Bleibt halt nur die Bombe

Frühstück im Hotel. Schreiende Kinder. Rührei, Kaffee und Käsebrot. Draußen teilweise bedeckt, um 22°

Dienstag, 1. August (Fortsetzung) – Stieglbier und Nuklearwaffen

Nachdem ich den vorangegangenen Blogeintrag beendet hatte, sah ich mir zunächst die unmittelbar beim Café Goldegg gelegene St. Elisabeth-Kirche von innen an. Es regnete nach wie vor erheblich. In der Kirche war sehr dezentes Licht, eigentlich war nur das Altarbild erleuchtet. Ich machte Fotos und ließ mich zum kurzen Gebet auf der Kirchenbank nieder.

Der Altarraum der St. Elisabeth-Kirche

Wieder im Regen überlegte ich, ein Kino aufzusuchen. Natürlich ist diesen Sommer kaum jemandem verborgen geblieben, dass es zwei unheimlich gehypte Blockbuster auf der großen Leinwand anzusehen gibt, die einen gewissen Kontrast haben: Barbie (pink) und Oppenheimer (düster). In der Presse und sozialen Kanälen ist sehr viel über dieses Phänomen zu lesen, dass auch per Kofferwort als „Barbenheimer“ bezeichnet wird. Die beiden Filme scheinen sich nicht etwa Konkurrenz zu machen, sondern eher ein gemeinsames Gravitationsfeld in Richtung der Lichspielhäuser zu erzeugen.

Und so offerierte Google auch in den Wiener Kinos vor allem diese beiden Filme. Tatsächlich muss ich sagen, dass mich beide interessieren. Denn „Barbie“ ist ja wohl kein Kinderfilm, sondern eine gesellschaftkritische, feministische Komödie (jedenfalls nach dem, was ich gelesen habe). Das finde ich durchaus interessant. Oppenheimer hingegen interessiert mich aufgrund der physikalischen und ethischen Aspekte bei der Entwicklung der Atombombe, außerdem scheint das Thema ja leider zunehmend aktuelle Relevanz zu haben. Da ist es natürlich interessant, sich noch einmal anzusehen, wie es zu der ganzen (ich bitte um Entschuldigung, aber ich muss es so schreiben) unterirdischen Scheiße ursprünglich gekommen ist. Davon abgesehen führte Christopher Nolan Regie, dessen Werke von mir ausnahmslos geschätzt wurden, und der mit Oscarpreisträgern und -innen gespickte Cast liest sich wie das Who is Who in Hollywood. Cillian Murphy. Emily Blunt. Matt Damon. Florence Pugh. Robert Downey Jr. Josh Harnett. Rami Malek. Nur um ein paar der wichtigsten zu nennen. Im Wikipedia-Artikel habe ich gelesen, dass einige der größten Stars eine deutlich niedrigere Gage als bei ihrem gegenwertigen Marktwert üblich in Kauf genommen haben sollen (so 4 statt 12 Millionen Dollar, hoffentlich verhungern die Armen nicht), um das Budget zu drücken und in diesem Film mitspielen zu können.

Ich entschied mich ohne weitere Recherche über die Kinos für das CineCenter in der Nähe des Schwedenplatzes, denn das ist eine Haltestelle der bisher von mir ausschließlich genutzten U-Bahn-Linie U1, d.h. ich kannte mich aus und war schnell da. Anstatt wie zwischenzeitlich überlegt, weil ich ja noch den Laptop dabei hatte, noch vorher ins Hotel zu gehen, ging ich schnurstracks zum Südtiroler Platz und enterte die U-Bahn. Denn es war schon nach 18 Uhr, der Film begann um 20 Uhr, und ich wollte vorher noch eine Kleinigkeit essen und ohne Stress das Kino finden.

Abendstimmung und Regen in der Nähe des CineCenter-Kinos unweit des Schwedenplatzes

Angekommen beim Kino kaufte ich schon einmal eine Karte und sah mich anschließend nach etwas zu essen um. Die Zeit, mich noch irgendwo hinzusetzen, hatte ich nicht mehr, also ging ich zurück Richtung U-Bahn-Station und kaufte mir am Würstlstand einen Hotdog mit Käsekrainer.

Als ich wieder im Foyer des Kinos ankam, war dieses gerammelt voll. Der Film sollte 3 Stunden dauern, also ging ich noch mal in die keramische Abteilung. Das Kino schien mir nicht zu einer der riesigen Ketten zu gehören, deren Filmpaläste auf maximalen Kommerz ausgelegt sind, dazu war das Foyer zu klein und eng und stickig und voll und die Schlangen vor den zwei Kassen für die vier Sääle zu lang. Ich hatte ja schon ein Ticket, aber ich wollte noch Getränke kaufen. Also stand ich schwitzend in der Schlange, es war nur noch wenige Minuten bis zum Beginn der Vorstellung. Die Thekenkraft schien mir irgendwie auch nicht die kompetenteste zu sein. Obwohl noch Popcorn fertig war, füllte sie seelenruhig Mais nach, während noch Leute kurz vor Beginn der Vorstellung darauf warteten, schnell noch etwas zu erwerben. Naja. Ich kaufte zwei Dosen Stiegl (hatte ich noch nicht, und scheint hier auch eins der gängigen Biere zu sein) und betrat den Saal, in dem die Trailer für andere Filme schon begonnen hatten.

Beim Kino – das läuft im Moment in den vier Säälen. Von dem Film „Jetzt neu“ hab ich noch nie gehört.

Der Film selbst gefiel mir unter dem Strich gut. Die Starriege lieferte ab, die Dialoge waren geschliffen, das Thema interessant und relevant. Allerdings fand ich, dass nach dem Trinity-Test zwischenzeitlich die Luft etwas raus war – das war natürlich ein entscheidender Höhepunkt des Film, auf den alles hinauslief. Dennoch ging es ja nicht nur um die Entwicklung der Bombe an sich, sondern auch um das Leben Oppenheimers und seinen Fall nach dem Trinity-Test, als seine Verbindungen zu Kommunisten vor dem Manhattan-Projekt und seine Zweifel bzgl. der Entwicklung der Wasserstoffbombe und Statements, man solle die nukleare Abrüstung forcieren, sein Renomée zerstörten. Als es zu den Anhörungen, forciert durch Lewis Strauss, kam, zog sich das gefühlt nach dem großen Knall ziemlich in die Länge, fand ich. Der Film hatte dann zwischenzeitlich eher was von Gerichtsanwalt-Serie, fand ich. Trotzdem hat auch dieser Teil natürlich aus der Perspektive der Geschichte der nuklearen Aufrüstung Relevanz. Oppenheimer konnte sich mit seinen Ansichten nicht durchsetzen, und somit haben wir heute Wasserstoffbomben und riesige, nukleare Arsenale auf der Welt, mit der wir sämtliche menschliche Zivilisation problemlos von der Oberfläche des Planeten putzen können.

Hauptdarsteller Cillian Murphy kenne ich aus diversen anderen Christopher-Nolan-Filmen. Er stellte seine Figur durchaus sympathisch dar (und er kann auch ganz anders, wie ich z.B. aus den „Batman“-Filmen weiß – böse und gefühlskalt). Obwohl er als „Vater der Atombombe“ eine sicherlich nicht positive Rolle in der Menschheitsgeschichte inne hat und auch als Privatmann dem Film nach auch seine Ehefrau betrogen hat, empfand ich eine gewisse Sympathie mit der Figur. Treibend, getrieben, brillant, humurvoll, auch Opfer von Intrige und unter Selbstzweifeln leidend wurde Oppenheimer eben in keiner Weise als böse dargestellt, eher als vielschichtig.

Aber es gibt für mich einen Knackpunkt: Nachdem Nazi-Deutschland bereits besiegt war, unterschrieben viele Kollegen Oppenheimers eine Petition, die Atomwaffen in Japan nicht einzusetzen. Oppenheimer unterschrieb diese Petition nicht. Wahrscheinlich hätte seine Unterschrift den Einsatz der Waffen in Hiroshima und Nagasaki nicht verhindert, aber er hätte sich anschließend zumindest nicht vorwerfen müssen, seinen Namenszug nicht beigetragen zu haben. In tragischer Weise finde ich das inkonsequent und konsquent zugleich. Wenn der Film einigermaßen autentisch ist, so wäre eigentlich die Verweigerungshaltung des vermeidbaren Einsatzes der Massenvernichtungswaffen bereits zu dem Zeitpunkt aus Oppenheimers Sicht konsequent gewesen. Aber ebenso der Abwurf von „Little Boy“ und „Fat Man“ auf Hiroshima und Nagasaki, sozusagen als todbringender Schlusspunkt seiner Arbeit.

Nach dem Film begab ich mich umgehend mit der U1 zurück zum Hotel und ins Bett, es war ja schon weit nach 23 Uhr.

Heute stand ich vor dem Weckerklingeln gegen 8.20 Uhr auf und sprang unter die Dusche. Hm. Erwähnte ich, dass der Duschkopf fest installiert ist (etwa geschätzt 175 cm über der Duschtasse)? Der ist etwa auf Höhe meiner Stirn. Für mich geht das klar, aber für Leute die zwei Meter groß sind wäre das so eine Sache… Es gibt auch keine Mischbatterie, sondern Amaturen für heiß und kalt, mit denen ich eine angenehme Termperatur nicht hinbekommen. Aber … dankbar sein für fließend heiß und kalt Wasser. Ich machs ja.

Nun bin ich also angekommen und habe Käsebrot und Rührei und zwei Tassen Kaffee intus. Erst bereute ich, ob des Kindergeschreis meine ANC-Kopfhörer nicht beim Frühstück dabei zu haben. Aber die Kinder wurden erst ruhig gestellt und dann verschwand die Familie. Ich denke, ich nehm noch einen Kaffee und vielleicht einen Joghurt, dann geht es aufs Zimmer, Bilder hinzufügen (hab mein USB-Kabel vergessen in den Frühstücksraum mitzunehmen) und den Tag planen.

Das Wetter heute ist teilweise bedeckt, die Sonne scheint aber, ich sehe teilweise blauen Himmel und Sonne. Kurze Hose und Sonnenschutzmittel sind geboten. Ich werde auf jeden Fall zum Donauufer fahren und mich dort umsehen. Vielleicht, wenn möglich, eine Runde Ausflugsboot fahren. Und vielleicht auf den Donauturm fahren, um Wien bei besserem Wetter als gestern von oben zu sehen. Morgen soll das Wetter wieder schlecht sein, dann ist vielleicht das Haus des Meeres angesagt. Wir werden sehen. Bisbald.

PS: Aufgrund einiger Kommentare gewisser Familienmitglieder zur berühmten Sesamtstraßen-Episode „Nicht das mit dem Riesenrad“: Ein wenig mulmig war mir schon beim Betreten der Gondel. Hält die Konstruktion? Was ist, wenn der Strom ausfällt und ich da oben festsitze? Was letzteren Punkt angeht, so ist bei Wikipedia folgendes zu lesen:

  • Das Rad wird von zwei Elektromotren angetrieben. Einer alleine könnte das Rad antreiben
  • Es gibt zusätzlich zwei weitere Motoren für den Notfall
  • Für den Fall des Stromausfalles gibt es ein Notstromaggregat
  • Wenn nichts mehr geht, kann das Rad sogar von Hand angetrieben werden
  • Die Feuerwehr hat die Höhenrettung aus dem Riesenrad schon geprobt

Also, das hätte ich vielleicht vorher lesen sollen.

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Ich möchte den Werbetreibenden, die heutzutage mehr Daten über Individuen sammeln als die Geheimdienste dieser Welt, nicht kostenlos Informationen zur Verfügung stellen. Obwohl ich das mit Sicherheit auch hiermit bereits getan habe.
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3 Responses to Bleibt halt nur die Bombe

  1. Avatar von Storasyster Storasyster sagt:

    Na, da bin ich ja nachträglich beruhigt, was das Riesenrad angeht!

    „Meine“ Kirche gefällt mir gut von innen in ihrer neugotischen Schlichtheit.

    Mein Oppenheimer-Fazit entspricht Deinem. Bei den physikalischen Aspekten in ich natürlich mangels Verständnis raus. Und ja, der Film hatte zwischendurch Längen, drei Stunden sind insgesamt schon grenzwertig. Aber inhaltlich vielschichtig und wichtig, und ein in seiner Komplexität mir durchaus sympathischer Protagonist.

    Witzig, dass Du Barbie erwägst, Du bist schon der zweite Mann, dem ich das so gar nicht zugetraut hätte. Ich erwäge es auch. Wobei ich nicht genau weiß, wieviel Pink ich um der guten Sache willen vertragen kann 😉

  2. Avatar von satayspiess satayspiess sagt:

    Wie schön, wieder einmal von deinen Reiseerlebnissen zu lesen! 🙂

    Da ich gestern in „dem anderen“ Film war, fühle ich mich bemüßigt, Zauderer:innen dazu zu ermuntern, sich „Barbie“ anzusehen. Ich fand den Trailer zum Brüllen komisch und bekam (von einem Mann) die Ermunterung, sich den Film unbedingt anzusehen, wenn mir der Trailer schon gefallen habe. Also, die meisten „Brüller“ waren durchaus schon im Trailer zusammengefasst. Und natürlich ist der Film sehr pink und sehr amerikanisch. Aber mir hat gefallen, wie krass der Unterschied zwischen Barbies Kunstwelt mit allem drum und dran und der wahren Welt herausgestellt wurde. Am Ende waren es mir schon fast zuviele „Botschaften“. Aber besser ein paar zuviel als keine … Ich würde nicht behaupten, dass man Barbie gesehen haben MUSS! Aber ich bereue definitiv weder die Zeit für den Kinobesuch, noch das Geld, das ich dafür aufgewendet habe! 🙂

    • Avatar von michikarl michikarl sagt:

      Moin Satay! Vielen Dank für Deinen Kommentar und die pinke Empfehlung. Du weißt, dass ich Deine Meinung und auch Deinen trockenen Humor sehr schätze, für mich kommt das also aus berufenem Munde. Wenn es albern oder kitschig wäre, hättest Du etwas anderes geschrieben. Das ermutigt wirklich, den Film zu schauen. Das Wetter ist erneut mäßig, vielleicht suche ich das Kino am Schwedenplatz heute nochmals auf. Mal gucken.

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