Welcome to Israel!

So. Angekommen, eingecheckt und -geloggt. Und das war der Weg bis hierher:
Der Flug mit dem A321 war recht angenehm. Mangels Onboard-Entertainment in dem kleinen Jet sagte der Kapitän irgendwann mal durch, man befände sich in 36.000 ft Höhe bei 870 km/h sowie über Klagenfurt. Wir würden dann über Zagreb und Sarajevo in den griechischen Luftraum einfliegen, über Tessaloniki dann an der türkischen Küstenlinie entlang und schließlich in Tel Aviv ankommen. Zu essen gab es wahlweise Rührei oder Waffeln mit Sauerkirschkompott, dazu ein kleines Brötchen, ein Croissant, jeweils ne Scheibe Käse und ne Scheibe Schinken und n Töpfchen Aprikosengelee sowie einen kleinen Joghurt. Kurz vor der Landung kam noch ein etwas merkwürdiger Spruch: Wegen statischer Aufladung könne man 13 Minuten vor der Landung die Toiletten nicht mehr benutzen. Seltsam, aber egal. Kurz vor der Landung überflogen wir den Strand und eine Marina, es könnte sein, dass es die ist, die ich von meinem Balkon aus sehen kann. Ansonsten Betonklötze, Autobahnen und leere (oder landwirtschaftlich genutzte?) Flächen.

Nun, nach der Landung also raus aus dem Flieger, im T-Shirt, denn es war 25 Grad, blauer Himmel, Sonnenschein. Ab zur Passkontrolle, und das war – verglichen mit der Einreise in die USA – absolut entspannt. Nur eine kleine Schlange, in der ich vielleicht 10 Minuten gewartet habe, der – auch noch recht nette – Beamte machte nur einen Stempel in den Pass, fragte nach Zweck und Länge meines Aufenthaltes – und das wars dann auch schon. Sehr angenehm entspannt!

Ich holte meinen Koffer ab, der just ankam, als ich das Band gefunden hatte. Dann zur Information, nach Verkehrsmitteln zum Hotel fragen und alles an gedruckter Info abgreifen, was verfügbar war. Dann noch schnell 100 Euro in NIS (Neue Israelische Schekel) wechseln. DerBen Gurion Airport hat eine Bahnstation, also zog ich mir n Ticket für 15 Schekel (ungefähr 3 Euro). Eine Italienerin fragte mich, was sie tun müsse, um nach Jerusalem zu kommen – hab ich ne Ahnung? Ich sagte ihr nur, dass sie irgendwo umsteigen müsse. Eine Dame am Counter sagte mir dann, ich müsse zu Gleis 2 und mein Zug führe in 5 Minuten. War kein Problem, den habe ich locker gekriegt, der Weg war kurz.

Blick aus dem Flugzeugfenster

Das obligatorische Bild aus dem Flugzeugfenster. Paar flockige Wolken und Mittelmeer. Achtung, Suchbild: Finde das Schiff!

Im Zug war dann meine erste Begegnung (wenn man das so nennen kann, ich hab nicht mit ihr gesprochen) mit den Israelis eine junge und bildhübsche Frau in Uniform, die mit einem iPhone in einem rosa Cover mit weißen Pünktchen telefonierte. Es waren noch andere Soldaten und Soldatinnen im Zug. Hoffentlich bleibt es ruhig im Gazastreifen, sonst muss man sich Sorgen machen, dass Ihnen was zustösst. Leider war ich so vertieft in das Aufsaugen meiner Umgebung, dass ich meine Station Savidor Center verpasst habe – sie wurde nicht mit dem Namen angezeigt, aber ein Blick aus dem Fenster hätte geholfen. Als ich meinen Sitznachbarn danach fragte, ob ich meine Station verpasst hätte, meinte er es sei die Station, an der wir gerade standen, das habe ich nicht mehr geschafft. Ich fuhr also eine weiter, zur Tel Aviv University. Die Sonne war schon sehr früh (so gegen 16.30 Ortzeit) untergegangen, und ich hatte keine Lust mehr auf weiteres Rumgeeier, also habe ich mir ein Taxi zum Hotel genommen. Nach Absprache sollte das 70 NIS kosten, ich hab noch n Zehner draufgelegt, also ungefähr 16 Euro. Was solls, ich hab Urlaub.

Siemens-Zug

Der Zug, mit dem ich vom Flughafen in die Stadt fuhr, wurde offenbar in der Heimat hergestellt.

Unterwegs kamen irgendwann die Nachrichten. Ich hab natürlich kein Wort verstanden. Falsch, doch drei Worte: „Hamas“ und „Guido Westerwelle“. Kein Scherz!

Hotelbett in Tel Aviv

Die Unterbringung ist komfortabel – mindestens.

Nun bin ich also im Hotel. Ist schon recht angenehm, etwa der Standard wie in New York, aber ohne Küchenzeile, dafür aber etwas edleres Mobilar. Der Strand ist direkt vor der Tür, ich habe einen kleinen Balkon und Meerblick.

Blick aus dem Fenster

Blick von meinem Balkon. Der Strand ist nicht weit weg…

Viel reißen werde ich heute wohl nicht mehr. Denke, ich gehe gleich erstmal unter die Dusche und anschließend noch ein bisschen am Strand spazieren und was essen. Hier direkt gibt es einen Laden, wo man draußen sitzen kann und der Seafood, Burger und Steaks in Neon anpreist. Mal sehen. Was ich morgen so anfange, habe ich noch nicht auf dem Plan, man wird sehen.

Screenshot CNN

Zuviel Nachrichten gucken ist schlecht für das Urlaubsgefühl.

Update:  Ich war nicht sicher, ob ich das hier reinschreiben soll, damit Ihr Euch keine Sorgen macht, aber Ihr werdet es wahrscheinlich ohnehin mitbekommen. Ich tippte hier gerade, als draußen eine Sirenen losgingen. Bin auf den Balkon, um zu schauen, wie sich die Leute verhalten. Einige blieben ganz cool, andere rannten aufgescheucht durch die Gegend. Dann waren die Sirenen irgendwann stumm und ich hörte kurz danach einen dumpfen Knall. War mir erst nicht so sicher, was ich davon zu halten hatte. Machte CNN an. Und da wurde das mit den Sirenen gebracht, man hat kurzfristig hier das Verteidigungsministerium evakuiert. Genaueres weiß man noch nicht, aber es könnte sein, dass im Süden von Tel Aviv was eingeschlagen ist. Eben klopfte es an die Tür, ein lächelndes Staff-Member fragte, ob ich okay sei und gab mir einen Zettel. Darauf steht, wo ich mich im Falle eines Alarms in den Shelter begeben soll:

„Dear Guest: In case of an emergency alarm, please follow the escape route to the nearest (floor) shelter located on floors 4 – 20 (except 18th. floor) via the service elevator entrance oposite to 08 rooms.
Please remain calm and await further information or for hotel staff member to contact you.

Thank you. The management.

Hm… „Enjoy your stay“ habe ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Naja. Schon unangenehm. Die Luftwaffe wird jetzt vermutlich versuchen, im Gaza-Streifen Raketen-Startplätze auszuschalten. Ich werde erstmal so weiter machen wie geplant und die Nachrichten verfolgen. Solange hier nicht mehr passiert oder meine Regierung mich auffordert, das Land zu verlassen, bleibe ich erst mal hier.

Noch ein Update:

Hab noch mal sicherheitshalber eine Frau vom Information-Desk hier auf meiner Etage gefragt und mir den Weg zum nächsten Shelter zeigen lassen. Sie meinte nur „Stay calm, everything’s gonna be fine“. Naja, die Israelis sind sowas ja auch gewohnt… Ich schau jetzt mal ob ich noch n Bier und was zu essen kriege. Ich lasse mich doch vor lauter Nachrichten gucken nicht den Urlaub entgehen!

Avatar von Unbekannt

About michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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4 Responses to Welcome to Israel!

  1. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Lieber Michi, ich denke schon den ganzen Tag dran, ob du wohl geflogen bist. Bist du offensichtlich. Nun bleibt also, dir (und allen Israelis und Palästinensern) die Daumen zu drücken, dass sich die Lage wieder beruhigt, und du nicht ständig Angst und ein blödes Gefühl haben musst! Ich drücke jedenfalls ganz feste die Daumen! Hoffentlich hilft’s!

    • Avatar von michikarl michikarl sagt:

      Hallo Satayspiess, vielen Dank fürs Daumen drücken. Fürs erste bin ich nach dem Abendessen wieder einigermaßen entspannt. Mal sehen, was so kommt (oder auch hoffentlich nicht).

  2. Avatar von Frankfurter Gastgeberin Frankfurter Gastgeberin sagt:

    Danke fürs Updaten. Ich hoffe, dass sich die Lage entspannt. Schlaf‘ gut.

  3. Avatar von Gunnar Gunnar sagt:

    LIeber Michi, beim Reinholen der Zeitung bekamen wir gleich einen kleinen Schock! Ausgerechnet jetzt rumort es wieder im Gaza-Streifen. Wir hoffen, dass es sich dort wieder beruhigt und es nicht zu weiteren schlimmeren Situationen kommt! Wir drücken dir die Daumen, dass alles gut geht!

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