Da Nang, Hotel Hainan Beach, 21.33 Uhr Ortszeit (GMT+7)
Der Flug nach Da Nang verlief ereignislos. Als reine Flugzeit verlautete eine Stunde und zehn Minuten aus dem Cockpit. Ich begnügte mich damit, aus dem Fenster zu schauen. Vor der Landung konnte ich schon einiges von Da Nang sehen. Da auch dieser Flughafen eher übersichtlich ist, mussten wir nur kurz bis zu einer Parkposition rollen, von der uns ein Bus abholte und in eigentlich nur ein paar Meter über das Vorfeld zum Terminal überbrückte, die man halt nicht zu Fuß gehen darf.

Das Wetter war sonnig, mit 27 Grad etwas kühler als in Can Tho, wo die Termperatur tagsüber oberhalb von 30 Grad gelegen hatte. Die Freundin meines Neffen hatte einen Kleinbus samt Fahrer organisiert, mit dem sie uns vom Fughafen abholte. Auf der Fahrt konnte man schon einiges von der Stadt sehen, den Hàn-Fluss, moderne Brücken und Hochhäuser. Im Hotel checkten wir ein, wobei wir etwas Unterstützung von der Freundin meinen Neffen hatte, die hier mal gearbeitet hat und noch die Leute an der Rezeption kannte. Der Freund meines Neffen, der mit uns hergeflogen war, und seine Freundin blieben erst einmal auf ihrem Zimmer und ruhten sich aus. Ich brachte nur schnell meinen Koffer auf mein Zimmer im 11. Stock und fuhr dann mit der Freundin meines Neffen, meiner Schwester und meinem Schwager zu dem Hochhaus in der Nähe des Flusses, wo mein Neffe mit seiner Freundin wohnt.

Das Gebäude ist sehr modern, wir fuhren mit dem Aufzug in den 17. Stock, wo die beiden ihre Wohnung haben. Es gab Tee und Snacks auf der Couch. Mein Neffe war noch bei der Arbeit, kam dann aber später dazu. Mein Neffe, seine Freundin und mein Schwager wollten noch Bankgeschäfte erledigen, meine Schwester und ich nutzten die Zeit für eine Siesta – sie im Gästezimmer, in dem sie untergebracht war, ich auf der Couch.
Nachdem die drei wiedergekommen waren, fuhren wir mit dem Aufzug zu den Dachterrassen des Gebäudes. Hier schien noch einiges im Bau zu sein, so richtig gemütlich war es dort nicht, aber die Aussicht war dafür umso beeindruckender. Man konnte den Hàn sehen, die Drachenbrücke und die Segelbrücke darüber, viele Hochhäuser und das Meer. Ich machte sehr viele Fotos dort oben. Es war anfangs kurz vor Sonnenuntergang, später war es schon dunkel und man blickte auf ein Lichtermeer. Die Brücken und einige der Hotelfassaden waren mit vielen bunten LEDs illuminiert.

Später machten wir uns auf zum Abendessen. Die Freundin meines Neffen hatte in einem guten Restaurant einen Tisch in einem Separé gebucht. Da uns zwei unserer Mitreisenden nicht zum Essen begleiteten, hatte die Freundin meines Neffen noch eine ihrer Schwestern und eine Freundin eingeladen. Das Restaurant war ein bisschen fancy, ich fühlte mich underdressed. Außerdem gab es eine Bedienung, die sich ausschließlich um unseren Tisch kümmerte und sich für meinen Geschmack ein bisschen zu viel in unmittelbarer Nähe aufhielt, um gegenebenfalls z.B. einzugreifen, falls man etwa die falsche Sauce zu irgendetwas nahm. Die stand gefühlt 10 Minuten direkt neben mir, um Rollen aus Reispapier, Fleisch und Salat zu machen. Ich dachte, wenn man ein Separé bucht, möchte man Privatsphäre. Das Essen war gut, allerdings auch deutlich teurer als in unserem Restaurant in Can Tho. Wir hatten Frühlings- und Sommerrollen, gebratenen Fisch, Bratreis mit Ei, eine Suppe mit Fleischbällchen, diverses Gemüse und einiges mehr, das wir uns alle zusammen teilten.

Meine Schwester, mein Schwager und ich fuhren übrigens mit einem „Grab-Car“ zum Restaurant. Das ist soetwas wie Uber, man bucht per App, übermittelt seine Position, ein freier Fahrer in der Nähe wird benachrichtig, pickt die Passagiere auf uns setzt sie am gebuchten Ziel für den vorher schon feststehenden Preis ab. Die Fahrt von der Wohnung zum Restaurant kostete etwa 40.000 Dong, also keine zwei Euro – für drei Leute. Grab ist also eine unversichtbare App hier, um in der Stadt schnell und günstig von A nach B zu kommen. Man kann, wenn man alleine ist, anstelle eines Autos auch ein Moped buchen, auf dessen Rücksitz man dann mitgenommen wird. Oder anstelle eines 4-Seaters auch einen 7-Seater, wenn man in einer größeren Gruppe unterwegs ist. Mein Neffe und seine Freundin fuhren nicht mit im Grab, sie nahmen ihre eigenen Mopeds.
Nach dem Essen war für meinen Neffen und seine Freundin eine offene Tanzveranstaltung bei einer Institution, bei der die beiden schon seit einiger Zeit Jive zusammen tanzen, angesagt. Ich glaube, dort haben sie sich auch kennengelernt. Wir waren alle eingeladen, mitzukommen, was meine Schwester und mein Schwager auch taten. Da die Location nur wenige Minuten zu Fuß vom Hotel, in dem ich, der Freund meines Neffen und dessen Freundin wohnen, liegt, nahmen wir wieder zusammen ein Grab dorthin. Ich wollte lieber etwas Zeit für mich alleine haben, deswegen verabschiedete ich mich von meiner Familie und ging zu Fuß zum Hotel zurück. Unterwegs kaufte ich noch in einem Supermarkt ein paar Getränke ein. Tja, und das bringt mich zum aktuellen Zeitpunkt.
Ich bin manchmal ein bisschen überfordert von den vielen Eindrücken. Da Nang ist eine richtige Metropole, auch durchaus sehr touristisch orientiert (es liegt ja auch am Meer), es hat ein ganz anderes Flair als Da Nang. Es gibt sehr viele Hotels und sehr viele Restaurants hier, dazu Spas und Spass bei Sport und Spiel. Alles ein bisschen zu viel vielleicht für meinen Geschmack. Aber natürlich sitze ich hier in diesem Strandhotel auch mitten drin in den Urlaubsvergnügungen.
Ich denke, ich mache trotzdem gleich noch ein paar Schritte vor die Tür und besuche das Meer. Dann versuche ich, mal etwas mehr Schlaf zu bekommen und nicht zu früh zu frühstücken. Was genau morgen anliegt, wird man sehen. Vielleicht viel Zeit am Strand. Aber ich erwäge, mich auch mal etwas aus der Gruppe auszuklinken und ein wenig auf eigene Faust durch die Gegend zu ziehen. Ich glaube, ich brauche mal eine Pause und etwas Zeit für mich – wenn auch vielleicht nicht den ganzen Tag. Mal sehen. Wie auch immer, ich werde davon berichten.
Bis denne.