Wasser marsch …und tschüß!

12.37 Uhr, im Zug zwischen Hengelo und Bad Bentheim (also nahe der Grenze)

Gegen viertel vor sechs riss uns das Telefon aus dem Schlaf. Der Chief wünschte die Anwesenheit von Freund Elektriker im Maschinenkontrollraum. Also beschlossen wir, ich würde duschen, meine Sachen zusammenpacken, mit meinem Freund zusammen frühstücken und dann den Abflug machen. So lief es dann auch. Beim Frühstück trafen wir in der Galley wieder den Kapitän, diesmal im amtlichen Pullover mit vier Streifen auf der Schulter, der sich auch gerade sein Frühstück schmecken ließ und ab und an ein paar Worte über ein Handfunkgerät wechselte. Der Kapitän und mein Kumpel sprachen noch kurz über ein paar dezente Meinungsverschiedenheiten im Maschinenraum, noch während des Flutens einen weiteren Hilfsdiesel für die Strahlruder anzuwerfen (wobei die beiden sich einig waren: wozu das?), während ich zwei Stücke Frühstücksfleisch, ein Nutellabrötchen und zwei Tassen Kaffee verhaftete.

Anschließend bedankte ich mich kurz per Handschlag beim Kapitän, den ich recht sympatisch fand, begab mich mit meinem Kumpel zum letzten Mal auf die Kammer, schnappte mir meine Sachen und machte mich auf den Weg, das Schiff zu verlassen. Nach einer knappen Verabschiedung vom Seemann meines Vertrauens konnte ich das Schiff gerade noch über die Gangway verlassen, man begann gerade damit, sie abzubauen. Eigentlich schade, die Sache mit dem Käfig klang wirklich spannend…

Heck der "Santa Clara"

Das Dock wird geflutet und die „Santa Clara“ kommt zurück in ihr Element

Ich machte noch einige letzte Fotos vom Schiff, unter anderem von Ruder und Schraube, die schon halb im steigenden Wasser lagen. Dann verließ ich die Werft, nachdem ich der Dame am Checkpoint mein Besucherformular zurückgegeben hatte (diesmal hatte ich es ausnahmsweise mal dabei).

Deckshaus der "Santa Clara"

Das Deckshaus der „Santa Clara“. Wenn ich mich nicht täusche, dürfte der zweite „Balkon“ oberhalb des Rettungsbootes die Höhe des E-Decks sein.

Ich ging zur Metrostation und fuhr über Beurs nach Rotterdam Centraal. Dort suchte ich nach einem kurzen Blick auf die Fahrkartenautomaten das Servicecenter auf. Hier stellte ich schnell fest, dass ich eine Nummer zu ziehen hatte, wie auf dem Einwohnermeldeamt… Andere Länder, andere Sitten. Es gab unterschiedliche Knöpfe für Inland- und Auslandsverbindungen. Ich drückte also den Auslands-Knopf und bekam eine U-586. Nach kurzem Warten (und Überlegen, vielleicht doch einen der bereitstehenden PCs zum Buchen und Selbstausdrucken meines Tickets zu nutzen) war meine Nummer auch schon dran. Eine Dame verkaufte mir für paarundvierzig Euro (mit Bahncard 50) mein Ticket, wobei 3,50 Euro davon Buchungsgebühr waren. Dafür waren aber immerhin auf dem Audruck mit der Reiseverbindung die Abfahrtsgleise säuberlich mit Kugelschreiber umkreist.

Rotterdam Centraal

Rotterdam Centraal von vorne – sieht für mich aus wie ein Schiffsbug

Ich hatte noch mehr als 40 Minuten Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges um 9.50 Uhr. Also verließ ich den Bahnhof, um einen Supermarkt zu suchen um etwas zu trinken und vielleicht ein paar Packungen Vla zu kaufen. Zuerst zog ich auf’s Gratewohl los und machte ein paar Bilder von den Glas- und Stahlhochhäusern in der Nähe. Irgendwann fragte ich Freund Google mit dem Schlaufon, der mir in Bahnhofsnähe, aber leider auf der genau anderen Seite einen Supermarkt anzeigte. Also ging ich einmal um den Bahnhof herum. Dabei kam ich auch durch das schön sanierte, alte Rotterdam. Ich hatte zuvor im Netz gelesen, dass das hinter dem Bahnhof liegen sollte. Da gab es wirklich schöne Ecken, wo man bestimmt prima wohnen kann: Zwar absolut zentral in Rotterdam in unmittelbarer Bahnhofsnähe und doch ruhig mit Grün und einem kleinen Flüsschen daneben. Nicht schlecht.

Alt-Rotterdam

Das alte Rotterdam hinter dem Hauptbahnhof. Hier lässt es sich leben, möchte ich meinen.

Dann unterquerte ich die Schienen und sah den Bahnhof von der anderen Seite sowie auch den Supermarkt. Leider hatte dieser nicht geöffnet am Samstag um zwanzig vor zehn. Da es langsam Zeit wurde, ging ich in den Bahnhof und da in einen kleinen Laden, der auch Vla verkaufte. Leider gab es nur noch Schoko, Vanille war ausverkauft, Frechheit! Ich kaufte noch zwei Donus, ne Cola Light und n Wasser für die Fahrt und ging zum Gleis. Dort wurde angezeigt, der Zug habe fünf Verspätung, also ging ich nochmal kurz zu Starbucks und holte mir einen großen Kaffee für das zweite Frühstück. Dann ging es aber endlich los.

nur noch Schoko-Vla

Frechheit! Der Vanille-Vla ist ausverkauft. Grrr!

Im Zug schrieb ich weiter am Blog (den vorigen Eintrag), und so verging die Zeit bis zum ersten Umsteigen in Hengelo recht fix. Anfangs hatte ich auch noch solide Internet, aber dann war wieder mein tägliches Smartphone-Roaming-Kontingent verbraucht, 25 MB reichen einfach nicht die Bohne. Egal, ich brauchte das eh nicht zum Vorschreiben.

In Hengelo hatte ich 25 Minuten Aufenthalt, Zeit genug, um eine Stange Wasser, na, Ihr wisst schon. Die Toilette hatte eine bei Annäherung automatisch herunterklappende Klobrille, sehr bemerkenswert. Wie gesagt, andere Länder, andere Sitten… Ich hatte dann auch noch Zeit, einen weiteren Kaffee zu besorgen, anschließend kam der Zug aber dann auch fünf Minuten später.

Es ging also weiter mit der „Bad Bentheimer Eisenbahn“ (so stand es auf meinem Verbindungszettel) Richtung Deutschland. Die Fahrt dauerte nur 22 Minuten. In Bad Bentheim war schon wieder Umsteigen angesagt. Die Türen gingen ließen sich nicht sofort öffnen, sondern erst, nachdem der Schaffner mit einem Hubwagen eine Plattform mit zwei Stufen an den Wagon gekarrt hatte. Der Zug der Westfalenbahn stand auf dem gegenüberliegenden Gleis schon bereit.

In der Westfalenbahn waren ein paar kostümierte Mädels. Noch war es recht leer, aber eine Station später stiegen noch viele junge Fahrgäste, viele ebenfalls kostümiert, zu. Der Fitness einiger Beteiligten zufolge war man nicht auf dem Weg zur Feier, sondern nachhause. Ich musste schmunzeln, weil einige als Matrosen verkleidet waren. Also, so im altmodisch anmutenden Pseudo-Matrosenanzug. Lustig.

So, nun hat der Zug gerade den Bahnhof Ibbenbüren verlassen. Nur noch zwanzig Minuten und n Keks bis Osnabrück. Bisher ist alles reibungslos verlaufen. Ich konnte allerdings über die mobilen Verbindungen kaum Bilder hochladen und hinzufügen. Das werde ich aber noch nachholgen, wer also Lust hat, kann sich das dann heute abend noch einmal mit einem Satz Bilder ansehen. Das war es dann also fast schon.

15.06 Uhr, zuhause – Nachtrag

Es kam dann doch noch ein wenig anders… erst, als ich bei Ibbenbüren via Schlaufon die Webseite der Neuen Osnabrücker Zeitung aufrief, ging mir auf: Shit, es ist Ossensamstag! Und diese Kostümierten sind wahrscheinlich auf dem Weg dorthin! Vor lauter Verwirrung stieg ich versehentlich am Bahnhof Altstadt (ehem. Hasetor) aus. Die Züge, mit denen ich normalerweise fahre, kommen aus der anderen Richtung, sind also zuerst am Hauptbahnhof. Und dann auch noch von Narren umgeben… schon beim Gang zum Ausgang geriet ich mitten in einen Schwarm weiblicher Killerbienen.

Killerbienen

Kaum wieder in Osna gelandet, geriet ich in einen Schwarm weiblicher Killerbienen. Die BvB-Fans des Insektenreiches sind auf Ausflug zum Ossensamstag.

Ich musste dringend mal… naja, für kleine Landratten. War wohl zuviel Kaffee. Der Plan war eigentlich, dies bei McDonald’s am Hauptbahnhof zu erledigen und dort außerdem einen Fuffi für den Bus klein zu machen. Ging so nicht. Also ging ich kurzerhand den halben Kilometer zu meiner alten Wirkungsstätte bei der NOZ und nutzte die Möglichkeiten dort. Danach stieg ich ein Stockwerk weiter hoch, wo die Büros der Kollegen der NOZ Digital sind, um dem Samstagsdienst Hi zu sagen. Keiner da. Also saß der Samstagsdienst offenbar im Newsroom auf Deck 3 im Marmorturm. Ich lief also wieder runter in die erste Etage, durch den Verbindungsgang zum Turm und wieder zwei Stockwerke hoch. Die hübsche Kollegin Kim hatte Dienst, sah aber extrem beschäftigt aus. Was für ein Wunder: Erstens ist Ossensamstag. Und zweitens war es gerade 14 Uhr, Zeit für das Statement von Frau Ex-Dr. Schavan. Die gerade im TV ihren Rücktritt verkündete. Ich sagte also nur kurz „hi“ zu Kim und verkrümelte mich wieder. Und was Frau Schavan angeht… wie ich eingangs schon schrieb: „… und tschüß!“

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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1 Response to Wasser marsch …und tschüß!

  1. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Hihi, die Episode mit dem Strahlruder kannte ich schon, hat Jan eben am Telefon erzählt. 🙂

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