Santa Clara

So, ich bin angekommen an Bord. Die Zugfahrt war angenehm. Ich habe ein Theaterstück auf dem iPad gelesen, bei welchem ich demnächst vermutlich mitspielen werde („Mit dem Gurkenflieger in die Südsee“, absolut nicht lustig, auch wenn der Titel so klingt, eher ein Drama, Probebühne Osnabrück, die Proben beginnen Ende Februar, Anfang März). Anschließend habe ich ein wenig gedöst. In Amersfoort war Umsteigen angesagt, der niederländische Diesel-IC stand auf dem Gleis gegenüber schon bereit. Hier hatte ich erst keinen Sitzplatz, aber beim zweiten Halt stiegen fast alle aus und der Zug war plötzlich fast leer. Es dauerte dann noch eine Stunde bis Rotterdam Centraal.

Niederländischer Intercity

Dieser Zug brachte mich von Amersfoort nach Rotterdam

Hier besorgte ich mir nach einer kurzen Anfrage an einer Info ein Metro-Ticket am Automaten und bestieg die Linie D Richtung de Akkers. Zwei Haltestellen (Beurs) weiter stieg ich um in die C und fuhr bis Vijflluizen.

Von da an ging es zu Fuß weiter. In meiner Begeisterung wie üblich zuerst in die falsche Richtung. Nun, ich folgte verheißungsvollen Schildern Richtung „Haven“. Nur dezent dämlich in einer Stadt, die einen der größten Häfen Europas hat und wo an der Wasserseite so ziemlich JEDES Schild Richtung „Haven“ zeigt. Aber mein Handy mit GPS und der Rotterdam-Karte von Open Cycle Maps klärte mich schnell über meinen Irrtum auf.

Nach ca. 2 km Fußmarsch betrat ich das Gelände der Werft „Damen Ship Repairs“ und meldete mich am Main Gate an. Die Dame fand mich erst nicht auf der Besucherliste, dann aber doch. Perso zeigen, Formular ausfüllen und rein. Natürlich ging ich erst noch in die falsche Richtung, aber die freundliche Dame vom Main Gate wies mir über Druckkammerlautsprecher den rechten (eigentlich linken) Weg: „Michael! Left hand side!“.

Vorschiff der "Santa Clara"

Vorschiff der „Santa Clara“

Angkommen am Schiff machte ich noch ein paar Bilder. Was schon was Besonderes ist: Da die Santa Clara im Trockendock liegt, konnte ich Ruder und Propeller (niemand vom Fach sagt „Schiffsschraube“) fotografieren. Und den Ring, der dort gerade vorgeschweißt wurde, um das Antrömverhalten des Wassers auf den Propeller zu optimieren. Deswegen liegt das Schiff im Dock.

Propeller und Ruder

Propeller und Ruder der „Santa Clara“. Hinter dem Propeller ist ansatzweise der Ring zu sehen, wegen dem das Schiff hauptsächlich im Dock liegt.

Dann ging ich an Bord und begegnete zuerst einem Philipino (oder so), der mir das Büro zum Einchecken zeigen wollte, aber mein Kumpel kam mir zufällig auf dem Flur schon entgegen. Also rein in den Aufzug, und rauf in seine Bude. Dort deponierte er mich, weil er noch ne halbe Stunde was zu arbeiten hatte. Allerdings besorgte er mir vorher noch eine Riesenportion Hühnerfrikassee aus der Küche, die ich auch wegputzte.

Hühnerfrikassee

Schau mal, Kantine, so wird das gemacht… Das Hühnerfrikassee war echt lecker. Und serviert auf einem origitnal Reedereiteller.

Nun machen wir uns mal auf die Socken Richtung Stadt, den er sagt: „Wenn ich weg bin, interessiert es mich nicht, wenn das Licht ausgeht. Wenn ich aber an Bord bin, muss ich dann arbeiten.“ Also gewinnen wir jetzt erst mal Land. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bis später.

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Rotterdam

6.10 Uhr. Der Wecker weckt mich mit… ein paar profanen Pieptönen. Ich hatte gerade nix akkurates am Start. Obwohl ich da so nen Glenn Miller-Titel habe, wo es im Refrain immer um einen „Angel in a pair of wooden shoes“ geht, das hätte zumindest zu Holland gepasst.

Nun, geduscht und so weiter, ich bin früh dran. Also verpasse ich folgerichtig den Bus, den ich eigentlich nehmen wollte… Aber ich hatte reichlich Puffer eingeplant, also kein Problem. Es reicht trotzdem noch für einen Kaffee und ein Croissant am Bahnhof. Um 7.53 Uhr geht mein Zug ab Gleis 12.

Auf nach Rotterdam via Amsterdam

Auf nach Rotterdam via Amsterdam. 07.53 geht es von Gleis 12 los.

Ziel ist die „Santa Clara“, ein knapp dreihundert Meter langes Containerschiff der Hamburg-Süd, welches gerade in Rotterdam im Trockendock liegt. Ein Freund, der auf diesem Schiff zur Zeit als Elektriker fährt, hatte Anfang des Jahres angeregt, dass man ein paar Tage gemeinsam in Rotterdam verbringen könnte. Ich könne bei ihm auf dem Schiff übernachten. Nun, ich bin gespannt. Nun muss ich aber langsam los. Wenn ich in Rotterdam ins Netz komme, blogge ich weiter. Bis dann.

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Twilight – Alternatives Ende

Vor etwa zwei Jahren habe ich ein langes Gedicht zum Thema Twilight-Saga geschrieben. Ich habe nie eines der Bücher gelesen noch einen der Filme gesehen, allerdings einiges darüber gelesen. Daniel Benedict, ein Kollege aus der Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung, hat damals einen Blog zu diesem Thema geschrieben und zum Gedicht-Wettbewerb aufgefordert. Da habe ich – außer Konkurrenz – einen Beitrag abgeliefert. Der Blog existiert nicht mehr, aber ich wollte, da aktuell ja wieder einer dieser Filme läuft, den alten Beitrag gerne noch einmal veröffentlichen und in meinen eigenen Blog herüberretten:

Erzähler:
In dunkler Nacht zieh’n Nebelschwaden wie Todeshauch durchs Unterholz.
Still schweigen Vögel, nur paar Raben krächzen in den Wipfeln stolz.
Da plötzlich flieht von Furcht getrieben ein Schatten durch des Waldes Flur.
Es ist die Maid, die zweie lieben, der Wind fährt ihr durch die Frisur.

Bella:
Da flieh ich nun von Furcht getrieben schattengleich durch Wald und Flur.
Bin eine Maid, die zweie lieben, der Wind fährt mir in die Frisur…

Erzähler:
Hmpf. Das sagte ich bereits…
Der Schönen Antlitz voller Reiz,
wenngleich ganz bleich,
schlank die Figur,
schön die Frisur,
doch wo bleibt der Geliebte nur?

Edward:
Ach hörte Bella all mein Sehnen
zu stillen meiner Liebe Glut.
Werd‘ stets ablehnen Menschenvenen
und trinken nur Konservenblut.
Werd‘ bändigen des Durstes Gier
die seit ew’gen Zeiten schlief,
nicht ICH bin hier das Ungetier,
trachtend nach Rhesus Positiv!

Erzähler:
Hinterm Stamm der alten Eiche
Tritt gleich hervor, bleich wie ne Leiche,
der Edward, seine Maid zu sichten
die stehen blieb zwischen zwei Fichten.

Wie Magnet und Eisenstange
ziehn‘ sich beide magisch an.
Zuschauer fragen sich bange
ob Edward sich beherrschen kann?

Kaum trennen Millimeter noch
den Hals der schönen Bella
von den Lippen Edwards doch –
plötzlich und immer schneller
ertönt ein Brausen rings umher
und auch ein schaurig Heulen.

Beide, die Herzen plötzlich schwer,
erstarrend wie Salzsäulen.

Ein Rudel Wölfe kreist nun ein
die beiden jüngst Erstarrten.
Das Heulen dringt durch Mark und Bein.
Das Schicksal mischt die Karten.

Denn nun auf einmal schiebt sich schwarz
ein Schatten vor den Vollmond.
Die Erd‘ verdeckt der Sonne Licht,
der Mond gleicht dunklem Quarz.
Und was den Wölfen innewohnt:
offenbart sich Schicht um Schicht.

Ein Mensch in jedem Wolfspelz steckt,
das wird jetzt offenbar.
Der Schatten nun den Mond verdeckt
und Edward wird gewahr:
Die Wölfe, gerade noch im Bann
des fernen Erdtrabanten
verwandeln sich nun Mann um Mann
in Jacob, nebst Verwandten.

Bella:
Oh Jacob, so ganz ohne Pelz
dein hartes Sixpack mich entzückt!
Sei in der Brandung Du mein Fels,
sonst werde ich hier noch verrückt!

Jacob:
Oh Bella, oh wie es mich freut,
Dich hier so zu erblicken.
Ich wäre auch sofort bereit,
Dich hier und jetzt zu …

Erzähler:
Halt’ ein Jacob, Du garstig Wicht!
Schämst Du Dich denn nicht?
Die jungen Leser dieses Blogs,
die werden noch erröten!
Noch einer Deiner schlimmen Schocks,
dann wäre es vonnöten
Dich aus der Erzählung jetzt
So ganz und gar zu tilgen!
Damit Du keinen mehr entsetzt:
So spar Dir solche Silben!

Außerdem:
Als Edwards Auge nun erblickt
den gut gebaut’ Rivalen
er wirklich heftig jäh erschrickt,
jeder kann sich ausmalen:
Wie Eifersucht nun an ihm nagt,
was, wenn sich Bella ihm versagt,
wenn Jacob ihm die Liebste raubt,
er stünde völlig auf dem Schlauch
legte Bella ihr lieblich Haupt
auf des Rivalen Waschbrettbauch.

Edward:
Was wenn der mir die Liebste raubt,
ich stünde völlig auf dem Schlauch
legte sie ihr lieblich Haupt
auf des Verhassten Waschbrettbauch!

Erzähler:
Räusper…

Edward:
Sorry… ach ja:
Was wünscht’ ich mir Eckzähne spitz
auf das die Kehl’ ich ihm aufschlitz’.
Doch mein Lächeln, süß und harmlos
duldet nicht Eckzähne groß.
Doch jäh kommt mir in den Sinn
dass ich ja unsterblich bin.
Werd mich nun auf Jacob stürzen
um sein Leben zu verkürzen!

Erzähler:
Zwei Jünglinge in Liebesbrunst
kämpfen um der Schönen Gunst.
Streben nach dem süßen Lohn
und pures Testosteron
hinter ihrer Heldenstirne
flutet nun die zwei Gehirne.

Der Kampf, er wogt nun hin und her,
der Bella fällt das Warten schwer.
Plötzlich hat sie es ganz eilig
denn ihr wird so langweilig.

Bella:
Statt den Verrückten zuzusehn’
Könnt’ in ein Tanzlokal ich gehen’.

Erzähler:
Handyflackern – Funktaxi
Absatzklappern – fort war sie!

Plötzlich legt sich das Kampfgebrause
Vampir und Werwolf machen Pause.
Als des Gefechtes Staub sich legt
da merken beide ganz erregt:
Der Grund des Kampfes ist verschwunden!
So sagen sie ganz unumwunden
„War alles gar nicht bös gemeint.“
„Du bist im Grunde nicht mein Feind“.
„Schönen Tag noch!“ „Schlaf recht nett!“
„Ja, ich denk, ich geh zu Bett.“
Beide reichen sich die Hand
und entschwinden unerkannt.

Die Bella ward, man wird’s verstehn’
nun öfters mit Tom Cruise gesehn’.

Jacob bewarb sich, welch’ ein Schwachsinn
als Astronaut – Apollo 18.

Und Edward macht nun seitdem
Reklamespots – für Zahnputzcreme.

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Ich habe ferner noch einen Limmerick zum selben Thema verfasst, für diejenigen, die es lieber etwas kürzer mögen:

There was a young lady from Forks,
who thought she could be Edward’s.
Felt a burning desire
for this young vampire.
As advertised on the billboards.

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Vergiftet im Schnee

Als ich heute morgen aufwachte, hörte ich sehr beunruhigende Geräusche… meinen Wecker. Im Moment (seit Israel) fällt es mir nicht leicht, das warme Bettchen zu verlassen. Aber dann fiel mir ein: „Moment, 30. November. Folge 0 von ‚Vergiftet im Schnee’…“ Also das eierPad abgegriffen und zurück ins warme Bettchen.

Ermittlerteam AKR 2012

Das unten rechts bin ich. Ich bin nur der Chef, Manfred Jester, Polizeidirektion Osnabrück. Ich halte mich eher im Hintergrund, während die jungen Heißsporne den Fall ganz bestimmt knacken werden!

Zur Erklärung: Ein Laienschauspielerteam, welches sich im Wesentlichen aus den Reihen meines Arbeitgebers, der Firma basecom, rekrutierte, hat unter der Anleitung eines Theaterpädagogen des Theaters Osnabrück eine augenzwinkernde Krimiserie in Form eines Adventskalenders zum Miträtseln produziert. Die technische Realisation (Kamera, Ton, Schnitt) lag dabei beim regionalen TV-Sender os1.tv, wobei Unterstützung für Spezialeffekte aus dem Grafikbereich der basecom hinzukam.

Bereits im vergangenen Jahr wurde der Vorgänger „Verschleppt im Schnee“ als Video-Adventskalenderrätsel produziert. Hier meldete sich in Folge 0 Horst aus der Unterwelt, der den Weihnachtsmann entführt hatte. Denn Horst hasst Weihnachten und wollte, dass das Fest der Liebe 2011 ausfallen sollte. Ein Ermittlerduo, bestehend aus Gisela aka Mauerblümchen, sowie Kommissar Karl-Theodor zu Quakenbrück, wurde auf den Fall angesetzt. Nach vielen Irrwegen gelang es den beiden schließlich, den Weihnachtsmann zu befreien und den Entführer dingfest zu machen. Dabei wurde der Bluerilla, offensichtlich ein Helfer von Horst, von Karl-Theodor zu Quakenbrück, erschossen – dachte man. Was bisher geschah kann man sich auch in einer Zusammenfassung ansehen.

Hier beginnt nun die Fortsetzung „Vergiftet im Schnee“. Folge 0 ist nun online:

Antworten auf die Rätselfragen einreichen können nur bei der OS-Community angmeldete Nutzer. Gucken kann aber jeder, das erfordert keine Anmeldung. Wer sich wundert, dass die erste Frage so simpel ist, dem sei gesagt, dass die erste Frage bei Folge 0 nur zur Verdeutlichung des Procedere dient. Danach wird es zum Teil echt schwer.

Also: Viel Spaß!

PS: Morgen ist Premierenfeier, da kann ich dann zum erstem Mal auch alle Folgen mal sehen. Ich bin schon gespannt.

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Fazit

Ich stand gegen 10 Uhr nach angenehmer Nachtruhe auf, stutzte meinen Bart, duschte und fand noch einen Satz frischer Unterwäsche im Schrank. Dann warf ich die erste Maschine Wäsche an und ging zur Tanke, weil ich keine Milch für meinen Kaffee hatte. Außerdem gabs noch zwei Nougat-Croissants.

Koffer auf heimischen Terrain

Koffer auf heimischem Terrain – schon fast ganz ausgepackt.

Tja, nun noch einmal ein paar Schlußgedanken zum Israel-Tripp:

Die Reise an sich:

  • war, durch verschiedene Fehler meinerseits, erheblich teurer als geplant
  • hat sich aber dennoch auf jeden Fall gelohnt
  • schreit nach einem weiteren Besuches des Landes Israels
  • war eine Bereicherung an Erfahrung und Horizonterweiterung
  • hat viele interessante und schöne Einblicke gebracht
  • hat, trotz einiger Sachen, die weniger schön waren, einfach Spaß gemacht
  • war überwiegend angenehm, weil alle Bahnfahrten und Flüge gut pünktlich und komfortabel verliefen und das Wetter super war

Tel Aviv:

  • hatte, für die Jahreszeit außergewöhnlich warmes Wetter und deswegen sehr angenehme Strandbedingungn am Start
  • ist, abgesehen von Alt-Jaffa, für einen Kultur-Trip weniger zu gebrauchen, zum Abhängen am Strand, Shopping und Party-machen umso mehr
  • ist ein wilder Mix an halb verrotteten Wohngebäuden, schick restaurierten Bauhaus-Stil-Häusern und Glas-und-Stahl-Bürotürmen und Hotelkomplexen
  • bietet insbesondere in Alt-Jaffa auch ein paar sehr schöne Ecken

Jerusalem:

  • ist in Hinsicht auf Party und Kultur ziemlich das Gegenteil von Tel Aviv
  • bietet in der Alten Stadt eine atemberaubende Fülle an religiösen und geschichtsträchtigen Stätten: Synagogen, Moscheen, Kirchen, Schreine, Denkmäler, Museen
  • hat riesige Bazare und Märkte
  • hält in der Alten Stadt ein interessantes, aufregendes, aber auch anstrengendes Labyrinth von Straßen, Gässen, Gängen und vor allem Sackgassen bereit, in denen sich ahnungslose Touristen hoffnungslos verirren können, um anschließend von Händlern erbarmungslos ausgeplündert zu werden
  • kann eine Basis für Trips nach Bethlehem und zum Toten Meer sein, was man auch machen sollte, worauf ich aber leider verzichtet habe

Die politische Situation:

  • lässt mich ratlos bleiben, denn die Seite der Palestinänser ist in so viele Richtungen aufgespalten, dass man sich nicht gut mit allen an einen Tisch setzen kann. Und die israelische Seite ist auch nur begrenzt bereit, dem Konzept „Land für Frieden“ zu folgen
  • ist ein Szenario, in dem die Hamas die Existenz des Staates Israel nicht anerkennt, die Israelis aber besser bewaffnet sind
  • hat sich, wenn ich es richtig verstanden habe, ergeben, weil die ehemalige Besatzungsmacht England usprünglich eine Zwei-Staaten-Lösung vorgesehen hat, aber nur eine Ein-Staat-Lösung umgesetzt wurde
  • wird sich, befürchte ich, noch lange Zeit nicht weiter bewegen und immer wieder zu bewaffneten Konflikten führen

Meine Einschätzung von der Gefahr auf dieser Reise:

  • Es war in Tel Aviv und Jerusalem erheblich sicherer, als die hiesigen Medien es dargestellt haben
  • Bei der geringen Anzahl an Raketen, die in der Zeit ungelenkt und mit relativ kleinen Sprengköpfen in die Nähe von Tel Aviv und Jerusalem gelangt sind, war die Wahrscheinlichkeit, durch eine zu Schaden zu kommen, extrem gering – selbst wenn sie tatsächlich im Stadtgebiet eingeschlagen wären
  • Die Sache mit Anschlägen ist etwas anderes, die Explosion in dem Bus in Tel Aviv zeigt, dass meine Befürchtung, dass es dazu kommen könnte, berechtigt war – das ist immer eine gewisse, latente Gefahr
  • Für mich schlug die anfängliche, leichte Angst schnell in einen gewissen Nervenkitzel um, was zwar angesichts der Opfer und des Leides absolut pervers, aber wahrscheinlich nicht so ungewöhnlich ist – ich habe die Lage nicht als Einschränkung oder großes Risiko erlebt

Ich möchte mich bei allen Lesern, die meine Aufzeichnungen verfolgt haben, bedanken, ebenfalls für Eure ermunternden Kommentare und E-Mails. Außerdem möchte ich mich besonders bei allen bedanken, die die Sorgen um meine Sicherheit ertragen und für meine Bewahrung gebetet haben. Und nicht zuletzt danke ich nochmal meinen Frankfurter Gastgebern und meinen Freunden aus Osnabrück, die mich nun schon nach meiner dritten Reise traditionell vom Bahnhof abgeholt, mir bei sich zuhause was zu essen, Bier und Nestwärme gegeben und mich dann nachhause gefahren haben. Ihr seid phantastische Freunde, ich bin froh, Euch zu haben.

Es war eine tolle Reise, aber jetzt ist die vorbei. Damit lasse ich auch den Blog erstmal wieder ruhen.

Für diejenigen, die es jetzt bedauern, nicht mehr jeden Tag so ein besonderes Internet-Häppchen zu bekommen (ich habe schon wieder gehört, ich solle doch im Alltag weiter bloggen, aber ich befürchte, dass es da nicht so viel Interessantes zu vermelden gäbe) habe ich aber noch einen Tipp.

Am 30. November startet auf der OS-Community und os1.tv eine Adventskalender-Videoserie. Bis zum 24. Dezember gibt es jeden Tag ein Clip aus einer augenzwinkernden Fortetzungs-Krimi-Serie. Jeder Teil endet mit einem Rätsel. Ich spiele dabei den Polizeichef, eine mittelgroße Rolle, ich bin nur in fünf oder sechs Teilen dabei, zum ersten Mal, glaube ich, in Folge 4. Wahrscheinlich wird es für die, die beim Rätseln mitmachen, auch was zu gewinnen geben, ich weiß aber noch nicht, was.

Die Links:

Ich melde mich ab. Bis zum nächsten Jahr und zum nächsten Urlaub.

Euer Michi

PS: Ich habe, fürchte ich, bei meiner Rundmail mit Hinweis auf den Block, ein paar Leute vergessen. Das tut mir leid. Aber es ein Mittel dagegen, nix zu verpassen: Abonnieren. Einfach oben links auf „Follow“ klicken und E-Mail-Adresse hinterlassen, dann bekommt Ihr automatisch alle Einträge per Mail.

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Eigenes Bett – demnächst…

Nach dem Frühstück (mit sog. „Zimthaufen“ [umstrittener Produktname für süßes Frühstücksgebäck] und sonstigen Brötchen sowie mehr Pipettenkaffee) fuhren meine Frankfurter Gastgeberin und ich in die Frankfurter Innenstadt. Hier war schon ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, die Buden aber nur teilweise geöffnet. Außerdem war das Wetter fast eher nach Eis als nach Glühwein – blauer Himmel, Sonnenschein, bestimmt zweistellige Temperatur.

Blauer Himmel von Frankfurt

Blauer Himmel von Frankfurt

Meine Frankfurter Gastgeberin nahm Mission „Jacke kaufen“ sehr ernst. Normalerweise besuche ich für den Klamottenkauf exakt ein Geschäft. Rein, was anprobieren, wenn es ansatzweise passt, kaufen und weg. Wir waren bei Sport-Arena, Sport-Karstadt, einem Jack Wolfskin- und einem The North Face-Laden.

MyZeil-Einkaufszentrum von vorne

MyZeil-Einkaufszentrum von vorne

Letzterer war in einem noch relativ neuen Einkaufszentrum namens „MyZeil“ untergebracht, einem architektonisch ebenso faszinierendem wie verwirrenden Gebäude. Schwer zu beschreiben, auf zwei gegenüberliegenden Gebäudeseiten ist in den Glasfassaden jeweils ein Loch mit angeschlossenem, sich nach innen verjüngenden Trichter und „Glasschlauch“. Die beiden „Glasschläuche“ treffen sich Y-mäßig in Gebäudemitte und vereinen sich zu einem gemeinsamen „Glasschlauch“, der bis zum Boden geht und dort leicht diagonal am Boden endet. Sehr seltsam und schwer zu durchschauen, das Ganze. Wie schwierig muss das zu planen und umzusetzen gewesen sein…

MyZeil-Einkaufszentrum von innen

MyZeil-Einkaufszentrum von innen

Nachdem ein Modell bei und von „The North Face“ schon recht gut im Kurs stand, besuchten wir noch zwei andere Läden, bis ich letzten Endes doch das Modell bei „The North Face“ kaufte.

Wir gingen dann ins hiesige Bar Celona. Waffel mit Sahne, Kirschen und Kaffee für die Frankfurter Gastgeberin, Burger mit Pommes und alkoholfreiem Weizenbier für mich.

Danach hieß es nur noch: Zurück zur Wohnung der Frankfurter Gastgeber, Zug nachgucken, Klamotten packen, tschüss sagen, zurück zum Hbf via Hauptwache und rein in den ICE. Einmal umsteigen am Flughafen, dann nochmal in Dortmund und ab nach Osnabrück. In Dortmund hatte ich nur 5 Minuten Umsteigezeit, was aber geklappt hat, weil der ICE absolut pünktlich war (!) und zeitgleich mit dem ICE auf dem Gleis gegenüber, der nach Hamburg-Altona fuhr, ankam. Ich hatte in allen drei Zügen gute Sitzplätze, also alles entspannt im Zug. Nur ohne free WLAN!

In Osnabrück holte mich eine Freundin vom Bahnhof ab. Ich hatte sie nicht am Gleis erwartet und schritt forsch zum Ausgang. Ich dachte, bestimmt noch nicht da, wer erwartet denn heute, dass ein Zug pünktlich kommt… Aber sie war am Gleis gewesen, und ich bin einfach davon gestürmt, wie peinlich und unhöflich…. Sie fing mich dann am Eingang ab und wir fuhren zur Wohnung ihrer Familie. Dort bekam ich noch was zu essen und nette Gesellschaft. Und drei Veltins…

Gegen 23 Uhr fuhr mich die Freundin zurück nachhause. Und damit endete das Abenteuer Israel. Morgen schreibe ich das Fazit. Bis morgen also.

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J.R. ist tot

Ich wachte irgendwann kurz vor Neun auf und hörte meine Frankfurter Gastgeberin in der Küche rumoren. Wahrscheinlich tat sie gerade mit einer Pipette ein paar Tropfen Wasser auf das Kaffeepulver. Da ich ihr gesagt habe, sie könne mich aus dem Bett schmeißen, wann es ihr in den Kram passt, damit sie auch einen Moment alleine für sich hätte, blieb ich erst noch im Bett, bis sie fragte, ob ich wach sei.

Pipetten-Kaffee mit Heißwasser und Milch

Pipetten-Kaffee: mit Heißwasser und Milch sehr lecker!

Ich kam zu ihr in die Küche und genoss eine Kaffeeextrakt-Heisswasser-Milch-Mischung und angenehme Konversation. Dann kam die Nachricht im Radio: Larry Hagman ist gestorben. Promo-technisch alles richtig gemacht, meinte meine Frankfurter Gastgeberin. Jetzt müssen sie ihn wohl in der neuen Serie rausschreiben. Aber die neue Serie wird ohne ihn sicherlich nicht mehr dasselbe sein. Gut, ich kriege gerade schon wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich so flapsig bin, denn für irgendwen wird es auch ein persönlicher Verlust sein. Nicht nur für seine Fans. Aber der Mann hat sein Leben gelebt und – wenn ich das kurze Interview, dass ich im Radio gehört habe – bis zu letzt Spaß an seiner Arbeit gehabt.

Heute steht folgendes auf dem Programm: Frühstücken, neue Jacke in Frankfurt kaufen, den Weg nachhause finden.

Bis später.

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Frankfurt am Main

So, ich bin wieder in Deutschland. Der Flug war recht ereignislos, ich habe in „Betreutes Trinken“ einige Seiten gerissen. Es gab Hühnchen, Salat, Brötchen mit Emmentaler, Apfelstreuselkuchen, zwei Wahrsteiner. Kaptiän Krallmeier, der uns an Bord begrüßte, hatte für meinen Geschmack nicht so die markante Flieger-Stimme, die einem Respekt und Vertauen einflößt. Eher leicht verschnarcht. Der 1. Offizier, der sich in der Luft dann meldete, um Flughöhe, -Route und voraussichtliche Ankunftszeit zu vermelden, klang da deutlich Klischee-entsprechender.

Die Flugroute führte uns dann lt. Information vom Copilot über Zypern, Türkei, Rumänien, Bulgarien und München nach Frankfurt. Bei der Landung hatte ich den Eindruck, dass der Pilot weit vom Anfang der Landebahn entfernt aufsetzte, aber so ein A321 braucht ja auch nicht so viel Landebahn wie eine 747 oder ein A380. Das war so ungefähr um 19.40 Uhr ein, 20 Minuten vor Plan. Es dauerte auch ein bisschen, bis die uns einen Passagiertunnel andocken konnte, so richtig hatte man wohl noch nicht mit uns gerechnet. Dann meldete sich der Kapitän noch mal und meinte, irgendwas wäre ja immer, und man würde uns eine Gangway schicken und dann mit dem Bus zum Terminal karren, das war offenbar nicht der ursprüngliche Plan.

A321 - gelandet

A321 – gelandet. Das Bild habe ich noch vom Bus aus mit dem Schlaufon geknipst.

Also raus aus dem Flieger, rein in den Bus. Am Terminal durch die Passkontrolle, Koffer abgegriffen und bei meiner Frankfurter Gastgeberin, die noch im Büro bei der Arbeit war, gemeldet. Mein Frankfurter Gastgeber konnte diese Rolle diesmal nicht erfüllen, weil geschäftlich an diesem Wochenende unterwegs. Wir hatten dann noch ein bisschen Kommunikationsprobleme, weil aus irgendeinem Grund meine sämtlichen Telefontöne im Menü „Eingabehilfen“ deaktiviert waren und ich deshalb nicht gehört habe, wenn ich angerufen wurde. Ich fuhr dann vom Regionalbahnhof am Flughafen zur Hauptwache, wo ich dann meine Frankfurter Gastgeberin an Gleis 2 aller Abstimmungsprobleme durch die Anwandlungen meines Schlaufones traf.

Bettwäsche

Bettwäsche bei meiner Frankfurter Gastgeberin – sehr praktisch, wenn man mal nicht einschlafen kann.

Wir fuhren dann zusammen zu ihrem Wohnviertel, kauften vorher noch ausreichende Mengen an Goldstar Pfungstätter ein und gingen dann zu ihrer Wohnung. Dann wurde noch Pizza geordert, zu Abend gegessen, viel geredet und ab ins Bett. Bis morgen!

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Abschied bei Regen

Ich gehe, und der Himmel weint. So gehört sich das… Na, mal im Ernst, das kann ich gar nicht gebrauchen. Ich hab ja keine Regenjacke mehr…

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Ich sitze gerade im Polly und probiere die WordPress-App fürs Schlaufon. Mein Shakshukan ist schon da, aber noch sehr heiss. Später Update. Bis dann.

Rückblick: Hatte mich mit beiden Weckern gegen 07:35 wecken lassen („Security Joan“ [Donald Fagan] und „All those heros“ [Mike Dowling]). Dann hörte ich draußen den Donner. Tja, einerseits gut, dass ich fast nur tolles Wetter hatte, andererseits blöd wegen der Jacke. Ich holte mir bei der netten Frau am Desk einen Breakfast-Voucher und ging ins Polly.

Blick aus meinem Fenster

Blick aus meinem Fenster – auf das Regenwetter in Jerusalem.

Ich bestellte zum Abschied Shakshukan. Frisch zubereitet war es total lecker, richtig gut. Und ohne den Alleskleber dran, wie im Sheraton.

Nun bin ich wieder in meinem Zimmer. Also, frischauf, packen und ab dafür. Sofern ich am Airport nicht free WLAN kriege, melde ich mich aus Israel ab. Bis später.

Update: Im Zug nach Tel Aviv, HaHagana.

Ich hoffe, zwar, dass ich das nicht noch revidieren Muss, aber gegenwärtig bin ich sowas von begeistert von der Israelischen Bahn! Sitze in so einem bei Bombardier hegestellten Dieselzug und hier gibt es Strom und Free WLAN!!! Habe ich auf dem Hinweg gar nicht ausprobiert. Dazu kostet ein Ticket von Jerusalem zum Ben Gurion gerade mal 22,50 Schekel. Das sind vielleicht 4,50 Euro, für eine Strecke ungefähr etwas kürzer als Hamburg-Bremen.

Das Taxi war übrigens schnell da, und der Verkehr war nicht so wild wie auf dem Hinweg. Ich habe also tatsächlich den 9.56 Uhr – Zug gekriegt. Am Bahnhof war ich verwundert über die laxe Security. Laut piepend schritt ich mit meinem Gepäck durch den Metalldetektor, und der Mann wollte lediglich meinen Reisepass einmal sehen. Ich ging zum Schalter und kaufte mein Ticket. Das ganze Bahnhofsgebäude roch schlimm nach Dieselabgasen, vermutlich von den beiden Triebzügen, die unter dem Gebäude warteten. Einer davon mein Zug nach Tel Aviv, den ich dann bestieg. Mir taten die Leute Leid, die in diesem Gebäude arbeiten mussten, der Mann der Security und der am Ticketschalter, für mich roch das schon sehr gesundheitsgefährdend.

Nun hat der Zug vor ein paar Minuten Beit Shemesh verlassen, mit nur zwei Minuten Verspätung, obwohl wir auf freier Strecke bestimmt zehn Minuten auf einen entgegen kommenden Zug warten mussten. Nächste Station ist Ramla, ich kann den Verlauf der Fahrt mithilfe von GPS und Google Maps auf dem Schlaufon beobachten. Bis später.

Update: Ben Guirion Airport, Tel Aviv

Ich sitze hier auf Level 3 des Flughafens, habe Strom, WLAN, Kaffee und einen Blick aufs Vorfeld, also alles, was ich brauche, um rundum glücklich zu sein.

Terminal 3, Ausblick aufs Vorfeld

Terminal 3, Ausblick aufs Vorfeld. Mit Kaffee und Croissant.

Mit ein wenig Verspätung kam mein Zug in Tel Aviv, HaHagana an. Hier sah ich wieder viele Soldaten. Vielleicht auf dem Weg nachhause, nachdem die Bodenoffensive wegen der Waffenruhe wohl bis auf Weiteres erstmal kein Thema mehr ist. Ich hoffe, dass das so bleibt. Jedenfalls bin ich ganz froh, dass die jungen Soldaten und Soldatinnen jetzt erstmal nicht riskieren müssen, ihr Leben im Gaza-Streifen zu lassen und auch auf niemanden schießen müssen. Das wäre ein übles Blutvergießen auf beiden Seiten gewesen, so ein Häuser- und Straßenkampf. Das finde ich fast noch wichtiger, als dass beide Seiten den gegenseitigen Beschuss mit Bomben und Raketen eingestellt haben.

Israelische Soldaten in Tel Aviv, HaHagana-Station

Israelische Soldaten in Tel Aviv, HaHagana-Station. Was die da haben, sind keine NERF-Guns.

Ich holte mir, um ein paar meiner letzten Schekel auf den Kopf zu hauen, noch ein Snickers aus einem Automaten, der brav „Ta-da“ sagte. Ich weiß nicht, wie man das schreibt, dazu fehlt mir eh der häbräische Zeichensatz, aber so sagt man hier „Danke“. Mehr habe ich leider nicht gelernt, zumindest nicht von der Sprache.

Das Umsteigen in HaHagana hat – wenn auch nicht ganz ohne Unsicherheit – geklappt. Dem Plan der Website der israelischen Eisbahn nach sollte der Zug zum Flughafen um 11:56 von Gleis 2 fahren. Da war aber ein Zug nach Modi’in Center um 11:45 und ein anderer um 11:58 gelistet. Hm… Ich hatte immer noch das WLAN der von Israeli Railways, also lud ich mir den Streckenplan herunter. Ich hab es nicht sofort kapiert und war schon auf der Rolltreppen nach oben, um mir eine Information zu suchen. Da habe ich dann kapiert, dass Modi’in Center meine Richtung war. Also wieder Rolltreppe runter,paar Minuten warten, und rein in den Zug.

Jetzt bin ich hier auf dem Flughafen und habe mir für meine letzten Schekel einen großen Capuccino und ein Croissant mit Mandeln geholt. Mein Flug geht um 16:10 Uhr, noch drei Stunden. Naja, ich habe schon mal mehr Zeit auf einem Flughafen verbracht, z.B. auf dem Dulles International bei Washington DC. Außerdem habe ich ja, dank meiner Frankfurter Gastgeberin, was kurzweiliges zu lesen. Ich melde mich erstmal ab, denn ich kann jetzt meinen Koffer aufgeben. Bis später.

Update: Ben Gurion Airport, Gate C6

So, ich habe meinen Koffer abgegeben. Vorher allerdings lief er nicht nur durch eine Röntgenanlage, sondern ich musste ihn öffnen, und er wurde gründlich untersucht. Dazu benutzen die Sicherheitsleute etwas, was ich mal als „Schnüffelbürsten“ bezeichnen würde. Denn damit wurden alle Oberflächen, insbesondere die elektronischer Geräte, abgestrichen, danach wurden die Dinger an ein elektronisches Gerät gehalten. Ich vermute, dass man auf Spuren von Sprengstoffen aus war. Das Personal war sehr höflich und nett, aber bestimmt. Man fragte mich mehrfach nach meinem Namen und Ziel. Dann konnte ich den Koffer aufgeben. Danach musste ich natürlich noch mit meinem Handgepäck durch eine Sicherheitsschleuse. Wieder alle elektronischen Geräte auspacken und Schnüffelbürsten-Check.

„Something in my carry-on bag
tipped of the x-ray machine.
‚Cause then an engel straight from heaven
asked me to step behind that screen.
When I felt the wand sweep over me
you know I never felt so clean.“

(Donald Fagan, Security Joan)

Jetzt verstehe ich, was er mit „you know I never felt so clean“ meinte. Das war, denke ich, der penibelste Check, den ich jemals hatte. Auch wenn ich meine Schuhe anlassen durfte. Jedenfalls hat es etwa eine Stunde gedauert, aber ich hatte ja reichlich Zeit. Jetzt sind es noch anderthalb Stunden bis zum Abflug. Bis später.

A321 an Gate C6

A321 an Gate C6 – der Vogel nachhause hat schon angedockt.

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Auf dem Tempelberg

Ich besorgte mir beim ATM meines Vertrauens noch 400 NIS und holte mir beim „Bagel Bite“ zwei Bagels, einen Blaubeer-Muffin und einen großen Capuccino to go. Ich frühstückte also unterwegs zur Alten Stadt. Dort suchte ich das Marokko-Tor, welches der Touri-Eingang zum Tempelberg ist. Es war schon fast halb eins. Ich landete natürlich erstmal am falschen Tor und wurde von der Polizei zum Marokko-Tor verwiesen.

An dieser Stelle muss ich betonen, dass die Alte Stadt zwar super aufregend und spannend und auch irgendwie einfach schön ist (der Flair ist schon gewaltig), aber sie ist auch ein Labyrinth mit vielen Sackgassen. Viele Straßen sind einfach unterbrochen. Ich habe es heute auch mit einer konventionellen Karte aus dem Reiseführer versucht, aber die war nicht detailliert genug. Ich kam mir wirklich vor wie eine Versuchsratte im Labyrinth, ein ganz doofes Gefühl.

Gasse in der Alten Stadt

Gasse in der Alten Stadt mit kreativer Verkabelung.

Ferner versuchen alle möglichen Händler, einem irgendeinen Tand anzudrehen, oder Leute bieten sich als Führer an und wollen unverschämte Preise dafür. Darauf bin ich einmal auf dem Weg zum Tempelberg reingefallen. Zwar war mir schon klar, dass der junge Mann das nicht umsonst machen würde. Ich bot ihm 20 NIS an. Er wollte 50 (etwa 10 Euro). Unverschämt für das Führen um drei Ecken in 5 Minuten. Aber ehe er seine Brüder holt…

Western Wall Piazza

Western Wall Piazza

Um es kurz zu machen, mit fehlen zwei wichtige Eigenschaften, die man, wenn man alleine in der Alten Stadt unterwegs ist, einfach braucht:

  1. Orientierungssinn
  2. Die Fähigkeit, höflich, aber bestimmt (und gegebenenfalls abnehmend höflich und zunehmend bestimmt und beliebig oft) NEIN sagen zu können.

Sonst kann die Alte Stadt erstens nervig und zweitens teuer werden. Ich erreichte aber (durch eine Sicherheitsschleuse) zunächst mal den „Western Wall Piazza“, einen großen Platz vor dem Tempelberg. Vor einem anderen Eingang feierte offenbar eine jüdische Familie unter Singen, Klatschen und Trommeln ein Fest, vielleicht eine Bar Mizwa. Vom Platz führt eine Brücke zum Tempelberg, aber ich fand den Weg dahin nicht, deswegen verließ ich den Platz wieder und checkte an anderer Stelle nochmal durch eine andere Sicherheitsschleuse direkt am Eingang der Brücke ein. Dann konnte ich endlich über die Brücke den Tempelberg betreten. Als erstes bot sich wieder einmal jemand an, mich zu führen. Aber die zwei wesentlichen Gegenstände meines Interesses, der Felsendom und der Kettendom, waren absolut nicht zu verfehlen, selbst durch mich nicht.

Der Kettendom

Der Kettendom

Der Felsendom ist lt. Wikipedia das vermutlich bekannteste Wahrzeichen Jerusalem und ist das älteste erhaltene Bauwerk des Islam. Es markiert – zumindest für die Gläubigen – die Stelle von Mohammeds Himmelfahrt und zugleich die Stelle, in der Abraham seinen Sohn Issak opfern wollte.

Der Felsendom aus einer anderen Perspektive

Der Felsendom aus einer anderen Perspektive – natürlich habe ich den von allen Richtungen, oben und unten sowie aus verschiedenen Entfernungen fotografiert…

Nun, ich machte eine angemessene Menge Fotos von beiden Sakralbauten aus verschiedenen Perspektiven. Ich war eigentlich gar nicht so scharf darauf, die Gebäude zu betreten. Fotografieren ist verboten, und das sind für mich doch eher muslimische Heiligtümer, mir bedeutet das nicht so viel. In Bethlehem hätte mich womöglich tiefe Ehrfurcht befallen, hier aber nicht. Trotzdem, ich war ja nun einmal da, also begann ich, meine Schuhe auszuziehen, was Pflicht ist. Aber da sagte mir der Posten an der Tür mal wieder „It’s closed!“ (jedenfalls für Nicht-Muslime). Ich glaube, man kann den Feldendom schon betreten, aber durch welchen Eingang zu welcher Zeit wusste ich nicht, und das kann sich nach der politischen Situation und Lust und Laune der Verantwortlichen ebenso spontan mal ändern, wie der Zugang zum Tempelberg im allgemeinen. Zum Glück war es mir ohnehin nicht wichtig.

Tempelkatze

Wach-Katze am Eingang zum Tempelberg

Was also nun? Ich hatte mein Ziel Tempelberg erreicht. Entweder, noch irgendwo was essen wie gestern, oder vielleicht nochmal ins Neue Jerusalem? Erstmal musste ich natürlich wieder mal durch das Labyrith des muslimischen Viertels mit allen seinen Gefahren. Ich kam dann an einer Stelle heraus, wo ich gestern schon einmal war: Am Cardo. Unmittelbar vor der Abzweigung konnte ich ein wenig einer deutschsprachigen Führung zuhören: Demnach wurden große Teile des Jüdischen Viertels im Sechstagekrieg 1967 von der jordanischen Armee zerstört. Als Israel das Jüdische Viertel wieder aufbaute, nutzten Archäologen die Chance, bei der Gelegenheit mal nachzubuddeln, was wohl noch von den Römern übriggeblieben war, die hier ja auch schon mal das Sagen gehabt haben.

Poser-Katze mit eigenem Bild

Poser-Katze mit eigenem Bild – daran sieht man, dass die Viecher hier einfach dazugehören. Sie werden von den Einheimischen auch oft gefüttert und bedienen sich an sonsten am Müll.

Man hatte angenommen, dass die Römer hier einen Cardo (als Säulengang ausgeführte Hauptgeschäftsstraße, meist Nord-Süd-Achse) errichtet hatten, war sich aber nicht sicher wo. Doch man fand bei den Grabungen tatsächlich noch beachtliche Überreste des Cardos.

Überreste des Cardo

Überreste des Cardo – alte Säulen (links) und neue Säulen (rechts). Hab es sicherheitshalber dran geschrieben, damit man sich zurechtfindet…

Hier ganz in der Nähe ist der Harva-Square und die Harva-Synagoge, hier hatte ich gestern länger draußen bei Bier, Cappuccino und Milchshake (also, nicht alles gleichzeitig, natürlich) gesessen und Postkarten geschrieben. Ich setzte mich wieder an einen der Tische. Aber ich wurde eine Weile nicht bedient, und irgendwie entschied ich mich dann doch, das Weite zu suchen und die Alte Stadt, in der ich mich zunehmend irgendwie eingesperrt fühlte, endgültig zu verlassen.

Die Hurva-Synagoge

Die Hurva-Synagoge – ich hab das Ding gestern anders bezeichnet, nämlich so, wie es dran steht. Auf dem Reiseführer steht aber „Hurva-Synagoge“ und „Hurva-Square“. Naja, eine Frage der Sprachen vielleicht.

Ich irrte eine Weile mithilfe von Reiseführerkarte und Open-Cycle-Map durch die Gegend, fand dann schließlich einen Weg zur Mauer, folgte dieser bis zum Zion-Tor, verließ die Alte Stadt durch dieses und machte außerhalb zwischen Zion- und Jaffa-Tor erstmal Pause auf einer Bank. Ich trank etwas Wasser und futterte einen Bagel, praktischerweise schien auch ein wenig die Sonne gerade zwischen den Wolken hervor.

Immer an der Wand lang

Immer an der Wand lang… auf dem Weg vom Zion-Tor zum Jaffa-Tor.

Ich ging erstmal an der Mauer entlang bis zum Jaffa-Tor und entschied mich, doch nochmal in die Neu-Stadt zu gehen, ich wollte vielleicht noch T-Shirts einkaufen. Also ging ich weiter an der Mauer entlang und enterte über die Jaffa Rd. die Neustadt. Die Jaffa Rd. ist die Haupt-Einkaufsstraße von Neu-Jerusalem, hier verkehrt seit zwei Jahren auch eine Straßenbahn. Allerdings gibt es wenig Spektakuläres zu sehen.

Mike's Place, Jerusalem

Mike’s Place, Jerusalem – und ich hatte nicht mal danach gesucht.

Immerhin erblickte ich, ohne danach gesucht zu haben, auf der linken Straßenseite unvermittelt das hiesige „Mike’s Place“. Na, da war ein Besuch natürlich Pflicht! Eine große Portion Pommes und ein Goldstar mussten schon an den Start. Naja… Ohne die Jungs aus Manchaster, den Strand und die Bedienung mit dem waffenscheinpflichtigen Lächeln aus Tel Aviv ist „Mike’s“ einfach nicht dasselbe… Außerdem nervten mich, als ich eigentlich nur noch auf die Rechnung warteten, innerhalb einer Minute gleich zwei Leute, die mir irgendwas andrehen wollten. Mann, ich war doch extra aus der Alten Stadt hierher geflüchtet, nicht mal bei „Mike’s“ ist man sicher…

Auf der Jaffa Rd.

Auf der Jaffa Rd.

Ich ging noch weiter die Jaffa Rd. entlang. Dabei erspähte ich eine Art „Kick“-Billigladen, wo ich für 20 Schekel zwei T-Shirts kaufte. Anschließend folgte ich der Straße weiter, bis zu einer Stelle, wo ich mit Ulli schon mal gewesen bin. Da gibt es so ein großes, markantes Gebäude mit einem Loch drin. Ich entschied, dass es genug war und ich mich nun auf den Weg zum Hotel machen würde, was ich auch tat.

Gebäude mit Loch

Gebäude mit Loch an der Jaffa Rd.

Hier angekommen entlud ich wie immer meinen Rucksack, entschied mich aber, anstatt dem Laden meines Vertrauens wie bisher, mal einem anderen, größeren Supermark (der in der Umgebungskarte, die ich am Desk bekommen hatte, verzeichnet war) einen Besuch abzustatten. Hier war dann auch alles ein bisschen billiger, aber: Kein Eis für den Behelfskühlschrank! Also doch noch zum Laden meines Vertrauens. Das mit dem Eis hatte mich von Anfang an total überzeugt.

Katzeklo

Katzeklo, Katzeklo… (aufgenommen an der Jaffa Rd., Neu-Jerusalem) Pfui!

Als ich zuhause dann meinen Rucksack nach den Einkäufen auspackte, fand ich darin noch eine Zigarre, die ich heute gekauft und danach wieder vergessen hatte. Also setzte ich mich hier in der Nähe auf eine Bank, rauchte die wahrscheinlich letzte Zigarre des Jahres und trank ein Goldstar.

Das Abendessen fiel wieder aus, ich hatte ja schon Fritten bei „Mike’s“ gegessen, nicht mehr genug Schekel (ich muss ja morgen noch zum Ben Gurion kommen) und außerdem noch paar Feigen, Chips und einen Bagel. Lecker Abendessen, oder?

Nun, vor dem bloggen musste ich noch meinen Abflug planen. Ich konnte online einchecken, aber irgendwie hatte ich nicht die Option, den Boarding Pass auf mein Smartphone zu schicken. Also PDF runtergeladen (drucken konnte ich ja auch nicht) und ab damit zum Desk. Hier tat eine sehr sympathische und durchaus auch attraktive, junge Dame Dienst, die zwar offenbar perfekt Habräisch spricht, aber irgendwie nicht wie eine Israelitin aussieht. Ich hatte sie zuvor für einen Gast des Hauses gehalten. Ich schickte ihr mein PDF und sie druckte den Boarding Pass für mich aus.

Danach prüfte ich nochmal die Bahnverbindung nach Tel Aviv, ich muss frühestens 9:54 Uhr, spätestestens 11:54 Uhr von Jerusalem Malha aufbrechen. Ich könnte mir vorstellen, den 9:54 vielleicht sogar zu kriegen, aber den 10:54 sollte ich sicher bekommen, auch wenn der Verkehr dicht und das Taxi spät dran ist. Damit wäre ich 12:56 am Flughafen, der Flieger geht um 16:10, also genug Zeit. Bei Tel Aviv Hahagana muss ich umsteigen, 32 Minuten Aufenthalt. Ich denke, der Plan bietet an allen Stellen genügend Zeitreserven.

Auf Wiedersehen, Jerusalem

Auf Wiedersehen, Jerusalem

Das ist dann also wahrscheinlich mein vorletzter Eintrag aus Israel (jedenfalls bei dieser Reise, vielleicht komme ich ja eines Tages wieder). Morgen schreibe ich noch schnell, was ich gefrühstückt habe und was mir noch an Banalitäten in den Sinn kommt… Danach werde ich auf jeden Fall noch ein abschließendes Fazit ziehen. Bis morgen!

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