es ziemlich voll, aber ich fand dennoch ein paar leere Tische neben einem Laden, der Bagels, Kaffee, Fruchsäfte und Smoothies anbot. Ich hatte noch nicht ordentlich gefrühstückt und andererseits noch viele Pfunde auf Tasche. Also holte ich mir so einen Bagel mit englischem Frühstück drin: Im Wesentlichen Bratwurst und Bacon. Fleisch ist mein Gemüse! Dazu gab es einen Latte, der ganz gut war, aber nicht mit dem in Westminster vom Vortag konkurrieren konnte. Also Respekt: Wenn die Briten schon Kaffee trinken, dann offenbar richtig!

Hm… zwei Stunden Zeit… Lesen? Bloggen? Weder noch. Ich rief Ingress auf meinem Schlaufon auf und entsorgte rund 200 Londoner Portalschlüssel. Da ich zu viele Power Cubes habe, die zuviel Platz im auf maximal 2.000 Gegenstände begrenzten Inventar wegnehmen, lud ich dabei nach, was nachzuladen ging. Als ich alle Londoner Schlüssel weggeworfen hatte, lud ich unter Einsatz diverser Power Cubes in Osnabrück nach, was nachzuladen ging. Ziemlich monoton, aber es reichte, um die zwei Stunden zu füllen. Zwischendurch holte ich mir für die 4 Pfund verbleibendes, nennenswertes Münzgeld noch einen Brombeer-Smoothie.

Irgendwann war in Osnabrück alles, was ich laden konnte, geladen (ca. 91% efficency übrigens bei einer Entfernung von zwischen 500 und 600 km Luftlinie), und die 75 Minuten bis zum Öffnen des Gates auch rum. Also machte ich mich auf die Socken zu Gate 17. Dazu musste ich eine Treppe runter, und da erwartete mich mitnichten sowas wie eine Abflug-Lounge mit Sitzgelegenheiten. Hier gab es nur eine Schlange vor einem Counter, wo die Bordkarten und Pässe geprüft wurden. Immerhin ging das einigermaßen schnell. Noch eine Treppe runter, durch Türen aufs Vorfeld, wo der Vogel bereitstand. Ich hatte diesmal Sitz 8a (auf Höhe der Backbord-Tragfläche, am Fenster) und stieg über ne Gangway vorne ein.

Airbus 319

Dieser Vogel, in den ich durch die vordere Treppe direkt hinter dem Cockpit einsteigen sollte, brachte mich zurück nach HH.

Ich verstaute das knallgelbe Ding im Overhead-Compartment und setzte mich. Die Plätze neben mir bleiben zuerst frei. Dann setzten sich – den Streifen am Ärmel nach – Flugkapitän und ein erster Offizier auf die Plätze neben mir. Allerdings wurden die kurz danach nochmal ein paar Reihen weiter nach vorne gesetzt, noch bevor ich meinen blöden Spruch „Sagen Sie, sollten Sie nicht besser GANZ vorne sitzen?“ ablassen konnte.

Der Abflug verzögerte sich etwas, weil die Startbahn nochmal geändert wurde und vor und einige andere Flugzeuge von Ryan Air und Wizz Air Schlage auf dem Taxiway standen. Schließlich waren wir aber dran, und los ging’s. Während des Fluges setzte sich dann eine irgendwie alternativ aussehende Dame auf den Sitz am Gang neben mir und begann, zu häkeln. Ich hörte lieber ein wenig Musik und döste.

Der Flug war ja nicht lang, und schnell war man im Final Approach zu Hamburg Airport. Bisschen rollen, aussteigen, kein Baggage-Claim, paar Sachen umpacken, kurze und schnelle Passkontrolle, raus aus dem Terminal. Ab zur S-Bahn, wo ich schon das Ticket bis Osnabrück am Automaten lösen konnte, ein wenig warten, und rein in den Zug.

Am Hbf hatte ich noch etwa 25 Minuten Zeit, weil der Zug nach Osnabrück 10 Minuten Verspätung hatte. Ich kaufte mir noch zwei Franzbrötchen, die ich dann am Gleis verzehrte. Schließlich kam der Zug, und der Rest war dann halt wie jeden andere Bahnfahrt von Hamburg nach Osnabrück – ereignislos. Mit den 10 Minuten Verspätung kam ich in Osnabrück an, ging von da zu Fuß zum Neumarkt und hatte dort das Glück, knapp noch die Linie 11 in meine Richtung vorzufinden.

Der Bus brachte mich dann schließlich nachhause. Uff. Ich bin jetzt auch ziemlich müde. Ich werde noch ein paar Bilder einfügen und mein Fazit lieber morgen nachreichen.

Bis denne!

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Von großen Häusern, blauen Rädern und magischen Marschflugkörpern

Okay, ich warne Euch vor: Ich habe zwar eine Buddel London Pride und ein Premium Spitfire am Start, aber es könnte trotzdem sein, dass ich es heute wieder nicht durchhalte, den Post zuende zu schreiben. War wieder ein langer Tag mit viel Fußmarsch.

Ich wachte gegen neun Uhr auf und gammelte noch ein bisschen. Dann machte ich mir nen Tee (Cookies und Teebeutel waren aufgefüllt worden) und schrieb in der Schlafanzughose erstmal den Post vom Vortag fertig. Das dauerte eine ganze Weile, anschließend Katzenwäsche. Mann, das geht mir echt auf den Keks, nicht duschen zu können – jetzt seit fast drei Wochen. Aber ich glaube, es geht bald wieder, vielleicht schon am Wochenende.

Ich kam so erst zwischen 13 und 14 Uhr los. Ich fuhr von Bethnal Green zur Liverpool Street und von da mit der Circle Line zur Westminster-Station. Ich stieg aus, suchte erwartungsfroh einen Ausgang und sah: Gitter. Und direkt dahinter ragte massiv der der Big Ben (der eigentlich Queen Elisabeth II Tower heißt, wie ich nun weiß) emport, direkt vor meiner Nase. Zwei Ingress-Portale, sofort eingenommen. Der schnelle Wechsel zwischen Gucken, Fotos knipsen und Portale bearbeiten ist mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen… das läuft fast schon automatisch.

Westminster Palace

Westminster Palace

Gut, also raus da, Abstand vom Turm gewinnen und die ersten Fotos schießen. Das Teil ist echt ein massives Stück Hardware, echt beeindruckend aus der Nähe betrachtet. Vom gesamten Gebäudekomplex mal ganz zu schweigen. Nach meiner Auffassung eine ganz andere Hausnummer als der Tower. Aber dazu später noch.

Gut, also ging ich über die Westminster Bridge auf die Ostseite der Themse, stetig knipsend wie alle anderen. Natürlich war ich hier auch der einzige Tourist, wie einst in Sebastopol (hust). Übrigens hatte ich meine Kampaktkamera im Hotel vergessen und konnte diesmal also ausschließlich mit dem Schlaufon knipsen. Hm, hat auch was Gutes: Wenn ich sämtliche Nachtaufnahmen (dazu später) auch wieder mit dem Ding versucht hätte, wäre ich wohl immer noch in Westminster (und es ist neun Minuten vor null Uhr). Neben dem Westminster Palace war das große Riesenrad „London Eye“ auf der anderen Seite der Themse natürlich auch noch ein Blick- bzw. Objektivfang. Nachdem ich die Themse überquert hatte, ging ich erstmal Richtung Süden am Ufer entlang, um den Wahnsinnskomplex ausgiebig zu knipsen.

Houses of Parliament

Houses of Parliament aka Westminster Palace

Unterwegs am Ufer kam ich zu einem mobilen Coffeeshop, halt so ein Wagen, der dort stand, mit einigen Tischen am Ufergelände. Eine Frau wurde gerade vom verboten gut aussehenden Barista bedient und bekam ein ebenfalls verboten gut aussehendes Stück Kuchen und Kaffee. Ich warf einen Blick auf die sehr moderaten Preise. Keine Frage, Zeit für eine Pause. Ich nahm einen Vanilla Latte für unter drei Pfund und ein Stück von dem gutaussehenden Karottenkuchen. Beides war für Londoner Verhältnisse erstens extrem günstig und zweitens extrem gut. Der Kaffee konnte locker mit dem von den Kaffeeexperten im „Kofein“ in Sebastopol mithalten. Außerdem hatte ich zwei grüne Level 6 Portale in Reichweite und einen super Blick auf den Westminster Palace… was will man mehr. Der Kaffee war so gut, dass ich anschließend noch den Americano probierte, der ebenfalls lecker war. An dem Wagen war übrigens eine Tafel angebracht, auf der folgender Spruch zu lesen war: „The best coffee is like the perfect man: Rich, hot, and keeps you awake all night!“ Cheers!

Best coffee in London

Best coffee in London: Ich fragte eine Frau, die sich auch einen Kaffee kaufte, ob sie local sei. Nein, war die Antwort, keine Londonerin, aber aus der Umgebung. Und das hier SEI der beste Kaffee in London.

Nachdem ich meinen zweiten Kaffee ausgetrunken hatte, schlug der Big Ben mit seinem unverwechselbaren, oft kopierten aber nie erreichten Geläut, welches jeder kennt, four o clock. Ich ging weiter Richtung Süden. Ähm… eigentlich hatte ich da gar kein Sightseeing auf dem Plan, aber… ich sah da plötzlich eine sehr schöne, grüne, Level 7 Farm mit sogar ein paar 8er Portalen vor mir und konnte mich nicht beherrschen. Also weiter nach Süden, Material und unique Hacks einsammeln. Etwa an der Vauxhall Train Station endete die Farm und ich suchte mir einen Rückweg parallel zum Themseufer mit weiteren Portalen für den Rückweg nach Westminster. Hier war ich schon echt nennenswert von den zahlreichen Touriattraktionen in Westminster entfernt, hier ging ich durch ganz normale Wohnviertel mit großen Mietskasernen, einige eher hässlich, andere etwas ansprechender, Spielplätze dazwischen – wie in jeder x-beliebigen Stadt halt. Hier wohnte der weniger wohlhabende Londoner – gar nicht so weit entfernt vom Regierungsviertel und dem angrenzenden, kulturellen Hotspot mit der Royal Opera und Theater- und Musicalbühnen.

Royal Vauxhall Tavern

Royal Vauxhall Tavern – was immer das heißt. War geschlossen.

Zurück in Westminster drängte es mich, die Westminster Abbey, die berühmte Kirche, in der die royalen Hochzeiten und Begräbnisse (vermutlich auch Taufen und so) stattfinden. Auf dem Weg dahin sah ich dann den Westminster Palace von der anderen Seite und ganz aus der Nähe, unter anderem den beeindruckenden Victoria-Tower. Also… wenn es um Design oder Architektur geht, mag ich es lieber schlicht. Und das war das extreme Gegenteil davon. Dennoch, die schiere Größe, die vielen Details und die Geschichtsträchtigkeit der Anlage überwältigten mich fast. Ich interessiere mich bekanntlich für Technik, weniger für Geschichte oder Kunst. Deswegen hatte ich auch hier null Interesse, mich für wahnsinnig viel Geld stundenlang durch den Komplex führen zu lassen und mir Gemälde und Ritterrüstungen anzusehen. Während draußen all die schönen Portale herumstehen. Nicht mein Ding. Mir reicht es, das Teil kostenlos von außen zu bestaunen und zu knipsen.

Queen Viktoria Tower

Queen Viktoria Tower – als ich das Ding sah fiel mir der Spruch „an impressive piece of hardware“ ein. Unglaublich die Details und ein echt massives Teil.

Ich sah hier die Westminster Abbey nur von hinten, also suchte ich mir einen Weg auf die andere Seite, um mir das Ding von vorne ansehen zu können. Dabei kam ich durch einen Innenhof eines Komplexes namens „Dean’s Yard“. Schließlich hatte ich die zwei Türme der Kathedrale vor mir, da war dann noch ein War-Memorial und so weiter. Knips knips knips.

Westminster Abbey

Westminster Abbey – tja… hier wurden zuletzt 2011 Prinz William und Kate getraut, 2002 die Queen Mum betrauert – aber trotzdem ist es auch eine ganz normale Kirche. Einem Schild zufolge ist jeder willkommen, und man braucht nicht mal ein Ticket…

In unmittelbarer Nähe war noch eine Grünfläche, die von Statuen berühmter Briten und – eine Ausnahme, wie mir schien – der von Nelson Mandela flankiert war. An einer Ecke stand Churchill – na, wenigstens einer, der mir was sagte. Ich vermisste allerdings seine Zigarre in der künstlerischen Darstellung.

Winston Churchill

Winston Churchill

Langsam wurde es dunkel, was meinem Plan, wie immer ein paar (naja, tatächlich natürlich Dutzende) Nachtaufnahmen von alledem zu schießen, entgegenkam. Es war gegen 19 Uhr, was auch bedeutete, irgendwo was zu essen (und zu trinken) zu finden, wäre mal langsam angesagt. Achja… ich hatte dann noch die Idee, mal in Richtung Downing Street Number Ten zu schauen. Ist ja kein Problem mit Google Maps, das zu finden. Auch wenn ich hier vor lauter Regierungsgebäuden die Stadt kaum noch sah. Aber der Gedanke, da quasi vor David Camerons Haustür herumlungern zu können, erwies sich dann doch als etwas naiv – der Zugang von der Whitehall zur Downing Street war bewacht, und nebenan zur 10 Downingstreet wohnen wahrscheinlich auch nicht unbedingt die Smiths von nebenan, die die Blumen bei den Camerons gießen, wenn diese im Urlaub sind.

Also wieder Richtung Westminster Bridge. Ich wollte mir das Riesenrad „London Eye“ mal aus der Nähe ansehen. Auf dem Weg zum Themse-Ufer nahm ich eine Abkürzung und stand plötzlich vor einem riesigen Gebäude, welches ein Schild „Ministry of Defense“ trug. Ups… das Allerheiligste der britischen Streitkräfte, und wie es aussah, konnte man hier sehr viel leichter rein als in die Downing-Street oder etwa den überall von teilweise schwer bewaffneten Bobbys bewachten Westinster Palace. Naja, allem Anschein nach. Wahrscheinlich gibt es einen zugänglichen Teil, der first line of defense, auch „Bürokratie“ genannt, und irgendwo einen gut bewachten Kern im Inneren des Wahnsinnskomplexes, wo es wirklich ums Eingemachte geht. Geschützt von der last line of defense, auch „Blei“ genannt.

Wie auch immer, ich überquerte einmal mehr die Themse über die Westminster Bridge und ging Richtung Riesenrad. Wow – das hier war eine richtige Tourifalle. Hier gab es neben dem London Eye noch andere Fahrgeschäfte, das Sea Life Aquarium und die County Hall mit Bowling, Spielautomaten, Arcardegames, Fastfoodrestaurants etc. Ich besah mir das Riesenrad aus der Nähe, welches ich schon in einigen Spielfilmen gesehen hatte, z.B. mussten da die Insassen von den „Fantastic Four“ mal vor dem Silver Surfer gerettet werden oder sowas in der Art. Weiß ich nicht mehr so genau, ich muss mir den Film wohl nochmal ansehen. Auf jeden Fall drohte das Ding umzukippen und in die Themse zu fallen. Okay, angetrieben wird das Ding wie das Standard-Volksfest-Riesenrad über Reibradantrieb, vermutlich auch wie allgemein üblich mit Hydraulikmotoren (die Tower Bridge läßt grüßen). Besonders ist allerdings die freischwebende Radnabe an zwei diagonalen Streben, die von Stahlseilen gehalten werden. Ist schon eine kühne Konstruktion.

London Eye Reibradantrieb

London Eye Reibradantrieb – eine Seite davon. Insgesamt gibt es zwei Sets mit jeweils vier Antriebsrädern.

In der County Hall gab es einen Mc Donald’s. Ich hatte nicht mehr viel Cash, nur noch so 15 Pfund. Also war das eine günstige Alternative, und ich hatte ja bisher auch nicht nur Fastfood gefuttert. De facto war das sogar mein erster Besuch in einer der klassischen Fastfoodketten in London. Okay… ein paar Dinge sind hier anders. Ich orderte ein value menu mit einem quarterpounder. Ich wollte majo für die Pommes, aber ich bekam „sorry, we don’t do mayonaise“ als Antwort. Das erinnerte mich irgendwie an „Pulp Fiction“ und im Nachhinein finde ich die Wortwahl irgendwie putzig – „we don’t do mayonaise“. Klingt wie „we don’t do drugs“. Außerdem anders als gewohnt: Es gab kein Tablett.

Ich ging downstairs, wo auch die Restrooms waren – denn da musste ich auch noch hier – und verputzte Burger, Pommes und Coke. Danach in den Restroom, und dann weiter.

Es wurde immer dunkler, also standen weitere Spaziergänge und Nachtaufnahmen an. Zunächst ging ich das östliche Themseufer entlang und knipste den Westminster Palace. Mein Barista schon in seinem Wagen noch immer Dienst. Ich ging weiter zur Lambeth Bridge, überquerte die Themse und ging am Westufer wieder in die Gebenrichtung. Bei sämtlichen Gängen spielten natürlich einerseits Kameraperspektiven, andererseits Ingress-Portale eine Rolle. Ich fand mich dann wieder zwischen Westminster Palace und Abbey wieder. Von der Westseite war der Palast weitaus weniger beleuchtet als von der Flußseite aus. Aber die Abbey erstrahlte im Glanze der Scheinwerfer. Aber ich hatte keine Lust, nochmal auf die Vorderseite zu latschen und die angestrahlten Türme zu knipsen. Also begnügte ich mich mit dem Ar… äh, dem Hinterteil der Kathedrale.

Big Ben bei Nacht

Big Ben bei Nacht

Wieder beim inzwischen fein beleuchteten Big Ben angelangt, knipste ich den eindrucksvollen Turm noch einige Male und befand mich dann wieder am Westufer, gegenüber dem Riesenrad. Dieses war blau beleuchtet und auch ein paar Fotos wert. Ich ging weiter zur südlichen „Golden Jubilee“-Bridge. Es gibt da die Hungerford-Bridge, eine Eisenbahnbrücke, die nördlich und südlich von zwei noch sehr neuen (Fertigstellung 2002) Fußgängerbrücken flankiert wird. Nachts sind die auch sehr schön illuminiert. Wenn ich mich recht erinnere, fällt eine davon im Film „Harry Potter 7.1“ ganz am Anfang so einer Art magischen Marschflugkörper der dunklen Seite der Macht, ähm, Lord Voldemorts, zum Opfer. Noch ein Film, den ich mir wohl noch mal angucken muss. Hm… nachdem ich in San Francisco war, habe ich mir vorgenommen, mir unbedingt „The Rock“ nochmal anzusehen. Hat, glaube ich, über ein Jahr gedauert, bis ich das gemacht habe.

Auf der "Golden Jubilee Bridge"

Auf der „Golden Jubilee Bridge“: Rechts ein Straßenmusiker, der so einen Elton-John-Klassiker („Do you feeel the love inside…“) sang. Links ein Zuhörer, der voll mitging. Irgendwie ein geiles Bild, finde ich.

Ich überquerte südliche Golden Jubilee Bridge (übrigens nach dem Goldenen Thornjubileum von Queen Elisabeth II benannt), um auch aus dieser Perspektive das Riesenrad und so weiter zu knipsen. Auf der Brücke sang ein Straßenmusiker so einen Elton-John-Klassiker aus „Der König der Löwen“. Ein wenig weiter spielte jemand recht virtuos Gitarre und bot CDs für fünf Pfund an. Ich musste an meine Neffen denken, wie denen das wohl gefallen hätte. Ich galangte also zum x-ten Mal auf die andere Seite der Themse und entschied mich, über die Waterloo-Bridge zurückzugehen, um auch von da aus zu knipsen. Sorry, ich glaub, das viele Hin und Her auf den verschiedenen Brücken wird wahrscheinlich langsam langweilig zu lesen…

London Eye bei Nacht

London Eye bei Nacht: Ich hab alles versucht, das blaue Mistding grün zu bekommen. Keine Chance, egal wie viel Burster ich abgefeuert habe. (Hint: das Ingress-Portal war längst grün. Nur hat das keine Auswirkung auf die Beleuchtung des Riesenrades. Wär mal ne Idee…)

Es wurde langsam ziemlich spät. Eigentlich wollte ich gegen 21 Uhr den Weg zum Hotel antreten. Ein Blick auf Google Maps, und die Variante, die Circle-Line Staion Temple zu nehmen und von dort zurückzufahren war ein Plan. Ein Blick auf meinen Unique Captures Counter in Ingress sagte mir allerings, dass ich nur noch 24 UCs von der Gold Badge entfernt war. Ähm… Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen…

Auf der anderen Seite der Themse (einmal mehr) angelangt, fand ich mich unmittelbar im kulturellen Zentrum Londons wieder. Hier lockten die Royal Opera und diverse Theater- und Musical-Bühnen. Entsprechend hell beleuchtet waren die Straßen und gut gekleidet die Leute, die auf diesen unterwegs waren. Mich als bekennende Kulturbanause hingegen lockten die unique Hacks, die hier noch drin waren – ich brauchte ja nur noch 24. Es war gegen 22 Uhr, und knapp 20 Minuten später war die Sache erledigt und die Gold Badge im Kasten. Außerdem gab es unterwegs noch einen Convienient Store, der mich mit 0,75 Liter Wasser und eine Railway Station, die mich mit einem ATM versorgte. Ich hatte fast keine Pfunde mehr im Portemonnaie. Ich brauche zwar wohl auch nicht mehr viel, aber ich muss morgen (naja, eher nachher) noch irgendwie zum Flughafen kommen, und da möchte ich lieber ein Pfund zu viel als zu wenig am Start haben.

Okay, die Gold Badge war im Kasten. Ich befand mich auf der berühmten Fleet Street. Bei mir läutete da was. Ich hatte früher für meinem Atari ST ein sogenanntes Desktop-Publishing-Programm namens „Fleet Street Editor“ gehabt (und fast nie benutzt). Ein kurzer Blick auf Wikipedia – hier waren früher die ersten Verlage Londons angesiedelt. Daher der Name der Software. Ein Blick auf Google Maps – nächste Tube-Station Blackfriar. Allerdings… es war zwar schon spät, aber andererseits… St. Pauls Cathedral war nicht mehr weit. Also wieder die Zeit nach hinten gedehnt und ein paar Blocks weiter gelatscht. Man lebt nur einmal, und wer weiß, ob ich noch mal nach London komme.

St. Pauls Cathedral

Zugegeben… das war echt Schnellverfahren. Oh, noch ne attraktive und berühmte Kirche. Ich habe zwar keine Ahnung, wann und vom wem gebaut, aber egal… DRAUFHALTEN. Und weiter, Richtung Bett.

Angekommen bei der üppig illuminierten St. Pauls schnell ein paar Schnappschüsse mit dem Schlaufon, und weiter. Die nächste Circle Line Station Mansion House war dann meine. Also ab zur Liverpool Street, rein in die Central (wie immer voll) und nächste Station Bethnal Green raus. Zu Fuß zum Hotel wie immer, die feiner Level 6-7 Farm auf dem Weg dahin farmen und nachladen, nochmal kurz für Getränke-Nachschub in den Convienientstore, ins Hotel, iPad aus dem Trolley und Bloggen.

Feierabend mit Ale

Spitfire und London Pride Ale – beides eher mild. Zum Abschluß ein Guiness. Sehr rauchig im Vergleich.

That’s all folks! Morgen geht es also wieder zurück über Luton und Hamburg nach Osnabrück. Ich werde dann halt noch den Rückweg verblogggen und ein Fazit ziehen. Bis denne!

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Under the Bridge (and over it, too)

Heute wachte ich später auf, erst so gegen neun. Ich gammelte noch ein wenig im Bett herum und versuchte dann, mich im Badezimmer fertig zu machen. Also die tägliche Katzenwäsche.

Das war aber nicht so einfach, weil auf BBC 1 eine interessante Sendung lief. DAS nationale Top-Thema hier ist natürlich das anstehende Referendung über die Unabhängigkeit Schottlands am 18. September. Ich finde, dass ist auch eine echt heisse Kiste. Sollte Schottland tatsächlich unabhängig werden, so hat das eine ganze Menge Folgen für das Vereinigte Königreich. Beispielsweise … Vereinigtes Königreich? Wenn Schottland unabhängig wird, dann passt das ja nicht mehr richtig. Ein BBC-Mensch meinte, man könnte das wie der Musiker Prince machen, der sich „The Artist formerly known as Prince“ nannte: „The Kingdom formerly known as United Kingdom“. Die Flagge passt auch nicht mehr, denn das war eine Mischung der Fahne des englischen und des schottischen Königs, als man die Krone vereinigt hat. Das UK verlöre ein Drittel seiner Landfläche und 5 Millionen Leute an Bevölkerung. Es hätte wirtschaftliche Folgen: Zwar fließt eine Menge Geld des UK in das soziale System Schottlands, andererseits prifitiert es von Öl-Erlösen durch schottische Nordseeborungen – noch. Es wurde auch viel über militärische Folgen gebracht: Das UK verlöre Stützpunkte, Männer und Material, welches Schottland dann als Grundlage für eigene Streitkräfte beanspruchen würde. Außerdem bildet die in zwei schottischen Marinestützpunkten stationierten Atom-U-Boote mit ihren Trident-Raketen das Rückrad der britischen Nuklarstreitkräfte. Da ein unabhängiges Schottland atomwaffenfrei sein will, müssten die U-Boote mitsamt ihren Raketen da verschwinden – und das innerhalb von vier Jahren. Es wird aber kaum möglich sein, in dieser Zeit anderswo entsprechende Stützpunkte einzurichten. Es wird sogar prophezeit, dass das das Ende von Großbrittannien als Atommacht bedeuten könnte. Man merkte schon deutlich, dass man beim BBC nicht allzuviel von einem unabhängigen Schottland hält. Jedenfalls fand ich es superinteressant und bin deswegen im Badezimmer nicht so schnell voran gekommen…

Achja, und ich musste ja auch noch meinen Verband erneuern. Ehrlich gesagt, es musste auch rechts wieder ein neuer Verband dran. Ich konnte mich nicht beherrschen und habe an der verschorften Wunde herumgespielt und da ziemlich Bockmist verzapft (das gibt Mecker von Doc Dope). Deswegen musste da nun auch ein Verband dran.

Ich frühstückte bescheiden und machte mir in meinem Zimmer eine Tasse Tee mit dem bereitstehenden Wasserkocher und einem Teebeutel aus der Auswahl, die hier am Start ist. Außerdem gibt es hier ein paar Kekse, und ich hatte noch Madeleines aus dem Supermarkt.

Straßenszene London-Süd

Straßenszene London-Süd

So gestärkt verließ ich erst gegen 11 Uhr das Haus. Wie immer hatte ich allenfalls nur einen vagen Plan, was diesen Tag angesagt wäre. Natürlich gab es Ingressmäßig immer was zu tun. Und ich hatte einfach Lust, mal mit so einem Doppeldecker-Bus zu fahren. Dabei könnte man prima die Portale hacken, an denen man vorbeikäme. Wohin eigentlich? Zweitrangig. Nachdem ich per Internet herausgefunden hatte, dass ich mit meiner Oyster-Card auch Bus fahren konnte, hüpfte ich tatsächlich auf den nächstbesten Bus Richtung… hab ich vergessen. Jedenfalls ging es nach Hackney und an der Hackney Station vorbei. Und durch typische, Londoner Geschäftsstraßen. Ich saß natürlich oben und vorne und hatte so eine tolle Sicht. Und viele unique Hacks.

Google Karte von London Screenshot Handy

Wo bin ich denn hier gelandet? (Siehe blauer Punkt im Südwesten)

Irgendwann schaute ich mal auf Google Maps und stellte fest, dass ich schon nicht mehr in der Londoner Innenstadt weilte. So weit wollte ich dann doch nicht raus und verließ den Bus. Ich hatte ein bisschen Durst und besorgte mir ein Getränk in einem naheliegenden Supermarkt, der offenbar von orthodoxen Juden betrieben wurde. Erinnerte mich natürlich sofort an Brooklyn. Danach ging es von der anderen Straßenseite wieder in die Gegenrichtung. Diesmal allerdings nahm ich etwas gezielter einen Bus nach Aldgate – das ist eine Station (auch U-Bahn) im Bankenviertel, die ich schon kannte. Ich wollte noch mal an die Themse, diesmal aber ans andere Ufer.

"The Shard" und Southwark Cathedral

Hier wieder eine von Londons typischen Alt/Neu-Mischungen: „The Shard“ (links) und Southwark Cathedral (rechts).

Also stieg ich in Aldgate in die Tube, wechselte dann bei Moorgate in die Northern Line und unterquerte damit die Themse, um schließlich an der Station London Bridge auszusteigen. Die ursprüngliche London Bridge war die erste Themse-Brücke Londons überhaupt. Sie wurde allerdings in den 60er-Jahren von einem amerikanischen Entrepeneur gekauft und in den USA wieder aufgebaut. Die neue London-Bridge ist demzufolge ein moderner Zweckbau. Hier war ich ganz in der Nähe von „The Shard“ (übersetzt „Die Scherbe“), einem pyramidenförmigen, über 300 Meter hohem Wolkenkratzer, dem höchsten in London und dem zweithöchsten in Europa. In der Nähe war auch Sir Francis Drakes Galeone „The Golden Hinde“ ausgestellt. Hier gab es auch ein Lokal mit Terasse mit Aublick auf den Fluß. Es war schon Mittag, die Sonne hatte sich gegen die Wolken durchgesetzt, und ich ließ mich dort nieder. Dann passierte aber gefühlt zu lange nichts. Ich bekam auch nach einem schüchternen Apell an eine Kellnerin in akzeptabler Zeit keine Karte, also suchte ich mir woanders etwas zu essen. Das war dann ein Lokal unmittelbar vor der Southwark Cathedral. Hier war Self-Service angesagt, was ich aber recht schnell merkte. Ich wollte erst ein Sandwich nehmen, entschied mich dann aber für ein Gericht mit Huhn, Gemüse und neuen Kartoffeln und ein London Pride aus der Flasche. Es war – natürlich – teuer, aber ganz gut.

"The Golden Hinde"

„The Golden Hinde“: Sir Francis Drake’s Galeone

So, nehmt es mir nicht übel, ich muss mal erstmal ins Bett. Ich schreibe dann morgen weiter… Dann gibt es auch Bilder.

Übrigens, die Schmerzen wegen der Hexenschuss-Sache sind fast weg. Am ersten Abend fiel mir erst nach dem Einkauf diverser Bierreserven auf, dass Schmerzmittel und Alkohol nicht gut zusammen gehen. Ich entschied mich dann, es drauf ankommen zu lassen und hatte ein paar Biere am ersten Abend. Am Morgen des ersten, kompletten Tages in London wachte ich praktisch schmerzfrei auf und nahm dann auch kein Schmerzmittel. Und das klappte auch. Bis auf ein wenig Schmerz, wenn ich echt viel gelaufen bin, ist da kaum noch was zu spühren.

So… geschlafen habe ich. Weiter geht’s. Nach dem Lunch überlegte ich, was nun zu tun wäre. In unmittelbarer Nähe lockten „The Shard“ und die Tower Bridge. Ich liebe es ja, in großen Städten eine Aussichtsplattform in luftiger Höhe zu entern und den Blick von oben zu genießen. Und Fotos zum machen. Vor allem bei Nacht. Ich schlenderte aber zunächst Richtung Ost am südlichen Themseufer entlang. Hier gab es viele Bars und Restaurants mit Blick auf den Fluß. Auf der anderen Seite waren die Handvoll Wolkenkratzer des Bankenviertels zu sehen, u.a. das brandneue „The Walkie-Talkie“ und „The Gherkin“. Und der Tower. Dabei kam ich an der HMS Belfast, dem leichten Kreuzer, der im zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg gedient hat, vorbei. Eine Besichtigung sollte, glaube ich, um die 20 Pfund kosten. Nein danke. Ich gucke mir zwar so ein Schiff ganz gerne an, aber das war mir zu teuer. Und letztenendes… Wenn man schon mal auf so einem Schiff war, dann sieht man als Laie sowieso immer nur das Gleiche. Die Unterschiede sind Details, die sich nur nautischen Fachleuten erschließen, ich würde nur Dampfkessel, Geschütze und veraltete Navigationsinstrumente sehen. Wie einst auf der „USS Texas“, die ich mir vor 11 Jahren mit einem Freund in den USA angesehen habe.

Hays Gallery

Hays Gallery: Ein eindrucksvolles Einkaufszentrum am Südufer der Themse in der Nähe der Tower Bridge

Weiter ging es an der Hays Gallery und der etwa halbkugelförmigen, vollverglasten City Hall vorbei. Der Boris hat schon einen eindrucksvollen, wenngleich etwas seltsamen Bürokomplex hier. Ich kam zur Tower Bridge und unterquerte sie erstmal, um weiter das Themseufer entlangzuwandern. Ich überquerte eine Art kurzen Nebenarm (ich weiß nicht, wie ich das sonst nennen soll) der Themse und gelangte zu einem großen Wohngebäude mit ansprechenden Balkonen mit Flußblick. Man kann schon sehr nett wohnen… wenn man es sich leisten kann.

Schöner wohnen an der Themse

Schöner wohnen an der Themse: Ich habe vergessen, wie das da heißt und Google Maps sagt mir das auch nicht. Aber diese Balkone mit Themse-Blick wirken echt lauschig. Muss echt teuer sein, hier zu wohnen.

Hier machte ich kehrt. Inzwischen hatte ich via Smartphone im Internet recherchiert, dass „The Shard“ zwar über eine Aussichtsplattform verfügt, der Spaß aber knapp 30 Pfund kosten sollte, zumindest wenn man nicht vorgebucht hat. Dann würde das immer noch 25 Pfund kosten. Hm… so teure gebäude wollen refinanziert sein! Bei aller Liebe, das war mir einfach zu teuer. An der Tower Bridge gab es einen Hinweis auf eine die Brücke betreffende Ausstellung, und man könne sich die Maschinen aus viktorianischer Zeit ansehen, mit der damals die Brücke für die Schiffe geöffnet und geschlossen wurde. Da ging ich neugierig rein und erfuhr, dass das der letzte Teil des Brückenrundgangs sei und dass ich nebenan im Souveniershop Tickets erwerben könne. Die Tour umfasste beide Türme der Brücke, drei kurze Filmvorführungen, den Gang über beide Fußgangerbrücken in luftiger Höhe von 43 Metern und eben das Maschinenhaus, welches der letzte Teil der Tour war. Ich erstand bei einer sehr hübschen, jungen Dame ein Ticket für günstige neun Pfund.

Da die Tour auf der anderen Seite der Themse, im Nordturm, startete, musste ich erstmal die Themse überqueren und über die Brücke gehen. Und die Straße einmal überqueren, weil der Eingang zum Turm auf der anderen Seite lag. Schließlich war ich am Start der Tour angekommen, zeigte mein Ticket und fuhr mit dem Aufzug (mit anderen Touristen und einem Fahrstuhlführer) den Nordturm hoch. Hier wurde erst ein sehr ansprechend gemachter Film gezeigt, der Horace Jones in seiner Bibliothek zeigte. Es ging darum, wie sein Entwurf der dringend benötigten (die London Bridge war zu der Zeit völlig überlastet), neuen Brücke sich gegen andere durchsezte (das Projekt war ausgeschrieben worden, und Horace Jones gewann mit seine Entwurf). Das war richtig gut gemacht.

Danach ging es über die östliche Fußgängerbrücke wieder zurück über die Themse, super Aussicht inklusive. Es gab auch viele, informative Tafeln, aber ich nahm mir nicht soviel Zeit, sie zu lesen, weil es schon nicht mehr so lange hin bis zum Toresschluss war. Angekommen im Südturm wurde man in die westliche Fußgangerbrücker komlimentiert, in der gerade eine Fotoausstellung zu den wilden Sechzigern in London zu sehen war (plus super Aussicht in die andere Richtung). Die Ausstellung handelte vom Lebensgefühl und den britischen Stars der 60s, also Rod Steward, Twiggy, Sean Connery, Beatles, Who, Stones etc. sowie den damaligen Jugendströmungen Mods, Teds etc.

Zurück im Südturm konnte ich einen kurzen Film mit einer ebenfalls ansprechenden Animation betrachten, die den Bau der Brücke Schritt für Schritt zeigte. Die etwas protzigen Türme der Brücke wirken ja sehr altertümlich. Ich wußte zuvor nicht, dass dieser Baustil damals sozusagen künstlich auf alt getrimmt worden war. Der übliche Baustil des späten, neunzehnten Jahrhunderts hätte normalerweise eine nüchterne Stahlkonstruktion hervorgebracht. Es war aber eine Bauvorgabe, dass sich die Tower Bridge architektonisch dem Tower annähern sollte. Und so IST die Tower Bridge im Inneren eine nüchterne Stahlkonstruktion – allerdings mit einer Steinverkleidung außen, die diese Brücke so altertümlich und ein bisschen protzig wirken läßt. Aber protzig oder nicht: Ich bin ziemlich begeistert von diesem Meisterwerk der Ingenieurskunst seiner Zeit. Es macht optisch und technisch echt was her, und ich finde es echt SEHR traurig, das Horace Jones die Eröffnung seines größten Werkes nicht mehr miterlebte.

Ich ging über die Treppe den Südturm runter (und nutzte die Chance, hier einen Restroom zu nutzen) und gelangte dann unten angekommen in den Engine Room. Hier waren die ursprünglich zum Heben der Brückenflügel (der Baskülen, wie man dazu sagt, weiß ich auch erst seit gestern) verwendeten Dampfmaschinen untergebracht und zu besichtigen. Schautafeln verdeutlichten das technische Prinzip von der Kohleanlieferung über die Themse bis zum Öffnen der Brücke. Mit der Kohle wurden Dampfkessel befeuert, um Dampfdruck zu erzeugen. Dieser speiste in der Regel eine von zwei Dampfmaschinen (damit während Wartungsarbeiten an einer Maschine die Brücke weiterhin betrieben werden konnte). Die Dampfmaschinen betrieben Hydralikpumpen, die Hydraulikdruck erzeugten (tatsächlich noch mit Wasser, nicht mit Hydrauliköl). Dieser wurde genutzt, um dann an den Baskülen (der Maschinenraum war am Ufer) Hydraulikmotoren (Kolbenmotoren mit automatischer Ventilsteuerung) anzutreiben, die über ein Untersetzungsgetriebe die Baskülen öffneten und schlossen. Außerdem konnte Hydraulikdruck in zwei gewaltigen Akkumulatoren gespeichert werden, zwei riesigen Kolben, die in einem eigenen Turm durch den Druck in die Höhe geschoben wurden. Wenn die voll „geladen“, also ganz oben waren, konnte mit deren Hilfe einfach per Schwerkraft die Brücke geöffnet werden. Das hydraulische System war notwendig, weil die Dampfmaschinen selbst zu groß waren, um direkt bei den Baskülen in die Brücker eingbaut zu werden. Die Hydraulikmotoren hingegeben waren kompakt genug und Hydraulikdruck das ideale Mittel der Leistungsübertragung inkl. des Energiespeichersystems der Akkumulatoren. Ich war echt ziemlich begeistert von dieser genialen Konstruktion, die zu ihrer Zeit High-Tech war. Die Ausstellung war die neun Pfund absolut wert. Wahrscheinlich war die Sache vergleichsweise günstig, weil die Brücke nach über hundert Jahren inzwischen bezahlt ist („The Shard“ aber vielleicht noch nicht…)

Dampfmaschine

Eine von zwei Dampfmaschinen, die bis in die 70er (!) Hydraulikdruck zum Brückenbetrieb erzeugte. Heute läuft das elektrisch. Früher mit Dampf dauerte das Öffnen 60 Sekunden. Heute dauert es, wie ich hörte, 90 Sekunden… All das spricht für die Genialität der alten Konstruktion.

Nach der Besichtigungstour gönnte ich mir erstmal ein Pale Ale im Fuß des südlichen Brückengebäudes. Das konnte ich mir an einem Fenster mit Blick auf ein Stück Themse unterhalb des Straßenniveaus schmecken lassen, sozusagen „unter der Brücke“.

„The Shard“ hatte ich abgeharkt, also wohin nun? Es wurde langsam Abend. Daher wollte ich langsam mal was zu Essen suchen, nicht zu teuer und meinetwegen auch „fast“. Außerdem wollte ich warten, bis die Sonne untergegangen wäre, um ein paar Nachtaufnahmen von der Tower Bridge, „The Shard“ etc. zu machen. Was einigermaßen Günstiges zu Essen zu finden hoffte ich eher am Nordufer, also nochmal rüber über die großartige Brücke. Auf der anderen Seite ging ich durch einen Eingang in ein Areal zwischen Tower und Themse. Hier wimmelte es genauso wie sowieso in dem ganzen Bereich von Touris, viele Asiaten, und viele Deutsche. Hm… langsam verstehe ich meine Schwester und meine Neffen. Wenn ich weiter weg oder in weniger Tourimäßigen Regionen (z.B. Ukraine…) mal vereinzelt jemanden treffe, der Deutsch spricht, finde ich das eigentlich eher nett. Aber hier drang derartig viel deutsches Tourigelaber an mein Ohr, das ging mir hier in London schon auf den Keks. Die Asiaten benutzen für ihre Selfies übrigens gerne so ein Teleskopding, in das sie ihr Smartphone vorne einklinken und es damit auf Distanz halten konnten. Ich habe dann aber trotzdem dreimal bereitwillig Fotos von irgendwelchen Leuten vor der Towerbridge gemacht. Meinereiner hatte irgendwie keine Lust auf solche Bilder. Ich brauche keinen Beweis, dass ich hier war, der ist in meinem Kopf und deswegen brauche ich meine Rübe nicht auf demselben Bild wie die Brücke. War auch schon mal anders, etwa in New York, aber im Moment habe ich keine Lust drauf.

Tower Bridge in der Abenddämmerung

Tower Bridge in der Abenddämmerung vom Nordufer aus fotografiert

Ich ging also um den Tower und gelangte auf den Platz, auf dem ich schon am Vortag gewesen bin. Hier waren ja die vielen künstlichen Mohnblumen für die Gefallenen des ersten Weltrieges. Ich hatte schon seit einiger Zeit eine Stimme aus Druckkammerlautsprechern gehört und mich gefragt, was das wohl sei. Innmitten der künstlichen Mohnblumen standen zwei Männer der Towerwache, einer mit dieser typischen, hohen Pelzmütze und roter Uniform, der andere ebenfalls in einem traditionellen Dress. Dieser verlaß offenbar Namen Gefallener, während der andere ein Horn im Anschlag hatte. Nach dem Ende der Lesung wurde also noch ins Horn gestoßen. Verhaltener Applaus der fotografierenden und filmenden Tourimassen. Ich tat weder das eine noch das andere. Es war schließlich keine Show, sondern eine Erinnerung an vor langer Zeit gefallene Söhne, Ehemänner und Väter des Landes. Das als Show oder touristische Attraktion zu betrachten finde ich ähnlich unpassend wie Selfies vor dem 9/11-Memorial in New York. Oder bei Facebook „Mist, ich bin an Krebs erkrankt“ – 39 People like that. Ist schon blöd, wenn vor lauter Konsum die Denkdose nicht mehr eingeschaltet wird.

The Tower of London

The Tower of London – zumindest der Kern davon. Ich finde immer, dass das Ding an sich eher übersichtlich, fast bescheiden aussieht. Aber die Anlage insgesamt mit ihren Befestigungsanlafen und Türmen außenherum ist natürlich schon eine mächtige Festung.

Ich entdeckte ich eine „Fish and Chips“-Bude und holte mir da eine Portion und eine Coke. Der panierte Fisch war recht gut (ich denke, Seelachs), hätte allerdings etwas Würze gebrauchen können. Oder Remoulade oder so. Insgesamt scheinen die Briten nicht viel Gewürz zu gebrauchen… aber das bezieht sich nur auf die bescheidenen Erfahrungen mit dem Fisch und einem Chickensandwich. Ich verzehrte mein Dinner draußen mit Blick auf den Tower. Die Sonne war untergegangen und es wurde langsam dunkel. Also zurück ans Ufer und Fotos machen. Wie viele andere mit professionellerem Equipment auch.

Aber mit der einbrechenden Dunkelheit kam bald eine Towerwache und verscheuchte und Touris vom Areal, das geschlossen wurde. Ich ging dann am Man’s Hole am Fuß der Brücke (hier wurden früher die vom Tower und von anderswoher in den Fluß entsorgten Leichen rausgefischt und zwischengelagert, wie ich von einem Schild erfuhr – das Mittelalter war doch wirklich ne echt nette Zeit) wieder die Treppe hoch zum Straßenniveau und ein weiteres mal über die Brücke, um von dort aus Nachtfotos zu schießen. Ich benutzte dazu sowohl mein Handy als auch meine sechs Jahre alte Kompaktkamera mit verschiedenen Einstellungen.

Tower Bridge nachts geöffnet

Tower Bridge, prächtig illuminiert und offen. Angeblich öffnet sie durchschnittlich drei mal pro Tag, was mir echt selten erscheint. In der Zeit, als ich da war, wurde sie alleine drei Mal geöffnet.

Insgesamt will ich mal prüfen, ob es sich überhaupt noch lohnt, die alte Kompaktkamera überhaupt noch mitzunehmen. Ich muss das zuhause am PC mal vergleichen. Das Schlaufon scheint ganz gute Bilder zu machen, aber bei Nachtaufnahmen bin ich nicht so sicher. Irgendwie scheint das Teil nicht so richtig scharf zu stellen, das überzeugt mich noch nicht. Im Moment fotografiere ich alleine schon deswegen viel mit dem Handy, weil ich dann die Bilder nicht erst irgendwo anders hin übertragen muss – ich kann sie vom Schlaufon direkt in den Blog hochladen. Das iPad zickt im Moment beim Einlesen von Fotos von einer SD-Karte (Speicher zu voll, scheint mir). Und so ist das am einfachsten. Ich blogge auch zum ersten Mal mit dem iPad anstelle mit dem Netbook – hm, so ganz überzeugt mich das auch noch nicht. Ich komme klar, finde dafür aber die klassische Bedienung mit nem Mauszeiger doch besser als Touch.

City Hall, "The Shard"

Das kugelige Gebäude links ist die aktuelle City Hall. Das pyramidenförmige, hohe Gebäude rechts ist „The Shard“.

Auf der Brücke ereilte mich noch ein Laune-Killer: Ich hatte das Schlaufon am externen Akku hängen. Bei dem Gerät (ein brandneues Sony Z2) muss man dazu einen Deckel offen lassen, der dann an so nem Plasikriemchen baumelt. Das Deckelchen ist nötig, um den Wasser- und Staubschutz nach IP weißichgradenicht bei geschlossener Abdeckung zu gewährleisten. Und es war plötzlich nicht mehr da. ARRRRRGH! Nicht schon wieder! Ich hatte zwar diesmal eine Versicherung gegen selbstverschuldete Schäden abgeschlossen, aber ich hatte keinen Bock auf das Hinterherrennen. In den Taschen fand ich es nicht wieder. Aber dann glücklicherweise auf dem Boden. Das Blöde ist nur: Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich es wieder verliere, so oft wie ich als Ingress-Spieler mit einem externen Akku operiere… Und der Deckel schützt nicht nur den USB-Anschluß, sondern auch die SIM-Karte. Nicht so gut. Trotzdem war ich erstmal froh, das Teil wiederzuhaben.

Wieder am Südufer angelangt war ich ein wenig unschlüssig und wanderte erstmal die Straße weiter Richtung Süden, um da ein paar Portale mitzunehmen. Mein Tagesziel, den unique hack counter auf über 1.800 zu kriegen hatte ich bereits erreicht. Ich erwog, einen Bus zu besteigen, der über die prächtig illuminierte Tower Bridge fahren würde und davon ein Handyvideo zu machen. Aber dazu hätte ich etwas weiter nach Süden wandern und dann checken müssen, welche Linien infrage kämen. Und es wurde immer später (was übrigens überall und immer der Fall ist, nicht nur bei mir abends in London), ich verwarf die Idee.

Baskülen geöffnet aus unmittelbarer Nähe

Baskülen geöffnet aus unmittelbarer Nähe

Stattdessen ging ich auf der anderen Straßenseite wieder ein letztes Mal zurück über die Brücke zum Nordufer. Meine Schwester hatte in einem Kommentar noch geschrieben, dass es bei den Katherine’s Docks nett sein sollte. Diese Marina lag in unmittelbarer Nähe, also riskierte ich einen Blick. Hm, teure Yachten, aber nicht viel los. Ich stellte fest, dass ich mal dringend für große Globetrottel musste, also wollte ich mir irgendwo einen Pub für ein Pale Ale suchen und dort meinem Bedürfnis nachkommen. Ich betrat ein Restaurant an der Marina, wurde da aber sofort wieder bedauernd herauskomplimentiert, weil man schlösse. Oder lags am Dress Code?

Ich verließ den Bereich um die Marina und befragte Google nach Pubs in der Umgebung. Der am nächsten gelegene Laden war nicht zu finden, der zweite hatte geschlossen, beim dritten (übrigens inmitten einer blauen Level-8-Farm) wurde ich dann fündig. Ich holte mir an der Theke ein Epa Pale Ale (war mit unter vier Pfund/Pint recht günstig, aber schmeckte mir nicht so gut wie z.B. London Pride) und besuchte die Örtlichkeiten.

Nachdem ich ausgetrunken hatte, befragte ich Googe nach der nächten Tube-Station, das war Aldgate East. Dort angekommen stand ich vor verschlossnen Türen, lt. Zettel aus Sicherheitsgründen, und ich solle es an dem anderen Eingang hinter mir versuchen. Das habe ich erstmal mißverstanden, der Eingang, den ich dann als nächstes fand, war ebenfalls verrammelt. Ich überlegte schon, eine Station weiter zu gehen, das wäre Aldgate, fand dann aber doch noch einen unverrammelten Eingang. Dann überlegte ich noch kurz, ob ich nicht einfach zu Fuß gehen sollte, denn Aldgate East bis Liverpool Street ist nur eine Station, dann umsteigen und dann wieder nur eine Station bis Bethnal Green dauert wahrscheinlich genauso lange – oder gar länger. Ich nahm aber doch die Tube. Und prompt den falschen Zug. Das lag daran, dass ich mich irgendwie in Aldgate wähnte (nicht Aldgate East), und von dort fährt jeder Zug nach Liverpool Bridge). Mist. Also an der nächsten Station Tower Hill raus, umsteigen und über Aldgate zur Liverpool Street. Hier in die Central (die diesmal zwar auch voll, aber nicht soo gerammelt war wie am Vortag) und eine Station weiter in Bethnal Green aussteigen. Von dort dann zu Fuß ins Hotel.

Dort angekommen war es dann schon nach ein Uhr, und ich hatte nicht mehr die Ausdauer, diesen Eintrag fertig zu schreiben. Ich hätte auch noch zwei, drei Stunden gebraucht.

Ausblick: Heute ist der letzte Tag, erste Priorität hat Westminster. Klar, Houses of Parliament mit dem Big Ben und der Westminster Abbey. St. Paul’s Cathedral steht auch noch auf der Liste. Vielleicht das London Eye Riesenrad, wenn ich auch nicht damit fahren möchte. Ich werde mal versuchen, die Zeit etwas zielgerichteter zu nutzen und nicht so viel unschlüssig rumzuschlendern. Bis denne.

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Brits like ambiguity

Ich wachte kurz vor sieben Uhr auf. Das war mir eigentlich zu früh, aber es klappte nicht mit dem Wiedereinschlafen, daher kam ich schon vor acht Uhr in die Socken. Ich gönnte mir ein Frühstück im Hotel zu einem Preis, den man keinem erzählen darf. Nun, es war ganz gut, aber auch nicht überragend. Erstmal nahm ich Protein en Masse in Form von Rührei, Bacon, und geformtem Spiegelei und so ner Wurst, danach dann noch zwei Toasts und ne Banane. Und drei Kaffee. Ich ließ mir also umsomehr Zeit, ich war ja früh dran.

Zurück im Zimmer entschied ich mich, erstmal einfach nur zum Tower zu fahren. Was halt auch bedeutet, an die Themse zu fahren. Ich mag ja Wasser… Also erstmal zu Fuß zur Bethnal Green Tube-Station. Ist schlauer als bis Hoxton zu latschen und die Overgreund zu nehmen. Unterwegs kam ich bei einem Royal Enfield – Händler vorbei, der seine auf Hochglanz polierten Maschinen im Schaufenster stehen hatte. Normalerweise würde ich dem keine Beachtung schenken, schließlich stehe ich nicht unbedingt auf Motorräder. Ich kannte die Marke auch nur durch einen geschätzten Arbeitskollegen – die machen halt DAS klassische Motorrad. Die brandneuen Maschinen sahen alle aus wie Oldtimer. Das liegt daran, dass einige Modelle seit 40, 50 oder mehr Jahren fast unverändert gebaut werden. Und die anderen auch wohl auch nicht viel weniger lange. Jedenfalls machte ich durch die Scheiben (die auch gerade auf Hochglanz poliert wurden) ein paar Fotos und wurde dann vom Shopkeeper hineingebeten. Ich hatte ihm schon klargemacht, dass ich kein Motorrad kaufen wollte, aber das war okay, ich durfte die Maschinen aus der Nähe knipsen und erfuhr einiges am Rande. Das klassische Motorrad ohne technischen Schnickschnack liegt wohl im Trend, wie ich erfuhr.

An der Bethnal Green stieg ich in die Central Line eastbound – und eine Station später bei Mile End schon wieder aus, um in die District Line westbound zu wechseln. Ich fand das nicht sofort, und da ich einen planlosen Eindruck machte, fragte mich ein Bobby, der mit zwei Kollegen vor Ort war, wo ich denn hin wollte und zeigte mir, wo mein Gleis war. Ich hätte es auch so gefunden, aber manchmal ist das Gesetz hier einfach schneller.

Noch ein paar Stationen also mit der District, dann stieg ich an der Tower Hill – Station aus. Es war übrigens überwiegend sonnig bei einer Temperatur von knapp über 20 Grad. In der Sonne also durchaus T-Shirt-Wetter. Ein Nachteil, dass ich kein Gepäck aufgegeben habe, besteht darin, dass ich als Handgepäck nicht wie sonst meinen Rucksack dabei habe – und zum immer Dabeihaben ist der Trolley nun doch ungeeignet. Daher nehme ich nur meine Regenjacke mit und pack die Taschen mit dem voll, was man so braucht: Reisepass, Zusatzakku fürs Handy, Stadtplan und so.

The Tower of London

The Tower of London – davor zusehen: Über zweihunderttausen künstliche Mohnblumen.

Am Tower Hill ging es dann nur kurz durch eine Unterführung, in der Gemälde vom Tower, der Tower Bridge, den Kronjuwelen und Ähnlichem zu sehen waren, und dann stand ich vor dem berühmten Gebäudekomplex. Sooo spektakulär fand ich das von außen eigentlich gar nicht. Auf dem Rasen vor der Außenmauer waren hunderttausende, künstliche Mohnblumen zu sehen … einer Erklärungstafel nach eine Aktion zur Erinnerung an die Toten des ersten Weltkrieges, das Rot der Mohnblumen soll das vergossene Blut symbolisieren. Es gab dafür extra ein free WLAN, welches dazu gedacht war, über die Aktion zu informieren – und man konnte sich für 10 Pfund so eine Blume kaufen oder die Aktion allgemein finanziell unterstützen – aber ich missbrauchte das stumpf, um an ein paar Ingress-Portalen, u.a. halt dem Tower, herumzuoperieren.

Tower Bridge

Tower Bridge – da muss ich nochmal näher ran. Außerdem ist das hier ja nur eine Shilouette…

Ich ging dabei auch an den Pier, von dem aus Themse-Rundfahrten angeboten wurde und konnte von da einen Blick auf die Tower Bridge, die HMS Belfast (ein leichter Kreuzer aus dem zweiten Weltkrieg) und auch ein wenig vom großen Riesenrad London Eye erhaschen. Eine Fahrt damit würde mich schon reizen. Eine Fahrt dauert so 30-40 Minuten lt. Wikipedia und kostet mindestens 25 Euro… Aber es könnte sich lohnen. Jedenfalls wenn die Sicht so gut wäre wie heute. Mal sehen.

HMS Belfast und ein mir unbekanntes Hochhaus

HMS Belfast und ein mir unbekanntes Hochhaus

Ich überlegte, ob ich mir vielleicht ein Ticket besorgen und mir den Tower von innen anschauen sollte. Aber so richtig reizte mich das nicht – ich bin halt kein großer Fan von Mittelalter, Burgen, Ritterrüstungen, Kronjuwelen und so weiter. Und das Wetter war ohnehin eher was für draußen. Ich hatte außerdem noch etwas anderes von Interesse erspäht – die Spitze der „Gherkin“ (Gewürzgurke). Das 180 Meter hohe Bürogebäude im Bankdistrikt Londons gehörte zum Bühnenbild eines Theaterstücks der Probebühne Osnabrück, bei dem ich bis vor ein paar Wochen mitgewirkt habe. Es war hier soetwas wie ein Symbol des Kapitalismus. Ich wollte mir das Teil aus der Nähe ansehen, also entschied ich mich dafür, grob in diese Richtung zu gehen.

The Gherkin

The Gherin – auf diesem Foto sieht das Ding aus wie eine Rakete auf einer Abschussrampe. Eigentlich erinnert mich das immer eher an ein Fabergé-Ei

Also fand ich mich mitten in einem Glas- und Stahl-Hochhausbereich wieder. Naja – so richtig stimmt das nicht, denn zwischen den aufragenden Kapitaltempeln mischte sich Jahrhunderte alte Architektur spiritueller Art, also Kirchen. Die überwiegende Gattung Mensch war hier der Mann im Anzug und die Frau im Businesskostümchen, und der Regel mit Smartphone in der Hand oder am Ohr und mit einem nicht unbeträchtlichen Tempo unterwegs. Nun, mit dem durchschnittlichen Gehtempo des gemeinen New Yorkers können diese Londoner trotzdem nicht mithalten. Vor den Kirchen standen teilweise Bibelverkäufer bzw. Leute mit irgendwelchen religiösen Pamphleten in der Hand. Hier mischten sich also gewissermaßen die Religion des Kapitals mit der des Geistes. Ich fand irgendwann 30 St Mary Axe (wie die „Gherkin“ offiziell heißt) und versuchte, Fotos zu machen – aber eine geeignete Perspektive dafür fand ich erst eine ganze Weile später. Im Erdgeschoss gab es ein Café, welches auch Stühle draußen hatte, und ein Modell des Gebäudes aus Lego. Das war zwar leider nicht allzu detailgenau, bestand aber aus einer beeindruckenden Menge an Legosteinen.

The Gherkin (Lego Version)

The Gherkin (Lego Version)

Ich hatte lansam Bedarf nach Nahrungsaufnahme, insbesondere nach Wasser. Also ging ich in ein „EAT.“, eine hiesige Kette, die abgepackte Sandwiches, Suppen, Salate, Obst, heisse und kalte Getränke bereit hat. (Nicht zu verwechseln mit „Eat beautiful“, das ist ein vegetarischer oder gar veganer Laden).  Ich nahm ein Schinken-Käse-Baguette und eine 0,75 Liter Wasserflasche und setzte mich eine Weile hin. Ein anderes Free WLAN, welches aber nicht so toll funktionierte, ermöglichte mir wieder ein bisschen Bastelei an Ingress-Portale. Genau das war aber eigentlich nicht mein Plan. Ich wollte mir vielmehr eine lokale SIM-Karte kaufen und mit einem Guthaben laden, um damit ein Datenvolumen zum Verbraten für Ingress und ein bisschen Kommunikation und Navigation unterwegs zur Verfügung zu haben. Nach dem Frühstück hatte ich bereits in den zwei Grocery-Stores direkt beim Hotel versucht, an so eine Karte zu kommen. Aber beide hatten nur große SIM-Karten, und mittlerweile gibt es ja Micro- und sogar Nano-Sim-Karten. In mein Gerät passen Micro-SIMs, so dass ich die großen Karten nicht gebrauchen kann. Ich versuchte es nochmal in einem von diesen Läden, die von Lebensmitteln, Tabakwaren bis Drogerie- und Elektroartikeln trotz ihrer geringen Größe alles Mögliche am Start haben. Soweit ich das anhand des Aussehens der Betreiber beurteilen kann, werden diese Läden offenbar häufig von indischstämmigen Leuten betrieben, dass diese einen gewissen Anteil an der Bevölkerung stellen, weiß man ja aus britischen Filmen. Hängt historisch sicherlich mit Indiens Zugehörigkeit zum Commenwealth zusammen.

Wie auch immer, ich latschte in so einen Laden, und die hatten eine Micro-SIM für mein Handy. Super! Da ich nicht viel Erfahrung mit dem Austausch von SIM-Karten (nicht im mechanischen Sinne) hatte, bat ich den Shop-Assistent, mir da mal zu helfen. Ich selbst stellte mich mit meinem Handy irgendwie dann auch wirklich unbeholfen an. Wie auch immer, die Karte kostete ein Pfund, dann ein Volumen von 1GB (bzw. soundso viele Minuten Telefongespräch oder soundsoviele SMS) nochmal 10 Pfund. 1 GB, damit komme ich locker aus für die paar Tage, soviel habe ich sonst für einen Monat zur Verfügung (womit ich nicht auskomme). Der Shop-Assistant half mir weiter, man musste irgendwie per SMS das Ding initialisieren, dann das gekaufte Volumen laden… und es klappte trotzdem nicht. Der Mann war echt sehr hilfsbereit, aber ich bekam kein 3G oder anderes Datenübertragungsverfahren an den Start. Irgendwann wollte ich den auch nicht weiter nerven. Anrufe bei EE über die kostenlose Servicenummer oder ein Blick auf deren Website über ein kostenloses WLAN brache mich auch nicht wirklich weiter. Ich war entsprechend genervt, weil ich die 10 Pfund fast schon abgeschrieben hatte – bis mir dann irgendwann einfiel, dass da noch der Datendienst in den Einstellungen des Handys umzustellen war. Ich stellte das dann auch den Anbiter EE ein (der das hiesige Telekom-Netz nutzt), und siehe da, es klappte.

Ich ließ die heimische Ingress-Gemeinde in Osnabrück per Chat wissen, dass London nunmehr fällig sei, und machte mich auf die Socken. Mein Ziel: Genügend Unique Captures machen, um 1.000 davon fertig zu bekommen, damit die Gold-Badge in dieser Disziplin zu erwerben und damit Level 13 zu erreichen. Unique Captures bedeutet: Portale einnehmen, die man noch nie zuvor eingenommen hat. die meisten Portale zuhause in Osnabrück habe ich natürlich schonmal eingenommen. Hier in London gibt es natürlich hunderte von Portalen, die ich nie zuvor eingenommen habe, weil ich hier halt noch nie war. Daher ist es immer reizvoll, Ingress an Orten zu spielen, wo man zuvor noch nie war. Nun, ich spare mir weitere unnötige Details, aber ich drückte mich zwei oder drei Stunden im Bankdistrikt herum, bis ich dieses Ziel kurz vor vier Uhr errreicht hatte. Das lief echt nach Plan. Ich hatte so ca. 80-90 Portale eingenommen und damit die 1.000 erreicht.

Und nun? Ich hatte echt natürlich ein paar Kilometer abgerissen, die Luft war mit dem Erreichen des Ziels ein bisschen raus, außerdem musste ich mal dringend für kleine Touristen. Es war ja Kaffeezeit, also war mir nach Kaffee und einem Stück Kuchen oder Cookies, Muffins oder was auch immer. Zu der Zeit lungerte ich in der Nähe der Tube-Station Aldgate herum. (Übrigens stellte ich später fest, dass ich bei meinen Ingress-Gängen teilweise gar nicht mehr so weit weg von meinem Hotel war, aber gut, „The Gherkin“ ist auch unter 3 km von meinem Hotel entfernt, in sofern kann man das mit Zeit und Ausdauer auch alles zu Fuß machen, vom Hotel bis zur Themse). Ich überlegte, ob ich in einen Subway oder einen Starbucks gehen sollte, war mit aber nicht sicher, ob die Restrooms hätten. Zwischenzeitlich versuchte ich es noch mit 20 Pence in den Schlitz einer öffentlichen Toilette, was aber nicht klappte (worauf ich dann noch von einem Passanten, der schon dieselbe Erfahrung gemacht hatte, freundlich hingewiesen wurde).

Schließlich landete ich in einem Restaurant/Kneipe/Café, mit dem ich zuvor schon geliebäugelt hatte. Ich hatte da auf der Karte Cheescake mit Preiselbeersauce erspäht. Das bestellte ich mir dann auch zusammen mit einem Latte bei einem sehr netten Waiter in dem Laden. Ich nutzte einen Restroom im Keller des Gebäudes (übrigens ein uraltes Gebäude, aus dem 16 Jahrhundert, wurde knapp von einem großen Brand in dieser Zeit verschont, wie Schriften an den Wänden kundtaten). Kaffee und Kuchen kamen schnell und waren, insbesondere der Käsekuchen, auch sehr gut. Und für hiesige Verhältnisse auch nicht so irre teuer.

Kaffeepause mit CheesecaseKaffeepause mit Cheesecase

Kaffeepause mit Cheesecase

Ich hatte mir noch einen „Evening Standard“, eine kostenlose Zeitung, die überall am Straßenrand zu kriegen ist, abgegriffen. Ein Hauptthema ist – wie auch im Fernsehen auf BBC London – die Erweiterung des Flughafen Heathrow (alternativ eventuell auch Gatewick) versus ein neuer Flughafen am Themseufer. Der amtierende Bürgermeister von London, Boris Johnson, favorisiert diese Lösung, aber es gibt kaum sonstige Fürsprecher. Insgesamt ist es wohl so, dass in der kommenden Dekade die bisherigen Flughäfen Londons (es sind ja bisher nur vier oder fünf… Heathrow, Gatewick, Luton, Stanstedt und noch Central London oder so) wohl ausgelastet und wenig später ausgelastet sein werden. Aus wirtschaftlichen Gründen muss natürlich die Infrastruktur weiterhin ausreichend sein, um große Player in London zu halten. Also müssen mehr Landebahnen her. Nur wo die dann hinkommen – das ist natürlich ein Streitapfel. Ansonsten ist es wie immer und überall: Economy vs. Ecology. Ich sprach noch kurz mit dem Waiter über das Thema.

Ansonsten wollte der wissen, woher ich käme. Vielleicht sollte ich demnächst einfach mal mit „Guess!“ antworten – mal sehen, ob mein Akzent mich verrät. Er meinte dann sowas wie Madame Taussaud’s und so sei halt Quatsch für die Touristen, und er würde mir empfehlen, zu Covent Garden zu fahren. Hier gäbe es in den Straßen Theater, Musik und Kleinkunst, teilweise würde das Publikum mit einbezogen, und es würde einfach Spaß machen – und das for free.

Hm… warum eigentlich nicht? Mein Ingress-Ziel war ja erstmal erreicht. Zwar lohnen sich unique Hacks (das Besuchen individueller Portale, man muss sie dazu nicht zwingend einnehmen) auch, und es gibt immer was zu tun, aber ich bin ja nicht nur für Ingress hier. Und ein Ortswechsel per Tube kommt dem ja außerdem sowieso auch entgegen. Also rein in die Aldgate Station und in die Tube. Hach…. ich liebe die Tube. Insgesamt mag ich U-Bahnen. Sie machen Navigation in Städen irgendwie einfach. Und die Systeme in New York und London sind irgendwie auch einfacher zu verstehen als z.B. in Hamburg. Das System mit den Himmelsrichtungen finde ich deutlich schlauer, als nur mit Endstationen zu arbeiten, die muss man immer viel länger suchen. Die New Yorker und die Londoner U-Bahn haben außerdem die verwinkelten Gänge gemeinsam, durch die man aus dem Untergrund wieder rauskommt, die mag ich irgendwie auch.

Also, fünf Stationen mit der Metropolitan Line bis King’s Cross St. Pacras, dort umsteigen in die Piccadilly Line, und Covent Garden aussteigen. Piece of cake.

Ein lustiger Mann zeigt einen Kartentrick am Covent Garden

Ein lustiger Mann zeigt einen Kartentrick am Covent Garden

Okay, neue Portale und… neue Eindrücke. Ganz andere Atmosphäre als im Bankerviertel. Straßenmusiker, Fahrradrikschas, Fußgängerzonen, wenig Autos und Gastromie, deren Zweck nicht die Nahungsaufnahme schnell schnell zwischen zwei Meetings, sondern wirklich das ausgelebte Abschalten und Genießen ist. Wirklich einladend. Ich sah eine Weile einem Mann zu, der einen Kartentrick vorführte… nun, eher zelebrierte.  Dabei gab er ständig Kommentare zu den Passanten und – innen ab, die ich ziemlich witzig fand. Die betroffenen Passanten … naja, mal so und mal so. Der Kartentrick bestand darin, dass er sich die Karte, die eine Dame aus dem Publikum sich gemerkt hatte, am Ende aus dem Mund holte. King of Diamonds (Karokönig), weiß ich noch. Der eigentliche Covent Market besteht aus einem Komplex aus diversen Geschäften und Gastronomiebetrieben auf mehreren Etagen, in alle Himmelsrichtungen zugänglich und eher so Atrium-mäßig gestaltet, also mit möglichst wenig Wänden und Decken. Auch so ein bisschen auf alt gemacht, ganz Cool eigentlich. Unterhalb des Straßenniveaus gab es ein Café, wo gerade ein Streicher-Terzett mit einem Tenor etwas aus (ich glaube) „Die Hochzeit des Figaro“ zum Besten gab. Die waren ziemlich gut, es gab donnernden Beifall. Anschließend griff sich der Tenor eine Bratsche, und es wurde also ein Streicherquartett (zwei Violinen, eine Bratsche, ein Cello), und es wurde das Ding aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ gespielt, das jeder kennt (also selbst ich Kulturbanause). Es ging ein Hut rum, und man konnte CDs erwerben.

Wieder raus aus dem Laden, mal in diese, mal in jene Straße, schließlich ein Blick auf Google Maps, um dann mal Richtung Piccadilly Circus zu gehen. Dabei verschlug es mich dann auf dem Weg ein bisschen nach Chinatown, doch schließlich kam ich am Piccadilly Circus an. Dort fällt natürlich die Shaftesbury Memorial Fountain mit der geflügelten Figur ins Auge, die vielen Leute, die sich hier aufhalten, und die animierten Werbetafeln aus LEDs, die ein wenig an den New Yorker Times Square erinnern. Okay, gesehen. Was nun? In einer Richtung lockt der Turm der Westminster Abbey. Aber auch ein Stück weg. Die blonde Mitpassagierin aus Ungarn empfahl ein chinesisches Restaurant am Piccadilly Service beim hiesigen Subway, aber das habe ich nicht gefunden. Aber Zeit für das Abendessen war so langsam.

Ich entschied mich dann für einen Italiener in der Nähe des Piccalilly Circus. War auch mal wieder recht teuer, die Lasagne und das Glas Rotwein, aber das ist hier eben so. Und nur Sandwiches essen… geht zwar, aber muss auch nicht sein. Die Lasagne war ganz okay, der Wein eher nicht so prickelnd. Ich bin ja sowieso nicht so der Weinfan, aber dachte mal ausnahmsweise, passt besser zum Essen. Und ich kann schon unterscheiden, ob mir ein Rotwein gut schmeckt oder nicht.

Nach dem Essen war es fast acht Uhr, und es wurde langsam dunkel. Zwar mache ich auch immer gerne Nachtaufnahmen von beleuchteten Städten (insbesondere von angestrahlten oder sonstwie illuminerten Sehenswürdigkeiten), aber ich war ja früh wach gewesen, und es reichte einfach für einen Tag. Außerdem weiß ich ja, wie lange ich brauche, um umfangreiche Blogtexte zu schreiben. Also zurück zur Piccadilly – Station und drei Station zur Holborn fahren. Dort dann in die Central Line eastbound. Der Zug, der dort stand, war abfahbereit und gerammelt voll – nein danke, ich warte auf den nächsten! Ähm… dieser war aber dann genau so überfüllt. Ich stieg notgedrungen ein. Öhm… schrieb ich, ich liebte die Tube? Dann gerade mal nicht, denn es war echt voll, und ich mag das gar nicht, so eng zwischen anderen Leuten eingekeilt zu sein. Das macht mich aggressiv. Aber was half’s – ich musste eben die fünf Stationen wie eine Ölsardine fahren.

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Ich war demnach echt froh, bei Bethnal Green auszusteigen. Ich hatte noch ein paar Prozent im Handy-Akku, die ich zur Orientierung und dazu nutzte, die Lv. 6-7 Farm zu ernten, die die hiesigen Ingress-Kollegen hier praktischerweise auf dem Fußweg von der Tube-Station bis zum Hotel gebaut haben. Nur mein Hotel-Portal war in der Zwischenzeit an die Schlümpfe gefallen, aber sowas kann man ja ändern.

Noch kurz in einen der Grocery-Stores, ein paar Biere abgegriffen, und rein ins Hotel, bloggen.

Facelift - was ist das denn schon wieder?

Facelift – was ist das denn schon wieder?

Und was hat es eigentlich nun mit dem Titel auf sich, die Briten haben einen Sinn für das Mehrdeutige? Das ist mir einfach aufgefallen. Beim Frühstück ist mir eine Tür aufgefallen, an der sowas wie „This door is alarmed. Emergency exit only.“ steht. This door is alarmed? About what? Why? Soll wohl bedeuten, dass die Tür alarmgesichert und nicht alamiert ist, was es auch bedeuten könnte. Änderes Bespiel: In der Tube steht in den Waggons so ein Text wie „Be advised that construction works on the subway lines can slow down your travelling. Look for publicity at the subway stations“. (Nicht genau so aber sinngemäß). Soll man nun nach Aufmerksameit, einem Publikum Ausschau halten – oder nach öffentlichen Aushängen oder Durchsagen? Diese Briten machen das doch mit Absicht! Außerdem haben die sehr lustige U-Bahn-Gedichte, vielleicht kann ich die passenden Bilder mal hochladen, wenn ich sie wiederfinde.

Look Right Look Left

Das hier hilft einem bei diesem Linksverkehr echt weiter!

Eine Sache ist mir noch aufgefallen… bei einer U-Bahnstation hing ein großes Werbebanner vom Ministry of Defense: „Introducing the HMS Queen Elisabeth – A great aircraft carrier for a great nation“. Es geht um einen sich im Bau befindlichen, britischen Flugzeugträger (da ich mich für sowas interessiere, habe ich davon schon vorher gelesen). Ich frage mich, wie sowas bei uns in Deutschland ankommen würde… Hallo Steuerzahler, guck mal, was wir mit Deinem Geld machen? Aber gut… das hier sind die Briten, die immer noch gerne an die einstige Größe ihres Empires denken.

Dirty Dicks - wie ist das denn jetzt gemeint?

Dirty Dicks – wie ist das denn jetzt gemeint?

Genug für heute. Schnell noch ein paar Bilder dazu, und Feierabend. Morgen mehr.

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London Luton >> London City

Okay, also rein in den orangefarbenen Vogel. Die vorderen Sitzreihen durch den „Finger“ (Fluggastbrücke, wie das Teil eigentlich heißt), die hinteren über eine Treppe auf den Boden und von da über eine andere Treppe in die hintere Tür des Flugzeugs. Ich hatte mir einen Sitz in der allerhintersten Reihe am Fenster gebucht.

Ich musste an einer jungen Blondine vorbei, die am Gang saß und mit der ich gleich ein Gespräch anfing. Sie kommt aus Ungarn, ist aber wohl in London wohnhaft und empfahlt mir gleich ein chinesisches Restaurant beim Piccadilly Circus. Leider setzte sich dann ein Mann zwischen uns auf den mittleren Sitz, den ich nicht stören wollte. Er zockte den ganzen Flug über ein Spiel auf seinem Samsung Galaxy S4. Ich hatte mein Buch und meine Kopfhörer im knallgelben Ding, welches ich schon in einem Overhead-Compartment verstaut hatte. Ich hatte also keine Unterhaltung, aber es war ja nur ein kurzer Flug, und Start und Landung ziehe ich mir sowieso immer bewusst rein. Wenn ich hinter den Tragflächen sitze, beobachte ich z.B. gerne, wie die Landeklappen und Spoiler aus- und eingefahren werden. Ich verbrachte den Flug ansonsten damit, einen Blick in die Magazine zu werfen. Hm. Billigfluglinie… Am Gate bekam ich noch mit, wie angesagt wurde, dass nur EIN Handgepäckstück erlaubt sei – wer z.B. einen Trolley UND eine Handtasche hatte, musste entweder die Handtasche in den Trolley tun, die Handtasche am Flughafen zurücklassen oder eine Kleinigkeit von 55 Euro bezahlten. Ich beginne zu begreifen, wie diese Läden ihr Geld verdienen.

Wie auch immer, Flug ereignislos mit mäßigen Turbolenzen nach Start und vor der Landung. Also raus aus dem Vogel und rein ins Terminal – wieder über ne Gangway. Ich stellte mich dann in die Schlange für die „ePassports“. Das entscheidende Logo war auf meinem Pass drauf. Monitore mit kurzen Videos machten darauf aufmerksam, dass überall auf den Flughäfen Großbrittaniens das jetzt eingeführt würde. Das ist sozusagen „Self-Service-Immigration“ – man packt das Ding auf einen Scanner, Türen gehen auf, eine Kamera macht ein Bild vom Gesicht, welches dann elektronisch mit dem Passbild verglichen wird – und dann kommt man ins Land oder auch nicht. In meinem Fall reichte es noch nicht mal bis in die Kabine, in der das Foto gemacht wurde. Eine Border-Force-Dame versuchte es noch mal erfolglos mit dem Scanner, dann durfte ich konventionell in diese Insel hier einchecken. Was nicht lange dauerte, weil vor mir nur eine weitere Dame in der „Schlange“ stand.

So war ich dann angekommen im Mutterland des Commonwealth. Also, mit leichtem Gepäck zu reisen hat schon was. Kein Baggage-Claim und Bangen, ob der Koffer vielleicht in Murmansk gelandet (oder in Wien geblieben) ist. Zunächst lief mir ein ATM über den Weg, der mir „free withdrawals“ versprach. Oh glückes Geschick! In nur einer Minute nahm ich um erhebliche Pfunde zu. Später versprach mir so ziemlich jeder weitere ATM ebenfalls „free withdrawals“. Ich bin noch nicht dahintergekommen… ich kann es zwar übersetzen, aber nicht verstehen. Nächster Schritt: Irgendwie von diesem ausgelagerten Flughafen (London hat so einige davon…) in die Stadt kommen. Zuerst landete ich an einem Schalter, bei dem ich gefragt wurde, zu welcher U-Bahn-Station ich eigentlich wollte. Hm… Man kennt mich ja für meine ausgefeilte Planung. Hatte ich kurz mal geschaut aber mir nicht gemerkt. „Brilliant!“, wie das sogleich kommentiert wurde. Ich wurde dann einen Schalter weitergeschickt. Hier gab es „Easy Bus“-Tickets, egal, ob man „Easy Jet“ geflogen ist oder nicht. Wie auch immer, es kostete mich 8,99 Pfund, und ich fuhr damit zur U-Bahn-Station Baker Street. Was solls – wenn ich ehrlich bin, der Plan war eigentlich zu IRGENDEINER U-Bahn-Station zu fahren und dann mal weiterzusehen.

Also raus aus dem Flughafen, zu Bussteig 10, wo ein National Express-Bus schon wartete. Man solle unbedingt 10 Minuten vor Abfahrt dort ankommen. Das schaffte ich auch locker, ich hatte sechs Minuten und der Weg vom Schalter zum Bussteig war kurz. Der Busfahrer verstaute mein knallgelbes Ding im Laderaum, dann durfte ich einsteigen. Wow – ziemlicher Komfort. Nachdem ich meinen Premiumkörper notfürftig in den einen Quadratmeter Flugzeugkabine, die mir Easy Jet freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte reingezwängt und wieder rausgepuhlt hatte, war dieser Ledersessel echt luxuriös. Außerdem verfügte der Bus angeblich über Free Wifi. Leider klappte das nicht. Naja – hatte vor und Nachteile. Wahrscheinlich hätte ich sonst nur auf mein Display und auf die Ingress-Portale anstelle aus dem Fenster geguckt.

Und so ging es über die M1 Richtung London. Was zum… die fahren ja hier alle auf der falschen Seite! Und der Busfahrer saß auch auf der falschen Seite! Totale Freaks, die Leute hier! Klar, ich hab davon gehört, aber ich habe das immer für ne Urban Legend gehalten!

Die Fahrt dauerte über ne Stunde, und die Sonne ging darüber unter. Die M1 endete kurz vor London, und rein ging es ins Stadtgebiet. Ich sah interessiert aus dem Fenster. Irgendwie war hier alles anders, das ganze Stadtbild unterschied sich stark von allem, was ich bisher gesehen hatte. Die Straßen wirkten irgendwie eng, die Ladenfronten ganz anders als anderswo. Auf der anderen Seite immer wieder so Häuserfronten mit vielen kleinen Giebeln, Erkern und Mansarden – in Ermangelung von architektonischem Wissen sage ich einfach mal – britischer Landhausstil.

Baker Street StationBaker Street Station

Baker Street Station

Baker Street war der letzte Halt des Busses. Ich bekam mein knallgelbes Ding wieder und ging in die U-Bahn-Station. Hier waren zwei Dinge zu klären: Wo geht es eigentlich hin und was für ein Ticket brauche ich dafür? Ich kaufte nach der schriftlichen Empfehlung am Automaten eine sog. Oyster-Card und lud 15 Pfund drauf (5 Pfund kostet die Karte, aber die sind dabei dann auch als Guthaben drauf, also insgesamt 20). Als ich mich noch orientierte, kam ein hilfsbereiter Underground-Mitarbeiter und erklärte mir, wie ich fahren könne und welche Platform das wäre. Ich wollte zur Station Hoxton. Also mit der der Hammersmith & City Line bis White Chapel, dann wechseln in die Overground und damit noch zwei Stationen weiter.

The Tube: Im ältesten U-Bahn-System der Welt

The Tube: Im ältesten U-Bahn-System der Welt

Also rein in den Zug. Dieser fuhr dann leider – und wenn ich die Durchsagen richtig deutete, auch unplanmäßig – nicht bis White Chapel sondern nur bis Moorgate. Es wurde (ungefähr hundertmal, weshalb auch ich es kapierte) per Durchsage empfohlen, schon an der Station Barbican auszusteigen und von da dann einen weiterführenden Zug zu nehmen, was ich dann auch tat. Das und auch das Umsteigen in die Overground klappte auch problemlos.

Overground

Finde den Fehler…

Angekommen an der Station Hoxton suchte ich mir mit meinem Stadtplan (yep! ich habe mir diesmal tatsächlich vorher so ein analoges Ding gekauft) die Hackney Road, an der mein Hotel war. Allerdings bei Hausnummer 400irgendwas. Ich war da gerade bei ca. 150. Es war also noch einiges an Weg zurückzulegen. Hm. Ich muss gestehen, ich hatte ein wenig Schiss. Die Beleuchtung der Straße war spärlich und es war nicht viel los. Und überhaupt – irgendwie war das Straßenbild halt so anders und fremd. Komisch, irgendwie habe ich den Eindruck, die Amis sind uns da ähnlicher als die Briten. Es war irgendwie ein bisschen wie im Film, irgendwie leicht surreal. Also andererseits auch wieder irgendwie cool. Ich passierte einige kleinere Supermarkets und Grocery-Stores, die noch geöffnet hatten, sowie eine einladende Kneipe namens „The Marksman“. Keine Ahnung, was damit gemeint ist. Militärisch gesehen ist sowas heutzutage ein Zielmarkierer, der einen Laser-Designator auf ein Ziel für lasergelenkte Munition richtet.

Schließlich kam ich beim Hotel an. Die Frau am Desk war sehr nett und erzählte, sie wäre auch schon in Germany gewesen (Augsburg, natürlich in Süddeutschland, und auch noch auf einem Oktoberfest) und hätte ein sehr großes Bier getrunken und einen Salat mit sehr viel Salami darin gegessen, und es sei alles großartige gewesen und sie hoffe, dass ich mich hier ebenso wohl fühlen würde. Ich bekam ein Zimmer im Erdgeschoss (das ich aber noch problemlos tauschen könne).

Okay, rein ins Zimmer, ab ins WLAN, kurz ein paar Nachrichten abgesetzt und dann gleich wieder los, was einkaufen. Wasser, Cola, Bier, Trashfood und so. Es gibt hier viele kleine Läden, die abends lange geöffnet haben. Also ein Blick auf die Bierauswahl… okay… deutsches Bier… amerikanisches Bier… tschechisches Bier… irisches Bier… belgisches Bier… Wo zum Geier ist hier was englisches??? Es gab Corona, Holsten, Stella Artois, Heineken, Guinness… Naja, ich fand dann immerhin noch Newcastle Brown Ale. Dafür gab es Cider in drei Millionen Varianten, natürlich Strongbow und ansonsten diverse Geschmacksrichtungen, Kirsche und so… Ich kaufte ein Sortiment verschiedener Biere und ein Strongbow Cider (muss ich mal probieren, ist ja recht bekannt) sowie Wasser und Cola. Ich verbrachte meine Vorräte ins Hotel.

Danach war es schon nach 22 Uhr Ortszeit, und ich hatte keine Lust mehr, noch rauszugehen. Also ging ich zum Bar & Grill des Hotels, wo ich noch ein Clubsandwich und ein London Pride Premium Ale bekam. Die Preise sind echt gesalzen… halt so in Pfund, was das bei uns in Euro kosten würde, vielleicht sogar noch einen Keks mehr. Gut, dass ich nur kurz hier bin, sonst würde ich noch arm. Von meinem Platz, wo ich Sandwich und Ale vernichtete, konnte ich per WLAN ein grünes Portal auf Lv. 6 aufrüsten und mit Heatsink und Multihack etwas produktiver modifizieren, so dass ich nebenbei auch noch mein Ingress-Material aufstocken konnte.

London Pride Premium Ale

London Pride Premium Ale

Nach dem Essen ging ich nur noch in mein Zimmer, Blog schreiben und nebenbei bisschen Fernsehen gucken. Zuerst kam ein seltsamer Film, der im alten Rom spielte und in dem sehr häufig das männliche Fortplanzungsorgan erwähnt wurde. Danach lief „Two and a half men“, noch mit Charlie Sheen als Harper.

Das wars erstmal für heute. Und morgen? Keine Ahnung. Mal sehen. Ich werde es Euch wissen lassen, wenn ich es selbst weiß. Bis dann.

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Urlaub, zweiter Versuch: Soll wohl doch klappen…

Wie viele von Euch wissen, bin ich ein souveräner, vorausschauender und -planender, selbstbewußter (und -ironischer…) Globetrottel, den nichts und niemand auf Reisen aus der Ruhe zu bringen vermag. Ich habe in den vergangenen Jahren ukrainischen Bahnbeamtinnen, palestinänsischen Raketen und us-amerikanischen Einreisekontrollen getrotzt (ob bei dieser Wortkombination wohl bei der NSA was klingelt?). Mit anderen Worten: Ich bin schon ein ziemlicher Hecht. Aber nun wartet das letzte große Abenteuer der Zivilisation auf mich: Der Flug mit einer Schweizer Billigfluglinie!

So denn. Ich wachte heute morgen um sechs Uhr durch das simple Piepen meines Weckers auf. Wer meine bisherigen Urlaube hier schon mal gelesen hat, weiß, dass ich mich gerne mit passender Musik wecken lasse. Das bekannte „London Calling“ habe ich nicht im Archiv, aber es wäre normalerweise „London“ von Queensryche geworden. Aber für solche Spielereien hatte ich gestern abend, als ich mir unsicher war, ob ich überhaupt fit genug für den Urlaub sein würde, keine Lust.

Ich hatte gestern vor dem Schlafengehen eine Schmerztablette (Diclodingsbums) eingenommen und dann noch bis nach null Uhr wach gelegen, Quizduell gespielt, gechattet und so. Heute wachte ich fast schmerzfrei auf. Und war sehr dankbar. Vielleicht eine ganz gute Lektion. Ich war in den vergangenen Tagen teilweise derart depressiv gewesen, dass ich mich kaum auf den Trip nach London gefreut hatte. Nachdem mir dann klar war, dass es wohl doch noch klappen würde, stellte sich doch zumindest ein wenig Vorfreude ein.

Mein Flug geht erst um 17:55 Uhr ab Hamburg. Dennoch Bin ich um halb sieben aufgestanden, weil ich noch einmal zum Arzt zum Verbandswechsel musste. Der linke Ellenbogen muss immer noch verbunden werden. In London werde ich das wohl dann selbst machen, ich hab Material für zwei Verbände dabei. Bei der Gelegenheit habe ich dann den Doc nach meinen neuen Problemen gefragt, und er diagnostizierte gleich dasselbe wie ich Laie auch schon: Ischias-Nerv. Der Doc meinte, dass es mir verhältnismäßig gut ginge, läge noch an dem Schmerzmittel. Ich bat ihn dann, mir für London noch etwas zu verschreiben, das wurden dann so Voltraren, die man im Wasser auflösen kann. Soll wohl magenfreundlicher sein als die Diclodingsbums.

Ich hatte also noch reichlich Zeit, bis ich um 13.23 Uhr in den Zug nach Hamburg zu steigen hatte. Ich frühstückte bei der Bäckerei im hiesigen E-Center, operierte Ingress-mäßig noch ne halbe oder dreiviertel Stunde an den sieben Portalen in der Nähe meiner Wohnung herum, ging nachhause, packte und machte den Abwasch. Kurz vor dem Aufbruch kam noch eine Arbeiter-Samariter-Bund-Frau vorbei, die auf Mitgliederfang war. Sorry, nicht auf die Schnelle.

Also auf zum Bus und damit zum Neumarkt, von dort zu Fuß zum Bahnhof. Ich hatte allerdings noch eine Viertelstunde Zeit übrig, die ich nutzte, eine Extra-Runde auf der Level-7-Farm an der Johannisstraße zu drehen (danke an Phobo, Sven666, Moomacker und Fridjof…). Dann ab zum Bahnhof. Hm. Zug hat eine Viertelstunde Verpsätung. Also noch ein bisschen hacken und einen Kaffee und ein Martinihörnchen to go vom Bäcker.

Ich hatte ursprünglich vor, was im Speisewagen zu essen. Durch das Bahncard-Punkte-sammeln war ich an Bahn-Gastro-Gutscheine im Wert von 40 Euro gelangt, vier von den 5 Euro-Gutscheinen hatte ich dabei. Aber ich war ein bisschen müde, hatte eigentlich keinen Hunger und auch keine rechte Lust. So döste ich ein bisschen vor mich hin, bis in Bremen ein älteres Ehepaar zustieg, welches u.a. meinen Platz reserviert hatte. Muss ich entweder übersehen haben, oder das elektronische Anzeigesystem war, als ich mich setzte, offline. Wäre nicht das erste Mal…

Also habe ich mich nach Bremen in den Bistrobereich gesetzt und erstand für einen 5-Euro-Gutschein sowie 1,90 zusätzlich zwei so Flammkuchen-Dinger aus der Mikrowelle und ein großes Pils. Essbar, aber nicht so dolle (das Pils aber schon). Klarer Verstoß gegen die „kein Bier vor Vier Regel“ übrigens.

Am Hbf fand ich das Gleis der S1 Richtung Flughafen und erwischte den frühstmöglichen Zug. Die vorderen drei Wagen fuhren durch bis zum Flughafen, der hintere Zugteil nach Poppenbüttel (jaja, grinst nur, Ihr Nicht-Hamburger… man könnte z.B. auch in Vögelsen wohnen!). In der S-Bahn konnte ich noch bestimmt 10 unique Hacks mitnehmen, an vielen 7er- und 8er-Portalen, die leider nur meist die falsche Farbe hatten.

Ich erreichte den Flughafen dann doch wie geplant gegen 16 Uhr, also knapp zwei Stunden vor Abflug – wie es so gemeinhin empfohlen wird. Zunächst wurde ich von einem Anzugmenschen von Barclaycard abgefangen, der mir die Vorteile der Visacard von seinem Laden im Vergleich zur Sparkasse schmackhaft machen und mich wohl gleich zur Unterschrift herbeizitieren wollte. Nein danke – kurzfristig kein Unterschrift für den ASB und auch nicht für Barclaycard. Wegelagerei überall!

Wie erwartet waren knapp zwei Stunden reichlich Zeit am Flughafen. Zuerstmal hatte ich kein Gepäck aufzugeben. Nachdem mir als Billigflug-Neuling schnell klar wurde, dass überall zusätzliche Gebühren lauern und aufgegebenes Gepäck mal eben mit 39 Euro zu Buche schlagen sollte, entschied ich mich, einfach kein Gepäck aufzugeben. Für die vier Unterhosen und ein iPad reicht auch ein kleiner Trolley in den von Easy Jet vorgegbenen Maßen von 50x40x20 cm. Also ist mein quietschorangener Hartschalenkoffer „Bob“ diesmal nicht mit von der Partie. Vielmehr habe ich vorgestern bei Leder Rabe in Osnabrück (wo auch Bob herkommt) schnell einen knallgelben, kleinen Bruder für Bob erstanden. Foto siehe voriger Beitrag. Für 69 Euro – aber den werde ich bestimmt nochmal gebrauchen können. Schien mir der bessere Deal zu sein.

Die Security war wahrscheinlich die schnellste, die ich je erlebt habe. Kein Schlangestehen, und die haben auch nicht jedes elektronische Gerät unter eine elektronische Hundenase gehalten, selbst die Schuhe durfte ich anbehalten. Es wurde nur kritisiert, dass ich meinen Klarsichtbeutel mit der kleinen Portion Zahnpasta und meinem Desinfektionsmittel nicht aus dem Trolley genommen hatte, das musste ich dann eben noch tun. Ferner sind die Wege in Hamburg im Vergleich zu z.B. Frankfurt ja auch einfach nur kurz. Also ging alles schnell und easy, so dass ich am Gate noch anderthalb Stunden Wartezeit hatte. Diese habe ich nun also genutzt, um den Blog meines Neffen, der zur Zeit in Kanada weilt, zu lesen und selbst zu schreiben. Es ist jetzt 17:21 Uhr, der Vogel steht noch nicht bereit, ich bezweifle mal, dass wir pünktlich loskommen. Aber das ist mir relativ egal. Der Flug selbst ist ja dann nur ein kleiner Hüpfer von nicht einmal einer Stunde mit einem langweiligen A319.

Ich wäre übrigens lieber von Münster/Osnabrück aus geflogen. Die dort nach London fliegende(n) Fluglinie(n) setzen bevorzugt Turboprop-Maschienen wie Modelle von Fokker oder die ATR 42 ein, und mit soetwas bin ich noch nie geflogen. Zur Erklärung: Frühere Propellermaschinen und kleinere Sportflugzeuge wurden bzw. werden von Kolbenmotoren angetrieben – wie Autos. Moderne, große Propellerflugzeuge wie mittlere Transport- oder Regionalflieger haben sog. Turboprop-Antriebe. Das sind im Prinzip Strahlturbinen wie bei Jets auch, nur dass die Turbinenachse einen Propeller antreibt, der den Hauptteil des Schubs erzeugt.

Der easyJet-Vogel kurz vor dem Andocken

Der easyJet-Vogel kurz vor dem Andocken

So der Vogel dockt gerade an. Nächster Post aus London. Bye.

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Urlaub, zweiter Versuch. Und auch nur vielleicht.

Ich hab keine Ahnung, was ich der Welt getan habe. In der vergangenen Woche habe ich mich entschieden, kommende Woche noch für ein paar Tage nach London zu fliegen. Morgen soll es eigentlich losgehen.

Heute habe ich Freunde besucht, und als ich mich aus gebückter Haltung aufrichten: Stechender Schmerz in Steißbeingegend, der in den linken Oberschenkel ausstrahlt. SEHR fies. Mit der Zeit wurde es besser, aber leider auch wieder schlimmer. Ich habe erstmal eine Schmerztablette eingeworfen. Ich muss morgen sowieso zum Doc, zum Verbandswechsel. Aber es ist einfach nur fies. Sitzen geht fast Schmerzfrei, aber stehen, gehen und leider auch liegen ist furchtbar. Viel Schlimmere Schmerzen als durch den Sturz mit dem Rad.

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Gerade erst gekauft: Kabinengepäck. Mehr wollte ich nicht mitnehmen.

Und wenn ich nochmal stornieren muss, wieder mit finanziellen Verlusten… Ich hab keinen Schimmer, womit ich es verdient habe, so verdammt viel Pech zu haben. Und wie lange ich das noch aushalte. Natürlich war ich zu blöd, ne Reiserücktrittsversicherung abzuschließen. Was soll in den paar Tagen noch passieren, und so viel Pech kann ich ja nun.nicht haben, dass WIEDER was schief geht. Dachte ich bis heute nachmittag zumindest.

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Bei der Hausärztin, beim Fahrradladen, zurück am „Tatort“, Fazit, Folgen

Inzwischen ist es Mittwoch, 02.16 Uhr. Am Montag wachte ich auf, und es war… nun, natürlich nicht so toll. Aber auch nicht so schlimm, wie der Arzt prophezeit hatte „Am schlimmsten ist der Morgen danach, da fühlt man sich wie vom Zug überrollt“. Der Besuch bei der Hausärztin stand an, zum Verbandswechsel und Wundschau. Ich musste ziemlich lange warten, hatte aber eine sehr gute Lektüre dabei („Splitter“ von Sebastian Fitzek, ein wahnsinnig spannender Psychothriller, der sich ein wenig bei dem Film „The Game“ mit Michael Douglas abgeguckt liest, was der Spannung aber keinen Abbruch tut – Leseempfehlung!).

Die Hausärztin entfernte die Verbände, begutachtete mit besorgter Miene meine Wunden, die sich teilweise entzündet hatten, legte silberhaltige Pads auf, behandelte mit Jod, verband neu, verbot mir künftig das Duschen und gab mir einen Termin für bzw. eine Krankschreibung bis Mittwoch (also heute).

Wieder zuhause fühlte ich mich müde und legte mich bis zum frühen Abend erstmal hin. Dann warf ich ne Ladung Wäsche in die Maschine und bestieg mein beschädigtes Rad, um es zu BOC zu bringen, wo ich erst zuvor für über 200 Euro hatte in Topzustand versetzen lassen (neue Bremsbeläge, neue Griffe, neue Kette/mittleres Kettenblatt/Kassette). Das war übrigens nicht nur teuer, sondern auch nervig, weil die erstmal nicht das neue Kettenblatt eingebaut hatten und mir das ansonsten fertiggemachte Rad mit neuer Kette, aber altem Kettenblatt gaben. Das merkte ich erst auf dem Heimweg kurz vor zuhause. Also zurück das Ding, meckern, und kostenlos das neue Teil einbauen lassen (was das Mindeste war für den Zusatzaufwand). Das Rad fuhr sich dann aber auch nach Bremen bis zum Schwarzen Weg auch traumhaft. Nun, also wieder bei BOC, wo mir ein pfiffiger Verkäufer erzählte, was womöglich alles ersetzt werden müsse. Er nahm im Vorderrad eine kleine „Acht“ wahr, die ich gar nicht bemerkt hatte, meinte, das Steuerlager sei auch nicht schön, der Lenker offenbar auch angeschlagen und der angeratschte Vorbau sei eine Sollbruchstelle. Über die Bremshebel, die arg gelitten hatten, brauchte man ja nicht zu reden. Naja… Lenker und Vorbau sind absolut sicherheitsrelevante Komponenten. Pfiffiger Verkaufer hin oder her, das muss dann eben wirklich neu gemacht werden. Übrigens wollte man mich gestern wegen des Kostenvoranschlags anrufen, was nicht erfolgt ist. Mir ist daran gelegen (ich erläutere später, warum), dass Rad möglichst schnell wieder zu bekommen, obwohl ich für den Alltag noch ein Reserverad (mein altes Checker Pig) habe.

Ich ging zu Fuß nachhause, gönnte mir beim Billigbäcker auf dem Weg Caprisonne und Gebäck (hatte kein Kleingeld für die Kaffeemaschine und keine Lust, zu wechseln) und ging dann auf dem Weg nachhause noch Einkaufen. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Wäsche aufhängen, Lesen und einem Telefonat.

Gestern, am Dienstag, beschloss ich, den „Tatort“ nochmal aufzusuchen. Mich interessierte, ob es irgendwelche Warnschilder gab, die ich übersehen haben könnte, und wie lang die Schleifspur war, die der Vorbau meines Rades in den Asphalt gezogen hatte. Kurz nachdem ich ein Foto vom Straßenschild gemacht und gerade mein Maßband an die Schleifspur gelegt hatte, hielt ein Auto am Fuße bzw. Rand des Schwarzen Weges. Ein Frau stieg aus und ich sagte ihr, dass ich hier vor zwei Tagen verunglückt sei. Wir kamen ins Gespräch, denn sie erwiederte, das käme nicht zum ersten Mal vor. Meist seien es unvorsichtige Jugendliche, die hier stürzten. Es hätten sich aber auch schon Kinder bei Rodelunfällen schwer verletzt, obwohl die Steigung früher zu Zeiten ihres Vaters angeblich noch steiler gewesen und schon ein wenig entschärft sei. Interessant.

Maßband und Schleifspur

Der Beginn des auf drei Meter ausgefahrenen Maßbandes markiert den Anfang, der Rucksack das Ende der Schleifspur

Nachdem ich das Schlagloch und die Schleifspur fotografiert hatte, machte ich mich auf den Weg nach oben. Dabei kam ich auf die Idee, dass ich mit den Lagesensoren meines Schlaufons den Winkel messen konnte – ich habe sogar eine App, die das neben vielen anderen Funktionen kann. Das Gerät zeigte auf dem steilsten Stück 10 Grad an. Später am heimischen Schreibtisch war ich zu faul und zu eingerostet in Mathe, um mir selbst die Formel herzuleiten, aber lt. Wikipedia ist die Steigung m = tan(α). Es kam 0,176 heraus, also 17,6%. Ich habe schon Warnschilder gesehen, auf denen vor 8% Steigung oder Gefälle gewarnt wurde.

Handy auf dem Schwarzen Weg

Mein grünes Handy auf dem Schwarzen Weg. H10 (weißer Kasten) bedeutet 10 Grad Neigung um die horizontale Achste (wäre das Handy ein Schiff oder Flugzeug würde man von Quer- oder Nickachse sprechen). Die App heißt „GPS Status“ und zeigt alle möglichen Sensor- und GPS-Daten an.

Oben angekommen stellte ich fest: Zwar wurde vor den Bodenwellen gewarnt, nicht jedoch vor dem Gefälle, und der Weg ist mit dem Gebotsschild „Gemeinsame Fuß- und Radweg“ versehen. Das bedeutet auch, dass ein Fußgänger folglich von einem außer Kontrolle geratenem Radfahrer wie mir locker mal getroffen werden könnte. Und dass mir genau im Augenblick, als ich mein Rad hoch- und wieder runter schob und mitten auf dem Weg den Winkel maß womöglich genau das blühen konnte.

Verkehrsschild Schwarzer Weg

Straßenschild Schwarzer Weg mit Gebotsschild „Gemeinsamer Fuß- und Radweg“. Keine Warnung vor dem Gefälle. Einige Meter weiter steht das Warnschild für die Straßenunebenheiten.

Meiner Ansicht nach müsste zumindest oben am Weg mit Schildern besser vor der Gefahr gewarnt werden – wer weiß, vielleicht hätte das bei meiner Entscheidung, da die Zügel schleifen zu lassen, das Zünglein an der Waage in die andere Richtung sein können. Ich kam auf die Idee, das meinen Kollegen von der Redaktion der NOZ mitzuteilen (ich werde ihnen den Link zu diesem Artikel geben). Vielleicht kann ja die Zeitung da etwas draus machen. Allerdings birgt das auch das Risiko, dass Jugendlichen den Schwarzen Weg dann überhaupt erst für zweifelhafte Mutproben für sich entdecken. Aber das lasse ich besser die Redaktionellen entscheiden, die tun es ohnehin.

Schlagloch

Wasserrinne, dann Schlaglöcher. Das linke ist es dann wohl gewesen. Wo der Rucksack steht, sind mein Rad und ich liegen geblieben. Unten der Süberweg, wo mich, wäre ich nicht oder später gestürzt, auch ein Auto hätte erwischen können. Aber die Perspektive täuscht – so dramatisch weit, wie es hier aussieht, bin ich auch nicht geschliddert.

Fazit
Ich muss sagen, ich habe viel Glück gehabt. Keine Knochenbrüche, keine Kopf- oder Rumpfverletzungen, keine Bänder durch, ich muss nicht im Krankenhaus liegen – da kann man nur von Glück sagen, oder aus Sicht des Christen, von Bewahrung.

Ich hoffe, dass mir das eine Lehre sein wird und dass ich in Zukunft vorsichtiger fahren werde. Sofern es sich machen lässt, werde ich nur kosmetische Schäden am Rad nicht reparieren lassen, so dass sie eine Art Mahnmal für mich bleiben.

Komischerweise hat mich bisher der Unfall nicht in ein psychisches Tief gerissen. Seltsamerweise ist eher das Gegenteil der Fall, ich fühle mich fast stärker als vorher. Vielleicht kippt das in den kommenden Tagen noch, damit rechne ich, aber bisher ging es mir eher so. So nach dem Motto „Was mich nicht umbringt, macht mich härter“. Ich schaffe es erstaunlicherweise sogar, mir selbst sozusagen „mental auf die Finger zu hauen“, wenn ich beginne, mit meiner dämlichen Sekundenentscheidung zu hadern. Passiert ist passiert, also heisst es die Folgen akzeptieren und den selben Fehler nicht noch mal zu machen.

Der Unfall hat mich für die Wichtigkeit der Hilfeleistung am Unfallort sensibilisiert. Unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat, und das meiner Ansicht nach völlig zu Recht. Man kann, so hilflos und überfordert man sich fühlen mag, angesichts eines verletztes Unfallopfers, immer irgendwas tun. Und das ist fast immer besser als nichts. Für mich war es psychologisch wichtig, dass jemand da war, der mir half. Und auch die Verbände meiner Ersthelferin, so wenig professionell sie auch ausgeführt waren, waren psychologisch eine Hilfe, weil sie mir das Gefühl gaben, bereits behandelt worden zu sein und meine Wunden verdeckten. Deswegen kann ich nur an alle inklusive mich selbst appellieren, im Notfall immer zur Hilfe bereit zu sein. Und das möglichst nicht nur, weil das Gegenteil strafbar ist, sondern als Pflicht am Mitmenschen.

Ebenfalls beeindruckt haben mich die Profis in der Notaufnahme. Der der deutschen Sprache nicht mächtige Mann und die taubstumme Frau haben mir einen Einblick gegeben, womit diese Leute tagtäglich konfrontiert werden können, und das war sicherlich noch lange nicht das Schlimmste. Natürlich ist das ihr Job, natürlich sind sie dafür ausgebildet, aber letztenendes sind es auch nur Menschen, die da ihre 12-Stunden-Schichte zwischen Schweiß, Blut und Urin abreißen und immer professionell bleiben müssen. Das ist schon was anderes als der Büromensch, der seine Tage in einer Bank damit verbringt, Geld mit einer virtuellen Schaufel von einem Haufen auf einen anderen zu schichten – und dafür meist auch noch viel besser bezahlt wird. Oder auch was anderes als ich Pixelschubser und Codezeilenklempner.

Folgen
Gut, von den Verletzungen werde ich vermutlich noch Wochen etwas haben. Die Reparatur meines Rades wird nach meiner Schätzung wieder 200+ Euro kosten und auch mindestens ne Woche dauern. Plus eventuelle Komplikationen mit BOC… im Prinzip bin ich wegen des Kettenblattes immer noch sauer, habe aber auf die Schnelle keine Alternative für die erneute Reparatur gesehen. Das Ganze hat leider noch, und das ist eigentlich das Schlimmste für mich an der ganzen Sache, eine andere Folge. Vielleicht ist der eine oder andere darauf gekommen, dass die Radtouren nach Münster und Bremen nicht nur alleine aus Spaß- und Fitnessgründen stattfanden, sondern dass es Test und Vorbereitung von Material und mir selbst für meinen kommenden Urlaub war. Der Plan ist – oder war – mit dem Rad von Prag aus nach Cuxhaven zu fahren, den größten Teil entlang der Elbe. Nicht mit Zelt im Gepäck, vielmehr habe ich vor Wochen schon in stundenlanger Planung die Etappen ausgesucht und sämtliche Hotels gebucht. Außerdem habe ich meine alten Packtaschen durch neue ersetzt und mir ein Fahrradnavi bestellt. Der Urlaub ist lange angemeldet. Es sollte am 21. August losgehen. Ich glaube nicht, dass sowohl ich als auch mein Rad in dieser Zeit wieder ausreichend fit werden. Je schneller ich storniere, desto größer ist die Chance, noch möglichst viel von meinem bereits via Expedia.de gezahlten Geld an die Hotels wiederzubekommen. Ich wollte das eigentlich gestern, nach dem Kostenvoranschlag von BOC und der Meldung, wann man welche Ersatzteile bekäme, entscheiden. Aber der Anruf kam ja nicht, also rufe ich heute die Bande an und ziehe dann womöglich die Notbremse. Elender Mist – ich weiß nicht, ob ich jemals die Eier und Motivation haben werde, das noch einmal zu versuchen.

Es hätte allerdings auch etwas Positives an sich, den Urlaub zu stornieren. Ich könnte an einer Hochzeit teilnehmen, was mir eigentlich auch ziemlich wichtig wäre, aber ich habe es bei meiner Urlaubsplanung verbaselt. Auch eine Einladung zu einer Gartenparty von Kollegen könnte ich dann nachkommen.

Anstelle der Radtour fliege ich vielleicht ein Woche nach London oder Rom oder… was weiß ich. Mal sehen.

Angekommen

Worauf es ankommt: Ankommen. Und das habe ich, mit ein wenig Hilfe, dann ja doch aus eigener Kraft geschafft. Ich weiß, die Socken in den Sandalen sind ein modisches No-go. Ebenso wie die „sexy Hose“, die ich für das Bild ein letztes Mal angezogen habe. Aber die Rückseite zeige ich Euch nicht – wollt Ihr eh nicht sehen…

So, das wäre meine kleine, teilweise leider traurige Geschichte. Vielleicht habe ich in ein paar Wochen hier wieder interessante Urlaubseindrücke für Euch. Wer weiß. Bis zum nächsten Mal.

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Endstation Schwarzer Weg

Ich wachte gegen halb neun auf, bevor mein Handywecker, den ich mir mit „Are You Ready“ (AC/DC) auf neun Uhr gestellt hatte, losging. Nach dem Beantworten einiger Quizduell-Fragen und einer Dusche ging ich im Hotel frühstücken, ich hatte inklusive gebucht. Der Frühstücksraum war sehr gut besucht, aber ich bekam noch einen 2er Tisch. Das Buffet war reichhaltig mit dem üblichen Kram von Brötchen, verschiedenen Aufstrichen und Belägen, Obst über ein reichhaltiges Cerealienangebot bis zu Rührei, gebratenem Speck und Frikadellen. Nicht schlecht, ich frühstückte zwei Brötchen, Rührei mit Speck, etwas Wassermelone und eine Schüssel Müsli/Cornflakes mit Quark. Dazu Kaffee und Orangensaft.

Danach zurück ins Zimmer, Sachen packen und auschecken. Ich holte mein Rad aus Garage 1, gab die Schlüssel ab, belud meinen Drahesel und los gings. Zuerst hatte ich immer mal wieder Auseinandersetzungen mit meinem Schlaufon, weil ich versehentlich wiederholt das Ingress-Icon anklickte, obwohl ich beim Fahren unbekannter Strecken mit Navigation Ingress lieber auslasse. Ist halt ein Art Reflex… antrainiert.

Triathlon in Bremen

Frechigkeit! Immer einer da der einem „Immer zweimal mehr wie Du!“ vorführen muss. Bödn Triathleten! Die roten Striche hat bestimmt einer der gerade Sommerferien habenden WM-Schiris mit Begeisterung auf den Asphalt gesprüht.

Schon auf der Werftstr./Bremerhavener Str. bemerkte ich die Radrennfahrer auf der Straße, Polizei und andere Ordner, die Straße absperrten und vereinzelte Zuschauer, die die Radfahrer (und augenzwinkernd auch mich) anfeuerten. Später musste ich die Rennstrecke queren, worauf ich von einem Polizisten gestoppt wurde, um ein paar Radler durchzulassen. Frau Google schickte mich dann in eine andere Richtung, als ich nach der Anreise und meiner vorabendlichen Ingress-Aktion vermutet hatte – und mitten in den Triathlon-Rummel (ich glaube, es war die Hansatorstr.). Ich landete genau an der Stelle, wo die Triathleten offenbar vom Rad aufs Laufen wechselten. Hier war eine Menge los und irgendwie kein Durchkommen mehr. Also zurück zur Bremerhavener Straße. Dann lotste mich Frau Google in die Lloydstr., wo ich nochmal voll in der Triathlon-Grütze landete. Was für eine Frechigkeit überhaupt: Da fahre ich extra beinhart 127 km nach Bremen, was für mich keine alltägliche Leistung ist, nur um hier auf zig Männer und Frauen zu stoßen, die mir zeigten, wer die wahren Sportheros sind!

Weserufer mit Blick auf Kulturkirche St. Stephani

Weserufer mit Blick auf Kulturkirche St. Stephani

Also noch ein U-Turn, die Stephanibrücke über die Weser und wieder an der Beck’s-Brauerrei vorbei, die allerdings dem Konzern Anheuser-Busch inBev gehört. Weiter ging es über die schönen Grünflächen am Ochtum, den ich wieder mehrfach querte.

Altes Brauhaus Beck & Co.

Bremen ist wirklich eine Reise wert… hier gibt’s viel Bier und Kaffee!

Nun, ich muss ja jetzt nicht die Hinfahrt nochmal umgekehrt erzählen. Was anders war: Am Tag zuvor hatte ich massiven Rückenwind. Nun war die Strecke mit Gegenwind zu bewältigen. Also war mir klar, dass ich von allem mehr benötigen würde: Mehr Zeit, mehr Pausen, mehr Wasser und mehr AC/DC (sehr schön zum Radfahren: „Ride On“ von der „Dirty Deeds“). Nach der „Extreme III“ und der „Pump“ von Aerosmith landete ich schnell bei den Elektrotechnikern, deren Platten mich dann den größten Teil der Rückfahrt begleiteten.

Am Tag zuvor war Akkukapazität bzw. das Ladeverhalten meines Schlaufons meine größte Sorge, diesmal war es Wasser. Ich würde es einfach hassen, wenn mir das Wasser ausginge, bevor ich die Möglichkeit hätte, neues zu kaufen oder meine Trinkflaschen an einem Hahn irgendwo aufzufüllen. Auf der Hinfahrt hatte fünfeinhalb Liter mitgenommen und davon etwas mehr als vier verbraucht. Nun, gegen den Wind hatte ich ziemlich schnell den Eindruck, dass die fünfeinhalb Liter jetzt nicht mehr reichen würden. Aber es gab ja genügend Tankstellen am Weg.

Ich machte meine erste größere Pause (mit Hinsetzen, nicht nur Flaschenwechsel) schon in Bassum (wenn ich mich richtig erinnere) nach ca. 50 km. Danach beschloss ich, so alle 25 km eine Pause zu machen. Unter dem Strich und rückblickend war der Gegenwind allerdings weniger schlimm als nach dem Hinweg erwartet. Auch wenn ich teilweise nur mit 18 km/h vorwärts kam, so war doch über große Abschnitte ein Tempo von 20-23 km/h ohne große Anstrengung drin.

Als ich einmal hielt, um meine Wasserflasche in Halter von einer der großen Wasserflaschen in meiner Packtasche nachzufüllen und einen Müsliriegel zu knabbern, überholte mich eine vierköpfige Radlergruppe, deren hilfsbereites, männliches Schlußlicht mich fragte, ob ich Hilfe brauchte. Das war ja nicht der Fall. Ich sattelte recht schnell wieder auf und überholte die Gruppe wieder. Nach knapp weiteren zehn Kilometern machte ich dann aber kurz vor Erreichen der halben Strecke kurz nach Kilometer 60 nochmal eine größere Pause, entgegen meines 25 km – Planes. Ich war eben auch immer darauf aus, mich irgendwo hinsetzen zu können, um dem Hintern mal was anderes als den Sattel anzubieten. In diesem Falle war es eine Bushaltestelle in Barnstorf, an der B51 gegenüber eines Hauses mit der Nummer 49 – genau hier hatte ich meine erste größere Rast auf der Hinfahrt gemacht.

Inzwischen hatte mich die vierköpfige Radlergruppe wieder überholt, also musste ich sie nochmal überholen, was mir den Spruch „beim nächsten Mal gibst Du aber einen aus!“ von dem einzigen Mann in der Gruppe einbrachte. Naja, so ein Trunk frischen Hotel-Leitungswassers aus meinen alten Seltersflaschen wäre sicher eine echte Bereicherung für diese Radler gewesen…

Weiter also wieder über Drebber nach Diepholz und Osterfeine. Mein übliches „kurz-nach-der-Hälfte-Tief“ blieb aus und ich kam gut voran. In Damme hielt ich an einer Tankstelle und kaufte noch 1,5 Liter Wasser und ein Eis. Danach bekam ich mein Tief auf der Campemoorstraße / Campemoor / Campemoorweg. Das ist eine scheinbar nicht endende, enge Straße durch Wiesen und Felder ohne befestigte Randstreifen mit Straßenschäden durch die Einsamkeit. Insbesondere die Steine auf der Straße und die Straßenschäden taten meinem Hintern, der schon so 100 km hinter sich hatte, gar nicht so gut. Nachdem ich alle meine Lieblings-AC/DC-Alben durch hatte, wechselte ich zu „Hell Freezes Over“ von den „Eagles“ und gab so Frau Google die Gelegenheit, Don Henley und Glenn Frey zu unterbrechen – wovon sie natürlich mehrfach und auch häufig unnötig Gebrauch machte.

Ach, zum Wetter noch mal etwas, abgesehen vom Wind. Es war genau umgekehrt wie am Vortag: Ich fuhr bei strahlendem Sonnenschein in Bremen los und hatte dann zwischen Engter und Osnabrück leichten Regen.

Nach der blöden Campemoorstraße ging es bei Kalkriese über den Mittelland-Kanal und dann in die Venner Straße. Hier roch ich langsam die Heimat, denn das gehörte schon zu meiner paarundvierzig-km-Trainingsrunde, die ich seit Jahren unregelmäßig mal fahre. Also weiter über Engter nach Wallenhorst, über Wege, die mir auch von meiner Trainingsrunde her vertraut waren. In Wallenhorst leitete mich Frau Google wieder anders als meinen gewohnten, längeren Weg. Ich wußte, dass der Weg kürzer war und folgte Frau Google, bis zum Fürstenauer Weg auf dem ich hier die Ortsgrenze nach Osnabrück überquerte. Es waren nur noch knapp 3 km bis nachhause, als Frau Google mich aufforderte, in die Schwarze Straße abzubiegen.

Es war einer der Momente, in der eine in Sekunden zu treffende Entscheidung die Zukunft in zwei Alternativen aufspaltet. Mir war klar – dies war die Straße, auf der ich am Tag zuvor mein Rad unter großer Anstrengung hochgeschoben habe. Mit einem Gefälle von bis zu ca. 17%, wie ich inzwischen gemessen habe – nach einem Gefahrenschild sucht man hier vergebens. Für einen Moment zögerte ich noch, aber dann siegte die Neugier, wie schnell ich wohl werden würde und rollte zunächst ungebremst runter.

Der Rest war eine Frage von Sekunden. Ich sah auf dem Tacho zwischendurch noch 58 km/h stehen, wusste, dass ich viel zu schnell war und noch weiter beschleunigte und bremste (wenn auch nicht voll, wenn ich mich richtig erinnere, instinktiv war mir wohl klar, dass sonst die Räder ausbrechen oder ich über den Lenker gehen würde). Viel Wirkung schien das nicht zu bringen. Dann kam der letzte Abschnitt kurz vor dem Süberweg, der nur noch ein harmloses Gefälle hat, aber damit auch eine Rinne für Regenwasser und direkt danach einige Schlaglöcher. Meiner Erinnerung nach brachte nicht die Rinne, sondern ein Schlagloch, in welches ich mit vermutlich immer noch mit über 50 km/h hineinknallte, den Sturz. Mitsamt meinem Rad schlidderte ich noch fünf oder sechs Meter über den Asphalt.

Der erste Moment ging einher mit einem Aufschrei aus einer Mischung aus Schmerzen, Schock und Ärger. Dann mit der Feststellung von Schäden – wenn auch nicht allzu rational. Mir wurde erst später klar, dass ich noch absolut klar denken konnte, keine Schmerzen beim Atmen hatte, offenbar auch keine Knochenbrüche und auch keine starken Blutungen. Die Schürfwunden an beiden Ellenbogen und dem linken Knie taten aber sehr weh und waren auch voller Sand und kleiner Steinchen. Den linken Ellenbogen hatte es am schlimmsten erwischt – da traute ich mich nicht so wirklich genau hinzusehen oder es anzufassen. Ich konnte meinen Arm noch bewegen, aber der Ellenbogen machte einen ziemlich matschigen Eindruck.

Noch in dieser Findungsphase sah ich auf dem Süberweg einen silbernen Mercedes erst langsamer werden und dann weiterfahren. In diesem Moment war mir das impulsmäßig irgendwie fast willkommen, dass er nicht hielt – so als wollte ich erstmal mit meinem Elend alleine sein. Ich stand auf, sah mein Schlaufon mit leuchtendem Display am Straßenrand liegen, und überlegte, mir einen Rettungsdienst zu rufen. Die Musikwiedergabe hatte gestoppt, es lief gerade der vorletzte Titel der „Hell Freezes Over“ – „Desperado“.

Kurz darauf hielt ein VW Touran, dessen Besatzung, zwei Männer, eine schwangere Frau und ein Kind, auf mich zukamen und mich ansprach. Man bot mir an, einen Rettungsdienst zu rufen oder mich in ein Krankenhaus zu fahren und checkte so ein bisschen mein Verhalten, ob ich wohl klar im Kopf wäre. Die Frau verband mich, zwar nicht sehr professionell, aber ich war trotzdem sehr dankbar dafür. Denn sowohl die Nähe der Ersthelfer als auch das Gefühl, dass mir geholfen wurde und ich meine Wunden nicht mehr sehen konnte, war in dem Moment psychologisch sehr wertvoll. So verarztet begutachtete ich mein Fahrrad. Bei beiden Bremshebeln hatten die Hydrauliköl-Reservoirs (oder wie auch immer die Dinger heißen, die wie kleine Tanks aussehen) mächtig was abbekommen, der linke Bremsschlauch war auch beschädigt. Dennoch funktionierten beide Bremsen noch gut. Der Lenker war ausgeschlagen und die brandneuen Griffe hatten beide Schleifschäden an den Barends. Die Schelle, die den Vorbau mit dem Lenker verbindet, hat vorne mächtig was abbekommen. Der rechte Ganghebel hat an der Ganganzeige einen kleinen, kosmetischen Schaden genommen. Das vordere Schutzblech war verbogen, die Kette abgesprungen und die Handy-Halterung hinüber. Aber nach dem Richten des Lenkers und dem Wiedereinfädeln der Kette war das Rad wieder fahrbereit – irgendwie seltsam, ich habe keinerlei „Acht“ im Vorderrad feststellen können. Der Vorbau und die Bremshebel haben das meiste abbekommen.

Ich entschied mich, erst nachhause zu fahren, meine Packtaschen dort zu lassen, und dann zur Notaufnahme des Marienkrankenhauses zu radeln. Also packte ich alles, was herumlag (mein Schlaufon, Tacho und die Reste der Handyhalterung) in meine Untersatteltasche, ließ mir von meinen Helfer noch eine Handynummer geben und fuhr nachhause.

Dort angekommen rief ich bei meinen Ersthelfern an und klärte sie über die ansonsten unfallfreie Ankunft zuhause auf. Zuhause ließ ich dann meine Packtaschen, nahm nur Portemonnaie, Schlüssel und Schlaufon in der Untersatteltasche mit und fuhr in Radlerhose und verschwitztem T-Shirt auf meinem beschädigten Rad zur Notaufnahme des Marienkrankenhauses. Dort kettete ich den Esel an und konnte dann den „Eingang für gehfähige Patienten nehmen“.

Ich musste kurz warten, bevor ich empfangen wurde. Ich hatte einige Fragen zum Unfall zu beantworten und mein Blutdruck wurde mit einer weitgehend automatischen Maschine gemessen. Danach wieder kurz warten, dann eine andere Dame, wieder ein paar Fragen, dann nochmal kurz warten in einer anderen Sitzgruppe. Schließlich ging es in ein Behandlungszimmer, wo zwei Leute gleichzeitig anfingen, meine Wunden zu desinfizieren, zu reinigen und neu zu verbinden. Das war alles nicht so schlimm.

Inzwischen kam auf dem Flur ein weiterer Notfall herein, ein Mann, der ebenfalls mit dem Fahrrad gestürzt und mit einem Rettungswagen gekommen war. Er war offenbar der deutschen Sprache nicht mächtig, hatte keine Papiere und war offenbar nicht sehr operativ. Es fielen rasch laute und deutliche Worte vom Notaufnahme-Personal, und ratz-fatz waren zwei Leute von der Polizei da. Vermutlich kommt soetwas öfter vor.

Für mich ging es dann erst einmal zum Röntgen beider Ellenbogen, um Fremdkörper in den Wunden zu orten und eventuelle, weitere Schäden festzustellen. Diesmal wurde ich allerdings mit einem Stuhl dorthin gefahren. Vor dem Röntgen musste ich nur kurz warten, dann ging es schnell. Ich sagte der sympathischen Diagnostikerin, die gerade ihre 12-Stunden-Schichte begonnen hatte, dass mir meine durchgeschwitzten Klamotten peinlich seien. Sie entgegnete, ich hätte wohl heute und gestern geduscht, andere Patienten seit Wochen nicht, und sie röche nur, dass ich geblutet habe.

Auch hier hat inzwischen das Zeitalter der Digitalfotografie Einzug gehalten. Anstelle eines Films kam eine akkubetriebene, Tablettgroße Bildaufnahme-Einheit unter den Ellenbogen, die die Röntgenschatten von Knochen und kleinen Steinchen als Bild festhielt und drahtlos an eine Bildauswertungseinheit im Nebenzimmer weiterleitete. Und von da aus direkt in das Behandlungszimmer, in das ich nun wieder zurückgebracht wurde.

Hier musste ich auf weitere Behandlung einen Moment warten. Denn inzwischen war eine weitere Patientin eingeliefert worden, die in eine Art Ganzköpfer-Schutzanzug mit Kapuze fixiert war. Ich bekam mit, dass die Frau taubstumm war, über eine Bordsteinkante gestolpert war dann mit dem Oberschenkel auf den Bordstein geknallt war. Zum Glück gab es sofort eine Frau, die Gebärdensprache beherrschte. Die Patientin schien starke Schmerzen zu haben, ich sah kurz ihr Gesicht und hörte sie aufschreien. Sie wurde bevorzugt behandelt und sehr schnell geröntgt. An dieser Stelle kamen bei mir Zweifel in Sachen Datenschutz auf. Immerhin gehören medizinische Details zu den sensibelsten Daten einer Person überhaupt. Ich bekam den Nachnamen der Patientin mit, dass sie taubstumm war, seit der Kindheit eine mittlerweile fast verschwundene Lähmung hatte und konnte auch einen Blick auf das Röntgenbild werfen. Andererseits… Irgendwie kann Datenschutz in einer Notaufnahme auch nicht erste Priorität sein, sondern das Behandeln der Patienten und im Extremfall das Retten von Leben. Das darf der Datenschutz meiner Meinung nach im Zweifel nicht behindern.

Danach kam der unangenehmste Teil: Meine Verbände wurden wieder entfernt. Knie und rechter Ellenbogen wurden erneut desinfiziert und ausgeschrubbt, was ich nicht so schlimm fand. Am rechten Ellenbogen musste geschnitten werden, um gezielt kleine Steinchen zu entfernen. Das war dann schon kurzzeitig ziemlich schmerzhaft, aber zum Glück nur zwei, drei Mal und nur kurz. Dann wurde das wieder zusammengenäht und verbunden. Natürlich wurde ich gefragt, ob der Schmerz erträglich sei, aber was sollte ich schon sagen außer „Was soll’s, muss halt gemacht werden.“ und „Wer keine Schmerzen will, darf halt nicht verunglücken!“ Der Spruch schien dem Arzt sehr zu gefallen, jedenfall fragte er, ob ich das in eine Metallplatte gravieren und vor der Notaufnahme aufhängen könne. Neben dem Spruch „Wenn es gebrochen ist, tut es RICHTIG weh!“ oder so ähnlich, den er sich zusätzlich wünschte.

Sexy Hose

Die sog. „Sexy Hose“, Rückseite. Das der Schniedel nicht rausguckte war mir klar (Loch ist ja hinten). Und alles andere war mir in dem Moment total egal. Übrigens, der Ar… also, das Gesäß hat nicht gelitten. Jedenfalls nicht beim Sturz, nur auf der Fahrt. Seltsam.

Dann war ich mit der Behandlung durch. Als mich der Arzt von hinten sah, sagte er grinsend in etwa „Sie haben da übrigens eine ziemlich sexy Hose an, da hinten fehlt aber ein ganzes Stück“. Ich winkte nur müde ab und entgegnete, dass mir das gerade sowas von egal sei. Schließlich stand ich in meiner kaputten Radlerhose und meinem durschgeschwitzten T-Shirt vor dem Krankenhaus an meinem beschädigten Rad im Osnabrücker Regen. Ich hatte keinen Grund, mich alleinegelassen zu fühlen, denn zwei Ingress-Kollegen (von denen einer auch mein Arbeitskollege ist) haben mir netterweise sofort angeboten, mich vom Krankenhaus nachhause zu fahren. Aber wieder siegte der Drang, mein Rad nicht dort stehen zu lassen und irgendwann abholen zu müssen – ich wollte es so schnell wie möglich zur Reparatur bringen. Also fuhr ich wieder nachhause, was meine Tageskilometer auf über 130 schob. Dort angekommen wechselte ich meine Klamotten und duschte, wobei ich dem Rat der Krankenschwester folgte und meinen linken Ellenbogen aus dem Spiel ließ. Ich bestellte mir beim Pizza-Mann um die Ecke trotz der späten Stunde (es war schon nach 22 Uhr) ein Chicken-Rollo und schrieb den Bericht von der Hinfahrt. Und trank unvernünftigerweise ein paar Biermischdinger, auf die ich mich schon die ganze Rückfahrt gefreut hatte, anstatt das Schmerzmittel zu nehmen, welches man mir mitgegeben hat.

Alkoholkonsum hin oder her – als ich in der Nacht nicht schlafen konnte, warf ich dann doch ne Ibuprofen ein. Und konnte dann schlafen.

To be continued…

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