Die Münze – Teil 23

Zwei Monate vorher
Am Ende des vergangenen Semesters war Joseph mit ein paar Freunden auf einem Rockfestival in London gewesen. Natürlich mit Zelt, viel Bier, Regen, Schlamm und all dem, was so dazugehört. Ein Laptop gehörte eindeutig nicht in diese Kategorie. Nach dem Festival hatte er geplant, noch seine Eltern zu besuchen, die südlich von London in Croydon wohnten. Da er wusste, dass er seinen eigenen Computer, der den Schlüssel für die Verbindung zu seinem Server hatte, nicht mitnehmen würde, trotzdem jedoch auf dem Computer seiner Eltern einen Blick auf seinen Server werfen wollte, hatte er die Verschlüsselung deaktiviert. Der Grund für den Zugriff auf seine gemietete Maschine war, dass sein Spionageprogramm unter anderem über Professor MacIntyres Zugang auch das Benotungssystem der Uni angezapft hatte. Er wollte einfach nur wissen, wie er im vergangenen Semester abgeschnitten hatte, und das so früh wie möglich. Denn es bereitete ihm einfach eine diebische Freude, seine Noten schon vor seinen Kommilitonen einsehen zu können, bevor sie offiziell abrufbar waren. Dabei kam er sich immer vor wie David A. Lightman, dem Protagonisten aus dem 80er-Jahre Hacker-Klassiker „Wargames“, der einer seiner Lieblingsfilme war. Allerdings würde er niemals Noten ändern, wie es die Filmfigur ebenso dreist wie erfolgreich praktizierte – das würde in der wirklichen Welt mit Sicherheit auffallen.

Wieder in seiner Studentenbude hatte er sich dann natürlich baldmöglichst in seinen Server eingeloggt, um die Verschlüsselung wieder zu aktivieren, als sein Smartphone vibrierte. Er sah hin – eine Whatsapp-Nachricht. Erstaunt riss er die Augen auf: Sie war von Sophie. Von der Sophie. Sie war sozusagen der fleischgewordene Traum aller Nerds – naja, eigentlich aller Männer mit hetero- oder bisexueller Einstellung. Sie war an ihrer Schule Jahrgangsbeste gewesen, hatte das Aussehen eines Models ohne jede Affektiertheit und ohne jemals Make-up anzurühren und war eine wandelnde Enzyklopädie in Sachen Science-Fiction und Fantasy. Wow! Sie wollte ihn zu einem Drink einladen, jetzt gleich! In Josephs Gehirn verschoben sich schlagartig sämtliche Prioritäten. Er fuhr seinen Computer herunter, denn alles andere konnte ja bis morgen warten, schnappte sich sein Rad und fuhr zu der Bar, wo Sophie schon auf ihn wartete.

Der Abend begann vielversprechend. Die beiden saßen draußen, genossen ihre Cocktails und plauderten ungezwungen über Star Wars, Star Trek, Herr der Ringe, Game of Thrones, Jule Verne, Asimov, Lem, Adams und Pratchett. Sophie lobte Josephs umfangreiches Wissen, lachte über Josephs Witze, lächelte viel und war überaus charmant. Und unglaublich attraktiv in ihrem kurzen Rock und dem schulterfreien Top. Joseph hatte alle Mühe, die Contenance zu wahren, insbesondere, als weitere Drinks folgten. Natürlich ließ er es sich nehmen, seinerseits Sophie einzuladen, die zwischenzeitlich meinte, sie müsse mal einen Gang herunterschalten und einfach ein Wasser bestellte. Schon da hätte bei Joseph theoretisch ein gewisser Wiedererkennungseffekt einsetzen können, aber er war dafür wahrscheinlich viel zu geflutet von Testosteron. Irgendwann drehte sich das Gespräch um das Thema Hacken, um Firewalls, Verschlüsselungsalgorithmen und Ports. Und als Sophie langsam anfing, über Möglichkeiten zu sprechen, rein theoretisch natürlich, einen Arbeitsplatzrechner eines der Professoren zu hacken, begann in Jospehs Kopf doch leise eine Alarmglocke zu läuten.

Das alleine hätte normalerweise nicht gereicht, um ihn zu retten. Dies tat dann ein wohlmeinender Freund, der – von Joseph, der nur Augen für Sophie hatte, bisher unbemerkt – mit einem Kumpel in derselben Bar saß und ihm eine Whatsapp-Nachricht schrieb. Joseph war gerade einmal kurz die jüngst zu sich genommene Flüssigkeit entsorgen gegangen, als es an seinem Gesäß vibrierte. Er zog das Smartphone aus der Tasche und las „Wußtest Du nicht, dass sie mit dem Captain der Schwimm-Mannschaft geht!?“. Joseph riss die Augen auf, schloss seinen Hosenstall und ging zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Trotz des bisher genossenen Alkohols war er noch einigermaßen in Lage, analytisch zu denken. Sophie hatte zwischendurch Wasser bestellt – wie er damals, als er sich den jungen Admin vorgenommen hatte! Sie hatte ihm immer nach dem Munde geredet, war zuvorkommend und charamant gewesen – genauso, wie er es sich gewünscht hat, und genauso, wie er seinerzeit mit dem Techniker umgegangen war! Langsam war sie dann auf sensible Themen zu sprechen gekommen. Nein, das konnte doch nicht sein, oder? War sein Freund nur neidisch und wollte er nur die sich sanft anbahnende Beziehung sabotieren? Joseph wollte das eigentlich gerne glauben, aber wenn er alles durchdachte, sah er ein anderes Bild. Joseph nahm sein Smartphone und tippte „Bist Du sicher!?“ an seinen Freund ein. Kurze Zeit später kam eine Antwort. Ein Foto. Es zeigte eine junge Frau in inniger Umarmung mit einem breitschultrigen, jungen Mann auf dem Campusgelände. Joseph erkannte die Örtlichkeit und vor allem den kurzen Rock und das schulterfreie Oberteil des Mädchens. Es war definitiv Sophie. Das Bild war heute aufgenommen worden!? Joseph wurde übel, und er übergab sich in das Waschbecken vor ihm.

Danach wollte er nur noch nachhause. Er kam sich so unendlich dumm vor! Dass er so naiv war! Dass er auf – im Prinzip – die gleichen Schachzüge hereinfiel, die er selbst so erfolgreich angewandt hatte! Dazu war er einfach unglaublich enttäuscht und deprimiert. Es war doch alles so verheißungsvoll gewesen!

Joseph nahm den Hinterausgang und fuhr nachhause, und den Rest der Nacht verbrachte er damit, alte Filme anzuschauen und dabei langsam eine dreiviertel Flasche Wodka in sich hineinlaufen zu lassen. Als er am nächsten Morgen aufwachte, hatte er einen mörderischen Kater und dazu einen Filmriss – er erinnerte sich barmherzigerweise nur bruchstückhaft daran, was am Abend zuvor alles passiert war. Zu den Erinnerungen, die seinem exzessivem Alkoholkonsum am Vorabend zum Opfer gefallen waren, gehörte das kleine Detail, dass er die Verschlüsselung der Verbindung von seinem Server auf seinen PC und seinen Laptop eben noch nicht wieder aktiviert hatte.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 22

Nur ein paar Straßen weiter, weniger als einen Kilometer Luftlinie entfernt, saß Joseph Saunders, Professor MacIntyres Doktorand, in seinem Zimmer im Studentenwohnheim an seinem Monitor. Er arbeitete offiziell an einer Interpretation seiner Versuchsergebnisse, aber er konnte sich nicht recht konzentrieren. Denn er wartete darauf, dass die Ergebnisse der heutigen Untersuchungen von Professor MacIntyres unbekannten Objekt womöglich bald einträfen. Sein Spionageprogramm auf MacIntyres Bürocomputer arbeitete so, dass es eintreffende Versuchsergebnisse als solche erkannte, in ein komprimiertes Datenpaket zusammenschnürte und anschließend über eine verschlüsselte Verbindung auf einen von Joseph gemieteten Server hochludt. Dazu hatte sein Spionageprogramm einen getarnten, sogenannten Cronjob eingerichtet, der jeden Tag um 23.30 Uhr überprüfte, ob neue Ergebnisse vorlagen, um sie, falls dem so wäre, hochzuladen. Sein Server wiederum schickte ihm eine Nachricht auf seinen PC, sobald er ein Datenpaket empfangen hatte. Wie lange all das dauerte, hing natürlich von der Datenmenge und der Auslastung der beteiligten Infrastruktur ab.

Dass das überhaupt möglich war, hatte mehr erfordert als nur das mangelhafte Sicherheitsbewusstsein von Professor MacIntyre. Denn natürlich war die Fakultät durch eine hervorragende Firewall geschützt, die den Datenverkehr hinein und hinaus genau überwachte. Aber die Software konnte noch so gut sein, sie war nicht dagegen gefeit, dass man die Schwachstelle Mensch ausnutzte – eines der Menschen, der sie administrierte, um genau zu sein. Die Admins der Uni waren IT-Fachleute, die normalerweise eine Ausbildung absolviert hatten und sich anschließend als die Herren der Server verstanden. Sie waren diejenigen, die den ganzen Laden überhaupt am Laufen hielten, während sich die studierten – oder studierenden – Eierköpfe nicht bewusst waren, dass sie das Fundament zusammenhielten, auf dem die modernen Systeme beruhten, mit denen die Physiker heutzutage arbeiteten. Jedenfalls nach ihrem Selbstverständnis. Natürlich war da auch eine Menge Neid dabei – sie würden niemals ein Gehalt bekommen, welches die Absolventen der Uni bekamen, zumindest, wenn diese in der freien Wirtschaft ihr Auskommen suchten, anstatt in Forschung und Lehre zu bleiben. Insgeheim sehnten sie sich insgeheim – wie jeder Mensch – nach Respekt und Anerkennung. Und Joseph war allzu bereit, diese Anerkennung zu geben – aus purer Berechnung.

Er hatte die Mitarbeiter, die für Server- und Netzwerktechnik an der Uni zuständig waren, sofort als den neuralgischen Punkt erkannt, den er auszuhebeln gedachte. Möglichst oft war er mit irgendwelchen Vorwänden an die Admins herangetreten, hatte sich absichtlich dumm gestellt und um irgendwelche Kabel oder mehr Speicherplatz gebeten. Dabei hatte er sich mit den verschiedenen Technikern unterhalten, war immer voller Lob für die Leistungen und voller Verständnis für das, was nicht so gut funktionierte gewesen und hatte beobachtet. Schließlich hatte er die größte Schwachstelle identifiziert: Einen noch sehr jungen Techniker, ein ziemlich durchtrainierter Typ, der ziemlich großspurig auftrat, als hätte er alleine den großen Plan des IT-Betriebes der kompletten Universität. Nachdem er Joseph bei einem Computerproblem mit dessen privaten Laptop weitergeholfen hatte (wie dieser ihn zumindest hatte glauben lassen, in Wirklichkeit hatte er das „Problem“ absichtlich herbeigeführt) hatte er den jungen Techniker über den grünen Klee gelobt, ihn als Retter seiner Semesterarbeit gefeiert und zu einem „all inklusive“-Abend eingeladen.

Natürlich war dieser Abend alles andere als alkoholfrei verlaufen – zumindest für den jungen Admin. Joseph achtete darauf, so zu wirken, als hielte er mit, trank aber langsam und wenig und zwischendurch reichlich Wasser. Nachdem der junge Techniker einen gewissen Pegel erreicht hatte, fing er an, über seine jüngst zerbrochene Beziehung zu lamentieren, wobei er nicht an Details sparte. Joseph notierte im Kopf alles, was vielleicht relevant sein konnte und stimmte ansonsten dem Admin zu, seine Ex sei eine völlig verblödete Kuh, die ihn, Mr. Muscle und Mr. Brain in einem, nicht zu schätze wisse. Nach dem Kneipenbesuch suchten sie einen Club auf, in dem sich, wie Joseph wusste, auch gerade einige Kommilitonen und vor allem Kommilitoninnen aufhielten. Dazu gehörte unter anderem Jenny, die Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Tourismus studierte und die ziemlich heiß aussah. Außerdem wußte Joseph, dass sie absolut einem sexuellen Abenteuer für eine Nacht nie abgeneigt gegenüber war, und dass sie auf Muskeltypen stand. Muskeltypen wie seinen – mittlerweile schon reichlich angeschlagenen – jungen Admin. Auch Jenny war nicht mehr so wirklich nüchtern, als sich Joseph mit seinem neuen Freund zu dem Grüppchen gesellte. Als er die Blicke sah, mit denen sich der junge Techniker und Jenny sich gegenseitig regelrecht abscannten, während er die beiden einander vorstellte, wusste er, dass alles nach Plan lief. Es dauerte nur ungefähr eine Stunde, bis die beiden miteinander verschwanden.

Nach dieser Nacht, die für den jungen Techniker offenbar extrem erfolgreich verlaufen war (wie Joseph, der sich mit dem anderen Geschlecht üblicherweise eher schwer tat, neidvoll feststellte), hatte er bei dem Admin definitiv einen Stein im Brett. Joseph förderte die Beziehung weiter, und man traf sich oft in der Mittagspause zum Essen. Andrew hörte weiter gut zu, und der Techniker fasste immer mehr Vertrauen und plauderte immer wieder mal Details über die IT-Sicherheit aus, die eigentlich hätten vertraulich sein sollen. Außerdem ermöglichten die zunehmenden Einblicke in das Privatleben des Technikers Joseph, ausgiebiges „Social Engineering“ zu betreiben. Am Ende hatte er genug erfahren, um sich ein paar sehr sensible Passwörter des jungen Admins zusammenzureimen, systematisch zu testen und schließlich in die Systemwelt der IT-Sicherheit einzubrechen. Von da an war es ihm ein Leichtes, seinen Datenstrom nach draußen erstens zuzulassen und zweitens zu kaschieren.

Während Joseph lustlos ein Stück von seiner kaltgewordenen Tiefkühlpizza abbiss und mit einem Schluck Energydrink herunterspülte, poppte endlich die ersehnte Nachricht auf seinem Bildschirm auf. Er legte rasch das Pizzastück zur Seite und begann, auf seine Tastatur einzuhacken. Er sichtete das neue Datenpaket auf seinem Server und startete den Download. Selbstverständlich ebenfalls über eine sichere Verbindung. Zumindest glaubte er das.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 21

Es ging noch über zwei Stunden in etwa so weiter. Einige Tests brachten offenbar keine außergewöhnlichen Materialeigenschafte zu Tage, andere aber schon. Die magnetischen Eigenschaften verblüfften den Professor ebenfalls, allerdings nicht mehr so sehr, weil er mittlerweile offenbar mit allem rechnete. Gegen 23 Uhr sagte der Physiker schließlich „So, ich denke, wir sind für heute fertig. Ich habe alle Tests gemacht, die hier durchführbar sind, abgesehen von einem Blick durchs Elektronenmikroskop. Und das, schlage ich vor, machen wir dann morgen zum Abschluss unserer Untersuchungen.“ „Gut, einverstanden.“, antwortete Andrew. Er steckte die Münze, die ihm der Professor gab, wieder in seine Umhängetasche. Der Professor setzte sich noch kurz an das Terminal des Labors, tippte einige kurze Notizen zu den Ergebnissen, schickte alles an seinen Bürorechner und loggte sich aus. Gemeinsam fuhren sie mit dem Aufzug ins Erdgeschoss. „Soll ich Sie irgendwo absetzen?“, fragte Andrew. „Nein, ich bin mit dem Fahrrad da.“, antwortete der Professor. Sie verabschiedeten sich, und Andrew fuhr zurück zum Hotel.

Als er in der Tiefgarage geparkt und mit dem Fahrstuhl zur Lobby gefahren war, erblickte der die beiden Münzexperten in der Hotelbar, die an die Lobby angrenzte. Offenbar war es nicht bei zwei Dunklen geblieben. Die beiden Herren hatten frische Biere vor sich stehen, waren offenbar bester Laune und unterhielten sich angeregt. Andrew setzte sich zu ihnen an den Tisch. „Ah, Mr. Summers, willkommen in unserer beschaulichen Runde!“, trompetete Mr. Miles, „Garçon! Noch ein großes Dunkles, bitte!“ „Dankeschön.“, beeilte sich Andrew zu sagen, „Ich denke, das kann ich jetzt vertragen.“ „Nun, wie ist es ihnen noch ergangen mit unserem Professor?“, fragte Mr. Jameson. Andrew erzählte von den weiteren Versuchen, die MacIntyre durchgeführt hatte und ließ auch die außergewöhnlichen Ergebnisse nicht aus. Er unterbrach seine Ausführungen kurz, als der Kellner sein Getränk brachte. Als er geendet hatte, war auch sein Glas schon leer – das Bier hatte sehr gut geschmeckt, und er war auch durstig gewesen. Sofort bestellte Mr. Miles eine neue Runde. Sie diskutierten angeregt über die seltsamen Ergebnisse: Das ungewöhnliche Gewicht bzw. die hohe Dichte der Münze, das seltsame Bild und die nicht zu entschlüsselnde Legende, die einzigartigen elektrischen und magnetischen Eigenschaften.

Andrew hatte sein zweites Pint schon halb geleert, als Mr. Miles plötzlich unverblümt fragte: „Kommen Sie, Andrew, wo haben Sie die Münze nun wirklich her? Kollege Jameson mir hat erzählt, Sie hätten sie einfach so bei sich zuhause gefunden, aber ich würde mich wundern, wenn das schon die ganze Geschichte wäre…“ Andrew nahm einen Schluck aus seinem Glas. „Was soll’s?“, dachte er, und erzählte den beiden aufmerksam zuhörenden Numismatikern, dass die Münze buchstäblich vom Himmel gefallen war, sein Dach durchschlagen hatte und im Treppenpfosten stecken geblieben war. Das Detail mit dem Brand ließ er aus. „Aber, ich bitte Sie, meine Herren… ich betrachte Sie jetzt quasi als den kleinen Zirkel der Eingeweihten. Auch den Professor werde ich morgen einweihen, aber dabei soll es erst einmal bleiben.“, beschwor er Mr. Miles und Mr. Jameson. „So phantastisch es auch klingt, aber der Gedanke, dass meine Münze, oder ‚das Objekt‘, wie Sie es gerne nennen, nicht irdischen Ursprungs ist, klingt doch recht plausibel, wenn man die außergewöhnlichen Materialeigenschaften kennt. Und ich habe wenig Verlangen danach, dass übermorgen hunderte von UFO-Gläubigen durch meinen beschaulichen Vorgarten pilgern!“ Die beiden Eingeweihten versprachen, alles geheim zu halten – unter der Bedingung, weiter über alles, was Andrew noch herausfinden würde, eingeweiht zu werden. „Deal!“, sagte Andrew feierlich, und drei Pintgläser klirrten aneinander.

Fortsetung folgt…

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Die Münze – Teil 20

Andrew steckte die Karte in den Schlitz an der Tür zum Labor, in dem der Professor, Mr. Miles und Mr. Jameson vermutlich schon seinen Bringservice erwarteten. Der Summer ertönte, und er trat ein. Professor MacIntyre saß nach wie vor am Terminal, die beiden Numismatiker standen am 3D-Scanner und beobachteten die Maschine, wie sie langsam die Münze mit Licht abtastete. Auf dem größten der Bildschirme war inzwischen eine hochauflösende, dreidimensionale Darstellung der Münze fast vollendet. „Bitte sehr, meine Herren.“, sagte Andrew höflich, verteilte die Snacks und Getränke unter den Dreien und gab dem Professor die Chipkarte zurück. „Vielen Dank.“, sagte der Professor und biss mit Behagen in sein Gurkensandwich. Andrew hatte noch nie verstanden, was seine Landsleute an ein paar wässerigen Gurkenscheiben zwischen Weißbrotdreiecken fanden – er zog eine kräftige Scheibe Käse oder Salami dem grünen Gemüse deutlich vor. Er probierte von seinem Tee und seinem Muffin, und in der Tat, beides schmeckte nicht schlecht.

Während die vier Männer sich über ihre Zwischenmahlzeit hermachten, gab der Laborcomputer irgendwann drei leise Pieptöne von sich. Der Professor stellte seinen Pappbecher ab und sah auf die Monitore. „Der Scan ist fertig.“, stellte er fest. Er bewegte den Trackball, und die Drahtgitter-Abbildung der Münze drehte sich auf dem Schirm, mal um die X-, mal um die Y-, und mal um die Z-Achse. Die Darstellung war sehr detailliert, inklusive der Bohrungen an der Kante, der stilisierten Landkarte (falls es denn eine solche war) und der Legende aus den seltsamen Symbolen. MacIntyre zoomte auf den Punkt auf der „Insel“ und stellte diesen stark vergrößert da. „Sehen sie mal da. Der Punkt ist nicht einfach ein Kreis – es ist ein perfektes Hexagon. Mit bloßem Auge war das gar nicht zu sehen…“ „Interessant, aber weitere Erkenntnisse bringt uns das auch nicht.“, dachte Andrew, während er beobachtete, wie der Professor weiter an seinem Trackball herumdrehte. MacIntyre betätigte ein paar Tasten, und Maßpfeile mit Zahlen erschienen in der Grafik. Zunächst vermaß er exakt die Dicke und den Durchmesser der Münze, dann folgten Tiefe und Durchmesser der Bohrungen, Durchmesser der „Pille“ sowie weitere Maße in Bezug auf das Bild von der „Insel“ und die Legende. Schließlich schien der Professor zufrieden. „Soweit, so gut, in diesem Labor sind wir fertig. Die Vermessung ist abgeschlossen. Das Datenpaket mit den Ergebnissen geht jetzt komplett durch absolut sichere, interne Leitungen an meinen Bürorechner. Dasselbe passiert übrigens auch mit den anderen Messungen, die noch ausstehen.“ Der Physiker betätigte noch ein paar Tasten, klickt mit dem Trackball, dann verschwand die Darstellung der Münze und zwei Eingabefelder für „Benutzer“ und „Passwort“ erschienen stattdessen auf dem Bildschirm. MacIntyre nahm die Münze mühsam vom Objektträger des Scanners und gab sie Andrew.

Wieder auf dem Flur meldete sich Mr. Jameson zu Wort: „Nun, meine Herren, das ist zwar alles sehr interessant, aber all das dauert ja auch seine Zeit. Ich ziehe es vor, lieber in der Hotelbar noch ein oder zwei Dunkle zu mir zu nehmen.“ „Da sage ich nicht nein, Herr Kollege!“, entgegnete Mr. Miles und leckte sich über die Lippen. „Gehen sie nur, ich bleibe hier und beobachte aus erster Hand, was für Geheimnisse der Professor meiner Münze noch zu entreißen vermag.“, sagte Andrew. Die beiden Münzexperten verabschiedeten sich und fuhren mit dem Aufzug ins Erdgeschoss hoch, während der Professor und Andrew auf der Ebene blieben. MacIntyre führte Andrew nur wenige Türen weiter zu einem anderen Labor und steckte sein Karte den Schlitz. Er öffnete die Tür, dahinter herrschte Dunkelheit, bis der Professor den Lichtschalter betätigte und Leuchtstoffröhren an der Decke flackernd zum Leben erwachten. „Schön. Hier muss ich keine Studenten hinaus scheuchen. Auf die Dauer wäre mir das auch zu teuer.“, schmunzelte der Physiker. „Nun, weiter geht’s. Wir werden das gute Stück jetzt erst einmal wiegen.“ Andrew händigte dem Professor die Münze wieder aus.

Es folgte eine lange Reihe von Tests mit verschiedenen Apparaturen. Der Professor arbeitete unermüdlich, und Andrew sah zu. Bei einem Test riss der Physiker plötzlich überrascht die Augen auf. „Was ist denn los?“, fragte Andrew? „Es geht um die elektrische Leitfähigkeit des Objekts, genauer gesagt, des äußeren Rings.“, antwortete MacIntyre ungläubig. Oder anders gesagt, den spezifischen Widerstand, den Kehrwert der Leitfähigkeit. Der Punkt ist… vorausgesetzt, hier liegt kein Fehler in der Messung vor… dass der unter den gegebenen Bedingungen, also unter Normaldruck und 22 Grad Celsius gleich Null ist.“ „Sie meinen, der Ring ist supraleitend?“ „Es sieht ganz so aus, und das unter diesen normalen Bedingungen. Metalle müssen normalerweise unter Normaldruck extrem gekühlt werden, um supraleitend zu werden. Die höchste, mir bekannte Sprungtemperatur hat Schwefelwasserstoff, allerdings unter extrem hohem Druck, und die liegt bei 203 Kelvin bzw. -70 Grad Celsius. Aber das hier… ist wirklich extrem erstaunlich!“ „Sie sagten, diese einzigartige Materialeigenschaft bezöge sich explizit auf den Ring. Was ist denn mit der Pille, der inneren Scheibe? Das scheint ja, zumindest der Farbe nach, ein anderes Material zu sein.“, fragte Andrew. „Auch das ist erstaunlich. Bezogen auf die elektrische Leitfähigkeit ist das innere Material das genaue Gegenteil im Vergleich zum Ring: Das ist der perfekteste Isolator, also Nichtleiter, den ich jemals untersucht habe. Auch die Materialien, die wir im allgemeinen als Nichtleiter bezeichnen, haben keinen unendlich hohen, spezifischen Widerstand, und man kann immer noch eine Restleitfähigkeit messen. Hier an der inneren Scheibe aber nicht – zumindest sind unsere Geräte hier dafür offenbar nicht empfindlich genug.“

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 19

Im Fahrstuhl studierte Andrew die Aufschrift der Knöpfe, die Cafeteria war demnach im Erdgeschoss. Dort angekommen brauchte er nur den Wegweisern zu folgen und erreichte bald sein Ziel. Draußen dämmerte es schon, und viel Betrieb herrschte nicht mehr. Und so entdeckte Andrew auch ohne Mühe fast sofort die Gruppe der vier Studenten, die Professor MacIntyre vorhin aus dem Labor geschickt hatte. Sie saßen an einem Tisch, und jeder hatte einen Becher mit einem Heißgetränk, ein Stück Kuchen oder ein Sandwich, und das unvermeidliche Smartphone vor sich. Derjenige, der vorhin an der Tastatur gesessen hatte, spürte offenbar instinktiv, dass er beobachtet wurde, und blickte auf. Sein Blick traf Andrew, der nickte dem Studenten nur kurz zu, und mit nichtssagender Miene wandte der junge Mann sich wieder ab und begann, wieder auf seinem Smartphone herumzustochern.

Andrew ging zu den Glasvitrinen, angestrahlt von Lampen lagen hier in Plastikfolie verpackte Sandwiches, Muffins und Tortenstücke auf Tellern. Es sah alles nach „Naja, richtig lecker sieht es nicht aus, aber wenn man richtig Hunger hat, schmeckt es wohl doch.“ aus. Andrew griff nach einem Gurkensandwich für den Professor und ein paar von den Muffins für sich und die Numismatiker, besorgte an einer Maschine mit Selbstbedienung die gewünschten Heißgetränke, nahm sich eins von diesen Schaumstoffdingern, mit denen man sechs Pappbecher auf einmal transportieren kann, und ging mit seinem Tablett zur Kasse. Dort bezahlte er bei einer gelangweilt aussehenden Dame mittleren Alters und trat mit seinen Erwerbungen den Rückweg an.

Inzwischen, auf Whatsapp:

Daniel Lewis: Hey, Joe. Hocke mit den Jungs in der Cafeteria. Waren gerade am Messen in Lab4, als was Merkwürdiges passierte. ProMac kam mit drei Leuten, die nicht wie Physiker aussahen, und scheuchte uns ohne Erklärung, aber mit 20 Ocken für Kaffee und Sandwiches aus dem Labor. angry
Joseph Saunders: Das sieht ihm aber überhaupt nicht ähnlich! Vorhin ganz ähnliche Sache erlebt: Er rief mich an und verlangte einen simplen Geigerzähler. Und er klang fast so, als rechne er mit einer nuklearen Katastrophe! fearful Ich bin dann bei ihm rein, und drei Typen, die nicht wie Physiker aussahen, eher wie Versicherungsvertreter im Ruhestand, waren in seinem Büro. ProMac riss mir das Gerät aus der Hand und scheuchte mich sofort wieder raus. Aber ich konnte noch sehen, dass auf seinem Schreibtisch eine Metallscheibe lag, vielleicht eine Münze oder so was. raised eyebrow
Daniel Lewis: Einer von den Typen war gerade hier und hat was zu essen und zu trinken gekauft. Bestimmt untersuchen die das Ding gerade in Lab4. Zu blöd! Ich habe nicht die Rechte, um Deine Software auf dem Rechner von Lab4 zu installieren. Sonst könnten wir rauskriegen, was die da haben! anguished
Joespeh Saunders: He he! Dazu brauchen wir nicht den Rechner in Lab4 zu kapern. Ich habe längst den Bürorechner von ProMac unterwandert! triumph
Daniel Lewis: Ist nicht wahr!? open mount
Joseph Saunders: Absolut! ProMac hat anstandslos meine letzte Arbeit auf einem USB-Stick von mir akzeptiert, das muss man sich einmal vorstellen! Ich hatte einfach mein kleines, süßes Spionageprogramm als semesterarbeit1702.doc getarnt. Nachdem der liebe Professor es dann angeklickt hatte, installierte es sich sofort auf seine Platte und lud danach schnell die echte semsterarbeit1702.doc nach, so das ProMac nichts gemerkt hat. wink
Daniel Lewis: Alter! Das eröffnet ja Möglichkeiten! heart eyes
Joseph Saunders: Ja schon, aber wir müssen vorsichtig sein, sonst merkt der gute Professor noch etwas. Er mag etwas gutmütig und nicht unbedingt der Schlauste in IT-Fragen sein, aber blöd ist er deswegen noch lange nicht. nerd Aber mal sehen, was mein kleiner Spion so liefert.
Daniel Lewis: Halt mich mal auf dem Laufenden! Klingt spannend, was da passiert! grin
Joseph Saunders: Ok. Muss jetzt los. Bye!

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 18

Professor MacIntyre strebte, seine drei Besucher im Schlepptau, auf den Aufzug zu. Im Lift steckte er eine Chipkarte in einen Schlitz und drückte die Taste, die den Fahrstuhl ins 2. Untergeschoss fahren ließ. Insgesamt gab es vier unterirdische Ebenen, wie Andrew erstaunt feststellte – das war ihm vorhin völlig entgangen. Als hätte der Professor seine Gedanken gelesen, erklärte der Physiker „Physikalische Experimentalphysik erfordert extrem empfindliche Versuchsaufbauten. Wenn man genau messen möchte, kann man sich keine störenden Umwelteinflüsse wie Licht, Lärm oder Vibrationen leisten. Schon die Vibration einer Fensterscheibe durch den Wind kann eine Messung zunichte machen. Geschweige denn in der Nähe vorbeifahrender Schwerlastverkehr. Daher werden empfindliche Apparaturen vorzugsweise unterirdisch aufgebaut. Wenn erforderlich, in aufwändig magnetisch abgeschirmten oder komplett schwingungsgedämpften Räumen. Außerdem erfordern manche Versuche die Nutzung gefährlicher Komponenten wie radioaktive Strahlung, Hochleistungslaser oder sehr starke Magnetfelder, vor diesen Gefahren können wir hier unten wiederum die Außenwelt besser schützen.“ „Aha, deswegen auch die Chipkarte?“, folgerte Andrew. „Nicht nur deswegen. Was wir hier erforschen, ist teilweise absolutes Neuland. Keine andere Universität der Welt hat mehr Nobelpreise und Nobelpreisträger hervorgebracht als Cambridge. Und das soll auch so bleiben, da muss es nicht sein, dass uns die Chinesen, die Amerikaner, die Deutschen oder sonst irgendwer unsere Forschungsergebnisse klaut.“ „Und Sie lassen uns alle drei einfach so in Ihre heiligen Hallen?“, entgegenete Mr. Jameson, der ansonsten bisher geschwiegen hatte, erstaunt. „Nun, was Sie zu sehen bekommen, sind zwar sehr genaue Messgeräte, aber nichts, was Sie nicht in anderen Eliteuniversitäten mit genügend finanziellem Budget überall sonst auf der Welt nicht auch fänden. Was nicht jeder mitbekommen muss, ist das, was wir damit so anfangen.“, antwortete MacIntyre und erlaubte sich ein kleines Lächeln. Der Aufzug erreichte Level -2, stoppte sanft, und die Türen glitten auseinander.

„Folgen Sie mir bitte.“, sagte der Professor, und die drei anderen Männer folgte ihm einen weißgekalkten Gang entlang. An den Wänden hingen Portraits berühmter Absolventen der Fakultät. Sie kamen an einer Tür an, der Professor zog zückte erneut seine Chipkarte, ein Türsummer ertönte, und der MacIntyre öffnete die Tür zu einem der unterirdischen Labore. Der Raum war etwa etwa viermal so groß wie Andrews Wohnzimmer und in helles Licht getaucht. Unter durchsichtigen Quadern befanden sich geheimnisvolle Apparaturen, und an einem Versuchstisch saß eine Gruppe von vier jungen Männern vor einer Phalanx von Computerbildschirmen, auf denen nicht minder geheimnisvolle Grafiken zu sehen waren. „Gentlemen, bitte herhören. Mein drei Kollegen und ich benötigen dieses Labor für eine vertrauliche Besprechung. Bitte speichern Sie ihre Ergebnisse und loggen Sie sich aus. Ich bitte um Verzeihung für diese Unterbrechung und möchte Sie bitten, in der Cafeteria einen kleinen Imbiss auf meine Kosten zu sich zu nehmen. Sie können das Labor in einer Stunde wieder voll nutzen.“ MacIntyre schob dem Studenten an der Tastatur eine 20-Pfund-Note zu. Vier verständnislose Augenpaare lösten sich von den Monitoren und wandten sich den Neuankömmlingen zu. Nach einer kurzen Pause drückte der junge Mann, der an der Tastatur saß, ein paar Tasten, und klickte mit dem Trackball. Die Bildschirme wurden dunkel, und eine der Plexiglasabdeckungen öffnete sich fast geräuschlos. Ein anderer Student entnahm dem Gerät einen prismaförmigen Metallgegenstand, offenbar das Objekt der Untersuchung, steckte ihn in seine Umhängetasche und verließ, gefolgt von allen anderen, wortlos das Labor.

Der Professor setzte sich an die Tastatur, steckte seine Chipkarte wieder in einen Schlitz, und gab dann offenbar ein Passwort ein. Er klickte ein wenig mit dem Trackball herum, worauf eine andere Plexiglasabdeckung hochfuhr. „Wenn ich um das Objekt bitten dürfte?“, bat er Andrew, der ihm die Münze aushändigte. Der Physiker nahm die Münze und bugsierte sie auf eine Vorrichtung, die sich mit einigen Rändelschrauben genau justieren ließ. Darauf ging er zurück an das Terminal und klickte wieder ein paar Schaltflächen auf dem Bildschirm an. Daraufhin ertönte ein leises Summen, und Andrew sah, wie die Vorrichtung, in der die Münze eingespannt war, sich auf drei Achsen millimeterweise hin- und herbewegte. Schließlich hörte das Summen auf, und die Vorrichtung kam zu Stillstand. „Der Objektträger hat das Objekt zunächst auf eine sogenannte Null- oder Referenzposition kalibriert.“, erklärte der Professor. „Jetzt beginnt die eigentliche Messung.“ Als höre die Apparatur direkt auf sein Wort, ertönte wieder ein feines Summen, und kleine Metallarme fuhren aus der Bodenplatte des Gerätes aus. Auf der Münze erschienen feine, rote, grüne und blaue Lichtstreifen, die sich langsam bewegten und den Gegenstand der Untersuchung abtasteten. „Wir machen hier nicht nur einen 3D-Scan, sondern wir prüfen auch gleichzeitig einige optische Eigenschaften des Materials, beispielsweise das Reflexionsverhalten.“, erläuterte der Professor. Auf einem seiner Monitore war ein dreidimensionales Koordinatensystem zu sehen, und darin erschien erst ein einzelner, kleiner Punkt, aus dem langsam gekrümmte Linien erwuchsen. Offenbar eine dreidimensionale Darstellung seiner Münze, wie Andrew annahm.

Der Vorgang zog sich in Länge, und Andrew fragte, wie lange das Verfahren wohl dauern würde. „Ich schätze, etwa vierzig Minuten.“, antwortete der Professor. „Ich würde uns ja auch gerne allen einen Snack und Tee besorgen, wenn das hier drin erlaubt ist, aber ich komme ja ohne Chipkarte nicht wieder zurück.“, sagte Andrew. „Das ist kein Problem.“ entgegnete der Professor, „Essen und trinken ist den Studenten hier zwar normalerweise nicht erlaubt, aber was hier im Moment erlaubt ist und was nicht, entscheide ich. Alle Messinstrumente in diesem Labor sind unter ihren Abdeckungen gut geschützt. Und was die Chipkarte angeht… mit dieser hier genießen Sie kurzfristig dieselben Rechte wie die Studenten, die ich hier eben herauskomplimentiert habe. Ich hätte gerne einen Darjeeling und ein Gurkensandwich.“ Mit diesen Worten gab er Andrew eine komplett weiße Plastikkarte. Nachdem auch Mr. Miles und Mr. Jameson ihre Wünsche kundgetan hatten, ging Andrew zurück zum Aufzug.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 18

Andrew und die beiden Numismatiker tauschten verdutzte Blicke. Was war denn jetzt los? Kurze Zeit später klopfte es an der Tür, und auf ein barsches „Reinkommen!“ des Professors erschien ein schlaksiger, bebrillter, junger Mann, der wie der Prototyp des Nerds schlechthin aussah. „Vielleicht ein Doktorand?“, dachte Andrew. Der junge Mann hielt ein etwa taschenbuchgroßes Gerät in der Hand. Der Professor streckte sofort die Hand danach aus, und sofort wurde es ihm ausgehändigt. „Danke Joseph, ich muss Sie bitten, uns sofort wieder zu verlassen.“ Wortlos verließ der Bilderbuch-Nerd das Büro und schloss die Tür hinter sich. Andrew warf einen Blick auf das Gerät, welches der Professor inzwischen eingeschaltet hatte, und musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. Das geheimnisvolle „X5C plus“ sah zwar etwas anders aus als sein eigenes Dosierleistungsmessgerät, aber im Prinzip war es doch sehr ähnlich: Taschenbuchgroßes Gehäuse, vorne ein kleines Fensterchen für das Zählrohr, ein Display mit einer Digitalanzeige – auf der Andrew 0,26 μSv/h lesen konnte. Die lokale, natürliche Strahlendosis war hier in der Tat viel niedriger als daheim in Cornwall.

Andrew hörte den Professor durchatmen und erklärte dann: „Ich glaube, ich verstehe, was Ihnen eben durch den Kopf gegangen ist, aber ich hatte schon denselben Gedanken und ebenfalls einen Geigerzähler drangehalten.“ Der Professor wirkte einen Moment ziemlich verwirrt und erklärte dann, dass das Objekt eine außergewöhnliche Dichte haben müsse, was auf sehr große, schwere und möglicherweise instabile Atomkerne hindeute. „Wir haben das Objekt bereits vermessen, gewogen und die Dichte…“, sprudelte Andrew hervor wie ein strebsamer, mit den Fingern beim Aufzeigen schnipsender Achtklässler. „Ach, was auch immer.“, unterbrach ihn der Professor. „Ich gebe zu, dass Sie schon so einiges von dem, was wir hier auch tun werden, getan haben, und dass ich das auch zu würdigen weiß. Dennoch reden wir hier von Basiswissen, und von unzureichend genauen Gerätschaften. Oder können Sie bei sich zuhause auf ein Mikrogramm genau wiegen und auf den Nanometer genau messen?“ Andrew fühlte sich zwar ein wenig abgekanzelt, aber im Endeffekt hatte der Professor ja recht, und es wäre Zeitverschwendung gewesen, in epischer Breite zu berichten, wie seine Überlegungen, Messungen und Berechnungen zustande gekommen waren. Mr. Jameson und Mr. Miles hatten den Dialog mit dezenter Belustigung verfolgt und beschränkten sich aufs Beobachten und Zuhören.

„Auf den Nanometer genau messen? Wirklich?“, erkundigte sich Andrew. „Nun, wir müssen das Objekt gar nicht so genau vermessen, eine simple Mikrometerschraube würde es auch tun. Aber wir könnten und werden auch das Objekt auf Nanometerebene untersuchen. Sehen Sie, wir haben einige der besten Elektronenmikroskope, die es zu kaufen gibt, hier am Cavendish. Wir haben eine Forschungsgruppe, die sich mit Oberflächenstruktur in dieser Größenordnung beschäftigt, eine andere tut dasselbe auf Quantenebene und eine weitere nähert sich den Geheimnissen der Materie mithilfe der Hochenergiephysik in Zusammenarbeit mit dem CERN in der Schweiz. Wie sie wahrscheinlich wissen, zählen wir einige Mitbegründer der modernen Physik und Nobelpreisträger zu unseren Absolventen, beispielsweise Sir Ernest Rutherford, dem wir unter anderem sein berühmtes Atommodell verdanken. Später hat er dieses Labor geleitet.“ Der Professor hatte zuletzt mit derartigem Stolz doziert, als habe er persönlich dem berühmten Wissenschaftler bei seinem Streuversuch assistiert. „Nun, es sieht also ganz so aus, als wären wir am richtigen Ort gelandet.“, warf Mr. Miles ein. James, was meinst Du, können wir sofort mit den Untersuchungen loslegen? Deswegen sind wir ja alle hier – um einem Stück Materie seine Geheimnisse zu entreißen, wie schon einst Sir Rutherford, Wilson, Thomson und wie sie alle hießen.“ „Oha!“, dachte Andrew bewundernd, Mr. Miles hatte seine Hausaufgaben offenbar gemacht. Oder vielleicht war er auch nicht zum ersten Mal hier am Arbeitsplatz seines Freundes, der offenbar gern über die berühmten Geister sprach, die hier einst riesige Fußtapfen hinterla

„Nun denn.“, wandte sich der Professor wieder an Andrew, „Mit Ihrer Erlaubnis würde ich gerne folgende Untersuchungen durchführen: Als erstes machen wir einen 3D-Scan des Objektes, mit dem eine genaue Vermessung einhergeht. Dann kommt die genaueste Waage, die wir auftreiben können, zum Einsatz. Außerdem prüfen wir Eigenschaften wie elektrische Leitfähigkeit, Wärmeleitfähigkeit und -Kapazität sowie die magnetischen Eigenschaften. Und natürlich werden wir uns das Objekt mit dem Hitachi S-5500, einem unserer Elektronenmikroskope ansehen.“ „Gut.“, entgegnete Andrew nur, „deswegen sind wir ja hier. Können Sie sofort beginnen?“. „Sicher. Folgen Sie mir bitte, meine Herren.“, antwortete der Physiker, erhob sich von seinem Schreibtischsessel, öffnete seine Bürotür und trat in den Flur hinaus.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 17

Nachdem Andrew den Vauxhall in der Tiefgarage des Hotels geparkt hatte, stiegen er und Mr. Jameson aus und fuhren mit dem Aufzug in die Lobby um einzuchecken. Sie bezogen ihre Zimmer, machten sich frisch und trafen sich alsbald wieder in der Lobby und erkundigten sich, ob Mr. Miles ebenfalls eingetroffen war. Dieser hatte eine Nachricht hinterlassen, dass dem so war, und ein kurzes Telefonat später traf auch der Fachkollege des Münzhändlers in der Lobby ein. Man begrüßte sich und stellte sich vor. Andrew schätzte, dass der Schotte wahrscheinlich in einem ähnlichen Alter wie Mr. Jameson war. Er hatte lebhafte Augen, die seine Umgebung förmlich zu scannen schienen, damit ihm ja nichts entging, und er schien ständig ein wenig zu schmunzeln, als hätte die Welt für ihn grundsätzlich etwas zu bieten, was ihn belustigte. Mr. Jameson, der ihm auch noch nie persönlich begegnet war, musterte seinen Kollegen ebenfalls mit einer gewissen Neugierde, wenngleich er versuchte, das hinter einer Fassade aus britischem Understatement zu verstecken.

„Sagen sie, Mr. Summers, ich muss gestehen, ich bin sehr neugierig. Dürfte ich das seltsame Objekt einmal sehen?“, fragte Mr. Miles. „Lieber nicht hier in der Lobby, bitte gedulden Sie sich, bis wir bei Ihrem Freund und zu viert sind. Hier ist mir zuviel Publikumsverkehr.“ Mr. Miles schien ein wenig enttäuscht, hatte aber keine Einwände. „Nun, wollen wir dann? Professor McIntyre, mein Freund am Cavendish Laboratory, sagte, wir könnten von Nachmittag bis Abend einfach bei ihm hineinplatzen, er wäre ohnehin in seinem Büro.“ „Dann wollen wir keine Zeit verlieren.“, drängte Andrew und komplementierte die beiden Älteren mit einem knappen „Bitte hier entlang, meine Herren.“ in Richtung Aufzug. Nachdem Mr. Jameson und Mr. Miles im Vauxhall Platz genommen hatte und Andrews Navigationsgerät das Cavendish Laboratoy anstandslos gefunden hatte, konnte die kurze Fahrt zum Labor beginnen.

Beim Cavendish Laboratory angekommen waren und geparkt hatten, betraten die drei Männer das Gebäude. Für Besucher stand in unmittelbarer Nähe des Eingangs ein Touchscreen-Computer bereits, der eine Raum- und Personensuche ermöglichte. Nachdem Mr. Miles „McIntyre“ eingegeben hatte, zeigte das Gerät zielsicher „Raum 2.05“ an, dazu eine dreidimensionale Grafik, die den Weg vom Eingang zum Aufzug und vom Aufzug in der zweiten Etage zu Raum 2.05 zeigte. „Schöne, neue Welt.“, dachte sich Andrew, als sie zum Aufzug gingen. In der zweiten Etage fanden sie Raum 2.05 schnell, unter der Nummer stand einfach „Prof. McIntyre“. Mr. Miles klopfte, und eine tiefe Stimme antwortete „Immer herein, sofern Sie keine Studenten sind, die mehr Zeit auf dem Hitachi haben wollen.“ Mr. Miles öffnete die Tür, und Andrew, Mr. Jameson und er selbst taten in Professor McIntyres Büro. „Nun, James, Studenten sind wir offensichtlich nicht, und ob wir Zeit auf dem Hitachi, was immer das sein mag, brauchen oder nicht, werden wir sehen.“ Der Professor, ein recht kleiner, aber beleibter Mann mit buschigem Bart, stand hinter seinem Schreibtisch auf, trat hervor, und umarmte Miles herzlich. „Ah, Peter, schön, dass Du es einrichten konntest. Wir sehen uns viel zu selten. Und Sie mögen Mr. Andrews und Mr. Jameson sein. Nur – wer ist wer?“.

Nachdem alle sich vorgestellt hatten, kam Professor McIntyre sofort zur Sache. „Peter erzählte mir von einer seltsamen Münze, mit der niemand in der Fachwelt der Numismatik so richtig etwas anfangen konnte. Ich nenne selbst eine bescheidene Münzsammlung mein Eigen, wenngleich mir auch das Fachwissen wie es Peter vermutlich mit Mr. Jameson teilt, abgeht. Jedenfalls war es dann mein Vorschlag, einmal das Material, aus dem das Objekt besteht, genauer zu untersuchen. Ich nehme doch an, Sie haben es dabei?“ „Ja, das habe ich in der Tat.“, sagte Andrew, der die Münze wieder in der bewährten Umhängetasche bei sich trug. „Ich vermute, dass Sie gleich noch sehr viel mehr daran interessiert sein werden, das Material genauer zu untersuchen. Seien Sie bitte vorgewarnt: Die Münze, oder das Objekt, wie Sie es nennen, ist viel schwerer als man vermutet.“ Der Professor antwortete mit einem erwartungsvollen Blick, dann entnahm er einer Schublade seines Schreibtisches gewohnheitsmäßig ein Paar Einweghandschuhle, die er überstreifte. Andrew gab ihm seine Umhängetasche. „Was haben Sie denn da noch alles drin?“, fragte der überraschte Professor, als er das Gewicht spürte. „Nichts weiter.“, antwortete Andrew, „Ich habe Sie ja vorgewarnt.“ Der Professor griff in die Umhängetasche und holte die Münze unter den wachsamen Augen von Mr. Miles, der ja schon in der Lobby gerne einen Blick darauf geworfen hätte, hervor. „Wirklich sehr schwer. Meine Güte!“ Er wurde blass, griff zum Telefon, wählte eine Nummer und rief „Joseph? Bringen Sie mir bitte sofort ein X5C plus! Es ist dringend!“

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 16

10. August 2017, 08:30 AM, Portreath, England
Die Vorbereitungen hatten eine Woche gedauert. Mr. Jameson hatte mit Mr. Miles Kontakt aufgenommen, der wiederum daraufhin mit seinem Freund, dem Physikprofessor in Cambridge einen Termin vereinbarte. Andrew buchte drei Hotelzimmer für eine Übernachtung in der Universitätsstadt. Er und der Münzhändler hatten sich gegen den Flug vom Newquay Cornwall Airport nach London Stansted und für die über sechsstündige Fahrt mit dem Vauxhall entschieden.

In der vergangenen Woche hatte Andrew die vom Feuer zerstörten Teile seiner Treppe in seiner Werkstadt neu angefertigt und angebracht. Das schlitzförmige Loch in der Decke hatte er zugespachtelt und die Decke neu gestrichen. Bevor der Dachdecker kam, hatte er widerstrebend mit der spitzen Seite eines Hammers so lange von innen gegen die beschädigte Dachpfanne geschlagen, bis sie völlig zerbrach. Er wollte neugierige Fragen des Dachdeckers doch lieber vermeiden. Über das Loch im Boden, welches immer noch zu sehen war, hatte er einen Teppichrest gelegt, bevor der Handwerker kam. Dieser wunderte sich dann zwar schon über die einzelne, zertrümmerte Dachpfanne, nachdem Andrew etwas von jugendlichen Vandalen mit Steinschleuder und Stahlkugel hatte verlauten lassen, gab er sich mit dieser Erklärung zufrieden. Nachdem er die zerstörte Dachpfanne ersetzt und auch die Isolierung unter dem Dach erneuert hatte, deutete nichts mehr auf den Einschlag der Münze hin. Zumindest oberflächlich betrachtet.

Nun war es also soweit, die Fahrt nach Cambridge stand bevor. Andrew lud seine kleine Reisetasche in den Kofferraum des Vauxhall, die merkwürdige Münze steckte wohlverwahrt in einer kleinen Außentasche. Dann setzte er sich ans Leckrad und fuhr zum Geschäft des Münzhändlers, um Mr. Jameson dort abzuholen. Dieser stand schon mit gepacktem Köfferchen, Hut und Regenschirm bewaffnet, bereit. Nachdem sein Gepäck verstaut war, setzte sich Jameson auf den Beifahrersitz, Andrew ließ den Motor an, und die Fahrt begann. Die ersten anderthalb Stunden unterhielten sich die beiden angeregt über die bisherigen Erkenntnisse. Es stellte sich dabei heraus, dass der Münzhändler ebenfalls die durschnittliche Dichte der Münze errechnet hatte und sich dann, ähnlich wie Andrew Sorgen über ein mögliches Gefahrenpotential des unbekannten Gegenstands gemacht hatte. Andrew erzählte von seinen Untersuchungen mit dem Dosierleistungsmessgerät, was Mr. Jameson offenbar zufrieden stellte.
Als Andrew in Tiverton endlich auf die M5 einbog, hatten er und der Münzhändler ihren Gesprächsstoff aufgebraucht und hingen ihren Gedanken nach. Kurz vor London kamen sie ganz in der Nähe des ebenfalls sehr renommierten Eton College und Windsor Castle vorbei, und Andrew, der noch nie dort gewesen war, bedauerte ein wenig, dass keine Zeit für einen Abstecher blieb. „Schon seltsam.“, dachte er, da hatte er im Ruhestand jede Menge Zeit und ein Auto, aber er wäre normalerweise niemals auf die Idee gekommen, einfach mal hierher zu fahren. Erst der Fund der seltsamen Münze motivierte ihn, die lange Autofahrt in Kauf zu nehmen.

Nachdem sie London nördlich umfahren hatten, waren es noch knapp weitere anderthalb Stunden Fahrt bis Cambridge. Schließlich fuhren sie von der M11 ab und waren auch schon fast in der Stadt. Auf dem Weg zu ihrer Unterkunft stellte Andrew staunend fest wie sehr doch die Stadt von den 31 Colleges ihrer Universität durchdrungen war. Überall gab es Wegweiser zu Hörsälen, Bibliotheken, Wohnheimen und Mensen des jeweiligen Campus. Es war früher Nachmittag, herrliches Sommerwetter, und die Studierenden flanierten fröhlich plaudernd die Wege entlang oder hatten sich auf einer der vielen Rasenflächen ausgestreckt. Andrew warf noch einen letzten, prüfenden Blick auf das Navigationsgerät, nur noch der Regent Street folgen und einmal links abbiegen. So erreichten die beiden Reisenden endlich ihr Hotel, welches recht idyllisch zwischen einem Park und dem Cricketclub der Universität gelegen war.

Fortsetzung folgt…

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Die Münze – Teil 15

Zuhause angekommen holte Andrew sogleich den Spaten aus der Werkstatt und ging in den Garten. Zuerst stellte er das Messgerät auf eine Warnschelle von 1,5 μSv/h ein – sollte diese überschritten werden, würde das durch einen Warnton angezeigt werden. Die Anzeige auf dem Display stand wieder bei 0,887 μSv/h. Er legte das Gerät auf den Rasen und wuchtete erst einmal die Gehwegplatten zur Seite. Ein argwöhnischer Blick auf das Display: Keine Änderung. Er nahm den Spaten zur Hand und begann zu graben. Nachdem er schätzte, etwa die Hälfte der Tiefe, in der die Geldkassette mit der Münze lag, wieder ausgehoben zu haben, nahm Andrew das Gerät in die Hand und hielt es in das Loch hinein. Die Anzeige erhöhte sich auf 0,888 μSv/h. Oh. Das konnte etwas bedeuten, musste aber nicht. Die natürliche Strahlung konnte schon in der geringen Tiefe geringfügig höher sein, um die dritte Nachkommastelle zu beeinflussen. Andrew buddelte weiter, bis er der Spaten auf Widerstand stieß. Wieder eine nervöse Prüfung mit dem Messgerät. Keine Änderung der Anzeige. Also grub Andrew die Geldkassette aus, nahm sie aus der Umhängetasche und hielt das Gerät direkt daneben. Die Anzeige stand wieder auf 0,887 μSv/h. Eins war schon mal klar: Die Münze konnte auf keinen Fall harte Gamma-Strahlung absondern, die würde das dünne Blech der Geldkassette durchdringen. Der Wahlhebel des Gerätes stand immer noch auf „alle Strahlungsarten“. Andrew steckte den Schlüssel ins Schloß und öffnete die Kassette, in der die Münze lag. Sofort hielt er das Gerät an die Münze. Nichts. Absolut nichts. Andrew atmete tief aus. Ihm fiel ein Stein vom Herzen. Gleichzeitig ärgerte er sich fast ein wenig, dass er den ganzen Aufwand im Prinzip für die Katz veranstaltet hatte. Nunja, ganz für die Katz doch nicht, nun sah er klar und hatte nebenbei noch eine ganze Menge gelernt.

Nach dem Abendessen checkte Andrew seine E-Mails. Tatsächlich fand er eine E-Mail von Mr. Jameson in seinem Postfach. Neugierig öffnete er sie. Die Mail enthielt nur eine Zeile Text: „Rufen Sie mich bitte so bald wie möglich an!“ Darunter stand eine Telefonnummer. Na dann… Er nahm das Telefon und wählte die Nummer. Jameson nahm schon nach dem ersten Läuten ab, fast, als habe er die ganze Zeit auf seinen Anruf gewartet. „Mr. Summers, ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir es offenbar mit etwas völlig unbekannten zu tun haben. Und was völlig unbekannt ist, ist womöglich auch gefährlich. Ich war zuerst so fasziniert, dass mir diese Tatsache zuerst völlig entgangen ist. Möglicherweise ist Ihr Objekt giftig oder radioaktiv oder mit Krankheitserregern belastet!“ „Hallo, Mr. Jameson. Nun, das mit der Radioaktivität ist mir bereits auch aufgegangen. Ich habe das bereits überprüft. Und ansonsten… bisher fühle ich mich wohl. Das schließt nicht aus, dass die Münze gefährlich ist, aber wir beide haben sie angefasst und können daran nichts ändern.“ Am anderen Ende herrschte kurzes Schweigen. „Hallo Mr. Jameson? Haben denn Ihre Kontakte der Branche etwas beitragen können?“ „Nun ja, es haben sich tatsächlich einige Kollegen gemeldet und erwartungsgemäß Fragen gestellt. Aber keiner hat so etwas schon einmal gesehen oder konnte etwas mit der Symbolen der Legende anfangen.“ „Dann sind wir also keinen Schritt weiter?“, fragte Andrew, „hat man eigentlich Ihre Anfrage eigentlich ernst genommen, oder vermutet man vielleicht einen Scherz oder Aufschneiderei von Ihrer Seite?“

Wenn Mr. Jameson das als Beleidigung auffasste, ließ er sich das nicht anmerken. „Wie ich schon sagte, es gibt einen gewissen Kodex in dieser Branche, außerdem genieße ich einen gewissen Ruf. Meine Anfrage wurde entsprechend respektvoll und sachlich beantwortet.“, entgegnete der Münzhändler. Andrew schwieg einen Moment. „Eine Rückmeldung könnte vielleicht weiterhelfen. Ein Kollege aus Aberdeen war der Ansicht, dass nur eine Untersuchung im Labor weitere Erkenntnisse bringen könne, wenn ansonsten nichts bekannt sein. Und er habe einen Freund, der Professor für Physik in Cambridge sei und da womöglich weiterhelfen könne.“ „Haben Sie etwa von dem ungewöhnlichen Gewicht der Münze verlauten lassen?“, fragte Andrew, um einen sachlichen Ton bemüht. „Natürlich nicht. Ich habe Ihnen mein Wort gegeben.“, antwortete Mr. Jameson. „Was schlagen Sie also vor?“, fragte Andrew. „Mein Kollege klang recht interessiert. Wenn ich richtig in der Annahme gehe, dass Sie das Objekt nicht aus der Hand geben möchten, könnten Sie nach Cambridge reisen. Mr. Miles, so heisst der Kollege, ist wie ich schon in einem fortgeschrittenen Alter und hat Zeit. Er könnte Sie dort treffen und man könne gemeinsam die Fakultät aufsuchen, um ein paar Untersuchungen durchzuführen zu lassen. Ich selbst würde, wenn Sie erlauben, ebenfalls gerne mitkommen.“

Andrew dachte nach. Eigentlich gefiel ihm der Gedanke, die Anzahl der Leute, die mit seiner Münze zu tun hatten, zu verdoppeln, nicht besonders. Aber andererseits… was hatte er schon zu verlieren. Nichts eigentlich. Zu gewinnen hingegen gab es neue Erkenntnisse. „In Ordnung. Können Sie das arrangieren? Ich habe auch keine Einwände gegen Ihre Begleitung.“, sagte Andrew schließlich, „Haben Sie denn eine Ahnung, wie lange so etwas dauern könnte?“ „Ich freue mich, dass ich mitkommen darf, Mr. Summers. Nein, das weiß ich noch nicht, es könnte sein, dass wir uns für ein paar Tage eine Unterbringung suchen müssen. Ich werde umgehend Mr. Miles kontaktieren, damit der mit seinem Professor einen Termin vereinbart. Insgesamt wäre es gut, wenn wir dort Gelegenheit hätten, mit Experten für Physik, Hüttenwesen und Werkstoffkunde zu sprechen.“ Oh. Noch mehr Mitwisser – aber das ließ sich auf die Dauer wohl kaum vermeiden. „Okay. Dann rufen Sie mich doch bitte zurück, wenn der Termin steht.“ „Alles klar. Das werde ich tun. Auf bald, Mr. Summers.“

Fortsetzung folgt…

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