Café Goldegg in Wien. Regen bei 22° draußen. Drinnen Sachertorte und Melange
Dienstag, 1. August – Von Riesenrädern und fliegenden Geigen
Ich hatte meinen Wecker auf 9.00 Uhr gestellt (und auf Falco). Frühstück (inbegriffen) gab es bin 10.30 Uhr. Aber ich war schon vorher wach und aus dem Bett, ich machte gerade meine Übungen, als Falco den „Komissar“ trällerte.
Nach der Morgentoilette ging es zum Frühstück. Ich bin von anderen Hotels in der Beziehung etwas verwöhnt und fand es nicht so doll – aber ich wies mich zurecht, weil es echt okay war und ich es eigentlich nicht mag, so verwöhnt zu sein. Lieber bin ich dankbar, überhaupt etwas zu essen und Kaffee zu bekommen. Das Hotel hat im Endeffekt alles, was der Mensch braucht: Ein Bett und WLAN.

Nach dem Frühstück enterte ich die U1 Richtung Leopolddau, um beim Praterstern auszusteigen. Ich nahm einfach mal an, dass sich dort der Prater befände (und das war auch so). Wieder am Tageslicht sah ich auch schon das berühmte Riesenrad.

Das Wetter war bedeckt, aber es regnete (noch) nicht. Ich näherte mich dem Prater, es war etwa 10.30 Uhr. Prater ist, wenn ich mich richtig an die Ausführungen der Kellnerin vom Bistro erinnere, durchgehend von März bis Oktober, in der Zeit sind dort die mobilen Schausteller-Attraktionen aufgebaut. Das alte Riesenrad von 1897 steht natürlich immer da, und auch die Gastronomie besteht größtenteils aus ganzjährig vorhandenen Einrichtungen.
Es war (noch) nichts los. Viele Fahrgeschäfte waren noch nicht in Betrieb, und nur wenige Menschen waren schon auf Bummel unterwegs. Das lag offensichtlich einfach an der Uhrzeit. Während der über zwei Stunden, die ich mich auf dem Gelände aufhielt, öffneten nach und nach immer mehr Fahrgeschäfte. Ich stand beispielsweise direkt vor einer Loopingbahn, als die plörtlich ihren Betrieb aufnahm, Geräusche machte und eine leere Bahn auf eine Proberunde schickte.

Ich stehe nicht mehr so auf die mesiten Fahrgeschäfte. Und alleine machte es ohnehin nicht so viel Spaß. Ich wollte einfach nur das Gelände abschreiten (mit gezücktem Handy, um zum Beispiel aus einer Attraktion namens „Schlumpf-City“ schnell mal „Frosch-City“ zu machen) und mir ein Bild machen. Vielleicht mittags irgendwo etwas essen und dann mit dem berühmten Riesenrad fahren.
Das machte ich dann auch so. Es gab zwei kleine Begegnungen mit Mitmenschen, die ich suboptimal fand. Ich stand gerade vor einem Gebäude, in dem es neben anderem Modellbau ein Modell von Wien mit Eisenbahnen gab. Das hätte mich interessiert, aber leider war wegen eines Stromausfalls geschlossen. Da rückte mir ein junger Mitmensch auf die Pelle, unterschritt erst den sozial angemessenen Mindestabstand und rempelte mich dann sachte, aber absichtlich an. Danach tänzelte er neben einem langsam fahrenden Rundfahrtzug nebenher. Das brachte mich kurz aus dem Konzept. Vermutlich stand die Person entweder unter Drogeneinfluss oder hatte irgendeine Störung. Hm.

An der Scheibe einer gastronomischen Einrichtung klebte von innen ein Schild, welches besagte, man könne bei Verzehr und WC-Benutzung 50 Cent zurückerstattet bekommen. Irgendwie war eine bedauernswerte Wespe zwischen das Schild und die Scheibe geraten. Sie mühte sich, wie mir schien, vergebens, sich aus dieser misslichen Lage zu befreien. Ich betrat ohne Umschweife das Gebäude mit der Absicht, dem Tier zu helfen, wurde aber sofort von einer Gastronomiefachkraft mit einem sehr bestimmten, sehr wienerischen „Bitte“ des Platzes verwiesen. Ich sollte mich draußen hinsetzen. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, nahm mir von einem Tisch eine Speisekarte und wollte mich damit an einen anderen Tisch setzen. Auch das wurde mir sofort schnippisch von der Dame untersagt, die Karte würde an dem anderen Tisch nass. Okay, hilfe, Kunde droht mit Auftrag. Ich konnte der Wespe nicht helfen, aber ich war da auch sonst offenbar eindeutig fehlt am Platz.

Mittlerweile hatte leichter Nieselregen eingesetzt. Ich beendete meinen Rundgang und kam beim historischen Riesenrad, welches einst zum 50. Thronjubiläum des Kaiser Franz Jospeh I. errichtet worden war, an. Ich löste ein Ticket (13,50 Euro, ich glaube, um mit dem Mellenium Eye in London zu fahren, muss man mindestens das Dreifache auf den Tresen legen) und gelangte in einen runden Raum, in dem einige den Riesenradgondeln nachempfundene Kästen mit Glasscheiben, die verschiedene Dioramen enthielten. Es waren alles Darstellungen von Wien oder auch konkret des Praters in verschiedenen Epochen – teilweise aufwändig illuminiert oder auch animiert. In einem Szenario wurde Wien von türkischen Armeen belagert. Ein anderes zeigte den Bau des Stefansdoms im Mittelalter. Ein Kasten zeigte das ausgebrannte Gerippe des Riesenrades und andere Ruinen nach dem Praterbrand durch das Kriegsgeschehen 1945. Wieder andere Dioramen stellten den Prater in frühen Phasen seines Bestehens. Das hat mir jedenfalls gut gefallen. Ich mag Modelle, und das hier war liebevoll gestaltet.

Durch diese Ausstellung gelangte ich zum Einstieg in die Hauptattraktion. In eine Gondel passen geschätzt üblicherweise 8-10 Personen. Vor mir war noch eine andere Gondelbesatzung dran. Nachdem diese losgegondelt war, kam als nächster Waggon (wie die Dinger bei Wikipedia genannt werden) eine Spezialausführung in Sicht, die anders ausgestattet war als die anderen, ganz stilvoll mit Gardinen und vornehmeren Tischen und Sitzgelegenheiten. Ich hatte gelesen, dass man ein romantisches Candlelight-Dinner im Riesenrad buchen kann und vermutete dies als Verwendungszweck dieser speziellen Gondel.

Schließlich kam „unsere“ Gondel an den Start, und ich enterte mit ehreren Personen die Kabine. Dabei waren mehrere erwachsene Damen und Herren, eine Teenagerin und zwei Kinder, eins davon fröhlich damit beschäftigt, mit seiner Stimme zu experimentieren (was ich erst nervig, dann aber irgendwie später eher ganz süß fand). Die Fahrt ging los, erst nur wenige Meter hoch. Das Rad fährt offenbar normalerweise nie durchgehend, sondern je nach Fahrgastaufkommen immer nur bis die nächsten Menschen einsteigen. Ich hatte es gar nicht gelesen, aber die komplette Runde (und man dreht nur eine) war wohl mit 20 Minuten angegeben, wie ich aufschnappte.

Mittlerweile hatte der Regen erheblich an Intensität zugenommen, was leider die Sicht einschränkte. Trotzdem war es toll. Am Scheitelpunkt befindete man sich auf 65 Meter Höhe und kann den Prater und die Stadt von oben betrachten, außerdem hat man einen guten Blick auf die konstruktiven Details des Riesenrades selbst. Ich kann jedenfalls nur empehlen, diese Attraktion beim Besuch Wiens auf keinen Fall auszulassen.
Nach der Fahrt war die Mittagszeit herbeigekommen. Ich beschloss, gleich das dem Riesenrand zugehörige Café aufzusuchen. Nach einem flüchtigen Blick in die Karte fand ich Angebot und Preise akzeptabel und setzte mich draußen unter einen der großen Sonnenschirme (de facto Regenschirm). Ich gönnte mir Berner Würstl (Kochwurst mit Bacon umwickelt) mit Pommes und ein Ottakringer. (Dieses Bier wird hier oft angeboten. Es kommt offenbar aus Ottakring, so heißt eine der Endstationen der U3 hier. Es schmeckt mir gut.)

Nach der Mahlzeit regnete es nach wie vor erheblich. Ich verließ den Prater und ging noch kurz zum nahegelegenen Wiener Planetarium, um dort einen Blick in den Schaukasten zu werfen. Heute abend ab 19.00 Uhr läuft dort das Programm „Bilderbuch am Himmel“ – es geht um Sternbilder. Das interessiert mich nicht so sehr. Morgen läuft „Hubble Space Telescope“, was schon eher für mich einen Besuch wert sein könnte.
In meine regenjacke gewandet ging ich zurück zur U-Bahn-Station Praterstern. Irgendwie war durch das Wetter die Stimmung nicht die beste. Ich hatte beim Essen kurz mal über die Museen hier recherchiert, um vielleicht eine Indoor-Beschäftigung für mich zu finden, konnte mich aber nicht motivieren. Die meisten Museen haben natürlich mit Kunst zu tun oder sind historische Ausstellungen (z.B. Schloss Belvedere oder die Hochburg), und sowas interessiert mich ja nicht so. Aber es gibt auch das „Haus des Meeres“, ein großes Aquarium, welches mir schon von jemandem, mit dem ich im Zug nach Nürnberg gesprochen hatte, empfohlen worden war. Und ein technisches Museum. Mal sehen. Vielleicht anderntags.
Aber zunächst zog es mich zurück zum Hotel. Dort angekommen stand ich vor der Wahl „Mittagsschlaf oder bloggen.“ Ich entschied mich für den Weg des geringsten Widerstands, und der hieß „Mittagsschlaf“ und Schietwetter Schietwetter sein lassen.
Nach ca. zwei Stunden auf Matraze stand ich etwas missmutig ob des andauernden Regens auf. Ich beschloss, diesen Eintrag zu schreiben, aber es nicht im Hotel, sondern im Café Goldegg zu tun. Dieses liegt unweit der St. Elisabeth zur guten Nachricht am Eck Argentinierstraße/Goldegg-Gasse. Denn vielleicht würden Kaffee und Gebäck meine Laune ja heben können, und weniger trist als im Hotel zu sitzen wäre es allemal. Also schnappte ich mir den Laptop und taperte durch den Regen die 5 Minuten zum Café.

Es gab Sachertorte mit Schlagobers und eine Melange. Und dann noch einen großen Macciato („Kein Espresso?“ „Kein Espresso“ – wurde dann doch ein doppelter Espresso. War mir egal.) Und dann ein großes Trumer Pils. Am letzteren arbeite ich noch. Wer weiß, einige große und erfolgreiche Literaten sollen viel in Cafés geschrieben haben (Franz Kafka, J.K. Rowling, um zwei Beispiele zu nennen). Vielleicht sollte ich das auch öfter machen, dann wird aus mir auch noch mal ein richtiger Schriftsteller. Auf jeden Fall ist es durchaus angenehm – und WLAN gibt es auch. War bestimmt auch für Franz Kafka der entscheidende Faktor.
Nun. Ich bin mit diesem Beitrag fast fertig. Vielleicht schaue ich mir gleich, sofern sie geöffnet ist, die St. Elisabeth-Kirche noch von innen an. Und/oder mache trotz des schlechten Wetters noch die paar Schritte zum botanischen Garten der Universität und zum Schloss Belvedere. Das ist quasi am Ende der Goldegg-Gasse gelegen. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, mal einen Blick ins Kinoprogramm zu werfen, um den Abend nicht im Hotelzimmer herumzusitzen. Mal sehen. Der nächste Beitrag wird zeigen, was ich erlebt haben werde. Bisdann.
Nun also doch „das mit dem Riesenrad“ !
Naja… ich hab mit solchen Kommentaren gerechnet. Von der Schwester kam auch schon sowas per Whatsapp. Schön, dass Du mitliest!
´türlich, ist doch selbstverständlich! Und es ist schön, dass sich der Kreis endlich geschlossen hat.