Rage against the ticket vending machine

5:30 Uhr weckt mich mein Handy mit „Washington is next“ (Megadeth). Es kann ja kaum einen angemesseneren Titel für heute geben. Paar Sekunden später pingelt das Telefon – der Wake-up-call, doppelt genäht hält besser. Mann, warum habe ich bloss so einen frühen Flug (8.45 Uhr) genommen. Wie üblich, weil ich nicht besser aufgepasst und beim Buchen nicht drüber nachgedacht habe. Außerdem wäre es wahrscheinlich schlauer gewesen, zum Reagan National zu fliegen, anstatt zum Dulles International. Denn der Reagan ist wesentlich näher am Ziel als der Dulles. Naja, wusste nicht, dass es diesen Flughafen überhaupt gibt, der Dulles hingegen ist ja ein Begriff. Vor allem, wenn man die ganzen Dirk-Pitt-Romane von Clive Cussler gelesen hat…

Wie auch immer, nachdem ich aufgestanden, geduscht und rasiert war, packte ich meinen Kram zusammen und war pünktlich 6.30 in der Lobby zum Auschecken. Mein Taxi wartete schon. Kurz nach 7.00 war ich am Flughafen. Ich gab also meinen Koffer auf und ging durch die Security. Ups – ein böser Nacktscanner. Da war ein Schild, dass man das nicht machen musste, sondern sich auch alternativ checken lassen könne. War mir aber sowas von egal. Noch schnell ein Kaffee von Dunkin‘ Donuts. Bis hierher habe ich übrigens schon in der Delta Abflug-Lounge vorgeschrieben. Dort haben sie zig iPads zur allgemeinen Nutzung in die Tische eingebaut. Außerdem Netz- und USB-Anschlüsse zum Geräte aufladen. Naja, ich hatte gedacht, ich könnte noch mal schnell den Restroom benutzen, was ich auch tat. Allerdings wurde ich dann schon ausgerufen, so dass ich mich beeilte, zum Gate zu kommen.

Einstieg in die CRJ200

Einstieg in die CRJ200

Es ging dann runter zum Flieger, ein kurzes Stück über das Rollfeld und rein den Vogel. Die Canadair Bombardier CRJ200 ist der kleinste Jet, mit dem ich bisher geflogen bin, hat gerade mal 50 Plätze. Hab mich übrigens vertan, dachte bisher immer, ich flöge mit einer brasilianischen Embraer. Der Flug war aber ruhig und kurz. Ich hab ein bisschen gelesen.

Bombardier CRJ200

Angekommen mit dem CRJ200-Winzjet in Dulles International. Man beachte, wie der Passagiertunnel das Flugzeug fast einzusaugen scheint...

Auf dem Flughafen holte ich meinen Koffer, der just auf das Band fiel, als ich hinkam. Dann ging ich zu einem Information-Desk und fragte nach Alternativen zu einem Taxi, um nach Downtown DC zu kommen. Da gab es zwei Möglichkeiten: Entweder das „Super-Shuttle“, da teilt man sich im Grunde ein Van mit anderen Passagieren und wird direkt am Hotel abgesetzt, oder Bus und Bahn. Ich entschied mi ch – leider – für die zweite Alternative. Die Frau am Desk war wirklich sehr hilfreich, gab mir gleich tonnenweise Informationsmaterial über DC inklusive Busplan und Metro-Map. Aber sie erwähnte nicht, dass ich für den Bus ein sogenantes SmarTrip-Ticket brauche. Und so hatte ich dann echte Probleme mit dem blöden Automaten in dem Bus. Einfach so beim Fahrer bezahlen ging nicht. Naja, insgesamt bin ich dann mitgefahren, aber ich habe viel zu viel dafür bezahlt. Der Trip alleine zur nächsten Metro-Station in DC dauerte schon ungefähr eine Stunde.

Supershuttle

Supershuttle - hätte ich vielleicht besser genommen. Aber ich wollte schon mal checken, wie die "normalen" Öffis hier funktionieren.

An der Metro-Station wollte ich dann ein Ticket, welches ich die ganze Woche benutzen kann. Kostete 32 Dollar, bisschen mehr als in New York, obwohl die Subway-Map im Vergleich hier SEHR übersichtlich ist. Sie ist auch übersichtlich im Vergleich mit der von Hamburg. Und wenn ich bedenke, dass ich hier einiges in Fußgänger-Reichweite habe, war es vielleicht auch nicht klug, den Pass zu kaufen.

Abgesehen davon, dieser Artikel hat seinen Titel ja nicht ohne Grund. Ich konnte keine 40 Dollar Cash reinschmeissen – nicht genug Change. Die gefühlten hundert Versuche, das mit einer Plastikkarte zu absolvieren, brachen an verschiedenen Stellen des Kaufvorgangs mit verschiedenen Fehlermeldungen ab. Schließlich hatte ich die Schnauze voll, kaufte mir in einem Laden in der Subway einen Kaffee und einen Cookie und hatte dann die 32 Dollar cash passend. Damit konnte ich dann das Ticket erwerben. Grrr. Sch… Technik.

Rosslyn Station

Rosslyn Station - hat was von einem Flugzeug-Hangar.

Die Subway ist schon etwas besser als in New York. In den Wagen gibt es tatsächlich Teppiche, allerdings nicht besonders sauber. Aber die Stationen sind moderner und besser in Schuss, jedenfall die, die ich bisher gesehen habe. Und die Sitze sind echt bequem. Ich fuhr in Rosslyn mit der orangen Linie (hier gibts nur Farben) zum Metro Center, stieg da in die rote Linie um und fuhr zur Union Station, ich glaube, dass ist hier der Hauptbahnhof.Genauer gesagt, ich fuhr an der Union Station vorbei, weil ich sie verpasst habe. Allerdings stand auf dem Gegengleis direkt ein Zug in die Gegenrichtung, so dass mich das kaum Zeit und Nerven gekostet hat.

Von da ging ich dann mithilfe von T-Online, Google und GPS zum Hotel und checkte ein. Ich hatte mir das mit Google Street View schon mal angesehen, aber ich hab nicht gedacht, dass ich echt so nah am Capitol wohne.

A peek at the capitol

Mein erster Blick auf die Kuppel des Capitols. Das Hotel ist aber noch einige Blocks näher als mein Standort hier.

Ich checkte also ein, ging dann bei einem nahegelegenen „Au bon pain“ maccaroni and cheese essen, besorgte einen Biervorrat und ging zurück zum Hotel. Irgendwie hatte ich einen totalen Durchhänger. Das Wetter war grau und regnerisch, ich war total müde, weil ich höchstens fünf Stunden geschlafen hatte, und meine eigene Paddeligkeit im Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ging mir tierisch auf den Keks. Und an dem Gebäude neben dem Hotel werden laute Bauarbeiten durchgeführt, erkennbar oben auf dem Bild übrigens an dem Kran rechts im Bild. Naja, dafür sind dann Ohrstöpsel da. Ich machte die Glotze an, ein Bier auf und hab dann erstmal anderthalb Stunden geschlafen.

Das Capitol

Das Capitol mit amerikanischen Farben Blau, Rot und Weiß.

Danach war es schon dunkel, und ich entschied, zumindest nochmal zum Capitol, das nur ein paar Blocks entfernt ist, zu gehen. Es nieselte leicht. Aber ich konnte ein paar ganz gute Fotos machen. Das Gebäude ist extrem beeindruckend. Riesig groß. Und mir persönlich gefällt es architektonisch recht gut, ist schon ein sehr repräsentatives Haus. Ich fragte eine Polizei/Security (whatever) Frau nach den Öffnungszeiten, 9 AM – 3 PM. Mal sehen, mach ich vielleicht morgen, obwohl mich das Smithonian Air and Space Museum hier natürlich mehr reizt.

Okay, hier ist auch alles voller Museen, aber das ist wenigstens keine Kunst wie Guggenheim, sondern die ganze Stadt atmet (naja, und macht) amerikanische Geschichte. Alleine mehr oder weniger einfach nur über die Straße sind das US Postal Museum und das US National Guard Memorial Museum. Und das Smithonian, insgesamt das größte Museum der Welt, liegt auch nicht weit weg. Um die Zweigstelle in Dulles des Air and Space Museums zu sehen, müsste ich zum Flughafen zurück. Ich weiss noch nicht, ob ich extra hinfahre oder ob ich das unmittelbar vor dem Heimflug mache.

Capitol von vorne

Capitol von vorne

Nunja, ich ging also an den Sicherheitsvorposten vor dem Capitol vorbei, die sind wohl erstmal nur dazu da, Fahrzeuge zu kontrollieren. Als Fussgänger kommt man unbehelligt bis direkt an das Gebäude. Das Wetter wurde allerdings immer schlechter, es war nun schon solider Regen. Auf dem Rückweg erst bemerkte ich, dass da durchaus auch schwerbewaffnete Posten standen, die neben einer Pistole im Halfter auch eine leichte Schnellfeuerwaffe in der Hand hatten (ich kenne mich damit ja nicht aus, das interessiert mich ja nicht so, aber es könnte ein M4 gewesen sein). Hm, also besser mal keine Dummheiten machen und die Farbspraydose im Rucksack lassen. Ich wollte eigentlich „Oops“ an die Fassade sprühen. Mist, den Plan musste ich fallen lassen. (An dieser Stelle ein Hinweis an die Geheimdienste: Das war nur ein Witz. Und ein Hinweis an die Werbetreibenden: Bitte keine SPAM-Mails mit Angeboten für Sprayer-Farben. Ich spühe nicht wirklich…)

In der Ferne sah ich noch das Washington Memorial mit seinen roten Lichtern blinken. Wie gesagt, Amerikaner lieben Obelisken (äh, wie ist hier der Plural?). Fast so sehr wie Waffen. Also… irgendwie fällt mir in diesem Zusammenhang ein Wort ein, dass mit P beginnt. Wenn das Wetter nicht so mies gewesen wäre, wäre ich vielleicht nochmal hingepilgert. Aber ich hatte keine Lust mehr. Ich ging zum nächsten Subway, direkt neben dem Au bon pain, und holte mir ein großes Sub. Das habe ich dann genussvoll in meinem Hotelzimmer mit einem Miller Lite vernichtet.

Employees must wash their hands

Okay. Dieses Schild scheint Standard zu sein.

Achja, eine Sache am Rande fällt mir noch ein. Irgendwie haben die Amerikaner es drauf, Dinge, die selbstverständlich sein sollten, auf Schilder zu schreiben. Zum Beispiel, dass sich Gastronomie-Angestellte nach der Benutzung des Restrooms die Hände waschen müssen. Da ich das hier überall sehe, vermute ich, dass diese Schilder Vorschrift sind. In der U-Bahn wird durchgesagt, dass man nach dem Einsteigen in die Mitte des Wagens gehen soll, damit hinter einem weitere Fahrgäste einsteigen können. Und ich hab auch schon ein Schild gesehen, auf dem stand, man soll nach rechts und links gucken, bevor man über die Straße geht. Hm. Ich wundere mich fast, dass nicht an jedem Haus elektronische Laufschriften „Breathe in… breathe out… breathe in…“ (Einatmen… ausatmen…) verkünden. Oder dass zumindest an den Mülleimern Schilder mit „No deposit of dead dogs or nuclear waste“ (Bitte keine toten Hunde oder Atommüll einwerfen) stehen. Aber wer weiß, kommt ja vielleicht noch. An diesem blöden Automaten im Bus hingegen, den ja durchaus auch Leute, die nicht aus Washington oder Dulles kommen, benutzen, kriegen die es nicht hin. Da könnte schon drauf stehen, dass man passend zahlen oder ein SmarTrip-Ticket haben muss.

Blick aus dem Hotelfenster

Blick aus dem Hotelfenster gegen 11.10 PM bei 15 Sekunden Belichtungszeit

Bis morgen.

Nachtrag: Ich hab hier die ganze Zeit nebenbei CNN laufen. Da sieht man als Symbolbild zur Zeit oft eben auch das Gebäude mit der großen Kuppel als Symbolbild. Mit einem Schriftzug „Super Failure“ darunter. Das sogenannte Super Commitee aus jeweils acht Demokraten und acht Republikanern konnte sich nicht darüber einigen, wo Steuern gespart werden sollen. Und das ist aufgrund der drohenden Abwertung durch Moody’s absolut dringend notwendig. In den Nachrichten sind die Moderatoren und Kommentatoren ziemlich angepisst darüber, dass die Leute hier bei mir nebenan ihren Job nicht machen. Und das zu Recht. Also passt „Oops“ zwar ganz gut, aber „Fail“ wäre auch passend.

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Planned changes in schedule

Tja, letzter Tag in NY. Die ganz großen Highlights habe ich ja nun schon „abgearbeitet“. Andrew vom Desk meinte gestern, ich mache gute Fotos, ob ich nicht Lust hätte, so neben dem glamourösen New York des Times Square und der Fifth Avenue auch das weniger schöne New York zu fotografieren. Fand ich schon interessant. Heute morgen sprach ich ihn nochmal darauf an. Außerdem wollte ich das gerne mit einem weiteren Besuch im Central Park verbinden, weil ich da gestern kein Tageslicht mehr hatte. Andrew empfahl für den Besuch im Central Park, an der 86th. East auszusteigen. Um auch mal das andere New York zu sehen, empfahl er, an der 125th. Street die Subway zu verlassen. Das ist schon Harlem. Großer Anteil an Afro-Amerikanern, weniger schicke Wohngegend, aber noch nicht so echt gefährlich. Allerdings warnte mich Andrew, noch weiter nördlich als bis zur 125th. zu fahren, dort begänne dann so die typische Drogengegend. Er ist dort aufgewachsen. Das habe ihn motiviert, sich ein besseres Leben aufzubauen. So hatte ich dann im Prinzip einen Plan für den Tag.

Badezimmer

Mein… äh… Restroom in NY

Vorher machte ich allerdings ein paar Fotos hier von meinen Räumlichkeiten und vom Hotel. Andrew wies mich noch darauf hin, dass wegen Wartungsarbeiten an der Subway die G-Line nicht von Flushing Ave aus führe. Er gab mir den Tipp, von der Myrtle aus einen Bus zu nehmen. Aber ich entschied mich, lieber bis zur anderen Flushing Ave Station zu gehen, um dort die M-Line nach Manhattan zu nehmen, denn ich wollte nochmal meinen typischen, täglichen  Fußweg der vergangenen Woche mit der Kamera festhalten.

Parts Authority

Parts Authority – ein Autoteileladen in unmittelbarer Nähe meines Hotels in NY. Der Name ist wohl eine Hommage an Port Authority, die Behörde, die hier die Verantwortung für Häfen und Flughäfen hat.

Ich fuhr also zur 86th. East, kümmerte mich wie immer nicht so wirklich darum, wo es lang geht und latschte folglich wie immer erst mal in die falsche Richtung. Und ebenfalls wie so oft entschied ich mich, einfach erstmal weiterzugehen. Der Central Park würde mir ja nicht weglaufen, und ich wollte mal schauen, wie es hier am Ufer des East River aussieht. Ich landete dann am „Carl Schurz Park“. Ganz nett, aber nicht gerade spektakulär. Also ging ich wieder in die Gegenrichtung, um den Central Park zu besuchen. Unterwegs entschied ich mich aber, den Lunch in einem asiatischen Restaurant einzunehmen, an dem ich vorbeigekommen war. Richtige Entscheidung: Es war das Leckerste, was ich die ganze Woche gegessen habe. Curry Chicken mit gebratenem Reis und Kokosmilchsauce. Dazu gab es inklusive ne Suppe vorneweg. Und ein Budweiser dabei. Okay, ich stehe auf diese ganzen amerikanischen Burger und Sandwiches, aber ab und an braucht man ja doch was vernünftiges zu essen. Und das ganze kostete ohne Tipp gerade mal 10,60 oder so. Ich mag die chinesische Küche in Deutschland ja, aber das hier war besser.

Pan Asian Restaurant an der 86th. Street

Pan Asian Restaurant an der 86th. Street. Hier hab ich echt lecker was gegessen.

Danach ging es weiter Richtung Westen. Eigentlich ist es nicht schwer, sich mit diesen durchnummerierten Straßen hier zurechtzufinden, aber ein Kompass wäre nicht schlecht. Oder halt die Kompass-App vom iPhone. Dann braucht man keine Satelliten- und Google-Unterstützung. Ich erreichte die reichtlich Museumsverseuchte 5th. Ave. Da ich hier nicht direkt in den Park konnte, folgte ich der Straße nach Norden und kam am berühmten Guggenheim-Museum vorbei. Tja, also… wenn das Museum ein Flugzeugträger ist – supie! Aber Kunst erschließt sich mir nicht… Die Architektur des Museums ist allerdings schon ein Foto wert.

Guggenheim Museum

Guggenheim Museum. Man vergrößere das Bild und beachte das Plakat oben links. Da hängt ein Typ. Wie gesagt, Kunst erschließt sich mir nicht.

Schließlich erreichte ich einen Zugang zum Central Park, den ich auch nutzte. Ich landete am Ufer des großen Reservoirs – keine Ahnung, warum diese riesige Wasserfläche so heißt. Wie alles hier ist das natürlich genau geregelt, dass alle Jogger und Spaziergänger sich hier nur entgegen des Uhrzeigersinns bewegen dürfen. Das ergibt allerdings auch durchaus Sinn. Ich machte einige Fotos von der Midtown-Skyline mit dem See im Vordergrund.

Skyline mit Reservoir im Vordergrund

Skyline Midtown Manhattan mit Reservoir im Vordergrund

Und von „The San Remo„. Das ist ein Appartement-Haus mit Eigentumswohnungen, die zwischen 3 und 24 Mio. Dollar kosten. Beispielsweise hat Steven Spielberg hier eine Dependance, außerdem hat Bono von U2 hier eine Bude von Steve Jobbs gekauft. Lustig finde ich, dass die Eigentümerversammlung Madonna, die hier auch ein Appartement kaufen wollte, abgelehnt hat. Kann man alles bei Wikipedia nachlesen.

The Remo

The San Remo – Madonna hat hier kein Appartment bekommen, weil die Eigentümerversammlung dagegen war. Wenn man Wikipedia Glauben schenkt.

Ich folgte dem Weg um den See und machte dann eine Pause auf einer Bank, um ne Orange und n Joghurt, den ich mir beim Frühstück mitgenommen hatte, zu mir zu nehmen. Das war dann schon Upper Westside, weil ich den See knapp zur Hälfte umrundet hatte. Dann überlegte ich, entweder von da aus weiter gen Westen zum Hudson River zu gehen, nach Süden, um mir den Central Park weiter bei Tageslicht anzusehen, oder per Subway zur 125th. Straße, um mir das mal anzusehen. Ich machte dann letzteres.

Apollo Theater in Harlem

Das offenbar recht bekannte Apollo Theater in Harlem. Hab ich erst gestern auf VH1 gesehen. Von da aus moderierte jemand eine Show.

Angekommen an der 125th. Street war eigentlich – wie so oft –  der Weg das Ziel. Ich wollte nur mal so ein Gefühl für die Atmosphäre da bekommen und wie immer ein paar Fotos machen. Ich entschied mich, Richtung Westen, also zum Hudson, zu gehen. Aber natürlich ging ich erstmal wieder in die falsche Richtung, also nach Osten. Und natürlich dachte ich wieder „och, was soll’s, schauen wir mal, wie der East River hier so aussieht“. Also ging ich weiter zum East River und landete diesmal bei der Willis Avenue Bridge und der Robert F. Kennedy Bridge. Schildern zufolge konnte man über die Willis zu Fuss bis in die Bronx gehen. Aber daran hatte ich wenig Interesse. Trotzdem ging ich über die Willis, um von da aus ein paar Aufnahmen mit langer Belichtungszeit (bin da halt auf den Geschmack gekommen, was in dieser Stadt bei Dunkelheit irgendwie einfach nahe liegt) von der Robert F. Kennedy zu machen.

Robert F. Kennedy Bridge von der Willis Avenue Bridge aus

Robert F. Kennedy Bridge von der Willis Avenue Bridge aus. Ich liebe lange Belichtungszeiten in New York…

Anschließend wollte ich zurück zur U-Bahn an der 125th. Unterwegs besorgte ich mit noch Kaffee und Donuts bei „Dunkin‘ Donuts“ – 2 Donuts und Kaffee (gar nicht mal übel) für unter 4 Bucks, kein schlechter Deal. Allerdings habe ich mich dann wieder mal verlaufen, was eigentlich unmöglich sein sollte. Irgendwie war ich dann auf der 1st. Ave Richtung Süden unterwegs anstatt auf der 125th. St Richtung Westen. Naja. Im Prinzip wollte ich nach Südwesten, und dann irgendwann eine Subway-Station finden. Es war schon dunkel, und da ich morgen früh aufstehen muss, wollte ich nicht zu spät zurück ins Hotel.

So lief ich dann noch diverse Blocks Richtung Süden, wann immer die Straßenbeleuchtung der Querstraßen mir hell genug aussah, auch mal wieder einen Block nach Osten. Schließlich war ich auf der Lexington Ave, wo ich dann die Subway an der 103rd. St Richtung Süden nahm.

Und hier begannen die Probleme dann wirklich. Ich wollte eigentlich an der 53st. Street einen M-Zug zurück zur Flushing Ave nehmen. Normalerweise wäre das wohl auch gegangen. Aber durch die sonntäglichen Arbeiten fuhr M nicht von dieser Station aus. Ich hätte das schnallen können, als die Ansage M als Anschluss im Gegensatz zum Display im Zug nicht beinhaltete. Das ignorierte ich und stieg trotzdem aus. Fehler…

Ich ging zum richtigen Gleis, von dem aus eigentlich der M-Zug fahren sollte. Und wartete. Ich befürchtete schon, dass das nicht klappen würde. Ein Subway-Musiker spielte „I’ll be there before the next teardrop falls“ auf seiner Gitarre, klang ganz gut, muss ich sagen. Danach spielte er was anderes. Nachdem sein offenbar spärliches Repertoire nach ein oder zwei weiteren Songs beendet war, spielte er wieder „I’ll be there before the next teardrop falls“. Das war für mich das Signal, nicht länger zu warten und mein Glück woanders zu versuchen.

Ich ging wieder zurück zum alten Gleis und nahm wieder die 6 Richtung Süden, Endstation Brooklyn Bridge, um an der Bleeker ST in die M zu wechseln. Allerdings ging das nicht, weil die 6 nur als Express und nicht Local Train verkehrte (auch wegen der Arbeiten). Also fuhr ich bis zur Endstation und wechselte da in die J-Line, mit der ich bis zur Myrtle Ave fuhr. Hier wollte ich (mal wieder) in die M wechseln, um eine Station in die Gegenrichtung zur Flushing Ave zu fahren. Man kann sagen, ich tastete mich langsam vor in Richtung Hotel. Es ging mir, ehrlich gesagt, ziemlich auf den Keks, diese Subway-Odyssee. Normalerweise kam ich gut zurecht, aber diese Arbeiten am Sonntag klauten mir echt den Nerv.

Okay… es klappte auch nicht. Es kam zwar ein M-Zug, den ich und auch viele andere Personen bestiegen, aber der war dann da an der Endstation angekommen, und uns wurde gesagt, raus da. Nun, ich war nicht mehr so extrem weit weg von meinem Hotel. Das Problem war nur… ich kenne halt meinen miesen Orientierungssinn und hatte keine Karte. Und mein Handy hatte ich auch nicht mit, weil der Akku leer war und ich dachte, ich brauch es eh nicht. Also auch kein Google Maps. Letztenendes entschied ich mich trotzdem, den Rest zu Fuss zu absolvieren. Zumindest kannte ich die Straße „Broadway“ (natürlich nicht DER Broadway, der ist in Manhatten, es gibt mehrere davon in NY). Zum Glück gab es eine kleine Staßenkarte am Ausgang, die ich fotografierte. Nachdem mir mangels Handy mein Fotoapperat nun schon als Uhr diente, half er mir auch als Navigationssystem aus. Jedenfalls reichte es, mich in die richtige Richtung zu orientieren, die M-Station Flushing Ave zu erreichen, und von dort kannte ich den Weg zum Hotel.

Der Weg zur Flushing Ave

Der Weg zur Flushing Ave – ein Glück, dass ich das knipsen konnte. Ich wäre sonst mit Sicherheit wie üblich in die falsche Richtung gegangen.

So, das war es dann fast in NY. Wegen dieser blöden Arbeiten verlasse ich mich morgen nicht auf die Metro, ich muss schließlich ein Flugzezeug kriegen. Jamie vom Desk (von Andrew habe ich mich schon verabschiedet, weil es klar war, dass ich den nicht mehr sehe), organisiert mir morgen zu 6:30 ein Taxi und eine Stunde früher einen Wake-up-call. Kostet mich 45 Bucks plus Tipp, aber das ist dann halt so. Ich meld‘ mich dann morgen aus DC. Bye.

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911 remembered

Puh. Ich bin froh, dass ich heute überhaupt bloggen kann. Habe schon befürchtet, die Nacht unfreiwillig woanders verbringen zu müssen. Doch dazu später.

Nach dem Frühstück schmiss ich wie üblich meinen eeePC an und ging online. Einerseits, um Kommentare zum Blog zu genehmigen und zu beantworten. Andererseits, um die Aktivitäten des Tages zu planen. Ich meldete mich online für einen Besuch des 9/11-Memorials für 7:00 PM an. Das ist kostenlos, um eine Spende zum Erhalt der Gedächtnisstätte wird gebeten, also drückte ich online 10 Dollar per Kreditkarte ab, weil ich schon finde, dass dieses Ereignis Erinnerung verdient. Hatte mich vorher bei Jamie vom Desk informiert, dass ich den Reservation Pass (ebenso wie morgen meinen Boarding Pass für den nächsten Flug) per E-Mail zum Desk schicken könnte, man würde mir das dann ausdrucken. Das habe ich dann ganz naseweis einfach mal so gemacht, ohne drüber nachzudenken. Andrew hatte Dienst am Desk. Mann, ich habe nicht drüber nachgedacht, dass sowas bei einem New Yorker echt was aufrütteln kann.

Andrew hat das sichtlich runtergezogen. Er sagte, er könne da nicht hingehen. Er habe einen Onkel bei den Anschlägen im WTC verloren. Vor zehn Jahren besuchte er noch eine Schule hier in Brooklyn, und man habe überall die Fernseher angemacht. Ein Mädchen seiner Klasse schrie die ganze Zeit, dass ihr Vater dort arbeite. Eine Bekannte kam knapp mit dem Leben davon und musste fünf Stunden zu Fuss nachhause nach Queens gehen, weil die Tunnels und Brücken für Fahrzeuge gesperrt waren. Das hat mich alles sehr nachdenklich gemacht. Wir beurteilen immer sehr schnell aus der Ferne, was die Amerikaner so in der Welt anstellen und warum. Klar, ganz nüchtern betrachtet scheint vieles nicht richtig zu sein. Aber so ein Bericht aus erster Hand hilft, zumindest Verständnis zu entwickeln. Andrew erzählte, dass man lange nicht gewusst hat, was eigentlich vorgeht, er erwähnte sogar das Wort „Invasion“. Ich erinnere mich noch, wie unheimlich alles selbst auf unserer Seite des Atlantiks war: Die Türme getroffen, das Pentagon getroffen, Flug 93 entführt, Türme eingestürzt, Luftraum über den USA komplett gesperrt, der NATO-Bündnisfall ausgerufen… Wie schlimm muss das angstmäßig erst hier gewesen sein. Was er auch noch erzählte: Noch wochenlang sei überall dieser Geruch gewesen. Ich frage, was für ein Geruch, und er antwortete „Der Geruch des Todes“. Im Zusammenhang dazu kann ich noch erwähnen, dass die „USS Intrepid“, die ich am Montag besucht habe, nach den Anschlägen dem FBI als Hauptquartier gedient hat. Denn deren ursprüngliches Hauptquartier in New York war im World Trade Center…

Mit meinem ausgedruckten Reservation Pass zog ich also reichlich nachdenklich los zur U-Bahn. Der Besuch des Memorials war zeitlich ja an 7:00 PM gebunden. Vorher plante ich einen Besuch des Rockefeller Center und des Central Parks, der ziemlich unmittelbar nördlich davon liegt. Ich stieg also 47-50 Sts Rockefeller Center aus. Mir fiel auf, dass der Tunnelausgang in Richtung Rockefeller Center sehr viel edler gestaltet war als die anderen Ausgänge. Der Plan war, zur Aussichtsplattform „Top of the rock“ zu fahren, aber ich wusste nicht so richtig, wo das eigentlich ist. Das Rockefeller Center ist ja nicht ein Gebäude, sondern ein Gebäudekomplex. Nun, ich landete natürlich erstmal im falschen Gebäude und fragte mich dann halt durch. „Top of the rock“ ist auf dem höchsten Gebäude des Rockefeller Centers, dem GE Tower, 259 Meter hoch.

Eingang Rockefeller Center GE Building

Aha. Da kommt also mein Fernsehen her…

Erst bin ich noch beim NBC gelandet, das kann man offenbar auch besichtigen. Bestimmt auch spannend. Aber ich wollte ja nochmal bei Tageslicht ein wenig Midtown Manhatten bei Tageslicht fotografieren. Also latzte ich 25 Dollar (immerhin musste ich kaum warten, die Schlange war übersichtlich) und fuhr dann nach der unvermeidlichen Metalldetektor-Kontrolle mit dem Aufzug in den 67 Stock. Dort angekommen konnte ich drei verschiedene Aussichtsplattformen besuchen, die dann noch über Treppen zu erreichen waren.

Central Park und ich

Central Park und ich vom Top of the rock observation Deck des Rockefeller Center aus von mir selbst genipst.

Nunja, ich verbrachte sicherlich über eine Stunde da oben, um zu fotografieren. Ein Problem war, dass die Sonne das Fotografieren in Richtung Süden ziemlich erschwerte. Dagegen wusste ich auch kein Mittel, Landsmänner hielten einfach ne Sonnenbrille vor ihr Kameraobjektiv. Ich habs nicht ausprobiert, muss ich gestehen.

Lobby GE Building des Rockefeller Center

Lobby GE Building des Rockefeller Center

Anschließend fuhr ich wieder runter und knipste noch das eine oder andere Foto von der edel gestalteten Lobby. Die Böden und sonstigen Oberflächen bestehen aus edlen Materialien (ich bin da nicht so der Experte, aber es sieht einfach alles edel und teuer aus). Nunja, die ganze Umgebung ist halt edel. Die Shops in der Umgebung offerieren Luxusartikel wie teuere Düfte und Uhren. Die Mieten in dieser Gegend kann sich natürlich kein normaler Arbeitnehmer (von den 99%…) leisten. Ich wollte langsam mal was essen (obwohl ich gar nicht aufs Klo musste…) und überlegte, was da angesagt war. Ich kam an Bill’s Bar vorbei. Eigentlich wollte ich nicht schon wieder nen Burger. Aber die Zitate aus Zeiungen und Restaurantführern an der Wand haben mich dann doch überzeugt.

Der Laden war total voll, aber als ich nach einem Platz fragte, wurde mir ein Platz an der Theke offeriert, was okay für mich war. Meine Bestellung nahm eine junge, weibliche Thekenkraft auf, die ihr Handwerk echt zu verstehen schien, jedenfalls war sie echt schnell und souverän unterwegs mit den Drinks, die sie zu machen hatte. Auch meine Bestellung (Bill’s Burger, Sweet Potato Fries und n Vanille Shake) war ratzfaz geliefert. Die Süßkartoffel-Pommes haben mir auch gut geschmeckt – mal was anderes, aber ich mochte Konsistenz und Geschmack. Auch der Burger und der Shake waren gut.

St. Patrick's Cathedral

St. Patrick’s Cathedral

Nach dem Essen ging ich auf die Straße zurück, fotografierte die St. Patricks Cathedral, die unmittelbar neben dem GE Building steht und wie auch die Trinity Church einen etwas verlorenen Eindruck zwischen all den Wolkenkratzern macht. Diese Dinger sind einfach so extrem hoch, und selbst die Bauwerke aus den 30er-Jahren wie das Rockefeller Center oder Empire State Building wirken immer noch so modern, dass so eine klassische Kathedrale irgendwie wie ein Fremdkörper dazwischen wirkt.

Danach ging ich dann Richtung Norden und damit Richtung Central Park (um mich dessen zu versichern, bemühte ich mal wieder meine Freunde Google Maps und die NavStar-Satelliten über mein Handy). Aber die Baumansammlung in der Nähe hätte mich auch schon überzeugen können.

Ferngesteuerte Segelboote auf einem Teich im Central Park

Ferngesteuerte Segelboote auf einem Teich im Central Park

Angekommen im Central Park fing es leider bald schon an zu dämmern. Okay… ich brauchte mal wieder K&K (Kaffee und Klo). Und wieder ereilte mich dasselbe Schicksal wie schon zuvor bei JR Electronics: Kaffee abgreifen (übrigens ca. 2,50 Dollar – darür bekommt man auf Staten Island zweieinhalb Kaffees, und die schmecken auch noch besser) und dann rauskomplimentiert werden, bevor man das zweite K nutzen kann. Frechigkeit! Naja, zum Glück bin ich ja recht flexibel, was das angeht. Ich ging weiter Richtung Norden, kam am Zoo vorbei, beobachtete von draußen ein paar Seehunde, die sich kabbelten und kam dann zu so einer Uhr, die gerade einen Halbstundenschlag durchführte. Dabei rotierten ein Nilpferd, ein Ziegenbock,ein Elefant, ein Känguru und andere Viecher, alle mit Instrumenten, auf einen Sockel, während dabei „Row, row, row the boat gently down the stream“ als Glockenspiel erklang. Zusammen mit „Fight for your right to party“ von den Beastie Boys im Ohr ein ziemlich konfuser Mix, ehrlich gesagt. Dann landete ich an einem kleinen Teich, auf dem einige Leute ferngesteuerte, vor Ort mietbare Segelboote steuerten. Gähn. Ich habe just einen tollen Hubschrauber zum Geburtstag bekommen, das rockt viel mehr.

Obelisk im Central Park

Obelisk im Central Park. Die Amerikaner lieben irgendwie diese Dinger, man findet sie überall. Ich hoffe, kommende Woche den bekanntesten von allen zu fotografieren.

So langsam war es echt dunkel, und ich hatte ja meinen 7:00 PM-Termin am 9/11 Memorial einzuhalten. An sich hätte ich den Central Park gerne einmal ganz umrundet, aber ich stellte fest, dass das einfach zeitlich nicht drin war, das Ding ist einfach zu groß. Außerdem ist es bei Dunkelheit erstens nicht so attraktiv, sondern zweitens an einigen Ecken nach Hörensagen auch nicht so ganz ungefährlich. Etwa auf Höhe des Metropolitan Museum of Art wendete ich mich also nach Westen und durchquerte den Park. Ich hatte es nicht mal bis zum Reservoir, der großen Wasserfläche im Norden geschafft.

Midtown Manhattan vom Central Park aus fotografiert

Midtown Manhattan vom Central Park aus fotografiert

Dafür machte ich von einer Brücke über einen der kleineren Teiche ein paar schöne Fotos der Skyline von Midtown Manhattan in der Dunkelheit – mit Spiegelungen auf dem Wasser. Echt nicht schlecht. Außerdem gab es hier öffenliche Restrooms, die ich nutzen konnte.

Also machte ich mich dann wieder auf der Westseite des Central Park wieder auf in Richtung Süden, denn ich musste ja meinen Termin einhalten. Ich fand dann eine Subway-Station, Columbus Circle. Von da aus fuhr ich eine Station mit der D-Linie Richtung Süden, stieg um in die E-Linie, deren Endstation im Süden ist die Station World Trade Center. Von da aus hieß es dann noch, den Wegweisern zu folgen.

911 Memorial South Pool

9/11 Memorial South Pool

Das 9/11-Memorial wurde erst am 11. September dieses Jahres eingeweiht, was mir vorher nicht bewußt war. Vorher hieß es natürlich wieder einmal, einen Metalldetektor zu passieren und Jacke, Gürtel, Fotoapperat, Handy und Rucksack in Plastikschalen zu packen, damit es durch einen Röntgenapperat laufen konnte (war ja schon das zweite Mal an diesem Tag). Mein Taschenmesser hatte ich diesmal zuhause gelassen. Nachdem das absolviert war, konnte ich also die Gedenkstätte betreten. Ich fühlte mich ein wenig seltsam. Das Gespräch mit Andrew hatte mich halt sehr nachdenklich gemacht. Der Besuch des Memorials stand halt auf meiner Liste neben Lady Liberty, Rockefeller Center, Empire State Buildung… als sei es einfach nur eine Sehenswürdigkeit und Attraktion. Aber es ist etwas anderes, so wie bei uns z.B Ausschwitz erinnert dieses Mahnmal daran, was wir Menschen fähig sind, unseren Mitmenschen an Leid zuzufügen. Das ist kein Entertainment, sondern Reflexion über die dunkle Seite von uns Menschen.

Namen auf dem 9/11 Memorial

Die Namen auf dem 9/11 Memorial. Hier von FDNY-Einheiten, von Feuerwehrleuten, die beim Einsatz ums Leben kamen.

Die Gedenkstätte ist zwar schon eingeweiht, aber immer noch Teil einer Baustelle. Im Wesentlichen besteht sie aus zwei riesigen, quadratischen Pools, in der Fläche etwa 1 Acre (ca. 4000 qm), die Standort und Ausmaße der Grundfläche der gefallenen Türme markieren. An den Seiten der Quadrate sind künstliche Wasserfälle, 30 foot (zwischen 9 und 10 Meter) Fallhöhe. Das Wasser fließt dann in ein erhelblich kleineres Quadrat unten am Boden und wird von dort wieder hochgepumpt. Gesäumt werden die Quadrate von einer Blende aus Bronze, aus der die Namen aller fast 3.000 Opfer der Anschläge herausgefräst wurden, von unten beleuchtet. Die Namen sind sortiert nach den Opfern in den Flugzeugen (mit Flugnummern), im World Trade Center, im Pentagon, von den verschiedenen Rettungsgruppen der Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste sowie sechs Opfer des Bombenanschlags am 23. Februar 1993, darunter eine schwangere Frau.

Es war seltsam. Ein Security-Mann stellte mir die obligatorische Smalltalk-Frage „How are you doing“. Ich antwortete sowas wie „Fine, but I’m pretty much aware that this is not a fun-fair“. Mir ist irgendwie klar geworden, dass die NYPD-Leute und die sonstige Security vor Ort sich natürlich irgendwie nicht permanent von dieser Stätte runterziehen lassen kann – wie sollen die denn sonst mit ihrem Leben zurechtkommen, auch wenn sie jeden Tag an dieser Stelle ihren Dienst versehen. Ich selbst hatte teilweise Tränen in den Augen. Und die anderen Besucher… es gab Leute, die mit betroffenem Gesichtsausdruck das Metall der Bronzeumfriedungen berührten. An einer Stelle steckten Rosen in den ausgefrästen Buchstaben der Opfernamen. Andere Besucher ließen sich mit den Mahnmalen fotografieren, als sei es die Freiheitsstatue. Das fand ich ziemlich geschmacklos, so nach dem Motto „Cheese! Lächeln! Du wirst mit dem Grab von tausenden von Leuten fotografiert, die hier ermordet wurden!“ Ich glaube, insofern ist es ganz gut, dass Andrew da nicht hinfährt, das würde ihn echt krank machen, schätze ich. Wahrscheinlich waren diese Leute nicht bereit, den Horror und die abgründigen Seiten in uns Menschen an sich heranzulassen. Schön, aber was haben die dann da zu suchen, fragte ich mich. Da fehlte wohl ein Stück Reife.

Stahl aus dem World Trade Center

Stahl aus dem World Trade Center. Über 1,5 Millionen Tonnen an Stahltrümmern fielen nach der Zerstörung der Türme an. Einiges wurde symbolisch verarbeitet, etwa in die Staten Island Fähre Spirit of America. Andere Teile sind Ausstellungsstücke. Mich erinnert das irgendwie an Stücke der Berliner Mauer. Nur, dass es hier einen negativen Beigeschmack hat.

Nachdem ich beide Pools abgeschritten hatte, ging ich noch ins Visitor’s Center. Hier konnte man Devotionalien erwerben, es lief ein Film (der sich mit Opfern, Anghörigen von Opfern, aber auch der Zukunft der WTC-Site beschäftigte), außerdem wurden Fotos und Überbleibsel des Anschlages ausgestellt. Darunter Trümmerteile der Gebäude und Privatgegenstände von Opfern, die geborgen wurden. Zur Zeit ist das Gelände noch eine Baustelle, und auch das Memorial ist noch ein Provisorium. Geplant ist folgendes: Einerseits soll das Gelände immer eine Gedenkstätte bleiben. Neben den beiden Pools sollen noch 400 Eichen gepflanzt werden, außerdem befindet sich ein Museum im Bau, welches am 11. September 2012 eröffnet werden soll – an diesem Tag nur für Anghörige von Opfern, danach für alle. Andererseits sollen die Neubauten wie das One World Trade Center (wenn es fertig ist, das höchste Gebäude in Nordamerika) und das schon fertige, neue WTC 7 zeigen, dass man nicht aufgibt, sondern weitermacht und wieder aufsteht. Dies kann auf der Website projectrebirth.com genauer unter die Lupe genommen werden. Da gibt es einen interessanten Film zum Thema.

One World Trade Center - ein Symbol der Hoffnung

One World Trade Center. Der neue Turm ist ein Symbol des Wiederaufstehens und der Hoffnung.

Ich war im Prinzip eh schon fast durch, wurde dann aber von einem Security-Menschen zum Ausgang komplimentiert, weil man schlösse. Déjà vu all over. Gefühlt war das genug Betroffenheit für den Tag. Meinen Appetit hat es mir nicht verdorben, und es war Zeit zum Abendessen. Ich hatte eigentlich Lust auf Chinesisch. Es gab was in der Nähe, aber der hatte zu. Letzenendes landete ich bei Burger King. Da wäre mir Subway lieber gewesen. Aber ich hatte keine Lust mehr, noch groß zu suchen. Also besorgte ich mir eine Packung Hühnerklumpen mit Diet Coke und Pommes und vernichtete dieselben.

Und danach machte ich so einen typischen Karlchen-Fehler. Ich hab einfach nicht nachgedacht. Da hab es neben den Restroom eine Tür, die mit „Exit“ gekennzeichnet war, allerdings so ne Art Tür, die wie ein Notausgang gestaltet war. Und es war nicht die Tür, durch die ich gekommen war (die Essensausgabe war im Erdgeschoss, die Sitzplätze und Restrooms eine Etage höher, das zum Verständnis). Wie auch immer, ich öffnete die Tür und ging hindurch. Die Tür schloss sich hinter mir. Ich fand mich in einem Treppenhaus wieder und ging die Treppe runter. Unten angekommen gab es zwei Türen. Eine hatte nichts, um sie irgendwie zu öffnen. Die andere schon, aber auch diverse Hinweise, dass man sie auf gar keinen Fall nach Anbruch der Dunkelheit öffnen sollte. Hm. Ich ging das Treppenhaus wieder ganz hoch. Überall Türen, die nicht zu öffnen waren. Da ich keine Alternative mehr sah, ging ich runter und versuchte, die Tür, die man nicht öffnen sollte, zu öffnen. Es ging nicht. Mit anderen Worten, ich saß in der Falle. Was tun? Mir kam in den Sinn, mit meinem Handy die Notfallnummer 911 zu wählen. Bei der massiven Präsenz des NYPD in dieser Gegend wäre das wahrscheinlich gar keine schlechte Idee gewesen. Aber es war mir peinlich, und ich hätte wahrscheinlich nicht mal eine ordentliche Standortbestimmung durchgeben können. Im Erdgeschoss gab es eine Tür mit einem Fenster, hinter der Licht war. Da klopfte ich. Keine Reaktion. Hinter einer Tür in einem anderen Stockwerk hörte ich Stimmen. Ich klopfte. Sogar ein SOS. Keine Reaktion. Schließlich versuchte ich das noch auf einem anderen Stockwerk und wurde von einer Reinigungskraft von Burgerking aus meiner misslichen Lage befreit. Puh. Das war echt unangenehm gewesen.

Ich suchte mir ne U-Bahn-Station. Habe dann mit meinem doch eingeschränkten Orientierungssinn peinlicherweise die Word Trade Center Station nicht wiedergefunden und bin dann von Fulton Street losgefahren. Der Rest war Routine. Rückweg mit der U-Bahn, noch paar Getränke einkaufen, zurück zum Hotel. Fotos auswerten, bloggen. That’s all, folks!

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Staten Iceland

Gegen halb zehn aufgewacht. Reicht noch locker fürs Frühstück. Heute gabs zusätzlich Waffeln. Yummie!

Ich hab dann noch so eine klitzekleine Galerie nebst Poll zum Thema Handtaschen gemacht, damit meine Handtaschen-Freundin und alle anderen Interessierten sich hier mal schlaugucken und für ihre persönlichen Favoriten voten können. Sorry, aber der Alltag bei noz.de prägt irgendwie die Denke…

Freiheitsstatue

Lady Liberty vom Staten Island Ferry aus aufgenommen

Ich recherchierte über einen Trip zum Liberty Island und fand raus, dass sich das nicht so wirklich lohnt, weil man wegen Renovierungsarbeiten zur Zeit nicht in bzw. auf die französische Lady kommt. Igitt… das klingt irgendwie anzüglich, ohne dass das meine Absicht war. Meine Schwester, die mit Familie vor kurzem in dieser Stadt war, empfahl, kostenlos mit der Staten Island Fähre zu fahren, von der aus fährt man zumindest recht dicht dran vorbei. Ich entschied mich, genau das heute zu machen. außerdem habe ich nochmal geguckt, wie es mit dem 9/11 Memorial aussieht. Das muss man online reservieren. Kostet nix, um Spenden wird gebeten. Mach ich vielleicht morgen oder Sonntag.

Wieder nach 13 Uhr verließ ich das Hotel, wieder dachte ich, dass ich doch mal früher losziehen müsste. Draußen emfing mich strahlender Sonnenschein. Das bekomme ich in meinem Zimmer nicht so mit, weil hier eine Wand eines benachbarten Gebäudes nicht weit von meinem Fenster entfernt ist. Allerdings war es auch ziemlich kalt, aber ich habe Schal und sogar Handschuhe eingesteckt (und war später sehr froh darüber). Ich fuhr also zur Station Bowling Green. Da ich sowieso mal aufs Klo musste, beschloss ich, dort erstmal den Lunch einzunehmen. (Es bietet sich einfach immer an, den Stoffwechsel in beide Richtungen miteinander zu kombinieren). Ich fand einen Laden, der alles mögliche anbot, ich hatte mal Bock auf Pizza.

Staten Island Ferry Terminal

Staten Island Ferry Terminal, nahe Battery Park, Lower Manhattan

Danach zog ich los Richtung Staten Island Terminal. Ich war gestern bei meinem langen Spaziergang um die Südspitze Manhattans bereits daran vorbeigekommen. Hm. Dabei hatte ich irgendwo ein Schild vonwegen „Airport-style security“ gelesen, und was man so alles nicht mitnehmen dürfte. Allerdings: Das muss bei einem anderen Ferry Terminal gewesen sein. Ich hatte einen Metalldetektor erwartet und Rucksack-Durchsuchung erwartet wie am Empire State Building, aber Pustekuchen. Dabei hatte ich extra nicht so viel zu trinken mitgenommen und mein Taschenmesser im Hotel gelassen, welches ich sonst immer dabei habe. Ich hatte die Abfahrtszeiten im Netz recherchiert und war knapp rechtzeitig da. Das ist schon eine tolle Sache mit dieser Fähre. Es kostet nichts und die Schiffe sind ziemlich groß. Gerade mal im Netz geschaut, ich bin hin mit der „Sen. John J. Marchi“ und zurück mit der „Spirit of America“ gefahren. Baugleiche Schiffe, können 4.400 Passagiere (!) und 30 Autos transportieren. Es gibt ein Schiff, das keine Autos transportiert, dafür 6.000 Passagiere. Gewaltig, finde ich! Die „Spirit of America“ wurde 2004 gebaut. Der Kiel besteht aus Stahl von den zerstörten Türmen des World Trade Centers (scheint im Schiffbau angesagt zu sein, ich habe mal gelesen, dass auch die Navy die USS New York, ein San-Antonio-Klasse Landungsboot-Mutterschiff hat, dessen Vordersteven ebenfalls aus WTC-Stahl gefertigt wurde) . Jedenfalls wundert es mich jetzt nicht, dass alle so gelassen durch die riesigen Türen auf das Schiff spazierten – es kommen einfach offenbar immer alle mit, weil diese Schiffe so unglaublich viele Leute transportieren können.

Lower Manhattan Skyline von Staten Island Ferry aus

Lower Manhattan Skyline von Staten Island Ferry aus fotografiert

Die Überfahrt dauert eine knappe halbe Stunde. Wie gesagt, es war strahlender Sonnenschein, aber durch den Wind echt kalt, gut, dass ich meinen Schal dabei hatte. Ich habe sehr viele Fotos der Lower Manhatten Skyline, der Brooklyn- und Manhattan-Bridge sowie natürlich der Dame mit der gen Himmel gereckten Fackel in der Hand gemacht.

Die Lady aus Frankreich und ich

The Lady and the Tramp - oder so ähnlich

Angekommen auf Staten Island hatte ich eigentlich kein besonderes Ziel. Im Prinzip war der Weg das Ziel, ich fahre einfach gerne mal mit so einem Boot, und außerdem wollte ich halt die Freiheitsstatue knipsen. Ich passierte erstmal ein Busterminal mit sehr vielen, wartenden Bussen. Staten Island ist ziemlich groß, neben mehreren Buslinien gibt es sogar eine U-Bahn-Linie. Ich ging zur Wasserseite, wo mich ein Pärchen aus Israel (ich habe erst „Island“ verstanden) mich bat, ein Foto von ihnen vor dem Panorama Lower Manhattans zu machen. Anschließend machte er ein paar Fotos von mir.

Panorama Lower Manhattan und ich von Staten Island aus

Panorama Lower Manhattan und ich von Staten Island aus fotografiert von einem Mann aus Israel

Ich suchte im Wesentlichen mal wieder nen Restroom und Kaffee. Also ging ich ein paar Schritte ins „Landesinnere“. Ich fand eine hübsche, kleine Kirche, einen Pub und einen Laden, wo ich für einen Dollar einen Kaffee bekam (Restroom inklusive). Nachdem ich ein paar nette Worte mit dem Mann, der mir den Kaffee verkaufte (der gar nicht übel war)  gewechselt hatte, nahm ich noch einen zweiten Kaffee für den Weg, und mit dem Koffeinträger in der Hand und AC/DC im Ohr pilgerte ich zurück zur Wasserseite. Es dämmerte, und die Skyline Lower Manhattans begann zu leuchten. Als ich knipste, fragte mich ein Mann, ob da große Gebäude schon zum neuaufgebauten World Trade Center gehöre und ob schon was fertig sei. Ich antwortete auf Englisch, das sei das One World Trade Center, zur Zeit 290 Meter hoch, geplant über 500 Meter und das neue WTC 7 sei schon fertiggestellt. Das alte WTC 7 war durch herabfallende Teile der großen Türme und Feuer so stark beschädigt, dass es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Nachdem er mich gefragt hatte, wo ich herkomme, konnten wir uns dann auf Deutsch weiter unterhalten. Er erzählte, dass er mit einem Containerschiff als Passagier über New Orleans eingereist sei.

Lower Manhattan Skyline von der Fähre aus kurz vor dem Ablegen

Lower Manhattan Skyline von der Fähre aus kurz vor dem Ablegen

Er wollte dann nochmal in den Ort, ich wollte die 5:45 PM Fähre zurück nach Lower Manhattan nehmen, also verabschiedeten wir uns. Es war echt kalt, und ich zog sogar meine Handschuhe auf der Fähre an. Obwohl ich nicht glaubte, wegen der langen Belichtungszeiten von der sich bewegenden Fähre ordentliche Fotos zu machen, versuchte ich es trotzdem und machte auch ein paar kleine Videoclips.

1 WTC von der Staten Island Fähre aus

1 WTC von der Staten Island Fähre aus fotografiert

Nachdem die „Spirit of America“ angedockt hatte, ging ich zurück zur „Bowling Green“ Station und entschied mich, nochmal zur Brooklyn Bridge zu fahren. Nachdem vorgestern der Spaziergang über die Brücke eher nass ausfiel und die Sicht mieserabel war, wollte ich einfach nochmal in die andere Richtung drüber latschen und möglicherweise ein paar schöne Fotos machen. Das machte ich dann auch. Dabei spielte ich ein wenig mit Belichtungszeit und Blende herum, dabei kamen auch ein paar recht schöne Fotos heraus, unter anderem der aktuelle Header. Leider wurden viele nicht so richtig scharf, weil sich die Vibrationen durch den Autoverkehr auf die Kamera übertrugen. Ich hielt mich bestimmt eine Dreiviertelstunde (habe nicht auf die Uhr geguckt) auf der Brooklyn-Bridge auf, um zu fotografieren.

Pier 17 und Lower Manhattan Skyscrapers von der Brooklyn Bridge aus

Pier 17 und Lower Manhattan Skyscrapers von der Brooklyn Bridge aus fotografiert

Auf der Brooklyn-Seite angekommen verpasste ich irgendwie die Fußgängertreppe, die ich vorgestern benutzt hatte. Ich ging einfach weiter und war dann irgendwie in so einem College-Viertel mit Tech- und Law-Schools. Mir war ein wenig danach, einfach zu bummeln und der Nase nach die Gegend zu erkunden. Irgendwann bog ich in die Fulton Mall ein, eine Straße, in der bereits Weihnachtsbeleuchtung installiert war. Hier gab es eine Menge Geschäfte. Vor allem: Schuhgeschäfte. (Dass mir an dieser Stelle niemand auf falsche Ideen kommt!) Es war Zeit, was zu essen und… naja, halt das andere. Ich war dann einfach bei Mc’D, wo auch schon Weihnachtsmusik lief. Hab da halt gefuttert, leider war dann ein Restroom „Out of order“ und vor dem anderen eine Schlange. Hab dann verzichtet und bin weiter die Fulton Mall runtergegangen. In einer Pharmacy erstand ich einen Chapstick. Für die, die nicht wissen, was das ist: Quasi ein Labello. Es gab auch Nivea-Dinger, aber die kosteten 1,50 Dollar mehr, und hey, wozu ist man in den USA. Ich kauf hier ja auch kein Becks-Bier.

Fulton Mall mit Weihnachtsbeleuchtung

Fulton Mall mit Weihnachtsbeleuchtung. Und ich habe keine Fotos von den Schuhgeschäften gemacht!

Ich ging dann wieder in die Gegenrichtung, ich hatte irgendwo eine Subway-Station gesehen. In unmittelbarer Nähe war noch ne Bank of America, wo ich meinen Barmittelvorrat auffrischte und mir 300 neue Dollar besorgte. Für 3 Dollar Gebühr. Ist ja niedlich, wenn ich zuhause Geld bei einer fremden Bank hole, kostet mich das, glaube ich, fünf Euro. Danach fuhr ich von Jay ST Metro Tech mit nem A-Zug Richtung Queens, switchte bei Hoyt Schermerhorn in die G-Line und fuhr zur Flushing Ave. Mein jüdischer Supermarkt hatte schon zu, hab dann bei dem kleinen Laden, der ebenfalls in der Nähe meines Hotels liegt, noch Coke und Bier besorgt. Ab ins Hotel, Glotze an, Schuhe aus, Bier auf und bloggen.

Bis morgen. Dann ist wahrscheinlich 9/11 Memorial und/oder Central Park angesagt.

Bier

Links: Eine Kinderportion Kinderbier. Rechts: King Cobra mit 6% vol.

PS: Wie ich bereits erwähnte: Ich kauf hier kein Becks. Letzenendes habe ich Lust, ein paar amerikanische Biersorten durchzuprobieren. Wie ich ebenfalls erwähnte: Ich war noch bei dem kleinen Laden in der Nähe meines Hotels. Dort habe ich „King Cobra“ gekauft, mit 6% vol. vergleichbar mit Astra Rotlicht. Das merkt man auch deutlich. Vor allem im Vergleich zu Bud Light in Kinderportions-Dosen. Der neuste Spleen der Yanks, diese Dosegröße.

Korrektur: In diesem Artikel habe ich geschrieben, dass WTC 7 schwer beschädigt und darufhin abgerissen wurde. Das entspricht nicht den Tatsachen. Tatsächlich wurde WTC 7 bei den Anschlägen zerstört, das Gebäude stürzte nach den beiden Haupttürmen ebenfalls ein.

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Totes ’n Handbags special

So Mädels! Hat mich eine Menge Arbeit gekostet, die ganzen Bilder zu drehen. Also schaut es Euch gefällgst an! Wo steckt Euer Favorit?

Note: Kommt bloß nicht auf den Gedanken, gleich irgendwas bei mir zu bestellen. Das hier ist ein Blog, kein Online-Store! Hmpf!

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Occupied

Heute bin ich erst nach 13 Uhr losgekommen. Einerseits habe ich vorher noch Postkarten und mein privates Tagebuch geschrieben. Andererseits hatte ich wegen des Wetters nicht so recht Lust, überhaupt loszuziehen. Und drittens war in den Nachrichten auf NBC NY die Rede davon, dass die „Occupy Wallstreet„-Bewegung heute wichtige U-Bahn-Knotenpunkte lahmlegen könnte. Aber ich zog dann halt trotzdem irgendwann los.

Wall Street Metro Station

Wall Street Metro Station

Ich hatte mich zuvor noch mit einem Amerikaner unterhalten, der einfach so beunruhigende Dinge wie „It’s getting out of control“ sagte. Der hat, glaube ich, weniger die „Occupy“-Bewegung als mehr den Kapitalismus gemeint. Er erzählt, er habe schon Glück, wenn er zwei Wochen Urlaub bekäme. Viele Amerikaner haben zwei oder drei Jobs, um zu überleben und ihre Familien zu versorgen – und kaum Freizeit.

In der U-Bahn schnackte ich noch mit einer sympathischen jungen Frau, der ich geholfen hatte, leichte, aber sperrige Kartons die U-Bahntreppen runterzutragen. Sie war so freundlich, was nettes über mein Englisch zu sagen. War sehr nett, sie half mir dann noch mit meiner U-Bahn-Verbindung (obwohl ich auch so ziemlich gut zurecht komme).

Der Plan war eigentlich, erst mal zum World Trade Center zu fahren und vielleicht das Memorial zu besichtigen. Von da wollte ich dann zur Wall Street, um ein wenig Demo-Tourismus zu praktizieren. Es lief dann aber irgendwie umgekehrt besser. Zum Thema Demo-Tourismus kann man mir sicherlich ein Stück weit Sensationsgeilheit vorwerfen. Ist auch was dran. Bei „Katastrophentourismus“ sehe ich das anders, denn wenn Menschen verletzt oder getötet werden, dann sollte man darin keine Unterhaltung finden, außerdem steht man den Rettungskräften im Weg. Aber hier war ich einfach neugierig, wie das, was ich zuvor auf NBC NY gesehen habe, live aussah. Und das überprüfte ich, in dem ich einfach an der Metrostation Wall Street ausstieg.

Polizei und Presse warten auf Demonstranten

Polizei und Presse warten auf Demonstranten

Zunächst allerdings sah ich erstmal kaum etwas. Zwar warteten Polizei und Presse mit beachtlichem Aufgebot an Menschen und Material an der Trinity Church. Am Straßenrand standen diverse Cop-Autos und Übertragungswagen mit ausgefahrenen Antennenmasten. Aber keine Demonstranten weit und breit.

Ich ging erstmal mittagessen und futterte in einem Laden names TAZ Café ein Chicken-Parmesan-Sandwich. Yummie! Nicht bei den Standard-Ketten zu essen birgt Risiken, aber auch Chancen. Außerdem musse ich mal den Restroom benutzen.

Schild Restroom TAZ Cafe

Apropos Risiken: Ich bin nich sicher, ob ich das beruhigend finden soll...

Anschließend ging ich wieder einmal der Nase nach einfach drauflos. Irgendwie bin ich nicht so der Planer, der sich morgens genau zurechtlegt, was zu tun ist, und das dann präzise umsetzt. Irgendwie vereinbart sich das instinktiv nicht mit meiner Vorstellung von Urlaub. Ich mag es eher, so eine ungefähre Vorstellung zu haben, was ich tun will, ansonsten mich aber auch einfach treiben zu lassen. So auch jetzt. In Manhatten kommt man eigentlich auch ganz gut ohne Straßenplan zurecht. Eigentlich wollte ich ja zum World Trade Center, aber ich folgte einem Schild Richtung Brooklyn Bridge. Das Wetter war bei weitem nicht mehr so schlecht wie gestern, also überlegte ich, bei nun besserer Sicht nochmal neue Fotos zu machen.

Brooklyn Bridge von Pier 17 aus

Brooklyn Bridge, dahinter die Manhattan Bridge von Pier 17 aus fotografiert.

Ich landete dann südlich der Brooklyn Bridge bei Pier 17. Das kannte ich schon von Fotos meiner Handtaschen-Freundin, die auch schon mal in New York war. Hier liegen historische Schiffe an Pier 16, unter anderem die bei Blohm und Voss in Hamburg gebaute „Peking“, ein Schwesterschiff der „Passat“ und der gesunkenen „Pamir“. Also eine Viermast-Bark. Allerdings kann ich die Schiffe nicht besichtigen, das Museum öffnet erst wieder im Frühling. Aber es war trotzdem schön am Pier 17, ich machte viele Fotos von der Brooklyn- und Manhattan-Bridge, den Museumsschiffen und der Queen Mary II, die auf der Ost-Seite des East Rivers neben einem Containerhafen lag.

Queen Mary II

Die Queen Mary II. Dieses Schiff habe ich vom Zug aus sonst zweimal in Hamburg gesehen.

Zwischendurch besorgte ich mir beim umfangreichen Gastronomie-Angebot innerhalb des Pier 17 Gebäudes einen Kaffee. Ich überlegte, vielleicht zu bleiben, bis es dunkel würde, um Fotos der Brücken bei Dunkelheit zu schießen. In der Zwischenzeit knipste ich noch ein paar Silbermöwen, die sich auch aus extremer Nähe fotografieren ließen.

Möwe

Die New Yorker Möwen lassen sich nicht leicht aus der Ruhe bringen.

Nachdem der Kaffee getrunken war, wurde es mir aber zu langweilig, also machte ich mich auf den Weg Richtung Südspitze Manhattans. Ich kam an einem Heli-Port und mehreren Fähr-Terminals vorbei, auch an dem riesigen Terminal für die Staten Island Fähre, mit der ich noch am Wochenende mal fahren möchte. Es wurde langsam dunkel, und ich konnte recht nette Fotos der Freiheitsstatue im Abendrot schießen. Ich kam am Batterypark vorbei, in dem zur Zeit aber viel gearbeitet wird, ist also eine Baustelle. Ich umrundete die Südspitze Manhattans und ging bis Höhe World Financial Center. Ich denke, es waren so vier oder fünf Kilometer, die ich in fast anderthalb Stunden zurücklegte, unterbrochen immer von Foto-Stopps.

Lady Liberty im Abendrot

Als hätte die Lady aus Frankreich mit ihrer Fackel den Himmel entzündet. Böses Mädchen!

Dann hatte ich keine Lust mehr und verließ die Wasserseite. Ich kam am World Financial Center vorbei, dann zum World Trade Center. Das ist noch eine riesige Baustelle. World Trade Center 7 ist schon fertiggestellt und auch immerhin weit über 200 Meter hoch. Das sogenannte One World Trade Center ist im Bau und mehr als halbfertig. Es soll über 500 Meter hoch werden, höher als die zerstörten Türme. Es ist bereits 290 Meter hoch und damit das höchste Gebäude in Lower Manhattan, höher als World Trade Center 7 und das American International Building.

American International Building

American International Building

Ich fand einen JR Elektronik Store. Aber mich reizten nicht die Laptops dort, sondern eher das integrierte Café, denn ich wollte einen Kaffee, einen Doughnut und einen Restroom. Ich bekam einen Kaffee und Free W-LAN. Aber ich guckte mal kurz mit einem der dort bereitgestellten Rechner ins Netz. Doughnut und Restroom: Fehlanzeige. Vielmehr wurde man von einem freundlichen Amerikaner mit dem Hinweis, man schlösse in zehn Minuten, hinauskomplimentiert.

Trinity Church, One World Trade Center, World Trade Center 7

Links Trinity Church, Mitte One World Trade Center, rechts World Trade Center 7. So ein Kirchlein wirkt in mitten dieser Wolkenkratzer ziemlich verloren.

Wieder auf der Straße fand ich mich dann auf der Rückseite der Trinity Church wieder. Und da waren sie, die Demonstranten. Und nicht wenige davon. Sie marschierten Richtung Brooklyn Bridge und skandierten „Whose Street? Our Street!“ oder „All day, all day, occupy Wall Street!“ oder „We are unstoppable, a new world is possible“. Die Polizei erinnerte die Demonstranten über Lautsprecher und mobilen Anzeigetafeln daran, auf dem Fußgängerweg der Brooklyn Bridge zu bleiben und nicht den Autoverkehr aufzuhalten. Oben am Himmel hatten mindestens zwei Presse-Helikopter Station bezogen, ich hatte die schon von der Wasserseite aus gesehen. Der Unterschied zu den Touri-Helikoptern ist, dass die sich ewig lange kaum bewegen. Die Polizei kurvte bestimmt auch noch am Himmel herum. Insgesamt viel Hubschrauber-Flugverkehr, soviel ist sicher. Die Presse interviewte fleißig Demonstranten, Journalisten diktierten ihren iPhones Texte, einer direkt neben mir sprach Französisch in sein Headset, riesige Kameras standen auf Stativen oder wurden auf Schultern durch Lower Manhatten gewuchtet, die Übertragungswagen mit ihren ausgefahrenen Antennenmasten und/oder gewaltigen Satellitenschüsseln funkten die Berichte in die Welt. Ich fand alles hochspannend, las die Banner und Transparente der Demonstranten, die mit ihren LED-Teelichten unterwegs in Richtung Brücke waren und schoss Fotos und kleine Videos mit meiner Digitalkamera. Ein Transparent besagte zum Beispiel „Police join us. You are 99% too!“. Den Nachrichten zufolge sympathisieren die Polizisten teilweise inhaltlich auch durchaus mit den Demonstranten.

Demonstrantin im Interview

Occupy Wallstreet Demonstrantin im Interview.

Aus irgendeinem Grund kehrte ein Teil der Demonstranten um und lief dann in die Gegenrichtung. Da wurde mir dann etwas mulmig zumute, ich wollte ja weder verhaftet noch totgetrampelt werden – all sowas kann ja passieren. Deswegen flüchtete ich in die nahegelegene U-Bahn-Station und nahm Linie 6 Richtung Uptown.

Fernseh-Vans

TV-Vans pumpen die Bilder über die Demonstration in den New Yorker Nachthimmel. Und das auch noch im Parkverbot.

Natürlich stimmte das Ganze nachdenklich. Ich frage mich allerdings schon, was die Demonstranten eigentlich erreichen wollen, falls sie überhaupt ein gemeinsames Ziel haben. Einige Transparente besagten „Seize the banks“. Wenn das Ziel ist, Aufmerksamkeit zu erregen und Frustration auszudrücken – das haben die Demonstranten mit Sicherheit erreicht. Aber ein wirklich vielversprechendes Alternativ-Rezept haben die Demonstranten auch nicht anzubieten. Einige wollen offenbar, dass weniger Geld ins Militär und mehr in die Bildung und Gesundheitsversorgung fließt, was ja ein vielversprechender Ansatz sein könnte. Andere wollen mehr staatliche Kontrolle der Banken. Aber die meisten wollen wohl einfach mehr soziale Gerechtigkeit – nur wie das zu erreichen ist, dürfte die Königsfrage sein.

Grand Central Terminal innen

Grand Central Terminal Haupthalle. Hier ließe sich hervorragend ein Airbus 380 parken.

Nun, wie gesagt, Linie 6 Richtung Uptown. Ich stieg dann an der Grand Central Station, also dem Hauptbahnhof aus. Wollte mir das einfach mal ansehen. Und das lohnte sich, weil das Bahnhofsgebäude von innen und außen unheimlich beeindruckend ist. Den Inschriften zufolge gibt es ein Gleis 117. Keine Ahnung, ob es wirklich so viele Gleise gibt, aber mich wundert hier gar nichts mehr. Gemessen an der Größe der Haupthalle könnte ich mir das wirklich vorstellen. (Update: Lt. Wikipedia gibt es 67 Gleise, gemessen an der Gleisanzahl ist es der größte Bahnhof der Welt) Edel anmutende, weitläufige Korridore, eine riesige Fressmeile mit Gastronomie verschiedener Ausrichtungen und Niveaus und wie überall unglaublich viele geschäftige Menschen. Jedenfalls versorgte mich Grand Central mit dem, worauf ich bei JR Electronics zuvor hatte verzichten musste: Mit einem Doughnut und einem Restroom.

Grand Central Terminal Gang

Ganz schön edle Inneneinrichtung für einen Bahnhof.

Draußen auf der 42th. Street stand am Eingang eines Luxushotels ein gut gekleideter Mann hinter einem Auto. Ich glaube, das war ein Fahrer eines Pick-up-Service für Gutbetuchte. Der beobachtete mich, wie ich die Bahnhofsfassade fotografierte und versorgte mich ungefragt mit wertvollen Zusatzinformationen „Did you know that Vanderbilt had two secret suites inside where he used to bang his women?“ Naja… eher nicht.

Grand Central Terminal Fassade

Grand Central Terminal Fassade

Auch das direkt neben der Grand Central liegende Chrysler Building konnte ich nun mal aus der Nähe ablichten. Anschließend machte ich mich zu Fuß auf in Richtung Times Square. Ursprünglich hatte ich darüber nachgedacht, dort noch ins Kino zu gehen. Allerdings war das ein Schlechtwetter-Plan gewesen, und das Wetter hatte sich im Vergleich zu gestern ja doch sehr gebessert. Aber vor allem hatte ich eigentlich schon genug für den Tag gesehen und erlebt. Also steuerte ich die Times Square Metro Station an, um wieder zum Hotel zu fahren.

Chrysler Building

Chrysler Building in der Dunkelheit aus nächster Nähe

Achja… im JR Electronics Café… ich hab noch versucht, dort den Restroom zu besuchen, nachdem der freundliche Amerikaner die 10-Minutes-Notice rausgelassen hat. Aber dort stand ich dann vor einer Tür. An dessen Klinke stand zu lesen: „occupied“. Mist.

Nachtrag: Ich habe folgenden Dialog zwischen einem Radfahrer und einem Cop nicht weit von der Brooklyn-Bridge entfernt ihm Rahmen der Proteste aufgeschnappt:

Cyclist: Sir, how do I ride to Brooklyn-Bridge?

NYPD: Just the usual way.

Cyclist: I usually use the Manhattan-Bridge, so there is no usual way.

NYPD: Just go where everybody is going.

Cyclist (looking at the protesters): Oh, f***!

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Dodging puddles

Um es vorweg zu sagen: Dieser Tag war durchwachsen. Ich habe zwischendurch gedacht, ich müsste besch… schreiben, aber es gab doch den einen oder anderen lichten Augenblick.

Nach dem Aufstehen (besser geschlafen), Frühstück und so weiter machte ich den Plan für heute. Habe mir inzwischen eine Liste der Sachen gemacht, die ich mir ansehen möchte. Der Plan war, zunächst zur Station High Street (südlich meines Hotels in Brooklyn) zu fahren und von dort aus zu Fuss über die Brooklyn Bridge zu laufen. Von dort aus dann weiter zu Fuss am East River entlang bis zur Südspitze Manhattens, um dort zu überlegen, einen Trip mit der Staten Island Fähre oder sogar eine Tour zur Lady Liberty zu unternehmen. Ich hatte zwar die Wettervorhersage gecheckt  und einen Schirm eingesteckt, ansonsten aber erstmal ignoriert.

Brooklyn Bridge von Brooklyn aus gesehen

Angekommen an der Brooklyn Bridge gab es dann gleich zwei Sachen, die – mal lieb ausgedrückt – suboptimal waren: Zum einen der Regen, zum anderen, dass wegen irgendwelcher Arbeiten an der Brücke so eine Art Sichtschutzwände hochgezogen waren. Beides erschwerte die Sicht auf den East River, die Skyline, den Containerhafen und historische Segelschiffe, die auf der Manhatten-Seite an Pier 17 liegen. Und natürlich auf die Freiheitsstatue, die zwar zu sehen war, aber im Dunst lag. Die Sache machte also nur begrenzt Spaß. Ich machte natürlich trotzdem fleißig meine Fotos, aber es war halt einfach nur grau und schlechte Sicht.

Freiheitsstatue im Regen

Lady Liberty steht im Regen. Genau wie ich.

Auf der Manhattan-Seite stieß ich dann auf das Rathaus New Yorks und einen nahegelegenen Park. Hier standen irgendwie seltsam viele Cop-Autos und so ein paar von den Chevy Suburbans, die in den Filmen immer vom FBI benutzt wurden. Aber ich glaube, wenn da überhaupt was los war, dann nur „Präsenz zeigen“. Ich suchte mir einen Subway, um mal aus dem Regen rauszukommen und um den Lunch einzunehmen.

Wolkenkratzer

Hier ist "Wolkenkratzer" einmal wirklich wörtlich zu sehen. Das Gebäude gehört, glaube ich, zur Pace University. Aufgenommen vom City Hall Park aus mit Gaslaternen (cool!) im Vordergrund.

Das mit dem Lunch war ja okay, aber nachdem ich ne Weile da gesessen hatte und mich also nicht so viel bewegt hatte, war es irgendwie zurück im Regen eher noch unangenehmer. Ich verwarf den Plan mit der Südspitze Manhattens und pilgerte erstmal ein paar Blocks Richtung Norden. Ein Radio Shack zog mich an, weil ich mir das mal ansehen wollte und außerdem auf der Suche nach einem Akkuladegerät war, welches ich in den USA und zuhause verwenden könnte. Meins daheim läuft nicht mit 110 Volt. Nunja, ich war nicht erfolgreich, trotzdem war es interessant, was die so in einem Radio Shack anbieten. Ist halt ein Elektronikladen, wo man Mobiltelefone, Lötkolben und auch einzelne Transistoren kaufen kann.

Wieder draußen hatte der Regen nachgelassen, die Laune war besser. Ein oder zwei Blocks weiter nördlich besorgte ich mir ein paar Postkarten und folgte dem Tipp, einen Block weiter westlich das Post Office aufzusuchen, um Briefmarken zu erstehen. Das habe ich sogar gefunden und dann Briefmarken gekauft. Leider stellte ich hier fest, dass mein Eastpack-Rucksack mitnichten wasserdicht ist. Ein Buch, welches ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe (ein echt gutes!), der New York Reiseführer, den ich mir nur ausgeliehen habe, und – vielleicht am schlimmsten – mein Reisepass wurden in Mitleidenschaft gezogen, was die Laune sofort wieder verschlechterte. Eine Karte schrieb ich dann sofort, danach ging es wieder raus in den Regen.

Möbel bei Macys

8th. Floor bei Macy's. Möbel. Und ein kleiner Tourist im Spiegel.

Ich beschloss, in Richtung Times Square zu fahren, suchte mir eine Metro Station und nahm die R-Line zur 33rd. Street. Dort ausgestiegen fand ich fast sofort das Macy’s – welches sich rühmt, nicht weniger als das größte Kaufhaus der Welt zu sein. Nun, eigentlich bin ich hier nicht allzusehr auf Shopping aus, aber ich wollte mir den Laden einfach mal ansehen, außerdem hatte ich ja noch kein Ladegerät gefunden… Erstmal fuhr ich einfach nur ganz nach oben, weil ich mal sehen wollte, wie weit es ging. Beim achten Stock (Möbel) war Ende. Beeindruckend waren die wahrscheinlich uralten Holz-Rolltreppen. Ganz oben suchte ich mir einen Restroom. Dieser war eigentlich eher ziemlich niedriger Standard – nicht so toll, denn das Haus macht ansonsten schon ein wenig auf edel. Ich drang aber auch in andere Ecken vor, die wohl eigentlich zum Betreten für die Öffentlichkeit nicht vorgesehen waren, die keinen so edlen Eindruck vermittelten.

Auch bei Macys

Auch das wurde bei Macy's aufgenommen. Aber eher "hinter den Kulissen".

Ich fuhr zurück in die 7., wo ich ein „Au Bon Pain“ gesehen hatte, so ne Kette für Kaffee, Pastries, Suppen und so. Da schnappte ich mir einen Nuss-Karotten-Muffin und einen Kaffee mit Haselnuss-Flavour. Der Muffin war exzellent, der Kaffee mäßig – nun, was will man anderes erwarten. Ich versuchte, noch ne Karte zu schreiben, aber mein Kuli streikte. Grrrr! Hat sich etwa alles gegen mich verschworen? Zwischendurch setzte sich eine farbige, junge Frau an meinen Tisch, die ein Bewerbungsformular für einen Job ausfüllte. Später, als ich schon im Aufbruch war, setzte sich ein britisches Ehepaar im Ruhestand, welches auf einer Kreuzfahrt kurz in New York festgemacht hatte, an meinen Tisch. Man habe, so sagte die Frau, lange in Deutschland gelebt, Düsseldorf, Munster, Osnabrück… Der Mann war halt in der Army, und so hat man auch sieben Jahre in OS gelebt. Die Welt ist klein.

Holzrolltreppe

Holzrolltreppe bei Macy's

Ich hatte inzwischen einen Forschungsauftrag bezüglich der aktuellen Handtaschen-Trends von einer Freundin per SMS bekommen. Zuvor hatte ich sie wissen lassen, dass ich zu Macy’s wollte. Und dann sowas. Irgendwie hatte sie was von „Orange Tote’s“ und „Beige“ geschrieben. Zunächst machte ich diverse Fotos von allen möglichen Handtaschen. Dann sprach ich einen Verkäufer an und fragte ihn, ob er Experte auf diesem Fachgebiet sei. Er wies mich darauf hin, dass ich bisher nur die Sonderangebote gesehen hatte und zeigte mir den Weg zur wahrscheinlich größten Handtaschen-Auswahl des Universums. Für manche Dame wahrscheinlich das Paradies auf Erden, aber für mich… HILFE! Ich fühlte mich zwischen den ganzen begeisterten Damen ohnehin wie ein Fremdkörper. Die genervten Herren an deren Seite hatten ja wenigstens mit ihren weiblichen Begeleitungen ein Alibi. Dennoch, ich nahm meinen Auftrag ernst, schließlich kam er von einer wirklich guten Freundin. Also schoss ich noch viele weiter Bilder von vielen weiteren Handtaschen und fragte eine Verkäuferin, die sich über die Geschichte „I’m doing quite a research study on the latest handbag trends  for a friend of mine back in Germany and have no clue on anything“ köstlich amüsierte. Ich fragte sie, ob „Orange“ und „Beige“ Marken oder nur Farben seien. Nur Farben, aber immerhin lernte ich, dass „Totes“ eine bestimmte Größe von Handtaschen bezeichnet, nämlich ziemlich große, versierte Damen können in einer solchen einen Fiat Panda, zwei Lippenstifte und ihr Mobiltelefon verschwinden lassen. Irgendwie fand ich es ja auch ein wenig amüsant, aber ich hatte einfach keinen Plan, wie vorzugehen sei. Über Flugzeugträger kann ich so einiges herausfinden, aber bei Handtaschen – da muss ich passen. Ich werde der Freundin eine defensive E-Mail samt einiger Fotos schicken. Ach ja, in Orange habe ich jedenfalls gar nichts gesehen, in Beige einiges. Manche dieser Handtaschen haben übrigens ein preisliches Niveau, bei dem man, glaube ich, den Fiat Panda so als Drein- bzw. „Dringabe“ gleich dazu bekommt.

Beige Handtaschen

Ich weiss nicht, ob meine Kamera die Farbe richtig wiedergibt. Aber es gab jedenfalls beige Totes. Dass das irgendwie von to tote (herumschleppen) kommt, habe ich mir schon gedacht. Aber ansonsten: Kein Plan.

Ich fand dann noch die – gar nicht so große – Elektronikabteilung im Keller. Hier gabs Laptops, Mobiltelefone, Blue-Rays, Wii-Spiele, Kopfhörer, Kompaktanlagen und so ein Zeug in nicht allzu großer Auswahl. Aber – oh Wunder – auf Nachfrage exakt das was ich haben wollte: Ein kompaktes Ladegerät für 4 AA- oder AAA-Zellen, amerikanischer Stecker aber mit Adapter für Euro-Stecker und für 110/220 Volt. Inkl. vier AA-Akkus mit 2.000 mAh für 20 Dollar plus Tax. Gekauft!

Empire State Building im Regen

Die Spitze des Empire State Buildings ist in den Regenwolken verschwunden. Was irgendwie cool aussah. Die runden Kreise sind Regentropfen auf der Linse.

Zuück auf der Straße und im Regen näherte ich mich wieder dem Times-Square. Ungeachtet des Wetters pulsierte hier wie wohl immer das Leben mit unendlichen vielen Menschen auf den Sidewalks. Durch die Regenschirme nahmen sie noch mehr Platz ein, und es kam auch ab und an zu Kollisionen zwischen den Schirmen. Diese Videowände an den Hausfassaden faszinierten mich immer noch sehr. Also, bei uns soll es wohl manchmal zu Autounfällen kommen, wenn die neuen H&M-Dessous-Plakate raus sind. Hier tänzeln Models in Unterwäsche über die Hochhausfassaden – also, wenn da nichts schiefgeht…

Samuel L. Jackson

Samuel L. Jackson in Wachs vor Madame Taussaud's Zweigstelle in New York.

Ich überlegte, ob ich mir vielleicht Madame Taussaud’s ansehen sollte. Draußen stand Samuel L. Jackson in Wachs und warb dafür. Kostet 36 Dollar plus Tax. Hm. Morgen vielleicht. Ich guckte mir auch an, was so im Kino läuft. Nix, was ich mir unbedingt angucken muss, aber einiges, was ich mir vielleicht angucken kann. Ich muss noch recherchieren. Morgen soll das Wetter auch schlecht sein, da ist ein Indoor-Programm angesagt, also vielleicht Madame Taussaud’s und/oder Kino. Der Regen nervte mich aber zunehmend, und meine Füsse taten weh. Also fuhr ich zurück nach Brooklyn, machte dort noch ein paar Einkäufe, um vielleicht den Abend mit nem Film auf dem Laptop oder im Fernsehen mit Bier und Chips zu verbringen.

Blog, Fernsehen, Chips und Bier

Feierabend: Bloggen, mexikanisches Bier und TV-Berieselung nebenbei.

Es ist nun schon zwanzig vor zehn, ich tippsel hier so vor mich hin und im Fernsehen läuft ne Anwaltsserie, die ich in Ruhe ignorieren kann. Morgen ist ein anderer Tag. Freitag soll das Wetter auch besser werden. Mal sehen, was dann so geht. Heute mache ich mir jedenfalls einfach einen gemütlichen Abend, weil ich einfach keinen Bock mehr habe, Pfützen auszuweichen.

Update: Inzwischen lief im Fernsehen nicht länger ne Serie, die ich ignorieren kann, sondern NY-Nachrichten, die ich nicht ignorieren konnte. Demzufolge wurde ein Mann verhaftet, weil er im Rahmen der „Occupy Wallstreet“-Demonstrationen mit einem Brandanschlag auf Macy’s gedroht hat. Außerdem wollen die Demonstranten morgen den Financial District lahmlegen. Dazu gehört auch das Subway-System. Mal sehen, was passiert.

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Intrepid Empire

Nach nicht so ganz durchgeschlafener Nacht (ist bei mir insbesondere an fremden Orten normal) wachte ich auf, als mein Handy-Wecker dudelte (obwohl ich das nicht hörte, ich hatte im Laufe der Nacht doch Ohrstöpsel eingesetzt). Das war jedenfalls um neun Uhr, weil ich bis 10.30 Uhr zu frühstücken hatte. Im ersten Moment fand ich das Büffet im Vergleich zum Eindruck, der im Internet vermittelt wurde, etwas enttäuschend. Aber es wurde auf Wunsch Spiegel- oder Rührei oder Omelett auf einer elektrischen Kochplatte von einer farbigen Frau gemacht, es gab leckeren French Toast und die Muffins schmeckten auch erstaunlich gut. Noch eine Orange für später und einen Kaffee für auf’m Zimmer abgegriffen, dann dort nochmal das heutige Ziel im Netz recherchiert.

Flugzeugträger USS Intrepid

Die "Intrepid", von der 42th. West aus gesehen. Leider habe ich wegen eines Fehlers im Weißabgleich viele solche blaustichigen Fotos aufgenommen. Mist.

Dieses war das „Intrepid Sea Air and Space Museum„. Es besteht im Wesentlichen aus dem ehemaligen Flugzeugträger USS Intrepid (was übrigens „unerschrocken“ bedeutet, verschiedene US-amerikanische Schiffe trugen schon vorher diesen Namen, und auch bei „Raumschiff Enterprise“ kommt ein Schiff dieses Namens vor). Ferner gehört eine auf dem Pier 86 geparkte Concorde und ein mit Marschflugkörpern bestücktes U-Boot aus den 60ern, die USS Growler, dazu. Wer mich kennt, weiß, dass ich alleine über dieses Museum einen ellenlangen Artikel schreiben könnte, aber ich versuche, mich zurückzuhalten. Ich war nach zwölf Uhr da und hatte bis 17 Uhr Zeit. Und die habe ich auch genutzt.

A-12 Oxcart

A-12 Oxcart. Seltsamer Name für ein Flugzeug, welches Mach 3,35 erreichen kann. Es wurden nur 13 Stück davon gebaut. Auf dem Heck dieses Flugzeugs stehend schlug Will Smith in dem Film "I am Legend" Golfbälle Richtung Manhattan. Sehr effektvoll.

Ich begann auf dem Flugdeck, auf dem in Gruppen 23 Flugzeuge (darunter auch fünf Hubschrauber) ausgestellt waren. Es waren auch Jets, die keine Trägerflugzeuge waren sowie eine ganze Reihe nichtamerikanischer Flugzeuge dabei. Insgesamt gab es unter anderem eine F16 Falcon, eine F14 Tomcat, eine A6 Intruder, eine F8 Crusader, eine E-1 Tracer, eine F4 Phantom, eine Sea Cobra, einen Huey, eine Mig-15, eine Mig-17, eine französiche Entendart und eine israelische Kfir zu sehen. Das beeindruckenste Flugzeug allerdings dürfte die A-12 Oxcart sein. Ich weiß nicht, wieso die Amis ein stromlinienförmiges Flugzeug, welches mehr als dreifache Schallgeschwindigkeit erreichen konnte und seiner Zeit weit voraus war, „Ochsenkarren“ nannten, aber die Amis sind manchmal erfrischend selbstironisch. Dabei handelt es sich um den Vorläufer der berühmten SR-71 Blackbird, die fast identisch aussieht, allerdings ist sie größer, schwerer und hat im Gegensatz zur A-12 zwei anstatt nur ein Besatzungsmitglied. Die SR-71 war ein bekanntes Aufklärungsflugzeug, welches noch heute diverse Geschwindigkeitsrekorde für Flugzeuge mit Luftatmenden Triebwerken hält, u.a. für die schnellste Atlantiküberquerung.

Nachdem ich alle Flieger an Deck ausgiebig geknipst hatte, ging ich erst auf die Flagg- und Navigationsbrücken, dann aufs ehemalige Hangar-Deck. Hier waren zwei weitere Flugzeuge, ein Avanger-Torpedobomber aus dem zweiten Weltkrieg (Präsident George W. Bush der Erste flog so’n Ding) und eine A4 Skyhawk, und zwei Hubschrauber ausgestellt. Außerdem war hier der Information-Desk, es wurden einzelne Teile wie z.B. Schleudersitze, ausgestellt, außerdem gab es Filme, interaktive bzw. edukative Knopfdruck-Ausstellungsstücke (wie funktioniert ein Triebwerk, warum fliegt ein Flugzeug u.ä.) und Modelle von Raumkapseln Mercury, Gemini und Soyus. Die „Intrepid“ diente nämlich nach dem 2. Weltkrieg und dem Vietnam-Krieg als Bergungsträger für die ersten amerikanischen Raumkapseln. Die Kapseln selbst und die Astronauten wurden von den Hubschraubern der „Intrepid“ eingesammelt und zum Träger verfrachtet.

Die Scorecard der Intrepid

Die "Scorecard" der "Intrepid" aus dem 2. Weltkrieg.

Jedenfalls habe ich den starken Eindruck erhalten (wenn mir das nicht schon vorher klar war), dass Krieg bei den Amerikanern manchmal mehr als eine Art Sport gesehen wird. Sehr deutlich wurde das anhand einer riesenhaften „Scorecard“ der „Intrepid“, auf der alle abgeschossenen japanischen Flugzeuge und versenkten japanischen Schiffe verzeichnet sind. Für mich ist eine Scorecard eigentlich eher etwas, was man zum Minigolf oder Bowlen verwendet, zumeist geht das ohne menschliche Verluste aus. Vielleicht wird dieser „Sportsgeist“ von Militärs und/oder Politik ja auch gewollt, weil es psychologisch dem Krieg vielleicht ein wenig seinen Schrecken nimmt, was ich für bedenklich halte.

Regulus-Marschflugkörper

Vor dem Turm zu sehen: Ein Regulus-Marschflugkörper. Gut, dass die niemals eingesetzt wurden.

Da ich gelesen hatte, dass die Besichtigungs des U-Bootes „Growler“ nur bis 16 Uhr möglich wäre, sah ich nach dem Aufenthalt im Hangar-Deck zu, dass ich dahin kam. Die „Growler“ ist ein Relikt des kalten Krieges. Ausgerüstet mit vier Marschflugkörpern des Typs „Regulus„, diese jeweils einem nuklearen Sprengkopf von 2 Megatonnen, lauerte das Boot auf Patrouille in internationalen Gewässern nahe der Sovietunion. Hauptziel: Abschreckung. Man ließ die Soviets über die Existenz solcher Boote nicht im Dunkeln und konnte so vermitteln, dass die Soviets nach einem erfolgreichen, nuklearen Erstschlag auf jeden Fall mit massiver Vergeltung zu rechnen hatten. Die Regulus-Marschflugköper konnten nicht getaucht abgefeuert werden. Vielmehr musste das Boot auftauchen, danach wurde eine Regulus aus dem Hangar am Bug gezogen, auf einen Launcher gestellt und dann diagonal abgefeuert. Das Verfahren dauerte 17 Minuten. Moderne U-Boote können Marschflugköper und ballistische Raketen getaucht abfeuern, und das Ganze geht viel schneller. Nicht unbedingt beruhigend… Nunja, ich sah mir das Boot halt von innen an und machte diverse Fotos. Insgesamt war das Boot erheblich geräumiger als die beiden U-Boote, die ich zuvor anderswo besichtigt hatte.

Concorde

Eine Concorde der British Airways

Die Concorde konnte leider von innen nur von Gruppen mit geführter Tour besucht werden. Sehr schade, das hätte ich mir auch gerne einmal angesehen. Aber ich machte diverse Detail-Fotos von außen. Dann ging ich die restliche Zeit nochmal zurück auf die „Intrepid“, ich hatte da einiges ausgelassen, um rechtzeitig auf der „Growler“ zu sein. Ich sah mir dann noch die Schleudersitz-Ausstellung, die Pantrys und Schlafräume an. Ein paar Sachen habe ich nicht mehr geschafft, mir anzusehen, darunter das CIC (Combat Information Center). Ich verließ den Träger dann zehn Minuten vor Toresschluss.

USS Intrepid beleuchtet

Die USS Intrepid, die "Insel" wird in den amerikanischen Farben illuminiert.

Anschließend machte ich kurz Pause auf einer Bank vor dem Pier mit meiner Orange und ner Dose Coke. Es war inzwischen dunkel, und ich spazierte auf den Pier, um noch ein paar Fotos vom patriotisch beleuchteten Träger und von der Skyline zu machen.

Danach war es schon Zeit zum Abendessen (jedenfalls angesichts der Tatsache, dass das Mittagessen ausfallen musste), ich fand in der Nähe ein Diner, in dem ich ein Chickensandwich und ein Budweiser verdrückte. Sehr lecker.

Times Square

Times Square - ein Fernseher-Laden für Riesen

Anschließend war ich nicht so sicher, was noch zu tun wäre. Eigentlich war ich schon recht geschafft nach den viereinhalb Stunden im Intrepid-Museum. Andererseits war ich mitten im pulsierenden Manhatten, und es war gerade erst kurz nach 18 Uhr. Ich pilgerte über den Times Square (ganz in der Nähe war ich auch aus der U-Bahn gestiegen, ich kannte das also schon ein wenig), der mit seinen unzähligen, ganze Hochhausfassaden bedeckenden LED-Anzeigetafeln ein wenig wie ein Fernseher-Laden für Riesen anmutet. Schon ziemlich beeindruckend, wenn ich noch ein Junge oder wenigstens Jugendlicher gewesen wäre, ich hätte den Mund wahrscheinlich nicht zu gekriegt. Nicht weit entfernt leuchtete das Dach des Chrysler-Building, also ging ich einfach mal in die Richtung, um vielleicht ein Foto aus der Nähe zu machen. Dabei kam ich dann aber dem Empire State Building recht nahe, welches mich dann (wieder) doch mehr lockte.

Empire State Building

Das Empire State Building aus nächster Nähe, diesmal in Blau. Die Beleuchtung folgt Wikipedia zufolge den Anlässen wie amerikanischen Feiertagen. Einmal im Jahr wird sogar schwarz-rot-gold beleuchtet.

Kurz vor dem berühmten Wolkenkratzer waren schon Männer unterwegs, die die Passanten ansprachen, ob sie nicht eine Tour buchen wollten. So auch mich. Zuerst dachte ich, es sei unseriös, aber die gehörten schon zum offiziellen Team. Man bot mir allerdings eine Tour zum Observation-Deck im 86. Stock an, die doppelt soviel wie die normale kostete, also schweineteuer war. Vorteile: Direkt rein, ohne Schlange zu stehen (kann schon zwei Stunden dauern) sowie ein virtueller Helikopter-Flug über New York. Nunja, direkt rein… vorher hieß es noch, durch den Metall-Detektor zu gehen. Mein Taschenmesser und meine drei Dosen „Miller Light“, die ich zwischendurch in einem Markt erstanden hatte, durfte ich nicht mit hochnehmen… dafür bekam ich einen Abholzettel. Der „Helikopter-Flug“ war dann ganz lustig, auf so ner hydraulisch bewegten Plattform, erzählt von Kevin Bacon und schon beeindruckend, aber den Preis nicht so unbedingt wert. Egal, ich hatte mich entschieden, dass ich da sofort hoch wollte, und das war es mir wert. Ich ließ mich also hineinkomplimentieren, und der Verkäufer, so ein jamaikanischer Rasta-Mann, zeigt mir noch den Weg zum „Sky Ride“. Allerdings würde ich weniger spontan Entschlossenen eher empfehlen, ordentlich Zeit mitzubringen und noch bei Tageslicht hochzufahren. Hoch ging es dann mit einem Express-Lift von Stockwerk 2 (hierher ging es über eine Treppe – zu bemerken ist hier auch, dass die Amerikaner kein Erdgeschoss kennen, 1st. Floor ist das Erdgeschoss, 2nd. Floor also das, was bei uns erst der 1. Stock wäre) zu Stockwerk 80. Hier gab es eine Ausstellung über die Geschichte des Gebäudes. Es ist schon eine beindruckende Leistung, dass dieses Gebäude während der Depression zur damaligen Zeit zwischen 1930 und 1931 in nur 12 Monaten fertiggestellt wurde. Alleine Planung und Logistik muss ein Meisterstück gewesen sein.

Blick vom Empire State Building

Atemberaubender Blick bei Nacht vom Empire State Building.

Dann ging es weiter, mit einem weiteren Fahrstuhl wurden die letzten sechs Stockwerke bewältigt. Zwar kann man auch eine Tour zum 102. Stock buchen, damit wäre man lt. Wikipedia 381 Meter hoch, aber auch das 86. Stockwerk bietet einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Nun, es war schon dunkel, was aber umso interessanter aussah. Aber bei Tageslicht hätte die Aussicht auch was für sich gehabt, daher mein Tipp, rechtzeitig da zu sein und Zeit mitzubringen. Ich machte gefühlte 3.000 Fotos.

Empire State Building Mast

Bedrohlich wie eine Energiewaffe gen Himmel gerichtet: Der Mast des Empire State Buildings. Einer Idee der Erbauer nach sollte dieser als Ankermast für Luftschiffe dienen. In dieser Höhe ist es dafür aber zu windig, deswegen kam es nie dazu.

Dann fuhr ich wieder runter, vergass erst, an der richtigen Stelle mein Bier und mein Taschenmesser zurückzufordern und ging dann wieder zurück. Der eine Security-Mensch begleitete mich dann mit meinem Taschenmesser noch ein Stück und wies mich an, es sofort wieder in meinem Rucksack zu verstauen. Mann, wie kann man nur so paranoid sein…

Eislaufen in Manhattan

Glückliche Menschen beim Eislaufen. Ich glaube, Bryant Park hieß die Ecke.

Ich latschte mal wieder erst in die falsche Richtung, sah mir zwischendurch noch Eislaufende, glückliche Menschen auf einer Eislauffläche (wie die berühmte beim Rockefeller Plaza) an, die ich zuvor schon aus 300 Meter Höhe gesehen hatte, kehrte um und war dann wieder beim Timessquare. Danach bestieg ich die U-Bahn, wechselte noch zweimal die Line und ging dann von Flushing Ave zu Fuss zurück zum Hotel. Zum Thema U-Bahn wollte ich noch eins erwähnen: Irgendwie erinnert die Begeisterung des Mannes vom Tonband, der immer „Stand clear from the closing doors“ sagt, an die eines Autoverkäufers, der versucht, die Toyota Camry-Modelle des Vorjahres an den Mann zu bringen. Für heute: Sayonara!

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No Sleep Till Brooklyn

Schon eine Woche vor Abflug habe ich überlegt, was ich als Wecksong in meinem Handy auswähle. Ich habe mich gegen den naheliegenden Klassiker von Frank Sinatra und für „No Sleep Till Brooklyn“ von den Beastie Boys entschieden. Wegen meines Hotels in eben diesem Stadtteils und der Vorgeschichte mit Musical, den Urlaub später als geplant antreten und ein wenig Geburtstag feiern passte das irgendwie besser… Allerdings wurde ich bereits eine halbe Stunde vorher von einer munteren Snoozetasten-Synphonie für Wecker und iPhone in c-moll geweckt (ich übernachtete bei einem befreundeten Ehepaar in Frankfurt), aber das auch nur, weil jemand so nett war, vor mir aufzustehen und schon mal Kaffee zu kochen.

Boeing 767-300ER Heck

Gategourmet lädt Futter in die 767-300ER

Transfer zum Flughafen und Check-in war ereignislos. Der Flug eigentlich auch, ich war noch nichtmal auf dem Klo… Mein Sitznachbar machte nicht den Eindruck, als habe er Interesse an Konversation. Ich hatte keine Lust zum Lesen. Es gab vier (!) Filme: Planet of the apes rising (aus der brachial eine Szene herausgeschnitten wurde, in der ein Affe einen Hubschrauber an der Golden Gate Bridge zum Absturz bringt, wohl nicht airline-kompatibel…), Mr. Dingsbums und seine lustigen Pinguine mit Jim Carrey, Midnight in Paris (mit Owen Wilson und Carla Bruni, ein Woody Allen Film) und The Tourist mit Angelina Jolie und Johnny Depp. Ich hätte das eine oder andere ja geguckt. Aber der erste Kopfhörer-Adapter löste sich sofort nach dem Einstecken in seine Bestandteile auf. Ich orderte einen neuen, aber das Flugzeug war laut, der Ton leise. Und schließlich zerstörte ich auch noch den zweiten Kopfhörer-Satz samt Adapter, als ich mich einmal beim wieder-Hinsetzen im Kabel verhedderte (ist ja nicht wirklich viel Platz da…). War also nix mit nett Filmchen gucken, also habe ich zwischendurch mal geschlafen, auch wenn das hier dem Titel des Artikels widerspricht.

Kurz vor der Landung am JFK

Fast da - man beachte die Flughöhe und die ausgefahrenen Landeklappen.

Die Einreise verlief ebenfalls problemlos. Anschließend habe ich mich durchgefragt, nutzte den Airtrain bis Howard Beach, bekam ein eine Woche gültiges Unlimited-Ticket für die Metro für 29 Dollar verkauft und fand auch die richtige U-Bahn (zweimal Umsteigen) zu meiner Station. Erst dann begannen die Probleme. Denn ich hatte versäumt, mir den Weg bis zum Hotel auszudrucken. (Ein Freund von mir, der sich über die doch etwas laxe Reisevorbereitung wunderte, mag sich an dieser Stelle bestätigt fühlen…) Der Stadtplan in meinem Reiseführer war nicht detailliert genug, und Google Maps auf dem Handy tat es auch (noch) nicht. Also fragte ich die nächsten NYPD-Cops (Wahnsinn, die gibts wirklich, nicht nur im Film!) nach dem Weg. Der eine kannte zwar die Straße nicht, zückte aber sofort sein iPhone und beschrieb mir den Weg. Vermutlich auch richtig, aber ich hab wohl nicht gut genug zugehört und ging in die falsche Richtung. Obwohl es mir schon dämmerte, ging ich bestimmt zwischen ein und zwei Kilometer die Flushing Ave in die falsche Richtung. Schließlich drehte ich um und stellte dann mein Telefon von AT&T auf das T-Mobile USA-Netz um – und hatte damit auch Internet (man frage besser nicht nach den Kosten…). Mein Freund, der Google, und die amerikanischen NavStar-Satelliten des GPS zeigten mir dann den – leider recht langen – Weg zum Hotel. Zwischendurch sah ich plötzlich durch eine Baulücke die Spitze des Empire State Building in der Ferne und wusste damit, dass ich nun wirklich in New York weilte. Als ich mich meinem Hotel näherte, begegnete ich auffallend vielen Männern, die alle schwarze Hosen, schwarzen Gehrock, weisses Hemd, schwarzen Hut und eine bestimmte Haar- und Barttracht trugen. Dazu später mehr…

Empire State Building - ein bisschen zumindest

Da schau her... plötzlich lugt die Spitze des Empire State Building, von Brooklyn aus sichtbar, hervor.

Ich checkte dann schließlich in meinem Hotel in der Franklin Ave ein, bei einem sehr netten, jungen Mann am Desk namens Andrew. Das Zimmer ist… hm… fast luxoriös. Jedenfalls im Vergleich zu meiner Bleibe in San Francisco. Übrigens eine echte Verschwendung, es ist nämlich ein Zweibett-Zimmer, aber das war mir irgendwann egal. Ich habe sogar eine kleine Küchenzeile mit Spühlbecken, Mikrowelle, Kaffeemaschine und Kühlschrank. First things first, also ab ins W-LAN, Socken in die Schublade, dann die Wertsachen in den elektronischen Safe, den ich übrigens mit meiner Kreditkarte ver- und entriegeln kann. Danach fragte ich Andrew nach einer Möglichkeit, Getränke einzukaufen. Er wies auf einen Supermarkt um die Ecke hin.

Hatzlacha Supermarket

Der jüdische Supermarkt, nicht weit von meinem Hotel

Dies war dann ein jüdischer Supermarkt, in dem viele Leute mit der zuvor erwähnten Kleidung und Aufmachung verkehrten. Ich fühlte mich ob der unrühmlichen (und das ist ja doch sehr dezent formuliert) Vergangenheit unseres Landes mit den Juden ein wenig unbehaglich, als ich den Laden betrat, aber dafür kann ich da koschere Milch erwerben, wenn ich will. Staunend betrachtete ich die vielen interessanten Produkte, die womöglich eigens aus Israel importiert oder hier in Lizenz hergestellt werden. Andrew vom Desk erzählte mir später, dass es hier in Brooklyn vier große, jüdische Gemeinden gibt, insgesamt gesehen, die größte außerhalb Israels. Also, ich finde, irgendwie hat das was. Ich glaube, weil es irgendwie eine mir bisher unbekannte Kultur vermittelt.

Nach dem Getränkeeinkauf (Wasser, Trinkpäckchen IceTea und Apfelsaft, Cola – Bier gabs nicht) und der Einlagerung derselben im Kühlschrank wollte ich doch nochmal los nach Manhatten, ohne großen Plan. Naja, der Plan sah schon vor, ans Wasser (East River) zu gehen und was zu essen. Zuvor musste aber der nicht unerhebliche Fussmarsch zur Flushing Ave Metro Station bewältigt werden. Dabei schnallte ich dann erst so wirklich, dass es zwei Flushing Ave Stationen gab, eine für die G-Line, eine für die M-Line (und andere). Ich wollte aber die M-Line nehmen, also musste ich noch erheblich weiter. (Andrew erklärte mir später, am schnellsten nähme man die G-Line und wechselt nach zwei Stationen in die L, ich hab auch schon selbst vorher drüber nachgedacht, aber in Zweifel ziehe ich ja immer einen längeren Fussmarsch dem Experiment vor – aber morgen versuch ich es schon anders).

Williamsburg Bridge bei Nacht

Williamsburg Bridge mit dem Jogging Trail für fitte New Yorker

Nun, ich gelangte also über die Williamsburg-Bridge nach Manhattan. Das war schon vom Zug aus ein toller Anblick, die berühmte Skyline bei Nacht. Angekommen an der Delancey St/Essex St war es dann noch ein ganzes Stück zum Fluss, ich habe dann über eine Fußgänger-Brücke den Fdr Dr (denke, das bedeutet Franklin Delano Roosevelt Drive) überquert, eine vielspurige, vielbefahrene Hauptverkehrsader. Auf der anderen Seite gab es eine Art „Jogging Trail“, auf dem die New Yorker zwischen East River und Fdr Dr ihrem Feierabendsport nachgingen. Natürlich alles durchtrainierte Leute (auch viele hübsche Frauen), nicht diese „Kingsize“-Amis. Von denen habe ich hier insgesamt noch keine gesehen, muss ich sagen. Der New Yorker scheint sportlich zu sein. Ich ging da nur gemächlich spazieren und versuchte, ein paar Nachtaufnahmen von der Williamsburg Bridge und der Skyline hinzubekommen (und ärgerte mich, dass ich kein Stativ mitgenommen hatte, vielleicht kaufe ich mir noch eins). Da gab es auch Kinderspielplätze und mehrere Fußballplätze (Soccer, nicht Football), auf denen auch gespielt wurde. Und zwar teilweise im Schein von „Instant-Miet-Flutlichtanlagen“, Dieselgeneratoren mit ausfahrbaren Flutlichtmasten auf Rädern, die einfach an eine Anhängerkupplung gehängt werden können.

Instant-Flutlicht

Instand-Flut-Licht-Anlage. Die Amerikaner haben eben immer ihre eigenen Ideen, wie Dinge zu machen sind.

Nun, ich spazierte eine ganze Weile Richtung Norden (eigentlich wollte ich ursprünglich Richtung Südspitze Manhattens, aber die Skyline im Norden zog mich dann eher an). Übrigens war es total warm, nix mehr Schneechaos – meine Wetter-App im Handy meldete 18 Grad, Höchsttemperatur soll 21 Grad gewesen sein. Ich sah dann auch das Empire State Building und das Chrysler Building nun schon etwas näher und prächtig illuminiert, auch einige andere interessante Gebäude, die ich noch nicht zuordnen kann. Das eine mag das sich im Bau befindliche, neue World Trade Center sein.

Empire State Building bei Nacht

Da isses ja - schon etwas näher. Im Vordergrund der Fdr Dr.

Schließlich kehrte ich um, ging den Weg am East River wieder zurück und über die Fußgängerbrücke über den Fdr Dr. Auf der anderen Seite erspähte ich einen Supermarkt, der mir Bier verkaufte (leider hatten die kein Miller Light, mein bisheriger Favorit hier in den USA), außerdem gabs noch n Whopper Menü bei Burger King. Danach dann zurück in die Metro, zurück zur Flushing Ave, zurück zum Hotel. Und das reicht auch für heute. Morgen, so Gott will, gibts dann mehr.

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Blogito ergo sum

Nun denn, ich trete hiermit in die sogenannte „Blogosphäre“, wie es im Mediendeutsch genannt wird, ein. Die Überschrift dieses, meines Erstlingswerkes wird mir vermutlich nicht direkt den Pulitzer-Preis einbringen, liegt sie doch deutlich näher als das nächste Tulpenbeet in einer niederländischen Vorstadtsiedlung.

Zur Sache, auf die Idee mit der Bloggerei hat mich Ceri mit ihrem SLAC-Blog gebracht. Das ist eine Freundin, die für ein paar Wochen beruflich in der Nähe San Franciscos zugebracht und einen wirklich sehr lesenswerten Blog darüber geschrieben hat. Das ist eine tolle Möglichkeit, viele Personen am Erlebten teilhaben zu lassen ohne dieselben E-Mails immer wieder zu schreiben (Postkarten gibt es trotzdem paar, keine Sorge).

Nun, ich reise am Montag nach New York City, eine Woche später nach Washington DC, und hoffe, dort Interessantes zu sehen und zu erleben. Darüber werde ich dann hier alle, die interessiert sind, auf dem Laufenden halten.

Gültiger Reisepass ist vorhanden, ESTA approved, Buchungsnummern der Flüge und Hotels liegen vor, 300 USD (kein Schein größer als 20$, habe ich schon bei Ceri gelesen, außerdem habe ich schonmal 25 Eindollar-Noten für Tips) sind am Start. In den ersten drei Fliegern (FRA -> JFK, JFK -> Dulles International, Dulles International, Paris Charles de Gaulle) habe ich schon einen Platz aussuchen können, habe jeweils backbord hinten Fensterplatz gewählt. Sonntag kann ich dann den ersten Boarding Pass ausdrucken.

Also, der Countdown läuft. Nächste Mitteilung dann erst aus Brooklyn. Bis denne!

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