London Luton >> London City

Okay, also rein in den orangefarbenen Vogel. Die vorderen Sitzreihen durch den „Finger“ (Fluggastbrücke, wie das Teil eigentlich heißt), die hinteren über eine Treppe auf den Boden und von da über eine andere Treppe in die hintere Tür des Flugzeugs. Ich hatte mir einen Sitz in der allerhintersten Reihe am Fenster gebucht.

Ich musste an einer jungen Blondine vorbei, die am Gang saß und mit der ich gleich ein Gespräch anfing. Sie kommt aus Ungarn, ist aber wohl in London wohnhaft und empfahlt mir gleich ein chinesisches Restaurant beim Piccadilly Circus. Leider setzte sich dann ein Mann zwischen uns auf den mittleren Sitz, den ich nicht stören wollte. Er zockte den ganzen Flug über ein Spiel auf seinem Samsung Galaxy S4. Ich hatte mein Buch und meine Kopfhörer im knallgelben Ding, welches ich schon in einem Overhead-Compartment verstaut hatte. Ich hatte also keine Unterhaltung, aber es war ja nur ein kurzer Flug, und Start und Landung ziehe ich mir sowieso immer bewusst rein. Wenn ich hinter den Tragflächen sitze, beobachte ich z.B. gerne, wie die Landeklappen und Spoiler aus- und eingefahren werden. Ich verbrachte den Flug ansonsten damit, einen Blick in die Magazine zu werfen. Hm. Billigfluglinie… Am Gate bekam ich noch mit, wie angesagt wurde, dass nur EIN Handgepäckstück erlaubt sei – wer z.B. einen Trolley UND eine Handtasche hatte, musste entweder die Handtasche in den Trolley tun, die Handtasche am Flughafen zurücklassen oder eine Kleinigkeit von 55 Euro bezahlten. Ich beginne zu begreifen, wie diese Läden ihr Geld verdienen.

Wie auch immer, Flug ereignislos mit mäßigen Turbolenzen nach Start und vor der Landung. Also raus aus dem Vogel und rein ins Terminal – wieder über ne Gangway. Ich stellte mich dann in die Schlange für die „ePassports“. Das entscheidende Logo war auf meinem Pass drauf. Monitore mit kurzen Videos machten darauf aufmerksam, dass überall auf den Flughäfen Großbrittaniens das jetzt eingeführt würde. Das ist sozusagen „Self-Service-Immigration“ – man packt das Ding auf einen Scanner, Türen gehen auf, eine Kamera macht ein Bild vom Gesicht, welches dann elektronisch mit dem Passbild verglichen wird – und dann kommt man ins Land oder auch nicht. In meinem Fall reichte es noch nicht mal bis in die Kabine, in der das Foto gemacht wurde. Eine Border-Force-Dame versuchte es noch mal erfolglos mit dem Scanner, dann durfte ich konventionell in diese Insel hier einchecken. Was nicht lange dauerte, weil vor mir nur eine weitere Dame in der „Schlange“ stand.

So war ich dann angekommen im Mutterland des Commonwealth. Also, mit leichtem Gepäck zu reisen hat schon was. Kein Baggage-Claim und Bangen, ob der Koffer vielleicht in Murmansk gelandet (oder in Wien geblieben) ist. Zunächst lief mir ein ATM über den Weg, der mir „free withdrawals“ versprach. Oh glückes Geschick! In nur einer Minute nahm ich um erhebliche Pfunde zu. Später versprach mir so ziemlich jeder weitere ATM ebenfalls „free withdrawals“. Ich bin noch nicht dahintergekommen… ich kann es zwar übersetzen, aber nicht verstehen. Nächster Schritt: Irgendwie von diesem ausgelagerten Flughafen (London hat so einige davon…) in die Stadt kommen. Zuerst landete ich an einem Schalter, bei dem ich gefragt wurde, zu welcher U-Bahn-Station ich eigentlich wollte. Hm… Man kennt mich ja für meine ausgefeilte Planung. Hatte ich kurz mal geschaut aber mir nicht gemerkt. „Brilliant!“, wie das sogleich kommentiert wurde. Ich wurde dann einen Schalter weitergeschickt. Hier gab es „Easy Bus“-Tickets, egal, ob man „Easy Jet“ geflogen ist oder nicht. Wie auch immer, es kostete mich 8,99 Pfund, und ich fuhr damit zur U-Bahn-Station Baker Street. Was solls – wenn ich ehrlich bin, der Plan war eigentlich zu IRGENDEINER U-Bahn-Station zu fahren und dann mal weiterzusehen.

Also raus aus dem Flughafen, zu Bussteig 10, wo ein National Express-Bus schon wartete. Man solle unbedingt 10 Minuten vor Abfahrt dort ankommen. Das schaffte ich auch locker, ich hatte sechs Minuten und der Weg vom Schalter zum Bussteig war kurz. Der Busfahrer verstaute mein knallgelbes Ding im Laderaum, dann durfte ich einsteigen. Wow – ziemlicher Komfort. Nachdem ich meinen Premiumkörper notfürftig in den einen Quadratmeter Flugzeugkabine, die mir Easy Jet freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte reingezwängt und wieder rausgepuhlt hatte, war dieser Ledersessel echt luxuriös. Außerdem verfügte der Bus angeblich über Free Wifi. Leider klappte das nicht. Naja – hatte vor und Nachteile. Wahrscheinlich hätte ich sonst nur auf mein Display und auf die Ingress-Portale anstelle aus dem Fenster geguckt.

Und so ging es über die M1 Richtung London. Was zum… die fahren ja hier alle auf der falschen Seite! Und der Busfahrer saß auch auf der falschen Seite! Totale Freaks, die Leute hier! Klar, ich hab davon gehört, aber ich habe das immer für ne Urban Legend gehalten!

Die Fahrt dauerte über ne Stunde, und die Sonne ging darüber unter. Die M1 endete kurz vor London, und rein ging es ins Stadtgebiet. Ich sah interessiert aus dem Fenster. Irgendwie war hier alles anders, das ganze Stadtbild unterschied sich stark von allem, was ich bisher gesehen hatte. Die Straßen wirkten irgendwie eng, die Ladenfronten ganz anders als anderswo. Auf der anderen Seite immer wieder so Häuserfronten mit vielen kleinen Giebeln, Erkern und Mansarden – in Ermangelung von architektonischem Wissen sage ich einfach mal – britischer Landhausstil.

Baker Street StationBaker Street Station

Baker Street Station

Baker Street war der letzte Halt des Busses. Ich bekam mein knallgelbes Ding wieder und ging in die U-Bahn-Station. Hier waren zwei Dinge zu klären: Wo geht es eigentlich hin und was für ein Ticket brauche ich dafür? Ich kaufte nach der schriftlichen Empfehlung am Automaten eine sog. Oyster-Card und lud 15 Pfund drauf (5 Pfund kostet die Karte, aber die sind dabei dann auch als Guthaben drauf, also insgesamt 20). Als ich mich noch orientierte, kam ein hilfsbereiter Underground-Mitarbeiter und erklärte mir, wie ich fahren könne und welche Platform das wäre. Ich wollte zur Station Hoxton. Also mit der der Hammersmith & City Line bis White Chapel, dann wechseln in die Overground und damit noch zwei Stationen weiter.

The Tube: Im ältesten U-Bahn-System der Welt

The Tube: Im ältesten U-Bahn-System der Welt

Also rein in den Zug. Dieser fuhr dann leider – und wenn ich die Durchsagen richtig deutete, auch unplanmäßig – nicht bis White Chapel sondern nur bis Moorgate. Es wurde (ungefähr hundertmal, weshalb auch ich es kapierte) per Durchsage empfohlen, schon an der Station Barbican auszusteigen und von da dann einen weiterführenden Zug zu nehmen, was ich dann auch tat. Das und auch das Umsteigen in die Overground klappte auch problemlos.

Overground

Finde den Fehler…

Angekommen an der Station Hoxton suchte ich mir mit meinem Stadtplan (yep! ich habe mir diesmal tatsächlich vorher so ein analoges Ding gekauft) die Hackney Road, an der mein Hotel war. Allerdings bei Hausnummer 400irgendwas. Ich war da gerade bei ca. 150. Es war also noch einiges an Weg zurückzulegen. Hm. Ich muss gestehen, ich hatte ein wenig Schiss. Die Beleuchtung der Straße war spärlich und es war nicht viel los. Und überhaupt – irgendwie war das Straßenbild halt so anders und fremd. Komisch, irgendwie habe ich den Eindruck, die Amis sind uns da ähnlicher als die Briten. Es war irgendwie ein bisschen wie im Film, irgendwie leicht surreal. Also andererseits auch wieder irgendwie cool. Ich passierte einige kleinere Supermarkets und Grocery-Stores, die noch geöffnet hatten, sowie eine einladende Kneipe namens „The Marksman“. Keine Ahnung, was damit gemeint ist. Militärisch gesehen ist sowas heutzutage ein Zielmarkierer, der einen Laser-Designator auf ein Ziel für lasergelenkte Munition richtet.

Schließlich kam ich beim Hotel an. Die Frau am Desk war sehr nett und erzählte, sie wäre auch schon in Germany gewesen (Augsburg, natürlich in Süddeutschland, und auch noch auf einem Oktoberfest) und hätte ein sehr großes Bier getrunken und einen Salat mit sehr viel Salami darin gegessen, und es sei alles großartige gewesen und sie hoffe, dass ich mich hier ebenso wohl fühlen würde. Ich bekam ein Zimmer im Erdgeschoss (das ich aber noch problemlos tauschen könne).

Okay, rein ins Zimmer, ab ins WLAN, kurz ein paar Nachrichten abgesetzt und dann gleich wieder los, was einkaufen. Wasser, Cola, Bier, Trashfood und so. Es gibt hier viele kleine Läden, die abends lange geöffnet haben. Also ein Blick auf die Bierauswahl… okay… deutsches Bier… amerikanisches Bier… tschechisches Bier… irisches Bier… belgisches Bier… Wo zum Geier ist hier was englisches??? Es gab Corona, Holsten, Stella Artois, Heineken, Guinness… Naja, ich fand dann immerhin noch Newcastle Brown Ale. Dafür gab es Cider in drei Millionen Varianten, natürlich Strongbow und ansonsten diverse Geschmacksrichtungen, Kirsche und so… Ich kaufte ein Sortiment verschiedener Biere und ein Strongbow Cider (muss ich mal probieren, ist ja recht bekannt) sowie Wasser und Cola. Ich verbrachte meine Vorräte ins Hotel.

Danach war es schon nach 22 Uhr Ortszeit, und ich hatte keine Lust mehr, noch rauszugehen. Also ging ich zum Bar & Grill des Hotels, wo ich noch ein Clubsandwich und ein London Pride Premium Ale bekam. Die Preise sind echt gesalzen… halt so in Pfund, was das bei uns in Euro kosten würde, vielleicht sogar noch einen Keks mehr. Gut, dass ich nur kurz hier bin, sonst würde ich noch arm. Von meinem Platz, wo ich Sandwich und Ale vernichtete, konnte ich per WLAN ein grünes Portal auf Lv. 6 aufrüsten und mit Heatsink und Multihack etwas produktiver modifizieren, so dass ich nebenbei auch noch mein Ingress-Material aufstocken konnte.

London Pride Premium Ale

London Pride Premium Ale

Nach dem Essen ging ich nur noch in mein Zimmer, Blog schreiben und nebenbei bisschen Fernsehen gucken. Zuerst kam ein seltsamer Film, der im alten Rom spielte und in dem sehr häufig das männliche Fortplanzungsorgan erwähnt wurde. Danach lief „Two and a half men“, noch mit Charlie Sheen als Harper.

Das wars erstmal für heute. Und morgen? Keine Ahnung. Mal sehen. Ich werde es Euch wissen lassen, wenn ich es selbst weiß. Bis dann.

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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2 Responses to London Luton >> London City

  1. Avatar von ducrene ducrene98 sagt:

    Abend, vielen Dank für deinen Bericht! Ich hatte mal wieder Spaß am Lesen, wobei ich auch ganz froh war, dass es ein etwas kürzerer Text war als es normalerweise bei dir der Fall ist. Also, wie ich das bisher sehe wird das doch endlich der verdiente Urlaub in London. Klar, so ein paar Kleinigkeiten könnten vielleicht besser sein, aber wenn man die kleinen Planungsmangel, die meiner Meinung nach zu einer Reise gerne dazu gehören können, außer Acht lässt, dann ist der Trip bisher doch problemlos gelaufen. Dann bleibt nur noch zu sagen Good Luck!

  2. Avatar von Elisabeth van Nguyen Elisabeth van Nguyen sagt:

    Ja, die Flughäfen in London – in der Schule hat man mal gelernt, es gäbe Heathrow und Gatwick, Aber es hat mich schon bei meinen letzten Aufenthalten in dieser schönen Stadt verwirrt, dass es mittlerweile anscheinend an jeder Ecke des erweiterten Großraums ein paar Landebahnen zu geben scheint. Und dass Easy Jet nicht gerade in Heathrow landet, war auch klar… Na ja, ich bin bisher immer nur selbst motorisiert oder mit Bus angekommen,. Und wie Dir hat auch mir beim letzten Mal schon die Fahrt im Bus von der M1 ins Zentrum gut gefallen. Die Stadt hat wirklich was, und mit den Preisen muss man halt leben. Als wir mit den Kids vor Jahren dort waren, waren wir halt viel in den schottischen Restaurants, weil (zumindest damals) alles andere Perlen vor die Säue gewesen wäre. Und ansonsten sind die Asiaten natürlich auch immer ein guter Tipp. Gerrard Street in Soho ist das kleine Chinatown von London, da war ich letztes Jahr jeden Abend mit meinen Vietnamesen, die ja kulinarisch wenig experimentierfreudig sind.

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