Tag 5 – Unterwegs mit Fröschen und Schlümpfen

Warnung: Dieser Artikel ist sehr ingress-lastig!

Legende:
Grün – Frösche – offizieller Name „the enlightened“
Blau – Schlümpfe – offizieller Name „the resistance“

Ich hatte meinen Wecker auf 7:45 Uhr gestellt, wachte aber – vermutlich aufgrund meines Rhythmus hier – schon um 7:15 Uhr auf. Ich lungerte noch eine Viertelstunde im Bett herum und stand auf, duschte, und ging frühstücken. Ein Brötchen, ne Scheibe Brot, Conflakes/Müsli, Rührei (gibt es wohl nur am Sonntag, was absolut okay ist, schließlich ist das hier kein Hotel).

Dann besorgte ich mir eine neue Tageskarte, ging zur Bushaltestelle am Kreisel, fuhr nach Oberbarmen, enterte die nächste Schwebebahn und fuhr zum Hauptbahnhof. Ich wollte vor allem meine Translator-Platin-Medal fertig machen. Das war nach kurzer Zeit erledigt. Trotzdem wollte ich die gegnerische 8er-Farm nicht wegbomben – weiter so viele Glyph-Hack-Points in kurzer Zeit zu machen war doch zu verlockend. Aber ständig hatte ich zuviel Material am Item-Limit, und wohin damit, wenn man keine Burster schmeißen will? Ich bewegte mich weiter vom Zentrum weg, um etwas weiter außerhalb neue Unique-Visits und -captures zu machen.

Ich kam zur St. Laurentius – Kirche, vor der ich anfing, Burster abzufeuern. Die sehr interessant gestaltete Rückseite der Kirche sah ich erst später…

St. Laurentius - Kirche

St. Laurentius – Kirche von vorne

Jedenfalls versuchte ich, Block um Block gegenerische 7er-Portale aufzumischen. Es waren viele, aber der Materialverbrauch war trotzdem langsam, weil ich immer weiterhin Glyph-Hacks machte und entsprechend viel neues Material rumkam. Irgendwann befand ich mich auf der Rückseite der St. Laurentius – Kirche und sah die an die Wand gemalte Zeitung mit der Schlagzeile „Papst enthauptet!“ (natürlich ebenfalls ein Portal desselben Namens) und die professionell aussehenden Comiczeichnungen daneben. Nach eingehender Betrachtung wurde mir aufgrund des Inhaltes, der sich durchaus einfach nur zum Teil biblische Geschichte, zum Teil auf Laurentius von Rom bezogen war, klar, dass es sich hier mitnichten um irgendwelche Schmierereien handelte (dafür war es auch zu perfekt gemacht). Vielmehr vermute ich, dass das absolut in Einvernehmen oder sogar im Auftrag der katholischen Gemeinde entstanden ist. Ziemlich progressiv, gefällt mir!

Grafitti an der Rückseite der St. Laurentius - Kirche

Grafitti an der Rückseite der St. Laurentius – Kirche. „Papst enthauptet“ – das ist auch ein Ingress-Portal.

Hier bemerkte ich, dass an grünen Portalen ganz in meiner Nähe neue Links entstanden. Ich guckte auf den Scanner und las, das ein Mitspieler namens „theftf“ gerade einen Link von einem Portal wenige Meter von mir entfernt gesetzt hatte. Und das sah ich auch schon einen bärtigen, jungen Mann, Handy in der Hand, typische Ingress-Bewegungsweise (gehen, plötzlich aus nach außen hin unerfindlichen Gründen stoppen) aus der Seitenstraße kommen. Ich sprach ihn an „theftf, vermute ich?“ (Bei solchen Begegnungen denke ich immer an den legendären Satz „Dr. Livingstone, I presume?„) Und ich lag richtig. Manchmal irre ich mich auch, und der Angesprochene spielt gar nicht Ingress – das kann ein wenig peinlich werden.

Nun, wir stellten uns mir unseren richtige Namen vor und sprachen natürlich über Ingress, insbesondere über die lokale Situation: Innenstadt ständig komplett blau und eine riesige 8er-Farm. Ich erfuhr, dass die hiesigen Schlümpfe in der Innenstadt einfach viel aktiver seien, man aber weiter außen auch ziemlich dauerhaft grüne Gebiete habe. Als wir uns schon wieder verabschiedet hatten, bot mir „theftf“ an, mich in den hiesigen Enlightened-Hangout einzuladen. Google Hangouts ist eine App mit ähnlichen Funktionen wie Skype. Anstatt über die Adressbücher der Nutzer wie bei What’s App verbindet man sich über die Gmail-Adresse, die zumindest jeder Android-Nutzer ja sowieso hat. Die Ingress-Community benutzt das in der Regel zur Kommunikation untereinander, lokal und nach Fraktion getrennt natürlich. Zwar gibt es ja den Ingame-Chat, aber der gilt als nicht sicher, weil die jeweilige Gegenseite ja über Doppelagenten verfügen könnte.

Ich nahm die Einladung an und habe nun somit den Kontakt zur hiesigen Frosch- bzw. Enlightened-Community (wie wir Frösche ja offiziell heißen). Das ist insofern ganz cool, weil es mir vielleicht Möglichkeiten eröffnet, weitere Leute „in echt“ kennenzulernen.

Nun, ich hatte mein Material auf ca. 1.700 items reduziert (das Limit liegt bei 2.000 Items) und bewegte mich wieder in Richtung Innenstadt, um die 8er zu hacken und was zu essen. Es gab dann einen riesigen Burger mit Pommes und Cola.

Derart gestärkt verließ ich das Café (den Namen habe ich vergessen) und beschloss, eine Mission zu machen. Missionen werden von den Spielern eingereicht, da geht es darum, bestimmte Aufgaben zu erledigen, z.B. bestimmte Portale zu hacken, einzunehmen, zu verlinken etc. Zum Teil muss man auch Fragen zu Portalen beantworten, wie bei einer Schnitzeljagd. Die Antworten findet man dann z.B. auf Tafeln neben dem Portal (es sind ja oft Kunstwerke oder Denkmäler und so), oder man muss halt Google oder Wikipedia bemühen. Und manchmal etwas zählen, z.B. Düsen an einem Springbrunnen. Wie auch immer, seit kurzem sind Portale, an denen Missionen starten, mit einem gelben Ring auf dem Scanner gekennzeichnet, und eins davon war direkt neben dem Café, in dem ich meinen Burger gefuttert hatte. Hm… eine billige 15-Minuten-Mission, nur hacken. Also los, war erst meine 5. Mission insgesamt, reicht aber für Bronze in der Mission-Medal. Das war schnell erledigt.

Ich wußte, dass in der Nähe der St. Laurentius – Kirche eine weitere Mission startete, wegen des Rings an einem der Portale dort, den ich schon zuvor gesehen hatte. Ich ging dahin, aha, 45 Minuten, okay, mache ich. Die Mission war nicht sequentiell und scheuchte mich ganz schön hin und her. Außerdem waren Fragen zu beantworten. Aber dann war ich früher als erwartet auch damit fertig.

Dann wieder dasselbe Spiel, Item-Limit, nicht wirklich Lust, die – wenn auch blaue – 8er-Farm abzureißen, also wieder weiter nach außen. Bisher hatte ich mich noch gescheut, die steilen Straßen (oder Treppen) weiter weg von der Wupper zu erklimmen. Die Schwebebahn fährt bekanntlich über der Wupper, also „ganz unten“. Die Einkaufsstraßen im Zentrum liegen auf demselben Niveau, aber nicht weit weg kann man mächtige Steigungen erklimmen. Und genau das tat ich auch, auf der Suche nach weiteren Uniques.

Der deutsche Regisseur Tom Tykwer (z.B. „Lola rennt“, Teile von „Cloud Atlas“) ist ein Kind dieser Stadt, und er hat Wuppertal auch das „San Francisco Deutschlands“ genannt. Ups, ich glaube, das habe ich schon mal geschrieben. Wie auch immer… es ist ein bisschen was dran. Einerseits in Bezug auf die Steigungen und Gefälle der Straßen. Andererseits erinnern die oftmals sehr stark mit Ornamenten verzierten Hausfassaden hier an die viktorianischen Höuser der „City by the bay“. Und mit der Schwebebahn hat man gewissermaßen ein berühmtes Pendant zu den Cable Cars. Aaaaaaber: Zwar gibt es sowohl hier als auch in San Francisco von den Hügeln aus Panoramablick, nur ist der in „The City“ atemberaubend schön und der hier… tja… wie soll ich es sagen… meist wenig attraktiv. Viel grauer Beton, von der Wupper sieht man nichts, und die Gebäude, die schön aussehen (z.B. das Rathaus) verbergen sich zwischen unscheinbaren bis hässlichen Zweckbauten.

Tippen-Tappen-Tönchen

Diese Treppe hat einen lustigen Namen: Tippen-Tappen-Tönchen

Nun, ich erkletterte eine Treppe, kam an einem Jugendzentrum vorbei, vor dem Jugendliche frische Graffiti aufbrachten (brav, kann man alles als Portale einreichen) und versuchte, so hoch wie möglich zu kommen. Ich bombte ein paar blaue Portal grau, nahm sie ein, und weiter im Text. Über die oben im Bild zu sehende Treppe mit dem lustigen Namen Tippen-Tappen-Tönchen (über die es sogar ein Lied und einen Wikipedia-Artikel gibt) kam ich wieder ins Tal. Die Treppe ist außerdem ein Portal, an dem eine Mission durch das Luisenviertel startet (von wo ich gerade kam), aber ich wollte keine dritte machen. Es war Zeit für Kaffee, und ein paar Items war ich ja losgeworden.

So… ich muss leider ins Bett und schaffe es nicht, weiter zu schreiben. Das muss bis morgen warten, aber ich veröffentlich das dann auch erst morgen. Gute Nacht.

Ein neuer Tag. Sodenn: Im Zentrum wurde ich von Mann angesprochen „Na, wenn das mal kein Ingress-Spieler ist!“ (so ähnlich). Tja, schon gingen wir gemeinsam durch die City und fachsimpelten. Ich erwähnte, dass bei mir eigentlich gerade Kaffee dran sei, also landeten wir bei Starbucks. Ein Latte grande und Käsekuchen für mich, ein seltsames Limonengetränk mit viel Eis für „knorki“. (Ich weiß auch die richtigen Vornamen, aber ich versuche, den Blog ein wenig neutral zu halten, aus Rücksicht auf andere Personen.) Wir saßen ungefähr eine Stunde draußen bei nicht so angenehmen Temperaturen. Eigentlich, wenn ich mich recht erinnere, weil mein GPS-Empfänger in Gebäuden nicht gut funktioniert. Hätten wir uns aber sparen können, viel gehackt habe ich gar nicht – aus Höflichkeit, weil „knorki“ es auch nicht tat. Wie viele Ingress-Spieler arbeitet auch „knorki“ in der IT-Branche, so dass man – neben Ingress – auch schnell ein zweites Gesprächsthema hatte. Ansonsten weihte mich der Enlightened-Kollege ein bisschen in die hiesige Szene und seine persönliche Sicht der Dinge ein. Natürlich gab es auch Tipps, z.B. für einen Ausflug nach Düsseldorf, der wird von den hiesigen Spielern beider Fraktionen für Uniques sehr empfohlen. Und natürlich ging es um die Ende des Monats in Hannover anstehende Anomalie, ein großes Event, bei dem auch international einige Leute anreisen werden.

Irgendwann deutete „knorki“ auf eine vorbeieilende, junge Frau und meinte „Das ‚klabauterstern‘, eine Schlumpenkönigin“. Ich sprang auf, holte sie ein und stellte mich vor. „Hey, wir haben gestern gechattet, Du hast mich gewarnt, nach Elberfeld zu kommen, wegen der Demo.“ Natürlich war sie erst mal etwas überrumpelt, sie musste auch einen Bus erwischen, aber wir tauschten schnell einen Händedruck. Ich fand es witzig – gestern noch abstrakte Begegnung im Chat, und heute schon eine Begegnung „in echt“. Ich ging zurück zum Tisch und zu „knorki“.

Naja, der Kaffee war längst alle, es war schon nach 18 Uhr, und mir war kalt. Wir verabschiedeten uns, und ich operierte wieder alleine weiter. Ich hatte zwar planmäßig Translator-Platin in der Tasche, aber nach Platin ist vor Onyx. Onyx ist je Medal die höchste Stufe, die man erreichen kann. Bei Translator liegt Platin bei 20.000 Glyph-Hack-Points (eine 5er-Sequenz bei einem 8er-Portal korrekt zu lösen bringt 15 Punkte), Onyx liegt bei 50.000 Punkten. Da habe ich noch einiges zu tun, und die Level-8-Schlumpfenfarm hat sehr viel Potential. Mein Ziel war, noch auf 22.000 zu kommen.

Doch plötzlich stand „klabauterstern“ vor mir, zusammen mit zwei Schlumpfenkollegen. Die waren dabei, zu farmen und überall nachzubessern, Resos und Mods nachrüsten, rechargen und so weiter. Wir unterhielten uns dabei, ich half sogar einem der Schlümpfe, sein Glyph-Bronze zu kriegen, die drei bewunderten alle meine Glyph-Fähikeiten, 5er-Sequenzen konnten die alle nicht. Es gibt hier in der hiesigen Szene – wie vermutlich überall in den größeren Städten – unterschiedliche Ansichten gegenüber der jeweils gegnerischen Fraktion. Einige Schlümpfe wollen mit Fröschen nichts zu tun haben und umgekehrt. Manchmal ist es anders, wie z.B. bei „klabauterstern“, die oft zusammen mit andere Schlümpfen und Fröschen Spielabende verbringt – nicht Ingress, sondern Brett- und Kartenspiele wie „Die Siedler von Cathan“, „Wizard“ und so weiter. Zu diesem Kreis gehört auch „theftf“, meine erste Ingress-Begegnung hier, der ja auch Frosch ist. Ich wurde von „klabauterstern“ auch gleich zu Spieleabend invitiert, aber das ist unter der Woche, ich weiß nicht, ob sich das in meinen Therapiealltag integrieren lässt.

Tja, da hatte ich also drei Schlümpfe an den Hacken. War wieder Asche mit Portale einreißen, mit drei Blauen an der Backe, die gegenladen, hatte ich keine Lust, es auch nur zu versuchen. Also zog ich angeregt plaudernd mit der Bande durch die Stadt, bis die sich gegen 20 Uhr verabschiedeten. Nun wollte ich auch nicht mehr ganz so lange in der Stadt bleiben. Die Schwebebahnen fuhren schon in etwas größeren Abständen, aber ich nahm mir doch noch die Zeit, die 22.000 Glyph-Hack-Points fertigzumachen. Dann nahm ich – etwa zur selben Zeit wie am Vortag gegen 20:40 Uhr – die Bahn und schwebte zurück nach Oberbarmen. Hier hatte ich wieder knapp 20 Minuten Zeit bis zum nächsten Bus totzusschlagen, ich ging in den örtlichen Mc Donald’s und gönnte mir einen Doppelcheeseburger und eine Cola. Noch ein wenig hin und her zwischen den Portalen am Platze, dann in den Bus und zurück zur Klinik.

Dort holte ich mir meinen Schlüssel, warf noch einen Blick ins Schließfach, besorgte frisches Wasser und ging auf mein Zimmer. Ran an den Blog, und ein bisschen chatten mit der sportlichen Steffi, und ab ins Bett.

Ingress-Stats:

  Translator Trekker Explorer Pioneer Builder Purifier
Vortag 19.669 1.815 km 2.639 1.548 68.905 49.668
Jetzt 22.120 1.834 km 2.704 1.603 69.447 50.199
Delta 2.451 19 km 65 55 542 531
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About michikarl

Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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2 Responses to Tag 5 – Unterwegs mit Fröschen und Schlümpfen

  1. Avatar von sportliche St... ähm...Kampfmaus sportliche St... ähm...Kampfmaus sagt:

    Wie jetzt, sonst keine Namen nennen aber Chorsteffi spezifizieren? 😛

    • Avatar von michikarl michikarl sagt:

      Chorsteffi hast Du geschrieben. Und außerdem postest Du ja eh unter diesem Namen hier. Für die Insassen hier 😉 finde ich ein bisschen mehr Anonymität einfach angebracht.

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