Unterwegs mit der ukrainischen Eisenbahn

Wieder einmal eine Anmerkung vorneweg: Das letzte Mal, dass ich ernsthaft über eine komplette Nacht mit einem Zug unterwegs war, war im Jahre 1986, eine Klassenreise zum Skifahren. Wir haben da einfach Sitze in den Abteilen so zusammengeschoben, dass man da pennen konnte, aber wen interessiert sowas schon, wenn man 14 ist, so wirklich… Seither habe ich soetwas nicht mehr gemacht, eine Reise in einem Liege- oder Schlafwagen.

Die Mitreisenden und ich bestiegen also Waggon Nr. 13. Auf den ersten Blick erschien mir alles sehr eng, was aber auch an der sehr dezenten Beleuchtung liegen könnte. Ich fand mein Abteil und meine Koje. Eine Sache hatte ich vorher nicht gelesen: Wer länger als ich ist (ca. 1,78 cm Lüa) sollte diese Züge meiden! Ich passte gerade so eben da rein. Vor allem hatte ich Schiss, da des Nachts runterzuplumpsen, sei es durch eine Zugbremsung oder meine nächtlichen Rotationsbewegungen im Bett. Ich hielt mich nicht lange mit irgendwelchen zu-Bett-geh-Formalitäten wie Zähneputzen, Umziehen oder sonstetwas auf, sondern ging sofort in meine Koje und blieb da die nächsten acht Stunden. Ich wollte auf keinen Fall meine Mitreisenden nachts stören. Der Schaffner oder wie immer man den Mann bezeichnet, kassierte mein Ticket ein, dafür bekam ich irgendwelche in Plasikfolie eingeschweißten Textilien, Bettzeug, Handtuch, was weiß ich – ich benutzte es nicht.

Sind wir schon da?

Sind wir schon da?

Insgesamt hatte ich so das Problem, dass ich auf keinen Fall nachts für kleine Säbelzahntiger wollte. An meiner Koje war keine Leiter, und so musste ich die anderen Kojen verwenden, um rauf und runter zu kommen. Schwierig, wenn da überall Leute drinliegen, und vor allem dann noch mit meinem kaputten Gelenk im Dunkeln.

Screenshot_2013-10-04-10-46-56

Die anderen Mitreisden gingen die Sache viel professioneller an. In der anderen, oberen Koje schlief ein etwa 50-Jähriger, der Bettzeug dabei hatte. Unter mir schlief ein Mittzwanziger, der ein Verlängerungskabel mitgebracht hatte. Steckdosen gab es nämlich nur auf dem Gang, und er legte sich so einfach Saft für seinen Laptop ins Abteil. Die Vierte im Bunde war eine vielleicht 30-jährige Rothaarige, naja, schwer zu schätzen.

Ich hatte von vorneherein damit gerechnet, dass es unkomfortabel wird und ich kein Auge zukriege. So eingeklemmt, wie ich da war, schliefen gerne einzelne Körperteile unkoordiniert mal ein, aber nicht der Ich so insgesamt. Jedenfalls bis drei oder vier Uhr, danach habe ich dann doch noch drei, vier Stunden geschlafen. Ich ließ mein Schlaufon, versorgt von einem externen Akku, die ganze Zugfahrt per GPS mittracken. Die meiste Zeit ging es recht gemächlich voran, oftmals nur mit 40-60 km/h, nur sehr selten 100 oder mehr. Am Ende war der Topspeed 119 km/h. Jedenfalls konnte ich so jederzeit sehen, wo wir waren.

Ich hatte aber keine Lust, zu lesen oder schonmal den Blog weiterzuschreiben, ich wollte einfach nur so gut es ging, chillen. Und schließlich bin ich ja offenbar dann doch noch eingeschlafen. Jedenfalls war es draußen irgendwann hell und die Uhr zeigte nach acht an. Die Mitreisenden, die übrigend kaum ein Wort miteinander oder mit mir wechselten, wurden auch langsam munter. Apropos Wort wechseln, versucht hatte ich es immerhin. Ich quatschte den jungen Mann unter mir wegen irgendeiner Banalität auf Englisch an, er meinte, sein Englisch wäre nicht sehr gut, worauf ich antwortete, immerhin besser als mein Ukrainisch. Woraufhin er antwortete, er spräche auch nicht Ukrainisch, sondern Russisch. Autsch! Vielleicht auf dem falschen Fuß erwischt? Jedenfalls war das so ziemlich die einzige Konversation, die stattfand. Hm. Vielleicht wahrt man, gerade weil man schon so eng zusammenreist, dadurch etwas Distanz.

Wie auch immer, die Nacht war vorbei, und ich konnte dann auch mal für kleine Ukraine-Reisende. Die Toilette war… naja, könnte schlimmer sein. Allerdings funktionierten die Wasserhähne nicht. Dafür gab es einen Behälter mit Heisswasser, welches man für Tee verwenden konnte. Ich hatte darüber gelesen und mir extra einen Alubecher samt Teebeuteln mitgebracht. Allerdings verzichtete ich dann doch auch die Tee-Zeremonie, weil ich meinen Alu-Becher am Tag vorher als Aschenbecher für meine Zigarre missbraucht hatte. Yuck! Der Mitzwanziger unter mir hingegen nahm wohl einen Tee, wie ich an Umrührgeräuschen von oben wahrzunehmen glaubte.

Für die letzen Stunden der Bahnfahrt griff ich dann doch noch zu meinem Buch. Planmäßige Ankunftszeit war 11.52 Uhr in Simferopol. Dank des spannenden Buches ging die Zeit auch recht ordentlich rum. SChließlich sah ich auf dem Schlaufon, dass es nicht mehr weit war. Der Schaffner oder was auch immer nahm das unberührte Textilienset zurück und gab mit mein Ticket wieder – bisschen seltsam, wenn ich es rückblickend betrachte, ich verstand natürlich kein Wort von dem, was er sagte. Außer halt „Billet“ oder so. Jedenfalls machte der uns auch darauf aufmerksam, dass das Ende der Fahrt nahte.

Meine Koje

Meine Koje im Zug nach Simferopol

Nun, alle packten ihren Kram zusammen, die Rothaarige schminkte sich, dann waren wir in Simferopol. Alle raus aus dem Zug. Regen. Herzlich willkommen auf der Krim. Der Bahnsteig war überfüllt und schien mir genauso endlos wie der Zug. Ich hatte natürlich erstmal keine Ahnung,wo jetzt eigentlich das Bahnhofsgebäude war und ging natürlich erst mal in die falsche Richtung. Also wieder zurück, zwischendurch versuchte mich ein Taxifahrer abzufischen, aber ich fand dann die Kassen für die Tickets.

Bahnsteig Simferopol

Bahnsteig Simferopol – endlos lang. Sowohl der Bahnsteig, als auch die Züge.

Und damit begann der irre nervige Teil. Denn dort waren die berüchtigten Schlangen zu finden, von denen ich schon gelesen hatte. Die Deutsche Bahn verfügt nämlich über eine technische Einrichtung, die ich bisher immer geringgeschätzt, weil für selbstverständlich gehalten habe: Fahrkartenautomaten. Es gab, ich glaube, neuen Schalter. An jedem waren andere Aufschriften, und meine Vermutung war, dass es für unterschiedliche Ziele eigene Schalter gab. Aber ich fand nirgends die kyrillische Entsprechung für Sewastopol. Ich hatte etwa eine Stunde Zeit, bis der Zug fahren sollte – was übrigens auch auf einem Display zu lesen war. Also suchte ich mir einen Schalter, dessen Schlange mir nicht ganz so lang erschien. Wenn das der falsche wäre, könnte mir die Mitarbeiterin vielleicht wenigstens die Zahl mit dem richtigen aufmalen, und mit etwas Glück würde ich es noch schaffen.

Doch weit gefehlt, stattdessen kostete mich die Sache jede Menge Selbstbeherrschung. Denn – und scheiße, da bin ich, auch wenn das vielleicht verrufen ist, an dieser Stelle einmal stolz auf die deutschen Tugenden – hier wurde mitnichten ordentlich angestanden. Ich will ja nicht sagen, dass es bei uns nie Vordrängelei gäbe, aber das hier ging gar nicht. Zwischendurch wurde es laut zwischen den Anstehenden und auch der überforderten Schalter-Dame. Es gab an einem Schalter nicht eine Schlange, sondern drei, weil immer wieder irgendwelche Leute von der Seite angeschissen kamen. Und die kamen mit dieser Masche auch durch, weil sie weder von der Schalter-Dame, noch von den Anstehenden zurechtgewiesen wurden. Vielleicht habe ich das ja auch inhaltlich mangels der Sprachkenntnisse nicht kapiert, was da vorging, aber mir erschien das einfach wie ein unorganisierter Haufen Leute ohne Manieren. Und so biss ich die Zähne aufeinander – ich konnte ja mangels der Spachkenntnisse niemanden anmeckern. Das Nachsehen hatten diejenigen, die versuchten, sozusagen ordentlich in der mittleren Schlange anzustehen.

Irgendwann kam ich doch dran und versuchte, der Frau am Schalter deutlich zu machen, dass ich nach Sewastopol wollte, ich hatte das ja in kyrillischen Buchstaben aufgeschrieben. Aber es passierte ungefähr das Gleiche, wie schon in Odessa bei der ersten Dame: Die gute Frau signalisierte „Geht nicht“, obwohl der Zug ja schon angekündigt war. Aber wie will man argumentieren, wenn man die Sprache nicht spricht? Und für eine weitere Schlange fehlte mir unter den Bedingungen bereits die Zeit.

Zu dem Zeitpunkt war ich echt genervt. Ich habe ja zu Anfang geschrieben, dass ich mit genau solchen Dingen rechnete und hoffte, daran zu wachsen. Aber meine Leidens- oder Frustrationstoleranz wurde schon arg gefordert. Das Wetter war bescheiden, ich war nicht ausgeschlafen, und ich musste meinen Plan ändern. Die Dame am Schalter hatte vage in eine Richtung gedeutet und „Elektrischka“ gesagt. Ich hatte zuvor Widersprüchliches über ein Trolleybus-System auf der Krim gelesen, welches u.a. Yalta, Simferopol, und Sewastopol verbindet, und war nicht sicher, ob das noch der aktuelle Stand war, oder nicht. Aber als ich noch unschlüssig auf der Suche nach diesen Bussen war, wurde ich von einem Taxifahrer weggefischt.

Natürlich ging nix auf Englisch. Er verstand aber soviel, dass ich nach Sewastopol und den Preis wissen wollte. Mithilfe seines Mobiltelefons zeigte er mir eine 400 auf dem Display. Angesichts der nicht unerheblichen Entfernung und den Preisen, die ich vom Flughafen Odessa in die Stadt kannte, schien mir das eigentlich eher günstig. Und ich hatte keinen Bock mehr. Also willigte ich ein. Ich zeigte dem Mann meinen Ausdruck von Expedia, auf dem auch die Adresse des Hotels stand. Der Mann wusste offenbar nicht, wo das ist, er konsultierte einen Kollegen, anschließend willigte er ein, mich zu fahren.

Zuerst mussten wir durch den Regen zu seinem Wagen. Das war ein Auto, dessen Markenzeichen ich nicht mal kannte. Aber abgesehen von einem Sprung in der Windschutzscheibe ganz okay. Allerdings ohne Airbags, wie mir auffiel. Heutzutage bei uns ja schon selten. Es ging los über katastrophale Straßen. „Simferopol“, sagte mein jovialer Fahrer einfach. Dann ging es auf eine Autobahn, oder wie auch immer das hier klassifiziert wird. Auf diesem Staßenabschnitt nickte ich zwischendurch immer mal wieder ein.

Als wir uns Sewastopol näherten, wurde immer klarer, dass mein Fahrer keine blasse Ahnung hatte, wo das Ziel, Hotel Ukraine, zu finden wäre. Wenn ich mich verzählt habe, telefonierte er sieben oder acht Mal, und da immer der Straßenname vorkam, versuchte er offenbar, sich von irgendwem lotsen zu lassen. Ich hatte auch mein GPS-Tracking mit Openbikemap laufen, auch das ließ er sich zeigen. Aber das taugt als Navi, wenn man im Auto unterwegs ist, nicht viel. Ich zeigte ihm noch das Screenshot, welches ich auf meinem iPad gemacht hatte, um den Weg zu Fuß vom Bahnhof zum Hotel zu finden – dachte ich jedenfalls. Als ich das iPad aus dem Rucksack holte, bekam er offenbar einen Schreck – was dachte der denn, dass ich eine Wumme zücke und ihn seines Fahrzeuges beraube?

Allerdings – muss ich zu meiner Schande gestehen, hatte ich ihm das falsche Screenshot gezeigt, das war noch in Odessa. Habe ich aber erst später kapiert. Und außerdem sehe ich das so, dass ein Taxifahrer, wenn er eine Fahrt akzeptiert,zu wissen hat,wo es lang geht. Ich war halt müde. Und genervt, denn wir kamen einfach nicht ans Zeil. Der gute Mann gab sich echt Mühe und fragte dann noch zweimal nach dem Weg, unter anderem einen Kollegen aus Sewastopol.

Wie ich schon einmal geschrieben habe – ich bin vielleicht einfach zu deutsch. So wie ich das sehe, hat das zwei Seiten. Wir haben vielleicht so ein wenig den Ruf, dass es uns schwerfällt, drei gerade sein zu lassen. Aber auch, dass wir toporganisiert sind und in der Lage, Dinge effizient hinzubekommen. Und auch, wenn wir da so Probleme mit einem Bahnhof in Stuttgard und einem Flughafen in der Hauptstadt haben – unter dem Strich stimmt das auch. Vielleicht darf man darauf sogar mal ein bisschen stolz sein. Trotz unserer Vergangenheit. Und unserer ständigen Minderwertigkeitskomplexe und unter dem Strich pessimistischen Sichtweise. Hier habe ich immer wieder das Gefühl, dass die Leute, wenn ich sage, ich komme aus Deutschland so in etwa reagieren „Oh. Deutschland. Das sind die, die eine ganze Menge auf die Reihe kriegen. Wo Mercedes und BMW herkommen. Respekt!“ Vielleicht interpretiere ich das falsch, aber ich hab so ein wenig diesen Eindruck. Kann ja sein. Ich bin nicht stolz auf Mercedes und BMW – dazu habe ich persönlich nix beigetragen. Ich bin auch nicht stolz, Deutscher zu sein, dazu habe ich ebensowenig beigetragen, das hat sich halt so ergeben. Aber auf gewisse deutsche Tugenden, die auch mir anerzogen wurden und die auch ich mir zu eigen gemacht habe – und sei es nur, sich in einer Schlange nicht vorzudrängeln … darauf bin ich vielleicht doch ein bisschen stolz. Warum eigentlich nicht? Philosophieteil Ende. Wer das kontrovers diskutieren möchte – dafür gibt es eine Kommentarfunktion.

Wie auch immer, irgendwann hielt der Taxifahrer und nach einigem Hin- und Her war mir klar, dass wir wahrscheinlich in der Nähe des Ziels waren. Ich wollte dem Mann gerne 50 UAH Trinkgeld geben, hatte es aber nicht in entsprechenden Scheinen am Start. 100 UAH, was gegangen wäre, fand ich aber andererseits zu viel. Und mir rausgeben zu lassen, hätte wieder schwierige Konversation erfordert. So war ich hin- und hergerissen, einerseits zwischen meinem Genervtsein, andererseits der Anerkennung, dass sich der Mann auch echt Mühe gegeben hat. Ich hatte nur so 7 UAH, die ich drauflegen konnte. Mehr gab es dann halt mal nicht. Trotzdem ließ mich der Fahrer nicht einfach aussteigen, sondern ging mit mir die paar Schritte – und mehr war es dann auch nicht – zum Hotel mit. Und gab mir zum Abschied die Hand. Ich wünschte, ich hätte ihm mehr gegeben.

Tja, und damit war ich am Ziel. Einchecken war Routine, Zimmer 511, rein in den Aufzug, und rein ins Zimmer. Alles weitere ist ein neues Kapitel…

Fortsetzung folgt…

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Happy Farming in Odessa – und bu’vai.

Wie schon erwähnt, war die Situation ja die, dass ich jede Menge Zeit totzuschlagen hatte. Gleichzeitig war ich aber durch meinen Koffer im Aktionsradius begrenzt. Was tut man nun als Ingress-Spieler? Farmen, natürlich! (Das bedeutet, sich in die Nähe der schon oft zitierten „Portale“, das sind meist Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Potemkin-Treppe, zu begeben, diese zu „hacken“ und dadurch virtuelle Gegenstände zu erwerben,die man im Spiel benötigt.)

Zuerst wollte ich mal meine restlichen Postkarten loswerden. Der Briefkasten befand sich nicht ganz dort, wo die Openbikemap auf dem Schlaufon angab, aber in der Nähe. Stattdessen fand ich eine lustige „Android & Apple“-Installation, die auch ein Ingress-Portal ist, dort, wo lt. Map der Briefkasten sein sollte.

Android und Apple einträchtig beieinander

Android und Apple einträchtig beieinander – und meine quietschorangene Hartschale. Ist auch ein Ingress-Portal – also, Android und Apple, ohne meinen Koffer.

Der Gang durch den Park lohnte sich nicht so wirklich. Es gab noch zwei Level-7-Portale. Ansonsten versuchte ich, Material sinnvoll loszuwerden, weil ich schon am Item-Limit (liegt bei 2.000 Gegenständen, mehr kann man nicht „lagern“) war. Das bedeutet, ich wollte mein Material so optimieren, dass ich weniger interessante Gegenständen noch sinnvoll irgendwo loswerden wollte, um wieder mehr Platz für coole Sachen (Burster! Das sind die Waffen, mit denen gegnerische Portale angegriffen werden) zu haben.

Danach wollte ich nochmal zum Passagier-Terminal. Inzwischen waren durch meinen längeren Aufenthalt im „Granat“ soviel Zeit vergangen, dass die Burnout-Zeit verstrichen war und ich wieder von vorne anfangen konnte. Vorher wollte ich mir allerdings noch die Portal links von der Potemkin-Treppe ansehen, in die Richtung war ich zuvor noch gar nicht gegangen.

Gebäude mit Säulen, Nähe Potemkin-Treppe

Gebäude mit Säulen, Nähe Potemkin-Treppe

Ich konnte ein paar Portale übernehmen und stieß dann auf ein Gebäude mit vielen Säulen. Es genügte mir nicht, das mit dem Schlaufon zu knipsen, also fahndete ich in meinem vollen Rucksack nach meiner Kamera – und fand sie nicht. Ach mann, wie furchtbar! Eigentlich gar nicht so sehr der Verlust der Kamera selbst. Die ist 5 Jahre alt, nur eine simple Knipskamera. Auch nicht wirklich der Verlust der Bilder – die hatte ich vorher immerhin schon auf mein iPad kopiert. Was mich aber am meisten ärgerte ist, dass ich offenbar nicht auf der Lage bin, auf meine Sachen aufzupassen. Ständig vergesse oder verliere ich Jacken, Handschuhe, Handys, Kameras… Das kostet Kohle, nagt an meinem Selbstvertrauen und geht mir einfach auf den Keks! Trotzdem, ich hatte gerade keine Lust, mich darüber übermäßig zu ärgern. Ich wollte noch nicht einmal sofort zurück zum „Granat“ um nachzufragen. Denn ich hatte geplant, dort ca. 20.00 Uhr zum Abendessen wieder hinzugehen und bis ca. 22.00 Uhr dort zu bleiben, um dann zum Bahnhof zu gehen.

Statue mit Columbus 2

Statue mit Columbus 2 – ich hab da mal was verbessert, wirkt doch gleich viel autentischer…

Also doch erstmal wieder zum Terminal, um zu hacken. Da ich mir nicht so sicher war, ob ich wirklich die Bilder der „Columbus 2“ schon auf dem iPad gespeichert hatte, fotografierte ich alles nochmal im Nachmodus meines Schlaufons. Die Farben sind nicht ganz so schön, aber für ein Telefon macht das Teil gar keine so schlechte Bilder, wenn man weiß, wie. Also fuhr ich mit der Zahnradbahn wieder herunter. Ich bin mir übrigens gar nicht so sicher, ob das technisch gesehen, überhaupt eine Zahnradbahn ist. Die Kabinen werden mit Schleppseilen gezogen. Dabei nutzen die Kabinen sich nicht gegenseitig zum Gewichtsausgleich, sondern haben jeweils ein eigenes Gegengewicht. Dadurch können die unabhängig voneinander operieren.

Columbus 2 bei Nacht

Columbus 2 bei Nacht

Unten angekommen, machte ich weitere Bilder von der „Columbus 2“, ging wieder zu meiner windgeschützten Ecke, zündete mir eine weitere Zigarre an (zwei am Tag, mache ich sonst nie), öffnete ein Bier (mehr als zwei am Tag – kommt vor, vor allem im Urlaub) und fing an, die fünf 7er am Ende des Pier auszubrennen. Es kam wieder eine Menge interessantes Material dabei rüber. Zwischendurch konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, mit den Kollegen zuhause zu chatten. Die haben gerade einen Material-Engpass, besonders die Kollegen aus Osnabrück-Wüste. Denen hätte ich ja gerne ein Care-Paket mit Zeug aus der Ukraine geschickt. Nun, wenn ich das nicht zwischenzeitlich in Sewastopol selber auf den Kopf haue, kann ich davon ja etwas abgeben, wenn ich wieder in Osnabrück bin.

Statue mit Columbus 2 bei Nacht

Statue mit Columbus 2 bei Nacht

Gut, wieder waren die Portale erneut „ausgebrannt“, außerdem war ich wieder am Item-Limit. Ferner war es Zeit für das Abendessen. Ich ging wieder zum „Granat“, wo mir eine hübsche Angestellt am Eingang steckte, kein Tisch sei mehr frei. Hatte ich ja schon einmal – der Laden ist eben polulär. Abends ist es echt schwierig, einen Tisch zu bekommen. Ich wollte schon gehen, brachte aber doch noch meine Kamera zur Sprache. Das konnte die Mitarbeiterin sprachlich nicht regeln, aber ein Kollege schaffte Abhilfe. Inzwischen hatte mich auch der Kellner entdeckt, der mich nachmittags bedient hatte – die Kamera war da. Glück gehabt.

Flusskreuzfahrtschiff bei Nacht

Flusskreuzfahrtschiff bei Nacht

Also musste als Ausweichlösung wieder das „Pizza & Grill“ herhalten. Erst sah es da auch schlecht aus, aber ich bekam doch noch einen kleinen Tisch. Es war noch einiges an Zeit zu überbrücken, die ich für eine grilled chicken Pizza, ein großes Bier und anschließend einem Stück Country Cake mit Capuccino als Dessert investierte. Uff. Ganz schön üppig, der Tag, so gastronomisch gesehen. Aber erstens: Was soll man schon außer Farmen mit der Zeit anfangen, zweitens ist der Lebensmittelkonsum halt tauglich als Legitimation, trocken und warm irgendwo sitzen zu können und drittens würde es vermutlich bis zum Nachmittag des kommenden Tages allenfalls Wasser und Müsliriegel geben. Auch am Nebentisch wusste man, es sich gutgehen zu lassen, da war schon wieder eine Sisha am Start.

Würfelrauchen

Hier werden lustige Glühwürfel geraucht. Keine THC-haltigen Substanzen, sondern wahrscheinlich Kirsch-Vanillie-Banane-Aroma oder sowas.

Nach dem Abendessen, es war so ca. 21.30 Uhr, zog ich dann los in Richtung Bahnhof. Der Plan war, so anderthalb Stunden vor Abfahrt da zu sein, falls ich für das Ticket anstehen müsste oder noch Zeit zur Orientierung benötigen würde. Unterwegs knipste ich noch ein paar Sachen ein zweites Mal mit dem Schlaufon, ich wollte probieren, welche Bilder besser wären, die von der Kamera oder dem Telefon. Ein wenig mehr Zeit als geplant hatte ich ja noch.

Opernhaus Odessa von vorne bei Dunkelheit

Opernhaus Odessa von vorne bei Dunkelheit

Danach machte ich mich zügig auf Richtung Bahnhof. Aufgrund des Item-Limits lauerte ich nicht mehr auf benutzbare WLANs und Ingress-Portale auf dem Weg wie zuvor, sondern benutzte das Schlaufon nur zur Orientierung und um AC/DC abzuspielen.

Angekommen am Bahnhof suchte ich den erstbesten (oder erstschlechten, wie sich zeigte) Schalter auf. Ich hatte mir in kyrillischen Buchstaben inkl. Abfahrtzeiten und Zugnummern die Verbindung aufgeschrieben. Als ich die der gestandenen Dame am Schalter zeigte, griff diese nach einem Telefon, welches vermutlich noch seinerzeit von Joseph Stalin durch ein moderneres Modell ersetzt worden war. Anschließend gab sie mir durch Gesten zu verstehen: Was ich wollte, ginge gar nicht. Sie sprach kein Wort Englisch, davor hatte mein Reiseführer schon gewarnt. Ach, Mist, was jetzt? Ich hatte mir schon vage überlegt, Plan B wäre womöglich, irgendwo eine Unterkunft für die Nacht zu suchen und es morgen nochmal zu probieren. Aber ich wüsste auch gerne, warum das denn jetzt nicht gehen sollte. War meine Info aus dem Internet falsch? Hätte ich früher reservieren müssen? Mir spuckte schon die Idee durch den Kopf, mir irgendjemanden zum Übersetzen zu suchen.

Hauptbahnhof Odessa Gl. bei Nacht

Hauptbahnhof Odessa Gl. bei Nacht

Ziemlich frustriert und unsicher musste ich das erstmal verdauen. Dann entschied ich, mit wenig Hoffnung, es einfach an einem anderen Schalter nochmal zu versuchen. Die Dame dort war wesentlich freundlicher als die andere und gab sich Mühe, zumindest ein paar Brocken Englisch hervorzukramen. Soweit ich sie verstand, ginge nur 2. Klasse, oberes Bett, und nur bis Simferopol, dort würde ich ein neues Ticket benötigen. Na, war doch prima! Mehr wollte ich doch gar nicht! Ich löhnte 309 UAH und bekam zwei Tickets ausgedruckt, auf dem die Dame mir Wagen- und Platznummer zeigte. Allerdings habe ich das mit der Wagennummer zuerst nicht geschnallt, ich dachte erst, es wäre das Gleis.

Gleis 3 - 23:50 Uhr, Zug nach Simferopol

Gleis 3 – 23:50 Uhr, Zug nach Simferopol

Damit begann das nächste Problem: Es gab nur 9 Gleise, da stand aber 13. Ich suchte mehr Gleisen irgendwo, bis ich auf der Anzeige die kyrillische Form von Simferopol sah, die ich mittlerweile einigermaßen kannte. Auch Zugnummer und Abfahrtszeit stimmten. Gleis 3, alles klar. Ich brauchte nicht lange zu warten bis der Zug ca. 23.15 Uhr rückwärts in den Kopfbahnhof einlief. Eine Menge Leute begannen, sich auf die Suche nach ihren Wagen zu machen. Ich fragte eine Dame von der Besatzung, die machte mir dann auch deutlich, dass das, was ich für das Gleis gehalten hatte, die Wagennummer war: 13K. Ich fand den Wagen. Die Türen waren noch geschlossen, und die Leute warteten auf Einlass – so auch ich. Ich fragte mich, mit welchen drei anderen Passagieren ich wohl das Schlafabteil teilen würde. Irgendwann öffnete ein Bahnangestellter die Tür, und das Vorzeigen des Tickets in Verbindung mit dem Reisepass legitimierte das Einsteigen. Die Reise konnte beginnen.

Aber davon erzähle ich später. Ich suche mir jetzt erstmal was zum Abendessen.
Fortsetzung folgt…

Veröffentlicht unter Odessa | 3 Kommentare

Klo mit Wartezimmer

Moin. Kurze Anmerkung: Ich schreibe mit dem Smartphone, deswegen bitte nicht über die Fehler und die fehlenden Bilder wunden… Es gibt noch viel Zeit totzuschlagen, bis in gut acht Stunden mein Zug fährt.

Apropos Zug: Ich lasse mich im Urlaub ja gerne mit passender Musik wecken, z.B. vor dem Flug nach New York mit den Beastie Boys und „No Sleep Till Brooklyn. Ich habe aber nix für Sewastopol. Deswegen ließ ich mich mit Glenn Miller’s Chattanooga Choo Choo wecken:

„You’ll leave the Pennsylvania Station ‚bout a quarter to four,
read a magazine, then you’re in Boltimore.
Dinner in the Diner,
nothing could be finer.
Then you’ll have your ham and eggs in Carolina.
When you hear the whistle blow and aim to the bar,
then you know that Tennessee is not very far.
Shovel all the coal in,
gotto keep it rollin‘
Whoo, whoo, Chattanooga, there you are.“

Also geht es hier auch um eine Nachtfahrt. Passt ja. Aber es war dann doch sehr anders… Gegen 11 Uhr habe ich aus dem Hotel ausgecheckt. Da fielen noch 30 UAH „City-Tax“ an. Egal. Was nun?

Zwischenbemerkung
Ich konnte diesen Eintrag nicht mobil hochladen. Inzwischen ist es ein Tag später, ich bin vor vielleicht einer halben Stunde in Sewastopol gelandet. Nicht alles so wie geplant, nicht alles so, wie ich es gerne hätte (z.B. habe ich auf dem Zimmer kein WLAN, aber da habe ich wohl beim Buchen selber geschlampt – das wird das Bloggen erschweren), aber immerhin, ich bin heil angekommen. Doch dazu später…

Die Columbus 2 am Kai

Die Columbus 2 am Kai

Zuerst ging ich zum Terminal. Dort lag ein neues Kreuzfahrtschiff, die „Columbus 2“ der Hapag-Lloyd. Vielleicht ist das ein Schwesterschiff der „Europa 2“, die Größe schien mir ähnlich, aber auch Unterschiede fielen mir auf. Ähm, daran sieht man schon, dass ich hingegangen bin. Inzwischen habe ich auch auf Wikipedia herausgefunden, dass die „Europa 2“ ein ganzes Stück länger und größer ist.

Zahnradbahn neben der Potemkin-Treppe.

Zahnradbahn neben der Potemkin-Treppe. Gerade kommt eine der beiden aus Paris stammenden Kabinen angejuckelt.

Aber mit meiner quietschorangenen Hartschale die Potemkin-Treppe runter… und wieder hoch? Wäre ein Akt gewesen. Neben der Treppe verkehrt eine alte Zahnranbahn oder sowas Ähnliches, diesmal nahm ich die. Kostenpunkt: 2 Ocken. Wucher, eine Fahrt mit Bus oder Tram kostet nur 1,5 UAH. Unterwegs schnackte ich kurz mit einem älteren Ehepaar aus Nottingham, das kurz vor Ende einer Flusskreuzfahrt war.

Abwärts mit der Zahnradbahn

Abwärts mit der Zahnradbahn

Am Terminal machte ich die üblichen Fotos vom Schiff. Dann stand ich vor einem Dilemma: Jede Menge Zeit totzuschlagen, und dann auch noch eine Menge 7er-Portale zum Greifen nahe, aber: kalter Wind überall, und nachdem ich heute noch nicht krank bin (beim Aufwachen waren 50 Prozent der Nasenlöcher zu, aber sonst ging es) wollte ich mein Schicksal nicht herausfordern. Was also tun?

Windgeschützte Nische zum Hacken und rauchen

Windgeschützte Nische zum Hacken und rauchen

Ich setzte mein Kapuze auf und fand hinter der Hafenkirche Windschutz. Hier hatte ich 5 Portale in Reichweite WLAN und Windschutz. Ich verzehrte einen Apfel und einen Müsliriegel, zündete eine Zigarre an und machte ne Flasche Bier auf. Interessantes Frühstück, aber so ging’s ganz gut.

Ratebild

Ratebild – welcher Gegenstand passt nicht zu den anderen?

Nachdem Zigarre und Portale ausgebrannt waren, fuhr ich mit der Zahnradbahn wieder hoch, ging noch kurz zu nem Geldautomaten, und dann uns Café Granat. Ich bestellte ein Borschtsch und ein Stella Bier und suchte die Toilette auf. Drinnen ist alles sehr gediegen: Prunkvolle Plüschsofas, alles macht einen altertümlichen, aber edlen Eindruck. Der Laden ist offenbei bei Jugendlichen bis zu Leuten meines Alters beliebt.

Diwan im "Wartezimmer" der Granat-Tualet

Diwan im „Wartezimmer“ der Granat-Tualet

Es gibt aber für Herren exakt eine Toilette, die ist ein richtiges WC ohne Pissoir, dafür aber mit einer Kerze am Waschbecken. Und mit einer Art „Wartezimmer“: Ein plüschiges Diwan steht vor einer Wand mit Flachbildfernseher, auf einem Tischchen liegen Magazine und eine Schale mit Bonbons steht bereit. Das hat einfach Stil.

Waschbecken der Granat-Tualet

Waschbecken der Granat-Tualet

Ich schrieb derweil noch drei Postkarten und beobachtete die jungen Leute beim Wasserpfeiferauchen.

Mittlerweile bin ich bei Capuccino Nr. 2 und hab noch ein Apple Tard with vanilla ice cream intus. Lecker! Aber man muss schon extrem süss vertragen und darf keine Abneigung gegen Zimt haben.

Nach dem Cappucino werde ich vielleicht mal wieder die Biege machen. Vielleicht gehe ich in den City Garden zum Farmen, auf jeden Fall werde ich mir einen Briefkasten suchen, auf Openbikemap habe ich schon einen ganz in der Nähe geordert. Vielleicht komme ich zum Abendessen nochmal her, vielleicht gehe ich auch woanders hin.

Fortsetzung folgt…

Veröffentlicht unter Odessa | 1 Kommentar

In Odessa nix Neues…

In Odessa nix Neues… nun, eine Sache schon, ich habe ausnahmsweise mal die Glotze nicht an. Ich möchte mich besser auf das Schreiben konzentrieren, um schneller fertig zu sein.

Museum für Archäologie

Museum für Archäologie – direkt beim Rathaus. Vor dem Frühstück machte ich hier noch eine kleine Runde, bei der mir auch die Hapag-Lloyd-Reisegruppe samt Guide begegnete. Da kam ich mir bisschen cool vor, so ganz ohne Guide und zumindest vermeintlich völlig unabhängig.

Heute war ich mal rund eine Stunde früher dran als bisher. Ich surfte ein bisschen mit dem iPad auf der Satellitenansicht von Google Maps herum und entdeckte nicht so weit westlich von hier einen Küstenabschnitt, der auf dem Satellitenbild ganz interessant aussah. Interessant in dem Sinne, vielleicht mal das Schwarze Meer ohne Kräne im Vordergrund sehen zu können. Da führt ein teilweise offenbar nicht für Autos befahrbarer Weg hin, unmittelbar an einem großen Sportstadium vorbei. Irgendwo in der Nähe gab es auch eine Art Vergnügungspark mit einem Riesenrad. Auch das reizte mich, weil ich noch gar keine Fotos von oben machen konnte. Aber… ich machte es am Ende doch nicht.

Café Granit von außen

„Café Granat“ von außen. Durch die Stoffbahnen kann man von drinnen rausgucken. Und von draußen schauen, ob ein Plätzchen frei ist.

Zuerst war Frühstück angesagt, natürlich im Café Granat. Hm, da auf der Außenseite zu sitzen hat einen Vorteil und zwei Nachteile. Der Vorteil ist, dass man besser sehen kann, was auf der Straße los ist. Die Nachteile sind, dass man erstens weiter von den Wärmelampen entfernt sitzt und zweitens nicht selten von außen angebettelt wird. Da war erst ein älterer Kerl mit einer Seemannsmütze und einem Schild um den Hals, welches ich nicht entziffern konnte. Der erzählte mir einen Haufen Kram auf russisch oder ukrainisch, keine Ahnung. Und er wollte, wenn ich richtig verstanden habe, meine E-Mail-Adresse haben. Die gab ich ihm nicht, aber so 15 Ocken. Ich bekam dann irgendwann so Informationsblätter, die ich natürlich auch nicht lesen konnte. Keine Ahnung, vielleicht sammelte er ja auch für die Seemannsmission oder so. Kurze Zeit später kam eine Dame, die ganz gut Englisch konnte, und der ich schon mal was gegeben hatte. Nennt mich hartherzig, aber wie soll man denn so sein Frühstück genießen?

Das tat ich dann aber doch, es gab ein warmes Sandwich mit Huhn und zwei Tassen Cappuccino. Dabei konnte ich schon einmal zwei Postkarten schreiben und mit Ingress-Leuten chatten.

Danach war der Plan, zum Postamt zu gehen, um Briefmarken zu erstehen. Lt. Google Maps war es nicht so weit weg. Ich machte mich nach dem Frühstück auf die Socken und kam schnell an einen Park, in dem ich noch nicht war. Dieser war schön angelegt, es gab viel reizvolle Außengastronomie, Springbrunnen, Pavillon, und eine Menge Skulpturen. Im Sommer muss es sich hier wirklich gut aushalten lassen, obwohl die Stadt dann sicherlich von russischen Touristen überflutet wird, könnte ich mir vorstellen. Naja, vielleicht drücken die sich eher auf der Krim herum. Jedenfalls gab es jede Menge Ingress-Portale, die sich auf Level 7 ziehen ließen, also bastelte ich da ein wenig herum. Danach ging es weiter Richtung Postamt.

Im "City Garden"

Dieser Park trägt die nicht so ganz ukrainisch anmutende Bezeichnung „City Garden“. Jede Menge Ingress-Portale überall, und auch sonst schön angelegt.

Ein O-Bus, der in die richtige Richtung fuhr, hielt vor mir. Ich stieg kurzentschlossen ein, denn ich wollte ja nochmal mit so einem Ding fahren. Es war nicht mehr weit bis zum Postamt, und ich erspähte es aus dem Fenster. Also stieg ich nach einer Station wieder aus und löhnte dabei meine 1,5 Ocken beim Fahrer. Okay, war jetzt nicht sooo die Erfahrung, aber ich kann das O-Bus-fahren damit abhaken.

Postamt von außen

Das Hauptpostamt von Odessa von außen. Man muss ja mal Briefmarken für Postkarten kaufen…

Ich ging also wieder die fünf Minuten in Gegenrichtung zur Post. Was für ein Prachtbau, sowohl von innen als auch von außen! Am Schalter erklärte ich einer jungen Dame mit Händen und Postkarten, was ich wollte, und sie verwies mich an einen anderen Schalter, da nochmal das Gleiche, und ich bekam meine 10 Marten im Wert von jeweil 4,80 Ocken. Danach setzte ich mich auf so eine Art Sofa und schrieb noch vier weitere Postkarten, so dass ich gleich sechs Karten vor Ort in den Kasten werfen konnte.

Postamt von innen

Die Sitzgruppen laden zum Postkartenschreiben ein

Auf dem Rückweg kam ich an einer imposanten, orthodoxen Kirche vorbei, lt. Google Maps die Spaso-Preobrazhensky-Kathedrale, oder nach meiner Zählung, orthodoxe Kirche Nr. 4. Ähm, bin nicht sicher, ob dies eigentlich wirklich eine orthodoxe Kirche war, ich ordne diesen protzigen Baustil mit vielen Kuppeln immer gerne den Orthodoxen zu. Dies hier könnte aber auch eine katholische Hütte gewesen sein. Ich sparte mir übrigens grundsätzlich, mir die Gotteshäuser von innen anzusehen, denn erstens interessiert mich der Besuch einer Kirche ggf. aus anderen Gründen als Sightseeing, und zweitens bin ich mir bei anderer Leute Glaubensrichtungen nie sicher, ob man deren Gebetshäuser mit oder ohne Kopfbedeckung aufsuchen sollte. Da bin ich vielleicht noch Jerusalem-traumatisiert. Aber von außen war es wieder einmal ein beeindruckendes Bauwerk, also knips-knips-knips, gucken, ob WLAN verfügbar und hack, deploy, link.

Spaso-Preoprazhensky-Kathedrale

Spaso-Preoprazhensky-Kathedrale. Auch bekannt als „orthodoxe Kirche Nr. 4“. Oder, wie wir Ingress-Spieler sagen, eine Level-6-Kirche. Auch wenn sich das natürlich ständig ändern kann.

Nach der Umrundung der Kirche ging ich – zum erst Mal, aber das bin ich denen, die schon länger meinen Blog lesen, irgendwie auch schuldig – in die falsche Richtung. Aber das merkte ich dank der fantastischen Offline-Karte von Openbikemaps und meiner Bikecomputer-App natürlich ziemlich fix. Also zurück und wieder durch den Park mit den schönen Portalen. Hier hatte inzwischen allerdings der Gegner (aka, die Schlümpfe) gewütet, hier waren Aufbau-Arbeiten zu leisten. Zugegeben, damit verbriet ich mehr Zeit, als beabsichtigt, aber die Ingress-Manie sollte an diesem Tage noch bedenklicher zuschlagen…

Die Europa 2

Die „Europa 2“ liegt größenmäßig nach Lüa und BRZ zwischen der „Silver Spirit“ und der „Celebrity Constitution“. Sie wirkt nicht ganz so gewaltig wie die „Constitution“ oder die „QE“, neben denen das Hotel Odessa klein aussieht.

Immer noch in der Absicht, noch den Strand westlich vom Hotel zu besuchen, kam ich natürlich an der Potemkin-Treppe vorbei und warf einen Blick auf den Passagier-Terminal und das „Kreuzfahrtschiff des Tages“. Das war diesmal die „Europa 2“ der Hapag-Lloyd. Aha! Ich hatte mir sowas schon vage gedacht, ich war vor dem Frühstück beim Rathaus noch einer deutschen Reisegruppe begegnet und hatte irgendwo das Hapag-Lloyd-Emblem gesehen. Nun, also mal hin, das Schiff aus der Nähe betrachten und ein wenig an den 7er-Portalen naschen. Dabei blieb es dann natürlich nicht… Am Kai angekommen war es erstmal ganz lustig, dass am Heck ein paar Leute in Bademänteln zu sehen waren. Mein Tipp war, dass die sich gerade zwischen zwei Sauna-Gängen abkühlten. Durch teilweise große Bullaugen könnte man weiter einige Passagiere sehen, die im Fitness-Center trainierten.

Die Europa 2 flankiert von Schleppern

Drei Schlepper (der dritte an backbord) begleiten die „Europa 2“ zur Hafenausfahrt, damit ja keine Schramme in den Lack kommt.

Das Schiff machte bald Anstalten, abzulegen, die Gangway wurde eingefahren, eine lange Lautsprecherdurchsage auf Deutsch an Bord durchgeblasen und schließlich die Leinen losgemacht. Dann kamen drei Schlepper angeschlichen. Nanü? Schafft so ein moderner Kreuzfahrt-Pott die Manöver mit seinen Querstrahl-Rudern nicht alleine? Ich hatte schon vermutet, dass der Kahn keinen Pod-Antrieb hatte, lag damit aber lt. Wikipedia falsch, der Kahn hat um 360 Grad drehbare Propellergondeln. Wie auch immer, zugegeben, um von dem Liegeplatz aus zur Hafenausfahrt zu kommen, musste das Schiff eine Art kleinen Slalom mit ziemlich engen Kurven schaffen. Nach dem Ablegen nahmen die Schlepper den Kahn nicht in Schlepp, sondern in ihre Mitte, einer an Backbord, zwei an Steuerbord, und drückten das Schiff jeweils in die richtige Richtung, damit auch ja keine Kratzer an den Lack kamen.

Europa 2 auf den Weg ins Schwarze Meer

Die „Europa 2“ auf den Weg ins Schwarze Meer – verflixt, wie jetzt den Weißabgleich konfigurieren, auf Tages- oder Kunstlicht?

Währenddessen hackte ich natürlich die 7er am hin Ende des Piers. Aber nachdem das Schiff den Hafen verlassen hatte, hätte ich ja langsam mal den Rückzug antreten können. Aber ich musste natürlich der Sucht fröhnen und die 7er (zum größten Teil mir von mir vorgestern dort installierten Heatsinks und Multi-Hacks) noch ausbrennen. Damit nicht genug, fast hätte ich das auch noch mit den vorderen Portalen gemacht, das sind nochmal so sieben Stück, die meisten genauso ausgerüstet, alle Level 7. Der Wind war ziemlich heftig und kalt, und ich hatte weder Haare noch eine Kopfbedeckung vorzuweisen. Außerdem wurde es nun schon dunkel, damit hatte sich der Spaziergang an den anderen Küstenabschnitt auch erledigt. Wenn ich jetzt krank werde, dann bin ich mal selber schuld mit meiner Dummheit.

Immerhin, ich schaffte es dann doch noch, mich loszureißen, bevor ich die letzten Portale zuenede gefarmt („ausgebrannt“) hatte. Also die Potemkin-Treppe wieder hoch. Ich musste eigentlich auch mal auf die Tualet, und zwar schon seit mindestens einer Stunde. Trotzdem ging ich vorher noch schnell einkaufen, dann zurück ins Hotel. Eigentlich hätte ich Lust gehabt, das Abendessen auch im Granat einzunehmen, aber ich hatte meine Einkäufe dabei und so, also zurück ins Hotel. Dort brachte ich nur schnell die Einkäufe aufs Zimmer und beschloss, zum zweiten Mal im Restaurant des Hotels zu essen.

Ich freute mich besonders auf ein rotes Borschtsch als Vorspeise. Dann erkärte mir der gut Englisch sprechender Kellner, es sei gerade just aus. Arrrgh! Frechigkeit! Kein Borschtsch! Naja, ich nahm dann ein einheimisches Bier und Penne mit Käsesoße. War beides ganz gut. Tja, und das war es dann auch schon für heute.

Nun schon einmal die Vorschau für morgen: Das wird etwas schwierig. Denn ich muss hier spätestens 11 Uhr auschecken, aber der Zug nach Sewastopol fährt erst kurz vor Null Uhr. Das bedeutet, ich habe die ganze Zeit sämtliches Gepäck am Hals. Wahrscheinlich werde ich den Tag über in der hiesigen Gastronomie zubringen, es gibt ja genug Läden, in denen ich mich von Getränk zu Getränk hangeln kann. Und wenn es sein muss, von Laden zu laden. Dabei kann ich ja lesen, Karten schreiben, im Netz surfen, die Zeit wird schon herumzukriegen sein.

Nebenbei bemerkt, mehr Kopfzerbrechen macht mir das Timing bei der Rückreise. Denn da komme ich um 4.40 Uhr, also mitten in der Nacht, wieder in Odessa an. Die Alternative wäre eine eine insgesamt 24-stündige Bahnreise, mit einem Aufenthalt von 02:09 Uhr bis 13:08 Uhr in Dshankoj. Geht erst recht nicht. Ich überlege gerade, ob ich zurück nicht doch nur nach Simferopol fahren und von dort aus vielleicht einen Flieger nach Odessa nehmen sollte, muss ich einfach nochmal checken. Könnte gehen, die Frage wäre nur auch hier, was da zeitlich geht – und was der Spaß kostet. Da ich meinen max. Reiseetat, was die reinen Kosten für Flüge und Hotels angeht, locker um 1.000 Euro unterschritten habe, würde ich vielleicht was zwischen 200 und 300 Euro anlegen, um diese Strapazen zu vermeiden. Denn ansonsten heißt es: Irgendwie die Zeit zwischen 4.40 Uhr und 14.00 Uhr Hoteleincheck-Zeit rumzukriegen. Sicher, irgendwann ab acht oder neun kann ich zumindest irgendwo frühstücken und mich mit Kaffee vollpumpen, aber bis dahin muss ich auch erstmal wieder überleben. Ist ja auch nicht ganz ungefährlich, hier irgendwo im Freien wegzupennen oder so – und dann ist ja auch noch die Frage nach dem Wetter… Wenn ich mir bis dahin nicht sowie schon eine amtliche Erkältung eingefangen habe, dann ist das da wahrscheinlich programmiert.

Ich muss mal schauen, ob ich dafür noch eine schlauere Lösung finde. Jedenfalls ist dies vielleicht erstmal mein vorerst letzter Post aus Odessa. Könnte sein, ich schreib morgen noch vom Granat oder wo auch immer aus ein Fazit. Dann geht es auf die Bahn-Tour, und der nächste Post kommt dann erst Freitag, dem 4. Oktober, irgendwann nach dem Einchecken, eher so abends. Ich bin gespannt, was ich dann zu berichten haben werde. Für morgen habe ich mir jedenfalls sicherheitshalber die Zugnummern, Ankunfts- und Abfahrts-Zeiten sowie Namen von Start- (Odessa), Umteige- (Simferopol) und Zielort (Sewastopol) kyrillisch aufgeschrieben. Außerdem habe ich von den Verbindungen (mangels Drucker) Screenshots auf dem iPad gespeichert. Damit sollte ich einigermaßen zurecht kommen. So jetzt noch Bilder aussuchen, hinzufügen und ab ins Bett.

Bis bald!

Nachtrag:
Vorhin dachte ich noch, mein HAMA-USB-Netzadapter mit den zwei Anschlüssen käme in meine Auswahlliste von Equipment, welches sich auf Reisen besonders bewährt hätte. Weit gefehlt… Während ich hier am Blog bastelte, gab es plötzlich ein elektrisch anmutendes „Pfluff“, wie es bei einem Funkenüberschlag klingt. Und es begann, leicht elektrisch zu riechen, nach Ozon mit einer Spur verbrutzelter Halbleiter. Erstmal gecheckt: iPad – okay. eeePC – okay. Anker-Akku – okay. Handy – okay. Licht noch an, was war es denn jetzt? Dann bemerkte ich, dass die LED vom Adapter aus war, ich zog das Teil aus der Steckdose, und es war sehr heiß. Da habe ich dem Ding mit dem iPad und dem Laden des Anker-Akkus wohl doch zu viel zugemutet… Wahrscheinlich ist innen einfach ne Sicherung gekommen. Ich bin froh, dass nix Schlimmeres passiert ist, z.B. dass die ’ne Hotel-Sicherung fliegt oder sogar Feuer ausbricht. Wenn es nur ne Sicherung ist, wäre es reperabel, das Gehäuse ist mit Kreuzschlitzschrauben ordentlich verschraubt.

Veröffentlicht unter Odessa | Hinterlasse einen Kommentar

Herbst in der Ukraine

Nabend. Odessa, 20.29 Uhr, Regen, heftiger Wind. Fernseher läuft auf M1, dem Sender für Bikini-Schnecken und Musikvideos. Und Musikvideos mit Bikini-Schnecken. Im Moment allerdings Promi-News.

Der Tag begann heute natürlich spät, nachdem ich gestern erst um vier Uhr ins Bett gegangen bin. Und er machte auch keinen einladenden Eindruck: Der Himmel war wolkenschwer, und ein erheblicher Wind heulte um das Hotel. Nunja, trotzdem raus aus den Federn. Plan: Eigentlich keiner, es wäre auch denkbar gewesen, die Zeit einfach mit einem Buch im Bett zu verbringen. Aber erstmal frühstücken.

Harpune

Wer keine Kanone hat, der installiert sich einfach eine Harpune auf dem Balkon… Fotografiert zwischen Rathaus und Oper.

Zuerst wandte ich mich vor dem Hoteleingang nach rechts, Richtung Rathaus, wo ein paar 6er-Portale stehen. Von da aus stellte ich fest, dass die Oper tatsächlich so rum um die Ecke vom Hotel ist. Wie es in der Openbike-Map auch zu sehen ist – Google Maps liegt da hingegen total falsch. Ich ging dann links vom Opern-Portal (ein richtiges Portal diesmal, nicht Ingress) in die Gasse, fand da noch weitere Portale (diesmal Ingress), zum Beispiel einen lustigen Springbrunnen, und von da aus den Weg zur… na, sagen wir einfach, Katharinenstraße.

Schirmbrunnen

Fand ich irgendwie lustig – wenn der Typ sich nicht unter dem Springbrunnen aufhalten würde, bräuchte er keinen Schirm. Naja, andererseits… heute schon.

Ich ging zum Café Granat und orderte ein Ei Benedict und ein Omelette – war immerhin eher Brunch, und die Portionen sahen übersichtlich aus – waren sie auch, aber auf der anderen Seite auch nicht teuer. Und dazu gab es einen Capuccino. Ich mag das Granat. Während ich da saß und frühstückte, begann es allerdings zu regnen. Was unter dem Zelt-Vorbau egal war. Aber nicht mehr nach dem Frühstück.

Im Café Granat

Im Café Granat

Anschließend habe ich erst einmal wieder einen Blick auf den Passagier-Terminal geworfen. Da lag wieder ein großes Passagierschiff, es kam mir größer vor als die Queen Elisabeth von gestern. Es war die „Celebrity Constellation“ der Celebrity Lines. Aber lt. Wikipedia sind die Schiffe fast gleich groß, sowohl nach Länge (Lüa) als auch nach BRZ (Bruttoraumzahl). Die Queen ist sogar geringfügig länger und nach BRZ größer. Jedenfalls ging ich zum Terminal, um mit das Teil aus der Nähe anzusehen. Unterwegs kam ich an einem kleinen Kaffeeladen vorbei, direkt neben dem Tabakladen in dem kleinen Gebäude, wo man per Treppe zum Terminal hochsteigen kann. Ich holte mir da noch einen Cappuccino to go. Der Junge, der mich bediente, war wohl noch ein Teenie. Sehr sympathisch, außerdem hatte er AC/DC laufen.

Celebrity Constitution am Terminal

Celebrity Constitution am Terminal

Als ich oben das „Treppenhaus“ Richung Terminal verließ, wehte eine steife Brise (unbedingt das st von steife Brise im Sinne von „In Hamburch stolpert man übern spitzen Stein“ lesen), gepaart mit Sprühregen. Naja, manchmal mag ich das sogar ein bisschen, so rauhes Wetter. Sowas wirft doch den Sohn eines Seemannes nicht um, dachte ich. Dann allerdings wehte mit der Wind den Cappuccino-Schaum aus dem Becher auf die Jacke. Öhm, so toll ist Schaum also auch wieder nicht, alles voller Cappuccino-Schlotze! Igitt!

Celebrity Constitution

Die „Celebrity Constitution“. Fast genausogroß wie die „Queen Elisabeth“, wirkte auf mich aber größer.

Auf dem Weg zur „Celebrity Constellation“ (ein Name übrigens, den das Schiff mit einem früheren 80.000-Tonnen-Flugzeugträger der Amerikaner und einem Schiff aus dem „Star Trek“-Universum teilt) konnte ich noch ein paar Level-7-Portale am Terminal hacken. Das Schiff ist schon ein ziemlicher Brocken, obwohl die „Solstice“-Klasse (in Papenburg auf der Meyerwerft gebaut) noch um einiges größer ist als die „Mellenium“-Klasse, der die „Constitution“ angehört. Kein schönes Schiff, die QE gefiel mir besser, aber doch beeindruckend. Aber die Teile haben alle einen Nachteil: Sie sind einfach zu groß, um sie aus der Nähe komplett auf eine Foto zu bekommen, jedenfalls mit meiner Kamera. Hm, das Wetter wurde immer nasser, und das Licht war demnach zum knipsen auch suboptimal. Wieder lief über Lautsprecher das immer gleich „Band“ zur Ankerausstellung bei der Kanone und an der Statue „Mutter mit Kind“ der russische (ukrainische?) Swing-Jazz. Wieder war, wegen des Wetters vermutlich, kaum jemand da, um zuzuhören. Und ich konnte die Portale am Ende des Terminals nicht hacken, weil ich, vielleicht wegen der Witterung kein WLAN richtig bekam. Naja, war vielleicht besser so, deswegen blieb ich nämlich nicht lange am Pier, sondern ging wieder zurück zum „Treppenhaus“. Oben drin ist noch ein kleiner Andenkenladen, wo ich Postkarten kaufte. Dann ging ich die Treppe wieder runter.

Celebrity Wi-Fi

Celebrity Wi-Fi. Da ich sonst kein WLAN bekam, versuchte ich das vom Schiff. Daran hatte ich schon bei der „Queen Elisabeth“ und „Silver Spirit“ gedacht. Okay, das also kostet WLAN auf See. Nun, ist teuer via Satellit.

Und nun? Das Wetter wurde eher schlechter. Aber zuhause auf dem Bett rum liegen und lesen? Dann habe ich doch nix zu verbloggen. Vielleicht blöd, dass ich mich da so unter Druck setze, aber irgendwie, wer täte das nicht? Wenn man einiges an Geld für so eine Reise ausgibt, dann möchte man doch auch etwas sehen und erleben. Und ich wollte gerne mal mit so einem O-Bus fahren. Um es vorweg zu nehmen: Ich kam nicht dazu. Vor der Potemkin-Treppe hielt einer von diesen Tata-Bussen, und ich stieg einfach ohne Plan ein. Apropos Plan, ich habe im Internet danach gesucht, ich habe an der Touristen-Info danach gefragt, ich konnte keinen Netz-Plan auftreiben. Und was auf den Fahrzeugen als Ziel draufsteht kann ich natürlich nicht interpretieren. Ich kann nur einfach losfahren, mit GPS und Bikecomputer auf dem Schlaufon verfolgen, wo es langgeht, und ggf. irgendwo wieder aussteigen. Andererseits… ich hatte ja ohnehin nichts Konkretes vor, also was soll’s? In der Nähe des Hotel kannte ich ja schon alles.

Im Bus

Bisschen unscharf, aber man sieht, wie hier das Fahrgeld halt einfach mal so auf dem Tisch liegt. Mag unsereinem unprofessional vorkommen, aber andererseits: So einfach kann es sein.

Also, lt. „Odessa in your Pocket“ kauft man Tickets beim Fahrer. In dem Bus schien es keine Tickets zu geben. Hinter der Schaltkonsole des Busses war einfach eine Art Tisch mit Teppich drauf, auf dem ein Haufen kleiner Geldscheine lag. Einige Leute schienen beim Einsteigen zu bezahlen, andere beim Aussteigen. Ich war mir nicht mehr sicher, was der Preis war. Lt. „Odessa in your Pocket“ 1,5 UAH (was sich auch noch als aktuell erwies). Also irgendwie so 13 Cent oder so. Man bezahlt einfach und kann damit soweit fahren, wie die Linie halt fährt. Beim Einsteigen in ein anderes Fahrzeug bezahlt man eben neu. Ich blechte in meiner Unwissenheit beim Ein- und Aussteigen jeweils 2 UAH, also über 30 Cents – hilfe, ich muss Insolvenz anmelden.

Bus und O-Bus

So sieht so ein Tata-Bus von außen aus. Rechts daneben ein O-Bus. Sollte ich auch einmal fahren, um daheim davon berichten zu können. In Osnabrück wird ja zur Zeit über ein modernes O-Bus-System nachgedacht.

Das Ding fuhr dann an der Küste entlang, Richtung Norden. Zur Rechten: Eine Bahnlinie und dahinter: Hafen, Hafen, Hafen. Ich hoffte, irgendwann mal an einem Strand zu landen – auch wenn das bei dem Wetter für einen Spaziergang nicht so einladend war. Gut – schnell vorankommen ist sowieso was anderes. Die Spitzengeschwindigkeit war zwar lt. GPS nahezu 50 km/h, aber meist ließ der Verkehr nicht zu. Das „Odessa in your pocket“ sagt zum Thema Verkehr unter anderem, dass man, wenn man selbst fährt, es so machen sollte, wie alle anderen: Wenn der Mittelstreifen fehlt, ihn sich einfach denken und daran orientieren. Ampeln sind zum Teil so wenig leuchtstark, dass man bei Tag nicht sehen kann, was leuchtet. Und bei Tag sind die Straßen auch einfach überfüllt. Nach nicht langer Fahrt war dann schon die Endstation erreicht, eine Art Umsteigepunkt, wo man Anschlüsse sowohl zu Bussen, O-Bussen und Straßenbahnen bekommen konnte.

Lada rot

Dieses Foto habe ich für einen besonderen Freund von mir gemacht. Erinnert an alte Zeiten…

Ich entschied mich, erstmal zu Fuss die Gegend zu erkunden. Nachdem ich durch einen Fußgängertunnel gegangen war, kam ich auf eine Art kleinen Markt. Zurück in Richtung Verkehrsknotenpunkt sah ich einige Skulpturen, die wahrscheinlich auch Ingress-Portale sind – aber kein freies WLAN außerhalb des Stadtzentrums verfügbar. Ich entschied mich, weiter Richtung Norden zu gehen, und vielleicht bei Gelegenheit einen Bus oder eine Tram zu besteigen, um zumindest ein wenig schneller als zu Fuß unterwegs zu sein, aber vor allem: Regengeschützt!

Portale

Oh! Potentielle Ingress-Portale! Nur leider kein Free-WLAN weit und breit…

Es war dann eher deprimierend. Ich meine, ich glaube nicht, dass wir als Deutsche im Schnitt in unseren geleckten Vorstädten glücklicher sind als die Odessianer in der – aus der Perspektive meiner verwöhnten, westlichen Augen – bröckelnden Vorstadt hier. Aber bei dem Wetter überall Gebäude zu sehen, die bei uns wahrscheinlich abgerissen werden müssten, das stimmte mich nicht unbedingt so positiv. Umso mehr musste ich kurz lachen, als ich hier plötzlich auf eine Porsche-Vertretung stieß.

Porsche-Vertretung

Porsche-Vertretung. Ich musste kurz lachen, weil ich die hier echt nicht erwartet habe. Naja, irgendwo müssen die hiesigen Unterwelt-Könige ja ihre Karossen herbekommen. Damit sie mich, falls ich meine Kamera draufstelle, zu Hundefutter verarbeiten lassen können.

Ich hatte lose den Plan gefasst, so weit zu gehen, bis die Bahnstrecke rechts endete, um dann vielleicht ans Wasser gehen zu können. Aber als ich eine Tram in Gegenrichtung bekommen konnte, ergriff ich die Gelegenheit, aus dem Regen herauszukommen.

Tram

So sehen hier die Trams aus. Eigentlich ganz niedlich, aber das hier scheint ein besonders gut erhaltenes Exemplar zu sein…

Hier war bei einer Schaffnerin der Betrag von 1,5 UAH zu entrichten. Und ich bekam ein Ticket. Bei dem Tata-Bus war ich mir nicht so sicher, aber diese Tram kam echt noch aus Soviet-Zeiten. Würde natürlich bei unseren Sicherheitsstandards durchfallen ohne Ende. Aber immerhin: Das Ding fuhr! Wer weiß, wie das wirtschaftlich funktioniert, bei den lächerlichen Fahrpreisen muss das ohne Ende subventioniert sein. Aber vielleicht ist die Technik auch so simpel, dass der Wartungsaufwand trotz des Alters der Fahrzeuge gar nicht so hoch ist. Irgendwie läuft’s halt. Manchmal ist weniger auch mehr – immerhin betreiben die Russen mit ihren vergleichweise simplen, aber ausgereiften Sojus-Kapseln noch bemannte Raumfahrt, während die Amerikaner ihre Shuttle-Flotte ins Museum gestellt haben.

Lada tiefergelegt

Da schau her! Sowas gibt es auch in tiefergelegt. Pimp my Ride!

Die Bahn fuhr also in die Gegenrichtung, und am „Verkehrsknotenpunkt“ vorbei. (Übrigens, am Ende des Artikels platziere ich ein Screenshot mir der heutigen Strecke, vielleicht kann ich ein paar Beschriftungen anbringen, allerdings habe ich das Routing erst beim Beginn der Busfahrt gestartet, ist also nicht ganz vollständig.) Viel weiter ging es aber nicht, bald war wieder eine Endstation erreicht. Hier stand schon eine andere Tram bereit, in die ich einfach umstieg, ohne zu wissen, wohin es wohl gehen mochte. Insgesamt waren das alles noch Entferungen, die ich notfalls auch zu Fuss wieder zurückgehen könnte. Es dauerte eine ganze Weile, bis es losging. Zuerst kam der Fahrer an Bord, dann später die Schaffnerin, die mir für weitere 1,5 UAH ein Ticket verkaufte. Und los ging die rukkelige Fahrt – wie ich auf dem Schlaufon verfolgen konnte, wieder in Richtung Stadtzentrum. Gut so, irgendwann wollte ich ja ins Hotel zurück.

Allerdings ging es eher in Richtung Süden, deswegen verfolgte ich ein mögliches Tagesziel: Schon einmal den Hauptbahnhof erkunden. Es gibt hier diverse Bahnhöfe, und ich weiß noch nicht, wo ich übermorgen Richtung Sevastopol starte, aber der Hauptbahnhof sollte ja keine ganz schlechte Idee sein. Los geht es von da um 23.59 Uhr – ich hab noch keine Ahnung, was ich zwischen Checkout aus dem Hotel und dieser Zeit mache, allerdings sollte ich Zeit zum Schlangestehen am Ticketschalter einkalkulieren, wie ich gelesen habe. Davon habe ich allerdings vor Ort nichts gesehen. Hm, aber das ist noch Zukunft.

Orthodoxe Kirche Nr. 1

Orthodoxe Kirche. Würde dem Fliegenden Spaghettimonster mal gar nicht gefallen. Hab auf Google Maps nicht gefunden, wie das Teil heisst. Interessiert wahrscheinlich eh keinen, also habe ich die einfach mal durchnummeriert. Das hier ist also Kirche 1.

Erstmal sah ich von der Tram aus eine protzige, orthodoxe Kirche mit Golddächern (die dem Spaghettimonster bestimmt nicht gefallen würde) und dachte mir, raus aus der Tram und Fotos machen. Naja, bei dem Licht leichter gesagt als getan. Außerdem bekam ich keine so richtig gute Perspektive (dafür aber wieder WLAN und konnte an ein paar Portalen herumoperieren, natürlich auch an der Kirche selbst). Ich schoss trotzdem ein paar Fotos und ging die restliche Strecke zum Bahnhof zu Fuss. Nun, ich scheine jeden Urlaub dieselben Fehler zu machen – ich habe keine Ahnung, wo ich meine Kopfhörer gelassen habe. Also rein in die erstbeste Handy-Klitsche am Weg und Kopfhörer kaufen. Ich schnappte mir so eine Packung „Beats“-Dinger mit lächerlichen Ferrari-Emblemen drauf und wollte – auch englisch – wissen, was die Teile kosten (Mist, das muss ich echt auf ukrainisch noch mal lernen). Nach einer Weile verstand der Junge, was ich wollte und malte 30$ auf einen Block. Gut, dass wir wenigstens die gleichen Zahlen verwenden! Darunter malte er dann 240 hiesige Ocken, was halt weniger als 24 Euro sind, ich hatte genug Kohle dabei und meinte, das sei okay. Man konnte allerdings nicht rausgeben, aber der hilfsbereite Verkäufer verschwand kurz und konnte nach höchstens 5 Minuten wechseln.

Inspiriert durch den Kaffeeverkäufer am Terminal startete ich AC/DC, aber der Sound war mieserabel. Vielleicht auch nur, weil die Pömpel nicht optimal zu meinen Ohren passten, ich weiß aus Erfahrung was für einen Riesenunterschied das macht, aber es waren keine Alternativ-Pömpel dabei. Ich brauche relativ große. Mist, das Zeug, was ich vor einem Jahr in Israel gekauft habe, war da besser. Irgendwann kann ich eine Sammlung mit Ohrhörern unter Landesflaggen zuhause aufhängen, wo andere ihr Setzbord mit kleinen Figürchen, Tassen oder Tellerchen haben. Und ein paar Blocks weiter (kann man übrigens sagen, denn die Innenstadt ist angelegt, wie eine US-amerikanische, lauter quadratische Blocks, deswegen verläuft man sich auch nicht so leicht) kam dann ein größerer Elektronik-Markt, wo man eine größere Auswahl an Kopfhörern für weniger Geld kaufen konnt. Auch solche, die gleich unterschiedlich große Pömpel dabei hatten. Grrrr. Wieder mal zu spontan gehandelt. Aber irgendwie hatte ich keine Lust, mich darüber zu ärgern.

Stattdessen zog ich es vor (weil ich wieder mal WLAN hatte), die Ingress-Version von „Rock ’n Roll Singer“ zu hören. Bon Scott: „Well, I worked real hard and…“ Ada: „Portal link deployed. Good work!“ Bon Scott: „… a Rock and Roll-Guitar.“ Läuft… Übrigens, ich habe schon häufig „Ingress“ und „Portale“ und so erwähnt. Ich hoffe ja, dass ein paar von der Ingress-Crew in Osnabrück mitlesen, aber wer hier liest und keine Ahnung hat, was Ingress ist (Kurzversion: Ein Spiel auf dem Smartphone, welches auf GPS und Google Maps basiert und weltweit gespielt wird), der kann es entweder googeln, oder meinen Artikel über Ingress hier im Blog lesen.

Hauptbahnhof

Hauptbahnhof

In der Nähe des Bahnhofs gab es einen großen Kreisverkehr mit ein paar Portalen, eine weitere, imposante orthodoxe Kirche und einen MC Donald’s. Nun, erstmal die Portale bearbeiten. Da waren auch gegnerische dabei, gute Gelegenheit, mal die ukrainischen 7er-Burster zu testen. Funktionieren sehr gut gegen ukrainische Resos. Wie gesagt, vielleicht kommen die auch noch aus Soviet-Zeiten und haben entsprechende… Ladungen. Weiterhin machte ich Fotos von der Kirche und vom nicht minder imposanten Bahnhofsgebäude (vermutlich ebenfalls noch aus Soviet-Zeiten) und betrat dann die noble Hütte des Schienenverkehrs. Immerhin, auf einem Display wurde zwischendurch der Timetable auch mal auf Englisch angezeigt. Viel gab es aber nicht zu gucken, ich ging nochmal kurz zu den Gleisen des Kopfbahnhofes und verzog mich recht schnell wieder. Angeblich spricht das Personal kein Englisch, aber hey, da muss ich halt möglichst mein Ziel Sevastopol mal in kyrillischen Buchstaben aufschreiben und parat haben, damit ich es den Leuten am Schalter zeigen kann und es selbst auf Displays wiedererkenne. Immerhin das habe ich mal gelernt. Wird schon irgendwie klappen. Ich glaube, das wird vielleicht nicht so komfortabel, aber trotzdem bin ich gespannt auf die Tour mit der Bahn. In „Odessa in your pocket“ habe ich gelesen, dass das eben auch eine typische ukrainische Erfahrung sei, ebenso, wie der Gebrauch der hiesigen Nahverkehrsmittel einen Einblick in das tägliche Leben der Odessianer gibt. Schon lustig, dass ich mehr in das kostenlose Heftchen von der Touristeninfo gucke als in meine teuer eingekauften Reiseführer, aber das bin irgendwie auch typisch ich. Und sich schnell fortzubewegen ist etwas für Leute, die gerade keinen Urlaub haben.

Orthodoxe Kirche Nr. 2

Orthodoxe Kirche Nr. 2

In „Odessa in your pocket“ steht, ein Bic Mac koste umgerechnet 1,84 Euro. Ausprobieren! (Obwohl ich dadurch auf ein wahrscheinlich besseres Abendessen verzichtete, z.B. mal wieder mit einem guten Borschtsch als Vorspeise). Die Dame, die mich zuerst bediente, verstand meine englische Bestellung nicht, aber es war schnell jemand am Start, er mir helfen wollte. Eigentlich wollte ich keinen Bic Mac, sondern meinen Lieblingsburger, den Quarter Pounder with Cheese (allerseits bekannt aus dem Film „Pulp Fiction“ als „Royal with Cheese because of the metric system“). Der Mann auf der anderen Seite des Tresen klärte mich dann auf (nicht über das metrische System, sondern darüber, dass man nicht alle Sandwiches habe, die es im Westen gäbe), also gab es doch einen Big Mac, als (bei uns bekannt als) McMenü mit großer Pommes und großer Cola. 37,5 UAH, also vielleicht 3,50 Euro oder so. Es lebe die Kaufkraft! Man muss sich fast ärgern, dass man nicht raucht (zumindest keine Zigaretten), denn lt. „Odessa in your pocket“ kosten 20 Marlboros hier so umgerechnet 1,38 Euro. Der Liter Euro3-Sprit liegt bei 1,13 Euro, den Preisen an den Tankstellen zufolge, die ich gesehen habe, passt das ungefähr.

Orthodoxe Kirche Nr. 3

Orthodoxe Kirche Nr. 3

Gut, nach der Mahlzeit noch mal schnell die Tualet da benutzen, und dann mal langsam Richtung Hotel. Der Weg war, aufgrund des Blocksystems der Innenstadt einfach – einfach einmal rechts, und dann immer geradehaus, dann lande ich direkt beim Opernhaus. Von da aus rechts wäre ich sofort beim Rathaus, und von da aus fast am Hotel. Aber ich zog es vor bei der Oper links abzubiegen und nochmal beim Supermarkt (und vereinzelten 6er- und 7er-Portalen) vorbeizuschauen, um zu hacken und meine Bier-Vorräte aufzustocken. Ich kaufte wieder das gute AbBiBCbKE 1717 in Flaschen. Lecki, lecki bzw. Bud’ymor!

Moschee

Orthodoxe Kirche Nr… äh… falsch. Dies ist offensichtlich eine Moschee.

Derart gerüstet trat ich den Weg zum Hotel an. Ich warf noch einen Blick auf das Terminal – die „Constellation“ lag da immer noch, hell erleuchtet. Ich versuchte, davon noch ein paar Nachtbilder von der Treppe aus zu machen, wobei ich noch fett in eine Pfütze latschte, aber ich glaube, gelohnt hat sich das nicht.

Celebrity Constitution bei Nacht

Celebrity Constitution bei Nacht

Also wieder in Richtung Hotel, wo ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, noch schnell die Portale am Rathaus zu hacken, dann aber echt rein in die Hütte, ins Zimmer, Fernseher an, Netbook und iPad aus dem Safe holen und an die Arbeit. Das war’s für heute.

Tagesroute 1. Oktober

Der Tagesablauf in etwa in einem Bild

Bis bald!

Veröffentlicht unter Odessa | 1 Kommentar

Nochmal von vorne, aber anders

Wieder im Hotel, Fernseher läuft, ukrainische (oder russische?) Musikvideos auf M1 (einige habe ich inzwischen schon dreimal gesehen, ich hatte auch den Eindruck, dass ich einen Song, der aus einem Autoradio kam, kenne). Also alles wie gestern, nur später. Und das ist einer der Knackpunkte am Tag. Denn Odessa abends bzw. nachts ist eine Sache für sich.

Nun, hübsch der Reihe nach. Ich blieb wieder lange im Bett, weil ich ja eh nicht so richtig Lust auf alles hatte. Dann habe ich mich gegen Mittag auf die Socken gemacht, eigentlich hatte ich vor, mal mit so einem O-Bus zu fahren, irgendwoanders hin – egal wohin, die Gegend hier kenne ich ja jetzt. Aber erstmal doch – wenn auch schon Mittagszeit war, was frühstücken. Zuerst brauchte ich jedoch mehr UAHs. Ich hatte nicht mehr so viel davon, ein erheblicher Teil der 1000 UAH, die ich mir am Flughafen gegen Bar-Euros ungünstig ertauscht hatte, war ja schon für die Taxifahrt draufgegangen, dann noch zwei Abendessen und Einkäufe… Ich fand aber schnell eine Bank, wo ich einfach mit meiner EC-Karte an einheimische Ocken kam. Zu einem erheblich besseren Kurs als am Flughafen.

Cheesecakes

Cheesecakes im Café Granat

Ich landete dann im Café Granat, so fünf bis zehn Fußminuten vom Hotel. Ich war da schon öfter vorbeigegangen. Die haben so eine Art Zelt vor dem Gebäude, wo man also so halb draußen sitzt. Abgehöngt mit Stoffbahnen, aber man kann hindurchluschern, wie es drinnen aussieht. Sehr gemütlich mit Sessels und Sofas statt Stühlen. Als ich das erste Mal daran vorbeiging, sah ich, dass auch Sishas mit vermutlch legalen Substanzen serviert wurden. Gestern lärmte ein Stromaggregat davor, was mich abgeschreckt hat, aber heute ging ich dort doch „frühstücken“. Es gab Cheesecakes mit Erdbeeren und Cappuccino. Sehr lecker. Es gibt hier neben der ukrainischen Küche auch auf amerikanisch getrimmte Lokale und Speisekarten, Italiener und Türken. Fastfood-Restaurants der üblichen Ketten habe ich noch gar nicht gesehen, obwohl MC Donald’s hier sicherlich auch lauert, jedenfall habe ich Werbeplakate dafür gesehen. Lt. „Odessa in your Pocket“ sollen sich Selbstbedienungsrestaurants eher lohnen als Fastfood-Ketten, das Essen sei besser, und die seien auch beliebt. Nun, die Karte war auch auf Englisch verfügbar, ich kam mit den Leuten da irgendwie ohne sprachliche Pannen zurecht, das Essen war lecker und nicht teuer.

Beim Warten auf das Essen checkte ich mal, was an zugänglichen WLANs verfügbar war – so einiges! Also rein mit dem Smartphone. o2 verlangt für den hiesigen Tag der Welt 12 Euro pro Tag und 6 MB – ein absoluter Witz! Anderswo bekommt man für 10 Euro 100 MB, darüber kann man zur Not ja reden, aber der Tarif geht mal so gar nicht. Datenfunk aus und fertig, nur WLAN. Nun, ich hatte so Gelegenheit, beim Warten mit meinen Ingress-Kollegen zu chatten – und ein Level-6-Portal zu hacken. Hm, ungeahnte, neue Möglichkeiten! Es gibt hier irgendwo eine Reihe 8er, aber auch die nähere Umgebung stellte sich Ingress-technisch als reizvoll heraus.

Kreuzfahrtschiffe am Passagier-Terminal

Die „Silver Spirit“ (links) und die „Queen Elisabeth“ haben in Odessa festgemacht. Am Abend waren beide wieder verschwunden.

Ich ging nach dem Essen erstmal wieder Richtung Potemkin-Treppe und Hafen. Lecker! Zwei große Kreuzfahrtschiffe waren hier festgemacht. Es waren die „Queen Elisabeth“ der Cunard-Line und die „Silver Spirit“ der Silverseas Cruises. Zufälligerweise wurden beide Schiffe auf der selben Werft, der italienischen Fincantieri, gebaut.

Queen Elisabeth dreht

Die Queen dreht – man sieht deutlich die Bugstrahlruder in Aktion

Na, da musste ich auf jeden Fall hin, ich mag ja neben Flugzeugen bekanntlich auch große Schiffe jeder Art. Die „Queen Mary 2“ hatte ich in Hamburg schon mehrmals und einmal in New York gesehen, aber die QE noch nie. Die Cunard-Schiffe sehen im Gegensatz zu den bunten AIDA-Joghurtbechern wenigstens noch halbwegs wie ein klassisches Passagierschiff aus. Naja, so richtig auch nicht mehr, dafür sind die Aufbauten zu hoch, was der Ökonomie geschuldet ist – man muss eben die Passagierkapazität erhöhen. Allerdings gab es auch rund um das Passagierterminal einige WLANs, die für Ingress ausreichten. Und alles war voller Level-6-Portale, die ich auf Level 7 aufrüsten und außerdem mit Heatsinks und Multi-Hacks auch etwas produktiver upgraden konnte. Also wurde es eine Mischung aus Ship-Spotting und Ingress-zocken.

Die Queen dampft ab

Die Queen dampf ab – und wird von Mutter und Sohn verabschiedet

Auch viele andere Leute standen am Kai. Es gibt da so eine Statue einer Frau, die ein Kind hochhält, welches in Richtung Hafenausfahrt ablegenden Schiffen hinterherwinkt. Ich bin ja kein Kunstfan, aber das Ding gefällt mir irgendwie – vielleicht, weil die Botschaft so simpel ist, dass sie sich selbst mit Kunstbanause erschließt. Mir gefällt dieses Gefühl von Sehnsucht und Abschied, die dieses Bild transportiert. Leider gibt es mit diesem Ding dasselbe Problem wie mir den vielen anderen Portalen, äh, Statuen und Monumenten hier: Es ist nicht einfach, diese Touristenfrei zu fotografieren. Die meisten reisen ja nicht alleine, und da begnügt man sich ja nicht damit, das Ding zu knipsen, sondern man lässt sich mit dem Ding knipsen. Egal, ob besagte Mutter mit Kind, die Schlange vor dem Terminal, das Goldene Kind, der Duc de Richlieu oben auf der Treppe – überall kleben ständig irgendwelche Touristen dran. Nächstes Mal bringe ich eine Brechstange mit, damit müsste man die doch irgendwie abkriegen! Jedenfalls gab es am Fuße der Statue mit Mutter und Sohn einen Lautsprecher, der in einer, äh, sehr ansprechenden Tonqualität etwas abspielte, was wie Unterhaltungsmusik aus den USA der 50er anmutete, so mit Bigband und so, aber in russischer oder ukrainischer Sprache (ich kann das nicht unterscheiden, nur bei Details, ob z.B. jemand „Da“ [russisch] oder „Tak“ [ukrainisch] sagt). Es gibt mittlerweile auch eine Mischform, wie ich im Reiseführer gelesen habe. Irgendwie logisch, wo hier einfach so beides stark parallel existiert und sich die beiden Sprachen wohl auch recht ähnlich sind.

Die Silver Spirit

Die „Silver Spirt“

Die QE legte dann irgendwann ab. Dazu musste sie einmal auf der Stelle um 180 Grad drehen, was mithilfe des Pod-Anriebs (im Prinzip zwei drehbare Gondeln mit jeweils Elektromotor und Propeller) und der Bugstrahlruder ein Leichtes für das Schiff war. Danach fuhr das Schiff Richtung Hafenausfahrt und war dann zu weit weg, um von mir noch fotografiert zu werden. Also wande ich mein Objektiv der kleineren und weniger spektakulären „Silver Spirit“ zu, und farmte noch die Hafenportale zuende, was eine Weile dauerte. Also, diese ukrainischen XMP-Burster… ich trau mich ja nicht, da konkret zu werden. Die Ukraine hat den Atomwaffensperrvertrag 1996 ratifiziert und sich damit aus dem Kreis der Atommächte verabschiedet, soweit ich gelesen habe. Aber wer weiß… Jedenfalls standen da am Ende 14 Level-7-Portale… Okay, ich sollte noch was anderes zu tun haben, als die zu farmen, aber wenn es nebenbei Schiffe zu gucken gibt…

Danach war der Plan, eine Zigrarre zu besorgen, die irgendwann irgendwo mit ner Dose Bier zusammen zu konsummieren – vielleich am Terminal. Außerdem wollte ich irgendwann was essen – am liebsten wieder im Café Granat, weil die Karte da auch für das Abendessen attraktive Sachen zu attraktiven Preisen anbot.

Baum mit Leuchtäpfeln auf der Kataryn... dingsbums, also, na, auf der Kati ihr seine Straße

Baum mit Leuchtäpfeln auf der Kataryn… dingsbums, also, na, auf der Kati ihr seine Straße

Und dann wollte ich endlich mal bei Dunkelheit durch die Gegend ziehen. Ich hatte mir da ein bisschen Angst von meinen Reiseführern und dem Internet machen lassen, über Polizisten, die von unbedarften Touris wie mir dann irgendwelche „Strafgelder“ für’s unerlaubte Exisitieren oder so verlangen würden. Aber es war Ingress, was mich hinter dem Ofen hervorlockte. Denn es gab so richtig tolle Nachtaufnahmen von vielen Portalen, die mir zeigten, dass viel schön beleuchtet bei Dunkelheit seinen ganz eigenen Reiz hat. Und da ich ja selbst gerne Nachtaufnahmen mit meiner simplen Knipskiste mache, dachte ich mir, was solls, ich ziehe jetzt auch mal nach Dunkelheit hier durch die Gegend. Also habe ich heute nichts Neues gesehen (außer den Schiffen), aber eben anders, nämlich bei Nacht. Gegen polizeiliche Übergriffe überlegte ich mir folgende ganz simple Strategie: Einfach nur soviel Geld dabeizuhaben, wie ich gerade brauchte, also so den Gegenwert von 20 Euro. Was sollen die dann schon ggf. machen, wenn ich die schon fast ausgegeben habe – mich mit auf die Wache nehmen? Zu einem Geldautomaten? Mich ins Hotel begleiten? Wie auch immer, mir blieb die Erfahrung bisher erspart.

Zuerst ging ich in Richtung Hotel, aber noch so wenige hundert Meter weiter. Ich wusste von Google Maps, dass hier das Rathaus der Stadt ist, aber ich hatte es noch nie gesehen, bisher bin ich immer erst in die andere Richtung gegangen. Das Rathaus ist ein recht imposanter Bau mit vielen Säulen. Es war gerade Punkt sieben, und es erklang eine, wie ich fand, sehr schöne Melodie von Glocken, allerdings nur aus Druckkammerlautsprechern. Trotzdem… diese zweistimmige Melodie hat es mir so angetan, dass ich sie vielleicht nochmal irgendwann aufnehme. War irgendwie so schön melanchonisch. Auf dem Platz vor dem Rathaus fuhren Jugendliche mit Fahrrädern, Inline-Skates und Skateboards umher. Es gibt noch einen großen Brunnen, und eine große Kanone davor. Letztere zeigt aber Richtung Schwarzes Meer, nicht auf ein Hotelfoyer. Alles sehr schick und wie geleckt in Schuss. Es war schon fast dunkel, und ich wollte schon fotografieren, aber meine Akkus schwächelten. Die anderen Akkus, die ich kurz vor der Reise gekauft hatten, ebenfalls – taugen offenbar nix. Ärgerlich.

Ich ging ins Hotel, warf überschüssiges Geld in den Safe und die Akkus ins Ladegerät. Spannung ist hier übrigens 220 Volt, die Steckdosen gibt es sowohl als Schuko-Steckdosen exakt wie bei uns als auch als zweipolige Anschlüsse, in die Euro-Stecker hineinpassen. Ich habe sicherheitshalber alle Adapter dabei, aber ich benötige keinen. Dann ging es gleich wieder los. Ich überlegte noch, in welcher Reihenfolge Essen, Zigarre rauchen und Fotografieren zu erledigen wäre, und ich machte es dann in genau dieser Reihenfolge.

Ekatarina II

Ekatarina II – nach der ist offenbar auch die Straße benannt. Jedenfalls zu gut deutsch Katharina II. oder auch „Katharina die Große“. Sie erkannte dereinst die strategischen Vorteile des Ortes und ordnete die Gründung von Hafen und Stadt an. Das muss eine ziemlich intelligente Frau gewesen sein, vor allem in einer Zeit, in der sowas gemeinhin nicht anerkannt wurde.

Ich ging zuerst die Katernynyns’ka hoch, wie immer – hier ist auch „meine“ Bank und „mein“ Supermarkt, sowie ohne Ende Gastronomie, auch das Café Granat. Da wollte ich eigentlich wieder hin, aber draußen war kein Platz mehr zu bekommen. Kein Wunder, ist ja auch gut. Erst mal ging ich jedoch noch zum Supermarkt (der, wie ich bemerkte, kurz vor elf Uhr abends immer noch geöffnet war). Wegen der nicht funktionsbereiten Akkus kaufte ich Batterien. Da stand auf einer Packung mit vier AA-Duracells 8,10. Wow, 80 Cents, ich dachte, ich mache das Schnäppchen meines Lebens, als ich mit zwei Packungen an der Kasse stand – wo ich dann belehrt wurde, dass das der Preis für EINE einzelne Batterie sei. Trotzdem, immer noch akzeptabel, der Preis…

Wohin also alternativ zum Essen? Es gab da noch diesen Laden, vor dem immer dieser in Japanisches Tuch eingewickelter Typ herumsteht, offenbar gibt es hier vor allem Sushi, was hier, ähnlich wie Sisha (man beachte die phonetische Ähnlichkeit) offenbar recht angesagt ist. Nicht mein Ding. Also zum „Pizza & Grill“ – das ist doch eine Sprache, die ich verstehe! Letztenendes versteht man sich hier auch ohne sprachliche Gemeinsamkeiten, und die Karte ist sehr übersichtlich, bietet aber in beiden Disziplinen entscheidende Leckereien an. Ich nahm einfach einen doppelten Burger mit Fritten für so 85 UAH und ein großes Livinska White Lion oder so. War super und preislich sehr akzeptabel. Dabei lief so recht laute Clubmucke, nicht so mein Ding, aber erträglich. Der Laden war nicht so gut besucht, aber nebenan saß ein Pärchen, dass sich auch eine Sisha kommen ließ, welche vom Kellner angeraucht wurde. War sehr stylisch, unten drin war eine batteriebetriebene LED, die das Blubbern beim Ziehen besonders zur Geltung brachte. Ich achtete extra darauf, ob wohl das Mundstück nach dem Anrauchen getauscht würde, aber das muss ich verpasst haben. Ansonsten vertrieb ich mir die Zeit, dank des Restaurant-eigenen WLANs, damit, mit Ingress-Kollegen zu chatten und die Portale in der Nähe zu hacken, z.B. den Duc de Richlieu.

Okay, Essen erledigt, also wo die Zigarre rauchen? Ich hatte mir zuerst die Potemkin-Treppe vorgestellt, die inzwischen angenehm Falken- und Kaninchenfrei war. Nur oben, wo die City-Touren starten, wurde mir schon wieder ein Flyer in die Hand gedrückt. Vielleicht mache ich das sogar auch mal, so eine Tour. Naja, aber so gemütlich war es auf der Treppe nicht, also weiter wieder Richtung Terminal. Die „Silver Spirit“ war inzwischen auch verschwunden. Schade, die Schiffe wären in der Dunkelheit sicherlich auch ein netter Anblick und Motiv gewesen. Trotzdem, die Treppe runter, Straße unterquert, und zum Terminal. Inzwischen konnte ich die 7er-Portale dort schon wieder hacken, öhm… Damit schaffte ich es natürlich nicht, einfach irgendwo zu sitzen, meine Zigarre zu rauchen und meine Dose „Obolon“ zu trinken. Allerdings schmeckte die Zigarre nicht besonders, schlechtes Preis/Leistungs-Verhältnis. Außerdem wehte ein recht kühler Wind, und es war also eh nicht so komfortabel, daher konnte ich ebensogut meine Kreise drehen und die 7er hacken, während ich meine Zigarre rauchte. Die Atmosphäre hatte fast was Surrealistisches. Es waren kaum Menschen da, nur hier und da ein paar Jogger und Pärchen. Trotzdem lief der Lautsprecher bei der Mutter-und-Kind-Statue noch, was in der Dunkelheit auf dem menschenleeren Platz seltsam wirkte. Es schien neben der Big-Band-Unterhaltungsmusik zwischendurch noch so eine Art Comedy zu sein – ohne Zuhörer außer mir, und ich habe kein Wort verstanden.

Containerschiff bei Nacht

Containerschiff bei Nacht, Lade- und Löscharbeiten werden durchgeführt. Im Vordergrund der Sound aus dem Lautsprecher der „Mutter-und-Sohn“-Statue, im Hintergrund das Warnpiepen von Flurförderfahrzeugen auf dem Containerterminal.

Ich rauchte also meine Zigarre, trank mein Bier, machte zwischendurch ein paar Hafenfotos mit langen Belichtungszeiten, und farmte zum zweiten Mal die 7er-Portale. Als Bier und Zigarre durch waren, dauerte es nicht mehr lange, bis ich die am Ende des Piers „ausgebrannt“ hatte. Aber es gab ja noch die weiteren vorne vor dem Terminal. Da farmte ich auch noch, aber irgendwann war es auch mal gut, ich wollte ja noch weitere Fotos in der Stadt machen.

Discovery Bay und Chiquita Bananen

Alles Banane in Odessa? Keine Ahnung, aber die „Discovery Bay“ lag schon hier, als ich vorgestern ankam. Das irritiert mich irgendwie, so ein kleines Schiff sollte längst abgefertigt sein.

Also erst die Potemkin-Treppe wieder hoch (bisher immer zweimal pro Tag als minimal-sportliche Übung), dann die Katernynyns’ka entlang. Die große Statue von Ekatharina II hatte ich schon bei der Suche nach Abendessen erwischt. Auch die Straße mit den Leuchtäpfeln in den Bäumen. Aber ich wollte unbedingt noch Aufnahmen von der Oper machen. Indess – die war dann gar nicht so nett angestrahlt, wie ich erwartet hatte. Nun, es sah aber gut genug aus. Ich hatte teilweise meine liebe Not damit, meine Kamera irgendwo hinzustellen. Da bieten sich normalerweile Autodächer für das kleine Stativ an, welches ich in meiner Kameratasche mitführe. Aber ich suchte mir die Autos sorgfältig aus und vermied die ganz großen SUVs und Limousinen. Denn wer weiß, vielleicht gehört soetwas dem hiesigen Drogen- oder Zuhälterkönig, und der muss mich dann alleine schon deswegen in einer Dose Hundefutter enden lassen, um seinen guten Ruf zu wahren…

Hotel Mozart

Hotel Mozart mit seiner nachts schick beleuchteten Fassage

Also, auf zur Oper, Fotos machen, auch von der nett beleuchteten Fassage des benachbarten „Hotel Mozart“, feststellen, dass sowohl Portale als auch WLAN in Reichweite sind, deployen, linken, hacken, und langsam den Rückweg zum Hotel finden. Unterwegs wurde ich noch von zwei mittelalten Frauen mit dem üblichen „What’s your country“ angesprochen. Höflich antwortete ich „Germany“, unhöflich aber konsequent sah ich zu, dass ich Land gewann. Die hatten keine Falken oder Kaninchen dabei, aber naja, die werden sich was anderes dabei gedacht haben, was ich genauso wenig wollte.

Oper bei Nacht

„Seht das schöne Opernhaus, sieht es nicht fanstastisch aus? Herren im Frack, Frauen in großer Abendgarderobe. Hunde werden an der Leine geführt…“ (Georg Kreisler)

Also lieber nochmal zum Rathaus, Fotos machen. Dort war immer noch ein bisschen was los, vor allem stand hier einer von den mobilen Kaffeeläden, der laut Musik spielte. Ich machte meine Bilder und hackte die Portale. Das ist fast noch in Reichweite des Hotel-WLANs, aber nicht mehr ganz – es gibt aber da wieder ein anderes, in das ich mich einklinken kann.

Rathaus bei Nacht

Rathaus und eine in die richtige Richtung zeigende Kanone

Als ich eigentlich schon fertig war, tauchten zwei Damen auf Pferden auf. Die eine hielt dann mit ihrem Gaul direkt auf mich zu und sprach mich auf ukrainisch (russisch?) an. Ich sagte ihr auf Englisch, ich spräche kein Ukrainisch. Sie darauf „Come on, let’s ride!“ WTF? Ich lehnte das höflich mit dem Hinweis, ich verstünde mich nicht gut mit Pferden, ab. Was zum Geier war das denn schon wieder? So abenteuerlustig, mit einer – nicht unattraktiven, aber unbekannten – jungen Dame nachts hoch zu Ross durch eine unbekannte Stadt zu ziehen, bin ich dann doch nicht, zumal ich wirklich mit Pferden keine Erfahrung habe. Mit meiner kaputten Hüfte würde ich auf das Vieh nicht einmal unfallfrei rauf kommen. Und was da wieder die Masche ist … wahrscheinlich auch etwas, was mit Kosten verbunden ist, die im Vorfeld nicht erwähnt werden. Das ist eben das, was mich wirklich nervt. Wenn da von den hiesigen Tierfreunden gleich ne Ansage gemacht würde, was der Spaß kostet – vielleicht würde ich mich dann sogar mit einem Raubvogel knipsen lassen. Aber diese hinterfotzigen Geschichten, bei dem man plötzlich so einen Federvieh auf dem Arm sitzen hat, ehe man sich’s versieht, danke nein – dafür bin ich wahrscheinlich zu deutsch. Und ich will auch nicht als Dose Hundefutter enden, weil sich herausstellt, dass die Reiterin zufällig zum Harem desselben Typen gehört, auf dessen SUV ich fast meine Kamera gestellt hätte…

Gun and Flowers

„Gun and Flowers“ – hieß so nicht eine bekannte Band?

Zurück zum Hotel, Glotze an, Bloggen, Feierabend.

Bis bald!

Veröffentlicht unter Odessa | Hinterlasse einen Kommentar

Falken, Tauben und Kaninchen

Hocke wieder im Hotelzimmer und gucke nebenbei ukrainische Musikvideos. Eine Freundin von mir sagt, ein Fernseher sei für sie, wenn sie alleine sei, eine „sprechende Lampe“. Das helfe, sich nicht so alleine zu fühlen. Nun, meine spricht oder vielmehr singt zwar ukrainisch, aber passt schon. Sie könnte auch deutsch sprechen, aber das ist RTL, das kann ich nur bedingt ertragen.

Der Duc de Richelieu

Statue vom Duc de Richelieu. Der Groß-Enkel von Kardinal Richelieu wurde von Marie-Antoinette seinerzeit aus Frankreich rausgeschmissen, diente dann in der russischen Armee und wurde dann Gouverneur von Odesse. Seiner Planung hat die Stadt viel zu verdanken.

Ich war heute in der Umgebung unterwegs. Eigentlich gibt es nicht so viel zu erzählen, denn ich habe nicht wirklich viel erwähnenswertes erlebt. Also werde ich viele Worte über das, was nicht so erzählenswert ist, verlieren müssen.

Blick auf das See-Terminal Odesse

Das See-Terminalwurde 1967 gebaut und 2000 modernisiert.

Als ich gegen Mittag endlich in die Socken kam, ging ich erstmal wieder zum Hafen, genauer gesagt zum See-Terminal. Hier lag so eine Art kleines Kreuzfahrtschiff, die „Dnieper Princess“, wie zu lesen war. Davor sind zwei Kunstwerke, darunter die Bronze-Skulptur „Das goldene Kind“ zu sehen, dahinter steht das „Hotel Odessa“, eine kleine Kirche, es gibt ein Restaurant und Yachtliegeplätze. Hier liegen auch ein paar ganz nette Eimer, einer stach durch seine Größe heraus. Noch nicht so ganz Abramowitsch, aber größer als die Durchschnittsyacht.

Nette Zweityacht

Nette Zweityacht im Hafen von Odessa

Nachdem ich hier noch ein paar Fotos bei besserem Licht als gestern gemacht hatte, ging ich die Potemkin-Treppe wieder hoch. Hier konnte man sich immer noch oder schon wieder mit wahlweise imposanten Falken oder niedlichen Kaninchen fotografieren lassen. Da stellte sich mir die Frage, ob nicht vielleicht die gefiederten Räuber der Lüfte irgendwann mal ihre Erziehung vergessen werden, und dann die niedlichen Pelzviecher zum Lunch verputzen.

Ich ging wieder stadteinwärts, ohne bestimmtes Ziel, außer vielleicht, mal irgendwo was zu essen zu finden. In der Nähe der Außengastronomie, die ich gestern schon gesehen hatte, lärmte ein Dieselaggregat. Es blieb nicht das einzige, ich sah und hörte dann die ganze Straße entlang diverse Hondas am Rödeln. Die Häuser hatten offenbar regelrechte Möglichkeiten, so ein Ding davorzustellen, einen Stecker in die Wand zu schieben und den Saft dann in die Hauselektrik einzuspeisen. Offenbar war gerade Stromausfall, dass man darauf offenbar bestens vorbereitet war, zeigt, dass dies hier offenbar nicht selten vorkommt. Ups – gerade habe ich mal den Akku vom eeePC eingeschoben, man weiß ja nie. Der Lärm ging mir allerdings auf den Keks.

Oper und Ballett-Theater Odessa

Oper und Ballett-Theater Odessa, ich hab es auch erst per Internet rausgefunden, was dieser Prachtbau eigentlich ist.

Ich folgte einer Querstraße zu einem großen, reich mit Skulpturen verzierten Gebäude. Keine Ahnung, wie es heißt oder was das ist – auf Google Maps steht ja auch alles auf Kyrillisch. Oh, doch – es handelt sich um das Opernhaus und Ballettheater. Imposanter Bau. Davor standen auf einem großen Platz einige Stretchlimousinen, die offenbar für Brautpaare gemietet waren. Es wurde heute viel geheiratet in dieser Stadt. Eines dieser Autos war ein BMX X5L. Ich wusste gar nicht, dass BMW sowas baut, naja, vielleicht eine Spezialanfertigung.

BMW X5L

Strechlimo zum heiraten.

Seitlich der Oper gab es wieder Möglichkeiten, sich mit Falken oder wahlweise mit weißen Turteltäubchen fotografieren zu lassen. Nöööö…. immer noch nicht. Also weiter. Ein paar Straßen weiter gab es ein Lokal, wo man „draußen“ in einem Zelt sitzen kann, die Preise schienen mir günstig. Aber ich wurde leider nicht bedient. Ich vertrieb mir die Zeit, in meinem „Odessa in your pocket“ aus der Touristeninformation zu lesen. Irgendwann verlangte ich nach der Karte, aber mein „Menu bud’laska“ war vielleicht zu unverständlich. Ich muss gestehen, ich hab auch schon gewisse Berührungsängste, wenn ich mit Englisch nicht weiterkomme. Jedenfalls habe ich es dann vorgezogen, mir woanders was zu essen zu suchen.

Katze

Entweder, ich bin noch in Israel, oder vielleicht hat sich das Tier bis heute in meiner quietschorangefarbenen Hartschale versteckt.

Nach einem weiteren Gang schaute ich mal auf meine Bikemap-Karte auf dem Schlaufon. Ich hatte mir natürlich die Openbikemap der Ukraine auf das Gerät runtergeladen. Damit finde ich, solange ich Saft drauf habe, zumindest offline immer wieder zum Hotel, weil ich ja auf dem Display sozusagen eine Brotkrumen-Spur hinterlasse. Ich stellte fest, dass es sich anbot, einmal im Carée zu gehen. Der Plan war, nochmal zum Pier zu gehen, um dort das Restaurant zu testen.

Kanone am Hafen

Alte Regel: Wer Hafen hat, hat auch Kanone. Nur, warum ist diese hier auf das Foyer des Hotel Odessa gerichtet?

Das tat ich dann auch. Die Kellnerin war sehr hübsch, konnte aber kein Englisch. Die Karte allerdings war auch in Englisch verfügbar, was hier nicht selbstverständlich ist. Der typische Touri kommt hier ja eher aus Russland, anderen GUS-Staaten oder Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, vielleicht noch aus der Türkei. Schon möglich, dass man manchmal mit Polnisch mehr erreicht als mit Englisch, mit Russisch auf jeden Fall. Es gab dann eine Unstimmigkeit, als ich bestellen wollte, und die hübsche Bedienung schickte einen Kollegen. So ganz klappte es aber immer noch nicht mit der Verständigung, ich bestellte schließlich was anderes.

Das war dann ein Nackensteak mit Pommes und gegrilltem Gemüse. War ganz okay, auch wenn das Gemüse (Auberginen und Paprika) einen komischen Nebengeschmack hatte. Gekostet hat die Mahlzeit mit einem Heineken dabei 260 UAH (Hrywnja, sprich etwa „Kriwnia“), was vor allem für hiesige Verhältnisse recht teuer ist. Hier im Hotel habe ich für ein Borschtsch, Boeuff Stroganoff und ne Cola weniger als 200 UAH geblecht. Aber egal, ich habe Urlaub.

Nach dem Essen ging ich ein zweites Mal an diesem Tag die Potemkin-Stufen hoch, ignorierte die Falken-Jungs und ging noch in den kleinen Supermarkt, der trotz des Sonntags geöffnet hatte. Hier ging während des Einkaufens Hauptbeleuchtung und Musik aus, offenbar noch ein Stromausfall. Die Notbeleuchtung machte ausreichend Licht, und die Kassen waren vom Ausfall nicht betroffen, daher ging es einfach normal weiter. Als ich bezahlt hatte, ging die Hauptbeleichtung auch wieder an. Draußen auf der Straße war auch kein Dieselaggregat mehr zu hören.

Meine Route am 29.09.

Meine Route am 29.09.

Anschließend ging ich wieder ins Hotel, Fernseher an. Auf M1 lief schon wieder Titten-TV. Dieselben Mädels wie gestern, diesmal allerdings in Bikinis mitten im Schnee, äh, stelle ich mir nicht gesundheitsfördernd vor. Auf RTL erklärte mir Dingsbums, ähm, keine Ahnung, warum Boris Becker jetzt nach der Veröffentlichung seines Buches doof ist. Warum denn das? Also, warum erst jetzt doof? Der Typ konnte mal richtig gut Tennis spielen, ansonsten fand ich den noch nie besonders prickelnd. Na, Ihr seht schon, ich erzähle, was hier im Fernsehen kommt, daran sehr Ihr, viel zu berichten gibt es eigentlich nicht. Aber gut, deswegen wünsche ich mir nicht die Raketen von Tel Aviv zurück.

Insgesamt bin ich irgendwie nicht so gut drauf. Vielleicht hätte ich mir doch kein Ex-hinter-dem-eisernen-Vorhang-Ziel suchen sollen, oder einen wärmeren Ort. Oder einen, wo es Museen mit Flugzeugen gibt. Ich fühle mich bisschen einsam, und ich fürchte, ich habe hier die Zeit für diese Stadt zu großzügig angesetzt, keine Ahnung, ob ich jeden Tag noch was entdecke. Aber ich muss mich vielleicht auch nur mal mehr aus meinem Loch hier trauen. Auch leicht gesagt, mit einer leichten Basis-Depression im Nacken. Naja, hilft ja nix, mal sehen, was der nächste Tag bringt.

Bis bald!

Veröffentlicht unter Odessa | 3 Kommentare

We have a winner!

Guten Morgen aus Odessa, hier ist es schon fast 12 Uhr, sonnig, 16 Grad. Tja, das mit der Treppe war natürlich sehr einfach, ich wollte halt auch, dass es rauskommt. Aber Dr. Stückemann war mit seinem Kommentar einen Beitrag schneller – er hat es anhand der Flugzeiten herausgefunden. Meinen Glückwunsch!

Das mit der Treppe ist halt bekannt aus Eisensteins Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“. Hab den Film nie gesehen, aber es gibt eine Szene, in der ein Kinderwagen die 192 Stufen zum Hafen herunterpoltert. Ich habe im Netz gelesen, wie mit Händen und Füßen mal ein junger Tourist eine Mutter um ihren Kinderwagen gebeten hat, damit er ein Foto damit machen kann – daher der Spruch mit dem Kinderwagenverleih. Ich hatte vorher per Google getestet: Wenn man „Treppe“ und „Kinderwagen“ zusammen eingibt, landet man sofort hier. Die Treppe selbst ist architektonisch interessant: Von unten sieht man nur die Stufen, von oben nur die Plattformen dazwischen. Wenn man von unten zählt, landet man immer auf zweiundirgendwaszig. Irgendwo muss ich mich allerdings verzählt haben, ich bin auf 193 Stufen gekommen.

Ich hab gestern nach dem Abendessen noch Fernsehen geguckt – mach ich zuhause ja nicht – und bin ins Bett gegangen. Heute habe ich ausgeschlafen. Werde auf das Frühstück verzichten (ist ja auch schon Mittag) und gleich mal schauen, was ich heute so anstelle. Vielleicht latsche ich mal zur Touri-Info, die ist oben an der Treppe, ich hab‘ mir da gestern schon eine Karte geholt.

Blick aus meinem Hotelfenster

Blick aus meinem Hotelfenster

Ansonsten, meine ersten Eindrücke: Der Verfall, der sich hier zu Sowjetzeiten abgespielt haben dürfte, ist sehr deutlich zu sehen. Die Stadt ist ja noch keine 300 Jahre alt. Einige ähnlich alte Gebäude wie mein Hotel Londonskaya wurden allerdings sehr schön erhalten. Erinnert mich ein bisschen an Tel Aviv, wo prächtig restaurierte Bauhausstil-Gebäude neben Häusern, die in Deutschland aus Sicherheitsgründen abgebrochen würden, stehen. Der öffentliche Nahverkehr wird mit Uralten O-Bussen und Fahrzeugen der Marke Tata bedient. Ich muss mal mit so einem überfüllten O-Bus fahren, zur Zeit ist ja in der Diskussion, ob wir in Osnabrück auch wieder O-Busse bekommen. Auf den Straßen verkehren teilweise schrottreife Ladas, ansonsten sieht mal hier viele Hyundais, moderne Skodas und gelegentlich glänzende BMWs und Mercedesse.

Was Kriminalität angeht, so denke ich nach dem, was ich gelesen habe, dass es eine recht sichere Stadt ist. Es wird eben nur vor Betrügereien gewarnt, Leute, die einem Geldbündel vor die Füsse werfen und einen dann beschuldigen, etwas gestohlen zu haben zum Beispiel. Deswegen lasse ich mich auf so Geldwechsel-Sachen auch nicht ein. Ich mag ja naiv sein, aber das gestern echt eine platte Tour gewesen. Auch die Polizei genießt im Netz (und im Reiseführer) nicht den besten Ruf, angeblich gibt es Beamte, die unter fadenscheinigen Vorwänden nachts „Strafgelder“ verlangen („Sie dürfen hier nicht entlanggehen“).

Am dritten Oktober geht es dann per Bahn nach Sevastopol. Aber erstmal bin ich eine Weile hier, und ich mache mich gleich mal auf die Socken, die Stadt zu erkunden.

Bis bald.

Veröffentlicht unter Odessa | 2 Kommentare

Spaziergang in der näheren Umgebung

Ich machte mich dann mal auf die Socken, um die nähere Umgebung des Hotels zu sondieren und möglichst ein paar Getränke (Wasser, Bier) einzukaufen. Das Wetter: Bedeckt, leichter Wind, vielleicht 16 Grad. Direkt vor dem Hotel (welches übrigens über 190 Jahre alt ist, das ist noch ein Kapitel für sich) ist eine Art recht schöner Boulevard. Dahinter kommt noch eine Straße und dann auch schon der Hafen.

Hafenblick

Blick auf den Hafen

Eine lange Treppe führt über 192 Stufen zum Hafen herunter. Oben ist das ein bisschen Tourifalle, mit Ballonverkäufern und so. Zwei Falkner waren da mit ihren Vögeln zugange, und wenn man nicht schnell genug abhaut, setzen sie Dir einen großen Vogel auf den Arm und bieten Dir an, ein Foto zu machen. Ich konnte nicht verhindern, dass so ein Tier es sich auf meinem Arm bequem machte, aber ich habe dann doch nachdrücklich auf das Foto verzichtet. Dann machte sich ein anderer, ziemlich aufdringlicher Kerl an mich heran. Zuerst wird man gefragt, woher man kommt und kriegt dann gesteckt, wie toll doch Deutschland ist. Und dann wird man diese Typen nicht los, die tun so, als wäre man best friends, und dann droht irgendwas Fadenscheiniges. In diesem Fall wollte der Mann irgendwann gerne Euromünzen in Scheine gewechselt haben. Ich hab was darüber gelesen, dass man sich vor solchen Vorfällen hüten sollte und behauptete, ich hätte keine Euronoten. Gleichzeitig habe ich gelesen, die Leute hier seien sehr nett und gastfreundlich. Ist schon scheiße, immer so misstrauisch sein zu müssen, vielleicht tue ich den Leuten auch mal Unrecht. Aber andererseits… so wie sich hier die Leute aus heiterem Himmel an mich ranschmeißen… Ist ja fast wie auf der Reeperbahn, aber da sind es wenigstens Frauen!

Die große Treppe zum Hafen

Die große Treppe zum Hafen

Ich ging die Treppe herunter und überlegte, dass hier ein Kinderwagenverleih ein einträgliches Geschäft sein könnte. Dann überquerte ich die Straße und näherte mich dem Hafen, um ein paar Fotos zu machen. Naja, Industrie halt, Bausubstanz teilweise recht brökkelig überall, bisschen deprimierend, das alles. Ich war dann auch nicht so gut gelaunt, auch wegen dieser aufdringlichen Leute. Es gibt viele Kioske, die Getränke kaum teurer als der kleine Supermarkt, den ich später entdeckt habe, verkaufen. An einem solchen besorgte ich mir ein bisschen Wasser und ging dann Richtung Innenstadt. Hier gibt es neben brökkelnden Ruinen prächtig hergerichtete Gebäude, die vermutlich ähnlich alt sind, wie mein Hotel. Nicht weit vom Hotel gibt es viel Gastronomie, da werde ich sicherlich das eine oder andere mal testen. Auch der kleine Supermarkt, wo ich verschiedene, einheimische Biersorten zum Testen kaufte, ist in dieser Ecke. Der Supermarkt war übrigens voll mit Produkten, die wir bei uns auch haben, selbst die Chateau-Schokolade (total überteuert), die bei und bei Aldi verkauft wird, und Oettinger Bier. Aber auch Sachen wie Rafaello-Pralinen und die komplette Palette an Standard-Schokoriegeln.

Schlumpfine im TV

Diese Schlümpfe! Die verfolgen mich wirklich ÜBERALL hin!

Ich brachte meine Einkäufen ins Hotelzimmer, öffnete ne Büchse Bier und machte die Glotze an. Auf dem Kanal, der als erstes auftauchte, lief eine Sendung über Bikinimodels, die sich bodypainten ließen. Hm, ist ja doch gar nicht so übel hier… Auf dem nächsten Kanal liefen allerdings gleich die Schlümpfe… die werde ich wohl nie los. Ich beschloss nach dem Studium der Menükarte, im Restaurant des Hotels zu Abend zu essen. Ich entschied mich für Boeuf Stroganoff und ein Borschtsch als Vorspeise. War auch beides sehr schmackhaft. Merken: Abneigung gegen Rote Beete überdenken.

Also, es war ein langer Tag, abgesehen von dem einen oder anderen Nickerchen in den Fliegern habe ich ich ja komplett durchgemacht. Daher werde ich jetzt auch einfach mal chillen, bisschen fernsehen gucken und sicherlich recht früh schlafen gehen. Morgen wird dann einfach in den Tag gelebt. Dafür ist Urlaub ja da.

Bis bald!

Nachtrag: Habe jetzt drei verschiedene Biersorten getestet. Alle ganz okay für mich – aber auch alle mehr oder weniger gleich.

Veröffentlicht unter Odessa | 13 Kommentare

Angekommen wo auch immer…

Also, wo war ich stehengeblieben? Achja, im Frankfurter Flughafen. Der Umstieg von der Bombardier CRJ700 in einen A321, der mich in eine andere Stadt mit einem anderen großen Flughafen bringen sollte, war problemlos und ohne viel Weg zum Gate. Ich mag immer noch nicht sagen, wo ich nochmal umsteigen musste, das würde doch die Möglichkeiten schon zu sehr einengen…

Landeanflug

Kurz vor der Landung in der Stadt, die ich noch nicht nennen will. Von dort ging der dritte Flug zum Zielort.

Der zweite Flug dauerte jedenfalls eine knappe Stunde, die ich so vor mich hin döste. Achja, wieder durfte der Co-Pilot den Lufthansa-Airbus fliegen, was wieder vom Kapitän verkündet wurde. Offenbar habe ich den „Heute-fliegt-der-1.-Offizier“-Tag der Lufthansa erwischt.

Angekommen auf einem großen Flughafen im Ausland merkte ich beim ersten Blick auf die Uhr, dass das Boarding für meinen letzten Flug schon seit acht Minuten (geplant) begonnen hatte). Der Start war in 32 Minuten geplant, und ich musste noch zum Gate. Diesmal war der Weg etwas länger, ich musste zwischendurch nochmal meinen Pass vorzeigen und nochmal direkt am Gate mit dem Handgepäck durch die Security, die hier deutlich gründlicher war als zuvor am FMO. Aber ich saß dann doch rechtzeitig in einer Boeing 737-500 einer Fluggesellschaft, die hier in meinem Urlaubsland beheimatet ist.  Das ist eine Airline, von der ich zuvor noch nicht gehört hatte, und bei der man dann schon hofft, dass die Maschinen auch gut gewartet sind… Sehr ermutigend war auch, dass sich auf der anderen Seite des Ganges ein offenbar hier heimischer Fluggast vor dem Start bekreuzigte, aber naja, das musste ja nix mit der Fluggesellschaft im Speziellen zu tun haben…

Nach knapp zwei Stunden Flugzeit und einem sehr ruhigen Flug kam ich dann schließlich an meinem Zielflughafen an. Mir viel sofort der schlechte Zustand der Runway und auch der Taxiways auf. Am Rand standen teilweise offensichtlich schrottreife Maschinen neben modernen Maschinen im aktiven Dienst. Wir wurden dann mit einem Bus zum Terminal gebracht, wieder nur eine ganz kurze Fahrt. Das Flughafengebäude versprühte den Charme einer Postfiliale aus den 60er-Jahren. Die Einreise war problemlos, und ich habe nun einen schicken, neuen Stempel im Pass. Bei der Gepäckausgabe waren zwei Hunde, ein Jack Russel und einer von diesen großen, schwarzen Hunden mit sanften Augen, den zwei spezielle Freunde von mir sofort mitgenommen hätten. Aber das wäre nicht gegangen, weil da ein Unifomierter dranhing, der mit dem Hund auf dem laufenden Förderband die Koffer inspizierte. Der Jack Russel sprang auf das andere Förderband und lief zwischen den Koffern umher. Ob er auch nach Drogen oder Sprengstoff suchte, oder nur ein bisschen Karussel fahren wollte, weiß ich nicht – jedenfalls sah es sehr lustig aus.

In der Ankunftshalle lauerten sofort Taxifahrer auf ihre Beute, also mich. Ich hatte gelesen, dass man da gerne einmal zu unmöglichen Preisen Fahrten angeboten bekommt. So lehnte ich ersteinmal höflich ab und wollte mich über Alternativen informieren. Einer war allerdings ziemlich aufdringlich – um so mehr Grund, abzulehnen. Allerdings arbeitete der offenbar mit einem anderen zusammen, der gut Englisch sprach. Was soll’s, ich war müde und hatte keinen Bock mehr. Ich handelte den Preis noch von 450 auf 350 der hiesigen Währungseinheiten herunter, was ich immer noch happig fand, man zeigte mir ein Wechselbüro, wo ich hundert Euronen in das hiesige Geld eintauschte, und ließ mich zum Hotel bringen. Dort bekam ich mit, wie an der Rezeption ein Gast, der auch gerade eincheckte, die Rezeptionistin auf Englisch nach dem üblichen Taxipreis zwischen Flughafen und Hotel (ca. 10 km) fragte. Sie sagte, der Preis des Hotels für den Fahrdienst sei 360 Flocken (und genau das hatte ich letztenendes tatsächlich bezahlt). Der gute Mann hatte sich satte 600 abnehmen lassen – da bin ich ja doch noch recht günstig davongekommen. Ach, naja, ich kann es ja doch mal sagen, ein Euro sind etwa 10 hiesige Ocken. Zu dem Kurs habe ich am Flughafen (schlecht) getauscht, eigentlich sind eher 90 Cent 10 hiesige Ocken (hO), Den Namen der Währung kann ich dann aber doch noch nicht rausrücken.

So, nun bn ich in meinem recht konfortablen Zimmer. Mehr als die unmittelbare Umgebung (inkl. Strand und vermutlich Hafen) und einen Supermarkt finden habe ich eigentlich heute nicht mehr vor. Ich werde es ruhig angehen lassen.

Bis bald!

 

Veröffentlicht unter Odessa | 2 Kommentare