Ich zog also los zum „Mike’s“, um dort was zu essen und zu trinken und vielleicht Lee und seine Kumpels wieder zu treffen. Zunächst sah ich die Bande nicht, weil ich mich draußen hinsetzte (der Regen war nur ein kurzer Guss gewesen) und ein Steaksandwich mit Fritten und ein großes Goldstar orderte. Neben mir setzte sich ein gut gekleideter, junger Mann hin, der zwar ziemlich gutes Englisch sprach aber irgendwie nicht wie ein Native Speaker rüberkam. Ich hätte mich anfangs gerne mit ihm unterhalten, aber nach der Bestellung holte der ein Buch raus und begann zu lesen. Als ich mit meinem Essen durch war, sah ich Sheldon (einer der Kumpels von Lee, aus Manchester) in den Laden gehen. Ich schnappte mir mein Bier und ging hinterher. Und da saßen alle drei Jungs aus Manchester und guckten Fußball, nämlich Manchester United gegen Norwich (und natürlich waren die als City-Fans und United-Hasser für Norwich). Da fiel ein bildschönes Kopfballtor für Norwich, und die Underdogs verteidigten den Vorsprung bis zum Ende. Die Jungs freuten sich natürlich, machten sich aber danach bald auf, sie wollten irgendwo anders zu Abend essen und danch vielleicht irgendwo feiern gehen. Sie fragten mich, ob ich mitkommen wolle, aber da ich schon was bei Mike gegessen habe, lehnte ich ab. Nach dem zweiten Goldstar verließ ich „Mike’s“. Die Jungs hatten erzählt, sie wären in Alt-Jaffa gewesen, und der Besuch sei interessant gewesen. Ich war mir zwar nicht ganz sicher, weil ich das noch nicht recherchiert hatte, aber ich dachte, die angestrahlte Kirche, die ich in einiger Entfernung von meinem Balkon aus sehen kann, würde vielleicht dazu gehören.
Lt. Google Analytics sind es so 3,7 km zu Fuß vom Sheraton zur Kirche (übrigens die St. Peter Römisch-Katholische Kirche, wie ich herausfand). Ich stöpselte mir also meine neuen Kopfhörer in die Ohren und stiefelte los. In Richtung Süden war ich noch nicht so weit vorgedrungen. Jedenfalls landete ich wirklich in Alt-Jaffa.
Dies ist eine uralte Stadt, die Ursprünge reichen bis 3.000 vor Christi zurück. In der wechselvollen Geschichte stand sie unter vielerlei Herrschaft und spielte als Handelhafen und Militärstützpunkt immer wieder ein große Rolle.
Blick auf die Hotels von Tel Aviv von Alt-Jaffa aus
Mittlerweile ist Jaffa touristisch sehr stark erschlossen. Überall sind Wegweiser zum Visitor’s Center, zu Toiletten, Restaurants und Souvenirläden. Neben den zugegebenerweise sehr urig in die alte Festungsanlage eingebetteten Gastronomiebetrieben gibt es in den labyrinthartigen Gassen viele Kunstgalerien und Juweliergeschäfte. Und drum herum einige Sakralbauten für Anhänger unterschiedlicher Religionen – wer immer hier das gerade das Sagen hatte, so hat es den Anschein, hat sich erstmal eine eigene Kirche danebengestellt.
St. Peter römisch-katholische Kirche in Alt-Jaffa. Die kann ich von meinem Balkon aus sehen.
Ich schaute mich um und machte viele Fotos. Allerdings konnte ich dazu nur mein Telefon verwenden, weil ich spontan vom „Mike’s“ aufgebrochen war, hatte ich keine richtige Kamera dabei. Ich machte ein paar kleine Videoclips. Diese Gänge, von denen ich offenbar nur einen kleinen Teil erkunden konnte, haben mich schon beeindruckt. Nachdem ich per Video einen noch kleineren Teil davon dokumentiert hatte, trank ich noch ein kleines Goldstar vor Ort, weil ich echt Durst hatte. Anschließend machte ich mich auf den Rückweg und erreichte nach ner Dreiviertelstunde wieder das Sheraton. Und das war so der heutige Tag. Bis morgen.
Ein Teil von Alt-Jaffa. Enthält verwinkelte Gassen, Juweliere, Kunstgalerien.
Ich machte mich strandfertig, packte ein paar Sachen in eine Plastiktüte. Ist zwar ein bisschen assig, aber erstens hatte ich nichts besseres, zweitens signalisiert das auch „hier ist nix zu klauen“. War auch nicht, weil ich nur so 17 Schekel für ein Eis in Münzen, Solarprotektionsfluid, Sonnenbrille, Apfel, Banane, Flasche Wasser und Handtuch mitnahm, nebst Keycard.
Am Strand schnappte ich mir eine Liege vom Stapel und schleppte sie ans Wasser. Hier wurde ich von einem dunklem Menschen in Frishman-Beach-Shirt in gebrochenem Englisch gefragt wurde, ob es ein Sonnenschirm und eine Liege sein solle. Ich erwiederte, dass ich kaum Geld dabei hätte und das auch nicht brauche. Keine Ahnung, ob es Abzocke oder legitim war, schon möglich, irgendwer muss ja so Liegen und Sonnenschirme anschaffen und auf- und abbauen lassen. Egal. Ich breitete mein Handtuch in der Nähe eines „Swimming prohibited“-Schildes aus und ging schwimmen. Denn diese Schilder werden hier von jedem einfach nur ignoriert.
Ich bin ja kein erfahrener Badeurlauber, schon gar nicht am Mittelmeer. Erst im Wasser fiel mir auf, was es hier alles nicht gibt, was ich von Nordsee oder Atlantik gewohnt bin: Tide, Dünung, Muscheln, Seetang, Strandgut, Quallen, im Wasser und am Strand war einfach mal so nix. Nun, das meiste davon will man eh nicht, und auf das andere kann man auch verzichten. Der Salzgehalt schien mir heftig, brannte ziemlich in den Augen, aber die Temperatur war sehr angenehm. Ich blieb nicht lange im Wasser, sondern verzog mich bald auf mein Handtuch.
Ich schmierte mich, so gut es ging, mit Solarprotektionsfluid ein und machte mich horizontal. Hatte noch keine Lust, zu lesen, stattdessen beobachtete ich träge den Strom von Passagier-Jets, der unablässig recht tief Richtung Ben Gurion einschwebte. Meistens eher kleine Jets, aber es waren auch zwei A380-Dickschiffe dabei. Zwischendurch holte ich mir für 15 Schekel ein Eis, welches ich auf einem Trainingsgerät sitzend, verzehrte. Anschließend nochmal ins Wasser.
Ein wenig sportlicher Ehrgeiz flammte auf, ich nahm mir vor, einmal Sheraton – Orchid Plaza und zurück zu schwimmen. Den Versuch brach ich aber ab, weil es plötzlich zu seicht wurde. Das Höhenprofil unter Wasser ist recht unberechenbar, an einigen Stellen hat man das Gefühl, das Mittelmeer bis Frankreich zu Fuß durchqueren zu können, an anderen fällt es sehr steil ab.
Nach der zweiten, längeren Einheit im Wasser, zog ich mir wieder ein T-Shirt an und begann in einem Buch zu lesen, welches mir meine lieben Frankfurter Gastgeber geschenkt hatten. Sehr unterhaltsame und lustige Lektüre, übrigens! (Katinka Buddenkotte, „Betreutes Trinken“). Ich glaube zwar, die Zielgruppe sind eher Mädels, aber ich amüsiere mich trotzdem sehr gut. Sehr zeitgeisty!
Irgendwann begann die Sonne zu sinken, diese geht hier übrigens schon so gegen halb fünf unter. Zum ersten Mal kam mir der Gedanke, dass, wenn wir die Sonne untergehen sehen, sie in Wirklichkeit schon seit ein paar Minuten hinter dem Horizont verschwunden ist, schließlich ist ihr Licht acht Minuten alt…
Als ich mich mit diesen Gedanken beschäftigte, kamen zuerst ein paar Regentropfen aus den dunklem Wolken, die sich inzwischen gebildet hatten. Unmittelbar danach kam ein Luftalarm. Die Leute am Strand reagierten unterschiedlich, einige unternahmen gar nichts, andere rannten Richtung Straße. Ich gehörte eher zur zweiten Gruppe und suchte Schutz zwischen der Strandmauer und einem riesigen Stapel Strandliegen. Hier war auch ein anderer, junger Mann (ich denke, Amerikaner), der erwartungsvoll mit seinem Handy den Horizont filmte. Und dann sahen wir die Rakete, oder besser, ihren Abgasstrahl, als leuchtenden Punkt in vielleicht zweihundert Meter Höhe Richtung Meer rauschen. Aber nur kurz, denn ein oder zwei Sekunden, nachdem ich sie ausgemacht hatte, explodierte sie auch schon in einem kleinen Feuerball in der Luft und hinterließ eine dunkle Rauchwolke. Etwa zehn Sekunden später hörte ich die Explosion. CNN meldet, die Rakete sei von Iron Dome abgefangen worden, und ich denke, so wird es auch gewesen sein, obwohl ich keine zweite Rakete gesehen habe. Vielleicht habe ich auch gar nicht die Qassam gesehen, sondern den Iron-Dome-Flugkörper. Wie auch immer, es machte Kawumm, und ein paar Leute am Strand klatschten. Zugegeben, das hat meinen Puls schon zwischenzeitlich gut hochgetrieben, die Nummer… Danach gab es dann einen richtigen Regenguss, ich verließ meine Deckung und rannte über die Straße zum Strandeingang des Hotels. Hier beobachtete ich, zusammen mit ein paar Amerikanern, den Rest des Sonnenuntergangs. Die Jungs gaben sich lässig, sie gehören wohl zu denen, die nicht in Deckung rennen „Really, it’s more likely to get killed in a car-accident!“ Dem pflichte ich zwar bei, zumindest hier in Tel Aviv, aber ich werde trotzdem weiter in Deckung gehen, wenn ich einen Alarm höre…
Blick von meinem Balkon – ungefähr in der Mitte des Bildes war der Stelle, wo die anfliegende Rakete (wahrscheinlich) abgefangen wurde. Lt. CNN werden etwa 50% der Raketen aus Gaza von Iron Dome abgefangen. Ich habe gelesen, dass, wenn abzusehen ist, dass die angreifende Rakete keinen Schaden anrichten wird, gar kein teurer Iron-Dome-Flugkörper gestartet wird.
Tja, es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, hier die Leute am Strand spielen zu sehen, während die Luftwaffe Gaza bombardiert und sich die Armee für eine, wie ich denke, recht wahrscheinliche und unmittelbar bevorstehende Invasion bereit macht. Irgendwie habe ich deswegen – wenn auch nur im Ansatz – sogar ein schlechtes Gewissen. Die Ratio sagt mir, es ist erstens nicht meine Schuld und zweitens ändert mein Verhalten auch absolute nichts an der Lage. Aber es bleibt ein seltsames Gefühl.
Wie auch immer, ich werde wohl erstmal weitermachen wie geplant weitermachen und vielleicht in ner Stunde zum Mike’s losziehen um dort was zu essen und zu trinken. Vielleicht treffe ich dort Lee und seine Kumpels aus Manchaster wieder, das würde mir gefallen. Bis später.
Gestern bin ich nach meinen Schlummer-Getränken im „Mike’s“ und dem anschließenden Geblogge erste gegen 3 Uhr ins Bett gekommen. Ich wachte zwar vor acht Uhr auf, schlief aber nochmal ein, so dass ich es – ungeduscht und gegen zehn vor elf – gerade noch zum Frühstück schaffte.
Natofarbenes Frühstücksei – wie auch die Hautfarbe einiger Israelis (was ihnen übrigens ziemlich gut steht, besonders den Mädels) tendiert hier das gemeine Hühnerei (vermute ich zumindest) ins Olivfarbene. Gegessen habe ich es trotzdem brav, es schmeckte auch anders als unsere.
Ich war demenstprechend beim Frühstück ein bisschen unentspannt und tat versehentlich Schokomilch in meinen Kaffee (der übrigens wegen des Sabbats nicht aus einem Automaten mit diversen Kaffeeoptionen, sondern aus einer Warmhaltekanne kam – Dr. Stückemann hatte recht). Ich nahm erst eine Schale Cerealien, dann etwas Laugengebäck mit Käse – und am Ende noch bisschen Obst für den Tag mit. Diesmal übrigens alleine.
Sabbat-Frieden am Kaffeeautomaten. Dr. Stückemann hatte recht, der praktizierende Jude schließt keine elektrischen Stromkreise am Sabbat-Tag.
Nach dem Frühstück wollte ich zurück zu meinem Zimmer, aber da ein Amerikaner im Workout-Outfit zur Etage mit Pool und Fitness-Center fuhr, entschied ich mich, dort ebenfalls auszusteigen. „Where are you from?“ „Germany, and you?“ „New York. Interesting time for a visit here.“ „Yeah.“ Ich hätte mich gerne länger mit ihm unterhalten, nämlich darüber, wie es in New York eigentlich zur Zeit aussieht, aber er wollte ja just trainieren. Der Trainingsraum ist übrigens ziemlich gut ausgestattet, wenn ich das durch die Tür richtig gesehen habe, hier kann man richtig Eisen fressen. Aber ich bin ja zum Spaß hier. Der Pool wird gerade überholt, was mir aber ziemlich egal ist. Das Mittelmeer ist warm genug.
Tel Aviv – City vom 18. Stock des Sheraton aus
Ich entschied mich, meine Kamera zu holen und dann in eins der obersten Stockwerke zu fahren, um dort Bilder und Videos aufzunehmen. Im 20. Stockwerk gab es im Flur leider keine Fenster (aber die Ambassador- und Presidential Suite), also fuhr ich zum 18. Stockwerk, wo es die „Tower Lounge“ gibt. Eine hübsche Concierge fragte mich nach der Zimmernummer, ich glaube, hier haben eigentlich nur Gäste der oberen Stockwerke Zutritt. Aber sie erlaubte mir, von da aus Bilder zu machen und zu filmen, was ich auch lohnenswert fand.
So, nun wird es aber Zeit, an den Strand zu gehen. Heute wird gechillt (ähm, so Gott und die Hamas es wollen). Es ist schon sehr gegensätzlich, das Bild hier am Strand und die Bilder auf meinem Fernseher. Irgendwie ziemlich surealistisch, das Ganze.
Nach dem letzten Artikel habe ich mich dann wieder zum selben Laden wie gestern verfügt (okay, ist nach null Uhr Ortszeit, welche zwei Stunden vor Deutschland liegt, also eigentlich vorgestern, aber wen interessiert’s). Diesmal gab es ein Chicken-Sandwich, war besser als der Burger am Tag zuvor. Allerdings war da so ein roter Pepperoni drauf, der das Zeug dazu hatte, die gemeine Qassam-Rakete auf Platz zwei meiner persönlichen Gesundheitsrisiken zu degradieren. (Okay, mal ernsthaft… ich kann es nicht genau sagen, aber ich vermute, vor den Raketen kommen noch der Tel Aviver Straßenverkehr und Goldstar Bier, wenn es um meine persönlichen Gesundheitsrisiken hier geht…)
Dieses rote Ding war genauso gefährlich wie es aussieht… gefühlt eine Million Scoville. Zuerst biss ich die Spitze ab, das ging noch. Aber als dann da diese kleinen Kerne kamen, bekam ich sofort einen Schluckauf.
Nach dem Essen, welches diesmal alleine verlief, ging ich wieder am Strand entlang Richtung Süden, um vielleicht noch bei „Mike’s Place“ noch ein Bier zu trinken. Was ich dann auch tat. Auch wenn es zunächst ein Cocktail wurde. Ich wurde, wie in den USA üblich, von einer Art Concierge „geseatet“ („inside or outside?“ „outside, please“). Ich bekam dann einen einzelnen Tisch, allerdings direkt neben einem größeren Tisch, an dem eine Gruppe Leute saß. Zuerst nuckelte ich einsam an meinem „Funky Monkey“ (Wodka, Bananensaft, Kokomilch und so). Dann kam ich mit meinen Sitznachbarn und -nachbarinnen ins Gespräch.
Anfangs dachte ich, das wären allesamt Russen. Später habe ich dann geschnallt, dass nur die Mädels Russinen waren, die drei Männer waren von Manchaster. Die jüngere Russin kuschelte ein bisschen mit einem der Jungs von Manchaster. Gut, die waren alle über 30, einige über 40, „Pop“ war bestimmt über 50. Als die Konversation englisch ausgetragen wurde, war das Thema ziemlich schnell Fußball. Ich sollte raten, welches Team aus Manchester wohl DAS Team sei. Also warf ich eine mentale Münze und sagte „Manchaster City“. Und kriegte einen herzlichen Handshake. Richtig geraten. Puh. „We hate Manchaster United!“ „Well, who doesn’t, except for their fans?“ Manchmal bin ich einfach aalglatt…
Das Gespräch ging dann um alles mögliche, ich unterhielt mich hauptsächlich mit Lee, der sich auch für Flugzeuge interessierte, allerdings nur für Passagierflieger. Wir redeten über Fußball, Politik, das Wetter (besonders warm in Israel für diese Jahreszeit, da habe ich echt Glück, hatte mir die Tel Aviverin zuvor auch schon gesagt), Reisen, Raketen und so weiter. Das Übliche halt. Einer der Jungs aus Manchaster hat angeblich das Werk besucht, in dem die Abwehrraketen für Israels „Iron Dome“ hergestellt werden.
Die Jungs haben die Raketenwarnungen nicht mitbekommen, Lee war gestern in Jerusalem, aber er hat den Alarm einfach verschlafen. Die Jungs waren ganz aufgeregt, als ich sagte, ich habe auch die Explosionen gehört, aber ich will eigentlich keine Medaille dafür. Dafür waren sie beide bereits in Jerusalem und schwärmten von Besuchen der Klagemauer und von Bethlehem. Also alles sehr vielversprechend.
Naja, ich könnte noch einige Details nennen, aber ich will nicht zu sehr ins Plaudern kommen. Vielleicht sehen wir uns morgen wieder im „Mike’s“. Nach dem „Funky Monkey“ und zwei „Mike’s Genuine Lager“ begab ich mich dann auf den Rückweg zum Hotel. Und ich melde mich für heute ab. Für morgen ist eigentlich nur chillen angesagt. Denn eine Sache ist mir klar geworden: Tel Aviv hat keine Landmarks. Also, kein Brandenurger Tor, keinen Eiffelturm, kein Empire State Building… Es gibt wichtige Museen, aber eigentlich ist Tel Aviv vor allem ein Badeort und eine Party-Metropole. Ich werde mir sicherlich noch das eine oder andere ansehen, aber ich hab auch nix dagegen, einfach mal einen Tag, entspannt am Strand zuzubrigen, sofern das Wetter und die sonstige Situation hier da mitspielen. Für heute melde ich mich ab. Bis morgen.
Nach dem Frühstück räumte ich mein Zimmer auf und warf alles von Wert in den Hotelsafe. Dann machte ich mich zu Fuss auf den Weg. Das Ziel: Sheinken Street, wo angeblich die Schönen und Hippen der Stadt shoppen gehen. Nun, ich bin zwar weder schön, noch hipp, noch aus dieser Stadt, aber ich wollte shoppen gehen. Ich brauchte ein paar Dinge, die ich mitzunehmen vergessen hatte, und ein paar Lebensmittel (öh, Bier und so, ist ja Sabbat).
Das Holocaust Memorial stellt mit den zwei versetzten, gleichseitigen Dreiecken im Wesentlichen den Davidstern dar. Im Inneren sind noch weiter Details zu sehen, die ich aber nicht zu deuten weiß (mangels Häbräischkenntnisse).
Ich machte mich, da ich irgendwie nicht so auf Busfahren stehe und das Ziel lt. Google Maps innerhalb 45 Minuten zu Fuß zu erreichen war, zu Fuß auf den Weg. Ich ging erstmal die Gordon St. bis zu einem Platz, auf dem ein Holocaust Memorial steht, außerdem sind hier Wasserflächen, Springbrunnen, ein schöner Platz für eine kleine Pause. Am Holocaust Memorial sprach ich einen Familienvater an, offensichtlich praktizierender Anhänger des jüdischen Glaubens (Kopfbedeckung). Leider war sein Englisch nicht ganz so gut, aber es reichte, um einige Fragen zu stellen und die Antworten zu begreifen. Er kam mit seiner Familie aus einer Stadt deren Namen ich nicht verstanden habe, aber ungefähr 40 Autominuten im Süden von Tel Aviv. Hier gibt es alle zwei Stunden einen Luftalarm, und er erzählte mir, seine Kinder hätten keine Angst und würden nicht weinen, wenn die Sirenen heulten. Er sprach von den Greueltaten der Hamas, dass die gefangene israelische Soldaten mit dem Messer bearbeiten und enthaupten würden, deren Kinder würden dann mit den Köpfen Fußball spielen. Grauenhafte Vorstellung! Gleichzeitig würde man palestinensische Gefangene in ihren Gefängnissen anständig behandeln und sogar Bildungsmöglichkeiten geben, die könnten sogar promovieren. Er sei Offizier in der Armee und habe das selbst gesehen. Palestinensische Führer behaupteten, es seien massive (also erfolgreiche) Raketenangriffe auf große, israelische Städte ausgeführt worden, und die palestinensische Welt würde das feiern. Also Propaganda. Aber ich kann nicht beurteilen, in wieweit das, was der mir erzählt hat, auch Propaganda war. Das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit, so ein bekanntes Zitat. Er versuchte noch, mir das Holocaust-Memorial zu erklären, aber zum einen wusste er selbst nicht genau Bescheid, zum anderen war es schwierig mit seinem Englisch. Aber eins ist unbestritten: Mir vozustellen, seine wirklich richtig niedlichen Kinder würden der Gewalt zum Opfer fallen… ist etwas, was ich mir einfach nicht vorstellen will. Achja, der Mann meinte noch, es habe bisher gerade mal 20 Opfer gegeben, das sei im Vergleich zu vergangenen Krisen dieser Art sehr gering. Nun, wenn man, was ja nicht von der Hand zu weisen ist, dies als Maß dafür, wie ernst die Situation ist, nimmt, dann ist das hier total harmlos im Vergleich zu dem, was gerade in Syrien passiert…
Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin wurde 1995 an dieser Stelle ermordet.
Nachdenklich schlenderte ich weiter. Ich kam am Yitzhak Rabin Memorial (Ministerpräsident Israels) vorbei, der 1995 an dieser Stelle ermordet wurde. Danach betrat ich ein Einkaufszentrum, nachdem ich einen Sicherheitsposten, der meinen Rucksack untersuchte, passiert hatte. Recht schick, viele Geschäfte, richtig schönes Atrium mit gastromischen Einrchtungen, die zum Verweilen einluden. Ich sah mich ersteinmal nur um. Hm, bisschen viel Schuhe und Handtaschen für meinen Geschmack, wäre eher etwas für die Mädels.
Ein Insider-Gag für die treuen Leserinnen, die schon meinen USA-Blog gelesen haben… Es gab viele Handtaschen und Schuhe in der Mall.
Ich schaffte es dann nach längerem Suchen doch, ein Handtuch und eine Flasche Solarprotektionsfluid zu erwerben, denn wenn das Wetter morgen immer noch so gut ist, mache ich vielleicht einen Strandtag am Sabbat. Allerdings musste ich viel Geduld aufbringen, weil es vor mir in der Schlange eine Frau offenbar irgendwelche Probleme hatte, eine unsäglich hässliche Glasvase zu erwerben.
Atrium der City Garden Mall kurz vor dem Luftalarm.
Nachdem ich mich noch etwas umgesehen hatte, verließ ich die Mall. Und just in dem Moment kam wieder ein Luftalarm. Die Leute gingen zügig, aber nicht panisch, in das Gebäude, und auch ich kehrte in die Mall zurück, an einem Sicherheitsposten vorbei, der diesmal meinen Rucksack nicht prüfen wollte. Es kam eine Durchsage auf Häbräisch, und ich fragte eine Frau, die zum Personal gehörte, was es zu bedeuten hätte. Nachdem wir die Basics hinter uns hatten („Have you heard of the missile attacks on Israel?“) sagte sie irgendwann, man solle sich in ein tieferes Geschoss zurückziehen, dort sei man sicher. Das tat ich dann auch. Eigentlich war die Sache da schon lange durch, dem Sound nach jedenfalls: Sirenengeheul, kein Sirenengeheul mehr, dumpfer Knall weit entfernt – wie gestern). Ich hatte keine Ahnung, ob und in wiefern eigentlich eine Entwarnung erfolgte, ich ging einfach, als alle anderen gingen. Irgendwie stellte ich mir die naheliegende Frage, wie (und wie schnell) die Alarmkette wohl funktionieren mag. Irgendwer wird die anfliegenden Raketen vermutlich auf dem Radar sehen, jemanden über deren Kurs informieren, und dann wird der Sirenenknopf gedrückt. Aber wieviel Zeit man hat, in Deckung zu gehen… Zwischen Heulen und Knall vergingen heute und gestern vielleicht ein oder zwei Minuten.
Wow. Das ist mal ein amtlicher Handymast.
Nun, die Israelis ließen sich jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen und kehrten an ihre Tische, wo sie ihr Essen oder ihre Getränke stehen lassen hatten zurück und machten einfach da weiter, wo sie aufgehört hatten. Scheinbar völlig unberührt. Also, dachte ich mir, warum sollte ich es anders machen? Also raus und weiter. Mein Weg führte mich dann zum Kika Har’Medina, einem riesigen Kreisverkehr in dessen Zentrum ein kleiner Park liegt. Hier machte ich Pause und verzehrte einen Apfel und eine Banane, die ich vom Frühstück mitgenommen hatte. Zu der Zeit hatte ich schon immer so Gedanken wie „Wohin gehe ich jetzt in Deckung, falls Alarm kommt? Ist es in der Nähe von Gebäuden nicht sicherer als hier auf dieser weiten Fläche?“. Zumindest schadet es nicht, sowas im Auge zu behalten.
Stadtzentrum Tel Avivs… naja, ein Teil davon.
Ich schlenderte (naja, eigentlich war es eher marschieren als schlendern, aber das Wort hat so einen negativen Beigeschmack) über die Jobotinsky weiter ostwärts. Übrigens, verlaufen habe ich mich diesmal noch nicht – die Open Cycle Map, die ich mir offline auf mein Telefon geladen habe, um hier nicht immer am Tropf vom irre teueren Roaming-Internet zu hängen, war nämlich bisher absolut genau und korrekt. Das lief echt super damit heute. Es ging dann weiter über die Yaakov/Dori. Hier hätte ich, um zu meinem Ziel zu kommen, links abbiegen müssen, aber die Plätze und Gebäude, die ich geradeaus sah, zogen mich an. Auf der Yitzhak Modai ging ich weiter und überquerte die Bahnlinie bei der Station Savidor Center, die ich gestern verpasst hatte. Ich schoss ein paar Bilder von der Umgebung und ging weiter gen Osten. Hier fand ich einen Laden, wo ich Wasser, Coke, Bier, Müsliriegel (stellte sich eher als sowas heraus, was wir unter Mr. Tom kennen, Nüsse, die durch eine Art Honigkleber zusammengehalten werden) und Dänsche Butterkekse (die Dänen exportieren dieses Zeug offenbar überallhin) erwarb. Damit kann ich den morgigen Tag (Sabbat) überleben, falls nichts auf hat. Ich beantwortete die SMS einer Kollegin, die fragte, wie es mir denn ginge, und ob ich ein bisschen was über die Lage hier schreiben könne, vielleicht auch für’s Blatt. Ich antwortete, man solle einfach den Blog hier lesen…
Da ich eigentlich nun schon fast alles hatte, was ich einkaufen wollte, und der Tag – angesichts des nahenden Sabbat insbesondere – sich langsam neigte, beschloss ich, nicht mehr mein geplantes Ziel anzusteuern, sondern den Rückweg anzutreten. Diesen fand ich dann – dank Open Cycle Maps – auch problemlos. An der Kreuzung Gordon/Ditzengoff bog ich nach rechts ab, um die Geschäfte dort genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich brauchte nämlich noch Kopfhörer für mein Telefon, ich hatte meine in Frankfurt bei meinen lieben Gastgebern vergessen. Ich fand dort einen offenbar auf iGedöns-Zubehör spezialisierten Laden, den ich dann betrat. Ich erstand dort dann für 140 Schekel ein kostengünstiges Modell. Die Dame, die mich bediente, sprach gut Englisch, also sprach ich sie wegen der Raketenangriffe an, insbesondere, dass die Israelis so bemerkenswert ruhig damit umgingen. Sie meinte, das sei eben so, und es sei zwar unangenehm, aber verglichen zu Städten weiter südlich doch vergleichsweise harmlos. Man würde halt in Deckung gehen, und dann geht das Leben eben weiter. Ich hakte noch nach, das letzte Mal Luftalarm sei 1991 gewesen, und man könne daran in Tel Aviv doch nicht an sowas gewöhnt sein, und ihre Kollegin warf dazwischen „We’re Israeli. We’re used to anything.“ Oder, wie der Mann am Holocaust Mahnmal sagte „This is the middle-east“. Also sinngemäß: Das was mir ungewöhnlich, bedrohlich und menschenfeindlich vorkommt, ist hier einfach ein Stück weit Normalität, an die man sich gewöhnt hat. In meiner Naivität als West-Europäer würde ich schon sagen: Vielleicht ist genau das ein Teil des Problems.
Die Einkäufe des Tages: Handtuch, Sonnenschutzmittel (war nicht leicht zu finden, die Israelis brauchen sowas vielleicht auch nicht), Goldstern Bier, Coke Zero, Wasser, Müsliriegel, dänische Kekse.
Ich kehrte rechtzeitig zu meinem Hotel zurück um meine Einkäufe zu verstauen und nochmal zu einem Laden in der Nähe zu gehen, um weitere Einkäufe zu machen. Ich wollte meine Biervorräte noch etwas erweitern (hatte keine Lust, so ewig viele Liter Getränke durch halb Tel Aviv zu schleppen und nicht so viel im Zentrum gekauft) und mir eine Zigarre gönnen. Beides bekam ich dann auch, und ich ging sofort mit meinen Einkäufen zum Strand, wo der Sonnenuntergang bevorstand. Ich schnappte mir einen roten Plastikstuhl, packte meine neuen Kopfhörer in die Ohren und machte ein Bier auf. Es war absolut herrlich. Die Temperatur war immer noch bei 25 Grad, extrem angenehm, nicht zu heiss, nicht zu kalt. Eine leichte Brise kam dazu, gute Musik, lecker Bier, vor mir spielten Eltern mit ihren Kindern, andere spielten maskot (so mit Holzschlägern und Gummibällen), und gutaussehende Hunde (insbesondere Golden Retriever und Windhunde, obwohl auch Schäferhunde und Huskies hier beliebt zu sein scheinen) rannten miteinander rangelnd in einem Wahnsinnstempo durch die Gegend. Es war einfach nur absolut friedlich, totaler Gegensatz zu dem, was CNN vermittelt und was im Süden des Landes wohl auch abgeht. Aber ich hab Urlaub und wollte einen Moment einfach nur genießen, und das konnte ich auch.
Abendrot am Strand
Als ich das erste Bier beendet und die Dose mithilfe meines Schweizer Messers zu einem Aschenbecher für die Zigarre umfunktioniert hatte, kam ein hübscher Hund auf mich zu, den ich davon abhielt, seine neugierige Nase in meinen Aschenbecher zu stecken. Das Tier hockte sich dann neben mich hin. „What a pretty guy!“ sagte ich zu seinem ebenfalls recht hübschen Frauchen. „What a pretty girl!“ entgegnete sie lachend. Es stellte sich heraus, dass ich mit einer echten Tel Aviverin sprach. Sie meinte, es sei die einzige echte, israelische Stadt. Natürlich sprachen wir über die Raketenangriffe. Sie meinte, es sei das erste Mal seit sie ein Kind war, dass der Krieg bis hierher gekommen sei. Als der Alarm heute kam, brachte sie sich im Treppenhaus in Sicherheit und machte sich am meisten Sorgen um ihren Hund, der wohl ziemlich abdrehte. Es sei traurig gewesen, nach so langer Zeit wieder die Sirenen zu hören. Auch sie meinte, im Vergleich zu südlicher gelegenen Städten sei es hier ja noch recht harmlos. Sie sprach davon, dass sich natürlich alle nichts sehnlicher als Frieden wünschten, aber gelernt hätten, unter diesen Bedingungen einigermaßen normal zu leben. Auch sie und ihre Schwestern haben in der israelischen Armee gedient. Sie wollte noch wissen, ob ich wüsste, wie man sich beim Alarm verhalten sollte und meinte, drinnen sei man am sichersten, weg von Fenstern, am besten in Treppenhäusern. Irgendwann kamen wir auf ein anderes Thema (Reisen), ich war eigentlich noch nicht mit dem vorangegangenen Thema durch, spürte aber, dass Sie damit durch war. Trotz des Themas war es ein sehr angenehmes Gespräch, und der Hund, den ich die ganze Zeit gekrault hatte, war auch sehr nett.
Nachdem ich mein zweites Bier und die Zigarre zuende getrunken bzw. geraucht hatte, kehrte ich ins Hotel zurück, um meine Mails zu checken und dies hier zu schreiben. Es sieht aus, als ob ich trotz des Sabbat draußen noch was zu essen bekommen könnte. Mal sehen. Bis bald.
PS: Ein Gedanke noch. Ich weiß, es ist etwas pervers, aber es ist nicht die Ratio, die das regelt – obwohl mich die latente, wenn auch hier in Tel Aviv doch recht geringe Bedrohung durch den Beschuss aus Gaza etwas nervös macht, so wirkt das trotzdem irgendwie stimulierend, prickelnd. Irgendwie hat es einfach etwas Aufregendes, hier an einem Ort zu sein, der ständig in den Weltnachrichten ist und – wenngleich auch leider negative – Geschichte zu erleben. Mir ist natürlich rational klar, dass Menschen verletzt werden und sterben. Aber es geht sicherlich nicht nur mir so – manche Journalisten sollen ja regelrecht süchtig nach der Gefahr in Krisengebieten sein. Dagegen bin ich nicht immun, und ich bin ehrlich genug zu mir selbst, um das einzugestehen. Aber mehr brauche ich hier nun echt nicht. Es ist schlimm, was insbesondere die Palestinenser erleben müssen, die bedeutend mehr Opfer zu beklagen haben, als die Israelis. Aber auch die Israelischen Soldaten, die wohl nun in einen Krieg ziehen müssen, der vermutlich nicht zu gewinnen ist, tun mir leid und die Familien, die südlich von hier ihre Tage in Bunkern verbringen müssen.
Nun, ich wachte nach einer angenehm Luftalarmfreien Nacht gegen 8:10 Uhr auf und lungerte bis Neune im Bett herum. Danach duschen, anziehen und frühstücken. Das Büffet war eins von der Sorte, wo man das Mittagessen gleich zum Frühstück einnehmen kann, mit Kartoffeln, Pasta und so weiter (und allem anderen natürlich auch). Im ersten Moment überfordert mich sowas. Die meisten Menschen um mich herum waren normalformatig, aber ich sah da auch so einen großformatigen XXL-Ami, der wohl öfter so frühstückt. Also erstmal Rührei und einen Capuccino.
Zweiter Gang: Mal den Süßkram antesten. Ordentlichen Brot gibt es natürlich nicht, dafür French Toast, Pancakes, Brownies, Croissants, Dänisches Blätterteiggebäck mit Schokolade. Ich probierte alles mal durch, fand aber alles nicht so wirklich überzeugend. Die Amis können das besser. Als ich an meinen Platz zurückkehrte, sass ein übergewichtiger Mensch, der schwer angeschlagen wirkte, auf dem Platz neben mir. „Russian“, stellte er sich vor. „German. Mikel.“ „Andrej“. Herzlicher Handshake. Schweigen. „Are you waiting on somebody?“ „Yes“. Schweigen. Dann kam eine blasse Russin (vermutlich) und brachte Andrew einen Teller von mit Käse, Tomaten, Ei und so weiter und ging sich dann anschließend selbst etwas zu essen holen. Hm. Russische Konversation. „Pardon, I have to work on my russian…“. Keine Reaktion, zumindest nicht auf Englisch. Dafür erneuter Handshake und herzliche Umarmung. Andrej hat noch etwas Ei im Mundwinkel und wirkt, als hätte er den Wodka der vergangenen Nacht noch nicht wirklich verdaut. Urghh… Ich überlegte mir, nach dem nächsten Gang den Platz zu wechseln, fand das aber unhöflich und uncool. Also noch eine Schale Cerialien und einen neuen Capuccino. Hinsetzen. Noch ein Handshake, noch eine herzliche Umarmung. Nun, die Russen sind halt anders. Als Andrej mir allerdings einen schon von ihm angebissenen French Toast in den Mund stecken will, geht mir die Sache doch zu weit…
„This is not my disaster!“
Nach einem weiteren Ausflug in die Welt der touristischen Überernährung waren Andrej und seine blasse Begleiterin verschwunden. Sie hinterließen ein ziemliches Schlachtfeld, für das die Verantwortung zu übernehmen ich nicht bereit war. „Finished?“ frage einer der dienstbeflissenen Hotelangestellten. „This is not my disaster!“ beeilte ich mich zu erklären. Unterm Strich war das Abendessen mit Sonia deutlich angenehmer.
Shabat Control? No Clue…
Was mir am Ausland gefällt, sind auch die kleinen Details, etwa, dass die Ampeln hier grün blinken, bevor sie gelb werden. Ansonsten gibt es hier auch noch diverse exotisch anmutende Sachen im Hotel. Etwa einen Gottesdienstraum, den ich zufällig entdeckt habe. An meinem Bett kann ich eine „Sabbath Clock“ aktivieren. Und über den Aufzügen gibt es ein Schild, auf dem etwas mit „Shabat Control“ steht. Der Sabbat beginnt heute abend und endet morgen abend. Ich sollte sicherheitshalber mal vorher ein paar Sachen einkaufen. Ich werde gleich wohl mal bisschen shoppen gehen, z.B. Solarprotektionsfluid, welches ich nicht mit habe. Ein Laden hier in der Nähe bietet „beach essentials“ an, da wird es das wohl geben.
Blick vom Balkon bei Tag
Was geht sonst heute? Nunja, taktisch gesehen wäre es wahrscheinlich schlauer, heute auf Sightseeing zu gehen und morgen, wenn eh wegen des Sabbats nix läuft, faul am Strand herum zu hängen. Aber das sieht alles so verlockend aus, die Liegestühle, die Leute, die trotz der Verbotsschilder hier baden… Na, mal sehen. Erstmal gehe ich wohl was einkaufen, und dann mal sehen. Bis später!
Als ich die Grütze mit den Raketen einigermaßen verdaut und keinen Bock mehr auf Nachrichten gucken hatte, habe ich mich erst mal unter die Dusche gestellt und bin dann raus um was essen zu gehen. Klingt blöd, aber ich hatte irgendwie den Impuls, meinen Fahrradhelm aufzusetzen (den ich natürlich nicht mithabe). Zuerst ging ich einfach mal an den Strand vor dem Hotel, den Sand und die Wassertemperatur checken. Mir kam das Mittelmeer tatsächlich noch recht warm vor. Die Lufttemperatur war immer noch 21 Grad, und kälter wurde es auch im Laufe der Zeit nicht.
Das Sheraton Hotel, wo ich wohne.
Im Prinzip ist es hier nicht viel anders als ich mir die typischen Pauschalreise-Badeorte Südeuropas so vorstelle (ich habe so eine Art Urlaub ja noch nie gemacht): Strand, dahinter eine Riesen-Bettenburg neben der nächsten. Nicht sehr attraktiv, diese Betonklötze. Einige Gebäude hier sehen so aus, als wären sie bereits einem Geschoss aus dem Gaza-Streifen zum Opfer gefallen, aber die sind einfach nur baufällig. Darunter auch eines der riesigen Hotels, da fehlen ganze Betonplocken in der Fassade (und in den Stützpfeilern), so dass man nackte Stahlgerippe sieht. Da hätte ich als Gast Angst, dass mir das Teil über dem Kopf zusammenfällt. Die Sheraton-Hütte,in der ich logiere, macht aber einen ganz soliden Eindruck.
Dieses Gebäude sieht aus, als wäre da schon mal irgendwas reingedonnert.
Nun, am Strand sind viele Beachvolleyballnetze, Spielplätze für Kinder und für Erwachsene (Trainingsgeräte) und Strandlokale. Die meisten waren fast leer, wenngleich geöffnet. Ich suchte eins direkt vor dem Sheraton auf, welches einigermaßen besucht war, und bestellte ein Goldstar Lager und n Cheeseburger. Ich entdeckte eine junge Frau an einem Tisch in der Nähe, die alleine aß. Nachdem mein Bier schon da war und ich noch auf den Burger wartete, fasste ich mir ein Herz und fragte sie auf Englisch, ob ich ihr Gesellschaft leisten dürfe. Ich durfte. Sie hieß Sonia, ich schätzte sie auf Ende 20, Anfang 30, und war Italienerin. Bisschen schade, am liebsten hätte ich natürlich mit jemandem aus Israel, am besten Tel Aviv, gesprochen. Aber ich will nicht undankbar sein, ich fühlte mich bisschen alleine, und alleine essen mochte ich gar nicht gern. Wie sich herausstellte, Sonia ebenfalls nicht, sie war ganz froh über die Gesellschaft.
Echt krass: 21 Grad abends draußen am Meer, und die machen hier noch Wärmelampen an.
Sonia war geschäftlich unterwegs, sie arbeitet für den israelischen Konzern Teva Pharmaceutical Industries Ltd. Denen gehört unter anderem Ratiopharm, weshalb sie ihr Job auch schon nach Ulm geführt hat. Wir haben dann unsere Luftalarmgeschichten ausgetauscht. Sie war gerade in einem Taxi, und der Fahrer sagte ihr, alles sei okay, aber sie müssten trotzdem das Taxi verlassen und in Deckung gehen. Schon gruselig. Dann hatte sie eine Präsentation zu machen, ihr Laptop war an ein großes Display angeschlossen – und online. Ihr war es dann ein wenig peinlich, dass unten rechts ständig E-Mails von ihrem Ehemann aufpoppten, der sich Sorgen um sie machte. Wir unterhielten uns über das Reisen, insbesondere USA, und über ein Thema, welches mir ja eigentlich nicht so liegt: Politik. Sonia fragte, was ich von unserer Kanzlerin hielte. Naja – ich jammerte ein bisschen über unsere Politiker, woraufhin sie mir erklärte, wie super und vorbildlich doch bei uns alles sei. Hm, ja… aus ihrer Perspektive (Stichwort Berlusconi) nur allzu verständlich. Sie musste dann allerdings schnell ins Bett, weil sie morgen sehr früh wieder vom Ben Gurion nach Milan zurückfliegt. Schade, ich hätte mich länger mit ihr unterhalten können.
Ungewöhnliches Gebäude, welches mir schon auf der Taxifahrt vom Ben Gurion aufgefallen ist.
Ich holte mir noch zwei Kugeln Eis in ner Tüte und schlenderte den Strand entlang. Paar Jogger und Leute mit Hunden waren noch unterwegs, auch paar Leute in Businessoutfits. Ich knipste noch ein seltsames Gebäude, welches mit vom Taxi aus aufgefallen war und ging dann in die andere Richtung. Ich kam an einer Bar mit Livemusik vorbei, „Mike’s Place“, eigentlich wäre ein Besuch, den ich kurz erwogen habe, Pflicht gewesen. Aber mir reichte es für den Abend. Auf dem Rückweg kam ich an kleinen Läden, die Getränke verkauften vorbei, die mir auf dem Hinweg schon aufgefallen war. Ich wollte in dem einen zwei Dosen Goldstar kaufen aber die Dame an der Kasse sagte mir entrüstet, das sei Alkohol, das dürfe sie mir nicht verkaufen. Ich hatte keinen Bock, zu fragen, warum, und nahm ne Dose Cola light. Der nächste Laden warb auf Schildern damit, er habe eine Lizenz, 24/7 Alkohol zu verkaufen. Aha! Also rein. Doch auch das ging nicht, wie mir der Mann des Hauses mit sichtlichem Bedauern mitteilte. Nach 11 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden. Er bot mir an, das in Pappbecher abzufüllen, aber ich winkte ab. Stattdessen habe ich mir hier noch ein Carlsberg aus der Minibar gegönnt. So, das wäre es dann auch erst mal für heute. Bis morgen.
Also, gerade als ich dachte, es kehre wieder ein wenig Normalität in meinen Tag ein, lief mit das hier über den Weg…
So. Angekommen, eingecheckt und -geloggt. Und das war der Weg bis hierher:
Der Flug mit dem A321 war recht angenehm. Mangels Onboard-Entertainment in dem kleinen Jet sagte der Kapitän irgendwann mal durch, man befände sich in 36.000 ft Höhe bei 870 km/h sowie über Klagenfurt. Wir würden dann über Zagreb und Sarajevo in den griechischen Luftraum einfliegen, über Tessaloniki dann an der türkischen Küstenlinie entlang und schließlich in Tel Aviv ankommen. Zu essen gab es wahlweise Rührei oder Waffeln mit Sauerkirschkompott, dazu ein kleines Brötchen, ein Croissant, jeweils ne Scheibe Käse und ne Scheibe Schinken und n Töpfchen Aprikosengelee sowie einen kleinen Joghurt. Kurz vor der Landung kam noch ein etwas merkwürdiger Spruch: Wegen statischer Aufladung könne man 13 Minuten vor der Landung die Toiletten nicht mehr benutzen. Seltsam, aber egal. Kurz vor der Landung überflogen wir den Strand und eine Marina, es könnte sein, dass es die ist, die ich von meinem Balkon aus sehen kann. Ansonsten Betonklötze, Autobahnen und leere (oder landwirtschaftlich genutzte?) Flächen.
Nun, nach der Landung also raus aus dem Flieger, im T-Shirt, denn es war 25 Grad, blauer Himmel, Sonnenschein. Ab zur Passkontrolle, und das war – verglichen mit der Einreise in die USA – absolut entspannt. Nur eine kleine Schlange, in der ich vielleicht 10 Minuten gewartet habe, der – auch noch recht nette – Beamte machte nur einen Stempel in den Pass, fragte nach Zweck und Länge meines Aufenthaltes – und das wars dann auch schon. Sehr angenehm entspannt!
Ich holte meinen Koffer ab, der just ankam, als ich das Band gefunden hatte. Dann zur Information, nach Verkehrsmitteln zum Hotel fragen und alles an gedruckter Info abgreifen, was verfügbar war. Dann noch schnell 100 Euro in NIS (Neue Israelische Schekel) wechseln. DerBen Gurion Airport hat eine Bahnstation, also zog ich mir n Ticket für 15 Schekel (ungefähr 3 Euro). Eine Italienerin fragte mich, was sie tun müsse, um nach Jerusalem zu kommen – hab ich ne Ahnung? Ich sagte ihr nur, dass sie irgendwo umsteigen müsse. Eine Dame am Counter sagte mir dann, ich müsse zu Gleis 2 und mein Zug führe in 5 Minuten. War kein Problem, den habe ich locker gekriegt, der Weg war kurz.
Das obligatorische Bild aus dem Flugzeugfenster. Paar flockige Wolken und Mittelmeer. Achtung, Suchbild: Finde das Schiff!
Im Zug war dann meine erste Begegnung (wenn man das so nennen kann, ich hab nicht mit ihr gesprochen) mit den Israelis eine junge und bildhübsche Frau in Uniform, die mit einem iPhone in einem rosa Cover mit weißen Pünktchen telefonierte. Es waren noch andere Soldaten und Soldatinnen im Zug. Hoffentlich bleibt es ruhig im Gazastreifen, sonst muss man sich Sorgen machen, dass Ihnen was zustösst. Leider war ich so vertieft in das Aufsaugen meiner Umgebung, dass ich meine Station Savidor Center verpasst habe – sie wurde nicht mit dem Namen angezeigt, aber ein Blick aus dem Fenster hätte geholfen. Als ich meinen Sitznachbarn danach fragte, ob ich meine Station verpasst hätte, meinte er es sei die Station, an der wir gerade standen, das habe ich nicht mehr geschafft. Ich fuhr also eine weiter, zur Tel Aviv University. Die Sonne war schon sehr früh (so gegen 16.30 Ortzeit) untergegangen, und ich hatte keine Lust mehr auf weiteres Rumgeeier, also habe ich mir ein Taxi zum Hotel genommen. Nach Absprache sollte das 70 NIS kosten, ich hab noch n Zehner draufgelegt, also ungefähr 16 Euro. Was solls, ich hab Urlaub.
Der Zug, mit dem ich vom Flughafen in die Stadt fuhr, wurde offenbar in der Heimat hergestellt.
Unterwegs kamen irgendwann die Nachrichten. Ich hab natürlich kein Wort verstanden. Falsch, doch drei Worte: „Hamas“ und „Guido Westerwelle“. Kein Scherz!
Die Unterbringung ist komfortabel – mindestens.
Nun bin ich also im Hotel. Ist schon recht angenehm, etwa der Standard wie in New York, aber ohne Küchenzeile, dafür aber etwas edleres Mobilar. Der Strand ist direkt vor der Tür, ich habe einen kleinen Balkon und Meerblick.
Blick von meinem Balkon. Der Strand ist nicht weit weg…
Viel reißen werde ich heute wohl nicht mehr. Denke, ich gehe gleich erstmal unter die Dusche und anschließend noch ein bisschen am Strand spazieren und was essen. Hier direkt gibt es einen Laden, wo man draußen sitzen kann und der Seafood, Burger und Steaks in Neon anpreist. Mal sehen. Was ich morgen so anfange, habe ich noch nicht auf dem Plan, man wird sehen.
Zuviel Nachrichten gucken ist schlecht für das Urlaubsgefühl.
Update: Ich war nicht sicher, ob ich das hier reinschreiben soll, damit Ihr Euch keine Sorgen macht, aber Ihr werdet es wahrscheinlich ohnehin mitbekommen. Ich tippte hier gerade, als draußen eine Sirenen losgingen. Bin auf den Balkon, um zu schauen, wie sich die Leute verhalten. Einige blieben ganz cool, andere rannten aufgescheucht durch die Gegend. Dann waren die Sirenen irgendwann stumm und ich hörte kurz danach einen dumpfen Knall. War mir erst nicht so sicher, was ich davon zu halten hatte. Machte CNN an. Und da wurde das mit den Sirenen gebracht, man hat kurzfristig hier das Verteidigungsministerium evakuiert. Genaueres weiß man noch nicht, aber es könnte sein, dass im Süden von Tel Aviv was eingeschlagen ist. Eben klopfte es an die Tür, ein lächelndes Staff-Member fragte, ob ich okay sei und gab mir einen Zettel. Darauf steht, wo ich mich im Falle eines Alarms in den Shelter begeben soll:
„Dear Guest: In case of an emergency alarm, please follow the escape route to the nearest (floor) shelter located on floors 4 – 20 (except 18th. floor) via the service elevator entrance oposite to 08 rooms.
Please remain calm and await further information or for hotel staff member to contact you.
Thank you. The management.
Hm… „Enjoy your stay“ habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.
Naja. Schon unangenehm. Die Luftwaffe wird jetzt vermutlich versuchen, im Gaza-Streifen Raketen-Startplätze auszuschalten. Ich werde erstmal so weiter machen wie geplant und die Nachrichten verfolgen. Solange hier nicht mehr passiert oder meine Regierung mich auffordert, das Land zu verlassen, bleibe ich erst mal hier.
Noch ein Update:
Hab noch mal sicherheitshalber eine Frau vom Information-Desk hier auf meiner Etage gefragt und mir den Weg zum nächsten Shelter zeigen lassen. Sie meinte nur „Stay calm, everything’s gonna be fine“. Naja, die Israelis sind sowas ja auch gewohnt… Ich schau jetzt mal ob ich noch n Bier und was zu essen kriege. Ich lasse mich doch vor lauter Nachrichten gucken nicht den Urlaub entgehen!
Uff. Geschafft, ich bin durch die Sicherheit und warte aufs Boarding, welches ziemlich lange auf sich warten läßt. Ist jetzt schon 9.30 Uhr, sollte eigentlich um Neun losgehen.
Aber erstmal der Reihe nach… Wie es mir zur Gewohnheit geworden ist, wollte ich mich mit einem passenden Song wecken lassen. Was mir zu dem Thema eingefallen wäre, ist „Israel“ (von Dschinghis Khan, habe ich aber nicht, und bei Amazon gab es das auch nicht zu kaufen) und „When Israel was in Egypt’s Land“ (hab ich, glaube ich, irgendwo von Louis Armstrong gesungen, aber auf keinem meiner Geräte drauf).
Es wurde dann „Security Joan“ (Donald Fagan), ein Song, in dem es darum geht, dass ein Flugreisender sich in die ihn checkende Sicherheitsbeamtin verliebt, deswegen seinen Flug nicht nimmt und eine Nacht länger bleibt.
„Well I guess I needed a miracle if I was to get my flight. I had to get to gate C13 and it still was way out of sight…“ Nun, C13, genau mein Gate, passt also. Gerade wurde durchgesagt, dass sie noch fünf Minuten brauchen, bis das Boarding beginnen kann.
„I had to get to gate C13 and it still was way out of sight…“ Nöö, da ist es doch!
Nach dem Aufstehen machte meine liebe Gastgeberin mir noch einen Kaffee und ich fuhr dann mit der S-Bahn zum Flughafen, wobei mich mein lieber Gastgeber noch bis zur Hauptwache begleitete. Von da in die S8 Richtung Wiesbaden, Ankunft am Flughafen ziemlich genau um acht Uhr, zwei Stunden vor Abflug. Ich bin dann erstmal zum Bereich C, um festzustellen, dass Drop-off Schalter der Lufthansa in A sind… d.h. mein Schalter (angeblich 260-335) war dann in B. Also gefühlte drei Kilometer zunehmend nervös abgerissen. Bei der Sicherheit haben die noch irgendwas mit meinem Mobiltelefon gemacht, aber dann war ich durch und kurz vor Neun am Gate.
Dieser Airbus 321 brachte mich sicher nach Tel Aviv.
So, nun geht es gleich los, also muss ich erstmal darauf verzichten, ein paar Fotos zur Deko hinzuzufügen. Auf geht’s!
Dies ist ein Rückblick… denn die „Abenteuer“ fingen schon beim Buchen der Reise an…
Gestern wollte ich meine Reise nach Israel buchen. Wie immer, denn das hat sich bisher bewährt, bei expedia.de (um es vorweg zu nehmen, expedia.de ist kein Vorwurf zu machen, verbockt habe ich es selbst…).
Es ging also um Hin- und Rückflug, zwei Hotels… und nebenbei (nicht über Expedia, sondern über rails.co.il) noch zwei Bahnfahrten. Und da lag der Hase im Pfeffer. In Israel wird der Schabbat von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am Samstag noch ziemlich ernst genommen. Sowas wirkt sich auf Zugverbindungen wie auch Check-in und Check-out-Zeiten in Hotels durchaus sehr ausgeprägt aus. Mir war das zwar im Prinzip bewusst, aber in der Euphorie des Reisefiebers habe ich dann doch geschlafen – und die Rückreise auf einen Samstag gelegt. Mächtig doofer Fehler…
Nun hatte ich also an einem Tag, an dem nur ein einziger Zug von Jerusalem zum Ben Gurion Airport fährt (und nicht zu der Zeit, als dass ich den Vogel hätte kriegen können), die Rückreise geplant. Also zwei Alternativen: Entweder irgendwie anders zurück nach Jerusalem, oder umbuchen. Also umbuchen…
Ich erreichte bei Expedia.de – weil es ging nur telefonisch gegen halb elf Uhr abends noch eine kompetent wirkende Ansprechpartnerin, die die Lufthansa-Flüge stornierte und meine Hotelbuchung in Jerusalem um einen Tag verkürzte – sogar kostenfrei. So weit, so gut.
Nun musste ich natürlich neue Flüge zum passenden Termin buchen. Ich suchte mir was Passendes raus (was nicht so einfach ist, non-stop dauert es von Frankfurt nach Tel Aviv keine fünf Stunden, aber es gab viele Hin- / Zurück-Kombinationen, bei denen man 13 und mehr Stunden unterwegs wäre) und wollte buchen. Aber die Website sagte mir nur, es gäbe ein Problem mit meiner Kreditkarte und ich solle mich mit meiner Kreditkartenfirma in Verbindung setzen. Nach gefühlten zehn Versuchen gab ich es auf und ging schlafen. Unangenehme Situation, Hotels gebucht, aber keine Flüge – wird ja mit Sicherheit nicht größer oder günstiger jeden Tag, der vergeht…
Also habe ich am nächsten Tag nach einem Umweg über die Sparkasse die Nummer, die auf der Kreditkarte steht angerufen. Dort hatte ich ebenfalls schnell einen kompetenten Ansprechpartner (Service-Wüste Deutschland? Keine Spur!). Man erklärte mir, mein Kreditkartenlimit von 2.400 Euro pro Monat sei überschritten. Aha! Da mir das noch nie zuvor in neun Jahren Kreditkarteninhaberschaft passiert ist, war mir dieses Limit gar nicht bewusst… Da die stornierten Flüge bereits die Kreditkarte belasteten (das ist natürlich ein bürokratisches Hin- und Hergebuche), war das Limit einfach mit meiner „zusätzlichen“ Flugbuchung dann überschritten. 2.400 Euro ist ja irgendwie auch nicht wirklich viel… man kann ja auch durchaus mehr für ne Reise ausgeben wollen, oder für z.B. Elektronik.
Nun, meine freundliche Kreditkartenfrau spricht jetzt hoffentlich mit meiner freundlichen Sparkassenfrau, um mein Limit auf 3.000 hochzupumpen. Danach bekomme ich hoffentlich einen freundlichen Anruf auf meinem Handy, dass jetzt alles gut wird und ich heute abend endlich meine Flüge buchen und mein Reisefieber die kommenden zwei Wochen genießen kann. Denn dann wird mich die freundliche Lufthansa (oder wer auch immer) womöglich ohne Zwischenstopps (aber was solls, immerhin bedeuten Zwischenstopps, dass ich eventuell mehrere Flugzeugtypen „testen“ kann) hoffentlich heil FRA/TLV und retour bringen.
30.10.2012
Sooo… im Büro rief mich dann ein freundlicher Sparkassenmann an und fragte, wie ich denn künftig mein Kreditkartenlimit wünschte. Ich ließ es auf 3.000 Euro hochsetzen und buchte dann abends Lufthansa am 15.11. 10.00 ab FRA nach TLV und am 23.11. 16.11 Uhr TLV zurück nach FRA. War um einiges teurer, weil ich nicht mehr das günstige Paket zusammen mit Hotel buchen konnte. Aber so what… Israel, ich komme!
Update: 15.11.2012 | 06:51
So, jetzt bin ich in Frankfurt bei meinen Freunden, bei denen ich wieder einmal übernachten durfte (vielen Dank, war super bei Euch!). In zwanzig Minuten geht es los zum Flughafen. Der Flieger geht um zehn. Den nächsten Eintrag gibt es dann vielleicht aus der Abfluglounge…