Unterwegs

Im ICE 562. 253 km/h. Zwischen Ulm und Stuttgart

Freitag, 4. August – Auf nach Ludwigsburg

Ich stand etwa gegen 8.30 Uhr auf. Wieder hatte ich nicht gut geschlafen und war zwischenzeitlich öfter wach gewesen. Wie üblich hatte ich versäumt, Ohropax mitzunehmen, und diesmal kam ich auch nicht rechtzeitig auf die Idee, mir mal welche zu besorgen. An diesem Morgen fiel alle paar Minuten ein Tür laut vernehmlich ins Schloss und es gab Stimmen draußen und auf dem Flur etc. Leider war ich auch etwas angeschlagen mit leichten Halsschmerzen und Husten. Das hat schon vorgestern angefangen.

Beim Frühstück war zu der Uhrzeit richtig etwas los, ich musste anstehen, Kaffee war dann alle und ich bekam auch für mich alleine keinen Tisch mehr. Naja. Ich bekam später schon noch Kaffee und auch sonst alles, was ich so brauchte. Danach ging es halt wieder auf Zimmer, Sachen zusammenpacken. Ich hatte noch ein paar Minuten Zeit und setzte mich noch eine Weile auf den Sessel und las Nachrichten auf dem Schlaufon. Dann musste ich aber los. Mein Zug sollte um 10.28 Uhr fahren.

Tschüss, Wien!

Der Zug RJX-60 (steht für Rail-Jet-Express) stand etwa 10 Minuten vor Abfahrt bereit zum Einsteigen. Ich suchte meinen reservierten Platz (Wagen 24, Platz 24) auf, wo ich die nächsten vier Stunden verbringen würde. Viel zu berichten gibt es nicht… ich schrieb den größten Teil des vorangegangenen Blog-Eintrag dort, hörte Musik über meine Kopfhörer und döste zwischendurch eine Weile vor mich hin. Der Zug kam etwa eine Viertelstunde zu spät in München an.

Auf dem Bahnglas gegenüber stand der ICE nach Stuttdart schon bereit. Ich hatte noch genug Zeit, um mir schnell noch eine Schnittlauch-Breze und ein Spaten (ich hätte fast „Spalter“ geschrieben) zu holen. Dann bestieg ich den letzten Wagen des Zuges und richtete mich dort ein. Ich hatte wieder einen reservierten Platz, wieder mit Tisch, damit ich gut tippen konnte. Hier verzehrte ich meine Einkäufe aus dem Münchener Hauptbahnhof und fügt dem vorangegangenen Blogeintrag noch Bilder hinzu.

„Lass Dir raten, trinke Spaten!“

Nun, wir schnecken gerade am Bahnhof „Wendlingen (Neckar)“ vorbei. Planmäßig Ankunft in Stuttgart zum Umstieg in den Regionalzug nach Ludwigsburg ist in 18 Minuten, zumindest planmäßig. Also pack ich mal lieber zusammen. Bisspäter.

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Hammerhaie und pinke Kinobesucher:innen

Im RJX-60 von Wien nach München, 231 kmh, ca. 10 km vor St. Pölten

Donnerstag, 3. August – Haus des Meeres und Barbie

Heute hatte ich ziemlich konkrete Pläne. Nach dem Frühstück schaute ich im Zimmer nur kurz, wie ich zum „Haus des Meeres“ käme, welches mir von jemandem im Zug nach Nürnberg empfohlen worden war. Aha. Mit der U1 (wie so oft zuvor) los Richtung Leopoldau, dann Umsteigen am Stephansplatz in die U3 Richtung Ottakring (da, wo das gute Bier offenbar hinkommt), dann Neubaugasse aussteigen und ein paar Minuten Fußmarsch zum Aquarium. Und abends, so hatte ich mir nach einer Empfehlung meiner Leserin und Freundin Satayspiess überlegt, ins Kino, „Barbie“ gucken. Warum nicht konsequent sein und „Barbenheimer“ komplett in Wien schauen? Das Wetter war okay… bedeckt, aber nur wenig Regen.

An der Naubaugasse ausgestiegen landete ich in einer großen Einkaufsstraße. Nicht so edel wie am Stephansdom, eher für Otto Normalverbraucher. Ich erspähte ein großes Kaufhaus namens „Zara“ und beschloss, da kurz reinzugehen. Ich brauchte einen Kugelschreiber, um ein paar Postkarten zu schreiben. Ich fand einen in der Spielwarenabteilung, wo es auch Schulausrüstung zu kaufen gab und verließ das Kaufhaus wieder. Allerdings nicht, ohne einen sehnsüchtigen Blick auf das LEGO-Batmobile und die Playmobil-Enterprise zu werfen, die es neben anderen coolen Sachen dort zu kaufen gab.

Das Portal der Mariahilfer Kirche. Der Stadtteil heißt Mariahilf.

Ich ließ mich von Google zum „Haus des Meeres“ führen. Dabei kam ich an der prächtigen Mariahilfer Kirche vorbei und machte schnell ein paar Bilder. Angekommen am „Haus des Meeres“ machte sich zunächst eine gewisse Ernüchterung breit – vor dem Eingang stand eine Riesenschlange, und Nieselregen setzte ein. Guides vom Museum verteilten allerdings Regenschirme, ich verzichtete aber auf den Schirm und auch darauf, meine Regenjacke anzuziehen – allzu viel kam nicht herunter. Ein Guide meinte zu (mutmaßlich) einem Vater mit Sohn vor mir, die Wartezeit betrüge etwa 45 Minuten. Im Gegensatz zu diesen beiden entschied ich mich, die Wartezeit in Kauf zu nehmen.

Ich beschäftigte mich mit meinem Schlaufon, mit Ingress und Nachrichten, unter anderem hatte ich ein Auge auf dem Spiegel.de-Liveticker des Fußball-WM-Spieles der DFB-Frauen gegen die südkoreanische Mannschaft. So war die Wartezeit vor dem ehemaligen NS-Flakturm, in dem das Aquarium (eigentlich ein ganzer Zoo) untergebracht war, ganz erträglich. (Obwohl leider die DFB-Damen in der Vorrunde aus dem Turnier ausschieden.)

Das „Haus des Meeres“, untergebracht in einem alten NS-Flak-Turm. Ob Friedrich Tamms, der Architekt, sich jemals hätte träumen lassen, was aus seinem Stahlbeton-Monster hier werden würde?

Schließlich war ich im Gebäude und an der Kasse angekommen und löste ein Ticket. Ich las auf einem Schild die Empfehlung, die Tour ganz oben anzufangen und mich dann Stockwerk für Stockwerk nach unten vorzuarbeiten. Also fuhr ich mit dem Aufzug in die neunte Etage und ging von da aus die Treppen bis ins oberste Stockwerk, das elfte. Hier gab es eine Aussichtsplattform mit Blick auf die Stadt und ein Restaurant. Da es Mittagszeit war und ich ohnehin geplant hatte, in der Gastronomie der Einrichtung etwas zu essen, bestellte ich mir Bier und geschreddertes Huhn mit Dip, welches ich dann mit Blick auf die Dächer der Stadt verzehrte.

Imbiss über den Dächern Wiens

Danach machte ich mich daran, die Exponate zu besichtigen. Zunächst sah ich in der 10. Etage in einem Aquarium Hammerhaie, Rochen und andere Fische. Dann ging es weiter unten zu Habitaten von Kattas aus Madagaskar (eine Lemuren-Art, bekannt aus den animierten „Madagascar“-Filmen) und Kommodo-Waranen aus Australien. Die Lemuren waren recht aktiv, der Waran, den ich sah, eher sehr gechillt. Über die Warane lernte ich, dass die mal eben in einer Mahlzeit 80 kg ihres Eigengewichtes wegknabbern können. Auch sollen sie ziemlich intelligent sein. so sollen sie auf ihre Namen und ihnen zugewiesene Symbole reagieren und sogar zählen können. Irgendwie erinnerten mich die Viecher an die Velociraptoren aus „Jurassic Park“. Denen möchte ich nicht in freier Wildbahn begegnen, wenn die Hunger haben.

Katta beim Mittagessen

Insgesamt muss man sagen, dass „Haus des Meeres“ die Einrichtung also nur unvollständig beschrieb, obwohl es den Kernpunkt der Ausstellung beschrieb. Eigentlich war es eher ein vertikaler Zoo, auch wenn natürlich große Wildtiere fehlten, die man in einem Gebäude halt nicht halten kann. Wie auch immer, mir gefiel die Ausstellung gut. Sie war vor allem edukativ auf Kinder ausgerichtet, denn die Schautafeln waren kindgerecht und leicht verständlich (sogar ich habe sie verstanden). Es waren auch viele Kinder mit ihren Eltern unterwegs. Bei einem der Aquarien beneidete ich sie darum, dass sie im Gegensatz zu mir einen Krabbeltunnel durch eins der großen Aquarium nutzen konnten, das sah echt spannend aus!

Hammerhai unterwegs.

Eine ganze Etage schien mir neben einer Ausstellung über die Meeresforscher Hans und Paula Hass schwerpunktmäßig dem Thema gewidmet zu sein, wie der Mensch den Meeren schadet. Im Wesentlichen ging es um die Verschmutzung durch Plastik, aber auch um Überfischung. Und darum, was jeder einzelne durch sein Konsumverhalten dazu beitragen kann, dem Meer möglichst wenig Schaden zuzufügen (Kunststoffe und Mikrokunststoffe möglichst meiden, ggf. fachgerecht entsorgen, bei Meerestieren auf Siegel achten, die auf nachhaltige Fischerei verweisen). Auch das war für Kinder leicht verständlich dargestellt. Besonders beeindruckt hat mich die Skulptur eines großen Wals aus Plastik, die unter dem Titel „The last whale“ von Schüler:innen eines Gymnasiums aus Kunststoffabfällen angefertigt worden war. Schautafeln zufolge führte das Engagement dieser Kinder in der Folge zu einer von der UNO unterstützen, von Kindern veranstalteten und geleiteten Konferenz zum Schutz der Meere, der nebst anderen Persönlichkeiten diverse Staatsoberhäupter und der Papst beiwohnten.

The Last Whale – von Schüler:innen angefertigter Wahl aus Kunststoffabfällen. Ist Kunst, kann nicht weg.

Außerdem ging es viel um das Thema der gefährdeten Haie. In einer Grafik war zu sehen, dass jedes Jahr Millionen von Haien durch Menschen zu Tode kämen (gezielter Fang, Beifang, Klimawandel, Meeresverschmutzung), aber lediglich 3-10 Menschen durch Haie. Wer ist hier der Bösewicht? Haie und deren Schutz war für Hans Hass ein wichtiges Thema, es ging ihm auch darum, Menschen die Angst vor den Tieren zu nehmen. Er und seine Frau Paula gehörten zu den ersten, die absichtlich mit Haien schwammen.

Chamäleon. Das hier schlicht langsam den Ast hoch. Ich fand es faszinierend, wie gut Hände und Füsse genau dafür angepasst sind, diese runden Äste zu umfassen.

Ich arbeitete mich Etage für Etage weiter nach unten. Es gab viele kleine Aquarien und Terrarien mit Fischen, Krebstieren, Spinnen, Schlangen und Echsen, durchsichtige Kunststoffröhren mit Blattschneiderameisen. In einem Aquarium bewegten sich unzählige, weiße Kanonenkugel-Quallen in einem quirligen Reigen. Ich sah riesige Pythonen, und sehr giftige Schlangen wie die grüne Mamba und den Inland-Taipan. Letzteres, in Australien vorkommendes Reptil, soll die giftigste Schlange der Welt sein, ein Biss soll eine Giftmenge enthalten, die für 230 Menschen zum Ableben reichen sollte. Allerdings seien die Tiere so scheu, dass es kaum zu Begegnungen mit Menschen käme, zwischenzeitlich galt die Art sogar als ausgestorben, weil es keine Sichtungen gab.

Ein verflixt giftiger Bursche. Aber zum Glück leben die Inline-Taipane in von Menschen unbewohnten Regionen Australiens. Daher gibt es selten Sichtungen und keinen einzigen, dokumentierten Todesfall.

Das große Atlantik-Aquarium mit seinen Weiß- und Schwarzflossen-Haien, Katzenhaien, Rochen und vielen anderen Fischen gehörte für mich zu den beeindruckensten Attraktionen. Durch einen Tunnel konnte man mitten durch das Aquarium hindurch spazieren. Außerdem gab es ein großes Tropenhaus, welches als komplett zusätzliche Konstruktion an die Außenwand des ehemaligen Flak-Turms angehängt war. Hier konnte man auf zwei Etagen beispielsweise kleineren Affen begegnen, die sich hier frei bewegen konnten – ich machte mir deswegen ein bisschen Sorgen um meine Mütze, frei lebende Affen haben ja den Ruf, gerne mal übergriffig gegenüber Menschen zu werden. Außerdem gab es hier frei fliegende, bunte Papageienvögel verschiedener Arten.

Schildkröten-Polonnaise? Und Erwin fasst der Heidi von hinten an die Schulter?

Insgesamt schien mir die Tierhaltung im wesentlichen artgerecht zu sein, einen Ansatz von Hospitalismus habe ich nur bei einer Echse gesehen. Außerdem schien mir die Einrichtung sehr engagiert in der internationalen Zusammenarbeit beim Tier- und Artenschutz zu sein, einerseits durch Nachzucht, andererseits durch Aufklärung. Gleichwohl gab es trotz der Appelle gegen Kunststoff im „Café Sharky“ Softdrinks und Wasser in Plastikflaschen im Automaten zu kaufen…

Achso, daher pfeift der Wind!

Nach über drei Stunden im „Haus des Meeres“ verließ ich dasselbe wieder. Es war weiterhin bedeckt, regnete aber gerade nicht. Ich suchte ein Café in der Nähe für ein Stück gedeckten Apfelkuchen und eine Wiener Melange auf und schrieb drei Postkarten. Außerdem reservierte ich telefonisch im CineCenter ein Ticket für „Barbie“. Nachdem ich noch ein Wieselburger auf den Kaffee geschüttet hatte ging ich wieder in Richtung U-Bahnhaltestelle, suchte aber noch eine Postfiliale (bzw. deren Briefkasten außen) und einen Bankautomaten auf. Danach fuhr ich von der Haltestelle Zieglergasse wieder zurück zum Stephansplatz, um in die U1 Richtung Leopoldau zu wechseln.

Da es erst gegen 18 Uhr war und der Film erst um 20.30 Uhr begann, beschloss ich, nicht am Schwedenplatz auszusteigen, sondern weiter bis zur Haltestelle Donauinsel zu fahren. Diese befindet sich in der Reichsbrücke, welche die Donau samt Donauinsel überspannt. Man kann von da aus sowohl beide Ufer der Donau, als auch die Donauinsel erreichen. Eigentlich wollte ich mal auf die Insel, folgte aber einem vielversprechenden Schild „Copa Beach“. Das war am nordwestlichen Donau-Ufer. Es gab Skater, die Tricks unter der Reichbrücke probten, viele Schwäne und ein paar Enten im Wasser und Gastronomie und einen kleinen Strand mit Liegestühlen sowie einen Badesteg. Aber ich wollte ja eigentlich zur Insel, also überquerte ich die Fußgängerbrücke „Ponte Cagrante“, die dorthin führte.

Donauufer it Donauturm

Am Ufer der Insel gab es ebenfalls verschiedene gastronomische Einrichtungen, und ich bestellte ein Gösser Stiftsbräu und Soulvlaki in der Außengastronomie eines griechischen Restaurant. Ich kalkulierte, dass ich dafür vor dem Film noch genügend Zeit hätte. Es passte dann auch. Nach dem Essen ging ich von der Insel aus zur U-Bahnstation Donauinsel zurück und nahm die Bahn Richtung Oberlaa, um am Schwedenplatz auszusteigen.

Da mir diese Gegend durch vorangegangene Besuche ja schon einigermaßen vertraut war, brauchte ich Google nicht mehr, um das nahegelegene Kino zu finden und meine reservierte Karte abzuholen. Ich hatte noch ca. eine halbe Stunde Zeit bevor der Film beginnen sollte und spazierte noch ein wenig durch die Gassen. Schließlich war es mein letzter Abend in Wien, und es gab noch ein paar Ingress-Portale, die noch keinen lila Kringel (= von mir schon einmal besucht, Durftmarke hinterlassen) hatten in der Nähe.

Auf einer Gasse, dem Bauenmarkt, kam ich unter einer Art Viadukt hindurch. Auf der anderen Seite stand ein Rudel (mutmaßlicher) Touristen mit ihren Smartphonekameras im Anschlag bereit. Allerdings nicht für mich (was ich natürlich auch nicht annahm), sondern um die historische Anker-Uhr auf der anderen Seite des Viadukts zu fotografieren oder zu filmen. In einer Art „touristischem Reflex“ drehte ich mich flugs um 180 Grad, um ebenfalls meine Kamera in dieselbe Richtung auszurichten. Just in dem Moment, als ich die Uhr mit ihren allegorischen Figuren sah, ertönte der 20.00 Uhr Glockenschlag. Weiter passierte … nix. Ein spektakuläres Figurentheater wie bei der astronomischen Uhr am Prager Rathaus blieb aus. Hm. Ich hab es gerade bei Wikipedia nachgeschaut. Die Uhr, die von der Anker-Versicherung an ihrem Gebäude am Fleichermarkt in Auftrag gegeben und 1915 erstmals getestet wurde, liefert ausschließlich zur Mittagsstunde ein Musik- und Figurenspektakel ab.

Die Anker-Uhr. War nix los…

Ich sah mich noch ein wenig auf dem prächtigen Platz um und schlug dann wieder den Weg zum Kino ein. Dort versorgte ich mich mit Getränken für den Film und wartete auf den Einlass. Wenig bespäter konnte ich in den Saal, und nach ein paar Trailern für andere Filme begann „Barbie“. Achja, erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die komplette Sitzreihe vor meinem Platz mit pinkfarben gewandeten Damen (und einem ebenso gekleideten Herren) besetzt war.

Was den Film betrifft: Irgendwie habe ich so eine durchwachsene Meinung dazu. Hat er mir gefallen? Ich bin nicht sicher. Würde ich den Besuch empfehlen: Auf jeden Fall, und zwar Frauen sowie Männern. Das klingt jetzt widersprüchlich. Einerseits mochte ich irgendwie die Vibes des Films nicht so, es war halt alles so künstlich und aufgesetzt, und die Geschichte ausgesprochen hanebüchen – sowohl die Szenen, die in „Barbieland“ spielten, wie auch die in „der echten Welt“. Aber was habe ich denn anderes erwartet? 

Lustig war der Film andererseits schon, und er transportiert eine Menge Botschaften über die Rolle von Männern und Frauen und deren Beziehungen zueinander in der echten Welt. Und die wiederum finde ich so relevant, dass ich den Besuch des Films nur empfehlen kann. Wir Männer können, so glaube ich, hier ein paar Lektionen über die Damenwelt lernen. Ich halte mich eigentlich nicht für einen toxischen Misogynisten, nicht mal annähernd, und dennoch ertappe ich mich Frauen gegenüber immer wieder einmal bei Denk- und Verhaltensweisen, die ich selbst nicht in Ordnung finde. Da kann auch ich noch viel lernen und verbessern. Daher finde ich den Film relevant, und selbst, um einiges noch mal klar vorgeführt zu bekommen, was man an sich weiß. 

Und auch für Frauen kann der Film relevant sein, ich könnte mir vorstellen, dass es befreiend seien kann, wenn Frau feststellt, dass sie mit ihren Problemen und Ansichten gegenüber der Männerwelt nicht alleine ist. Und dass es einfach stimmt, dass auch in so genannten aufgeklärten, westlichen Gesellschaftssystemen wirkliche Gleichberechtigung meist nicht erreicht ist. Und dass die Gesellschaft, auch tatsächlich nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen untereinander, teilweise viel zu viel von Frauen erwartet. Ich hoffe, dass ich das so beurteile ist an sich nicht anmaßend – natürlich kann ich das nur vermuten. Denn die Perspektive einer Frau kann ich ja, wenn überhaupt, nur auf einer theoretischen, interlektuellen Ebene einnehmen, also bin ich allenfalls begrenzt urteilsfähig.

Wien Hauptbahnhof von der anderen Straßenseite aus.

Mit solchen Gedanken machte ich mich also mit der U1 wieder zurück zum Südtiroler Platz. Angekommen im Hotel ging ich umgehend ins Bett. Am nächsten Tag stand schließlich die fast sieben Stunden lange Reise nach Ludwigsburg an.

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Ich bin halt keine 40 mehr

Im Hotelzimmer, 21.51 Uhr. 24° draußen. Biertemperatur liegt deutlich drunter.

Mittwoch, 2. August – Kanalschippern, Turmbesteigen und Flanieren im Belvedere-Garten

Nach dem Frühstück im Hotel ging ich in mein Zimmer, um kurz meine Optionen zum Bootfahren zu prüfen. Das Wetter war heute wie angekündigt überwiegend sonnig bei bis zu 27°. Was ich kurzfristig an Fahrten auf der Donau gefunden habe, war schon für heute ausgebucht. Ich entschied mich für eine Bootstour auf dem Kanal, Apfelstrudel und Heissgetränk inklusive und buchte das online.

Es war gegen 11.00 Uhr als ich das Hotel verließ und mit der U1 zum Stefansplatz fuhr. Die nächste U-Bahnstation zum Anleger der Kanalbootfahrt war Schwedenplatz, aber ich hatte ja noch Zeit und wollte noch einen Blick auf den Stefansdom werfen. Also stieg ich eine Station vor dem Schwedenplatz aus.

Stefansdom … ein riesiger Sakralbau. Geht nur mit Weitwinkel.

Den Dom sah ich sofort, nachdem ich den Untergrund verlassen hatte – ein Mordsmodul von Kirche! Besonders sind die Mosaik-Dächer, die aus über 240.000 bunten Ziegeln bestehen. Ansonsten bemerkte ich, dass das hier ein echter Touri-Hotspot in Wien ist. Hier war ganz schön was los. Auf dem Stefanplatz starteten offenbar auch Kutschtouren mit Zweispännern.

Der 136 Meter hohe Südturm und ein Teil des Mosaikdaches

Ich lungerte auf dem Platz herum, umrundete den Dom und machte Fotos aus verschiedenen Perspektiven. Am Ende einer vom Platz abzweigenden Straße erspähte ich die Kuppel einer weiteren, beeindruckenden Kirche, die Peterskirche, wie sich später zeigte. Ich nahm nicht den direkten Weg dahin, sondern folgte einer Prachtstraße, an der Shops für Marken wie Mont Blanc, Louis Vitton, Rolex, Omega etc. angesiedelt waren.

Unweit des Stefansplatzes überall prächtige Architektur, wohin das Auge nur schaut.

Hm. Vor dem Petersdom waren, offenbar von Demonstranten, eine Reihe von in Plastik verpackten „verstorbenen Menschen“ abgelegt worden. Ich schaute zunächst nicht genauer hin und vermutete, dass hier gegen das Sterben im Mittelmeer demonstriert würde, was ich als krassen Kontrast zu den teuren Markengeschäften in der Gegend – oder auch nur zu meinem eigenen Urlaub – verbuchte.

Mist. Ich hab noch gar keinen Stift um meine Postkarten zu schreiben. Vielleicht sollte ich einen von den Füllern kaufen? Funktionieren die denn mit Pelikan-Patronen?

Die Peterskirche erreichte ich wenig später. Die Kirchen sind hier ziemlich in Familienhand… fehlen nur noch eine St. Michael- und eine St. Ilse-Kirche – eine Peterskirche, eine St. Elisabeth und eine Karlskirche hab ich ja schon gefunden…

Das Innere der Peterskirche – nur kurz rein, knipsen, raus

Zurück am Stefansdom sah ich mir die Demonstration genauer an. Die prägnante Botschaft auf einem großen Plakat lautete „Russia is a terrorist state“, und ich sah ukrainische und österreichische Fahnen. Der Krieg und die Solidarität mit der Ukraine ist auch hier zu spüren. Auf Schautafeln gab es Texte über das Assow-Brigade zu lesen. Ich hab sie mir nicht durchgelesen, aber überflogen und fotografiert. Die wesentliche Aussage war: Die Brigade wurde Andrij Bilezkyj gegründet, der als Neonazi gilt (zumindest in der russischen Darstellung und der Darstellung westlicher Medien, die das russische Narrativ übernommen hätten), aber sie habe sich grundlegend geändert. Sie kämpfe für die Freiheit der Ukraine. Ich will es noch einmal genauer lesen.

Ukrainische Demonstration auf dem Stefansplatz gegen Russlands Krieg

Es war langsam Zeit, den Weg zum Anleger zurückzulegen. Ich folgte Google und gelangte ziemlich schnell in die Gegend, an der ich am Vortag schon gewesen war, ich sah das Kino, in dem ich „Oppenheimer“ gesehen hatte. Das überraschte mich nicht, ich wusste ja, dass der Schiffsanleger am Schwedenplatz gelegen war, und da war ich ja gestern ausgestiegen, um ins Kino zu gehen.

Im Gebäude, wo man Tickets für die Ausflugsdampfer verschiedener Reedereien kaufen konnte, bekam ich für den QR-Code auf meinem Handy einen Papier-Voucher für Apfelstrudel und Heissgetränk. Wenig später betrat ich das Deck der „MS Blue Danube“. Ich begab mich an einen Tisch auf dem Oberdeck und orderte meinen Apfelstrudel und Kaffee. Dann begann die Tour.

Die Bootsfahrt fand zwischen dem eingezeichneten Wendepunkt (roter Kreis) und der „Schiffstation Wien / Wien-Bratislava“ statt.

Nun, so richtig spannend war es nicht. Die Tour führte in Richtung Donau, bis zu einer Gabelung des Kanals, bevor dieser in die Donau mündete. Danach wendete das Schiff, fuhr wieder in die Gegenrichtung, ein wenig am Startpunkt vorbei bis ungefähr zur Urania-Sternwarte, wendete wieder und legte wieder am Startpunkt an.

Rossauer Kaserne – Sitz des Verteidigungsministeriums

Die interessanten Punkte an der Route waren im Wesentlichen die Rossauer Kaserne, in der heute das Österreichische Ministerium für Landesverteidigung untergebracht ist, eine von Hundertwasser gestaltete Müllverbrennungsanlage und die Urania-Sternwarte. Ich daddelte unterwegs ein wenig Ingress. Nachdem ich Strudel und Kaffee verzehrt hatte, ging ich an eine bessere Ausblicksposition am Bug des Schiffes, neben dem Steuerhaus, um besser knipsen zu können.

Im Vordergrund: „Urban Island (Urbi)“, das Ding mit der goldenen Kugel ist ein Schornstein einer von Hundertwasser gestalteten Müllverbrennungsanlage, das Hochhaus links daneben ist ein Gebäude von Wien Energie.

Nachdem ich das Boot wieder verlassen hatte, ging ich noch ein wenig die Wolfgang-Schmitz-Promenade entlang und kam noch mal an der Urania-Sternwarte vorbei, die ich mir noch einmal aus der Nähe ansehen wollte. Danach ging ich weiter in die Richtung und kam zu einer Strandbar, die ich vom Boot aus gesehen hatte. Ich spielte mit dem Gedanken, hier was zu essen und zu trinken zu mir zu nehmen, entschied mich dann aber doch dagegen. Ich ging wieder in die Gegenrichtung und machte mich anderswo auf die Suche nach etwas zu essen.

Die Urania-Sternwarte

Ich lief durch Gassen, die ich noch nicht durchschritten hatte, wieder in Richtung Schwedenplatz. Es war sonnig und heiss und ich holte mir schnell in einem Supermarkt auf dem Weg noch eine Flasche Wasser, weil der halbe Liter, den ich in meiner Wasserflasche dabei hatte, nicht reichen würde, wie ich annahm. Nach dem Essen wollte ich mich auf die Aussichtsplattform des Südturms des Stefansdoms in ca. 67 Meter Höhe begeben.

Auf der Suche nach etwas Essbaren, was weder Wurst noch Schnitzel ist, landete ich am Ende bei einem Italiener, wo ich eine Pizza Funghi und ein Bier bestellte. Ich muss sagen, der Mann, der da den Laden schmiss, schien mir extrem effizient zu arbeiten und war superhöflich. Ging alles ziemlich fix, und er ließ es dabei noch leicht aussehen. Das Gegenteil der Servicekraft an der Kinokasse gestern.

Nach dem Essen ging ich zurück zum Dom und kaufte erstmal Postkarten und Briefmarken in der Dombuchhandlung. Danach wollte ich auf den Turm – ich hatte schon vor der Bootsfahrt gesehen, dass man da hoch kann. Okay… es gab keinen Aufzug… und ich hatte gerade Pizza und Bier intus…

Die Anzahl der Stufen auf der Treppe zur Türmerstube des Glockenturms (und damit der heutigen Aussichtsterrasse) beträgt 343, das ist (3+4)^{3}, also 7 × 7 × 7.

Wikipedia

Also 343 Stufen hoch. Es gibt lt. Wikipedia viel Zahlensymbolik, die sich im Dom versteckt und mit der Zahl 3 (symbolisch für die Dreifaltigkeit, hm, Trinity, hatten wir das nicht gestern schon in anderem Kontext?) zu tun hat. Aber jetzt galt es erst einmal, die Stufen zu erklimmen. Und das fiel mir nicht leicht. Kurz nachdem ich begonnen hatte, die enge Wendeltreppe zu erklimmen, begann ich, die Stufen zu zählen um zu wissen, wie viel ich noch vor mir hatte. Ich brauchte ein paar Pausen, bei denen ich Gegenverkehr durchließ. Immerhin – es überholte mich niemand von unten, niemand scheuchte mich. Nach vielleicht so etwas über zweihundert Stufen gelangte ich in einen Raum, in dem vielleicht einmal eine Turmuhr untergebracht war. Er war leer bis auf zwei Schautafel, auf einer ging es um die Hauptglocke, die im Volksmund „Pummerin“ genannt wird (das Original wurde beim Brand im zweiten Weltkrieg zerstört, aber es wurde eine Nachfolgerin gegossen, die nun im Nordturm hängt).

Blick vom Südturm des Stefansdoms. Etwas links von der Bildmitte ist die Kuppel der Peterskirche zu sehen. Falls ich irgendwo mal „Petersdom“ geschrieben haben sollte (musste ich schon einmal korrigieren): Das Risiko, das durcheinander zu kriegen ist hoch, und ich bin müde.

Ich war aber viel zu fertig vom Aufstieg, um mich darum zu kümmern, ich musste erst einmal regenerieren, um den restlichen Stufen zu bewältigen. Nachdem ich „ganz oben“ angekommen war, konnte ich durch Fenster auf die Stadt blicken. Die heutige Aussichtsplattform diente einst als Türmerstube – hier wachten 24/7 Männer über die Stadt und warnten mit Fahnensignalen (nachts mit einer Laterne) und einer Flüstertüte vor Gefahren wie Feuer, Sturm oder anrückenden, feindlichen Truppen. Die Laterne und das Sprachrohr hingen noch dort.

Der Abstieg war einfacher, dauerte aber gefühlt recht lange. Meine Gräten und meine Kondition machen das nicht mehr so easy mit wie früher mal. Nun, immerhin kann ich das noch überhaupt machen. Dennoch war ich danach ziemlich fertig und musste mich erst mal setzen und was trinken. Viel war gerade nicht mehr mit mir anzufangen, ich brauchte eine solide Pause. Also fuhr ich mit der U-Bahn zurück zum Hotel und packte mich erst mal anderthalb Stunden ins Bett.

Gegen 18.30 Uhr stand ich wieder auf, um noch etwas mit dem Resttag anzufangen. Ich wollte mir das Schloss Belvedere und die umgebenden, weitläufigen Parkanalagen aus der Nähe ansehen. Diese sind von meinem Hotel fußläufig innerhalb von 10 Minuten zu erreichen, also machte ich mich auf die Socken.

Belvedere-Schloss mit dem grossen Basin vom oberen Belvedere aus (mit gewasserter Raumkapsel oder so)

Wow. Die Sonne stand schon tief und die Gartenanlagen und das Schloss sahen fantastisch in der Abendstimmung aus. Am Rande gab es ein paar Kunstobjekte, unter anderem schien eine Apollo-Raumkapsel in einem Wasserbassin gelandet zu sein. Viele Pflanzen waren, nach französischem Vorbild, teilweise in symmetrische Formen geschnitten. Das weitläufige Gelände hatte zu der Zeit nicht wenige Besucher, aber es war trotzdem kein Getümmel, dazu waren die Parks einfach zu groß. Ein Pärchen aus Begien bat mich, ein Foto von ihnen zu machen, dem kam ich natürlich nach und machte selbst etliche Bilder, vielleicht die schönsten, die ich bisher hier in Wien geschossen habe.

Wenn ich eine Tafel richtig gelesen habe, dann ist dieser Blick Teil des UNESCO-Welterbes

Um 19.30 Uhr ertönte ein Gong, und eine Stimme über Lautsprecher rief dazu auf, den Park zu verlassen, da dieser bald geschlossen würde. Ich verließ die Anlagen am unteren Belvedere, unweit einem Lokal mit Brauerei, Salm Bräu. Verlockend, aber es war ziemlich voll. Also schritt ich den Rennweg in nordwestlicher Richtung entlang und machte mich auf die Suche nach etwas zu essen. Ich kam an einem Soldatendenkmal neben einem großen Springbrunnen vorbei. Die Schriftzeichen waren offenbar kyrillisch, also konnte ich nicht lesen, was da stand, aber ich sah Statuen von Soldaten mit Gewehren. Und ich fand es ätzend. Warum muss der Krieg immer so glorifiziert werden?

Igitt. Das ist zwar ganz schön gestaltet mit den beiden Händen und den Wasserspielen, aber auf dem Bogen und auf der Säule stehen Soldaten mit Gewehren in heroischen Posen. Warum muss der Krieg immer so verklärt werden? Krieg ist töten und sterben. Und nichts daran ist gut. Denkmäler und Gedenksteine find ich ja in Ordnung, aber warum muss das immer so martialisch aussehen?

Lt. Google-Maps handelt es sich um ein „Denkmal zu Ehren der Soldaten der Sowjetarmee“ mit dem dem Untertitel „Denkmal für die Wiener Operation von 1945“. Wahrscheinlich haben damals sowjetische Soldaten Wien von den Nazis befreit. Aller Ehren wert – aber vermutlich wird das heute von denen, die am Stefansdom gegen russische Kriegsverbrechen demonstrierten, etwas differenziert gesehen.

So viele schöne Gebäude überall

Ich war schon wieder etwas aufgebraucht und auf der Suche nach Abendessen, also orientierte ich mich in Richtung Karlsplatz und somit bekanntem Terrain. Allerdings wollte ich nicht irgendwo essen, wo ich schon gewesen bin, und nach Möglichkeit weder Pizza, noch Schnitzel, noch Würstel. Am Ende landete ich bei einem Nahost-Imbiss in der Nähe der U-Bahn-Station „Taubstummengasse“. Einmal den Falafel-Teller und ein Wieselburger Bier, bitte.

Beim Essen biss ich auf ein hartes Objekt und fummelte es aus meinem Mund. Ich beschloss, gar nicht so genau wissen zu wollen, was es denn wäre. Nachdem ich alles aufgefuttert hatte, entlastete allerdings meine Zunge den Kichererbsen-Dealer, denn ich stellte erst dann fest, das mir offenbar ein Stück Zahn (oder Keramik-Füllung) abgebrochen war. Hm. Nicht so schön. Aber auch nicht so schlimm, ich habe keine Schmerzen. Soll wohl noch bis nach dem Urlaub warten können, die Reparatur. Ich hatte sowas kürzlich schon mal. Wie erwähnt: Ich bin keine 40 mehr.

Nach dem Essen erwarb ich noch zwei Dosen Wieselburger und taperte zum Hotel zurück. Hier baute ich mit einem nassen Handtuch und einem Ventilator ein Biernotkühlsystem und warf den Laptop an, um diese Zeilen zu schreiben. Womit ich nun fertig bin, also schnell noch ein paar Bilder dazu und dann ab ins Bett.

Biernotkühlsystem … funktionierte erheblich besser, als gedacht! Macht richtig kalt.

Morgen: Mal sehen. Vielleicht Haus des Meeres, aber die aktuelle Wettervorhersage ist nicht ganz so nass wie gestern noch vorhergesagt. Vielleicht ist das Wetter auch für Draußen tauglich. Wir werden sehen. Bismorgen.

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Bleibt halt nur die Bombe

Frühstück im Hotel. Schreiende Kinder. Rührei, Kaffee und Käsebrot. Draußen teilweise bedeckt, um 22°

Dienstag, 1. August (Fortsetzung) – Stieglbier und Nuklearwaffen

Nachdem ich den vorangegangenen Blogeintrag beendet hatte, sah ich mir zunächst die unmittelbar beim Café Goldegg gelegene St. Elisabeth-Kirche von innen an. Es regnete nach wie vor erheblich. In der Kirche war sehr dezentes Licht, eigentlich war nur das Altarbild erleuchtet. Ich machte Fotos und ließ mich zum kurzen Gebet auf der Kirchenbank nieder.

Der Altarraum der St. Elisabeth-Kirche

Wieder im Regen überlegte ich, ein Kino aufzusuchen. Natürlich ist diesen Sommer kaum jemandem verborgen geblieben, dass es zwei unheimlich gehypte Blockbuster auf der großen Leinwand anzusehen gibt, die einen gewissen Kontrast haben: Barbie (pink) und Oppenheimer (düster). In der Presse und sozialen Kanälen ist sehr viel über dieses Phänomen zu lesen, dass auch per Kofferwort als „Barbenheimer“ bezeichnet wird. Die beiden Filme scheinen sich nicht etwa Konkurrenz zu machen, sondern eher ein gemeinsames Gravitationsfeld in Richtung der Lichspielhäuser zu erzeugen.

Und so offerierte Google auch in den Wiener Kinos vor allem diese beiden Filme. Tatsächlich muss ich sagen, dass mich beide interessieren. Denn „Barbie“ ist ja wohl kein Kinderfilm, sondern eine gesellschaftkritische, feministische Komödie (jedenfalls nach dem, was ich gelesen habe). Das finde ich durchaus interessant. Oppenheimer hingegen interessiert mich aufgrund der physikalischen und ethischen Aspekte bei der Entwicklung der Atombombe, außerdem scheint das Thema ja leider zunehmend aktuelle Relevanz zu haben. Da ist es natürlich interessant, sich noch einmal anzusehen, wie es zu der ganzen (ich bitte um Entschuldigung, aber ich muss es so schreiben) unterirdischen Scheiße ursprünglich gekommen ist. Davon abgesehen führte Christopher Nolan Regie, dessen Werke von mir ausnahmslos geschätzt wurden, und der mit Oscarpreisträgern und -innen gespickte Cast liest sich wie das Who is Who in Hollywood. Cillian Murphy. Emily Blunt. Matt Damon. Florence Pugh. Robert Downey Jr. Josh Harnett. Rami Malek. Nur um ein paar der wichtigsten zu nennen. Im Wikipedia-Artikel habe ich gelesen, dass einige der größten Stars eine deutlich niedrigere Gage als bei ihrem gegenwertigen Marktwert üblich in Kauf genommen haben sollen (so 4 statt 12 Millionen Dollar, hoffentlich verhungern die Armen nicht), um das Budget zu drücken und in diesem Film mitspielen zu können.

Ich entschied mich ohne weitere Recherche über die Kinos für das CineCenter in der Nähe des Schwedenplatzes, denn das ist eine Haltestelle der bisher von mir ausschließlich genutzten U-Bahn-Linie U1, d.h. ich kannte mich aus und war schnell da. Anstatt wie zwischenzeitlich überlegt, weil ich ja noch den Laptop dabei hatte, noch vorher ins Hotel zu gehen, ging ich schnurstracks zum Südtiroler Platz und enterte die U-Bahn. Denn es war schon nach 18 Uhr, der Film begann um 20 Uhr, und ich wollte vorher noch eine Kleinigkeit essen und ohne Stress das Kino finden.

Abendstimmung und Regen in der Nähe des CineCenter-Kinos unweit des Schwedenplatzes

Angekommen beim Kino kaufte ich schon einmal eine Karte und sah mich anschließend nach etwas zu essen um. Die Zeit, mich noch irgendwo hinzusetzen, hatte ich nicht mehr, also ging ich zurück Richtung U-Bahn-Station und kaufte mir am Würstlstand einen Hotdog mit Käsekrainer.

Als ich wieder im Foyer des Kinos ankam, war dieses gerammelt voll. Der Film sollte 3 Stunden dauern, also ging ich noch mal in die keramische Abteilung. Das Kino schien mir nicht zu einer der riesigen Ketten zu gehören, deren Filmpaläste auf maximalen Kommerz ausgelegt sind, dazu war das Foyer zu klein und eng und stickig und voll und die Schlangen vor den zwei Kassen für die vier Sääle zu lang. Ich hatte ja schon ein Ticket, aber ich wollte noch Getränke kaufen. Also stand ich schwitzend in der Schlange, es war nur noch wenige Minuten bis zum Beginn der Vorstellung. Die Thekenkraft schien mir irgendwie auch nicht die kompetenteste zu sein. Obwohl noch Popcorn fertig war, füllte sie seelenruhig Mais nach, während noch Leute kurz vor Beginn der Vorstellung darauf warteten, schnell noch etwas zu erwerben. Naja. Ich kaufte zwei Dosen Stiegl (hatte ich noch nicht, und scheint hier auch eins der gängigen Biere zu sein) und betrat den Saal, in dem die Trailer für andere Filme schon begonnen hatten.

Beim Kino – das läuft im Moment in den vier Säälen. Von dem Film „Jetzt neu“ hab ich noch nie gehört.

Der Film selbst gefiel mir unter dem Strich gut. Die Starriege lieferte ab, die Dialoge waren geschliffen, das Thema interessant und relevant. Allerdings fand ich, dass nach dem Trinity-Test zwischenzeitlich die Luft etwas raus war – das war natürlich ein entscheidender Höhepunkt des Film, auf den alles hinauslief. Dennoch ging es ja nicht nur um die Entwicklung der Bombe an sich, sondern auch um das Leben Oppenheimers und seinen Fall nach dem Trinity-Test, als seine Verbindungen zu Kommunisten vor dem Manhattan-Projekt und seine Zweifel bzgl. der Entwicklung der Wasserstoffbombe und Statements, man solle die nukleare Abrüstung forcieren, sein Renomée zerstörten. Als es zu den Anhörungen, forciert durch Lewis Strauss, kam, zog sich das gefühlt nach dem großen Knall ziemlich in die Länge, fand ich. Der Film hatte dann zwischenzeitlich eher was von Gerichtsanwalt-Serie, fand ich. Trotzdem hat auch dieser Teil natürlich aus der Perspektive der Geschichte der nuklearen Aufrüstung Relevanz. Oppenheimer konnte sich mit seinen Ansichten nicht durchsetzen, und somit haben wir heute Wasserstoffbomben und riesige, nukleare Arsenale auf der Welt, mit der wir sämtliche menschliche Zivilisation problemlos von der Oberfläche des Planeten putzen können.

Hauptdarsteller Cillian Murphy kenne ich aus diversen anderen Christopher-Nolan-Filmen. Er stellte seine Figur durchaus sympathisch dar (und er kann auch ganz anders, wie ich z.B. aus den „Batman“-Filmen weiß – böse und gefühlskalt). Obwohl er als „Vater der Atombombe“ eine sicherlich nicht positive Rolle in der Menschheitsgeschichte inne hat und auch als Privatmann dem Film nach auch seine Ehefrau betrogen hat, empfand ich eine gewisse Sympathie mit der Figur. Treibend, getrieben, brillant, humurvoll, auch Opfer von Intrige und unter Selbstzweifeln leidend wurde Oppenheimer eben in keiner Weise als böse dargestellt, eher als vielschichtig.

Aber es gibt für mich einen Knackpunkt: Nachdem Nazi-Deutschland bereits besiegt war, unterschrieben viele Kollegen Oppenheimers eine Petition, die Atomwaffen in Japan nicht einzusetzen. Oppenheimer unterschrieb diese Petition nicht. Wahrscheinlich hätte seine Unterschrift den Einsatz der Waffen in Hiroshima und Nagasaki nicht verhindert, aber er hätte sich anschließend zumindest nicht vorwerfen müssen, seinen Namenszug nicht beigetragen zu haben. In tragischer Weise finde ich das inkonsequent und konsquent zugleich. Wenn der Film einigermaßen autentisch ist, so wäre eigentlich die Verweigerungshaltung des vermeidbaren Einsatzes der Massenvernichtungswaffen bereits zu dem Zeitpunkt aus Oppenheimers Sicht konsequent gewesen. Aber ebenso der Abwurf von „Little Boy“ und „Fat Man“ auf Hiroshima und Nagasaki, sozusagen als todbringender Schlusspunkt seiner Arbeit.

Nach dem Film begab ich mich umgehend mit der U1 zurück zum Hotel und ins Bett, es war ja schon weit nach 23 Uhr.

Heute stand ich vor dem Weckerklingeln gegen 8.20 Uhr auf und sprang unter die Dusche. Hm. Erwähnte ich, dass der Duschkopf fest installiert ist (etwa geschätzt 175 cm über der Duschtasse)? Der ist etwa auf Höhe meiner Stirn. Für mich geht das klar, aber für Leute die zwei Meter groß sind wäre das so eine Sache… Es gibt auch keine Mischbatterie, sondern Amaturen für heiß und kalt, mit denen ich eine angenehme Termperatur nicht hinbekommen. Aber … dankbar sein für fließend heiß und kalt Wasser. Ich machs ja.

Nun bin ich also angekommen und habe Käsebrot und Rührei und zwei Tassen Kaffee intus. Erst bereute ich, ob des Kindergeschreis meine ANC-Kopfhörer nicht beim Frühstück dabei zu haben. Aber die Kinder wurden erst ruhig gestellt und dann verschwand die Familie. Ich denke, ich nehm noch einen Kaffee und vielleicht einen Joghurt, dann geht es aufs Zimmer, Bilder hinzufügen (hab mein USB-Kabel vergessen in den Frühstücksraum mitzunehmen) und den Tag planen.

Das Wetter heute ist teilweise bedeckt, die Sonne scheint aber, ich sehe teilweise blauen Himmel und Sonne. Kurze Hose und Sonnenschutzmittel sind geboten. Ich werde auf jeden Fall zum Donauufer fahren und mich dort umsehen. Vielleicht, wenn möglich, eine Runde Ausflugsboot fahren. Und vielleicht auf den Donauturm fahren, um Wien bei besserem Wetter als gestern von oben zu sehen. Morgen soll das Wetter wieder schlecht sein, dann ist vielleicht das Haus des Meeres angesagt. Wir werden sehen. Bisbald.

PS: Aufgrund einiger Kommentare gewisser Familienmitglieder zur berühmten Sesamtstraßen-Episode „Nicht das mit dem Riesenrad“: Ein wenig mulmig war mir schon beim Betreten der Gondel. Hält die Konstruktion? Was ist, wenn der Strom ausfällt und ich da oben festsitze? Was letzteren Punkt angeht, so ist bei Wikipedia folgendes zu lesen:

  • Das Rad wird von zwei Elektromotren angetrieben. Einer alleine könnte das Rad antreiben
  • Es gibt zusätzlich zwei weitere Motoren für den Notfall
  • Für den Fall des Stromausfalles gibt es ein Notstromaggregat
  • Wenn nichts mehr geht, kann das Rad sogar von Hand angetrieben werden
  • Die Feuerwehr hat die Höhenrettung aus dem Riesenrad schon geprobt

Also, das hätte ich vielleicht vorher lesen sollen.

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Auf dem Prater ist immer was los

Café Goldegg in Wien. Regen bei 22° draußen. Drinnen Sachertorte und Melange

Dienstag, 1. August – Von Riesenrädern und fliegenden Geigen

Ich hatte meinen Wecker auf 9.00 Uhr gestellt (und auf Falco). Frühstück (inbegriffen) gab es bin 10.30 Uhr. Aber ich war schon vorher wach und aus dem Bett, ich machte gerade meine Übungen, als Falco den „Komissar“ trällerte.

Nach der Morgentoilette ging es zum Frühstück. Ich bin von anderen Hotels in der Beziehung etwas verwöhnt und fand es nicht so doll – aber ich wies mich zurecht, weil es echt okay war und ich es eigentlich nicht mag, so verwöhnt zu sein. Lieber bin ich dankbar, überhaupt etwas zu essen und Kaffee zu bekommen. Das Hotel hat im Endeffekt alles, was der Mensch braucht: Ein Bett und WLAN.

U-Bahnstation Hauptbahnhof/Südtiroler Platz – meine „homebase“.

Nach dem Frühstück enterte ich die U1 Richtung Leopolddau, um beim Praterstern auszusteigen. Ich nahm einfach mal an, dass sich dort der Prater befände (und das war auch so). Wieder am Tageslicht sah ich auch schon das berühmte Riesenrad.

Blick auf das berühmte Wiener Riesenrad auf dem Prater von der U-Bahn-Station Praterstern aus

Das Wetter war bedeckt, aber es regnete (noch) nicht. Ich näherte mich dem Prater, es war etwa 10.30 Uhr. Prater ist, wenn ich mich richtig an die Ausführungen der Kellnerin vom Bistro erinnere, durchgehend von März bis Oktober, in der Zeit sind dort die mobilen Schausteller-Attraktionen aufgebaut. Das alte Riesenrad von 1897 steht natürlich immer da, und auch die Gastronomie besteht größtenteils aus ganzjährig vorhandenen Einrichtungen.

Es war (noch) nichts los. Viele Fahrgeschäfte waren noch nicht in Betrieb, und nur wenige Menschen waren schon auf Bummel unterwegs. Das lag offensichtlich einfach an der Uhrzeit. Während der über zwei Stunden, die ich mich auf dem Gelände aufhielt, öffneten nach und nach immer mehr Fahrgeschäfte. Ich stand beispielsweise direkt vor einer Loopingbahn, als die plörtlich ihren Betrieb aufnahm, Geräusche machte und eine leere Bahn auf eine Proberunde schickte.

„Auf dem Prater ist immer was los“ – so steht es hier auf Werbetafeln. Naja… außer halt jetzt gerade.

Ich stehe nicht mehr so auf die mesiten Fahrgeschäfte. Und alleine machte es ohnehin nicht so viel Spaß. Ich wollte einfach nur das Gelände abschreiten (mit gezücktem Handy, um zum Beispiel aus einer Attraktion namens „Schlumpf-City“ schnell mal „Frosch-City“ zu machen) und mir ein Bild machen. Vielleicht mittags irgendwo etwas essen und dann mit dem berühmten Riesenrad fahren.

Das machte ich dann auch so. Es gab zwei kleine Begegnungen mit Mitmenschen, die ich suboptimal fand. Ich stand gerade vor einem Gebäude, in dem es neben anderem Modellbau ein Modell von Wien mit Eisenbahnen gab. Das hätte mich interessiert, aber leider war wegen eines Stromausfalls geschlossen. Da rückte mir ein junger Mitmensch auf die Pelle, unterschritt erst den sozial angemessenen Mindestabstand und rempelte mich dann sachte, aber absichtlich an. Danach tänzelte er neben einem langsam fahrenden Rundfahrtzug nebenher. Das brachte mich kurz aus dem Konzept. Vermutlich stand die Person entweder unter Drogeneinfluss oder hatte irgendeine Störung. Hm.

„Try set sce to aux“ – Wer wissen will, was das bedeutet, der lese den Wikipedia-Artikel über Apollo 12

An der Scheibe einer gastronomischen Einrichtung klebte von innen ein Schild, welches besagte, man könne bei Verzehr und WC-Benutzung 50 Cent zurückerstattet bekommen. Irgendwie war eine bedauernswerte Wespe zwischen das Schild und die Scheibe geraten. Sie mühte sich, wie mir schien, vergebens, sich aus dieser misslichen Lage zu befreien. Ich betrat ohne Umschweife das Gebäude mit der Absicht, dem Tier zu helfen, wurde aber sofort von einer Gastronomiefachkraft mit einem sehr bestimmten, sehr wienerischen „Bitte“ des Platzes verwiesen. Ich sollte mich draußen hinsetzen. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, nahm mir von einem Tisch eine Speisekarte und wollte mich damit an einen anderen Tisch setzen. Auch das wurde mir sofort schnippisch von der Dame untersagt, die Karte würde an dem anderen Tisch nass. Okay, hilfe, Kunde droht mit Auftrag. Ich konnte der Wespe nicht helfen, aber ich war da auch sonst offenbar eindeutig fehlt am Platz.

Mist. Ich wär ja gerne eine Runde Bagger gefahren. Aber ich hab das Kassenhäuschen nicht gefunden. Lol.

Mittlerweile hatte leichter Nieselregen eingesetzt. Ich beendete meinen Rundgang und kam beim historischen Riesenrad, welches einst zum 50. Thronjubiläum des Kaiser Franz Jospeh I. errichtet worden war, an. Ich löste ein Ticket (13,50 Euro, ich glaube, um mit dem Mellenium Eye in London zu fahren, muss man mindestens das Dreifache auf den Tresen legen) und gelangte in einen runden Raum, in dem einige den Riesenradgondeln nachempfundene Kästen mit Glasscheiben, die verschiedene Dioramen enthielten. Es waren alles Darstellungen von Wien oder auch konkret des Praters in verschiedenen Epochen – teilweise aufwändig illuminiert oder auch animiert. In einem Szenario wurde Wien von türkischen Armeen belagert. Ein anderes zeigte den Bau des Stefansdoms im Mittelalter. Ein Kasten zeigte das ausgebrannte Gerippe des Riesenrades und andere Ruinen nach dem Praterbrand durch das Kriegsgeschehen 1945. Wieder andere Dioramen stellten den Prater in frühen Phasen seines Bestehens. Das hat mir jedenfalls gut gefallen. Ich mag Modelle, und das hier war liebevoll gestaltet.

In diesem Diorama, welches sich mit der literarischen bzw. wissenschafltichen Auseinandersetzung Arthur Schnitzlers und Sigmund Freuds mit der menschlichen Seele beschäftigt, hängt buchstäblich der Himmel voller Geigen…

Durch diese Ausstellung gelangte ich zum Einstieg in die Hauptattraktion. In eine Gondel passen geschätzt üblicherweise 8-10 Personen. Vor mir war noch eine andere Gondelbesatzung dran. Nachdem diese losgegondelt war, kam als nächster Waggon (wie die Dinger bei Wikipedia genannt werden) eine Spezialausführung in Sicht, die anders ausgestattet war als die anderen, ganz stilvoll mit Gardinen und vornehmeren Tischen und Sitzgelegenheiten. Ich hatte gelesen, dass man ein romantisches Candlelight-Dinner im Riesenrad buchen kann und vermutete dies als Verwendungszweck dieser speziellen Gondel.

Fast alles klar zum Einsteigen. Die 8 war unsere.

Schließlich kam „unsere“ Gondel an den Start, und ich enterte mit ehreren Personen die Kabine. Dabei waren mehrere erwachsene Damen und Herren, eine Teenagerin und zwei Kinder, eins davon fröhlich damit beschäftigt, mit seiner Stimme zu experimentieren (was ich erst nervig, dann aber irgendwie später eher ganz süß fand). Die Fahrt ging los, erst nur wenige Meter hoch. Das Rad fährt offenbar normalerweise nie durchgehend, sondern je nach Fahrgastaufkommen immer nur bis die nächsten Menschen einsteigen. Ich hatte es gar nicht gelesen, aber die komplette Runde (und man dreht nur eine) war wohl mit 20 Minuten angegeben, wie ich aufschnappte.

Blick auf die Stadt vom Riesenrad

Mittlerweile hatte der Regen erheblich an Intensität zugenommen, was leider die Sicht einschränkte. Trotzdem war es toll. Am Scheitelpunkt befindete man sich auf 65 Meter Höhe und kann den Prater und die Stadt von oben betrachten, außerdem hat man einen guten Blick auf die konstruktiven Details des Riesenrades selbst. Ich kann jedenfalls nur empehlen, diese Attraktion beim Besuch Wiens auf keinen Fall auszulassen.

Nach der Fahrt war die Mittagszeit herbeigekommen. Ich beschloss, gleich das dem Riesenrand zugehörige Café aufzusuchen. Nach einem flüchtigen Blick in die Karte fand ich Angebot und Preise akzeptabel und setzte mich draußen unter einen der großen Sonnenschirme (de facto Regenschirm). Ich gönnte mir Berner Würstl (Kochwurst mit Bacon umwickelt) mit Pommes und ein Ottakringer. (Dieses Bier wird hier oft angeboten. Es kommt offenbar aus Ottakring, so heißt eine der Endstationen der U3 hier. Es schmeckt mir gut.)

Berner Würstchen mit Ottakringer

Nach der Mahlzeit regnete es nach wie vor erheblich. Ich verließ den Prater und ging noch kurz zum nahegelegenen Wiener Planetarium, um dort einen Blick in den Schaukasten zu werfen. Heute abend ab 19.00 Uhr läuft dort das Programm „Bilderbuch am Himmel“ – es geht um Sternbilder. Das interessiert mich nicht so sehr. Morgen läuft „Hubble Space Telescope“, was schon eher für mich einen Besuch wert sein könnte.

In meine regenjacke gewandet ging ich zurück zur U-Bahn-Station Praterstern. Irgendwie war durch das Wetter die Stimmung nicht die beste. Ich hatte beim Essen kurz mal über die Museen hier recherchiert, um vielleicht eine Indoor-Beschäftigung für mich zu finden, konnte mich aber nicht motivieren. Die meisten Museen haben natürlich mit Kunst zu tun oder sind historische Ausstellungen (z.B. Schloss Belvedere oder die Hochburg), und sowas interessiert mich ja nicht so. Aber es gibt auch das „Haus des Meeres“, ein großes Aquarium, welches mir schon von jemandem, mit dem ich im Zug nach Nürnberg gesprochen hatte, empfohlen worden war. Und ein technisches Museum. Mal sehen. Vielleicht anderntags.

Aber zunächst zog es mich zurück zum Hotel. Dort angekommen stand ich vor der Wahl „Mittagsschlaf oder bloggen.“ Ich entschied mich für den Weg des geringsten Widerstands, und der hieß „Mittagsschlaf“ und Schietwetter Schietwetter sein lassen.

Nach ca. zwei Stunden auf Matraze stand ich etwas missmutig ob des andauernden Regens auf. Ich beschloss, diesen Eintrag zu schreiben, aber es nicht im Hotel, sondern im Café Goldegg zu tun. Dieses liegt unweit der St. Elisabeth zur guten Nachricht am Eck Argentinierstraße/Goldegg-Gasse. Denn vielleicht würden Kaffee und Gebäck meine Laune ja heben können, und weniger trist als im Hotel zu sitzen wäre es allemal. Also schnappte ich mir den Laptop und taperte durch den Regen die 5 Minuten zum Café.

Sachertorte und Melange im Café Goldegg

Es gab Sachertorte mit Schlagobers und eine Melange. Und dann noch einen großen Macciato („Kein Espresso?“ „Kein Espresso“ – wurde dann doch ein doppelter Espresso. War mir egal.) Und dann ein großes Trumer Pils. Am letzteren arbeite ich noch. Wer weiß, einige große und erfolgreiche Literaten sollen viel in Cafés geschrieben haben (Franz Kafka, J.K. Rowling, um zwei Beispiele zu nennen). Vielleicht sollte ich das auch öfter machen, dann wird aus mir auch noch mal ein richtiger Schriftsteller. Auf jeden Fall ist es durchaus angenehm – und WLAN gibt es auch. War bestimmt auch für Franz Kafka der entscheidende Faktor.

Nun. Ich bin mit diesem Beitrag fast fertig. Vielleicht schaue ich mir gleich, sofern sie geöffnet ist, die St. Elisabeth-Kirche noch von innen an. Und/oder mache trotz des schlechten Wetters noch die paar Schritte zum botanischen Garten der Universität und zum Schloss Belvedere. Das ist quasi am Ende der Goldegg-Gasse gelegen. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, mal einen Blick ins Kinoprogramm zu werfen, um den Abend nicht im Hotelzimmer herumzusitzen. Mal sehen. Der nächste Beitrag wird zeigen, was ich erlebt haben werde. Bisdann.

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Vienna calling

Wien. Hotel in Bahnhofsnähe. 21.58 Uhr. 23°. 5G Handynetz.

Montag, 31. Juli – Reise nach Wien

Mein Schlaufon weckte mich um 7.40 Uhr mit „Vienna calling“. Nein, stimmt nicht. Ich hatte immer noch den Standardklingelton drin. Und außerdem war ich schon wach.

Tschüß, Weiher, tschüß Frösche, servus, liebe Gastgeber!

Nach der Morgentoilette und Sachen zusammenpacken gab mir meine Gastgeberin einen Kaffee und ich verzehrte ihn mit einem Apfel als erstes Frühstück auf der Terasse mit Blick auf den Fischweiher (und fast auf das Transformatorhäuschen, an das die Touristen vom Campingplatz immer gegenpinkeln, wenn man meinen Gastgeber in dieser Sache Glauben schenkt, was ich natürlich tue – aber leider steht ein Baum davor). Danach verfrachtete ich meinen Koffer Bob und meinen Rucksack in den Kofferraum meiner Gastgeberin, die mich zum Bahnhof kutschierte. Ich bin meinen beiden lieben Gastgebern sehr dankbar, es war eine großartige Zeit für mich in deren schönen Haus in Muhr am See, auch wenn das Wetter nicht ganz toll mitgespielt hat (aber ehrlich: wir brauchen den Regen!).

Hm… eine Crossfit-Box, ein Aldi Süd und eine niedrige Ingress-Portaldichte… die Südstadt von Ansbach scheint auf den ersten Blick nicht viel zu bieten zu haben.

Mein erster Zug brachte mich nach Ansbach. Dort hatte ich über 50 Minuten Aufenthalt, länger als geplant, weil mein IC nach Nürnberg von da aus Verspätung hatte. Ich nutzte die Zeit, um ein bisschen durch die Gegend zu streifen und Ingress zu zocken. Leider nicht besonders effizient… ich verließ den Bahnhof an der Südseite, und das ist eher nicht „Downtown“. Der andere Ausgang wäre schlauer gewesen.

Egal, ich sah mir dann später noch das Umfeld des Bahnhofs auf der anderen Seite an und besorgte mir dann bei einem Shop im Bahnhof noch eine Flasche Wasser und ein Brötchen mit Ei, welches ich am Gleis umgehend verzehrte. Dann kam mein IC nach Nürnberg.

Mein Aufenthalt in Nürnberg war nicht ganz so lang, obwohl auch der ICE, aus München kommend, ebenfalls Verspätung hatte. Aber ich verließ den Bahnhof diesmal nicht, sondern wartete am Gleis auf meinen Zug. Mir war das alles ziemlich egal – ich hatte meine Anschlüsse bekommen, und dieser Zug fuhr von Nürnberg nach Wien, da musste ich keinen Anschluss mehr bekommen.

Die Fahrt an sich war entspannt. Zwar waren wir vielleicht eine halbe Stunde zu spät dran, aber das war mir egal. Ich hatte einen reservierten Sitzplatz und nutzte die Zeit zum bloggen, dösen und manchmal aus dem Fenster schauen, wenn wir an der Donau entlang fuhren. Irgendwie vergingen die über vier Stunden Fahrzeit gefühlt wie im Flug.

Ah, da bin ich ja schon!

Angekommen in Wien ging es natürlich erst ins Hotel. Nachdem ich längere Zeit gesucht und Vor- und Nachteile verschiedener Hotels abgewogen hatte, hatte ich mich doch gegen ein Hotel in der Nähe der Donau und für ein Hotel in Bahnhofsnähe entschieden. Ist beim Ankommen schon verlockend einfach, und das Hotel war auch günstiger.

Nachdem mich Google Maps dahin geführt hatte (7 min. Fußweg) und ich eingecheckt hatte (die Rezeptionistin hatte, glaube ich, aufgespritzte Lippen und definitiv einen hörbaren Wiener Schmäh) nahm ich mein Zimmer in Augenschein. Hm. Tür noch mit einem richtigen Schlüssel anstelle einer Chipkarte, irgendwie Vintage. Der Rest ist auch nicht toll, aber voll okay. Alles schon ein bisschen in die Jahre gekommen und abgenutzt und auch nicht 100% sauber, aber akzeptabel.

Nachdem ich mir eine kurze Hose angezogen (hier schien die Sonne bei 27°) und mir Sonnenschutzmittel aufgetragen hatte, verließ ich gegen 16.00 Uhr das Zimmer. Ziel: Eine Melange ansaugen und ein Stück Gebäck verknuspern. Ich hatte mir auf Google das „Café Brot“ in der Nähe ausgesucht.

Kokos-Krapfen und eine Wiener Melange. Lecker!

Dieses erreichte ich nach zehn Minuten (höchstens) zu Fuß. Bedienung gab es nicht, aber man konnte etwas zum Verzehr erwerben und an Tischen draußen zu sich nehmen, was ich auch tat. Einen Kokoskrapfen und eine Wiener Melange, beides sehr lecker.

Einen Plan hatte ich zu der Zeit nicht wirklich, ich wollte einfach zu Fuß die Umgebung erkunden und das schöne Wetter genießen. Ich besorgte mir bei einem Sparmarkt ein Gösser Radler. Von da aus war schon eine imposante Kirche zu sehen, die ich mir aus der Nähe ansehen wollte. Es war die St. Elisabeth Kirche zur frohen Botschaft. Ich schaute sie mir dann aber erst einmal nur von außen an, einerseits, weil ich vermutete, dass ich da vermutlich noch einmal hinkomme, andererseits, weil es mich weiter trieb.

Turm der katholischen Kirche St. Elisabeth zur frohen Botschaft.

Die Richtung, zunächst immer der Argentinierstraße lang, war eigentlich alleine durch die Wahl von „Café Brot“ bestimmt worden. Aber sie führte mich an diverse Botschaften vorbei erst zur oben genannten Kirche, dann zur Karlskirche und zum Karlsplatz, und schließlich dicht an die Wiener Staatsoper.

Die barocke Karlskirche ist wahrhaftig ein beeindruckender Sakralbau und mit den zwei schlanken Türmen auch schon irgendwie besonders und ungewöhnlich.

Dort bog ich dann links ab und ging den Opernring entlang, um zur Hofburg und dem zugehörigen Park zu gelangen. Das war ursprünglich mal ein privater Garten der Royals gewesen (so für Sissi und Franzl zum Lustwandeln oder so), aber seit langem ist er für die Öffentlichkeit geöffnet. Der Park ist wirklich schön und umgeben von architektonisch eindrucksvollen Bauen wie Teilen der Hofburg, dem Schmetterlingshaus und dem angrenzenden Palmenhaus. Auf der anderen Seite hat die Polizeiinspektion Wiens ihre Büros in einem historischen Gebäude. Hinter dem Palmenhaus kommt mir dem Albertina-Kunstmuseum gleich das nächste beeindruckende Gebäude, und hier ist man dann schon in der sogenannten „inneren Stadt“, die ebenfalls auf den ersten Blick viel großartige Architektur fürs Auge zu bieten hat.

Ein Teil der Hofburg-Fassade, davor der Burggarten

Langsam meuterte aber das Fahrwerk, und es war nun auch schon langsam nach 18.00 Uhr. Also war es Zeit, ein Wiener Schnitzel zwischen die Beißer zu nehmen. Ich war schon an einem „Bistro 59“ vorbeigekommen, wo ich einen Blick auf die Karte geworfen und die Preise akzeptabel gefunden hatte. Dahin wollte ich zurück. Anschließend wollte ich noch zwei Blog-Biere kaufen und dann die U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof nehmen.

Das machte ich dann auch genauso. Ich bekam einen Sitzplatz draußen beim Bistro 59. Eigentlich bin ich kein großer Schnitzelfan, zumal ich ohnehin versuche, meinen Fleischkonsum zurückzufahren, aber nun, ich bin in Wien. Ich bestellte mir bei der Kellnerin, die mit mir Englisch (und ich mit ihr Deutsch) sprechen wollte, Wiener Schnitzel und ein Ottakringer Bier. Es dauerte nicht lange und war gut – das Schnitzel schmeckte mir besser, als ich erwartet hatte. Vielleicht ist ja wirklich etwas daran, dass Dinge da, woher sie kommen, immer noch am besten schmecken. Auch das Bier war klasse.

Naja, wenn in Wien…

Am Ende fragte mich übrigens die Bedienung, von der ich schon dachte, sie wäre englischsprachig (sowas kommt in europäischen Metropolen ja durchaus vor), ob ich auch aus Deutschland käme. Auch? Ja, es zeigte sich, dass sie aus Hamburg kam. Sie sagte mir noch, dass sie das Grün und das Wasser in HH vermisse (naja, hier gibt es zumindest auch viel Grün), dass ich aber unbedingt den Prater besuchen solle, der sei viel besser als der Hamburger Dom. Jedenfalls hatte sie offenbar nur Englisch mit mir sprechen wollen, weil sie nach ihren vorangegangenen Gästen noch nicht umgeschaltet hatte.

Meinem Plan folgend ging ich also nach dem Essen noch kurz in einen Sparmarkt (von denen es hier viele gibt), zog noch Geld aus dem dortigen ATM, besorgte zwei Dosen Gösser und machte mich auf zur U-Bahn-Station „Karlsplatz“. Eine Wochenkarte für die Öffis kostet 17,20 Euro. Drei einzelne Tageskarten für die kommenden drei Tage lägen bei 17,40 Euro, aber ich hab ja die auch heute die Bahn schon benutzt. Die Wochenkarte schien mir die beste Lösung zu sein. Wenn ich auch heute nur zwei Statiuonen zurück gefahren bin. Ich schaffte es sogar, auf Anhieb an der richtigen Stelle, den Schildern zum Südtiroler Platz folgend, die U-Bahn-Station zur verlassen.

Bloggen, Gösser trinken und nebenbei BBC gucken zum Abschluss des Tages.

Tja, also zurück zum Hotel, ab ins Zimmer, Computer an den Start und diese Zeilen hier wegbloggen. Und die zwei Gösser dabei eleminieren. Nun bleibt nur, Bilder hinzuzufügen, und dann geht es ins Bett. Morgen steht der Prater und/oder das Donau-Ufer auf dem Programm. Ich will auf jeden Fall ans Wasser. Vielleicht auch Bötchen fahren, wenn möglich. Mal sehen. Bismorgen.

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Moderne Surfer stehen über den Dingen

Hotel in Wien, Nähe Hauptbahnhof

Sonntag, 30. Juli – Muhr am See. Echt am See, nicht nur am Weiher

Erneut stand ich ziemlich spät auf, nachdem ich zwischenzeitlich schon früher wach war. Es war, glaube ich, etwas weniger Bier als einen Abend zuvor auf der Kerwa. Vielleicht habe ich mich auch nur daran gewöhnt. Oder beides. Jedenfalls wars diesmal nur ein kleiner, toter Biber in der Mundhöhle.

Wir frühstückten erneut in der Laube. Mein Gastgeber brach danach zu einer Fahrradtour auf, während ich es mir mit der Muhrer Gastgeberin auf dem Sofa bequem machte. Wir schauten eine Episode „Black Mirror“ auf Netflix und warteten darauf, dass das Wetter (vielleicht) etwas besser wird.

Nach der Episode machten wir uns auf die Fahrräder, um zum Altmühlsee zu fahren (das ist der See aus „Muhr am See“). Ich gestehe: Beim Packen hatte ich kurz erwogen, die Badehose einzupacken und es nicht getan (total blöd eigentlich, ich meine, wieviel wiegt eine Badehose und wieviel Volumen nimmt sie ein?). Das Wetter war nicht nach Baden und ich war ein wenig erleichtert, dass ich das Nichteinpacken der Badehose nicht bereut habe… Obwohl es sicherlich bei besserem Wetter am See durchaus schön zum Baden sein kann. Der See ist 4 km lang, bis zu 1,7 km breit und bis zu 3m tief. Groß genug, dass ein Ausflugdampfer, die MS Altmühlsee, darauf verkehrt.

Blick über den Altmühlsee vom Bootsanleger der MS Altmühlensee aus. Bei der Benennung des Ausflugsdampfers war echt richtig viel Kreativität im Spiel…

Wie auch immer, wie fuhren so 4 km dahin, erstmal mit starkem Rückenwind. Meine Gastgeberin mit ihrem neuen E-Bike, ich mit dem alten Rad ihres Dad. Dabei trafen wir auch den Gastgeber mit seinem Rad in Gegenrichtung, der eine längere Tour fuhr. Wir umrundeten den See nicht (ca. 13 km) sondern fuhren nur zum Fortsatz bei Schlungenhof, zum Anleger der MS Altmühlsee. Danach wendeten wir und fuhren ein kurzes Stück zurück, um an einem der vielen „Kioske“ (so nennt man da die Gastronomie am See) ein Getränk zu uns zu nehmen. Ich konnte mir nicht merken, wie mein Bier hieß, es war kein Spalter. Während man dort am Getränk nuckelt, kann man den Wasersporttreibenden beim Verunglücken zusehen. Äh Spaß, viele können es offenbar ziemlich gut und genossen den starken Wind, der für meine Gastgeberin schon etwas drüber war. Nicht für Wassersport, sondern zum Existieren an sich.

Der moderne Surfer begnügt sich übrigens nicht damit, auf seinem Brett durch das Wasser zu gleiten. Der neuste Schrei ist offenbar, dass am Brett unten so Hydrofoils sind wie bei einem Tragflächenboot. Wenn die Geschwindigkeit reicht, hebt sich das Brett aus dem Wasser und schwebt mitsamt Person obendrauf einen halben Meter (oder so) über dem Wasser. Nur die Tragflächen bleibem im Wasser, das Brett steht mit einer schmalen Strebe, die Tragflächen und Brett verbindet, auf den Tragflächen, die ihren Auftrieb aus der Wasserströmung beziehen – wie bei einem Flugzeug, nur dass das Medium halt Wasser und nicht Luft ist. Man könnte sagen, die Surfer nutzen lieber Bernoulli, nicht Archimedis.

Ich hatte durch Online-Werbung solche Hydrofoil-Boards schon mal gesehen, aber diese hatten einen elektrischen Antrieb. Die Surfer am See nutzten den Wind, einige nutzten ein klassisches Surfsegel mit Mast, andere eine Art „Flügel“, die sie mit beiden Händen festhielten. Die Kitesurfer hingegen schienen mir das Wasser weiter direkt unter dem Brett zu behalten und ohne Hydrofoils zu surfen.

Nach dem Trip zum See ließen wir den Rest des Tages gemütlich angehen. Meine Gastgeber hatten ja, im Gegensatz zu mir, am nächsten Tag zu arbeiten. Meine liebe Gastgeberin zauberte aus den Resten von schier endlosen Leberkäs-Vorräten, die von einer lange zurückliegenden Geburtstagsfeier ihres Freundes übrig geblieben waren, eine leckere Leberkäs-Pfanne. Ich konnte mich zwischenzeitlich noch ein wenig nützlich machen und die Beleuchtung einer aus der Verwandtschaft günstig gegen eine Kiste Spalter eingetauschten Weihnachtskrippe reparieren. Naja… richtig kaputt war sie eigentlich nicht, nur ein wenig regelwidrig angeschlossen…

Finde den Fehler… kann man so machen … sollte man aber nicht. Lt. meiner Gastgeberin hat das der Schreiner gemacht, der die Krippe gebaut hat. Meister, bleib bei Deinen Leisten.

Nach dem leckeren Essen (und ich ärgere mich, dass ich davon kein Foodporn-Foto gemacht habe) wollten meine Gastgeber eigentlich nach der Tagesschau nicht mehr so lange außerhalb des Bettes bleiben. Aber wir schauten dann dennoch ein Filmchen („Knives Out – Mord ist Familiensache“) zusammen. Danach gingen wir ins Bett. Für mich war ja auch der einigermaßen zeitige Aufbruch nach Wien angesagt. Da mein Gastgeber früher aufstehen würde als ich, verabschiedeten wir uns herzlich voneinander. Ich bekam noch zwei Flaschen Spalter ins Bordgepäck. Die werden aber nicht weggezischt, sondern dienen höheren Zwecken später (zumal ich sie ja ohnehin nicht gekühlt bekomme).

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Bunte Regenschirme und fast fliegende Festzelte

Unterwegs im ICE nach Wien, aktuelle Position irgendwo zwischen Styr und Amstetten (jenseits von Linz), 14.09 Uhr. 200 km/h

Samstag, 29. Juli – Muhr am See und Gunzenhausen

Am Abend zuvor hatten wir vereinbart „Keine Aktivität vor 11.00 Uhr“. Ich wachte irgendwann vorher auf. Irgendwie fühlte es sich an, als sei ein Biber in meiner Mundhöhle verendet. Die Uhr am Webradio im Badezimmer schickte mich zwei Stunden in die Vergangenheit ohne dass ich es merkte. Egal. Ich legte mich nochmal auf irgendwelche Ohren, ich hoffe, es waren meine eigenen.

So gegen halb elf oder so begab ich mich dann doch mal die Treppe hinunter. Meine Gastgeberin chillte auf dem Sofa mit einem Kaffee und ich gesellte mich dazu und bekam ebenfalls einen Kaffee. Danach ging ich duschen und dem toten Biber mit der Zahnbürste zu Leibe rücken.

Ich begleitete dann meine Gastgeberin im Auto nach Gunzenhausen, dem nächstgrößeren Ort in der Nähe. Gunzenhausen war mit bekannt für „Schorschbock 57“, einem Eisbock-Bier mit 57% Alkohol, einst Weltrekordhalter für das Bier mit der größten Alkoholkonzentration (nach allgemeiner Meinung in Muhr völlig untrinkbar).

Bunte Regenschirme als Deko in Gunzenhausen, leider auch mit prophetischen Charakter, das Wetter betreffend.

Ich fand den Ort recht hübsch. Schöne, bunte Gebäude und Einkaufsgassen. Wir waren in der Drogerie Müller, wo ich zwei Postkarten erwerben konnte, und während meine Gastgeberin Brötchen besorgte, holte ich dafür bei der Post Briefmarken. Schließlich waren noch Einkäufe im Supermarkt zu erledigen.

Zurück in Muhr nahmen wir das Frühstück in der Mittagszeit in der Laube ein, meine Gastgeber haben sich zwischen Haus und Garagen eine gemütliche, überdachte Ecke eingerichtet, in der man sich mit ein paar Leuten sehr angenehm aufhalten kann. Nach dem Frühstück war schon späte Mittagszeit, und wir beschlossen, angesichts des vorangegangenen, langen Abends eine Siesta zu halten. Ich verbrachte mehrere Stunden dösend bis schlafend auf Matratze, während mein Gastgeber sich zwischenzeitlich mit Gartenarbeiten beschäftigte. Denn das Wetter besserte sich zwischenzeitlich. Es gab Sonne, aber weiterhin viele Wolken und starken Wind.

Am frühen Abend entschieden wir, das Abendessen quasi auf dem Weg zur Kerwa bei einem Italiener zu uns zu nehmen. Das Wetter ließ zu, dass wir draußen sitzen konnten. Ich hatte eine Portion Rigatoni Al Forno, sehr lecker – und ein Spalter, selbstredend. Eine hiesige Bieralternative ist Gutmann Weizen, aber meine Gastgeberin riet mir ab (wie zuvor schon von der schwarzen Maß übrigens), es seien unüblich viele große Hefenbrocken in diesem Bier, und das sei nicht jedermans Sache.

Die Damen halten die Tradition (und das Bier) hoch. Die Arme gehören in einen rechten Winkel. „Schiri, Geodreieck!“

Nach dem Abendessen ging es weiter, wieder auf die Kerwa. Wieder zwei Maß und ein „saure“ Weinschorle. Wir trafen einige Leute erneut, andere, die mir vorher unbekannt waren, und es war recht lustig. Das Wetter kippte zwischenzeitlich in Gewitter und so starken Wind, dass meine Gastgeberin mir bedeutete, ich möge doch mal eine Stange des Zeltes festhalten, um es am Davonfliegen zu hindern. Zwischenzeitlich hielt ich mich an der Bühne auf. Die Band gefiel mir besser als die am Vortag aber ich war an der Bühnenkante nicht deswegen, sondern um erst die Damen (darunter die genannte Bürgerschützen-Königin, die ihre Mutter locker ausstach) und dann die Herren beim Bierkrugstemmen anzufeuern.

In Spalt, in Spalt Dou wern die Leit gar alt. Sie kenna nix dafier, dös macht ös gaute Bier

Markting-Spruch für Spalter-Bier

Nach erneut nicht unerheblichem Spalter-Konsum ging es wieder zum Haus meiner Gastgeber. Wieder gab es noch ein Absacker-Bier, diesmal auf der Terasse mit meinem Gastgeber. Dieser wollte von mir wissen, wie ein Atomkraftwerk funktioniert, was ich ihm dann unter starkem Hopfeneinfluss so grob erklärte. Besser kann ich es auch nicht, ich kann mir die Atommassen der Spalt-Edukte und -produkte nie merken. Im Endeffekt: Lieber Spalter-Bier als Kernspaltung. Der gute Spalter Hopfen ist auf dem Weltmarkt für seine exzellente Qualität übrigens bekannt. Danach ging es in die Koje.

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Die schwarze Maß war gestern

Unterwegs nach Wien

Ich schreibe diesen Beitrag aus dem ICE 23 von Nürnberg nach Wien. Aktuelle Position: Bei Parsberg, irgendwo zwischen Nürnberg und Regensburg. Zeit: 11:34. Geschwindigkeit 139 km/h,

Seit Freitag bin ich schon unterwegs im Urlaub. Bevor ich in Nürnberg in den Zug nach Wien stieg, war ich zuvor zu Gast bei Freunden in Muhr am See. Diese Tage werde ich erst einmal Revue passieren lassen.

Freitag, 28. Juli. Anreise und erster Besuch auf der Kerwa

8.00 Uhr morgens. Mein Schlaufon weckt mich mit… tatsächlich irgendeinem ärgerlichen Standard-Klingelton aus dem Systemverzeichnis. Da muss ich mal was dagegen tun. Ich hatte am Vorabend noch nichts gepackt und bin daher, obwohl der Zug erst ab 10.47 Uhr fahren sollte, früh aufgestanden. Also packte ich Klamotten, Bier (als Geschenk für meine Gastgeber in Muhr am See) und eine Box mit „Die Siedler von Cathan – Baden-Würthenberg-Edition“ (gehört einem Freund, den ich am Ende der Reise besuchen werde) in meinen knallorangenen Reisekoffer Bob.

Der Regionalexpress von Osnabrück war halbwegs pünktlich, ich errreichte meinen Anschluss in Düsseldorf. Im ICE nach Würzburg machte ich es mir bequem und schaute einen Film „Ticket To Paradise“ mit George Clooney und Julia Roberts in den Hauptrollen. Die Handlung war zwar extrem vorhersehbar (was ebenfalls vorhersehbar war), aber die beiden Hauptpersonen lieferten sich sehr schöne, verbale Schlagabtausche, was den Film amüsant machte. Ich musste mich lachtechnisch am Riemen reißen, weil ich in einem Ruhebereich saß. Nach dem Film wechselte ich auf einen anderen, „Bombshell“, über eine wahre Geschichte über sexuelle Übergriffe bei Fox News, die dessen CEO schließlich zu Fall brachten. Naja… der bekam von Rupert Murdoch (in der echten Welt) 40 Mio. USD Abfindung, während die klagende Frau 20 Mio. USD erhielt. Äh… ich schweife ab.

Der Zug fuhr langsamer, hielt zwischenzeitlich und irgendwann war dann ziemlich klar, dass ich den Anschluss in Würzburg nicht bekommen wurde. Ich hab die Durchsagen nicht so ganz mitbekommen, weil ich ANC-Kopfhörer trug. Aber ich brach das Filmgucken irgendwann ab, um mich mit den Mitreisenden auszutauschen. Es war von einem medizinischen Notfall die Rede. Am Ende kamen wir in Aschaffenburg an, aber der Zug fuhr nicht weiter. Es kamen offenbar Rettungskräfte, jedenfall hörte ich die Sirene eines Ambulanzfahrzeugs. Ich konnte das nicht sehen, aber ein just Zugestiegener sagte, an habe jemanden im Zug reanimieren müssen. Schlimmer als einen Anschluss zu verpassen, sowas…

Irgendwann wurden wir dann aus dem Zug herauskomplimentiert und mussten in einen anderen Zug Richtung München Hbf umsteigen. Dieser war überfüllt, aber viele andere Passagiere und ich ignorierten einen Haufen rotes Flatterband, mit dem ein Wagon wegen ausgefallener Klimaanlage abgesperrt war und besetzten das Ding. Es war auch überhaupt nicht heiß bei maximal 20 Grad Außentemperatur.

Uns doch egal…

Mit einiger Verspätung erreichte ich dann Würzburg, wo ich in einen Regionalexpress, der von „Go ahead Bayern“ betrieben wurde. Der war ebenfalls schon mit Verspätung in Würzburg, und es dauerte gefühlt ziemlich lange, bis endlich alle Aussteigenden den Zug verlassen hatten. Die „Go ahaed Bayern“-Züge haben nämlich nur eine Tür auf jeder Seite pro Triebwagen, nicht wie man es sonst kennt, zwei. Etwa 75 Minuten als urspünglich geplant ging es dann mit dem an jeder Milchkanne anhaltenden Zug nach Muhr am See dann weiter. Etwa gegen 19.17 Uhr kam ich dann in Muhr am See an, wo mich meine Gastgeberin (vormals „Frankfurter Gastgeberin“ aka „Handtaschenfreundin“) abholte.

Sie brachte mich mit ihrem Wagen zu dem Haus, in dem sie zusammen mit ihrem Freund wohnt. Ich war ihm bisher nur virtuell während der Pandemie per Bildschirmtelefonat begegnet und wurde sehr herzlich begrüßt. Ich bekam auch ziemlich umgehend mein erstes Spalter (ein helles Bier aus einem Dorf namens Spalt in der Nähe) in die Hand gedrückt. Nachdem ich mir einen Eindruck von dem schönen Haus, welches direkt an einem Fischweiher gelegen ist, gemacht und mein Gepäck in das Gästezimmer gebracht hatte, machten wir uns trotz des regnerischen Wetters auf den Weg zur „Kerwa“ (Kirchweih). Diese Volksfeste sind gefühlt fast immer in irgendeinem Nachbardorf (wie ich erfuhr), doch dieses war in Altenmuhr und fußläufig erreichbar. Aufgrund des Regens hatte man kurzfristig ungewöhnlich viele Zelte organisiert, damit man auf den Bierzeltgarnituren einigermaßen trocken bleiben konnte.

Mein erstes Spalter umgehend nach Ankunft eingefordert. Im Volksmund heißt es: „Spalter-Bier, dann steht er Dir“.

Es gab erst einmal zwei Maß Spalter-Bier für uns Jungs und eine Weinschorle Sauer (das bedeutet, mit Wasser, Süß wäre mit Sprite) für die Dame. Ich wurde etlichen Freundinnen und Freunden meiner Gastgeber vorgestellt und versuchte, die hiesige Kultur zu verinnerlichen (in erster Linie in Form von Gerstensaft, versteht sich). Apropos Kultur, es spielte ein Duo unter dem Namen „MP3-Player“ auf, mit Keyboard und Gitarre und beiden am Gesang. Allerdings schien mir im wesentlichen der Gesang live zu sein, der Rest kam vermutlich entweder von einem Sequencer oder halt von einem namensgebenden Gerät… Der Stimmung tat das allerdings mutmaßlich weniger Abbruch als das Wetter.

Ich erfuhr jedenfalls etwas über den fränkischen Diminutiv, dem „-la“. Ein Madla ist ein Mädchen, Plural ist „-li“, als Madli. Ein kleines Bier (0,5 Liter) wird als „Seidla“ bezeichnet. Nach dem Verzehr eines Hähndel mit Pommes und beschwingt von der ersten Maß und begeistert von meinen neuen Kenntnissen schlenderte ich zur Tränke, um zwei „helle Seidla“ zu ordern. Das wäre dann fast schief gegangen, denn Meister Zapfhahn fragte mich argwöhnisch „Wos? Zwo Radler?“ … was mich desillusioniert in meine Muttersprache zurückfallen ließ. Der folgende Halbliter Spalter brachte mich aber schnell wieder ins seelische Gleichgewicht zurück.

Weitere Erkenntnisse gab es über ein fesches Madli im Dirndl, die just den Titel der Bürgerschützenkönigin erworben hatte und die Tochter von Freunden meiner Gastgeber war. Ihr jüngerer Bruder bekam (noch nicht so altersgemäß und unter dem missbilligendem Blick meiner Gastgeberin) von seinem Vater eine sogenannte „schwarze Maß“ zugeschanzt. Dieses Getränk besteht zu großen Teilen aus Bier und Cola, was ja erst einmal einigermaßen harmlos ist. Allerdings wird das Gebräu alkoholtechnisch dann noch mit zwei Asbach und einem Kirschlikör aufgemotzt, weshalb man sich damit entsprechend komod abschießen kann. Bei der Dorfjugend war das Getränk entsprechend hoch im Kurs.

Hier wurde eine schwarze Maß unverrichteter Dinge am Wegesrand ausgesetzt.

Nach einem Ausflug in „Die Bar“, ein Zelt, in dem auch Spirituosen und Mixgetränke gereicht wurden, landeten wir am Ende in einem Festzelt, wo mir noch weitere Freunde vorgestellt wurden und man mir aus dem Freundeskreis noch ein weiterers Seidla ausgegeben wurde.

Wir machten und auf den Heimweg, und während die Gastgeberin recht unmgehend die Matratze aufsuchte, nahmen wir Kerls noch ein weiteres Spalter aus der Flasche zu uns. Die Dinger kommen auch als Halbliter, und wer mitgezählt hat, hat eine Erklärung dafür, dass ich am Samstagmorgen dann etwas indisponiert war. Aber erstmal unterhielten wir uns noch angeregt über eine Spalterlänge in der Küche, bevor auch wir das Bett aufsuchten.

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Stockholm & Kopenhagen: Rückfahrt und Fazit

Status: Nach zweitägigem Aufenthalt bei meinen Eltern bei HH jetzt unterwegs nach Osnabrück, Zwischenhalt in Bremen bei Kaffee und Gebäck

Vorgestern, am Dienstag, hieß es Abschied nehmen von Kopenhagen. Nach dem Aufstehen, Duschen, Frühstücken (im Hotel) und Zusammenpacken ging ich ein letztes Mal zum Hauptbhnhof. Von dort ging es dann in weniger als fünf Stunden zum Hamburger Hauptbahnhof.

Ich verbrachte die Zeit zunächst damit, Fotos zu kopieren und zu sortieren, ich stellte schon mal eine kleine Diashow zu Stockholm zusammen. Mein reservierter Platz war ein Fensterplatz an einem Tisch, der Zug ein IC der DSB (also der dänischen Bahn). Mir gegenüber saß ein junges, verliebt turtelndes Paar. Als wir schon in Deutschland waren (ich weiß das, weil wir da alle wieder Masken aufgesetzt hatten, wie es im Zug in Deutschland halt Pflicht ist), bat mich der junge Mann, ein Foto von ihm und seiner Freundin zu machen – und zwar mit einer simplen, aber konventionellen Kamera mit Film. Das scheint wieder ein bisschen eine Renaissance zu erleben. Wegen der Masken verzichtete ich auf ein „Cheese“.

Danach kamen wir aber ins Gespräch. Es waren junge Schweden, er aus Stockholm, sie aus einem kleineren Ort außerhalb, die noch am Anfang einer großen Tour per Interrail waren. Ihr nächstes Ziel war, aus Kopenhagen kommend, Amsterdam. Wir unterhielten uns sehr angeregt bis zur „Slutstation“ Hamburg Hbf. Daher kam mir die Fahrt am Ende nicht allzu lang vor. Am Hbf stieg ich um in einen Zug nach HH-Harburg und von dort fuhr ich per Bus zu meinen Eltern. Meine Mutter hatte am Folgetag Geburtstag, außerdem hatte mein jüngerer Neffe eingeladen, seiner Gesangsabschlußprüfung an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater beizuwohnen, daher machte ich für zwei Nächste hier Station, bevor ich mich wieder nachhause auf den Weg machte.

Nun also zum Fazit. Zum Reisen mit der Bahn kann ich sagen, dass es zwar auf der Hinfahrt zwischen Hamburg Hbf und København H ungemütlich war, weil ich so lange stehen musste, aber ich bin dennoch unter dem Strich sehr zufrieden, weil alles pünktlich war und ich immer alle Anschlüsse erreicht habe. Würde ich wieder machen. Es gibt noch viele interessante Städte in Europa, die man mit der Bahn erreichen kann.

Zu der möglichen Frage, ob mir Stockholm oder Kopenhagen besser gefallen hat: Ich würde sagen, Stockholm. Das ist aber nicht ganz fair, weil ich dort z.B. besseres Wetter hatte und besser gelaunt war. Was ich aber objektiv sagen kann: Es gibt einfach mehr Wasser in Stockholm als in Kopenhagen, es hat mir halt gefallen, über die Brücken von Insel zu Insel zu spazieren, und es ist einfach schön am Wasser. In Kopenhgen gibt es den einen oder anderen Kanal und den Hafen, aber das ist dann eher mit Hamburg zu vergleichen. Beide Städte haben für kulturell Interessierte unheimlich viel zu bieten, beides sind Hauptstädte von Nationen, die ein Monarchie haben, also gibt es in beiden Städten große Paläste, die man besichtigen kann. Ich hatte den Eindruck, dass Kopenhagen vielleicht kulturell ein wenig mehr bietet, es verfügt über sehr viele Kunstmuseen. Insgesamt sind auf jeden Fall beide Städte sehenswert und haben sehr viel zu bieten.

Das war es dann auch schon für dieses Mal. Vielen Dank fürs Mitlesen und…

bis irgendwann.

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