911 remembered

Puh. Ich bin froh, dass ich heute überhaupt bloggen kann. Habe schon befürchtet, die Nacht unfreiwillig woanders verbringen zu müssen. Doch dazu später.

Nach dem Frühstück schmiss ich wie üblich meinen eeePC an und ging online. Einerseits, um Kommentare zum Blog zu genehmigen und zu beantworten. Andererseits, um die Aktivitäten des Tages zu planen. Ich meldete mich online für einen Besuch des 9/11-Memorials für 7:00 PM an. Das ist kostenlos, um eine Spende zum Erhalt der Gedächtnisstätte wird gebeten, also drückte ich online 10 Dollar per Kreditkarte ab, weil ich schon finde, dass dieses Ereignis Erinnerung verdient. Hatte mich vorher bei Jamie vom Desk informiert, dass ich den Reservation Pass (ebenso wie morgen meinen Boarding Pass für den nächsten Flug) per E-Mail zum Desk schicken könnte, man würde mir das dann ausdrucken. Das habe ich dann ganz naseweis einfach mal so gemacht, ohne drüber nachzudenken. Andrew hatte Dienst am Desk. Mann, ich habe nicht drüber nachgedacht, dass sowas bei einem New Yorker echt was aufrütteln kann.

Andrew hat das sichtlich runtergezogen. Er sagte, er könne da nicht hingehen. Er habe einen Onkel bei den Anschlägen im WTC verloren. Vor zehn Jahren besuchte er noch eine Schule hier in Brooklyn, und man habe überall die Fernseher angemacht. Ein Mädchen seiner Klasse schrie die ganze Zeit, dass ihr Vater dort arbeite. Eine Bekannte kam knapp mit dem Leben davon und musste fünf Stunden zu Fuss nachhause nach Queens gehen, weil die Tunnels und Brücken für Fahrzeuge gesperrt waren. Das hat mich alles sehr nachdenklich gemacht. Wir beurteilen immer sehr schnell aus der Ferne, was die Amerikaner so in der Welt anstellen und warum. Klar, ganz nüchtern betrachtet scheint vieles nicht richtig zu sein. Aber so ein Bericht aus erster Hand hilft, zumindest Verständnis zu entwickeln. Andrew erzählte, dass man lange nicht gewusst hat, was eigentlich vorgeht, er erwähnte sogar das Wort „Invasion“. Ich erinnere mich noch, wie unheimlich alles selbst auf unserer Seite des Atlantiks war: Die Türme getroffen, das Pentagon getroffen, Flug 93 entführt, Türme eingestürzt, Luftraum über den USA komplett gesperrt, der NATO-Bündnisfall ausgerufen… Wie schlimm muss das angstmäßig erst hier gewesen sein. Was er auch noch erzählte: Noch wochenlang sei überall dieser Geruch gewesen. Ich frage, was für ein Geruch, und er antwortete „Der Geruch des Todes“. Im Zusammenhang dazu kann ich noch erwähnen, dass die „USS Intrepid“, die ich am Montag besucht habe, nach den Anschlägen dem FBI als Hauptquartier gedient hat. Denn deren ursprüngliches Hauptquartier in New York war im World Trade Center…

Mit meinem ausgedruckten Reservation Pass zog ich also reichlich nachdenklich los zur U-Bahn. Der Besuch des Memorials war zeitlich ja an 7:00 PM gebunden. Vorher plante ich einen Besuch des Rockefeller Center und des Central Parks, der ziemlich unmittelbar nördlich davon liegt. Ich stieg also 47-50 Sts Rockefeller Center aus. Mir fiel auf, dass der Tunnelausgang in Richtung Rockefeller Center sehr viel edler gestaltet war als die anderen Ausgänge. Der Plan war, zur Aussichtsplattform „Top of the rock“ zu fahren, aber ich wusste nicht so richtig, wo das eigentlich ist. Das Rockefeller Center ist ja nicht ein Gebäude, sondern ein Gebäudekomplex. Nun, ich landete natürlich erstmal im falschen Gebäude und fragte mich dann halt durch. „Top of the rock“ ist auf dem höchsten Gebäude des Rockefeller Centers, dem GE Tower, 259 Meter hoch.

Eingang Rockefeller Center GE Building

Aha. Da kommt also mein Fernsehen her…

Erst bin ich noch beim NBC gelandet, das kann man offenbar auch besichtigen. Bestimmt auch spannend. Aber ich wollte ja nochmal bei Tageslicht ein wenig Midtown Manhatten bei Tageslicht fotografieren. Also latzte ich 25 Dollar (immerhin musste ich kaum warten, die Schlange war übersichtlich) und fuhr dann nach der unvermeidlichen Metalldetektor-Kontrolle mit dem Aufzug in den 67 Stock. Dort angekommen konnte ich drei verschiedene Aussichtsplattformen besuchen, die dann noch über Treppen zu erreichen waren.

Central Park und ich

Central Park und ich vom Top of the rock observation Deck des Rockefeller Center aus von mir selbst genipst.

Nunja, ich verbrachte sicherlich über eine Stunde da oben, um zu fotografieren. Ein Problem war, dass die Sonne das Fotografieren in Richtung Süden ziemlich erschwerte. Dagegen wusste ich auch kein Mittel, Landsmänner hielten einfach ne Sonnenbrille vor ihr Kameraobjektiv. Ich habs nicht ausprobiert, muss ich gestehen.

Lobby GE Building des Rockefeller Center

Lobby GE Building des Rockefeller Center

Anschließend fuhr ich wieder runter und knipste noch das eine oder andere Foto von der edel gestalteten Lobby. Die Böden und sonstigen Oberflächen bestehen aus edlen Materialien (ich bin da nicht so der Experte, aber es sieht einfach alles edel und teuer aus). Nunja, die ganze Umgebung ist halt edel. Die Shops in der Umgebung offerieren Luxusartikel wie teuere Düfte und Uhren. Die Mieten in dieser Gegend kann sich natürlich kein normaler Arbeitnehmer (von den 99%…) leisten. Ich wollte langsam mal was essen (obwohl ich gar nicht aufs Klo musste…) und überlegte, was da angesagt war. Ich kam an Bill’s Bar vorbei. Eigentlich wollte ich nicht schon wieder nen Burger. Aber die Zitate aus Zeiungen und Restaurantführern an der Wand haben mich dann doch überzeugt.

Der Laden war total voll, aber als ich nach einem Platz fragte, wurde mir ein Platz an der Theke offeriert, was okay für mich war. Meine Bestellung nahm eine junge, weibliche Thekenkraft auf, die ihr Handwerk echt zu verstehen schien, jedenfalls war sie echt schnell und souverän unterwegs mit den Drinks, die sie zu machen hatte. Auch meine Bestellung (Bill’s Burger, Sweet Potato Fries und n Vanille Shake) war ratzfaz geliefert. Die Süßkartoffel-Pommes haben mir auch gut geschmeckt – mal was anderes, aber ich mochte Konsistenz und Geschmack. Auch der Burger und der Shake waren gut.

St. Patrick's Cathedral

St. Patrick’s Cathedral

Nach dem Essen ging ich auf die Straße zurück, fotografierte die St. Patricks Cathedral, die unmittelbar neben dem GE Building steht und wie auch die Trinity Church einen etwas verlorenen Eindruck zwischen all den Wolkenkratzern macht. Diese Dinger sind einfach so extrem hoch, und selbst die Bauwerke aus den 30er-Jahren wie das Rockefeller Center oder Empire State Building wirken immer noch so modern, dass so eine klassische Kathedrale irgendwie wie ein Fremdkörper dazwischen wirkt.

Danach ging ich dann Richtung Norden und damit Richtung Central Park (um mich dessen zu versichern, bemühte ich mal wieder meine Freunde Google Maps und die NavStar-Satelliten über mein Handy). Aber die Baumansammlung in der Nähe hätte mich auch schon überzeugen können.

Ferngesteuerte Segelboote auf einem Teich im Central Park

Ferngesteuerte Segelboote auf einem Teich im Central Park

Angekommen im Central Park fing es leider bald schon an zu dämmern. Okay… ich brauchte mal wieder K&K (Kaffee und Klo). Und wieder ereilte mich dasselbe Schicksal wie schon zuvor bei JR Electronics: Kaffee abgreifen (übrigens ca. 2,50 Dollar – darür bekommt man auf Staten Island zweieinhalb Kaffees, und die schmecken auch noch besser) und dann rauskomplimentiert werden, bevor man das zweite K nutzen kann. Frechigkeit! Naja, zum Glück bin ich ja recht flexibel, was das angeht. Ich ging weiter Richtung Norden, kam am Zoo vorbei, beobachtete von draußen ein paar Seehunde, die sich kabbelten und kam dann zu so einer Uhr, die gerade einen Halbstundenschlag durchführte. Dabei rotierten ein Nilpferd, ein Ziegenbock,ein Elefant, ein Känguru und andere Viecher, alle mit Instrumenten, auf einen Sockel, während dabei „Row, row, row the boat gently down the stream“ als Glockenspiel erklang. Zusammen mit „Fight for your right to party“ von den Beastie Boys im Ohr ein ziemlich konfuser Mix, ehrlich gesagt. Dann landete ich an einem kleinen Teich, auf dem einige Leute ferngesteuerte, vor Ort mietbare Segelboote steuerten. Gähn. Ich habe just einen tollen Hubschrauber zum Geburtstag bekommen, das rockt viel mehr.

Obelisk im Central Park

Obelisk im Central Park. Die Amerikaner lieben irgendwie diese Dinger, man findet sie überall. Ich hoffe, kommende Woche den bekanntesten von allen zu fotografieren.

So langsam war es echt dunkel, und ich hatte ja meinen 7:00 PM-Termin am 9/11 Memorial einzuhalten. An sich hätte ich den Central Park gerne einmal ganz umrundet, aber ich stellte fest, dass das einfach zeitlich nicht drin war, das Ding ist einfach zu groß. Außerdem ist es bei Dunkelheit erstens nicht so attraktiv, sondern zweitens an einigen Ecken nach Hörensagen auch nicht so ganz ungefährlich. Etwa auf Höhe des Metropolitan Museum of Art wendete ich mich also nach Westen und durchquerte den Park. Ich hatte es nicht mal bis zum Reservoir, der großen Wasserfläche im Norden geschafft.

Midtown Manhattan vom Central Park aus fotografiert

Midtown Manhattan vom Central Park aus fotografiert

Dafür machte ich von einer Brücke über einen der kleineren Teiche ein paar schöne Fotos der Skyline von Midtown Manhattan in der Dunkelheit – mit Spiegelungen auf dem Wasser. Echt nicht schlecht. Außerdem gab es hier öffenliche Restrooms, die ich nutzen konnte.

Also machte ich mich dann wieder auf der Westseite des Central Park wieder auf in Richtung Süden, denn ich musste ja meinen Termin einhalten. Ich fand dann eine Subway-Station, Columbus Circle. Von da aus fuhr ich eine Station mit der D-Linie Richtung Süden, stieg um in die E-Linie, deren Endstation im Süden ist die Station World Trade Center. Von da aus hieß es dann noch, den Wegweisern zu folgen.

911 Memorial South Pool

9/11 Memorial South Pool

Das 9/11-Memorial wurde erst am 11. September dieses Jahres eingeweiht, was mir vorher nicht bewußt war. Vorher hieß es natürlich wieder einmal, einen Metalldetektor zu passieren und Jacke, Gürtel, Fotoapperat, Handy und Rucksack in Plastikschalen zu packen, damit es durch einen Röntgenapperat laufen konnte (war ja schon das zweite Mal an diesem Tag). Mein Taschenmesser hatte ich diesmal zuhause gelassen. Nachdem das absolviert war, konnte ich also die Gedenkstätte betreten. Ich fühlte mich ein wenig seltsam. Das Gespräch mit Andrew hatte mich halt sehr nachdenklich gemacht. Der Besuch des Memorials stand halt auf meiner Liste neben Lady Liberty, Rockefeller Center, Empire State Buildung… als sei es einfach nur eine Sehenswürdigkeit und Attraktion. Aber es ist etwas anderes, so wie bei uns z.B Ausschwitz erinnert dieses Mahnmal daran, was wir Menschen fähig sind, unseren Mitmenschen an Leid zuzufügen. Das ist kein Entertainment, sondern Reflexion über die dunkle Seite von uns Menschen.

Namen auf dem 9/11 Memorial

Die Namen auf dem 9/11 Memorial. Hier von FDNY-Einheiten, von Feuerwehrleuten, die beim Einsatz ums Leben kamen.

Die Gedenkstätte ist zwar schon eingeweiht, aber immer noch Teil einer Baustelle. Im Wesentlichen besteht sie aus zwei riesigen, quadratischen Pools, in der Fläche etwa 1 Acre (ca. 4000 qm), die Standort und Ausmaße der Grundfläche der gefallenen Türme markieren. An den Seiten der Quadrate sind künstliche Wasserfälle, 30 foot (zwischen 9 und 10 Meter) Fallhöhe. Das Wasser fließt dann in ein erhelblich kleineres Quadrat unten am Boden und wird von dort wieder hochgepumpt. Gesäumt werden die Quadrate von einer Blende aus Bronze, aus der die Namen aller fast 3.000 Opfer der Anschläge herausgefräst wurden, von unten beleuchtet. Die Namen sind sortiert nach den Opfern in den Flugzeugen (mit Flugnummern), im World Trade Center, im Pentagon, von den verschiedenen Rettungsgruppen der Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste sowie sechs Opfer des Bombenanschlags am 23. Februar 1993, darunter eine schwangere Frau.

Es war seltsam. Ein Security-Mann stellte mir die obligatorische Smalltalk-Frage „How are you doing“. Ich antwortete sowas wie „Fine, but I’m pretty much aware that this is not a fun-fair“. Mir ist irgendwie klar geworden, dass die NYPD-Leute und die sonstige Security vor Ort sich natürlich irgendwie nicht permanent von dieser Stätte runterziehen lassen kann – wie sollen die denn sonst mit ihrem Leben zurechtkommen, auch wenn sie jeden Tag an dieser Stelle ihren Dienst versehen. Ich selbst hatte teilweise Tränen in den Augen. Und die anderen Besucher… es gab Leute, die mit betroffenem Gesichtsausdruck das Metall der Bronzeumfriedungen berührten. An einer Stelle steckten Rosen in den ausgefrästen Buchstaben der Opfernamen. Andere Besucher ließen sich mit den Mahnmalen fotografieren, als sei es die Freiheitsstatue. Das fand ich ziemlich geschmacklos, so nach dem Motto „Cheese! Lächeln! Du wirst mit dem Grab von tausenden von Leuten fotografiert, die hier ermordet wurden!“ Ich glaube, insofern ist es ganz gut, dass Andrew da nicht hinfährt, das würde ihn echt krank machen, schätze ich. Wahrscheinlich waren diese Leute nicht bereit, den Horror und die abgründigen Seiten in uns Menschen an sich heranzulassen. Schön, aber was haben die dann da zu suchen, fragte ich mich. Da fehlte wohl ein Stück Reife.

Stahl aus dem World Trade Center

Stahl aus dem World Trade Center. Über 1,5 Millionen Tonnen an Stahltrümmern fielen nach der Zerstörung der Türme an. Einiges wurde symbolisch verarbeitet, etwa in die Staten Island Fähre Spirit of America. Andere Teile sind Ausstellungsstücke. Mich erinnert das irgendwie an Stücke der Berliner Mauer. Nur, dass es hier einen negativen Beigeschmack hat.

Nachdem ich beide Pools abgeschritten hatte, ging ich noch ins Visitor’s Center. Hier konnte man Devotionalien erwerben, es lief ein Film (der sich mit Opfern, Anghörigen von Opfern, aber auch der Zukunft der WTC-Site beschäftigte), außerdem wurden Fotos und Überbleibsel des Anschlages ausgestellt. Darunter Trümmerteile der Gebäude und Privatgegenstände von Opfern, die geborgen wurden. Zur Zeit ist das Gelände noch eine Baustelle, und auch das Memorial ist noch ein Provisorium. Geplant ist folgendes: Einerseits soll das Gelände immer eine Gedenkstätte bleiben. Neben den beiden Pools sollen noch 400 Eichen gepflanzt werden, außerdem befindet sich ein Museum im Bau, welches am 11. September 2012 eröffnet werden soll – an diesem Tag nur für Anghörige von Opfern, danach für alle. Andererseits sollen die Neubauten wie das One World Trade Center (wenn es fertig ist, das höchste Gebäude in Nordamerika) und das schon fertige, neue WTC 7 zeigen, dass man nicht aufgibt, sondern weitermacht und wieder aufsteht. Dies kann auf der Website projectrebirth.com genauer unter die Lupe genommen werden. Da gibt es einen interessanten Film zum Thema.

One World Trade Center - ein Symbol der Hoffnung

One World Trade Center. Der neue Turm ist ein Symbol des Wiederaufstehens und der Hoffnung.

Ich war im Prinzip eh schon fast durch, wurde dann aber von einem Security-Menschen zum Ausgang komplimentiert, weil man schlösse. Déjà vu all over. Gefühlt war das genug Betroffenheit für den Tag. Meinen Appetit hat es mir nicht verdorben, und es war Zeit zum Abendessen. Ich hatte eigentlich Lust auf Chinesisch. Es gab was in der Nähe, aber der hatte zu. Letzenendes landete ich bei Burger King. Da wäre mir Subway lieber gewesen. Aber ich hatte keine Lust mehr, noch groß zu suchen. Also besorgte ich mir eine Packung Hühnerklumpen mit Diet Coke und Pommes und vernichtete dieselben.

Und danach machte ich so einen typischen Karlchen-Fehler. Ich hab einfach nicht nachgedacht. Da hab es neben den Restroom eine Tür, die mit „Exit“ gekennzeichnet war, allerdings so ne Art Tür, die wie ein Notausgang gestaltet war. Und es war nicht die Tür, durch die ich gekommen war (die Essensausgabe war im Erdgeschoss, die Sitzplätze und Restrooms eine Etage höher, das zum Verständnis). Wie auch immer, ich öffnete die Tür und ging hindurch. Die Tür schloss sich hinter mir. Ich fand mich in einem Treppenhaus wieder und ging die Treppe runter. Unten angekommen gab es zwei Türen. Eine hatte nichts, um sie irgendwie zu öffnen. Die andere schon, aber auch diverse Hinweise, dass man sie auf gar keinen Fall nach Anbruch der Dunkelheit öffnen sollte. Hm. Ich ging das Treppenhaus wieder ganz hoch. Überall Türen, die nicht zu öffnen waren. Da ich keine Alternative mehr sah, ging ich runter und versuchte, die Tür, die man nicht öffnen sollte, zu öffnen. Es ging nicht. Mit anderen Worten, ich saß in der Falle. Was tun? Mir kam in den Sinn, mit meinem Handy die Notfallnummer 911 zu wählen. Bei der massiven Präsenz des NYPD in dieser Gegend wäre das wahrscheinlich gar keine schlechte Idee gewesen. Aber es war mir peinlich, und ich hätte wahrscheinlich nicht mal eine ordentliche Standortbestimmung durchgeben können. Im Erdgeschoss gab es eine Tür mit einem Fenster, hinter der Licht war. Da klopfte ich. Keine Reaktion. Hinter einer Tür in einem anderen Stockwerk hörte ich Stimmen. Ich klopfte. Sogar ein SOS. Keine Reaktion. Schließlich versuchte ich das noch auf einem anderen Stockwerk und wurde von einer Reinigungskraft von Burgerking aus meiner misslichen Lage befreit. Puh. Das war echt unangenehm gewesen.

Ich suchte mir ne U-Bahn-Station. Habe dann mit meinem doch eingeschränkten Orientierungssinn peinlicherweise die Word Trade Center Station nicht wiedergefunden und bin dann von Fulton Street losgefahren. Der Rest war Routine. Rückweg mit der U-Bahn, noch paar Getränke einkaufen, zurück zum Hotel. Fotos auswerten, bloggen. That’s all, folks!

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About michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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9 Responses to 911 remembered

  1. Avatar von Elisabeth van Nguyen Elisabeth van Nguyen sagt:

    Hi Michi,
    uns ging es allen ganz ähnlich beim WTC. Wir waren ja drei Wochen vor Eröffnung des Momorials da in einem improvisierten Visitor Center. Weiß nicht, ob Du in dem selben warst oder ob die jetzt schon ein anderes hatten. Da gab es mehrere Filme, Gegenstände aus den Trümmern und viele, viele Tafeln mit Texten, Zitaten von Zeugen, letzten Anrufen aus em Flugzeug… Ich kann mir in so einem Fall nie alles durchlesen, ich nehme sozusagen Stichproben, aber als wir schon alle fertig waren, las Pascal noch immer… Ich hatte auch Tränen in den Augen. Und es ist, wie Du sagst: Man hat leicht reden, die Opferzahlen von 9/11 mit den Opferzahlen in Afghanistan zu vergleichen und zu sagen, das seien ja schließlcih viel weniger. Aber wenn man sich so direkt damit konfrontiert sieht, merkt man, dass es hier ja letztlich nicht um Zahlen geht sondern um das Leid von Menschen einerseits und das, was Menschen Menschen antun andererseits. Das macht sprachlos. Ich habe niemanden persönlich gesprochen. Aber mir fielen z.B. auch Plakate in den U-Bahn-Zügen aufgefallen, die Beispiele von Menschen zeigten, die bis heute psychisch oder physich krank sind (vor allem Hez- und Lungenleiden sowie Angstpsychosen), und die darauf hinwiesen, dass Betroffene kostenlos midizinische Hilfe erfahren können.

    Ansonsten lese ich jeden Tag mit Spannung Deinen Blog. Als ich über Central Park im Dunkeln las, dachte ich „…where they say you should not wander after dark.“ (Simon und Gefunkel, New York), aber darauf bist Du dann ja auch selbst gekommen. Schön auch, dass Du die Nacht nicht im Treppenhaus verbringen musstest!!

  2. Avatar von michikarl michikarl sagt:

    Ja, diese Werbetafeln in der U-Bahn habe ich auch schon gesehen. Vermutlich waren wir im selben Visitor’s Center. Am liebsten würde ich in einigen Jahren nochmal wiederkommen und schauen, wie alles aussieht, wenn die Gestaltung des Geländes abgeschlossen und 1 WTC fertig ist.

  3. Avatar von Ralf Bosse Ralf Bosse sagt:

    Hi Michi, wenn ich mir deine Tagesschilderungen so reintue, frage ich mich immer wieder, warum ich die ganzen Strapazen eines solchen Trips auf mich nehmen sollte,mal abgesehen von dem ganzen Spaß, den man dabei haben kann, wenn es doch immer wieder nette Leute gibt, die das alles für mich tun und dann noch so unterhaltsam verpackt rüber bringen, wie ich es wahrscheinlich persönlich noch nicht einmal live erleben würde.
    Chorals Thanks!!!
    Ralf

    PS: Apropos,wo verbringst du nächsten Donnerstag Thanksgiving, die Mutter aller amerikanischen Feiertage??

    • Avatar von michikarl michikarl sagt:

      Hallo Ralf. Danke für Deinen Kommentar. Also, ehrlich gesagt, keine Ahnung, was ich am 24. November mache. Wahrscheinlich einsam und alleine mit einem McDonald’s Value Meal in meinem Hotel hocken. Habe kurz mit dem Gedanken gespielt, einfach kurz zu meinen Verwandten in Ohio zu fliegen, aber das ist zu teuer. Vielleicht kann mir am Desk im Hotel jemand einen Tipp geben.

  4. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Puh, nach dem Lesen deiner ersten Zeile dachte ich kurz, dass du womöglich versehentlich verhaftet worden seist. Aber die Erfahrung in dem Treppenhaus ohne Ausgang möchte ich auch nicht machen. Ätzend. Aber zur Not wäre dir schließlich doch noch die 911 offen geblieben. Und demnächst mal hinschauen, durch welche Türen du so latschst!!! 🙂

    Einige meiner Lieblingsautoren lassen ihre Geschichten in New York spielen, bzw. lassen ihre „Helden“ Beziehungen dort haben. Alle Autoren haben die Geschehnisse von 2001 in ihren Büchern verarbeitet (obwohl die erwähnten Bücher durchweg Krimis, Thriller oder forensische Anthropologie zum Thema haben, und nicht Politik, Geschichte oder sowas). Darin ist es ganz ähnlich, wie du es auch beschreibst, was du gesehen hast. Den Menschen sitzt das Ereignis noch sehr tief in den Knochen. Jeder hat jemanden verloren, oder kennt jemanden, der jemanden dort verloren hat usw. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Tag erinnern, und wie auch über Hamburg die Hubschrauber gekreist haben, und überall Polizei präsent war. Wie muss es erst dort gewesen sein, wo es passiert ist? Mal ganz abgesehen davon, dass wir nicht tagelang den Staub eingeatmet haben, nicht zu Fuß quer durch eine Großstadt laufen mussten um nach Hause zu kommen usw. …
    Trotzdem haben die USA ihr Verhalten in der Welt nicht geändert. Anstattdessen es nur schwieriger und demütigender für alle Normalbürger gemacht, in ihr Land einzureisen. Sehr traurig, dass der schreckliche Tod so vieler Menschen so wenig bewirkt hat. Aber nun kann man „stolz“ darauf sein, sich nicht erpressen zu lassen. Herzlichen Glückwunsch … 😦
    Hm, schicke ich dieses Geschreibsel nun ab? Ja … doch … ich glaub‘ schon.

    • Avatar von michikarl michikarl sagt:

      Hmtja. Ich denke auch manchmal, dass die Amerikaner besser beraten wären, ihr Heimatland vor allem in ihrer Heimat zu verteidigen. Weniger ins Militär, mehr in Bildung und Gesundheitswesen. Möglicherweise würde man den Terrorismus effektiver bekämpfen, indem man ihn nicht bekämpft – und sich nicht immer neue Feinde in der Welt schafft. Aber das ist wahrscheinlich, selbst wenn man politisch willens wäre, kaum umzusetzen. Wegen der Waffenlobby. Wegen der Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie und im Militär selbst. Und wegen der Geschichte einer stolzen Nation, in der es tief veranktert ist, die eigenen Rechte (oder Interessen) mit der Waffe zu verteidigen. Aufgrund unserer Geschichte verbinden wir unser Militär immer wieder mit zwei angefangenen und verlorenen Weltkriegen, mit Kriegsverbrechen und dem Mord an den Juden. Wir sind kaum stolz auf unser Militär. Hier ist das eine andere Geschichte. Militär und Waffen gehören hier einfach zur Kultur. Und das wird sich wohl lange nicht ändern.

  5. Avatar von Pascal van Nguyen Pascal van Nguyen sagt:

    hmm ja.. 9/11. das hat mich auch echt runtergezogen muss ich sagen..irgendwie ist ma da nicht so richtig drauf eingestellt.. und dann waren wir (wie bereits von meiner mutter erwähnt) ja in diesem impro-vistitor-center und dann waren da diese plakate mit den zitaten und den zwischendurchsagen und da lief so ein film und dann waren da noch so briefe von betroffenen und besuchern geschrieben, da hats mich echt getroffen.. *krokodilstränensinnflut*
    wie du schon sagtest man fängt erst an das zu realisieren und darüber nachzudenken was wirklich die besonders schrecklichen dinge daran sind und WIE verheerend die eigentlich sind.
    klar denkt man immer: „man ist das schrecklich!“, und man ist ja auch ehrlich betroffen, aber die waren ausmaße erkennt man eben nicht sofort, da muss man schon echt die augen öffnen und die ganzen dinge richtig an sich ranlassen und ins nachdenken kommen..

    hmpf. eigentlich wollte ich gar ncht so nen langen text schreiben 😮 aber ist ja auch nicht so schlimm da ich ja morgen ausschlafen kann (heute zahn op absolviert)..

    ich wollte noch loswerden, dass ich deinen blog wann immer möglich mit spannung lese, genau wie alles was du schreibst. respekt, dass du jeden abend nach solch langen tagen so einen langen, detaillierten bericht schreiben kannst, der auch noch wie immer keineswegs langweilig sondern, interessant, humorvoll, informativ und eben auch mal emotional oder sogar fast schon philosophisch ist :O

    keep on writing, i’m following every single word 😉

    • Avatar von michikarl michikarl sagt:

      Hi Passn.

      Vielen Dank für Obst und Südfrüchte. The ability for good narrative writing runs deeply within our family. Als ich die Kriegstagebücher von Deinem Uropa gelesen habe hat es mich fast aus den Socken gehauen. Nicht nur inhaltlich, sondern auch WIE mein Opa das geschrieben hat.

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