Die Bahn kommt. Manchmal sogar pünktlich! (31.01.2012)

Der Rest ist schnell erzählt (könnten die denken, die mich nicht besser kennen, hihi). Spaß beiseite, Aufstehen, packen, frühstücken, auschecken waren so die ersten Amtshandlungen. Anschließend holten wir den Modus aus der Tiefgarage. Bevor wir der Hauptstadt den Rücken kehrten, wollten wir noch meine Nichte Franziska, die große Schwester meiner Neffen, und ihren Freund besuchen und uns deren Wohnung ansehen. Das Navi führte und mit einigen kleineren Schwierigkeiten nach Neukölln zu deren Wohnung. Wenn wir am Vortag den Columbiadamm weiter gefolgt wären und Tempelhof komplett hätten, hätten wir schon fast vor deren Haustür gestanden.

Nun, ich blieb vielleicht nur ne halbe Stunde, ich hatte ja einen Zug um 12.48 Uhr nach Hannover zu kriegen. Franziska war so nett, für mich die Verbindung bis dahin herauszusuchen. Ich ging also los zur Haltestelle Boddingstraße, nahm die U8 bis zur Jannowitzbrücke und von da die S5 bis zum Hauptbahnhof. War ein bisschen knapp mit der Zeit, aber ich hatte nach dem Erwerb des Tickets noch so vier Minuten Zeit. Ich knipste noch ein letztes Foto vom Fernsehturm mitsamt meinem einfahrenden ICE, dann stieg ich ein und fuhr nach Hannover. Nachdem ich mir schon mal die Fotos angesehen hatte, habe ich den Rest der ca. zweistündigen Fahrt verschlafen.

Berliner Fernsehturm, von Gleis 14 aus gesehen

Berliner Fernsehturm, von Gleis 14 aus gesehen. Und der ICE, der mich nach Hannover bringen sollte.

Pünktlich (!) in Hannover angekommen hatte ich dann noch 12 Minuten Zeit. Habe mir noch zwei Fischfrikadellen von Nordsee und was zu trinken von Ihr Platz geholt, danach bestieg ich den IC nach Osnabrück. Auch dieser war fast pünktlich. Tja, und das war es dann tatsächlich auch schon!

Kurzes Fazit: Habe wieder einmal gemerkt, was für eine einmalige Geschichte diese Stadt hat, es war verdammt kalt, und Dream Theater live war der absolute Bringer.

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Progressives Edelmetall (30.01.2012)

Wir standen so gegen neun Uhr auf, um halb zehn frühstücken zu können. Das Frühstück hatten wir für 7,50 Euro pro Tag und Person mitgebucht. Das Buffet erwies sich für den Preis als nicht großartig, aber akzeptabel: Brötchen, Aufschnitte und –striche, Müsli, Cornflakes und Co., Joghurts, Äpfel, gekochte Eier, Orangensaft, Kaffee, Tee, Kakao. Danach machten wir uns auf die Socken.

Frühstück bei Etap

Frühstück bei Etap für 7,50 Eur

Auf dem Programm stand diesmal zur weiteren geschichtlichen und politischen Bildung aller Beteiligten das „Haus am Checkpoint Charly“, heutzutage auch „Mauermuseum“ genannt. Ich war dort vor zwanzig Jahren schon einmal gewesen, zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Exponate sind sowohl Kunst zum Thema innerdeutsche Grenze, Teile der Grenzanlagen und zur Flucht gebrauchte Utensilien. Bebilderte Schautafeln und teilweise Videos beschreiben diesen speziellen Teil der Geschichte vom Ende des zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung. Zu sehen sind neben Fluchtwagen (z.B. VW Käfer, Minicooper) meist selbstgebaute Ultraleichtflieger, Mini-Uboote, Sessellifte, Heissluftballone.

Selbstschussanlage SM-70

Selbstschussanlage SM-70. Es gab zigtausende an der Mauer. Ein Zug am mittleren Draht löste eine Explosivladung in dem Trichter aus, der mit scharfkantigen Metallwürfeln (unten links) gefüllt war. Diese drangen dann aus kurzer Distanz in den Körper des Opfers ein, wo sie irreperable und teilweise tödliche Verletzungen verursachten. Ein menschenverachtender Mechanismus, eingesetzt in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unglaublich.

Mich hat besonders die Geschichte dreier Brüder beeindruckt. Zwei der in Köln lebenden Brüder starteten in Westberlin mit zwei Ultraleichtflugzeugen, deren Tragflächen sie mit typischer, sowjetischer Tarnbemalung inklusive der roten Sterne als Hoheitsabzeichen versehen hatten. Sie holten ihren Bruder aus Ostberlin ab, landeten auf der Wiese vor dem Reichstag und gingen erstmal in die Kneipe, ein paar Bier trinken. Sie kamen mit der ganzen Sache ungeschoren davon – nach dem Mauerfall wenig später (die Sache ereignete sich 1989) wurden ihnen trotz der Verletzung des fremden Luftraumes sogar ihre Fluggeräte zurückgegeben. Eines davon steht nun im Mauermuseum, und daneben läuft eine Videoaufzeichnung, die die Brüder von diesem Flieger aus gemacht haben.

Ultraleichtflugzeug im Haus am Checkpoint Charly

Mit diesem Ultraleichtflugzeug holte 1989 ein tollkühner Pilot aus Köln seinen Bruder aus Ostberlin heraus. Erfolgreich, aber nur Monate vor dem Fall der Mauer.

Außerdem hat mich noch „das Kostbarste vom Checkpoint Charly“ fasziniert. Das sind zunächst nur einige Asphaltbrocken mit verblasster, weißer Farbe. Irgendwer hatte beobacht, wie der aufgebrochene Asphalt einfach in einen Schuttcontainer geladen wurde und sich diese historischen Brocken gesichert. Das Museum kaufte sie für 20.000 Euro und rekonstruierte daraus den ehemaligen Grenzstrich.

Grenzstrich in Einzelteilen

Der mit 20.000 Eur. wahrscheinlich teuerste Grenzstrich der Welt

Am Ende wollten uns die Kinder dann nur noch möglichst schnell durch die Ausstellung lotsen. Lohnend hervorzuheben ist aber, dass wir Erwachsene einige Ausstellungsräume übersehen haben und von den Neffen darauf hingewiesen wurden, obwohl die eigentlich langsam mal da raus wollten.

Fesselballon

Der angeblich größte Fesselballon der Welt. Wohlgemerkt, ein Heliumballon, kein Heissluftballon.

Nächste Station war der nahe gelegene Potsdamer Platz. Diesen erreichten wir zu Fuß, wobei wir den Weg teilweise entlang der ehemaligen Mauer zurücklegen konnten. Wir kamen auch an einem Laden, der Stadtrundfahrten in bunt bemalten Trabbis anbot und an einem großen Fesselballon (ähnlich dem Highflyer an den Deichtorhallen in Hamburg) vorbei. Zunächst wurde zum Mittagessen ein McDonald’s aufgesucht. Anschließend ging es in die Arkaden, wo den Jungs (insbedondere dem großen, den das mehr interessierte) Zeit bis 17.00 Uhr zum shoppen eingeräumt wurde. Ich begleitete die beiden zunächst zum örtlichen Saturn, während meine Schwester sich auf ne Tasse Kaffee in einer auf amerikanisch getrimmten Sportsbar in der niederließ. Der Saturn war gut sortiert, und ich fand einige kaufenswerte BluRay Discs und CDs, hatte aber keine Lust, irgendetwas mit mir herumzuschleppen. Die Jungs beließen es ebenfalls beim Gucken. René und ich hatten nach Saturn auch keine Lust mehr, setzten uns zu meiner Schwester, und es gab Kaffee für mich und Apfelkuchen für ihn. Der große erstand inzwischen Schuhe und nen Pulli. Ich zog auch noch mal los, um bei einer Apotheke Ohropax zu erstehen, ich hatte meine praktischerweise im Hotel vergessen, und vielleicht würde man die Dinger ja noch benötigen.

Interessante Architektur am Potsdamer Platz

Interessante Architektur am Potsdamer Platz, unmittelbar neben dem Bahnhof

Anschließend wollte vor allem ich noch mal zum Brandenburger Tor und zum Reichstag, um ein paar Fotos zu machen. Es wurde schon dunkel, aber ich fotografiere ja auch ganz gerne angestrahlte Gebäude, das macht auch immer was her. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Holocaust-Mahnmal vorbei. Ich war der einzige, der das noch nicht kannte. Es handelt sich um eine große Fläche, auf der eine ziemlich ansehnliche Menge an unterschiedlich hohen Steinquadern (Stelen) stehen, zwischen den Stelen sind Durchgänge, durch die man sich bewegen kann. (Lt. Wikipedia sind es 2711 Stelen auf einer Fläche von 19.000 Quadratmetern, die Breite der Durchgänge beträgt 95 cm und die Höhe der Stelen von wenigen cm bis über vier Meter.)

Holocaust-Mahnmal in Berlin

Holocaust-Mahnmal von innen

Beim Durchwandern der Gänge zwischen den Stelen in der Dämmerung machte sich bei mir schon eine leichte Beklemmung bemerkbar. Zwar handelte es sich ja nicht um ein Labyrinth, schließlich konnte man jederzeit in jeder Richtung wieder hinaus – und doch fühlte es sich ein bisschen wie ein Labyrinth an. Meine Schwester und ich fragten uns selbst und auch die Neffen nach möglichen Interpretationen. Meine Schwester meinte, die grauen Steine erinnerten an die zum Teil namenlosen, ihrer Identität beraubten Juden, und die Anordnung erinnere an die Barackendörfer der KZs. Irgendwer meinte, die nach innen hin immer zunehmende Höhe der Stelen erinnere an die immer schwerer werdenden Verbechen der Nazis an den Juden. Ich fand, diese riesige Menge an Steinquadern machte die riesige Menge an Opfern des Holocausts ersichtlich.

Nachdem wir wieder am Rand der Gedenkstätte waren, kletterten die Neffen auf die Quader. Ich war mir nicht sicher, ob das angemessen wäre, aber meine Schwester meinte, es sei okay. Da tat ich es ihnen nach (und wir waren auch nicht die einzigen, die das machten). Die 95 cm zwischen den Stelen kann man als normal beweglicher Jugendlicher oder Erwachsener mit einem beherzten Sprung eigentlich problemlos überwinden. Eigentlich. Als die Stelen immer höher wurden, wurde uns allen dreien die Sache ziemlich schnell mulmig und das Verletzungsrisiko immer bewusster. Dabei wurden ja die Abstände nicht größer – nur die Abgründe dazwischen tiefer, also eine rein psychologische Sache. Im Nachhinein denke ich, dass wir damit eine Erfahrung gemacht haben, die weitere Deutungsversuche zuläßt. Mit den immer größer werdenden Verbrechen an den Juden (es fing ja nicht mit den Morden an, sondern mit Demütigungen, Sachbeschädigungen, Enteignungen, Freiheitsberaubungen…) wurde es vermutlich immer schwerer für die Bürger, sich dagegen zu stellen und die Risiken, wenn man es versuchte, immer größer.

Brandenburger Tor an einem Januarabend

Brandenburger Tor an einem Januarabend aus dem ehemaligen Ost-Teil der Stadt

Wir gingen weiter zu dem sich schon in Sichtweite befindlichen Brandenburger Tor. Ich machte von Ost- und Westseite her ein paar Fotos von dem berühmten Bauwerk, bei dem ich als 18-jähriger im Jahr des Mauerfalls an der riesigen Silvesterfeier 1989/90 teilgenommen hatte. Damals stand die speziell verstärkte Mauer auf der Westseite des Toren noch, und ein paar von uns (mich eingeschlossen), kletterten damals darauf (bzw. wurden von unten geschoben und von oben gezogen). Ich weiß noch, dass ich mir auf dem Weg nach oben an einer herausragenden Stahlstrebe meine Jeans zerriss und beim Runterspringen meine Hand an den überall herumliegenden Glasscherben verletzte. Aber das war mir ziemlich egal, wenn ich mich richtig erinnere.

Reichstag bei Nacht

Reichstag bei Nacht. Dass die Farben bei meinen Nachtaufnahmen manchmal eher gelblich und warm, manchmal bläulich und kalt sind, liegt daran, dass ich immer mal mit den Weißabgleichs-Einstellungen spiele.

Danach ging es noch schnell zum Reichstag, ein paar Fotos von außen schießen, was ich dann auch tat. Aus der Ferne knipste ich dann noch Angies große Waschmaschine (das Kanzleramt). Es war nun schon richtig dunkel und auch noch knackig kalt. Es waren wohl so um die -7 Grad, gefühlt durch den teilweise recht heftigen Ostwind aber angeblich bis zu -30 Grad. Also nicht unbedingt die Bedingungen, um lange zu fotografieren, außerdem stand ja noch der Hauptgrund des ganzen Berlin-Trips auf dem Programm: Der Besuch eines Rockkonzertes mit den Neffen. Das Ganze war meine Idee gewesen, ursprünglich hatte ich das als Weihnachtsgeschenk für den großen Neffen vorgesehen, aber meine Schwester hatte vorgeschlagen, zu viert mitsamt René über die Zeugnisferien nach Berlin zu fahren.

Kanzleramt, Berlin

Kanzleramt, Berlin. Meiner Schwester zufolge auch gerne „Merkels Waschmaschine“ genannt.

Wir bestiegen erstmal am Reichstag die kleine, aber feine U-Bahnlinie U55, die zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof nur eine Station (Bundestag) hat und fuhren die eine Station zum Brandenburger Tor. Dort stiegen wir um und fuhren eine Station weiter zum Bahnhof Friedrichstraße (bekannt aus „Emil und die Detektive“). Dort trennten wir uns dann von meiner Schwester, die ins Kino gehen und sich dort „The Artist“ ansehen wollte. Was für eine Verschwendung: Da guckt sich meine frankophile Schwester einen französischen Film in einem Kino an, in denen die Filme sonst OmU laufen – und dann ist es ein Stummfilm! Nichts für mich Kulturbanause, da gehe ich doch (im Gegensatz zu meiner Schwester) lieber mit den Neffen in ein zünftiges Progressive Metal – Konzert!

Aber zunächst begaben wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem und einem Restroom (um an dieser Stelle mal an alte Traditionen dieses Blogs anzuknüpfen…), möglichst im selben Laden. Der McD am Bahnhof hatte keine Toilette, angeblich wegen der Toilette im Bahnhof. Und der Burger King habe aus demselben Grunde auch keine. Hm… Bahnhofstoilette… Dreck, Drogenabhängige, Desinfektionsbedarf… das sind so Worte, die mir spontan dazu einfallen. Aber mitnichten. Das so genannte „WC-Center“ bot hinter blitzblanken Glastüren neben einer Art Rezeption die Möglichkeit, sich für nur einen Euro pro Nase (zahlbar am Drehkreuz, wo es auch einen Wechselautomaten gab) zu erleichtern (oder für 7 Euro zu duschen). Die Neffen gingen also für zwei Euro was auch immer machen, während ich wartete und aus Langeweile und mit diesem Blog im Hinterkopf ein Foto machte. Daraufhin wies mich die Damen an der „Rezeption“ darauf hin, dass man hier keine Fotos machen dürfe. Nachdem ich mich vergeblich nach einem entsprechenden Schild, welches mir hätte sagen könne, die heiligen Hallen der Erleichterung seien für die schnöde Ablichtung auf digitale Datenträger tabu, umgesehen hatte, hielt mir die Wächterin des Edel-Abortes die Hausordnung unter die Nase. Ich fühlte mich darauf nicht länger willkommen und wartete außerhalb der Glastüren auf meine Neffen. Vielleicht sind ja auch Dreck und Drogenabhängige auf den zweiten Blick gar nicht mal sooo schlimm…

WC Drehkreuz, Friedrichstraße

Das verbotene Foto: Drehkreuz am Berliner Luxusklo. Eine 120-Grad-Drehung kostet hier einen Euro.

Nach dieser Episode ging es noch darum, etwas Essbares für die Neffen aufzutreiben. Bevor wir uns entschließen konnten, zum McD zurückzukehren, fanden wir so einen Laden, der Hauptsächlich Fisch, aber auch Chickennuggets und frittierte Erdäpfel feilbot. Die Neffen teilten sich jeweils eine Box davon, wozu reichlich Tomatenketchup gereicht wurde. Ich hatte keinen Hunger, vielleicht lag mir noch die Hüterin der Reinlichkeit auf dem Magen. Nach der Mahlzeit suchten wir einen ebenfalls im Bahnhofkomplex gelegenen Edeka auf, wo wir uns noch mit jeweils einer Halbliterflasche Mountain Dew verproviantierten.

Danach stiegen wir in die U6 und fuhren zum Platz der Luftbrücke, unweit des alten Stadtflughafens Tempelhof. Unser Ziel war die Columbiahalle am Columbiadamm, wo das Konzert von Dream Theater, wegen dem wir ja hauptsächlich in Berlin waren, stattfinden sollte. Ich wollte eigentlich noch ganz gerne das Luftbrückendenkmal, die sogenannte „Hungerharke“, fotografieren, aber angesichts der Kälte und der fortgeschrittenen Zeit verzichtete ich darauf, obwohl es nur 100 m entfernt sein sollte (gesehen habe ich es nicht). Beim Einlass in die Halle versicherte man sich, dass ich die Begleitperson für die Kinder sei und dass die Kamera, die ich dabei hatte, höchstens ein 2fach Zoom hätte (man prüfte, wie weit es ausfuhr, und eigentlich hat sie 4fach Zoom, aber was solls, man kann eh mit so einem Teil keine ordentlichen Konzertfotos schießen, und schon gar nicht mit Zoom).

Logo der Vorband Periphery

Logo der Vorband Periphery. Eigentlich ein interessanter Name – wollten die immer Vorband sein?

Zunächst hieß es aber, sich die Beine in den Bauch zu stehen und sich in Geduld zu üben. Ich brachte noch unser aller Jacken und Schals zur Garderobe. Die Vorband, Periphery, begann ziemlich pünktlich um 19.30 Uhr. Das waren fünf Jungs aus Washington DC: Drei (!) Gitarristen, die alle Siebensaitige spielten, ein Bassist, der einen Fünfsaiter zupfte, Drummer und Sänger. Hm. Die schienen mir alle recht gut mit ihren Instrumenten umgehen zu können. Auch der Sänger schien etwas zu können, auch wenn viel nur gebrüllt wurde. Aber vor allem war der Mix nicht gut. Unterm Strich hätte ich darauf verzichten können, zumal es mir auch doch etwas zu heavy für meinen Geschmack war. Allerdings hatten die Washingtoner einen harten Kern an Fans direkt mittig vor der Bühne. Diese Gruppe war offenbar sowieso eine Zelle klassischer Metal-Fans, alle mit Matte und Kutte, während drum herum das Volk bunt gemischt zu sein schien, von U-15 bis Ü-50, hauptsächlich aber nicht ausschließlich männlich, von linken Szenetypen bis hin zum Typ „Junge Union Stadtteilvorsitzender“.

Dream Theater Konzert

Man beachte das üppige Schlagwerk in der Mitte

Nun denn, Periphery war nach 30 Minuten mit ihren Darbietungen durch, man ließ daraufhin das große Tuch mit deren Bandlogo von der Decke herab, dahinter kamen dann das doch, äh, etwas größere Drumkit Mike Maginis sowie Jordan Rudess’ Keyboard-Aufbau zum Vorschein. Es dauerte noch eine ganze Weile, dann waren die Trommeln des Periphery-Drummers abgebaut und auch sonst alles vorbereitet. Das Licht ging aus, die Musik aus der Konserve auch. Auf drei großen, sechseckigen Projektionsflächen erschien ein Intro-Video. Eine Zeichentrickversion von Sänger James LaBrie in einer Art Piratenuniform drohte, von einer Seeschlange gefressen zu werden. Dann erschienen seine Bandkollegen auf verschiedene Art und Weise, Gitarrist John Petrucci als Blitzeschleudernder Gott, der asiatische Bassist John Myung als eine Art Samuraikämpfer, der neue Drummer Mike Magini als grüner Flaschengeist, Jordan Rudess’ Nummer habe ich vergessen. Gemeinsam besiegte man die Schlange, und bestieg ein Flugzeug, dessen Seitenleitwerk mit dem Bandlogo dann aus den Wolken hervorragte wie eine Haifischflosse, während darüber auf einem Seil ein Einradfahrer dahinfuhr (Plattencover). Dabei ertönte dann aus der Konserve das Intro von „Bridges in the Sky“, während der Einradfahrer im Video seine abenteuerliche Fahrt fortsetzte. Die Band erschien, und dann ging es mächtig zur Sache. Die Stimmung in der ausverkauften Halle, die lt. Deren Website bis zu 3.000 Leute schluckt, stieg fast sofort von lauwarm auf glühend heiß.

Dream Theater spielt Six AM in Berlin

DT beim zweiten Lied, Six AM. Zu erkennen an der Projektion auf den sechseckigen Projektionsflächen, die angedeutete Würfel darstellen. Rechts: James LaBrie

„Bridges in the sky“ folgte „6 AM“ vom Album „Awake“, danach „Build me up, break me down“ vom aktuellen Album, danach das von mir ausgesprochen geschätzte „Surrounded“ vom zweiten Album „Images and Words“, danach „The dark eternal night“ von „Systematic Chaos“. Danach durfte sich der neue Drummer Mike Magini mit einem langen Drum Solo an seinem Monsterschlagzeug vorstellen. Dabei zeigte einer der sechseckigen Schirme, wie er „unter der Gürtellinie“ seine, ich glaube, so um die fünf Fußmaschinen bedient (Highhat, drei Bassdrums, noch zusätzlich ein Cachon oder so was ähnliches). Der Mann zeigte viel Spielfreude und hat das Konzert offenbar auch sehr genossen. Danach kam dann „Fortune in lies“ von der allerersten Platte „When day and dream unite“ – da war Sänger LaBrie noch gar nicht bei Dream Theater. Anschließend verschwanden alle außer Keyboarder Jordan Rudess und James LaBrie von der Bühne und spielten „Wait for sleep“ (nur Keyboard und Gesang) von der „Images and Words“. Es folgte „Far from Heaven“ von der aktuellen Platte, dazu gesellte sich noch Bassist John Myung dazu und man spielte nun zu dritt. Danach kam „On the backs of angels“, ebenfalls vom aktuellen Album, es folgte „War inside my head“ von „Six degrees of inner turbulence“, danach „The test that stumped them all“ vom selben Album. Und dann sagte James LaBrie einen der Titel an, auf den die Neffen und ich besonders gehofft hatten und bat darum, fleißig mitzusingen: „The spirit carries on“ von der „Scenes from a memory“. Und natürlich sangen wir imbrünstig mit, inklusive Gänsehaut und Tränen in den Augen in meinem Fall. Das war Hammer.

James LaBrie und John Petrucci

James LaBrie und John Petrucci auf der Bühne (und Mike Magini am Schlagzeug)

Es war schon toll, endlich einmal live zu beobachten, wie John & John (Gitarrist John Petrucci und Bassist John Myung) ihre Finger wie flinke Eichhörnchen auf Nuss-Suche über ihre Fretboards jagen ließen. Myung spielte einen sechsaitigen Bass, Petrucci eine siebensaitige Gitarre. Ich habe vielleicht nicht gut genug aufgepasst, aber ich glaube, dass beide niemals ihr Instrument gewechselt haben, was ja sonst durchaus üblich ist, z.B. wenn die Gitarristen ad hoc eine andere Stimmung oder einen anderen Sound haben möchten. Auch sehenswert war Jordan Rudess’ Korg, welches um 360 Grad um die Hochachse drehbar und über hydraulische Dämpfer um die Querachse neigbar war. Ab und an kippte er so seine Geräte, damit das Publikum ihm besser beim „betasten“ zugucken konnte. Er hatte darüber hinaus auch so ein tragbares Teil, welches er einmal benutzte. Wie auch immer, ich bin da ja alles andere als ein Experte, aber ich glaube nicht, dass es im Pop/Rock viele Bands gibt, bei denen jeder einzelne so virtuos sein Instrument beherrscht. Man muss ja die Musik nicht unbedingt mögen, und auch ich kann nicht immer Dream Theater hören, manchmal brauche ich auch was gutes, simples wie AC/DC, einfach geil und laut. Aber dass die sowohl einzeln als auch als Einheit absolut präzise und brillant spielen kann kann eigentlich keiner abstreiten.

Schließlich kam noch „Breaking all illusions“ vom aktuellen Album, dann ging das Licht aus. Natürlich gab es eine Zugabe, aber nur eine. Und zwar „As I am“ von der „Train of thought“. Das war es dann, und die Band ließ sich noch kurz feiern, verbeugte sich artig, und das war es dann. Aber es reichte auch locker, knapp zwei Stunden waren gespielt – man bedenke, dass zum Beispiel „Breaking all illusions“ auf der Studio-CD mal locker über 12 Minuten lang ist…

Dream Theater verabschiedet sich

Dream Theater beim Abschied nach dem Konzert (v.l.n.r) John Petrucci (git.), James LaBrie (voc.), Mike Magini (dr.), Jordan Rudess (kybd.), John Myung (bgtr.)

Wir wollten dann zur Garderobe, aber davor war eine derart lange Schlange, dass wir uns überlegten, erst noch etwas zu trinken zu besorgen. Leider war (natürlich) vor der Theke ebenfalls viel los. Naja, wir hatten ja Zeit und bekamen schließlich ein Bier (für mich) und zwei Coke (für die Neffen). Dabei konnten wir den Roadies dann beim Abbauen zuschauen, wobei der Platz für die Crew immer mehr vergrößert wurde, indem die Security die Absperrungen immer weiter nach hinten verlegte.

Schließlich hatten wir unsere Getränke ausgetrunken und begaben uns erneut zur Garderobe, wo immer noch eine Schlange war, aber diesmal waren wir geduldig und blieben, bis wir unsere Schals und Jacken in Empfang nehmen konnten.

U-Bahn-Station Platz der Luftbrücke

U-Bahn-Station Platz der Luftbrücke

Wir gingen zurück zur U-Bahn-Station Platz der Luftbrücke, um die Bahn Richtung Alt-Tegel zu besteigen. Leider waren inzwischen auf dem Gegengleis Gleisbauarbeiten begonnen worden, weshalb man aufgefordert war, Anzeigen und Ansagen zu beachten. Die erste Bahn, die kam, fuhr nämlich nicht weiter Richtung Alt-Tegel, sondern wieder zurück. Einige Jugendliche stiegen natürlich trotzdem ein und wurden dann von einem BVG-Mitarbeiter herauskomplimentiert. Der eine dachte, er habe sein Handy im Zug verloren und stieg jammernd wieder ein, um es zu suchen… Schließlich schmiss der BVG-Typ alle aus seinem Zug, woraufhin einer aus der Gruppe dem Handy-Verlierer offenbarte, dass er ihm sein Handy zum Spaß heimlich entwendet hatte… Opfer! Aber ein schönes Intermezzo, schließlich warteten wir noch auf unsere Bahn.

Die kam dann schließlich, fuhr aber auch nur zwei Stationen und dann wieder zurück in die Gegenrichtung, so dass wir aussteigen mussten. Die nächste Bahn brachte uns schließlich bis Stadtmitte, von wo aus wir dann mit der U2 ohne weiteres Gependel bis zum Alex fahren konnten. Grrr. U-Bahn-Bauarbeiten… kenn’ ich noch irgendwie aus New York. Wir gingen zurück zum Hotel und dort sofort ins Bett. Meine Schwester schlief schon.

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Sinnlos im Atomschutzbunker (29.01.2011)

Vögelsen, bei Lüneburg. Der Plan: 9 Uhr aufstehen, 10 Uhr frühstücken, 11 Uhr losfahren. Mit Schwester Elisabeth und den Neffen René und Pascal. Wir schafften es angesichts der Großzügigkeit dieser Zeitplanung etwas früher, unser Gepäck im übrsichtlichen Kofferraum des Renault Modus unterzubringen und loszueiern.

Es war kalt und regnerisch, die Windschutzscheibe fror immer wieder zu, und uns ging das Scheibenwaschwasser aus. Also füllten wir welches bei auf ner Tankstelle in der ehemaligen Zone auf und holten außerdem zwei Tüten Gummitiere eines von Thomas Gottschalk beworbenen Süßwarenherstellers da raus.

Einfach, aber sauber

Einfach, aber sauber, praktisch und preiswert: Das Zimmer im Etap Hotel

Angekommen in Berlin lotste uns das Navi von der Autobahn runter zum Etap-Hotel nicht weit vom Alexanderplatz im ehemaligen Ostteil der Stadt. Wir verstauten den Modus in der Tiefgarage, checkten ein und bezogen unsere zwei Zimmer im siebten Stock des Hotels. Die Neffen bekamen die 726, meine Schwester und ich nahmen die 730. Etap gehhört zum Accor-Konzern, die Zimmer sind spartanisch aber modern und sauber. Alles ist auf Kosteneffizienz ausgelegt, daher sind die Zimmer einfach gehalten. Ein Doppelbett, ein weiteres Etagenbett darüber (als Familie mit einem Kind kann man so ein Zimmer zu dritt nehmen, wenn das Kind nicht über 12 Jahre alt ist), ein winziger Schreibtisch mit Stuhl und „Multimedia-Hub“ (kleiner Fernseher, an den man Spielekonsolen und so anschließen kann), eine kleine Nasszelle mit automatischer Beleuchtung und eine Toilette mit zweilagigem Klopaper sowie ein Waschbecken bilden die gesamte Ausstattung. Aber was braucht man mehr, wenn man eh nur zum Schlafen da ist.

Alexanderplatz

Fernsehturm und Park Inn am Alexanderplatz

Es war früher Nachmittag, also gingen wir zum Alex in ein Café und nahmen dort Kaffee und Kuchen (bzw. in Renés Fall heisse Schokolade) ein. Danach bestiegen wir die U2, stiegen bei Gleisdreieck nochmal um in die U1 und fuhren zur Uhlandstraße. Wieder im ebenerdig  angekommen, fanden wir uns auf dem Ku’damm wieder. Wir gingen ein paar hundert Meter weiter und fanden unser Ziel, die Ausstellung „The Story of Berlin“ im Ku’damm-Caree.

The Story of Berlin

Das hier sieht vielversprechend aus - eine amerikanische Flugzeugtragfläche. Leider nur ein Replika...

Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Geschichte Berlins etwa seit Friedrich II. bis zur Wiedervereinigung. Die unterschiedlichen Epochen sind zunächst in an einen „Timetunnel“ ganannten Korridor angrenzende Räume unterteilt. Hier geht es dann thematisch darum, wie Berlin etwa die industrielle Revolution oder den ersten Weltkrieg erlebte. Die jüngere Vergangenheit, die Weimarer Republik, die „goldenen Zwanziger“, das Aufflammen des Nationalsozialismus, der Holocaust, der zweite Weltkrieg, Luftbrücke und Mauerbau und schließlich Mauerfall und Wiedervereinigung, wird deutlich üppiger abgehandelt. Für meinen Geschmack gibt es leider recht wenige echte Exponate zu sehen, viel besteht aus Bild- und Texttafeln oder Rauminstallationen, auch Multimediale Elemente (vor allem Videos, auf teilweise raffiniert in die Räume integrierten Monitoren) kommen zum Einsatz. Allerdings ist die Art und Weise, wie alles gestaltet ist, doch schon ziemlich gut gemacht. Ein besonderes Schmankerl, für das wir unsere Reise durch die Zeit unterbrachen, ist eine Führung durch den Atomschutzbunker unter dem Ku’damm-Caree.

Pritschen im Atomschutzbunker unter dem Ku'Damm Carée

Pritschen im Atomschutzbunker unter dem Ku'Damm Carée

Um 18 Uhr wurden wir von Vivian, unserer meinen Neffen zufolge etwas „schnepfigen“ Führerin, am Sammelpunkt eingesammelt, um uns aus der Ausstellung heraus in den Bunker hinein zu führen. Dazu geht es ins Parkhaus, einige Treppen hinunter und durch eine offene Luftschleuse hinein in die Schutzräume. Hier sollten bis zu 3.535 Menschen im Falle eines nuklearen Schlages gegen Berlin zwei Wochen lang ausharren. Anschließend, so dachte man in den 70ern, sei der nukleare Fallout so weit abgeklungen, dass man den Bunker hätte verlassen und unverseuchtes Gebiet aufsuchen können. Es war ziemlich gruselig. Mir ist die Möglichkeit der weltweiten, nuklearen Vernichtung aus dem Kalten Krieg aus der Jugendzeit noch sehr präsent. Auch heute noch ist der Einsatz von Atomwaffen, auch gegen unser Land, ja durchaus noch denkbar, wenn auch die Wahrscheinlichkeit seit Ende des Kalten Krieges abgenommen hat. Mittlerweile allerdings erscheint so ein Bunker eher lächerlich. Beispielsweise gab es für die statistisch über 1.700 Männer, die hier womöglich Schutz gefunden hätten, ganze 32 WCs, 28 Pissoirs und 30 Waschbecken. Durch die Körpertemperatur der Menschen hätte die Raumtemperatur um die 36 Grad bei 90% relativer Luftfeuchtigkeit betragen, was die Verbreitung von Krankheiten begünstigt hätte. Ob die Luftfiltersysteme genügend Sauerstoff hätten liefern können, erscheint aus heutiger Sicht zweifelhaft. Darüber hinaus hätten die Schutzsuchenden selbstständig Dinge wie medizinische Versorgung, Sicherheit und Ordnung sowie Lebensmittelausgabe und -zubereitung organisieren müssen, denn für alle diese Dinge stand kein Personal zur Verfügung. Man ging einfach davon aus, dass statistisch gesehen ein Anteil an Ärzten, Krankenschwestern, Sanitätern und Polizisten zur Verfügung gestanden hätte… Die allgemein vorherrschende Meinung meiner Reisebegleiter: „Ich wäre lieber draußen geblieben!“

Pedalbetriebener Luftfilter

Pedalbetriebener Luftfilter aus einer Luftschutzeinrichtung der DDR - ob das wohl gegen die Bombe geholfen hätte?

Wir absolvierten den Rest der Ausstellung (etwa Nazi-Regime bis Wiedervereinigung) und verließen dann auch ungefähr bei Toresschluss gegen 20.00 Uhr die Ausstellung. Auf dem Plan stand, im nahegelegenen „Hard Rock Café“ ein überteuertes Abendessen einzunehmen (die Neffen stehen halt drauf). Wir trafen uns dort mit der älteren Schwester Franziska der Neffen und ihrem Freund, einem Kanadier. Nachdem wir erst nur einen Platz an der Theke bekommen konnten, setzte man uns in den ersten Stock. Ich hatte einen soliden 280gr. Burger mit Pommes und drei 0,5 Liter Berliner Pilsener vom Fass (ganz lecker).

Bemalter Trabant, ehemalige U2 Bühnendekoration bei der "Achtung Baby"-Tour

Bemalter Trabant, ehemalige U2 Bühnendekoration bei der "Achtung Baby"-Tour, im Hard Rock Café

Hinterher fuhren wir mit den beiden noch zusammen mit der U1 bis zum Kotbusser Tor und von da mit der U8 zurück zum Alex. Von dort aus bewältigten wir den Rest des Weges zum Hotel zu Fuß. Feierabend.

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So, nun schreibe ich wieder am heimischen PC. Nach einem etwa einstündigen, recht angenehmen Flug in einem A320 von Charles de Gaulle nach Frankfurt hatte ich wieder heimischen Boden erreicht.

Anflug auf Frankfurt

Anflug auf Frankfurt. Der Main und der Commerzbank-Turm sind deutlich zu erkennen. Ebenso wie die ausgefahrenen Slats (Vorflügelkanten).

Nachdem ich meinen Koffer abgegriffen habe, wollte ich erst den Airtrain zum Terminal 1 nehmen, aber Schilder wiesen darauf hin, man solle einen Bus-Shuttle nehmen. Kurze Rückfrage bei der Information, und ich bin dann doch Bus gefahren. Habe zehn Minuten später einen zeitlich günstigen ICE gekriegt, der bis Essen fuhr. Dort dann ca. 25 Minuten Aufenthalt, reicht für einen Kaffee und ein Baguette mit Huhn. Der IC nach Osnabrück hatte dann auch nur 5 Minuten Verspätung, also alles völlig okay und reibungslos. Was bei der Bahn ja nicht selbstverständlich ist.

Ich wurde dann am Bahnhof von einer guten Freundin abgeholt und ich verbrachte noch ein paar Stunden bei ihrer Familie daheim. Da bekam ich auch was zu essen und ein paar gute, deutsche Biere.

Wieder am heimischen PC

Wieder am heimischen PC

Ich wurde dann später nachhause gefahren, wo ich gegen Null Uhr ankam.

Fazit: Gelungene Reise, viel gesehen, viel erlebt, viel fotografiert. Viel in die falsche Richtung gegangen. In New York war ich zufrieden, in Washington war die Zeit zu knapp bemessen. Beide Städte sind eindeutig eine Reise wert und unheimlich beeindruckend. Bereits vorhandene Eindrucke von den USA haben sich vertieft, aber es kamen auch neue dazu. Ich denke, dass sich demnächst da was tun wird – einfach, weil sich etwas tun muss. Ob sich die Dinge dann zum Besseren oder Schlechteren wenden, bleibt abzuwarten. Die Amerikaner waren mir gegenüber oft sehr hilfsbereit und auch hilfreich und sehr kommunikativ. Das macht schon Spaß, wenn man leidlich Englisch spricht.

Vielen Dank allen, die meine Berichte verfolgt haben, und insbesondere vielen Dank für all die lieben und motivierenden Kommentare hier im Blog oder per E-Mail.

Ich denke, das war es ersteinmal mit der Bloggerei – vielleicht bis zum nächsten Urlaub.

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CDG, Paris

So, viel Zeit habe ich nicht. Genauer gesagt, noch 12 Minuten. Denn Charles de Gaulle bietet kostenloses Wifi nur für 15 Minuten an.

Morgenrot vom Flugzeug aus

Morgenrot nach der Atlantiküberquerung

Der Flug war ruhig, aber dennoch nicht so angenehm. Ziemlich wenig Abstand zum Vordersitz. Hab ein paar Filme geschaut, die ich schon kannte, damit ich mich nicht so konzentrieren musste. Habe nicht geschlafen.

Ankunft hier war dann unangenehm an der Sicherheitskontrolle. Schon im Vorfelde wurde ich angesprochen, ob ich medizinische Hilfe oder ein Medikament benötigen würde, weil ich wohl so blass aussah. Oder ob mir eine Panikattacke drohe. Nachdem ich dann meinen Kram durch den Röntenapperat habe fahren lassen und durch den Metalldetektor gegangen war, wurde ich erstmal noch zusätzlich abgetastet. Anschließend haben die mein Handgepäck nochmal gründlich von Hand auseinandergenommen (die wollten sogar die Bilder auf meiner Digitalkamera sehen) und mir gefühlte hundert Fragen gestellt. Aber immerhin bekam ich ein Glas Wasser, ich hab im Flugzeug einfach nicht genug zu trinken bekommen. Und mir fehlte Schlaf. Aber auch das habe ich überstanden.

A320 für den Flug nach Frankfurt

Der A320 für den Flug nach Frankfurt wird angedockt

Nun, jetzt bin ich da durch und warte aufs Boarding nach Frankfurt. Puh. Dann noch vier, fünf Stunden Zugfahrt…

Bis bald.

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CU DC!

So, heute wird die Reise nachhause angetreten. Ich schlief nur bis etwa a 8.00 AM aber blieb bis 9.00 AM im Bett und versuchte, noch ein wenig zu schlafen. Frühstück bei Phillips fiel auch wieder aus, die hatten immer noch zu. Eigentlich hätte ich lieber die kostengünstigere Variante gewählt, aber ich frühstückte dann halt im „Dubliner“. Hier gab es das „Irish Country Breakfast“. Dieses bestand aus Kartoffeln, Rührei, Speck, einer Wurst und zwei Scheiben getoasteten Roggenbrots, Butter und Zugang zu zwei verschiedenen Marmeladen. Und Kaffee, natürlich. Also, diese Wurst war zwar essbar, aber… naja. Am Nebentisch saßen Andreea mit denselben Leuten, die ihr schon gestern beim Frühstück Gesellschaft geleistet haben, freundliche Amerikaner, die sie schon halb adoptiert hatten. Wir sagten nur nochmal Hallo und Tschüss und sie bedankte sich für die Fotos, die ich ihr gemailt habe.

Frühstück im Dubliner

Frühstück im Dubliner - ich glaub, die Wurst hätte mancher ekelig gefunden, aber ich konnte sie essen. Ansonsten ist der "Dubliner" aber ziemlich cool, was Essen und Ambiente angeht.

Danach ging ich zurück auf mein Zimmer, Postkarten schreiben. Als ich fertig war, fuhr ich mit dem Lift ein Stockwerk höher, hier standen zwei PCs und ein Drucker zur Verfügung, mit dem ich meinen Boarding Pass ausdruckte. Ich weiß nicht, warum das neunte Stockwerk im Lift nicht mit „9“, sondern mit „P“ gekennzeichnet war. Achso, doch: Steht bestimmt für „PCs“. Achja, beim Online-Einchecken leitete mir Delta zu Air France um, die meine zwei Flüge übernehmen. Äh… mit einem Air France A330 nach Europa, so einer ist doch vergangenes Jahr in den Teich gefallen? Urgh. Na, wird schon klappen. Immerhin ist der Vogel komfortabler als ’ne 767, größerer Rumpfdurchmesser.

Brother-Drucker

How, mein schwarz-weißer Bruder! Drucke er mir einen Boarding-Pass!

Ich wollte so lange wie möglich in meinem Zimmer beiben, um die Wartezeit auf dem Flughafen zu minimieren. Also packte ich meine Sachen zusammen, rasierte mir meine Stoppeln aus dem Gesicht um bei der Security nicht auszusehen wie der letzte Schrat (also so wie sonst), und legte mich noch ein paar Minuten hin und guckte CNN. Dann wurde es Zeit zum Auschecken.

Ich hatte ja noch reichlich Zeit, und ich realisierte, dass ich beim Kartenschreiben einen guten Freund ausgelassen hatte. Daher ging ich nicht direkt zu Union Station, sondern erst noch zur Post und kaufte 1 (in Worten: eine) Briefmarke. Eine Karte bekam ich am Bahnhof. Fehlte mir nur noch die Postleitzahl… Aber erstmal ging es mit der Metro nach Roslynn. Hier stellte ich fest, dass der nächste 5A zum Dulles International in etwa einer Stunde fuhr. Also erstmal zurück ins Metro-Gebäude, welches gleichzeitig so eine Art kleines Einkaufszentrum ist. Kaffee und ein Skone mit Cranberries gekauft, an einen Tisch gesetzt, eeePC angeschmissen, Handy angeklemmt, und die fehlende Postleitzahl recherchiert. Mit dem Handy alleine klappte es irgendwie nicht, ist halt kein richtiges Smartphone. Postkarte geschrieben und in den Kasten geschmissen –  das wäre erledigt! Den Rest des Kaffees ausgesüffelt und… apropos Rest… naja, Ihr wisst schon. Danach war es auch schon Zeit, zügig, aber nicht hektisch zur Bushalte zu gehen. Rein in den 5A und ab zum Dulles. Sorry übrigens, dass es alles so langweilig ist, aber heute ist halt bisher nix Spannendes passiert. Ich bin aber auch nicht böse drum.

Warten in Roslynn

Warten auf den 5A, Kaffee, letzte Karte, Mau-Mau.

In Dulles wollte ich eigentlich sofort zur Information, aber ich entschied mich dann, den Pfeilen „All Gates“ zu folgen. Ich folgte dann einem Pfeil „Ticketed Passengers only“, weil ich ja online schon eingecheckt hatte. War aber falsch, das galt nur für solche, die ihr Gepäck schon abgegeben hatten, und ich wurde sofort wieder höflich weggeschickt. Nun, ich fand auch den Air France Schalter, aber ich kann erst ab 5 PM mein Gepäck abgeben. Aber durch die Security will ich möglichst spät, weil ich noch diverse Getränkeflaschen habe, die ich vorher noch konzumieren möchte, schließlich kostet es nach der Security alles teuer Geld, und ich darf ja größere Mengen an Flüssigkeit nicht mitnehmen.

Soweit erstmal. Bis bald.

Update: Definitiv meine letzte Meldung aus den USA. Hab meine Zeit mit Lesen totgeschlagen und meine restlichen Getränkevorräte unter häufiger Benutzung des Restrooms verbraucht. Dann hab ich gegen 7 PM meinen Koffer abgegeben, bin unschuldig lächelnd durch die Security getapert und mit dem Airtrain zum Gate gefahren. Dort angekommen habe ich erstmal ein sehr teures Bier getrunken, aber das war mir egal, was soll man auch schon machen mit seinen restlichen Dollars. Der Bartender fragte, ob ich noch eins wolle, aber das erste hat mich schon ziemlich dröselig gemacht. Wahrscheinlich, weil ich heute nicht allzu viel gegessen habe. Irgendwie habe ich nicht so wirklich Hunger.

Teures Bier am Gate

Ein 10-Dollar-Bier am Gate, Budweiser vom Fass. Schluss mit dem amerikanischen Gesöff! Obwohl... kommt das nicht ursprünglich aus der Tschecheslovakei?

Naja, das Boarding startet in einer halben Stunde. Ich meld mich hiermit aus den USA ab.

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Black Friday

Black Friday wird hier in den USA der Freitag nach Thanksgiving genannt (der immer ein Donnerstag ist). Es ist der Beginn der Holiday-Season, der Weihnachtszeit. Die Geschäft locken an diesem Tag mit besonderen Angeboten („Doorbuster“) und öffnen zum Teil in den frühen Morgenstunden, um die Schnäppchenjäger einzulassen. Macy’s in New York öffnete CNN nach bereits um Mitternacht. Um der Wahrheit die Ehre zu geben – das weiß ich auch erst alles seit heute.

Für mich war der Black Friday ein Tag mit Pleiten, Pech und Pannen, eher gesagt, voller organisatorischer Fehler und mieser Planung. Aber mit einem versöhnlichen Ende nach einer Beinahe-Katastrophe.

Nun, nach dem Aufstehen gegen neun ging ich erstmal zu Philipps. Hatte zu. Hätte ich wissen können, weil ich das eigentlich schon bei einem Dialog zwischen Kunde und Personal vorgestern mitbekommen hatte. Aber vergessen. „Au bon Pain“ war auch nix. Ich bin dann wieder Richtung Hotel gegangen und hab mir beim Postamt auf der anderen Straßenseite, welches geöffnet hatte, paar Briefmarken für Postkarten gekauft – ich brauchte kleineres Geld für Tipps. Und Briefmarken auch.

Habe dann im Hotelzimmer meine Alibi-Orange und zwei Muffins aus dem Supermarkt, die ich noch hatte, gefrühstückt. Aber kein Kaffee dabei, Manno!

Eigentlich fing die ganze Verplanerei schon zuhause beim Buchen der Reise an. Mein Flieger geht morgen um 09.45 PM, auschecken muss ich aber schon um 01.00 PM. Mein Gepäck kann ich aber erst ab sechs Stunden vorher, also 3.45 PM abgeben. Die Zweigstelle des Smithsonian Air- and Spacemuseum in der Nähe des Flughafens Dulles International schließt um 5.30 PM. Also habe ich gedacht, Mist, zu wenig Zeit, da noch hinzufahren (vor allem, weil ich irgendwie auf der Website 4.30 PM gelesen habe…).

Alles blöd. Die Warterei auf dem Flughafen werde ich mir kaum ersparen können, weil ich meinen Koffer halt vorher nicht groß loswerde. Und zwischendurch nochmal ohne Koffer zurück nach DC zu fahren um zwei Stunden später wieder hinzufahren… eigentlich keine Lust.

So, eigentlich wollte ich ja noch ins Capitol. Aber das muss man wie beim 9/11-Memorial vorher anmelden und sich einen Reservation-Pass ausdrucken, und das ging für heute nicht mehr. Optimalerweise wollte ich heute ins Capitol und morgen zum Steven F. Udvar-Hazy Center fahren, aber das ging ja nun beides irgendwie nicht. So eine Grütze. Wenn ich das gestern abend schon gecheckt hätte, dann hätte ich für heute von vorneherein den Trip nach Dulles geplant und das Capitol von innen gestrichen (also, nicht mit Farbe, sondern von der Liste).

Was also mit dem erneut sonnigen Tag anfangen? Ich war drauf und dran, nach Arlington zum berühmten Heldenfriedhof zu fahren, überlegte es mir aber spontan anders. Es war ungefähr 2.00 PM, und wenn ich mich beeilte, könnte ich vielleicht doch zumindest noch für zwei Stunden zum Steven F. Udvar-Hazy Center fahren.

Also fuhr ich via Metro Center nach Roslynn, um da den Bus zum Dulles International zu nehmen. Ich wusste ja nun, dass eine SmarTrip-Karte bei der Benutzung dieser Busse von Vorteil ist, und da ich wusste, dass ich noch dreimal Busfahren würde, wollte ich eine haben. Ich dachte, ich könnte die an der Metro Station kaufen. Pustekuchen. Ich fragte den Station Agent, und der sagte was von bei CVS und gab mir eine Wegbeschreibung, die ich nicht wirklich verstand. Also ging ich – natürlich – in die falsche Richtung, wenn auch nur kurz. Ich fragte einen Passanten, wo ich ein SmarTrip-Ding herbekomme und was denn CVS eigentlich überhaupt sei. Er konnte mir die ungefähre Richtung sagen, und CVS sei ein Drugstore. Ich ging in besagte Richtung, fragte unterwegs noch ein junges Pärchen, die bestätigten, dass ich richtig sei und fand den Laden. Dort bekam ich eine SmarTrip-Karte für 10 Dollar mit 5 Dollar Guthaben. Ich ging zurück zu Metro Station und pumpte die Karte auf 18 Dollar auf, also drei Fahrten für je 6 Dollar.

Mc Donalds

Hm... 40 Minuten warten. Erstmal Lunch einwerfen.

Ich fand die Bushaltestelle für die 5A und stellte fest, dass der nächste Bus erst in 40 Minuten führe. Immerhin war ein Mc’D auf der anderen Straßenseite und besorgte mir da ein Quarter-Pounder Menü, welches ich an der Bushaltestelle verzehrte. Außerdem lag eine Zeitung herum, in der ich lesen konnte. Der Bus kam, und los ging es auf den etwa einstündigen Trip zum Dulles. Dort angekommen fragte ich die Busfahrerin, wo denn wohl der Shuttle zum Steven F. Udvar-Hazy Center führe. Sie meinte, sie glaube, exakt hier. Hm. Ich ging doch zur Information im Flughafen und fragte nach, bekam dann auch einen Zettel mit Abfahrtszeiten in beide Richtungen und die zutreffende Angabe, dass nicht bin 04.30 PM, sondern angenehmerweise bis 05.30 PM geöffnet sei.

Bank am Dulles International

Wieder warten auf dem Dulles International auf den Bus zum Steven F. Udvar-Hazy Center

Der nächste Bus fuhr in 45 Minten (dachte ich), also besorgte ich mir einen Kaffee und ging zurück zum Bussteig 2E. Und wartete und las ein wenig in der Zeitung. Und stellte fest, dass um 02.15 PM kein Bus kam. Weil es nämlich nicht 02.15 PM, sondern schon 03.15 PM war. Entweder ich hatte die Uhr auf dem Handy nicht richtig wahrgenommen, oder ich war in der Spalte auf dem Zettel verrutscht. Mann! Irgendwie hab ich es heute mit den Uhrzeiten! Wieder Zeit verschwendet, noch mehr Warten. Der nächste Bus kam dann um 04.00 PM. Wegen der ganzen Parkplatz-Shuttle, Hotel-Shuttle und sonstiger Busse musste man auch hingucken wie ein Schießhund, um den richtigen Bus zu erspähen. Nun, ich hab dann den 04.00 PM Bus bekommen. Um 04.15 PM war ich dann am Steven F. Udvar… und so weiter.

Gut, anderthalb Stunden Zeit. Die Prioritäten waren klar: Die drei Exponate, die ich am wichtigsten fand, fotografieren, wenn möglich von vorne, hinten, links, recht, oben und unten. Diese drei waren: Die SR-71 Blackbird, der Nachfolger der A12-Oxcart, die ich schon in „Intrepid Empire“ beschrieben habe. Der Space Shuttle Prototyp „Enterprise“. Und der Bomber B-29 „Enola Gay“.

Loon Missile

Loon Missile - amerikanischer Nachbau der deutschen V1

Nach der Sicherheitskontrolle, die ich ungewöhnlich fand (kein Metalldetektor, keine Röntgenbilder vom Rucksack, nur Tasche auf, und ein Sicherheitsmann schaute rein) fand ich mich im Hangar wieder, und drei Flugzeuge schauten mir drohend entgegen. Links eine Curtiss P-40E „Kittyhawk“, rechts eine Voght F4U-1D Corsair (beides amerikanische Kampfflugzeuge aus dem zweiten Weltkrieg) und in der Mitte ein Deck tiefer die SR-71.

Curtiss P-40E Kittyhawk

Curtiss P-40E Kittyhawk

Das ganze Museum ist vollgestopft mit endlos vielen Flugzeugen, von winzigen Racing-Fliegern und Ultraleicht-Flugzeugen bis hin zu großen Maschinen wie der Boeing 707, der Concorde und eben der B-29, von den Anfängen der Fliegerei bis hin zur hochmodernen X-35 (ein Prototyp des F-35 Joint Strike Fighters, eines Kampfflugzeugs der neusten Generation).

Junkers Ju-52

Junkers Ju-52 - die berühmte "Tante Ju"

Viele kleinere Maschinen hingen in verschiedenen Höhen von der Decke, andere standen auf dem Hangar-Boden. Man konnte natürlich unten zwischen den Flugzeugen laufen, oder auf drei weiteren Ebenen, um auf Augenhöhe mit den hängenden Vögeln zu sein bzw. einen Überblick über die auf dem Boden stehenden Flieger zu haben.

SR-71

SR-71 Blackbird, ein extrem beeindruckendes Flugzeug.

Nun, aufgrund der mangelnden Zeit war halt Extreme Power-Fotografiering angesagt. Und ich hatte meine Prioritäten. Zuerst ging ich auf den Boden runter und knipste die vom Design und Leistungsfähigkeit her unglaublich beeindruckende SR-71A. Exakt dieses Flugzeug war auf seinem letzten Flug von zwei Piloten von Los Angeles nach Dulles mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 3.400 km/h überführt worden, natürlich ein Rekord auf dieser Strecke. Kein anderes, sich offiziell noch irgendwo auf der Welt  im Dienst befindliches Flugzeug ist so schnell. Die Yanks halten, glaube ich, noch zwei SR-71 für den Fall der Fälle in Reserve, was soviel bedeutet wie eingelagert, aber schnell wieder flugbereit zu machen.

Me-163

Me-163 "Komet", ein raketengetriebenes Flugzeug

Dann ging ich weiter, an einer Messerschmitt Me 163 B-1a „Komet“ (ein deutscher Düsenjäger mit Raketenantrieb aus dem zweiten Weltkrieg) und einer Loon-Missile (einem amerikanischen Nachbau des deutschen V1-Marschflugkörpers) vorbei in den Space Hangar, wo mir die „Enterprise“ schon entgegenschaute. Okay, angesichts der Größe der Objekte, die ein Shuttle ins Weltall bringen konnte wie z.B. das Hubble-Teleskop, sollte mir schon klar sein, dass so ein Shuttle nicht gerade klein ist. Auch im Größenvergleich mit einer Boeing 747, auf deren Rücken es ja transportiert werden kann. Aber dennoch war das Ding irgendwie größer, als ich es mir vorgestellt habe. Die „Enterprise“ war ein Shuttle-Prototyp, welcher nie ins Weltall geflogen ist. Er wurde übrigens nach dem Raumschiff Enterprise aus der Fernsehserie benannt, dafür hatten sich Fans der Serie eingesetzt. In den späteren Spielfilmen sind im Quartier von Captain Picard zum Teil Bilder oder sogar Modelle eines Segelschiffs, von den Flugzeugträgern dieses Namens und auch des Space Shuttle Prototyps zu sehen, die in der Fiktion eben berühmte Vorlaufer des Raumschiffs Enterprise waren.

Enterprise von vorne

Die Enterprise von vorne

Die „Enterprise“ wurde vor allen dazu verwendet, das Flugverhalten des Shuttles auf dem Rücken einer modififizierten Boeing 747 zu testen, außerdem den Gleitflug nach dem Abkoppeln vom Trägerflugzeug. Ferner wurden Vibrationstests unternommen. Danch diente der Prototyp als „Dummy“ und wurde auf das Treibstofftank-Booster-Gespann montiert um die Abmessungen der künftigen Startrampe (insbesondere für die Versorgungsleitungen und Wartungsgänge) anzupassen. Übrigens bekommt das Steven F. Udvar-Hazy Center die am häufigsten überhaupt ins All geflogene Raumfähre „Discovery“. Dafür gibt sie die „Enterprise“ dann ab an ein anderes Museum – und zwar an das „Intrepid Sea-, Air and Space Museum“. Ob die das Teil dann auf das Flugdeck stellen? Das würde mich ja schon interessieren, wo das Ding da vor Ort verbleibt, ich weiß ja, wie es da am Pier aussieht.

Enterprise-Nase

Enterprise-Nase

Im Space Hangar stehen noch diverse Raketen, Satelliten, Marschflugkörper und so weiter, aber die ließ ich erstmal links liegen, nachdem ich die „Enterprise“ fotografiert hatte. Ich wollte weiter zur „Enola Gay“. Und ich fand sie natürlich auch schnell, als eins der größten Flugzeuge der Ausstellung war sie auch kaum zu übersehen. Tja. Für sich genommen ein Bomber aus dem zweiten Weltkrieg, viermotoriges Propellerflugzeug, so ziemlich das technisch fortgeschrittenste Exemplar seiner Gattung und Zeit. Die B-29 Superfortress. Man nannte diese Flugzeuge seinerzeit „fliegende Festungen“, weil sie über eine große Anzahl an Maschinengewehren und eine Maschinenkanone in Geschütztürmen zur Selbstverteidigung gegen Jagdflugzeuge verfügte. Höchstgeschwindigkeit 576 km/h, Reichweite 5.200 km, Spannweite 43,05 m, Länge 30,18 m. Motorleistung insgesamt 8.800 PS. Sticht!, hätte man beim Flugzeug-Quartettspiel als Kind gesagt.

Enola Gay

Enola Gay - ein Kapitel der Luftfahrtgeschichte, das besser niemals geschrieben worden wäre

Aber dieses Flugzeug ist kein Bild auf einem Kartenspiel, es ist ein reales Fluggerät, welches neben den nüchternen technischen Details die Aufgabe hatte, zu zerstören und zu töten. Wie viele andere Flugzeuge seiner Zeit, vorher und nachher. Doch dieses hier warf die Atombombe mit dem sarkastischen Namen „Little Boy“ auf Hiroshima. Die Schätzungen der Opfer inklusive aufgrund von Folgeschäden reichen von 90.000 bis 166.000 Menschen (lt. Wikipedia). Ungeachtet jeder Wertung von richtig oder falsch im Kontext der Situation im Krieg – es wäre eindeutig besser, dieses Kapitel der Geschichte wäre niemals geschrieben worden.

Grumman F-14 Tomcat

Grumman F-14 Tomcat, schwer bewaffnet mit Phoenix-, Sparrow- und Sidewinderraketen für lange, mittlere und große Abfangreichweiten.

Viele mögen sich fragen, wieso ich mich dann eigentlich für diese todbrinden Kriegsmaschinen als Pazifist und Kriegsdienstverweigerer eigentlich so begeistern kann. Zum einen, weil Kampfflugzeuge immer Hightech und große Ingenieurleistungen ihrer Zeit darstellen. Dass es besser wäre, diese Errungenschaften in etwas anderes zu pumpen als Kriegsmaschinen – keine Frage. Aber die Welt ist leider anders. Und deswegen sind diese Flugzeuge leider, aber dennoch unbestreitbar, auch immer Teil der Geschichte – der Luftfahrt- und Technikgeschichte zum einen, der Geschichte von Kriegen zum anderen. Und das interessiert mich eben.

Concorde-Nase

Concorde-Nase und Flugzeug-Salat

Nun, nachdem ich meine drei Hauptpunkte abgearbeitet hatte, konnte ich mir einen Überblick über den Rest verschaffen. Auch unter den Passagierflugzeugen waren neben der Concorde (ich hatte ja bereits eine im Intrepid Sea-, Air- and Spacemuseum gesehen, die hier war von Air France) und einer Boeing 707 noch alte Propellermaschinen zu sehen. Darunter eine „Tante Ju“ Junkers 52 der Lufthansa, ein fortschrittliches Flugzeug seiner Zeit, aber für meinen Geschmack nicht unbedingt schön. Mein Favorit unter den Passagiermaschinen war die Lockheed 1049F „Super Constillation“ – hier zwar ein Exemplar der US Air Force, aber eigentlich ist es eine Passiermaschine gewesen. Das ist nach meinem Geschmack eine gutaussehende Maschine. Auch die viermotorige Being 307 Stratoliner „Clipper Flying Cloud“ gefiel mir gut.

Lockheed 1049F Super Constellation

Lockheed 1049F Super Constellation. Ein Arbeitspferd der interkontinentalen Luftfahrt seiner Zeit.

Ich ging vorbei an veralteten Hubschraubermodellen und -prototypen (u.a. dem Schwenkrotor-Prototyp Bell XV-15, der Vorläufer des größeren Serienmodells V-22 „Ospray“), machte einen Abstecher zu den allerersten Flugzeugen überhaupt und Modellen aus dem ersten Weltkrieg, und landete dann in der Abteilung Kampfjets aus der Zeit des Koreakrieges bis heute. Da waren unter anderem eine Mig-15, eine Mig-21, eine Republic F105 „Thunderchief“, eine F4 „Phantom“, eine A6 „Intruder“ und eine F14 „Tomcat“ zu sehen. Einige dieser Modelle hatte ich bereits auf der „Intrepid“ gesehen und fotografiert. Außerdem gab es eine X-35 B zu sehen. Das war ist ein Prototyp des aktuellen, sogenannten „Joint Strike Fighters“. Dieser wird wohl in viele Nationen (z.B. Niederlande, Norwegen, Dänemark, Kanada, Israel) exportiert werden und hier die F-16 ablösen. Außerdem gibt es eine spezielle Variante für den Einsatz auf Flugzeugträgern. Dieser Prototyp allerdings stellt die teuerste und aufwändigste Variante da. Dies ist ein STOVL (short takeoff, vertical landing) Flugzeug, welches auf sehr kurzen Startbahnen (etwa ein kleiner Flugzeugträger ohne Katapulte) starten und senkrecht landen kann. Dieser Typ ist übrigens in dem Spielfilm „Stirb langsam 4.0“ zu sehen, wenn auch vielleicht die Fähigkeiten des Flugzeugs zum Schwebeflug darin vielleicht übertrieben dargestellt werden. Das technisch sehr anspruchsvolle Lift-Fan-Triebwerk mit Thrust-Vectoring (verstellbarer Schubrichtung) konnte vor dem Flugzeug noch gesondert bestaunt werden.

X-35 Joint Strike Fighter Prototyp

X-35 Joint Strike Fighter Prototyp

Nunja, ich knipste ausführlich noch die verschiedenen Jets und ging dann nochmal in den Space Hangar, um mir die Raketen und Marschflugkörper nochmal gesondert zu betrachten. Ein für mich besonders interessantes Stück stellte hier die „Pegasus XL“-Trägerrakete da. Das war „Billiglösung“, um kleinere Nutzlasten in einen niedigen Orbit zu schießen. Die Rakete wurde dabei von einem Trägerflugzeug (früher B-52, später ein modifiziertes Passagierflugzeug vom Typ Lockheed TriStar) in über 10.000 Meter Höhe fallen gelassen, zündete fünf Sekunden später ihren eigenen Antrieb und stieg dann aus eigener Kraft weiter. Mit so einer Rakete wurde übrigens die Asche des „Star Trek“-Erfinders  Gene Roddenberry ins Weltall geschossen (in einen niedrigen Orbit, wie gesagt).

Pegasus XL

Pegasus XL - eine Trägerrakete, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke eingesetzt wurde.

Ungefähr da kam dann die erste Durchsage, das Museum schlösse in 15 Minuten. Ich war so erpicht, die Zeit zu nutzen, dass ich noch bei den Kampfjets herumlungerte und Fotos aus bisher noch nicht gewählten Perspektiven schoss. Bis zur „noch fünf Minuten“-Durchsage. Ich hatte nicht so wirklich auf dem Schirm, dass der letzte Bus zurück zum Dulles Airport genau bei Toresschluss fahren würde. Nun, nach der 5-Minuten-Durchsage ging ich zum Ausgang und dann – wieder einmal – in die falsche Richtung. Ich ahnte das recht schnell, kehrte um, sah den Bus abfahrbereit stehen und legte einen Sprint ein. Ich kam an, als die Türen sich gerade schlossen, aber die Busfahrerin (eine rüstige und irgendwie coole ältere Dame, die sich mit der Fahrerei wohl ihr „Ruhestandseinkommen“ aufbessert, jedenfalls eindeutig Rentenalter bei uns) hatte Erbarmen und nahm mich noch mit. Gott (und der Busfahrerin) sei dank, weil ich sonst keinen Plan gehabt hätte, wie ich denn nun überhaupt zurück zum Airport gekommen wäre.

F-4 Phantom II

F-4 Phantom II - ein Jagdflugzeug der Vietnam-Ära, welches die Bundesluftwaffe bis heute fliegt.

Die Fahrt zurück ging – verglichen mit der Hinfahrt – wahnsinnig schnell. Denn am Flughafen erwischte ich wiederum gerade noch die 5A zurück nach Roslynn. Und der Bus hielt nur auf Request, vor Roslynn kam keins, deswegen gab es vorher keine Stopps (sonst immer noch zwei Haltestellen zwischen Airport und Roslynn). In Roslynn (ich erkannte das nur, weil ich den Mc’D auf der anderen Straßenseite sah, die Stopps wurden weder angezeigt noch angekündigt) stieg ich aus und nahm die Metro. Wiederum erwischte ich knapp einen Zug, und am Umsteigepunkt Metro Center nochmal. Zwischen Abfahrt am Steven F. Udvar-Hazy Center und Hotelzimmer waren gerade mal knapp eine und ne Viertelstunde vergangen. Neuer Rekord.

The Dubliner

The Dubliner - das irische Restaurant neben meinem Hotel

Ich hatte erst erwogen, mir von der Union Station was zu essen mitzubringen. Da ich aber andererseits noch recht viele Dollars hatte und ohnehin mal im „Dubliner“ essen wollte, habe ich mich dafür entschieden. Der „Dubliner“ ist ein irisches Lokal direkt angrenzend an mein Hotel. Ich weiss nicht, ob es zum Hotel gehört, aber die haben zumindest einen Kooperationsvertrag. Das Hotel hat kein eigenes Restaurant, aber eine Tür, die direkt in den „Dubliner“ führt, außerdem gibt es Werbetafeln in den Aufzügen hier. Und auf diesen steht unter anderem „…rub ellbows with senators, congressman and world leaders and enjoy a memorable evening at capitol hill“. Wörtlich übersetzt etwa „reiben Sie Ihre Ellbogen mit denen von Senatoren, Kongressabgeordneten und Weltlenkern und genießen Sie einen in Erinnerung bleibenden Abend auf dem Capitol-Hügel“. Ähm… Ellenbogenreiben mit Senatoren und Kongressabgeordneten? Wer will denn so was bei dem unfähigen Gesindel? Da muss man sich ja anschließend erstmal duschen! Nun, ich hätte eh keinen erkannt, und Obama hatte offenbar am heutigen Abend schon was anderes vor.

Vielmehr saß am Tisch neben mir offenbar eine Familie aus Vater, Mutter und einer Tochter, die ich etwa Anfang 20 schätzte. Damit lag ich offenbar richtig, denn als sie ein Bier bestellte, verlangte die Bedienung den Ausweis (sehr konsequent, und das obwohl Vater und Mutter offenbar dabei waren), und nachdem die junge Dame den vorgzeigt hatte, bekam sie ihr Bier, also war sie mindestens 21. Ich orderte ebenfalls ein Bier, und zwar ein Kilkenny. Das ist ein irisches Bier, welches nicht ganz so dunkel und kräftig ist wie ein Guiness, etwas leichter insgesamt. Dazu gab es „Fish and Chips“, Pollack und Pommes. Ich wusste ehrlich gesagt nix über diesen Typ Fisch, weder Höchstgeschwindigkeit, Flossenlänge, Bewaffnung,  noch maximaler Tauschtiefe, aber es war ja Freitag, und es schien mir in dem irischen Laden angemessen, das zu ordern. Es war dann auch ganz lecker.

Nach dem Essen verzog ich mich auf mein Zimmer, holte den eeePC aus dem Safe, und das wars dann soweit. Das dürfte der letzte Eintrag sein, den ich aus DC abschicke. Ich werde danach noch einen Eintrag über den Tag morgen und die Heimreise schreiben. Und vielleicht mache ich noch paar Bildergalerien, etwa zu den beiden Hotels, oder zu den Flugzeugen, die ich geknipst habe (die Mädchen haben schließlich auch ihre Handtaschen bekommen). Aber im Wesentlichen war’s das dann.

Zum letzten Mal: Bis morgen.

Obwohl… ich muss wohl bis übermorgen schreiben, weil ich morgen abend losfliege, aber erst Sonntag via Paris und Frankfurt (hoffentlich) irgendwann in Osnabrück lande.

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Thanksgiving Day

Gestern dachte ich, ich würde Thanksgiving möglicherweise bei strömendem Regen chipsfutternd und biertrinkend vor der Glotze verbringen. Aber es kam ganz anders. Statt strömendem Regen war hier auf einmal strahlender Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Statt Chips und Bier gab es Truthahn und Bier. Und anstatt den Feiertag alleine zu verbringen, verbrachte ich ihn in der Gesellschaft einer ziemlich hübschen jungen Dame.

Complimentary Breakfast

Complimentary Breakfast - mit echtem Porzellan!

Ich stand irgendwann gegen neun auf. Gestern habe ich einen Zettel vom Hotel unter meiner Tür durchgeschoben bekommen, dass das „The Dubliner“-Restaurant heute nicht offen hätte und das man den Gästen ein compementary continental breakfast zwischen 7.00 und 10.00 AM anbiete. Nachdem ich im Netz nachgeguckt habe, dass „complementary“ in dem Kontext wohl „gratis“ bedeutet, ging ich halt im Hotel frühstücken. Es gab lediglich Muffins, eine Art Pralinen (die ich aber gemieden habe), Kaffee, Tee und Orangensaft. Aber immerhin, und besonders beeindruckend: Es gab kein Plastikgeschirr und Besteck, richtiges Porzellan und Edelstahl!

Washington Memorial Andreea und ich

Von links nach rechts: ich, Washington Monument, Andreea

Ich saß alleine an einem Tisch. An einem anderen Tisch unterhielt sich eine hübsche Blondine angeregt mit deutlich älteren Personen, und ich hatte meine Lauscher weit offen. Ich hörte halt, dass sie aus Rumänien käme und zu Forschungszwecken täglich die Kongressbibliothek aufsuche. Am Thanksgiving sei natürlich alles zu, also würde sie im Wesentlichen den Sonnenschein ausnutzen und Sightseeing machen, sie wollte vor allem zum Weißen Haus. Hm. Da wollte ich ja auch hin.

Weisses Haus

Hier nun wirklich das Weiße Haus, auch sehr repräsentativ. Auch wenn Andreea meinte, es sei ne nette Sommerresidenz. Die ist öfter in Südfrankreich, wo die Reichen Sommerhäuser in diesem Format hätten. Man beachte den Secret Service man auf dem Dach rechts neben dem Fahnenmast und die Dreibein-Stative.

Nunja, ich dachte mir halt, was solls, ich eier hier nun schon anderthalb Wochen in den USA herum, wenn ich den Tag in Gesellschaft einer offenbar netten und hübschen jungen Dame verbringen kann, die vielleicht auch selbst Lust auf Gesellschaft hat, ist es doch einen Versuch wert, einfach zu fragen. Als sich die Tischgesellschaft dann auflöste, spach ich sie dann halt an, ob sie Lust hätte, ihr heutiges Sightseeing mit mir zusammen zu machen. Und sie sagte ja.

Also trafen wir uns eine Viertelstunde später in der Lobby und zogen los. Sie erzählte, dass sie mit ihrem Mann in der Schweiz lebt und in der Tourismusbranche arbeitet. Ihr Arbeitgeber hat ihr einen Forschungsauftrag gegeben, bei dem es darum geht, die verschiedensten Reiseführer, morderne ebenso wie historische, zu sichten und auszuwerten. Und die größte Sammlung von Reiseführern gibt es offenbar in der größten Bibliothek der Welt, und das ist eben die Library of Congress. Sie würde viel arbeiten und käme heute am Thanksgiving zum ersten Mal dazu, sich hier etwas angucken.

Lincoln Andreea und ich

Abe, Andreea und ich

Nun, ich kannte mich auf der Mall ja schon ein wenig aus. Und ich hatte nichts dagegen, bei dem tollen Wetter die Sites nochmal zu besuchen und unter anderen Bedingungen zu fotografieren. Also starteten wir am Capitol, gingen weiter zum Washington Monument, dann zum Word War II Memorial, weiter zum Lincoln Memorial, und von da in Richtung Weißes Haus. Hier machten wir natürlich tonnenweise Fotos.

First Squirrel

Suchbild: Findet das "First Squirrel"

Da Andreea, das ist ihr Name, noch eine Weile hier bleiben wird und echt Interesse hat, das Weiße Haus zu besuchen, machten wir uns auf die Suche nach dem Visitor’s Center, welches an Thanksgiving natürlich zu hatte. Aber nun wissen wir, wo es ist..Wir kamen auch an einem interessanten, modernen Gebäude vorbei, welches Andreea erst für eine Bibliothek hielt, bis ich sie auf ein Schild hinwies… es war das FBI-Hauptquartier.

Edgar J Hoover Building

Edgar J. Hoover Building - Das FBI-Hauptquartier. Andreea dachte erst, es sei bestimmt eine Bibliothek...

Außerdem guckten wir mal zum „Old Post Office“, denn dessen Turm lohnt vielleicht einen Ausflug, um mal einen Blick aus einer höheren Perspektive auf die Mall zu bekommen. Denn das Washington Monument ist ja zur Zeit leider geschlossen. Das Post Office war heute natürlich ebenfalls zu.

Andreea und das Killer-Squirrel

Das Squirrel war ziemlich zahm, aber Andreea hatte kein Glück und wurde fiese gekratzt. Wahrscheinlich hat das Vieh gerochen, dass sie auch Nüsse mag.

Es war mittlerweile schon früher Nachmittag, und wir beschlossen, das Sightseeing einzustellen und was essen zu gehen. Andreea wollte auch den Rest des Tages noch in ihrem Hotelzimmer arbeiten. Da wir nicht so genau wussten, was offen hat und was nicht, Andreea aber wusste, dass zwei Restaurants in der Union Station offen hatten, gingen wir zurück zum Capitol und von da zur Union Station. Dort waren wir erst bei dem einen offenen Laden, dann bei dem anderen, entschieden uns aber doch für den ersten, den „Thunder Grill“. Dieser offerierte nämlich ein „Thanksgiving Menu“. Nachdem wir uns gegenseitig gestanden hatten, nicht so sicher zu sein, ob wir das wohl mögen würden und ob das für uns zu schaffen wäre, entschieden wir uns dann doch mutig für die Variante mit gefülltem Truthahn mit Sauce. Sie war nicht ganz so mutig und nahm Pommes statt Kartoffel-Püree (mashed potatoes), während ich die regular Variante mit Püree nahm.

Nun, ich ließ die Cranberry Sauce aus, aber das Gavy (die Bratensauce) war lecker und alles andere ebenfalls. Das Gemüse war noch knackig, der Truthahn auch top. Dazu nahm ich noch das Hausbier, ein recht dunkles Bier, das mir gut geschmeckt hat. Es hieß Amber und war genauer gesagt eigentlich ein Ale.

Andreea hat es auch geschmeckt (sie hatte übrigens die Fries geordert, für den Fall, dass alles andere nicht nach ihrem Geschmack wäre…), und wir wollten noch ein typisches Dessert haben. Wir entschieden uns beide für Pecan Pie. Und wir waren nicht so richtig auf das riesige Stück Kuchen vorbereitet, welches serviert wurde und zu mindestens 50 Prozent aus Nüssen bestand. Es war ziemlich süss, aber lecker. Andreea schaffte es natürlich nicht, und auch ich hatte zu kämpfen, aber ich hab es gepackt. Insgesamt war es die teuerste, aber auch beste Mahlzeit die ich hier hatte.

Nach dem Essen haben wir uns dann verabschiedet. Andreea wollte noch was arbeiten, und ich wollte nochmal zum Weißen Haus zurück, um Bilder bei Dunkelheit zu schießen, und zum Jefferson Memorial, wo ich noch nicht war.

Das weisse Haus bei Dunkelheit

Das weiße Haus bei Dunkelheit

Die Sache beim Weißen Haus hat sich nicht wirklich gelohnt. Nunja, ein ganz ordentliches Foto gelang mir wohl. Das Problem ist, dass das Haus durch den Zaun vor dem South Lawn einfach ziemlich weit weg ist. Man muss also zoomen, um was drauf zu bekommen, und damit verwackelt man es natürlich leicht. Hat sich also nicht so wirklich gelohnt.

Jefferson Memorial

Jefferson Memorial

Ich ging dann zurück zum Washington Monument, stoppte da an der „Washington Monument Lodge“ (was eine ziemlich euphemistische Umschreibung für Restrooms ist) und suchte mir dann meinen Weg zum Jefferson Memorial. Dieses liegt am sogenannten Tidal Basin, einer künstlichen Bucht am Potomac River. Thomas Jefferson war der dritte Präsident der Vereinigten Staaten und der hauptsächliche Verfassung der Unabhängigkeitserklärung. Und ich lag zuvor falsch, als ich schrieb, Jeffersons Hütte sei kleiner als die von Lincoln. Ich denke, ohne mit dem Massband die Quadratmeter abgecheckt zu haben, dass sich das nicht viel tut. Nur ist Lincolns Bude rechteckig, Jeffersons rund. Lincoln sitzt auf seinem Stuhl, Jefferson steht in der Mitte der Kuppel, die von Säulen gestützt wird. An den Wänden stehen einige seiner Weisheiten zum Thema Freiheit, Menschenrechte, die Pflicht der Regierung, für das Volk zu sorgen und auch die Rolle der Religion. Die Art von Innenraumgestaltung wurde ebenfalls für das Lincoln-Memorial gewählt. Nunja, tonnen Fotos, wie immer.

Statue von Thomas Jefferson

Statue von Thomas Jefferson - nicht Darth Vader

Anschließend ging ich zu Fuss zurück zur Metro Station Smithsonian und für via Metro Center zurück zur Union und von da zurück ins Hotel. Nach fast zehn Stunden unterwegs war es auch Zeit für den Feierabend.

Bis morgen.

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White what?

Heute habe ich mir erlaubt, ziemlich lange zu schlafen, bis nach 10.00 AM. Offenbar hatte ich es nötig. In New York war die Reihenfolge immer aufstehen, frühstücken, Tagesplan überlegen (mithilfe des Internet) und losziehen. Da hier Frühstück nicht inklusive ist, ist die Reihenfolge jetzt aufstehen, Tagesplan überlegen, losziehen und frühstücken. So auch heute. Ich stellte fest, dass man, wenn man das Weiße Haus besuchen will, als Auslänger eine Art Akkredition von seiner Botschaft benötigt. Das ist mir, glaube ich, zu anstrengend und zeitaufwändig. Trotzdem wollte ich mir heute wohl die Hütte mal von außen ansehen. Und dann noch zum Franklin Memorial und vielleicht zum Jefferson Memorial.

Aber erstmal frühstücken bei Phillips. Heute gab es ein Ham-Sandwich (Turkey war aus). Und Kaffee, natürlich – einen zum Sandwich und einen für aufm Weg. Was das Sandwich angeht, da war echt ein halbes Schwein in Scheiben drin. Hinterher hätte ich eigentlich einen Schnaps zur Verdauung gebrauchen können.

Modelleisenbahn-Ausstellung in der Union Station

Die Modelleisenbahn hier hat einen größeren Maßstab als HO und ist weniger detailiert als Merklin-Bahnen. Aber trotzdem nett anzusehen.

Danach wollte ich, neben den obengenannten Plänen erstmal Lebensmittel einkaufen gehen. Hatte mir per Google Maps ein paar Möglichkeiten dazu rausgesucht. Zuerst ging ich zur Union Station, wo es ja Geschäfte gibt. Ich hatte allerdings Zweifel, dass ein Supermarkt dabei wäre, denn ich habe die Geschäfte schon einmal abgeschritten. Eine Security-Dame vor Ort bestätigte auf Anfrage – kein Supermarkt. Dafür hatte ein Geschäft für Modelleisenbahnen da einige nette Modelle ausgestellt. Klar, wer mal im Miniatur-Wunderland in Hamburg gewesen ist, hat für die meisten anderen Modelleisenbahnen höchstens ein müdes Lächeln über. Aber es war doch ganz nett, und die Kinder der Passanten haben sich drüber gefreut.

Thanksgiving supplies

Jede Menge ungesunde Sachen für Thanksgiving. Wahrscheinlich viel zu viel.

Ich fuhr eine Station von der Union Station zur New York Ave. Hier fand ich dann tatsächlich nicht weit von der Metro Station einen Supermarkt, wo ich einen Lebensmittelvorrat für Thanksgiving (morgen) anlegte (allerdings ohne Truthahn). Bepackt mit Tüten erreichte ich wieder die Metro, fuhr die eine Station wieder zurück und lagerte meine Einkäufe in meinem Hotelzimmer ein. Ich hatte noch eine SMS von meinem Chef bekommen, für den ich dann noch ein paar Zahlen recherchierte und abschickte.

Woodrow Wilson Plaza

Woodrow Wilson Plaza

Dann zog ich wieder los und fuhr zum Federal Circle. Hier ausgestiegen landete ich an einem Ort namens Woodrow Plaza. Direkt davor: Das „Ronald Reagan Building and International Trade Center“. Ich war auf der Suche nach dem Weißen Haus und landete dann erstmal auf dem „Freedom Plaza“. Hier war eine Zeltstadt, „Occupiers“ natürlich. Nun, hier durfte offenbar noch gezeltet werden. In New York hatte Bürgermeister Bloomberg die Occupy-Camper ja aus dem Zuccotti-Park bei meiner Ankunft dort gerade rausgeschmissen.

Zeltlager auf dem Freedom Plaza

Zeltlager auf dem Freedom Plaza

Dann passierte die peinliche Episode des Tages. Auf der Suche nach dem Weißen Haus fand ich ein Gebäude, welches ich eben für dieses hielt und fotografierte. Ähm, zu meiner Verteidungung: Bei den Verteidungslinien der Polizei davor hätte man das auch denken können. Aber nachdem ich nochmal die Fotos verglichen habe, weil sich schon Zweifel regten, fand ich zuerst mal heraus, dass ich mitnichten das Weiße Haus fotografiert hatte, weder von vorne, noch von hinten. Aber was dann? Es hat eine Weile gedauert, bis ich einfach mal das Foto rangezoomt habe, und dann –  patsch – es steht sogar drauf, dass es das US Department of Treasury, das Finanzministerium war. Das liegt direkt neben dem Weißen Haus. Gute Sache, falls Barack Obama mal blank ist. Das Die Fassage des Gebäudes des Supreme Court (des obersten Gerichtshofen der USA) sieht übrigens auch ähnlich aus. Und die vielen Absperrungen, Polizeiautos und -motorräder hatten vielleicht mit den Occupiern zu tun. Das sah auch zugegebenerweise eher nach ner Adhoc-Installation aus, nicht nach dauerhaften Verteidigungslinien. Also, das versuche ich dann morgen wohl nochmal…

Not the white house

Nicht das weiße Haus - das Finanzministerium

Ich ging dann von da weiter Richtung Washington Monument. Unterwegs las ich ein Schild, auf dem Stand, dass das Monument zur Zeit geschlossen ist, weil Erdbebenschäden behoben werden müssen. Mist, da wäre ich gerne hochgefahren, um von da zu fotografieren. Stattdessen wurde der Turm des Hauptpostamtes empfohlen, immerhin die dritthöchste Struktur in DC (nach dem Washington Monument und dem Capitol). Da gestern die Sicht wegen des Regens nicht so gut war, versuchte ich, ein paar bessere Fotos vom Obelisken zu machen.

Washington Monument

Washington Monument - leider geschlossen wegen Erdbebenschäden

Nicht weit weg vom Washington Monument befindet sich das World War II Memorial. Es besteht aus einem ovalen Pool mit zwei größeren und vielen kleineren Fontänen. Der Pool ist von 56 Säulen in zwei Halbovalen umgeben, diese repräsentieren die einzelnen Staaten der USA und einige US-Inseln. Es gibt zwei große Säulen, in denen jeweils vier Adler einen metallischen Kranz mit ihren Schnäbeln festhalten. Und eine Wand namens „The Price of Freedom“ mit 4.048 Sternen, jeder repräsentiert 100 amerikanische Opfer des Krieges.

World War II Memorial Springbrunnen

World War II Memorial Springbrunnen

Von da aus pilgerte ich weiter Richtung Westen, zum Lincoln Memorial, welches das westliche Ende der Mall darstellt (auf der Ostseite ist beim Capitol Schluss). Das ist schon ein beeindruckender Tempel, in dem der übergroße Abe auf seinem Stuhl sitzt und auf das Washington Monument blickt. Also, ich muss schon sagen, das hat echt was Erhabenes, diese riesigen Säulen, der Abe auf seinem Stuhl, die Inschriften an den Wänden, der Blick aufs Washington Monument. Ich gab dann den Plan, mich auf Abes Schoss ablichten zu lassen, sofort wieder auf 😉

Abraham Lincoln

Abe Lincoln wacht auf seinem Stuhl über die Mall. Zum Glück verbirgt das Washington Monument das Capitol, das würde ihm sonst gar nicht so gefallen...

Ich fragte mich, ob all diese Politiker der ersten und zweiten Stunde wirklich so ehrenhafte Menschen gewesen sind, oder ob sie im Laufe der Zeit so stark verklärt wurden. Es heisst ja auch, die Gewinner bestimmten über die Geschichtsschreibung. Würden sich Leute wie Washington, Lincoln, Franklin und Jefferson im Grabe umdrehen, wenn sie sähen, was heute in Washington los ist? Oder waren sie im Grunde gar nicht so sehr anders? Geht es Abe nicht tierisch auf den Keks, dass alle zwei Minuten ein Düsenjet vom Ronald Reagan National auf der anderen Seite des Potomac über seinen Kopf donnert? Fragen über Fragen. Aber man kann das alles sicherlich nicht losgelöst von Zeit und Gesellschaft betrachten.

Abraham Lincoln Memorial

Sehr repräsentatives Haus. Nur die Tür wurde eingespart.

Hm. Also, nach George Washington wurde die ganze Stadt benannt. Und on top gabs noch den Obelisken. Das ist wohl kaum noch zu toppen. Lincoln hat eine sehr repräsentative Hütte bekommen, plus einen extragroßen Stuhl. Jefferson… naja, hab ich bisher nur aus der Ferne gesehen, aber scheint kleiner zu sein, als Lincolns Laden. Nunja, skippen wir ein paar Dekaden. Ronald Reagan bekam einen Nationalen Flughafen plus das Reagan Buildung plus einen Flugzeugträger. George H.W. Bush bekam einen internationalen Flughafen (Houston) und einen Flugzeugträger. Clinton… äh… keine Ahnung. Und nach Obama benennen sie wahrscheinlich allenfalls eine Vorstadtstraße in Wisconsin. Zumal die Flugzeugträger gerade aus sind, der nächste ist schon vergeben an Gerald R. Ford.

Innerhalb des Memorials gibt es tatsächlich einen kleinen Laden, der Bücher, Ansichtskarten und, ich sag mal, DC-Devotionalien verkauft. Da erstand ich ein paar Postkarten, die ich noch schreiben möchte.

Danach schlenderte ich Richtung Capitol über die Mall. Es war eigentlich ganz angenehm, kein Regen, Temperatur auch in Ordnung. Trotzdem nahm ich kurz nach dem Washington Monument wieder die Metro ab Smithsonian Station zurück zur Union. Diesmal schob ich sogar auf Anhieb die richtige Metro-Card in den Schlitz.

Smithsonian Metro Station

Smithsonian Metro Station

An der Union wollte ich entweder was essen, oder was zu essen mitnehmen. Eigentlich eher zweiteres, was chinesisches oder von Mc’D. Der Chinese hatte schon zu, und Mc’D gibt es da zwar auch noch irgendwo, aber nicht in der Fressmeile. Letztenendes setzte ich mich bei Johnny Rockets hin und bestellte einen Burger und Pommes. War okay.

Tja, und das war dann auch schon der Tag. Morgen ist Thanksgiving. Da kann ich eigentlich nicht viel machen, weil alles zu hat. Habe schon überlegt, ob ich den Tag chipsfutternd und biertrinkend vor der Glotze oder mit einem Buch verbringe. Aber was soll ich dann bloggen?

Aber es ist ja zumindest noch das Weiße Haus von außen und das Jefferson Memorial offen, das wird dann morgen wohl noch in Angriff genommen. Ich überlege auch, vielleicht mal zum Arlington Cemetory zu fahren. Mich würde interessieren, wie groß das ist, und wie die Atmosphäre sich da anfühlt.

Insgesamt, und das war schon in New York so, fechte ich ständig so eine Art inneres Gefecht aus. Die eine Seite sagt, ich müssen meine Zeit hier so effektiv wie möglich nutzen, besser planen, nicht spät aufstehen, abends länger unterwegs sein um so viel wie möglich zu sehen. Die andere Seite sagt sowas wie „Schnauze, ich hab Urlaub und will keinen Stress“. Und der Seite höre ich eher zu. Aber heute hätte ich vielleicht besser nutzten können, denn morgen ist ja Thanksgiving. Das läßt mir eigentlich nur noch einen Tag, an dem ich auch irgendwo reingehen kann. Nun, mal sehen. Es könnte entweder auf eine Tour durchs Capitol, oder einen Tag im Hangar des Smithsonian auf dem Dulles International hinauslaufen. Mal sehen, wonach mir ist. Ich kann ja morgen noch darüber nachdenken.

Bis morgen.

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Day at the Museum

Ich wachte nicht lange nach 7.00 AM auf, blieb aber bis 8.00 im Bett. Als ich mein Zimmer verließ, fand ich vor der Tür eine Ausgabe der USA Today. Wie praktisch. Aufmacher: „Super Fail“, was auch sonst.

Frühstück

Breakfast at Phillips

Hier ist das Frühstück nicht inklusive, also versuchte ich mein Glück im nahegelegenen Café Phillipps. Ich nahm eine „Breakfast Platter“, die Rührein mit Speck, Bratkartoffeln und Toast mit Butter enthielt. Hm. Lecker, aber nicht für jeden Tag zu gebrauchen. Dazu gabs natürlich Kaffee, übrigens der heisseste, den ich bisher hatte.

Café Phillips

Café Phillips um die Ecke. Morgen sicherlich wieder...

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zum Smithsonian Air- and Space Museum (Danke für den Hinweis, Markus). Ich hatte mir den Weg auf Google Maps angesehen, Entfernung demnach gerade mal eine Meile. (Vermutlich schmeisst Google den Weg aufgrund meiner aktuellen IP Adresse in Meilen raus, was weiß ich…). Der Weg führt mich am Capitol und der davorliegenden Wasserfläche mit dem Ulysses S. Grant Memorial vorbei. Der Weg in der Tat kurz und nicht schwer zu finden. Das Museum selbst ist ein riesen Trumm von Gebäude – unmöglich, mit meiner Kamera vernünftig zu fotografieren. Soweit kann ich nicht zurückgehen, dass ich das ganz draufkriege.

Smithsonian Air- and Space Museum

Smithsonian Air- and Space Museum - das Ding ist echt groß

Nach dem Eintreten kam erstmal die übliche Metalldetektor-Kontrolle. Das erste Flugzeug, welches ich dann sah, war die „Voyager„, ein Flugzeug, in dem ein Mann und eine Frau mit einer Tankfüllung die Welt umrundeten – ein Rekordflug. Das Museumsgebäude ist zwar schon sehr groß, aber richtig große Flugzeuge passen doch nicht hinein. Die stehen halt im Hangar am Dulles International.

Bell X-1

Bell X-1 "Glamorous Glennis". Mit diesem Flugzeug durchbrach Chuck Yeager die Schallmauer als erster.

Die Halle, in die ich dann gelangte, hatte den Titel „Milestones of air- and spaceflight“. Sie enthielt die unter anderem die „Spirit of St. Louis„, mit der Charles Lindbergh als erster solo den Atlantik überquerte. Außerdem die Bell X-1, mit der Chuck Yeager zum als erster Überschallgeschwindigkeit flog. Mein persönlicher Favorit der Ausstellung war die North American X-15. Sofern man das Space Shuttle als Raumschiff und nicht als Flugzeug bezeichnet, ist die X-15 immer noch das schnellste Flugzeug der Welt. Wie allerdings das X aussagt, handelt es sich dabei um ein Experimentalflugzeug. Außerdem wurde es nicht von luftatmenden Triebwerken, sondern von Raketentriebwerken angetrieben (die ihren Sauerstoff aus eigenen Tanks beziehen). Ähm… ich bin versucht, zu sehr ins Detail zu gehen. Lassen wir das.

X-15

X-15 Experimentalflugzeug. Geschwindigkeit bis zur 6,7-fachen Schallgeschwindigkeit. Die Erfahrungen mit diesem Modell mit der Reibungshitze bei hohen Geschwindigkeiten in der Atmosphäre halfen bei der Entwicklung des Space Shuttle

Dann stehen da noch Raumkapseln. Das waren die Mercury-Kapsel Friendship 7, mit der John Glenn als erster Amerikaner den Orbit erreichte, eine Gemini-Kapsel, und das Command-Module Columbia von Apollo 11, der ersten Mondlandung. Das sind alles keine Modelle, sondern die echten Teile, die im Erd- oder sogar Mondorbit gewesen sind. Technische Meisterleistungen ihrer Zeit, die Raumfahrtgeschichte geschrieben haben.

Supermarine Spitfire

Supermarine Spitfire - der berühmte britische Jäger des 2. Weltkriegs

Das Museum ist in verschiedene Themen aufgeteils, darunter die besagten Meilensteine der Luft- und Raumfahrt, eine Ausstellung über die Gebrüder Wright und ihr Flugzeug, eine über Luftfahrt im ersten Weltkrieg, eine über die Luftfahrt im zweiten Weltkrieg, eine über Marineflugzeuge und Flugzeugträger-Operationen, eine über Passagierluftfahrt, eine über unbemannte Flugzeuge (Drohnen)… Es gibt eine Ausstellung „The Jet as Art“, eine edukative Ausstellung zu Themen „Warum Flugzeuge fliegen“ und wie Flugzeuge und Raketen funktionieren mit Experimenten zum selbst ausprobieren. Ein Planetarium. Ein Teleskop. Eine Ausstellung über Spionageflugzeuge und -satelliten. Ein Imax-Kino. Ausstellungen über Triebwerke und Motoren. Und eine über Air Traffic Control. Raketen. Marschflugkörper. Satelliten. Sonden.

MQ-1 Predator Drohne

MQ-1 Predator Drohne, bewaffnet mit zwei Hellfire-Raketen. Taucht in letzter Zeit öfter mal in den Nachrichten auf.

Viele Flugzeuge und Raumschiffe sind Originale, die wirklich geflogen sind. Einige sind Modelle, Trainingsversionen oder Backups, die nie zum Einsatz kamen. Dazu kommen liebevoll gestaltete Modelle. Besondert beeindruckend war ein Modell des Flugzeugträgers Enterprise (des aktuellen, nuklear getriebenen Flugzeugträgers, nicht des gleichnamigen Schiffs aus dem zweiten Weltkrieg). Nach dem Schild wurde das Model und die Flugzeuge an Deck in zwölf Jahren mit 1.000 Arbeitsstunden pro Jahr gefertigt. Die meisten Flugzeuge an Deck sind Bausätze gewesen, aber die vier E-2 Hawkeye sind jeweils in 200 Arbeitsstunden ohne Baussatz entstanden.

Flugdeck der USS Enterprise im Modell

Flugdeck der USS Enterprise - im Maßstab 1:100. Im Vordergrund A-6 Intruder und F-14 Tomcat

Dazu kommen diverse Videos, Computeranimationen und die bereits erwähnten, interaktiven Experimente. Besonders gefallen haben mir drei Modelle, die verdeutlichen, wie sich die Steuerung von Flugzeugen im Laufe der Zeit verändert hat. Bei allen dreien hat man einen Steuerknüppel, mit dem man Höhen- und Querruder einer Modellanordnung betätigen konnte. Beim ersten war es eine reine Seilzuganordnung. Beim zweiten betätigte man Ventile, die dann über eine Hydraulik auf die Ruder wirkten. Bei der Dritten hatte man eine Art analogen Joystick, dessen elektrische Signale von einer Steuerelektronik ausgewertet wurden, die dann wiederum die Hydraulikventile für die Ruderkontrolle steuerte. Das war einfach sehr anschaulich gemacht.

Columbia

Columbia Command Module von Apollo 11 und ich. Zu sehen die Unterseite der Kapsel, also der Hitzeschild.

Um es zusammenzufassen: Ich war ungefär um 10.30 AM im Museum und blieb bis zum Toresschluss um 5.30 PM, also fast sieben Stunden. Ohne was zu essen, fast ohne was zu trinken (hab mal an einem Trinkwasserspender genascht) und ohne Restroombenutzung. Es reichte nicht ganz, um alle Beschreibungstafeln auswendig zu lernen, aber ich muss jetzt trotzdem nicht nochmal hin. Obwohl das gut ginge, weil es ja erstens quasi um die Ecke liegt – und zweitens keinen Eintritt kostet! Das ist schon toll. Ich hab ein paar Doller zur Erhaltung des Museums gespendet, aber ich hätte auch 25 Dollar auf den Tresen gelegt, kein Thema.

Washington Memorial

Auf dem Rückweg lief mir ein überdimensionierter Zahnstocher über den Weg. Und natürlich musste mir ein Laster durchs Bild fahren.

Nachdem ich dann also bei Toresschluss das Museum verlassen hatte, war ich hungrig und durstig und… naja, Ihr wisst schon. Trotzdem lockte mich das Washington Memorial, der große Obelisk. Ich ging also nicht zurück in Richtung Hotel, sondern in Richtung Washington Memorial. Irgendwie hat sich das nicht so richtig gelohnt. Das Wetter wurde schlechter, und richtig gute Fotos gelangen nicht, glaube ich. Trotzdem ging ich bis zum Obelisken. Von da aus hätte ich auch gleich zum Weissen Haus weiterpilgern können – aber es muss auch mal Schluss sein. Das sagten mir auch meine Füße. Deutlich.

National Mall Map

Planausschnitt der National Mall (vom Lincoln Memorial bis zum Capitol über 4 km). Aber kein Schuhgeschäft, kein Wallmart, kein Mc Donald's weit und breit. Saftladen.

Und überhaupt… was ist das hier eigentlich für eine Mall, es gibt nicht mal nen vernünftigen Supermarkt!? Nur mit protzigen Säulen verzierte Gebäude auf beiden Seiten? Da hat doch die ganze Freimauererbande damals nicht vernünftig nachgedacht, wie das hier zu designen wäre. Keine Möglichkeit, was einzukaufen. Dabei könnte ich paar Flaschen Wasser gebrauchen. Der Mensch lebt nicht nur vom Bier allein…

Unterwegs zum Obelisken war ich an der Smithsonian Metro Station vorbeigekommen. Ich entschied mich, nicht den ganzen Weg zum Hotel zurück zu gehen, sondern die Metro zu nehmen. Okay… Ich schob also meinen Metro-Pass in den Schlitz an der Sperre. Er wurde nicht geschluckt, sondern blieb stecken. Ich bat den Station Agent um Hilfe, der das Ding öffnete und mir dann meinen New Yorker Metro-Pass, den ich aus Gewohnheit benutzt hatte, wieder gab. Hrrrrgn!

Der Washingtoner Pass verschaffte mir dann Einlass zur Metro, damit fuhr ich dann zum Metro Center, wechselte von der orangen in die rote Linie und fuhr zur Union Station. Dort überlegte ich, vielleicht was zu essen, denn hier gab es eine richtige Fressmeile mit McDonald’s, Tacco Bell, Subway, nem Italiener, nem Chinesen, Sushi, Inder, und was weiss ich nicht noch alles. Habe McD angepeilt. Restroom out of order. Tja, Ihr habt mich als Kunden verloren, zumindest heute…

Union Station

Union Station - Grand Central Terminal in New York ist beeindruckender, aber das hier ist auch schon was.

Also, die Union Station scheint definitiv der Hauptbahnhof zu sein. Das Ding ist zwar nicht so beeindruckend wie das Grand Cental Terminal in New York, aber trotzdem groß. Ich brauchte ne Weile, um überhaupt den Ausgang zu finden. Danach allerdings stellte ich fest, dass ich gestern einen ziemlichen Umweg zum Hotel gemacht habe. Denn das ist, wenn man an der richtigen Ecke die Union Station verlässt, höchstens zehn Minuten weit weg.

Ich ging dennoch nicht ins Hotel, sondern zum Subway ein paar Blocks vom Hotel entfernt. Hm. Eigentlich kann ich mir bei der Entfernung ebensogut was von der Union Station zu essen besorgen. Dazu kommt, dass mich der Subway-Mann nicht so recht verstanden hat. Ich wollte keine Oliven und keine Jalapenos haben. Das mit den Jalapenos hat er nicht verstanden, ich hab das mehrfach wiederholt und zu umschreiben versucht. Ich hatte dann auch keine Jalapenos drauf  – aber Oliven. Grmpf. Irgendwie geht es mir ohnehin auf den Keks, wie sich die zwei Subway-Leute sich untereinander in einer mir unbekannten Sprache unterhalten. Das verunsichert mich immer. Außerdem ist es schwierig, zu unterscheiden, wann eigentlich die andere Sprache, und wann Englisch gesprochen wird.

Wie auch immer, ich ging mit meinem Olivenverseuchten Sub zurück ins Hotel und machte Feierabend. Jetzt noch die Fotos auswerten und ein paar davon in den Artikel hier, uns das wars dann.

Bis morgen. Dann mach ich vielleicht einen Besuch in der Hütte des Präsidenten. Die soll ja auch sehr repräsentativ sein. Mal sehen.

Anmerkung: Mir fielen beim Schreiben gestern echt die Augen zu. Ich habe heute deswegen noch diverse Korrekturen gemacht und Bilder hinzugefügt.

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