Wo bin ich hier bloß gelandet?

So, ich bin angekommen. Wo – das sage ich noch nicht. Denn wie schon angekündigt, startet ab sofort das „Wo bin ich“-Gewinnspiel. War eine Idee meines Chefs. Einige Hinweise habe ich zuvor ja schon in einem anderen Post gegeben.

Nun die Regeln:

  • Mitmachen darf jeder
  • Gesucht wird: Die Stadt, in der ich gelandet bin
  • Zu gewinnen gibt es einen Preis im Wert von 10-20 Euro
  • Wer zuerst (Datum/Zeit des Kommentars) den richtigen Namen der Stadt postet, gewinnt
  • Mitmachen darf jeder, aber ich werde keinen Preis ins Ausland verschicken, wegen der Portokosten
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Ich werde so nach und nach Hinweise geben, wo ich zu finden bin, auch die Fotos werden sicherlich helfen. Wer den Blog abonniert hat, ist natürlich im Vorteil, denn dann bekommt man immer sofort per E-Mail den aktuellen Post. Was den Preis angeht, das könnte eine DVD oder BluRay-Disc sein, ein Buch, eine CD, eine Flasche Hochprozentiges – das suche ich je nachdem, wer gewinnt, aus.

Also: Frisch ran an die Raterei!

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Excuse me while I kiss the sky…

Frankfurt/Main, 07.56 Uhr. Warten auf den nächsten Flieger nach … nöö, sag ich noch nicht. In Verbindung mit der ungefähren Uhrzeit könnte das zu viel über das Endziel aussagen…

So lief es bisher: Gestern war noch eine nette Ingress-Runde angesagt. Wir begannen zu viert beim Kartoffelhaus mit „Pfännchen“ (Jägerpfanne) und Bananenweizen. Danch siedelten wir für die üblichen Cocktails zum Cup & Cino über, wo wir dann zu siebt waren. Während der Drinks stellten wir fest, dass die Schlümpfe mit einer noch größeren Truppe unterwegs waren und Level-8-Portale baute. Das mussten wir natürlich unterbinden, also zogen wir los – und trafen kurz danach auf den Gegner. Nach ein paar kleinen Scharmützeln landeten wir dann alle zusammen einträchtig in der Hausbrauerei Rampendahl, wo wir gemeinsam mit dem Gegner ein 8er-Portal hackten und diverse leckere Biere vernichteten. Es wurde ziemlich spät, es war schon nach zwei Uhr, als ich zuhause ankam.

Also nur noch gut zwei Stunden Zeit, bis mich das Taxi zum Neumarkt abholen würde. Keine Chance, noch zu schlafen – ich hatte ja noch nicht mal gepackt. Also habe ich meinen Koffer gepackt und noch ein wenig klar Schiff in der Bude gemacht.

Das Taxi war sehr pünktlich da, ich war zwanzig Minuten vor der Abfahrt des X-150-Bus zum FMO am Bussteig. Also ein Ticket gezogen und dann … naja, was man halt so macht, wenn man in der Innenstadt mitten in der Nacht noch Zeit hat – paar gegenerische Portale angegriffen, Resonatoren gesetzt und gehackt. Ach, wem das alles nichts sagt, auch hier geht es um Ingress.

Dann kam der X-150-Bus. Ich war und blieb der einzige Passagier in dem 20-sitzigen Gefährt. Hm, wollte ich immer schon mal machen, den Turn mit dem 150er-Bus und vom FMO in den Urlaub fliegen…

Gate am FMO

Jetzt geht’s (gleich) los: Gate A5 auf dem dunklen und leeren Provinzflughafen Münster-Osnabrück.

Angekommen am Flughafen Münster-Osnabrück hatte ich etwas über ne Stunde Zeit. Aber es ist eben ein kleiner Flughafen, dazu war es halb sechs Uhr morgens – nix los. Ich konnte zuvor die Bordkarten für die drei Flüge nicht ausdrucken, daher bekam ich sie beim Abgeben meines Koffers. Kurzer Sicherheitscheck, beides zusammen hat keine 20 Minuten gedauert. Echt krass. Der Weg zum Gate war natürlich auf dem Provinzflughafen auch echt kurz – eine Stunde Zeit vor Boarding ist da mehr als genug Zeit.

Bombardier CRJ700 der Lufthansa

Diese Bombardier CRJ700 der Lufthansa brachte mich vom FMO nach Frankfurt am Main.

Vom Gate ging es dann mit einem Bus so ca. 50 Meter über das Flugfeld zum Bombardier CRJ700. Vermutlich durften wir aus Sicherheitsgründen nicht zu Fuß gehen… Ich konnte noch beobachten, wie der Kapitän persönlich einen Rundgang um den kleinen Cityhopser machte und denselben auf Beschädigungen prüfte. Dann ging ich an Bord. Vor dem Start erzählte und der Flugkapitän, dass seine erste Offizierin uns nach Frankfurt fliegen würde. Nach ca. 30 Minuten waren wir dann schon am FRA, raus aus dem Vogel, rein in einen Gelenkbus, tja, und nun warte ich aufs Boarding für den nächsten Flug. Sollte gleich losgehen.

Ich schätze, ich melde mich dann das nächste Mal vom Ziel aus. Es sei denn, ich langweile mich da, wo ich noch mal umsteigen muss, derart, dass ich nochmal bloggen muss. Bis später!

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Reisefieber!

So, geschafft! Der Trip ist gebucht, und ich bin schon aufgeregt wie ein Katze in einem Raum voller Schaukelstühle… Aber der Reihe nach.

Gestern bin ich erstmal nach Osnabrück-City gefahren, um 80 Euro für verschiedene Dinge auf den Kopf zu hauen, unter anderem in einer Buchhandlung für Reiseführer und -lektüre. Beim Thema Reiseführer konnte ich mich zwischen Marco Polo und Reise Know-How nicht entscheiden, da habe ich einfach mal beide genommen. Der Reise Know-How ist doppelt so teuer, aber auch mehr als doppelt so dick und ist dabei nicht über das gesamte Land, sondern nur die Region, die ich besuchen möchte. Naja, normalerweise kommt mein bescheidenes Reise Know-How eher von Expedia.de, Google Maps, Wikipedia und dann noch den Seiten des örtlichen Nah- und Fernverkehrs, aber da ich schon echt ein bisschen die Buchse voll habe, was mich wohl erwartet, möchte ich wenigstens ein bisschen was Gedrucktes dabei haben.

Als Reiselektüre entschied ich mich für „Black Out“, einen Roman über einen Angriff auf das Europäische Stromnetz mit verheerenden Folgen. Mein Vater hatte das auf seinem eBook-Reader, ich habe den Anfang mal gelesen und fand das Thema sehr interessant.

Dann war ich noch bei der Reisebank am Neumarkt, um ein paar Währungseinheiten abzugreifen. Allerdings hatte die gute Frau gerade mal den Gegenwert von ca. 16 Euro vorrätig – egal, habe ich trotzdem erstmal mitgenommen. „Die Exoten schicken wir immer nach Frankfurt/Main in die dortigen Filialen“, sagte die Dame am Schalter, aber sie konnte mit immerhin verraten, wie die Währung eigentlich ausgesprochen wird. Das wußte ich bis gestern nämlich auch noch nicht. Da ich über Frankfurt/Main fliege, werde ich dort vielleicht noch etwas mehr von dem Geld besorgen können. Ansonsten kann man an Geldautomaten Maestro-Karten verwenden – erstaunlicherweise gilt mein Ziel da sogar als „sicher“. Das bedeutet, die Karte ist dort nicht aus Sicherheitsgründen per se gesperrt und muss erst für den Urlaubszeitraum freigeschaltet werden (wie vergangenes Jahr in Israel).

Heute habe ich gebucht. Zuerst rief ich bei der Allianz an und fragte, ob meine vor zehn Jahren abgeschlossene Reiseversicherung noch gültig sei, was mir von einem sächselnden Mitarbeiter bestätigt wurde. Mein Reiseziel verlangt sogar ausdrücklich eine Reisekrankenversicherung, auch wenn keine Fälle bekannt sind, bei denen das bei Einreise jemanls geprüft worden wäre. Jedenfalls nehme ich sicherheitshalber die Unterlagen dazu mit. Dann auf Expedia.de, und Flüge und Hotels recherchiert. Der Plan ist ganz ähnlich wie vergangenes Jahr: Ich fliege an einen Ort, bleibe dort ein paar Tage, fahre dann mit der Bahn zu einem anderen Ort, bleibe dort ein paar Tage, fahre mit der Bahn wieder zurück und fliege von dort wieder heim – allerdings diesmal mit zwei weiteren Übernachtungen am ersten Zielort, allerdings in einem anderen Hotel.

Wieder mal gab es Probleme bei der Buchung mit meiner Kreditkarte. Die Flüge und das erste Hotel waren problemfrei zu buchen, beim zweiten Hotel sagte eine Fehlermeldung, es gäbe Probleme mit meiner Kreditkarte. Was die Sache etwas verkompliziert: Meine alte Kreditkarte läuft jetzt, im September ab, die neue ist also ab Oktober gültig. Die Buchung für den Hotelaufenthalt an Ort Nummer 2 klappte weder mit der alten, noch mit der neuen Karte.

Okay, also erstmal Anruf bei Expedia. Dialekt diesmal stark österreichisch, „bitte beachten Sie, dass Ihr Anruf zu Schulungszwecken mitgeschnitten werden“. Ja klar, Siri. Die Dame versuchte mir zu helfen, indem sie einfach noch mal selbst die Buchung vornehmen wollte („bitte buchstabieren Sie den Zielort…“). Also exzerzierten wir das beides durch, inklusive Versuche mit beiden Karten und denselben Ergebnissen. Sie würde mir das dann aber dennoch per E-Mail den Reiseplan zuschicken, und, „ganz wichtig, Herr Karl, notieren Sie sich die Reiseplannummer…“ Hm, keine E-Mail, kein Reisplan auf meinem Expedia-Konto unter dieser Nummer. Hat also nix genutzt, der Anruf.

Daher dann Anruf bei Mastercard. Dialekt vorhanden, aber unidentifizierbar, und ja, ich weiß, dass mein Anruf von wem auch immer zu Schulungszwecken oder im Interesse der Nationalen Sicherheit der USA mitgeschnitten wird. Nachdem ich fünfmal meine Kartennummer vorgebetet habe und die mich nicht in ihrem Computer gefunden haben, bot man mir an, mich mit der Sparkasse Osnabrück zu verbinden. Okay. „Sparkasse Wallenhorst, mein Name ist Soundso, wie kann ich Ihnen helfen?“ Naja, immerhin dicht dran.

Also beschloss ich, direkt mit meiner Sparkasse drüber zu reden – nicht am Telefon, sondern direkt. Wozu ist man denn Sparkassenkunde? Mir kam der Verdacht, dass ich womöglich mein Limit auf dieser Karte überschritten hatte. Denn ich habe am Monatsende kaum Geld auf meinem Giro, und eine Überweisung eines Betrages für die Reise aus meinem Sparschwein auf mein Giro hatte ich gerade erst veranlasst. Aber ich ging von 2.500 Euro Dispo aus, und der Betrag der Flüge und der beiden Hotelbuchungen lag da noch drunter. Also sicherheitshalber mal klären, die Sache.

Die Mitarbeiterin der Sparkasse prüfte die Sache, erklärte, ich hätte ein Dispo von 3.000 Euro auf der Karte, und die neue Karte wäre auf keinen Fall schon gültig. Sie meinte, ich solle mal die alte Karte mit der Prüfnummer der neuen Karte versuchen. Seltsame Idee… Zuhause probierte ich das gleich erfolglos aus. Jedenfalls denke ich, dass das Problem vielleicht darin besteht, dass die Buchung für das Hotel schon im Oktober liegt, dann meine alte Karte aber nicht mehr und heute meine neue Karte noch nicht gültig ist. Also den Hotelaufenthalt an Ort 2 und den zweiten Aufenthalt an Ort 1 per Lastschriftverfahren bezahlt, Reisepläne ausgedruckt, und fertig.

Und wieder machte ich den gleichen Fehler wie letztes Jahr: Nur oberflächlich die Bahnverbindungen checken, bevor ich die Hotelaufenthalte gebucht habe. Das führt nun dazu, dass ich zu unmöglichen Zeiten, die so gar nicht zum Check-in passen, auf Bahnhöfen herumhängen oder mir mitsamt Gepäck irgendwo die Zeit vertreiben muss. Nunja, ich werde es irgendwie überleben. Die Bahnfahrten gehören sowieso zu den vermutlich spannenderen Erlebnissen dieser Reise. Mit einem Auto könnte man die Strecke zwischen Ort 1 und Ort 2 in ca. 6,5 Stunden zurücklegen. Mit der Bahn wird das über 14 Stunden, über Nacht, dauern, allerdings weniger als ein Zehntel kosten. Allerdings geht es mir gar nicht so sehr um das Geld, eher um, naja, sowas wie „authentisches Reisen“. Es wird vermutlich nicht sehr komfortabel, aber genau diese Touren reizen mich irgendwie gerade – eventuell kann ich so Land und Leute einfach besser kennenlernen. Und wer weiß, vielleicht lerne ich, dass die Deutsche Bahn gar nicht mal soooo übel ist. Die Bahn dort hat keinen so guten Ruf… Ich bin sehr gespannt. Die Bahn in Israel im vergangenen Jahr fand ich jedenfalls super: Kostenloses WLAN an Bord wie auf dem Bahnhof in Tel Aviv!

Okay, ein paar Fakten, damit alle auf demselben Stand sind:

  • Ich brauche kein Visum
  • Ich kenne weder die Sprache noch die Schrift vor Ort
  • Die Währung ist nicht Euro und man kann sie nicht bei der Sparkasse bekommen
  • Abflug ist am kommenden Samstag, 6.25 Uhr, Flughafen Münster-Osnabrück (dorthin mit Bus X-150)
  • In Frankfurt geht es um 8.45 Uhr weiter
  • Dann muss ich nochmals umsteigen, aber ich sag noch nicht wo…
  • Am 3.10. fahre ich mit der Bahn zu Ort 2, Ankunft am 4.10
  • Retour zu Ort 1 geht es vom 8.10. bis 9.10.
  • Am 11.10. geht es zurück zum FMO

Mehr möchte ich im Moment noch nicht preisgeben. Bin mal gespannt, ob mir die Geheimhaltung noch weiterhin bis nach Ankunft gelingt…

Auf jeden Fall bin ich recht zufrieden, was den „Exotik-Faktor“ des Ziels angeht. Normalerweise versucht man ja (ich teilweise durch Faulheit und Töffeligkeit mit mäßigem Erfolg) alles möglichst so gut durchzuplanen, dass alles problemlos „flutscht“. Irgendwie ist das diesmal aber noch nicht mal wirklich mein Ziel. Ich gehe eher davon aus, dass eben nicht unbedingt alles nach Plan laufen wird, dass ich unterwegs in irgendwelche Schwierigkeiten komme, dass ich mich auch mal mit Händen und Füßen werde verständigen müssen, dass es teilweise recht unkonfortabel zugehen wird… Und obwohl ich davor schon jetzt einen Mordsbammel habe, ist das eigentlich genau der Plan. Keine Ahnung, wie ich dazu gekommen bin, aber irgendwie habe ich halb unterbewusst das Gefühl, dass das genau das ist, was ich gerade brauche – Selbstbestätigung, dass ich mich auch außerhalb meiner „Komfortzone“ durchschlagen kann. Und vielleicht hilft mir das auch künftig, die kleinen Probleme des Alltags nicht mehr so überzubewerten.

So, ich muss noch meine Transfers vor Ort checken, Flughafen/Hotel, Hotel/Bahnhof und so. Immerhin sind diese Dinge doch mithilfe des Internets, auch vor Ort, heute meist recht einfach zu klären. Ich denke, mein nächster Post kommt dann vielleicht aus der Abflug-Lounge in Frankfurt, im Moment glaube ich nicht, dass ich am FMO dafür noch Zeit haben werde. Aber mal sehen.

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Auf der Hochzeit der Nudelpiraten

Liebe Leser, eine kurze Anmerkung vorweg: Man mag sich fragen, warum ich noch nicht in Lappland, Timbuktu, Papua Neu Guinea oder sonstwo herumhänge. Nun, das liegt zum einen daran, dass zunächst noch besagte, namensgebende Hochzeit zu absolvieren war. Zum anderen, weil ich mich erst noch irgendwie aus der Klammer einer leichten Herbstdepression herauswinden und endlich in die Socken kommen muss. Und außerdem warte ich noch, bis ich wieder ein Mobiltelefon habe – mir ist meines just abhanden gekommen. Da ich aber gehört habe, dass man ein wenig Lesestoff von mir erwartet, verblogge ich mal just erst einmal die ungewöhnliche Hochzeit meiner Nudler-Freunde.

Also, ein guter und langjähriger (über 20 Jahre) Freund hatte mich gefragt, ob ich nicht sein Trauzeuge sein wolle. Er hat sich eine waschechte Hamburger Deern geangelt und erfolgreich um ihre Hand angehalten. Klar fühlte ich mich geehrt und sagte Aye dazu. Allerdings war auch schon klar, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Hochzeit handeln würde, sondern um eine recht extravagante – denn mein Freund und seine Frau sind Anhänger der Religionsparodie um das „Fliegende Spaghettimonster“. Und so würde man auch nach „pastafarianischem Brauch“ heiraten. Puh! Und das mir als bekennendem Christ! So ganz wohl war mir bei der Sache nicht, aber andererseits – die Spaghettimonster-Sache ist eine Parodie, also nur Spaß. Und da ich davon ausgehe, dass mein Gott Spaß versteht (wer hätte den sonst erschaffen?) konnte ich also auch zur Zeremonie Aye sagen.

Die Festivitäten begannen bereits am Samstag vor einer Woche mit dem Polterabend, der im Garten in HH-Rahlstedt bei leider nicht ganz so tollem Wetter, aber dennoch enthusiastisch gefeiert wurde. Ich nächtigte beim Brautpaar in Spe und nutzte die Nacht, um eine kleine Schatzsuche zu inszenieren. Ich vergrub ein Marmeladenglas mit einem Video neben einem Baum im Garten. Von dort führte ein Hinweis zum Sicherungskasten, in welchem ein Buch mit einer modernen Piratengeschichte versteckt war. Dieses enthielt einen Hinweis auf einen versteckten Zettel mit einer codierten Nachricht sowie den Dechiffrierschlüssel (ein simpler Ceasar’s Cypher) dafür. Auf dem Zettel stand derart verschlüsselt „De Longhi“. An der Kaffeemaschine fand sich ein Zettel mit Seiten-, Zeilen, Wort- und Buchstaben-Angaben. Mithilfe des Buches aus dem Sicherungskasten ergab das den Ort, wo ein Schlüssel versteckt war. Ich hatte also die Nacht gut zu tun und musste mich ganz schon bemühen, mit vier, fünf Störtebecker-Bier im Hirn noch korrekt Botschaften zu chiffrieren.

Vergangenen Donnerstag wurde es dann erst – man gab sich im Standesamt in HH-Wandsbek das Ja-Wort. Der ernste Teil war schnell vorbei, anschließend gab es noch Kaffee und ein kleines (in einigen Fällen zweites) Frühstück in einem hiesigen Lokal, danach ging es zurück in den Rahlstädter Garten. Hier saß man dann im kleinen Kreis (Brautpaar, Eltern, Trauzeugen) den Rest des Tages und verbrachte sehr entspannte Stunden damit, einfach nur zu quatschen und dem guten Störtebecker (oder im Einzelfall Jever…) zuzusprechen. Das Wetter war besser als erwartet, und so konnten wir den Grill anwerfen. Und auch der gelegentliche Regen juckte uns nicht unter der Markise. Wir hockten noch bis spätabends auf der Terasse und sangen zu Gitarre und Klavier. War richtig schön.

MS Viktoria

MS Viktoria – hier fand die Hochzeit der Nudelpiraten statt.

Zwischenzeitlich machte ich einen Besuch bei meinen Eltern für eine Nacht von Freitag auf Samstag, anschließend ging es zurück nach Hamburg, zu den Landungsbrücken. Ich fand mich dort viel zu früh mit meinem Rucksack und meiner quietschorangefarbenen Hartschale ein. Natürlich hatte ich mir, unorganisiert und töffelig, wie man mich kennt, nix Entscheidendes von der Einladung gemerkt und diese auch nicht dabei, also musste ich die Information, wo genau denn die Party steigen würde, noch per Mobiltelefon einholen. Aha, „MS Viktoria“, zwischen Brücke 5 und 9. Letzteres passte zwar nicht ganz, aber das Schiff war leicht zu finden. Ich nutzte die Zwischenzeit, um noch ein paar Ingress-Portale an den Landungsbrücken zu hacken und war gerade auf Höhe der „Rickmer Rickmers“, als mich ein Anruf des Bräutigams ereilte. Man hatte noch viel zu schleppen (Tupperdosen mit Nudeln, Notenständer und dergleichen) und bat mich um Hilfe. Nicht so ganz des „Neinsagens“ mächtig, machte ich mich auf den Weg Richtung Kiez, wo man parkte – eigentlich eher blöd, weil ich mit meiner Hartschale schon genug herumnzuschlüren hatte.

Warum ich das Teil überhaupt mitführte? Nunja, darin befand sich neben meinem Anzugjackett für das Standesamt noch eine Schatztruhe mit einigen Kilogramm Hartgeld als Geschenk von einigen gemeinsamen Freunden und mir, und da fand ich meinen Rollkoffer recht praktisch.

Nach dem kleinen Schlepp-Intermezzo ging es an Bord der „MS Viktoria“. Dort war mittlerweile schon eine muntere Piratenmeute anwesend. Schon die ersten Pastafariani sollen Piraten gewesen sein. So ganz erschließt sich mir der Zusammenhang auch nach dem Lesen des Wikipedia-Artikel nicht, aber es wird schon passen. Jedenfalls hatten sich Gäste und Gastgeber mächtig in Schale geworfen, zumindest die meisten von ihnen. Einen jungen Gast beneidete ich ein wenig um sein T-Shirt mit der Aufschrift „Piratenkostüm“, womit er sich durchaus an Bord legitimieren konnte. Andere hatten wirklich tolle Klamotten und stilechte Accessoires, insbesondere Waffen, dabei. Ich, als Verkleidungsmuffel, hatte auch einen eher einfachen Weg gewählt und bei Amazon für einige Stücke Filz als Piratenkostüm einen nennenswerten Betrag hingelegt. Was tut man nicht alles für seine Freunde…

Pirat Michi

Hm tja, ich mag dämlich aussehen, aber ich stehe dazu.

Der Bräutigam sah natürlich schon auch sehr stattlich in seiner Piratenkluft aus, aber wie bei konventionellen Hochzeiten war natürlich die Braut der Hingucker schlechthin. Sie trug einen langen, weiten, burghunderfarbenen Rock, eine dazu passende Weste, weißes Rüschenhemd und stolzen Dreispitz. Ansonsten begnügte sie sich mit den Waffen der Weiblichkeit, während der Gemahl mit Säbel, Pistole und Nudelholz eine beträchtliche Nahkampf-Bewaffnung vorzuweisen hatte.

Altar für eine FSM-Hochzeit

So sieht das aus – der „Altar“ für eine Nudel-Hochzeit. Links das Spaghetti-Monster als Kuscheltier. Rechts vorne das Kistchen mit den Ringen. Man entschied sich übrigens für Ringe aus Tungsten, also Wolframcarbid. Das Übergangsmetall Wolfram wird ansonsten gerne für Glühlampendrähte oder Projektilkerne verwendet. Immer noch besser, als wenn dafür abgereichertes Uran benutzt wird – das gilt übrigens sowohl für Geschützmunition als auch für Eheringe.

Gegen 16.45 Uhr legte die „MS Viktoria“ mit viertelstündiger Verspätung ab, und die Zeremonie konnte beginnen. Das Aufgebot (so nannte man soetwas, glaube ich, früher einmal) zog durch die Sitzreihen des Hauptdecks ein. An der Spitze ging „Bruder Spaghettus“, der für die pastafarianische Eheschließung verantwortlich zeichnete. Es folgte eine aus zwei Mann bestehende Ehrengarde und dann, ein zeremonielles Nudelholz hinter sich herziehend, die Trauzeugen, also die scharfe Trauzeugin der Braut und ich. Das Nudelholz dient dazu, um dem Paar symbolisch den Weg zu ebnen, war aber aufgrund der Enge zwischen den Tischen und Stühlen an Bord nicht zeremoniegerecht zu führen. Wir und das Brautpaar hinter uns zogen dann auf die Bühne/Tanzfläche/“Altarraum“. Hier war eine Art „Altar“ mit einem „Kuschelspaghettimonster“ und anderen Utensilien aufgebaut, nebst einem Redepult für „Bruder Spaghettus“. Dieser fand einleitende Worte zur Spaghettimonster-Geschichte im Allgemeinen wie zur Hochzeit des Brautpaares im Speziellem. Es war dann schon so eine Art bizarrer „Gotttesdienst“. Musik gab es allerdings nur aus der Konserve, ebenso wie die musikalisch untermalte Lesung der acht „Es wäre mir wirklich lieber“. Die eigentliche Eheschließung bestand aus dem Trunk (natürlich wieder Störtebecker) des Ehepaares aus Zinnbechern, die dann „im Namen der Spaghetti, der Soße und der Hackbällchen“ vor dem Partner hingestellt wurden, dem gemeinsamen Trunk und der Bestätigung des Ehegelübdes mit einem lauten „Aye!“ der Eheleute. Dabei ist mir aufgefallen, dass das 3. „Es wäre mir wirklich lieber“ zwar auf die Gleichstellung von Frau und Mann hinausläuft, die Ehegelübde in diesem Fall aber eher in eine traditionelle Rollenverteilung gingen. Er gelobte unter anderem, ihr stets beim Putzen der Kombüse zu helfen, während sie gelobte, ihm seine Kanone zu putzen (ähem…?). Das Monster schien aber auf jedem Fall dem Brautpaar wohlgesonnen, denn genau im Augenblick des Rituals riss die Wolkendecke wie bestellt auf, und die Sonne strahlte auf die Eheleute herab. Im Hintergrund legte gerade ein schwimmender Hotelkomplex namens AIDA Sol ab – blöd, dass man gerade heiratete, das Teil zu entern hätte reiche Prise versprochen!

Brücke der MS Viktoria

Blick von der Brücke der MS Viktoria elbabwärts. Voraus hat gerade die „AIDA Sol“, ein in Papenburg gebauter, schwimmender Hotelkomplex, ausgeparkt.

Zuletzt wurde noch ein Fürbittengebet für das Brautpaar an das Monster gerichtet (allerdings sagte „Bruder Spaghettus“ voher noch „Wer einen anderen Gott hat, der nimmt einfach den“). Das tat ich dann natürlich auch und wollte eigentlich meine eigenen Gedanken formulieren, aber das viel mir schwer, ich glaube aber, es war schon okay, die guten Wünsche „Bruder Spaghettus'“ an meinen Gott zu forwarden. Eine gemeinsame Freundin erzählte mir hinterher, ihr wäre eher danach gewesen, sich bei ihrem Gott (der derselbe wie meiner ist) zu entschuldigen, dass man an der bizarren Nudelhochzeit so teilgenommen hätte. Auch das kann ich durchaus nachvollziehen. Schließlich wurde in umgekehrter Reihenfolge dann wieder ausgezogen. Geschafft, die Party konnte beginnen.

Zunächst allerdings wendete die „MS Viktoria“ und fuhr zurück an die Landungsbrücken. Denn einige Gäste wollten oder konnten erst nach der Nudel-Zeremonie an Bord kommen. Zwischendurch ging das Brautpaar auch noch kurz an Land, um einige Fotos machen zu lassen. Dann konnte der große Törn beginnen. Die Leinen wurden losgemacht, und die Festivitäten nahmen Fahrt auf. Es gab eine Ansprache, eine ganze Flotte gebackener Piratenschiffe (eins davon ganz aus Spaghetti mit Fleischbällchen) wurde überreicht, eine Liveband spielte und eröffnete den Tanz mit einem als Walzer umarrangierten Piratenlied, welches in der ursprünglichen Fassung vom Bräutigam geschrieben wurde. Der Refrain: „Jo-ho, tally-ho, am liebsten wäre es mir, wir liebten die Frau und den Mann und das Meer, Spaghetti mit Hack und Grog und Bier!“ (by Körrie)

Die leckere Piratenflotte

Statt einer Hochzeitstorte gab es eine gebackene Piratenflotte. Eines der Schiffe bestand aus Spaghetti. Die Fleischklößchen sind allerdings schon vom Brautpaar, der Trauzeugin und einer guten Freundin des Paares heruntergenascht worden. Ganz rechts mit Schleife: Die Backform zur künftigen Reproduktion wackerer Piratenschiffe.

Das Buffett wurde eröffnet (es gab neben Fisch-, Fleisch- und Käseplatten mit Brot ansonsten Kartoffel-Gretain und zwei Sorten Fleisch, größere Mengen Spaghetti waren an Bord mitgebracht worden), die Band spielte mittelalterliche Musik (hm, das ist ja eher nicht so meins), später dann kam die Musik vom DJ. Geschenke wurden übergeben. In unserem Falle eine Schatzkiste mit Schokoladentalern und reichlich Hartgeld – offenbar sehr naheliegend, weil das sehr viele Leute gemacht haben. Unsere Truhe war immerhin mit einem gravierten Schloss gesichert, dessen Schlüssel es für das Brautpaar erst noch zu finden galt. Eine Schatzkarte dafür war in die Hochzeitskarte integriert.

Gabentisch

Nur einige wenige der ganzen Schatzkisten – viele davon sollten noch kommen.

Es wurde dann reichlich gebechert und getanzt. Ich persönlich war leider nicht so gut drauf, wahrscheinlich meine leider mittlerweile schon fast übliche Hochzeits-Depression oder so. Eine Weile wich ich deswegen Gesellschaft eher aus, bis ich mich wieder besser fühlte.

Nicht nur deswegen hielt ich mich hauptsächlich auf dem Oberdeck auf. Ich war zwar immer einmal wieder auf der Elbe unterwegs gewesen, von der klassischen Hafenrundfahrt als Kind oder Jugendlicher (wenn meine Eltern Besuchern Hamburg zeigten) über diverse Bootsfahrten mit einem Freund zu einer Kajak-Tour mit anderen Freunden. Aber es ist immer wieder schön, und ich war noch nie nachts bei Dunkelheit unterwegs gewesen, was einen ganz eigenen Charme hat. Zunächst fuhren wir elbabwärts, an Blankenese und den Airbus-Produktionshallen von Finkenwerder vorbei, in denen offenbar gerade vier A-380 für die Emirates endmontiert wurden. Bei Wedel wendeten wir und fuhren wieder zurück bis zu den Landungsbrücken. Hier startete dann eine ausgedehnte Tour durch verschiedene Hafenbecken. Es ging unter der Köhlbrand-Brücke her zum Hafengelände Altenwerder, wo das fast komplett automatische Terminal der HHLA liegt. Die Fahrt ging dann auch durch den Waltershofer Hafen an den Terminals von Eurogate und HHLA vorbei und zum Containerterminal Tollerort. Womit wir alle vier Containerterminals abgeklappert hätten. Es war faszinierend, zuzusehen, dem emsigen Laden, Löschen und Laschen zuzusehen. Emsig huschten Van-Carrier und andere Fahrzeuge mit zuckenden Gelblichtern über die Kais, während Containerbrückern mit fleißigen Laufkatzen die unscheinbaren 20- und 40-Fuß-Quader, die ein entscheidender Motor der Globalisierung sind, luden und löschten.

Nachts am Containerterminal

Hier ist gerade ein relativ kleines Überseeschiff der OOCL in Arbeit.

Doch auch der schönste Ausflug hat einmal ein Ende: Gegen 01.00 Uhr legten wir wieder bei den Landungsbrücken an. Damit war der offizielle Teil der Feier beendet, denn mit dem Schiff verließ die Hochzeitsgesellschaft ja auch die Räumlichkeiten der Feier. Das Brautpaar und ein paar Feierwütige zogen anschließend noch über den nahegelegenen Kiez, während der Rest der Besatzung ihre Nachtquartiere aufsuchten. Ich hatte von einem befreundeten Ehepaar ein Bett inkl. Handtuch und Frühstück angeboten bekommen, was ich dankend annahm. Wir fuhren mit der S1 zum Hochkamp und suchten, in der Wohnung der Freunde angekommen, sogleich die Kojen auf.

Am nächsten Tag fuhr man mich nach dem Frühstück dankenswerter Weise zum Bahnhof Altona. Da ich keinen günstigen Direktzug nach Osnabrück bekommen konnte, nahm ich die S3 zum Hauptbahnhof, futterte beim Wok-Express noch ne anständige Portion Bratnudeln mit Huhn und nahm dann den ziemlich vollen IC nach Osnabrück. Ich bekam trotzdem einen Sitzplatz neben einer jungen Dame und schlief die meiste Zeit. Nach der anschließenden Busfahrt war ich ca. gegen 17.40 Uhr zuhause, früh genug, um noch meinen Wahlzettel abzugreifen und in der Schule gegenüber meiner Wohnung noch ein paar Kreuzchen zu machen. Viel scheint es allerdings nicht genützt zu haben… 😉

Wie geht es weiter? Viel vorzubereiten gibt es für mein geplantes Ziel nicht. Ich brauche kein Visum – dafür wäre es ohnehin viel zu spät. Da ich wahrscheinlich nicht länger als 10 Tage weg möchte, habe ich noch ein paar Tage Zeit, bis ich mich auf die Socken mache. Am Donnerstag ist noch ein Kinobesuch mit einer Freundin geplant, vielleicht geht es erst am Samstag los. Gebucht habe ich noch nicht. Eine Verzögerung ergibt sich noch durch den zwischenzeitlichen Verlust meines Telefons – na, ich sagte es bereits. Nun, ich lasse Euch, liebe Leser, wissen, wenn es losgeht. Bis dahin tschüss und bis zum nächsten Mal.

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Die Welt ist nicht das, was sie zu sein scheint

Unterwegs mit Ingress: Ein Erfahrungsbericht

Kurz ein paar Worte vorweg: Ich habe diesen Artikel ursprünglich für die NOZ, nicht für diesen Blog geschrieben. Dachte, es wäre vielleicht mal ein Thema für das Wochenendjournal. Die Kollegen aus der Red. waren auch bzgl. des Themas recht positiv, fanden den Artikel jedoch zu detailiert. Stattdessen wollte man lieber eine Art Reportage machen. Herausgekommen ist dieser Artikel auf NOZ.de

Es war nicht mein Plan, mit Foto und Namen aufzutauchen, habe das Spiel aber dann mitgemacht. Mein Plan (und ursprünglicher Artikel) war das Folgende:

„Können Sie mich hören? Es ist wichtig, dass Sie mich hören. Seien sie nicht nervös. Dies ist Routine. Sie haben etwas heruntergeladen, von dem Sie glauben, es handle sich um ein Spiel, aber es ist keines. Es gibt eine Energie unbekannten Ursprungs, die in unsere Welt sickert. Sie ist bekannt unter dem Namen Exotic Matter.“ Mit diesem Text in gesprochener und geschriebener Sprache auf dem Smartphone-Display (allerdings auf Englisch) startet die erste Trainingsmission von Ingress, Googles Augmented Reality Game (etwa „Erweiterte-Realtität-Spiel“).

Ingress – it’s time to move. Virales Video auf Youtube

Zunächst einmal zum realen Teil: Ein Kollege, der mir schon öfter von einer Art virtuellem Geo-Caching mit einer mysteriösen Rahmenhandlung erzählt hatte, bot mir kürzlich an, mir eine Einladung zur Teilnahme zu schicken. Ich könne mich dann auch an diesem Spiel beteiligen. Zunächst lehnte ich ab. Zum einen mit dem Argument, dass ich keine Zeit für derartigen Spielkram hätte, zum anderen, weil ich Google nicht noch mehr meiner wertvollen, persönlichen Daten in den Rachen werfen wollte. NianticLabs@google, die das Spiel entwickelt und nach einigen vagen Ankündigungen im November des vergangenen Jahres als Android-App veröffentlichte, gingen sehr geschickt an den Start. Sie brachten einen mysteriös anmutende Game-Trailer auf Youtube und ließen zunächst nur sehr wenige Teilnehmer an der Beta-Version ihres Spiels teilnehmen. Das Video verbreitete sich unter Liebhabern mysteriöser Inhalte viral, und die begrenzte Teilnahme verlieh dem Ganzen den Glamour eines exklusiven Clubs, was umso mehr Begehrlichkeiten unter potentiellen Mitspielern weckte. Und so bewog eine gewisse Neugierde auch mich, es mir anders zu überlegen.

Statue am DGB

Eines der Portale auf meinem Arbeitsweg ist die Statue am DGB in der Nähe des Bahnhofs.

Ich ließ mir also einen Zugangscode zu Ingress an mein Google Mail-Konto schicken – als Android-Nutzer habe ich natürlich eines, auch wenn ich es sonst nie benutze. Dann lud ich die App aus dem Google Play Store herunter und gab den Zugangscode ein. Ich wurde aufgefordert, mir einen Codenamen für meine „Agentenidentität“ auszuwählen und eine Seite zu wählen. Denn bei Ingress spielen weltweit zwei Seiten gegeneinander: „The Enlightened“ (die Erleuchteten), im Spiel mit der Farbe grün gekennzeichnet, sowie „The Ressistance“ (der Widerstand), im Spiel die Blauen (was dieser Fraktion innerhalb des Spiels und im Google+ Netzwerk bereits weitläufig den Spitznamen „die Schlümpfe“, oder englisch „the smurfs“, eingebracht hat). Natürlich wählte ich die Seite des Kollegen, der mich eingeladen hatte. Und tauchte ein in die Geschichte von Ingress.

Das Forschungsinstitut CERN in Genf, so hieß es, habe eine neuartige Energieform namens „Exotic Matter“, oder kurz „XM“ identifiziert, die durch sogenannte Portale in unsere Welt eindringe. Der Ursprung und die Auswirkungen auf uns seien allerdings noch unerforscht. Aus diesem Sachverhalt ergaben sich auch die zwei oben genannten Fraktionen: Während „The Enlightened“ glauben, das XM positive Auswirkungen auf die Menschheit hat, wendet sich „The Resistance“ dagegen, weil sie befürchten, dass XM das Ende der Menschheit bedeuten könnte. De fakto weiß keine der beiden Fraktionen, welche dieser beiden Vermutungen zutreffend ist, daher kann man diese auch nicht in „Gut und Böse“-Schubladen einordnen, weil beide glauben, im Sinne der Menschheit zu handeln und lediglich von gegensätzlichen Ansichten überzeugt sind. Da die XM Gedankenbeeinflussung ermöglicht, versuchen beide Seiten, möglichst große Bevölkerungsanteile unter ihre Kontrolle zu bringen – alles zum Wohle der Menschheit, selbstverständlich.

Erberg-Rathenau

Ein Denkmal für die Verstorbenen des ersten Weltkrieges

Beim Öffnen der App sieht der Spieler zunächst ein rotierendes Gittermodell der Erde, auf deren Landmassen bereits entsprechende Grün- und Blauanteile zu erkennen sind. Per GPS wird der Standort des Spielers ermittelt, und die Darstellung zoomt auf dessen Standort. „Willkommen zurück. Ihr letzer Login war vor vier Stunden“, etwa so begrüßt eine herrlich seelenlose Frauenstimme auf Englisch den „Agenten“. Diesem zeigt sich eine Art Nachtdarstellung einer vereinfachten Google-Maps-Karte, der Standort des Spielers wird durch einen Pfeil markiert, der von einem Kreis umgeben ist. Objekte innerhalb dieses Kreises (etwa ein Radius von 40 Metern um den eigenen Standort) können vom Spieler beeinflußt werden. Diese Objekte sind zunächst einmal XM („Exotic Matter“), diese muss eingesammelt werden, um im Spiel diverse Aktionen überhaupt durchführen zu können. Die XM sickert durch sogenannte Portale in unsere Welt. Diese Portale wurden und werden von den Spielern selbst eingerichtet, indem sie besondere Orte aufsuchen (etwa Sehenswürdigkeiten wie Kunstwerke, Denkmäler, Kirchen, architektonische Besonderheiten), ein Foto davon machen und dies mit Namen und Beschreibung bei NianticLabs einreichen. Dabei werden auch deren Geokoordinaten mit übermittelt. NianticLabs prüft nach ihren Richtlinien die Einsendung und schaltet das Portal bei Gefallen frei.

Ein freies Portal kann von den Spielern für die eigene Franktion in Besitz genommen werden, indem es mit bis zu acht sogenannten Resonatoren bestückt wird, die es mit Energie versorgen. Portale (sowohl die eigenen als auch die gegnerischen) können „gehackt“ werden, wobei für das Spiel wichtige Ausrüstungsgegenstände in das Inventar des Spielers gelangen. Dies können beispielsweise die genannten Resonatoren sein, aber auch XMP-Waffen zum Angriff gegnerischer Portale, Schildgeneratoren zum Schutze der eigenen, sogenannte Portalschlüssel oder Medien. Letztere sind Links zu Videos, Fotos oder Audioaufzeichnungen im Netz, die die Rahmenhandlung weitererzählen. Dazu gehören auch die „Igress-Reports“, professionell produzierte Nachrichtensendungen, die allerdings auch selbstgedrehte Videos von Spielern enthalten, die diese von ihren Aktivitäten gedreht und eingeschickt haben.

Mimuschka

Dieses Portal hat eine Bezeichnung in kyrillischen Buchstaben. Spitzname ist „Mimuschka“

Portale der eigenen Fraktion können mithilfe der Portalschlüssel verbunden werden. Sind mindestens drei Portale miteinander verbunden, entsteht ein sogenanntes Feld (z.B. eine dreieckige Fläche). Je nach der realen Bevölkerungsdichte des betroffenen Gebietes nach Googles Geoinformationen und der Fläche des Feldes, gewinnt die das Feld erzeugende Fraktion eine kleinere oder größere Anzahl an sogenannten „Mind Units“. Da die Resonatoren der eigenen Portale ständig Energie verlieren, müssen sie zum Fortbestand immer wieder von Agenten aufgeladen werden. Gegnerische Portale können mit sogenannten XMP-Waffen angegriffen werden. Verlieren dabei deren Resonatoren sämtliche Energie, so fällt das Portal zunächst in den neutralen Zustand zurück. Verbindungen zu anderen Portalen und somit auch Energiefelder werden dabei aufgelöst, so dass die gegnerische Seite dabei also Mind Units verlieren kann. Das Portal kann nun von der angreifenden Seite in Besitz genommen werden, indem eigene Resonatoren aufgestellt werden.

Es gibt dadurch viele Varianten, wie das Spiel gespielt werden kann – bereits bei einer Busfahrt durch Osnabrück hat man Gelegenheit, ein paar Portale zu hacken, Gegenstände zu sammeln, Resonatoren der eigenen Portale nachzuladen oder hinzuzufügen und den eigenen XM-Vorrat zu ergänzen – einfach im Vorbeifahren. Natürlich kann man auch gezielte Exkursionen zu Fuß, per Rad oder gar Auto unternehmen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Dabei kann man sich mit anderen Spielern der eigenen Fraktion auch absprechen und sehr strategisch vorgehen, um eigene Felder aufzubauen und zu verstärken oder gegnerische anzugreifen. Dabei gibt es innerhalb der App die Möglichkeit, sich mit anderen Spielern per Chat auszutauschen und deren Aktivitäten zu beobachten. Auf der Smartphone-App sieht der Spieler jedoch nur Objekte in seiner unmittelbaren Umgebung. Im Netz gibt es eine sogenannte Intel Map (von „Intelligence“, was soviel wie Aufklärung bzw. nachrichtendienstliche Information bedeutet), diese zeigt weltweit alle Portale in der Farbe der sie kontrollierenden Fraktion an – inklusive Details wie Anzahl, Stärke und Ladung ihrer Resonatoren.

Kunst oder kann's wech?

Dieses umstrittene Kunstwerk am Parkhaus an der Vittischanze trägt eigentlich den Titel „Time is turning“ und besteht aus alten Schiffsnockenwellen. Der offizielle Name des Portals allerdings ist „Kunst oder kann’s wech“.

Letzten Endes ist bei Ingress der Weg das Ziel – durchaus auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn zum Spielen muss man sich fortbewegen. Vermutlich wird keine der beiden Fraktionen, solange das Spiel gespielt wird, die andere jemals völlig besiegen. Gegenwärtig wogt die Herrschaft der bisher erreichten Mind Units zwischen 40% zu 60%, Gleichstand und 60% zu 40% zwischen den beiden Fraktionen hin und her. Jeder Spieler startet auf Level 1, das persönliche Ziel ist also, möglichst schnell höhere Level bis zum Level 8 zu erreichen. Höhere Level werden durch das Sammeln von sogenannten „Action Points“ (AP) erreicht. So bringt beispielsweise das Hacken eines gegnerischen Portal 100 AP, das Einrichten eines Feldes 1.250 AP. Höhere Level befähigen den Spieler zum Beispiel, Verbindungen zu weiter entfernten Portalen einzurichten, einen größeren XM-Vorrat zu speichern und stärkere Resonatoren und XMP-Waffen einzusetzen.

Einsamer Krieger

Diese Statue, die einen schwer gepanzerten Polizisten darstellt, steht an einer Brücke in der Hase. Auf Knopfdruck kommt ein Wasserstrahl, der auf den Platz am Knopf gerichtet ist, heraus.

In der realen Welt stellt sich der kritische Teilnehmer unweigerlich die Frage: „Was springt eigentlich für Google dabei heraus?“. Zunächst einmal ist zum Spielen die aktive Nutzung diverser Google-Produkte unerlässlich: das Smartphone-Betriebssystem Android (für iPhone- iPad-Nutzer gibt es die Ingress-App zur Zeit nicht), Google Mail (wird z.B. für die Ersteinladung und das Einreichen neuer Portale benötigt), Youtube (für die Videos mit der Rahmenhandlung), Google Maps (für die Kartendarstellung) und Google+ (hier tummeln sich die Communities beider Fraktionen). In der Produktstrategie des Marktführers in Sachen Web-Suchmaschinen stellt dies sicherlich einen beachtlichen Nutzen dar. Ferner nutzt NianticLabs@google die Informationen über die Sehenswürdigkeiten dieser, realen Welt (die ja mitsamt Foto und Geokoordinaten von den fleißigen Spielern als Portale eingereicht werden) für deren App „Field Trip“.

Solara

Dieses quietschbunte Werk steht im Schlossgarten, also an der Uni. Es heißt „Solara“ und rotiert mithilfe von Sonnenenergie. Ursprünglich nur eine Leihgabe der schweizer Künstlerin, wurde es auf eine Unterschriftenaktion (eine Initiative Osnabrücker Schulkinder) von der Stadt Osnabrück gekauft.

Oder steckt gar noch mehr dahinter? In Ingress geht es um die Kontrolle des Bewußtseins der Massen mithilfe einer unbekannten Technologie. In gewisser Hinsicht wird dies ansatzweise durch das Spiel in der Realität erreicht. Schon am ersten Tag sah ich Personen mit Smartphone in der Hand und Kopfhörern in den Ohren mit plötzlichem Argwohn an. Spielt diese junge Frau dort am Heger Tor womöglich auch das Spiel? Und wenn ja, in meiner Fraktion, oder etwa für den Gegner? Ich ertappte mich auch dabei, wie ich fast riskierte, einen Bus oder einen Zug zu verpassen, um noch „mal eben“ ein Portal zu hacken. Außerdem frage ich mich, ob ich jemanden aus dem Freundeskreis für meine Fraktion rekrutieren soll, oder lieber nicht, damit demjenigen nicht dasselbe passiert. Denn wer weiß – vielleicht ist Ingress wirklich nicht nur ein Spiel, sondern ein großangelegtes Experiment zur Massenbeeinflussung. Und niemand kann hinterher sagen, er sei nicht gewarnt worden.

PS: Natürlich muss ich an dieser Stelle die Objektivität waren. Aber sollten Sie doch erwägen, teilzunehmen… grün ist zur Zeit unheimlich angesagt.

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Aftermath

19.20 Uhr, zuhause

Klar weiß ich, das wir nicht The Aftermath, sondern Chaos haben, genauer gesagt, Setting Orange, 40. Chaos of the YOLD 3179. Wer wissen möchte, was das bedeutet, kann unter Discordianischer Kalender bei Wikipedia nachschauen. Ist n Nerd-Ding. Apropos Chaos – ich kam also mitten rein in den Ossensamstag.

Nachdem ich die NOZ verlassen hatte, wollte ich zum McDonald’s in der Innenstadt und von da aus zur nächsten Bushaltestelle. Bescheuerter Plan. Ich hatte irgendwie gedacht, die Narren würden sich nur beim Neumarkt herumdrücken. Aber die Innenstadt war total zu mit dem närrischen Volk, auch am Haarmannsbrunnen war alles dicht, kein Durchkommen.

Umgeben von Narren

Ossensamstag am Haarmannsbrunnen – hier ist kein durchkommen. Hilfe, ich bin von Narren umgeben!

Also entschied ich mich, zu Fuß zu einer weiter entfernten Bushaltestelle außerhalb des Stadtzentrums zu gehen oder alternativ zurück zum Bahnhof Osnabrück-Altstadt, um von dort ein Taxi zu nehmen. Letzten Endes machte ich dann genau das und ließ mich nachhause chauffieren.

Tja, und das war’s dann auch schon. Ich hatte ne tolle Zeit in Rotterdam. Mehr als den Besuch des Euromastes und des Marinemuseums hatte ich auch gar nicht vorgehabt. Und natürlich ein paar Biere, ordentlich was zu essen und vielleicht den einen oder anderen Film mit den Seemann meines Vertrauens. Also war es ein voller Erfolg. Ich wäre höchstens ganz gerne nochmal auf die Brücke gegangen, das hat sich nicht ergeben. War mir aber auch nicht so wichtig, dass ich darauf gedrängt hätte. Denn das sieht sicherlich (genau wie Maschinenkontrollraum und Maschinenraum) da nicht viel anders aus als bei der „Rio Madeira“ (ein anderes Hamburg-Süd-Schiff, etwas kleiner als die „Santa Clara“), welches ich mir in Hamburg schon mal angesehen habe. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte, denn neben Flugzeugen stehe ich halt auch auf Schiffe.

Achja – wer die Beiträge der vergangenen Tage schon gelesen hat, mag vielleicht noch einmal drübergucken. Ich konnte über einen mobilen Zugang kaum Bilder hochladen, das habe ich jetzt nachgeholt und meine Texte ein wenig damit garniert.

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Wasser marsch …und tschüß!

12.37 Uhr, im Zug zwischen Hengelo und Bad Bentheim (also nahe der Grenze)

Gegen viertel vor sechs riss uns das Telefon aus dem Schlaf. Der Chief wünschte die Anwesenheit von Freund Elektriker im Maschinenkontrollraum. Also beschlossen wir, ich würde duschen, meine Sachen zusammenpacken, mit meinem Freund zusammen frühstücken und dann den Abflug machen. So lief es dann auch. Beim Frühstück trafen wir in der Galley wieder den Kapitän, diesmal im amtlichen Pullover mit vier Streifen auf der Schulter, der sich auch gerade sein Frühstück schmecken ließ und ab und an ein paar Worte über ein Handfunkgerät wechselte. Der Kapitän und mein Kumpel sprachen noch kurz über ein paar dezente Meinungsverschiedenheiten im Maschinenraum, noch während des Flutens einen weiteren Hilfsdiesel für die Strahlruder anzuwerfen (wobei die beiden sich einig waren: wozu das?), während ich zwei Stücke Frühstücksfleisch, ein Nutellabrötchen und zwei Tassen Kaffee verhaftete.

Anschließend bedankte ich mich kurz per Handschlag beim Kapitän, den ich recht sympatisch fand, begab mich mit meinem Kumpel zum letzten Mal auf die Kammer, schnappte mir meine Sachen und machte mich auf den Weg, das Schiff zu verlassen. Nach einer knappen Verabschiedung vom Seemann meines Vertrauens konnte ich das Schiff gerade noch über die Gangway verlassen, man begann gerade damit, sie abzubauen. Eigentlich schade, die Sache mit dem Käfig klang wirklich spannend…

Heck der "Santa Clara"

Das Dock wird geflutet und die „Santa Clara“ kommt zurück in ihr Element

Ich machte noch einige letzte Fotos vom Schiff, unter anderem von Ruder und Schraube, die schon halb im steigenden Wasser lagen. Dann verließ ich die Werft, nachdem ich der Dame am Checkpoint mein Besucherformular zurückgegeben hatte (diesmal hatte ich es ausnahmsweise mal dabei).

Deckshaus der "Santa Clara"

Das Deckshaus der „Santa Clara“. Wenn ich mich nicht täusche, dürfte der zweite „Balkon“ oberhalb des Rettungsbootes die Höhe des E-Decks sein.

Ich ging zur Metrostation und fuhr über Beurs nach Rotterdam Centraal. Dort suchte ich nach einem kurzen Blick auf die Fahrkartenautomaten das Servicecenter auf. Hier stellte ich schnell fest, dass ich eine Nummer zu ziehen hatte, wie auf dem Einwohnermeldeamt… Andere Länder, andere Sitten. Es gab unterschiedliche Knöpfe für Inland- und Auslandsverbindungen. Ich drückte also den Auslands-Knopf und bekam eine U-586. Nach kurzem Warten (und Überlegen, vielleicht doch einen der bereitstehenden PCs zum Buchen und Selbstausdrucken meines Tickets zu nutzen) war meine Nummer auch schon dran. Eine Dame verkaufte mir für paarundvierzig Euro (mit Bahncard 50) mein Ticket, wobei 3,50 Euro davon Buchungsgebühr waren. Dafür waren aber immerhin auf dem Audruck mit der Reiseverbindung die Abfahrtsgleise säuberlich mit Kugelschreiber umkreist.

Rotterdam Centraal

Rotterdam Centraal von vorne – sieht für mich aus wie ein Schiffsbug

Ich hatte noch mehr als 40 Minuten Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges um 9.50 Uhr. Also verließ ich den Bahnhof, um einen Supermarkt zu suchen um etwas zu trinken und vielleicht ein paar Packungen Vla zu kaufen. Zuerst zog ich auf’s Gratewohl los und machte ein paar Bilder von den Glas- und Stahlhochhäusern in der Nähe. Irgendwann fragte ich Freund Google mit dem Schlaufon, der mir in Bahnhofsnähe, aber leider auf der genau anderen Seite einen Supermarkt anzeigte. Also ging ich einmal um den Bahnhof herum. Dabei kam ich auch durch das schön sanierte, alte Rotterdam. Ich hatte zuvor im Netz gelesen, dass das hinter dem Bahnhof liegen sollte. Da gab es wirklich schöne Ecken, wo man bestimmt prima wohnen kann: Zwar absolut zentral in Rotterdam in unmittelbarer Bahnhofsnähe und doch ruhig mit Grün und einem kleinen Flüsschen daneben. Nicht schlecht.

Alt-Rotterdam

Das alte Rotterdam hinter dem Hauptbahnhof. Hier lässt es sich leben, möchte ich meinen.

Dann unterquerte ich die Schienen und sah den Bahnhof von der anderen Seite sowie auch den Supermarkt. Leider hatte dieser nicht geöffnet am Samstag um zwanzig vor zehn. Da es langsam Zeit wurde, ging ich in den Bahnhof und da in einen kleinen Laden, der auch Vla verkaufte. Leider gab es nur noch Schoko, Vanille war ausverkauft, Frechheit! Ich kaufte noch zwei Donus, ne Cola Light und n Wasser für die Fahrt und ging zum Gleis. Dort wurde angezeigt, der Zug habe fünf Verspätung, also ging ich nochmal kurz zu Starbucks und holte mir einen großen Kaffee für das zweite Frühstück. Dann ging es aber endlich los.

nur noch Schoko-Vla

Frechheit! Der Vanille-Vla ist ausverkauft. Grrr!

Im Zug schrieb ich weiter am Blog (den vorigen Eintrag), und so verging die Zeit bis zum ersten Umsteigen in Hengelo recht fix. Anfangs hatte ich auch noch solide Internet, aber dann war wieder mein tägliches Smartphone-Roaming-Kontingent verbraucht, 25 MB reichen einfach nicht die Bohne. Egal, ich brauchte das eh nicht zum Vorschreiben.

In Hengelo hatte ich 25 Minuten Aufenthalt, Zeit genug, um eine Stange Wasser, na, Ihr wisst schon. Die Toilette hatte eine bei Annäherung automatisch herunterklappende Klobrille, sehr bemerkenswert. Wie gesagt, andere Länder, andere Sitten… Ich hatte dann auch noch Zeit, einen weiteren Kaffee zu besorgen, anschließend kam der Zug aber dann auch fünf Minuten später.

Es ging also weiter mit der „Bad Bentheimer Eisenbahn“ (so stand es auf meinem Verbindungszettel) Richtung Deutschland. Die Fahrt dauerte nur 22 Minuten. In Bad Bentheim war schon wieder Umsteigen angesagt. Die Türen gingen ließen sich nicht sofort öffnen, sondern erst, nachdem der Schaffner mit einem Hubwagen eine Plattform mit zwei Stufen an den Wagon gekarrt hatte. Der Zug der Westfalenbahn stand auf dem gegenüberliegenden Gleis schon bereit.

In der Westfalenbahn waren ein paar kostümierte Mädels. Noch war es recht leer, aber eine Station später stiegen noch viele junge Fahrgäste, viele ebenfalls kostümiert, zu. Der Fitness einiger Beteiligten zufolge war man nicht auf dem Weg zur Feier, sondern nachhause. Ich musste schmunzeln, weil einige als Matrosen verkleidet waren. Also, so im altmodisch anmutenden Pseudo-Matrosenanzug. Lustig.

So, nun hat der Zug gerade den Bahnhof Ibbenbüren verlassen. Nur noch zwanzig Minuten und n Keks bis Osnabrück. Bisher ist alles reibungslos verlaufen. Ich konnte allerdings über die mobilen Verbindungen kaum Bilder hochladen und hinzufügen. Das werde ich aber noch nachholgen, wer also Lust hat, kann sich das dann heute abend noch einmal mit einem Satz Bilder ansehen. Das war es dann also fast schon.

15.06 Uhr, zuhause – Nachtrag

Es kam dann doch noch ein wenig anders… erst, als ich bei Ibbenbüren via Schlaufon die Webseite der Neuen Osnabrücker Zeitung aufrief, ging mir auf: Shit, es ist Ossensamstag! Und diese Kostümierten sind wahrscheinlich auf dem Weg dorthin! Vor lauter Verwirrung stieg ich versehentlich am Bahnhof Altstadt (ehem. Hasetor) aus. Die Züge, mit denen ich normalerweise fahre, kommen aus der anderen Richtung, sind also zuerst am Hauptbahnhof. Und dann auch noch von Narren umgeben… schon beim Gang zum Ausgang geriet ich mitten in einen Schwarm weiblicher Killerbienen.

Killerbienen

Kaum wieder in Osna gelandet, geriet ich in einen Schwarm weiblicher Killerbienen. Die BvB-Fans des Insektenreiches sind auf Ausflug zum Ossensamstag.

Ich musste dringend mal… naja, für kleine Landratten. War wohl zuviel Kaffee. Der Plan war eigentlich, dies bei McDonald’s am Hauptbahnhof zu erledigen und dort außerdem einen Fuffi für den Bus klein zu machen. Ging so nicht. Also ging ich kurzerhand den halben Kilometer zu meiner alten Wirkungsstätte bei der NOZ und nutzte die Möglichkeiten dort. Danach stieg ich ein Stockwerk weiter hoch, wo die Büros der Kollegen der NOZ Digital sind, um dem Samstagsdienst Hi zu sagen. Keiner da. Also saß der Samstagsdienst offenbar im Newsroom auf Deck 3 im Marmorturm. Ich lief also wieder runter in die erste Etage, durch den Verbindungsgang zum Turm und wieder zwei Stockwerke hoch. Die hübsche Kollegin Kim hatte Dienst, sah aber extrem beschäftigt aus. Was für ein Wunder: Erstens ist Ossensamstag. Und zweitens war es gerade 14 Uhr, Zeit für das Statement von Frau Ex-Dr. Schavan. Die gerade im TV ihren Rücktritt verkündete. Ich sagte also nur kurz „hi“ zu Kim und verkrümelte mich wieder. Und was Frau Schavan angeht… wie ich eingangs schon schrieb: „… und tschüß!“

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„Dat is’n Dampfmaschien!“

9.58 Uhr, Zug Richtung Nachhause. Fortsetzung Tagesbericht vom 08.02.2013

Propeller

70 Tonnen Bronzelegierung… und ich

Der Seemann hatte zwischendurch bisschen Zeit, also begaben wir uns runter ins Dock, wo es schlammig, aber interessant war. Denn dort konnte man aus nächster Nähe bewundern, wie der Kiel des 7.100 TEU-Kolosses auf den Blöcken lag. Ist schon ein merkwürdiges Gefühl, direkt unter zigtausend Tonnen Stahl spazieren zu gehen. Ich warf einen Blick auf Heck- und Bugstrahler, Anoden, Kühlwassereinlässe und natürlich Propeller (ca. 8m Durchmesser, 70 Tonnen Bronzelegierung) und Ruder. Der Seemann knipste ein paar lustige Bilder von mir in Warnweste und Helm, danach gingen wir mit reichlich zugeschlammten Schuhen wieder an Bord, wo er wieder an die Arbeit musste.

Unter dem Heck der "Santa Clara" im Trockendock. Der Typ unter dem Ruder bin ich.

Unter dem Heck der „Santa Clara“ im Trockendock. Der Typ unter dem Ruder bin ich.

Zurück auf der Kammer griff ich mir meinen aktuell sich in der Mache befindlichen Andreas Eschbach „Perfect Copy“. Eigentlich auch ein Jugendbuch, aber es hat mich, wie so oft bei Eschbach, gleich von Anfang an gepackt. Ich mag seinen Stil einfach.

Der Seefahrer hatte gesagt, ich solle mittags man in die Galley gehen und mir was zu essen besorgen. Ich zauderte erst ein wenig, aber dann ging ich doch essen. Es gab gebratenes Seelachsfilet mit Kartoffelpüree, Spinat und Blumenkohl. Es schmeckte wieder hervorragend. Auf die Vorsuppe hatte ich verzichtet. Am Tisch war noch der erste Offizier, der Deutsch mit einem Mann sprach, den ich, dem Dialekt nach, für einen Holländer hielt. Mein Freund meinte später, das sei wahrscheinlich ein Inspektor (der Reederei) gewesen, der skandinavischer Herkunft sei. Ich hielt mich nach dem Essen nicht lange auf und verzog mich wieder auf die Kammer auf dem E-Deck.

Kurz darauf kam der Seefahrer und meinte, er habe jetzt nicht mehr zu tun, und man solle sich schnell an Land verkrümeln, ehe irgendwas kaputt ginge und er wieder an die Arbeit müsse. Also rein in Schuhe und Jacke und ab an Land. Natürlich hatte ich wieder mein Visitor-Anmeldeformular an Bord vergessen, same procedure as yesterday. Wir gingen die ca. 2 km zur Metrostation und fuhren zur mit der C Richtung de Terp bis zur Station Beurs. Ziel war das Marinemuseum. Wäre eigentlich Sation Stadthuis, aber für eine Station weiter lohnt sich das Umsteigen ja nur bedingt.

Zunächst suchten wir einen der ausgesprochen dicht gesiedelten McDonald’s auf, der Seefahrer hatte ja, im Gegensatz zu mir, noch nix zwischen die Kiemen gekriegt. An der Bevölkerung war uns aufgefallen, dass sie zum einen ziemlich „bunt“ (was Hautfarben angeht) und zum anderen ziemlich jung war. Ältere Menschen sind uns in der Innenstadt kaum begegnet. Da gibt es wohl eine große Zielgruppe für die Leute mit dem goldenen M. Wie auch immer, für den Elektriker gab es Burger, Fritten und Cola, für mich ein McFlurry-Eis.

Schiffsmodelle im Marinemuseum

Schiffsmodelle im Marinemuseum

Danach ging es ins Marinemuseum. Auf vier Etagen gab es viele Schiffsmodelle, ein großes Modell des Hafens Rotterdam, und Ausrüstungsgegenstände zu sehen. Ferner gab es eine große Ausstellung über Piraterie (eher für Kinder und JUgendliche gemacht) sowie diverse Multimedia-Beiträge zu Themen wie Navigation früher und heute. Neben der Geschichte der Seefahrt im Allgemeinen wurde natürlich auch auf die Geschichte des Hafens Rotterdam und Hollands traditionell große Rolle in der Handelsschifffahrt eingegangen. Obwohl ich ja öfter mal nach Hamburg komme, habe ich das dortige Marinemuseum bisher noch nie besucht, und auch sonst noch keines. Ich war nicht so begeistert. Freund Seemann, der schon mehrere derartige Museen besucht hat, war auch eher enttäuscht. Wir erkundigten uns noch an der Information, welche Schiffe und Boote draußen noch zum Museum gehörten. Es gab da ein schick restauriertes Kanonenboot aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, welches einst zum Museum gehörte, nun aber gesperrt sei. Andere alte Boote gehörten zu einem anderen Museum, der Eintritt hier sei frei.

Schwimmender Krämerladen

Ein schwimmender Krämerladen mit Bier, Milch, Obst und anderen Lebensmitteln. Dieses Boot versorgte lange Seeleute mit leckeren Sachen.

Also raus aus dem Museum und rauf auf den Bootssteg. Dort lagen verschiedene kleine Boote und Schiffe, auch einige Plattboden-Schiffe, wie sie auf dem Ijsselmeer verkehren. Auf einem kleinen, alten Schlepper lief ein 6-Zylinder-Diesel im Leerlauf, durch offene Luken konnte man die arbeitende Ventilsteuerung arbeiten sehen (und hören). Für Freund Seemann klang das wie Musik, und wir gingen an Bord, um uns das aus der Nähe anzusehen und zu -hören.

Und zu riechen, denn auch der Ölgeruch ist für den Elektriker wie Parfüm, denn obwohl sein Metier ja eigentlich elektrische Maschinen sind, hat er doch sehr viel mit der Treibstoffvorwärmung und -reinigung für die Hauptmaschine zu tun. Irgendwie hat er also doch Diesel im Blut, das wurde mir jetzt klar, und alleine an der Lego-Technik-Vorliebe erkennt man deutlich seine Leidenschaft für Mechanik. Er schnackte noch mit einem Mechaniker-Veteran mit weißem Vollbart an Bord, der sich wohl ehrenamtlich um die Maschine des Bootes kümmerte, und tauschte Maschinendetails aus (natürlich war der hiesige Sechszylinder ein Spielzeug allein im Vergleich zu jedem der vier Hilfdiesel der Santa Clara).

Dampfmaschine im Getreidesauger

„Dat is’n Dampfmaschien!“ (zumindest ein Teil davon)

Anschließend gingen wir auf den Kahn auf der anderen Seite des Bootssteges, das war ein alter Getreidesauger. Der diente dazu, mit vier Schläuchen Getreidetransporter sozusagen leerzupumpen und das Getreide wieder auf Schuten zu laden. Wir gingen auf Einladung eines weiteren, weißbärtigen Veterans unter Deck. „Dat is ’n Dampfmaschin!“ verkündete Freund Seefahrer mit wachsender Begeisterung. Der Kahn verfügte über keinen eigenen Antrieb, die ansehnliche Zweizylinder-Dampfmaschine diente allein zur Vakuumerzeugung in den Elevatoren zum Löschen von Getreide. Der Veteran zeigte und die voll lauffähige Maschine des aus den 20er-Jahren stammenden Kahns, die in den 50ern von Kohle- auf Ölfeuerung umgerüstet worden war, sowie den Kesselraum. Die letzten Zeitgenossen, die noch das nötige Know-how zum Betrieb dieser alten Dampfmaschinen haben, sind nun alle in ihren 80ern, infolgedessen drohen mit dieser „Generation Dampf“ auch die Maschinen auszusterben. Um das zu verhindern, bildeten die Veteranen einige interessierte Studenten technischer Hochschulen aus, damit das Know-how nicht völlig verlorenginge, erzählte uns der Veteran.

Getreidesauger

Der Getreidesauger von außen. Vorne und achtern sind jeweils die Ansaugrohre zu sehen. Außerdem der Schornstein der Dampfmaschine. In dem großen Turm wurde das Getreide unter anderem gefiltert und gewogen, bevor es auf Schuten geladen wurde.

Als wir den Kahn verließen, war es schon reichlich nach vier, also begaben wir uns auf die Suche nach einer Kneipe, um ein paar Bier zu verhaften. Das hätte man zwar auch an Bord tun können, aber nicht so gemütlich, und vor allem mit dem ständigen Risiko eines meinen Elektriker-Freund in den Maschinenraum zitierenden Anrufes. Wir ließen uns bei einem noch komplett leeren Italiener nieder und orderten zwei Bavaria. Drei weitere, kleine Biere später verließen wir das mittlerweile schon recht gut gefüllte Lokal, um noch ein paar Einkäufe zu erledigen. Allerdings suchten wir vergeblich nach einer Apotheke, ich hätte gerne Ohrstöpsel gegen den Hilfsdiesel gekauft. Drogerien gab es viele, aber ne Apotheke war so nicht zu finden, und Google streikte gerade auf dem Schlaufon, vermutlich hatte ich mein Roaming-Dateivolumen für den Tag schon verbraten. Stattdessen gingen wir in einen kleinen Laden, Poffertjes essen. Das ist wohl sowas wie Kaiserschmarrn, geschredderte Pfannkuchen mit Puderzucker. Für Freund Seemann wie immer Tee dazu, für mich Kaffee. Lekker, das Ganze!

Anschließend begaben wir uns bei Stadthuis in die Metro, um den Weg zurück zum Schiff anzutreten. Ich hatte aber vergessen, dass ich noch Geld ziehen wollte, also begaben wir uns bei Boers wieder an die Oberfläche und hauten in der Fußgängerzone zwei Polizisten an, wo denn mal ein Geldautomat sei. Die deuteten grinsend auf eine keine 50m entfernte Geldausgabe-Maschine. Ich besorgte mir ein paar Euros und beglich noch Restschulden bei meinem Kumpel. Nachdem wir uns noch bei dem großen Mediamarkt nebenan umgesehen hatte, ging es endgültig zur Metro und zurück zum Schiff.

Ankerwinsch

Wir waren noch kurz am Bug des Schiffes. Diese Winsch hier hat nichts mit Ankerketten zu tun, sondern ist dafür da, die Festmacherleinen unter Spannung zu setzen, nachdem das Schiff angelegt und die Poller am Pier belegt sind. Rechts ist der Antriebsmotor zu sehen, dahinter der Getriebekasten.

Dort suchten wir zuerst die Galley auf, Freund Seemann hatte beim Smut zwei Teller Sauerkraut-Stew für uns bestellt. Unterwegs dahin trafen wir in einem Büro den Kapitän an, der inzwischen Details zum weiteren Reiseverlauf am Start hatte. Man würde morgen um 7hundert anfangen, das Dock zu fluten um gegen 11 Uhr auszudocken und dann doch noch zum Laden ans Terminal zu gehen. Mein Freund fragte ihn, ob ich bis zum Terminal an Bord bleiben dürfe, und der Kapitän entgegnete, von ihm aus zwar schon, aber ich sei halt bei der Werft und nicht am Terminal als Besucher registriert. Damit hatte er natürlich recht. Also war schon mal klar, dass ich irgendwann zwischen Beginn Wasser reinlassen und Ausdocken von Bord gehen würde. Schon kurz nach Beginn des Flutens würde man die Gangway entfernen, aber ich könne auch später per Käfig am Kran das Schiff verlassen, der Lotse würde später auch so an Bord kommen. Das klang für mich spannend und verlockend. Wir bedankten uns für die Info und gingen in die Galley, wo unser Abendessen schon bereit stand und umgehend in den Molekularbeschleuniger verfrachtet wurde.

Wir nahmen unsere Teller mit auf die Kammer, um dort zu essen. Die Mahlzeit bestand aus Sauerkraut, Kartoffeln, Wurst und Speck und war wieder sehr schmackhaft. Anschließend plünderten wir noch die Vla-Vorräte zum Nachtisch. Danach war dann Filme gucken und Bier trinken angesagt. Zuerst schauten wir einen DVD-Film, den wir beide noch nicht kannten, „Catch 44“ mit Bruce Willis und Forrest Whitaker. Bruce hatte aber nur eine eher kleine Rolle, vermutlich wieder mal leicht verdientes Geld für seinen Namen auf Cast und Cover. Mir gefiel der Film, der vom Stil her (banale Dialoge kurz vor der Schießerei im Diner, zeitlich verhackstückte Handlung, Personenvorstellungen mit riesigen Schrifteinblendungen, Musik) stark an Quentin Tarrantinos Werke erinnerte, recht gut. Kollege Filmfreund war nicht so begeistert. Anschließend warf er noch die amerikanische Version von Stieg Larsons „Verblendung“ von einer seiner Festplatten auf den Bildschirm. Ich hatte bisher keines der Bücher gelesen und keinen Film gesehen. Mit gefiel das zweieinhalbstündige Werk sehr gut, es sieht so aus, als müsse ich doch die Bücher mal irgendwann lesen. Allein das Ende dieser Version fand ich recht traurig, dennoch passte es zum Gesamtbild.

Nach dem Film war die Stimmung immer noch nicht so richtig nach Schlafenszeit, obwohl es schon gegen zwei Uhr war. Also schauten wir uns noch eine Bierlänge lang die Fotos des Tages an und quatschten. Danach ging es dann in die Koje. Der Hilfsdiesel war diese Nacht etwas leiser (jedenfalls behauptete das Freund Elektriker), denn man habe inzwischen zu einer der beiden Steuerbord-Maschinen gewechselt (und seine Kammer liegt auf Backbord). Wie auch immer, ich habe auf jeden Fall tatsächlich viel besser geschlafen als in der ersten Nacht.

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Frühstück an Bord

Einer von vier Weckern am Kopfende der Koje meines Freundes piepte um 7hundert. Normerweise frühstückt der Mann nicht, aber mir zuliebe begleitete mich in die Galley und nahm auch n Pfannkuchen und n Tee. Ich futterte zwei Pancakes und ein Brötchen mit Kaffee.

Danach musste er zur Arbeit. Weil die Ankerwindengetriebe komische Geräusche von sich gaben, waren alle zehn Ankerwinden zur Überholung von Bord geholt worden. Jetzt kommen sie zurück an Bord, und es ist wohl „elektrische Unterstützung“ vonnöten. Gestern war auch noch ein „Liebesbrief“ an der Kammertür. da musste er noch kurz in den Maschinenraum, einen Ölstand- und einen Salzgehalt-Sensor an einem Kaskadentank wieder anklemmen. Dauerte nur 5 Minuten, ich war eben mitgekommen. Tja, nur ich habe hier Urlaub…

Seit dem Frühstück hänge ich also hier in der Kabine und schreibe Blog. Vielleicht hat mein Kumpel nachher noch Freizeit, dann könnten wir noch gemeinsam ins Marinemuseum. Es geht das Gerücht, dass es morgen gleich direkt nach Hamburg geht, ohne dass vorher noch was geladen wird. Nichts Genaues weiß man noch nicht. Sollte morgen früh direkt ausgelaufen werden, könnte es sein, dass ich mich schon heute abend wieder auf den Heimweg mache. Aber ich denke, ich werde hier wahrscheinlich noch ne Nacht pennen und ggf. morgen vor dem Auslaufen von Bord gehen. Mal sehen, was der Tag bringt.

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Euromast

08:18 Uhr. Fortsetzung des gestrigen Tagesberichtes.

Wir verließen also das Schiff noch bei Tagelicht und machten uns auf die Socken Richtung Stadt. Ich hatte meinen Besucherpass mal taktisch auf dem Schiff liegen gelassen. Der Kommentar der Dame beim Auschecken: „That was not very smart. Tell my collegue that you’re both crewmembers on your return.“ Wasauchimmer.

Euromast

Der ca. 186m hohe Euromast in Rotterdam. Das große, sog. „Krähennest“ ist ungefähr auf 100 – 112 m und beherbergt Aussichtsplattformen, ein Restaurant und sogar zwei Hotelsuiten. Der weiße Mast obendrauf wurde erst 10 Jahre nach dem Bau 1960 aufgestockt.

Wir fuhren mit der C von Vijfsluizen Richtung Innenstadt. Ursprünglich wollten wir zur Station Stadthuis, aber ich warf ein, dass ich nach Internetrecherche gerne mal auf den Euromast fahren würde. Das ist ein 186m hoher Aussichtsturm, der höchte in den Niederlanden. Und ich mag es halt, in großen Städten von oben zu fotografieren, besonders nachts. Ich schaute im Netz und fand den Euromast in der Nähe der Station Coolhaven, das lag auf unserem Weg, also stiegen wir dort aus. Wir fanden den Turm, checkten Preise und Öffnungszeiten und beschlossen, bei Dunkelheit nach dem Abendessen hochzufahren.

Rathaus von Rotterdam

Stadthuis – das Rathaus von Rotterdam

Wir gingen dann den restlichen Weg ins Stadtzentrum zu Fuß. Es war erst so gegen 17.00 Uhr, zu früh zum Abendessen. Das Wetter war auch eher nass. Also suchten wir uns ein Café, um Tee/Kaffee zu trinken und ein Stück Gebäck zu schnabulieren. Wir landeten in so ner Art Studentenkneipe, wo wir geeignete Getränke und Backwaren serviert bekamen, auch wenn es kein so richtiges Café war und die „Backware“ im Falle meines Freundes ein Apfelpfannkuchen mit viel Zimt war. Ich hatte etwas, was übersetzt wohl sowas wie „Apfelbombe“ heißt, ein recht übersichtliches, aber doch gehaltvolles Gepäckstück mit hohem Fruchtanteil. Lekker!

Museumsschiffe in Rotterdam

Exponate des maritimen Museums in Rotterdam

Nach dem Kaffeetrinken wollte das natürlich erstmal ansatzverdaut werden. Ich suchte das Marinemuseum per Google, es befand sich ganz in der Nähe, hatte aber bereits geschlossen. Einige Exponate waren allerdings außerhalb von Gebäuden und ließen sich auch so aus der Nähe betrachten.

Rot angestrahlter Kran

Ein, ähm, Rotlichtbezirk im Hafen? Mitnichten, auch dieser Kran gehört zum maritimen Museum. Auch wenn für mich als Laien die modernen Kräne bei „Damen Ship Repairs“ kaum anders aussehen.

Wir schlenderten also am Wasser entlang und sahen diese markante Brücke, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, ein großes Kriegerdenkmal sowie diverse Objekte der Kategorie „Ist das Kunst oder kann das weg?“.
(Nachtrag: Das Ding heißt „Erasmusbrücke„. Ich habe hier den PC mit dem Alditalk-Stick doch noch hochbekommen. Meine eigene Internetverbindung läuft nur gedrosselt zur Zeit.)

Erasmusbrücke

Erasmusbrücke

Dann machten wir uns doch langsam auf die Suche des indonesisches Restaurants, welches meinem Freund von seinem Bruder empfohlen worden war. Es sollte in der Kruiskade 72 zu finden sein, in der Nähe des Stadthuis (also Rathaus). Wir fanden weder Hausnummer, noch Restaurant. Nachdem wir eine Weile auf der Suche nach einem alternativen Asiaten die Straßen durchstreift hatten, suchte und fand ich via Google einen Laden in der Nähe. Diesen Suchten wir dann für das abendliche Gelage auf. Zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte und jeweils drei Tsing Tao Biere später und 75 Euro ärmer verließen wir pappsatt den Laden. Es hatte sehr gemundet.

Drachenschlange

Teil der vielen Lichtinstallationen: Die chinesitsche „Drachenschlange“ vom Euromast aus fotografiert

Nach dem Abendessen begaben wir uns wiederum zu Fuß zurück zum Euromast. In unmittelbarer Nähe hatten die Chinesen, vermutlich anläßlich des chinesischen Neujahresfest eine Lichtinstallation beachtlichen Ausmaßes aufgebaut. Allerdings nach europäischem Empfinden auch typisch asiatisch-kitschig, mit riesigen, leuchtenden Weihnachtsmännern, aber auch z.B. einer von diesen typischen, langen „Drachenschlangen“ (wie ich sie seit jetzt nenne), auch bunt leuchtend, versteht sich. Es kostete Eintritt, wir investieren lieber einen Zehner pro Nase, fuhren den Euromast hoch und schauten und das von oben an.

Blick vom Euromast mit Erasmusbrücke

Im Vordergrund ist ein Teil der chinesischen Lichtinstallation, weiter hinten der angestrahlte Pylon der Erasmusbrücke zu sehen

Die Aussichtsplattform befindet sich auf ca. 100m Höhe, von dort aus machten wir diverse Fotos. Anschließend enterten wir den sog. Euroscoop, eine rundum verglaste Gondel, die dann auf die volle Höhe hochfährt und dabei langsam um die Hochachse rotiert. Dabei wird einem auf Niederländisch und niederländisch gefärbtem Englisch zu Starwars-Musik erklärt, was man dabei so sieht. War schon recht nett.

Blick vom Euromast

Blick von der Aussichtsplattform des Euromastes, ca. 106 m Höhe

Wieder unten angekommen machten wir uns auf dem Weg zur Metrostation Coolhaven, fuhren zurück zu Vijfsluizen und gingen wieder zurück aufs Schiff. Achja, am Checkpoint war das dann nur „Two crewmembers for Santa Clara“ und das wars dann.

Es war so kurz vor 0.00 Uhr, als wir wieder auf der Bude meines Freundes auf dem E-Deck ankamen. Wir quatschten noch ne Runde und leerten eine paar Flaschen Radeberger (die Brauerei gehört zum selben Mutterkonzern wie die Reederei Hamburg-Süd, nämlich Dr. Oetker, das Geld bleibt also in der Familie…). Gegen 01.00 Uhr gingen wir in die Koje.

Ring, Propeller und Ruder der "Santa Clara"

Nochmal Ring, Propeller und Ruder der „Santa Clara“ im Dock. Hier ist der Ring noch besser zu sehen.

Hm… leider habe ich vergessen, mir ein paar Ohropax einzupacken. Acht Decks tiefer rumort unermüdlich einer von vier Neunzylinder-Hilfsdieseln und erzeugt den Strom für das Schiff. Ohne einen einzigen Kühlcontainer an Bord bohrt sich wahrscheinlich selbst der eine Diesel nur in der Nase für die paar Lampen, PCs und Ferseher (naja, und die eine oder ander Kühlwasserpumpe und was weiß ich nicht alles, aber viel läuft da nicht). Da das Schiff ja trocken liegt, bekommt der Diesel sein Kühlwasser über Feuwehrschläche von draußen. Wenn ich das richtig verstanden ist, dann ist das Seewasser, welches die Wärme des „eigentlichen“ Kühlwassers (sicherlich Süßwasser, Salzwasser ist für die Maschine zu korrisiv) über einen Wärmetauscher abführt.

Wie auch immer, das Teil macht Krach. Im Vergleich zur Hauptmaschine sicherlich dezent, und man kann es fast ausblenden, aber naja…
Ich habe das Pult gesehen, wo man das Teil mit ein, zwei gezielten Mausklicks abschalten kann. Aber ich glaube, da wären ein paar Leute nicht so glücklich drüber, auch mein Freund nicht.

Die Nacht war also durchwachsen, auch weil das Sofa etwas zu kurz für mich ist. Aber egal, ich kann mich ja gleich noch ein wenig lang machen, wenn ich möchte.

Nun, die gewisse Doppeldeutigkeit des Titels „Euromast“ liegt nicht so ganz auf der Hand, also möchte ich doch noch abschließend betonen, dass das Essen beim Asiaten wirklich sehr üppig gewesen ist.

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