Da Nang, im Hotel auf dem Balkon, 9. Stock, 16.41 Uhr Ortszeit
Ich schreibe die bisherigen Erlebnisse des heutigen Tages jetzt schon am Nachmittag, nicht wie sonst meist vor dem Schlafengehen auf. Denn wir müssen morgen früh aufstehen, weil unser Flug von Da Nang nach Saigon bereits 05.45 Uhr startet und wir von hier zum Flughafen vielleicht so gegen 04.15 Uhr mit einem Grab aufbrechen. Daher schreibe ich den nächsten Eintrag entweder vom Flughafen Da Nang, oder schon in Saigon.
Heute war mein Wecker auf 07.30 Uhr für das Frühstück ab 08.00 Uhr gestellt, denn meine Mitbewohner und ich wollten mit einem Grab zu den Bà Nà – Hügeln fahren, wo es mit SunWorld einen Erlebnispark gibt. Ein großes Markenzeichen, welches immer auf den Prospekten bzw. Angeboten für Sightseeing in der Nähe von Da Nang zu sehen ist, ist die „Gold Bridge“. Das ist eine zum Park gehörende Brücke, die über Baumwipfel des Dschungels führt dabei (scheinbar) von zwei riesigen Händen getragen wird. Außerdem gibt es eine Art Minieuropa zu besichtigen, wobei die Gebäude keine Miniaturen sind.
Wir fuhren nach dem Frühstück gegen 09.30 Uhr mit einem Grab los und waren etwa eine Dreiviertelstunde später am Ziel. Irgendwie wurden wir unseren anhänglichen Grab-Fahrer anfangs nicht los, der wollte für uns die Tickets kaufen. Wir waren uns unschlüssig, ob er uns einen Dienst erweisen oder sich noch einen Zusatzverdienst organisieren wollten und dementsprechend misstrauisch. Er kam sogar mit in einen Shuttlebus, der uns vom Parkplatz zu den Ticketverkaufsstellen brachte. Irgendwann wurden wir ihn aber doch los.

Das mit den Tickets war so eine Sache. Mein Schwager hatte mich extra vorher noch angerufen, weil er meinte, die Tickets schon vorher in der Stadt zu kaufen, sei billiger. Mein Mitbewohner, der Freund meines Neffen, hatte aber schon vorher Preise verglichen und meinte, es mache keinen Unterschied. Wir waren dann, nachdem wir (trotz englischer Spracheinstellung) die Angebote auf dem Ticket-Automaten nicht verstanden, an einem Schalter, wo wir erfuhren, dass die wegen Têt keine Kartenzahlung (warum auch immer akzeptierten). Das Ticket, was wir kaufen wollten, kostete 900.000 VND. Ich hatte noch, also für uns drei 2,7 Mio. VND. Ich hatte noch 2,6 Mio. in bar dabei. meine Mitbewohner 400.000.
Meine Mitbewohnerin versuchte es online; aber da wurde ihre Kreditkarte nicht akzeptiert. Das ist nicht so ungewöhnlich für einheimische Dienstleister, ich kann meine Kreditkarte auch nicht bei Grub hinterlegen und muss daher immer bar bezahlen. Wenn wir mit den verfügbaren Barmitteln unsere drei Tickets bezahlt hätten, hätten wir noch 300.000 VND für ein Grab zurück gehabt, das hätte eng werden können.
Schließlich holte sich meine Mitbewohnerin an einem ATM 2 Mio. VND, was klappte, so dass wir (genauer gesagt, sie, weil sie die Vertrauenswürdigste von uns war, wie mein Mitbewohner meinte), die Tickets besorgen und bar bezahlen konnte. Ich glaube auch, sie hat die richtige Nase für die richtige Vorgehensweise.

Also begaben wir uns in den Komplex am Fuße der Bà Nà – Hügel. Der bestand aus den beliebten Wassergärten mit Koi-Karpfen, auf Pagode getrimmten Gebäuden und jeder Menge Rolltreppen. Wir bekamen eine Karte zur Orientierung (mit der ich nicht umgehen konnte) und fuhren diverse Rolltreppen hoch, bis wir eine Cable Car – Station erreichten. (Für mich sind Cable Cars die Dinger in San Francisco, die coolsten Fortbewegungsmittel überhaupt, aber hier sind das Seilbahnen). In dem Komplex gab es mehrere solcher Stationen für verschiedene Seilbahnen, die zu verschiedenen Zielpunkten führten. Eine dieser Seilbahnen hält irgendeinen Rekord, jedenfalls ist eine mehr als 5 km lang.

Unsere führte zu diesem Mini-Europa auf dem Hügel in etwa 1.500 Metern Höhe. Sie bewegte sich (nach GPS-Geschwindigkeit, die mein Handy anzeigte) mit etwa zwischen 16 und 18 km/h. Die Fahrt dauerte entsprechend lange, und der Ausblick war wirklich ziemlich imposant. Man schwebte über den Baumwipfeln eines scheinbar endlosen Dschungels. Anfang sah man im Tal noch die ausschweifenden Anlagen der Talstation, und seitlich viele andere Seilbahnen. später wurde die Sicht neblig, weil die Bahn durch niedrig hängende Wolken fuhr. Etwas höher wurde die Sicht dann wieder besser, und kurz vor Erreichen der Bergstation sah man auch schon die Türme des Minieuropas.

Nun, irgendwie hatte ich mir das etwas anders vorgestellt. Ich dachte, es gäbe typische Landmarks aus Europa zu sehen, etwa das Brandenburger Tor oder den Arc de triouphe. Stattdessen gab es Themenabschnitte, die bestimmte Nationen oder Regionen zu bestimmten Zeiten abbildeten. So gab es etwa ein Griechenland der Antike mit vielen Statuen und Säulengänge, ein Deutschland im Mittelalter, ein französisches Dorf und die Schweiz. Es war mächtig voll, vielleicht nutzten viele die Têt-Ferien zum Besuch des Freizeitparks.

Mir gefiel es nicht so wirklich. Zwar imponierte mir die organisatorische, logistische und technische Leistung, so etwas mitten im Dschungel aufzubauen, aber (und das hätte ich vorher wissen können) mir war das alles irgendwie alles zu künstlich. Vielleicht bin ich einfach aus dem Alter für Themeparks raus? Außerdem störten mich die Menschenmassen, und dass man ständig irgendwie Wege um vor den Kulissen posierenden Asiaten (naja, im Wesentlichen) auszuweichen. Was mir eigentlich am besten gefiel, war das viele Grün drumherum, auf das man teilweise einen tollen Ausblick hatte.

Da wird die Gold Bridge so als einen Hauptattraktionspunkt auf dem Zettel hatten, nahmen wir von einer anderen Seilbahnstation eine Gondel dorthin. An der Zielstation angekommen folgten wir den Massen über weitere Rolltreppen zu der Brücke. Hier konnte man einige Bilder von der Brücke selbst und vom Dschungel, über den man einen guten Blick hatte, knipsen. Dennoch war die Brücke für mich (und ich glaube, auch für meine Mitbewohner) ein wenig enttäuschend. Auf den Bildern wird das Ding immer wahnsinnig groß dargestellt, als wandelte man kilometerweit über die Baumwipfel, aber die ist nur 150 Meter lang und schnell überschritten (naja, je nachdem, wie man sich durch den Wust der für Fotos posierenden Menschen hindurchwurschteln kann, denn meinen Flammenwerfer, um den Weg frei zu machen, durfte ich leider nicht mit ins Flugzeug nehmen).

Dies war auch der Moment, wo ich meine Mitbewohner leider verlor. Ich schrieb ein paar Nachrichten, die zunächst unbeantwortet blieben und entschied mich, die Gondel zurück nach Mini-Europa zu nehmen. Dort bekam ich dann Antworten, wie wollten und bei den Helios-Fountains (oder so) treffen. Ich machte zuerst den Fehler, die dunkelgrüne und die hellgrüne 5 auf der Karte zu verwechseln, nahm kurzerhand eine Standseilbahn und landete in der Mini-Schweiz. Nachdem ich meinen Irrtum verstanden hatte, fuhr ich umgehend zurück.

Und dann habe ich mich richtig schwer getan, mich zurecht zu finden. Irgendwie gab es so viele Ebenen, Treppchen hier und da, und ich kam überhaupt nicht mit der Karte klar. Darüber ärgerte ich mich natürlich, weil ich mir blöd vorkam. Dazu gingen mir die Menschenmassen zunehmend auf den Keks, und ein Themepark alleine macht irgendwie sowieso nicht wirklich Spaß, fand ich. Ich geriet auf Abwege und landete in Gängen, in denen gerade so gar kein Publikumsverkehr stattfand, weil die gerade gereinigt wurden. Meine Mitbewohner versuchten bestes, um mich zu ihrem Standort zu leiten, aber es war sehr frustrierend für mich.

Irgendwann fand ich zwar den Helios-Springbrunnen, aber meine Mitbewohner waren inzwischen anderswo. Schließlich vereinbarten wir, unabhängig die Gondel ins Tal zu nehmen. Das war auch für mich nicht ganz einfach, die Gondelstation, die ich nutzen wollte, hatte gerade ihren Betrieb eingestellt, und es dauerte noch eine Weile, bis ich eine andere Station in die richtige Richtung fand, die in Betrieb war. Hier fuhr ich dann – ganz alleine in einer Gondel – zurück ins Tal. Alleine in der Gondel zu sitzen hatte den Vorteil, dass ich in alle Richtungen Bilder knipsen kann. Erst war die Sicht klar, dann fuhr die Gondel durch die Wolken, so dass man keine 100 Meter weit sah, dann wurde es wieder klarer.

Schließlich kam ich im Tal an und nur ungefähr gefühlt 30 Rolltreppen später war ich wieder auf der Ebene, auf der die Busse zum Parkplatz fuhren. Dort traf ich am Ausgang auch meine Mitbewohner wieder. Kaum, dass wir uns den Shuttlebussen näherten, hatte ich gleich zwei Grab-Fahrer an der Backe, die uns Fahrten nach Da Nang anbieten wollten. Einer bot 400.000 VND, später 350.000 VND an. Ich war dafür, erst einmal den Shuttle-Bus zurück zum Parkplatz zu nehmen, so wie wir auch dahin gefahren waren, und das machten wir dann auch so. Außerdem hatte ich bei einem anderen Ausflug den Eindruck gewonnen, dass man, wenn man ein Grab per App bucht, mit Discount-Offers eher bessere Angebote bekommt, als direkt von Fahrern vor Ort.
Ich war eh noch etwas genervt von meiner eigenen Unfähigkeit, mich in einem Vergnügungspark zurechtzufinden und schüttelte die beiden Grab-Fahrer unwillig ab, um ein Angebot mit der App einzuholen. Das belief sich dann auf 277.000 VND, und das nahmen wir dann auch. Nachdem uns der Fahrer lokalisiert und aufgepickt hatte, fuhren wir zurück ins schöne New Orient Hotel in Da Nang, wo wir gegen 15.40 Uhr ankamen.
Tja, und das bringt mich zu diesem Moment. Ich schätze, ich werde meinen Wecker für morgen um 03.30 Uhr stellen. Daher entschied ich mich, (siehe vorne) diesen Eintrag lieber jetzt schon zu schreiben. Ich hatte überlegt, ob ich es noch kurz in den Pool schaffe, aber das wird zu eng. Denn um 19.00 Uhr wollen wir uns noch einmal mit allen „glorreichen Sieben“ in einem Thai-Restaurant zum Abendessen treffen. Denn morgen verlassen meine Schwester, mein Schwager, meine beiden Mitbewohner und ich Da Nang und fliegen nach Saigon zurück, mein Neffe und seine Freundin bleiben hier. Wir wollen uns also zum Abschluss noch einmal mit allen zusammen zum Abendessen treffen. Und vorher muss ich noch mal unter die Dusche.
Nächster Eintrag also (mit Beschreibung des Restes des Abends) vom Flughafen hier in Da Nang aus, oder vielleicht auch erst in Saigon.
Bis denne.
Wenn es Dich tröstet, ich erinnere mich, dass wir im letzten Jahr erst M. verloren (und irgendwie wiedergefunden) haben und dann auch etwas rumirrten, um wieder nach unten zu kommen mit leichter Panik, weil der Park bereits schloss… Es ist echt unübersichtlich dort!
Hallo Michael!
Die Firma Doppelmayr hat ihren Sitz allerdings in Vorarlberg (Österreich) …
Ich wünsche Dir eine gute Heimfahrt und freue mich auf das Wiedersehen!
Thomas
Vielen Dank, für die Info! Mist, da war ich also wieder schlecht informiert!
Insgesamt habe ich deutsche Produkte hauptsächlich im Supermarkt gesehen: Süssigkeiten von Haribo und Ferrero Roche gab es zu kaufen, auch Produkte von Nivea. Auf den Straßen gab es wenige deutsche Autos, ab und zu einen Mercedes oder Porsche. Autos des Volkswagen-Konzerns habe ich gar nicht gesehen. Japaner und Süd-Koreaner waren am häufigsten vertreten mit Toyota, Mitsubishi, Honda, Mazda, Hyundai und Kia. Dann gab es bei Vans und Pick-Ups einige nicht wenige Fords, ab und zu einen Chrysler (diesen kleinen PKW, den es bei uns auch gibt). Ab und zu sah man SUVs von Peugeot. Und die verschiedenen Modell des vietnamesischen E-Auto-Herstellers Vinfast. Außerdem waren ohnehin mehr Mopeds als Autos auf den Straßen unterwegs.
Villeroy & Boch und Armaturen von Grohe habe ich allerdings nirgendwo gesehen, allerdings einmal Klimaanlagen von Siemens. Aufzüge waren auch meist von japanischen Firmen hergestellt.