Abendessen mit Sonia

Als ich die Grütze mit den Raketen einigermaßen verdaut und keinen Bock mehr auf Nachrichten gucken hatte, habe ich mich erst mal unter die Dusche gestellt und bin dann raus um was essen zu gehen. Klingt blöd, aber ich hatte irgendwie den Impuls, meinen Fahrradhelm aufzusetzen (den ich natürlich nicht mithabe). Zuerst ging ich einfach mal an den Strand vor dem Hotel, den Sand und die Wassertemperatur checken. Mir kam das Mittelmeer tatsächlich noch recht warm vor. Die Lufttemperatur war immer noch 21 Grad, und kälter wurde es auch im Laufe der Zeit nicht.

Sheraton Hotel

Das Sheraton Hotel, wo ich wohne.

Im Prinzip ist es hier nicht viel anders als ich mir die typischen Pauschalreise-Badeorte Südeuropas so vorstelle (ich habe so eine Art Urlaub ja noch nie gemacht): Strand, dahinter eine Riesen-Bettenburg neben der nächsten. Nicht sehr attraktiv, diese Betonklötze. Einige Gebäude hier sehen so aus, als wären sie bereits einem Geschoss aus dem Gaza-Streifen zum Opfer gefallen, aber die sind einfach nur baufällig. Darunter auch eines der riesigen Hotels, da fehlen ganze Betonplocken in der Fassade (und in den Stützpfeilern), so dass man nackte Stahlgerippe sieht. Da hätte ich als Gast Angst, dass mir das Teil über dem Kopf zusammenfällt. Die Sheraton-Hütte,in der ich logiere, macht aber einen ganz soliden Eindruck.

Screenshot CNN

Dieses Gebäude sieht aus, als wäre da schon mal irgendwas reingedonnert.

Nun, am Strand sind viele Beachvolleyballnetze, Spielplätze für Kinder und für Erwachsene (Trainingsgeräte) und Strandlokale. Die meisten waren fast leer, wenngleich geöffnet. Ich suchte eins direkt vor dem Sheraton auf, welches einigermaßen besucht war, und bestellte ein Goldstar Lager und n Cheeseburger. Ich entdeckte eine junge Frau an einem Tisch in der Nähe, die alleine aß. Nachdem mein Bier schon da war und ich noch auf den Burger wartete, fasste ich mir ein Herz und fragte sie auf Englisch, ob ich ihr Gesellschaft leisten dürfe. Ich durfte. Sie hieß Sonia, ich schätzte sie auf Ende 20, Anfang 30, und war Italienerin. Bisschen schade, am liebsten hätte ich natürlich mit jemandem aus Israel, am besten Tel Aviv, gesprochen. Aber ich will nicht undankbar sein, ich fühlte mich bisschen alleine, und alleine essen mochte ich gar nicht gern. Wie sich herausstellte, Sonia ebenfalls nicht, sie war ganz froh über die Gesellschaft.

Wärmelampen

Echt krass: 21 Grad abends draußen am Meer, und die machen hier noch Wärmelampen an.

Sonia war geschäftlich unterwegs, sie arbeitet für den israelischen Konzern Teva Pharmaceutical Industries Ltd. Denen gehört unter anderem Ratiopharm, weshalb sie ihr Job auch schon nach Ulm geführt hat. Wir haben dann unsere Luftalarmgeschichten ausgetauscht. Sie war gerade in einem Taxi, und der Fahrer sagte ihr, alles sei okay, aber sie müssten trotzdem das Taxi verlassen und in Deckung gehen. Schon gruselig. Dann hatte sie eine Präsentation zu machen, ihr Laptop war an ein großes Display angeschlossen – und online. Ihr war es dann ein wenig peinlich, dass unten rechts ständig E-Mails von ihrem Ehemann aufpoppten, der sich Sorgen um sie machte. Wir unterhielten uns über das Reisen, insbesondere USA, und über ein Thema, welches mir ja eigentlich nicht so liegt: Politik. Sonia fragte, was ich von unserer Kanzlerin hielte. Naja – ich jammerte ein bisschen über unsere Politiker, woraufhin sie mir erklärte, wie super und vorbildlich doch bei uns alles sei. Hm, ja… aus ihrer Perspektive (Stichwort Berlusconi) nur allzu verständlich. Sie musste dann allerdings schnell ins Bett, weil sie morgen sehr früh wieder vom Ben Gurion nach Milan zurückfliegt. Schade, ich hätte mich länger mit ihr unterhalten können.

Seltsame Architektur

Ungewöhnliches Gebäude, welches mir schon auf der Taxifahrt vom Ben Gurion aufgefallen ist.

Ich holte mir noch zwei Kugeln Eis in ner Tüte und schlenderte den Strand entlang. Paar Jogger und Leute mit Hunden waren noch unterwegs, auch paar Leute in Businessoutfits. Ich knipste noch ein seltsames Gebäude, welches mit vom Taxi aus aufgefallen war und ging dann in die andere Richtung. Ich kam an einer Bar mit Livemusik vorbei, „Mike’s Place“, eigentlich wäre ein Besuch, den ich kurz erwogen habe, Pflicht gewesen. Aber mir reichte es für den Abend. Auf dem Rückweg kam ich an kleinen Läden, die Getränke verkauften vorbei, die mir auf dem Hinweg schon aufgefallen war. Ich wollte in dem einen zwei Dosen Goldstar kaufen aber die Dame an der Kasse sagte mir entrüstet, das sei Alkohol, das dürfe sie mir nicht verkaufen. Ich hatte keinen Bock, zu fragen, warum, und nahm ne Dose Cola light. Der nächste Laden warb auf Schildern damit, er habe eine Lizenz, 24/7 Alkohol zu verkaufen. Aha! Also rein. Doch auch das ging nicht, wie mir der Mann des Hauses mit sichtlichem Bedauern mitteilte. Nach 11 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden. Er bot mir an, das in Pappbecher abzufüllen, aber ich winkte ab. Stattdessen habe ich mir hier noch ein Carlsberg aus der Minibar gegönnt. So, das wäre es dann auch erst mal für heute. Bis morgen.

Seltsame Parkbank

Also, gerade als ich dachte, es kehre wieder ein wenig Normalität in meinen Tag ein, lief mit das hier über den Weg…

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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1 Response to Abendessen mit Sonia

  1. Avatar von Marco Marco sagt:

    he he, ist ja echt spannend so einen Urlaub mit zu verfolgen 🙂
    Hoffentlich werden die nächsten Tage wieder etwas ruhiger damit du auch die Gelegenheit hast deinen Urlaub zu genießen 🙂

    Bei dem (Kunst?)-Objekt fragt man sich dann aber schon so ein bisschen was das denn nun genau darstellen soll….oder vielleicht ‚kann das ja auch wech‘ 😉

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