Das teuerste Bier meines Lebens

Okay, ich bin dann mal Essen gegangen. Direkt hier nebenan, ins „Opera“. Ich hab nicht groß drüber nachgedacht. Das Teil ist auf demselben Areal wie das Hotel, es ist in ähnlichem Stil gehalten, also dachte ich zuerst, es gehört dazu.

Opera von außen

Das „Opera“ von außen

Drinnen im Empfang saßen so ein paar Männer, die in Filmen für „osteuropäische Schlägertypen“ gecastet werden. Als ich das Etablissement betrat, war ich sofort auch schon halb wieder draußen. Edel gedeckte Tische mit Weingläsern auf weißem Tuch, und überhaupt alles sehr edel anmutend. Dann aber fand ich einen sofortigen Rückzug uncool und außerdem hätte ich mir dann ja was anderes suchen müssen. Dazu hatte ich aber keine Lust.

Opera von innen

So sieht der Laden innen aus. Auf die Schnelle habe ich mit meinem Schlaufon kein besseres Foto hinbekommen.

Ich wurde von einem Mitarbeiter angesprochen und fragte „Do you have an english menue?“ „Of course!“, war die Antwort. Na, so selbstverständlich war das nach meiner Erfahrung nicht. Ich bekam umgehend eine Karte und wurde gefragt, was ich trinken wolle. Bier, natürlich. Der gute Mann empfahl mir Bourgogne des Flandres Brun/Bruin. Ich passte überhaupt nicht auf, guckte mir weder den Preis an noch verstand den Namen so richtig.

Das teuerste Bier meines Lebens

Das teuerste Bier meines Lebens – nicht wegen irgendwelcher Folgen wie Autounfall oder spontaner Verlobung, sonder es geht um das Bier an sich.

Irgendwann brachte mir ein Kellner ein Glas und eine verkorkte Flasche, die eher nach Wein oder Champagner als nach Bier aussah, und einen Kühler. „Sorry, I ordered a beer…“, protestierte ich Naseweis. „This is beer.“, antwortete der Kellner ungerührt, entkorkte die Flasche und schenkte mir ein Glas voll. Ich betrachtete die Flasche genauer: Tatsächlich, Bier, 0,75 Liter.

Ich hatte außerdem Pork Chops mit gebackenen Bohnen geordert. Im ersten Moment kamen mir die Preise auf der Karte sehr gesalzen vor – bis ich bemerkte, dass ich mal wieder auf die Preise in Rubel geschaut habe. Für einen UAH bekommt man so vier Rubel, und auf den meisten Karten war der Preis in beiden Einheiten angegeben. Die Preise in UAH waren zwar für hiesige Verhältnisse nicht ohne, aber nach westlichen Maßstäben akzeptabel.

Das Essen kam, das Nackensteak war okay, die gebackenen Bohnen mit einer speziellen Sauce fand ich total klasse. Viel war indessen nicht los, ein oder zwei Tische waren voll besetzt, der Rest leer. Zwei Jungs, vielleicht fünf und sieben Jahre alt, flitzten um die Tische und wurden zunächst von niemandem daran gehindert. Später wurde ihnen Malzeug gebracht.

An den Wänden flimmerte auf diversen Bildschirmen der „Odessa Fashion Channel“. Wow, sowas gibt es? Ansonsten flimmerten fast über mir nicht weniger als 9 Spiegelkugeln unterschiedlicher Durchmesser, und auch sonst war Discobeleuchtung am Start. Irgendwann wurden die Tische von Abendessen auf Lounge umkonfiguriert, d.h. die Tischtücher, Servietten und Gläser verschwanden und die blanken Tische wurden kurz abgewischt. Das ging alles sehr schnell.

Irgendwann wurde die Musik dann sehr laut, und ich sah, dass eine junge Frau zum Playback sang. Es klang nicht schlecht, dabei bemerkte ich anhand der Texte auf den Bildschirmen, dass es offenbar Karaoke war. Dafür scheint man hier eine Schwäche zu haben, ich habe so einige Läden gesehen, die das anboten. Auch eine andere Dame sang später, wenn es nur nicht so entsetzlich laut gewesen wäre…

Als ich mein Gericht verzehrt hatte, ließ ich mir nochmals die Karte bringen, weil ich vielleicht noch ein Dessert wollte – ich hatte nämlich Crème Brulée entdeckt, und die mag ich halt gerne. Außerdem wollte ich mal einen Blick auf die Preise werfen, ich befürchtete nämlich, zu wenig Geld dabeizuhaben.

Die Karte wurde gebracht, und da entdeckte ich, dass das Hautgericht, welches ich hatte, 120 UAH kostet, das Bier hingegen, welches ganz unscheinbar zwischen den üblichen Bieren wie Corona und Heineken stand, 270 UAH, was so knapp 25 Euro sind. Aua! Da habe ich Naivling mich aber auch richtig vorführen lassen! Hilft nix, lernen! Außerdem… ich habe eh noch erwartungsgemäß viel zu viel der hiesigen Kohle. Da war es auch durchaus der Plan, ein paar Kröten auf den Kopf zu hauen (ich weiß gar nicht, ob ich das schreiben sollte, sind das nicht Verwandte von uns Fröschen [Ingress-Ding, weil unsere Farbe grün ist], oder was?).

Crème Brulée

Crème Brulée, in Fachkreisen auch als „Crème Brüller“ bekannt, mit Bier

Was soll’s, ich orderte ungerührt noch die Crème Brulée für 45 UAH. Zwischendurch gab es leider immer wieder laute Karaoke-Darbietungen, die von der Tischgruppe der beiden jungen Damen, die sich da engagierten, laut beklatscht wurden. Wie gesagt, die haben tatsächlich gut genug gesungen, dass ich sie erst für das Entertainment engagierte Sängerinnen gehalten habe.

Ich ließ mir die Rechnung bringen. 430 UAH. Ich packte 500 rein und betrachtete die Angelegenheit als erledigt. Mir wurden dann 70 Flocken wiedergebracht. Nix da. Ich ließ die da fein drin. Wenn schon, denn schon… Ach ja, jetzt glaube ich auch zu wissen, woher die ganzen Porsche Cayennes auf dem Parkplatz kommen, bzw. wo sich deren Besitzer so herumtreiben.

Achso, die Frage, die sich sicherlich ergibt: Hat es denn wenigstens geschmeckt, das Bier? Geht so. Es war, wie der Name ja sagt, ein dunkles Bier, recht aromatisch und süß, mit der Lizenz, einem bei zu viel Konsum am kommenden Tag ordentlich Kopfschmerzen zu machen. Das beste Bier meines Lebens war es sicherlich nicht. Das war vermutlich irgendein billiges Astra im Sommer mit guten Freunden.

Der Plan für morgen:
09.30 Uhr: Aufstehen
10.15 Uhr: Frühstücken
11.00 Uhr: Auschecken und Taxi zum Flughafen Odessa
15.00 Uhr: Flug nach Wien
16.00 Uhr: Ankunft in Wien
18:35 Uhr: Flug nach Frankfurt am Main
20.05 Uhr: Ankunft in Frankfurt
21.15 Uhr: Flug nach Münster/Osnabrück
22.05 Uhr: Ankunft in Münster/Osnabrück
22.40 Uhr: Abfahrt mit X-150 nach Osnabrück
23.20 Uhr: Ankunft Osnabrück Neumarkt

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Wie kriege ich den Porsche in den Einkaufswagen?

Also, wenn man nicht wirklich etwas erlebt, aber trotzdem bloggen will, hat man zwei Möglichkeiten:

1. Das Fernsehprogramm beschreiben
2. Über völlige Banalitäten bloggen

Die erste Lösung habe ich ja heute bereits beansprucht, kommen wir also zur zweiten. Hm, was für eine Banalität habe ich den zu bieten? Einkaufen.

Ion Man und ich

Ich hätte mich ja lieber mit der hübschen Frau vom Desk knipsen lassen…

Also, ich wartete eine Regenpause ab und verließ das Hotel. In der Lobby machte ich allerdings noch ein Foto von der Ritterrüstung neben der Tür. Die ausgesprochen attraktive, junge Dame am Desk fragte mich, ob sie ein Foto mit mir und der Rüstung machen solle – warum nicht. Ich hatte in dem Moment nicht die Eier, ihr zu sagen, dass ich viel lieber ein Foto mit ihr als mit der Rüstung hätte…

Billboard nolte Möbel

Hm… nolte Möbel Köln. Nie gehört. Aber wann sieht man Werbung für Produkte aus der Ukraine in Deutschland, mal ganz sachlich gefragt?

Wie auch immer, ich verließ das Hotel in den grauen Tag. Ziel: Nochmal Bier und andere Lebensmittel einkaufen, sowohl für heute als auch bisschen was zu essen für morgen. Getränke darf man ja in die Sicherheitsbereiche nicht mitnehmen. Methode: Einfach losziehen und umsehen, wo ein Laden zu finden wäre. Hat bisher immer einigermaßen funktioniert.

Glamour for Odessa

Ich fürchte, eher nicht…

Ich ging nicht Richtung Wasser, sondern in Richtung Innenstadt, wo ich hergekommen war. Dabei knipste ich die Betonburgen ein weiteres Mal. Schöner sind sie seit gestern nicht geworden.

Pictogramm

Klonk! Das ist doch mal ein anschauliches Piktogramm! Ich fand es lustig.

Ich kam auch wieder an den ziemlich ziemlich hohen und ein wenig auf schick getrimmtem Hochäusern vorbei. Von außen scheiterte das Schicke an den hässlichen Kästen der Klimaanlagen, die die Fassade verschandelten. Innen mag es ja besser aussehen, ich vermute das sogar ziemlich stark. Es schien, den Schildern nach ein Hotel- und Appartement-Komplex zu sein. Davor waren SUVs wie Toyota Landcruiser oder Porsche Cayenne geparkt, viele Autos, die nicht so ganz für jedermann erschwinglich sind. Ich hatte dann auch keine Lust, mit meiner Jeans und meinem C&A-Pulli im Foyer zu fragen, ob es eine Aussichtsplattform gäbe. Das Wetter war zum Fotografieren auch eher ungeeignet. Trotzdem, ich muss da mal frecher werden. Stumpf ist Trumpf, und nur wer was wagt, erlebt auch was, und nur wer was erlebt, kann auch was anderes bloggen als das Fernsehprogramm oder Banalitäten – und was außer einem „Nein“ kann einem da schon passieren?

Die Typen an der Mall

Die drei Typen von der Mall. Man beachte das Schiff links dahinter.

Ich passierte wieder den Platz mit dem großen Ehrenmal, der Säule mit dem Stern obendrauf. Mittlerweile habe ich es mir genauer angesehen, hier stehen die Jahreszahlen 1941 und 1945 dran, also der Zeitraum der Beteiligung der Sovietunion am 2. Weltkrieg.

Ich ging noch etwas weiter, bog irgendwo ab, aber nichts sah so richtig wie ein Supermarkt oder Ähnliches für mich aus. Langsam hatte ich auch keine Lust mehr. Also konsultierte ich mein Schlaufon. Ohne Netzverbindung war natürlich keine Suche möglich. Allerdings entdeckte ich auf der Openbikemap nicht weit von meiner Position ein kleines Einkaufswagen-Symbol. Zwar bedeutet das nicht unbedingt „Lebensmittelladen“, es könnte auch ein Möbelgeschäft oder ein Baumarkt sein, aber trotzdem – einfach mal schauen.

Autos in der Mall

Verschiedene Wagen im Einkaufszentrum. Wenn ich auf dem Schirm gehabt hätte, dass der Einkaufswagen hier so drauf ist, hätte ich kein gestelltes Foto mehr zu machen brauchen.

Ich landete in einem großen Kaufhaus, in welchem die Shops diverser Edelmarkten am Platze residierten. Nach dem Eintreten standen dort erst einmal einige mehr oder weniger edle Automobile hinter einer Absperrkordel. Darunter ein Smart, ein Mercedes SL, Audi A3 und A5, 3er BMW, ein Mini und ein Porsche Cayenne (ein hier offenbar beliebtes Fahrzeug). Davor stand, was mich ein wenig irritierte, ein Einkaufswagen. Was war das denn schon wieder?

iStore

Wo teure Marken sich tummeln, darf das angebissene Obst nicht fehlen.

Ich nahm die Rolltreppe nach oben und stieß auf eine Ausstellung mit Fotos und Shops von Ralph Lauren u.ä. Insgesamt schien es ein Kaufhaus für die betuchteren Odessianer zu sein. Natürlich fehlte auch ein „Authorised Reseller“ für Produkte mit angebissenem Obst im Logo nicht. Sowie ein weiterer Shop mit vielem Zubehör für solche Produkte. Es gab offenbar auch eine Agentur für Yachting, zwar waren keine kompletten Schiffe ausgestellt, wohl aber Modelle von solchen. Gut betuchtes (jetzt aber wörtlich) Verkaufspersonal schlich um die Glaskästen mit den Schiffen und um die ausgestellten Nobelkarossen. Im ersten Stock standen außerdem zwei mutmaßlich PS-starke Motorräder herum.

Motorrad

Motorrad – natürlich stand dran, was für eines, und alle technischen Daten, aber ich interessiere mich bekanntlich nur für Flugzeuge und Schiffe.

Für mich ist das ja eigentlich alles nichts – die Welt der Reichen und Schönen, und so ein Edel-Laden gehört ja irgendwie dazu, ist für mich auch immer wieder eine fremde Welt. Wann immer ich in der Stadt, ob hier oder zuhause in Osnabrück, einen Menschen wie von der Gesellschaft weggeworfen herumliegen sehe (und eigentlich kann man sich das „wie“ im letzten Satz ja auch sparen), dann frage ich mich, warum das sein muss. Weil wir alle zu egoistisch sind, und zu kaltherzig, zu gleichgültig und zu hilflos. Zumindest mehr als 99% von uns allen. Und dann sehe ich im Fersehen, wie es in anderen Ländern zugeht. Im Vergleich dazu sind die meisten von uns in den westlichen Industrieländern unvorstellbar reich. Und darüber gibt es dann noch die unvorstellbare Dekadenz von Yachtbesitzern und Luxussportwagenfahrern. Das erschließt sich mir einfach nicht. Aber ich hab ja meine schöne, bunte, heile Welt auf M1.

Küche

Typisch ukrainische Küche… nehme ich an.

Mist, ich muss wohl das AbBiBCbKe 1715 absetzen, das macht mich immer so philosphisch. Naja, ab morgen fehlt mir eh die Bezugsquelle dafür. Aber ich schlich weiter, mich etwas fehl am Platz fühlend, die Rolltreppen hoch. In der vierten Etage, fast ganz oben, stellten Möbellabels wie Rolf Benz ihre Produkte in Form von komplett eingerichteten Zimmern aus.

Arboretum und Restaurant in der Mall

Naja, Arboretum ist warhscheinlich übertrieben. Ich wollte nur mit dem Wort angeben.

Noch eine Etage höher befand sich eine Art Aboretum mit Restaurant. Ich hab so eine Ahnung, dass das hier in ist, die Turmspitzen bei anderen Gebäuden in der Nähe sehen so aus, als ob die vielleicht auch soetwas haben. Ich hatte wenig Lust, hier zu Mittag zu essen, unabhängig von den Preisen.

Handtaschen

Ich glaube kaum, dass diese Modelle meiner legendären „Handtaschenfreundin“ gefallen. Aber ich fand die gut, das spart am Flughafen beim Durchleuchten eine Menge technischen Aufwand, das Modell.

Viel los war übrigens nicht. Naja, vielleicht reichen ja die umso höheren Beträge, die wenige hier lassen, um genug Umsatz zu produzieren, diesen Tempel des Markenkonsums gewinnbringend zu betreiben. Ach übrigens, es gab natürlich auch zwei Handtaschengeschäfte. Der Tradition geschuldet, die im Macey’s in Manhattan begonnen hat, muss ich natürlich mindestens ein Foto veröffentlichen.

Wieder im Erdgeschoss angekommen, bemerkte ich, dass hinter den Autos noch eine Lebensmittelabteilung zu finden war. Hier gab es auch Einkaufswagen. Aha! Das erklärt so einiges, ich hatte mich schon gefragt, wie so ein Cayenne in den Einkaufswagen passen sollte!

Elefant mit Messrüssel

Hier schlug mein Kuriositäten-Warngerät aus: Elefant mit Kinder-Lüa-Messrüssel. (Länge über alles, eigentlich eine Messgröße für Schiffe).

Ich schnappte mir einen von den Einkaufswagen und schob ihn durch die Gänge. Dies war der größte Supermarkt, in dem ich bisher gewesen war. Es gab 11 Kassen, und alle Lebensmittel in größerer Auswahl. Plus Spielwaren. Ich besorgte mir ein paar Flaschen AbBiBCbKe 1917 (damit ich das Philosophieren nicht verlerne), Wasser, Trinkjoghurt, kleine Salamis, Chips und Kekse und schaute mich ansonsten um. Besonders beeindruckt war ich von einem Aquarium, in dem ein paar Antennentiere (für Uneingeweihte: „Antennentiere“ sind Krebse oder Langusten oder so ein Zeug aus dem Meer, die so lange Antennen dran haben. So was esse ich nicht,wegen des Elektrosmogs im Bauch…) lebten, die man käuflich erwerben konnte. Allerdings standen da durchaus Preise von umgerechnet über 30 Euro angeschlagen. Nunja, in der Pralinenabteilung angekommen, sah ich, dass man einen ähnlichen Betrag für eine Großpackung Lindt-Pralinen investieren konnte. Aber was ist das schon für einen Cayenne-Fahrer, der seiner Freundin etwas zu erklären hat…

Antennentier

Bitte recht freundlich! Du wirst demnächst gegessen. Allerdings nicht von mir.

Ich holte mir noch zwei große Gebäckstücke bei der Bäckereifrau. Dann ging ich zur Kasse, entrichtete für meine Einkäufe knapp 150 UAH, und ging Richtung Ausgang. Da ich dann schon so eine Idee für diesen Blog-Eintrag hatte, musste ich unbedingt unter den Augen der Gutbetuchten noch ein gestelltes Foto mit Einkaufswagen (mir gefiel das auch insbesondere im Kontext zum Einkaufswagensymbol auf meiner Openbikemap, das hatte einfach so einen ungeahnten Wahrheitsgehalt erhalten) und Porsche Cayenne machen, was ich auch tat. Allerdings schob ich daraufhin braf meinen Einkaufswagen wieder zurück zu den anderen bei der Lebensmittelabteilung, was offenbar viele andere Köufer eben nicht taten. Vielleicht haben das die Leute, die hier einkaufen, einfach nicht nötig, nachdem sie ein 30-Euro-Antennentier erstanden haben.

Porsche Cayenne

Wie kriege ich den Porsche jetzt da in den Einkaufswagen? Dies ist nur ein hastig gestelltes Foto. Natürlich habe ich als ordentlicher Bundesbürger den Wagen anschließend wieder zurückgestellt…

Ich hatte keine Lust, mir ein Restaurant oder einen Fastfood-Laden für das Mittagessen zu suchen, außerdem hatte ich meine Einkäufe da auch für die Selbstversorgung an diesem Tag eingerichtet. Es war immer noch trocken, und ich hatte auch keine Lust, im Hotelzimmer was zu futtern, ich wollte lieber an der frischen Luft was essen, egal, wieviele Wolken am Himmel waren. Deswegen passierte ich die großkalibrigen Geschützrohre am Parkeingang, um mir dort eine Bank zu suchen.

Geschützrohr

Dieses Geschützrohr ist genau auf das Einkaufszentrum gerichtet. Ich habe gesehen, dass die Waffe entmilitärisiert wurde, die Mündung wurde zugeschweißt. Dennoch sieht es so aus, als wolle man der westlichen Dekadenz doch noch ordentlich einen verplätten.

Ich sah mir noch einen Fuhrpark von kleinen, offenbar elektrisch betriebenen Autos für Kinder und das künstlich angelegte Wasserbecken mit Schwänen und Möwen an. Dann fand ich eine Bank und legte mir eine der Einkaufstüten unter den Bürzel, damit dieser nicht nass würde. Hier ließ ich mir dann einen Teil meiner Einkäufe schmecken.

Mein lieber Schwan

Mein lieber Schwan – das die immer so angeben müssen.,..

Danach schlug ich den Rückweg ein. Immerhin hatte es inzwischen nicht wieder angefangen, zu regnen. Unterwegs ging ich noch an einem Gebäudekomplex neugierig eine Treppe hoch, die aber auch nur in eine Sackgasse, nämlich auf eine Baustelle führte.

Am Hotel angekommen, stellte ich fest, dass hier immerhin auch zwei Porsche Cayenne parkten, sowie ein Toyota Landcruiser. Was ist denn los in dieser Stadt, mieten sich die Hotelbetreiber diese Karossen, um ihren Häusern einen edlen Anstrich zu geben? Das Hotel ist schon okay, aber nicht der ausgesprochene Luxus… Ich passierte das Foyer und die Frau am Desk, die mir wieder betörend zulächelte.

Im Zimmer verstaute ich meine Einkäufe im Kühlschrank, machte die Glotze an und lag ein paar Minuten faul und ohne Lust, irgendetwas zu machen, auf dem Bett herum. Danach begann ich, diesen Eintag zu schreiben. Als ich an die Stelle kam, „ich hatte nicht die Eier, ihr zu sagen, dass ich lieber ein Foto mit ihr hätte“, dachte ich mir, nööö, das geht ja so nicht weiter.

Also schnappte ich mir meine Kamera, wartete ab, bis die junge Dame zuende telefonierte hatte und brache stammelnd mein Anliegen vor. Sie meinte, sei doch kein Problem, das könne ein Sicherheitsmann machen. Okay… Zuerst hatte ich vergessen, da wieder eine Speicherkarte hineinzutun. Außerdem hatte ich für den ersten Versuch die Kamera nicht richtig eingestellt. Völlig peinlich und bescheuert, ich benahm mich wie ein 14-jähriger. Schöne Frauen machen mich eben immer total nervös. Aber der Hotelstab benahm sich ausgesprochen professionell, und wir machten die Bilder. Und immerhin, peinlich oder nicht, die Eier hatte ich letzen Endes doch. Und das ist, was hinterher zählt. Ich möchte doch Euch Lesern bisschen was bieten, über das Ihr schmunzeln könnt.

Wir machten dann die Fotos zu dritt, mit der Rüstung. In dem Versuch, was Lustiges zu sagen, meinte ich, das sei Tony Stark, Ironman. Sie meinte, es sei dann Tony Stark aus Italien, die Rüstung käme von dort. Als ich mich wunderte, dass es keine Rüstung aus der Ukraine wäre, meinte sie etwas in der Richtung, sowas Gutes würde in der Ukraine nicht hergestellt. Oha! Schon wieder eine abwertende Bemerkung einer jungen Person über das eigene Land! Irgendwie traurig. Außerdem erwähnte sie, dass sie verheiratet wäre. Nanü, sollte ich den Eindruck vermittelt haben, ich wolle mehr als das Foto? Außerdem gab sie mir eine Karte, weil sie das Bild gerne per email an den Desk geschickt haben wollte.

Daria Iron Man und ich

The beautiful desk clerk, Tony Stark from Italy and me.

Ich hüpfte zurück in mein Zimmer, schickte der Desk-Schönheit (sie heißt übrigens Daria) das Bild und schrieb diesen Eintrag. Jetzt muss ich noch die Bilder dazu zusammensuchen, hochladen und beschriften. Dann werde ich wohl, spätestens in einer Stunde, was essen gehen. Auch wenn ich morgen sicherlich noch einiges an Kohle für ein Taxi zum Flughafen ausgebe, denn auf alles andere habe ich keinen Bock, sollte ich noch ein wenig Fremdwährung verbraten.

Bis bald!

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Die Leiden eines dicken Kindes

Dobr’yden. Donnerstag, 10.09.2013, 12.10 Uhr. Wetter ist regnerisch, draußen mal wieder alles grau. Dementspechend habe ich wenig Lust, raus zu gehen.

Ich wachte kurz nach Acht auf. No way! Ich hatte genug Schlafdefizit, um noch gemütlich weiter zu pofen. Dann war es viertel nach Zehn. Angenehmerweise gibt es hier bis 11 Uhr Frühstück. Also duschen, und los. Bedeutet in meinem Fall nur ein paar Schritte, Frühstück gibt es hier im ersten Stock. Hm, Cerialien, Croissant, Weißbrot, Wurst, Käse, Lachs, Marmelade, Yoghurt. Und wenn ich die Karte richtig verstanden habe, hätte ich mir auch noch Eier oder Pancakes zubereiten lassen können. Aber ich ließ mit nur einen Kaffee machen, nahm eine Schale Cerealien, ein Croissant, zwei Weißbrot-Dreiecke und bisschen Aufschnitt.

Auf einem riesigen Samsung-Fernseher lief offensichtlich eine ukrainische Variante dessen, was bei uns gerne „Unterschicht-TV“ genannt wird. Irgendeine „Reality“-Sendung, Erziehung scheint ja ein beliebtes Thema in der Branche zu sein. Offenbar ging es darum, das übergewichtige, ständig in der Küche naschende Mädchen einer alleinerziehenden Mutter auf Linie zu bekommen. Ständig greinte der kleine Moppel wegen irgendetwas herum. Yep, genau das braucht man zum leckeren Frühstück.

Trotzdem verfolgte ich das Geschehen auf der Glotze, was blieb mir auch anderes übrig. Es wurde ein Gerät aufgestellt, welches einen Alarmton von sich gab, wenn Mutter und Tochter beim gegenseititgen Anschreien einen gewissen Lärmpegel überschritten. Sehr subtil inszeniert, das Ganze. Irgendwann machte die Katze des Mädels auf den Fußboden, woraufhin das Mädel das Tier aussetzen musste.

Aha! Doch noch ein Lerneffekt beim Frühstücksfernsehen: Diehier rumsteunenden Katzen sind also alles Ex-Haustiere von Moppel-Mädchen, die ihnen nicht beigebracht haben, aufs Klo zu gehen.

Hotelzimmer

Fauler Vormittag in Odessa.

Wie auch immer, außer dem Inhalt des hiesigen Fernsehprogrammes kann ich Euch wohl heute nicht viel bieten. Da kann ich Euch ebensogut noch von meinem russischen Liebling-Musikvideo erzählen, welches auf M1 in der Heavy Rotation läuft. „Heros“ von T-Moos Rodriguez. Leider finde ich es nicht auf youtube. Jedenfalls ist es englischsprachig. Eine Gruppe cooler, junger Männer landet mit einem Hubschrauber, wird mit einem schwarzen Mercedes Sprinter zu einem Ausbildungszentrum gebracht. Unter der Leitung einer coolen und sexy jungen Dame mit Sonnenbrille unterziehen sie sich einem Fitnesstrainingsprogramm, schauen wichtig auf Laptops, tauschen wichtige Papiere aus, trinken wichtigen Kaffee. Dann erlernen sie telekinetische Fähigkeiten und designen ihre eigenen Super-Anzüge. Das Ganze ist toll geschnitten. Zuletzt geht es zu einem Einsatz, bei dem sie am Ende die Katze einer Oma aus einem Baum retten. Einfach nur grandioser Humor, eine super Persiflage auf amerikanische Heldenepen, vor allem, weil man nicht damit rechnet, dass es darauf hinausläuft.

Nun, ich werde gleich schon mal ein wenig rausgehen, aber vielleicht nur, um hier ein letztes Mal einzukaufen.

Bis bald!

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Der Wilde Westen am Schwarzen Meer

Nachdem ich mich im Hotel eingerichtet hatte, machte ich mich auf zum Strand. Dieser war näher und schneller zu erreichen als erwartet. Nun, um eins vorweg zu nehmen: Schön war’s nicht wirklich. Aber interessant!

NSA-Kuppel

Was zum Geier? Es sieht so aus, als habe sich mein Cloud-Dienstleister, „Natürlich Sicher Abspeichern“, eine Dependence im Hinterhof meines Hotels eingerichtet. Was ist denn das für ein überdimensionaler Golfball? Ein Radom? Eine Richtmikrofon-Anlage?

Unweit vom Hotel schlug ich einen kleinen Schleichweg ein, den ich auf der digitalen Karte gesehen habe. Es ging eine Treppe herunter, und da stand ich schon vor so einem Gebäude mit fast griechischen Säulen. Abgesehen von den Stahlträgern in ihrem Inneren. Das sollte nicht das Einzige bleiben, was in der ukrainischen Version nicht so ganz autentisch rüberkam.

Griechische Koaxialsäule

Ähm. Original griechische Koaxial-Säule mit Stahlseele.

Denn plötzlich befand ich mich mitten im wilden Westen. Also, zumindest fast. Es war so eine Vergnügungsmeile mit Gebäuden, die zum größten Teil eher billig, auf Salloon, Postamt, Sheriff und so weiter aufgemacht waren. Das Ganze neben blinkenden Daddelhallen und Auto-Scooter. Dazwischen dann noch wieder griechisch anmutende Gebäude und eine als Segelschiff gestaltete Bar. Das Ganze irgendwie auch so halb in Betrieb, also recht wenig Publikumsverkehr, einiges war geöffnet, anderes nicht. Wieder andere Läden sahen aus, als würden sie gerade erst fertiggestellt.

Wilder Westen inklusive

Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Odessa an… Ach, ich bin wahrscheinlich nur nicht die Zielgruppe.

Direkt am Strand bot sich mir ein Bild, von dem ich schnell dachte, es würde mich womöglich im bescheidenen Rahmen meines Blogs zu literarischen Höchstleistungen anspornen. Am Anfang wußte ich nicht so recht, ob die „Beach Clubs“, Bars, Restaurants und Hotels an der Wasserkante noch nicht fertig oder schon wieder im Verfall begriffen waren. Die Antwort sah man schnell: Beides, also teils Verfall, teils noch im Bau. Leider manchmal auch beides gleichzeitig. Ich sah einen fast fertiggestellten Hotel- oder Appartement-Komplex, an dem noch fleißig gebaut wurde. Aber an den Geländern der Balkone waren Metallteile verwendet worden, die schon reichlich vom Flugrost verunstaltet waren, begünstigt sicherlich durch die salzhaltige Meeresluft. Da scheint jemand bei der Materialauswahl geschlampt zu haben.

Flugrost

Ich weiß nicht, ob man es erkennen kann. Aber auf dem Geländer oben und an den Innensechskantschrauben, die vorne die Glaselemente mit den Pfeilern verbinden, sind schon reichlich Rostflecken zu sehen. Dabei ist die Anlage noch nicht einmal fertig.

Insgesamt war es natürlich immer noch nett am Strand. Ich musste Brian Johnson per Knopfdruck den Mund verbieten, um dem Rauschen der Brandung zuhören zu können. Und gelegentlich dem lieblichen Wummern der Schlagbohrmaschinen. Es gab schon auch noch ein paar andere Spaziergänger. Ein paar Burschen hielten auf der Mole ihre Ruten ins Wasser, um den Möwen die Fische wegzuangeln. Zwei Mädels kauerten an einer Betonwand und spielten „Beach Club“. Sie hatten sich Zigaretten, Chips und Getränke mitgebracht und taten, was man im Beach Club nun einmal so tut: iPhone-Displays angucken.

Beach Club

Zwei Mädels spielen „Beach Club“

Ich dachte mir, dass ich zwar nur 300 Meter weit kommen würde und dann der Sandstrand schon wieder zuende wäre, aber gut – trotzdem hätte ich ja einen Strandspaziergang gemacht – zumindest könnte ich es hier reinschreiben, ohne zu lügen. Ein bisschen mehr wurde es dann doch, aber es waren auch viele halbverwitterte, stahlarmierte Betonplatten anstelle von Sand unter den Füßen. An einer mit Grafittis verzierten Betonwand endete der Spaziergang, zumindest in der einen Richtung.

Wieder eine Sackgasse

Gerade freut man sich, einmal am Wasser entlangschlendern zu können, ohne ständig an russischem Stacheldrahtzaun einen 180er zu machen – und dann das hier.

Also zurück und die Gegenrichtung antesten. Vorbei an den eigenartig anmutenden Beach Clubs etc. An einigen standen, wie es aussah, brandneue Getränkekühlschränke und Kaffeeautomaten. Es wurde gebohrt, geschweißt, gehämmert, als wäre die Saison nicht zuende, sondern stünde unmittelbar bevor. Das Ganze machte irgendwie so einen total inkonsequenten Eindruck auf mich, sowohl vom unterschiedlichen Zustand als auch vom total unterschiedlichen Charakter der Einrichtungen her. Ich hatte keinen Plan, in welche Richtung das Ganze jetzt eigentlich gehen sollte. Vermutlich haben die Odessianer das auch nicht so wirklich, oder jeder macht einfach, was er will. Nun, Geschmacksache. Einerseits: Es lebe die Vielfalt. Andererseits: Irgendwie war das Ganze für mich weder Fisch noch Fleisch. Ich bin ja nicht jemand, der ständig irgendwo ans Meer fährt, und mir ist noch nie aufgefallen, dass es bei der Gestaltung der Strandgastronomie soetwas wie einen „roten Faden“ gibt. Aber es scheint doch so zu sein, denn hier ist mir aufgefallen, dass genau dieser „rote Faden“ hier komplett fehlte.

Baywatch

Moment, ich übersetze kurz das Schild – Überschrift: „Achtung! Ertrinken kann zum Tode führen!“. Kleingedrucker Text: „Liebe Bikini-Schnecken, ich kann zur Zeit nicht auf Euch aufpassen, weil ich in einer sprechenden, schwarzen Ludenschaukel unterwegs bin. Bitte lasst Euch anderweitig retten. Es sei denn, Ihr habt Körbchengröße C oder höher, dann könnt Ihr mich in akuten Ertrinkungsfällen unter folgender Telefonnummer erreichen…“
Gezeichnet: David. H.

Insgesamt machte das Ganze in der anbrechenden Dämmerung (und das Wetter hat sich ohnehin seit dem sonnigen Morgen leider verschlechtert, es war wieder alles grau) einen fast surrealistischen Eindruck. Darüber habe ich schon ein wenig nachgedacht. Vielleicht sieht es bei jeder beliebigen Strandmeile der Welt am Ende der Saison so aus. Vielleicht kommt einfach dieser immer noch wahrnehmbare, verstaubte Hauch von post-sozialistischem Flair dazu. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Ich bin ja nicht objektiv, vielleicht empfinde ich das auch nur so, weil ich offenbar mehr mit einem verbliebenen Touch Sovietunion gerechnet habe, als ich dachte. Sozusagen als selbsterfüllende Prophezeiung.

Badestrand

Na, das sieht doch sehr einladend aus, dieser Badestrand. Aber ich hatte hier offenbar ja eh nix zu suchen.

Genug herumphilosphiert.Ich ging also in die Gegenrichtung und betrat durch eine geöffnete Tür einer Drahtzaunabsperrung einen Badestrand mit Plastikliegen und so weiter. Allerdings wurde ich sofort von einem Mann zurückgepfiffen, der in der Nähe arbeitete. Natürlich habe ich kein Wort verstanden, aber ich wollte keinen Ärger machen und verschwand wieder durch die Tür, die hinter mir dann zugesperrt wurde.

WC-Häuschen

Na, das ist mal ein schmuckes Klo!

Und nun? In beide Richtungen war ich an der Wasserkante auf Sackgassen gestoßen. Es war schon nach 18.00 Uhr, akzeptabel für ein frühes Abendessen. Außer den zwei Cheeseburgern und ein paar Kleinigkeiten hatte ich ja auch noch nichts gegessen. Ich durchstreifte also den eigenartiken „Wilder Western/Griechenland/Karibik“-Mix auf der Suche nach einem Pectopah, welches mir zusagte.

Estern

Hm. Entweder, das „W“ wurde geklaut (ich tippe auf Schlemihil aus der Sesamstraße oder Peter Bond vom „Glücksrad“), ist abgefallen, oder irgendein Berater hat hier echt richtig Mist gebaut.

Ich landete schließlich in einem zwar ein bisschen künstlich auf Natursteinhütte gestaltete, aber doch recht gemütlichen Etablissement. War auch wieder ein wenig inkonsequent: Unter der Decke zuckte ein Discobeleuchtungsgerät herum und projizierte Farbflecken auf den Boden. Aber an einer Wand knackte und knisterte ein echtes Kaminfeuer. Es war kaum etwas los. Nur zwei Damen mittleren Alters friemelten bei einem Getränk an ihren Laptops. Ich fragte zuerst, ob es eine englische Karte gäbe. Gab es nicht, aber ein gutaussehender, junger Bursche, fragte auf Englisch, was ich denn wolle, und bot mir verschiedene Gerichte an. Dabei machte er mir auch klar, dass ich bei einem Armenier gelandet bin. Nun, egal, dachte ich mir, bei jedem Restaurant, welches ich noch nicht kenne, und das sind in diesem Teil der Stadt 100%, kann ich Glück oder Pech oder alles dazwischen haben. Also, warum nicht. Ich wollte Huhn mit Pommes haben, aber mir wurde klargemacht, dass es zwar Kartoffeln, aber keine Fritten gäbe. Aber ich war mit allem einverstanden und ließ mich überraschen. Es gab dann, ganz unspektakulär, Bratkartoffeln. Und zwar nicht dazu, sondern sozusagen als eigenen Gang. Hm. Wie mein einer guter Freund bemerkt hat (und ich hab ihn schon einmal zitiert): „Andere Länder, andere Fritten“. Aber was soll’s, es schmeckte, ich hatte ein großes Baltika dabei, es war mit dem Feuer, in dessen Nähe ich noch umgesiedelt hatte, ganz gemütlich. Es war für hiesige Verhältnisse nicht ganz günstig, nach unseren Standards zuhause aber okay. Ich fragt den Burschen hinterher noch, ob man ganzjährig oder nur während der Saison geöffnet habe. Ganzjährig, war die Antwort. Wenn das immer so aussieht wie heute, dann kann der Laden keine große Zukunft haben. Man hat sich ja auch sehr bemüht, mich als Kunden am Anfang nicht zu verlieren. Und am Ende fragte der Armenier noch, ob es geschmeckt hätte, und als ich bejahte, sagte er ich solle dann doch wiederkommen. Naja, eher wohl nicht so schnell… Vielleicht ist der Laden ja noch neu und hat es deswegen noch schwer.

Strand

Ich habe dieses Bild nachträglich hinzugefügt. Die anderen Bilder alleine vermitteln zu sehr den Eindruck, es wäre alles total nur hässlich hier, und das stimmt auch nicht ganz.

Wie auch immer, als nächstes war noch Getränkevorräte aufstocken angesagt. Ich fand zunächst einen Kiosk, aber entgegen zu anderen Kiosken, in denen die Preise kaum höher als in den kleinen Supermärkten waren, waren die Preise hier fast doppelt so hoch. Erst wollte ich drauf pfeifen, überlegte aber dann, dass die vielen Menschen, die in den ganzen Hochhäusern hier leben und/oder arbeiten, ja irgendwo hier einkaufen müssten. Nun, ich stieß bald auf einen kleinen Supermarkt mit moderateren Preisen, wo ich dann Wasser und Bier kaufte.

Das war dann schon wieder auf dem Gelände der „So-halb-Wildwest“-Vergnügungsmeile, über die ich zum Strand gelangt war. Aus einer Daddelhalle hörte ich das Klirren eines Air-Hockey-Spiels, das offenbar von einem Pärchen in der ansonsten leeren Butze ausgetragen wurde. Ich ging weiter und stand dann unschlüssig vor einem Autoscooter. Drinnen fuhren vier Autoscooter, von denen jeweils zwei von jungen Damen und zwei von jungen Männern gelenkt wurden, die den Spaß ihres Lebens zu haben schienen. Mir fiel es schwer, das Alter zu schätzen, so minimal 16, maximal Anfang 20, denke ich. Vielleicht zwei bedreundete Pärchen. Ich hab Autoscooter immer geliebt, aber irgendwie traute ich mich nicht mit in diese Arena, ich hatte irgendwie das Gefühl, ich würde womöglich stören. Stattdessen kam noch eine Mutter mit einem kleinen Jungen dazu, die ein fünftes Gefährt bemannten. Mama lenkte, aber Junior hatte eine Menge Spaß.

Strand mit Möwen

Naja, wenn man sich Mühe gibt, dann bekommt man auch ein paar ganz schöne Bildausschnitte an den Start. Außerdem, wenn die Sonne scheint, wird automatisch sowieso alles viel schöner.

Nun denn, Weichei – anstatt die odessianische Jugend bis nach Yalta zu rammen, zog ich weiter. Lustig fand ich, dass mitten durch die Vergnügungsmeile eine Straßenbahn-Trasse inklusive Haltestelle führte. Ich dachte erst, das sei eine Spaß-Eisenbahn, die zur Vergnügungsmeile gehörte.

Ich schaute auf meine digitale Karte und stellte fest, dass ich fast schon wieder beim Hotel war. Zwar warf ich noch einen Blick auf die mittlerweile erleuchteten Turmspitzen einiger naheliegender Hochhäuser und überlegte, ob man sich vielleicht von dort oben einen Blick über die Stadt verschaffen könnte, aber dann dachte ich, für heute reichts. Zurück ins Hotel, Blog schreiben, chillen, schlafen.

Kurs am 10.09.2013

Bis bald!

Ausblick:
Morgen ist mein letzter Tag in der Ukraine, übermorgen geht es heimwärts. Was ich mache oder nicht, hängt vom Wetter sowie Lust und Laune ab. Vielleicht gehe ich tatsächlich noch auf eine „Last-minute-Postkarten-Suche“. Wenn das Wetter schön ist, suche ich mir eine Zigarre und genieße diese am Strand. Vielleicht ziehe ich durch die Hochhaus-Schluchten und sehe mir die Straßen hier an. Vielleicht chille und lese ich auch nur den ganzen Tag. Eventuell schreibe ich auch einfach mal ein paar Sachen, einen kleinen Überblick zur Geschichte von Sewastopol und zum Krim-Krieg, mit eigenen Worten, was so hängen geblieben ist. Oder ich veröffentliche Videos auf Youtube, die ich bisher vorenthalten habe. Oder ich mache eine Galerie mit Streunertieren, so wie ich das in New York mit Handtaschen gemacht habe. Wenn irgendwem irgendwas davon besonders zusagt – einfach einen Kommentar schreiben, dann mache ich es vielleicht.

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Odessa, again

Hotel Arcardia Plaza, Odessa, 13.16 Uhr. Angekommen.

Nachdem ich meine zwischenzeitliche Basis im Bahnhofscafé verlassen hatte, ging ich erstmal ein wenig an die frische Luft. Das Wetter war ja nicht übel, und draußen am Kreisverkehr konnte ich ein wenig an ein paar Ingress-Portalen naschen gehen. Ich zog mir meinen Energy-Drink rein und mampfte ein bisschen von den mitgebrachten Sachen aus meinem Rucksack. Ich musste mal für Odessa-Rückkehrer, deswegen ging ich, nachdem ich meinen Akku mit Flüssig-Energy aus der Dose nachgeladen hatte (wieviel Milliampèrestunden hat eigentlich eine Dose Red-Bull? Könnte man aus den Kilojoule tatsächlich umrechnen…) zum Schotten. Erstmal einen großen Kaffee für 15 UAH. Dann Stoffwechsel-Endphase einleiten. Außerdem lieferte mir McDonald’s kostenlos (oder im Preis des Kaffees inbegriffen) ein solides WLAN. Also war ein Blick auf E-Mails, Google Maps und meine Hangouts (das ist eine Art Instant Messenger ähnlich What’s App von Google, über den ich mit der Ingress-Clique kommuniziere) drin. Ich brauchte gefühlt recht lange für den Kaffee, ich hatte auch gerade sowas wie einen toten Punkt. Ein Freund riet mir per E-Mail, es doch gleich im Hotel zu versuchen, unabhängig der Check-In-Zeit. Gute Idee. Mitten in der Nacht wollte ich da zwar nicht auftauchen, aber mittlerweile war es ja schon fast 11 Uhr.

Als ich den Kaffee auf hatte, holte ich mir noch zwei Cheeseburger, die ich dann draußen verfutterte. Dabei warf ich mal wieder mein Schlaufon runter, aus geringer Höhe auf Steine. Diesmal nahm es mir das übel. Spider-App. (Das bedeutet, dass sich Sprünge spinnennetzartig über das Glas des Displays ziehen, der Begriff hat sich etabliert, weil das nicht so selten vorkommt). Mist… aber immerhin tut das Gerät noch. Was soll’s, ist ein Gebrauchsgegenstand, und zwar einer, der jeden Tag stark genutzt wird, also sein Geld auch wert ist. Wahrscheinlich werde ich das Teil weder reparieren (lassen), noch mir ein neues kaufen, als Mahnung an mich selbst, dass ich sorgfältiger mit meinem Kram umgehen muss. Das nächste Gerät muss besser geschützt werden, aber erstmal gibt es, wie gesagt, kein neues.

Also, zu Fuß würde ich lt. Google Maps so eine Stunde bis zum ca. 4 km entfernten Hotel benötigen. Das war der Plan, das Wetter war ja gut, und ich hatte es ja auch nicht eilig. Also los. Ich hatte zuvor die Adresse über Google Maps mit meiner Bikecomputer-Karte abgeglichen und einen Marker gesetzt. Was Bikecomputer nicht kann (wie auch offline…), ist Suchanfragen bearbeiten – man muss schon wissen, wo das Ziel ist, zu dem man möchte.

Kirche mit Tram

Eine von den beiden prunkvollen Kirche in der unmittelbaren Nähe des Bahnhofs

Zuerst war ich ja noch mitten im Stadtzentrum, was ein wenig wegen des massiven Verkehrs nervte. Außerdem sind die Gehwege teilweise Gift für die Rollen meiner quietschorangenen Hartschale. Ich brauche davon mal irgendwann eine SUV-Variante, die geländegängig ist. Na, mal im Ernst, ich bin einfach Masochist genug, die Angebote aller Taxifahrer der Innenstadt in den Wind zu schlagen, um zu Fuss zum Hotel zu latschen. Aber mein armer Rollkoffer, der für kurze Entfernungen auf planen Untergründen westlicher Flughäfen konstruiert wurde, muss unter meiner Engstirnigkeit leiden. Ich habe das Gerät nun schon kilometerweit über die brökkelige Bürgersteige von Brooklyn, Tel Aviv, Odessa und Sewastopol geschleift. Ich mache mir echt ein wenig Sorgen, dass da irgendwann mal das Fahrwerk versagt und ich das Teil den Rest der Reise schleppen muss. Schade, dass da kein Kilometerzähler dran ist.

Meine Laune hatte ein wenig unter dem Schlaufon-Vorfall (bzw. Runterfall) gelitten. Außerdem konnte ich keine Musik hören. Der ursprünglich vermisste In-Ear-Ohrhörer war unverhofft wieder aufgetaucht, aber da hatte ich dann plötzlich einen Pümpel verloren, so dass ich ihn nicht nutzen konnte. Und der neue war nicht am Mann (hat sich aber im Koffer angefunden). So, an dieser Stelle: Ich hab keine Lust mehr auf diese Ohrstöpsel. Heuzutage gibt es wieder viele total gute und leichte on-ear- und over-ear-Kopfhörer. Ich habe da in meiner Familie so einen jugendlichen Experten, der einen Großteil seiner mageren Freizeit opfert, Kopfhörer zu bestellen, testzuhören und wieder zurückzuschicken. Und ich hab bald Geburtstag.

Hage, Familie! Hier winkt kein Zaunpfahl, sondern ein ganzer Regenwald! Wenn Ihr mir was Gutes tun wollt, dann vereint fachliche und finanzielle Resourcen und helft mir bei der Lösung meiner ständigen Stöpsel-Probleme… Wenn ich mir sowas selber kaufen würde, würde ich vermutlich zwischen 50 und 200 Euro anlegen, wobei teurer hier nicht automatisch besser heißt. Aber ich würde mich mittlerweile auch vom Wannen-Experten der jüngeren Generation beraten lassen…

Geschütz

Mit Artillerie kenne ich mich nicht die Spur aus. Keine Ahnung, ob das eine Kanone, Haubitze, Selbstfahr-Lafette oder was auch immer ist.

Ähm. Ich bin nur ein ganz bisschen abgeschweift. Musiklos aber Planvoll schleifte ich meinen Koffer Richtung Hotel. Irgendwann änderte sich das Stadtbild. Die Gebäude worden immer moderner und höher. Ich kam an mehreren großen Grünanlagen vorbei. Und an diversen Geschützen, die an den Eingängen zu den Parks aufgebaut waren. Auf dieser Seite des ehemaligen, eisernen Vorhangs steht man den Amerikanern darin, Gebrauchtwaffen überall in der Gegend herumstehen zu lassen, in keiner Weise nach.

Noch ein Geschütz

Noch ein Geschütz, schick mit Weißwandreifen. Ganz wichtig ist, dass die Parkeingänge gut durch großkalibrige Artillerie geschützt sind. Bei dem jugendlichen Sprayer- und Skater-Gesindel, welches seit dem Fall des eisernen Vorhangs die Vorstädte hier unsicher macht… Dieser späte Sieg des westlichen Imperialismus muss mit allen Mitteln verhindert werden!

Als ich mich meinem Hotel näherte, war ich in einem Gebiet, welches wenig mit der Umgebung meines ersten Hotels in Odessa zu tun hatte. Hier ragten moderne, aber seelenlose Betonbauten hoch in den Himmel. Dazwischen erblickte ich weitere dieser Kästen, die sicher gerade im Bau befinden. Offenbar wird hier gerade viel neue Wohn- oder Bürofläche für wen auch immer benötigt. Dies hier hatte mit dem Charme der vielen griechisch geprägten Gebäude, der üppigen Außengrastronomie und dem selbst zu dieser Jahreszeit beachtlichen Publikum auf den Straßen in der Nähe der Potemkin-Treppe nichts mehr zu tun.

Hochhäuser

Diese Hochhäuser gehörten zu den schöneren Hochbauten hier in der Gegend. Da ich ja gerne von oben fotografiere, sollte ich mal herausfinden, ob es ein Observation Deck gibt.

Ich warf schon mal einen Blick auf potentielle Gastro-Kandidaten für das Abendessen und erreichte schließlich mein Hotel. Das Arcadia Plaza ist allerdings keiner von den Glas- und Stahlbeton-Klötzen, sondern ein nur wenige Stockwerke hoher Bau mit vielen Säulen und kunstvoller Fassage. Ich checkte ein, und man hatte dann um 12 Uhr auch ein Zimmer am Start. Ein Mitarbeiter brachte meinen Koffer in den ersten Stock, wartete aber nicht ab, bis ich ihm einen Tip aus meinem Portemonnaie gepuhlt hatte. Nun, wer nicht will…

Arcadia Plaza Hotel

Arcadia Plaza Hotel – hier schlafe ich die nächsten zwei Nächte.

Und jetzt? Erst mal Fernseher an, M1 selbstredend. Der tote Punkt war überwunden. Wenn ich ins Bett ginge, würde ich wahrscheinlich den Rest des Tages verschlafen, aber wozu? Dringender als nach Schlaf verlangte es mich vor allem nach einer Dusche, die ich mir auch umgehend genehmigte. In frischen Klamotten wieder einigermaßen Mensch, setzte ich mich, diesen Beitrag zu schreiben. Nach einem Tag auf den Beinen mit der Nacht im Zug, ist es herrlich, wieder „eine feste Adresse“ zu haben, falls Ihr versteht, was ich meine. War schon so, als ich in Sewastopol ankam. Und hier habe ich sogar wieder einen ordentlichen Fernseher und WLAN auf dem Zimmer, jippieh! Und die beste Dusche bisher, bei den bisherigen Hotels kam das Wasser nur sehr spärlich aus der Leitung.

PECTOPAH (= Restaurant). Vielleich ein Kandidat fürs Abendessen?

PECTOPAH (= Restaurant). Vielleich ein Kandidat fürs Abendessen?

So, ich werde es den Rest des Tages sicherlich ruhig angehen lassen. Aber vor allem möche ich jetzt ans Wasser. Wenn ich Google Maps richtig deute, dann ist die Wasserkante ca. 1 km entfernt. Und sollte ein Sandstrand sein. Das Wetter ist nicht mehr so toll wie gestern und vorgestern oder wie der Morgen es suggeriert hat, es hat sich zugezogen. Aber trotzdem… Vielleicht finde ich irgendwo noch ne Zigarre und ein paare Biere. Und ich werde die Pectopahs (PECTOPAH = Restaurant) eruieren, die an meinem Weg liegen. Oder kurz gesagt: Es wird Zeit, die Umgebung zu sichten.

Säule im Kreisverkehr

Auch hier entdeckt man durchaus Ähnlichkeiten zu US-amerikanischen Objekten. Der US-Amerikaner hat ganz offensichtlich eine Schwäche für Obelisken, und wenn ich mich nicht falsch erinnere, so zeigt der Bug des Museum-Schlachtschiffes USS Texas (San Jactino, bei Houston) sogar auf einen Obelisken mit einem Stern an der Spitze. Dies ist zwar kein Obelisk, aber eine schlanke, hochaufragende Struktur allemal.

Wird fortgesetzt…

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Mit der ukrainischen Eisenbahn unterwegs: Reprise

Seemann auf Speed, Berliner mit Fisch und andere Geschichten

Odessa Hauptbahnhof, 05.35 Uhr. Noch rund achteinhalb Stunden bis zum möglichen Einchecken ins Hotel, welches lt. Google Maps ca. eine Stunde zu Fuß entfernt ist. Ich sitze in einem Bahnhofskaffee beim mittlerweile zweiten Kaffee, nachdem ich hier um ca. 04.50 Uhr mit ca. zehn Minuten Verspätung mit dem Zug angekommen bin.

Aber von vorne… Ich wachte kurz nach halb neun Uhr auf und erhob mich kurz vor Neun. Nach der Dusche nahm ich ein kräftiges und üppiges Frühstück ein. Diesmal gab es neben Rührei und Salat „Potato Flapjacks“, das waren kleine Reibekuchen, die sehr lecker waren. Ich kannte diese Vokabel zuvor nicht. Da mich das Brot hier bisher nicht so überzeugt hat, verzichtete ich mal darauf.

Hotelhunde

Das Bild habe ich für Freunde gemacht, damit sie sich einen aussuchen können. Die haben per E-Mail geschrieben, ich solle mir einen zweiten Koffer besorgen und einen von den Burschen einpacken. Ich hätte auch noch Katzen im Angebot…

Anschließend war auf dem Zimmer Kram zusammenpacken und Auschecken angesagt. Kurz vor Elf war ich draußen. Der Zug fuhr um 12.40 Uhr, ein Ticket hatte ich ja schon. Was also nun? Keine Frage, erstmal ein anständiger Kaffee von den Profis auf der anderen Straßenseite. Ich testete mal den „Soviet Coffee“. Wider Erwarten kein Schießpulver drin. Schade. Es war eher Kaffee mit süßer Sahne, nicht schlecht, aber die Variante, die mir am wenigsten zusagte. Ich trank meinen Kaffee, las ein wenig und mache mich dann auf den Weg zum Bahnhof. In dem Laden in der Nähe des Bahnhofs holte ich mir noch drei von diesen Berlinern mit Vanillecrème für unterwegs.

Ich hatte reichlich Zeit einkalkuliert, falls ich Pobleme bekäme, das richtige Gleis zu finden oder was auch immer. Es gab sowohl digitale ( Bildschirme) als auch feststehende Anzeigetafeln mit Zügen und deren Abfahrtszeiten, die ich aber nicht so richtig verstand. Sah kompliziert aus, Tabellen mit jeder Menge Spalten. Was ich jedoch verstand, war die große Anzeigetafel, auf der die jeweils nächsten ankommenden und abfahrenden Züge standen. Irgendwann tauchte dort auch der meine nach Dschankoij auf, konir (Gleis) 1, wie mir die Dame am Schalter ja gestern auch schon gesagt hatte.

Der Zug stand wieder lange vor der Abfahrt bereit. Das Wetter war ähnlich schön wie gestern, und ich würde lange genug (knapp vier Stunden) in diesem Zug verbringen, also blieb ich lange draußen am Gleis hocken und las, bevor ich den Zug enterte. Die Wagenkonfiguration war anders als in dem Zug, mit dem ich vorher von Odessa nach Simferopol gefahren war, aber es waren trotzdem auch Liegewagen, was ich nicht erwartet hatte. Es gab wieder vier Kojen quer zur Fahrtrichtung, auf der anderen Seite des Ganges aber noch Sitzplätze, über denen sich weitere Kojen längs zur Fahrtrichtung herunterklappen ließen. Dafür waren die „Querkojen“ hier nicht durch eine Wand vom Gang getrennt, sondern offen. Der Endbahnhof des Zuges war Kiev, und die Ankunftszeit dort nach sieben Uhr morgens, wie ich später erfuhr.

Zug nach Dschankoij - die Waggonaufteilung ohne abgetrennte Abteile

Zug nach Dschankoij – die Waggonaufteilung ohne abgetrennte Abteile

Um Gepäck zu verstauen, konnte man die unteren Kojen aufklappen, darunter war Stauraum, in den meine quietschorangene Hartschale aber nicht hineinpasste. Zunächst war das kein Problem, ich hatte ja nicht nur einen Sitz, sondern eine ganze Sitzbank, nämlich meine Koje zur Verfügung, so dass ich das Ding einfach daneben legen konnte. Mit gegenüber nahm ein sympathisch aussehender, junger Mann mit Kopfhörer Platz, der sich zunächst noch von Leuten auf dem Bahnsteig durchs Fenster verabschiedete. Er telefonierte danach noch über seinen Kopfhörer, nahm diesen danach aber ab. Er hatte so einen offenen Gesichtsausdruck, dass ich die Chance auf Konversation witterte. Also quatschte ich ihn an: „Do you speak English?“

Die Antwort war „A little“, „Not so good“ oder ähnlich, aber immerhin – und vor allem schien sich mein Gegenüber auch über die Konversation zu freuen. Wir stellten uns vor, natürlich konnte ich seinen Namen nicht wirklich verstehen, geschweige denn, jetzt schreiben, nennen wir ihn einfach Johnny. Wie sich herausstellte, war Johnny unterwegs nach Kiev, um von dort an Bord eines Schiffes zu gehen, er ist Seemann. Ich fragte ihn, auf welcher Art Schiff er fahre, die Antwort war „Multi purpose cargo“. Er arbeitet für die deutschte Briese-Reederei, von der hatte ich eine Niederlassung in Sewastopol gesehen, aber ansonsten war mir das Unternehmen bisher kein Begriff. Er zeigte mir auf seinem Laptop Bilder von seinem Schiff und baugleichen Schwesterschiffen, die heißen alle nach Ländern, etwa „BSC Sweden“ oder „BSC Japan“. Eher kleine Frachter, wenn man die riesigen Containerschiffe so kennt (selbst die, verglichten mit den größten Containerschiffen der Welt, nur halb so großen Kähne der Hamburg-Süd, sind dagegen schon mächtige Schiffe) – den Bildern nach unter 200m Lüa, und mit eigenem Ladegeschirr (zwei große Kräne). Seine Fahrt ging nach Panama.

Johnny ist 21 Jahre alt, und obwohl er viel lächelte und einen sympathischen Eindruck machte, offenbar nicht so zufrieden. Er mag sein Land nicht (er kommt aus Sewastopol und ließ nicht viel Gutes an der Ukraine, er meint, das Land habe keine Zukunft, was, wie ich finde, schon sehr bitter klingt) und er mag auch seinen Job nicht. Er meinte, wenn man hier ein gutes Leben führen möchte (im finanziellen Sinne, denke ich), müsse man sehr, sehr viel arbeiten. Gegenwärtig habe er einen sechsmonatigen Vertrag, was nicht so gut wäre, die viermonatigen wären besser. Erstens wäre er so nicht so lange von seiner Freundin getrennt, und die seien auch besser bezahlt. Seine Freundin rief ihn dann zwischendurch noch an. „She cried. Not good.“

Mir war natürlich klar, dass er zu jung war, um die Unabhängigkeit von der Sovietunion erlebt zu haben, aber ich fragte ihn, ob seine Eltern etwas erzählt hätten. Viel war ihm da nicht zu entlocken. Er meinte, die Leute hätten wohl unterschiedlich reagiert, teilweise hätte man sich gefreut, andererseits war man unsicher der Zukunft gegenüber. Etwa das, was ich erwartet hatte. Ansonsten fiel es uns ein wenig schwer, gemeinsame Gesprächsthemen zu finden, er steht nicht auf Filme oder Bücher und auch bei Musik war da gesprächsmäßig nichts herauszuholen. Johnny ist eher Sportfan, insbesondere Boxen, was er auch selbst betriebe. Mit Fußball hingegen konnte er nix anfangen, selbst die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine schien völlig an ihm vorbeigegangen zu sein. Blieb nur ein Thema: Alkohol und sonstige Drogen.

Johnny hatte erzählt, dass er zwei deutsche Freunde habe, Klaus und Barbara, die er über einen Freund, der an einem Austausch nach Deutschland teilgenommen hätte, kennengelernt habe. Die wären auch in Sewastopol gewesen, und wir würden ja wohl mal absolut keinen Wodka vertragen. Ich widersprach nicht und meinte, wir wären eher Bier-Experten. Daraufhin lud er mich erstmal zu einem Dosenbier ein, welches er aber nicht aus seinem Gepäck zauberte, sondern irgendwo im Zug organisierte. Bud’ymor!

Ich erzählte ihm von der Technik des „Dosenschießens“ (andere nennen es „Dosenstechen“), was ihm jedoch nicht unbekannt war, denn Jochen, der Sohn von Klaus und Barbara, habe ihn da bereits eingeweiht. Dieser könne in kürzester Zeit eine riesige Menge an Bier vernichten.

Johnny hatte ein kleines Tütchen mit einer blauen Pille dabei und schien sich noch unsicher, ob er sie nehmen solle oder nicht. Er meinte, sein Freunde hätten gesagt, wenn man sie nähme, würden alle Leute schön, und man würde alle Sprachen verstehen. Nach einer Weile verstand ich, dass es sich um Speed handelte. Er nahm sie schließlich, zuerst die eine Hälfte, dann, eine halbe Stunde später, die andere. Er bejahte meine Frage, ob es seine erste wäre, aber er hätte in Mittelamerika schon Kokain probiert. An Drogen und Alkohol ist unterwegs mit dem Schiff wohl vergleichsweise spottbillig heranzukommen. Wie auch immer, dass Zeug begann zu wirken, was er zu genießen schien, und er fragte mich noch nach seiner Pupillengröße. Ich fragte zurück, ob ich denn schon schön sei? Mich störte das alles nicht weiter, vor allem, weil er nicht versuchte, mir irgendeinen Mist anzudrehen, das hätte mich allerdings gestört.

Nach nicht allzulanger Fahrt waren wir in Simferopol, wo weitere Leute zustiegen, unter anderem ein älterer Herr, der die Koje über meiner gebucht hatte, sowie eine Dame vielleicht in meinem Alter, die über Johnnys Platz ihre Koje hatte. Meine quietschorangefarbene Hartschale wurde da also langsam zum Platzproblem, da die Bewohner der oberen Kojen zunächst noch neben den Bewohnern der unteren Kojen auf denselben Platz nahmen. Meine Koje teilten sich nun also der ältere Herr, mein Koffer (der mir deswegen langsam bisschen peinlich wurde) und ich. Aber es ging irgendwie.

Der ältere Herr ließ sich von Johnny über mich aufklären und Johnny sagte mir, dass der Mann auf der Schule früher Deutsch gelernt habe, worauf ich ihn mit „Guten Tag“ begrüßte. Als Johnny und ich bei unseren Gersprächen über Alkohol sprachen, meinte ich, „Schnapps“ sei wohl eins der hier am bekanntesten, deutschen Worte, und der Mann meinte grinsend „Schnapps gut!“. Johnny und ich sprachen noch über Sinn und Unsinn von Bier- und Wodkamischgetränken sowie die unterschiedlichen Alkoholgesetzte in unseren Ländern. Offenbar ist es in der Ukraine sehr einfach für Kinder, in den Geschäften Alkohol zu bekommen, was gar nicht gut sei. Später gab es noch eine weitere Runde Bier, ich sagte ihm, es wäre nun am mir, die zu besorgen, aber er bestand darauf, mich erneut einzuladen.

Nach der derart kurzweiligen und angenehmen Fahrt erreichten wir um 16.35 Uhr planmäßig Dschankoij, wo ich umsteigen musste. Johnny verabschiedete sich auf dem Bahnsteig sehr herzlich von mir mit Umarmung, zuvor hatte er mir noch seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse gegeben. Ich war auch sehr erfreut darüber, endlich mal mehr Konversation als die beim Einkaufen, ein- oder auschecken in Hotels oder einer Bestellung im Restaurant gehabt zu haben – das habe ich mir schon lange gewünscht. Einerseits, um mal ein wenig eine „Innenansicht“ des Landes zu bekommen, zum anderen, weil ich es auch einfach vermisste. Mein letztes Gespräch abseits von solchen, die Transport, Unterkunft oder Verpflegung betrafen, war am 27. September gewesen, also vor anderthalb Wochen. Das war das Treffen mit Teilen meiner Ingress-Clique unmittelbar vor meinem Aufbruch in den Urlaub.

Ich hatte im Reiseführer gelesen, dass beim oftmals sehr langen Halt auf den Bahnhöfen oft Einheimische mit selbstgemachten Speisen ankämen, um diese an die Reisenden zu verkaufen. Auf meiner Hinfahrt konnte ich das nicht beobachten, aber in Dschankoij habe ich das dann gesehen. Unter anderem waren da mehrere Leute, die mit kompletten, vermutlich getrockneten oder geräucherten Fischen ankamen. Ich war gerade beim Verzeht meines letzten Berliners, als auch mir das Flossentier angeboten wurde. Nein danke, kein Fisch zum Berliner.

Umsteigen in Dschankoij

Uiii! Das Zugpersonal wird immer jünger und hübscher… (links). Rechts ein Mann mit Fisch.

07.15 Uhr. Immer noch Bahnhofscafé. Draußen wird es langsam hell. Kaffee Nummer 3 ist am Start. Von den Leuten, die Anfangs hier waren, ist keiner mehr da außer dem Personal. Vielleicht wechsle ich irgendwann man zu McDonald’s, da habe ich mehr Vertrauen in die Tualet. Habe gerade entdeckt, dass ich hier ein WLAN nutzen kann, und meine Mails gecheckt. Ah, ein neuer Blogeintrag meines Neffen René, wie schön.

Wo war ich stehengeblieben? Achja, Dschankoij. Nun, ich hatte gut zwei Stunden Zeit, der Zug nach Odessa fuhr um 18.45 Uhr. Draußen vor dem Bahnhof gab es einen Pizza- und einen Kaffee-Laden. Sah aber beides geschlossen aus, und ich hatte auch noch Verpflegung dabei. Ich nutzte die überraschend saubere Tualet und erkundete den Supermarkt in der unmittelbaren Nähe des Bahnhofs. Das war der größte, in dem ich bisher war – und eigentlich auch insgesamt erst der zweite, der den Namen „Supermarkt“ halbwegs verdienst hat. Das Teil hatte immerhin sieben Kassen und sogar so richtige Laufbänder und so. Ich kaufte, nur um irgendwas zu kaufen, ein paar Taschentücher, einen Trinkjoghurt und eine Tüte Cashewkerne. Danach ging ich in den Warteraum des Bahnhofs zurück, um die restliche Wartezeit mit Lesen zu verbringen.

Der Zug kam um 18.25 Uhr an konir 1 an. Ich zeigte dem Mann an meinem Wagen meinen Pass und mein Ticket, mittlerweile alles schon fast routiniert, ich wusste ja inzwischen, welche Nummern auf dem Ticket was zu bedeuten hatten. Ich fand meine Koje, dieser Zug hatte wieder die gleiche Konfiguration, wie sie der Zug von Odessa nach Simferopol hatte. Dieser Zug war auch genau der Zug in die Gegenrichtung, er war in Simferopol gestartet. In meinem Schlafabteil saßen bereits drei andere Leute, ein älteres Ehepaar und eine junge Frau, auf den ersten Blick dachte ich, eher noch ein Mädchen, vielleicht 16 Jahre alt, aber sie war sicherlich doch schon erheblich älter, vielleicht Mitte Zwanzig. Das Paar war gerade beim Abendessen mit Butterbroten und Weintrauben. Ich verstaute meinen Kram, was hier besser ging, abgesehen davon, dass ich meine quietschorangene Hartschale in eine Gepäckablage oberhalb meiner Koje wuchten musste. Der ältere Herr ludt mich dann ein, neben ihm auf der unteres Koje Platz zu nehmen und bot mir von den Weintrauben an. Seine Frau und er sprachen ein paar Brocken Deutsch, und man wollte wissen, ob ich zum Arbeiten hier sei und Ähnliches. Ich zeigte anhand meines Zettes, den ich mir für die Zugfahrten mit den kyrillischen Ortsnahmen gemacht hatte, wie mein Reiseplan aussah, und außerdem ein paar Bilder von den bisherigen Aufenthalten in Sewastopol und Odessa auf meinem Netbook.

Später bauten erst die junge Dame, die bisher in ein Magazin, Rätselheft o.ä. vertieft war, und dann ich, unsere Betten. Diesmal öffnete ich den Textilienbeutel, der Bettzeug und ein Handtuch enthielt. Ich weiß nicht, ob ich alles so hinfriemelte, wie es im Sinne des Erfinders war, aber die Vorbereitungen bescherten mir ein angenehmeres Liegen als bei der Hinfahrt, wo ich mich einfach nur hingehauen und sonst um nichts gekümmert hatte. Ich bezog also – im doppelten Sinne – meine Koje, schaltete meine Individualbeleuchtung ein und las. Zwischendurch versuchte ich, ein wenig zu schlafen. Hm. Auf einer Internetseite über das Programm einer Gruppenreise in der Ukraine (die auch eine solche Zugfahrt enthielt) hatte ich etwas so in der Art „Lassen Sie sich durch das leichte Rattern der Schienen sanft in den Schlaf schaukeln“. Als ich das gelesen habe, hielt ich das für sehr euphemistisches Marketing-Gesülze, mir war eher das oft sehr ruckartige Anfahren und auch teilwesie Bremsen des Zuges auf der Hinfahrt in Erinnerung geblieben. Einmal war so ein Ruck so heftig gewesen, dass einer der Mitreisenden überrascht aufschrie. Aber nun… stellte ich überrascht fest, dass das Geschaukel und Gerukkel des Zuges mir tatsächlich recht angenehm war. Ich schlief aber trotzdem lange nicht ein.

Ankunft 04.50 Uhr in Odessa

Ankunft 04.50 Uhr in Odessa – gähn… Vage im Hintergrund ist das große Bahnhofsgebäude zu erkennen.

Nun, ein wenig Schlaf werde ich dennoch bekommen haben. Aber ich war schon wach, als wir uns langsam dem Ziel näherten. Also, Sachen zusammenpacken, Bett wieder abbauen, und auf die Einfahrt in den Bahnhof warten. Mit zehn Minuten Verspätung (wie waren, glaube ich, auch mit dieser Verspätung in Dschankoij abgefahren) erreichte der Zug schließlich Odessa. Ich betrat das große Bahnhofsgebäude in der Absicht, zunächst den Warteraum, an den ich mich hier erinnerte, aufzusuchen. Als ich den nicht sofort fand, suchte ich stattdessen dieses Café auf, tja, und da bin ich nun.

Übergangs-Blog-Hauptquartier im Bahnhofscafé

Übergangs-Blog-Hauptquartier im Bahnhofscafé: Hier habe ich ca. dreieinhalb Stunden gehockt. Auf dem Bild ist Kaffee Nummer drei zu sehen.

07.42 Uhr. Kaffee Nummer 3 längst alle, und einen viertem möchte ich ersteinmal nicht. Ich werde mal versuchen, den Beitrag bis hierher einzustellen und Bilder hochzuladen – ich habe ja eine Internetverbindung offen. Anschließend sind ein wenig frische Luft und der Energy-Drink angesagt. Draußen ist es inzwischen hell, es scheint wieder ein sonniger Tag zu werden. Vielleicht nehme ich mir die Ingress-Portale am Kreisverkehr vor, danach wohl zu McDonald’s, um dort irgendwas zu frühstücken und die Tualet zu benutzten.

Wird fortgesetzt…

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Fähranleger Sewastopol-Bucht Nord: Badezimmerarmaturen, Steckdosenleisten, Ethernetkabel. WTF?

Ich erwachte um 09.10 Uhr. Es kam so komisches Licht von draußen rein. Sonne! Sieh mal einer an. Aber erstmal duschen und frühstücken. Das Frühstücksbuffet hatte sich wieder in Nuancen verändert, es gab Rührei, Trinkjoghurt und so komische Bratlinge, die ich aber nicht probiert habe. Dafür gab es die Heißwasser- und Teestation nicht mehr. Aber eine Mitarbeiterin des Hotels fragte, ob ich Kaffee wolle, was ich natürlich bejahte. „Djerkonor“, sagte ich. Sie entgegenete, das hieße „Spassieba“. Ich sagte ihr auf Englisch, okay, bei 65% russischer Bevölkerung hier… „Djerkonor“ (oder so ähnlich) ist Ukrainisch für „Danke“. „Ja“ heißt auf Ukrainisch übrigens „Tak“, also klingt jedenfalls so, und damit genauso wie das dänische „Danke“, was mich gelegentlich durcheinanderbringt. Wie auch immer, man liegt hier eher mit Russisch als mit Ukrainisch richtig. Bei „Danke“ gibt es allerdings auch auf ukrainisch die Variante „Spassiebi“, also fast wie Russisch, nur dass der Laut am Ende eher ein kurzes i als ein kurzes o oder a wie im Russischen ist. Der Kaffee war übrigens nicht doll. Sowas sollte man den Profis überlassen!

Genug der Feinheiten. E-Mails im Foyer checken und Hotelportal hacken war angesagt, dann klar Schiff im Zimmer machen, paar Sachen für unterwegs einpacken (Wasser, Kamera, Buch und so weiter) und raus in die Sonne. Das Wetter war bisher das beste der ganzen Reise – kaum Wind, durchgehend Sonne und nur ein paar Wolken. Und es wurde tendentiell über den Tag immer besser, in der Sonne war es sogar recht warm. Und in diesem Licht (okay, natürlich kein „schönes Licht“, dieser Begriff ist selbstverstänlich Nord-Skandinavien vorbehalten) sah die Stadt sofort viel freundlicher aus, und ich konnte auch endlich mal ein paar ganz schöne Bilder knipsen.

Küstenstraße an der Pivdenna-Bucht Richtung Norden

Küstenstraße an der Pivdenna-Bucht Richtung Norden

Der Plan des Tages – ich konnte ja nicht wissen, dass ich auf einmal mit Sonner verwöhnt würde – war simpel: Zum Bahnhof, an einer Schlange vor einem Ticket-Schalter anstellen, dabei nicht ausrasten, Ticket für morgen kaufen, dann wieder irgendwo einen Souvenirladen finden, der Postkarten verkauft, dann zur Post, Briefmarken besorgen. Ich wollte noch ein paar Leuten, die ich noch nicht bedacht habe, ein paar Karten schreiben. Zuerst ging ich etwas anders als am Vortag und landete direkt an der Südspitze der Pivdenna Bay. Ich konnte auf der anderen Seite nicht weit zwischen Wasser und Bahnlinie gehen, da war begann sofort wieder ein russischer Sperrbezirk, wo Feierabend war. Also zurück und erstmal ab zum Bahnhof.

Bahnhof Sewastopol

Bahnhof Sewastopol

Der Teil am Bahnhof lief viel schneller und besser ab, als befürchtet: Es gab nur eine kurze Schlange, und ich war ziemlich schnell dran. Ich gab der Dame am Schalter meinen Zettel mit den kyrillisch notierten Ortsnamen, Abfahrts- und Ankunftszeiten und Zugnummern. Da ich ja inzwischen kapiert habe, dass ich das Ticket von Dschankoij nach Odessa schon habe (auf der Rückfahrt wird dort, nicht in Simferopol umgestiegen), benötigte ich ja nur das Ticket nach Dschankoij, deswegen habe ich das eingekringelt, auch das Datum von morgen. Die Frau am Schalter verwies mich aber sofort an den seperaten Service-Schalter. War wohl mal wieder zuviel verlangt.

Dösender Hund am Bahnhof Sewastopol

Dösender Hund am Bahnhof Sewastopol – einige der Tiere sehen echt ganz gut aus, und ich frage mich, ob noch Anfragen gewisser Leute kommen, einfach mal einen in den Koffer zu packen…

Die Dame am Service-Schalter sprach natürlich auch kein Englisch. Ich gab ihr meinen Zettel und sie machte so eine Geste in Richtung „Das kostet aber viel Kohle, was Sie da wollen.“ Häh? Was sollte denn das? Egal. Ich zeigte ihr noch mein bereits vorhandenes Ticket von Dschankoij nach Odessa, und sie verstand letzen Endes, was ich wollte und druckte mir ein Ticket aus. Das hat dann nicht viel gekostet, irgendwie so um die 50 UAH. Ich wollte dann noch wissen, von welchem Gleis der Zug führe und malte dazu ein paar stilisierte Gleise auf meinen Zettel. Sie verstand schließlich und deutete auf das von mir mit „1“ beschriftete Gleis.

Kirche X

Kirche X – habe ich irgendwie bei der lfd. Nummer übersprungen. Übrigens, das gelbe Ding, welches sich in der Kuppel spiegelt, ist die Sonne.

Erfreut davon, dass das so schnell gegangen war, und vom schönen Wetter, machte ich mich wieder in Gegenrichtung auf die Socken. Ich wollte wieder Richtung Norden, wo die Pivdenna-Bucht in die große Sewastopol-Bucht übergeht, denn dort waren die ganzen Andenken-Läden, ich hoffte, die würden auch Postkarten haben. Frohgemut schritt ich auf der Küstenstraße entlang und wählte dabei einen teilweise von dem vor zwei Tagen genommenen Weg abweichenden Pfad. Dabei entdeckte ich demzufolge auch ein paar neue Sachen, unter anderem Gedenkstätten (von denen es hier nur so wimmelt), die ich noch nicht gesehen habe, und einen alten, russischen Schützenpanzer, der wohl auch sowas wie eine Gedenkstätte war.

Schützenpanzer

Schützenpanzer. Man beachte das Kreuz links davon, eine weitere von sehr vielen Gedenkstätten hier. Im Kontext bedeutet das soviel wie Ursache (rechts) und Wirkung (links). Bitter, sarkastisch – aber es ist doch so.

Schließlich kam ich wieder an einem Kai an, den ich schon kannte. Hier legten Ausflugsboote ab, und ein Dame wollte mich für eine solche Fahrt gewinnen. Ich war nicht abgeneigt, Boot zu fahren. Aber wenn man versucht, mich aufdringlich anzuwerben, dann bewirkt das bei mir immer eher das Gegenteil vom gewünschten Effekt. Direkt daneben, so schien es mir, legten Fähren ab, die die unterschiedlichen Seiten der Buchten miteinander verbanden. Ohne wirklich zu wissen, wo die Fahrt hingehen würde, erstand ich spontan ein Ticket für bescheidene 2,50 UAH (also vielleicht 23 Cent) und ging an Bord einer Fähre. Was soll’s, ich hatte sowieso kein konkretes Ziel (außer Briefmarkten und Postkarten), Hauptsache, ein bisschen Boot fahren an einem so schönen Tag. Und was Neues sehen, egal was.

Kielwasser

Kielwasser der Fähre über die Sewastopol-Bucht. Links davon ist am Süd-Ufer die „Mikhail Lomonosov“, ein Flußkreuzfahrtschiff, zu sehen.

Die Fahrt ging bald danach los, und sie ging vom Südufer der Sewastopol-Bucht ans Nordufer (ich füge zum besseren Verständnis der Örtlichkeiten wieder den getrackten Tageskurs auf der Bikecomputer-Karte am Ende des Artikels bei). Auf der anderen Seite der Bucht lagen nicht weit weg einige etwas größere Kriegschiffe (so die Größenordnung Fregatte), aber das waren nicht nur Einheiten der Schwarzmeerflotte, sondern auch ukrainische Einheiten, die hier einträchtig neben russischen liegen. Konsequenterweise sind die Kräne der ukrainischen Hafenanlagen in deren Farben, also blau-gelb, lackiert, während die russischen, wie schon erwähnt, weiß-blau-rot sind. Ich genoss jedenfalls draußen am Heck (an den Bug konnte man nicht), die kleine Bootstour.

Ukrainische und russische Flaggen

Ukrainische und russische Flaggen, sowohl die Nationalfahne als auch die entsprechende Seekriegs-Beflaggung. Soll wohl die gemeinsame Nutzung von Sewastopol als Flottenstützpunkt symbolisieren.

Der Kahn legte nach vielleicht zehnminütiger Fahrt am Nordufer an. Ein paar Jugendliche und junge Erwachsene warteten das Anlegen nicht ab, sondern kletterten über die Reling und sprangen an Land, sobald es ging. Bei uns wäre der Pöbel sofort wegen Gefährdung des Seeverkehrs standesgemäß erschossen worden, da herrscht Ordnung! Es war übrigens eine reine Personenfähre, Autofähren verkehrten aber ebenfalls.

Meine Fähre

Mit diesem Boot fuhr ich über die Sewastopol-Bucht.

Tja, und nun? Am Anleger gab es erst einmal wieder eine Menge kleiner Stände und Geschäfte, die Getränke, Zeitschriften, Snacks und was weiß ich offerierten, sowie einen Busbahnhof. Nicht weit weg entdeckte ich eine Post. Hm… wenn ich hier irgendwo Ansichtskarten fände, dann könnte ich gleich Briefmarken erstehen und sofort schreiben und verschicken, kein schlechter Plan – dachte ich. Aber ich fand nirgendwo Ansichtskarten. Ich versuchte, durch entsprechende Gesten deutlich zu machen, was ich wollte, aber es führte nirgendwohin. Ich ging die Staße vom Fähranleger bergauf geradeaus hoch, was den vorigen Kurs der Fähre im Prinzip einfach verlängerte. Ich kam dann gleich auf einen kleinen Markt, auf denen man z.B. Blumen, aber auch so Touri-Sachen wie Baseballkappen und Sonnenbrillen erwerben konnte, nur keine Postkarten.

Badezimmerarmaturen

Also, ich kann hier am Anleger problemlos ne neue Duscharmatur erstehen. Aber keine Postkarten. WTF? Falls das hier mal ein interessantes Reiseziel für den Standard-Europäer werden soll, müssen die hier noch paar Dinge lernen. Keine schlechte Sache für den, der den ersten Postkartenstand hier aufmacht…

Stattdessen stieß ich auf Stände, die unter anderem Wasserhähne, Steckdosenleisten, allerlei Werkzeuge (unter anderem Trennscheiben) und Ethernetkabel feilboten. Was zum Geier… Gewisse Kapitalismus/Tourismus-Verfahrensweisen scheinen hier noch nicht angekommen zu sein. Stattdessen stieß ich auf eine Reihe Mini-Baumärkte.

Postamt oder so...

Eine Post im Norden der Sewatopol-Bucht. Scheint aber geschlossen gewesen zu sein. Egal, ich hab es ja eh nicht geschafft, irgendwo Postkarten zu erstehen…

Unschlüssig, was als nächstes anzufangen wäre, folgte ich der Straße weiter Richtung Norden. Ich stieß auf eine Menge streunende Hunde, alle friedfertig, aber gefühlt mehr als auf der Südseite. Katzen gab es natürlich auch. Die Sewastopol-Bucht teilt die Stadt in zwei Teile, und vielleicht unterscheiden sich Nord- und Südteil ja auch hier irgendwie ein wenig von einander, so wie in Hamburg oder Köln. Bei dem kleinen Teil, den ich gesehen habe, schien es mir gemächlicher als im Süden zuzugehen, weniger Verkehr und großzügige Bürgersteige, die ich im Süden meist vermisst habe. Ich hatte erwogen, mich so weit wie möglich den Liegeplätzen der Schiffe von Russen und Ukrainern zu begeben. Aber meiner Karte zufolge gab es dahin kaum Wege. Weiter im Norden, aber doch recht weit weg, gab es noch einen militärisch genutzten Flugplatz. Hm… verlockend, aber zu weit weg. Ich entschied mich schließlich, einfach nur die Sonne zu genießen. Dazu besorgte ich mir erst mal eine Zigarre und ein Obulon-Bier (nach dem AbBiBCbKE 1715 das Bier, auf welches ich mich hier eingeschossen habe) und trat den Rückweg zum Anleger an. Unterwegs holte ich mir noch ein Eis für 3 UAH.

Katze stillt Katze

Hier findet offenbar ein Katzen-Betankungsmanöver statt.

Neben dem Fähranleger gab es ein bisschen Kieselstrand. Hier lagen zwei Treibhölzer (nehme ich zumindest an) parallel angeordnet und luden zum Sitzen und Verweilen ein. Hier hatte schon eine Mutter mit Tochter Platz gefunden, also nahm ich das andere Treibholz, öffnete mein Bier und entzündete meine 28 UAH-Zigarre (was Teureres hatte man nicht da), wobei ich darauf achtete, die beiden anderen Strandbenutzer nicht mit dem Rauch zu belästigen.

Mein Stück Strand

„Mein“ Stück Strand für eine Zigarenlänge und ein „Obulon“-Bier.

Es war wirklich schön, ich konnte mal richtig ein bisschen entspannen. Das ist wiederum ein Vorteil des Alleine-Reisens: In einer Reisegruppe mit Programm kann man so etwas nicht einfach machen, wenn man Bock dazu hat… Ich hörte Musik, beobachtete die glitzernden Reflexe der Sonne auf dem Wasser, die an- und ablegenden Fähren, die Bläshuhner und Tauben und den einen oder anderen trägen Streunerhund. Ab und an kam mir einer recht nahe, aber ohne Stress zu machen. Ein anderer legte sich dann in meinen Schatten zum Dösen hin.

Dösender Hund an meinem Strand

Dösender Hund an „meinem“ Strand

Die Fähren kamen und gingen, die Mutter mit Tochter wurde durch einen jungen Burschen mit Kopfhörern in den Ohren, Smartphone, zwei dicken Sandwiches und einer Tüte Fruchtsaft abgelöst, der auch die Sonne genoss. Dieser wiederum wechselte mit einem Pärchen oder Ehepaar, vielleicht in meinem Alter, welches eine große Plastikflasche mit Bier und Becher aus demselben Material dabei hatte. Irgendwann war die Zigarre dann aufgeraucht, und die nächste Fähre Richtung Süden war meine. Ich hatte das auf einer Tafel eigentlich so verstanden, dass wochentags immer in der vollen Stunde die Fähren ablegten. Aber tatsächlich fuhren die halbstündig, im um viertel nach und viertel vor, wie ich beobachtet hatte.

Ich bezahlte also wieder 2,5 UAH und ging an Bord. Gute fünf Minuten später legte das Boot ab und erreicht nach kurzer Zeit wieder den Anleger auf der Südseite. Okay, das war eine echt schöne Aktion. Selbst eine kurze Bootsfahrt hat für mich ihren Reiz. Aber ich hatte noch immer keine Postkarten gefunden. Zuerst fand ich eine Toilette, wo ich für 2 UAH für kleine Touristen konnte. Dann gab es noch ein Eis – das erste war ziemlich übersichtlich gewesen – und ne Flasche Wasser. Aber immer noch keine Postkarten weit und breit.

Viele bunte Magnetbildchen

Viele bunte Magnetbildchen, vom weiten könnte man denken, es gibt hier Postkarten. Aber nööö – nur Bilder für den Kühlschrank. Gerne auch von schwer bewaffneten Raketenschiffen. Haltet mich für fixiert… ich bin ganz locker. ICH WILL POSTKARTEN, HEILIGSBLECHLE!!!

Das Fiese war, dass es sozusagen überall etwas gab, was auf den ersten Blick sehr nach Postkarten aussah. Nämlich Bilder mit typischen Ansichtskartenmotiven (unter anderem Schiffe der aktuellen Schwarzmeerflotte), die aber von Größe und/oder Format her eher Postkartenuntypisch waren. Ich wußte lange nicht, was das eigentlich für Dinger sein sollte. Also kaufte ich einfach eines, um es herauszufinden: Es sind Bilder, die auf der Rückseite einen Magneten haben. Ich erstand eins mit einem Raketenschiff der Slawa-Klasse darauf, ein etwas größeres Format, für 20 UAH.

Adlersäule

Die „Adlersäule“. Sie soll daran erinnern, dass sich im Jahr 1855 im Krim-Krieg die Schiffe der Schwarzmeerflotte in der Hafeneinfahrt versenkten, um den Gegner (Briten und Franzosen) an der Einfahrt zu hindern.

Ich versuchte es an einigen Ständen mit Händen und Füßen, an Postkarten zu kommen, aber ich fand keine. Langsam frustrierte mich die Sucherei und immer dieselbe Verständnislosigkeit bei den Standbetreibern ziemlich. Mist, ich hatte doch gerade noch so gute Laune. Irgendwann gab ich einfach auf und mir war nach einem Kaffee. Nicht nach irgendeinem Kaffee, sondern nach einem von den Kaffee-Profis im „Kofein“. Also weiter Richtung Hotel, Richtung Süden.

Mikhail Lomonosov

Mikhail Lomonosov – quasi ein Namensvetter von mir, ich glaube, Mikhail ist auch eine russische Version von Michael. Das Schiff habe ich schon in Odessa gesehen. Es war gerade unterwegs, als ich mit der Fähre wieder zurück zum Südufer fuhr, aber es hat nur den Liegeplatz gewechselt.

Ich konsultierte die Karte auf meinem Schlaufon und stellte fest, das mein alternativer Rückweg an einer Art Park vorbeiführte, den ich noch nicht gesehen hatte. Hm, mal gucken. Der Park bestand aus einer Menge Vergnügungsmöglichkeiten, die sich hauptsächlich an Kinder richteten. Es hab kleine Karussels und Eisenbahnen, Tretautos, und viele Dinge mehr. Auch hier hatte zuvor eine massive Invasion von z.B. den Figuren aus Shrek, Pixar-Filmen und insgesamt Disney & Co. stattgefunden. Nur Schlümpfe sind mir nicht begegnet. Endlich mal Ruhe vor den blauen Zwergen!

Rummelplatz ohne Rummel

Hm, hab ich das nicht schon woanders gesehen? Nix los hier auf dem Rummelplatz im Park.

Aber auch hier sah es trotz des prächtigen Wetters ähnlich aus wie auf dem Freizeitpark gestern auf dem Hügel beim Riesenrad: Es stand alles still, niemand benutzte die Fahrgeschäfte. Es gab allerdings daneben einen schönen Spielplatz mit wahrscheinlich kostenlos zu nutztenden Spielgeräten, hier gab es viele Kinder, die sich vergnügten. Danach kam ich an einem Fußball- und einem Tennis-Court vorbei, wo ebenfalls einiges los war, Kinder und Jugendlichen droschen fleißig auf die für die jeweilige Sportart geeigneten Bälle ein.

Kirche Nummer 6

Kirche Nummer 6 – glaube ich. Wie gesagt, es ist mir zu anstrengend, diese ganzen Kirchen zu recherchieren, da informiere ich mich lieber über die Geschichte der Stadt, insbesondere den Krim-Krieg und die Schwarzmeer-Flotte. Aber immerhin: Beeindruckend sehen die Teile schon aus.

Dann ging ich auf eine dieser prachtvollen, potentiell orthodoxen Kirchen zu (ähm, Nummer sechs, wenn ich mich nicht verzählt hatte). In dem Moment überlagerte ein langgezogener Gesang das geniale Saxophon-Intro von Steely Dans „Everything must go“. Moment mal, sowas kannte ich doch aus Jerusalem? Aber das vor mir waren doch christliche Kreuze auf der Kirche? Ich drehte mich um 180 Grad und erspähte dann ein Minarett, welches zwischen anderen Gebäuden hervorragte, und stellte die Musik etwas lauter.

Plötzlich hörte ich doch mir vom vergangenen Jahr noch sehr vertraute Klänge... die kamen offenbar von diesem überdimensionalen Zahnstocher.  Ich bitte um Verzeihung, dass ich diesen Audruck, den ich bereits für das Washington-Memorial verbraten habe, recycled habe...

Plötzlich hörte ich doch mir vom vergangenen Jahr noch sehr vertraute Klänge… die kamen offenbar von diesem überdimensionalen Zahnstocher. Ich bitte um Verzeihung, dass ich diesen Audruck, den ich bereits für das Washington-Memorial verbraten habe, recycled habe…

Ich machte ein paar Bilder von Kirche Nummer sechs und folgte weiter meinem Weg. Nicht viel später sah ich dann schon das russische Theater vor mir. Unmittelbar daneben arbeiten ja bekanntlich die Kaffee-Profis im „Kaffee/Bier/Sex-Komplex“. Leider schien außen kein Betrieb zu sein, was ich ein bisschen schade fand, also rein. Der Laden hat 24/7 geöffnet. Ich orderte einen Wiener Kaffee und ein Bacon-Sandwich und bekam wieder eine Sanduhr auf den Tisch gestellt. Nachdem ich ein wenig an meinem mitgebrachten Buch genascht hatte, war meine Bestellung wieder sehr schnell da und beides mundete auch wieder hervorragend. Wenn ich länger hierbliebe, würde ich vielleicht dort auch einmal zu Abend essen, die haben z.B. auch ein paar Pastagerichte. Aber heute habe ich einen Pizza-Laden vorgesehen, an dem ich schon ein paar Mal vorbeigekommen bin, und morgen geht es ja zurück nach Odessa.

Tja, soweit, so gut. Ich gehe jetzt erstmal ein Stück Pizza in den Mund nehmen. Bis gleich!

So, bestens gesättigt und zurück am Blog. Ich benötigte erstmal frisches Geld. Im Foyer gibt es einen Automaten, der Maestro-Karten akzeptiert. Nun habe ich eher zuviel als zuwenig ukrainische Kohle, aber, um einen Standard-Spruch eines guten Freundes zu zitieren: „Haben ist besser als Brauchen“. Und ich kann den Rest ja wieder an der Reisebank am Neumarkt verklappen, falls was übrig bleibt.

Ich entschied mich, erstmal Lebensmittel für die Fahrt zu kaufen, inkl. Bier für den Restabend. Dann hätte ich etwas flexiblere Währungseinheiten. Ich ging wieder in den Lebensmittelladen meines Vertrauens. Und überforderte offenbar die gute Frau (ist aber eine echt Nette) ein wenig mit meinem Mammut-Einkauf: Vier Dosen Bier, eine Dose Energy-Drink (ich mag das Zeug eigentlich nicht, aber ich muss von 4.40 Uhr bis zum Einchecken ins neue Hotel in Odessa irgendwie wach bleiben), zwei Äpfel, eine Orange, vier Salami-Würste und ein 5er-Pack Snickers-Riegel. Aber zuletzt konnte ich blechen.

Die Zentrale der Kaffee-Profis

Bei den Kaffee-Profis geht’s mir gut. Hier werden Sie geholfen!

Dann wollte ich eigentlich in der kleinen Pizzaria, die auf dem Weg zu „meinem“ Lebensmittelladen liegt, was essen. Aber… keine englische Karte. Hrrrgn. Da hatte ich einfach keinen Bock drauf. Ich entschied mich schnell, doch zu meinen Freunden, den Kaffee-Profis, zum Abendessen zu gehen. Da weiß ich, was ich hab… In diesem Fall: Einmal Spaghetti Bolognese, ein Bavaria-Bier, anschließend ein Latte. Wie immer: Alles gut, schnell, professionell. Wenn ich könnte, würde ich den Laden komplett in einen Koffer packen und nach Osnabrück importieren (vor allem auch die Preise…). Ich glaube, dass auch die Gastro-Expertinnen in meinem Bekanntenkreis beeindruckt wären.

Tja, doch dann hieß es endgültig Abschied vom „Kofein“ nehmen, zurück ins Hotel, Blogeintrag zuende schreiben. Fehlt noch die Auswahl der Bilder und deren Upload, was auch noch einmal eine Weile dauert.

Strecke des Tages

Strecke des Tages – über 18 km, was ein neuer Rekord sein dürfte. Naja, davon waren ja andererseits bestimmt ein oder zwei km die Fahrt mit der Fähre…

Ausblick auf morgen und übermorgen:
Werde wohl zu Fuß zum Bahnhof gehen. Wird zwar mit meiner quietschorangenen Hartschale auf der Treppe bisschen Schlepperei, aber hey, ich hab das Teil auch schon die Potemkin-Treppe hochgeschleift. 12:40 Uhr fährt der Zug nach Dschankoij. Hier habe ich 02:10 Stunden Aufenthalt, bevor um 18:45 Uhr der Nachtzug nach Odessa startet. Tja, und der richtig unbequeme Teil beginnt dann: Ich komme 04:40 Uhr an. Check in ist erst ab 14:00 Uhr. Also gilt es, 09:20 Stunden totzuschlagen, die ersten davon noch mitten in der Nacht. Deswegen der Energy-Drink. Es gibt im Bahnhof Odessa einen Warteraum, in dem ich wohl die ersten drei bis vier Stunden zubringen werde. Dann werde ich zu Fuß (lt. Google Maps eine Stunde zu Fuß, aber ich habe ja jede Menge Zeit…) oder per Taxi schon mal in Richtung Hotel aufbrechen, oder vorher irgendwo in der Nähe des Bahnhofs frühstücken. Oder danach in Hotelnähe, je nach Hunger und Lust. Oder auch einfach beides, um mehr Zeit in irgendwelchen Läden mit Sitzgelegenheiten und Toiletten verbringen zu können. Man wird sehen.

Der nächste Blog-Eintrag kommt dann also wahrscheinlich erst wieder übermorgen, nach der Bahnfahrt. Und vielleicht erst, wenn ich wieder ausgeschlafen bin.

Bis bald!

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Rummelplatz ohne Rummel, Ukraine-Blues und Kaffee-Profis

Ich wachte um 09.30 Uhr auf. Hm… ich schlafe doch so gerne… Konnte mich erst nicht so richtig entscheiden. Frühstücken oder nicht? Kurz vor knapp ging ich Ferkel dann doch noch ungeduscht zum Hotelfrühstück. Wow – es gab heute nicht Reis, sondern unter anderem gebackene Kartoffeln und Nudeln zum Frühstück. Wie ein Freund mir unlängst schrieb: Andere Länder, andere Fritten. Außerdem gab es Omelette – nun, der Unterschied zwischen Omelette und Rührei ist fließend, aber ich mag beides. Hauptsache, Ei! Ich schaufelte mir einen Teller voll mit Protein- und Kohlehydrat-Trägern (und sogar ein wenig Grünzeug dabei…) und nahm ein paar Scheiben Brot mit Schinken und Käse und ne Tasse Tee mit an einen Tisch. Kein WLAN. Hm. Das erreichbare Level-6-Portal muss warten (ist übrigens das Hotel selbst).

Riesenrad-Zeichnung

Eine Art Montagsmaler-Zeichnung des Riesenrades auf dem iPad. Auch eine Möglichkeit, zu kommunizieren. Dahinter ein Zettel mit den Bildern von heute, die ich für den Upload in den Blog ausgewählt habe.

Nach dem Frühstück surfte ich im Foyer mit dem iPad auf Google Maps herum. Ich hatte hier bei der Anreise aus dem Taxi ein Riesenrad gesehen, das suchte ich nun mit der Satellitenansicht auf Google Maps. Ich fand es nicht. Also malte ich ein Riesenrad mit einem Fragezeichen auf mein iPad, zeigte es dem Rezeptionisten und ließ mir den Weg auf der Google Karte zeigen. War keine Sache – angeblich nur 5 Minuten zu Fuß, also um die Ecke, aber immer schön bergauf. Aha. Danach ging ich auf mein Zimmer, um ein bisschen klar Schiff zu machen.

Riesenrad

Ziel in Sicht – das Riesenrad

Also, ich wollte auf jeden Fal mit dem Riesenrad fahren, in Odessa habe ich das ja nicht auf die Reihe bekommen. Nun, ich habe ja noch Aufenthalt dort, vielleicht mache ich es ja noch. Dann hatte ich mir auf Google Maps noch angesehen, wo die Russen ihre größeren Raketenschiffe geparkt haben. („Raketenschiff“, das klingt für mich eher nach Flash Gordon als nach Marine. Als wären die Raketen Antrieb und nicht Bewaffnung.) Das ist deutlich zu sehen, ebenso, was für Schiffe das sind. Auch die Schiffe, die ich gesehen habe,lagen auf Google Maps genau auch dort, wo ich sie gesehen hatte, zumindest die interessanteren. Um in die Nähe der Liegeplätze zu kommen, musste ich erstmal auf die andere Seite der Piv’denna Bucht (oder wie diese Darmzotte, an der ich hier residiere, auch immer heißt), und dann ganz hoch ans Ufer der Sewastopol-Bucht. Auf der anderen Seite von dort aus gesehen waren die Parkplätze der Schiffe, die mich interessierten. Wie ich dann da noch rüber käme… mal sehen, vielleicht auch gar nicht. Um erstmal auf die andere Seite der Piv’denna zu kommen, könnte ich entweder Richtung Norden gehen und eine Fähre nehmen, oder Richtung Süden, die Südspitze umrunden und dann auf der anderen Seite ganz hoch laufen. Das war vage der Plan, und dabei schon mal einen Blick auf den Bahnhof werfen, der ziemlich genau an der Spitze der Piv’denna liegt. Übermorgen geht es ja von dort aus zurück – hoffentlich.

Aber erst einmal zum Riesenrad. Dieses lag oben auf einem der Hügel im sogenannten Panorama-Park. Hier angekommen kam ich ersteinmal auf einen großen Platz, der von Andenkenläden und Schautafeln zur Geschichte der Stadt geprägt war. Ich konnte natürlich nichts lesen, aber die Bilder zeigten, was ich schon so mitbekommen hatte – die Stadt hat so einiges an Krieg erlebt. Ich hatte schon gelesen, dass der Krim-Krieg einen ziemlichen Trümmerhaufen hier hinterlassen hat. Krim-Krieg? Keine Ahnung, habe ich im Geschichtsunterricht nicht gehabt (oder geschlafen, was mindestens genauso wahrscheinlich ist). Aber ich glaube, das werde ich auf Wikipedia mal recherchieren. Wird auch mal Zeit, dass ich wieder mal was an den Verein spende…

Rundes Gebäude

Rundes Gebäude im „Panorama-Park“. Keine Ahnung, was drin ist.

Außerdem gab es ein riesiges Gebäude mit rundem Grundriss und großer Kuppel. Ich hatte keinen Schimmer, was das war, mir fehlte gerade auch die Neugier, mal reinzugucken – was mich im Nachhinein ärgert. Stattdessen ging ich weiter zum Riesenrad. Dies stand auf dem Gelände eines kleinen Freizeitparks. Rummelplatz, wie man das in meiner Kindheit in Schleswig-Holstein, wo ich da gewohnt habe, genannt hat (auch wenn damit eher ein Jahrmarkt, keine dauerhafte Einrichtung gemeint war). Nur… es fehlte jeglicher Rummel. Bis auf das Riesenrad stand alles still, es waren kaum Leute unterwegs. Die Fahrgeschäfte selbst waren, verglichen mit einem Jahrmarkt bei uns, ziemlich schmucklos, wenig Beleuchtung, wenig Deko, die Farben verblasst. Allerdings fällt mir gerade ein, dass das bei so einem Top-Spin und ähnlichen Fahrgeschäften im Heide-Park Soltau eingentlich nicht anders ist, nur auf Jahrmarkten sind die schöner gestaltet.

Stillstehende Fahrgeschäfte

Alle Räder stehen still, wenn das Wetter es so will – Fahrgeschäfte vom Riesenrad aus fotografiert.

Geöffnet schienen die meisten Fahrgeschäfte aber durchaus zu sein. Es gab aber nur Musik bei einem. Es war fast ein wenig gruselig. Immerhin, das eine Fahrgeschäft neben dem Riesenrad drehte mit zwei Besatzungsmitgliedern (vermutlich Vater und Tochter) ein paar Runden. Am Schalter beim Riesenrad machte mir die Frau deutlich, dass ich an der Kasse ein Ticket zu erwerben hatte. An der zentralen Kasse konnte man für alle Fahrgeschäfte die Legitimation zur Fahrt erwerben. Ich deutete nur auf das Riesenrad und erwarb für 15 UAH einen Fahrschein. Wenn ich das richtig verstanden hatte, für eine Runde.

Katze an der Kasse

Eine Katze an der Kacca – möchte die auch Riesenrad fahren? Dann wären wir zumindest zu zweit…

Ich ging zurück zum Riesenrad, die Frau ließ mich lächelnd passieren. Das Riesenrad drehte sich permanent, aber so langsam, dass man jederzeit in die Gondeln ein- oder aussteigen konnte, was ich umgehend tat. Also, einsteigen, natürlich. Riesenräder und ich, dass ist so eine Sache. Als Kind hatte ich irgendwie Angst vor den Dingern. Es gab eine Epidode mit einem Riesenrad in der Sesamstraße, die mich als Kind aus welchem Grund auch immer in Angst und Schrecken versetzt hat. Seit jenen Tagen ist „Nicht das mit dem Riesenrad“ als Kinderzitat von mir, welches von meinen Eltern gerne schmunzelnd rezitiert wird, was ihnen auch ausdrücklich vergönnt sei. Und heute? Nun, ich habe vor Höhe schon Respekt, aber nicht wirklich Angst. In meinen besten Tagen konnte ich auf dem Pont du Gard in Frankreich bei Orange (knapp 50m hoch über der Rhône) am Rand sitzen und mit den Beinen baumeln. Aber bei einem Riesenrad, welches vermutlich noch aus der Zeit stammte, als die Russen Gary Powers vom Himmel geholte haben (ich übertreibe ganz sicher), einer Maschine mit beweglichen Teilen und so… Ich habe bei Fahrgeschäften bei uns schon immer ein wenig Schiss, vor allem, wenn es hoch geht. Und dann hier, wo man immer so ein wenig die Auswirkungen des Kommunimus auf die Qualität so ziemlich aller Produkte im Hinterkopf hat, nun ja… Aber andererseits, auch hier wird es Sicherheitsbestimmungen geben, und es ist ja einfach nicht so, dass hier alle Nase lang Flugzeuge abstürzen, Züge verunglücken oder Riesenräder einstürzen würden.

Pivdenna bay mit Zoom

„Pivdenna bay“ von oben mit Zoom. Was kann denn ich dafür, wenn die Russen ihre U-Boote in meinem Panoramabild abstellen…

Nun, hoch ging es. Und eröffnete neue Perspektiven zum Fotografieren. Es war auch, wie in einer gewissen Höhe zumeist, etwas windig und kalt. Im Ohr hatte ich Donald Fagans „New Frontier“:
„yes, we’re gonna have a wing-ding.
A summer-smoker underground.
It’s just a dug-out that my dad built,
in case the Reds decide to push the button down…“

Ich knipste also, was das Zeug hält, die Bucht und in die anderen Himmelsrichtungen. Dann ging es wieder runter. Ich glaube, ich war der einzige Passagier. Nachdem ich ausgestiegen war, ging ich an den verwaisten Fahrgeschäften vorbei zum Ausgang.

Westfiguren

Oha! Allen Geschützen, Raketenschiffen und Statuen mit Abschreck-Gebärden zum Trotz hat hier der Klassenfeind deutlich Einzug gehalten – in Form der sieben Zwerge, Winnie the Puh, der Simpsons, einer Ninja-Turtle, Tom und Jerry, Biene Maja und einiger anderer Disney-Figuren.

Irgendwie deprimierte mich die Atmosphäre. Alles grau und schmucklos und nichts los. Wahrscheinlich steppt im Sommer der Bär. Immerhin war ja Sonntag, also hatten die meisten Leute sicherlich frei. Aber es war grau und kalt, nicht gerade einladend für einen Familienausflug in einen Freizeitpark. Immerhin, ich hatte Operation Riesenrad erfolgreich absolviert.

Vorderlader-Kanone

Anker, Kanonen, Kanonen, Anker… immer das Gleiche…

Ich ging auf einem anderen Weg zurück. Unterwegs kam ich an einer uralten Geschützstellung vorbei, die alten Vorderladerkanonen waren nicht Richtung Bucht, sondern landeinwärts gerichtet. Hm. Hatte vielleicht mit dem Krim-Krieg zu tun. Mal bei Gelegenheit recherchieren, ob der Technologiestand zeitlich zum Geschehen passt. Ich kam wieder zu dem Platz mit dem großen, runden Gebäude und verließ denPark.

Bahnhof Sewastopol

Bahnhof Sewastopol

Ich ging die Straße wieder runter, bis ich im Prinzip schon fast wieder beim Hotel war und ging dann hinter dem „Kaffee/Bier/Sex“-Komplex in der Nähe des russischen Theater die Treppe runter Richtung Hafen. Ich folgte dann der Straße weiter runter und folgte dann meiner Bikemap-Karte auf dem Schlaufon bis zum Bahnhof. Ich überquerte die Gleise über eine Brücke und betrat dann das Bahnhofsgebäude. Es gab, wie auf anderen Bahnhöfen auch, einen Warteraum mit diversen Stühlen, eine Information und die Ticket-Schalter. Es war einer von vielleicht sechs geöffnet, und davor war wieder eine Schlange. Aber es war wenigstens nicht so ein Gewusel wie in Simferopol. Und ich Idiot hatte meinen Zettel, auf dem ich Hin. und Rückfahrt auch in kyrillischen Zeichen notiert hatte, im Hotel gelassen! Also eine eher wertlosen Aktion am Bahnhof.

Hm… Ich überlegte immer noch, eventuell die Alternativ-Lösung für den Rückweg zu wählen. Das wäre ein Flieger von Simferopol über Kiev nach Odessa. 211 Euro wären okay dafür, aber… der Flieger geht ab 07.00 Uhr. Das bedeutet, ich müsste wahrscheinlich so um vier Uhr hier aufstehen, um fünf auschecken… geht das überhaupt? Müsste ich erst noch checken. Wäre interessant, was Ukrainian Airways so auf Inlandflügen für Vögel einsetzt. Wäre ja schon interessant, mal mit einer Illushin oder Tupulew zu fliegen.

Streuner im Bahnhof Sewastopol

Streuner im Bahnhof Sewastopol

Ich verließ den Bahnhof. Nebenan war gleich ein großer Busbahnhof, wahrscheinlich konnte man von da was weiß ich wohin überall fahren. Wenn nur nicht immer mein Kommunikationsproblem wäre – irgendwie demotivierte mich das immer wieder, nach irgendetwas zu fragen. Erfolglos zu versuchen, mich verständlich zu machen oder verständnislos den russischen / ukrainischen Monologen zuzuhören frustrierte mich immer wieder, weshalb ich diese Erfahrung auch auf ein Minimum beschränkte. Ich weiß, am Anfang habe ich noch ganz andere Töne angeschlagen. Ich komme ja auch leidlich zurecht, aber es macht mir einfach keinen Spaß.

Eisenbahngeschütz

Eisenbahngeschütz in der Nähe des Bahnhofs – eindeutig dem zweiten Weltkrieg zuzuordnen. Soweit ich weiß, hatte die deutsche Wehrmacht auch sowas.

Ich ging weiter auf der – von meinem Hotel aus gesehen – anderen Seite der Bucht Richung Norden. Hauptstraße, schmucklose Gebäude, Abgaswolken, alles grau in grau. Immer mehr machte sich bei mir wieder einmal die „Was zum Geier mache ich hier eigentlich?“-Einstellung breit. Ich schaute auf meine Bikemap-Karte. Weil die Bahnlinie zwischen mir und der Bucht lag, konnte ich nicht an die Wasserkante. Und das eigentlich bis zum nördlichen Ende der Bucht, wo diese in die Sewastopol-Bucht übergeht. Ätzend. Und da hatte ich die Schnauze dann einfach voll. Keine Lust mehr. Ich machte etwas abseits, zwischen Hauptstaße und Bahn, eine kleine Pause, mampfte ein bisschen was vom Gebäck des Vortages, welches ich mitgenommen hatte, trank etwas Wasser, beobachtete einen friedfertigen Streunerhund – und schlug die Gegenrichtung ein.

In der Nähe des Bahnhofs betrat ich einen der vielen kleinen Märkte, um schon mal die Bierration des Tages zu erwerben, vielleicht noch Wasser und Süßigkeiten dazu. Ich schnappte mir vier Flaschen AbBiBCCbKe 1715 und wollte eigentlich noch andere Sachen kaufen. An der Kasse lagen so Gebäckstücke, die wie Berliner aussahen. Aber ich wurde von einem älteren Mann unterbrochen, der mich mit wenigen verbliebenen Zähnen anlächelte und wissen wollte, woher ich käme. Hm – ich gehe da ja mittlerweile automatisch in die Defensive. Der Mann sprach aber ein paar Brocken Deutsch, auch Englisch, und war sehr freundlich. Irgendwann sprach er von Schnaps, eines der deutschen Worte, die der Russe und Ukrainer wohl offenbar am wahrscheinlichsten im Wortschatz hat, wenn ich die Geschichten anderer Reisender (vor allem meiner Mutter) in diese Regionen richtig deute. Ich sagte automatisch „Ni“ (ukrainisch für „Nein“, russisch wäre bekanntlich „Njiet“). Es war nach meinem Dafürhalten noch nicht die Zeit für starken Alkohol. Genauso deutsch wie die automatische Defensivhaltung – und dazu bin ich ohnehin leider die meiste Zeit ziemlich unentspannt hier. Nun, der Mann ließ sich nicht beirren und orderte bei der Frau an der Kasse Schnaps, den diese aus einem Plastikbehälter an der Rückwand in zwei Plastik-Pinnekens zapfte. Nun denn. „Sa sadorowje!“, sagte ich, was wohl wieder eher russisch ist und wohl „Auf die Gesundheit“ bedeutet oder so. Als Touri hätte laut Reisefüher auch das ukrainische „Bud’ymor“ (was einfach nur „Prost“ bedeutet) ausgereicht. Wie auch immer, wir kippten gemeinsam den Drink. Der gute Mann erzählte mir alles mögliche, ich verstand einige Brocken. Er hatte eine Plastiktüte mit drei von diesen Berliner-ähnlichen Gebäckstücken dabei und bot mir auch davon an. Ich nahm eins, und es war sehr lecker. Es enthielt anstatt Marmelade eine Vanillecreme, was ich ja eher noch besser finde. Er bot mir noch mehr davon an, aber ich lehnte höflich ab und bereitete den Ausstieg vor. Es gab herzliche Abschiedsworte von beiden Seiten und einen sehr kröftigen Händedruck. Nun, das war mal eine angenehme Erfahrung trotz meiner Verklemmtheit – genau soetwas wollte ich ja gerne erleben. Pluspunkt für die Leute hier!

Profi-Kaffee

Pinien-Kern-Kaffee mit Topfpflanze oben drauf. Ich möchte den Kaffee-Vollautomaten sehen, der sowas hinkriegt…

Trotzdem war ich immer noch eher schlecht gelaunt. Ich erklomm die Straße und die Treppe Richtung Hotel, ich wollte mir den Rest des Tages einfach mal „frei vom Urlaub“ nehmen. Klingt bescheuert, ist es vielleicht auch, aber was soll’s. Unterwegs kam ich wieder am „Kaffee/Bier/Sex“-Komplex vorbei. Das „Kofein“ sah im Moment einladend (alleine der Name ist ja schon sehr verheißend) aus – mein letzter Kaffee war ja irgendwie wohl noch in Odessa gewesen. Also rein da. Wow. Man nahm mir die Jacke ab und brachte mir eine englischsprachige Karte. Es gab ohne Ende Kaffeespezialitäten, alleine die unterschiedlichen Kaffeesorten (im Sinne von Bohnen bzw. deren Ursprungsland) war beeindruckend. Natürlich gab es auch die diversen internationalen Zubereitungsarten inklusive der amerikanischen, kalten Kaffeevarianten über die italienischen und österreichischen Klassiker bis hin zum „Soviet Coffee“ (vermutlich mit Schießpulver oder so). Ich nahm einen „Pine Nut irgendwas“ und ein Thunfischsandwich. Die Bedienung stellte, nachdem ich bestellt hatte, eine Sanduhr auf den Tisch. Witzige Idee, vielleicht steckt mehr dahinter, z.B. dass man Preisnachlass bekäme, wenn man seine Sachen nach Ablauf der Uhr noch nicht hätte oder so. Das „Kofein“ war nicht sehr gut besucht – wie alle Läden hier offenbar, und ich bekam meinen Cappuccino und mein Sandwich sehr sehr schnell und lange vor dem Ablauf der Sanduhr. Das Getränk war schon optisch sehr schick – die haten es hier raus, aus dem Milchschaum und der Crèma ein Bild einer Topfplanze auf die Kaffeeoberfläche zu zaubern. Was mich dann überraschte (vielleicht hatte ich das auf der Karte nicht genau genug gelesen), waren die Pinienkerne in dem Kaffee. Ich hatte mit einem solchen Aroma, aber nicht wirklich mit Nüssen in meinem Kaffee gerechnet. Aber was soll’s, es war ungewöhnlich für mich, aber ich mag Pinienkerne. Das Sandwich war ebenfalls gut. Super Laden, super Kaffee, super Service. Da muss ich unbedingt noch wenigstens einmal während meines Aufenthaltes hier hin.

Hotel Ukraine

Hotel Ukraine – für heute reicht’s.

Etwas versöhnlicher gestimmt überquerte ich die Straße und war wieder beim Hotel. Dennoch – ich wollte eigentlich nur noch lesen und/oder schlafen, abends was essen und Blog schreiben. Ich surfte noch ein wenig im Netz und haute mich dann auf’s Ohr bis ca. 18.30 Uhr.

Ich fand, dass es noch ein wenig früh zum Abendessen war und ging wieder in eine Wi-Fi-Zone, las ein paar Artikel auf NOZ.de, checkte Mails und so weiter. Dann ging ich ins „Santorini“, das ist der Grieche hier direkt beim Hotel, wo ich schon am ersten Abend gegessen habe. Ich bestellte Souvlaki, vergass allerdings, noch seperat Fritten zu ordern. Hm, hauptsache Fleisch – mit ein wenig Salatdeko und etwas Brot. Nach der Empfehlung einer Freundin, gegen das Alleinesein bei Mahlzeiten etwas zu lesen mitzunehmen, hatte ich mein „Irgendwer-hackt-das-europäische-Stromnetz-und-legt-ganz-Europa-lahm“-Buch dabei. Ist wirklich sehr, sehr spannend, aber auch gruselig, weil man sich unweigerlich fragt, ob das Szenario wirklich so weit weg von der Wirklichkeit liegt. Man gut, dass ich noch nicht so weit gelesen hatte, als in Odessa der Strom ausfiel. Insbesondere, wenn man gerade unterwegs in einem fremden Land ist und sich dabei denkt, wenn das genau jetzt passierte, käme ich vielleicht nie wieder nachhause… Ich verleihe das Werk gerne, wenn ich es durchhabe, aber ich sollte mir noch genug davon für die Zugfahrt und die Wartezeit zwischen Ankunft und Einchecken ins Hotel in Odessa aufbewahren. Auch, wenn ich noch ein zweites Buch dabeihabe.

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Ich überlegte, nach dem Souvlaki noch Apple Pie mit Vanilla Icecream zu ordern, weil es so schön warm und gemütlich, das Buch spannend und die Hintergrundmusik (Sadé) angenehm war. Aber ich beließ es bei einem abschließenden Cappuccino, blieb aber noch dementsprechend ein paar Seiten. Danach ging ich, obwohl ich meine Biervorräte bereits ergänzt hatte, noch in den Markt meines Vertrauens, weil meine Wasservorräte hingegen schon sehr übersichtlich geworden waren. Leitungswasser ist hier lt. Auswärtigem Amt kein Trinkwasser. Danach also ins Hotel, Blog schreiben und Feierabend.

Bis bald!

Nachtrag:
Also, beim Lesen im Buch beim Griechen fand ich die zwei Bahntickets, die als Lesezeichen darin lagen. Zwei Bahntickets. Ich habe mich immer schon vage gefragt, wozu das zweite wäre. Aber wie meine Töffeligkeit und „just-in-time“-Management nun mal so wirkt, mir fiel das zweite Ticket erst jetzt wieder in die Hände. Ich beschaute es mir genauer und kapierte, dass mir die Dame am Schalter in Odessa zwar nicht die Fahrt von Odessa ganz bis Sewastopol, sondern nur bis Simferopol verkauft hatte, aber immerhin ein Rückfahrticket von Dschankoj nach Odessa am 8.10. ab 18:45, Ankunft Odessa 04:40 Uhr. Ich muss mich also nur um das Ticket nach Dschankoj kümmern, und das mache ich morgen, also nicht erst am Abfahrtstag.

Nachtrag 2:
Als ich hier saß, um die Bilder und den Text zu veröffentlichen, erschienen wieder die beiden Matruschkas von gestern, um sich hier eine Flasche Rosé einzufädeln. Meine Anwesenheit schien sie nicht zu stören, was auch absolut okay für mich ist – so rum. Ich hatte mir auch ein AbBiBCbKE 1715 mitgebracht und stieß mit ihnen an. Bud’ymor!

Nachtrag 3:
Es ist mittlerweile 01:35 Uhr Ortszeit. Die Matruschkas waren zwischendurch verschwunden. Nun sind sie wieder da, mit einer neuen Flasche Wein, die sie sich offenbar zwischenzeitlich noch besorgt habe. Sie kamen nämlich offenbar von draußen.

Nachtrag 4:
02:57 Uhr Ortszeit. Meine Matruschka haben mittlerweile ihre dritte Flasche Weine zu 66% geschafft. Ich habe inzwischen die Wikipedia-Artikel über Swastopol, den Krim-Krieg und den U-Boot-Bunker in Balaklawa sowie den aktuellen Blog-Eintrag meines Neffen gelesen. Die Mädels schaffen mich. Ich bin reif fürs Bett…

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Marschflugkörper, Streunertiere, und die Senioren-Playback-Show

Puh, ich bin schon wieder ein wenig platt. Da ich zwischendurch mein Schlaufon aus hatte, habe ich kein präzises GPS-Tracking vom Tag, aber ich denke, ich hab so 14 km unter die Füße genommen.

Ich wurde aus dem schönsten Schlaf durch ein Klopfen an die Tür geweckt. Eine Dame vom Hotelpersonal machte mich darauf aufmerksam, dass mein „Do not disturb / Please make up my room“ Anhänger runtergefallen sei. Na, herzlichen Dank, Werteste! Ich verstehe die Ukrainer nicht…

Gut, das hatte einen Vorteil, es war 9.10 Uhr. Ich hätte sicherlich noch weiterpennen können, aber ich beschloss, das inklusive Frühstück zu nutzen. Also Duschen und so weiter, und ab zum Frühstück. Ich hatte nicht viel erwartet und war ein bisschen positiv überrascht. In der Buchung stand „continental breakfast“ und ich weiß, was das in den USA bedeutet. Gut, so doll war das auch nicht, aber es gab neben zwei Sorten Brot, Wurst und Käse und russischen Eiern (hihi) noch Reis (zum Frühstück?), zwei Sorten Salat und Porridge (so eine Grütze aber auch). Wie auch immer, ich frühstückte kurz vor knapp und war dann fertig, mich auf die Socken zu machen.

Gedenkstätte mit Nelken

Eine von so vielen Kriegsgedenkstätten hier in Sewastopol. Gerade hat eine Gruppe Leute, darunter viele Marinesoldaten, einen Haufen Nelken hier hinterlegt.

Der Plan: So lange die Küste erkunden, bis ich irgendwo an eine Stelle käme, wo die Wasserkante dann nicht mehr aus Beton bestünde. Das Hotel ist in der Nähe der einer Bucht, die unter Google Maps als „Pivdenna bay“ bezeichnet wird. Ich hatte gestern schon eine Treppe nach unten in Richung Wasser gesehen. Oben allerdings war eine Gedenkstätte, an der gerade eine Gruppe Leute, überwiegend Marine-Typen in Ausgeh-Uniform, diverse Nelken niederlegte. Ich verweilte einen Moment.

Straycat

Ein noch ganz kleine Streunerkatze, die sich vor mir versteckt hat.

Dann ging ich die Treppe hinunter und entdeckte schnell erste Anzeichen von Schwarzmeerflotte. Es gab sogar rot-weiß-blaue Kräne. Außerdem ein großes Trockendock, zwei große Sanitätsschiffe, einen Seenotrettungskreuzer und auch ein paar bewaffnete Einheiten. Genauer mag ich das aber nicht beschreiben, und Fotos kann ich auch nicht anbieten. Ich habe auf der Seite des Auswärtigen Amtes gelesen, dass die Ukraine es gar nicht gerne sieht, wenn man militärische Einrichtungen fotografiert. Auf Wikipedia kann allerdings jeder lesen, dass die Schwarzmeerflotte unter anderem aus zwei Dieselelektrischen U-Booten und einem Haufen unterschiedlich großer „Raketenschiffe“ besteht. Der Westen bezeichnet sowas als „Lenkwaffen-Kreuzer, -Zerstörer oder -Fregatte“ oder auch als „Flugkörper-Schnellboot“. Wie auch immer, einige der Teile lagen hier rum, aber eher kleinere Einheiten.

Raketenschiff

Ein solches Schiff (NATO-Bezeichnung Slawa-Klasse) gehört auch zur Schwarzmeerflotte. Mit seinen 8 Doppelstartern für SS-N-12 „Sandbox“-Flugkörpern (unter anderem) kann das Schiff mächtig austeilen. Aufgenommen im Marine-Museum.

Ich ging ein wenig am Wasser entlang, mit einem etwas mulmigen Gefühl, weil ich mir nicht sicher war, wo ich mich womöglich aufhalten durfte und wo nicht. Es gab immer mal verblichene Schilder mit für mich unleserlichen Aufschriften, aber wenn Türen und Tore offen waren, dann ging ich auch durch. Denn mal ehrlich, bei einem ernsthaften, militärischem Sperrgebiet wird man ggf. von einem Posten kontrolliert und kann gar nicht überall einfach durchspazieren. Ich hatte immer ein Auge auf die Leute, die ich vor oder auf den Schiffen sah, um beim geringsten Anzeichen von Widerspruch sofort eine defensive Haltung einnehmen zu können. Aber es war wohl alles okay soweit.

Sackgasse

Eine Sackgasse, hier geht es nicht weiter. Offenbar beginnt hier ein militärischer Sperrbezirk, wenn auch recht unscheinbar.

Allerdings stieß ich dann irgendwann doch auf ein Tor, auf dem auch per Piktogramm klar wurde, dass hier der Eingang nicht gestattet war. Sackgasse! Also wieder ein Stück zurück, die nächste Treppe hoch, und oben weiter in Richtung offenes Meer die Küstenstraße entlang. Oben angekommen ging ich dann durch ein Arrangement aus Ankern und Seeminen hindurch. Wie einladend! Ich stand neben einem dieser Gebäude mit griechischen Säulen, von denen es hier so viele gibt. Neben dem Gebäude, quasi „im Garten“, erspähte ich mehrere offensichtlich nicht betriebsbereite Lenkflugkörper, aber auch sehr alte Kanonenrohre und Ähnliches.

Minen und Anker

Minen und Anker

Das Gebäude war ein Marinemuseum. Ich bezahlte 25 Ocken Eintritt plus weitere 15 für die Genehmigung, Fotos machen zu dürfen. Die Ausstellung war chronologisch aufgebaut und begann im Zeitalter der großen Segelschiffe. Ausgestellt waren neben einige alten Geschützrohren viele schöne Schiffsmodelle, Navigationsmittel, persönliche Waffen und anderer Besitz, Karten und viele Büsten und Statuen, vermutlich von Berühmtheiten der russischen Seekriegsgeschichte. Aber neben dieser standen offenbar (die Aufschriften waren nicht auf Englisch verfügbar) viele persönliche Seemann-Schicksale im Vordergrund. Es gab viele Fotos und Briefe zu sehen, offenbar nicht nur von großen Persönlichkeiten, sondern auch von niedrigeren Dienstgraden – und zum Teil auch von deren Frauen. Dieser Stil zog sich auch durch den Rest der Ausstellung. Im nächsten Raum hatte die Dampfmaschine Einzug gehalten, und es gab Modelle von Dampfschiffen mit Hilfsbesegelung (oder umgekehrt) zu sehen. Darauf folgte der erste Weltkrieg und entsprechende Exponate. Im oberen Stockwerk schließlich waren Exponate zur Zeit zwischen den Kriegen und zur Zeit des 2. Weltkrieges zu sehen.

Leninvase

Hm… würde sich auch in meinem Wohnzimmer gut machen. Aber ich hab sie stehengelassen, das könnte sonst auf dem Flughafen zu schwierigen Fragen führen.

Dann gab es noch das kleine Außengelände, hier waren wie gesagt, einige Lenkflugkörper ausgestellt. Das größte Geschoss machte auf mich einen recht modernen Eindruck (was aber auch 60er-Jahre bedeuten kann). Es handelte sich um ein Turbofan-getriebenen Flugkörper (man könnte durch die Austrittsdüse die Turbine erkennen, außerdem gab es einen großen Lufteinlass), der für die Startphase zusätzlich zwei Boosterraketen an der Seite hatte. Die Stummelflügel des Marschflugkörpers waren abgeklappt. Es gab weitere Flugkörper, einer davon schien mir in etwa die Entsprechung des amerikanischen „Regulus“-Marschflugkörpers zu sein, ein russischer Marschflugkörper der 1. Generation.

Marschflugkörper

Dieser Marschflugkörper sieht mir stark nach dem russischen Pendant des amerikanischen „Regulus“-Geschosses aus. Diese Dinger waren meines Wissens die ersten, nuklear bewaffneten Flugkörper, die von U-Booten aus abgeschossen werden konnten. Die Russen hatten bald was ganz Ähnliches.

Außerdem gab es hier noch alte Kanonenrohre, Anker und Flugabwehrgeschütze zu sehen. Hier schlich auch eine junge Dame herum, die mir auch ganz interessiert schien und eifrig Fotos machte – offenbar nicht der gelangweilte Anhang eines Marineenthusiasten. Ich hatte vage mit dem Gedanken gespielt, sie anzuquatschen, aber – warum auch immer – ließ ich es. Die wäre nach einer ehemaligen Tanzkollegin die erste Frau, die ich kenne, die sich für soetwas interessiert.

Lenkflugkörper

Lenkflugkörper, links ein Marschflugkörper mit Turbojet-Antrieb.

Nun, weiter ging es, immer Richtung Norden, an der Küste entlang. Zuerst sah ich eine riesige Gedenkstätte, deren Gestaltung irgendwie typisch sovietisch war, jedenfalls wenn ich die Bilder, die ich aus Geschichtsbüchern kenne, zugrunde lege. Es gabe endlose Tafeln mit Namen, und einzelne Anordnungen für, wie mir schien, die verschiedenen Waffengattungen. Außerdem waren dort die Jahreszahlen 1941 – 1942 zu lesen, dieselben Jahre spielten auch schon im Museum eine Rolle. Ich bin ich Geschichte nicht bewandert genug, um damit etwas anfangen zu könnten, und die Texte konnte ich ja nicht lesen – aber es ging auf jeden Fall natürlich um den Krieg gegen die Deutsche Wehrmacht. Soviele Namen… soviele verlorene Söhne, Ehemänner, Freunde. Und es passiert immer noch und immer wieder.

Kriegsgedenkstätte

Große Kriegsgedenkstätte. Die martialische, sehr kantige Darstellung rechts oben dran erinnert mich sehr an Bilder über die Sovietunion aus Geschichtsbüchern.

Wie schön wäre es, wenn man alle Kriegswaffen einfach in Museen stellen könnte. Idioten wie ich mit einem Interesse für den Schrott könnten sich alles ansehen, und niemand käme mehr zu Schaden. Aber ob bei den Amis oder bei den Russen – und wahrscheinlich überall – wird der Krieg auf eine Art und Weise leider immer noch zelebriert im Sinne von Heldentum und Männlichkeit. Bescheuert. Ich sah dann noch zwei aktive Marinesoldaten, die ihre Mützen abnahmen und eine Weile innehielten. Ob sie wohl hofften, nicht als Name auf einer Tafel zu enden? Oder gar das Gegenteil?

Kreuzfahrtschiff "Minerva"

Na, gibt es auch hier in Sewastopol ein „Kreuzfahrtschiff des Tages“? Hier die 133m lange „Minerva“ der Arctic Adventure and Cruise Shipping Ltd.

Ich ging weiter und gelangte an so eine typische Touri-Meile mit Souvenir-Shops und Außengastronomie ohne Ende. Natürlich war jetzt, außerhalb der Saison, hier nicht viel los. Ich bummelte da durch, machte Fotos von der Küste, erstand eine überteuerte Flasche Wasser (was bedeutet, umgerechnet knapp 1 Euro) und zog weiter. Ich überlegte, ob ich nicht irgendwo mittagessen sollte, aber ich war unschlüssig und hatte keine rechte Lust. Ich hatte noch einen Apfel und einen Müsliriegel und war irgendwie gerade so gut unterwegs. Die Entfernungen waren kleiner, als ich sie nach der Bikecomputer-Karte eingeschätzt hatte. Also lieber weiter, immer weiter, bis vielleicht mal irgendwann der Beton zuende ist.

Maritime Kulisse

Maritime Kulisse

Irgendwann kam ich direkt am Wasser nicht mehr weiter, also ein Blick auf die digitale Karte, und Kurs ein wenig landeinwärts. Und dann wieder in Richtung Wasser. Dabei kam ich an ein paar recht verfallenen Gebäuden vorbei, mit Mauern und Stacheldraht und Schildern, die nach „Alles verboten!“ aussahen. Und einem Tor mit einem Emblem, auf dem die Flagge der russischen Kriegsmarine (blaues Kreuz auf weißem Grund) mit einem Anker und zwei gekreuzten Raketen zu sehen war. Tja, offenbar eine Einrichtung, die mit den Raketenbestückten Einheiten zu tun hatte. Bloß weiter…

Küste mit Skulptur

Endlich! Ein Stück (fast) unberührter Küste – Wasserkante ohne Beton. Aber was ist das da oben halblinks?

Und dann hatte ich mein Ziel erreicht: Endlich mal ein Stück Felsenküste ohne Beton. Ich konnte mir die schroffen Kanten ansehen, wo das Wasser schon reichlich an der Küste genagt hatte, die Brandung begucken, lehmigen Schleichpfaden folgen und über Steine klettern. Oben sah ich eine imposante, riesige und auch ein bisschen furchteinflößende Skulptur. Es waren zwei riesige Soldaten, einer sah nach Heer, der andere nach Marine aus, die mit ihren Waffen und grimmiger Miene Richtung Meer stürmten. Nun, das Bild sagt ja alles.

Soldatenskulptur

Leider sieht man wegen der Lichtverhältnisse nur die Konturen der Soldatenskulput, aber es sieht bedrohlich genug aus. Schiffe, die sich Sewastopol nähern, können das kaum übersehen. Da bekommt man schon Angst vor den Russen, aber das ist wahrscheinlich auch die Absicht gewesen.

Ich kletterte da hoch und machte meine Fotos. Ein paar Jugendliche hatten aus Spaß den Sockel erklommen, auf dem die Skulptur stand. Auch ich spielte kurz mit dem Gesanken, aber ich wollte da nicht stören. Von dem Standort hatte man einen ganz guten Blick auf das Meer und Teile der Stadt. Ich habe es noch nicht erwähnt, aber die Stadt ist recht hügelig, weshalb man von diesen Anhöhen aus teilweise einen ganz guten Blick hat.

Felsenküste

Felsenküste

Gut, ich hatte mein Stück naturbelassene Küste gesehen und auch sonst so einiges. Also mal Zeit für den Rückweg, wie ich befand. Auf meinem Weg über Lehmpfade begegneten mir drei bellende Hunde, von denen ich nicht sicher war, ob sie irgendwem gehörten oder Streuner waren. Allzu angriffslustig waren die aber zum Glück nicht. Ich hatte in Odessa auf Spiegel-TV so einen Beitrag über teilweise gefährliche, streunende Hunde in, ich glaube, Rumänien, gesehen. Und auch sowohl in Odessa als auch hier so einige Tiere, die ohne menschliche Begleitung unterwegs waren. Katzen gab es auch wieder in allen Farben, nicht so viele wie in Israel, aber schon so einige. Die finde ich ja eigentlich immer eher ganz nett. Ich mag Katzen. Ich mag eigentlich auch Hunde, aber im Zweifelsfalle finde ich Katzen weniger bedrohlich.

Ich stieß wieder auf eine befestigte, naja, sagen wir mal in Ermangelung eines besseren Wortes, Straße und folgte der digitalen Karte. Und dachte gerade darüber nach, dass bisher alle Hunde, denen ich begegnet war, recht friedlich gewesen waren. Und da stürmten dann just zwei Schäferhundformatige Viecher bellend und mit sehr vielen Zähnen bewehrten Mäulern auf mich los. Da war allerdings ein Mann in der Nähe – keine Ahnung, ob der mit den Hunden zu tun hatte. Glücklicherweise habe ich zwar gebührenden Respekt, aber nicht übermäßig viel Angst vor Hunden. Weglaufen ist nämlich in so einer Situation nach dem, was ich weiß, keine so gute Idee. Ich weiß, dass ich größer und stärker bin als so ein Vieh. Und dass ich im ZWeifel so einem Tier auch weh tun kann – ein kräftiger Stoß mit dem Handballen auf die empfindliche Nase eines Hundes lässt normalerweise mindestens jeden Angriffswillen erlahmen. Aber so weit muss es ja nicht kommen. Ich legte langsam den Rückwärtsgang ein und ließ die Viecher nicht darüber im Unklaren, was ich von ihrem Verhalten hielt. Vermutlich verstanden die nur Russisch oder Ukrainisch, aber entscheidend ist da der Tonfall, der ist international. Jedenfalls blieben die Viecher auf Distanz und verzogen sich wieder, als ich mich langsam entfernte. Uff, nochmal gut gegangen. Katzen sind mir doch lieber.

Also ging ich einen anderen Weg und stieß wieder auf die Straße, die ich schon auf dem Hinweg zum Wasser genommen hatte. Ih hatte übrigens im Marinemuseum mein Handy ausgeschaltet, daher war das GPS-Tracking bis dahin gelöscht, und so auch meine digitalen Brotkrumen zum Hotel. Aber ich hatte ja die digitale Karte und wusste ungefähr, wo da das Hotel war. Ich bin eine absolute Navigations-Niete, aber mit den heutigen Hilfsmitteln komme sogar ich zurecht. Also wandelte ich auf immer urbaner werdenden Betonpfaden wieder Richung Innenstadt, erreichte eine Hauptstraße, bog noch einmal ab, und dann kam mir die Gegend schon wieder vom vergangenen Abend her bekannt vor.

Und richtig: Apotheken, Bierverkaufsstellen und Stripclubs überall. Ich erreichte den kleinen Markt, wo ich schon am Vortag eingekauft hatte und kaufte dort Bier und Gebäck. Danach machte ich mich auf den Weg ins Hotel, welches ich kurz vor 17 Uhr Ortszeit (eine Stunde später als Deutschland) erreichte.

Hotel Ukraine

Hotel Ukraine – für heute reicht’s.

Ich erklomm die Stufen bis zum fünften Stock (den Aufzug benutze ich nur, wenn ich meine quietschorangene Hartschale bei mir habe) und merkte die vielleicht so 14 km im Fahrwerk. Mist, ich werde alt. Es war noch viel zu früh zum Abendessen. Aber ich hatte ja noch den Blogeintrag des Vorabends zu schreiben, was ich dann auch tat. Ich tippte das Ding im Zimmer und ging dann zur Sitzecke beim Treppenhaus, wo ich WLAN nutzen konnte. Hier konnte ich den Text hochladen und Bilder hinzufügen. Ich checkte noch meine E-Mails und las ein paar Artikel auf NOZ.de.

Schließlich war es fast 19 Uhr, Zeit zum Abendessen. Ich hatte erwogen, den Pizzaladen in der Nähe aufzusuchen, beschloss aber, ins Restaurant des Hotels zu gehen. Keine so richtig gute Idee, wie sich herausstellte. Alle Tische bis auf einen waren besetzt, also nahm ich den Tisch. Ich habe zu spät realisiert, dass dieser fast unmittelbar vor den Lautsprechern eines älteren Zeitgenossens stand, der Musik von seinem Laptop abspielte und dazu sang. Und das LAUT. Bevor ich – und da bekenne ich meine Entscheidungsschwäche im richtigen Moment – mich absetzen konnte, hatte ich schon Bier und Pasta mit Lachs bestellt. Und da saß ich nun mitten im Beschallungskorridor. Zugegeben, der Mann konnte in der Tat singen, soviel bekam ich mit. Die Musik war tanzbar, vorausgesetzt, man war deutlich Ü-50 und Russe oder Ukrainer. Und so fand sich auch bald ein erstes Paar auf der „Tanzfläche“ zwischen meinem Tisch und dem Rest des Restaurantes ein. Weitere folgten, bis es sechs Paare waren. Andere Gäste verließen das Lokal, allerdings nicht, ohne dem Beschaller noch Komplimente und Geldscheine zuzustecken. Ich fürchtete derweil arg um mein Gehör.

Als meine Pasta kam, war allerdings ein Tisch etwas weiter weg freigeworden, und folgte nur zu gerne der Empfehlung der Bedienung, diesen zu wählen. Es war immer noch laut. Während ich meine Tagliatelle verzehrte, beobachtete ich die ausgelassenen, älteren Paare auf der Tanzfläche (ehrlich gesagt, ein bisschen neidisch – ich wäre auch gerne ausgelassen und in Gesellschaft). Als die Musik dann schneller wurde, begannen die Leute, regelrecht abzuhotten. Ich sah nur zu, dass ich meine Nudeln aufaß, mein Bier austrank, die Rechnung bezahle und Land gewann.

Tja, und das war dann auch schon mein Tag hier. Jetzt ist es viertel nach elf abends, und ich bin schon wieder recht müde. Also Fotos zum Text aussuchen, und ab mit dem Kram ins Netz – natürlich nicht vom Zimmer aus.

Bis bald!

Nachtrag:
Mann, war das nervig! Unten an meinem Stamm-Blog-Platz saßen zwei Matruschkas beim Weißwein. Da wollte ich nicht stören. Jetzt habe ich tatsächlich über eine Stunde auf der blöden Treppe gehockt, Bilder hochgeladen, beschriftet und den ganzen Kram fertiggemacht. Menno!

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Kaffee, Bier, Aspirin und blinkende Herzen

Okay, angekommen. (Übrigens schreibe ich gerade mit einem Tag Versatz, ich habe die Bahnfahrt-Lücke noch nicht wieder aufgefangen.) Hm, ich hatte doch ein Zimmer bestellt, keine Wohnung, war mein erster Eindruck. Das Zimmer ist echt groß und hat sozusagen eine kleine Fernsehecke. Leider auch einen kleinen Fernseher, noch ne Röhre. Muss ich M1 halt im Briefmarkenformat gucken. Dafür gibt es Regale mit Zierat an den Wänden und so. Dafür sind Dinge, auf die es eher ankommt, zu klein oder nicht da. Wie schon erwähnt, es gibt kein WLAN auf dem Zimmer. Und was ich auch vermisse, ist etwas ganz simples: Ein Mülleimer. Ich habe einen kleinen Balkon, der einen wenig vertrauenserweckenden Eindruck macht. Der Blick (aus dem 5. Stockwerk übrigens) ist nicht besonders schön, aber: Strenggenommen habe ich sogar Meerblick, denn weit weg sieht man ein Eckchen Schwarzes Meer. Achja, first world problems.

Blick aus dem Hotelzimmer in Sewastopol

Blick aus dem Hotelzimmer in Sewastopol

Was nun? Ich war doch ein wenig platt von der Reise und hatte eigentlich keine Lust, noch etwas zu unternehmen. Aber es war nach meinem Geschmack einfach noch zu früh, ins Bett zu gehen. Aber nicht mehr zu früh zum Abendessen. Ich hatte mich seit dem Vortag ausschließlich von Wasser und Müsli- und Schokoriegeln ernährt und war scharf auf eine anständige Mahlzeit. Also raus aus der Hütte.

Russisches Theater

Russisches Theater

In umittelbarer Nähe des Hotels gibt es ein recht imposantes Gebäude, auf dem die russische Fahne weht. Es entpuppte sich als Theater. Direkt nebenan gab es eine Hütte mit bunten Leuchtreklamen. Bildern war zu entnehmen, dass man dort Bier und Fastfood bekäme. Allerdings gab es da hinter einer anderen Tür auch noch ein Etablissement zu Befriedigung anderer Bedürfnisse, für das mit blinkenden Leuchtherzen geworben wurde. Ich nahm dann doch die andere Tür und musste feststellen, dass offenbar kein Betrieb stattfand, dort wurde irgendwie aufgeräumt oder was auch immer, ich empfahl mich.

Burger und Sex

Burger und Sex

In der Nähe gab es dann noch eine Pizzaria, aber Pizza hatte ich am Vortag erst gegessen. Ansonsten… nicht viel los. In einem Mini-Markt stockte ich meine Biervorräte auf. Überhaupt, Bier kriegt man überall und immer. Das macht die Ukraine auch wieder sympathisch. Ich habe mich inzwischen auf AbBiBCbKe 1715 eingeschossen. Dann zog ich noch etwas weiter, und vielleicht wäre die eine oder andere Bar oder Café für etwas zu essen infrage gekommen, in ein paar Läden schaute ich kurz rein, aber irgendwie sagte mir das alles nicht so zu. Wie gesagt,Bier gibt es überall, außerdem total viele Apotheken und Strip-Clubs. Und Kaffeeläden. Inzwischen ist mir die Idee gekommen, dass dieser Mix genau das ist, was die Russen hier brauchen. Die haben ja sich ja für 120 Millionen Dollar im Jahr hier einen Parkplatz für ihre Schwarzmeerflotte bei der Ukraine gemietet. Daher gibt es hier viel russisches Marinepersonal, ich habe auch gelesen, dass die Russen hier deswegen auch noch eine Menge Einfluss haben. Die Stadt legt, wie ich gelesen habe, viel Wert darauf, es sich mit den Russen nicht zu verderben, denn die sind natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor, nicht nur wegen der Kohle für den Parkplatz. Das Marinepersonal bringt sicherlich auch einiges an Geld in die Stadt.

Schön und gut, auf die Schnelle fand ich in der Nähe kein Restaurant, also entschied ich mich, im Hotel zu essen. Auf dem Rückweg stellte ich fest, dass unmittelbar vor dem Hotel ein griechisches Restaurant stand. Ich hatte das von der anderen Seite gar nicht wahrgenommen. Also rein da. Ich bestellte Lammkotelettes und Pommes und ein Stella-Bier dazu. Nach der Mahlzeit wollte ich gerne noch einen Ouzo. „You want to try Ouzo?“, fragte mich die gut Englisch sprechende Dame vom Stab. „Erm, actually I am familiar with Ouzo…“, antwortete ich. Dann stellte sich heraus: Sie hatten keinen! Skandal! Ich ließ mir dann, der Empfehlung der Dame folgend, einen anderen Drink bringen, irgendein Wodka mit Traubenaroma oder sowas ähnliches. Bud’mor, äh, ya-mas!

Danach ging ich ins Hotel zurück. Glotze an (es lief irgendein Film mit Katherine Heigl, in der sie eine Kopfgeldjägerin spielt, tatsälich mal ukrainisch synchronisiert, nicht nur einfach übersprochen), Blog schreiben. Nachdem ich den Eintrag über die Bahnfahrt geschrieben hatte, musste ich noch zur Sitzeecke außerhalb des Zimmers (jede Etage hat dafür einen eigenen Router), um den Text hochzuladen und Bilder hinzuzufügen. Da packte mich aber wirklich so richtig die Müdigkeit,deswegen habe ich mir mit den Streckenscreenshots auch nicht mehr so viel Mühe gegeben, ich musste dringend ins Bett. Ich war dann auch weg, sobald ich die Matratze berührte.

Bis bald!

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