Frühstück mit Andrej

Nun, ich wachte nach einer angenehm Luftalarmfreien Nacht gegen 8:10 Uhr auf und lungerte bis Neune im Bett herum. Danach duschen, anziehen und frühstücken. Das Büffet war eins von der Sorte, wo man das Mittagessen gleich zum Frühstück einnehmen kann, mit Kartoffeln, Pasta und so weiter (und allem anderen natürlich auch). Im ersten Moment überfordert mich sowas. Die meisten Menschen um mich herum waren normalformatig, aber ich sah da auch so einen großformatigen XXL-Ami, der wohl öfter so frühstückt. Also erstmal Rührei und einen Capuccino.

Zweiter Gang: Mal den Süßkram antesten. Ordentlichen Brot gibt es natürlich nicht, dafür French Toast, Pancakes, Brownies, Croissants, Dänisches Blätterteiggebäck mit Schokolade. Ich probierte alles mal durch, fand aber alles nicht so wirklich überzeugend. Die Amis können das besser. Als ich an meinen Platz zurückkehrte, sass ein übergewichtiger Mensch, der schwer angeschlagen wirkte, auf dem Platz neben mir. „Russian“, stellte er sich vor. „German. Mikel.“ „Andrej“. Herzlicher Handshake. Schweigen. „Are you waiting on somebody?“ „Yes“. Schweigen. Dann kam eine blasse Russin (vermutlich) und brachte Andrew einen Teller von mit Käse, Tomaten, Ei und so weiter und ging sich dann anschließend selbst etwas zu essen holen. Hm. Russische Konversation. „Pardon, I have to work on my russian…“. Keine Reaktion, zumindest nicht auf Englisch. Dafür erneuter Handshake und herzliche Umarmung. Andrej hat noch etwas Ei im Mundwinkel und wirkt, als hätte er den Wodka der vergangenen Nacht noch nicht wirklich verdaut. Urghh… Ich überlegte mir, nach dem nächsten Gang den Platz zu wechseln, fand das aber unhöflich und uncool. Also noch eine Schale Cerialien und einen neuen Capuccino. Hinsetzen. Noch ein Handshake, noch eine herzliche Umarmung. Nun, die Russen sind halt anders. Als Andrej mir allerdings einen schon von ihm angebissenen French Toast in den Mund stecken will, geht mir die Sache doch zu weit…

Russisches Frühstück

„This is not my disaster!“

Nach einem weiteren Ausflug in die Welt der touristischen Überernährung waren Andrej und seine blasse Begleiterin verschwunden. Sie hinterließen ein ziemliches Schlachtfeld, für das die Verantwortung zu übernehmen ich nicht bereit war. „Finished?“ frage einer der dienstbeflissenen Hotelangestellten. „This is not my disaster!“ beeilte ich mich zu erklären. Unterm Strich war das Abendessen mit Sonia deutlich angenehmer.

Shabath Control

Shabat Control? No Clue…

Was mir am Ausland gefällt, sind auch die kleinen Details, etwa, dass die Ampeln hier grün blinken, bevor sie gelb werden. Ansonsten gibt es hier auch noch diverse exotisch anmutende Sachen im Hotel. Etwa einen Gottesdienstraum, den ich zufällig entdeckt habe. An meinem Bett kann ich eine „Sabbath Clock“ aktivieren. Und über den Aufzügen gibt es ein Schild, auf dem etwas mit „Shabat Control“ steht. Der Sabbat beginnt heute abend und endet morgen abend. Ich sollte sicherheitshalber mal vorher ein paar Sachen einkaufen. Ich werde gleich wohl mal bisschen shoppen gehen, z.B. Solarprotektionsfluid, welches ich nicht mit habe. Ein Laden hier in der Nähe bietet „beach essentials“ an, da wird es das wohl geben.

Blick vom Balkon bei Tag

Blick vom Balkon bei Tag

Was geht sonst heute? Nunja, taktisch gesehen wäre es wahrscheinlich schlauer, heute auf Sightseeing zu gehen und morgen, wenn eh wegen des Sabbats nix läuft, faul am Strand herum zu hängen. Aber das sieht alles so verlockend aus, die Liegestühle, die Leute, die trotz der Verbotsschilder hier baden… Na, mal sehen. Erstmal gehe ich wohl was einkaufen, und dann mal sehen. Bis später!

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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4 Responses to Frühstück mit Andrej

  1. Avatar von Elisabeth van Nguyen Elisabeth van Nguyen sagt:

    Welch angenehme Frühstücksgesellschaft… Ich habe gerade erst Deine Berichte von gestern abend gelesen. Ich hoffe, unsere Mutter beunruhigt sich nicht so sehr. Ich selber bin da gemäßigt – ich kenne so viele Leute, die schon heil aus Irael wieder gekommen sind, und da ist schließlich leider dauernd was los… und wer unter dem Schutz des Höchsten steht… darauf vertraue ich einfach. Aber dass es ein bizarres Gefühl ist, wenn man das live erlebt, kann ich mir schon vorstellen. Ich hoffe, das vermiest Dir nicht zu sehr den Urlaub!

    Was die Ansichten der Intalienerin über die Lage bei uns angeht – das ist mir schon oft begegnet. Aus dem Blickwinkel der meisten unserer europäischen Nachbarn jammern wir eben doch auf ziemlich hohem Niveau, egal, ob es um unser Bildungssystem, die allgemeine Wirtschaftslage oder eben um unsere Politiker geht.

    Freue mich auf den nächsten Beitrag! Genieße das Klima, über Lüneburg liegt eine dicke, nasskalte Novembernebel-Suppe!

  2. Avatar von tstueck tstueck sagt:

    shabat control
    http://en.wikipedia.org/wiki/Shabbat_elevator
    … also ein Aufzug, der funktioniert, ohne dass Knöpfe gedrückt werden. Das Schließen von elektrischen Kreisen ist ein Verstoß gegen Sabbatgesetze.
    Es gibt auch andere Geräte, die Sabbatgesetze berücksichtigen, z. B. Herde, die am Sabbat nicht angefeuert zu werden brauchen. Du wirst ab heute Abend sicher noch von einigen solchen Dingen berichten können.
    Viel warme und friedliche Zeit zum Umsehen gewünscht aus dem nebelig kalten Herbst!

  3. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Die dicke nasskalte Novembernebelsuppe erstreckt sich von Lüneburg aus mindestens noch über den Nachbarn Hamburg, und so werfe ich sehnsüchtige Blicke auf dein Foto vom schönen Strand und deinen Angaben über die Lufttemperaturen …. Aber das soll dir auf alle Fälle gegönnt sein, aber vor allem, dass es ruhig bleibt!
    Habe schon so oft gehört, dass die Russen sich bei Tisch in unseren Augen sehr fragwürdig benehmen. Das Foto spricht da ja auch Bände … Ich drücke dir die Daumen, dass du weiter mit selbst ausgesuchter Gesellschaft besser fährst, als mit nicht ausgesuchten Tischnachbarn … 🙂

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