Letzter Tag in København

Ich stand um 9.30 Uhr auf und frühstückte im Hotel. Danach machte ich mich auf zur Metrostation København H in der Parallelstraße, das ist auf dem optimalen Wege wirklich auch ein Katzensprung. Da nahm ich diesemal die M4-Bahn zur Station „Marmorkirke“. Diesmal war ich im Wagen ganz vorne und konnte da auf die Gleise schauen, weshalb mir dämmerte, dass der Zug wohl vollautomatisch fährt. Ich hab das kurz auf Wikipedia überprüft, dem ist so. Die U-Bahnhöfe sind auch derart sauber und modern, das sah für mich alles noch ziemlich neu aus. Die U-Bahn wurde 2002 in Betrieb genommen und ist die einzige in Däemark.

U-Bahnstation København H. Alles wirkt noch sehr neu, sehr modern, sehr sauber.

An der vierten Station Marmorkirke stieg ich also aus und betrat den großen Kuppelbau der Frederikskirke, lt. Google Maps im Rokoko-Stil. Im Eingangsbereich sah ich einen Holzschnitt, der darstellt, wie Jesu‘ Leichnahm nach seinem Tod vom Kreuz abgenommen und Joseph von Arimathäa übergeben wird. Das fand ich insofen interessant, weil ich mich nicht erinnern kann, von dieser biblischen Szene zuvor jemals eine bildliche Darstellung gesehen zu haben. In einen Marmorpfeiler (die Kirche wird ja nicht umsonst auch „Marmorkirche“ genannt) waren die bisher 15 in der Kirche tätigen Pastoren eingraviert. Der gegenwärtige, Mikkel Wold, ist immerhin schon seit 1994 im Dienst. Ansonsten… nunja, eine Kuppel mit Deckengemälde, ein prächtiger Säulenaltar. An der Orgel ist mir aufgefallen, dass wie bei einigen, aber nicht so vielen Kirchenorgel, eine Anordnung von Pfeifen an der Empore angebracht war. Ich weiß nicht, wie man das nennt. Wenn eine Kirchenorgel klassisch einen Spieltisch so angeordnet hat, dass die spielende Person dem Altar den Rücken zuwendet, dann nennt man die Pfeifenanordnung in der Mitte oberhalb des Spieltisches „Brustwerk“ und die rechts und links das Brustwerk flankierenden Pfeifen-Phalanxen „Seitenwerke“. Aber wie man so eine Anordnung an der Empore nennt, weiß ich nicht – vielleicht „Bauchwerk“? Mein im Orgelspiel ausgebildeter, jüngerer Neffe müsste das wissen.

Blick Richtung Altar in Frederiks Kirke

Nach der Kirchenbesichtigung wollte ich den sogenannten „Runden Turm“ besteigen. Über den wusste ich bisher nur, dass er halt rund ist (logisch), dass man auf eine um die 34m hohe Aussichtsplatform klettern kann und dass er ein Observatorium zur Himmelskörperbeobachtung enthält. Google Maps wies mir den Weg. Dabei hatte ich wieder so einen „Moment mal“-Moment und sah plötzlich direkt vor mir ein Geschäft, welches Gegenstände von gegenwärtigem Interesse anbot. Ich ging hinein und kaufte einen Gegenstand. Danach führte mich Google durch einen Park, den Kongens Have. Hier setzte ich mich zu einem wenig scheuen Rabenvogel auf eine Bank und legte, weil es sonnig war, Sonnenschutzcreme auf.

Ein Selfie darf es dann doch noch sein: Ich teile mir eine Parkbank mit einem Rabenvogel.

Bevor ich dem Weg, den mir das Schlaufon anzeigte, weiter folgte, sah ich mich noch ein wenig im Park um. Da saß beispielsweise Hans Christian Andersen, ein Buch in der Hand, auf einem Marmorsockel. Dann sah ich eine Skulptur eines Wasservogels, auf dem ein Junge saß, der Junge umklammerte den langen Hals des Tieres, welches den Schnabel senkrecht in die Luft reckte und eine Wasserfontäne ausspie. Ich dachte, durch die Andersen-Statue voreingenommen, dass es sich vielleicht um Nils Holgersson handeln könne (obwohl die Geschichte von der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf ist, nicht von H.C. Andersen), aber auf einer Steintafel stand „Drengen på svanen af Herman Ernst Freund“ (Junge auf dem Schwan von Herman Ernst Freund). Für mich sah das nicht so nett aus, eher als würge der Junge den Schwan am langen Halse…

Drengen På Svanen von Herman Ernst Freund

Zwischen den kubisch getutzten Bäumen des Parks dann das Schloss Rosenborg, auch wieder so ein Königspalast. Eins muss man den Monarchien ja lassen: Sie bringen jede Menge Touristenattraktionen hervor. Aber nicht für mich, ich war ja unterwegs zum runden Turm. Zunächst aber gelangte ich zur Trinitatis-Kirche. Diese hat selbst keinen Turm, ist jedoch mit dem runden Turm verbunden, der aber vor der Kirche errichtet wurde und nicht zur Kirche gehört. Ich sah mir das Kirchenschiff von innen an. In Richtung Altar auf der rechten Seite gab es etwas, das ein wenig wie eine Standuhr aussah. Oben drauf stand eine Figur (Christus?) mit einem Banner, ähnlich wie auf der Spitze der Erlöserkirche. Das erinnerte mich an einen Vers aus einem Kirchengesagbuchlied, nämlich aus „Auf, auf mein Herz mit Freuden“.

Rechts sieht man die „Standuhr“, obendrauf die Figur mit Fähnlein. Man kann die Bilder übrigens zwei mal durch anklicken vergrößern, der erste Klick zeigt nur das Bild an, der zweite vergrößert es noch mal.
Er war ins Grab gesenket,
der Feind trieb groß Geschrei;
eh er's vermeint und denket,
ist Christus wieder frei
und ruft "Viktoria",
schwingt fröhlich hier und da
sein Fähnlein als ein Held,
der Feld und Mut behält.

Ansonsten regierte Barock und dementsprechender Pomp, ich mag das ja eigentlich nicht so gerne. Dennoch schaue ich es mir es mir immer wieder an, weil halt viele Kirchen von innen nun einmal so aussehen. Aber ich wollte ja im Wesentlichen auf auf den runden Turm.

Der runde Turm am Kirchenschiff der Trinitatis-Kirche

Dieser steht halt direkt am Kirchenschiff, war aber kein religiöser Ort, sondern ein Ort der Wissenschaft. Oben auf dem Turm, in etwa 34m Höhe, steht ein Oservatorium, welches der Öffentlichkeit zugänglich ist und ein altes, aber noch funktionsfähiges Teleskop enthält. Ferner grenzte der Turm an die Universitätsbibliothek, bis diese Räumlichkeite zu klein dafür wurden. Sie sind mittlweile renoviert und ein Veranstaltungsort mit Auditorium und Flügel. Dort konnte gerade eine Fotoausstellung der Fotografin Janne Clerk „Reflections At The Foot Of Heaven“ besichtigt werden. Sie hat in allen vier Jahreszeiten Aufnahmen eines kleinen Waldsees gemacht, wobei es teilweise um die Reflektionen der Natur in der Wasseroberfläche, aber auch um das, was unter der Wasseroberfläche zu sehen ist, ging. Die Fotografin sah das auch als Metapher menschlicher Beziehungen: Klare oder verzerrte Reflektion oder eben sogar der Blick unter die Oberfläche sind je nach „Wetterlage“ möglich.

Die ehemalige Universitätsbibliothek ist heute ein Veranstaltungsort für abbildende Kunst und Musik.

Den Turm besteigt man im Wesentlichen nicht über Treppen, sondern über eine spiralförmige, schiefe Ebene, auch „Pferdetreppe“ genannt. Sie ermöglichte es, z.B. Bücher und astronomische Instrumente mit einer kleinen Pferdekutsche auf den Turm zu bringen. Der spiralförmige Weg führt um einen Kern, man könnte auch sagen, eine Röhre, herum, die den geografischen Mittelpunkt Dänemark darstellt, von hier aus wurde das Land erstmals vermessen und kartografiert. Das letzte Stück zur Aussichtsplattform muss man über eine Treppe erklimmen, die zu schmal ist, als dass gleichzeitig auf- und absteigende Leute sie passieren könnten. Im Gegensatz zur Erlöserkirche, wo das teilweise genauso war (und man das irgendwie selbst organisieren musste), regelte hier ein Ampelsystem den Auf- und Ab-Verkehr.

Die Pferdetreppe. Hier ist es so breit, dass Aufsteiger und Absteiger bequem passieren können. Schon lustig, der Gedanke, mit Pferd und Wagen einen Turm hinaufzufahren…

Oben auf dem Turm war es zwar ein wenig windig, aber sonst sehr entspannt. Die Höhe und das ganze Setting wirkte auf mich weniger angsteinflößend als auf dem Turm der Erlöserkirche, es gab viel Platz, einen Kiosk, wo ich mir ein Bier kaufen konnte und Bänke zum Verweilen. Was ich, die Sonne genießend, auch tat. Es kam mir so vor, als wären das irgendwie die entspanntesten Momente der ganzen Reise gewesen, oben auf dem Turm mit einer Dose Tuborg im Sonnenschein.

Die große Kirche etwa in Bildmitte mit dem quadratischen Turm ist die Vor Frue Kirke (Frauenkirche). Der größere Turm links davon ist der Rathausturm, der Turm rechts gehört zur Petrikirke, da war ich nicht. Was für ein Jammer.

Nachdem ich eine Weile verweilt hatte, erstieg ich noch die letzten Stufen von der Aussichtsplattform zum Observatorium und erhaschte einen Blick auf das Teleskop. Lt. Google ist das eine Volkssternwarte, d.h. die Nutzung ist nicht nur Wissenschaftlern vorbehalten, sondern jeder darf im Prinzip das Teleskop nutzen. Der Zugang war dennoch abgesperrt, jedermann/frau bedeutet ja nicht auch „jederzeit“. Es wäre auch ohnehin sinnvoll, wenn völlige Laien das Gerät nur unter der Anleitung von Menschen mit Sachkenntnis nutzen könnten.

Der große Turm rechts im Bild gehört zur ehemaligen Nikolaj Kirke, heute ist das eine Kunsthalle. der aus dieser Perspektive kleinere Turm links daneben ist der Turm der Erlöserkirche, auf dem ich auch war. Wenn man das Bild vergrößert, kann man links daneben ganz in Hintergrund sogar die Öresundbrücke erkennen.

Nach dem Blick auf (leider nicht durch, aber das wäre bei Tageslicht ohnehin wenig sinnvoll gewesen) das Teleskop machte ich mich auf den Abweg, äh, den Weg nach unten. Dort angekommen war ich mir unsicher, was nun zu tun sei, aber nun, die Frauenkirche (oder Vor Frue Kirke oder auch Dom zu Kopenhagen) war nicht weit weg. Ich war dort schon vorbeigekommen, nun konnte ich aber auch einen Blick hineinwerfen. Bemerkenswert waren vor allem die 12 überlebensgroßen Statuen der Apostel entlang des gesamten Kirchenschiffs, auf beiden Seiten der Kirchenbänke jeweils sechs. Über oder auf dem Altar gab es kein Kruzifix, auch kein leeres Kreuz, sondern stattdessen eine überlebensgroße Statue einer Jesusfigur. All dieses Statuen wurden vom Bildhauer Bertel Thorvaldsen geschaffen, der so bedeutend angesehen wird, dass es hier in Kopenhagen ein ganzes Museum zu ihm und seinen Werken gibt. Nun, das war also die dritte Kirche heute, ich sagte mir, das sollte dann eigentlich auch mal reichen. Am Ende stimmte das … so halb.

In der Vor Frue Kirke (Frauenkirche oder Liebfrauenkirche) wachen die 12 Apostel darüber, dass man beim Gottesdienst auch aufpasst und keine Faxen macht.

Ich ging dann erstmal etwas essen, im Innenhof eines Lokals, Burger, Pommes und Bier. Dabei überlegte ich, was nun noch mit dem Rest des letzten Tages in Kopenhagen anzufangen sei und kramte die Copenhagen Card – Broschüre aus dem Rucksack. Für eine Rathausführung war es schon zu spät. Ich überlegte, noch in das Kriegsmuseum zu gehen, welches thematisch von der Zeit „Knights in shining armour“ und Kriegen gegen Schweden und England bis zu dänischen Einsätzen in jüngerer Zeit im Irak und Afghanistan reichen sollte. Aber es schloss um 17 Uhr (wie viele Museen), und es war bereits deutlich nach 15 Uhr und mein Essen war noch nicht da. Nach dem Essen entschied ich mich dazu, nichts Konkretes mehr auf den Zettel zu nehmen, sondern einfach noch ein bisschen Ingress zu spielen und mir noch ein paar noch nicht von mir eingenommene Portale zu greifen. Also zog ich nach diesem Kriterium von meinem Schlaufon geführt, kreuz und quer durch die Gassen, vor allem dorthin, wo ich noch nicht gewesen bin.

Kunstausstellung in der Helligånskirke (Heiliggeistkirche). Oder offenbar eher in einem Nebengebäude, von dem ich dachte, es wäre wirklich das Kirchenschiff. Das sieht aber bei Wikipedia anders aus.

So kam ich dann auch zur Helligånskirken. Hmpf. Eigentlich wollte ich ja keine Kirche mehr angucken, aber ich schaute dann pflichtbewusst doch durch eine Tür. Hier fand gerade eine Kunstausstellung mit freiem Eintritt statt. Die Räumlichkeit sah schon nach Sakralgebäude aus, aber ohne Altar, Kanzel, Taufbecken etc. Ich dachte mir dann, dass vielleicht die Kirche entwidmet war und keinen religiösen Zwecken mehr diente – so wie in Osnabrück die Dominikanerkirche, die heute eine Kunsthalle ist. Wie sich dann später bei der Netz-Recherche herausstellte, ist die Kirche wohl durchaus noch ein Gottesdienstort mit allem Drum und Dran – nur hatte ich offenbar nur in ein Nebengebäude geschaut, welches auch anderen Zwecken dient.

Ny Carlsberg Glyphothek. Die Kuppel gehört zu dem Gebäude, es handelt sich nicht um Frederiks Kirke dahinter. Die steht auch woanders.

Ich ging weiter, es war nun schon etwa 17 Uhr, und ich hatte mir ein quantitatives Ziel beim Spiel gesetzt, welches ich auch erreichte. Dabei kam ich noch an der Ny Carlsberg Glyphothek vorbei, die eine Kunstsammlung beinhaltet. Tatsächlich hat das etwas mit der dänischen Biermarke zu tun, denn noch heute geht lt. Wikipedia von jeder verkauften Flasche Carlsberg ein kleiner Betrag in die Erhaltung des Museums. (Sofern das auch für Dosen gilt, habe ich auch dazu beigetragen. Was gibt es schöneres, als Biertrinken für einen guten Zweck?) Ich hatte schon mal die Richtung Tivoli/Hauptbahnhof/Hotel eingeschlagen und kam dann auch kurz vor 18 Uhr (mit einem Einkaufs-Abstecher im Seven-Eleven im Bahnhof) im Hotel an.

Tja, und das war es dann wohl auch für heute. Mein Zug gen Heimat fährt morgen planmäßig um 11.17 Uhr von Kopenhagen ab, ich werde wohl so um 9.15 Uhr aufstehen und hier im Hotel frühstücken. Ich überlege, ob ich noch einen kleinen Ausflug für Abendbilder mache (wie in Stockholm), weiß aber noch nicht, ob ich mich dazu aufraffen kann. Ein wenig Zeit hätte ich noch dafür. Mal sehen. Ich schreibe sicherlich noch ein paar abschließende Zeilen aus dem Zug oder nach Ankunft.

Bis bald.

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Christianshavn & Nyhavn

Bevor ich von heute berichte, möchte ich kurz erzählen, was sich getern kurz vor null Uhr zutrug, als ich gerade das Bett aufsuchen wollte: Draußen knallte es mächtig. Nun, wenn man sich zuvor den ganzen Tag auf Kriegsschiffen herumgetrieben hat, kommen da zuerst mal seltsame Assoziationen. Aber meine darauffolgende Vermutung erwies sich als zutreffend: Auf dem Tivoli auf der anderen Seite des Bahnhofs veranstaltete man zum Wochenwechsel ein großes Feuerwerk. Das war laut, farbenfroh und nicht gerade kurz. Danach konnte ich endlich schlafen – mehr oder weniger. Das Hotel ist ziemlich hellhörig und irgendwie hatte ich in der Nacht ohnehin zeitweise Probleme mit dem Schlaf.

Nächtliches Feuerwerk auf dem Tivoli. Irgendwann durfte ich dann schlafen.

Ich stand dann auch erst um 10 Uhr auf. Draußen schien die Sonne, also wurde wieder eine kurze Hose angezogen. Dann buchte ich mir im Netz einen Zeitslot für die Turmbesteigung der Erlöserkirche um 12.30 Uhr. Das es zu spät war, im Hotel zu frühstücken, nahm ich im im Bahnhof im Espresso House (eine Kette, die hier in Skandinavien ziemlich groß zu sein scheint, etliche Flilialen sowohl in Stockholm als auch hier in Kopenhagen) einen Kaffee und zwei Cinnamon Buns. Ich hatte noch reichlich Zeit, also versuchte ich, ein Problem zu lösen: Ärgerlicherweise habe ich heute morgen mein Sonnenschutzmittel nicht gefunden, vielleicht habe ich es in Stockholm vergessen. Da die Sonne schien, machte ich mir Sorgen um meine empfindliche Haut. Also steuerte ich vom Bahnhof, weil ich ja noch viel Zeit vor der Turmbesteigung hatte, den nächsten Supermarkt an, einen Netto. Doch der hatte nur ein kleines Drogeriesortiment, ich fand keine Sonnencreme. Aber ich nahm Bananen und Kekse mit.

Die kleine Bahnhofskneipe. Man beachte das große ØL-Schild. Die Dänen wissen, Marketing-Prioritäten zu setzen.

Dann nahm ich wie gestern den Bus 2A und stieg Skt. Anna Gade aus. Da ich immer noch mehr als eine halbe Stunde Zeit hatte, versuchte ich es dort noch mal mit dem nächsten Super Brugsen. Hier gab es zwar ein großes Pappregal für Nivea-Sonnenschutzprodukte – aber das war komplett leergekauft. Das war allerdings besser so, weil ich auf das Zeug von Nivea erfahrungsgemäß irgendwie allergisch reagiere, mir brennen und tränen dann immer total die Augen.

Ohne Sonnenschutzmittel ging ich dann zur Erlöserkirche, es wurde langsam Zeit für die Turmbesteigung. Am Counter wollten die meinen Namen für die Buchung wissen und meine Copenhagen Card scannen, dann konnte ich mich an den Aufstieg machen. Ein großer Teil des Aufstiegs findet noch innerhalb des Turmes über eine schmale Treppe statt, dieser Teil des Turmes besteht noch aus Mauerwerk. Informationstafeln erzählten von Paul Rung-Keller, früher Organist und Kantor an der Erlöserkirche, außerdem jedoch auch Ingenieur und Glockengießer. Im übrigen war er noch Komponist und unterrichtete am königlichen Musikkonservatorium Orgelspiel und Musiktheorie. Als Glockenexperte initiierte er die Unterbringung eines Glockenspiels im Turm der Kirche. Zunächst war das kein richtiges Carillon, doch bespielte er die Glocken trotzdem direkt mit einem Hammer, was für die Menschen im Ortsteil Christianshavn zu vertrauten Klängen wurde. Zehn Jahre fundraising später war genügend Geld für ein „richtiges“ Glockenspiel inklusive Spieltisch da, dessen Einweihung 1928 im dänischen Radio übertragen wurde. Später wurde der Glockensatz erweitert, die Glocken konnten dann auch über eine elektrische Uhr zur vollen Stunde Melodien spielen. Heute kann über einen neuen, modernen Spieltisch gespielt werden oder die Glocken werden computergesteuert angeschlagen.

Der moderne Spieltisch für das Carillon im Turm der Erlöserkirche

Die Treppen, es sollen 400 Stufensein, waren teilweise sehr steil und auch eng, man musste zwischenzeitlich in eine Art „Nothaltebuchten ausweichen“, um Gruppen von absteigenden Leute durchzulassen. Auf den verschiedenen Ebenen gab es Kunst zu sehen (barocke, gefallene Engel und „look! a bird having a teaparty“, wie ein Vater seiner Tochter erklärte), den alten und neuen Spieltisch des Carillon, Glocken inklusive Warnschilder, dass diese durchaus auch mal läuten könnten, und die Mechanik des Stundenschlags (zumindest vermute ich das).

A bird having a teaparty. Kann das weg?

Dann wurde es irgendwann richtig spannend, denn es ging nach draußen. Zunächst gab es eine Aussichtsplattform von der aus ich schon mal ein paar Fotos machte. Danach ging es dann die restlichen 150 Stufen die Wendeltreppe außen am Turm herum. Das Geländer war zwar locker brusthoch, aber durch die Stäbe mit freier Rundumsicht und natürlich auch nach unten, und ich gebe zu, mir war ganz schön mulmig zu Mute. Mit zunehmendem Alter nimmt offenbar mein Respekt vor Höhe auch zu. Es gab kleine Kinder, die es bis ganz oben geschafft hatten (für die müssen die steileren Stufen unten schon eine Herausforderung gewesen sein), die aber mit der Höhe ganz locker umgingen. Zur Spitze (eine goldene Atlaskugel mit einer Jesusfigur, die lt. Wikipedia auch „die hässlichste Skulptur Kopenhagens“ genannt wird, weil die Proportionen nicht stimmen) verengte sich die Treppe immer mehr, so dass ich irgendwann nicht mehr weiter konnte. Ich machte ein paar Bilder, hatte aber die Befürchtung, ich könne vor lauter Höhenangst mein Schlaufon fallen lassen und jemanden am Boden damit töten, so dass ich da eher verhalten vorging. Gut, die Herausforderung war bestanden, es war ein bisschen kalt und windig und andere wollten auch bis ganz nach oben, also ging ich wieder abwärts. Auch dabei hieß es teilweise ausweichen und länger warten, bis größere Mengen an aufsteigenden Menschen vorbei waren, was meine Geduld ganz schon auf die Probe stellte – ich wollte halt wieder ganz auf den Boden.

Auf dem Weg nach unten am Turm der Erlöserkiche. Huch! Der Hansa-Rostock-Aufkleber (rechter Bildrand) ist mir vorher noch gar nicht aufgefallen – nur, dass da Aufkleber an der Metallverkleidung des Turms klebten.

Dort angekommen, machte ich auf einer Bank erst mal eine kurze Pause mit Wasser und Netto-Bananen. Danach ging ich das prächtige Kirchenschiff besichtigen. Hier wurde gerade des Lebens und Wirkens des Theologen Nikolai Frederik Grundtvigs gedacht, der vor 200 Jahren Pastor in der Erlöserkirche gewesen war (allerdings nur für vier Jahre) und vor 150 Jahren gestorben ist. Die Tafeln informierten über Grundvigs Leben und seine Glaubensansichten, und ich muss sagen, dass ich das alles ziemlich interessant fand. Grundtvig vertrat sehr liberale und moderne Ansichten, mit denen er so eneckte, dass er zwischenzeitlich dazu verurteilt wurde, dass all seine Schriften zensiert wurden – wogegen er später aber erfolgreich vorging. Er war teilweise auch als Lehrer tätig und verurteilte das „Lehren mit der Rute“, welches seiner Ansicht nach die Entwicklung der Kinder nur unterdrücken, nicht jedoch fördern könne. Er setzte sich auch für Frauenrechte ein und saß später parteilos sogar im Parlament Dänemarks. Besonders beachtenswert und meiner Ansicht nach auch heute noch kontrovers zu diskutieren ist seine „Entdeckung“, dass nicht die Christenheit von der Bibel abhängt, sondern die Bibel von der Christenheit. Meiner persönlichen Meinung nach ist das eine gegenseitige Abhängigkeit. Ohne die Christenheit ist die Bibel nicht das Wort Gottes, sondern nur bedrucktes Papier. Ohne die Bibel jedoch fehlt der Christenheit das entscheidende Fundament.

Die Erlöserkirche von innen.

Wie auch immer, Grundtvig vertrat die damals sehr modere und liberale Meinung, dass die Bibel nicht die direkte Abschrift von Gottes Wort darstelle, sondern der Interpretation bedürfe. Er lebte ein langes, bewegtes Leben, in deren Verlauf er zwei Ehefrauen überlebte, bis seine dritte schließlich ihn überlebte. Aus der längsten Ehe mit seiner ersten Frau gingen drei Kinder hervor, aus den zwei weiteren Ehen jeweils ein weiteres Kind. Dieses Kind wurde nach den Vornamen aller drei Ehefrauen benannt.

Die Orgel ruht auf dem Rücken von zwei Elefanten.

Nun, ich knippste die meisten dieser Texttafeln, ansonsten das Innere des Kirchenschiffs an sich und natürlich die Gewerke der Orgel, die sozusagen von zwei Elefanten getragen werden. Vor dem Altar standen Engelsfiguren von Gabriel, Umriel, Michael… und die anderen hab ich mir nicht gemerkt. Einer der Engel hatte einen Ölzweig, einer ein Schwert, einer schwenkte ein Gefäß mit Weihrauch. Michael war der einzige, der was Produktives tat, nämlich Trompete spielte.

Gut drauf, der Brudi!

Anschließend verließ ich die Erlöserkirche und überquerte die Straßenseite, um in demselben Laden, in dem ich am Vortage schon einen Latte getrunken (und teilweise verschüttet) hatte, einen Cappuccino zu mir zu nehmen, die nächste Unternehmung zu planen und, äh, die Örtlichkeit aufzusuchen. Natürlich wollte ich auch hier gerne eine Runde mit dem Boot unterwegs sein. Ich konsultierte die Broschüre, die ich mit der Copenhagen Card bekommen hatte, dort war ein Untenehmen namens „Netto Boats“ aufgeführt. Hm. Klang ganz okay für mich, die Banenen schmeckten schließlich auch… Die Broschüre wies als Ablegepunkte Holmens Kirke und Nyhavn aus. Nach Holmens Kirke waren es lt. Google Maps nur 800 Meter, also entschied ich mich, zu Fuß zu gehen. Lt. Google Maps sollte hier „Netto Boats“ auch dauerhaft geschlossen sein, hm, nun, man muss ja Google Maps nicht alles glauben, dachte ich.

Metro-Station Christianshavn, in dem weißen Gebäude in der Bildmitte liegt der Super Brugsen, in dem Sonnenschutzmittel leider ausverkauft war.

Auf jeden Fall war die Entscheidung, zu Fuß zu gehen, gut gewesen. Obwohl ich die Nase fast ständig am Schlaufon kleben hatte (Ingress, Navigation), entdeckte ich auf der anderen Straßenseite des Super Brugsen, bei dem ich schon vor dem Besuch der Erlöserkirche gewesen war, einen Laden namens „Normal“. Roch nach Drogerie, sah nach Drogerie aus, war Drogerie. Hier kaufte ich dann doch noch Sonnencreme und eine Flasche „Faxe Kandi“, ein Softdrink, für den irgendwie überall auf Plakaten geworben wird. Auf der anderen Straßenseite auf dem großen Platz vor dem Super Brugsen unweit der Metro-Station Christianshavn, nahm ich den Softdrink zu mir (hm, Zitronenlimonade, aber nicht so langweilig wie Sprite, eher wie das türkische Uludag) und schmierte mich mit der Sonnencreme ein. In unmittelbarer Nähe auf dem Platz war die Szene der bekennenden Alkoholiker dabei, größere Mengen an Bier zu vernichten, was mich aber nicht weiter störte.

Das lange Gebäude mit den grünen Gibeln ist Børsen. In der Mitt der Turm, äh, Dachreiter mit den verschlungenen Drachenschwänzen.

Also, auf und weiter zur Holmens Kirke. Der Weg führte auf der Torvegade über zwei Brücken hinweg, deren größere die Klappbrücke Knippelsbro war. Danach lag die Børsen, ein altes Gebäude, in dem bis 1974 die Geschäfte der Kopenhagener Fondsbörse geführt wurden. Der Dachreiter (okay, ich hätte es jetzt einfach „Turm“ genannt, aber Wikipedia belehrt mich eines Besseren) stellt eine Skulptur aus vier ineinander verschlungenen Drachenschwänzen da. Eine schöne Metapher für den Kapitalismus, auch wenn das vielleicht so gar nicht gemeint war.

Blick von der Knippelsbron. Man beachte die Plattform mit den Liegestühlen und dem grünen Kunstrasen unterhalb des kleinen Bootes. Die ist selbst auch ein Boot (oder Floß), offenbar selbstgebaut verfügt das Teil über einen Außenborder und kann so also auf dem Wasser manöveriert werden. Das nenne ich mal Lebensart…

Ich bog rechts ab und überquerte den Kanal über die Børsbroen. Unten, am Ufer des Kanals tobte das pralle Leben im Sonnenschein, es herrschte reges Treiben an den Tischen der Außengastronomie. Nun hatte ich die Holmens Kirke erreicht und schaute sie mir erst einmal von innen an. Nun… für mich als Baustil-, Epochen-, Innenarchitektur- und Geschichtsbanause war es halt eine weitere, schöne Kirche von innen. Unter der Decke über dem Gang zwischen den Bänken hing, wie ich es von anderen dänischen Kirchen an der Küste her schon kannte, das Modell eines alten Segelschiffs.

Holmens Kirke

Wieder am Tageslichte ging ich ums Eck zum Holmens Kanalen und entdeckte den Netto Boats – Anleger. Da war eine Bretterbude mit einem Schild, welches besagte (zumindest verstand ich das so) dass geschlossen sei und man sich stattdessen zum Anleger in Nyhavn verfügen solle. Soviel zum Wahrheitsgehalt der Aussagen von Google Maps…

Nun, Nyhavn war auch nicht weit entfernt, also ging ich auch dort zu Fuß hin. Ich musste nur der Straße Holmens Kanal, die dann zur Holmens Gade wurde, folgen. Ich kam dann bei einer Brücke über eine Art „Kanalsackgasse“, insbesondere am rechten Ufer von der Brücke Richtung Sackgasse aus gesehen, war so richtig Touri-Gegend. Ein Lokal reihte sich an das nächste, hier gab es Eis, dort Hotdogs, und viele Menschen waren unterwegs. Am Ende des Kanals und auf der anderen Seite waren Bootsanleger zwei verschiedener Anbieter. Zuerst war ich nicht bei „Netto Boats“, besann mich dann aber besser – schließlich war das der Anbieter, der in meiner Copenhagen Card – Broschüre erwaähnt war, also würde ich allenfalls dort Rabatt bekommen. Daher ging ich dorthin und bekam keine Rabatt – vielmehr war das komplett inklusive, wie schon der Besuch des Marinemuseums und die Turmbesteigung der Erlöserkirche auch schon. Wenn man viel macht, lohnt sich das Teil auf jeden Fall.

Die bunten Häuser von Nyhavn. Das erinnerte mich ein bisschen an die Oudegracht in Utrecht.

Ich bestieg also das ziemlich flache, ziemlich breite Boot und nicht lange danach begann die etwas über 60 Minuten dauernde Fahrt. Es gab keine Anschlüsse für Kopfhörer und eine Aufzeichnung in verschiedenen Sprachen, sondern einen Live-Erzähler mit Mikro, der abwechselnd auf Dänisch, Englisch und Deutsch auf alles Erwähnenswerte hinwies. Inklusive des 1982er-Raketen-Vorfalls auf der Peder Skram übrigens.

Das königliche Opernhaus mit seiner hervorragenden Dachkonstruktion wurde 2004 fertiggestellt. Das Haus ist eine Schenkung von Mærsk Mc-Kinney Møller und der «A.P. Møller und Chastine Mc-Kinney Møller Stiftung» an den dänischen Staat. (Wikipedia). Es steckt also der Reederei-Tycoon dahinter.

Zuerst schipperten wir aus Nyhavn (übrigens der älteste Teil des Hafens, wie der Guide erwähnte) heraus in den Teil, an dem auf der einen Seite das Opernhaus und das Marinemuseum und auf der anderen Seite z.B. die kleine Meerjungfrau gelegen sind. All das wurde natürlich vom Guide ausführlich kommentiert. Auch kamen wir an der Frederikskirke und den vier (fast) identischen Königspalästen sowie am neuen Skuespilhuset, was der Guide konsequent auf Deutsch mit „Schauspielhaus“ übersetzte, vorbei. Dann ging es in einen Kanal, der wieder durch Chrstianshavn führte, somit auch an der Erlöserkirche vorbei. Ich kam mir fast schon wie ein „alter Hase“ vor, weil ich doch schon ein paar Sachen aus erster Hand und aus der Nähe kannte.

Der „schwarze Diamant“, Erweiterung der königlichen Bibliothek.

Wir kamen auch an der modernen Erweiterung der königichen Bibliothek am Wasser, genannt „Schwarzer Diamant“ vorbei, am Nationalmuseum, am Thorvaldsen-Museum, am dänischen Parlament und Sitz des obersten Gerichts und am Finanzministerium. Am Ende der Tour legten wir wieder am Ausgangspukt in Nyhavn an.

Zurück in Nyhavn, hier die Uferseite mit der „Fressmeile“

Mir war danach, was essen zu gehen. Direkt am Ufer auf der Tourimeile wollte ich das eigentlich vermeiden, aber da war dann erstmal eine Pölserbude. Hm…. ein „Risted Hotdog“, ganz klassisch wie früher, als ich noch mit „der Crew“ regelmäßig über Silvester nach DK gefahren bin. Aber das ist ja allenfalls eine Vorspeise. Ich blieb dann doch in der Außengastronomie in Nyhavn hängen, für ein Tuborg und ein Smörrebrødt mit Hønsesalat. Auch der leckere Hühnersalat als Brotsaufstrich ist seit damals irgendwie auch Kult.

Danach überlegte ich, noch Fredericks Kirke zu besuchen, das ist die Kirche mit der großen Kuppel, die von innen auch sehr schön sein soll. Ich prüfte das vorher nicht, ob da noch geöffnet ist, sondern ging einfach hin, es war nicht weit weg. Nun … die Kirche war nicht mehr geöffnet. Also bleibt das offen für morgen, den letzten Tag – sofern die Kirche dann geöffnet ist. Es ist so, dass an Montagen viele Museen und Sehenswürdigkeiten geschlossen sind, darauf hat mich schon die Dame in der Touri-Info aufmerksam gemacht.

Zwei der vier nicht ganz identischen Paläste. Ich spielte ein bisschen „finde die Fehler“, die Eingangsportale unterscheiden sich, die Anzahl der Schornsteine … Im Hintergrund die Kuppel der Frederiks Kirke.

Unmittelbar, und das hatte ich zuvor (ich war ja schon am ersten Abend hier vorbeigekommen) in der Nähe der Frederiks Kirken liegt ein Areal mit vier (fast) identischen Königspalästen, die schon vom Boot aus zu sehen waren. Das Areal ist achteckig, jeder der vier Paläste hat auf beiden Seiten zwei im 45°-Winkel angeordnete Flügelbauten. Auf Google Maps sind die vier Paläste mit „Frederiks VIII. Palast“, „Christians VII. Palast“, „Christians VIII. Palast“ und „Christians IX. Palast“ bezeichnet. Insgesamt steht da „Amalienborg, Winterresidenz der Königin“. Aha. Das bedarf noch der Recherche, was es mit den (fast) identischen Palästen auf sich hat. In der Mitte steht ein Reiterdenkmal von Frederik V., und die Frederiks Kirke, das Areal mit dem Palast und die neue Oper (auf der anderen Wasserseite) bilden eine Sichtachse. Vor jedem der vier Paläste stehen rote Wachhäuschen, und es war offenbar gerade Wachwechsel. Jedenfalls exzerzierte eine kleine Gruppe prächtig uniformierter Menschen über das Areal, offenbar wurde jeder der vier Wachhabenden jeweils in einer genaustens eingeübten und exzerzierten Choreografie abgelöst – und großer Beachtung der anwesenden Touristen, versteht sich. Schließend schritten die vier neuen Wachen dienstbefliessen ihre jeweiligen Bereiche ab. Ausgerüstet waren sie sowohl mit almodischen Seitenwaffen wie auch mit modernen Sturmgewehren mit aufgepflanzten Bajonetten.

Nachdem ich das ganze Areal fotografisch doumentiert hatte, war es Zeit, mich wieder auf die Socken zurück ins Hotel zu machen. Ich entschied mich, von der Metro-Station „Marmorkirken“ (liegt unmittelbar an Frederiks Kirke) aus zum Hauptbahnhof zu fahren. Insgesamt sollte man, wenn eine Stadt eine Metro hat, diese auch mal nutzen, finde ich. Zuerst ging es über drei Rolltreppen gefühlt ziemlich weit nach unten. Ich durchquerte eine riesige Garage und fast leere Garage für Fahrräder – um festzustellen, dass daneben noch mal ein gleich großer Raum war. Kopenhagen ist als extrem fahrradfreundliche Stadt bekannt, und es sind auch viele FahrradfahrerInnen unterwegs. Ich kam am Bahnsteig an und sah, dass hier die Ringlinie M3 verkehrte, die (wie fast alle Linien) auch am Hauptbahnhof hielt. Naja, in welche Richtung ist egal, dachte ich mir, ist ja eine Ringlinie. Natürlich fuhr ich in die „falsche Richtung“ und somit zehn anstatt vier Stationen, aber das war mir auch ein bisschen egal. Es dauerte auch so nicht lange, und ich saß hinten im letzten Wagon und konnte auf den erleuchteten Tunnel gucken, den wir hinter uns ließen, was irgendwie ganz cool aussah.

Metro.Station København H. Man muss paar Rolltreppen runter zur Bahn. Das Bild hat irgendwie einen Touch M.C. Escher

Am Ausgang der Metrostation København H, den ich drei Rolltreppen nach oben später dann ankam, musste ich mich erst mal orientieren. Es ging auch ohne Google Maps, nachdem ich verstanden habe, dass ich in einer Parallelstraße der Reverdilsgade, an deren Ende mein Hotel liegt, wieder an das Tageslicht gekommen war. Feierabend, zurück ins Hotel, Blog schreiben.

Tja, morgen hat nicht alles geöffnet, aber mal sehen. Die Frederiks Kirke von innen ist noch auf der Agenda, vielleicht eine Führung durch das Rathaus. Oder auch irgendwas aus meiner Copenhagen Card Broschüre, worauf ich spontan Lust habe.

Bis bald.

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Unterwegs im kalten Krieg

Ich schlief bei offenem Fenster und irgendwann zwischen sieben und acht Uhr ratterten nicht Wäschewagen im Innenhof, sondern ich hörte Geschrei auf der Straße. Vermutlich hat jemand beim Afghanischen Gemüsehänder eine Gurke geklaut oder so. Ich döste/schlief weiter, bis mein Handy mich um halb zehn Uhr weckte. Nachdem ich in der Etagendusche geduscht hatte und mich in meine Klamotten (zum ersten Mal eine lange Hose, es war regnerisch und unter 20°) geworfen hatte, ging ich im Hotel frühstücken. Die haben leckere (noch oder wieder warme) Zimtschnecken und andere Pastries, außerdem hatte ich Wasser- und Honigmelone, und ein Brötchen mit Käse. Da gab es ein geniales Gerät, welches meine Aufmerksamkeit weckte.

Man dreht an dem weißen Knopf am Arm das Ding in Pfeilrichtung. Ein Stahldraht schneidet von den Käsestücken oben eine Scheibe ab während über eine Gewindeschnecke (Bildmitte) die Plattform, auf dem der Käse liegt, höher geschoben wird. Großartiges Gerät!

Mein Plan für den Tag war eigentlich klar: Das Marinemuseum mit der „Peder Skram“ besuchen. Zuvor wollte ich eine Touristeninformation besuchen und eine „Copenhagen Card“ erwerben. Denn da ist neben der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs der Besuch unter anderem dieses Museums inbegriffen. Also zog ich los, erst mal wieder durch den Hauptbahnhof auf die andere Seite desselben, denn ich wusste, wo da eine Touri-Info war, da war ich schon gestern vorbeigekommen. Dort angekommen, zog ich eine Nummer und kaufte dann bei einer Dame am Schalter die Copenhagen Card. Ich ließ mir auch erklären, wie ich zum Marinemuseum käme, merkte mir aber prompt die Busnummer falsch. Ich kriegte das dann anhand der Broschüre heraus, die bei der Copenhagen Card dabei war, wollte aber erst den Bus in die falsche Richtung nehmen, aber der Busfahrer meinte, dass ich bestimmt in die andere Richtung wolle, was ich beherzigte. Schließlich nahm ich die Linie 2A in die richtige Richtung.

In dem Gebäude mit dem runden Turm obendrauf liegt unten die Touristeninfo.

Da der Busfahrer meine englische Frage nach der richtigen Haltestelle für das Museum nicht richtig verstand, guckte ich während der fahrt auf meine Position in Google Maps. Schlau wäre wahrscheinlich gewesen, bei der Station „Operan“ auszusteigen, aber ich fuhr eine weiter und musste dann ein Stück zu Fuß zurück gehen. Zunächst sah ich einen Zaun und ein Schild, welches darauf hinwies, dass dahinter ein militärisches Gebiet sei (zumindes, wenn ich es richtig verstanden habe). Dann kam ein weit offenes Tor und dahinter Fahrzeuge, deren Aufschrift ich als „Militärpolizei“ interpretierte. Aber Google Maps schickte mich in die Richtung, also weiter. Schließlich kam ich bei den Museumsschiffen an, der Fragatte „Peder Skram“, dem Raketenschnellboot „Sehested“ und dem U-Boot „Sœlen“. Ich wollte schnurstracks auf das Schnellboot dackeln, wurde aber von einem Guide (vermutlich ein Veteran) darauf hingewiesen, dass ich mir mit meiner Copenhagen Card erstmal ein Ticket bei der „Peder Skram“ besorgen solle. Das machte ich dann auch – es kostete nichts weiter mehr, aber trotzdem brauchte ich noch einen Wisch. Naja, die wollen ja auch sicherlich ihre Besucherzahlen auf dem Schirm behalten.

Museums-Fregatte „Peter Skram.“ Die diagonal vor dem Brückenaufbau stehenden Rohre sind die Harpoon-Starter. Links vom Bug ist auf der anderen Seite des Wassers der Dreimaster „Göteborg“ zu sehen.

Derjenige, der mir das Ticket gab, händigte mir noch eine Broschüre aus und sagte, ich sei an Bord ohne Führung und gab mir Tipps, wie ich meinen Rundgang beginnen sollte. Aha… kein Guide. Einerseits irgendwie fein, auf eigene Faust das Schiff zu erkunden, andererseites sicher nicht die zeiteffizienteste Methode, denn so ein Schiff mit über hundert Metern Länge und sieben Decks (von der Maschine bis zur offenen Brücke, glaube ich) ist ja schon auch ein Labyrinth. Nicht alle Decks waren voll durchgängig, sondern es war mit viel hoch und runter verbunden. Am Ende brauchte ich eine Menge Zeit, um das Schiff (wie ich denke) im Wesentlichen komplett zu sehen.

Heckspiegel und fein säuberlich durchnummerierte Startbehalter für Sea-Sparrow-Raketen (SSM) zur Luftabwehr. Die sah bzw. sieht man auch z.B. auf amerikanischen, niedeländischen, britischen und auch deutschen Schiffen.

An Bord ging es an Heck, wo eine Persenning das Achterdeck überspannte. Im Gegensatz zu modernen Fregatten hat das 1966 gebaute Schiff keinen Landeplatz, geschweige denn Hangar, für Bordhelikopter. Stattdessen stand hier ein Achtfach-Starter für Sea-Sparrow-Luftabwehrraketen. Dieser war während einer Modernisierung 1977-1978 zusammen mit den Harpoon-Startern und einer moderneren Radar-Ausrüstung nachgerüstet worden. Auf einem Video an Bord sah ich, dass hier vorher ein improvisierter Pool stand, in dem Besatzungsmitglieder badeten.

„Nobody beats me in the kitchen!“

Ich kam an Torpedorohren und den zugehörigen Torpedos vorbei, ging dann ins Innere des Schiffes und landete in der Messe der Mannschaftsgrade und deren Kombüse. In der Nähe gab es eine Ausstellung (eigentlich nur Tafeln mit Text und Grafiken zum Lesen) zum kalten Krieg, der verdeutlichte, wie NATO-Kräfte wie eben dieses Schiff im Falle einer drohenden Invasion des Warschauer Paktes Landungsschiffe der sovietischen, polnischen und ost-deutschen Marinen hätten aufhalten sollen. Primär hatten möglichst schnell die Seegebiete vor den skandinavischen Ostseeküsten vermint werden sollen, Prioritäten lagen also beim Aufhalten von gegnerischen Landungsschiffen und dem Schutz der eigenen Minenleger – unter Aufbietung aller Kräfte und um jeden Preis. Zahlenmäßig waren die Seestreitkräfte der NATO im Ostseeraum dem Warschauer Pakt 1:4 unterlegen. Andererseits hätte es nach Einschätzungen der Militärs genügt, ein Drittel der Landungstruppen des Wahrschauer Paktes zu vernichten, um die Invasion lange genug zu verzögern, bis Hilfe aus den USA käme. Außerdem war man offenbar bezüglich der elektronischen Ausrüstung und Vernetzung der eigenen Einheiten dem Warschauer Pakt am Ende weit überlegen, wie es aussieht.

Combat Information Center. Zu dänisch „O-Rum“. Bei uns heißt das wahrscheinlich „Gefechtsleitzentrale“ oder so. Insgesamt gab es acht Arbeitplätze. Die beiden im Vordergrund sind für leitende Offiziere. Drum herum gab es Pllätze speziell für Luftüberwachung, Artilleriefeuerleitung, Navigation, Kommunikation, Sonar, Kontaktidentifikation u.a. Kann übrigens alles noch so ausgefuchst sein – die Käsemaschine auf dem ersten Bild toppt nix!

Ich wühlte mich weiter, ohne die Broschüre mit dem Decksplan zu konsultieren, durch das Innere und Äußere der „Peder Skram“. Dabei sah ich das Büro des Quartermasters, Mannschaftsquartiere, Duschen und Wäscherei des Schiffes, die Offiziersmesse und die Kammer des Kapitäns. Dann sah ich die Brücke, die offene Brücke darüber und den „O-Rum“ (zu gut deutsch Combat Information Center) darunter. Auch wenn die „Peder Skram“ ein Museumsschiff ist: Es ist das erste vergleichsweise moderne Schiff, dass ich mir so detailliert ansehen konnte. Bei einem Hafengeburtstag in Hamburg war ich einmal auf einer Fragatte der Bremen-Klasse (gerade wurde das letzte Schiff dieser Klasse ausgemustert), aber da kam ich nicht in das CIC. Das Combat Information Center ist das technische Herz eines modernen Kriegsschiffes, auch heute noch. Hier laufen alle Sensorinformationen des eigenen Schiffes von Radar, Sonar und teilweise auch Videokameras zusammen – sowie außerdem die von befreundeten, anderen Einheiten zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Hier wird die Verteidigung des eigenen Schiffes sowie der Angriff auf feindliche Einheiten, sprich, der Einsatz der eigenen Waffensysteme gesteuert.

Dieses Pult steuerte den Einsatz der Harpoon-Raketen. Man beachte unten rechts den Drehschalter mit der Aufschrift „Push to turn“. Damit hat man wohl „abgedrückt“. Aber das sollte eigentlich nur gehen, wenn rechts daneben ein Schlüssel steckt und der auf „ON“ gedreht ist… Auf dem Schnellboot gab es ein absolut identisches Pult – logischerweise.

Das ganze war ziemlich atmosphärisch gestaltet. Mir war von Anfang an aufgefallen, dass sich sämtliche Radarantellen der „Peder Skram“ und der „Sehested“ drehten, und im CIC wurden (sicherlich „von Band“) englische Funksprüche abgespielt, es gab Sonargeräusche, und einige der Sichtschirme zeigten Radarbilder an. Nicht alles war irgendwie in Betrieb, aber es reichte, um das Gefühl zu vermitteln, wie es gewesen sein konnte, hier auf einem der etwa 10 Stühle zu sitzen und hochkonzentriert die Lage zu beobachten, immer bereit, vielleicht auf Beschuss reagieren zu müssen oder selbst irgendwas abzufeuern. Und das womöglich bei schwerer See.

Hapoon-Starter von der Brücke aus fotografiert. Ich stelle es mir gruselig vor, an dem Platz zu stehen, wenn eine nach steuerbord-achtern gerichtete Rakete abgefeuert wird, die unmittelbar am Brückenfenster vorbeizischt… Auf anderen Schiffen waren und sind diese Startgeräte weniger angsteinflößend aufgestellt, etwa mittschiffs oder am Heck.

Im CIC sah ich auch die Konsole für die Harpoon-Raketen. Diese waren ebenfalls bei der Modernisierung 1978-1979 hinzugekommen, acht Startrohre vor der Brücke, von denen jeweils vier nach vorne backbord und vier nach achtern steuerbord zeigten, waren dort aufgestellt worden, wo zuvor eins von zwei 127mm-Zwillingsgeschützen gestanden hatte. Das vorderer dieser Geschütze blieb an Bord. Das wichtigste Detail: Der Launch-Key war nicht in der Konsole. Auch bei dem Harpoon-Zwischenfall von 1982, als versehentlich eine Rakete gestartet wurde, die dann in einer Wochenendhaussiedlung einschlug (zum Glück, ohne Personenschäden zu fordern), soll der Abschuss-Schlüssel im Safe der Kapitänskammer gewesen sein – und trotzdem startete eine Rakete. Ein paar findige, dänische Journalisten haben sich mehrere Jahre seit dem Zwischenfall damit beschäftigt und in ihren Recherchen nicht nachgelassen, worauf am Ende der verantwortliche Offizier weitgehend entlastet wurde und stattdessen durch einen Vergleich mit dem Hersteller McDonnell-Douglas derselbe Schadensersatz an Dänemark bezahlte. Die Sicherheitsvorkehrungen gegen einen versehentlichen Abschuss der Harpoons war anfangs mangelhaft gewesen, auf dem US-Schiff USS Koontz hatte es einen ähnlichen Zwischenfall gegeben, woraufhin die Sicherheitsmaßnahmen verbessert wurden.

Seezielflugkörper des Typs Harpoon sind auch heute noch auf amerikanischen Kriegsschiffen und denen ihrer Verbündeten in den Arsenalen, außerdem können sie auch von einigen Marineflugzeugen aus abgefeuert werden, und es gibt, glaube ich, auch landgestützte Versionen. Ich habe gelesen, mit einer Anzahl dieser Waffen könne heute die Ukraine die russischen Seestreitkräfte im schwarzen Meer soweit besiegen, dass eine Blockade der Weizenausfuhr nicht aufrechterhalten werden könne. (Aber wenn ich recht gelesen habe, hat man sich da ohnehin inzwischen geeinigt…) Wie auch immer: Es bleibt zu hoffen, dass die Dinger heute nicht mehr versehentlich starten und am besten bald auch nicht mehr gebraucht werden. Aber leider hat uns ja die jüngste Geschichte geleht, dass eine ideale Welt ohne schwerste Bewaffnung, von der wir spätestens seit 1989 träumten, im Moment eine Illusion zu sein scheint. Leider. Von mir aus könnten wir 99% aller Kriegsschiffe der Welt verschrotten und aus dem Rest Museen machen, die uns zeigen, was für Barbaren wir einst waren. Aber soweit sind wir offenbar noch nicht.

Maschinenkontrollruam. Sowas habe ich auch schon mal auf einem vergleichsweise modernen Frachtschiff gesehen, wo viele Armaturen durch Computermonitore ersetzt werden.

Ich sah mir dann noch einen Maschinenraum an, in dem neben den zwei Dieselmaschinen noch ein Dieselgenerator, ein Kompressor und eine Wasseraufbereitungsanlage untergebracht waren, den Maschinenkontrollraum und einen Maschinenraum, in dem unter anderem eine der beiden Gasturbinen stand. Die Bewaffnung des Schiffes war 1966 eher noch Zweiter-Weltkriegsstandard, aber der Antrieb war hochmodern, nämlich ein sogenannter CODOG – combined diesel or gas. Bis 15 Knoten reichten die beiden Dieselmaschinen, von denen jede eine Propellerwelle antrieb. Für Geschwindigkeiten bis 30 Knoten wurden die Diesel abgekoppelt und stattdessen zwei Pratt & Wittney-Gasturbinen über ein Untersetzungsgetriebe auf die Wellen geschaltet. Im Prinzip sind das Maschinen, die wie Flugzeugtriebwerke arbeiten, nur dass die die Drehbewegung der Turbinenwelle auf die Probeller übertragen. Der Nachteil dieser Maschinen ist, dass sie sehr viel Treibstoff verbrauchen, deswegen ist für weniger Fahrt der Antrieb mit den Dieselmaschinen effizienter. Diese Art von Antrieb ist auch heute auf vielen Kriegsschiffen noch aktuell, allerdings kommt bei sehr modernen Schiffen teilweise zusätzlich ein elektrischer Antrieb, der durch Dieselgeneratoren gespeist wird, zum Einsatz, was je nach gewünschter Geschwindigkeit noch effizienter ist.

Geschosse für die 127mm-Geschütze, darunter ihre separaten Treibladungen. Ein Geschoss wiegt etwa 25 kg (ich hatte eins in der Hand). Kann man tragen, aber damit länger zu handtieren muss Plackerei gewesen sein.

Außerdem sah ich in den unteren Decks noch eine Kühlkammer für Lebensmittel und Munitionsmagazine, Munitionsaufzüge für Geschosse und Treibladungen für das 127mm-Geschütz vorne (keine Vollautomatik, zum Laden mussten die 25 kg schweren Geschosse sowie die Treibladungen teilweise von Hand aus dem Magazin in Munitionsaufzüge gesetzt und ein Deck höher dann wieder von Hand weitergegeben wieder in ein Karussellmagazin eingesetzt werden). Auch gab es noch ein Magazin für Sea-Sparrow-Raketen am Heck, neben den acht Raketen in den Startern gab es noch neun weitere im Magazin unterhalb des Starters, die mithilfe eines Krans an Deck nachgeladen werden konnten.

Sea-Sparrow-Rakete im Magazin. Die Rakete wurde von der Luft-Luft-Rakete AIM-7 „Sparrow“ abgeleitet. Zum Einsatz muss das Ziel von der Waffenplattform (Schiff oder Flugzeug) mit einem Feuerleitradar beleuchtet werden. Die Rakete sucht dann das Ziel anhand der reflektierten Radarstrahlung.

Außerdem gab es noch Räumlichkeiten, in denen Modellschiffe der dänischen Marine aus der Zeit des (teilweise noch frühen) kalten Krieges zu sehen waren. Diese standen zwar in Glaskästen, sind aber allesamt schwimmfähig, elektrisch angetrieben und fernsteuerbar, wie man auf Videos sehen konnte. Puh. Von dem Ölgeruch unter Deck und dem vielen Rauf und Runter war mir ein wenig schwummerig. Und es war schon nach 15 Uhr, ich guckte schon seit über drei Stunden im Schiff herum. Ich wusste nicht mal, wann das Museum schloss, aber ich war mit der „Peder Skram“ so ziemlich fertig und verließ das Schiff. Das Einzige, was ich wohl verpasst habe, war der Rudermaschinenraum. Das Ruder moderner, schneller und großer Schiffe lässt sich nicht mehr von Hand betätigen, die Kraft erzeugt in der Regel eine hydraulische Rudermaschine, die am Heck eines Schiffes untergebracht ist. Naja, sowas beinhaltet halt Tanks für Hydrauliköl, elektrische Pumpen, um dieses unter Druck zu setzen, Schläuche zu den Hydraulikzylindern, die den Druck des Öls in eine mechanische Schiebbewegung umsetzen, und elektrisch gesteuerte Druckventile, mit denen letztlich der Hydraulikdruck für die Zylinder gesteuert wird. Dazu Sensoren und Steueranlagen, die das Ganze überwachen und z.B. auch die Stellung des Ruders (bis zur Brücke) zurückmelden. Ich hab sowas schon einmal auf einem Containerschiff gesehen, auf dem ein Freund von mir als Elektriker gefahren ist und der uns eine persönliche Führung im Hamburger Hafen gegeben hat.

Ob die USA das Schiff auch schön in Geschenkpapier eingepackt haben? Man kann über die Yanks sagen, was man will, wenn es um Militärhilfe geht, lassen die sich nicht lumpen – auch heute nicht, wie es scheint. Das wird nicht jedem US-Steuerzahler gefallen, aber man darf nicht vergessen, dass viele von denen nun einmal auch aus der „alten Welt“ abstammen.

Eine Sache an der „Peder Skram“ fand ich noch bemerkenswert (neben dem Harpoon-Zwischenfall von 1982): Sie war im Prinzip ein Geschenk der USA an Dänemark. Zwei Schiffe dieser Klasse wurden gebaut, eins davon wurde komplett mit US-Geld finanziert, denn Dänemark konnte den Bau von zwei Schiffen dieser Klasse nicht stemmen. Als NATO-Partner und „first line of defence“ gegen den Warschauer Pakt in der Ostsee war es das den Amerikanern offenbar wert.

Auch bemerkenswert: Eine Flasche Schmuggelwhiskey, die nach 15 Jahren in einem Kartoffelkasten aufgetaucht sein soll.

Es wurde spät, und ich hatte zwar das größte, aber erst eines von drei Schiffen besichtigt. Also ging ich an Bord des Schnellbootes „Sehested“. Ich hatte darüber schon gelesen, dass die Taktik dieser Schiffe „Hit and run“ war. Diese nur 46 m langen Boote mir 26 Besatzungsmitgliedern hatten bzgl. ihrer Hauptbewaffnung, der acht an Heck installierten Harpoon-Raketen, kaum weniger Feuerkraft als die mehr als doppelt so lange „Peder Skram“ mit ihrer bis zu fast achtmal so großen Besatzung. Mit ihren drei Rolls-Royce-Gasturbinen schafften diese Boote, die neben den acht Harpoons noch mit zwei Torpedos und einem 76mm-Geschütz bewaffnet waren, bis zu 40 Knoten. Sie konnten außerdem zur Flugabwehr Stinger-Raketen verschießen und Minen legen. Im Ernstfall sollten die Boote irgendwo gut versteckt unter Tarnnetzen in Fjorden liegen und den Gegner – große Schiffe des Warschauer Paktes – erst einmal kommen lassen. Wäre der Gegner in Reichweite der eigenen Waffen, hätte man die eigenen Radarsysteme und Maschinen hochgefahren, sich dem Gegener mit hoher Geschwindigkeit genähert, Raketen und/oder Torpedos auf den Weg gebracht um dann schnell wieder verschwinden. Die offensiven Fähigkeiten dieser Boote war, gemessen an ihrer Größe, immens, die defensiven Fähigkeiten bestanden vor allem in ihrer Agilität und darin, nur ein kleines Ziel zu bieten. Dazu muss man wissen: Ein bis zwei Treffer mit modernen Torpedos oder Seezielflugkörpern können absolut genügen, um auch ein großes, modernes Kriegsschiff zu versenken. Die russische Schwarzmeerflotte hat diese Tatsache wahrscheinlich ihr Flagschiff gekostet. Denn moderne Kriegsschiffe sind – im Gegensatz zu ihren Pendants aus dem ersten und zweiten Weltkrieg – absolut nicht gepanzert.

Die „Sehested“ mit ihren Harpoonstartbehältern am Heck

Es gab zehn Boote der Willemoes-Klasse, die „Sehested“ ist das einzige ihrer Art erhalten gebliebene. An Bord sah ich mich erst auf eigene Faust um, traf dann aber auf eine Gruppe junger Leute, die von einem Veteranen, der selbst auf diesem Boot gefahren war, geführt wurde. Ich stellte ein paar Fragen, machte ein paar Bemerkungen, und der Mann war so freundlich, mein Englisch zu loben (und sagte, er spräche ja lieber Deutsch, später erwähnte er, dass er selbst 15 Jahre lang in Deutschland gelebt habe) und über meine Fachkenntnisse zu staunen („you’re a nerd, but in a good way“). Auf meine Frage nach der V0-Messanlage am Geschützrohr der Oto-Melara-Kanone sagte er, das wüsste er nicht, er sei kein Artillerist. Jedenfalls zeigte uns der sympatische Däne hier auch die Brücke, das CIC (wo er gearbeitet hat), Mannschaftsunterkünfte und so weiter.

Blick vom Bug auf das Schnellboot, im Vordergrund das 76mm-Geschütz des italienischen Herstellers Oto Melara.

Dabei gab er einige Details über das Leben an Bord wieder, welches auf diesen engen Torpedobooten wie es scheint, weit weniger diszipliniert gewesen ist, als an Bord größerer Schiffe… Man konnte das teilweise auch an den Schildern und „persönlichen Dekorationen“ („all these colorful lights you see here is nothing crucial for the ship – they’re just partylights“) sehen. Er sprach auch darüber, wieviel Alkohol, Bier und Wein (offenbar galten Wein und Bier nicht so richtig als Alkohol) die Seeleute im Ausland kaufen, wieviel sie davon nach Dänemark legal einführen durften und wieviel an Differenz demzufolge an den Wochenenden an Bord halt vernichtet werden mussten. Ab den 80er-Jahren gab es auch weibliche Kameradinnen, geändert hätte sich dadurch nicht viel, nur dass man vielleicht besser darauf achtete, wie viele Schuhe vor einem „Bunker“ (Koje) mit zugezogenen Vorhängen standen…

Funkanlage der „Sehested“, auch sehr ähnlich den Geräten auf der „Peter Skram“. Dort betreiben Veteranen und Funkamateure übrigens eine Amateurfunkstation und pflegen insbesondere Kontakte zu Museumsschiffen in aller Welt, die ebenfalls über solche Einrichtungen verfügen.

Es hat sich jedenfalls gelohnt, seinen Ausführungen zu lauschen. Dann war es fast 17 Uhr, und das Museum schloss. Die Maschinen des Schnellbootes (drei Gasturbinen für drei Wellen, die beiden äußeren Wellen konnten auch für langsamere Fahrt mit zwei Dieselmaschinen betrieben werden) konnte ich mir nicht mehr ansehen, und für das U-Boot hatte ich gar keine Zeit mehr. Hm. Ich bin wohl doch zu detailverliebt. Meine Copenhagen Card erlaubt mir nicht, ein Museum mehrmals zu besuchen, daher werde ich mir wohl auch morgen und Montag den Besuch des U-Bootes sparen. Egal. Ich hab schon drei U-Boote von innen gesehen. Am Ende ist es eh wie immer, enge Gänge, Klaustrophobie, Leitungen, Armaturen, Torpedos, Ölgeruch, winzige Manschaftsunterkünfte, eine Pantry und so weiter. Zwar finde ich es schon ein wenig schade, aber ich kann damit leben.

Tja… für das U-Boot reichte die Zeit nicht. Aber ich hatte auch langsam genug von Waffen, engen Gängen, unattraktiv gestalteter Innenarchitektur, Stahl und Ölgeruch.

Also ging ich meines Weges, nicht zu der Haltestelle, wo ich zuvor ausgestiegen war, sondern Richtung Opernhaus, wo ebenfalls eine Haltestelle lag (schien mir günstiger). Hier nahm ich den nächsten Bus in Gegenrichtung in Bezug auf die Hinfahrt. An der Haltestelle „Skt. Annœ Gade“ („gade“ scheint „Straße“ oder „Weg“ zu heissen, also das, was auf Schwedisch „gatan“ heißt) an der Erlöserkirche stieg ich aus. Die Kirche, die auf Dänisch „Vor Freisers Kirke“ heißt, bietet als Besonderheit eine Wendeltreppe außen am Turm, die man erklimmen kann. Ich hatte darüber im Netz gelesen und Lust, dies trotz des regnerischen Wetters und einer gewissen Müdigkeit in den Knochen nach fünf Stunden Kriegsschifferkundung sofort durchzuführen. Nun, es klappte nicht. Meine Copenhagen Card hätte zwar für ansonsten kostenlosen Eintritt gesorgt, aber ich brauchte eine Zeitslotreservierung, und da war schon alles ausgebucht. Das kommt aber für morgen oder Montag auf die Agenda.

Das hiesige Opernhaus. Nicht die Elphi, aber hält auch den Regen ab.

Stattdessen gönnte ich mir im Café auf der anderen Straßenseite einen Latte (von dem ich leider einiges verschüttete, als ich auf der Treppe zurück zur Straßenebene und den Aussentischen stolperte) und einen Muffin. Ich blieb nach dem Verzehr noch einige Zeit sitzen und ruhte mich ein wenig aus. Danach nahm ich den nächsten 2A-Bus zurück zum Hauptnahnhof und ging von dort zurück ins Hotel.

Turm der Erlöserkirche (Preview)

Tja, ich denke, das war es auch für heute. Ich hatte überlegt, noch irgendwo was essen zu gehen, aber bis ich Bilder hinzugefügt habe, wird es nach 22 Uhr sein, und ich bin auch schon ziemlich müde. Morgen ist – wahrscheinlich – ein anderer Tag.

Bis bald.

PS: Ich bitte diejenigen, die ich zu sehr mit technischen Details über meinen Kriegsschiffbesuch genervt habe, um Verzeihung. Da kann ich mir die eine oder anderer Person vorstellen…

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Von Meerjungfrauen und Harpoon-Startern

Also, umsteigen in Lund C war kein Problem: Ich hab es einfach gemacht wie vor hundert Jahren, vor dem Internet: Ich bin zum Bahnhofsgebäude hochgestiefelt und hab auf die digitale Anzeigetafel geschaut. Dort war zwar die schwedische, nicht die dänische, deutsche oder englische Schreibweise von Kopenhagen angezeigt, aber zur Sicherheit gibt es ja Zugnummern….

Bahnsteig 2, Lund C

Die Zugfahrt dauerte nur noch ca. 50 min., erster Halt war Malmö. Danach kam ein Ort namens Triangeln. Das hat mich ein wenig verwirrt, als ich das ein wenig falsch geschrieben in Google Maps eintippte… es gibt nämlich auf schwedischer Seite des Öresunds den Ort „Triangeln“, auf dänischer Seite namens „Trianglen“. Ich hatte die falsche Schreibweise eingegeben und mich gewundert… weil wir den Öresund da noch gar nicht überquert hatten.

Nun, Ankunft in København H. Den Bahnhof kannte ich ja schon, und alleine der Bahnhof ist verglichen mit dem Monster in Stockholm übersichtlich. Das Ding kam mir jedenfalls riesig vor, naja, es hat 17 Gleise, was ich jetzt nicht so wahnsinnig viel finde, aber trotzdem ist der Bahnhof sehr groß. In Stockholm hatte Google Maps für den Fußweg vom Bahnhof zum Hotel 5 min. veranschlagt. In Kopenhagen war es … eine Minute. Und ja, der Weg ist sehr kurz, ich sehe den Bahnhof von meinem Fenster aus, dazwischen liegt nur noch ein Afghanischer Gemüsehändler. Und so war es auch fast ein kleiner Kulturschock… die kleine unscheinbare Straße hinter dem Bahnhof im Vergleich zum Vasagatan ist wirklich etwas ganz anderes. Es gibt eben „vor dem Bahnhof“ und „hinter dem Bahnhof“. Vor dem Bahnhof liegt erst mal der Tivoli… dazu später noch, nur eins: Sind die Skanidinavier denn so vergnügungssüchtig?

Blick aus meinem Hotelfenster. Der spitze Gibel gehört zur Bahnhofsfassade.

Nun, ich hatte schon online eingecheckt und bekam nur noch meinen Schlüssel für das Zimmer im zweiten Stock. Hm. Zwei Sterne-Hotel. Kein Aufzug, naja, sind ja nur zwei Stockwerke. In meinem Zimmer dann die nächste Überraschung: Kein Bad, nur ein Waschtisch. Öh… da hatte ich beim Buchen nicht aufgepasst. Mir war nur wichtig: Zentrumsnah und nicht viel mehr als 100 Euro pro Nacht. Also, Toilette und Dusche auf der Etage. Ist mir aber eigentlich egal, damit kann ich leben – verglichen mit Taizé ist das hier immer noch der pure Luxus. Ha! Ich stelle gerade fest: Ich hab auch kein Telefon. Sehr gut, mit nicht bestellten Wake-up-calls ist also nicht zu rechnen. Und was die Dusche angeht: Das wird sowieso überschätzt. Jedenfalls hab ich den Robert so verstanden. Die 5 Minuten kann ich auch auf der Etage duschen. Ich hoffe, die anderen duschen auch nicht länger. In Stockholm hatte ich allerdings eine ziemlich luxuriöse Dusche.

Nun, nachdem ich mich kurz eingerichtet hatte, schaute ich noch kurz bei Wikipedia vorbei, was denn hier in Kopenhagen so geht und machte mich erst einmal auf dem Weg zum Rathausplatz, also so ähnlich wie schon zuvor in Kopenhagen. Zunächst musste ich auf die andere Seite des Bahnhofs. Nachdem ich dort die Straße überquert hatte, sah ich einen Freefall-Turm und einen künstlichen Berg, in dem gerade eine Berg- und Talbahn verschwand. Schon wieder ein Vergnügungspark. Nun, ich war nicht total überrascht, weil ich vorher schon mal einen Blick in Wikipedia und Google Maps geworfen hatte, nur fragte ich mich, was denn das ist mit skandinavischen Hauptstädten und Vergnügungsparks. Obwohl… wer weiß. Wenn sich unsere Regierenden in Berlin auch ab und zu mal das Hirn durchschütteln ließen, wer weiß, vielleicht wäre das ja gar nicht so übel. Allerdings war um den Tivoli ein richtiges Gedränge, viel mehr Menschen pro Quadratmeter, als in Stockholm. Schnell weg hier.

Radshuspladsen, das rechte Gebäude mit dem höheren Turm ist das Rathaus.

Der Rathausplatz war imposant. Das Rathaus selber war, wie in Stockholm, ein Riesenkasten mit Turm. Auch zwei weitere Gebäude am Platze hatten Türme. Irgendetwas war auch los, es war eine Tribüne aufgebaut, auf der Menschen saßen, aber so richtig interessierte mich das nicht. Ich hatte Lust, die kleine Meerjungfrau aus der Geschichte von Hans Christian Andersen zu besuchen. Also gab ich das in Google Maps ein und hatte noch so zwei km zu laufen. Es war noch so 21° warm, angenehm. Natürlich waren viele Touris unterwegs. Auf der anderen Seite des Bahnhofs sah es halt auch schon wieder ganz anders aus, teure Autos auf den breiten Straßen, Filialen von Rolex, Prada und Luis Vitton. Google führte mich dann auch durch typische Touri-Gegenden mit Souvenir-Shops und viel Straßengastronomie.

Hålliganskirken

Nun, ich muss gestehen, so richtig habe ich nicht aufgepasst, wo ich langgeführt wurde und was für Straßen, Plätze und Gebäude ich so passierte, ich kam auf jeden Fall an der Helligåndskirken und der Vor Fruen Kirke vorbei, ebenso an der großen Kuppel der Fredericks Kirke.

Frederiks Kirke. Außen Kuppel, innen Fresken, Vorbild war der Petersdom in Rom.

Schließlich erreichte ich einen Park mit einer Kirche und einem Brunnen (der St. Alban’s Church und dem Gefion-Brunnen, wie ich jetzt auf Google Maps sehe). Ich sah viel Grün und Kanäle mit Seerosen und dann den Hafen. Auf der anderen Seite des Wassers dominierten industrielle Bauten, ein paar Windräder und ein paar Kriegsschiffe. Das größte schien mir ein Museum zu sein, einerseits aufgrund einiger Details, aber vor allem war eine Werbebande dran. Auf dem Vorderdeck sah ich einen Achtfach-Starter für Harpoon-Seezielflugkörper. In unmittelbarer Nahe war ein Schnellboot mit der Rumpfnummer P-547, welches am Heck ebenfalls mit Harpoon-Startern ausgerüstet war, und ein drittes Schiff mit der Rumpfnummer Y311. Was ich total übersehen habe (vielleicht brauche ich eine neue Brille): Ein an Land aufgebocktes U-Boot.

St. Albans Church, eine anglikanische Kirche. Im Vordergrund: Der Gefiona-Brunnen.

Natürlich habe ich alles inzwischen recherchiert. Das große Schiff ist die Peter Skram, eine Fregatte aus der Zeit des kalten Krieges, inzwischen Museumsschiff. Bemerkenswert ist vor allem, dass dieses Schiff 1982 bei einem Raketenfunktionstest versehentlich eine Harpoon-Rakete startete, die in eine Wochenhaussiedlung auf Seeland einschlug und dabei 11 Wochenendhäuser zerstörte und weitere 100 beschädigte. Zum Glück kamen keine Personen zu Schaden. Das Schnellboot ist die „Sehested“, klein, schnell, schwer bewaffnet und ebenfalls außer Dienst. Das U-Boot ist ebenfalls ein Museumsschiff, die Y311 ist kein Museum, sondern ein Mehrzweckschiff, welches als Unterstützungsboot für Marinetaucher ausgerüstet ist. Denn auf der anderen Seite von meiner Position aus ist nicht alles Museum, sondern teilweise auch aktive Marinebasis. Nun… natürlich plane ich, mir das alle mal näher anzusehen.

Den lille Havfrue (die kleine Meerjungfrau), 125 cm hohe Bronzeskulptur gem. des Märchens von Hans Christian Anderson. Rechts davon im Hintergrund: Fragatte Peter Skram, unfreiwillige Zerstörerin von Wochenendhäusern.

Aber ich war ja wegen der Meerjungfrau da. Die erreichte ich nur ca. 200 Meter weiter. Ich wußte schon: Die kleine Meerjungfrau ist wirklich klein. Ich hatte das von anderen Kopenhagen-Besuchern schon mal gehört, und bei Wikiepdia gelesen: Die Skulptur ist nur 125 cm hoch. Natürlich waren auch andere Touris da, vor allem schienen Eltern gerne ihre Kinder zusammen mit der bekannten Sehenswürdigkeit abzulichten. Aber es waren doch nicht so viele, und ich konnte also ein paar Bilder machen, wenn auch teilweise mit der Harpoonstarter-bewehrten Peter Skram im Hintergrund.

Schiff Göteborg, Heimathafen Göteborg… immerhin konsequent

Danach erkundete ich noch ein wenig das Terrain. Es lag auf „meiner Seite“ des Wassers noch ein altmodisch aussehendes Segelschiff namens „Göteburg“ am Kai. Ich vermutete, dass dieses Schiff nur „auf alt gemacht“ war, denn die „Vasa“ in Stockholm ist das einzige größtenteils original erhaltene Schiff aus der Zeit der Galeonen mit ihren großen Heckkastellen – weltweit. Es gab noch ein großes Lokal „Seaside“, wo es sich außen an Tischen Leute mit Muscheln und Pommes gut gehen ließen (eine Kombination, die ich nicht zum ersten mal hier in der Außengastronomie beobachtete). Scan the code, order online, pick up inside. Ich überlegte kurz, denn ich hatte durchaus vor, noch was essen zu gehen, aber ich zog es dann doch vor, das irgendwo zwischen der Haupttouri- und Einkaufsgegend und der Wasserseite zu machen.

Der Kommerz lockt, wie aller Orten, wo westliche Zivilisation sich versammelt, mit bunden Werbetafeln.

Ich schlug also wieder den Weg Richtung Hotel ein. Zwar bin ich eher ein Orientierungs-Legastheniker, dennoch konnte Google Maps im Wesentlichen ausbleiben. Ich hatte stattdessen Ingress laufen und orientierte mich an den „Brotkrumen“ der auf dem Hinweg eingenommenen Portale (der Chef möge mir die Anmerkung verzeihen). Irgendwann kam ich an einem indischen Lokal vorbei, und weil ich in den letzten Jahren immer mal wieder gerne indisch gegessen habe und die Preise akzeptabel waren, kehrte ich dort ein. Ein Curry mit Huhn („just a little spicy“) und ein großes Pils später kehrte ich wieder aus. War sehr lecker gewesen und höchste Zeit, mal wieder anständig zu essen.

Auf dem Rückweg verließ ich dann doch zwischenzeitlich meine erwähnte „Brotkrumenspur“ und ging stattdessen eine Parallelstraße entlang, die mich an einem kleinen Kanal namens „Sankt Jørgens Sø“ entlangführte. Dann sah ich auch schon die Türme des Tivoli und wusste ja, ich muss in die Richtung, denn der Bahnhof liegt ja auf der anderen Seite davon und mein Hotel auf der anderen Seite des Bahnhofs.

Einer der imposant gestalteten Eingänge des Tivoli.

Inzwischen war es schon dunkel, und so machte ich noch ein paar Fotos des illuminierten Tivoli-Eingangs, der strahlenden Werbetafeln am Rathausplatz und so weiter. Im Bahnhof kaufte ich mir im 7-Eleven (wie schon auf der Fahrt nach Stockholm) zwei Dosen Carlsberg als Gehirnschmierung zum Bloggen und schlug den Weg ins Hotel ein. Tja. Und damit ist der Blog auf dem Stand und das Bett ruft. Frühstück ist hier nicht inklusive, mit 99 dkr (man bekammt 7,44 dkr für 1 Euro, also etwa 13 Euro) aber preislich akzeptabel und bis 10.30 Uhr zu bekommen. Das teste ich wohl morgen mal. Ansonsten… das Marinemuseum inkl. U-Boot will gecheckt werden, und dann muss ich natürlich auf irgendeinen Turm (vielleicht den der Erlöserkirche, oder zumindest der „runde Turm“, auch wenn der nur 34 Meter hoch ist … mal sehen). Aber erstmal: Bilder aussuchen, hinzufügen, das hier veröffentlichen und ab ins Bett.

Bis bald.

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Snabbtåg mot Malmö

Heute morgen war vor acht Uhr wieder Lärm im Innenhof, ich verzichtete auf die Ohrstöpsel, weil ich am Abreisetag auf keinen Fall meinen Wecker überhören wollte. Gegen 9 Uhr stand ich dann auf, duschte, packte meine Sachen zusammen und ging im Hotel frühstücken.

Bahnsteig 12a in Stockholm für den Snabbtåg nach Malmö.

Nachdem Frühstück holte ich mein Gepäck aus dem Zimmer und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Ich hatte reichlich Puffer eingeplant, unter anderem, weil ich nicht wusste, von welchem Gleis aus mein Zug Richtung Malmö fahren würde. Das habe ich beim besten Willen nicht herausfinden können, ebensowenig wie das Gleis, von dem mein Anschlusszug in Lund nach Kopenhagen fahren soll. Das könnte bei 11 Minuten Umstiegszeit spannend werden, aber Lund hat sicherlich keinen riesigen Bahnhof. Lund liegt etwa 17 km Lustlinie nordöstlich von Malmö, von dort geht es mit einem Öresund-Regionalzug nach Kopenhagen. Wenn dieser Zug hier pünktlich ist, komme ich in ca 36 Minuten in Lund an.

Insgesamt dauert die Fahrt von Stockholm bis Lund etwa 5 Stunden und 10 Minuten. Die erste Stunde habe ich geschlafen, und danach meine Bilder von gestern abend erst sehr langsam per Bluetooth von meinem Handy auf meinen Laptop und danach sehr langsam von dort über das WLAN des Zugs ins Netz hochgeladen. Direkt vom Handy ins Netz, wie ich das sonst machte, klappte irgendwie nicht. Wie auch immer, weil alles so lange dauerte, war ich auch lange beschäftigt. Diese fünfstündige Zugfahrt ist gefühlt deutlich kürzer als auf dem Hinweg von Kopenhagen nach Stockholm – aber da hatte ich ja auch schon über sieben Stunden hinter mir.

Snabbtåg heisst übrigens „Schnellzug“. Nehme ich zumindest an. Lustige Sprache!

Bis bald.

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Special: Stockholm (naja, ein winziger Teil davon) bei Nacht

Status: Unterwegs von Stockholm nach Kopenhagen

Es hat mich gestern nach 22 Uhr doch geritten, noch einmal loszuziehen und abends unterwegs zu sein und Nachtaufnahmen zu machen. An sich geht es auch nicht klar, eine große Stadt zu besuchen und sie nicht wenigstens einmal bei Nacht zu erleben. Zunächste wollte ich nur vom Klarabergsviadukten ein Abendbild vom Vasagatan machen… dann ging ich den Viadukt aber noch weiter, um das Stadshuset aufzunehmen … und am Ende war ich sogar noch beim Paralament, in Gamla stan und am Strömgatan, um bei Dunkelheit auch noch mal am Wasser zu sein. Im Folgenden also die Bilder, die diese kleine Exkursion ergeben hat.

Blick vom Klarabergsviadukten auf den Vasagatan
Blick vom Klarabergsviadukten auf das Stadshus
Kulturhuset bei Nacht – wenn ich mich spätabends nicht noch mal auf die Socke gemacht hätte, hätte ich nicht erfahren, dass die Säule links bei Dunkelheit bunt illuminiert wird.
Blick auf den Ostflügel (links, rechteckig) und den Westflügel (rechts, halbrund) sowie den Durchgang dazwischen über die Riksbron von Norrmalm aus.
Blick von der Riksbron Richtung Riddarholmen mit der Riddarholmskyrkan
Der Ostflügel des Riksdagshuset mit Park davor.
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Skeppsholmen, Kastellholmen und Söder

Ich erwachte vom Piepen eines im Rückwärtsgang fahrenden Nutzfahrzeuges im Innenhof vor Wecker, blieb aber noch eine Weile liegen und döste. Übrigens entdeckte ich dann, dass auf meinem Bettgestell eine Packung Ohrstöpsel liegt… Es lohnt sich manchmal, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen.

Der Tag begann irgendwie nicht so flüssig. Erst hatte ich meine Keycard im Zimmer vergessen. Als ich das Zimmer das nächste mal verließ, hatte ich versehentlich eine Keycard auf dem Schreibtisch liegenlassen und stellte fest, dass es die neue war und die alte invalidiert worden war. Also noch mal die Rezeptionistin nerven…

Blick vom Klarabergsviadukten auf den Vasagatan. Das imposante Gebäude mit dem Turm rechts ist die vermeintliche königliche Post. Steht über dem Portal auch nach wie vor dran. Etwa 100 Meter weiter die Straße Richtung Horizont, ebenfalls rechts, liegt mein Hoteleingang.

Als ich endlich los kam, wollte ich Briefmarken kaufen. Kein Ding, dachte ich, die imposante Hauptpost ist ja direkt neben an. Doch Pustewurm, äh -kuchen. Denn in dem Gebäude residierte längst nicht mehr die Post, sondern ein Hotel mit Kongressräumen. Danach ließ ich mich von Google Maps ein wenig herumscheuchen, erst zu einem Ort, der nur Schließfächer hatte, dann zu einem ähnlichen Ort, der zwar auch einen Schalter hatte, aber da war ein Schließvorhang heruntergelassen mit einem Schild „Stälgt. 11-15 Uhr“. Was auch immer. Ich beschloss, zur Touristeninfo am Bahnhof zu gehen und mich da zu informieren. Der Mann schickte mir zu einem „Pressbyter“, so einem Kiosk mit Printmedien, Getränken, Snacks etc. Dort kaufte ich sechs Briefmarken à 26 Kronen. Auch nicht gerade ein Schnäppchen, aber ich hab Urlaub.

Blick auf Riddarholmen und die Vasabron. Ich fand das Motiv wegen des, äh, Einrades, auf dem Weg nach Skeppsholmen besonders interessant.

Schließlich machte ich mich auf den Weg, meinen Tagesplan umzusetzen. Im Prinzip hatte ich keine Lust, noch irgendwelche Museen zu besuchen – derer gibt es hier viele, von einem Sielzeugmuseum über das Spritmuseum, das Vikinger-Museum, das Abba-Museum und vieles mehr. Gut, das Nordisk-Museum für schwedische Kulturgeschichte, das Abba-Museum und das Wikinger-Museum sind natürlich schon speziell für die Gegend hier, reizen mich aber thematisch nicht so sehr. Und alles andere wiederum hat nicht unbedingt etwas mit Stockholm oder Schweden zu tun. Also entschied ich mich, einfach zu Fuß weiter die Gegend zu erkunden und paar km unter die Sohlen zu nehmen. Zuerst ging ich nach Skeppsholmen, eine Insel, auf die man von Norrmalm über die Skeppsholmsbron gelangt. Dahin musste ich vom Bahnhof aus ein wenig am Wasser den Strömsgatan entlang laufen und die Brücken zur Parlamentsinsel und nach Gamla stan rechts liegen lassen. Auf Skeppsholmen sah ich rechts das Segelschiff/Hostel Af Chapman liegen, entschied mich dann aber, die Insel linksherum am Ufer entlang zu wandern. Auf der Wasserseite lagen etliche Boote am Kai, viele hatten einen (wenn auch jungen) historischen Hintergrund und deswegen eine Beschreibungstafel.

Eines der bemerkenswerteren Boote. Man beachte den kleinen Garten auf dem Vorschiff.

Am Restaurant/Café „Torpedverkstan“ (ja, genau: Torpedowerkstatt) machte ich Pause und gönnte mir ein Budweiser. Skeppsholmen und die benachbarte Insel Kastellholmen waren früher mal ein Marinestützpunkt gewesen, was die Sache mit den Torpedos erklärt. Drei (sicherlich demilitarisierte) Exemplare waren in unmittelbarer Näher des Biergartens auch ausgestellt, dazu auch ein Geschütz (vermutlich alles aus der Zeit des zweiten Weltkrieges).

Vor dem Lokal „Torpedverkstan“ stehen übriggebliebene Torpedos herum.

Ich zog weiter am Ufer entlang bis zur Brücke, die nach Kastellholm führte. Diese Insel, auf deren höchsten Punkt eine Zitadelle steht, war zum einen ebenfalls Teil des Militärstützpunkt, zum anderen aber auch Ausflugsort der früheren, schwedischen Royals. Diese hatten im auslaufenden 19. Jahrhundert das Eislaufen für sich entdeckt und den Royal Skating Club gegründet und zu diesem Zweck einen Pavillon auf Kastellholmen als Clubhaus bauen lassen. Im Sommer wurde der Pavillon später auch vom königlichen Yachtclub genutzt und diente danach verschiedenen Zwecken.

Royal Skating Pavillon. Nun, hält den Regen ab …

Weiter ich ging meines Wegs und erkletterte einen Trampelpfad, der zur Festung führte, es war sozusagen nicht der „offizielle“ Weg, aber das war mir egal. Die Festung verfügte früher auf dem Batteriedeck und auf dem Turm über verschiedene Geschütze, um die Stadt zu verteidigen oder wenigstens einlaufende Schiffe mit Salutschüssen zu begrüßen. Im zweiten Weltkrieg waren hier Flugabwehrkanonen installiert. Heute hat sich das Militär komplett zurückgezogen, und Skeppsholmen und Kastellholmen dienen nun ausschließlich der Freizeit, der Unterhaltung und dem Tourismus. Auf Skeppsholmen liegen das Spielzeugmuseum und das Museum für moderne Kunst, sowie Tennisplätze, Gastronomie und Bootsanleger.

Die Zitadelle. Dem Audioguide auf dem Hop-on hop-off – Boot nach, ist der Zugang zum Turm erschwert worden, nachdem Spaßvögel dort einmal die norwegische Fahne gehisst hatten.

Nachdem ich Kastellholmen einmal der Länge nach mittendurch durchschritten und am Ufer wieder zurück gewandert war, ging ich wieder zurück nach Skeppsholmen und auf einem anderen Weg zurück Richtung Skeppsholmenbron und dann über dieselbe wieder nach Norrmalm. Ich ging wieder in Richtung Bahnhof und bog über die Strömbron nach Gamla stan ab. Mein Ziel war, die Altstadt komplett zu durchqueren und dann bis nach Södermalm zu gehen. In Gamla Stan erstand ich noch drei weitere Postkarten (ich hatte noch drei Briefmarken über) und setzte mich in den Biergarten eines Lokals namens „Under Kastanjen“ unter eine große Kastanie. Ich hatte mir ein Three Towns Lager aus dem Lokal geholt und schrieb im Schatten des Baumes die drei Karten. Apropos Schatten: Lt. meiner Wetterapp hatte es satte 33°, der Himmel war erneut wolkenlos und es war wichtig, ab und zu Schatten zu suchen und genügend Wasser zu trinken.

Södermalm auf der anderen Seite der Schleusenbrücke.

Nachdem ich mit Bier und Karten fertig war, ging ich weiter Richtung „Slussen“. Diese Schleuse trennt den Mälaren(see) vom Riddarfjärden, somit der Ostsee (und somit Süsswasser und Salzwasser). Sie liegt zwischen Gamla stan und Södermalm und kann über eine Brücke überquert werden, was ich dann auch tat. Puh… eben noch war ich vom Charme der Alstadt umgeben, jetzt sah ich nur noch Beton und Baumaschinen, denn die Schleuse und/oder die Brücke werden offenbar gerade saniert/modernisiert oder was auch immer. Auch auf der Södermalm-Seite wurde gerade viel gebaut, hier gab es einen großen Verkehrsknotenpunkt mit Fähranleger, Busbahnhof und S-Bahnhof. Daneben war ein moderner Gebäudekomplex zu sehen, offenbar soll hier ein modernes städtebauliches Schmuckstück geschaffen werden. Im Moment jedoch war der Ort eine riesige Baustelle. Am Ende durchquerte ich Södermalm komplett auf einer Straße namens Götgatan. Die Stadt war hier ganz anders als die edle Gegend, die ich von Norrmalm her kannte, viel verbauter, ein weniger schmutziger und irgendwie „normaler“, „volksnäher“. Ich vermute, dass hier eher normale Leute wohnen, während hier in Norrmalm Mieten und Wohnungspreise sicher nichts für Normalsterbliche sind. Schon gar nicht am noblen Strandvägen, wo es Wohnung mit 20 Zimmern und bis zu 5 Meter Deckenhöhe geben soll.

Das Stadtbauamt in Stockholm scheint Humor (und Mut) zu haben. Vielleicht sollte man ein solches Schild auch in Osnabrück am Neumarkt aufstellen. Aber das wäre vielleicht dort zu mutig mit 5 Jahren…

Dass die Gegend günstiger wurde, zeigte sich auch in Form abnehmender Bierpreise auf den Tafeln vor den Lokalen, an denen ich vorbei kam. Meine Bier auf Skeppsholmen und in Gamla stan hatten jeweils 79 Kronen gekostet. Zuerst entdeckte ich ein Schild für Budweiser mit 58 Kronen. Weiter im Süden dann ein Schild „Starköl 40cl 32 sek, 50 cl 39 sek. Na, das sind doch mal normale, wenn nicht gar günstige Preise. (Ich bin übrigens nicht sicher, ab wann hier Bier Starköl genannt wird. Die Alkoholgesetzgebung in Schweden ist ja strickter als bei uns, und das Corona z.B. hat hier, glaube ich, weniger Alkohol als bei uns, irgendwas bei weniger als 4%).

Untewegs auf dem Götgatan in Södermalm in Richtung fallender Bierpreise

Das war zwar verlockend, aber ich ging weiter … vielleicht auf dem Rückweg… Irgendwann hatte ich Södermalm komplett durchquert und landete wieder auf einer Brücke, der Skanstullsbron. Die Gegend sah nun eher fast schon industriell aus. Trotzdem überquerte ich die Brücke noch. Auf der anderen Seite, südlich von Södermalm, gab es dann einen großen S-Bahnhof, und ich überlegte, ob ich von hier mit der Bahn zurück nach Norrmalm fahren sollte. Aber irgendwie fand ich den Zugang zum Bahnhof nicht von meinem Weg aus und kehrte schließlich um. Zurück in Södermalm kaufte ich noch etwas ein und entschied mich dann, von der Bahnstation Skanstull zurück zum Hauptbahnhof zu fahren. Es war das erste und wird wohl auch das einzige Mal sein, dass ich bei diesem Besuch die S-Bahn benutzte, also kaufte ich mir nur einen Einzelfahrschein. Die vierte Station war dann schon der Bahnhof. Von dort ging ich dann – mit einem Abstecher zu McDonald’s – zurück ins Hotel, wo ich dann diese Zeilen tippte.

Ein Kreisverkehr auf Stelzen von unten auf der anderen Seite der Skanstullsbron. Auch ein interessantes Motiv, wie ich fand, ich hätte nur den Bildausschnitt weniger lässig wählen sollen.

Ich bin übrigens gestern nicht noch einmal raus gegangen, um Nachtaufnahmen zu machen. Vermutlich tue ich das auch heute nicht mehr, ich merke meine Füße deutlich, es waren halt ein paar km. Morgen geht es dann ja weiter (bzw. eigentlich ja „zurück“, aber für im Sinne des Urlaubs ja irgendwie doch auch „weiter“) nach Kopenhagen. Also kommt der nächste Bericht vielleicht von dort, aber ich schreibe vielleicht doch vorher morgen auf der Fahrt noch ein Stockholm-Fazit.

Bis bald.

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Gamla Stan und so

Ich erwachte (wie übrigens gestern schon, das hatte ich nur zwischenzeitlich verdrängt) von so einem Geratter draußen, noch vor 8.00 Uhr. Im Hof, auf den das Fenster meines Zimmer raus geht, wurden so Rollwagen in einen LKW ge- oder entladen. Ich vermute, das Hotel hat keine eigene Wäscherei, und die Schnittstelle für Bettlaken und Co. befindet sich just drei Stockwerke unter meinem Fenster. Grrr. Ich hätte dran denken sollen, Ohrstöpsel mitzunehmen.

Um 8.20 Uhr kam wieder der nicht vereinbarte Wake-Up-Call. Den habe ich heute die Rezeptionistin gebeten, doch mal zu canceln. Trotzdem… ich döste dann bis 9.45 Uhr, duschte und ging frühstücken.

Danach buchte ich mir im Netz ein Hop-on/Hop-off-Boot, fragte Google auf meinem Schlaufon, wo ich hin muss (16 min. zu Fuß, bereits bekanntes Terrain), und machte mich auf die Socken. Angekommen an Bootshaltestelle Nybroplan bekam ich erstmal eine kalte, kostenlose, zuckerfreie Dose Pepsicola von einer Promo-Frau. Ja, warum denn nicht. Aber ich landete in der falschen Schlange für die falsche Touri-Schipper-Firma, wurde dann aber von einem Ticketverkäufer zum richtigen Boot geschicht. Da konnte ich direkt an Bord gehen und einige Minuten später losfahren.

Af Chapman, ein ehemaliges Segelschulschiff der Marine, nun ein Hostel

Mein Plan war eigentlich, eine komplette Runde zu schippern und dann zu entscheiden, was ich tun würde und entsprechend auszusteigen. Der erste Stopp war an der Landzunge Djurgården, wo neben anderen Museen das Vasa-Museum angesiedelt ist. Hier befinden sich auch das Sprit-Museum (ja, genau, es geht um Alkohol hier), Junibaken (Kinderliteratur und Erlebnispark mit Astrid Lindgren-Schwerpunkt), das Wikingermuseum, die italientische Botschaft und der Freizeitpark Gröna Lund. Den konnte ich von der Wasserseite aus gut sehen. Wenn ich mich nicht irre gibt es da z.B. drei verschiedene Berg- und Talbahnen, eine sah echt fies aus, und drei Freifalltürme. Außerdem eine Bühne, auf der schon z.B. Jimmi Hendrix und Lady Gaga aufgetreten sind.

Gröna lund – Vergnügungspark vom Hop-on hop-off – Boot aus fotografiert. Schlimme Schleudern! Gut, dass die sportliche Steffi nicht dabei ist…

Die Fahrt ging weiter, ich spare mir mal, alle Haltepunkte aufzuführen, aber es waren ein Stopp an einem Kunstmuseum, beim Kreuzfahrtterminal, dem Ortsteil Södermalm (was wohl irgendwas mit „Süd“ zu tun hat, aber ich hab auf Wikipedia gelesen, im Volksmund wird nur von „Söder“ gesprochen, hm…) und an der Insel, auf der Gamla Stam, die Altstadt liegt. Das war auch der letzte Haltepunkt vor dem, an dem ich meine Fahrt begonnen hatte, und ich entschied mich, hier auszusteigen.

Zuerst erklomm ich die Stufen des Sockels eines Denkmals von König Gustaf, dem III und machte eine kurze Pause. Danach schlenderte ich am Kai entlang, wo unter anderem ein Dreismaster aus Holland lag, auf dem man offenbar Seereisen buchen kann. Danach verließ ich die Wasserseite, um die Altstadt zu erkunden.

Hier, an den Stufen zu Gustaf III, kann man verweilen und tippseln

Einige Gassen waren vergleichsweise menschenleer und ohne Tourianziehungspunkte, in anderen reihte sich ein Lokal an das nächste, hier ein Eisladen, da ein Souvenirshop… und da waren meine Mittouris dann auch in Scharen unterwegs. Es gibt wohl ein paar Hauptachsen, die die Sehenswürdigkeiten verbinden, und daneben liegen ein paar vergleichsweise ruhige Straßen.

Eine der schönen, ruhigen Straßen in Gamla stan. Nur ein Touri unterwegs – ich.

Ich ging zum königklichen Palast, aber da mich weder die Kronjuwelen, noch Kunstwerke oder protzige Schlafkammern wirklich reizen und ich auch kein großes Interesse an Monarchien hege, hatte ich – wie schon in London – keine Lust, mir den Kasten von innen anzusehen. Stattdessen schlenderte ich weiter durch die Gassen, machte hier ein Foto, eroberte da ein Ingress-Portal und landete bei der St. Gertrud-Kirche oder auch „Tyska Kyrkan“, also der „Deutschen Kirche“. Aha. Das musste ich mir dann doch aus der Nähe bzw. von innen ansehen. Vor der Kirche warben Plakate für Chorkonzerte, heute abend ab 18.00 Uhr würde z.B. die Jugendkantorei Wolfsburg hier singen. Ich ging hinein und betrachtete die Kirche von innen. Lt. Wikipedia gehört die Kirche der St. Gertrud-Gemeinde, einer lutherischen, deutschsprachigen Gemeinde in Schweden, was die vielen Schilder in deutscher Sprache erklärt. Erbaut wurde die Kirche bereits im Mittelalter.

In der Tyske kyrkan

Nach diesem Kirchenbesuch durchquerte ich weiter die Altstadt um dann einen kleinen Kanal und die Hauptverkehrsstraße „Centralbron“ („Bron heißt offensichtlich „Brücke“) zu überqueren. Mithilfe der „Riddarholmsbron“ übrigens, die mich konsequenterweise auf den sog. „Riddarholm“ führte. Dieses „Anhängsel“ der Altstadt birgt unter anderem die Riddarholmskyrkan, die ich mir als nächstes ansah. Hier finden seit mehr als hundert Jahren keine normalen Gottesdienste mehr statt, allenfalls Beerdigungen. Das passt, weil die Kirche vor allem eines ist: Grabstädte der schwedischen Könige und ihrer Familien. Deren Überreste ruhen in mehr oder weniger protzigen Särgen und Sarkophagen (in einem Fall ein Teil aus Granit, welches 15 Tonnen wiegt) vor allem in den Seitenkapellen der Kirche.

In dem großen Sarkophag liegen die Überreste von Gustaf II.

Der Besuch kostete (wenn ich mich recht erinnere) 60 sek Eintritt, aber das entrichtete ich gern, dient das Geld doch dem Erhalt der Stätte. Die Wände der Kirche sind mit den verschiedenen Wappen der verschiedenen Ritterorden geschmückt, die den verstorbenen Monarchen untertan waren. Ich suchte mir die Grabstätte von Gustaf II. Adolph, der sagte mir am meisten, hatte er doch die Vasa erbauen lassen. Der fiel übrigens 6 Jahre nach dem Untergang der Vasa im Krieg, „killed in action“, wie es auf der Tafel neben seiner Grabkapelle zu lesen stand. Manchmal wünschte ich mir, auch heute müssten die Oberbefehlshaber noch selbst mit an die Front ziehen… vielleicht träfen sie dann andere Entscheidungen.

Ich weiß nicht, was das Zeichen links bedeutet. Aber dem rechten nach haben hier bereits die Franziskaner, die die Kirche erbaut haben, bereits „Free Wi-Fi“ eingerichtet. Gut möglich, schließlich war Franz von Assisi für seine Mildtätigkeit bekannt.

Nach dem Besuch der Kirche ging ich an das Ufer, welches dem Stadshus zugewandt war, von wo aus ich gestern zu meinem jetzigen Standpunkt herübergeschaut hatte. Dort steht auch eine Skulptur eines Mannes mit einer Mandoline (denke ich), es ist ein Abbild von Evert Taube, einem schwedischen Dichter, Sänger, Komponist und Maler. Es war sonnig, keine Wolke am Himmel, die Wettervorhersage hatte 30° angekündigt, und hier lagen Leute in Badekleidung auf Handtüchern am Ufer, eine Dame war sogar schwimmen gegangen.

Evert-Taube-Statue mit Stadshus im Hintergrund

Ich zog meines Weges und wollte als nächstes das „Rikdagshuset“ auf der kleinen Indel „Helgeandholmen“ besuchen. Diese befindet sich zwischen Gamla Stan und Norrmalm (offenbar dem Nord-Pendant zu Södermalm) und ist mit beiden durch zwei Brücken verbunden. Ich nutzte zuerst die „Norrbro“, die durch einen großen Park vor dem Ostflügel des Parlamentsgebäudes hindurchführt um auf der anderen Seite mit Norrmalm zu verbinden. Ich durchquerte den Park stand kurz vor dem Ostflügel des Riksdagshuset und ging dann darum herum. Zwischen dem Ost- und Westflügel des Gebäudes gibt es einen Durchgang, der auf beiden Seiten über das zweite „Brückenpaar“, die Riksbron und die Stalbron Helgeandholmen ebenfalls mit Gamla Stan und Norrmalm verbindet.

Ich entschied mich, trotz der hohen Preise irgendwo ein Bier in der Außengastronomie zu mir zu nehmen und nahm die Salbron über den Stalkanalen zurück zur Altstadt. Nachdem ich in einem Souvenirladen noch ein paar Postkarten gekauft hatte, setzte ich mich mit einem Corona vor ein Café mit Blick auf die „Demokrativerkstaden“, die auch in einem zum Parlament gehörenden Gebäude in Gamla Stan untergebracht ist.

Anschließend entschied ich mich, zunächst den Weg zum Hotel einzuschlagen. Da sich das fast direkt neben der hiesigen Hauptpost befindet und es noch nicht 18.00 Uhr war, dachte ich, ich könne dort Briefmarken für meine Postkarten erwerben. Ich ging schnurstrax über die Stalbron wieder auf die Parlamentsinsel Helgeandsholmen, durch den Gang zwischen Ost- Westflügel, und dann auf der anderen Seite über die Riskbron zurück nach Norrmalm .Hier führte der Weg weiter über eine große Hauptachse namens „Drottninggatan“ in die richtige Richtung. Viele Touris, viel Gastronomie und Souvenirläden. Die Straße führt dann am großen Platz „Sergels torg“ vorbei, wo das „Kulturhuset“ mit Staatstheater steht. Da ging es dann links auf den „Klarabergsgatan“, der dann wieder in den „Vasagatan“ mündet und direkt neben der Post kam ich da raus. Leider hatte die Post schon geschlossen, also ging ich erst mal zurück ins Hotel, um Postkarten zu schreiben.

Ich hing mein Schlaufon in meinem Zimmer an Strom, besorgte mir Bier im Hotelrestaurant mit dem französischen Namen „Relais de la gare“ (sowas wie „Raststätte am Bahnhof“ oder so) und ging damit über eine spezielle Treppe auf die Dachterasse im ersten Stock (auch „Patio“ oder „Countryyard“ genannt). Dort begann ich, Karten zu schreiben, was mir aufgrund zweierlei Ablenkung nicht ganz leicht fiel. Zum einen sprachen am Tisch neben mir erst eine, dann zwei Damen auf Englisch mit einem Herren, alle drei hatten ihre Macbooks vor sich aufgebaut und planten offenbar einen Werbefilm für irgendetwas. Es ging immer wieder um das Storybook, das Budget und ob der Film in Qubec evtl. wegen der verwendeten Musik nicht gezeigt werden könne. Frechigkeit! Wie soll man denn urlauben, wenn um einen herum so schwer gearbeitet wird?

Der Vogelfänger bin ich ja… nun nicht.

Die zweite Ablenkung war ein kleines Vogeldrama. Auf dem Weg nach draußen wunderte ich mich über kleine Papptellerchen mit Wurststücken, Walnüssen und halben, hartgekochten Eiern. Legte man es denn darauf an, Ratten anzulocken? Dann sah ich, dass im Gebäude eine Elster ihr Unwesen trieb und eine arme Rezeptionistin versuchte, das Tier mit dem Futter nach draußen zu locken. Zwischenzeitlich flog der Vogel auch durchaus hin und bediente sich, machte aber keine Anstalten, nach draußen zu fliegen. Warum auch, wenn man hier so leckere Sachen bekommt, dachte ich. Als ich fertig damit war, Karten zu schreiben und Bier zu trinken, schnackte ich noch kurz mit der Rezeptionistin. Die hatte eher das Wohl des Vogels im Sinn („poor thing“) und sagte mir, das Tier seit seit gestern da, und wenn es sich nicht verkrümeln würde, würde sie jemanden besorgen, der sich kümmert.

Sieht eigentlich ganz lecker aus, das kalte Buffet für die Elster. Wie gesagt, die Rezeptionistin meint es gut mit dem Vogel. Man könnte auch sagen, sie ist… naja, Ihr wisst schon.

Ich ging dann erst mal Abendessen. In letzter Zeit habe ich daheim die Fastfoodketten gemieden und ohnehin meinen Fleischkonsum heruntergefahren. Aber jetzt gab es bei Burgerking ein Whoppermenü – das war wenigstens bezahlbar. Danach entschied ich mich, noch den Vasagatan noch ein paar Schritte weiter in der Richtung entgegen zum Bahnhof weiter zu gehen. Hier stieß ich auf einen Platz, auf dem ein Springbrunnen mit Lichtspiel sprudelte, dessen Design mich stark an eine Pusteblume erinnerte. Und lt. Google Maps heißt das Ding „Maskrobollen fontän“. Lt. Langscheidt heißt „maskros“ Löwenzahn, also ist das offensichtlich auch so gewollt.

Maskrosbollen fontän

Direkt auf der anderen Straßenseite ist so ein Minipark namens Norra Bantorget, in dem das Brantingmonumentet steht. Das ist ein Bronzerelief von Carl Eldh, welches den schwedischen Sozialdemokraten Hjalmar Branting zeigt, wie er zu einer Gruppe von Arbeitern spricht. Nicht weit davon lagen ein paar erschöpfte Menschen (Touristen) im Gras, die zu fotografieren ich mir nicht erlaubt habe.

Brantingmonumenten

Nun bin ich also wieder im Zimmer und tippe diese Zeilen. Als nächstes werde ich Bilder hinzufügen und den Text dann veröffentlichen. Vielleicht gehe ich danach nochmal vor die Tür, um ein paar Bilder bei Dunkelheit zu schießen, vielleicht vom „Klarabergsviadukten“ aus. Das ist die Verlängerung des „Klarabergsgatan“, eine Fußgängerbrücke, die ich schon gestern benutzt habe, um zum Stadshus zu gelangen. Mal sehen.

Bis bald.

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Stadshus und Vasamuseet

Ich habe ganz ordentlich geschlafen, mein Wecker war um 9:15 Uhr gestellt. (Das hätte mir die sportliche Steffi nie durchgehen lassen…) Allerdings klingelte um 8.20 Uhr mein Hoteltelefon mit einem Wake-up-Call, den ich nicht bestellt hatte. Ich lasse mir doch von einem klingelnden Telefon nicht vorschreiben, wann ich aufzustehen habe! Naja… aber eingeschlafen bin ich dann doch nicht mehr.

Nach der Morgenroutine ging ich dann frühstücken im Hotel. Zwei Tassen Kaffee, zwei Brötchen mit Käse, etwas Rührei. Danach wollte ich losziehen zum Bahnhof, aber ich merkte, dass die Sonne doch eine Einölung erforderte. Nachdem ich das, noch mal zurück im Zimmer, erledigt hatte, ging ich die 5 Minuten zum Bahnhof. Grund war, dass ich vor allem schon mal ein Zugticket von hier zurück nach København am Freitag kaufen wollte, das konnte ich in Deutschland nicht über die Seite der Deutschen Bahn bestellen. Zuerst zog ich eine Nummer vor einem Counter, der mit „Public Transport“ überschrieben war, aber als ich dran war, schickte mich der Mensch zu den Automaten. Blöd von mir … die hatte ich vorher eigentlich gesucht und schlicht übersehen. Etwa 1130 svenska kronas später (der Kurs ist etwa 10:1) hatte ich das Ticket samt Reservierung in der Tasche. Ich überlegte noch, ob ich ein „Welcome Pass“ (oder so) kaufen sollte, sowas hatte ich für meine Besuche mit der sportlichen Steffi in Rom und Berlin jeweils gekauft. Wer das nicht kennt: Das ist in der Regel ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr einer großen Stadt plus diverse Rabatte für Sehenswürdigkeiten in einem Paket. Aber ich verzichtete diesmal.

Ich lief nochmal zum Hotel zurück und deponierte das Ticket bei meinen Sachen und machte mich dann auf den Weg zum Rathaus (Stadshus). Im Wesentlichen folgte ich damit einem Prinzip, dem ich gerne folge, wenn ich Städte besuche: Erst mal einen Überblick verschaffen. Dazu gibt es hier mehrere Möglichkeiten, allerdings ist der höchste Aussichtspunkt, nämlich der hiesige Rundfunkturm, wegen Reparaturen für die Öffentlichkeit im Moment nicht zugänglich. Und das Stadshus mit seinem 106 m hohen Turm war im wahrsten Sinne des Wortes einfach naheliegend. Dazu habe ich auf der Wikipedia-Seite zu Stockholm ein großes Panoramabild, welches von diesem Turm aufgenommen worden ist, gesehen, und alleine das hat mich bewogen, auf diesen Turm zu wollen.

Ich ging also den Vasagatan wieder Richtung Bahnhof, stieg die Treppen zum Klarabergsviadukten hoch , der über eine stark befahrene Hauptverkehrsstraße und ein Gewässer namens „Klara sjö“ überquert, und war dann nach einem kurzen Spaziergang am Ufer des Klara sjö schon am Rathaus (ich muss mal prüfen, wer zum Geier diese Klara ist oder war … nach der ist hier eine Menge Zeug benannt). Zuerst verweilte ich einen Moment im großen Innenhof des Gebäudes. Ich hatte keine rechte Lust, mir eine guided Tour durch das Rathaus zu buchen, aber ich wollte ja auf jeden Fall auf den Turm. Also folgte ich den entsprechenden Schildern und hatte Glück: Obwohl der Mann am Counter gerade ein Schild „nächste verfügbare Turmführung um 12:45 Uhr“ aufgehängt hatte, verkaufte er mir für 80 sek noch ein Ticket für 12 Uhr. Zwar war das auch noch etwa eine halbe Stunde zu warten, aber der kleine Park und ein paar Bänke mit Blick auf den Riddarfjärden luden zum Verweilen ein (ok, ja, natürlich gab es auch jede Menge Ingress-Portale…). Ich hatte noch einen Apfel und ein paar Müsli-Riegel dabei und machte eine kleine Pause.

Stadshus mit Turm. Übrigens gibt es mehrere Türme, aber der auf dem Bild ist der, den man besteigen kann. Die Turmspitze zieren übrigens drei Kronen, die man heute noch z.B. auf der Kokarde (Hoheitszeichen) der schwedischen Luftwaffe findet. Ein anderer Turm trägt einen Halbmond (über den Baumwipfeln zu sehen).

Dann ging es auf den Turm. Eine Guide erklärte uns auf englisch vor dem Aufstieg, es seien 365 Stufen zu bezwingen und man brauche etwa 10 Minuten hoch und 10 Minuten runter und hätte dann auf der Aussichtsplattform 15 Minuten Zeit. Es gäbe zwar einen Aufzug, aber nur für vier Personen und auch nicht ganz bis nach oben. Da nahm ich dann doch lieber gleich die Treppe.

Nach dem Großteil der besagten Stufen kam man in das sog. Turmmuseum (lt. Wikipedia), eine Art Rotunde mit kreisförmig angeordneten Büsten. An einer Seite steht eine 7,6 m hohe Statue von Sankt Eric, dem Schutzheiligen von Stockholm. Da die Zeit ja begrenzt war und ich vor allem viel Zeit auf der 73 m hohen Aussichtsterrasse verbringen wollte, verweilte ich dort aber nicht lange. Die vielen Büsten sagten mir ohnehin nichts.

Besagte Büsten im Turmmuseum

Es ging dann noch so einige Stufen weiter hoch, außerdem galt es, auf einer aufwärts führenden Rampe den Turm innen an der Außenmauer dreimal zu umrunden (ich habe zwölf Ecken auf den Rückweg gezählt). Auf dem Weg zur Aussichtsterrasse bekam ich noch den Kran, mit dem der liebe Eric und wahrscheinlich auch seine kleineren Kumpels, die Büsten, in das Turmmuseum gehievt worden waren, zu sehen.

Oben angekommen konnte ich dann den tollen Panoramablick auf die Stadt genießen. Viel kannte ich ja noch nicht, aber der naheliegende Hauptbahnhof war leicht zu identifizieren. Natürlich machte ich drei Fantastilionen Digitalbilder mit meinem Handy. Danach wurden wir von den Guides wieder runter kompilimentiert.

Blick auf Gamla Stan, die Altstadt. Der Kirchturm auf dieser „Insel“ gehört zur Riddarholmskyrkan, außerdem ist in der Nähe unter anderem das Nobelmuseum angesiedelt.

Unten angekommen hatte ich einen kurzen Durchhänger, aber ich entschied mich nach einem Blick auf Google Maps, zu Fuß zum Wasa-Museum zu gehen, es waren keine drei Kilometer Fußmarsch. Also machte ich mich auf die Socken und überquerte zuerst den Klara sjö über den Stadshusbron, schlenderte den Klarastrandsleden (erwähnte ich schon, dass nach der Klara hier ne Menge Zeug benannt ist?) entlang, und marschierte über den Jakobsgatan auf die St. Jakobskyrke zu. Danach landete ich im benachbarten Kungststrädgården (wie der Name sagt, ein eigenartiger Platz mit viel Kunstrasen, außerdem ein paar Fontänen, einem amerikanischen Café und einer Open-Air-Bühne) und dann im Berzeli-Park. Dort steht eine Statue des schwedischen Chemikers Jöns Jakob Berzelius, der lt. Wikipedia nicht weniger gilt als „der Vater der modernen Chemie“.

Danach kam ich auf eine Prachtallee namens Strandvägen. Zwei Fahrstreifen für Autos und Straßenbahn sind getrennt von einem Fußweg unter prächtigen Baumen, auf der einen Seite ist die Straße von imposanten Hotels gesäumt, die andere grenzt (natürlich) an Wasser, den Nybroviken. Dieser folgte ich dann etwa einen halben Kilometer, bis ich rechts auf die Brücke Djurgårdsbron abbog und das Gewässer überquerte. Auf der Landzunge auf der anderen Seite sah ich zuerst das imposante Gebäude des Nordiska museet (Museum für schwedische Kulturgeschichte), ein Stück Weg weiter dann auch schon mein Ziel, das Vasa-Museum.

Das Vasa-Museum von außen. Die Masten sind nicht, wie ich törichterweise nach Blick auf ein Bild bei Wikipedia annahm, die echten, durch das Dach der Halle geführten Masten, sondern nur eine dekorative, moderne Stahlkonstruktion. Sie stehen auch nebeneinander, und nicht hintereinander, zudem würde man die echten Masten, von denen jeweils nur der untere Teil (wenn überhaupt) original erhalten ist, niemals der Witterung aussetzen.

Die Vasa war eine Kriegsschiff, eine Galeone, die Karl Gustaf II Adolph von Schweden im 17. Jahrhundert von einem holländischen Schiffbaumeister für den Krieg gegen Polen bauen ließ. Auf der Jungfernfahrt am 10. August 1628 kenterte das Schiff aufgrund seiner baulich bedingten Instabilität bereits nach knapp anderthalb Kilometern Fahrt hier in Stockholm, wobei zwischen 30-50 Seeleute den Tod fanden. Das Wrack lag dann über 300 Jahre im Schlick, wo es unter anderem aufgrund der geringen Salinität des Wassers gut vor dem Schiffsbohrwurm, aber auch vor Luft und Licht geschützt war. Im Jahr 1961 wurde es dann von einem Bergungsunternehmen mithilfe von Tauchern der schwedischen Marine gehoben. Da das Holz somit wieder dem schädlichen Einflüssen von Licht und Luft ausgesetzt war, überlegte man sich, wie es am besten zu konservieren sei und entwickelte völlig neue Techniken. Im Wesentlichen wurde das Holz 17 Jahre lang (!) mit PEG (Polyethylenglykol) besprüht, wodurch das Wasser in den Zellen des Eichenholzes komplett durch das Polymer ersetzt wurden und somit das Wasser das Holz nicht mehr zersetzen kann. Die etwa 5.000 Nieten, ursprünglich aus geschmiedetem Eisen, hatten sich im Laufe der 300 Jahre komplett aufgelöst. Teile, die damit befestigt gewesen waren, fielen ab und sanken in den Schlick, was gut für deren Konservierung war. Zunächst waren diese Nieten beim Wiederaufbau des Schiffes durch simple Stahlnieten ersetzt worden, die aber ebenfalls wieder korrodierten. Heute bestehen die Nieten aus einer nichtrostenden Legierung.

Das Schiff in der Halle – natürlich ist es in Gänze aus keiner Perspektive so richtig gut zu fotografieren, dazu ist es zu groß und die möglichen Abstände sind zu niedrig.

Das Schiff steht komplett in einer Halle. Es kann nicht betreten werden, weil man es weiter so lange wie möglich erhalten möchte. Dazu sind die Umweltbedingungen, Termparatur und Luftfeuchtigkeit genau geregelt, mithilfe dreidimensionaler, optischer Messverfahren wird darüberhinaus permanent überwacht, ob sich der Schiffskörper verzieht. Das ist der Fall. Der Rumpf ruht in einem Stahlgerüst, welches eine weniger homogene Druckverteilung auf den Schiffskörper ausübt, als Wasser es täte, läge das Schiff denn in solchem. Gegenwärtig wird überlegt, diese Konstruktion zu überarbeiten und zu verbessern. Besucher des Museums haben auf sieben Ebenen vom Kiel bis zum Kastell (so nannte man den „burgartigen“ Heckaufbau der Galeonen) von beiden Seiten einen guten Blick auf das Schiff. Darum herum sind thematisch gegliedert Themen wie die Geschichte des Schiffes (Bau, Katastrophe, Bergung, Konservierung), die geschichtliche Situation Schwedens (30-jähriger Krieg, Hauptgegner zu der Zeit war Polen, die schwedische Marine operierte viel in der baltischen See), das Leben an Bord solcher Schiffe und vieles mehr dargestellt. Die weiteren Exponate reichen von echten Ausrüstungsgegenständen, die geborgen wurden über Nachbildung von solchen (beispielsweise der Kanonen, von denen nur drei echte Exemplare im Museum stehen) bzw. von damaligen persönlichen Gegenständen wie Kleidung, Münzen, Besteck und Geschirr. Dazu gibt es multimedial aufbereitete Inhalte in mehreren Kinosälen und Projektionen und Monitoren überall.

Eine Nachbildung der „Great Cabin“ (wie auf dem englischsprachigen Schild stand). Hier nahmen hochrangige Offiziere und ihre Gäste ihre Mahlzeiten ein. Man beachte den Tisch. Ich schätze, frühes IKEA, Modell „Nåvigatør“.

Ein großer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den reichen Verzierungen am oberen Teil des Schiffsrumpfes, insbesondere am Kastell. Denn über 700 Statuen von Menschen aus der römischen und griechischen Geschichte wie auch deren Mythologien sowie aus der Bibel (z.B. David, der Harfespieler) sowie Tierfiguren (insbesondere Löwen als Symbol der Stärke) schmückten das Schiff. Der Zweck: Propaganda. König Karl Gustaf II sollte Figuren wie König David aus der Bibel in sofern gleichgesetzt werden, dass Gott auf seiner Seite wäre (und auf der Seite Schwedens und der lutherischen Protestanten, aber natürlich nicht auf der Seite der Polen bzw. der Katholiken). Die Stärke Schwedens und seines Königs sollte mit der des antiken römischen bzw. griechischen Reiches gleichgesetzt werden etc.

Rekonstruierte Nachbildungen der Figuren am Heckspiegel. In der Mitte ist das königliche Wappen zu sehen, genau Mittig eine Garbe unter einer Krone. Garbe heißt auf Schwedisch auch sowas wie Vasa. Untere Reihe, zweiter von rechts: David, der Harfespieler (König David aus dem alten Testament).

Die echten Figuren am Schiff, die größtenteils noch erhalten sind, tragen keine Farben mehr. Ursprünglich waren sie bunt bemalt, mithilfe von Rückständen haben die Wissenschaftler herausgefunden, wie sie wahrscheinlich ausgesehen haben und bildliche und figürliche Nachbildungen geschaffen, die ebenfalls zu besichtigen sind.

Nun, man kann aus meinen vielen Worten ermessen, dass mich das Museum schon sehr beeindruckt hat. Meiner Ansicht nach ist es wirklich beeindruckend und gut gestaltet. Das ist natürlich einerseits der Verdienst der Kuratoren, aber auch der vielen Menschen, die sich sowohl um die geschichtliche wie auch naturwissenschaftliche Forschung, um sowohl das Wissen als auch Schiff und Ausrüstung selbst zu bewahren, mit viel Erfolg bemüht haben.

Kurz vor Schließung des Museum um 18 Uhr verließ ich dasselbe und machte mich auf den Rückweg zum Hotel, wieder zu Fuß, aber auf einem etwas anderen Weg als vom Stadshus aus. Dort angekommen überlegte ich, im Restaurant des Hotels was zu essen. Die Preise sind hier – erwartungsgemäß – üppig. Ich suchte dann doch einen Supermarkt auf (die umfangreiche Lebensmittelabteilung eines großen Kaufhauses in der Nähe des Hotels) und besorgte mir ein paar gekühlte Corona, Cracker und Kekse. Teilweise habe ich mir das, während ich diese Zeilen hier schrieb, in den Organismus geschoben, mit der Idee später vielleicht zumindest noch einen Fastfood-Laden aufzusuchen. Mittlerweile bin ich aber doch schon müde, und ich nehme an, ich werde, nachdem ich ein paar Bilder zur Illustration dieses Beitrages ausgesucht habe, das Bett aufsuchen. Für morgen habe ich noch keinen Plan, aber das findet sich. Auf jeden Fall ist irgendwann eine Bootstour angesagt.

Bis bald.

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Vi ankommer strax till Stockholm C

Angekommen Stockholm Central

Also, wenn ich das richtig verstanden habe, bedeutet die Überschrift eher „Wir kommen gleich an“. Das ankommen habe ich hinter mir, die 5 Minuten Spaziergang vom Bahnhof zum Hotel auch. War leicht zu finden am Vasagatan, an dem ein Hotel neben dem nächsten liegt und dank Google Maps und auch der guten Beschilderung im Bahnhof sei Dank kein Problem. Da bin ich also. Das Hotel ist nett, zentral gelegen, Zimmer klein aber fein.

Diese Ausstattung könnte meinem älteren Neffen gefallen. Naja. 2 und 4 kg…. die würde der wahrscheinlich auf der Nase balancieren oder damit jonglieren oder so.

Apropos Vasagatan… Das Wasamuseum ist auf jeden Fall auf der Agenda, mal sehen, wie ein Schiff aussieht, das so schlecht konstruiert ist, dass es direkt nach dem Auslaufen gekentert ist… Für heute allerdings reicht’s. Die lange Bahnfahrt hat mich doch ziemlich geschlaucht, jetzt lockt erst mal das Bett. Gute Nacht.

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