Die Wasserpumpenzange im Haus ersetzt den Pflegedienst

Tag 11 seit Schneeballschlacht-Unfall.

So, heute offiziell Lymph-Drainage Nr. 2. Angenehmerweise nicht morgens früh, sondern Mittags, 13.30 Uhr. Also konnte ich lange schlafen – und ich konnte das auch tatsächlich, denn in dieser Nacht bin ich weder durch Magensäure-Probleme noch durch Beinschmerzen oder (naja, was in meinem Alter nachts halt manchmal notwendig ist) was auch immer geweckt worden. Ich glaube, ich habe tatsächlich mindestens acht Stunden durchgeschlafen, was bestimmt seit dem Unfall das erste Mal war. Immerhin! Ansonsten geht es gefühlt langsam voran, Schlafen ist allgemein immer noch schwierig, Schmerzen sind meistens irgendwie da, Bewegungen stark immer noch stark eingeschränkt.

An dieser Stelle kommt auch mein Freund, die Wasserpumpenzange, ins Spiel. Da habe ich tatsächlich mal ein wenig mehr Geld angelegt, ich habe eine Knipex. „Gutes Werkzeug kost‘ gutes Geld, ist aber halbe Arbeit!“ – da ist etwas dran. Wie auch immer, wer mich und meine Wohnung besser kennt, weiß, dass das Teil im Winter allgegenwärtig ist, weil ich es brauche, um den Ventilen meiner Digitalheizung (in einigen Zimmer gibt es eigentlich nur zwei Zustände, nämlich AN oder AUS) auf die Sprünge zu helfen.

Wasserpumpenzange

Not macht erfinderisch: Die Wasserpumpenzange als Freund und Helfer in allen Lebenslagen.

Nunmehr hat das Teil eine völlig neue Funktion erhalten: Es liegt im Schlafzimmer und dient als Socken- und Schuhanziehhilfe. Indem ich den Socken damit angreife überbrücke ich die fehlenden Zentimeter, weil ich das Knie nicht richtig beugen kann, und die Griffe nutze ich beim Schuhe anziehen wie einen Schuhlöffel. Not macht erfinderisch…

Kommen wir dazu, wie ich mir heute die Lymphe drainieren ließ. Es war wieder derselbe Therapeut wie beim letzten Mal, wie „Brigitte“ (der Name ist übrigens frei erfunden und ich bitte alle Brigittes um Nachricht mit mir … ist irgendwie der erste Name, der mir zu der Person am Counter auch von der Optik her eingefallen ist) ist er von der sofort duzenden Fraktion. Irgendwie stört mich das bei ihm aber weniger als beim Tresen-Personal in der Arztpraxis. Wie auch immer, ich sollte ja nach der Lymph-Drainage einen Kompressionsverband bekommen und wies auch wieder darauf hin. Er fragte, ob ich denn Wickel dabei hätte und holte meinen elastischen Verband und die Salbe aus meinem Rucksack. Der Therapeut entgegnete, damit könne er nichts anfangen, was ich bräuchte, sei ein „Lymph-Set“. Aha! Es hat ja nur drei Arztbesuche und zwei Besuche des Therapiezentrum gebraucht, bis endlich einmal jemand das Kind beim Namen nennt! Aber was soll’s, es liegt bestimmt an mir scheißendämlichen Unfallopfer, dass ich sowas nicht selbst weiß. Ich brachte zum Ausdruck, dass ich es etwas befremdlich fand, dass man mir das bisher nicht gesagt hat. „Ich sag’s Dir ja jetzt!“ entgegnete mein Therapeut. Sehr zuvorkommend, vielen Dank.

Wie auch immer, ich solle zu meinem Hausarzt gehen und mir ein Lymph-Set verschreiben lassen. Ich erfuhr, dass das eine genormte Kartonbox mit einer bestimmten Anzahl an elastischen Verbänden und anderem Material ist. Der Therapeut brachte ein angebrochenes Lymph-Set und machte mir den Verband. Zuerst kam da eine Art Strumpf ohne Fußteil über Unter- und Oberschenkel. Dann wurde mit drei elastischen Verbänden sowohl Unter- als auch Oberschenkel mit ordentlich Druck verbunden. Ich solle das mindestens bis zum Schlafengehen dran lassen, wenn ich es aushielte. Außer, mein Fuß würde blau und gefühllos werden, dann natürlich vorher abmachen. Ah – da wäre ich auch gar nicht drauf gekommen, aber wie sollte ich auch, ich wußte ja nicht mal, was ein Lymph-Set ist! Im ersten Moment dachte ich, es könnte problematisch werden, den Druck auszuhalten. Aber ich gewöhnte mich gut daran und empfand das beim Gehen eher sogar als hilfreich. Das Gehen belastete sonst mein Knie immer übermäßig, es schmerzte dann immer links und rechts von der Patella. Der Verband scheint da stützend zu wirken, zwar schränkt er die Beweglichkeit ein bisschen ein, aber eher in dem Bereich, in dem im Moment ohnehin nix geht, aber das Gehen ist weniger schmerzhaft und dadurch aus ausdauernder möglich. Der Therapeut sagte, Bewegung sei gut.

Und so ging ich nach der Lymph-Drainage noch zu Mc D und machte auf dem Weg noch ein paar kleine, ingress-bedingte Schleifen. Lt. Ingress habe ich heute tatsächlich um die 9 km zu Fuß zurückgelegt.

Wieder in Eversburg ging ich direkt zu meiner Hausärztin, die in 5 min. Fußentfernung von meiner Wohnung ihre Praxis betreibt. Ich hatte nicht auf dem Schirm, dass die mittwochnachmittags geschlossen ist. Stattdessen machte ich noch eine kleine, weitere Runde zu Fuß um die Portale in meiner Nachbarschaft und ging dann nachhause. Viel läuft heute nicht mehr – Kaffeetrinken, Bloggen, vielleicht ein paar Experimente mit dem Arduino-Board, nachher ein Filmchen gucken.

Arduino-Board mit Laptop

Links vorne sitzt das Arduino-Board an einem schwarzen USB-Kabel und bläulich leuchtend auf einem weißen Breadboard. Hier daran sind zu Testzwecken zur Zeit nur eine LED und ein Taster angeschlossen. Das Ding aus Lego ist ein Prototyp der Idee meines verstorbenen Freundes. Zwischen dem Laptop, der zur Programierung dient, und der Lego-Platte ist ein Modellbau-Servo zu sehen, der für das Projekt gebraucht wird. Später mehr dazu in der Kategorie „Basteln“…

Ein Arduino-Board ist übrigens eine Platine, die einen Microcontroller enthält. Ein Microcontroller ist eine Art keiner Computer für Steuerungsaufgaben, sowas wird heute z.B. in Haushaltsgeräten, in Autos, in Industriemaschinen und in der Gebäudetechnik massenweise eingesetzt. Ich habe so ein Ding von einem jüngst verstorbenen Freund geerbt (seine Frau wollte das so, weil ich der Einzige im Freundeskreis wäre, der damit etwas anzufangen wüsste), er hatte einen bestimmten Plan damit, und den versuche ich jetzt, zu verwirklichen. Allerdings gehe ich da im Moment noch nicht sehr zielstrebig zur Sache, sondern versuche erst einmal, die Programmierung dieses Dings grundsätzlich zu verstehen.

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About michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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10 Responses to Die Wasserpumpenzange im Haus ersetzt den Pflegedienst

  1. Avatar von Elisabeth Elisabeth sagt:

    Ich kann mir denken, warum Dir Brigitte als erster Name für die Frau am Counter eingefallen ist:

    Verdammt, da war ein Loch im Zahn!
    „Hab’n wir noch ein‘ Termin im Plan?
    Brigitte, stimmen sie das doch mal mit dem Herrn hier ab!“ – „Jaha.“
    Das war die Zahnarzthelferin,
    die war so schön, ich war ganz hin
    und weg. Sie fragte zärtlich welche Blutgruppe ich hab.

    (aus „Marzipan“ von Norbert und den Feiglingen, für alle Uneingeweihnten)

  2. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Hi Michi, wollte dich nur mal wissen lassen, dass ich alle deine Berichte gelesen habe. Hatte in den letzten Tagen viel Zeit dazu, weil mich ein grippaler Infekt eine ganze Woche aus dem Verkehr gezogen hat *jammerjammer* 😉 Ich hoffe du hast nun für die nächsten Jahre genügend Stunts abgerissen und bleibst von nun an verschont.
    Und vielleicht kannst du ja so viel Zeit schinden, dass du deine Kur erst NACH dem Urlaub mit den Freunden beginnen kannnst? Das wäre doch perfekt! Ich drücke dir auf alle Fälle die Daumen!!! 🙂

  3. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Ach so, was ich eigentlich fragen wollte: Wie kriegst du denn die Schleife gebunden mit der Wasserpumpenzange? Bräuchtest du da nicht eigentlich zwei für?
    Ach ja, und vielen Dank übrigens für die Verwendung von (fast) heimischen Produkten!

  4. Avatar von michikarl michikarl sagt:

    @mySista: Vielleicht hast Du ja recht!
    @Spiess: Hi! Ich hab inzwischen auch alles aus Australien in satayspiess.wordpress.com gelesen. Warum kann ich da eigentlich nicht kommentieren? Bin ich zu blöd, oder erlaubst Du das nicht? Die Schleife kriege ich nicht hin mit der Wasserpumpenzange, da nehme ich immer noch die Fingerchen. Wäre einen Versuch wert, mir ne zweite Knipex zu kaufen… Heimisches Produkt? Du meinst, in Bezug auf Deine Heimat? *beiWikipediaNachguck* Whoops! Knipex hat seinen Sitz in Wuppertal? Na, da schließt sich ja der Kreis…

    • Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

      Ja, ich hatte vor einer Weile bei WordPress rumgefummelt, weil ich eigentlich gerne die Kommentare einer ganz bestimmten Person verhindern wollte. Aber irgendwie hatte ich es wohl geschafft, dass nun niemand mehr kommentieren konnte. Habe das aber jetzt wieder rückgängig machen können für alle Australien-Beiträge und wünsche dir (und mir) freudiges Kommentieren! 🙂
      [Wie ich es verhindern kann, dass nämlich Person keine Kommentare mehr schreiben kann, weiß ich leider immer noch nicht. Aber das sind Luxusprobleme …]

      Genau! 🙂
      Iiiin Wuuuuppertaaaal, iiiin Wuuuppertaaal, daaaa jiiibt et keinen Kuuurzvookaaal … 😉

      • Avatar von ducrene ducrene98 sagt:

        Hier der Neffe des Oheims, der … Person Spiess kennt.
        Immer wenn ein neuer Kommentar-Schreiberling kommentierte, wurde ich per E-Mail kontaktiert und durfte den Kommentar genehmigen. Das kann man natürlich auch rückgängig machen. Dies geht wie folgt:
        Meine Websites (Ecke links oben) –> Einstellungen –> Diskussionen –> scrollen zur „Blacklist“ –> IP Adresse, Name oder Mail-Adresse des Verdächtigen Nutzers eintragen –> WordPress sollte nun diesen Nutzer filtern.
        Ich habe die Funktion noch nie genutzt und bin mir deswegen nicht sicher, ob es so funktioniert. Alternativ kann man auch Kommentare einzeln oder in Gruppen in „Kommentare“ (unter Meine Websites) zurückweisen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das dann für zukünftige Kommentare funktioniert.
        Im Zweifelsfall ist mein Oheim immer noch der erfahrenere Nutzer und wird auch helfen können, aber vielleicht war ich ja schon ausreichend Abhilfe.
        Liebe Grüße,
        René

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