Die Münze – Teil 42

Diese Phase der Gesamtoperation war die absolut höchste Stufe des kompletten Mehrgenerationen-Plans. Keine andere Teilkomponente war kritischer, keine war umstrittener. Insbesondere in ethischer Hinsicht, denn völlig ungeschönt lief die Manipulation der Biomonitoring-Protokolle im Kontext des Gesamtplans auf etwas hinaus, welches man mit einem einzigen Wort beschreiben konnte: Massenmord.

Auf den Punkt gebracht ging es darum, ein Computervirus in die Biomonitoring-Protokolle einzuschleusen. Dieses hatte folgende Aufgabe: Umprogrammierung der Prozesse bei den Geburten der Herrscher und der Krieger. Nachdem das Virus seine Arbeit getan und sich selbst anschließend gelöscht hatte, um keine Spuren zu hinterlassen, wurde bei den Geburten der Krieger-Kaste fortan das Programm mit den manipulierten Gen-Stämmen ausgesetzt. Ohne, dass jemand in der Herrscher- oder der Krieger-Kaste es wusste, gab es bei den Kriegern ab diesem Zeitpunkt keinen biologischen Selbstzerstörungs-Mechanismus mehr. Die Neugeborenen der Herrscher-Kaste hingegen bekamen weiterhin das Biomonitoring-Implantat eingepflanzt … und zusätzlich wurde das Genmanipulationsprogramm nun ebenfalls bei ihnen selbst umgesetzt. Anders gesagt, die Neugeborenen trugen ab nun ohne das Wissen der Herrscher nicht nur den Auslöser der biologischen Waffe in sich, sondern auch die Waffe selbst – die nun gegen sie selbst gerichtet war.

In den Kreisen des Geheimbundes war diese Handlungsweise kontrovers diskutiert worden. Die Kaste der Arbeiter und Bauern war überwiegend friedliebend. Für die Gegner stellte diese Vorgehensweise die eigene Kaste moralisch auf dieselbe Stufe wie die der Herrscher. Die Befürworter, die sich am Ende durchsetzen, konterten, das perfide Verfahren sei schließlich nicht ihre Idee gewesen, sondern die der herrschenden Kaste. Und durch die Umkehr des Verfahrens würde ja nicht nur das tödliche Ende der Waffe gegen die Herrscher gerichtet, sondern gleichzeitig von den Kriegern abgewandt. Der Mord ginge damit zuletzt auf die Herrscher selbst zurück. Außerdem war „Schlagt den Gegner mit seinen eigenen Waffen“ eine weitere Maxime der Gesamtoperation.

Nachdem jedenfalls die Manipulation der Biomonitoring-Protokolle vollzogen war, arbeitete die Zeit für die Schöpfer des Mehrgenerationen-Plans und ihre Nachkommen. Denn immer mehr Angehörige der Herrscher-Kaste trugen nichtsahnend beide Komponenten der Biowaffe in sich, Auslöser und Bombe, gewissermaßen. Immer mehr derjenigen Herrscher, die nur den Biomonitor trugen, verstarben und wurden zumindest so alt, dass sie nicht mehr von strategischer Bedeutung für den Plan waren.

Schließlich näherte sich der Plan der Endphase: Dem Attentat. Auch wie dieses anzugehen wäre, war ein umstrittenes Thema im Planungsstab gewesen. Naheliegend war, einfach eine der eingeschleusten, falschen Kriegerinnen mit der Durchführung zu beauftragen, und viele der durchtrainierten, jungen Damen wären nur allzu bereit dazu gewesen. Zwar waren auf dem Zentralkontinent, wo die Herrscher lebten, Waffen absolut verboten, und die automatisierten Kontrollen waren scharf und unbestechlich. Aber in den Händen der Kämpferinnen konnte jeder Gegenstand zu einer tödlichen Waffe werden, und zur Not wären die bloßen Hände selbst ausreichend, um ein Herrscher-Leben zu beenden.

Dennoch wurde diese Option verworfen. Es ging darum, welches Zeichen man für die Kaste der Krieger setzen wolle und vor allem darum, was später in den Geschichtsbüchern stehen würde. Ohne ein exaktes Konzept, was „hinterher“ passieren würde, wäre der gesamte Mehrgenerationen-Plan sinnlos gewesen. Das neue System sollte nicht auf dem Mord durch eine eingeschleuste Kämpferin in der Hauptstadt auf dem Zentralkontinent seinen Anfang nehmen. Es sollte auf der größten der Ringinseln, wo die Verwaltung der Arbeiter- und Bauen-Kaste ihren Sitz hatte und von wo aus die meisten Nahrungsmitteltransporte zum Zentralkontinent starteten, seine Geburtsstunde erleben. Genau hier würde die künftige Hauptstadt gegründet werden. Genau hier würde die neue Zeit beginnen.

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Defamed Hero – Man vote, wenn man Lust hat.

Liebe Leser (also, die Hand voll, die ich habe 😉

meine Neffen spielen in einer Band namens „Defamed Hero“ und nehmen an einem Wettbewerb teil. Dabei geht es darum, einen Song aus dem eigenen Repertoire „op platt“ zu performen. Wer den Wettbewerb gewinnt, hängt nicht alleine am Online-Voting, sondern auch an einer Jury im Rahmen einer Live-Darbietung. Natürlich möchten die gerne gewinnen…

Zugegeben, es nervt mich immer ein wenig, wenn ich selbst solche Mails oder Nachrichten bekomme und meine Stimme für soetwas eingespannt werden soll…

Aber ich hab den beiden halt versprochen, mich als Verteiler einspannen zu lassen, und natürlich bin ich meinen begabten Neffen auch solidarisch gegenüber eingestellt.

Die Sache an sich finde ich auch tatsächlich recht witzig, die Nummer mit dem Plattdütsch hat schon was. Aber ich habe auch in ein paar Songs der Mitbewerber reingehört, und die haben auch was auf dem Kasten. „Defamed Hero“ aber auch.

Wie auch immer, wer Lust hat, der höre ein unter
http://www.plattsounds.de/defamed-hero-an-de-kant/
Achtung! Es gibt einen Schalter von Hochdeutsch (bzw. Englisch) zu Platt. Die ganze Seite wird dann übersetzt, inklusive Songtext und Soundcloud Player.

Votieren kann man hier: http://www.plattsounds.de/voting/

Wer Lust hat, höre sich auch die Mittbewerber an. Natürlich freue ich mich über jede Stimme für „Defamed Hero“, aber wer nach Gusto abstimmen möchte, der tue das auch. Nun, auch die Mitbewerber werden ihre Leute mobilisieren, in sofern finde ich das nur legitim.

Viele Grüße und allen ein schönes Wochenende!
Euer Michi

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Die Münze – Teil 41

Doch nicht das Entwickeln von Strategien, die Ausbildung von Teams und Einzelpersonen, nicht das Besorgen von Bauteilen für und Entwickeln von Waffen war auch annähernd mit dem ambitioniertesten Projekt des Mehrgenerationen-Plans zu vergleichen: Der Unterwanderung der Herrscher-Kaste selbst und vor allem: Die Unterwanderung der Biomonitoring-Protokolle.

Die Biomonitoring-Protokolle war von den Denkern der Herrscher-Kaste entwickelt und immer weiter perfektioniert und automatisiert worden. Mittlerweile sorgten die computergesteuerten Prozesse dafür, dass in den Geburtskliniken der Herrscher die Implantate an die Neugeborenen verteilt wurden, die mit den manipulierten Gen-Stämmen der Krieger-Clans kommunizieren konnten. Kommunizieren im Sinne des einen Befehls: „Starte Selbstzerstörung der Körper aller, die auf mein Kommando hören.“ Organisatorisch gehörte dazu natürlich die Erfassung der neugeborenen Krieger und auch die der neugeborenen Herrscher, sowie die Zuordnungstabellen, wessen Gen-Codes auf Krieger-Seite auf wessen Implantate auf Herrscher-Seite hörten. Diese Datenbanken waren natürlich schwer gesichert, sie waren die Lebensversicherung der Herrscher-Kaste, gewissermaßen das Allerheiligste.

Der Weg in dieses System war ein langer Weg. Er war nur mit sehr viel Geduld und Zeit zu gehen. Der erste Schritt war bereits die Unterwanderung der Krieger-Kaste, die ohnehin notwendig war, um an bestimmte Informationen und bestimmtes Material zu gelangen. Der nächste Schritt war, zu lernen wie ein Krieger zu leben, zu handeln, zu denken, und natürlich – wie ein Krieger auszusehen. All das war ebenfalls Bestandteil der Unterwanderung der Krieger.

Die Krieger-Kaste bestand nicht nur aus aktiven Kämpfern, deren Aufgabe es war, die Herrschenden zu schützen, sondern natürlich auch aus Kindern und Heranwachsenden, die noch in der Ausbildung waren und Senioren, die ihre aktive Zeit hinter sich hatten. Zudem waren nicht alle Frauen Mütter, die sich um den Nachwuchs kümmerten. Manche zogen es vor, das Training (welches exakt dasselbe Training war, das auch die Männer durchführten und mit denselben Prüfungen endete, die auch die Männer zu bestehen hatten) zu absolvieren und ebenfalls aktive Kämpferinnen zu werden. Auf der anderen Seite gab es auch Männer, die nicht zu Kämpfern wurden, sondern als Fürsorger für die ältere oder die jüngere Generation arbeiten.

Dass es auch Kriegerinnen gab, war ein wichtiger Punkt für die Unterwanderung der Herrscher-Kaste und insbesondere die der Denker. Die besten und erfolgreichsten Frauen, die bei den Kriegern bereits erfolgreich als Spioninnen gedient hatten, wurden in ein spezielles Ausbildungsprogramm genommen. Alleine diese Programm war auf zwei Generationen ausgelegt, bei denen die erfahrenen Spioninnen all ihr Wissen an eine jüngere Generation weitergaben. Zusätzlich genoss die neue Generation die beste Ausbildung in den Naturwissenschaften, Computertechnologie und auch in den schönen Künsten, die es jemals in der Kaste der Arbeiter und Bauern gegeben hatte. All das war nötig, um das nächste Ziel zu verfolgen: Die Herrscher-Kaste von innen anzugreifen, ohne dass sie es merkte.

„Von innen angreifen“ war in diesem Plan doppeldeutig: Neben der naheliegenden Bedeutung gab es noch die wörtliche Bedeutung. Denn nachdem die falschen Kriegerinnen (auch hier gab es natürlich redundante Einzeloperationen, die voneinander komplett unabhängig abliefen) erst einmal mit den Waffen der Weiblichkeit die richtigen Personen unter den Reihen der Herrscher identifiziert und infiltriert hatten, begann der Plan, Früchte zu tragen. Nach sehr langwieriger, behutsamer und aufopferungsvoller Arbeit öffneten sich nach und nach die Türen der verschiedenen Sicherheitsschichten zum Allerheiligsten der Herrscher-Kaste: zu den Biomonitoring-Protokollen.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 40

Er selbst würde den voraussichtlichen Kollaps des Systems nicht mehr miterleben, das war ihm klar. Aber was wäre mit seinen Nachkommen? Wenn jetzt nicht die Weichen gestellt würden, sähe die Zukunft für die kommenden Generationen rabenschwarz aus. Und so entschied er sich, seine Erkenntnisse mit den Oberhäuptern von zwei befreundeten Familien zu teilen.

Zunächst einmal wollten beide von seinen Überlegungen nichts wissen und wiesen alles als Schwarzseherei und Hirngespinste weit von sich. Als dann aber wenig später wieder einmal noch modernere Maschinen kamen, die noch mehr menschliche Arbeitskräfte einsparten und gleichzeitig die Ernteerträge noch weiter zurückgingen, wurde den beiden Freunden doch mulmig zumute, und man berief ein weiteres Treffen ein. Dies war die Geburtsstunde für den Geheimbund, der das Ziel hatte, die Herrscherkaste zu stürzen.

Dabei war eines klar: Die ganze Operation würde mit allerhöchster Vorsicht und sehr viel Geduld ablaufen müssen. Viel war zu bedenken und zu planen: Mitverschwörer waren zu rekrutieren, die Kaste der Krieger musste unterwandert werden, Waffen zu besorgen, Konzepte und Strategien waren zu entwickeln, um diese Pläne schrittweise durchzuführen und um sie von Generation zu Generation weiter zu geben. Die lange Vorbereitungszeit war ein Sicherheitsaspekt des Planes.

Wenn einzelne Operationen, etwa der Diebstahl von Komponenten für Waffen, mit großem, zeitlichen Abstand aufflögen, würde sie niemand miteinander in Beziehung setzen. Ein weiterer Sicherheitsaspekt war, dass einzelne Gruppen, die verschiedene Aufgaben im Geheimbund verfolgten, nichts voneinander wussten. Außerdem waren sämtliche Teams komplett redundant, auch diese Tatsache, die zu den grundlegenden Maximen des Mehrgenerationen-Plans gehörte, war den Teams selbst nicht bekannt. Sollte ein Team scheitern und auffliegen, so sähe es für die Krieger so aus, als hätten sie eine ganz große Verschwörung aufgedeckt. Sie würden sich in falscher Sicherheit wiegen, alles unter Kontrolle zu haben, ohne zu ahnen, dass sie allenfalls die Spitze des Eisberges entdeckt hatten. Und jedes Team arbeitete ohne das Wissen um Plan B mit der allergrößten Motivation, auf jeden Fall ihren einzigartigen und unverzichtbaren Beitrag zum Gelingen der Gesamtoperation beizutragen.

Dass die Kaste der Arbeiter und Bauern nur wenig Berührungspunkte mit der Kaste der Krieger (und fast gar keine mit der Kaste der Herrscher) hatten, war zugleich von Vor- und Nachteil. Einerseits bedeutete das, das man nur schwer an bestimmte Materialien heran kam, die für den Plan benötigt wurden. Andererseits war dadurch das Risiko, dass der Plan in seiner Gesamtheit jemals entdeckt würde, sehr gering.

Und doch gab es Berührungspunkte wie Ersatzteillieferungen für die Erntemaschinen oder umgekehrt die Lieferung von Nahrungsmitteln und anderen Gütern an die Krieger, die ihrerseits auch als Zwischenstation auf dem Weg des Warenstroms zu den Herrschern fungierten. Auch die Krieger hatten Schwachstellen, zumindest einige von ihnen, und auch Arbeiter und Bauern hatten zuweilen hübsche Töchter, die in der Lage waren, den Machismo, die Arroganz und Überheblichkeit der Krieger zu ihrem Vorteil auszunutzen. Dabei kam ihnen eine Droge auf pflanzlicher Basis zu Hilfe. Diese ließ die Krieger, nach unwissentlichem Konsum derselben, zum einen in ihrer Vorsicht und Wachsamkeit stark nachlassen, zum anderen steigerte sie das Genussempfinden und zum dritten ließ sie die Erinnerung an den Zeitraum unmittelbar nach Einnahme des Mittels verblassen. Was immer passierte, die Krieger wussten hinterher nur noch, dass sie eine triumphale Eroberung gemacht und heldenhaft ihren Mann gestanden hatten. An so unwichtige Details, dass sie einen Magnetfeldgenerator oder ein Kühlaggregat herausgegeben und anschließend die Inventarliste manipuliert hatten, erinnerten sie sich nicht mehr.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 39

Andererseits… Vor fünf Generationen erkannte einer der Angehörigen aus der Kaste der Arbeiter und Bauern ein Problem. Die Automatisierung der Nahrungsmittelproduktion stieg. Vor vielen Generationen hatten die Bauen noch mit Zugtieren die Äcker gepflügt, inzwischen hatten die Denker unter den Herrschern Motoren und Maschinen entwickelt, mit denen die Bauern die Äcker schneller pflügen konnten. Zuerst war das etwas Gutes gewesen. Es wurde viel mehr Nahrung produziert, Hungersnöte gehörten der Vergangenheit an, und auch die Kaste der Bauern hatte gut gelebt. Doch die Maschinen waren immer durchdachter, immer effizienter, immer schneller geworden. Und damit brauchte es immer weniger Menschen, um sie zu bedienen, während die Ernteerträge förmlich explodierten und die Maschinen immer komplizierter wurden. Nur die schlausten der Bauern konnten sie noch bedienen. Diejenigen, die es nicht konnten, stumpften ab und fühlten sich nutzlos. Ohne Beschäftigung verloren sie ihren Lebenssinn, viele ihren Lebensmut, und nicht wenige ließen ihre Frustration an ihren Frauen und Kindern aus. Die Suzid-Rate stieg dramatisch an.

Gleichzeitig wurden die Böden immer schlechter. Die übermäßig hohe Belastung mit künstlicher Bewässerung, künstlicher Bestrahlung und künstlicher Düngung laugte die fruchtbaren Ebenen aus. Die Kaste der Herrscher und die Denker unter ihnen interessierte das nicht. Sie lebten in Saus und Braus und ihrer Selbstherrlichkeit als Schöpfer aller Dinge. Die Welt der Bauern interessierte sie nicht. Hauptsache, sie hatten im Übermaße zu essen, und die Arbeiter und Bauern … nun, wer brauchte die auf Dauer denn eigentlich noch? Wenn die Automatisierung abgeschlossen wäre, würde Anbau und Ernte vollautomatisch ablaufen, die Maschinen würden sich selbst warten und reproduzieren, und die Arbeiter und Bauern wären nicht mehr vonnöten. Damit wäre dann auch das Ernährungsproblem gelöst.

Genau das erahnte ein ungewöhnlich heller Kopf unter den Arbeiten und Bauern aber eben auch. Warum, so dachte er, würden sich die Herrscher auf Dauer überhaupt noch die Mühe machen, die niederen Bauen noch weiter in ihrem System zu dulden? Wozu wären sie noch nütze, wenn alles, was sie brauchten, von Maschinen hergestellt würde, die viel einfacher zu kontrollieren waren? Er durchdachte alles mehrere Male und besorgte sich alles, was an veraltetem Ausbildungsmaterial über Agrartechniken und deren Geschichte zu bekommen war. Dazu gehörten auch Ernteerträge verschiedener Nutzpflanzenarten, die über mehrere Jahre nahezu exponentiell gewachsen waren um später wieder, aufgrund der ausgelaugten Böden, langsam zurück zu gehen. Auch konnte er Einsicht in die Entwicklung der beteiligten Bauern, die nötig waren, um eine bestimmte Fläche zu bestellen, gewinnen. Auf diese Art konnte er die Entwicklungen grafisch darstellen, Kurven zeichnen und prognostizieren, wann erstens die Erträge nicht mehr ausreichen würden, um alle Arbeiter und Bauern ausreichend zu versorgen und zweitens Arbeiter und Bauern womöglich auch gar nicht mehr benötigt wurden.

Interessanterweise war das sogar annähernd zum selben Zeitpunkt und in nicht allzu ferner Zukunft der Fall.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 38

TEIL B

Ca. 12,8 Mrd. Jahre vorher, irgendwo in der Großen Magellanschen Wolke
Der Attentäter kauerte in seinem Versteck und wartete auf den Augenblick, der die Geschichte für immer verändern würde. Den Augenblick, der seit mehreren Generationen vorbereitet worden war, seitdem seine Vorgänger entschieden hatten, dass die Herrschaft der Autokraten ein Ende haben müsse. Sie hatten den Geheimbund gegründet, dessen Ziel es war, dem Volk die Herrschaft über die besiedelten Welten wiederzugeben. Seit über hundert Generationen herrschte die Kaste der Autokraten über die Geschicke des Volkes, dessen einziger Existenzgrund aus Sicht der Herrscher im Dienst und in der Anbetung ihnen gegenüber bestand.

Die einzigen, die dem Herrscher und seiner Familie nahe standen, waren Angehörige der Kaste der Krieger, deren Existenzgrund darin bestand, die Herrschenden vor jeder Gefahr, die von den Beherrschten ausgehen mochte, zu bewahren. Dafür genoss die Kriegerkaste ähnliche Privilegien wie die Herrschenden selbst. Vor allem aber gab es für die Herrschenden einen ausgeklügeltes, biotechnisches Sicherheitssystem. Den Neugeborenen der Herrschenden wurde stets ein Biomonitor implantiert, der alle Körperfunktionen des neuen Mitglieds der Herrscherkaste lebenslang überwachte. Die verschiedenen Clans der Kriegerkaste trugen einen manipulierten Genstamm in sich, der von Generation zu Generation weitervererbt wurde. Je nach Clan enthielt das Erbmaterial einen unterschiedlichen Aktivierungscode. Sollte ein Biomonitor eines Mitglieds der Herrscherkaste beim Ableben von dessen Träger diagnostizieren, dass der Tod gewaltsam herbeigeführt worden war, sendete das Gerät ein codiertes Signal, welches durch das weltweite Kommunikationssystem weitergeleitet wurde. Zuletzt würde mit dem Signal als akustische Welle jenseits des hörbaren Bereichs die Aktivierungssequenz an die Ohren der betroffenen Clanmitglieder gelangen.

Die codierten Gene in jeder Körperzelle der Betroffenen würden das Signal als Aktivierungssequenz erkennen und augenblicklich damit beginnen, das Immunsystem des Körpers zu manipulieren. Gesundes Körpergewebe würde als Krankheitserreger registriert und bekämpft werden, eine Autoimmunerkrankung im großen Stil, ein teuflischer Selbstzerstörungsmechanismus. Das Wissen um die Details dieses Sicherheitssystems war der Kriegerkaste natürlich nicht bekannt, sehr wohl jedoch das Grundprinzip und die schrecklichen Auswirkungen. Seit vielen Generationen war kein Mitglied der Herrscherkaste mehr gewaltsam gestorben.

Aber vor langer Zeit hatte es einmal einen Fall gegeben, bei dem Angehörige eines Clans selbst nach der Macht gegriffen hatten. Mit dem Tod des ihnen Anbefohlenen starben nicht nur die Angreifer, sondern ihre komplette Familie mit sämtlichen Nachkommen nach stundenlangem Leid einen grausamen Tod. Dieses ebenso geniale wie teuflische System sorgte sowohl dafür, dass die Hüter der Herrschenden nicht zu deren Mördern wurde als auch dafür, dass die Kriegerkaste das Wohlergehen der Herrscher behüteten wie ihr eigenes. Diese Umstände, wie auch das priviligierte Leben, welches die Krieger führten, sorgten dafür, dass niemand auf dumme Gedanken kam. Und das einfache Volk hatte nicht die Ressourcen, um die Krieger zu überwinden und den Herrschenden auch nur zu nahe zu kommen. Zumindest war es so immer gewesen und so würde es immer sein.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 37

Ein Jahr später
Am Ende war fast alles so gelaufen, wie Andrew es sich vorgestellt hatte. Er hatte die Münze dem Volk des Vereinigten Königreiches geschenkt, allerdings mit einem Satz an Bedingungen. Dazu gehörte, dass er selbst völlig anonym bleiben wollte, denn er hatte weder Lust auf Presserummel, noch auf pilgernde Hobby-Ufologen, die zwischen seinen Dahlien herumtrampelten. Eine weitere Bedingung war, dass die Münze über 100 Jahre nicht zu veräußern sei, nach Ablauf dieser Zeit wäre der Verkauf nur nach einer positiven Volksabstimmung möglich. Ferner wurde auf seine Bedingungen hin ein bescheidenes Gebäude in Cambridge errichtet, in dem die Münze für jeden zu besichtigen war, der ein moderates Entgelt entrichtete. Die Erlöse wurden dazu verwendet, das Gebäude, das Personal und die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen zu unterhalten.

Natürlich wurde die Ausstellung, die auch Bilderwände und Erklärungstafeln enthielt, welche zeigten bzw. erklärten, welchen Weg die Münze durch die Labore der Welt genommen hatte und was dabei herausgekommen war, auch ausgiebig in den Medien behandelt. In der Pressemitteilung stand über die Herkunft der Münze dasselbe wie auf den Erklärungstafeln der Ausstellung: „Von einem anonymen Finder auf dem britischen Festland aufgefunden.“ Die Besucher der Ausstellung waren hauptsächlich die Einwohner von Cambridge, natürlich ebenfalls die vielen Studenten, Touristen und natürlich Ufo-Gläubige und Science-Fiction-Fans aus aller Welt.

Im Internet entstanden in Windeseile abstruse Verschwörungstheorien. Eine der kreativsten war die Überzeugung, bei der Münze handle es sich in Wirklichkeit um ein miniaturisiertes Raumschiff, in dem winzige, intelligente Wesen sich auf einer Aufklärungsmission befanden. Im Rahmen der Ausstellung würden diese genauso interessiert auf die Besucher blicken, wie die Besucher die Münze bzw. das Mini-Raumschiff ansahen. Die kleinen Bohrungen am Münzrand seien die Beobachtungsluken, hinter denen die Außerirdischen sich geduldig ihren Studien widmeten. Eines Tages würde das kleine Schiff lautlos starten, weniger lautlos das Dach durchbrechen und in den Tiefen des Alls verschwinden. Später erschien sogar ein Roman, der auf dieser Idee basierte.

Nicht alles war nach Andrews Geschmack verlaufen. So hatte er zum Beispiel vor der Eröffnung der Ausstellung eine Einladung von der Queen persönlich in den Buckingham-Palast erhalten, die ihm höchstselbst für sein Geschenk an das Volk des Vereinigten Königreichs danken wollte. Andrew war kein Royalist, aber den Termin abzusagen kam für ihn dennoch nicht infrage, es wäre ihm allzu unhöflich erschienen. Also kaufte er sich einen neuen Anzug und stieg auf der Air Force Base in den bereitstehenden Helikopter, um mitsamt Münze und Sicherheitsteam zu QE2 geflogen zu werden, wo er der betagten, aber dennoch rüstigen Dame die Münze höchstpersönlich überreichte. Immerhin erfolgte der Besuch unter absolutem Ausschluss der Öffentlichkeit.

Als der größte Rummel sich schließlich gelegt hatte, besuchte Andrew wie ein ganz normaler Bürger erstmals die Ausstellung. Das Gebäude, welches nicht weit vom Gebäudekomplex des Cavendish Laboratory errichtet worden war, war klein, schmucklos und hatte keine Fenster. Nachdem Andrew sich ein Ticket gekauft hatte, betrat er den Ausstellungsraum. In der Mitte des Raumes stand ein großer Kasten aus Panzerglas, in dessen Mitte die Münze in der Luft schwebte und sich langsam um ihre Hochachse drehte. Unter Ausnutzung der besonderen, elektromagnetischen Eigenschaften war es technisch einfach gewesen, die Münze trotz ihrer vergleichsweise hohen Masse durch ein rotierendes Magnetfeld schweben und sich drehen zu lassen. Andrew betrachtete die kleine Metallscheibe fasziniert, als sähe er sie zum ersten Mal. Über dem Glaskasten stand in großen Lettern ein Satz, der seine Idee gewesen war. „WE WILL NEVER KNOW“.1

ENDE (Teil A)
1Wir werden (es) niemals wissen
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Die Münze – Teil 36

26. September 2022, 06:35 PM, Portreath, England
Andrew beendete gerade den Abwasch nach seinem Abendessen, als das Telefon klingelte. Er wischte sich die Hände am Geschirrhandtuch trocken und angelte sich den Hörer des Küchentelefons von der Wand. Nachdem er sich gemeldet hat, drang eine bekannte Stimme aus der Hörmuschel: „Hier spricht Vice Admiral Moore.“ „Oha, hatte man den gestrandeten, alten Seebären am Ende doch tatsächlich noch befördert. Gut für ihn.“, dachte Andrew. Er hatte lange nichts mehr von Moore gehört. Anfangs hatte sich der Rear Admiral noch ein paarmal wie versprochen gemeldet und ihn inoffiziell über den Verbleib der Münze informiert, doch seitdem das geheimnisvolle Objekt seine Reise durch die Labore in aller Welt angetreten hatte, wusste Moore nichts mehr zu berichten.

Andrew hatte sich längst wieder in seinen überschaubaren Alltag mit Einkauf, Hausarbeit, Gartenarbeit, einem gelegentlichem Besuch im Pub oder im Kino und ein wenig Bastelei mit Holz eingefügt. Anfangs hatte er noch gelegentlich mit Mr. Jameson ein Bier getrunken und über die Angelegenheit gesprochen, doch diese Treffen wurden immer seltener und hörten schließlich ganz auf, als der Gesprächsstoff zu dem Thema am Ende mehrere Mal wiedergekäut worden war und nichts Neues mehr hinzukam. Sein kurzes Abenteuer vor fünf Jahren hatte er gedanklich zu den Akten gelegt, nur noch ganz selten kam ihm die seltsame Münze in den Sinn. Der größte Teil der meist spekulativen Berichterstattung in den Medien war an ihm vorbei gegangen.

Doch nun hatte er Vice Admiral Moore am Apparat. „Was gibt es Neues?“, fragte Andrew wissbegierig. „Ich würde das am liebsten persönlich mit Ihnen besprechen.“, antwortete Moore. „Passt es Ihnen morgen abend?“ „Sie machen es aber spannend. Aber in Ordnung, morgen Abend passt mir. „Gut, wir kommen gegen acht.“, entgegnete der Offizier knapp. „Wir?“, fragte Andrew. „Wundern Sie sich bitte nicht, dass ich wieder von einigen Schwerbewaffneten begleitet werde. Die sind diesmal nicht dazu da, Sie einzuschüchtern, sondern zu unser beider Schutz.“ „Wieso benötige ich Schutz?“, antwortete Andrew, aber es klickte in der Leitung. Der Vice Admiral hatte aufgelegt.

27. September 2022, 08:01 PM, Portreath, England
Das lauter werdende Röhren schwerer Dieselmotoren durchbrach die Stille am abendlichen Lighthouse Hill. Andrew ging in die Küche und spähte durch die Gardine des Fensters zur Straße. Mehrere Geländefahrzeuge der Armee standen an der Straße. Alsbald quollen über zwanzig Männer mit Sturmgewehren und Tarnkleidung heraus und verteilten sich um das Haus herum. Bei dem Anblick wurde Andrew für einen Moment trotz der Ansage des Vice Admirals mulmig zumute. Doch dann sah er Moore selbst, in Begleitung von vier Bewaffneten auf seine Haustür zumarschieren. Das bieder anmutende „Ding-Dong“ der Türklingel stand in einem bizarren Widerspruch zu dem Ambiente in seinem Garten, welches eher an einen Kriegschauplatz oder wenigstens einen Actionfilm erinnerte. Nun denn. Andrew öffnete die Haustür und bat den Vice Admiral und seine Männer herein. Tee und Kekse standen in der Küche schon bereit, und Andrew bat den Offizier, am Küchentisch Platz zu nehmen. „Alles schon einmal dagewesen.“, dachte er, als er Moore eine Tasse Tee eingoss.

Der Vice Admiral griff in seine Manteltasche und legte ohne Umschweife eine Metallschatulle auf den Tisch und klappte sie auf. Im Inneren lag in einer Vertiefung einer Schaumstoffpolsterung die Münze. „Nicht dass sie dieses Schaumstoffpolster irgendwie nötig hätte.“, knurrte Moore. „Im Verlaufe der diversen Versuche, die in den vergangenen fünf Jahren mit ihr gemacht wurden, hat sich herausgestellt, dass sie praktisch unzerstörbar ist. Selbst wenn unmittelbar neben ihr eine Nuklearwaffe detonierte würde, trüge sie keinen Kratzer davon.“ Ehrfürchtig streckte Andrew die Hand aus „Darf ich?“, fragte er fast schüchtern. Moore griff nach seiner Aktenmappe, zog ein Blatt Papier hervor und legte es vor Andrew hin, der unten seine eigene Unterschrift erkannte. Es war das Papier, welches er bei Moores letztem Besuch vor fünf Jahren unterschrieben hatte. „Selbstverständlich dürfen sie. Ist schließlich Ihr Eigentum.“, ermutigte der Vice Admiral. Andrew nahm die schwere Schatulle in die eine Hand, kippte sie und ließ sich die schwere Münze in die andere Hand fallen. „Wirklich?“, fragte er erstaunt. „Ich hatte angenommen, das Papier sei nur eine Farce, und ich sähe die Münze nie wieder.“ „Hätte das Objekt irgendeinen praktischen Wert, so wäre es vielleicht so gekommen. Aber da sich der praktische Nutzen des Gegenstandes auf die Funktion als Türstopper oder Briefbeschwerer beschränkt, hat man sich schließlich entschieden, dass britisches Recht britisches Recht bleibt. Sie haben das Objekt auf Ihrem eigenen Grundstück gefunden, es ist Ihres.“

Andrew wog die Münze in seiner Hand. „Es gibt eine neue, recht spektakuläre Erkenntnis bezüglich des Objekts.“, holte der Vice Admiral nach einem ausgiebigen Schluck aus seiner Teetasse aus. „Nach gründlichen Forschungen und Berechnungen unterschiedlicher Teams hat man das Alter des Objekts herausgefunden. Demnach ist es mehr als doppelt, sogar fast dreimal so alt wie unser Sonnensystem. Über 12 Milliarden Jahre alt, um eine Zahl zu nennen. Das ist mehr als alles andere ein Beweis dafür, dass das Objekt nicht von hier stammt.“ Andrew blickte sprachlos auf die Münze in seiner Hand und schluckte. „Wir wissen das erst seit gestern, es wird aber nicht lange dauern, bis die Medien sich über diese Sensation hermachen. Das Thema köchelt immer wieder auf kleiner Flamme in der Boulevard-Presse, in zweifelhaften Wissenschaftsmagazinen im Fernsehen und natürlich im Internet vor sich hin. Vieles davon ist absoluter Schwachsinn, aber nicht alles. Einige der Wissenschaftlicher, die mit dem Objekt zu tun hatten, haben wohl nicht dicht gehalten. Wie auch immer, ich wollte Sie persönlich über diese Entwicklung informieren, daher die Eile.“

Andrew schwieg weiterhin. Moore fuhr fort: „Über die Implikationen wurde und wird natürlich viel geredet, das ist ja selbstverständlich. Die Fachleute sind sich einig, dass das Objekt nicht auf natürlichem Wege so entstanden ist, also wurde es gefertigt. Von offenbar intelligenten Wesen, die nicht von unserem Planeten stammen. Damit wäre die Frage, ob es intelligentes Leben da draußen gibt, oder vielmehr, gab, geklärt.“ „Wieso gab?“, warf Andrew ein, beantwortete sich aber dann seine Frage selbst: „Ach so. Wenn die Münze vor über 12 Milliarden Jahren hergestellt wurde, dann ist die Zivilisation, aus der sie stammt, womöglich seit Milliarden von Jahren Vergangenheit.“ „Viele, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben, halten das für sehr wahrscheinlich. Um welche Sonne auch immer der Planet, von dem Ihr Objekt stammt, kreiste, sie existiert wahrscheinlich längst nicht mehr. Vielleicht hat sich die Spezies auch schon Milliarden Jahre zuvor selbst vernichtet, so wie es uns vielleicht auch ergehen könnte. Aber das kann niemand wissen. Vielleicht ist man auch zu anderen Sternen aufgebrochen und siedelt noch immer irgendwo da draußen.“ Andrew blickte die Münze immer noch verklärt an.

„Eines muss Ihnen klar sein.“, sagte der Vice Admiral schließlich, nachdem er seine Teetasse geleert hatte. „Auch wenn der praktische Wert des Objektes gleich Null ist, so ist es doch das Einzige seiner Art auf diesem Planeten, somit ist sein ideeller Wert gigantisch. Mit der offiziellen Bestätigung von Fachleuten und einem entsprechenden Medienecho werden Ihnen einige Leute, die es sich leisten können, zig oder gar hunderte Millionen Pfund dafür bieten, ob es nun eine Münze ist oder nicht. Deswegen übrigens auch die Schutztruppe, ginge die Mona Lisa jemals auf Reisen, würde sie mindestens ebenso scharf bewacht.“

Andrew schluckte und runzelte die Stirn. Er dachte einen Augenblick nach. „Wissen Sie, Geld interessiert mich einfach nicht so besonders. Ich habe alles, was ich brauche, und ich beabsichtige nicht, mich zu bereichern um anschließend in Dekadenz zu verfallen.“, sagte er schließlich und befürchtete, der Vice Admiral würde ihn umgehend in die Schublade stecken, die dieser für Vollidioten bereithielt. Stattdessen musterte Moore ihn mit unverhohlenem Respekt und entgegnete „Gut. Was haben Sie dann im Sinn? Möchten Sie das Objekt einfach behalten? Es könnte schwierig werden, Ihre Sicherheit und die des Gegenstands zu gewährleisten, ohne dass Ihre Freiheit dabei beeinträchtigt wird.“ „Ich habe da etwas anderes im Sinn.“, antwortete Andrew.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 35

Nachdem Politik und Militärs zunehmend das Interesse verloren hatten und die Münze in der wissenschaftlichen Gemeinschaft angekommen war, änderte sich die Sichtweise auf das Objekt. Grundlagenforscher untersuchten die Münze aus der Perspektive des Wissens als Selbstzweck, der nicht von Pragmatismus, sondern von wissenschaftlicher Neugierde befeuert wurde. Und so wurde die längst überfällige Frage nach dem Alter des Gegenstandes gestellt. Herkömmliche Verfahren wie Radiokohlenstoff- oder Thermolumineszenz-Datierung schieden jedoch aus, da beides auf das unbekannte Material nicht anwendbar war. Ausgehend von der These, dass es sich bei dem Objekt um eine Münze handelte, waren klassische Münzdatierungsverfahren jedoch selbstverständlich genauso unbrauchbar, weil das Objekt nicht der Menschheitsgeschichte zuzuordnen war.

Daher blieb den Wissenschaftlern nichts anderes übrig, als mehr über die Materie zu lernen, aus der die Münze bestand. Nachdem die Experten im CERN bei den ersten Versuchen verständnislos und kopfschüttelnd auf ihre Monitore geblickt hatten, zogen die kreativsten Köpfe am Ende doch richtige Rückschlüsse und folgten der sinnbildlichen Spur von Brotkrümeln aus den Daten des großen ATLAS-Detektors. Jahrelang wurden Versuche umgebaut, mit Kollegen aus aller Welt diskutiert, experimentiert, analysiert und wieder experimentiert. Schließlich wurde eine falsifizierbare Methode zur Altersbestimmung gefunden, die von verschiedenen, internationalen Teams immer wieder geprüft und schließlich von allen als valide bezeichnet wurde. Das Ergebnis, welches immer und immer wieder überprüft wurde, sandte Schockwellen des Staunens durch die wissenschaftliche Welt.

Die Versuche der Wissenschaftler liefen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Dennoch war die Geheimhaltung verglichen mit der Sicherheit, unter der die inneren, von Geheimdiensten und Militärs überwachten Kreise der britischen Wissenschaftler agierten, weitaus weniger gewährleistet, zumal der Kreis der eingeweihten Personen stetig wuchs. Und so bekamen natürlich auch die Medien Wind von der Sache. Zuerst waren es die Boulevard-Blätter, die noch mit Fragezeichen versehene Titel wie „Alien-Objekt aufgetaucht?“ oder „Münze aus dem Weltall?“ brachten. Als die Hinweise sich verdichteten, erschienen Artikel in populärwissenschaftlichen Magazinen, und schließlich beschäftigten sich auch die Wochen- und Tageszeitungen mit der Münze.

Schließlich tagte in London eine Runde, die aus der britischen Premierministerin, anderen Mitgliedern der Regierung, wissenschaftlichen Beratern und einem Kreis internationaler Wissenschaftlern bestand. Man hatte sogar auch Professor MacIntyre aus Cambridge eingeladen, weil er sich als erster dem Objekt wissenschaftlich genähert hatte. Er war zuvor irgendwann wieder in den „Kreis der Eingeweihten“ aufgenommen und von Kollegen aus aller Welt um seine geschätzte, fachliche Meinung zu Verfahren und Analysen gefragt worden. Man hatte beschlossen, dass er derjenige war, dem die Ehre gebührte, das offizielle Ergebnis der Altersbestimmung bekannt zu geben.

Nachdem einige seiner Kollegen eine sorgfältig erwogene, möglichst verständliche Darstellung der Versuchsreihen anhand von einem Beamer an die Wand geworfenen Grafiken vorgetragen hatten, ergriff MacIntyre das Wort. „Frau Premierministerin, sehr verehrte Repräsentanten der Regierung, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, es ist mir eine Ehre, Ihnen allen das Ergebnis der Altersbestimmung des Objektes vorzutragen. Dieses Ergebnis wurden von vielen der Anwesenden, aber auch von noch sehr viel mehr weiteren Experten in aller Welt geprüft, nachgerechnet, und wieder geprüft – natürlich so weit wie möglich unabhängig voneinander. Wir sind überzeugt, dass dieses Ergebnis valide ist. Das Alter des Objektes beträgt in etwa 12,5 Milliarden Jahre, mit einer Toleranz von etwa plus/minus 100 Millionen Jahre. Es ist damit rund acht Milliarden Jahre älter als unsere Sonne.“

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 34

5 Jahre später
Die Münze war ganz schön herumgereicht worden. Zunächst hatte Rear Adminral Moore seinen direkten Vorgesetzten informiert, der ihn für seine „vorwitzigen Aktionismus“ gerüffelt hatte. Ein paar Tage später, als die Münze längst unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen an einen noch geheimeren Ort gebracht worden war, erhielt Moore einen Anruf vom Vorgesetzten seines Vorgesetzten, der den Rüffel revidierte und ihn ob „seiner vorbildlichen Eigeninitiative und seines beherzten Handelns“ lobte.

Nachdem die Kunde vom ungewöhnlichen Objekt sich durch die Hierarchien von Militär und Geheimdiensten hochgearbeitet hatte und verschiedene Teams von Wissenschaftlern unabhängig voneinander bestätigt hatten, dass man es hier mit etwas wirklich Einzigartigem zu tun hatte, wurde schließlich die Premierministerin vom Verteidigungsminister eingeweiht. Sie ließ sich über die möglichen Auswirkungen berichten und bestand darauf, die Münze mit eigenen Augen zu besichtigen, was sich für sie am Ende als enttäuschend unspektakulär herausstellte. Dann ordnete sie an, das Objekt unter höchster Geheimhaltung weiter von den besten Wissenschaftlern und mit dem besten Gerät des Landes zu untersuchen, insbesondere in Hinblick auf die Möglichkeit, die Materialien, aus denen die Münze bestand, irgendwie reproduzieren zu können.

Wenig später erhielt die Premierministerin einen Anruf des US-Präsidenten. Dieser informierte sie in seiner berüchtigten, wenig diplomatischen Art darüber, dass man Kenntnis von dem „Objekt nicht von dieser Welt“ hätte, und dass die „Cousins“ doch bitte ihre Erkenntnisse mit dem großen Partner auf der anderen Seite des Atlantiks zu teilen hätten. Die Staatschefin gab sich unwissend, versprach aber, sich umgehend zu informieren, ob da womöglich etwas im Busch sei. Sie kannte den Präsidenten von einigen Begegnungen und hatte sich längst ein psychologisches Profil erstellen lassen, was ihr dabei half, rethorisch und taktisch geschickt im Gespräch zu agieren. Sie konnte den mächtigsten Mann der Welt schließlich überzeugen und versprach, ihn auf dem Laufenden zu halten. Nachdem sie aufgelegt hatten, ordnete sie über gewisse, der Öffentlichkeit unbekannte, Kanäle eine umfassende Sicherheitsuntersuchung der Geheimdienste ihres Landes an, was sich zu einer soliden Affäre auswuchs und einige Beamte im Apparat veranlasste, von ihren Ämtern zurückzutreten.

Die Monate vergingen, und die besten Wissenschaftler fanden mit dem besten Gerät, welches das Vereinigte Königreich zu bieten hatte, wenig mehr über die Münze heraus. Allerdings war man sich einig, dass es niemals gelingen würde, die Materialien, aus denen die Münze bestand, jemals zu künstlich zu reproduzieren. Nachdem die eingeweihten Spitzen der Geheimdienste, des Militärs und der Regierung das Thema eine Weile erörtert hatten, verloren sie zunehmend das Interesse. Doch nachdem die Münze immer wieder als Tagesordnungspunkt auf den Sitzungsprotokollen auftauchte, ließ die Premierministerin schließlich nach einer abschließenden Präsentation aller bisherigen Erkenntnisse darüber abstimmen, ob man die absolute Geheimhaltung nicht aufgeben und eine internationale Zusammenarbeit zur weiteren, wissenschaftlichen Untersuchung anstreben solle. Durch die Überzeugung, dass die Münze ohne die Möglichkeit der Reproduktion dem Vereinigten Königreich weder wirtschaftliche, noch militärische Vorteile verschaffen würde, gab es schließlich eine Mehrheit für die internationale Zusammenarbeit.

Im Verlauf der folgenden Jahre reiste die Münze – nach wie vor unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen – um die Welt und landete auf unzähligen Labortischen. Sie wurde in Säuren und Basen getaucht, mit Strahlen und beschleunigten Elementarteilchen beschossen und den höchstmöglichen, im Labor erzeugbaren Temperaturen und Drücken ausgesetzt. Obwohl man im Vorfeld wusste, dass es aufgrund der unglaublichen Dichte des Materials kaum möglich sein würde, die Münze mit spanenden Methoden zu bearbeiten, versuchte man natürlich dennoch, mit den härtesten und besten Bohrern der Welt, winzige Bohrkerne für weitere Untersuchungen zu gewinnen. Natürlich endeten diese Versuche mit dem zweifelhaften Erfolg, ein paar sündhaft teure Bohrer ruiniert zu haben.

Schließlich gelang es der internationalen, wissenschaftlichen Elite immerhin, ein wichtiges Geheimnis der Münze aufzudecken.

Fortsetzung folgt…

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