Ich stand um 9.30 Uhr auf und frühstückte im Hotel. Danach machte ich mich auf zur Metrostation København H in der Parallelstraße, das ist auf dem optimalen Wege wirklich auch ein Katzensprung. Da nahm ich diesemal die M4-Bahn zur Station „Marmorkirke“. Diesmal war ich im Wagen ganz vorne und konnte da auf die Gleise schauen, weshalb mir dämmerte, dass der Zug wohl vollautomatisch fährt. Ich hab das kurz auf Wikipedia überprüft, dem ist so. Die U-Bahnhöfe sind auch derart sauber und modern, das sah für mich alles noch ziemlich neu aus. Die U-Bahn wurde 2002 in Betrieb genommen und ist die einzige in Däemark.

An der vierten Station Marmorkirke stieg ich also aus und betrat den großen Kuppelbau der Frederikskirke, lt. Google Maps im Rokoko-Stil. Im Eingangsbereich sah ich einen Holzschnitt, der darstellt, wie Jesu‘ Leichnahm nach seinem Tod vom Kreuz abgenommen und Joseph von Arimathäa übergeben wird. Das fand ich insofen interessant, weil ich mich nicht erinnern kann, von dieser biblischen Szene zuvor jemals eine bildliche Darstellung gesehen zu haben. In einen Marmorpfeiler (die Kirche wird ja nicht umsonst auch „Marmorkirche“ genannt) waren die bisher 15 in der Kirche tätigen Pastoren eingraviert. Der gegenwärtige, Mikkel Wold, ist immerhin schon seit 1994 im Dienst. Ansonsten… nunja, eine Kuppel mit Deckengemälde, ein prächtiger Säulenaltar. An der Orgel ist mir aufgefallen, dass wie bei einigen, aber nicht so vielen Kirchenorgel, eine Anordnung von Pfeifen an der Empore angebracht war. Ich weiß nicht, wie man das nennt. Wenn eine Kirchenorgel klassisch einen Spieltisch so angeordnet hat, dass die spielende Person dem Altar den Rücken zuwendet, dann nennt man die Pfeifenanordnung in der Mitte oberhalb des Spieltisches „Brustwerk“ und die rechts und links das Brustwerk flankierenden Pfeifen-Phalanxen „Seitenwerke“. Aber wie man so eine Anordnung an der Empore nennt, weiß ich nicht – vielleicht „Bauchwerk“? Mein im Orgelspiel ausgebildeter, jüngerer Neffe müsste das wissen.

Nach der Kirchenbesichtigung wollte ich den sogenannten „Runden Turm“ besteigen. Über den wusste ich bisher nur, dass er halt rund ist (logisch), dass man auf eine um die 34m hohe Aussichtsplatform klettern kann und dass er ein Observatorium zur Himmelskörperbeobachtung enthält. Google Maps wies mir den Weg. Dabei hatte ich wieder so einen „Moment mal“-Moment und sah plötzlich direkt vor mir ein Geschäft, welches Gegenstände von gegenwärtigem Interesse anbot. Ich ging hinein und kaufte einen Gegenstand. Danach führte mich Google durch einen Park, den Kongens Have. Hier setzte ich mich zu einem wenig scheuen Rabenvogel auf eine Bank und legte, weil es sonnig war, Sonnenschutzcreme auf.

Bevor ich dem Weg, den mir das Schlaufon anzeigte, weiter folgte, sah ich mich noch ein wenig im Park um. Da saß beispielsweise Hans Christian Andersen, ein Buch in der Hand, auf einem Marmorsockel. Dann sah ich eine Skulptur eines Wasservogels, auf dem ein Junge saß, der Junge umklammerte den langen Hals des Tieres, welches den Schnabel senkrecht in die Luft reckte und eine Wasserfontäne ausspie. Ich dachte, durch die Andersen-Statue voreingenommen, dass es sich vielleicht um Nils Holgersson handeln könne (obwohl die Geschichte von der schwedischen Autorin Selma Lagerlöf ist, nicht von H.C. Andersen), aber auf einer Steintafel stand „Drengen på svanen af Herman Ernst Freund“ (Junge auf dem Schwan von Herman Ernst Freund). Für mich sah das nicht so nett aus, eher als würge der Junge den Schwan am langen Halse…

Zwischen den kubisch getutzten Bäumen des Parks dann das Schloss Rosenborg, auch wieder so ein Königspalast. Eins muss man den Monarchien ja lassen: Sie bringen jede Menge Touristenattraktionen hervor. Aber nicht für mich, ich war ja unterwegs zum runden Turm. Zunächst aber gelangte ich zur Trinitatis-Kirche. Diese hat selbst keinen Turm, ist jedoch mit dem runden Turm verbunden, der aber vor der Kirche errichtet wurde und nicht zur Kirche gehört. Ich sah mir das Kirchenschiff von innen an. In Richtung Altar auf der rechten Seite gab es etwas, das ein wenig wie eine Standuhr aussah. Oben drauf stand eine Figur (Christus?) mit einem Banner, ähnlich wie auf der Spitze der Erlöserkirche. Das erinnerte mich an einen Vers aus einem Kirchengesagbuchlied, nämlich aus „Auf, auf mein Herz mit Freuden“.

Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei; eh er's vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft "Viktoria", schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.
Ansonsten regierte Barock und dementsprechender Pomp, ich mag das ja eigentlich nicht so gerne. Dennoch schaue ich es mir es mir immer wieder an, weil halt viele Kirchen von innen nun einmal so aussehen. Aber ich wollte ja im Wesentlichen auf auf den runden Turm.

Dieser steht halt direkt am Kirchenschiff, war aber kein religiöser Ort, sondern ein Ort der Wissenschaft. Oben auf dem Turm, in etwa 34m Höhe, steht ein Oservatorium, welches der Öffentlichkeit zugänglich ist und ein altes, aber noch funktionsfähiges Teleskop enthält. Ferner grenzte der Turm an die Universitätsbibliothek, bis diese Räumlichkeite zu klein dafür wurden. Sie sind mittlweile renoviert und ein Veranstaltungsort mit Auditorium und Flügel. Dort konnte gerade eine Fotoausstellung der Fotografin Janne Clerk „Reflections At The Foot Of Heaven“ besichtigt werden. Sie hat in allen vier Jahreszeiten Aufnahmen eines kleinen Waldsees gemacht, wobei es teilweise um die Reflektionen der Natur in der Wasseroberfläche, aber auch um das, was unter der Wasseroberfläche zu sehen ist, ging. Die Fotografin sah das auch als Metapher menschlicher Beziehungen: Klare oder verzerrte Reflektion oder eben sogar der Blick unter die Oberfläche sind je nach „Wetterlage“ möglich.

Den Turm besteigt man im Wesentlichen nicht über Treppen, sondern über eine spiralförmige, schiefe Ebene, auch „Pferdetreppe“ genannt. Sie ermöglichte es, z.B. Bücher und astronomische Instrumente mit einer kleinen Pferdekutsche auf den Turm zu bringen. Der spiralförmige Weg führt um einen Kern, man könnte auch sagen, eine Röhre, herum, die den geografischen Mittelpunkt Dänemark darstellt, von hier aus wurde das Land erstmals vermessen und kartografiert. Das letzte Stück zur Aussichtsplattform muss man über eine Treppe erklimmen, die zu schmal ist, als dass gleichzeitig auf- und absteigende Leute sie passieren könnten. Im Gegensatz zur Erlöserkirche, wo das teilweise genauso war (und man das irgendwie selbst organisieren musste), regelte hier ein Ampelsystem den Auf- und Ab-Verkehr.

Oben auf dem Turm war es zwar ein wenig windig, aber sonst sehr entspannt. Die Höhe und das ganze Setting wirkte auf mich weniger angsteinflößend als auf dem Turm der Erlöserkirche, es gab viel Platz, einen Kiosk, wo ich mir ein Bier kaufen konnte und Bänke zum Verweilen. Was ich, die Sonne genießend, auch tat. Es kam mir so vor, als wären das irgendwie die entspanntesten Momente der ganzen Reise gewesen, oben auf dem Turm mit einer Dose Tuborg im Sonnenschein.

Nachdem ich eine Weile verweilt hatte, erstieg ich noch die letzten Stufen von der Aussichtsplattform zum Observatorium und erhaschte einen Blick auf das Teleskop. Lt. Google ist das eine Volkssternwarte, d.h. die Nutzung ist nicht nur Wissenschaftlern vorbehalten, sondern jeder darf im Prinzip das Teleskop nutzen. Der Zugang war dennoch abgesperrt, jedermann/frau bedeutet ja nicht auch „jederzeit“. Es wäre auch ohnehin sinnvoll, wenn völlige Laien das Gerät nur unter der Anleitung von Menschen mit Sachkenntnis nutzen könnten.

Nach dem Blick auf (leider nicht durch, aber das wäre bei Tageslicht ohnehin wenig sinnvoll gewesen) das Teleskop machte ich mich auf den Abweg, äh, den Weg nach unten. Dort angekommen war ich mir unsicher, was nun zu tun sei, aber nun, die Frauenkirche (oder Vor Frue Kirke oder auch Dom zu Kopenhagen) war nicht weit weg. Ich war dort schon vorbeigekommen, nun konnte ich aber auch einen Blick hineinwerfen. Bemerkenswert waren vor allem die 12 überlebensgroßen Statuen der Apostel entlang des gesamten Kirchenschiffs, auf beiden Seiten der Kirchenbänke jeweils sechs. Über oder auf dem Altar gab es kein Kruzifix, auch kein leeres Kreuz, sondern stattdessen eine überlebensgroße Statue einer Jesusfigur. All dieses Statuen wurden vom Bildhauer Bertel Thorvaldsen geschaffen, der so bedeutend angesehen wird, dass es hier in Kopenhagen ein ganzes Museum zu ihm und seinen Werken gibt. Nun, das war also die dritte Kirche heute, ich sagte mir, das sollte dann eigentlich auch mal reichen. Am Ende stimmte das … so halb.

Ich ging dann erstmal etwas essen, im Innenhof eines Lokals, Burger, Pommes und Bier. Dabei überlegte ich, was nun noch mit dem Rest des letzten Tages in Kopenhagen anzufangen sei und kramte die Copenhagen Card – Broschüre aus dem Rucksack. Für eine Rathausführung war es schon zu spät. Ich überlegte, noch in das Kriegsmuseum zu gehen, welches thematisch von der Zeit „Knights in shining armour“ und Kriegen gegen Schweden und England bis zu dänischen Einsätzen in jüngerer Zeit im Irak und Afghanistan reichen sollte. Aber es schloss um 17 Uhr (wie viele Museen), und es war bereits deutlich nach 15 Uhr und mein Essen war noch nicht da. Nach dem Essen entschied ich mich dazu, nichts Konkretes mehr auf den Zettel zu nehmen, sondern einfach noch ein bisschen Ingress zu spielen und mir noch ein paar noch nicht von mir eingenommene Portale zu greifen. Also zog ich nach diesem Kriterium von meinem Schlaufon geführt, kreuz und quer durch die Gassen, vor allem dorthin, wo ich noch nicht gewesen bin.

So kam ich dann auch zur Helligånskirken. Hmpf. Eigentlich wollte ich ja keine Kirche mehr angucken, aber ich schaute dann pflichtbewusst doch durch eine Tür. Hier fand gerade eine Kunstausstellung mit freiem Eintritt statt. Die Räumlichkeit sah schon nach Sakralgebäude aus, aber ohne Altar, Kanzel, Taufbecken etc. Ich dachte mir dann, dass vielleicht die Kirche entwidmet war und keinen religiösen Zwecken mehr diente – so wie in Osnabrück die Dominikanerkirche, die heute eine Kunsthalle ist. Wie sich dann später bei der Netz-Recherche herausstellte, ist die Kirche wohl durchaus noch ein Gottesdienstort mit allem Drum und Dran – nur hatte ich offenbar nur in ein Nebengebäude geschaut, welches auch anderen Zwecken dient.

Ich ging weiter, es war nun schon etwa 17 Uhr, und ich hatte mir ein quantitatives Ziel beim Spiel gesetzt, welches ich auch erreichte. Dabei kam ich noch an der Ny Carlsberg Glyphothek vorbei, die eine Kunstsammlung beinhaltet. Tatsächlich hat das etwas mit der dänischen Biermarke zu tun, denn noch heute geht lt. Wikipedia von jeder verkauften Flasche Carlsberg ein kleiner Betrag in die Erhaltung des Museums. (Sofern das auch für Dosen gilt, habe ich auch dazu beigetragen. Was gibt es schöneres, als Biertrinken für einen guten Zweck?) Ich hatte schon mal die Richtung Tivoli/Hauptbahnhof/Hotel eingeschlagen und kam dann auch kurz vor 18 Uhr (mit einem Einkaufs-Abstecher im Seven-Eleven im Bahnhof) im Hotel an.
Tja, und das war es dann wohl auch für heute. Mein Zug gen Heimat fährt morgen planmäßig um 11.17 Uhr von Kopenhagen ab, ich werde wohl so um 9.15 Uhr aufstehen und hier im Hotel frühstücken. Ich überlege, ob ich noch einen kleinen Ausflug für Abendbilder mache (wie in Stockholm), weiß aber noch nicht, ob ich mich dazu aufraffen kann. Ein wenig Zeit hätte ich noch dafür. Mal sehen. Ich schreibe sicherlich noch ein paar abschließende Zeilen aus dem Zug oder nach Ankunft.
Bis bald.
Das ist mal ein richtig schönes Selfie mit dem Vogel auf der Bank!