Mood-swings in Kon Tum

Kon Tum, im Hotel, 21.13 Uhr Ortszeit

Heute morgen, nachdem ich nach dem Schreiben des vorigen Blog-Eintrags noch ein bisschen gedöst/geschlafen habe, war ich um 09.30 Uhr mit gepackten Taschen am Start an der Rezeption. Ich hatte nicht mitbekommen, dass das auf 10.00 Uhr geschoben war, meine Familie war noch ein einem protestantischen Jarai-Gottesdienst und kam erst später zurück. Es blieb noch Zeit für einen Kaffee am Hotel.

Vietnamese Drip-coffee klassisch und ein Ingwertee (gabs dszu). Für 15.000 VND (60 Cent)

Wir hatten alle ausgecheckt und bezahlt und fuhren mit den Koffern wieder zum Haus der Eltern der Freundin meines Neffens. Hier hatte man gerade das Festzelt von der Party am Vortag wieder abgebaut und war noch dabei, Plastikstühle auf ein landwirtschaftliches Fahrzeug zu verladen. Danach gab es vietnamesisches Frühstück mit Suppe, Reis, hartgekochten Eiern, verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten… Ich mag das ja ganz gerne, aber irgendwie gibt es das scheinbar zu jeder Mahlzeit, und jeden Tag. So kommt es mir jedenfalls vor. Wirklich viel Abwechslung ist da nicht am Start. Vielleicht bin ich einfach zu sehr verwöhnter West-Europäer.

Das Zelt und die Stühle werden auf ein Tuck-Tuck verladen

Wir gingen dann zu Fuß durch die Nachbarschaft, um drei verschiedene Häuser bzw. deren Einwohner zu besuchen. Das erste war das des Bürgermeisters des Dorfes. Wir hatten gerade gegessen, und es wurde wieder beängstigend viel aufgetischt, natürlich Reis, verschiedene Fleisch- und Gemüsesorten, Suppen … und Süssigkeiten und Wassermelone und so weiter. Mir fiel es da schon schwer, gute Miene zu bewahren. Es ist für mich nicht so einfach, wenn ich von den Jarai auf Jarai oder Vietnamesisch angesprochen werden, als würde ich die Sprache verstehen. Ich fühl mich dann einfach nur unhöflich bis hilflos und innerlich irgendwann völlig frustriert.

Beim Bürgermeister wurde aufgetischt … schon wieder.

Am Vortag hatte ich mich ja schon früh mit den Kampftrinkern abgeschossen (also, nur ich mich, die sich nicht), und der Ausflug zum Reisfeld und Fluss hinterher hat mir sehr gut gefallen. Heute hieß es aber: Von einem Haus zum nächsten ziehen, viele Unbekannte Leute, mit denen ich mich nicht, oder nur per Dolmetscher verständigen konnte und immer gute Miene bewahren, weil man ja keinen schlechten Eindruck hinterlassen möchte, vor allem, wenn man überall so toll bewirtet und aufgenommen wird. Das hätte ich alles vorher wissen können, dann wäre einfach die Konsequenz gewesen, auf die Reise komplett zu verzichten.

Ein Zug durch die Gemeinde, wie man sagt.

Irgendwann kam ich mir auch vorgeführt vor, und das mochte ich einfach nicht. Meine zwei Mitreisenden, die nicht zur Familie gehören, machten alles tapfer mit und ich kam mir umso undankbarer vor. Dazu kommt, dass ich im Moment ganz schlecht sitzen kann, das ist immer mit Schmerzen verbunden, und auf dem Boden sitzen geht gar nicht. Und die essen hier gerne auf dem Boden, und ich brauchte immer irgendeinen Hocker, weshalb ich mir zusätzlich doof vorkam.

Von Haus zu Haus… in diesem hat die Freundin meines Neffen mit ihren Eltern gewohnt, bevor sie in ihr eigenes Haus gezogen sind.

Dazu kam dann die wiederkehrenden Avancen der Kampftrinker. Ich hätte mit denen ja gerne das eine oder andere gemütliche Bierchen getrunken, aber auf diese 50/50-Kultur kann ich nicht. Es wäre wahrscheinlich schlauer gewesen, wenn ich mich von vorne herein zurückgehalten hätte. Einmal kann ich das mitmachen, aber danach wird es nur anstrengend. Dazu kommt, dass man meist entweder warmes Bier, oder Bier mit Eiswürfeln trinken kann – nur wenn man Glück hat, kommt es aus einer Kühlbox. Die beiden ersten Varianten finde ich beide nicht so gut.

Tja… ich lasse mich ja eigentlich gerne zu nem Bier einladen, aber hier gestaltet sich das schwierig.

Nachdem wir in drei Häusern eingekehrt waren (Bürgermeister, das Haus, in dem die Freundin meines Neffen mit ihren Eltern vorher mal gewohnt hatte, das Haus der Nachbarn auf der anderen Straßenseite (zum Glück gab es nicht überall diese Mengen von Essen) landeten wir wieder bei den Eltern der Freundin meines Neffen. Dann hieß es, von allen Abschied nehmen, ganz viele Hände schütteln.

Wir nahmen noch den ältesten Bruder der Freundin meines Neffen, im Bus mit nach Kon Tum, außerdem dessen Sohn. Ich döste ein bisschen im Bus während der Fahrt. Nachdem wir bisher nur zum Tanken und fürs WC angehalten hatten, gab es einen Sightseeing-Stopp, auf denen die meisten nicht so richtig vorbereitet waren. Sowohl mein Schwager als auch die Freundin meines Neffens haben mit viel Arbeit und Liebe ein Programm mit Sehenswürdigkeiten ausgearbeitet und zur Verfügung gestellt. Da ich vorher so mit dieser Reise gefremdelt habe und auch andere Sachen im Kopf hatte, hab ich mir das im Detail nicht angesehen, sondern mich entschieden, alles auf mich zukommen zu lassen. Aber ehrlich gesagt, es sind auch so viele Orte mit fremden Namen und so viele Sightseeing-Punkte – das hätte ich sowieso nicht alles verstanden bzw. mir merken können.

Phu Cuong – Wasserfall in Thac Phứ Cường

Hier ging es um einen berühmten Wasserfall, der zu besichtigen war. Dazu mussten wir eine steile Treppe herunter- und hinterher wieder raufklettern. Es waren unheimlich viele andere Leute unterwegs, die meisten offenbar Vietnamesen. Es war alles total voll. Der Wasserfall war recht schön und eindrucksvoll, aber der Platz davor extrem zugemüllt mit Plastikflaschen und Bierdosen und halt dem Zeug, was man so auf einen Ausflug mitnimmt und dann achtlos in die Natur schmeißt. Das hat mir, neben dem Gedränge und den Massen an Selfies schießenden Leuten die Sache ziemlich verdorben. Es gab die üblichen Möglichkeiten, an unterdimensionierten Plastiktischen auf Kindergartenstühlen zu sitzen und Kokosnüsse oder Zuckerrohrsaft zu trinken oder frisches Obst zu essen, das vor Ort verkauft wurde. Ich wollte eigentlich nichts, aber der älteste Bruder der Freundin meines Neffen gab mir einen Zuckerrohrsaft aus. Ich mag Zuckerrohrsaft, aber unsere Plastikbecher und -strohhalme landeten (mangels einem Müllcontainer) dann wohl am Ende auch auf der allgemeinen Müllhalte mitten in der einst schönen Natur. Am Ausgang des Geländes sahen wir noch ein Schild, man solle seinen Müll nicht wegwerfen. Da hielt sich nur keiner dran. Man könnte ja seinen Müll auch einfach wieder mitnehmen, oder man könnte Abfalleimer, deren Inhalt entsorgt wird, aufstellen. Aber so weit ist man hier wohl noch nicht, weder von der Eigenverantwortung, noch von der Seite des Staates aus.

Massen an Menschen, Massen an Müll

Die US-Amerikaner sind in mancher Hinsicht (mit uns Europäern zusammen) die größten Erzeuger von Müll aller Art pro Kopf. Aber immerhin ein haben die drauf: Ihre Nationalparks nicht zuzumüllen, so dass sie schön zu besichtigen bleiben. Das würde mir hier auch gefallen. Obwohl ich zugeben muss, dass diese Site mit dem Wasserfall auch ein extremes Negativbeispiel war, beispielsweise sah es in den Marmorbergen von Da Nang überhaupt nicht schlimm aus.

Der touristisch erschlossene Ibis-See

Ich war eher froh, wieder unterwegs zu sein. Irgendwann kamen wir in Kon Tum im Hotel an. Das ist eine sehr schön angelegte Anlage aus einzelnen kleinen Häuschen, in denen die Zimmer sind. Dazwischen gibt es Pflanzenbeete und schön gestaltete Wege. Auch die Beleuchtung ist gut gemacht, nicht nur die hier oft (z.B. auf den Nachtmärkten) anzutreffenden Lampen, die helles, kaltweißes Licht absondern und nicht gerade Gemütlichkeit schaffen, sondern auch viel eher gelbliches, wärmeres Licht. Vielleicht tut auch dieses kaltweiße Licht, welches es auch in allen Hotelzimmern (außer im Haian Beach, aber auch hier im Zimmer der von außen sehr schönen Anlage) gegeben hat, auch etwas dazu, dass ich etwas aggro bin.

Abgesehen vom kaltweißen Licht ist das Zimmer ganz schick.

Nach dem Check-In hatten wir eine Stunde individuell Zeit in unseren Zimmern. Ich habe mich rasiert und eine andere Hose angezogen und dann den Blogeintrag vorbereitet, indem ich schon einmal ein paar Bilder hochgeladen habe. Danach stand der nächste Programmpunkt, nämlich der nächste Verwandtenbesuch an. Diesmal bei einem Onkel der Freundin meines Neffens. Es gab Reis und Suppen und verschiedene Fleisch- und Gemüsesorten. Neu war getrockneter Bambus, der ganz lecker war, wie auch Streifen aus Kokosnuss-Fruchtfleisch, die ich absolut super fand.

Die Hotelanlage in Kon Tum. Also, ein kleiner Teil davon. Mein Zimmer ist in einem der Häuschen rechts.

Dennoch war es wieder, aus den eingangs erwähnten Gründen, schwer für mich. Ich hatte auch einfach langsam genug für den Tag, von Verwandtschaftsbesuch zu Verwandtschaftsbesuch geschlürt zu werden. Es wurde mir einfach zu viel. Natürlich wurde ich auch wieder zum Biertrinken genötigt. Ich mag Bier, aber erstens gerne kalt, zweitens gerne mit individuellem Tempo zu trinken. Also musste ich ein paar 50/50-Avancen abwehren. Ich hatte einfach keine Lust auf dieses Kampftrinken. Dazu saß ich wieder höher als alle anderen und fühlte mich einfach nur unwohl.

Später konnte ich mich auf einen angenehmen Liegestuhl setzen, auf dem ich schmerzfrei sitzen konnte, und die Karaoke-Anlage wurde angeschmissen. Das weckte ein bisschen die Rampensau in mir. Mein Neffe machte mit „Hotel California“ den Anfang, meine Schwester sag „Aux Champs Elysees“ und „Happy New Year“. Ich sang „Wonderful Tonight“, dann noch „Teddy Bear“ und „Jailhouse Rock“ von Elvis. Zwei der jungen Vietnamesinnen sagen jeweils einen vietnamesischen Song. Ich fing gerade an, mich einigermaßen wohl zu fühlen, da hieß es, Aufbruch in 10 Minuten. Der Bus stand schon früher bereit.

Erst, als wir wieder im Hotel waren, stellte ich fest, dass ich meinen Rucksack beim Onkel vergessen hatte, in dem vor allem mein Reisepass war. Das machte mich wütend auf mich selbst und nervös. Irgendwie war der ganze Tag nicht so mein Freund, und das gab mir irgendwie den Rest. Die Freundin meines Neffen kümmerte sich darum, dass der Rucksack umgehend mit einer Honda von ihren Verwandten angeliefert wurde, aber ich war einfach durch mit mir und der Welt.

In meinem Zimmer überlegte ich kurz, ob ich das jetzt hier eigentlich schreiben wollen würde oder besser erst morgen. Wenn ich das morgen schriebe, also früher schlafen ginge und dann früher aufstünde, dann wäre ich bestimmt versöhnlicher gelaunt, und dieser Eintrag würde sich auch versöhnlicher lesen. Eigentlich möchte ich, da auch meine Mitreisenden das hier mitlesen, gar nicht so unversöhnlich schreiben. Aber das Problem habe ich ja im Wesentlichen mit mir selbst. Meine Familie gibt sich total viel Mühe, mich bei Laune zu halten und auf meine Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, insbesondere meine Schwester und die Freundin meines Neffen. Und die beiden anderen Mitreisenden sind auch total super. Daher schäme ich mich, wenn ich irgendwie nicht klarkomme. Aber es hilft ja nichts, ich konnte heute einfach irgendwann nicht mehr so weitermachen.

Morgen steht noch ein Verwandtenbesuch (im Hause des ältesten Bruders der Freundin meines Neffen an). Hier war auch schon wieder ein Essen und ein längerer Besuch angedacht, aber meine Schwester machte der Freundin meines Neffen klar, dass es zwar für sie kein Problem wäre, aber andere Mitreisende (wahrscheinlich insbesondere mich) langsam am Limit sei, was diese Familientour angeht. Es war für alle Mitreisenden vorher klar, dass diese Besuche auf dem Programm standen, und jeder hätte ja auf die Reise verzichten können, es wurde ja keiner gezwungen (ich allerdings durchaus ein bisschen genötigt). Aber andererseits… was genau auf einen zukommt und wie es dann sein wird, das weiß ja dann doch keiner wirklich.

Vorher steht noch Frühstück und Sightseeing hier in der Nähe auf dem Programm. Es gibt eine alte Holzbrücke noch aus der Zeit der französischen Kolonialherrschaft und eine ganz aus Holz gebaute Kirche, beides soll sehenswert sein. Ich weiß noch nicht. was ich morgen davon noch mitnehmen werde. Nach dem Besuch im Haus des Bruders geht es dann auf längere Autofahrt zurück nach Da Nang (ohne Pausen etwa sechs Stunden). Alleine deswegen hoffe ich, dass das Programm vorher nicht zu lange dauert. In Da Nang haben wir dann alle wieder ein bisschen mehr individuell Zeit für uns. Allerdings bleiben wir nur drei Nächte, d.h. nur einen ganzen Tag, umrahmt von Anreise- und Abreisetag.

Es tut mir leid, dass sich der heutige Eintrag zu depressiv liest, aber so geht es mir halt gerade. Morgen ist ein neuer Tag und eine neue Chance, bessere Laune zu haben.

Bis denne.

PS: Ich hab in meinem Zimmer nun docj eine angenehmere Licht-Alternative gefunden. Gute Nacht.

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Druckbetankung zum Frühstück

La pa district, Gia Lah, im Hotel, 2. Stock, 05.00 Uhr Ortszeit

Okay, wer sich jetzt darüber wundert, dass ich um 5 Uhr morgens blogge, der schaue auf die Überschrift. Aufgrund von Bia Saigon in hohen und vielen Dosen schon vor und während des Frühstücks ist mein Rhythmus irgendwie durcheinander geraten.

Die Reisegruppe traf sich morgens um 09.30 Uhr im Bus. Meine Family hatte sich schon vorher in einem Coffee-Place unmittelbar am Hotel einen Kaffee genehmigt. Nach kurzer Zeit erreichten wir wieder das Haus der Familie der Freundin meines Neffen. Dort hatte man schon mächtig gearbeitet. Ein Zelt mit einer aufwändigen Dekoration war aufgestellt, Ventilatoren und Licht montiert, Tische und Stühle wurden gerade aufgebaut als wir kamen. Es sah alles nach einem großen Fest aus, was Têt hier ja auch ist.

Alles vorbereitet zum Têt-Fest

Schon bald wurde klar, dass die jüngeren Leute, die mit großen Kartons voll mit Bia Saigon Lager – Dosen hantierten, nicht beabsichtigten, zum Frühstück etwa Kaffee oder Tee zu trinken. Man hatte auch durchaus Lust, die deutschen Gäste gleich mit zu betanken. Ich war diesbezüglich von meiner Schwester, meinem Neffen uns seiner Freundin vorgewarnt worden. Naja … es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne Bier trinken würde, und ich mag es auch durchaus ab und zu, mal einen im Kahn zu haben. Und okay… ich mag eigentlich zu alt für sowas sein, aber diese deutliche Herausforderung „mal sehen, wie trinkfest Ihr so seid“ … reizte mich auch. Männer werden nie erwachsen, nur älter, bei mir trifft das zu. Ich war also bereit, mich zur Ehrenrettung der deutschen Bevölkerung zu opfern. 😉

Links ich, rechts der Bruder der Freundin meines Neffens. Zu was macht uns das? Äh… zu Saufkumpanen offensichtlich

Der älteste Bruder der Freundin meines Neffen war derjenige, der mich zum Biertrinken einlud. Bald fand ich mich an einem Tisch mit Jarai-Leuten wieder, meine Family saß an einem anderen Tisch. (Meine Schwester fragte zwischenzeitlich sehr aufmerksam, ob es mir denn gut ginge, zwischen lauter sehr trinkfreudigen Menschen, deren Sprache ich nicht verstand. Mir ging’s aber super zu dem Zeitpunkt. Um gemeinsam ein anständiges Frühstück zu trinken, braucht man keine Sprache, um sich zu verstehen…

Nun, das Frühstück fiel nicht gänzlich flüssig aus. Viele der anwesenden Jarai sind gläubige Protestanden, und in dieser Gruppe trinkt man gar keinen Alkohol, wollte aber trotzdem frühstücken. Es gab ein üppiges, traditionell vietnamesisches Frühsstück (das eigentlich auch genauso zu jeder anderen Tageszeit so gegessen wird, alle Mahlzeiten sind üblicherweise warm). Es gab Suppen, Reis, gebratenes Fleisch von Huhn und/oder Rind und/oder Schwein, gekochte Eier, Fisch, verschiedene Sorten Gemüse. Ich versuchte, die flüssige Nahrung zwecks Grundlagenschaffung durch ordentliche Mengen an Reis aufzustocken.

Ah, es gibt auch festes Frühstück

Was die flüssige Nahrung angeht… ich hab nicht mitgezählt. Aber es geht ja nicht nur um die Menge, sondern auch das Trinktempo, und da sind die Jarai, die keine religiösen Vorbehalte haben gnadenlos (auch die jungen Frauen, übrigens). Man bekommt eine Dose und die Aufforderung „Fifty-fifty“ und muss die Hälfte der Dose (wie man so schätzt) auf Ex trinken, die andere Hälfte trinkt der Herausforderer. Das habe ich so dreimal gemacht. Beim zweiten Mal war die Herausforderung nicht zufrieden mit dem, was ich aus der Dose getrunken hatte, und ich musste nochmal trinken. Beim dritten Mal wollte ich das dann vermeiden und hab halt gleich die ganze Dose „geext“. Normalerweise muss, wenn man das macht, der Herausforderer ebenfalls eine Dose auf Ex trinken. Aber der machte sich einfach davon (was ich aber gar nicht mehr so richtig mitbekommen habe) – Frechigkeit!

Flüssiges Frühstück in beachtlichen Mengen.

Nun, ich wollte den Damen und Herren Jarai dann doch auch einmal demonstrieren, dass auch wir Trinkkultur haben. Ich lieh mir ein Messer von meinem Neffen und demonstrierte die Technik des „Dosenschießens“ (oft auch „Dosenstechen“) genannt. Dabei kriegte ich erst einmal eine volle Ladung Bier ab, das aus dem Loch spritzte, was wahrscheinlich alle erheiterte und mir bereits völlig egal war angesichts des ganzen Settings und meiner Blutalkoholkonzentration. Naja, und dann den Mund ans Loch, Dose senkrecht und Verschluss auf, wie man das halt so macht. Also (abgesehen vom „Schankverlust“) noch eine Dose auf Ex. Nun, wer von den Jarai rechtzeitig sein Smartphone in Stellung hatte, mag nun viral gehende Bilder für die sozialen Medien in Südost-Asien haben…

Mein Saufkumpane stellt übrigens Figuren wie diese her.

Ich war dann aber erstmal fertig mit der Welt. Es gab eine Art kleinen Schuppen, sah fast ein bisschen wie eine Bühne aus, wo Bastmatten auf dem Boden lagen. Da machte ich mich erst einmal eine Weile lang, und ich glaube, ich hab auch wirklich zwischenzeitlich ein bisschen meinen Rausch ausgeschlafen. Ich weiß nicht, wie lange ich da so rumlag, aber es wird lang genug gewesen sein, dass alle reichlich Gelegenheit hatten, unvorteilhafte Bilder von mir zu schießen. Der Freund meines Neffens bot mir jedenfalls später Bilder an, die ich zur Illustration dieses Blogeintrags verwenden könne. Nunja… was soll’s.

Es ist alles so friedlich hier… auch wenn es für uns vielleicht fremd wirkt, dass das Essen in der Küche spazieren geht.

Später weckte mich mein Neffe mit den Worten „Wir fahren mit einem Tuck-Tuck zum Reisfeld“. Dankenswerterweise ging es mir nicht schlecht, ich kam auf die Beine und enterte mit meiner Familie und einigen Leuten aus der Familie der Freundin meines Neffens die Ladefläche eines landwirtschaftlich genutzten Fahrzeugs. Vorne hatte das einen etwas altertümlich aussehenden Motor, bei dem große Teile der Mechanik (Keilriemen, Ketten, Kardanwelle) nicht verkleidet waren und zwei Räder mit kleiner Spurweite, dahinter ein kleines Fahrerhaus und dahinter eine Ladefläche, darunter Räder mit größerer Spur. Die Fahrt war etwas abenteuerlich, nicht, weil das Fahrzeug aus westlicher Sicht etwas vorsinnflutlich anmutete, sondern weil man nicht ganz so sicher saß und die Straßen und Wege schlaglochreich und schwer befahrbar waren. Irgendwann bekam ich mit, dass der Fahrer wechselte und der Pastor der Gemeinde das Steuer übernahm, was irgendwie Vertrauen einflößte.

Tuck-Tuck

Wir machten Halt am Reisfeld der Familie, wurden jedoch nicht zur Erntearbeit (wie eigentlich zwischenzeitlich gemunkelt wurde) rein geschickt, sondern genossen nur eine Weile die Landschaft und machten Fotos. Auch Tabak wurde direkt daneben angebaut. Wir saßen wieder auf und die Fahrt ging weiter zum Fluss, dem Sông Ea Ayun. Hier saßen wir wieder ab und machten uns die Füße nass. Die Kinder waren teilweise komplett im Wasser und badeten richtig. Wir ließen Steine flitschen und die sportlicheren maßen ihre Kräfte im Weitwurf, da ich weiß, dass ich das nicht kann und sah, wie weit beispielsweise der Freund meines Neffen werfen kann, versuchte ich das gar nicht erst.

Links Reis, rechts Tabak. Reisfelder haben einen sehr schönen Grünton, sehr angenehm für das Auge.

Danach ging es wieder zurück zum Haus der Familie. Dort stiegen wir in unseren Bus um und fuhren zum Haus der Großmutter der Freundin meines Neffen. Wir sahen ihren Webstuhl, mit dem sie große Decken herstellt (die Herstellung einer Decke dauert mehrere Monate). Sie hatte meiner Mutter eine solche Decke zu Weihnachten geschenkt, was alle sehr gerührt hat angesichts der vielen Arbeit, die da drin steckt, insbesondere schätzt meine Mutter eine wertige Handarbeit wie diese ohnehin sehr. Nun aber gab es Decken auch für meine Schwester und für mich, die Großmutter hat offenbar noch einige auf Vorrat. Ich weiß nicht, ob sie diese Decken ausschließlich zum Verschenken im Freundes- und Verwandtschaftskreis webt, oder auch zum Verkauf (ich tippe auf letzteres). Jedenfalls war ich auch wieder sehr gerührt, als ich das tolle Geschenk erhielt.

Meine Decke und ich

Insgesamt führt die Familie der Freundin meines Neffen ein eher bescheidenes und einfaches Leben hier draußen auf dem Land. Es sind keine wohlhabenden Leute, und angesichts dessen berührt es mich, wie wir reichen Westeuropäer hier bewirtet und beschenkt werden. Die Freundin meines Neffen hat studiert und einen guten Job bei einem Internet-Kleidungsversand, sie unterstützt jetzt aber zwei jüngere Schwestern finanziell, die ebenfalls studieren. In ihrem Alter lag ich selbst noch meinen Eltern auf der Tasche, daher habe ich dafür großen Respekt.

Pfahlhäuser der Familie

Wir besichtigten die einfachen, auf Pfählen gebauten Häusern (diese Bauweise ist eher nicht typisch vietnamesisch, sondern typisch Jarai) und bekamen wieder Getränke (auch wieder Bier angeboten). Ich nahm noch zwei Dosen, aber dann übermannte mich wieder die Erschöpfung und ich suchte eine Hängematte auf. Auch hier gab es übrigens Hunde, Hühner und Kühe. Einige der Hunde waren noch Welpen, und auch die Hühner hatten eifrig piependen Nachwuchs. Die jungen Leute aus der Familie meines Neffens besorgten irgendwoher Fastfood in aufgeschäumten Verpackungen, z.B. Corn-Dogs, die trotz (oder gerade) wegen der Kombination aus Fleisch und einem eher süssen Teigmantel sehr lecker waren.

… und dann auch noch Hundewelpen!

Irgendwann hieß es dann „Rückfahrt“, zunächst zum Haus der Eltern der Freundin meines Neffens, wo wir die Leute, die nicht zur Reisegruppe gehörten, entluden und selbst noch eine Weile mit der Familie zusammensaßen oder mit den Kindern spielten. Dann ging es aber bald zurück zum Hotel, wo wir gegen 19.00 Uhr ankamen. Mein Neffe wollte unter die Dusche und dann eine Runde „Heckmeck am Bratwurmeck“ (kurz „Wurm“ genannt) spielen, aber ich war absolut hundemüde und begab mich umgehend ins Bett. Natürlich viel zu früh, was dazu führte, dass ich jetzt wach bin und den Blogeintrag schreibe. Ich muss jetzt noch die Bilder hinzufügen, danach haue ich mich noch für zweieinhalb Stunden auf die Matratze.

Vorschau: Wir checken nachher hier aus und fahren nach Kon Tum, wo ein Bruder der Freundin meines Neffen lebt. Morgen geht es von da aus zurück nach Da Nang, wo wir noch drei Nächte verbringen werden, bevor es nach Saigon geht.

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Vom Bánh Mì zum Bánh Tét

La pa district, Gia Lah, im Hotel, 2. Stock, 22.09 Uhr Ortszeit

Der Wecker klingelte viel zu früh, um 07.00 Uhr. Ich hatte etwa fünf Stunden geschlafen. Es war spät geworden am Vortag, zunächst war ich nach einem Barbesuch mit meiner Family erst nach 23.00 Uhr in meinem Hotelzimmer, danach habe ich halt dann auch noch den Blogeintrag geschrieben. Außerdem war auch noch viel Alkohol am Vorabend im Spiel gewesen….

Aber es half ja nichts, also raus aus den Federn und unter die Dusche. Der Plan war, dass man sich um 08.00 Uhr in der Lobby träfe, dann gemeinsam Frühstücken ginge und um ca. 09.00 Uhr zur heutigen Tagestour aufbräche. Ich war kurz vor 08.00 Ihr in der Lobby, leider mitsamt Gepäck, was gerade wenig sinnvoll war, weil wir nicht wie am Vortag mit dem Bus vom Hotel aus zum Frühstück fuhren, sondern zu Fuß gehen wollten (Bánh Mì und Kaffee gab es ein paar Schritte vom Hotel entfernt). Ich brachte trotzdem meine Sachen erst einmal wieder in mein Appartement zurück. Um 08.00 Uhr traf ich mich mit meiner Family in der Lobby, und wir gingen frühstücken.

Bánh Mí-Bude … Foto alleine schon, damit ich mir die korrekte Schreibweise merken kann.

Es gab wieder Bánh Mìn, auf der anderen Straßenseite gab es einen netten Kaffeeladen. Ich nahm erstmals einen Kaffee Phin (auf vietnamesische Art gekocht und mit gesüßter Kondensmilch). Es schmeckte ganz gut, war aber nicht richtig heiss. Das ist aber normal bei „vietnamese drip-coffee“. Nach dem Frühstück trafen wir die beiden anderen Mitglieder der Reisegruppe, die wollten noch in einen Supermarkt etwas einkaufen. Leider hatte der Minimart in unmittelbarer Nähe geschlossen, vermutlich wegen des unmittelbar bevorstehenden Têtfestes.

Wir fuhren stattdessen zu einem „Go!“-Einkaufszentrum und warteten, bis diejenigen, die noch einkaufen gegangen waren, ihr Einkäufe erledigt hatten. Dann fuhren wir gegen 09.40 Uhr zu unserem nächsten Etappenziel los. Die Familie der Freundin meines Neffen, die wir abends besuchen wollten, erwartete uns bereits am Nachmittag, daher war der Zeitplan eng und wir strichen zwei Punkte vom Tagesprogramm.

Eine Besichtigung machten wir aber dann doch: Wir fuhren nach Gành Đá Đĩa. Hier gibt es eine landschaftlich reizvolle Felsenküste zu besichtigen, an der es Hänge und Plateaus aus dunklen Basaltsteinen gibt. Diese bildeten Säulen unterschiedlicher Höhe mit oft fünf- sechs- oder mehreckigen Oberflächen, die häufig natürlich entstandene Felstreppen bildeten. Entstanden waren diese faszinierenden Formationen schon vor Millionen von Jahren durch vulkanische Aktivität.

Teilweise erinnerten mich die vieleckigen Steine mit ihren Fugen dazwischen an ein aufgebautes Siedler(von Cathan)-Spiel…

Es waren auch viele andere Touristen unterwegs, um Fotos von und mit sich selber zu machen (bzw. machen zu lassen). Einige Perspektiven waren daher kaum tourifrei zu knipsen. Naja, andererseits… wir waren ja selbst auch dort. Übrigens hätte der Eintritt zu dem Rundgang eigentlich 40.000 Dong gekostet, aber es war niemand vor Ort, der den Eintritt kassieren konnte, und offen war das Areal dennoch. Das war praktisch.

Die reizvolle Felsenküste

Wir absolvierten also den Rundgang, anschließend trafen wir uns dann wieder, um Getränke und in drei Fällen, auch etwas zu essen zu uns zu nehmen. Es gab für viele (auch mich) frisch gepressten Zuckerrohrsaft. Ich trank das zum ersten Mal und mochte es. Außerdem Bratreis mit Ei. Leider saßen wir dabei auf so Kinderstühlen aus Plastik, die mich kaum aushalten und auch viel zu klein sind.

Nach der Mahlzeit saßen wir alle wieder auf, um weiterzufahren. Das nächste Ziel lag im La pa – District und war ein Hotel, welches nur ein paar Minuten Autofahrt vom Haus der Familie der Freundin meines Neffen entfernt liegt. Dorthin waren es noch über zwei Stunden Autofahrt.

Schließlich kamen wir im Hotel an und checkten allesamt ein. Wir hatten verabredet, uns eine Viertelstunde später wieder draußen zu treffen. Das klappte auch ganz gut, und wir fuhren zum Haus der Familie der Freundin meines Neffen. Es war sozusagen ein großes Familientreffen, bei dem sich auch die Eltern der Freundin meines Neffens, als auch die Eltern meines Neffens einander trafen.

Wir trafen wenig später ein und wurden herzlich begrüßt. Die Freundin meines Neffen stellte uns ihre Eltern, Geschwister und Teile der Nachbarschaft vor. Wir bekamen Haus und Garten zu sehen, die Hühner und die Kühe, Nutzpflanzen und auch noch einige Hunde, einer davon noch in kleiner Welpe. Die Küche war draußen, gekocht wurde über offenem Feuer. Alles war sehr einfach, aber auch irgendwie friedlich und auf angenehme Weise anders. Es erinnerte mich an die Lebensweise der Verwandten meines Schwagers in Giai Xuan.

Die Küche mit Hund, dahinter Kühe, denen es scheinbar viel besser geht, als der deutschen Durchschnittskuh

Dann wurde mächtig aufgetischt. Zuerst hatten wir nur einen Tisch draußen, aber der war den Mengen an Essen, die heran geschafft wurden, kaum gewachsen. Es gab einen Riesenpott Reis, verschiedene Sorten Fleisch, einen Fisch, hartgekochte Eier, zwei Pötte mit Suppe, Gemüse und Tofu. Und natürlich verschiedene Saucen, Sojasauce, Fischsauce, Chilli-Sauce. Es war üppig und lecker, wir langten ordentlich zu, aber außer dem Fisch, der ratzekahl weggefuttert wurde, waren wir der Menge an Essen nicht ansatzweise gewachsen. Zwischenzeitlich dachte ich kurz, es gäbe auch eine Ziege, die herumstrolchte, aber der Freund meines Neffens hatte nur seine Chopsticks zufällig so gehalten, dass es auf den ersten Blick so aussah, als ob der Hund dahinter Hörner hätte…

Mächtig viel Essen!

Danach gab es Wassermelone und Kokosnuss in rauen Mengen, dazu Teller mit Süssigkeiten. Ich musste irgendwann mal aufstehen und Abstand gewinnen, einfach, weil ich halt gerade Schwierigkeiten mit dem Sitzen habe. Ich ging noch mal zur Küche und beobachtete zwei Hühner, die irgendwie beste Freunde zu sein schienen. Die kamen der Glut der Küchenfeuer so nahe, dass ich schon befürchtete, dass hier bald ein brennendes Huhn durch die Gegend rennen würde. Aber wahrscheinlich wussten die Viecher, was sie tun, es war vermutlich ganz normales Verhalten und ihnen war das Gelände ja auch vertraut. Ich erfuhr später, dass wohl eins der der beiden Hühner wohl heute fällig zum Verzehr durch uns Spitzenpredatoren sein würde.

Nach dem Essen spielten wir ein bisschen Fussball mit dem Kindern. Einige aus der Reisegruppe wurden zwischenzeitlich mit traditioneller Kleidung der Jarai ausgestattet, und dann wurde getanzt. Außerdem wurden mit großem Hallo mitgebrachte Geschenke übergeben.

Wir waren wohl schon eine große Attraktion, denn wir waren ja nun abseits der großen Städte, in die die „normalen“ Touris kamen. Hier waren kaukasische Menschen, wir „Rundaugen“ etwas ganz Ungewöhnliches, weshalb gefühlt das halbe Dorf vorbeikam, um uns zu besichtigen. Ich vermute, das Ganze liest sich, wie man die Klischees solcher Zusammentreffen kennt, aber Klischees haben halt einen Ursprung. Und es war einfach so. Riesengroße Gastfreundschaft, viel Essen, großes gegenseitiges Interesse, Tanz. Die Musik kam allerdings aus dem Haus, von Youtube aus dem Smart-TV bzw. der zugehörigen Karaoke-Anlage.

Die Runde war inzwischen auf mehrere Tische angewachsen. Ich wurde zwischenzeitlich von einem Nachbarn auf die andere Straßenseite gebeten, der mir seine Veranda zeigte. Zurück bei der Family wurde im Haus auf dem Fußboden inzwischen Essen für den kommenden Tag, das Têt-Fest, vorbereitet, und zwar Bánh Tét. Man saß auf dem Fußboden und schichtete Reis, Soja und Fleisch auf Bananenblätter. Diese wurde dann kunstvoll zusammengerollt, es entstanden kleine Pakete, die mit Pflanzenfasern zusammengebunden wurden.

Vorbereitung von Bánh Tét

Nachdem einige dieser Pakete fertig waren, wurde im Garten ein Loch gegraben, In dieses Loch kam dann Feuerholz, auf das Feuer wurde dann ein großer Topf mit den vorbereiteten Bánh Tét gestellt, der nun 10 Stunden (!) dort vor sich hin köcheln sollte. Die Freundin meines Neffen erklärte, dass man dazu in der Familie über die Zeit im Kreis um das Feuer säße, Geschichten erzähle, vielleicht zwischendurch auch mal einschlafe und sich halt nebenbei darum kümmere, das Feuer mit mit Holznachschub zu versorgen. Das Ganze ist ein Ritual, welches nur einmal im Jahr von der Familie praktiziert wird, nämlich in der Nacht zum Têt-Fest. Also etwas ganz Besonderes.

Hier köcheln die Bánh Tét nun bis zum Morgen.

Für mich war es etwas ganz Besonderes, auf diese Weise Einblicke in eine andere Kultur und Lebensweise zu bekommen. Es war eine Mischung aus Moderne und westlichen Einflüssen (Smart-TV und Youtube, auch wenn damit traditionelle Jarai-Musik abgespielt wurde) und ursprünglicher Lebensweise. Und ich fühlte mich privilegiert, dass ich das so auf diese Art miterleben durfte. Nicht irgendwie gestellt von Nachkommen alter Völker, die ein Brimborium für Touristen veranstalten, um denen zu zeigen, wie das mal früher gewesen ist, sondern halt absolut generisch und echt, wir durften halt am ganz normalen Leben (wenn auch in der Ausnahmesituation Têt teilhaben.

Nachdem die Bánh Tét vorbereitet und auf dem Feuer waren, verabschiedeten wir uns und fuhren mit unserem Bus wieder zurück zum Hotel. Es war kurz von 21.00 Uhr. Viel ging nicht mehr, der Tag war lang und aufregend gewesen, also zogen wir uns in unsere Zimmer zurück. Ich besuchte noch kurz meinen Neffen und seine Freundin in deren Zimmer, weil sie mir noch etwas Geld für die Líxí-Umschläge für das „Lucky Money“ wechselte.

Zurück in meinem Zimmer tütete ich also dann ein paar Geldscheine in die speziellen Umschläge ein, die werden heute bei der Familie unter den Kindern verteilt. Die Kinder werden dafür irgendetwas singen oder aufsagen, wie ich gehört habe – wir werden sehen. Dann begann ich, im Bett liegend, diesen Eintrag zu schreiben, aber ich war einfach zu müde und nickte zwischendurch immer mal wieder kurz ein. Daher entschied ich mich, zu schlafen, meinen Wecker eine Stunde früher zu stellen und den Blog vor dem Duschen am nächsten Morgen fertig zu schreiben. Um null Uhr weckte mich das Feuerwerk, mit dem das neue Jahr begrüßt wurde, aber ich schaute nur kurz einmal müde durch die Balkontür, bevor ich mich wieder lang legte.

So, soweit also der Stand. Heute geht es erst zur Familie zum frühstücken, danach werden wir Reis- und Melonenfelder sehen und gezeigt bekommen, wie geerntet wird. Und es wird sicherlich wieder reichlich Essen geben. Und „Lucky Money“ für die Kinder. Ich werde berichten.

Bis denne.

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Wasted in Quy Nhơn

Quy Nhơn, im Hotel, 9. Stock, 23.49 Uhr Orstzeit

Liebes Tagebuch, die Nacht auf den 8. Februar war nicht einfach. Aber der 8. Februar war dann ein richtig toller Tag. Ich war in einem nicht ganz so tollen Hotel in einem Zimmer ohne Fenster, dessen einzige Beleuchtung aus einer kaltweißen Leuchtstofflampe bestand. Zwar gab es noch andere Lampen mit Schirm über dem Bett, diese ließen sich aber nicht einschalten. Nachdem ich meinen Blog geschrieben hatte, flippte ich noch durch die Programme des Fernsehers an der Wand und guckte ein bisschen „Prom Night“, einen US-amerikanischen Horrorthriller mit vietnamesischen Untertiteln. Bis das Bild stehen blieb und dann eine Textmeldung angezeigt wurde, die ich nicht verstand. TV aus, schlafen.

Theoretisch, das Bett war mir ein bisschen zu hart. Dennoch glaube ich kaum, dass ich gar nicht geschlafen habe, dazu war ich dann heute zu fit. Es war irgendwie alles ganz okay unter dem Strich, ich konnte irgendwie vor mich hin dösen. Mein Wecker war auf 08.00 Uhr gestellt, um 09.00 Uhr wollten wir uns in der Lobby des Hotels treffen, ausgecheckt und fertig mit Koffern, um den Roadtrip fortzusetzen.

Ich war um 07.45 Uhr fertig und saß in der Lobby. Wie schon gestern wunderte ich mich über den weißen 5er-BMW, der quasi dort, wo man normalerweise in der Lobby sitze würde, geparkt war. Nun, dass Hotel war etwas anders.

In Quảng Ngãi, im Kings Hotel parkt aus unerfindlichen Gründen ein 5er-BMW in der Lobby. Vielleicht der ganze Stolz des Besitzers oder des Portiers?

Nochmal ein kurzer Rückblick: Ich war zusammen mit meiner Schwester und einem Freund meines Neffen (3 Leute) nach Saigon (Ho-Chi-Minh-City) geflogen, dort mit meinem Schwager und der Freundin des Freundes meines Neffens zusammengetroffen, von dort per Kleinbus nach Can Tho gefahren. Dort lebt ein Bruder meines Schwagers mit seiner Frau, seinen beiden Söhnen, deren Frauen und zwei Enkelkindern in einem viergeschossigen Haus, in dem er auch Gäste beherbergt. Nach ein paar Tagen in Can Tho flog ich mit meiner Schwester, meinem Schwager, dem Freund meines Neffens und dessen Freundin (5 Leute) von Can Tho nach Da Nang. Dort lebt mein Neffe mit seiner Freundin, einer Vietnamesin, die zu einer ethnischen Minderheitsgruppe, den Jarai, gehört, und mit zwei Katzen.

Nach ein paar gemeinsamen Tagen in Da Nang begaben wir uns per Kleinbus alle zusammen, mittlerweile mit sieben Leuten, in einem gecharterten Kleinbus samt Fahrer auf einen Roadtrip. Dieser führte uns gestern über die Cham-Tempelruinenstadt Mỹ Sơn nach Quảng Ngãi.

Heute morgen also sammelte sich unsere mittlerweile auf sieben Leute angewachsene Reisegruppe gegen 08.00 Uhr in der Lobby des King Hotels in Quảng Ngãi, um Frühstück und Abreise zu besprechen. Mein Neffe hatte vorgeschlagen, im hiesigen VinCom-Center (sowas, wie ich zuvor schon in Da Nang besucht hatte) womöglich im Supermarkt einzukaufen, im Highland Coffee (sowas wie das vietnamesische Starbucks) einen Kaffee zu nehmen und ein Banh Mì von der Straße zu frühstücken. Banh heißt erst mal alles, was gebacken ist, Mì heißt lt. meiner Schwester Weizen. Banh Mì gibt es an jeder Ecke zu kaufen, es ist ein Baguette (schmeckte heute wirklich authentisch französisch), welches es wahlweise nur mit Ei und Gemüse oder auch verschiedenen Fleischsorten zur Auswahl gibt. Mein Neffe besorgte für jeden, der eins haben wollte, so ein Gerät von der Straße.

Dazu sei kurz erklärt: Es gibt hier in Vietnam, wie es (zumindest nach dem, was ich so hörte) in Asien so üblich ist, eine große Streetfood-Kultur. Das ist nicht, wie bei uns, etwas besonderes bei Straßenfesten, oder vereinzelt anzutreffen, sondern immer und überall der Standard. Einerseits können sich einige Leute ihren Lebensunterhalt verdienen, andererseits müssen Singles nicht selber kochen und können sich teilweise „von der Straße“ günstiger ernähren, als wenn sie selbst in kleineren Mengen einkaufen und kochen würden. Eine Nudelsuppe oder ein Banh Mì kostet „auf der Straße“ halt deutlich weniger als 1 Euro, also z.B. 17.000 Dong. Ich betone „auf der Straße“, weil alles, vom Kaffee bis zur Nudelsuppe natürlich in „richtigen“ Restaurants oder Coffeeshops (wie Highland Coffee), wie wir Europäer Gastronomie gewohnt sind, ein vielfaches kostet. Beispielsweise kostete das Ban Minh von der Straße 17.000 Dong (weniger als 1 Euro), ein Latte Macchiato im Highland Coffee so 70.000 Dong (über 2 Euro). Letzen Endes sind die Preise auch „abseits der Straße“ meist immer noch für uns Westeuropäer günstig, aber wenn man wirklich günstig leben will, kauft man „auf der Straße“. Da kann man über mangelnde Hygiene und gesundheitliche Risiken alles mögliche denken und sagen, und es mag ja auch was dran sein – aber die Vietnamesen tun es ja auch so.

Zuerst gingen wir alle im Supermarkt der VinCom-Mall einkaufen, dann besorgte mein Neffe für alle, die wollten, Banh Mì mit Wurst und Ei (es schmeckte mir durch das Gemüse und die Würzung etwas speziell, aber durchaus gut – kann ich öfter essen). Dazu holten wir uns dann im Highland-Coffee noch einen Kaffee unserer Wahl, es gab halt Kaffee nach vietnamesischer oder auch italienischer Art. In Vietnam kann man sich in der Regel, ohne das jemand meckert, an Gastronomie-Tischen niederlassen und etwas verzehren, was man nicht vor Ort gekauft hat. Das ist entspannt und nett. Andererseits kann es einem im Supermarkt passieren, dass man von uniformieren Menschen an eine frische öffnende Kasse gescheucht wird (unter Aufnahme von Körperkontakt), wenn man in der Schlange einer anderen Kasse steht – schon eigentlich praktisch und nett, aber mir manchmal bzgl. der Bevormundung etwas zu übergriffig.

Nach dem Frühstück und den Einkäufen stiegen wir alle in unseren Bus, um die erste Etappe des Tages anzusteuern. Dies war das Huynh Beach Ressort. Keine Ahnung, was das genau war, auf jeden Fall ein Strand mit ein paar Gebäuden, die Gastronomie und sanitäre Anlagen beherbergten, womöglich auch Apartments oder Hotelzimmer. Jedenfalls sollten wir da meinem Schwager zufolge, der die Reiseleitung innehatte, etwa eine Stunde Zeit haben, um zu baden oder spazieren zu gehen oder einfach zu chillen und Getränke zu sich zu nehmen. Meine ehemaligen Mitbewohner im Hotel in Da Nang, der Freund meines Neffen und seine Freundin entschieden sich wie ich, ins Meer zu hüpfen. Die Brandung war ziemlich großartig aus unserer Sicht. Meinem Neffen, der halt in Da Nang wohnt und von seiner Wohnung aus in 15 Minuten am Meer sein kann, meinte sowas wie Naaah, die Wellen brächen sich zu nah am Strand, und man könne ja gar nicht raus schwimmen, um die Brandung zu genießen. El Snobbo!

Meine beiden ehemaligen Mitbewohner und ich hingegen enterten das Meer und hatten viel Spaß in den Wellen. Naja. Meine ehemalige Mitbewohnerin fand es „grenzwertig“, ihr Freund und ich hatten sehr viel Spaß. Jedenfalls waren die Wellen höher als am Strand von Da Nang. Anschließend benutzten wir die Duschen und sonstigen sanitären Anlagen des Ressorts, ohne (in meinem Fall) auch nur einen Dong zu bezahlen. Nunja, andere Leute aus der Reisegruppe, die nicht baden waren, nahmen das eine oder andere Getränk dort, und im Endeffekt – wenn man flexibel und groß denkt, wir Touris bringen Geld ins Land. Und das kommt irgendwann vielleicht auch dort an, wo wir es nicht direkt ausgeben. Vielleicht trinkt auch mancher dort einen Kaffee, der anderswo keinen Dong gelassen hat. Weniger engstirniges Denken kann sich lohnen, auch wirtschaftlich. Wir behalten jedenfalls positiv in Erinnerung, dass uns da niemand zur Kasse gebeten oder weggescheucht hat – wenn ich das mit der Kurtaxe an der Nordsee vergleiche…

Nachdem alle geduscht bzw. ihre Getränke ausgetrunken hatten, ging es weiter mit dem Kleinbus. Nächstes Ziel war Eo Gió, schon in der Region Quy Nhơn. (Zur Info: Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das Land in Regionen oder Provinzen oder sowas unterteilt. Diese haben Namen wie z.B. Quy Nhơn, wobei es dann auch eine Art Landeshauptstadt desselben Namens gibt. Beispielsweise Quy Nhơn oder Plei Ku, wo es morgen hingeht).

So nice!

Eo Gió ist ein Ort, der zu besichtigen lohnt, weil die Küste dort einfach super sehenswert ist. Es gibt steile Felsen, Inseln, Steinformationen, die von Wind und Wasser geformt wurden… und die Vietnamesen haben das auch schon mitbekommen und angefangen, dort Hotels und andere Gastronomie und Ticketbuden aus dem Boden zu stampfen, damit man möglichst auch ein paar Dong da lässt. Sei es drum, das ist für uns ja auch nicht wirklich teuer. Dafür haben die immerhin auch Treppen und Wege mit Geländern angelegt, auf denen man recht sicher gehen kann und tolle Perspektiven auf die Landschaft hat, ohne waghalsige Klettertouren auf sich nehmen zu müssen. Es kostete uns etwa 22.000 Dong (unter einem Euro) für die anderthalb Stunden, die wir bis 17.00 Uhr noch Zeit hatten, uns dort aufzuhalten.

Also gingen wir auf dem Gelände herum, schossen zwei Millionen Fotos und genossen die Landschaft, die Sonne, den Wind und das Geräusch der Brandung. Ich kletterte hier, ich kletterte da (wenn auch meistens nur Treppen hoch und runter, nicht wie in den Marble Mountains, wo ein bisschen Felsenkletterei unvermeidlich war, wenn man überall hin wollte) und schoss fleissig meine Fotos.

Schließlich war es fast 17.00 Uhr und wir fanden uns alle wieder auf dem Parkplatz beim Bus ein. Die Außengastronomie des „Happy Hotel“ dort konnte noch einige zum spontan Genuss von Kaffees verleiten, andere mussten noch mal die Kachelabteilung aufsuchen, aber dann konnte es weitergehen.

Letzte Station heute und Übernachtungsort war Quy Nhơn, eine Stadt am Meer. Wir hatten noch kanpp eine dreiviertel Stunde Fahrt bis dahin, aber das ging recht fix. Vor Ort waren wir nicht sofort erfolgreich, den richtigen Eingang des Gebäudekomplexes zu finden, aber wir landeten am Ende dort, wo wir zum Check-In hin mussten. Denn wir hatten, wenn ich es richtig verstanden habe (wird langsam zur Catch-Phrase) nicht Hotelzimmer, sondern Appartements gebucht. Was das bedeutete, merkte ich erst, nachdem wir alle eingecheckt und unsere Zimmer aufgesucht hatten.

Blick aus dem 22. Stock

Meine Schwester, mein Schwager und ich überließen den jüngeren Leuten die Appartements im 26. Stock mit der Top-Aussicht und begnügten uns mit denen im 9. Stock. Nachdem uns der Concièrge dort hinbegleitet hatte, stelle ich in meinem fest – dass es sich halt nicht um ein simples Zimmer, sondern halt um ein Appartement handelte. Es gibt hier zwei Betten (für jeweils zwei Leute), eine Couch, einen Esstisch, eine Küche mit Reiskocher, einer Herdplatte und einer Kühl-/Gefrierkombo und ein Bad mit Badewanne. Und einen Balkon mit toller Aussicht. Das ganze kostete 512.000 Dong für eine Nacht, also etwas über 20 Euro. Das Hotel am Tag vorher in Quảng Ngãi, das bei weitem nicht dasselbe geboten hat, hatte 450.500 Dong gekostet, das ist etwas unter 20 Euro. Aber es war ein himmelweiter Unterschied. Ich musste da erstmal drüber hinweg kommen.

Nachdem wir eingecheckt hatten, überlegten sich die jüngeren Leute per Google Maps, was und wo sie essen wollten. Meine ehemaligen Mitbewohner wollten europäisch essen, meine Family asiatisch. Ich schloss mich der Family an, einerseits, weil asiatisch für mich okay war, andererseits, um dem noch relativ frischen Paar seine Zweisamkeit zu lassen (naja, besser 5. Rad am Wagen, als 3. am Fahrrad) – wir hatten zu dritt Spaß in den Wellen, aber das ist halt auch ein anderes Setting. Das ist schon gut, wie alles läuft. Nun, es gibt natürlich noch einen Grund, ich verbringe auch gerne Zeit mit der Family, besonders mit meinem Neffen und seiner Freundin, die nun einmal im Moment hier in Vietnam wohnen und die ich daher nicht so oft sehe. Tatsächlich landete das vielversprechende junge Paar (meine ehemaligen Mitbewohner aus Danang) am Ende bei einem Mexikaner, nicht sehr europäisch.

Wir andererseits, landeten auch nicht da, wo wir hinwollten. Irgendwie schien diese Stadt an der Küste, die wieder ganz anders war (kaum Verkehr, kaum Mopeds!) ein bisschen ausgestorben, vermutlich sind viele schon zum Têt-Fest zu ihren Familien anderswo gefahren. Daher hatten einige Restaurants auch schon geschlossen – auch das korean barbecue, wo wir hin wollten. Wir fanden dann in der Nähe ein ähnliches Restaurant, welches ebenfalls „Grillen am Tisch“ anbot (man bestellt rohes Fleisch und bereitete es auf einem kleinen Gasgrill selbst zu). Nach einiger Diskussion, was zu bestellen war, bekamen wir Fleisch und verschiedene Sorten Gemüse. Allerdings mussten wir nicht selber grillen, wir beschlossen, das durch eine Angestellte machen zu lassen. Die bereitete uns am Tisch das Fleisch nach unseren Vorstellungen herrlich unaufdringlich zu.

Nach dem Mahl wollten wir noch eine Cocktailbar aufsuchen. Evtl. am Strand, aber mein Neffe fand eine „Private Bar“ in der Nähe. Es war ein sehr kleiner, gar nicht leicht zu findender Laden. Nach einer Frage der des Vietnamesischen Mächtigen wurden wir in einen kleinen Laden zu einem Aufzug geführt. Wir waren 5 Personen. Der Aufzug war für 5 Personen oder 320 kg zugelassen. Äh. Da waren wir drüber, vor allem meinetwegen. Der Durschschnittsvietnamese wiegt halt weniger…

Wir schafften es trotzdem auf eine gemütliche Dachterasse. Es war sehr klein und irgendwie intim. An einer Theke schien exakt ein Mann die Drinks zu mixen, entsprechend lage dauerte es auch. Es gab auch exakt ein WC. Wir hatten den Eindruck, dass der Barmixer das Ganze nur nebenbei und einfach nur zum Spaß betrieb. Eine Anfrage bestätigte das auch.

Nun, wir bauten eine Partie „Heckmeck am Bratwurmeck“ auf und bestellten Cocktails. Ich wollte einen „Nuclear Waste“, der besteht aus Wodka, Blue Curacao, Bailey’s und Coke. Das, was ich bekam, schmeckte super, aber nicht nach Coke oder Baileys. Wir spielten eine Runde Wurm, die die Freundin meines Neffen mit Abstand gewann. Inzwischen waren viele junge Asiat:innen dazu gekommen. Wir befürchteten: Wenn die alle einen Cocktail bestellen, dann dauert es Stunden, bevor wir die zweite Runde bekämen, also orderten wir diese schnell. Ich orderte wieder einen „Nuclear Waste“ – und bekam wieder ein Getränk, welches keine Coke enthielt.

Eine Rückfrage ergab: Ja, der Barkeeper hatte einen Fehler gemacht. Ich bekam umgehend einen neuen Drink, durfte den alten aber behalten.

Anders gesagt: Es gab eine Menge Alkohol. Mein Neffe bestellte auch noch Qui Nhon, ein Bier, welches den Namen der Region hier trägt. Recht lecker. Nachdem wir zwei Runden Wurm gespielt hatten, gingen wir zum Appartement-Komplex zurück. Meine Schwester und ich fuhren mit meinem Neffen und seiner Freundin in deren Appartement hoch. Einerseits wollte ich mir die Aussicht aus deren Etage einmal ansehen. Andererseits hatte die Freundin meines Neffen noch Umschläge für „Lucky Money“ für mich.

Denn morgen geht es zu ihrer Familie, und da verschenkt man „Lucky Money“ in Umschlägen an die Kinder. In meinem Fall werden das 20.000 bis 50.000 Dong (etwa 1,80 Cent bis 2 Euro) sein. Die speziellen Umschläge dafür gibt es gerade überall zu kaufen. Das muss ich noch fertigmachen.

Apopos fertig: Ich bin nun, um 01.33 Uhr, nach diversen alkoholischen Getränken, der Fahrt heute und dem Schreiben hier ganz schön durch. Ich lade noch schnell paar Bilder hoch, dann ist Schlafenszeit.

Vorschau: Denn morgen geht es in die Region Plei Ku, der Heimat der Eltern der Freundin meines Neffen. Mit denen verbringen wir das Têt-Fest, welches hier eine echt große Sache ist. Ich habe zwei Optionen bekommen: Entweder, ich kann im Hause der Eltern der Freundin meines Neffens alkoholabstinent leben, beten und innehalten.

Oder ich kann (in einem anderen Haus) mit männlichen Verwandten von Loih conti-weise Dosenbier trinken und mich daneben benehmen. Und vielleicht in einem viralen Handyvideo in Vietnam lokale Berühmtheit erlangen. Mal sehen, für was ich mich entscheide. Erst einmal Bett.

Bis denne.

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Mỹ Sơn, zurück in Hội An und Quảng Ngãi

Quảng Ngãi, im Hotel, 2. Stock, 20.28 Uhr Ortszeit

Heute hieß es Abschied nehmen aus Da Nang und dem schönen Hotel Haian. Nach dem Aufstehen und Morgenroutine packte ich meinen Kram zusammen, um nach dem Frühstück abfahrtbereit zu sein. Die um 09.15 Uhr geplante Abfahrt verzögerte sich etwa um eine Viertelstunde, danach ging es mit dem gecharterten Bus samt Fahrer zunächst nach Mỹ Sơn.

Über diese Brücke ging es zum E-Shuttle

Mỹ Sơn ist eine Tempelstadt der indisch geprägten Cham, eines der vietnamesischen Ursprüngsvölkern. Durch die indische Prägung der Cham war deren Religion nicht Buddhismus, sondern Hinduismus, und Mỹ Sơn diente zur Verehrung des hinduistischen Gottes Shiva. Leider wurden 50 der von 70 zuvor von französischen Archäologen verzeichneten Tempel durch ein Bombardement der US-Luftwaffe 1969 im Vietnamkrieg zerstört oder schwer beschädigt. Heute gehören die Reste der Anlage zum UNESCO-Kulturerbe.

Alles sehr schön grün hier!

Wir lösten also Tickets und wurden mit einem kleinen Elektro-Shuttlebus zur Tempelanlage gefahren. Dabei waren wir froh, dass es bedeckt war und die Sonneneinstrahlung gering war, denn bei der hohen Luftfeuchtigkeit an diesem Ort waren auch mäßige Temperaturen schon sehr schweißtreibend. Wirklich schön war die Natur der Umgebung, viel Grün, kleine Teiche und Bäche und schön blühende Blumen, am Horizont grüne Hügel.

Typische Tempelruine (ich hab zwar drei Millionen Fotos, aber an sich ist das hier repräsentativ genug)

So richtig mein Ding war es nicht, mir fehlt einfach der Zugang zur Geschichte, die so weit zurück lag, und auch wenn die Anlagen für Fans der Archäologie oder der asiatischen Geschichte sicherlich ein El Dorado, ich konnte nicht allzu viel damit anfangen. Für mich sahen die verschiedenen Tempelruinen mehr oder weniger alle gleich aus. Die Gebäude waren aus Ziegeln errichtet, aber ohne irgendeine Art von Mörtel. Statuen waren nicht erhalten, nur noch teilweise deren Sockel, und Opferbecken.

Wir durchschritten die komplette Anlage und machten natürlich reichlich Fotos. Wir sahen Eidechsen, meine ehemaligen Mitbewohner sogar eine Schlange. Außerdem waren sehr viele Libellen unterwegs.

Schließlich hatten wir die Überreste des letzten Tempels erreicht und begaben uns wieder zum Parkplatz, wo unser Bus und dessen Fahrer auf uns warteten. Next stop: Hội An. Dort waren wir zwar schon vorgestern, doch hatten sich meine ehemaligen Mitbewohner dort Kleider schneidern lassen bzw. bestellt, die nun anprobiert werden sollten. Daher suchten sie die Schneiderei dort erneut auf. Der Rest der Reisegruppe, also auch ich, ging essen und entschied sich für dasselbe Lokal am Fluss, wo wir vorgestern schon waren. Ich entschied mich auch noch mal für das gleiche Essen, den Reis mit Huhn.

Zurück in Hoi An

Nach dem Essen trafen wir wieder auf die beiden anderen, den Freund meines Neffen und dessen Freundin. Die Reiseleitung vereinbarte telefonisch einen Treffpunkt mit unserem Fahrer, wir begaben uns dorthin, stiegen ein und waren wieder unterwegs. Auf dem Programm stand eigentlich noch der Besuch eines Strandes inklusive Baden, doch war das Wetter nicht so richtig danach, außerdem war es schon nach 16.00 Uhr, nicht mehr lange bis zur Dämmerung. Daher entschieden wir, diesen Punkt zu überspringen und direkt zum Ort der heutigen Übernachtung, der Stadt Quảng Ngãi, zu fahren.

Dort kamen wir etwa kurz vor 19.00 Uhr an und checkten in unser Hotel ein. Es ist ein Vier-Sterne-Hotel, aber ein himmelweiter Unterschied zum Haian Beach in Da Nang. Nun, ich glaube, um vier Sterne zu bekommen, muss ein Hotel halt bestimmte Merkmale (wie Pool, WLAN, Klimaanlage) aufweisen, und das muss benutzbar sein. In welchem Zustand das ansonsten alles so ist, scheint nicht so wichtig zu sein. Aber wir sind hier ja nur für eine Nacht, und die Übernachtung kostet pro Zimmer knapp 18 Euro, also darf man nicht zu viel erwarten.

Unterwegs in Quang Ngai

Ich machte mich sogleich auf den Weg, einen Supermarkt zu suche, um noch schnell Getränke einzukaufen. Das erwies sich als deutlich schwieriger als gedacht. Die Stadt war voll, laut, die Luft voller Zweitakt-Abgase. Ich vermutete sogleich, dass diese Stadt eher typisch für eine vietnamesische Stadt ist als die geputzte Touristenmetropole Da Nang. Es gab wenig Gastronomie, wie wir sie kennen, umso mehr Streetfood und Popup-Gastronomie – ein kleiner Wagen mit Garküche, ein paar Plastikstühle und -tische – und fertig. Ich wollte gekühlte Getränke kaufen, fand aber keinen Laden dafür. Es gab viele Lebensmittelhändler, bei denen ganze Mauern aus Bier- und Wasserkartons bis an den Straßenrand aufgebaut waren, aber keiner schien gekühlte Getränke anzubieten. Es gab stattdessen tonnenweise Tand zu kaufen, Buddha-Figuren, Winkekatzen und ähnliches. Auch fertige Gebinde mit verschiedenen Nahrungsmitteln (sowas wie bei uns Geschenkkörbe) wurden stapelweise anlässlich des Têt-Festes angeboten.

Nicht so schön… viel Müll am Straßenrand.

Irgendwie war das alles nicht mein Ding. Zu voll, zu laut, zu viel Müll am Straßenrand. Auch in Can Tho war es viel schöner gewesen als hier. Daher gab ich die Suche bald frustriert auf und ging ins Hotel zurück. Es stehen zwei Flaschen Wasser parat, das reicht auch erst einmal, und es ist mir egal, ob ich dafür was extra bezahlen muss oder nicht.

Vielleicht gehe ich gleich doch noch einmal ein paar Schritte vor die Tür. Es war insgesamt nicht so mein Tag heute, deswegen bin ich den anderen auch nach Ankunft im Hotel erst einmal aus dem Weg gegangen.

Vorschau: Das Ziel der Etappe morgen ist Quy Nhơn, wo wir übernachten werden. Das ist auch wieder eine Küstenstadt. Auf dem Weg sind verschiedene Zwischenstopps geplant, unter anderem auch wieder ein Strand zum Baden. Vielleicht machen wir es ja diesmal auch.

Bis denne.

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Going solo

Da Nang, im Hotel, 11. Stock, 20.07 Uhr Ortszeit.

Heute war ein Besuch bei Lady Buddha geplant. Das ist eine weibliche Buddha-Statue, die man vom Strand hier vor dem Hotel aus sehen kann. Die Statue liegt auf der Sơn Trà-Halbinsel bzw. auf dem Sơn Trà-Berg auf dem Gelände der Linh Ung-Pagode. Pagoden sind hier wie in anderen asiatischen Ländern eine Riesensache. Ich als Kulturbanause muss erst einmal verstehen, was eine Pagode eigentlich ist bzw. wozu sie benutzt werden. Ursprünglich dienten die Gebäude mit der auffälligen Architektur zum Aufbewahren der sterblichen Überreste erleuchteter, buddhistischer Mönche. Wenn ich es richtig verstanden habe, wird das heute nicht mehr ganz so genau genommen, und Pagoden sind oft Mausoleen für verehrte Ahnen, unabhängig ob erleuchtet oder nicht (es frage mich bitte niemand, wie man unterscheidet, ob jemand das Nirwana erreicht hat oder nicht, ich glaube kaum, dass jemand einen Belichtungsmesser an die sterblichen Überreste hält).

Ich gestehe, ich bin respektlos an dieser Stelle… manche Christen maßen sich ja auch an, zu behaupten, bestimmte Verblichene, meist Angehörige, seien nun bei Gott. Dabei können wir uns das ja auch nur wünschen, aber eigentlich hat nach dem christlichen Glauben Gott selbst alleine das letzte Wort darüber, und wer kann das also schon wirklich wissen? Aber der Vergleich mag auch wieder völlig verfehlt sein, denn ich verstehe viel zu wenig vom Buddhismus. Allerdings – und da hinkt der Vergleich wirklich, scheint es ja so zu sein, dass es hier absolut auf Karma ankommt. Und wenn man mit Menschen so eng zusammenlebt, wie es buddhistische Mönche tun, kann man vielleicht untereinander des anderen Karma besser beurteilen, als wir Christen Gottes Ratschluss beurteilen können. Also, so gesehen…

Ähm. Ich greife vor. Morgens war die Situation die, dass meine Mitbewohnerin hier im Hotel gesundheitlich angeschlagen war und sie und ihr Freund sich dazu entschieden, den vorerst letzten Tag in Da Nang (wir kommen noch mal hierher) zum Entspannen und Genesen zu nutzen. Nun, meine Family (mein Schwager, meine Schwester, mein Neffe und seine Freundin) kennen alle die Sơn Trà-Halbinsel bereits. Warum sollten alle dorthin eiern, nur meinetwegen? Ich entschied mich, da solo hinzufahren. Aber erst einmal gab es Frühstück, wo ich auch meine Mitbewohner traf. Da ich zeitlich recht flexibel war, hatte ich reichlich Zeit, ausgiebig zu frühstücken.

Scharfes Zeug auf 1 Uhr…

Nach dem Frühstück wollte ich einen ATM aufsuchen, mehr Bargeld besorgen und dann noch ein paar Sachen (unter anderem Sonnenschutzmittel, meins war ausgegangen) zu kaufen. Das mit dem ATM erwies sich als schwieriger als angenommen. Der nächstgelegene behauptete zwar nach meinen Eingaben „Transaction completed“, rückte aber weder eine Quittung noch Geld raus. Dasselbe bei einem zweiten Versuch. Ich hoffe, das Ding hat mir jetzt nicht vier Millionen Dong gestohlen… das wäre sehr ärgerlich. In der Schlange nach mir am ATM stand eine junge Frau mit offensichtlich asiatischen Wurzeln und sprach mich in gutem Englisch an, weil sie bemerkt hatte, dass ich unzufrieden war. Sie meinte, die ATMs der lokalen Banken seien für den internationalen Zahlungsverkehr problematisch und empfahl mir, einen ATM der HSBC zu nutzen. Sie beschrieb mir auch den Weg zu einem, ich solle zum Vincom Plaza fahren und fände den über einen Nebeneingang der großen Shopping-Mall. Das gehört offenbar zur VinGroup, einem vietnamesischen Multikonzern, der unter anderem auch Elektroautos herstellt. Kennt bei uns sicher kaum eine Sau, aber hier ein Riesenplayer im großen Spiel.

Wie auch immer, das lag etwa 2,4 km entfernt, ich hatte mich noch nicht eingecremt, weil mir die Sonnecrème halt ausgegangen war, also holte ich mir per App kurzerhand ein Grab, um zur Vincom-Plaza zu fahren, was ich dann also auch tat. Angekommen musste ich mich noch kurz durchfragen, fand dann aber den HSBC-ATM, der mir auch zwei Millionen Dong ausspuckte. Ich hätte das Geld auch über meinen Neffen, der hier natürlich ein Bankkonto hat, besorgen können, er bietet an, dass wir ihm Geld in Euro per Paypal schicken und er rückt dann den Gegenwert in Dong abzüglich der Gebühr, die seine Bank erhebt, raus. Aber ich wollte einfach mal selbstständig und unabhängig an Kohle kommen. Das war, wie sich zeigte, nicht ganz unproblematisch, aber das ist ja auch irgendwie eine Erfahrung, die gemacht werden wollte.

Nun, ich war in der Mall, wollte noch einkaufen, also ging ich in den WinMart, der da drin war, und erstand Wasser, Bier, Kekse und Sonnerschutzmittel. Danach verließ ich die Mall wieder, und rief ein Grab, um wieder zum Hotel zu fahren. Ich hatte kurz überlegt, direkt zum Sơn Trà-Berg zu fahren, was sicherlich günstiger gewesen wäre, aber ich hatte keine Lust, meine Einkäufe durch die Gegend zu schlüren. Also erst mal mit dem Grab ins Hotel, im Zimmer die Einkäufe verstauen, dann Sonnenschutz auftragen, neues Grab rufen und ab zur „Lady Buddha“.

Lady Buddha

Also… es gibt halt Vor- und Nachteile des „betreuten Reisens“. Ich bin ja auch schon so einige Male alleine unterwegs gewesen. Wenn man irgendwo so naseweis wie ich hineinstolpert, dann birgt das Risiken, z.B. mehr Zeit oder Geld einsetzen zu müssen, als geplant war. Andererseits erlebt man so auch Dinge, die vielleicht aufregend oder interessant sind, die man mit einem ganz klaren Plan niemals erlebt hätte. Ich war also alleine unterwegs, und die Locals, meine Schwester und mein Schwager hätten mir die ganze Nummer mit der „Lady Buddha“ bestimmt irgendwie erklären können. So muss ich mich auf das Internet und Wikipedia verlassen. Und „Lady Buddha“, dazu gibt es bei Wikipedia weder in der deutschen noch englischen Version einen Artikel…

Aber ich hab es jetzt doch geschnallt, durch den Artikel über Buddha. Ich bin nämlich in die Verständnis-Falle getappt, Buddha mit dem Religionsstifter Siddharta Gautama zu verwechseln. In der Tat hat dieser den Ehrennamen „Buddha“, aber ein Buddha kann jedes fühlende Wesen werden, wenn es das Nirwana erreicht hat – also auch Frauen, auch wenn Buddha-Statuen (nach meinem offenbar sehr beschränkten Horizont) meist männlich (und adipös) dargestellt werden. In diesem Fall, bei Lady Buddha, war weder das eine, noch das andere der Fall. Wieder einmal zeigt sich: Reisen bildet.

Im Buddhismus versteht man unter einem Buddha ein Wesen, das aus eigener Kraft die Reinheit und Vollkommenheit seines Geistes erreicht und somit eine grenzenlose Entfaltung aller in ihm vorhandenen Potenziale erlangt hat: vollkommene Weisheit (Prajna) sowie unendliches und begierdeloses Mitgefühl (Karuna) mit allem Lebendigen.

Wikipedia

Zu den ersten Dingen, die ich auf dem Gelände sah, waren Schautafeln zum Thema Karma, die sogenannten Tranh nhân quả. Es dauerte eine Weile, bis ich die verstand: Ein Bild symbolisierte immer bestimmtes Verhalten (gutes oder schlechtes), das rechts daneben die Folge davon. Die Bildunterschriften waren zum Glück sowohl vietnamesisch als auch englisch, nur leider habe ich versäumt, die Qualität meiner Fotos zu prüfen, ich kann die englischen Bildunterschriften kaum lesen. Ein Beispiel: Wer seine Hände benutzt, um Gewalttaten an anderen zu begehen, wird in der nächsten Inkarnation ein Wesen ohne Hände (z.B. eine Schlange) sein. Wer seine Schlauheit nutzt, um weniger intelligente Menschen zu betrügen, wird in der nächsten Inkarnation selbst ein weniger intelligenter Mensch sein. Die Illustrationen gefielen mir irgendwie ganz gut, und die Ursache/Wirkung-Erklärungen schienen mir zwar plausibel – allerdings irgendwie auch ein bisschen zu simpel und irgendwie willkürlich.

Ansonsten fand ich nicht viele englischsprachige Erklärungstafeln, außer den Regeln für das Gelände, die den nötigen Respekt gegenüber des buddhistischen Tempelgeländes einforderten. Beispielsweise, dass man vor dem Betreten der Gebäude die Schuhe auszuziehen hatte (das wird hier auch in privaten Häusern sehr ernst genommen) und Hüte abzunehmen hat. Lustig fand ich die Regel, dass man in den Gebäuden nur ein Räucherstäbchen entzünden sollte, damit die Luft atembar bleibt.

To maintain the fresh air within the temple sanctuary, please burn only one incense

Temple rules, Namo Shakyamuni Buddha

Übrigens habe ich gegen die Regel verstoßen, ich hatte gar keine Räucherstäbchen am Mann… ich konnte also nix abbrennen.

Ich erinnerte mich daran, dass ich ja nicht nur Tourist, sondern auch „Agent“ (Ingress) bin, und begann, die Portale auf dem Gelände zu erobern. Neben dem spielerischen Aspekt kann ich daran aber auf meinem Smartphone auch immer sehen, wo ich schon war, und wo nicht. Ich erkundete weiter das Gelände, betrat (natürlich nicht, ohne meine Schuhe auszuziehen und meinen Hut abzunehmen) einige Gebäude, fotografierte nur, wo es erlaubt war und war hoffentlich einigermaßen brav und respektvoll. Wer weiß, was mir sonst in der nächsten Inkarnation droht…

Dieser Teich hat mir gut gefallen, man konnte über Brücken und Steine das Gewässer überqueren

Es gab wunderschön angelegte Gärten, was häufig auf den Geländen von Pagoden zu sehen ist. Auch sie sind wahrscheinlich ein Zeichen der Verehrung der Verblichenen. Statuen, die ich nicht näher verstand, gab es überall haufenweise, innerhalb und außerhalb der Gebäude. Ich näherte mich „Lady Buddha“, und man konnte die Statue auf Bodenlevel betreten, allerdings nicht erklettern. Innen weitere Statuen, Säulen und Blumenpracht. Es gab eine große Pagode, die ich ebenfalls nur auf Bodenlevel betreten konnte. Bei besserer Sicht hätte man vom hochgelegenen Gelände, welches auch „Monkey Mountain“ genannt wird (den einzigen Affen sah ich am Straßenrand bei der Rückfahrt, und den hätte ich wohl auch verpasst, hätte mich der Grab-Fahrer nicht darauf hingewiesen) einen tollen Blick auf Da Nang gehabt, aber der Tag war sehr diesig mit schlechter Sicht – leider. Ich konnte nur die Silhouetten der Hotels am gegenüberliegenden Strand sehen, wo auch mein Hotel liegt.

Die Pagode

Inzwischen hatte ich in der „Good Morning Vietnam“-Gruppe eine Nachricht meiner Schwester erhalten, man könne sich am Strand treffen, um gemeinsam eine Runde zu baden, als Zeit war 15.30 Uhr angepeilt. Ich war bereits seit etwa anderthalb Stunden auf dem Gelände unterwegs und blieb dann nicht mehr lange, bevor ich ein Grab bestellte (ich glaube, ich kriegte dann eins, welches bereits dort auf Fahrgäste auf dem Parkplatz lauerte), um zum Hotel zurück zu fahren.

Nachdem ich dort angekommen war, hatte ich noch etwa 40 Minuten Zeit bis 15.30 Uhr, und ich wollte gerne noch vorher was essen. Man soll ja nicht mit ganz leerem Magen baden, und das Frühstück war schon eine Weile her. Leider hat mein Magen keinen Füllstandanzeiger, aber ich wollte erst an einer Bude am Strand was essen, aber die Dame dort sagte mir, man habe nix zu essen, auch wenn die Tafeln an der Bude was anderes sagten. Ich ging dann zur Strandbar „Paradise“ und orderte einen Burger und ein San Miguel vom Fass. Während ich das verzehrte, sah ich meine Mitbewohner vorüberschlendern, die einen sehr entspannten und gesundheitlich deutlich besseren Eindruck machten, als noch beim Frühstück. Der Entspannungstag ohne Gruppenprogramm schien den beiden gut zu tun. Sie waren auch gerade auf der Suche nach etwas zu essen.

Da sich meine Schwester und mein Neffe, die zum Strand vor dem Hotel kommen wollten, etwas verspäteten, konnte ich nach dem Burger noch locker schnell in mein Zimmer hochfahren, eine Badehose anziehen und mich nochmal eincremen. Ich hatte die beiden gebeten, in der Lobby des Hotels auf mich zu warten, aber ich war zuerst da. In der Lobby gab es für die Hotelgäste Kaffee oder Tee, Obst und Gebäck, also nahm ich eine Tasse Kaffee, ein paar Butterkekse und ein paar Scheiben Wassermelone, um das zu verzehren, während ich wartete. Ein Mann begleitete die Kaffeezeit am Flügel mit einem Potpourri aus Swing-Klassikern wie „Fly me to the moon“. Meine Schwester und mein Neffe tauchten irgendwann auf, und ich besorgte auch für sie Kaffee, Kekse und Melone. Als wir das verzehrt hatten, gingen wir raus an den Strand. Direkt vor dem Hotel durften wir wieder nicht baden, zweihundert Meter südlich aber schon.

Wir hatten wieder viel Spaß in den Wellen. Ich wurde von einem jungen Mann auf Deutsch angesprochen, der auch gerade badete und aus München kam. Überhaupt sind wir schon auf einige Landsleute getroffen (oder zumindest deutschsprachige Menschen), wobei wir nicht unbedingt Lust hatten, mit denen in jedem Fall Kontakt aufzunehmen – ich jedenfalls nicht. Der Münchener war aber ganz sympathisch. Während des Bades hatten mich meine Schwester und mein Neffe versucht, davon zu überzeugen, dass ich doch mit auf eine Massage ins Spa kommen sollte, weil mir das angesichts meiner physischen Probleme (zum Beispiel beim Sitzen) bestimmt gut täte. Aber ich entschied mich dagegen… aus Gründen.

Stattdessen fuhr ich nach dem Bad in mein Zimmer hoch, spülte unter der Dusche das Salzwasser ab und fuhr in den 22. Stock zum Rooftop-Pool. Zuerst bestellte ich mir an der Bar einen Singapore Sling und packte mich dann auf eine Liege am Pool. Der Cocktail kam, und ich chillte eine Weile am Infinity-Pool. Als ich meinen Drink beendet hatte, ging ich noch für eine Weile ins Wasser, um diese Leistung des Hotels dann auch noch mitgenommen zu haben. Zumal ich all solche etwas dekadenten Dinge wie Cocktails am Rooftop-Pool schlürfen noch nicht so wirklich vorher gemacht habe. Es war aber wirklich angenehm auf der Liege, muss ich sagen, und im Pool auch.

Ich spielte danach mit dem Gedanken, diesen Blogeintrag vielleicht später auch in der Rooftop-Lounge bei einem Cocktail zu schreiben, aber andererseits hatte ich noch Bier im Kühlschrank… Zurück im Zimmer nach der Dusche lag ich einen Moment faul auf dem Bett und überlegte, was als nächstes zu tun wäre. Meine Mitbewohner genossen (das hoffe ich zumindest) ihre Zweisamkeit, meine Family war zur Massage im Spa, ich wollte was zu Abend essen.

Ich beschloss, zum „Roots“ zu gehen, einem veganen Restaurant, wo ich schon mal mit meiner Schwester und meinem Neffen gegessen hatte. Ich hatte auch schon ein oder zwei Ideen, was ich essen würde. Aber als ich dort (zu Fuß) ankam, stellte ich fest, dass der Laden zu hatte. Kurzentschlossen setzte ich mich in einem Lokal direkt daneben an einen Tisch, welches vietnamesische Küche anbot. Ich wählte gebratenene Nudeln mit Rind, bekam aber stattdessen eine Pho mit Rind. War auch okay für mich… allerdings hatte ich wieder einen kleinen Scoville-Unfall. Ich packte drei Scheiben Pepperoni rein und gabelte dann mit meinen Stäbchen offenbar eine Spur zu gierig darin herum, so dass ich eine der Scheiben so mit wegfutterte und gleich einen Schock-Schluckauf bekam. An sich sollten die Scheiben nur der Suppe etwas mehr Schärfe geben, ich wollte die nicht mitessen. Ich muss besser aufpassen. Zum Glück gab es reichlich Salat und Sprossen dazu, das half, wieder in den grünen Bereich zu kommen. Ich wurde von zwei Mädchen, noch Kindern bedient, und ich fragte mich, ob die das wohl freiwillig machten, oder aus purer finanzieller Not der Eltern/Betreiber heraus. Ich vermute, dass das nicht so ungewöhnlich hier ist, dass Kinder schon mit anpacken, was bei uns verpönt ist mit unseren hohen Vorstellungen moralischer Standards ist halt anderswo auf der Welt einfach nicht mit der Realität vereinbar.

Immer Nudelsuppe muss nicht sein, manchmal aber schon. Auch wenn Unfälle passieren.

Nach dem Essen begab ich mich dann wieder ins Hotel und begann diesen Beitrag zu schreiben. Nebenbei läuft ein Musiksender zur Berieselung am Rande. Hm. Immer wenn K-Pop (Popmusik aus Südkorea) läuft, ertappe ich mich bei der Frage, ob die hübschen, jungen, aber auch irgendwie stereotypen Asiatinnen, die auf dem Bildschirm herumzappeln, überhaupt wirklich existieren oder nur Schöpfung einer künstlichen Intelligenz sind. Ich habe gelesen, dass das bei K-Pop längst gemacht wird. Denn AI-generierte Musiker sind kostengünstig und begehen nicht irgendwann aus emotionaler Überlastung durch Überglorifizierung ihrer Fans Suizid.

Zwischenzeitlich bekam ich eine Nachricht der Family, ob ich Lust hätte, zur Wohnung im Wohnkomplex „The Monarch“ zu kommen, um ein oder zwei Runden „Heckmeck am Bratwurmeck“ (landläufig nur „Wurm“ genannt) zu spielen. Aber ich war gerade im Flow, das hier zu schreiben und hatte auch nicht wirklich Lust, das Hotel noch einmal zu verlassen. Und damit endet mein Tag und der Beitrag.

Das Programm, das mein Neffe und seine Freundin für Da Nang zusammengestellt haben. Sie sind übrigens unten bei „Modern Jive“ zu sehen. Grüner Haken: Gemacht, rotes Kreuz: nicht gemacht.

Vorschau: Morgen geht es auf Roundtrip mit einem gecharterten Kleinbus. Ziel für die Übernachtung ist Quang Ngai. Unterwegs machen wir ein paar Stopps, unter anderem noch mal in Hoi An, vielleicht kann man da schon Klamotten abholen, die sich die anderen teilweise haben schneidern lassen? Außerdem steht noch Baden in Bai Rang an. So ganz habe ich es nicht verstanden, wenn ich es mir auf Google Maps ansehe, sieht das sehr chaotisch aus, aber vielleicht habe ich die Ortsnamen auch nicht so richtig auf dem Schirm. In der vietnamesischen Sprache sind diese ganzen einsilbigen Worte (wie eben auch Ortsnamen wie Viet Nam, Da Nang, Can Tho…) sehr missverständlich, wenn man sie ohne die Akzente schreibt oder ausspricht… Jedenfalls sieht es so aus, als ob morgen sowohl Stadt, Dschungel als auch Strand anstünden. Jedenfalls soll es um 09.15 Uhr losgehen, bis dahin müssen wir gefrühstückt, gepackt und ausgecheckt am Start sein. Ich werde berichten.

Bis denne!

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Alle ab ins Körbchen und Lampen an in Hội An

Da Nang, im Hotel 11. Stock, 21.09 Uhr Ortszeit

Mein Wecker war auf 09.00 Uhr gestellt, ich wachte eine halbe Stunde früher auf und döste noch etwas vor mich hin. Dann stand ich auf, duschte und ging frühstücken im 3. Stock. Ich hatte noch etwa eine halbe Stunde Zeit dafür und gönnte mir ein Omelette, welches frisch zubereitet wurde, Bacon, eine Art Pizza-Stück mit Tomatensauce, Pancakes, Mini-Croissants und natürlich frische Früchte (Guave, Wassermelone, Minibananen). Dazu Kaffee, Melonen- und Ananassaft. Hm. Ich stand beim Bacon, als mich diskret die Frau vom Einlass ansprach. Ich dachte, das Problem sei, dass ich meine Karte nicht gelesen werden konnte und sie noch mal meine Zimmernummer brauchte, bis ich verstand, dass mein Stall offen stand. Ups – peinlich, aber kommt vor.

Meine Mitbewohner stießen auch kurze Zeit später dazu, so dass wir zusammen frühstückten. Nach dem Frühstück sollte es etwa ab 10.40 Uhr nach Hội An gehen. Ich war noch kurz auf meinem Zimmer und dann rechtzeitig vor dem Hotel, um vom von der Freundin meines Neffen gecharterten Bus abgeholt zu werden. Meine Mitbewohner kamen, weil gesundheitlich angeschlagen, erst einmal nicht mit, wollten aber später per Grab nachkommen.

Zuerst waren wir etwas außerhalb, an einem in Google Maps nicht näher benannten Flüsschen nordlich des Thu Bồn-Flusses. Hier konnte man Korbboot fahren. Das traditionelle Korbboot ist eine Art offene Halbkugel, die aus Korbgeflecht besteht. Es wurde zum Beispiel zum Transport weniger Personen oder kleinerer Frachten und zum Fischfang benutzt. Diese Boote sind nicht sehr schnell, aber sehr wendig. Heute gibt es sie auch aus Metall und Kunststoff, die Lifeguards am Strand benutzen solche Teile um im Wasser auf die Badenden aufzupassen. Man kann sie auch heute einfach als Touristenattraktion buchen, und sich damit durch die Gegend schippern lassen. Wir waren da nur mit vier Leuten unserer Reisgruppe unterwegs, weil mein Schwager und meine Mitbewohner nicht dabei waren, also hatten wir zwei solche Boote, die beide von weiblichen Skippern mit ihren Rudern bewegt wurden.

Vor dem Einstieg in zwei Korbboote

Wir bestiegen also die zwei Körbchen, und die Fahrt ging los. Wir hatten Sonne und ca. 25 Grad, und das Ganze war sofort sehr nach meinem Geschmack. Wir fuhren durch natürliche Tunnel aus Wedeln von Wasserkokospalmen. Diese wachsen am Ufer von seichten Flüssen, aber im Wasser und tragen auch Früchte, die allerdings anders aussehen und schmecken als die üblichen Kokosnüsse. Die Schalen der Wasserkokosnüsse haben auch Stacheln, so dass sie ein bisschen aussehen wie überdimensionierte Kastanien.

Mein Neffe und seine Freundin mit deren Skipperin

Es war wirklich herrlich. Zunächst fuhren wir durch diese engen Tunnel, bis wir in breitere Gewässer kamen, in dem auch andere, größere Boote mit Motor unterwegs waren. Aber auch ohne Ende andere Korbboote waren unterwegs. Und die Korbboot-Verleiher (es gab derer mehrere) ließe sich für uns Touristen so einiges einfallen. Auf vielen Korbbooten standen große Lautsprecherboxen, die zum Beispiel den K-Pop-Klassiker „Gangnam Style“ rausbratzten. Dazu gab es Bootfahrer, die ihre Korbboote rasendschnell um ihre Hochachse rotieren ließen. Gegen ein kleines Entgelt konnte man da auch als Passagier mitfahren und sich einmal ordentlich durchdrehen lassen. Auch standen Menschen mit Mikrofonen und großen Boxen auf schwimmenden Bühnen und sangen offensichtlich sowas wie das vietnamesische Äquivalent von Mallorca-Partymusik. Trinkgelder wurden mit etwas Wasser von Korbboot-Passagieren auf die Paddel der Skipper geklebt und an die Animateure herüber gereicht (es gibt hier keine Münzen, sondern nur Papiergeld, welches eigentlich aus einem Polymer besteht – die kleinste Banknote ist 1.000 Dong wert, weniger als 4 Cent. Aber für 5.000 Dong bekommt man im Supermarkt mitunter schon eine Flasche Wasser. Allerdings hatten wir alle kein Geld mitgenommen.

Alles voller Wasserpalmen hier

Meine Schwester und ich waren ziemlich ausgelassen und sangen sowas wie „Row, row, row your boat“ oder „What shall we do with the drunken Sailor“ im Boot. Meine Schwester bekam auch mal das Paddel und durfte das Boot bewegen, und sei es nur für ein paar Fotos. Mein Neffe und seine Freundin konnten mit einer Art kleiner Angel Krabben fangen (sie fingen tatsächlich auch eine). Zwischenzeitlich wateten (das Wasser war nicht tief) Leute mit T-Shirts, auf denen eine Kamera abgebildet war, durch das Flüsschen und boten an, Fotos zu schießen. Wir erfuhren von unserer 60-jährigen Skipperin, dass die Leute dankbar für die Touris waren, weil sie eine gute Einkommensquelle darstellten.

Endlich eine angemessene Kopfbedeckung! Die Dinger gab es an Bord.

Irgendwann waren wir dann wieder am Abfahrtspunkt, das Vergnügen dauerte etwa eine Stunde, was ich auch so für meinen Geschmack genau richtig fand. In der Hütte, wo wir auch losgefahren war, saß eine Reisegruppe aus Deutschland und ließ sich vietnamesisches Essen schmecken, welches sie zuvor selbst im Rahmen einen Kochkurses zubereitet hatte (eine andere Touristenattraktion). Wir bezahlten unser Bootvergnügen und gaben noch ein (für hiesige Verhältnisse) gutes Trinkgeld, weil wir so viel Spaß gehabt haben. Trotzdem kostete die Sache nur 125.000 Dong pro Nase, also weniger als 5 Euro.

Fototermin mit einem Neffen uns seiner Freundin. Die beiden sind das Posieren schon ziemlich gewohnt. Irgendwie scheint das hier in Asien ein ziemliches Ding zu sein, wenn ich die anderen Leute hier so beobachte. Dazu kommt, dass meine Neffe selbst gerne fotografiert (aber auch fotogen ist) und sich in einer entsprechenden Community bewegt.

Wir gingen zurück zu dem Parkplatz, wo unser Bus geparkt war, und ließen uns nach Hội An chauffieren. Dieser wirklich schöne Ort lud mit seinen Gassen zum Bummeln ein. Allerdings ist es auch ein ziemlich überlaufender Touristenort heutzutage. Anfangs, als wir gegen Mittag eintrafen, war noch nicht so viel los. Mein Neffe meinte, die meisten Touristen kämen erst gegen Abend, wenn die ganzen Lampions an wären. Er kennt sich halt nach anderthalb Jahren hier in der Gegend schon ziemlich gut aus. Wir suchten erst einmal ein Lokal am Thu Bồn auf und nahmen ein Mittagessen zu uns. Meine Family nahm komplett eine für Hội An typische Nudelsuppe, ich entschied mich für Reis mit Huhn auf eine ebenfalls für Hội An typische Art. Das war auch sehr lecker. Ich mag Pho und andere Nudelsuppen, aber ich brauche das nicht so unbedingt jeden Tag.

Unterwegs in Hội An

Meine Mitbewohner hatten sich inzwischen per Textnachricht in „Good Morning, Vietnam“ gemeldet, sie wollten mit einem Grab nach Hội An kommen. Die Autofahrt dauert übrigens etwa eine halbe Stunde. Wir wollten sie nach dem Mittagessen an einer Straßenecke treffen. Sie kamen etwas später als erwartet, weshalb ich zwischenzeitlich noch ein bisschen um den Block ging, um Ingress zu spielen. Dabei entdeckte ich extrem enge Gasse, die aber dennoch von Mopeds befahren wurden. Irgendwann kam die Nachricht, dass meine Mitbewohner eingetroffen seien. Die machten sich dann aber mit meinem Neffen und seiner Freundin schon mal auf die Socken, während meine Schwester ein paar Minuten auf mich wartete.

Am Thu Bồn

Quasi auf der anderen Straßenseite hockte mein Schwager und aß ein irgendein Che. Che ist eine Art Süßspeise, ein bisschen wie Pudding aus Reis und/oder Mais. Meine Schwester und ich nahmen ein Che Bap, es war auch sehr lecker, aber nicht so lecker wie das, was wir von Duc’s Frau in Can Tho bekommen hatten. Es kostete 20.000 Dong, also weniger als einen Euro.

Danach zogen meine Schwester und ich zu zwei los, um einen Coconut-Coffee zu finden, möglichst im Schatten und mit Blick auf den Fluss. Wir fanden einen Laden, der Coconut-Coffee war zwar recht teuer und nicht ganz so gut, wie der, den ich in Da Nang hatte, aber wir saßen sehr gut im Schatten und mit Blick auf dem Fluss.

Hier bereiten sich die Flussschiffer schon mal auf die Touris vor, die vielleicht eine romantische Lampionfahrt buchen möchten.

Langsam füllten sich die Straßen, beispielsweise mit langen Schlangen großer Touristengruppen (aus China, wie wir mutmaßten), die ihren Leadern, die kleine Fähnchen hochhielten, hinterherdackelten. Die sahen irgendwie alle nicht so richtig glücklich aus. Naja, es reisen halt nicht alle so privilegiert wie ich mit meinen Familienanschlüssen hier… Außerdem waren vermehrt Fahrrad-Rikschas auf den Straßen unterwegs. Meiner Vietnam-erfahrenen Schwester zufolge war das in den Städten früher durchaus auch eine Methode der Einheimischen, um sich von A nach B fahren zu lassen. Mit dem steigenden Wohlstand allerdings haben heute viele mindestens ein Moped, oder sie nutzen auch die Grabs. Dies degradierte die Rikschas zu einer reinen Touri-Sache, seither fährt meine Schwester, die sich (glaube ich) allenfalls bedingt als Touristin begreift, nicht mehr gerne mit den Dingern. Naja, ich bin ja schon 100% Touri, also könnte ich schon… naja, ein Grab ist einfach schneller.

Nachdem wir unsere Coconut-Coffees ausgetrunken hatten, verweilten wir noch einen Moment und suchten uns dann den größten Teil des Restes der Reisegruppe (außer meinem Schwager). Wir fanden sie zwei lokale weiter am Fluss. Aber wir hatten unterschiedliche Pläne, meine Schwester wollte mir noch eine japanische Brücke zeigen, die hier zu einem japanischen Viertel führen sollte. Als wir ankamen, stellten wir leider fest, dass diese gerade saniert wurde. Also drehten wir noch eine Runde um den Block. Langsam wurde es Abend. Wir hatten um 18.00 Uhr eine Show „Teh Dar, exotic vietnamese tribal live on stage“ gebucht. Da lief in der Reisplanung auch unter dem Namen „Bambus-Zirkus“.

Mehr als eine halbe Stunde vor Beginn waren wir alle vor Ort, es gab einen heißen oder kalten Zitronentee auf’s Haus, wir hatten aber Platzkarten, und ich beschloss, noch eine Ingress-Runde um den Block zu drehen und unterwegs noch ein Huda zu erwerben und zu zischen, was ich auch tat. Meine Schwester informierte mich, dass inzwischen der Einlass begonnen hätte, aber dennoch kein Grund zur Eile bestünde, dennoch nahm ich die kleinere, mögliche Runde und fand mich alsbei wieder am „Lune Theater“ ein. Das war ein kuppelförmiges Gebäude, welches meine Schwester, mein Schwager und ich dann betraten. Wir hatten zusammenhängende Plätze rechts der Bühne, der Rest der Reisegruppe (die U30-jährigen) saßen auf der anderen Seite. Ich hatte leider das Problem, dass ich nicht nur durch mein erwähntes Problem mit dem Steiß Probleme mit dem Sitzen hatte, sondern zusätzlich mit der rechten Hüfte, weil die Sitze nur so halb hoch waren und ich die Gräten aufgrund des geringen Sitzabstandes nicht ausfahren konnte.

Daher hatte ich leider die ganze Stunde Schmerzen in mehreren Körperteilen und konnte die Show icht so richtig genießen und dachte die meiste Zeit „Hoffentlich ist das bald vobei“. Damit tat ich allerdings den Akteuren auf der Bühne schon unrecht, weil die durchaus ablieferten. Die Darsteller:innen waren unterschiedlichen Alters, die jüngsten noch Kinder, einige vielleicht Teenager oder junge Erwachsene, die ältesten schon älter, wenn auch keine Senioren (das ist ohnehin für mich bei den Vietnamesen schwer einzuschätzen, vielleicht waren einige, von denen ich dachte, es sind vielleicht Teenies, schon erwachsen). Die männlichen waren oberkörperfrei und allesamt sehr durchtrainiert. Bei den weiblichen konnte man das aufgrund mehr Oberbekleidung nicht so gut sehen, aber für sie galt wahrscheinlich dasselbe.

Denn künstlerisch war das Ganze eine Mischung aus Athletik, Tanz, Schauspiel und Musik. Die Darsteller zeigten eine Choreographie mit Flicflacs und Salti und vollführten mit teilweise aufgehängten, teilweise von anderen Akteuren gehaltenen, teilweise miteinander verbundenen Bambusstangen faszinierende Kunststücke. Inhaltlich stellte das Ganze das Leben eines Stammes dar – tatsächlich der Jarai, zu denen ja auch die Freundin meines Neffen gehört (das ist eine ethnische Minderheitsgruppe, von der es in Vietnam etwa 500.000 Leute gibt, in Kambodscha weitere 50.000). Weil alle Sprachbeiträge nicht in Vietnamesisch, sondern in Jarai (die Sprache heißt genauso), gehörte also die Freundin meines Neffen zu den vermutlich sehr wenigen im Theater, die verstanden hat, was gesagt wurde. Dennoch war zu verstehen, dass es um Jagd und Krieg und Ernte ging – und um die Nachfolge des Obersten des Stammes. Der war anfangs durch einen amtlich aussehenden Stab zu erkennen, der später an ein jüngeres Mitglied des Stammes weitergegeben wurde.

Eine Szene, bei der ein junger Mann und eine junge Frau an der Spitze eines rotierenden Bambusrohres in luftiger Höher Kunststücke vollführten, erinnerte mich an die Szene mit Zac Efron und Zendaya am Trapez aus „The Greatest Showman“ zu dem Song „Rewrite The Stars“, zumal beide auch ausgeprochen attraktiv waren. Die junge Dame war auf jeden Fall nach meinem Geschmack die hübscheste des ganzen Ensembles, allerdings auch noch sehr jung (wie gesagt, nicht einfach einzuschätzen).

Die Ernte-Szene, die ausschließlich von Darstellerinnen gespielt wurde, gehört zu meinen Favoriten der Show. Die Damen trugen einen Korb auf dem Rücken. Anfangs stellten sie halb-pantomimisch das Einsammeln von Ernte dar. Danach standen sie im Kreis um eine große Trommel, hatten aber alle noch eine kleinere Trommel vor sich. Es waren dann Bälle im Spiel, doppelt so viele wie Darstellerinnen, und die warfen sie dann erst auf ihre persönliche Trommel, von wo aus sie dann entweder ihrem Gegenüber, oder im Kreis herum abprallten. Das Ganze war also eine rhythmische Jonglier-Nummer, und das klang super und sah auch super aus.

Mit gefielen vor allem die artistischen Darbietungen. Einige Szenen waren eher ein wenig meditativ. Und da ich halt Schmerzen hatte, dachte ich dann immer, es möge bitte mal vorangehen. Außerdem nervte mich, dass man insgesamt sehr eng saß und dass irgendwo jemand nicht so ganz verstanden hatte, dass man doch bitte sein Smartphone lautlos stellen sollte, und immer wieder dudelte ein Benachrichtigungston eines Samsung-Handys für eingehende Nachrichten. Mann!

Nach einer für mich schmerzhaften Stunde war die Show vorbei. Es hat mir schon gefallen, was die überwiegend jungen Darsteller:innen auf die Bühne gebracht haben, aber es war halt schmerzhaft, und mit 700.000 Dong ein deutlich schlechteres Preis/Leistungsverhältnis als die Korbboot-Fahrt, wo ich sehr viel angenehmer gesessen habe.

Hội An bei Dunkelheit

Leider ging es meiner angeschlagenen Mitbewohnerin nicht mehr so gut. Immerhin hat sich der Trip nach Hội An für sie schon auch alleine schon gelohnt, weil sie sich da zwei Kleider gekauft hat. Ihr Freund, der ein Kindheitsfreund meines Neffen ist (dessen ganze Familie ist mit der Familie meiner Schwester seit vielen Jahren quasi seit Krabbelgruppe der Kinder eng befreundet, die Eltern waren auch schon zweimal in Viet Nam) lässt sich in Hội An einen Anzug schneidern. Man kann sich da halt einen maßgeschneiderten Anzug für etwa das Geld machen lassen, dass man bei C&A für einen Anzug von der Stange lassen würde. Oder auch Schuhe. Oder Rucksäcke.

Lampen an in Hội An!

Ich persönlich möchte hier nicht so viel kaufen, um mein Gepäck leicht zu halten, aber ich brauchte halt einen Sonnenhut und habe mir in Hội An noch Sandalen gekauft, weil ich keine dabei habe.

Wie auch immer, nach der Show im Bambus-Zirkus hieß es, den Heimweg nach Da Nang anzutreten. Da ich an dem Tag schon recht viel Geld ausgegeben hatte, entschied ich mich, das Abendessen mal ausfallen zu lassen und kaufte nur schnell im Supermarkt neue Getränke (okay, ich geb es zu, ein paar Huda-Biere zum bloggen, daher kommen übrigens auch alle Tippfehler) zu kaufen. Dann ging ich zum Hotel zurück.

Dort angekommen war es gerade einmal gegen 20.30 Uhr, also fuhr ich zunächst wieder in den 22. Stock, um mir die Rooftop-Lounge und den Infinity-Pool anzusehen. Dort war kaum etwas los. Es kamen noch ein paar Leute dazu, auch ein badender Mann, und ein paar junge Damen. Aber es war sehr leer. Der Pool sah schon einladend aus, und die Cocktails waren auch günstiger als im „Paradise“, der Strandbar vor dem Hotel. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, noch mal schnell in die Badehose zu schlüpfen, entschied mich aber, lieber ein paar Huda zu trinken und diesen Blogeintrag zu schreiben. Was ich dann, zurück in 1101, auch tat. Jetzt noch schnell ein paar Bilder hinzufügen, dann ab ins Bett!

Schon einladend: Der Infinity-Pool auf dem Hoteldach. Vielleicht schaff ich das morgen noch…

Vorschau: Morgen sieht das ursprüngliche Programm meines Neffen und seiner Freundin für Da Nang eine Fahrt zu einem buddhistischen Tempel, Chùa Linh Ứng, vor. Von hier am Strand aus kann man da eine Statue einer „weiblichen Buddha“ sehen. Was es damit auf sich hat: Bisher keine Ahnung, ich war ja noch nicht da. Wir wollen diesmal nicht mit einem gecharterten Bus, sondern individuell (ein Grab-Car für meine Family, eins für mich uns meine Mitbewohner im Hotel) dorthin fahren. Wir haben und noch nicht festgelegt, wann genau, aber wir wollen ausschlafen. Ansonsten steht im Programm zwar (als Möglichkeiten): Beach Barbecue und abends Modern Jive Dance, aber die beiden Punkte lassen die meisten von uns vielleicht ausfallen. Beach Barbecue wäre viel Aufwand für meinen Neffen und seine Freundin, die Jive-Sache ist eher deren Ding, das aber für alle offen ist, man kann entweder selbst tanzen oder einfach zusehen und dabei einen Drink nehmen.

Insgesamt ist es so, dass wir morgen vorerst den letzten Tag in Da Nang haben. Übermorgen starten wir mit einem gecharterten Bus auf eine Rundreise, die uns erst zu einigen Sehenswürdigkeiten, später nach Pleiku zum Têt-Fest mit den Eltern der Freundin meines Neffen führen wird. Das bedeutet: Viel Zeit unterwegs im Bus, viel aufeinander hocken, wenig Zeit alleine. Daher werden wir es morgen vermutlich etwas entspannter angehen lassen, so dass jeder Gelegenheit hat, noch individuelle Dinge zu erledigen. Ich zum Beispiel gehe vielleicht morgen mal in den Rooftop-Pool und ziehe vielleicht noch ein bisschen alleine durch die Stadt. Mal sehen. Ihr könnt es dann ja nachlesen.

Bis denne.

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Der Kaiserin ihr seine neuen Kleider

Da Nang, im Hotel, 22.44 Uhr

Für den heutigen Tagestrip war einigermaßen frühes Aufstehen angesagt, der Wecker stand auf 07.00 Uhr – und der Weckton war aus. Um 07.10 Uhr weckte mich allerdings der Benachrichtigungston einer eingegangenen Textnachricht. Er kam von meiner Hotelmitbewohnerin ein Stockwerk tiefer, „Frühstück um 7.20 Uhr?“ – „Nee, schaffe ich nicht, mein Plan ist 7.40 Uhr.“ Naja, schnell duschen, zähneputzen, anziehen, und um 07.40 traf ich dann meine Mitbewohner beim Frühstück. Abholung zum Tagestrip am Hotel war um 08.10 Uhr angesagt gewesen und ich wollte pünktlich am Start sein, also nahm ich nur ein kleines, schnelles Frühstück und fand mich pünktlich in der Sitzgruppe am Hoteleingang ein. Aber wie das immer so ist, es verspätete sich dann doch alles noch mal um 10-15 Minuten.

Dieses Bild, aufgenommen im Flughafen Istanbul, hat hier überhaupt keinen Zusammenhang zum Text. Es ist ein Running Gag in diesem Blog, wer mir schon länger folgt, weiß, worum es geht. Wer es wissen möchte, lese über meinen Besuch bei Macy’s in New York nach…

Die Fahrt ging nach Norden, das Ziel war die alte Kaiserstadt in Huê. Die Fahrt dorthin dauerte mit dem gecharterten Transporter (samt Fahrer) ungefähr zwei Stunden netto. Die Fahrt führte über den Hai Vân Pass (Wolkenpass). Wir fuhren die Serpentinen da hoch und stoppten oben an der ehemaligen Grenze zwischen Nord- und Südvietnam am 17. Breitgrad. Hier gab es noch einige Betonbunker, die wohl wirklich aus der Zeit des Krieges stammten, und eine neue, symbolische Befestigungsmauer, die offenbar neu als Symbol der historischen Landesgrenze gebaut wird. Dazu Parkplätze und Shops, die Getränke, Souvenirs und anderes feilboten. Da ich keinerlei Sonnenhut hatte, erwarb ich einen solchen dort. „Wolkenpass“ ist wörtlich zu nehmen, denn einige Wolken haben wir dort auch auf unserer Höhe vorbeiziehen sehen. Der Blick war zwar gut, aber die Sicht etwas durch tiefhängende Wolken beeinträchtigt.

Der Wolkenpass hat seinen Namen nicht ohne Grund.

Irgendwann fuhren wir weiter. Der nächste Stopp fand an einem Strand statt, wo es wieder Möglichkeit gab, Erfrischungen zu kaufen und die Toilette zu besuchen. Außerdem hatte man einen Ausblick (teilweise sogar Einblick) auf ein Perlenzuchtgebiet am Strand. Hier blieben wir eine Weile, bevor wir zum eigentlichen Ziel, der alten Kaiserstadt in Huê weiterfuhren.

Perlenzucht

Zum geschichtlichen Hintergrund: Die Nguyễn-Dynastie war die letzte Kaiserdynastie, die in Vietnam regierte. Nicht alle Nguyens (der Name ist in Vietnam so häufig wie Meier oder Müller in Deutschland) stammen tatsächlich von dieser Dynastie ab, der Name wurde teilweise einfach angenommen, weil er aufgrund seiner Geschichte sehr populär war. Im heutigen Huê liegt die alte Stadt der letzten Kaiser, die heute UNESCO-Welterbe ist. Sie ist teilweise verfallen, wird aber mit UNESCO-Mitteln nach und nach wiederhergestellt. Meine Schwester, die schon oft bei ihren um die 20 Vietnamreisen an diesem Ort war, erzählte vom Fortschritt dieser Arbeiten.

Die Zitadelle der Kaiserstadt, ein klassisches Fort.

Um den Besuch der Stadt für Besucher besonders authentisch zu gestalten, gibt es die Möglichkeit, sich entsprechende Kleidung auszuleihen. Man kann so in die Rolle von Kaiserin oder Kaiser, Prinz oder Prinzessin oder auch Bewohner:innen niedrigeren Standes schlüpfen. Dies ließen sich zwei weibliche und ein männliches Mitglied unserer Reisgruppe nicht entgehen und ließen sich im Kostümverleih mit entsprechender Gewandung ausrüsten. Dazu gehörten auch passende Schuhe und Accessoires. Die drei sahen dann auch super aus. Drei Leute der Reisegruppe, unter anderem ich, verzichteten auf das Erlebnis und kümmerten uns mehr darum, die Fotos der gewandeten Leute vor den historischen Kulissen zu schießen.

Das „Kaiserliche Paar“.

Nach der äußerlichen Verwandlung der „Kaiserlichen Drei“ begaben wir uns erst vor, dann in die Stadt und begannen damit tonnenweise Bilder der „Kaiserlichen“ in den verschiedenen Kombis miteinander und vor verschiedenen Hintergründen zu schießen. Das verbanden wir dann auch, die Stadt zu besichtigen. Wir hatten uns dazu etwas mehr als anderthalb Stunden Zeit eingeplant und einen Treffpunkt vereinbart. Meine Mitbewohner machten sich bald individuell auf die Socken, ich blieb ziemlich lange bei meiner Schwester, meinem Neffen und seiner Freundin. Wir besichtigten einige Gebäude von innen, unter anderem das kaiserliche Theater, welches heute von innen so ausgestattet ist, dass dort Musik- und Theateraufführungen stattfinden können, es gibt eine komplette Bestuhlung, Kulissen und modernes Equipment zur Beleuchtung. Wir sahen die Schatzkammer und die kaiserlichen Gärten mit penibel beschnittenen Bäumen und Sträuchern sowie diverse Teiche, in denen Koi-Karpfen und andere Fische ihre Runden drehten. Zwischendurch knipsten wir immer einmal wieder Bilder des „Kaiserlichen Paares“ (mein Neffe und seine Freundin).

Ich hatte irgendwann festgestellt, dass ich nicht mehr so recht Lust auf den kulturellen Input hatte. Ich gestehe, dass ich mir ziemlich ignorant vorkomme, aber irgendwie fehlt mir einfach der Bezug zur hiesigen Kultur und Geschichte. Insgesamt bin ich eher ein Cretin, was Geschichte angeht, die vor dem vergangenen Jahrhundert stattgefunden hat (angeblich wiederholt sich die ja ohnehin ständig, weil wir nichts aus ihr lernen). Daher hatte ich ich irgendwann genug von der Besichtigung der prächtig wiederhergestellten Gebäude und der üppigen Teich- und Gartenareale. Da ich festgestellt hatte, dass hier noch viel Ingress-mäßig (Ingress ist ein Spiel, welches per GPS und Smartphone in der echten Welt an echten Orten gespielt wird, ich spiele das seit 11 Jahren, wo immer ich bin) zu erschließen war, setzte ich mich dann auch etwa 40 Minuten vor dem Treffen zur Abholung an einem der Stadttore ab und holte das ein wenig nach. Die Zeit reichte nicht, um das Areal komplett zu erobern, aber ich machte, was ging, bevor ich mich pünktlich am Treffpunkt einfand.

Das kaiserliche Theater

Unser Transporter mitsamt Fahrer und meines Schwagers, der nicht mit auf Besichtigungstour gegangen war (der war an dem Ort vermutlich auch schon sehr oft), holte uns zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort ab. Die Stimmung war aus verschiedenen Gründen etwas angespannt. Zum einen war der gedungene Fahrer, mit dem die Freundin meines Neffen, die ihn und den Transporter gebucht hatte, auf Vietnamesisch diskutierte, kein so guter Dienstleister. Der machte nicht einfach, was seine Kunden wollten, sondern musste immer erst diskutieren und alles besser wissen. Das war nervig für die Freundin meines Neffen. Zum anderen ging es einer Mitreisenden gesundheitlich zunehmend schlechter, sie entwickelte Fieber und andere Symptome. Und ich selbst war auch unentspannt, weil ich mit mir selbst nicht zufrieden war.

Denn der ganze Ausflug war nicht so recht nach meinem Gusto, viel Fahrerei und Sitzen im Auto für eine Sache, die mich nicht so recht interessierte. Aber damit haderte ich, weil mir andererseits erstens klar war, dass mein Neffe und seine Freundin das liebevoll für uns geplant war, andererseits mir der Plan auch detailliert mitgeteilt worden war und ich hatte ja keine Einsprüche erhoben. Ich kam mir undankbar vor, konnte aber auch nicht recht aus meiner Haut. Daher war ich leider nicht sonderlich gesellschaftsfähig. Insbesondere tat es mir leid für die Freundin meines Neffen, die wirklich der ganzen Gruppe so super hilft, wo immer es geht. Sei es beim Vorbereiten und Mitnehmen leckerer Früchte als Snacks unterwegs, beim Kümmern um Abliefern und Wiederaufpicken von Wäsche bei einer günstigen Wäscherei unterwegs, bei der Versorgung mit Medikamenten bei gesundheitlich angeschlagenden Mitreisenden, sei es bei der Organisation von Unterkünften und Transfers oder beim Verbreiten guter Laune …. Sie ist einfach eine großartige Person, die fleissig und kompetent ist und sich mit allem unglaublich viel Mühe gibt.

Das „Kaiserliche Paar“ im Theater

Nun, es war die ganze Zeit auch recht warm, und ich hatte nach der Besichtigung der Kaiserstadt auch irgendwie genug der Fahrerei und Kultur für einen Tag. An sich war noch der Besuch einer Pagode bzw. von Grabstätten angesagt, aber ich meldete bei meiner Schwester schon an, dass ich da gerade nicht mehr so viel Lust dazu hatte. Außerdem besprach ich das mit meiner Mitbewohnerin, der es leider zunehmend schlechter ging (ihr allerdings physisch). Wir besprachen dann beim einem Mittagessen, welches wir in einer bescheidenen und preisgünstigen Garküche (unser versnobter Fahrer, der uns erst an einer teureren Location unterbringen wollte, hat offenbar gefragt, wie wir an einem solchen Platz essen könnten?) zu uns nahmen. Ich hatte eine Nudelsuppe mit verschiedenen Fleischsorten, wie auch meine Familie. Es hat mir ganz gut geschmeckt, wenn auch einige der Fleischeinlagen mit zu knorpelig und/oder fettig waren. Dazu gab es ein Huda-Bier, hinter dem die Carlsberg-Brauerei, in dessen Name aber auch der Name der Stadt Huê steckt. Das kriegt man hier überall, neben „Tiger“ aus Singapur und „Bia Saigon“.

Da meine Family alle Sites, die noch auf der Tagesliste standen, durchaus schon kannten, und alle „Vietnam-Newbees“, also der Freund meines Neffens, seine Freundin und ich, eher schon auf irgendeine Art am Limit waren, wurde während des Essen beschlossen, noch am Hương Giang (Parfüm-Fluss) Kaffee zu trinken. Der Fluss heißt meiner Schwester zufolge so, weil auf ihm einst viele Gewürze transportiert wurden, von denen intensiver Duft ausging. Wir fanden ein Café im fünften Stock eines Gebäudes der 350.000-Einwohnerstadt Huê, wo wir verschiedene Getränke (und ich Vanilleeis) orderten.

Der Parfüm-Fluss

Ich war irgendwie ziemlich ungeduldig und wollte wieder zurück nach Da Nang. Dabei war es eigentlich meine arme Mitbewohnerin, der es richtig schlecht ging, die sich aber sehr tapfer hielt. Nachdem alle ihre Getränke verzehrt hatten, enterten wir alle wieder den Transporter und traten wieder die zweistündige Fahrt nach Da Nang an. Wir fuhren diesmal nicht über den Pass, sondern nahmen die einfacher zu fahrende (und vielleicht auch schnellere Strecke) durch einen über 6 km langen Tunnel.

Wieder in Da Nang fuhren wir die Wäscherei an, wo viele Mitglieder unserer Reisegruppe über die Freundin meines Neffen Wäsche haben waschen lassen, während wir unterwegs auf dem Tagesausflug waren, und bekamen die gewaschene Wäsche wieder (20.000 Dong / < 1 Euro pro kg). Das war wirklich super organisiert. Anschließend wurden meine Mitbewohner und ich und ich am Hotel abgesetzt. Ich suchte mein Zimmer auf, ebenso meine Mitbewohner. Mein Schwager ließ sich bei der Wohnung meines Neffens und seiner (übrigens großartigen, habe ich das schon erwähnt?) Freundin absetzen. Meine Schwester, mein Neffe und seine Freundin gingen zur nächsten Apotheke, um Medikamente und Elektrolyte für meine erkrankte Mitbewohnerin zu besorgen. Während ich mich kurz neu organisierte (auch mental), lieferten die die Sachen eine Etage unter mir ab und begaben sich dann zu einem veganen Restaurant in der Nähe des Hotels.

Während der Fahrt war ich mir nicht sicher gewesen, ob ich heute noch irgendwie gesellschaftsfähig sein könne, entschied mich dann aber doch dafür, noch mit meiner Family (abgesehen von meinem Schwager) was zu Abend zu essen. Das Restaurant der Wahl war nur sieben Minuten zu Fuß vom Hotel entfernt, die anderen hatten knapp fünf Minuten Vorsprung. Ich ließ mich also von Google dorthin führen.

Im Restaurant checkte ich die Karte, die haben echt tolle Bowls, und die auch recht günstig für europäische Verhältnisse. Meine Schwester nahm eine „Smoothie Bowl“, also ein Gericht, das aus teilweise geschnittenen, teilweise pürierten Früchten bestand. Das sah auch super lecker und super gesund aus. Ich entschied mich für eine Portion Süsskartoffelfritten mit einer veganen Mayonaise und einen Mango-Madness-Shake auf Soja-Milch-Basis.

So sieht das aus, wenn man Grab per Moped fährt

Nach dem Essen verabschiedete sich die Freundin meines Neffen und nahm ein Moped-Grab zurück zu ihrer Wohnung, während meine Schwester, mein Neffe und ich noch einen Cocktail in einer Strandbar zu uns nehmen wollten. Nachdem wir mehrere abgeschritten und auf die Nervigkeit und Lautstärke ihrer Musik hin geprüft hatten, landeten wir in „Paradise“, direkt vor meinem Hotel, wo ich schon mal eine Piña Colada getrunken habe. Ich nahm entschied mich diesmal für einen Long Island Ice Tea, meine Schwester für einen Singapore Sling und mein Neffe für einen Hawaiian Zombie. Leider haben die Vietnamesen das nicht so drauf, Getränke oder Essen so zu servieren, dass man das gemeinsam konsumiere kann… mein Drink kam lange vor den anderen.

Long Island Ice Tea

Nach den Drinks am Strand (ich war halt dann auch als erster durch) verabschiedete ich mich, bezahlte, und suchte noch einen 24/7-Supermarkt in Hotelnähe auf, um neue Getränke zu kaufen. Dort erreichte mich mein Neffe per Whatsapp-Sprachanruf, man habe eine Hotelkeykarte an ihren Tisch gebracht – natürlich wars meine, die mir aus der nicht so tiefen Tasche meiner Shorts gerutscht war. Glück im Unglück. Also holte ich mir die schnell noch beim „Paradise“ ab, wo meine Schwester und mein Neffe gewartet hatten, bevor sie auch mit einem Grab zur Wohnung meines Neffen uns seiner Freundin zurückfuhren.

Ich ging zurück zum Hotel. Nachdem ich mal auf dem Dach nach dem Pool und der Rooftop-Lounge (schon geschlossen leider) geschaut habe, suchte ich mein Zimmer auf und schrieb diesen Beitrag.

Ausblick: Morgen soll es nach Hội An gehen. Das ist eine Stadt südlich von Da Nang, ganz in der Nähe, nur 30 Minuten Fahrt mit dem Auto lt. Google Maps. Hier gibt es auch eine historische Stadt zu besichtigen, wir wollen mit Korbbooten (was immer das ist) fahren, vielleicht shoppen gehen … Abends sind wir in einer Art Zirkus, wo Akrobaten Künststücke mit Bambus vorführen. Man wird sehen, ich werde berichten.

Bis denne.

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Marmorne Berge, Kaffee mit Kokosnüssen, salziges Wasser und feuerspuckende Drachen

Da Nang, im Hotel 11. Stock, 18.02 Uhr Ortszeit.

Gestern, nachdem ich meinen Blogeintrag geschrieben hatte, entschied ich mich, noch kurz auf einen Cocktail zum Strand zu gehen. An der Bar unmittelbar beim Hotel empfing mich direkt eine bekannte Melodei, und ein junger Aushilfs-Sinatra begann prompt, „Girl vom Ipanema“ zum Playback zu singen. Na, wenn das mal nicht klischeehaft ist…

Es gab auch viele Sitzgelegenheiten und eine große Leinwand, auf der Asia Cup (Australien gegen Südkorea) lief. Nachdem ich mich dem Wasser genähert hatte, bestellte ich mir an der Bar eine Piña Colada und setzte mich damit auf einen Liegestuhl mit Blick auf das Meer.

„If you like Piña Colada, getting caught in the rain. If you’re not into yoga, if you have half a brain…“

Nach meinem Drink begab ich mich zurück ins Hotel zur Nachtruhe.

Mein Wecker war zu 08.30 Uhr gestellt, aber ich war schon um 08.00 Uhr wach. Also erledigte ich die Morgenroutine und begab mich in die dritte Etage zum Frühstück, was inklusive war. Übrigens in einem 4,5 Sterne-Hotel, welches der Freund meines Neffens für 216 Euro für 5 Nächte (Neujahrs-Special) geschossen hat. Mit großen Zimmern, großzügigem Bad inkl. Badewanne, Rooftop-Infinity-Pool, Fitness-Center und was weiß ich nicht noch allem. Ich war noch nie so luxuriös untergebracht. Der Strand ist einfach nur auf der anderen Straßenseite.

Mein Zimmer, vom Schreibtisch aus gesehen. Das Bad hat eine gläserne Wand, dahinter sieht man die Badewanne. Die nutze ich wahrscheinlich nie – ich hab schließlich den Rooftop-Pool und das Südchinesische Meer als Alternativen…

Um 08.30 Uhr war ich im Frühstücksraum. Das Buffet war riesig. Es gab asiatisches Frühstück (Nudelsuppe und andere warme Gerichte), europäisches Frühstück (mit verschiedenen Brotsorten, Croissants und anderen Backwaren und Aufstrichen), amerikanisches Frühstück (mit Pancakes und Eiern, die man sich nach Gusto frisch zubereiten lassen konnte), Joghurt, Cerealien … und selbst der Kaffee schmeckte ganz gut (das können die Vietnamesen nicht unbedingt so nach europäischem Geschmack, außer natürlich Coconut-Coffee, aber dazu später). Ich nahm erst nur etwas zu trinken, weil ich noch auf den Freund meines Neffen und seine Freundin wartete. Dann nahm ich eher ein einigermaßen leichtes Frühstück zu mir, weil ich nicht mit so vollem Bauch zu den Marmorbergen (dem heutigen Sightseeing-Programmpunkt) wollte.

Heute mal leichtes Frühstück, eher europäisch.

Okay, ich holte mir noch ein paar Pancakes dazu… Nach dem Frühstück bestellten wir uns zu dritt ein Grab (4-Seater Car) zur Ticket-Booth der Marmorberge. Wir kriegen gegebenenfalls unsere Meeting-Points mit meiner Familie per Whatsapp und können die einfach in die Grab-App kopieren und die Fahrt dann buchen. Ist echt einfach.

Angekommen an den Marmorbergen (wenn ich es richtig verstanden habe, sind das eigentlich Berge, die viel Marmor enthalten, trafen wir den Rest der Crew außer meinen Schwager, der nicht an dem Ausflug teil nahm sondern lieber ein Auszeit nahm. Wir lösten Tickets und nahmen nicht den Aufzug, sondern die steilen Treppen nach oben. Dort, wohin der Aufzug führt, befindet sich eine Pagode, ein Tempel für religiöse Handlungen wie Meditation, der offen für Touris ist, solange man die Schuhe auszieht und sich benimmt. Ich glaub, ich hätte mein Bier nicht mit reinnehmen dürfen (nur Spaß, ich war gar nicht drin). Ansonsten viele Drachen, Figuren, Buddhastatuen… soweit ich meine Schwester verstanden habe, war das mal eher wirklich ein religiöser Ort für Andacht und innere Einkehr, aber inzwischen ist es eher eine Touristenattraktion. Es gibt noch eine andere, ältere Pagode, die wir auch von außen gesehen haben, die wirklich eher noch dem ursprünglichen Zweck dient.

Drachen überall … auch hier in den Marmorbergen

Die Marmorberge sind insgesamt ein größerer Komplex von Hügeln und Höhlen, wir haben auch nicht alles komplett erkundet, weil ein Mitglied der Reisegruppe gesundheitlich etwas angeschlagen ist und wir auch so schon echt viel Zeit dort verbracht haben. Immerhin kletterten wir bis zum Gipfel, und dabei haben wir zwar viele Treppen mit Geländer erklommen, aber einige Ecken waren nur durch ein bisschen Felskletterei zu erreichen. Ich bin froh, dass ich das mit meinem Hüftschaden alles gepackt habe, es gab ein paar schwierige Ecken. Auch waren wir in einer der Höhlen, in der auch beleuchtete Statuen zu sehen waren.

In einer der Höhlen… die Göttin des Lichtes preist die Erfindung von Thomas A. Edison … oder so ähnlich

Unterwegs zum Gipfel gab es tolle Aussichtspunkte, von denen aus man absolut tolle Bilder machen konnte. Die Kletterei hat sich dafür wirklich gelohnt, ich habe aber viel Schweiß gelassen. Zum Glück gab es zwischendurch Möglichkeiten, sich auszuruhen und Wasser, Kokosnüsse und andere Drinks zu kaufen. Ein Wasser kostete zwar 20.000 Dong (so 80 Cent) und war damit sauteuer (im Supermarkt kostet es zwischen 5.000 und 10.000 Dong), aber äh, ich bin ja im Urlaub, da kann ich es auch mal richtig krachen lassen!

Zurück am Fuß des Berges nahm ich mit meinen Hotel-Mitbewohnern ein Grab-Car zurück zum Hotel. Der Freund meines Neffen und seine Freundin zogen es vor, zwischenzeitlich ihre eigenen Wege zu gehen, ich hatte mich mit meiner Family zum Kaffeetrinken und einen Mittagssnack in einer Location in der Nähe des Hotels (10 Minuten zu Fuß) verabredet, die die Locals hier (mein Neffe und seine Freundin empfahlen). Mein Neffe hatte auch mal eine Wohnung hier in der Nähe, seine Freundin hat hier in diesem Hotel mal gearbeitet, also kennen beide die Ecke hier gut. Nachdem ich noch kurz ein paar Sachen ins Hotelzimmer gebracht hatte, ging ich bestens gelaunt zu dem kleinen Café. Unterwegs wurde ich von einem Moped-Fahrer angequatscht, der mich fragte, woher ich sei. Germany. Hamburg? Yes, exactly! Ich dachte erst, er wolle mir, wie viele Moped- oder auch Autofahrer eine Fahrt irgendwohin verkaufen. Es ging aber um „Bum-bum Massage“, was ich nicht so richtig verstand (klang auch eher wie „Bum-bum Massa“. Bis er mir auf dem Handy ein Bild einer leichtbekleideten Dame zeige. Aaaach so, daher pfeift der Wind. Ich sagt nur „Beautiful, but thanks“ und ging meiner Wege.

Im Café gab es einen Coconut-Coffee und ein paar Frühlingsrollen. Ich war bisher nicht unbedingt ein Freund geeister Kaffees, aber der Coconut-Coffee war der Hammer! Richtig lecker.

Im Café für Frühlingsrollen und Coconut-Coffee

Danach machte ich mich wieder auf den Weg zuück ins Hotel, unterwegs besorgte ich noch Getränke. Ich hatte mich vielleicht mit den anderen etwas missverstanden, es sah erst so aus, als würde keiner mehr wirklich an den Strand wollen, aber ich bekam dann doch noch die Nachricht in der „Good Morning, Vietnam“-Chatgruppe, dass meine Schwester und mein Neffe doch noch baden wollten und wir verabredeten und für den Strand direkt vor meinem Hotel.

Nachdem ich mich in eine Badehose gezwängt, ein Handtuch übergeworfen und zwei Bier eingepackt hatte, fuhr ich mit dem Fahrstuhl runter und überquerte die Straße vor dem Hotel. Noch niemand von den beiden zu sehen. Hm. Es hingen roten Flaggen mit „Baden verboten“-Schildern da, also machte ich nur erst mal die Füße nass und wolle mich aufs Handtuch packen. Indes, das ist nicht mehr sehr bequem für mich, unter anderem vielleicht wegen meines Hüftschadens. Immer noch keine Schwester, kein Neffe. Ich hatte mein Smartphone nicht mitgenommen, gar keine Wertsachen, nur meine Keycard für das Hotel. Unschlüssig, ob ich ins Zimmer zurückkehren oder vielleicht ein paar Hundert Meter weiter schauen sollte, ob vielleicht woanders Baden erlaubt wäre, hing ich da wie ein Schluck Wasser in der Kurve, bis meine Leute doch auftauchten.

In der Tat war das Baden zweihundert Meter weiter erlaubt, da war ein Liveguard im Dienst, der sehr lustig in einer Halbkugel im Wasser stationiert war, die ein bisschen aussah wie ein überdimensionierter, halber Moped-Helm. Meine Schwester und mein Neffe, beide sehr vietnam-erfahren, sagten mir, dass man wirklich sehr gut aufpasse. Man durfte auch nicht weiter rausschwimmen als bis zu einer Fahne/einer Leine mit Schwimmern. Da konnte man fast noch stehen, aber nicht mehr, wenn die Wellen kamen. Es war schon okay, wir hatten eine gute Zeit zu dritt im Südchinesischen Meer. Das ist ja ein Seegebiet, in dem die chinesische Marine in Hinblick auf Taiwan gerne auf dicke Hose macht, die verletzen auch gerne ab und zu die vietnamesischen Seegrenzen (12-Meilen-Linie), wenn sie in diesem Teil der Welt die Muskeln spielen lassen, wie ich erfuhr. Aber zum Glück waren keine chinesischen Kriegsschiffe zu sehen.

Wir hatten derweil Spaß in den Wellen, bis wir nach dem ausgedehnten Bad genug hatten und uns an den Strand zurückzogen. Mein Neffe und ich gönnten uns eine Dose Bier, länger als diese eine Bierlänge blieben wir auch nicht – ich kann eh nicht gut auf dem Handtuch liegen, und wir hatten ja auch noch andere Tagesordnungspunkte. Die Sonne stand auch schon sehr tief. Obwohl hier von den Temperaturen her (nach meinem Wetterempfinden zumindest…) Sommer ist, geht die Sonne gerade schon vor 18 Uhr unter. Eine ungewohnte Kombi für mich.

Nach dem Bad fuhren meine Schwester und mein Neffe mit dem Moped zurück zur Wohnung meines Neffens und seiner Freundin, ich ging auf mein Zimmer, duschte, rasierte mich und wechselte die Klamotten. Danach begann ich, diesen Beitrag zu schreiben, was ich aber dann zu unterbrechen hatte, weil die nächsten Programmpunkte anstanden.

Das waren: Zum Nachtmarkt am Fluss fahren, hier gemeinsam etwas essen und dann noch in der Nähe der Drachenbrücke etwas trinken und den Drachen Feuer speien sehen. Meine Hotelmitbewohner hatten sich ja nach dem Besuch der Marmorberge von der Gruppe getrennt und wollten auch zu zweit ein Abendessen in einem veganen Restaurant einnehmen. Ich hingegen fuhr mit einem Grab-Car alleine an den Fluss zum Nachtmarkt. Eigentlich hatte ich überlegt, bei der Gelegenheit das kleine Abenteuer als Beifahrer auf einem Grab-Moped mitzunehmen (das ist auch günstiger, kostet dann umgerechnet bei der Entfernung 1 Euro statt 1,50 Euro oder so), aber alleine bei dem Gedanken, mit meinen kaputten Gräten auf so ein Ding aufzusteigen, kriege ich bisschen Bauchschmerzen.

Drachenklauen unterwegs. Michi auch, im Grab-Car.

Unterwegs im Auto sah ich eine lustige Sache: Ein Moped zog einen Anhänger, auf dem zwei riesige Drachenklauen aufrecht standen, in dieselbe Richtung, in die wir fuhren, hinter sich her. Klar, 2024 beginnt mit dem Tet-Fest, in dessen Zeichen hier alles steht (in ganz Vietnam, ist wie Weihnachten bei uns, große Sache, es gibt auch Ferien anlässlich der Festivität), und es wird ein Jahr des Drachen. Das steht hier sogar gerade auf den Bier Saigon-Dosen drauf. und überall sind mehr Drachen zu sehen als normalerweise ohnehin schon hier. Der Drache steht für Glück und Kraft, und die Freundin meines Neffen erzählte mir, dass viele Paare ihre Kinder gerne in einem Drachenjahr bekommen wollen. Ich habe auch schon Drachen mit menschlichen Babys gesehen, vermutlich deshalb. Und die Drachklauen waren wohl für einen Drachen, der gerade noch aufgebaut werden muss. Tätsächlich hielt er unweit von meinem Ziel, beim Nachtmarkt am Fluss.

Mir war das hier erst einmal zu voll.. ich musste ja auch von der Family irgendwie gefunden werden.

Am Fluss angekommen auf dem Nachtmarkt erfuhr ich über die „Good Morning, Vietnam“-Gruppe, dass die Dinge bei der Family etwas länger gedauert hatten und ich mich noch eine Viertelstunde zu gedulden hatte. Also wollte ich den Markt alleine erkunden und ein bisschen Ingress zocken, aber ich geriet schnell in ein Gedränge, welches mir zu dicht war und durch das dann außerdem noch jemand mit einem Moped hindurch fuhr (mir war gesagt worden, dort gäbe es nur Fussgänger, nachdem mich das Moped-Gedränge beim Nachtmarkt in Can Tho eher genervt hatte). Also zog ich mich da raus und lieber meiner Wege an das Flussufer, von dem aus ich tolle Bilder vom Panorama (die Drachenbrücke, die illuminierten Hotelfassaden) machen konnte. Außerdem sag ich direkt an der Drachenbrücke Vorbereitungen für einen Drachen, der noch aufgebaut wurde – und die zwei Drachenklauen wieder, die ich auf dem Weg gesehen hatte.

Aha! Da sind also die Drachenklauen gelandet! Ich schätze, die Gerüste rechts im Bild sind tragende Strukturen des noch aufzubauenden Drachen, zu denen die aufrecht stehende Klaue in der Bildmitte dann gehört. Das kriege ich aber vielleicht nicht mehr fertig zu sehen, wir sind ja beim Tet-Fest in Pleiku.

Ich teilte meine Position über Whatsapp, und die Family (meine Schwester, mein Schwager, mein Neffe und seine Freundin) fanden mich um 19.20 Uhr an der Drachenbrücke. Wir gingen zurück zum Nachtmarkt, um dort etwas zu essen. Darüber, ob das Essen hygienisch in Ordnung wäre, hatten mein Neffe (pro) und mein Schwager (Kontra) zuvor eine längere Diskussion geführt. Am Ende vertraute ich den Locals und aß fröhlich mit. Bevor die Locals die Location zum Essen auf dem Markt auswählten, versuchten diverse Menschen mit Menükarten in der Hand, uns für die jeweiligen Stände zu begeistern. Wir gingen auch auch gefühlt zweihundert Meter Seafood mit vielen Antennentieren vorbei… nicht für mich wegen des Elektrosmog im Bauch… naja, wer mir in diesem Blog schon länger folgt, weiß, was ich meine.

Hilfe! Antennentiere ohne Ende!

Schließlich wurde von den Locals über eine Location entschieden. Wir setzen uns auf, aus europäischer Sicht, so eine Art Kindergarten-Plastiksitzgruppe. Ich hatte etwas Zweifel, ob mich als adipösen Kingsize-Europäer wohl aushalten würden, aber das klappte schon – nur wieder aufstehen war danach hart. Die Locals orderten ähnliches Essen wie am Abend zuvor: Die unvermeidlichen Sommerrollen (mit Gemüse und Garnelen), so kleine Pfannküchlein wahlweise mit Spiegelei oder Riesengarnelen drauf, Rindfleich am Bambus, vietnamesische Pfannkuchen zum rollen mit Salat in Reispapier, dazu viel Salat und natürlich die unvermeidlichen Fisch- und Chilli-Saucen. Mein Neffe und ich hatten dazu zwei Saigon Lager, die anderen frische Fruchtsäfte. Es schmeckte gut, ich probierte auch von einem getrockneten Fisch, der aber nicht so mein Ding war. Die Freundin meines Neffens besorgte sich dann auch noch eine Portion getrockneten Tintenfisch, den man gut kauen muss – da war ich dann auch direkt mal raus.

Ein bisschen Foodporn.

Nachdem die Mahlzeit beendet war, gingen wir ans Flußufer mit guten Blick auf die Drachenbrücke, insbesondere dessen Kopf. Ich erfuhr von der Freundin meines Neffens, dass Drachen Seetiere sind, daher weist der Kopf in Richtung Meer. Die Regierung hat sich Mühe gegeben, die Stadt Da Nang für Touristen attraktiv zu machen – aus meiner Sicht mit viel Erfolg. Jeden Freitag und Samstag wird die Drachenbrücke zwischenzeitlich für den Verkehr für eine Viertelstunde gesperrt, und der Kopf spuckt mehrmals Feuer in dieser Zeit zwischen 21.00 und 21.15 Uhr. Am Ende spuckt der Kopf dann noch mehrmals Wasser. Leute, die direkt davor stehen (und das vielleicht teilweise nicht wirklich wissen) kriegen dann richtig den Ar… den Popo nass gespritzt. Ein tolles Spektakel für uns Touristen, fürwahr. Es gibt auch extra Touriboote, auf denen man sich das von der Wasserseite aus ansehen kann.

Ngong Lam!

Wir hatten uns derweil auf Stühlen und an Tischen am Flussufer niedergelassen und orderten neue Runden Getränke, Bier für mich und meinen Neffen, Kokusnüsse und Zuckerrohrsaft (muss ich unbedingt auch noch probieren) für die anderen. Auch meine Mitbewohner aus dem Hotel stießen zur Drachenshow zu uns und setzen sich zu ihren Drinks. Dann begann das Spektakel und alle (ich inklusive) machten fleißig Foto- und Videoaufnahmen. War schon ziemlich cool, die Nummer.

Das ist das Ende eines Feuerstoßes. Die Bilder, wenn das Viech richtig Gas gibt, waren mir zu hoch belichtet. Ob das Teil auch Rauchringe blasen kann?
So geht das Katzenlied!

Nach der Drachenshow tranken wir unsere Drinks aus und gingen zu Fuß zum Hochhaus, in dem mein Neffe und seine Freundin hier wohnen. Ich hatte noch (auf Wunsch meines Neffen) drei Astra-Bier aus Deutschland mitgebracht, die ich in der Wohnung abliefern musste, außerdem musste ich mal klein. Und meine Hotel-Mitbewohner hatten die Wohnung noch nicht gesehen und somit auch nicht den spektakulären Blick aus deren Fenster und von deren Dachterrasse. Also fuhren wir erst in den 17. und dann in den 34. Stock hoch und knipsten noch fleißig Bilder.

Danach fuhr ich mit meinen Mitbewohnern ins Erdgeschoss, ich orderte ein Grab per App und wir traten den Rückweg zum Hotel an. Dort schrieb ich nun diese Zeilen fertig und komme nun auch zum Ende.

Vorschau: Morgen werden wir hier um 8.10 Uhr vor dem Hotel von einem von der Freundin meines Neffens organisierten Kleinbus abgeholt. Es geht unter anderem über den wohl landschaftlich schönen Hai Vân Pass zur „Imperial City of Huê“, der Hauptstadt des letzten, hiesigen Kaisers. Nun, ich habe keine Ahnung, aber ich lasse mich mal überraschen.

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Warten auf Aufzüge in Da Nang

Da Nang, Hotel Hainan Beach, 21.33 Uhr Ortszeit (GMT+7)

Der Flug nach Da Nang verlief ereignislos. Als reine Flugzeit verlautete eine Stunde und zehn Minuten aus dem Cockpit. Ich begnügte mich damit, aus dem Fenster zu schauen. Vor der Landung konnte ich schon einiges von Da Nang sehen. Da auch dieser Flughafen eher übersichtlich ist, mussten wir nur kurz bis zu einer Parkposition rollen, von der uns ein Bus abholte und in eigentlich nur ein paar Meter über das Vorfeld zum Terminal überbrückte, die man halt nicht zu Fuß gehen darf.

Landung in Da Nang
Kurz vor der Landung in Da Nang

Das Wetter war sonnig, mit 27 Grad etwas kühler als in Can Tho, wo die Termperatur tagsüber oberhalb von 30 Grad gelegen hatte. Die Freundin meines Neffen hatte einen Kleinbus samt Fahrer organisiert, mit dem sie uns vom Fughafen abholte. Auf der Fahrt konnte man schon einiges von der Stadt sehen, den Hàn-Fluss, moderne Brücken und Hochhäuser. Im Hotel checkten wir ein, wobei wir etwas Unterstützung von der Freundin meinen Neffen hatte, die hier mal gearbeitet hat und noch die Leute an der Rezeption kannte. Der Freund meines Neffen, der mit uns hergeflogen war, und seine Freundin blieben erst einmal auf ihrem Zimmer und ruhten sich aus. Ich brachte nur schnell meinen Koffer auf mein Zimmer im 11. Stock und fuhr dann mit der Freundin meines Neffen, meiner Schwester und meinem Schwager zu dem Hochhaus in der Nähe des Flusses, wo mein Neffe mit seiner Freundin wohnt.

Pazifik
Das Südchinesische Meer vom Hoteleingang aus

Das Gebäude ist sehr modern, wir fuhren mit dem Aufzug in den 17. Stock, wo die beiden ihre Wohnung haben. Es gab Tee und Snacks auf der Couch. Mein Neffe war noch bei der Arbeit, kam dann aber später dazu. Mein Neffe, seine Freundin und mein Schwager wollten noch Bankgeschäfte erledigen, meine Schwester und ich nutzten die Zeit für eine Siesta – sie im Gästezimmer, in dem sie untergebracht war, ich auf der Couch.

Nachdem die drei wiedergekommen waren, fuhren wir mit dem Aufzug zu den Dachterrassen des Gebäudes. Hier schien noch einiges im Bau zu sein, so richtig gemütlich war es dort nicht, aber die Aussicht war dafür umso beeindruckender. Man konnte den Hàn sehen, die Drachenbrücke und die Segelbrücke darüber, viele Hochhäuser und das Meer. Ich machte sehr viele Fotos dort oben. Es war anfangs kurz vor Sonnenuntergang, später war es schon dunkel und man blickte auf ein Lichtermeer. Die Brücken und einige der Hotelfassaden waren mit vielen bunten LEDs illuminiert.

Da Nang bei Nacht
Da Nang bei Nacht

Später machten wir uns auf zum Abendessen. Die Freundin meines Neffen hatte in einem guten Restaurant einen Tisch in einem Separé gebucht. Da uns zwei unserer Mitreisenden nicht zum Essen begleiteten, hatte die Freundin meines Neffen noch eine ihrer Schwestern und eine Freundin eingeladen. Das Restaurant war ein bisschen fancy, ich fühlte mich underdressed. Außerdem gab es eine Bedienung, die sich ausschließlich um unseren Tisch kümmerte und sich für meinen Geschmack ein bisschen zu viel in unmittelbarer Nähe aufhielt, um gegenebenfalls z.B. einzugreifen, falls man etwa die falsche Sauce zu irgendetwas nahm. Die stand gefühlt 10 Minuten direkt neben mir, um Rollen aus Reispapier, Fleisch und Salat zu machen. Ich dachte, wenn man ein Separé bucht, möchte man Privatsphäre. Das Essen war gut, allerdings auch deutlich teurer als in unserem Restaurant in Can Tho. Wir hatten Frühlings- und Sommerrollen, gebratenen Fisch, Bratreis mit Ei, eine Suppe mit Fleischbällchen, diverses Gemüse und einiges mehr, das wir uns alle zusammen teilten.

Abendessen

Meine Schwester, mein Schwager und ich fuhren übrigens mit einem „Grab-Car“ zum Restaurant. Das ist soetwas wie Uber, man bucht per App, übermittelt seine Position, ein freier Fahrer in der Nähe wird benachrichtig, pickt die Passagiere auf uns setzt sie am gebuchten Ziel für den vorher schon feststehenden Preis ab. Die Fahrt von der Wohnung zum Restaurant kostete etwa 40.000 Dong, also keine zwei Euro – für drei Leute. Grab ist also eine unversichtbare App hier, um in der Stadt schnell und günstig von A nach B zu kommen. Man kann, wenn man alleine ist, anstelle eines Autos auch ein Moped buchen, auf dessen Rücksitz man dann mitgenommen wird. Oder anstelle eines 4-Seaters auch einen 7-Seater, wenn man in einer größeren Gruppe unterwegs ist. Mein Neffe und seine Freundin fuhren nicht mit im Grab, sie nahmen ihre eigenen Mopeds.

Nach dem Essen war für meinen Neffen und seine Freundin eine offene Tanzveranstaltung bei einer Institution, bei der die beiden schon seit einiger Zeit Jive zusammen tanzen, angesagt. Ich glaube, dort haben sie sich auch kennengelernt. Wir waren alle eingeladen, mitzukommen, was meine Schwester und mein Schwager auch taten. Da die Location nur wenige Minuten zu Fuß vom Hotel, in dem ich, der Freund meines Neffen und dessen Freundin wohnen, liegt, nahmen wir wieder zusammen ein Grab dorthin. Ich wollte lieber etwas Zeit für mich alleine haben, deswegen verabschiedete ich mich von meiner Familie und ging zu Fuß zum Hotel zurück. Unterwegs kaufte ich noch in einem Supermarkt ein paar Getränke ein. Tja, und das bringt mich zum aktuellen Zeitpunkt.

Ich bin manchmal ein bisschen überfordert von den vielen Eindrücken. Da Nang ist eine richtige Metropole, auch durchaus sehr touristisch orientiert (es liegt ja auch am Meer), es hat ein ganz anderes Flair als Da Nang. Es gibt sehr viele Hotels und sehr viele Restaurants hier, dazu Spas und Spass bei Sport und Spiel. Alles ein bisschen zu viel vielleicht für meinen Geschmack. Aber natürlich sitze ich hier in diesem Strandhotel auch mitten drin in den Urlaubsvergnügungen.

Ich denke, ich mache trotzdem gleich noch ein paar Schritte vor die Tür und besuche das Meer. Dann versuche ich, mal etwas mehr Schlaf zu bekommen und nicht zu früh zu frühstücken. Was genau morgen anliegt, wird man sehen. Vielleicht viel Zeit am Strand. Aber ich erwäge, mich auch mal etwas aus der Gruppe auszuklinken und ein wenig auf eigene Faust durch die Gegend zu ziehen. Ich glaube, ich brauche mal eine Pause und etwas Zeit für mich – wenn auch vielleicht nicht den ganzen Tag. Mal sehen. Wie auch immer, ich werde davon berichten.

Bis denne.

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